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Reisebericht Italien 2003-1 Umbrien
 

1. Oktober 2003, Lostorf - Rivera (Kt. TI, Schweiz)
Wieder gen Süden

Wunderbar, das Gefühl, wieder Richtung Süden unterwex zu sein. Vor zwei Tagen kam ich in Lostorf an, um hier noch das eine und andere zu holen und zu erledigen und um mich mit Dominik zu treffen. Ich war gespannt auf seine Pläne. Da ich wusste, dass auch er vorhatte, via Italien gegen Süden zu ziehen, spekulierte ich auf einen gemeinsamen Auftakt. Und so ergab es sich dann wirklich. Bis Höhe Rom haben wir ähnliche Pläne, nur dass er der Adria entlang nach unten will und ich über die Riviera. Mein ursprüngliches erstes Ziel war eigentlich Korsika. Aber mittlerweile werde ich mich wohl auf den italienischen Boden konzentrieren. Mit Sardinien und Sizilien bleibt mir immer noch genügend Inselerleben. So kann ich mich auch auf das Italienische konzentrieren.
Die Streckenführung via Adria gefällt mir zwar nicht sonderlich, doch ermöglicht es mir einen Start in fremde Gefilde mit Begleitung. Und das behagt mir im Moment schon noch.  
Heute morgen haben wir unsere Mobiles startklar gemacht. Bis wir alles beieinander hatten, sprich Wäsche abnehmen, Chemietoilette leeren, Aufräumen, Einkaufen und dann noch Mittagessen wurde es drei Uhr. Ich überprüfte nochmals den Pneudruck, tankte voll und hatte in Olten genau 48'000 km auf meinem Zähler. Dominik ging noch kurz bei seiner Tochter in Olten vorbei und ich blochte schon mal Richtung Gotthard. 
Nach dem Seelisbergtunnel blies mich der Föhn fast ab der Autobahn und als ich dann den Wind frontal gegen mich hatte, schaffte mein Brummi nur gerade 60 km/h! Auf dem Parkplatz bei Gurtnellen trafen wir uns dann wieder für Kaffee und Kuchen. 
Durch den Gotthard-Tunnel ging es ebenfalls gut, obwohl dort drin ein ziemlich starker Windwiderstand herrscht. Wenn ich den dann umgekehrt fahren muss, also mehr bergauf, dann bin ich mal gespannt, wie lang die Kolonne hinter mir wird! Uah, insgesamt bin ich aber zufrieden. Den Monte Ceneri schaffte ich mit 62 km/h! Nicht so übel, oder?  
Bei Rivera verliessen wir die Autobahn und stellten unsere Karren für die Nacht auf den Parkplatz der Luftseilbahn Monte Tamaro. Ein Spaziergang vor dem Abendessen führte uns zum 200-Seelen-Dörfchen Soresina oberhalb der Talstation. 
Obwohl Regen und Nebel uns auf unserem Weg bis hierher begleiteten, so ist die Temperatur heute Abend doch schon einiges angenehmer als noch in der Mittelschweiz. 
Gedünsteter Lauch mit Tofuwürfeln, gewürzt mit Curry und Sojasauce, dazu Reis und ein billiger, aber leckerer Côte du Rhône war unser erstes Abendmahl auf unserer erneuten Reise unterwex nach irgendwo im Süden. 
2. Oktober 2003, Rivera - Torretto di Fano (Adriaküste, nördlich von Ancona)
Autobahnfahren

Es wurde gut 10h bis wir endlich von Rivera loszogen. Gemütlich Frühstücken, Abwasch, Spaziergang mit Hund und so weiter braucht halt seine Zeit. Grenze bei Chiasso kein Problem, kein Stau. Allerdings waren dann die Autobahnen rings um Milano bumsvoll mit Lastwagen. Mindestens die Hälfte aller Fahrzeuge sind dort LKW's! Wahnsinn, und ich mit meinem Brummi mischle natürlich ebenfalls kräftig mit. Meist ganz auf der rechten Spur, aber hin und wieder auch mal ganz Links!
Mit meinen 100km/h überhole ich zwar hin und wieder langsam Fahrende, aber spätestens beim nächsten Anstieg kommen sie dann wieder alle und überholen dann wiederum mich. Viele Trucker hatten offensichtlich Freude an mir und meinem Womo, denn ab und zu hupten sie vor lauter Freude (unterstell ich mal). Die ganze Fahrt rüber an die Adria verlief reibungslos. Nie Engpässe oder sonstige zu beobachtende Unfälle. 




Für die Mittagspause stellten wir unsere Vehikel im rechten Winkel auf und hatten so ein geschütztes Plätzchen. Die Temperatur ist inzwischen ganz schön angestiegen. Ich sitze im Top am Mittagstisch draussen und geniesse die südliche Wärme. Auch wenn man manchmal vergisst, wieso dass man unterwex ist, fällt es einem in solchen Momenten wieder ein.  
Kurz vor unserem heutigen Ziel muss ich dann doch noch tanken gehen. So reichte der Tank mit seinen 68 Litern Fassungsvermögen gerade mal von Olten bis kurz vor Pesaro. 10 Liter sauft mein Womi bei Höchstleistung auf der Autobahn. Ich bin zufrieden. Dominik kann dafür in meinem Windschatten und mit für seinen VW-Bus gemächlichen ökonomischen Verhältnissen beträchtlich Sprit sparen. 
Im Buch "Wohnmobilstellplätze Italien" ist ein Stellplatz in Fano beschrieben, den wir dann auch mit ein wenig Suchen finden. Parkplatz direkt am Meer. Völlig ungestört mit einem Touch von Romantik und Melancholie bietet er mir einen guten Auftakt für die erste Nacht im "Ausland". Diesen ersten Abend in Italien zelebrieren wir, wie es sich gehört, mit einer Pizza und Hauswein. War ganz fein. Pizzas in Italien schmecken halt besser, italienischer, keine Frage! 
3. Oktober 2003, Torretto di Fano - Sirolo - Porto Recanati (Adriaküste, südlich von Ancona)
Meerluft

Am morgen gibt's sogar noch ein kurzes Bad im nicht mehr ganz warmen Meer. Dafür ist die Leere des Strandes, der in der Saison voll mit Sonnenschirmen und Liegestühlen ist, doch herrlich, Balsam für die Seele, finde ich. Wir fahren weiter mit Sirolo als Ziel. Eigentlich wollten wir dort eine Wanderung über den Monte Cónero machen, aber die Steilküste unterhalb Sirolo hat uns angelacht. So beschlossen wir kurzerhand, den schönen Tag (für morgen ist Schlechtwetter angesagt) mit Baden und Sünnele zu verbringen. Von Sirolo, welches ein hübsches kleines Dorf ist, führen Wege hinunter an die schlecht zugänglichen Buchten, die entsprechend wild und unbesiedelt wirken. Genau das, was wir brauchen, um zufrieden unsere nackten Ärsche an der Sonne zu räkeln.
Nach dem Aufstieg genehmigten wir uns ein Gelati und fuhren dann noch ein wenig weiter der Küste hinunter, um einen Übernachtungsplatz zu finden. Nun sitzen wir hier im Womo, haben ein Bier zum Apero und überlegen gerade, was wir zum Abendessen machen könnten.
Das Thermometer zeigt etwa 24° an. Mittlerweile hat der Wind arg aufgefrischt bzw. diese Ecke ist wohl auch speziell windig. Der Wind bläst aus Süden und fühlt sich wie ein Föhn an. Der Effekt ist, dass das Thermometer nicht fällt. Wir haben auch in der Nacht 22°! An sich ist das ja schön, aber zum Schlafen halt doch ein wenig heiss. Vom Alkovenfenster aus kann ich die Fischer mit ihren Glühangeln beobachten.
4. Oktober 2003, Porto Recanati - Castelluccio (Monti Sibillini, Region Umbrien, Provinz Perugia)
Fahrt in die Berge, Piano Grande di Castelluccio

Bis Civitanova fahren wir auf der Küstenautobahn, anschliessend scharf gegen Westen ins Sibillinische Gebirge. Die Fahrt ist wunderschön, führt durch herbstlich eingefärbte Wälder. Hinauf zum Pass komme ich nur noch mit 30-40 km/h. Es bedeutet zurücklehnen und es ruhig nehmen. Da eh kein Verkehr herrscht ist das weiter auch kein Problem. 
Auf dem Pass oben bietet sich uns ein gewaltiger Anblick auf die eben durchfahrenen Hänge im Norden und Castelluccio im Süden. Das Wechselspiel von Sonne und Wolken zeichnet die sanften Hügel scharf. Der Wind hier oben ist so kalt, dass wir im Auto essen. Eine abgemagerte Hündin schleicht ums Auto. Bevor wir losfahren, geb ich ihr eine Ration Hundefutter, was Zorro gar nicht lässig findet.
Das Dorf Castelluccio selber gibt nicht viel her. Ich staune über den schlechten Zustand der Häuser. Hier scheint der EU-Rubel nicht gerollt zu sein. Es sieht alles sehr ärmlich und vernachlässigt aus. Von einem lustigen alten Mann kaufen wir 1/2 Kilo Linsen (Lenticchia) für 3.50 Euro. Im Dorf unten verkaufen sie die gleiche Menge für 4.50! Wir finden es ziemlich teuer, aber lecker sollen sie ja sein und ausserdem werden sie direkt hier in Castelluccio gewonnen.
Die Paragliderschulen sind offenbar schon geschlossen, die Saison ist vorbei.
Wir fahren in die eindrucksvolle Ebene, Piano Grande genannt, auf 1271m, um dort bei all den anderen zu campieren. Gleich neben dem grossen Landeplatz ist ein Platz dafür vorgesehen, sogar mit Wasseranschluss, und das Wasser ist einwandfrei. Supi! Ein paar Österreicher sind auch schon da. Sie haben ihre Zelte zum Übernachten und zum sich "Aufenthalten" aufgestellt. Die einen haben sogar so ein dreirädriges Vehikel zum Kiten dabei.
Wir machen uns mal als Erstes auf einen Spaziergang hinaus in die Ebene. Der Wind fegt extrem über die Wiesen, an Fliegen ist nicht zu denken. Sogar das Laufen bereitet je nach Windrichtung seine Probleme! Auf der Ebene hat es Schafherden mit ihren Hirten und Hirtehunden. Ein Teil der Hunde ist aber offensichtlich auch verwildert und streunt um die Autos herum. Sie sind in schlechtem bis üblem Zustand.
Während der Nacht wird das Womo durchgeschüttelt. Immer wieder habe ich das Gefühl, jetzt gleich umzukippen. Aber natürlich reicht der Wind dazu nicht aus, auch wenn er beängstigend an allen Ecken und Enden zerrt. 
5. Oktober 2003, Castelluccio
Böiger Wind über riesigem Talkessel

Am Morgen liegt das Zelt der einen Österreicher verrissen am Boden und die Zelte der anderen sind ebenfalls aus den Verankerungen und Stangen gerissen und liegen als wilde Haufen neben dem Bus. Es sieht aus, wie wenn jemand gewütet hätte. Aber die Leute lassen sich davon nicht beeindrucken, scheinbar muss man hier mit sowas rechnen (!). Na ja, also ich fahre meine Heckstützen aus, welche sofort mehr Stabilität geben und dem Gefühl von auf hoher See zu sein endlich ein bisschen was entgegenhalten.
Das Wetter für heute wird wohl kalt (8-10°) und windig bleiben (wir schätzen so böige 60km/h). Nach gemütlichem Frühstück ziehen wir uns wetterfest an und marschieren quer über die Ebene zum Übungshang hinüber und hinauf. Der Blick ist wieder sensationell. Der Wind reisst einem den Atem vom Mund weg und den Schnuder aus der Nase.
Unten beim Landeplatz treffen wir auf zwei Schweizer. Der eine, Thomas, ist von Mollis und mit 14 Leuten hier zum Fliegen. Der andere ist von Gommiswald und will vor allem das Bodenhandling üben. Wir unterhalten uns eine Weile und marschieren dann zurück. Auf halbem Weg fängt es an zu regnen und wir sind heilfroh in ein warmes und schützendes Wohnmobil steigen zu können.
Nach dem Mittagessen ist gemütliches Duschen und Haarewaschen angesagt. Da hier Wasser keine Mangelware ist wollen wir das Ausnützen. Also Boiler an, eine Stunde warten und dann, ah, so herrlich, unter die Warmwasserdusche! Einfach genial. Draussen ist es 8° und drinnen 21°. Das Wasser kommt mit etwa 50° raus und lässt einen frostige Temperaturen vergessen. Dummerweise ist der Tank leer, als Dominik sich ein zweites Mal einseift! Die Tankanzeige hat uns bzw. ihm einen kleinen Streich gespielt. Ich fülle schnell mal aus dem Faltkanister in PET-Flaschen ab und reiche sie ihm in die Dusche. So kann er wenigstens den Schaum abspülen, wenn auch mit kaltem Wasser!
Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit Verbessern der Einrichtung (da kann man, glaube ich, dauernd was verbessern), Lesen, mit Wasserholen und Spazieren. Es gefällt mir hier. Auch wenn das Wetter ziemlich bissig ist, ist es mit dem Womo als Basis entsprechend gemütlich. Man lässt sich draussen durchwinden und -schütteln und kommt dann rein, um sich dank Heizung wieder schnell wohlig zu fühlen.  
6. Oktober 2003, Castelluccio
Wunderschöne Landschaft umzingelt von Schneebergen
Am Morgen ist mein Erstaunen gross als ich die weissen Gipfel erblicke. Dass es kalt ist, ok, dass es bissig wird, ok, aber Schnee?!
In der Nacht hat der Wind sowas getobt, dass ich wirklich bald das Gefühl hatte, mein Womo müsse umkippen. Ein St. Galler hat auf der Hinfahrt zu uns einen umgekippten Wohnwagen gesehen, so ganz und gar daneben war mein Eindruck also nicht.
 
Der Morgen ist noch kurz bewölkt, aber nach und nach setzt sich die Sonne durch. 
Wir nutzen den wundervollen Tag, um eine ausgedehnte Wanderung, mit ständigem Blick auf den gezuckerten Monte Vettore...  
...hinauf auf den östlichen Gipfel der Talebene, den Monte Guaidone mit 1647m, zu machen.
Auf dem südlichen Talboden sieht man den Fluss Mergani, welcher irgendwo in der Landschaft einfach verschwindet und unterirdisch weiter fliesst. 
Die Ebene ist ansonsten topfeben. Im Frühling muss es hier voll mit bunten Blumen sein. Ich glaube, ich muss der Ebene um diese Jahreszeit wieder einen Besuch machen. 
Die Bergkette der Monti Sibillini gehört zu den schönsten Abschnitten des gesamten Apennin. Gut, dass das Gebiet zu einem Naturpark erklärt wurde. Dadurch ist das Gebiet extrem dünn besiedelt, was ihm entsprechend einsamen Charakter verleiht.
Von weit oben sieht man die Schafherden verteilt auf dem riesigen Gelände. Unsere Wanderung führt uns quer darüber zurück zum Übernachtungsplatz.
Der heutige Tag bekam noch ein i-Tüpfelchen durch die Wiesenchampignons, welche ich auf der Wanderung fand. Zum Abendessen gab es nun also die echt feine Castelluccio-Linsen, dazu die Pilze vom Plateau. Ich kann nur sagen, es war schlicht lecker.
7. Oktober 2003, Castelluccio
Ausflug nach Norcia - Ladenhüter?

Meine Chemietoilette muss dringend geleert werden. Wir verknüpfen diesen Job mit einem Ausflug zum Dorf Norcia, welches südlich auf der anderen Passseite, schon in der Provinz Perugia, liegt. Wir kaufen Trüffelteigwaren, getrocknete Steinpilze und jungen Schafskäse. Das Städtchen ist voll mit "lahmgelegten" Gleitschirmpiloten und -pilotinnen. Überall hört man Schweizerdeutsch. In einem Elektrogeschäft finde ich aufladbare Batterien für meine Digitalkamera. Jetzt habe ich vier Paare, so habe ich immer ein Paar in der Kamera, eines als Reserve dabei und zwei im Ladegerät. Da ich dank Sonnenkollektor über genügend Strom, wohlverstanden Gratispower, verfüge, kann ich mir diesen Luxus leisten. Einfach genial. Laptop und Digitalkamera sind dadurch immer einsatzbereit. Das Womo ist schlicht ein Hit. Es ist natürlich auch praktisch, dass hier Frischwasser zur Verfügung steht. So ist mein einziges "Problem" die Toilette, welche einmal die Woche geleert werden will. Gespannt bin ich, wie lange die Gasflasche hinhält. Ein zweite habe ich natürlich dabei. Aber mit Heizen und Kühlschrank kühlen wird der Verbrauch nicht gerade wenig sein. Mal schauen. 
So, ansonsten gibt es hier nicht viel zu berichten. Die Gleitschirmpiloten, es sind ziemlich viele, sicher 20-30, die hier rumlungern, haben am Vormittag noch Aufziehübungen gemacht, teilweise sind sie auch am Südhang geflogen, aber der Wind ist so böig, dass es schon eher riskant ist, jetzt am Hang zu soaren! Dominik lässt es darum auch bleiben. Ausserdem sind etliche ungeübte Schüler am rumwerkeln.  
8. Oktober 2003, Castelluccio
Eiskalt aber wunderschön

Die ganze Nacht hat es immer wieder geschüttet und gewindet. Der Wind hat gedreht. Nun bläst er von Westen. Die Leute sagen, morgen soll es schöner werden und bis zum Wochenende sehr schön. Na, da sind wir mal gespannt. Auf alle Fälle ist es heute morgen so hässlich, dass ich Zorro nur mal gerade fürs kleine Geschäft rauslasse. Zuerst mal frühstücken und mich innerlich für das Wetter draussen rüsten. Danach montiere ich die Regenhosen von Dominik, meinen Fasi, die Windjacke, Handschuhe und Mütze. So ausgerüstet wird der Spaziergang mit Zorro richtig gut. Es ist herrlich, weglos über die weite Ebene zu spazieren. Teilweise renne ich, der Kreislauf kommt in Schwung und mir wird warm. Dann kommt sogar die Sonne durch. Es wird richtig schön, auch wenn es eiskalt bleibt! Mir passt es. Ich liebe es, wenn das Wetter sich dauernd ändert und am Himmel oben so richtig was los ist. Ausserdem ist das Zurückkommen in die warme Stube des Womos dann umso schöner.
Am Nachmittag fahren Dominik und ich nach Castelluccio und marschieren von dort aus zum westlichen Startplatz hoch. Der Blick ist überwältigend von hier. Ich weiss ja nicht so genau, was es ist, aber irgendetwas an dieser Landschaft fasziniert und fesselt mich. Ich mag diese Weite, die von Hügeln und dem hohen Monte Vettore eingegrenzt ist. 
Am Abend haben wir die TV-Anlage ausprobiert. Antenne nach 19° Ost (von Süden aus) ausgerichtet, mit dem Neigungswinkel, der sogenannten Elevation, rumgespielt und schon konnten wir die 60 Programme des Astra-Satelliten empfangen. Doch kaum alle Sender durchgeschaut, ging die Batterie in die Knie. Das erste Mal, dass ich den Alarm höre, wenn die Zusatzbatterie am Ende ist! Der Fernseher wäre ja kein Problem, aber der Satellitenempfänger schluckt Strom wie blöd! Also gut, dann weiss ich das jetzt. Fernsehen kann man nur, wenn man am Strom hängt, bzw. auf dem Campingplatz steht. Null Problemo, denn auf diese Kiste kann ich am ehesten verzichten. Nur blöd, dass ich diese teure Einrichtung nicht einfach rauszerren kann. Dafür ist sie zuviel wert und zu perfekt eingebaut. Aber vielleicht bietet sich ja mal die Gelegenheit, sie günstig zu verramschen. 
9. Oktober 2003, Castelluccio
Kaltluftsee / Nebelmeer

Heute morgen ist stockdicker Nebel. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Ebene hier, die Piano Grande, ein Kaltluftsee ist, d.h. die abgekühlte Bergluft kann nirgends wegfliessen und bleibt in Form von Nebel am Boden liegen. Ich wusste auch nicht, dass auch das Schweizer Mittelland so ein Kaltluftsee ist. Darum haben wir immer soviel Nebel im Herbst! 
Als wir aufstanden, hatte sich die Batterie noch nicht soweit erholt, dass wir die Pumpe fürs Fliessendwasser nutzen konnten. Kurzerhand packten wir unser Frühstück in den VW-Bus und fuhren durch den Nebel hoch ins Dorf Castelluccio. Dort hatten wir genialen Blick über das Nebelmeer. 
Es ging nicht lange und die ersten Gleitschirmflieger fuhren mit ihren 4x4 und Ähnlichem den Berg hoch. Die Strasse ist aber leider selbst für den VW-Bus nicht passierbar. Also hiess es, wieder nach unten fahren. Ein Pärchen aus Buochs nahm dann Dominik und noch jemanden mit nach oben. Unten konnte man schon die ersten Gleitschirme durch den Nebel fliegen sehen. Der Nebel lichtete sich dann alsbald. Hervor kam eine wunderbare warme Sonne. 
Das gute an dieser Wetterlage ist, dass es entsprechend wenig Wind hat. Der Tag wurde so schön, dass ich sogar die Sonnenstore rauslassen konnte und diese endlich mal trocknen konnte. 
Dominik verbrachte den Tag am Übungshang mit quasi privater Schulung durch Bene, dem österreichischen Tandempiloten, der ihm viele wertvolle Tipps und Hinweise fürs Bodenhandling geben konnte. 
10. Oktober 2003, Castelluccio
Erster Gastank schon leer

Knapp 20 Tage hat die Gasflasche hingehalten! Die erste Flasche ist schon leer! OK, wir haben schon arg einheizen müssen und beide haben wir auch insgesamt drei mal warm geduscht. Der Kühlschrank ist natürlich auch dauernd in Betrieb. Na ja, wenn ich davon ausgehe, dass eine Füllung etwa 25 Euro kostet, dann bedeutet dass 1.25 Euro pro Tag oder 37.50 Euro pro Monat Energiekosten. Das ist in Ordnung. 
Nun musste ich den Schlauch von der leeren auf die volle Flasche umhängen. Für mich das erste Mal! Mit dem Gastank hatte ich meine liebe Mühe. Die Befestigungsschlaufen gingen dabei drauf und fürs Aufdrehen der neuen Flasche brauchte ich männliche Hilfe. Aber immerhin, ansonsten habe ich selbst fertiggebracht. An sich nicht schwierig, aber wenn ich etwas das erste Mal mache, dann bin ich immer unsicher. Als dann Heizung und Kühlschrank wieder liefen, war ich so motiviert, dass ich gleich auch noch den Wassertank wieder auffüllte. Das bedeutete, drei Mal mit dem 20 Liter Kanister zum Brunnen und wieder zurück. 
Seit gestern lassen die Hirten ihre Pferde hinter uns auf der Koppel grasen. Man hört, wie sie das Gras rupfen und fühlt sich wie im wilden Westen. Sie haben alle keine Halfter an. Alle Farben sind vertreten, auch zwei Füllen sind dabei. 
Dominik verbrachte den Tag mit Fliegen und Üben am Übungshang. Immer wieder landen sie auch gleich beim Campingplatz. Nach dem Mittagessen marschierte ich mit Zorro quer über die Pampa um Hintenrum auf den Übungsberg, den Rotondo, zu laufen. Von oben ist die Sicht herrlich. Man schaut auf all die Piloten mit ihren bunten Schirmen hinunter und schaut dem lustigen Treiben zu. Auf dem Foto sieht man den Bus (blau-gelb) von Bene und Tanja. Dominik ist gerade beim Landeanflug.  
11. Oktober 2003, Castelluccio
Fliegerisches Allerlei

Die Tage sind vom Wetter her beständig. Am Morgen herrscht regelmässig Nebel bis etwa halb elf. Dann reisst es auf und die Sonne kommt warm und wohlwollend durch. Es lässt sich im leichten Pullover draussen sitzen. Man muss sogar aufpassen, dass einen die Sonne nicht rosig brät.  
Ich beschliesse, mit dem VW-Bus nach Norcia zu fahren, um einzukaufen. Zorro kommt mit. Ich bin ziemlich enttäuscht von meinem Zorro. Überraschen tut es mich zwar nicht wirklich, aber trotzdem schmerzt mich sein "Untreu" sein. Es ist nämlich so: auf dem Platz, wo wir sind, sind auch wilde Hirtenhunde, in die sich Zorro vernarrt hat. Innerhalb weniger Tage hört er überhaupt nicht mehr auf mich. Ich kann rufen, solange ich will, er hört nicht hin. Ich weiss, er ist im Flegelalter und ich weiss, dass ich geduldig sein muss, aber manchmal komme ich mir schon arg blöd vor. Ich kümmere mich um ihn, mache dies und jenes für ihn und irgendwie erwartet man dann halt eine Art Gegenliebe. Ich weiss, ich weiss, komplett falsch! Aber trotzdem ist es so. Es trifft mich persönlich, wenn er meine Rufe in den Wind schlägt. Aber was soll's. Trotzdem nehme ich ihn natürlich mit. Im Supermarkt mache ich Grosseinkauf. Es muss für etwa vier Tage hinhalten. Schwer beladen verlasse ich den Laden wieder und fahre noch kurzerhand an den Stadtrand, um einen Bummel zu machen und mir einen Cappuccino zu genehmigen. Die Sonne scheint. Jede Menge Touristen sind unterwex. Das sibillinische Gebiet ist auch ein grosses und bekanntes Wandergebiet. Dann fahre ich über den Pass wieder zurück in die Ebene. Der Anblick überwältigt mich jedes Mal aufs Neue. 
Am späteren Nachmittag fahre ich mit Dominik zum Ostpass hinüber. Ein paar aus der Berner Clique sind ebenfalls dort. Zwei von ihnen machen mit ihren Schirmen die verrücktesten Dinge. Sie fliegen nah aneinander vorbei, landen kurz auf dem Startplatz, um sich eine Zigarette geben zu lassen und hüpfen dann wieder weiter. Auch einen anderen sehe ich, der bei relativ starkem Startwind seinen Schirm hochzieht und immer wieder fast ganz hinunter fallen lässt. Im letzten Moment holt er ihn wieder rauf, dabei hüpft er mit dem Schirm mit wie wenn er mit ihm tanzen würde. Sieht phantastisch aus, wenn so Typen mit ihren Schirmen spielen, wie wenn es ein Spielzeug wäre. 
Dominik fliegt ebenfalls raus und versucht zusammen mit den Bernern beim Monte Vettore Auftrieb zu finden. Ohne Erfolg. Als ich ihn unterwegs "auflese", sehe ich, wie ein Deltist eine gewagte Landung macht. Die Schlussphase allerdings verschwindet hinter dem Abhang. Auf einmal rennen Leute dort runter und ich höre jemanden rufen, es sei schlimm. Das war wohl eine Bruchlandung. Es sind aber mittlerweile schon genügend Leute bei ihm unten und seine Mannschaft ist ebenfalls eingetroffen. Also fahren wir zu unserem Platz. Wenig später hören wir dann das Krankenauto heranfahren. Leider setzen sie hier nie den Heli ein, obwohl es ewig dauert, bis das Krankenauto von Norcia hier ist und dann auch noch je nachdem noch viel länger, bis sie beim Verunfallten ankommen. Heute ging es relativ schnell. Vor unserem Platz machten sie halt. Es machte den Anschein, als ob sie nicht wüssten, ob sie nun zum Übungshang fahren sollten oder weiter der Strasse entlang zum Pass hinauf. Dominik lief mit der Wanderkarte hin, mit der Absicht, ihnen den Standort des Unfalls zu zeigen. Doch kurz darauf kam der VW-Bus der Deltisten-Crew angefahren. Offenbar hatte jemand eine Halskrause dabei und konnte den Verletzten notdürftig versorgen und ihn auch möglichst schon dem Krankenwagen entgegenfahren. 
Am Abend lud Dominik Bene und seine Freundin Tanja und mich zum Abendessen auf der Forca Canepina ein. Das gleichnamige Hotel befindet sich auf dem südlichen Pass. Es gibt ein Halbpensionsmenü für 20 Euro mit etwa fünf Gängen. Einfache aber sympathische Küche. Es wurde natürlich viel übers Fliegen fachgesimpelt. Aber es war trotzdem recht amüsant. Der Bene fliegt ja lange als Profi-Tandempilot im Zillertal und hat entsprechend fliegerische Erfahrung. Tanja fliegt noch nicht so lange, profitiert dafür aber natürlich von seinem Wissen und Können. Dominik revanchiert sich mit dem Essen für die vielen guten und grosszügig gegebenen Tipps von Bene. 
Müde, vollgegessen und zufrieden fielen wir spät ins Bett. 
12. Oktober 2003, Castelluccio
Fliegerleben

Gestern, am Samstagabend, füllte sich der Campingplatz nach und nach mit Wohnmobilen. Aber heute morgen fuhren sie alle wieder ab. Ganz nachvollziehen konnte ich das nicht: sie kamen als es schon bald eindunkelte und fuhren wieder weiter bevor der Nebel sich gelichtet hatte. Von der Schönheit der Ebene haben sie also kaum was mitbekommen. Aber vermutlich ist es halt schon so, dass sie die Landschaft fahrend erleben und sich nur gerade jeweils einen Schlafplatz suchen. Na ja, jeder auf seine Art. Mir passt es wunderbar, hier mein Heim aufgestellt zu haben und von hier aus dies und jenes zu unternehmen. Mittlerweile sind wir eine gute Woche hier und ich hab schon ein wenig das Gefühl, die Gegend zu kennen. Aber ich hab noch vieles vor: der Monte Vettore ruft, und der östliche Hügelkamm bietet sich regelrecht für eine lange schöne Wanderung von Pass zu Pass an. Aber ich hab ja noch Zeit. Viel Zeit. Der Oktober ist offenbar sowieso ein wetterschwieriger Monat. In allen Führern, egal ob nun für die Toskana, Korsika oder Sardinien, steht, dass es im Oktober die meisten Niederschläge gibt. Also wird es wohl nicht pressieren, nach Sardinien zu kommen. Vorher möchte ich eh noch Rom anschauen gehen. 
So um 11h trafen sich wieder alle auf dem Campingplatz. Franz und Gabi kamen mit ihrem selbstumgebauten Bus mit Aufstelldach. Sie übernachten jeweils auf dem Südpass, weil es dort oben etwa 5° wärmer ist als hier unten und auch der Nebel nicht hinauf kommt. 
Ich liess mich dann dazu überreden, alle auf den West-Startplatz hinauf zu fahren. Der Nebel wollte sich heute morgen überhaupt nicht mehr verziehen. Erst um etwa 12h, als wir oben am Startplatz auf etwa 1600m waren, konnten wir beobachten, wie sich unten langsam Löcher in den Nebel frassen. Dominik flog als erster raus und fand gleich einen Superschlauch. Er überhöhte und flog dann rüber zum Übungshang. Franz und Tanja hatten weniger Glück und sauften ab. Gabi hatte nach zwei Fehlstarts dann wieder Glück und flog regelrecht in einen Lift hinein. Zusammen mit Franz flogen sie rüber nach Castelluccio und hatten das Vergnügen das Dorf von oben zu beschauen.
Als alle oben waren, lief ich mit Zorro zurück zum Camper. Schon von weitem hörte ich ein Lamm schreien. Als wir dann näher kamen, sah ich, dass es ein neugeborenes Lämmchen war, dass dort im Gras lag. Zorro ging neugierig hin und die Mama blieb auf Distanz. Ich schaute, dass ich mit Zorro weiterkam. Die Fahrt hinunter mit dem hochgesetzten Mitsubishi-Bus war das reinste Vergnügen. Hat richtig Spass gemacht, sich so durchschütteln zu lassen. 
Zum Mittag machte ich mir einen leckeren Salat mit Lattich, Ruccola, Sellerie und Tomaten. Dann vertiefte ich mich in mein Buch. Doch ich hielt es nicht lange aus. Draussen war die schönste Sonne und Dominik konnte ich vom Fenster aus beobachten, wie er unermüdlich mit seinem Schirm auf dem Übungshang oben rumturnte. Ich bereitete nochmals den gleichen Salat vor, packte ihn zusammen mit Brot und Käse, einem Apfel und etwas Süssem in einen Sack und fuhr mit Dominik's Bus zum Übungshang rüber. Alle fünf waren gerade am nach oben steigen, also stieg ich mit Zorro hinterher. So hatte ich heute auch noch was für meinen Kreislauf getan. Oben sitzt man dann mit herrlichem Blick über die Ebene. 
Irgendwann stellte sich noch heraus, dass ich Gabi schon mal getroffen hatte und zwar im Engelbergertal auf der Büelen. Sie war eine der drei Girls, die kaum waren sie mit ihren Gleitschirmen draussen, mit einem auffrischenden Talwind zu kämpfen hatten und fast nicht mehr runterkamen. Sie hatte also in der gleichen Zeit ihre Ausbildung absolviert, als ich damit anfing.
Den Abend verbrachten wir im warmen Womo mit feinem Abendessen, italienischem Wein und einer Runde "Ablegerlis". Der Mond, der vor zwei Tagen voll war, scheint über die weite Ebene, auf welcher sich bereits wieder der Nebel langsam ausbreitet. Die Digitalkamera bringt es fertig, noch mehr Licht rauszuholen, als was mit blossem Auge zu sehen wäre. 
13. Oktober 2003, Castelluccio
Allgemeines Rumhängen

Der heutige Tag bringt nicht viel Action. Wenigstens nicht aus meiner Sicht. Franz und Gabi fliegen und üben am Rotondo. Und natürlich auch Bene, Tanja und Dominik. Aber auch wenn für mich nicht viel los ist, geniesse ich das Sein hier. 
Bene's Vehikel will nicht mehr recht anspringen. Mit Dominik's VW-Bus haben wir ihn mal angezogen, aber das Problem ist damit noch nicht behoben. Als dann Franz auftaucht, legen sich die beiden unter's Auto und checken die ganze Chose. Es stellt sich dann heraus, dass es "nur" ein Kontaktproblem war, was sich relativ leicht beheben liess. 
Derweil die Herren unter dem Auto liegen, verfolgen wir Mädels einen einsamen Gleitschirmflieger am Himmel, der mit Gegenwind fast nicht vom Fleck kommt. Auch eingelegte Ohren helfen nur wenig. Er landet dann aber schliesslich doch noch gut hinter unserem Platz. Er selbst war die Ruhe selbst, nur wir, die wir zugeschaut haben, hatten unsere Bedenken, ob er es schafft!
14. Oktober 2003, Castelluccio
Wanderung von Pass zu Pass

Eigentlich wollte ich mit der Chemietoillete zum Pass hochfahren und sie dort oben irgendwo im Wald leeren. Als ich die Kassette draussen hatte und das Ding aufstellen wollte bemerkte ich, dass das Druckventil nicht dicht ist. So ein Scheiss, ist wahrsten Sinne des Wortes. Das Ding war nicht dicht, weil zu voll! Es blieb mir nichts anderes übrig, als es über die Strasse zu tragen und dort im Strassengraben meine "Sache" zu entsorgen. Wenigstens habe ich grüne Chemie, sodass es für die Natur an sich kein Problem ist, aber gerade spassig ist es trotzdem nicht. Das nächste Mal werde ich den Tank nicht mehr voll werden lassen!
Dominik und ich fahren zum Südpass, der Forca Canapine und laufen zum Ostpass, der Forca die Presta rüber. Der Weg führt durch Buchenwälder, an Hügelkämmen entlang und bietet immer wieder wunderbare Blicke auf die Ebene und die umliegenden Berge. 
Wir treffen auf zwei Hirtenhundwelpen. Sie sind zuckersüss, sicher kaum 10 Wochen alt und schon ganz alleine. Sie laufen uns ein ganzes Stück nach. Als wir uns zum Pic-Nic hinsetzen sind sie natürlich auch wieder da und fressen gierig alles, was zu Boden fällt. Viel Chancen geb ich den Beiden nicht. Entweder es erbarmt sich jemand der Beiden und nimmt sie mit oder sie werden hier erbärmlich verhungern! So niedlich die Kleinen jetzt noch sind, aus ihnen werden richtig grosse massige Hütehunde. 
Von der Forca di Presta, wo der Oststartplatz ist, laufen wir wieder zurück. Wir haben einen herrlichen Blick auf den Monte Vettore. Gut sieht man den Sattel, von wo es in ein Tal hinuntergeht. Rechts davon ist der höchste Punkt. 
Für den Rückweg nehmen wir die Route im Tal unten. Um 18h sind wir wieder zurück. So waren wir doch 5 1/2 Stunden unterwegs! 
Flugwetter war dann doch noch. Wir konnten sie am Weststartplatz beobachten, wie sie soarten und teilweise sogar bis nach Castelluccio rüberflogen. 
15. Oktober 2003, Castelluccio
Spaziergang nach Castelluccio

Der heutige Tag bringt kein Flugwetter. Von Osten bläst ein kräftiger Wind. Die Wolken stauen sich am Monte Vettore. Wie Badeschaum schwappt es langsam rüber auf unsere Seite.  
Wir packen uns warm ein und spazieren dem Hang entlang bis nach Castelluccio um dort was Kleines zu essen und dann wieder über die Ebene zurückzuspazieren. Die blauen Disteln sind jetzt fast alle schon verblüht. Aber im Frühling (ist hier etwa Ende Mai, Anfang Juni) muss es hier phantastisch sein. Ganze Felder, welche in Blau von den Disteln oder Rot vom Mohn blühen. 
Wir laden Franz und Gabi zum Tee bei uns ein. Während die beiden viel Spannendes von ihren früheren Reisen in Afrika und anderen Orten zu erzählen wissen, wird aus der Teezeit ein Apero mit Wein und Lachsbrötchen... draussen wird es dunkel und drinnen richtig gemütlich. 
16. Oktober 2003, Castelluccio
Bombola und Fete

Ich muss dringend meine Gasflasche auffüllen lassen. Auch Einkaufen steht wieder an. Also fahr ich mit Dominik runter nach Norcia. Wir fragen uns durch, aber sie schicken uns zwei Mal um Norcia rum und wir haben halt immer noch kein Gas zum Auffüllen. Volle Flaschen (Bombola di Gas) könnt ich schon haben aber was mach ich dann mit meinen teuren Schweizer Depotflaschen? Also Weitersuchen. Wenn wir die Leute an Tankstellen fragen, sagen sie uns immer wieder, dass das Abfüllen verboten sei. Schicken tun sie uns dann an Orte, wo man Autogas auffüllen kann, aber das ist ja nicht das, was ich brauche. In Ascoli werden wir dann endlich fündig. Einer, der Gasanlagen prüft und einbaut nimmt meine Flasche entgegen und lässt sie auf den anderen Tag auffüllen. Das heisst, ich muss morgen oder halt Samstag nochmals nach Ascoli (etwa 50km von Castelluccio) runterfahren. Ich hoffe wirklich sehr, dass wenn ich Richtung Küste komme oder wenn ich auf Sardinien bin, ich eher Gastankstellen finde. Ok, im Moment verbrauche ich natürlich extrem. Jeden Morgen heize ich während etwa 2 Stunden und abends vielleicht nochmals während 3 Stunden. Die Aussentemperatur ist morgens auf 0° -5°, und abends wird es auch immer so um die 9°. Drinnen habe ich dann am Morgen knappe 10°. Dank des Truma-Vent's (Heizventilator, der die Luft in alle Winkel verteilt), habe ich dann aber eine angenehme Wärmeverteilung im Womo. Auch muss ich keine Angst haben, dass mir irgendwas einfriert. 
Am Abend sind wir mit Franz und Gabi bei Bene und Tanja zum Abendessen eingeladen. Sie machen Bayrisch-Tirolische Cröstel oder so ähnlich (Bratkartoffeln mit Zwiebeln, Speck und Ei). Ein gut festgezurrtes Partyzelt ist ihr "Wohnzimmer". Ein Heizstrahler sorgt für gemütliche Wärme, auch wenn es hin und wieder kalt irgendwo reinbläst. Wir haben es gemütlich und lustig. Um 2h fallen wir dann ziemlich müde ins Bett. Den kleinen Zorro habe ich im Womo gelassen. Die Heizung auf das Minimum gestellt, hatten wir angenehme 11° als wir heimkamen. Die Nacht war so kalt, dass ich die Heizung anliess. Na, wenn das so weitergeht, dann ist die zweite Flasche auch bald leer! 
17. Oktober 2003, Castelluccio
Rumhängen, Nichts tun

Es ist kalt und unfreundlich. Ich glaube, es wird langsam Zeit, weiterzureisen. Vielleicht am Montag oder Dienstag...
Übrigens so hübsch und adrett sieht Dominik nur aus, wenn er seinen Bart los werden will, ohne dass er dabei auch noch gleich seine langen blonden Locken versehentlich abhaut!
18. Oktober 2003, Castelluccio
Stadtbesuch Ascoli und Älplermagronen 

Ich fahre mit dem VW-Bus nach Ascoli, um die volle Gasflasche zu holen. Vorher Bankomatbezug, Tanken und anschliessend einkaufen für heute Abend. Wir haben Bene und Tanja zum Älplermagronen eingeladen. Die Strecke nach Ascoli führt über den Pass Forca die Presta und durch das tiefeingeschnittene Tal hinunter nach Ascoli. Ich brauche eine Stunde für einen Weg! 
In Ascoli finde ich zufälligerweise ein Internetcafé, aber leider schaffe ich es nicht, den Reisebericht mit den Fotos anzuhängen. Irgendwas stimmt nicht. Ich schätze mal, das Dokument ist mit 1 MB zu gross. Die Zeit verfliegt und der Laden macht dicht! So ein Mist. Bis um 15h will ich nicht warten. Ich gehe noch kurz mit Zorro ein wenig in der Stadt spazieren, gönne mir einen Capuccino und fahre dann wieder nach Hause. Auf dem Heimweg fahre ich ganz vorsichtig, denn ich habe vergessen, den Sicherheitsverschluss für die Gasflasche mitzunehmen und so liegt die Flasche ungeschützt hinten drin. Vermutlich wäre es ja kein Problem, aber ich bin ein arger Schisshase diesbezüglich. 
Als ich wieder heimkomme, sind die anderen am Drachenspielen. Das muss ich auch mal versuchen. Es braucht schon ziemlich Gefühl für Bewegung und Wind, dass der kleine Drache möglichst lange oben bleibt. Der Wind ist unkonstant und so fällt halt hin und wieder der Drachen in sich zusammen. Dominik hat es schon ganz gut draussen, er kann sogar mehrfach Eindrehen und wieder Ausdrehen! Einmal allerdings verhängt er den Drachen auf meinem Womo! Das hat ganz schön gekracht. Passiert ist aber nichts. Das Drächelen macht Spass und gibt zudem ein bisschen warm. 
Am Abend genehmigen Dominik und ich uns eine warme Dusche bevor wir uns ans Abendessen machen. Mit Bene und Tanja verschmausen wir eine leckere Älplermagrone, die Dominik edel zubereitet hat. Es ist gemütlich im Womo, auch zu viert! Ich denke mal, die beiden schätzen zur Abwechslung eine warme Stube. Sie selbst müssen ja das Auto oder das Zelt immer wieder mit einem Heizstrahler aufheizen. Aber sie sind auch hart im Nehmen, nicht so verweichlicht wie wir Womo-Stubenhocker!  
19. Oktober 2003, Castelluccio
Sonntagsstimmung

Der heutige Tag fängt wärmer an als sonst. Die Sonne drückt durch die Wolken und die wenigen Nebelfelder, so dass sie schon verflogen sind und die Sonnenwärme mich endlich wieder einmal die Heizung vergessen lässt! 
20. Oktober 2003, Castelluccio - Norcia (Umbrien)
Zeit weiterzureisen

Es ist so hässlich und kalt, dass es den Abschied von diesem wunderbaren Ort einfacher macht. Ich werde abreisen. Nun ist es definitiv. Es ist zu kalt und vor allem zu unfreundlich hier oben, wenn das Wetter nicht mitmacht. Nach dem Mittagessen schüttet es nochmals aus vollen Kannen, dazu bläst der Wind querfeldein. Ich tanke mein Womo mit dem guten Gebirgswasser voll, Dominik ebenfalls. Auch alle unsere PET-Flaschen werden noch mit Trinkwasser gefüllt. So schnell krieg ich vermutlich nicht wieder gutes Bergwasser! 
Dann fahren wir runter über den Südpass nach Norcia. Hier empfängt uns Sonnenschein und sicher 10° höhere Temperaturen! Wir schlendern durch die Stadt auf der Suche nach einer Wäscherei. Wir werden sogar fündig. 
Ich fahre zum Friedhof vor, wo wir die Nacht verbringen werden. Dominik geht noch einkaufen und seine Gasflasche umtauschen. Er muss für die kleine 3Kilo Campinggas-Flasche 17.50 Euro hinblättern. Das ist absoluter Abriss! Aber es bleibt ihm nichts anderes übrig, weit und breit keine Alternative. Da bin ich mit meinen 25 Euro für 11Kilo grad noch billig davongekommen! 
Am Abend lädt mich Dominik zum Abschied zu einer Pizza ein. In einem Pub werden wir nach langer Suche fündig, denn die meisten Pizzerias hier haben nur Pizza-Schitten zum Mitnehmen. Wir schwatzen über uns und unsere Pläne, unterhalten uns über das Warum und Wie und Wo. Es scheint uns beiden wichtig, alleine unterwegs zu sein, auch wenn die Verlockung zu zweit weiterzuziehen doch da ist. Aber die Erfahrung des Alleinmeistern wollen wir beide. Er vielleicht noch mehr als ich. Aber auch ich habe meine Pläne und möchte die gerne umsetzen. Dass ich Korsika weggelassen habe, war schon ein Kompromiss, um nicht alleine losziehen zu müssen. Allerdings war dann Castelluccio mehr als wert, gesehen und einige Zeit hier verbracht zu haben. Doch jetzt ist Zeit weiterzugehen. 
Übrigens hat Zorro seinen festen Platz, wenn ich mit dem Womo unterwex bin: er sitzt entweder neben mir auf dem Beifahrersitz oder legt sich in den Fussraum. Ich bin froh, dass er mich begleitet auf meinen Wegen. 
21. Oktober 2003, Norcia - Lago di Balsano (gehört schon zum Latium)
On the road again

Die Chemietoilette ist wieder mal fällig. Am Friedhof hat es praktischerweise eine Toilette, so dass es einfach ist bzw. wäre. Blöderweise funktioniert das Überdruckventil nun gar nicht mehr, d.h. die Toilette ist, wenn ich sie rausnehme, nicht mehr dicht! Nach dem Leeren untersuchen wir die Kassette, können sie aber nicht mehr reparieren. Ich werde mir wohl irgendwo eine Neue beschaffen müssen. Mit einem Montageband versiegeln wir das Ventilloch. Hoffentlich hält das auch! Ich muss jetzt höllisch auffassen, dass ich die Toilette nicht benutze und dann den Schieber bei Überdruck öffne, denn sonst... na ja... gibt es eine Riesenschweinerei! 
Bei unserem letzten gemeinsamen Frühstück ist mir ein bisschen mulmig. Und Abschiede hasse ich sowieso. Aber dieser Zeitpunkt musste kommen und so bleibe ich stark und verabschiede mich von Dominik. Vielleicht treffen wir uns ja auf Sizilien wieder, wer weiss. Er wird wieder nach Castelluccio rauffahren und auf besseres, fliegerisches Wetter warten. 
Ich fahre Richtung Osten, über Spoleto und Terni zum Bolsano-See. Die Fahrt geht durch schluchtartige Täler runter nach Spoleto. Langsam aber sicher sind die Bäume wieder grün und nicht schon in herbstliches Rot und Braun gewandet. Sogar Olivenbäume tauchen wieder auf. Oh ja, so soll es sein. Süden ahoi! Durch Terni war absolutes Verkehrschaos. So einfach ist es gar nicht, wenn man alleine fährt. Es bedeutet, die Strasse im Auge zu behalten und gleichzeitig die Karte zu konsultieren. Aber es klappt. Ich nehm es einfach gemütlich und lasse mich nicht stressen. Ab und zu muss ich anhalten und die Karte checken, dann geht's wieder weiter. Zum Bolsanosee ist es dann einfach, er ist gut ausgeschildert. 
Der erste Stellplatz hat mich aber arg enttäuscht. Hinter Gittern und kosten tut es auch noch: 12 Euro. Dabei blässt der Seewind richtig aggressiv. Nein, so habe ich mir den Auftakt nicht vorgestellt. Ich fahre nach einem ausgiebigem Spaziergang mit Zorro weiter. Am zweiten Stellplatz bin ich sicher, dass ich hier die Nacht in Ruhe verbringen kann. Kein Mensch weit und breit. Die Parkplätze sind vom Saisonrummel verlassen. 
So, mal schauen, wie die Nacht hier wird! Oh, gerade ist noch ein Camper rangefahren, Deutsche! Wunderbar, so bin ich wenigstens nicht ganz alleine auf dem Platz. Die Gschwellti, die ich mir zum Abendessen zubereitet habe, schmecken so gleich noch besser! 
22. Oktober 2003, Lago die Balsano - Orvieto (gehört wieder zu Umbrien)
Orvieto Classico

Die Nacht war ruhig und, wie könnte es anders sein, ohne Zwischenfälle. Habe mich entschlossen, vor Rom noch Orvieto anzuschauen. Hier an den Hängen reift der Orvieto Classico, der in den Kellerlabyrinthen aus Tuffstein unter der Stadt reift. 
Ich bin überrascht, wie schön sich hier viele Dörfer und Städte präsentieren. Des öfteren stehen sie spektakulär auf einem Felsen oder ihm Hang. Ich staune, wie sie Häuser an solchen Stellen bauen konnten.
Da ich von Westen her über den Vulkanrand des Balsanosees nach Orvieto fuhr, zeigte sich mir Orvieto zuerst von oben. Prächtig steht diese Stadt inmitten von Wein- und Olivenhängen. Wenn die Sonne scheinen würde, wäre ich wohl richtig überwältigt. 
Mit der Standseilbahn geht es von unterhalb des Felsens hinauf in die Stadt. Ich muss allerdings, bevor ich einsteigen darf, nochmals umkehren, um für Zorro einen Maulkorb zu holen. Ja, denn ohne darf er nicht mit! Gut habe ich vor der Abreise noch kurzerhand ein Halti (kein Maulkorb, wurde konstruiert, um dem Hund das Ziehen abzugewöhnen) gekauft. Dass das kein richtiger Maulkorb ist, sehen die sowieso nicht. 
Orvieto ist wirklich sehenswert. Enge kopfsteingepflasterte Gassen winden sich den Hang hinauf. Überall hat es Kirchen und Kapellen, davor immer ein grosser Platz. Der Dom ist besonders originell. Wie in ein schwarz-weisses Kostüm (Basalt- und Kalkstein) gekleidet steht er triumphierend an der höchsten Stelle des Ortes. Die vielen farbenprächtige Mosaike über dem Haupttor und die grossen detaillierten Reliefs links und rechts am Portal sind sehr beeindruckend. Der Dom gilt als einer der schönsten in Italien. 
Ich spaziere kreuz und quer durch die Stadt, bewundere die hübschen Gassen und die verschachtelten braunen Häuser. 
Ich gebe eindeutig zuviel Geld aus! Immer wieder mal einen Café, Cappuccino, dann wieder Tee mit Kuchen, Internet, Postkarten und auch der Stellplatz kostet mich 15Euro! Städte sind ein Desaster für das Budget, soviel steht fest! Na und morgen Rom. Das wird mein Ruin! ;-)
23. Oktober 2003, Orvieto - Rom 
Steinmonster und Schlammschlacht

Es ist bewölkt und kühl. Um 10h fahre ich in Orvieto los, nachdem ich meinen Frischwassertank nochmals ganz aufgefüllt habe. Bei einer Tankstelle mache ich halt. Ich will nochmals versuchen, Gas zu bekommen. Der junge Typ spricht nur Italienisch, aber ich verstehe soviel, dass das Abfüllen in Flaschen verboten ist, er mir aber einen Gefallen tun würde. Ich fahre mit dem Womo in die Nähe der Gaszapfsäule und hole die Flaschen raus, auch den Adapter fürs Auffüllen. Er frage mich, wieviel ich will und ich kann es noch gar nicht fassen, dass es geht. 11 Kilo müssten rein gehen. Soviel füllt er denn auch auf. Ich gehe dabei ein bisschen auf Abstand. Irgendwie traue ich der Sache nicht so recht. Und ob das wohl wirklich geht, mit Autogas kochen? Für die guten 11 Kilo bezahle ich grad mal 6 Euro! Billig wäre das schon und praktisch! 
Auf dem Weg nach Rom besuche ich den Parco dei Mostri in Bomarzo (Nähe Viterbo). Die Strecke dorthin ist wunderschön. Das hügelige Gebiet wirkt sanft und ruhig. Sogar die Sonne kommt langsam durch. Wie sehr ich sie schätze nach ein paar Regentagen! 
Leider darf mein Zorro nicht mit in den Monsterpark, dabei wäre das ein Superplatz zum Rennen und Spielen lassen. Ich frage auch ganz verzweifelt, Perche no? Aber ich ernte nur ein desinteressiertes Schulterzucken. Also gehe ich zuerst mal mit ihm ausserhalb des Parkes spazieren und anschliessend in der Park. Steinerne Skulpturen, teilweise Fantasiegestalten, teils aus Märchen und Mythologie sind in einem wunderschönen moosverwachsenen und urwaldartigen Park ausgestellt. 
Der Künstler Orsini hat diesen Park um 1553 für seine Frau geschaffen. Er hat ihr sogar ein Denkmal in Form des Giulia-Tempels gesetzt! Das vor 450 Jahren! 
Den Rest der Strecke fahre ich auf der A1 nach Rom. Vom Campingplatz hatte ich einen Wegbeschreib, aber wie das so ist, musste ich doch ziemlich suchen, bis ich gefunden hatte. Neckisch, wenn man auf zweispurigen Autobahnen auf der anderen Seite das richtige Schild sieht! Auf alle Fälle habe ich ihn gefunden, mit viel Hartnäckigkeit und Ausdauer. Die gleichen Qualitäten brauchte ich dann gleich nochmals, als ich auf dem Wiesengelände des Campingplatzes mit meinem Womo einsaufte. Der Regen der letzten zwei Tage hat das ganze Areal komplett aufgeweicht. Sehen konnte man das kaum, denn es hatte fast überall Gras oder Laub. Aber zu spüren bekam ich das dann schnell. Mindestens 20 Minuten manövrierte und versuchte ich alles, um den Karren aus dem Schlick rauszubekommen, sogar die Plastikmatten von der Führerkabine hab ich unterlegt. Innerlich zitterte ich schon und hoffte, es käme bald jemand, der das Problem fachmännisch für mich löste. Aber es zeigte sich natürlich keine Menschenseele. Ich fluchte laut mich hin und schaffte es dann irgendwie doch noch auf einem anderen, wenigstens ganz flachen Teil mein Womo hinzustellen. Bis ich hier wieder weggehe, ist der Boden hoffentlich genug trocken! 
Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Wäschewaschen. Wäsche von etwa 4 Wochen! Gut, dass es Trockner gibt, denn bei diesem Wetter wäre die Wäsche am anderen Tag noch nicht trocken geworden. 
Nur blöd, dass ich den Stromanschluss nicht nutzen kann, aber ich habe natürlich genau diesen CEE-Stecker nicht dabei! Wäre gute gewesen, die Batterien mal voll zutanken! 
Für das Abendessen hole ich mir eine Pizza aus der Pizzeria. Während ich mir am Abend eine Pizza aus der hiesigen Pizzeria mit einem Glas Rotwein genehmige, studiere ich den Führer für Rom und stelle fest, dass man Tage investieren könnte, um Rom anzuschauen und dann immer noch nicht alles gesehen hätte! Ich werde mich auf ein paar Dinge konzentrieren müssen!
24. Oktober 2003, Rom
Trotz Streik noch rein in die römische Innenstadt
Ein toller Campingplatz! Er liegt am nördlichen Autobahnring (das blaue Dreieck rechts von der roten 8), ist 6km vom Zentrum entfernt und trotzdem absolut ruhig. 
Sogar am Morgen bin ich von niemandem aufgeweckt worden. In Santiago de Compostela kamen ja bis spät in die Nacht die Wohnmobile, Autos und Wohnwagen an und fuhren auch am morgen früh wieder weg. Hier ist alles ruhig. Der Platz ist allerdings auch nur etwa zur Hälfte gefüllt. 
Ich mache mich bereit für Rom und laufe zur Rezeption. Ein netter Herr, der gerade mit einer Flasche Toilettenchemie vor seinem Womo rumhantiert und ganz hingerissen von Zorro ist, schenkt mir sogar eine halbe Flasche der gleichen Chemie, die ich benutze! Cool, so reicht es noch ein paar Wochen länger! 
An der Statione due Ponti warte ich dann zusammen mit vielen anderen vergeblich auf einen Zug. Wir erfahren, dass die Arbeiter der öffentlichen Verkehrsmittel streiken! Ja klar, willkommen in Italia! Um halb zwei sollte der Streik vorbei sein, heisst es. Ich laufe also zurück und schreibe an diesem Bericht bis es Zeit ist, einen erneuten Versuch zu wagen. 
Nach 14h hatte ich mehr Glück. Mit dem City-Zug ging es rein nach Rom. Zuerst landet man gleich auf der Piazza del Popolo. Der Obelisk dort wurde unter Augustus nach Rom transportiert. 
Von dort spazierte ich zur Villa Borghese hinauf, wo man einen phantastischen Blick auf Rom hat. Sogar den Petersdom sieht man von dort. 
Entlang der Viale Trinita dei Monti spazierte ich zum Piazza di Spagna mit ihrer berühmten Spanischen Treppe. Bumsvoll mit Touristen. Wohl auch ein paar Einheimische. Scheins hat man im Frühling dort zuerst die warme Sonne und ebenso im Herbst fängt man dort die letzten Sonnenstrahlen auf. 
Ich lief kreuz und quer, immer in der Nähe der Hauptpromenade, der Via del Corso. 
In Rom gibt es Strassen, die sind so laut und so verkehrsbelastet, dass einem Sturm wird. Aber es gibt auch Gassen, die Autofrei sind und dort ist es schon zu bummeln. Es ging erstaunlich gut mit Zorro. Er war aber am Abend sicherlich ebenso müde wie ich. 
Marc-Aurel-Säule: sie ist vollkommen mit Schlachtenreliefs bedeckt. Wenn man bedenkt: ein Leben dem Krieg gewidmet...
Das Pantheon an der Piazza della Rotonda. Der ehemalige Tempel ist eins der besterhaltenen Bauwerke des alten Rom. Leider war er zu, denn sonst wäre der Blick drin hinauf zur Kuppel mit dem 9m grossen Lichtloch sicher wundervoll.
Hier in der Nähe ist die Buchhandlung Herder, wo man deutsche Bücher findet. Hier habe ich endlich einen "anständigen" Strassenatlas für Italien bekommen. 
Das Forum Romanum, die Reste des altrömischen Machtzentrums haben mich am meisten beeindruckt. Man kann sich wirklich vorstellen, wie hier die Römer gelebt, ihr Weltreich verwaltet und geschaltet haben.
Im Hintergrund links sieht man einen Teil des Kolosseums. 
Circus Maximus: Hier veranstaltete man die blutigen Wagenrennen. 
Die Fontana di Trevi erreichte ich erst als es schon eindunkelte. Im Nachtlicht mit der Brunnenbeleuchtung wirkte sie besonders romantisch. Wenn da nur nicht so viele Leute gewesen wären... aber eindrücklich war es. 

Auf dem Weg zum Bahnhof fand ich dann noch einen Internetladen. Ich hatte auf einer Floppy die Dateien und Bilder des Reiseberichts und spekulierte auf die Möglichkeit, das Ganze uploaden zu können. Ich musste dann allerdings zuerst, mit der coolen Hilfe der Ladenbesitzerin, ein Programm runterladen, was mir ermöglichte, Zugriff auf die Homepage zu nehmen. Es klappte, und wie schnell! Erstaunt war ich, gerechnet hatte ich nämlich nicht damit, dass es klappen würde! 

Der Nachhauseweg war dann ziemlich anstrengend, zumal ich dummerweise zuerst in die falsche Richtung fuhr. Ich war wohl zu müde, denn die Verbindungen sind gut signalisiert und mit der Tageskarte konnte ich in alle öffentlichen Verkehrsmittel einsteigen, ohne immer wieder Billette lösen zu müssen. Mit der Metro und dem City-Zug ging es dann also wieder zum Campingplatz.
25. Oktober 2003, Rom
Vatikan

Heute ist der Vatikan dran! Die Sonne scheint, es ist kalt, etwa 10°! Obwohl ich gestern eigentlich genug hatte von Rom und Stadt überhaupt, habe ich mich dennoch entschlossen, heute nochmals einen Ausflug rein nach Rom zu machen. Jetzt kenne ich die Verbindungen und weiss, dass es easy geht. Das Wetter ist herrlich und wer weiss, wann ich wieder nach Rom komme. Schliesslich habe ich ja keine Münze in die Fontana di Trevi geschmissen, was einen sicher wieder nach Rom zurückbringen würde!
Der Platz ist voll von Menschen, alles ist bestens organisiert, von der Toilette, über Literatur zu Souvenirs usw. 
Leider habe ich die inneren Schätze des Peterdoms nicht sehen können. Auch die sixtinische Kappelle, die ich wirklich gerne gesehen hätte, musste ich abschreiben. Mit Hund ist das nicht möglich. Aber ich nehm's nicht tragisch. Ausserdem waren so viele Menschen da, die anstanden, dass es mir gar nicht so schwer viel, darauf zu verzichten. 
Beeindruckt hat mich aber auf alle Fälle die Engelsburg, vor allem, weil ich gelesen hatte, dass hier viele Menschen eingekerkert und gefoltert wurden, unter anderen auch Galileo Galilei. Zudem war diese Burg aber auch letzte Zuflucht für den Papst, wenn die Gläubigen erbost waren. Strube Geschichten! 
Brunnen mit der Wölfin, die die Zwillinge Remus und Romulus gesäugt hatte. Ich nehme mal an, dass das rechts und links die Götterbrüder Castor und Polux darstellen soll. 
Ich genoss diesen heutigen Tag vor allem mit langsamem Schlendern durch die Strassen und Gassen von Rom. Immerhin habe ich im Café Rosati an der Piazza del Popolo einen Cappuccino getrunken, und das hat wohl nicht jeder... (?) Leider haben heute im Laufe des Tages wieder Wolken das strahlende Herbstlicht zunichte gemacht. Ich bin ja mal gespannt, was mich wettermässig auf Sardinien erwartet. 
26. Oktober 2003, Rom - Civitavecchia
Weiterreise nach Sardinien

Glücklicherweise bin ich gut aus dem versumpften Parkplatz wieder rausgekommen. Hatte mich schon auf arges Manövrieren eingestellt! Natürlich musste ich, wie schon bei der Anreise, fälschlicherweise die SS3 nach Trevi runter und rauf fahren, um die richtige Auffahrt für die Umfahrung Roms zu finden. Allerdings reichte es einmal, bei der Anfahrt waren es zwei- oder sogar dreimal! Auf alle Fälle ging es dann flott auf der A12 Richtung Civitavecchia. Am Hafen war dann wieder grosse Sucherei. Die Büros hatten noch geschlossen, das von der MobyLine machte heute, Sonntag (so clever von mir!), gar nicht erst auf und das von der Tirrenia erst um 16.40! Zu allem Überdruss war heute auch noch Sommerzeitumstellung zu meinen Ungunsten: noch eine Stunde länger warten. Na, positiv denken, gut habe ich die Zeitumstellung rechtzeitig bemerkt! So ohne Zeitung und TV lebt man schon ein bisschen neben der Zeit. Meist ist das ja eine ganz feine Sache, aber manchmal geht es nicht ohne das für alle gleichgeschaltete Tick-Tack! 
Nach langer Warterei konnte ich dann mein Ticket ohne Probleme lösen. Irgendwie erwarte ich immer irgendwelche Probleme (!?). 132 Euro für mich, Zorro (glaube, der hat aber nichts gekostet, ist wenigstens nicht preislich aufgeführt) und mein Womo. Finde ich in Ordnung. Viel ist es natürlich schon für mein Budget, aber wert ist mir das für Sardinien auf alle Fälle! 
Jetzt sitze ich hier und warte wieder, bis es Zeit wird einzuparkieren. In etwa 2 1/2 Stunden ist es soweit und dann geht es nochmals 2 1/2 Stunden bis wir abfahren werden (so das Schicksal es will). 
Ja, und das Schicksal hat gewollt. Nachdem ich das Womo geparkt hatte, meine sieben Sachen, um die Nacht nicht in Langeweile und Tristesse zu verbringen, eingepackt, ging ich mit Zorro an der Leine die Treppen rauf, um mal zu sehen, was denn dieser Kahn so alles bietet. Kaum auf Teppich und in Angesicht eines Deckmeisters (oder wie man diesen Stuardessen wohl sagen will) lüpfte Zorro sein Beinchen und brunz an den nächstbesten Abfallkorb. Ich bin überzeugt, dass es dort nicht das erste Mal war, dass einer sein Bein hob, den sonst wäre auch Zorro nicht auf die Idee gekommen. Aber peinlich war es halt und ich entschuldigte mich bei dem Deckmeister. Der verweiste mich auf die Etage 8, wo es was für Hunde gäbe. Er meinte noch, im Moment sollte ich mit dem Hund dort oben bleiben, später könne ich dann schon runter kommen und in die Aufenthaltsräume. Ja, das wird ja lustig. Auf Deck 8 fragte ich durch, wo es denn was für Hunde gab. Ich stellte mir so ein Räumchen vor, die Hunde an eine Bäumchen oder eine Pfahl oder was auch immer pinkeln könnten, ich Naivling!). Der Deckmeister von Nr. 8 zeigte mir ausserhalb, auf offenem Deck kleine Gefängnisse, extra für Hunde eingerichtet! Ich sage ihm klipp und klar, mein Hund lasse ich nicht hier, nein, hier nicht, auf keinen Fall. Zu diesem Zeitpunkt hat es auch schon angefangen zu stürmen und regnen und ich hatte Horrorszenarien vor meinem inneren Auge. Obwohl das Ganze vermutlich halb so wild wäre. Aber trotzdem, unvorstellbar, welche Ängste der Kleine hätte ausstehen müsse! Na, schön. Ich entschloss mich, Zorro wieder ins Womo zu bringen, dort hatte er wenigstens gewohnte Umgebung, zu fressen und zu saufen. 
Ich verzog mich anschliessend in so einen Aufenthaltsraum, um in Ruhe zu lesen und zu telefonieren. Die Zeit verging so endlos langsam! Immer noch waren sie am Einparkieren. Ach, am schönsten wäre es jetzt, schlafen zu können, immerhin war es schon halb elf und ich eigentlich todmüde. Im Womo wär's jetzt schön! Ich dachte immer länger darüber nach und auf einmal entschloss ich mich, runterzugehen. Wenn ich gut aufpasste, dann würde es wohl keiner bemerken, dass ich wieder ins Auto stieg. Und so war es denn auch. Den Rest der Nacht verbrachte ich dann im wohligen Geschaukel der Überfahrt mit Lesen und Schlafen. Eins ist sicher, den nächsten Transfer werde ich auf die gleiche Weise verbringen. Nachtfahrt buchen und im Womo bleiben!


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