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07. September 2011
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Angekommen
Viele Wege bin ich gegangen
Habe einige Kämpfe ausgefochten
Soviel Energie investiert!
Und hab doch nie das Ziel erreicht

Suchend, rennend
Ausser Atem – keine Zeit
Wo und was ist das Nächste?
Wer hat die Antworten?

Gesucht und gefragt
Geweint und geschrien
Nichts wirklich verstanden und
Mich auf ewig im Kreis gedreht

Der erhellende Lichtschein ging weit voraus
Leuchtete Höhlen und Schatten hell aus
Doch blieben immer noch Berge
Berge von mir selbst – mir selbst im Wege

Nun, da ich angekommen
Weiss ich, dass alle Wege wohl nötig waren
Alles Suchen und Fragen
Jede Träne und jedes Lachen hatte seinen Platz

Bin mein Ich nicht losgeworden
Tappe vielleicht noch immer unbeholfen dahin
Doch eines hat sich ganz bestimmt geändert
Ich bin Zuhause, wo ich bin

Ich fand die Antworten
Dort, wo ich sie am wenigsten gesucht hätte
Ich fand das Licht im grössten Kummer
Tief in mir drin

Es ist nicht draussen
und es war schon immer da
Es wartet nur darauf, bemerkt zu werden
Dieses Licht, dieser Diamant, tief in uns drin

Ein jeder ist bei sich Zuhause und
kann Liebend sein zu sich selbst
Wir alle haben diesen Stern
Der uns leuchtet und uns den Weg zeigt

Tunesien, 24. Januar 2007


Tanz
Der Vorhang tut sich auf
Ich erblicke nackte Haut
Schimmernd im diffusen Licht

Vibrierend erwarte ich deine Hand
Berührung – Haut auf Haut
Die Wärme deines Körpers nah bei meinem

Dein Atem zeigt mir deinen Rhythmus
Ich suche dich – berühre dich
Ungeduld lässt mich erschauern

Reiben will ich meine Haut an deiner
Spüren deine Kraft und Stärke
Erahnen deine Sanftheit und dein Wille

Meine Finger gehen auf Wanderschaft
Suchen auf deinem Körper nach verborgenen Oasen
Und ertasten seidene Haut an versteckten Stellen

Wo fängst du an, wo hör ich auf
Der Wunsch nach Auflösung lässt unsere Körper sich winden
Bitte, führ mich weiter durch dieses Land

Lippen, die flüstern
Zungen, die zirpen
Hände, die flirten

Das Blut rauscht in meinen Ohren
Enthoben der Welt und den Gesetzen
Das Begehren der Körper bestimmt das Geschehen

Dieser Tanz enthebt uns der Welt
Und verspricht uns den Himmel
Dieser Tanz ist frei vom Morgen und frei vom Gestern
Er vereint uns im Hier und Jetzt

Tunesien, 27. Januar 2007


Tränen und Blut
Fliessendes Blut begleitet die Weiblichkeit
Energie nur für diese eine Wichtigkeit
Tränen im Gesicht
Im zyklischen Tanz um den Mond

Schwere Glieder, schwerer Körper
Das Blut surrt in den Adern
Der Verstand ist ausser Gefecht
Die Sinne nur da für Körper und Gefühl

Haut so dünn wie Seidenpapier
Sanftheit liegt in jeder Berührung
Den Blick tief in sich selbst hinein
Verleiht die Mens eine eigene Magie

Der Körper ruft nach Aufmerksamkeit
Er will köstliche Ruhe und sattes Grün
Braucht Wärme gegen die Melancholie
Und weiche Betten für die dünne Haut

Einmal im Monat – so soll es sein
Liegt die kollektive Bürde auf weiblichen Schultern
Was sollen wir nicht vergessen?
Dass wir sind aus Tränen und Blut?

Tunesien, 26. Januar 2007


Nächtliche Stille
Weite einfarbige Stille
Das Herz droht vor lauter Respekt stehen zu bleiben - darin zu versinken
Versuche, hineinzuhorchen in die Stille enden an einer undurchdringlichen Wand
Werde ich wie die Stille und nehme sie hin,
dann öffnet sie sich und wird weit: grenzenlos – zeitlos
Ein Nicht-Raumgefühl, wo nur Frieden herrscht – Friedliche Stille

Weite einfarbige Stille
Ein Auto naht auf der unweiten Landstrasse
Wie ein Flugzeug, das das Blau des Himmels durchmisst
Durchpflügt das Auto die Schwärze der Nacht
Und hinterlässt für kurze Zeit eine Art hörbarer Kondensstreifen
Der die Nacht teilt,
um sich langsam wieder aufzulösen und zurückzukehren
zur ungeteilten Stille der Nacht

Tunesien, 25. Januar 2007


Unterwex
So reise ich durch die Länder
Suche Ecken und Plätze zum Sein
Mal sollen es Berge sein, mal Meer
Doch immer soll es frei sein und fern von Verkehr

Hab alles bei mir, was ich brauch
Mein Haus, mein Heim, mein „Camperlein“

Bin mal naiver Hippy, mal fahrender Pilger
Mal Freak, mal Rentner, mal doofer Tourist
Doch immer im Herzen Nomade
Unterwex von irgendwo nach nirgendwo

Dort wo ich steh, ist bald alles Mein
Jedes Gras, jeder Fluss, jeder Berg
Jeder Stein, jeder Baum und alles Getier
Dies ist, für die Zeit, die ich hier, mein Revier

Wenn ich dann weitergehe, lass ich nichts zurück
Was erinnern könnte, dass ich hier
So soll es sein
Es ist nun nicht länger Mein

Wohin es geht, weiss niemand so genau
Der Sonne nach und dann weiss man mehr
Morgen steht vielleicht der Wind gar schlecht
Oder der Himmel hält sich bedeckt

Dann geht es weiter und weiter
Bis ich genug hab vom ewigen Reiten
Irgendwo findet sich immer ein Flecken
Wo ich sein kann, mich recken und strecken

Tunesien, 24. Januar 2007


Morgenerwachen
Sonnenwärme durchdringt die noch feuchte Kühle der Nacht
Stille löst sich auf in frohem Vogelgezwitscher
In der Ferne bellt ein Hund – kräht ein Hahn
Der noch schläfrige Tag reckt und streckt sich

Das Leben wird immer mehr
Die Vögel lustiger – meine Glieder immer wärmer
Die Schatten kürzer – die Sicht immer klarer
Hurra! Die Welt beginnt mit mir einen neuen Tag!

Tunesien, 23. Januar 2007


Dünen
Goldene Sandberge, leise unterwegs
Rieselnd und schiebend von Kamm zu Kamm
Gleichmut, die Stetigkeit verkündet
Verbündet mit dem Wind, verschwistert mit dem Meer
So rollen die Sanften voran
Unbeirrbar Land einnehmend
Siegessicher weil Zeit keine Rolle spielt

Tunesien, 23. Januar 2007


Dürstende Wüste
Der Boden verharrt in staubigem Kleid
Erde, trocken und hart wie Stein
Dürre Pflanzen warten zitternd im Wind
Die strenge Sonne herrscht über dieses Land
Wo bleibt der magische Bruder - der alles verwandelnde Regen?

Wasser erweckt den Boden zu neuem Leben
Aus tausend Samen erspriesst sich ein vielfältiges Grün
Es explodiert das kurze Leben
Ein Rennen, Kopf an Kopf – wer erreicht das Ziel?
Kann seinen Samen abwerfen, für den Lebenskreislauf vorsorgen
bevor die Sonne wieder für lange Zeit das Zepter in ihren Fingern hält?

Tunesien, 23. Januar 2007


Wachstums - Schritte
Immer wenn es weh tut, dann weiss ich, ich wachse

Als ich noch ein Mädchen war, sagte meine Mutter
Da ist nichts kaputt, das sind nur Wachstums-Schmerzen
Je mehr du dich bewegst, desto weniger schmerzt es

Und so ist es auch heute
Wenn es so richtig schmerzt, dann weiss ich, ich wachse
Wenn es so richtig schmerzt, dann weiss ich, ich darf mich nicht dagegen wehren

Wachsen bedeutet Weitergehen - bedeutet Schritte tun
Wenn ich mich stillhalte, dann schmerzt das
Wenn ich mich sträube, dann schmerzt das
Wenn ich stecken bleibe, dann schmerzt das

Gehe ich aber weiter und mache meine Schritte
Dann wandelt sich der Schmerz
Aus dem Schmerz wird ein Ziehen
Aus den Schritten wird ein Weg
Aus dem Weg wächst das Leben

Ich lerne und wachse
Gehe meinen Weg und wachse in mein Leben

Steinhausen, 21. Oktober 2006


Fremde Wege
Da fiel auf einmal diese Türe zu
Sie war grad eben doch noch offen

Da war auf einmal keine Hand mehr da
Die mich noch führte durch die Welt

Da verschwand auf einmal dieser Weg vor mir
Der mich doch führte zu diesem Ziel

Da erlosch auf einmal dieses Licht
Das mir doch wies den Weg zu dir

Nun steh ich da und wundere mich
Wie kommt es, dass ich bin, wo ich bin?

Mich führte eine Hand
Auf diesem Weg mit fremden Licht
Zu diesem Ziel – zu Dir und mir

Dieser Weg war wohl nicht der meine
Dieses Licht nicht für mich bestimmt
Diese Türe führte nicht in meine Räume
Und das Ziel war fremdbestimmt

Nun steh ich da und wundere mich
Wie geht es weiter, wohin führt es mich?

Meine Schritte führen mich von dir zu mir
Mein Hände lassen los und halten mich
Meine Schritte führen mich auf meinen Weg
Meine Hände leiten mich und klopfen an die richtige Tür

Steinhausen, 21. Oktober 2006


Richtig - gewichtig
Was ist richtig?
Was ist falsch?

Was ist so wichtig?
Und was ist es nicht?

Wer hat diese Messlatte?
Die das misst und gewichtet?

Ich bin mir wichtig!
Und du liegst falsch!

Ich bin mir das wert!
Und du bist es nicht!

Wo das eine steigt, fällt das andere
Wo das eine wiegt, wird das andere verdrückt

Ein Wert wertet
Und ein Gewicht wiegt schwer

Lass die Gewichte los!
Mach dich leicht und frei!

Komm zu dir und
Bring die Waage in deine Mitte!

Rothenburg, 1. Oktober 2006


Mein Schatz
Ich suchte nach der Liebe
Wusste nicht, wo sie war
Suchte überall und fand sie nicht
Fand nur Enttäuschung und Betrug

Ich suchte nach der Liebe
War voll Unrast und voll Gier
Fand wohl Türen, doch keine Schlüssel
Suchte überall und wurde doch nie satt

Ich suchte nach der Liebe
Und meinte, sie nur in jenem finden zu können
Suchte und meinte jenes gefunden zu haben
Doch fand ich nur mich und gar nichts mehr

Ich suchte nach der Liebe
Suchte und versuchte festzuhalten
Wollte Garantien für die Ewigkeit
Für Treue immerwährende Freiheit

Ich suchte nach der Liebe
Fand sie nach langer Reise endlich
Fand sie nachdem ich mich verlor
Und fand sie doch ganz bei mir

Ich suchte nach der Liebe
Nicht wissend, dass Liebe immer da ist
Nicht wissend, dass Liebe überall ist
Nicht wissend, dass Liebe bedingungslos ist

Ich suchte nach der Liebe
Jetzt weiss ich, Liebe enttäuscht und betrügt nicht
Jetzt weiss ich, dass Liebe Türen öffnet
Jetzt weiss ich, dass sie in mir ist

Ich suchte nach der Liebe
Heut weiss ich, das Suchen hat ein End
Immer dann, wenn ich ganz still und weit bin
Dann ist die Liebe da, dann spüre ich sie in mir drin

So trag ich sie mit mir – die Liebe – diesen Schatz
Mein Schatz, in mir, in dir und überall

Rothenburg, 19. September 2006


Macht und Ohnmacht
Ohnmächtig unterworfen
Von Worten überworfen
Hingeworfen und überhört
Fühl ich mich wortlos und hingemacht

Sprachlos ab so vielen Worten
Die wortgewaltig mich überrollen
Wohl gewandet all die Silben
Fühl ich mich platt und wie verworfen

Worte dominieren die Stille
Unterwürfig bleibt der Ton
Mächtig überfordert
Fühl ich mich wie verhört

Schwachgewandet ohne Worte
Dominiert das Wort die Stille
Wo solche Mächte den Raum beherrschen
Fühl ich mich nackt und unverstanden

Welch Zeichen braucht es
Für diesen grossen Schritt
Welche Einsichten und Blicke
Für einen Wechsel der Kräfte

Jahrmillionen voll von Kräftemessen
Zig Jahre voll Ziehen an Tauen
Wer bin ich, was bin ich, hab ich, will ich
Wo ist die Grenze, die zu hüten es gilt?

Visionen sind gefragt?
Kräfte gegen die Macht?
Da bleibt nur die Liebe, die Platz macht dafür
So fühl ich mich gut, so fühl ich mich nicht leer

Hör ich da ein lautes Knacken?
Ich fühl mich plötzlich voller Kraft
Mein Inneres hat Stopp gerufen
Hinweg ist die Ohnmacht - zurück ist die Macht

Rothenburg, 17. September 2006


Grenz Raum Traum
Gesetzte Begrenzung ertasten
Wo fang ich an – wo hör ich auf
Wie viel brauch ich, um sein zu können
Wo und wie sind meine Ecken und Kanten
Was dringt und färbt mich ein

Den Traum erträumen
Den Farben und Tönen nachspüren
Ich lass die Grenzen verfliessen
Trau mich zu träumen
Grenzen verräum ich – Räume verträum ich

Aufgehoben sind nun die Grenzen
Gesprengt ist jetzt das kleine Ich
Verbindet sich mit allem, was ist
Wird unendlich, gross und weit
Wo Grenzen waren fliesst es nun rein

Mein Ich wird zu Allem, ist nicht mehr klein
Wird zu All-Dem und ist endlich frei

11. September 2006, Rothenburg