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Für Woodstock war ich
noch zu jung. Jimmy Hendrix habe ich immerhin erlebt im Hallenstadion in
Zürich, auch Joe Cocker and the Animals. In einer Zeit, als dies noch als
aufmüpfig galt, hatte ich als Jugendlicher eine Pilzkopffrisur wie die
Beatles. Doch ich war an den Opernhauskrawallen nicht dabei, und ich war
nie mit einem VW-Bus auf Reisen.
Ich
wurde ein ordentlicher Mensch. Studierte, heiratete, hatte Kinder, machte
etwas Karriere, baute ein Haus, zahlte Steuern und liess mich dann auch
scheiden. Stinknormal, absolut in Ordnung.
Und irgendwie war mir stets bewusst, was mir heute klar ist: dass ich viel
verpasst habe. Ich tat vieles, was ich gar nicht wollte, und ich
unterliess vieles, das ich eigentlich wollte.
Doch nun bin ich alt. Alt ist man, sobald man nicht mehr die Jahre zählt,
die hinter einem liegen, sondern den Blick auf die möglicherweise,
hoffentlich oder vielleicht noch verbleibenden richtet. Und dann sieht
plötzlich alles anders aus.
Ja, ich versuche etwas nachzuholen von dem ich glaube, dass ich es früher
hätte tun sollen: mein Leben so zu führen, wie es mir entspricht. Dazu
musste und muss ich noch heute lernen herauszufinden, was ich wirklich
will. Und es dann auch verwirklichen, leben, und feststellen, dass es
anders ist, als ich es mir eigentlich vorgestellt habe.
Neues kennen lernen, die eigenen Grenzen ausloten; gleichzeitig die innere
Ruhe suchen, das Gleichgewicht. Das ist das Spannungsfeld, in welchem ich
heute mich selbst erlebe. Ich wurde ruhiger und ausgeglichener, doch ich
glaube nicht, dass ich glücklicher wurde.
Bin ich ganz einfach auf einem neuen Irrweg? Ich weiss es nicht. Aber
eines ist sicher: ich bin unterweX.
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Dominik verstarb am Pfingstsonntag, 4. Juni 2006
Als
ich diese Sätze lass, nachdem Dominik „nach Hause“ gegangen war und nach
langer Zeit wieder einmal, dachte ich, er hat es gewusst, irgendwie...
und er hat sich, trotz seinen Worten, selber gut gekannt...
Auch Dominik war ein Suchender. Ich wusste das lange nicht oder hab
es nicht wirklich erkannt. Dominik war auf der Suche nach sich selbst
und nach der Liebe für sich selbst.
Und er hat sich und diese umfassende Liebe gefunden. Ich hätte es ihm
und mir und vielen anderen gerne gegönnt, dass er das, was er gefunden
hat, noch lange hätte leben und weitergeben können. Doch es sollte nicht
so sein. Vielleicht spart er sich all seine Entdeckungen und
Erkenntnisse für ein anderes Neues Leben auf!? Wer weiss!
Alle jene, die ihn noch sahen in seinen letzten Tagen und Wochen in
Brunnen, haben wohl feststellen können, dass Dominik den Blick nach
innen gewandt hat und dort das gefunden hat, wovon wir alle im Grunde
träumen: nämlich Stille und Frieden. Er hat es zudem fertig gebracht,
diese Welt mit einigen, die, teilweise schicksalsgefügt, teilweise
hergebeten, Zeit fanden und Willens waren, hinzuhören in die Stille und
hinzusehen in sein und ihr Herz.
Nicht immer war dieser Frieden und diese Stille da. Es gab ganz
elende Zeiten, mit viel Schmerz, mit Nichtakzeptieren, mit
Nichtbegreifen. Aber irgendwann, Schritt für Schritt fand er dorthin,
wohin es uns alle zieht. Und jetzt ist er definitiv dort in dieser Welt.
Wenn auch für mich immer noch unwirklich, weil so endgültig. Und hier
drin liegt wohl ein Irrtum. Nichts ist endgültig - Alles ist in einem
ewigen Kreislauf, getragen vom Seelentanz: das Wasser, die Blumen, Tiere
und wir Menschen. Wir kommen und gehen, kommen wieder und gehen wieder.
Nur vergessen wir dies im Laufe des Lebens und hängen unser Herz an
Jahre, die wir zählen und bilanzieren. Wenn wir uns doch nur bewusst
wären, dass alles, jenseits des Materiellen, jenes mit grosser Tiefe und
grenzenloser Liebe ewig Bestand hat, so würden wir wohl etwas von der
Ewigkeit verstehen.
Dominik hat die letzten sieben Monate so intensiv gelebt wie wohl nie
in seinem Leben. Und dies ohne in der Weltgeschichte rumzureisen und
ohne die Gipfel der Berge mit seinem Gleitschirmflügel zu kratzen. Er
lebte sie im Kontakt mit den Menschen, mit dem Blick nach innen und mit
vielen vielen Fragen. Er versuchte immer wieder im Moment zu sein, das
Jetzt bewusst zu erleben. Und es gelang ihm immer besser.
Dass er in seiner Todesstunde sagen konnte: ich lasse jetzt los und
sich bei seinen Söhnen bedankte, dass sie gekommen sind, das sagt,
meiner Meinung nach, mehr aus als tausend meiner Sätze!!
Dominik war nicht perfekt, bzw. er war es auf einer Leistungsebene
sehr wohl, und auf der seelischen Ebene sowieso. Doch als Mensch hatte
er, wie wir alle, seine Ecken und Kanten, seine Glanzstellen und seine
Verletzungen. Es dauerte einige Zeit, bis erst ich und dann auch er,
erkannten, dass er auf der Suche nach der grossen und umfassenden Liebe
war. Dominik suchte sich für dieses Leben eine schwierige Aufgabe aus,
die er aber, so denke ich, in seinen letzten Tagen ganz ausserordentlich
meisterte.
Das wundervolle an der tragischen Geschichte Dominiks ist, dass wir
alle, die wir teilhaben durften, von dieser Liebe und seinem Weg lernen
durften. Allen voran wohl ich selbst. Meine Liebe zu Dominik wuchs mit
seiner Krankheitsgeschichte, wuchs und wurde grenzenlos. Heute weiss
ich, was Liebe ist, ich habe sie, dank Dominik, erfahren, auch wenn ich
sie nicht definieren kann oder mag. Aber sie ist mir begegnet und ich
weiss, dass auch Dominik diese Liebe gefunden hat.
Dominik, ich danke dir, für all das, was du mir und uns allen gegeben
hast. Es war endlich viel!
Du wirst in unseren Herzen auf ewig weiterleben und uns immer an die
Werte des inneren FRIEDENS, der LIEBE und der STILLE erinnern.
Du hilfst uns, den Blick nach innen zu richten und uns der
Vergänglichkeit allen Irdischem und Materiellem bewusst zu sein.
Dominik, ich liebe dich und ich wünsche dir weiterhin den tiefen
Frieden, den du in der Stille gefunden hast!
Dominiks
Asche wurde auf dem Zugerberg, unter der Hochwacht-Linde, welche
zuoberst auf dem Hügel hinter dem Startplatz steht, verstreut.
Von dort geniesst man einen 360° Rundblick. Bei guter Sicht sieht
man die höchsten Spitzen des Jura, einen grossen Teil der Alpenkette
inkl. Eiger, Mönch und Jungfrau, man blickt auf das Zugerland, in's
idyllische Ägerital und der Startplatz liegt einem quasi vor Füssen.


Du bist göttlich, ein grossartiges Wesen,
das ein Spiel spielt, um ein Gefühl zu erfahren.
Und wenn du in deinem Körper
und in dieser Art der Gefangenschaft müde bist,
dann wirst du das Selbst erfüllen
und auf den Rücken des Windes steigen
und von diesem Ort an einen anderen Ort weggehen - einfach so!
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