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Last Update
08. März 2010
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Gleitschirmfliegen in der Provence
 

Von St. Hilaire bis Nizza
Oktober 02 -  7 Fluggebiete in 8 Tagen

Zusammen mit Markus ging's Anfang Oktober 02 für eine Woche in die Provence. Markus stellte die Infos über die Fluggebiete zusammen, und ich füllte den Kühlschrank des Campers. 

Am ersten Tag fuhren wir nach St.Hilaire. Zu den Startplätzen auf dem Plateau führt eigentlich eine Standseilbahn hinauf. Als wir diese kurz nach 12 Uhr benützen wollten mussten wir erfahren, dass nun bis 2 Uhr Mittagspause sei. Also fuhren wir wie die Franzosen mit dem Auto hoch. Auf dem Plateau waren noch die Spuren des Kuriositätenfliegens vom vorherigen Wochenende zu sehen. Am Startplatz drückte der Nordwind zeitweise von hinten durch, aber dem Vorbild der furchtlosen Nachkommen Napoleons folgend starten auch wir. Die kräftige Thermik durchmischt mit dem Nordwind vermittelte so ein Berg-und-Talbahn-Gefühl. Da wir die französischen Vortrittsregeln nicht richtig verstanden, zogen wir vom Pulk weg und flogen ein schönes Stück der Krete entlang. Gut geschüttelt und eingeflogen landete ich nach einer Stunde im Tal, während Markus oben landete und mit dem Camper herunterfuhr.

Das angenehme mit dem Camper unterwex ist, dass man sich bezüglich Übernachtung nicht viel Gedanken machen muss. Also fuhren wir nach unserem Flug und einem angemessen Bier weiter Richtung Süden.

Am zweiten Tag war Laragne angesagt. Der Flugberg erlaubt Starts nach Süden und Norden und ist bei den Deltas sehr beliebt. Wir warteten geduldig auf die Thermik - und verpassten sie prompt. Ich wollte es nicht wahrhaben, kratzte dem Hang entlang, und musste schliesslich in einem Waldweg landen. Das war nicht gerade grossartiges Fliegen - doch der Tag war noch nicht zu Ende! Markus hatte in einem Artikel einen Nebensatz über Misan gelesen, und dass es dort eine Soaringkante mit Abendthermik gebe. Es gibt sie! Als wir ankamen standen 3 Franzosen am Startplatz. Markus meinte zu Ihnen, dass der Wind "pas tres fort" sei, die Franzosen fanden ihn hingegen "trop fort". Markus blieb bei seiner Meinung, startete sauber und soarte an der Kante auf. Da änderten auch die Gallier ihre Meinung. Das war nun Fliegen nach meinem Gusto! Sanft über der Kante, mal etwas höher, mal etwas tiefer entlang schweben, in wunderbar laminarer Luft. Anflug zum Landplatz mit knapp verpasstem Touch, weil's einfach zu stark stieg, bis der Wind schliesslich abstellte und wir unten landeten.

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in St. André. Ein wunderschönes Fluggebiet mit riesigen Startplätzen in welchem auch schon der Weltcup ausgetragen wurde. In der Saison ist hier sicher ein ziemlicher Rummel, aber die Saison war vorbei, was man auch daran merkte, dass der Shuttle zum Startplatz nicht mehr gefahren wurde. Ausser uns standen auch einige Franzosen und ein Deutscher auf dem Parkplatz bei Landeplatz, welche so aussahen, als ob sie gerne fliegen würden. Ich quatschte sie an und wir organisierten uns für den Transport. Trotz der späten Jahreszeit war die Thermik kräftig und es ging ein satter Wind am Startplatz. Ich liess mich davon nicht beeindrucken und startete, allerdings weniger "comm' il faut". Das Fliegen in der Thermik war dann aber wunderbar! Ich soff zwar einmal wegen schlechter Routenwahl fast zum Boden ab, konnte mich aber zu meinem eigenen und auch Markus's Erstaunen wieder hochdrehen, was natürlich besonders positiv in Erinnerung bleibt. Genial war wiederum der Abendflug mit sanfter und langanhaltender Thermik.
Auch am zweiten Tag war der Startwind ähnlich, und ich liess mich sogar zu einer Toplandung hinreissen, was mir auch gut gelang, nur dass der Gleitschirm sich einen Hagenbuttenstrauch ausgesucht hatte, von welchem er sich dann kaum trennen wollte. Dank meinen überragenden fliegerischen Fähigkeiten war ich also auf dem Startplatz gelandet und konnte den Camper herunterfahren. Markus packte die Gelegenheit, um mit seinem Rennleinen-bestückten Omega 6 quer über das Tal zu preschen und auf Strecke zu gehen.

So schön es in St. André auch war, wir zogen weiter Richtung Meer. Gourdon ist ein Fluggebiet oberhalb Nizza, welches gerade auch im Winter sehr attraktiv sein soll. Bei unserem Aufenthalt war die Thermik eher knapp und entsprechend die Flüge nicht allzu lange. Nach einem ersten, kurzen Flug startet ich zu einem günstigen Zeitpunkt zu einem wunderbaren zweiten Flug. Markus hatte vorher chauffiert, deshalb flog er am Abend die 1000 Höhenmeter über das Dorf Gourdon und die Schlucht hinunter ins Tal. Von da fuhren wir an den Strand von Nizza, wo ich das Bad im Meer genoss, während Markus sicherstellte, dass uns nicht etwa der Camper samt Gleitschirmen gestohlen wurde. Nach einem selbstzubereiteten Nachtessen zogen wir uns wieder von der diebstahlgefährdeten Küste zurück.

Wir übernachteten in Creolières beim Landplatz. Die lokale Flugschule war bereits nach Marokko gezogen, somit hatten wir keine Transportmöglichkeit für die Naturstrasse zum Startplatz. Im Dorf trafen wir Bruce Goldsmith, den Entwickler von Airwave. Er empfahl uns, am nahegelegenen Col de Bleine zu fliegen. Dort trafen wir ihn dann später wieder, als er mit einem englischen Kollegen kam um einen neuen Schirm zu testen. Die Thermik war allerdings so schwach, dass es kaum viel zu vergleichen gab. Markus hingegen flog genau während der halben Stunde, in der es möglich war oben zu bleiben. Kaum war er seiner Blase zuliebe oben gelandet, war es mit der Thermik vorbei.
Nach einem weiteren Tag in Gourdon zogen wir wieder nach Norden. Markus hatte sich auf Grund des Nordwinds für St.Vincent-les-Forts entschieden. Wir kamen zeitig dort an und installierten uns auf dem grossen Parkplatz neben dem Startplatz. Der Wind war noch nicht rosig, doch ein deutsches Fliegerpärchen, welches mit seinem Wohnwagen schon einige Tage dort gewesen war, versicherte uns, dass es schon noch komme. Die Thermik kam am Nachmittag dann auch, und auch die Franzosen kamen, es war Samstag! Das Fliegen an sich war recht einfach, und man konnte problemlos toplanden. Allerdings war die Thermik nicht gerade grossflächig verglichen mit der Anzahl Gleitschirme in der Luft, es war so wie im Mückenschwarm.
Was gibt es schöneres, als eine Woche Gleitschirmferien in der Provence? Natürlich zwei Wochen Gleitschirmferien in der Provence! Im Bericht habe ich es bisher nicht erwähnt, aber neben dem Fliegen habe ich auch die wilde Natur der Provence mit ihren kräftigen Düften sehr genossen. Es gäbe also auch mit Wandern und Biken noch einiges erleben.

Ich danke Markus für die hervorragende Organisation dieser Reise und die feine Kameradschaft! Er hat die Informationen über all' die Fluggebiete zusammengekratzt und daraus dann Tag für Tag das richtige ausgesucht.

Er wäre sicher wieder einmal dabei, wenn jemand von euch mit ihm eine ähnliche Tour unternehmen möchte, es könnten ja auch mehrere sein, rekognosziert ist es nun! Du kannst ihm hier ein E-Mail senden. 

Zwischenzeitlich ist Markus im September 03 mit mir 2 Wochen im Südtirol (Canazei) und im Veneto fliegen gekommen. Wir haben dabei das Gebiet von Bassano della Grappa über Feltre und Revine bis Belluno genossen. Über Weihnachten und Neujahr 03/04 kam er nach Sizilien.