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Portugal,
amtlich: República Portuguesa, Republik im Südwesten Europas, im
Westteil der Iberischen Halbinsel gelegen, im Norden und Osten begrenzt durch
Spanien und im Süden und Westen durch den Atlantischen Ozean. Die Azoren und
die Insel Madeira im Atlantik gehören ebenfalls zu Portugal. Die
Gesamtfläche Portugals einschließlich der Azoren
(2 335 Quadratkilometer) und Madeiras (796 Quadratkilometer)
beträgt 92 270 Quadratkilometer. Portugal besitzt noch ein
Überseeterritorium in Ostasien, nämlich Macao.
Land
Die Grenzen Portugals sind durch
Berge und Flüsse bestimmt, das Landesinnere ist größtenteils gebirgig. Im
Süden und Westen flachen die Berge zu einer großen Küstenebene ab, die
intensiv kultiviert wird. Höchste Erhebung ist die Serra da Estrêla in der
Mitte Portugals mit 1 991 Meter Höhe. Portugal wird von drei
großen Flüssen durchquert, die in Spanien entspringen und im Atlantischen
Ozean münden. Der Tejo ist der größte Fluss; an seiner Mündung liegt
Lissabon. Es folgen der Douro, an dessen Mündung sich Porto befindet, und der
Guadiana, der einen Teil der östlichen Grenze bildet. Ein vierter Fluss, der
Minho, stellt einen Teil der Nordgrenze dar.
Klima
Das Klima hängt von der
Höhenlage ab, die Temperaturen steigen entsprechend dem von Norden nach
Süden zunehmend mediterranen Charakter. Die mittlere Jahrestemperatur
nördlich des Douro liegt bei rund 10 °C; zwischen Tejo und Douro liegt
sie bei rund 15,6 °C und im Tal des Guadiana bei rund 18,3 °C. Die
Regenfälle sind heftig, besonders im Norden.
Flora und Fauna
Die Pflanzen und Tiere
Portugals sind identisch mit denen Spaniens. Die häufigsten Baumarten sind
immergrüne Eiche, Korkeiche, Pappel und Olivenbaum. Auf den trockenen Böden
wachsen Trauben: Portwein aus Porto und der Madeira, ein Dessertwein aus der
gleichnamigen Stadt, sind weltbekannt. Zu den Wildtieren gehören Wolf, Luchs,
Wildkatze, Fuchs, Wildschwein, Wildziege, Hirsch und Hase. Außerdem gibt es
viele verschiedenen Vogel- und Insektenarten.
Bevölkerung
Portugal hat einschließlich
der Azoren und Madeiras etwa 9,8 Millionen Einwohner. Die
Gesamtbevölkerungsdichte liegt bei 107 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Die Portugiesen setzen sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen,
vorrangig aus Iberern, Römern, Westgoten und später den Mauren. Die
Bevölkerung lebt größtenteils noch immer in ländlichen Gebieten.
Wirtschaft
Nachdem die portugiesische
Wirtschaft in der Zeit von 1965 bis 1980 um 5,3 Prozent jährlich wuchs,
fiel die Wachstumsrate während der achtziger Jahre auf unter ein Prozent
jährlich, so dass Portugal die am wenigsten entwickelte Region in Westeuropa
war. Aufgrund von Anpassungshilfen der EG stieg das reale Wirtschaftswachstum
1990 wieder auf 4,4 Prozent an.
Geschichte
Bis zum Mittelalter ist die
Geschichte Portugals untrennbar mit der Spaniens verbunden. Das heutige
Portugal wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. Teil der römischen Provinz
Lusitania. Im 5. Jahrhundert n. Chr. übernahmen die
Westgoten die Herrschaft über die Region, im 8. Jahrhundert wurde sie in
das maurische Eroberungsgebiet eingeschlossen. 997 nahm Bermudo II.,
König von León, das Gebiet zwischen dem Douro und dem Minho (heute
Nordportugal) den Mauren wieder ab. 1064 eroberte Ferdinand I., König
von Kastilien und León, die Gebiete nach Süden bis zum heutigen Coimbra
wieder zurück. Die zurückgewonnenen Gebiete wurden zu einer feudalen
Grafschaft gemacht, die aus spanischen Lehen (Verfügung über Land und Leute)
bestand. Portugal leitete später seinen Namen vom nördlichsten Lehen ab, dem
Comitatus Portaculenis, das um den alten römischen Seehafen Portus
Cale (heute Porto) lag.
1093 kam Heinrich von Burgund
(gestorben 1112) Kastilien zu Hilfe, als die Mauren dort eindrangen.
Alfons I. von Kastilien ernannte Heinrich zum Grafen von Portugal. Nach
dem Tod von Alfons im Jahr 1109 weigerten sich Graf Heinrich und später seine
Witwe Teresa, die Lehenstreue gegenüber León fortzuführen. Heinrich drang
in León ein und begann eine Reihe von Unabhängigkeitskriegen, hatte jedoch
wenig Erfolg. 1128 erhob sich sein Sohn Alfons Heinrich (Alfonso Henriques),
später Alfons I., König von Portugal, gegen seine Mutter. Die
portugiesischen Ritter akzeptierten Alfons 1143 als ihren König, 1179
erkannte der Papst die Unabhängigkeit Portugals an.
Das mittelalterliche
Königreich Portugal
Mit Hilfe des Templerordens und
anderer militärischer Orden, die geschworen hatten, die Mauren zu bekämpfen,
dehnte Alfons I. die Grenzen des neuen Königreiches nach Süden bis zum
Fluss Tejo aus. Sein Sohn Sancho I. (1185-1211) errichtete in den
zurückeroberten Gebieten selbständige Gemeinden, die von Christen besiedelt
werden sollten. Die Zisterziensermönche besetzten das Land und förderten
ertragreiche Landwirtschaftsmethoden. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts
hielten die Almohaden, eine muslimische Dynastie aus Nordafrika,
vorübergehend die Bewegung der Christen nach Süden auf, doch nachdem sie
1212 bei Las Navas de Tolosa in Kastilien geschlagen worden waren, nahm die
Rückeroberung ihren Fortgang.
König Alfons III.
(1245-1279) vollendete schließlich die Vertreibung der Mauren aus der Algarve
und verlegte die Hauptstadt Portugals von Coimbra nach Lissabon. Mit Hilfe der
Cortes, der repräsentativen Versammlung, die aus Mitgliedern des
Adels, des Klerus und der Bürgerschaft bestand, regierte er das Land. Er
vermehrte die Macht der Monarchie auf Kosten der Kirche. Sein Sohn Dinis, den
man aufgrund seiner Förderung der Landwirtschaft den Bauernkönig nannte,
gründete die erste Universität der Nation in Coimbra und forcierte die
Entwicklung der portugiesischen Marine. 1294 unterzeichnete er einen
Handelsvertrag mit England und leitete damit eine Reihe von Allianzen zwischen
den beiden Ländern ein. Nachdem sich Dinis’ Nachfolger, Alfons IV.,
mit Alfons XI. von Kastilien verbündet hatte, errangen sie einen
bedeutenden Sieg über die Mauren in der Schlacht am Salado de Morón (1340).
Nach dem Tod von
Ferdinand I., dem letzten legitimen Abkömmling Heinrichs von Burgund,
sicherte sich der illegitime Sohn Peters I., Johann I., 1385 nach
zwei Jahren Bürgerkrieg den portugiesischen Thron. Sein Zweig der
Burgunderlinie wurde als Dynastie Avis bekannt. Die Regierungszeit von
Johann I. war eine der bedeutendsten in der portugiesischen Geschichte.
Er verteidigte das Königreich mit Erfolg gegen kastilische Angriffe. 1385
schlug er Kastilien entscheidend in der Schlacht von Aljubarrota. 1386 kam es
durch den so genannten Windsorvertrag zu einem dauerhaften Bündnis zwischen
Portugal und England. Die größte Errungenschaft während der Regierungszeit
von Johann I. war die von seinem Sohn Heinrich dem Seefahrer, Prinz von
Portugal, geleitete Erforschung der afrikanischen Küste. Ziel dieser
Erkundungsfahrten war, eine Ostroute nach Indien zu finden. Es begann ein
Jahrhundert der Entdeckungen und Eroberungen, die Portugal zu einer der
größten Kolonialmächte der Welt machten. 1418 bis 1419 erforschten
portugiesische Seefahrer Madeira, und 1427 entdeckten sie die Azoren. Ein
erfolgreicher portugiesischer Militärfeldzug in Marokko führte zur Einnahme
von Ceuta (1415).
Die Ära portugiesischer
Expansion
Madeira und die Azoren wurden sehr
schnell wichtige Zentren der Zuckerproduktion. Durch die Einnahme von Ceuta
konnte Portugal in Afrika Fuß fassen. Damit hatte es einen Stützpunkt für
die weitere Erforschung der afrikanischen Küste. Die portugiesischen Seeleute
verwendeten für ihre Reisen die Karavelle, ein neuartiges, leichtes
Segelschiff, das besonders für Atlantikreisen geeignet war. Damit segelten
sie 1444 in südlicher Richtung bis nach Kap Verde und erreichten 1460 Sierra
Leone. In der Zwischenzeit entsandten die Nachfolger Johanns I., Eduard
(1433-1438) und Alfons V., weitere Expeditionen nach Marokko, wo sie 1471
Tanger einnahmen.
Die Regentschaft Johanns II.
König Johann II. stellte das
Ansehen wieder her, das die Monarchie im Inland während der Regierungszeit
seiner beiden Vorfahren verloren hatte, indem er die aufständischen Adeligen
wieder seiner Herrschaft unterwarf. 1482 gründete er den portugiesischen
Stützpunkt Fort Elmina an der Küste Guineas und schuf Verbindungen mit dem
Königreich Kongo (im heutigen Angola). 1487 bis 1488 gelang es Bartolomeu
Diaz als erstem, die Südspitze Afrikas zu umsegeln, wodurch der Seeweg zum
Orient geöffnet wurde. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christopph Kolumbus
(1492) schlossen Portugal und Kastilien den Vertrag von Tordesillas (1494), in
dem sie die Grenzen festlegten, nach der alles neu entdeckte Land zwischen
Portugal und Kastilien aufgeteilt werden sollte (Siehe
Demarkationslinie).
Emanuel und seine Nachfolger
Unter König Emanuel erreichte die
portugiesische Macht ihren Höhepunkt. Von 1497 bis 1499 machte Vasco da Gama
seine erste Reise nach Indien, indem er der Route folgte, die Diaz entdeckt
hatte. In der Folge entstand ein lukrativer Handel mit Gewürzen und anderen
Kostbarkeiten zwischen Europa und Südasien. Unter der Führung von Afonso de
Albuquerque eroberten die Portugiesen das indische Goa (1510), Malakka (1511),
die Molukken (1512-1514) und die Insel Hormus im Persischen Golf (1515).
Während desselben Zeitraumes eröffneten sie den Handel mit China und schufen
Verbindungen mit Äthiopien. Unter dem Druck seiner spanischen Verwandten
folgte Emanuel deren Beispiel und vertrieb 1497 die Juden und Muslime aus
seinem Herrschaftsgebiet, wodurch Portugal einen großen Teil seiner
Mittelschicht verlor. Sein Sohn Johann III. förderte die Besiedlung
Brasiliens und führte 1536 die Inquisition in Portugal ein, um religiösen
Gehorsam zu erzwingen. Zum Zeitpunkt seines Todes 1557 war Portugals
politische und wirtschaftliche Macht bereits im Niedergang begriffen. Diese
Tendenz setzte sich unter König Sebastian fort, der 1578 bei einem
gescheiterten Feldzug gegen Marokko getötet wurde. Mit dem Tod seines
Nachfolgers König Heinrich 1580 endete die Avis-Dynastie.
Die Dynastien Habsburg und
Bragança
Als Heinrich gestorben war, stritten
sich sieben Anwärter um die Thronnachfolge. Der mächtigste unter ihnen war
Philipp II., König von Spanien, der 1580 als Philipp I. zum König
von Portugal ernannt wurde. Durch die Verbindung Portugals mit der spanischen
Habsburger-Monarchie wurde Portugal in die spanischen Kriege involviert und
musste einen großen Teil der Kosten mittragen. Nach 1600 verlor Portugal
seine Dominanz über den Handel mit Ostindien an die Niederlande und England.
Unter Philipp I. hatte Portugal eine beträchtliche Selbständigkeit
genossen, seine Nachfolger Philipp II. (Philipp III. von Spanien)
und Philipp III. (Philipp IV. von Spanien) behandelten es jedoch als
eine spanische Provinz, was zu Unmut führte. Nach erfolglosen Aufständen
1634 und 1637 gewannen portugiesische Verschwörer mit der Unterstützung
Frankreichs 1640 die Unabhängigkeit für ihr Königreich. Johann, Herzog von
Bragança, wurde als Johann IV. zum ersten König des Hauses von
Bragança gewählt, das Portugal bis zum Ende der Monarchie regierte.
Johann IV. und seine Nachfolger
König Johann vertrieb die
Niederländer aus Brasilien, das diese 1630 besetzt hatten, und erneuerte das
traditionelle Band zu England. Obwohl Portugal durch Konflikte mit Spanien in
der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weiter geschwächt worden war,
erreichte das Land im 18. Jahrhundert durch Gold- und Diamantenfunde in
Brasilien erneut ein gewisses Maß an Wohlstand. Zwischen 1683 und 1750,
während der Regentschaften von Peter II. und Johann V., erlangten
britische Kaufleute die Herrschaft über den portugiesischen Handel; die
Monarchie wurde despotischer, der Einfluss der Cortes ließ nach. Während der
Regierungszeit von Joseph I. (Joseph Emanuel, 1750 -1777) wurde das
Königreich von Marquês de Pombal als leitendem Minister beherrscht, einer
zentralen Figur der portugiesischen Geschichte. Er entpuppte sich als
rücksichtsloser Diktator, der alles tat, um die Macht des privilegierten
Adels und der Kirche zu schwächen. Als Maria I., Tochter von
Joseph I., 1777 den Thron bestieg, wurde Pombal entlassen. Während der
Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege kämpfte Portugal an
der Seite Großbritanniens gegen Frankreich.
1807, als Napoleons Armeen
Portugal bedrohten, flüchtete die königliche Familie nach Brasilien und
machte Rio de Janeiro zum Regierungssitz. Eine französische Armee besetzte
Portugal, wurde jedoch 1808 durch die Engländer unter Sir Arthur Wellesley,
dem späteren ersten Duke of Wellington, geschlagen. Gemäß der Konvention
von Sintra (30. August 1808) verließen die Franzosen das Land, drangen
jedoch ein Jahr später erneut ein. Wieder wehrte Wellington den
französischen Vormarsch ab, so dass Portugal 1811 frei von französischer
Beeinflussung war. Die portugiesische Königsfamilie blieb jedoch in
Brasilien, das 1815 zu einem eigenen Königreich wurde. 1816 bestieg
Johann VI. die beiden Throne und regierte Portugal durch einen Kronrat.
Die konstitutionelle Monarchie
1820 führte die portugiesische
Armee eine Revolution an, die zu einer verfassungsmäßigen Regierung führen
sollte. Nachdem sich König Johann VI. damit einverstanden erklärt
hatte, als konstitutioneller Monarch nach Portugal zurückzukehren, machte er
seinen Sohn Dom Pedro zum Regenten über Brasilien. 1822 verkündete Brasilien
unter Peter I. (Dom Pedro) seine Unabhängigkeit. Inzwischen rief Peters
Bruder, Dom Miguel (Michael), die Befürworter der absoluten Monarchie dazu
auf, die Anhänger der konstitutionellen Monarchie zu stürzen. Am
30. April 1824 war ein Aufstand unter der Führung des Prinzen fast
erfolgreich. König Johann VI. gelang es jedoch, an der Macht zu bleiben;
Dom Miguel ging ins Exil nach Wien.
1826 übernahm Peter I.
von Brasilien als Peter IV. den Thron von Portugal. Er setzte eine
Verfassung in Kraft, die eine parlamentarische Herrschaft vorsah, die dem
König mehr Rechte einräumte und dankte dann zugunsten seiner Tochter
Maria II. da Gloria ab. Miguel kehrte 1828 aus Wien zurück. Während
seiner Regentschaft für Maria II. übernahm er den Thron. Es folgte eine
Periode ständiger innerer Unruhen. Mit Hilfe von England, Frankreich und
Spanien bestieg Maria II. 1834 wieder den Thron.
Politische Konflikte
kennzeichneten ihre Regentschaft: Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen den
Setembristen, die die Verfassung von 1822 befürworteten, und den Cartisten,
die für die Charta von 1826 plädierten. Unter Marias Nachfolgern
(Peter V., 1853-1861; Ludwig I., 1861-1889) ließen die politischen
Streitigkeiten nach.
Die Republik
Republikanische und radikale
Bewegungen wuchsen während der Regentschaft von Karl I. und erst recht
durch die Ernennung des antirepublikanischen Diktators João Franco zum
Ministerpräsidenten (1906). 1908 wurden Karl und sein ältester Sohn in
Lissabon ermordet. Der zweite Sohn von Karl bestieg den Thron als
Emanuel II. Im Oktober 1910 führten Armee und Marine eine Revolution an,
die Emanuel stürzte und zur Gründung einer Republik führte. 1911 trat eine
liberale Verfassung in Kraft, die u. a. die Trennung von Kirche und Staat
gewährleistete. J. T. Fernandes Braga wurde zum ersten Präsidenten
der Republik Portugal gewählt.
Während der folgenden
15 Jahre wurde das Land durch politisches Chaos erschüttert: Insgesamt
wechselten sich über 40 Regierungen mit acht Präsidenten ab. Ab 1916
nahm Portugal aufseiten der Ententemächte am 1. Weltkrieg teil: Nachdem
das portugiesische Heer im Hafen von Lissabon deutsche Schiffe beschlagnahmt
hatte, erklärte Deutschland am 9. März Portugal den Krieg.
Portugiesische Truppen kämpften in Frankreich und Afrika. Nach dem Krieg trug
ein Aufstand der Royalisten 1919 zur Ausweitung der inneren Unordnung und
politischen Turbulenzen bei. Im Mai 1926 stürzte die 40. Regierung seit
Ausrufung der Republik durch einen Militärputsch des Generals Manuel De
Oliveira. Anschließend ernannten die Militärführer General António de
Fragoso Carmona zum Chef der neuen Regierung. 1928 wurde er zum
Staatspräsidenten gewählt. Im selben Jahr ernannte Carmona António de
Oliveira Salazar zum Finanzminister. Salazar wurden außerordentliche
Vollmachten verliehen, um die portugiesischen Finanzen auf eine solide
Grundlage zu stellen.
Das Regime Salazar
Salazar wurde schnell zur
mächtigsten politischen Figur in Portugal. Er gab der Kirche viel von ihrer
früheren Macht zurück und gründete 1930 die União Nacional
(Nationale Union), eine politische Organisation, die auf autoritären
Grundsätzen basierte. 1932 wurde er Ministerpräsident. Der diktatorisch
regierende Salazar hatte großen Einfluss auf die neue Verfassung, die 1933
erlassen wurde. Portugal wurde ein ständisch-autoritärer Staat mit einer
staatlich kontrollierten Planwirtschaft. Unter dem neuen Regime, das sich Estado
Novo (Neuer Staat) nannte, wurde Opposition nicht zugelassen. 1936, mit
dem Beginn des Spanischen Bürgerkrieges, unterstützte Salazar die
Aufständischen unter Führung ihres Generals Francisco Franco. 1939
unterzeichnete Portugal einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt mit
Spanien. Am 29. Juli 1940 wurde diesem Pakt ein Protokoll angefügt, das
die Neutralität beider Länder während des 2. Weltkrieges sichern sollte. Im
Oktober 1943 jedoch, als die Achsenmächte schwächer wurden, erlaubte
Portugal den Alliierten die Stationierung von Flugzeugen und Schiffen auf den
Azoren.
Die Planwirtschaft wurde
während der Kriegsjahre beträchtlich gestört. Die Fischindustrie erlitt
Einbußen, die Ausfuhren verringerten sich, und Flüchtlinge überschwemmten
das Land. Außerdem bedrohte der japanische Vormarsch in Ostindien die
portugiesischen Überseegebiete in Asien; Timor wurde 1942 eingenommen. Bei
Kriegsende waren Arbeitslosigkeit und Armut weit verbreitet. Die politische
Opposition gegen Salazar wurde jedoch unterdrückt, und die Kandidaten der
Nationalen Union monopolisierten die Wahlen vom November 1945. Im Mai 1947,
nach der Niederschlagung eines Aufstands, deportierte die Regierung zahlreiche
Unionsführer und Armeeoffiziere auf die Kapverdischen Inseln. Carmona wurde
ohne Opposition im Februar 1949 erneut zum Präsidenten gewählt. Er starb im
April 1951. Sein Nachfolger war General Francisco Craveiro Lopes, ein
Anhänger Salazars.
Während der fünfziger Jahre
entwickelte Portugal enge Verbindungen zu den Vereinigten Staaten. 1958
erlaubte Salazar einen Gegenkandidaten, Humberto Delgado, bei den
Präsidentschaftswahlen, der jedoch dem Kandidaten der Regierung,
Konteradmiral Américo Deus Rodrigues Tomás, unterlag. Tomás wurde 1965 und
1971 wiedergewählt.
In den sechziger Jahren stieß
Portugals Herrschaft in den Überseegebieten auf Gegenwehr. Indien annektierte
Portugiesisch-Goa 1961. In Angola brach Anfang 1961 eine Rebellion aus, in
Portugiesisch-Guinea Ende 1962 und in Moçambique im Herbst 1964. Die
Regierung beantwortete jeden afrikanischen Aufstand mit intensiven
militärischen Interventionen. Ab etwa 1961 führte Portugal in den
betroffenen Gebieten regelrechte Kolonialkriege, die bis in die siebziger
Jahre anhielten, was zur Verurteilung durch die Vereinten Nationen und zu
innenpolitischen Problemen führte.
Mitte der sechziger Jahre
halfen eine Reihe ausländischer Kredite bei der Finanzierung großer
Bewässerungs- und Bauprojekte, wodurch sich die wirtschaftliche Situation
Portugals allmählich verbesserte. Obwohl es in diesem Zeitraum einige
Studentendemonstrationen gab, blieb die politische Opposition gegen das
Salazar-Regime unkoordiniert.
Demokratische Reformen
Am 29. September 1968 übernahm
Marcello das Neves Alves Caetano, ein langjähriger Verbündeter Salazars, das
Amt des Ministerpräsidenten. Obwohl Caetano zu Reformen aufrief und sich für
eine Liberalisierung aussprach, führte er Salazars restriktive Politik
weiter, insbesondere in Afrika.
Eine Reihe militärischer und
politischer Vormärsche durch afrikanische Befreiungsbewegungen bedrohte
Portugals wirtschaftliche Stabilität und führte am 25. April 1974 zum
Sturz der Regierung Caetano („Nelkenrevolution") durch die
oppositionelle Bewegung der Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas,
oder MFA), eine Offiziersgruppe. Unter Führung von General António Ribeiro
de Spinola bildete sich eine siebenköpfige Militärjunta, die für mehr
Demokratie im Lande und Frieden für die afrikanischen Gebiete eintrat. 1974
und 1975 wurden Guinea-Bissau, Moçambique, die Kapverdischen Inseln, São
Tomé und Principe sowie Angola unabhängig. 1975 bis 1976 besetzten
indonesische Truppen Portugiesisch-Timor. Durch die Rückkehr von
portugiesischen Truppen und europäischen Siedlern aus den jungen
unabhängigen Nationen nach Portugal verschärften sich Portugals eigene
Probleme in Form steigender Arbeitslosigkeit und politischer Unruhen.
Am 30. September 1974 trat
Spinola zurück und warnte vor wachsendem kommunistischem Einfluss. Sein
Nachfolger war General Francisco da Costa Gomes. Vasco Gonçalves, der im Juli
Ministerpräsident geworden war, blieb im Amt. Anfang 1975 übernahm die MFA
eine offizielle Rolle in der Regierung. Es wurden Schritte unternommen, die
Streitkräfte zu reorganisieren. Die Übergangsregierung verabschiedete ein
Gesetz, das einen einzigen Gewerkschaftsbund errichtete, und begann das
Wirtschafts- und Sozialleben Portugals zu reformieren. Zu den ersten Aktionen
gehörte die Verstaatlichung verschiedener Schwerindustriebetriebe und der
Banken sowie die Enteignung und Umverteilung großer landwirtschaftlicher
Besitzungen. Im März wurde ein versuchter Staatsstreich des rechten Flügels
um General Spinola unterdrückt. Im April übernahmen die Sozialisten bei den
Wahlen für eine verfassunggebende Versammlung die Führung.
Gonçalves bildete eine neue
Regierung, die sich jedoch als instabil erwies. Nach einer Reihe von
Zusammenstößen zwischen Sozialisten und Kommunisten, denen gewalttätige
antikommunistische Demonstrationen folgten, errichtete die MFA ein Triumvirat,
das aus Costa Gomes, Gonçalves und General Otelo de Carvalho, Portugals
Sicherheitschef, bestand. Im September wurde Ministerpräsident Gonçalves auf
Drängen der Armee durch Vizeadmiral José Baptista Pinheiro de Azevedo
abgelöst. Unter der Regierung Azevedo konnte eine relative Stabilität
wiederhergestellt werden. Um ausländisches Kapital anzuziehen, wurde ein
neues Investitionsgesetz eingeführt. Bei den Parlamentswahlen im April 1976
gewannen die Sozialisten die Stimmenmehrheit, Mário Soares wurde
Ministerpräsident. Im Juni übernahm General António dos Santos Ramalho
Eanes das Amt des Präsidenten. Nachdem sich das Land während der nächsten
zwei Jahre einer Reihe schwerer Wirtschaftsprobleme gegenübersah, wurde
Soares Mitte des Jahres 1978 aus dem Amt entlassen. Nach dem Sturz zweier
nachfolgender Übergangsregierungen gewann die konservative Demokratische
Allianz unter Führung von Francisco Manuel de Sá Carneiro bei den
Parlamentswahlen im Dezember 1979 eine klare Mehrheit. Sá Carneiro übernahm
im Januar 1980 das Amt des Ministerpräsidenten, kam jedoch bei einem
Flugzeugabsturz im Dezember desselben Jahres ums Leben. Ihm folgte im Januar
1981 Francisco Pinto Balsemão, ein weiterer Konservativer. Auf seine
Initiative hin wurde der militärische Revolutionsrat 1982 durch eine
Verfassungsänderung abgeschafft. Die Parlamentswahlen im April 1983 brachten
Soares als Ministerpräsidenten zurück an die Macht. Soares’ Regierung
stellte ein Sparprogramm vor und führte Verhandlungen, die schließlich zum
Eintritt Portugals in die Europäische Gemeinschaft (heute Europäische Union
genannt) führten. Wahlen im Oktober 1985 führten zur Bildung einer
Minderheitsregierung unter dem Sozialdemokraten Aníbal Cavaço Silva. Soares
kehrte nach den Wahlen von 1986 in das Amt des Staatspräsidenten zurück; im
selben Jahr trat Portugal in die Europäische Gemeinschaft ein. 1987 gewannen
die Sozialdemokraten die Herrschaft im Parlament; dies war das erste Mal seit
1975, dass eine einzelne Partei die Mehrheit hatte. Präsident Soares gewann
im Januar 1991 die Wahlen für eine weitere fünfjährige Amtszeit, die
Sozialdemokraten behielten ihre Parlamentsmehrheit bei den Wahlen im Oktober.
Bei den Wahlen von 1995 erhielten die Sozialisten die Mehrheit der Stimmen.
In der Außenpolitik
verbesserte Portugal Ende der achtziger Jahre seine Beziehungen zur spanischen
Regierung. Verhandlungen mit der Volksrepublik China führten 1987 zu einer
Vereinbarung, nach der Macao, das portugiesische Überseegebiet, im Dezember
1999 in chinesische Kontrolle übergehen wird. Ab 1988 spielte Portugal eine
wichtige Rolle bei den Friedensbemühungen in Angola, einem früheren
portugiesischen Besitztum, und nahm auch an den Friedensverhandlungen in
Moçambique teil. Gespräche mit Indonesien bezüglich des früheren
portugiesischen Territoriums Osttimor wurden 1993 trotz Rückschlägen
fortgesetzt (siehe Osttimorkonflikt). Bei den Parlamentswahlen im
Oktober 1995 setzte sich die Sozialistische Partei als stärkste politische
Kraft durch. Im Januar 1996 wurde Jorge Sampaio zum Staatspräsidenten
gewählt.
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