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Reisebericht Italien 2003-3 Mezzogiorno
 

29. Oktober 2003, Olbia - Sperlonga (südliche Küste des Latiums, Nähe Terracina)
Hinein in den Mezzogiorno

Endlich wieder Festland unter den Füssen! Und ja, endlich wieder ein Haufen Zivilisation! Ich hätte nie gedacht, dass ich ich mich mal so nach Menschen, Häuser, Cafés, Läden usw. sehnen könnte! Jetzt bin ich wieder mittendrin und es wird wohl nicht lange dauern, und ich sehne mich wieder nach Einsamkeit und Ruhe, vor allem, wenn ich bedenke, dass Neapal noch bevorsteht! Aber der tiefere Mezzogiorno ist ja nicht überbevölkert und so werden mich hoffentlich keine Fluchtgedanken plagen! 
Die Überfahrt verlief problemlos. Mal abgesehen davon, dass ich erst beim dritten "Runterschleichen" auf das Autodeck unbeobachtet ins Womo reinschlüpfen konnte, und dass die erste halbe Stunde nach dem Ablegen bei diversen Autos die Alarmanlagen, vermutlich durch das Tuckern und Schaukeln, aktivierte.
Pünktlich um 7 Uhr liefen wir Civitavecchia an. Und ich staunte nicht schlecht, die Sonne schien! Gestern hatte ich zwar auch noch hin und wieder Sonne im Golfo Aranci, aber immer wieder zogen dicke Wolken über den Himmel und der Wind jagte einen schnell wieder in den "Schärmen". Ansonsten war der Ort, um meinen letzten Tag auf Sardinien zu verbringen wirklich schön. Überhaupt ist die ganze nördliche Region von Olbia, die berühmte Costa Smeralda beeindruckend. Eine wilde und abwechslungsreiche Gegend, mit vielen Halbinseln und Inseln und dichtem Wald. Man kommt kaum an den Strand, denn die Costa Smeralda ist zugepflastert mit Hotels, Villen und sonstigen Ferienverbauungen. 
Nun, auch die Küste hier ist ziemlich zugebaut. Aber trotzdem insgesamt zugänglicher.
Ich fahre die gleiche Strecke von Civitavecchia runter, die ich vor rund vier Wochen raufgefahren bin, Rom lasse ich diesmal links liegen, und noch ein Stück weiter bis unter Latino, wo der Naturschutzpark von Circeo zu einem langen Waldspaziergang einlädt. Das ist Erholung pur. Der dichte Eichenwald bringt beinahe meine Kopfschmerzen zum Verschwinden. Aus irgendeinem Grund bin ich komplett verspannt. Ich glaube, ich müsste wieder einmal eine richtige Wanderung machen. Ich habe zwar durch die Spaziergänge mit Zorro viel Bewegung, aber keine wirklichen körperlichen Herausforderungen. Und ich weiss, das würde mir gut tun. Na, mal sehen. 
Der nahe Monte Circeo ist ein Muss. Hier hat nach der Odysseus-Sage die Zauberin Circe Odysseus mit ihrem sinnverwirrenden Gesang betört, festgehalten und seine Kumpanen in Schweine verwandelt. Als ich den Weg zum Felsspitz hoch laufe, schwirren feuchte Nebelschwaden, von der Sonne geweckt, durch die Büsche und lassen mich an diese Geschichte denken. Aber nur Zorro rennt mir mit fliegenden Ohren entgegen und keine Schweine...
Vom Monte Circeo aus hat man einen fantastischen Blick auf den Golfo di Gaeta. So ungefähr habe ich mir die südliche Westküste vorgestellt. 
Auf dem Weg weiter südlich halte ich Ausschau nach einem Platz für die Nacht. In Sperlonga werde ich fündig: ein langgezogener, fast gänzlich verlassener Parkplatz, direkt am Meer ist ideal. Ganz am Ende stell ich mein Womo hin. Zorro kommt an die lange Leine und kann draussen in die angrenzende Wiese liegen, läuft nicht Gefahr überfahren zu werden und stört dabei auch niemanden.
Nach dem späten Mittagessen, Schinken-Käse-Toast mit Salat, dazu ein kühles Bier, unternehmen wir zwei einen langen Spaziergang am Meer. Es ist drei Uhr, aber man hat das Gefühl, dass schon bald Abend ist. Dass die Sonne auch hier so früh (dabei geht sie hier noch früher unter als Zuhause) untergeht ist ungewohnt. Oft habe ich das Meer in der Winterzeit nicht erlebt. 
Am Strand liegen riesige tote Quallen. Die armen Dinger, die sich im Wasser so elegant dahin treiben lassen, liegen flach und vermutlich tot auf dem Sand. So grosse (ca. 20cm Durchmesser) habe ich noch nie gesehen. Soviel ich weiss sind sie ziemlich giftig. Nur gut, dass Zorro diese unheimlichen Tiere nicht spannend findet! 
Sperlonga sieht im Abendlicht genial aus. Jedes Haus scheint sich an das andere zu drängeln, so als hätte es kaum für alle Platz auf dem Felsvorsprung. Ich mag die Häuser und Dörfer in Italien. Sie gefallen mir besser als auf Sardinien. Ich sehe und empfinde hier mehr Romantik. 

Während ich diese Sätze schreibe, versinkt gerade die Sonne glühend im Meer. Es ist erst halb fünf!
30. Oktober 2003, Sperlonga
Weissgekalktes bezauberndes Dorf

Enge Gassen, Torbögen und steile Treppen führen durch ein Labyrinth von weiss gekalkten Häusern. Fast alle sind mehrstöckig mit hohen Fenstern, die Wäsche hängt vielerorts draussen. Mir begegnen an diesem frühen Sonntagmorgen nur Nonnos mit Mützen und Nonnas in unscheinbaren dunklen Kleidern. Ein Stille herrscht über dem ganzen Dorf - hier kann kein Auto und kein Skooter reinfahren, die Gassen haben zu viele Winkel und Stufen. Es ist ein herrlicher Morgen, die Sonne scheint, es ist windstill und die Wärme füllt langsam die schattigen Gassen.

Die Cafés auf dem Dorfplatz sind gerade am Auftun und ich geniesse einen Cappuccino, während Zorro die unzähligen Katzen studiert. Solange die Katzen sich nicht von ihm beeindrucken lassen, lässt er sie respektvoll in Ruhe, macht sogar einen Bogen um sie. Aber wehe, eine flüchtet, dann wird sie von ihm gejagt, bis sie sich im nächsten Loch oder auf einen Baum retten kann!

Auf dem Rückweg dem Strand entlang finde ich viele Muscheln und Schnecken, die offensichtlich von der letzen Flut angeschwemmt wurden. Es hat darunter rote, leicht rechteckig geformte, ca. 6cm lange Muscheln, die angeschlagen am Strand liegen. Das grosse weisse Muschelfleisch hängt aufgebrochen aus der Muschel. Erstaunlich, dass das alles in so einer kleinen Muschel Platz hat! Später sehe ich zwei Frauen, die die Dinger einsammeln. Ob die wirklich lecker sind? Na ja, selber ausprobieren will ich das nicht.

Den Sonntag werde ich hier verbringen. Es ist zu schön und mein Platz zu gut, um gleich weiter zu ziehen. Ausserdem scheint die Sonne hier, wer weiss, wie es südlicher ausschaut! 
1. Dezember 2003, Sperlonga
Orgiengrotte des Kaisers Tiberius

Endlich wieder ein Wohnmobil als Nachbar! Gestern schon hatte ich gestaunt, als noch drei Womos (Italiener) auf den Platz fuhren, aber sie drehten ab und fuhren wieder weg. Irgendwie war mir das lieb. Das wäre mir fast ein bisschen zuviel aufs Mal! Meine Nachbarn kommen aus Stuttgart, haben für vier Wochen ein Womo gemietet und sind nicht das erste Mal hier. Sie erzählten, dass sie hier einmal im Sommer auf 30 Womos gestossen sind! Scheinbar ist der Platz begehrt und so viele ähnlich gut gelegene gibt es wohl auch gar nicht. 
Die beiden laden mich zu einem Kaffee ein, den ich natürlich gerne annehme. Ach, ich mache das schon richtig gerne, übers Womo fachsimpeln und Informationen austauschen. Bei unserem Gespräch im Womo plappert ihr Wellensittich Lutzi fröhlich mit. Er ist ihnen kurz bevor sie abgefahren sind, zugeflogen und kurzerhand haben sie ihn gleich miteingepackt. Er fliegt frei im Womo umher, solange die Türe zu ist, natürlich. Sogar beim Fahren sitzt er manchmal auf Wolfgangs Schulter und gibt so seine Kommentare zu Wolfgangs Fahrstil! 
Eigentlich wollte ich heute früh am morgen los, Neapel umfahren, Pompeji anschauen und dann einen Stellplatz suchen. Doch mittlerweile ist es bald Mittag und bei solch kurzen Tagen lohnt es sich jetzt nicht mehr, loszufahren. Also beschliesse ich wenigstens die 2km entfernte Grotta di Tiberio anzuschauen. Vorher noch Zigis und Einkaufen. 
Parkieren kann ich auf einem abgelegenen Schotterplatz. Das trifft sich prima, denn meine Toilette ist überfällig und hier kann ich meinen Misthaufen wunderbar in die hohen dichten Büsche setzen. In wenigen Wochen ist das alles verrottet! Da ich grüne Chemie benutze und nur sehr wenig, habe ich diesbezüglich auch kein schlechtes Gewissen. Ich weiss von Campingplätzen, die ihr Gülle des Nachts ins Meer lassen. Auf diese oder ähnliche Weise entledigen sich hier immer noch viele ihres Abwassers. Aber natürlich suche ich mir eine Toilette, wenn es irgend geht. Nur leider sind ausserhalb der Saison auch viele öffentliche Toiletten geschlossen.
Die Grotte des Tiberius ist direkt am Meer und öffnet sich auch in diese Richtung. Viel gibt es nicht zu sehen, aber es mutet lustig an, sich vorzustellen, dass hier der römische Kaiser Tiberius Orgien veranstaltet hat. Ein wirklich idyllischer Ort, wo es im Sommer sicherlich angenehm kühl war! Vom Palast sind die Grundmauern erstaunlich gut erhalten. Mir ist allerdings nicht klar, wie viel wiederhergestellt wurde. Auf alle Fälle, war es schön, in der warmen Dezember(!)sonne durch die Ruinen zu spazieren. 
Anschliessend fahre ich zurück nach Sperlonga und platziere mein Womo wieder zuhinterst auf den Parkplatz. Es ist schon 13 Uhr und somit bleiben noch 3 1/2 Stunden Tageslicht. Meine Nachbarn sind auch schon wieder da. Na wunderbar, dann gibt es sicher noch was zu tratschen!
Zum Mittagessen mache ich den flachen Kuchen, gefüllt mit Spinat und Oliven, den ich im Dorfladen gekauft habe, in der Bratpfanne warm. Er ist lecker. Zudem wird es morgen frischen Mozzarella di Buffola geben, der hier in der Gegend hergestellt wird und der ausgezeichnet sein soll. 
Bei Kaffee und Gebäck geniessen ich mit Wolfgang und Silvia, draussen sitzend, die tiefe Sonne. Es ist ein Genuss, die warme Sonne zu tanken! 
Von Wolfgang bekomme ich einige DVD's und seinen Laptop, (meiner hat kein DVD-Laufwerk) um Filme anzuschauen. Doch meine Batterie macht nicht mit. Schon am Nachmittag hab ich gesehen, dass quasi nur noch halb voll ist, kein gutes Zeichen! Und tatsächlich, mitten im Film "The 6th Day" mit Arni Schwarzenegger bringt ein bekannter Piepston mich zum schleunigen Runterfahren. Egal, irgendwie machte mich der Film sowieso ganz kribbelig. Als ich die Geräte zurückbringe, treffe ich die beiden an, wie sie aus dem Schlafzimmerfenster rausgucken. Na, die haben auch Kino - sie schauen den Fischern beim Füttern der Fische zu! 
2. Dezember 2003, Sperlonga - Paestum (Westküste, südlich von Salerno)
Monsterfahrt um Neapel und auf Küstenstrasse "Amalfitana"

Am Morgen mache ich mit den beiden Stuttgartern, Wolfgang und Silvia, noch einmal eine Streckenplanung und dann geht es ab gen Neapel! Es läuft alles bestens, bis ich die Ausfahrt für Pompeji verpasse! Ich denke, nimm die nächste, aber oje, das war keine besonders gute Idee! Ich lande im kompletten Verkehrschaos. Enge, vollparkierte Strassen, dazu noch ein Markt und kein Anzeichen von der alten Stadt Pompeji. Einmal fehlen keine 2cm zwischen einem parkierten Auto und meiner Ecke! Verflixt, ich kam ganz schön ins Schwitzen. Aber wohin man auch schaut, ich habe den Verdacht, die Leute nehmen hier die Kratzer in Kauf! Kaum ein Auto, dass nicht die Ecken eingedrückt hat oder sonstige Schleif- und Kratzspuren aufweist! Nichts wie wieder rauf auf die Autobahn! Aber einfacher gesagt als getan - bis ich DEN Rückweg gefunden hatte! Pompeji war gestrichen. Nach dem Stress hatte ich keine Lust mehr darauf! Der Vesuv hat sich allerdings von seiner schönsten Seite gezeigt. Wolken- und dunstfrei steht er mit rötlichem Krater über Neapel. Ein Foto muss sein, wenn auch erst aus der Ferne, als ich meinen Stress verdaut hatte! 
Die Amalfiküste bot Stress ähnlicher aber spektakulärer Art! So wunderschön sie ist, mit ihren Dörfern, die eng an die steilen Hänge gebaut sind, so eng und nervenaufreibend sind die kurvenreichen Strassen. 

Mehr als einmal muss ich zurücksetzen oder mich an die Aussen(!)wand drücken, dass der Gegenverkehr vorbei kommt. Und natürlich wird immer gehupt. Als Dank, als Aufforderung, zum Fluchen oder einfach so zum Gruss! Mittlerweile habe ich mich daran gewohnt und hupe selbst da und dort, wo's passt! 
Zudem verkehren auf dieser Küstenstrasse, der sogenannten Amalfitana, Busse und Cars. Wenn ich mir das so im Sommergetümmel vorstelle! Ein Horror! So hingegen bringt es das Adrenalin in Schwung und ich werde immer frecher mit Fahren (soweit das mit einem Womo möglich ist)! Auf alle Fälle machte es Spass! Aber es schlauchte mich auch. Zudem wurde es immer später und keine Aussicht auf einen Stellplatz. 
Nach der Amalfiküste fuhr ich weiter entlang dem Meer, durch die Piana di Sele, in der Hoffnung irgend etwas zu finden. Doch die Lidos sind alle zu und es herrscht Trostlosigkeit und Dunkelheit. Zwischen der Strasse und den Lidos ist ein dichter Eukalyptuswald, der die Gegend nicht gerade heimeliger macht. Langsam wird es höchste Zeit, etwas zu finden! 
Als ich endlich wieder einmal Strassenbeleuchtung sehe, denke ich, hier irgendwo wirst du jetzt parkieren. Egal, was ringsherum ist! Und wo lande ich? Auf dem verlassenen Parkplatz des Savoy Beach Hotels! Zwischen zwei schönen Palmen stell ich mein Vehikel hin und basta! Es scheint, das Hotel ist geschlossen. Zwar sind die Lichter in der grossen Eingangshalle an, es stehen auch ein paar wenige Autos auf dem Parkplatz, aber ansonsten tote Hose! Wunderbar. Genau das, was ich für diese Nacht brauche! 
Natürlich ist der Portier mitten in der Nacht noch aufgetaucht! Aber ich habe keine Mucks gemacht, als er mit der Taschenlampe ums Auto rum ist und reingezündet hat. Er hat sich dann wieder zurückgezogen, ohne, dass er angeklopft hat! Na, das hätte gerade noch gefehlt: mitten in der Nacht einen anderen Schlafplatz finden! 
3. Dezember 2003, Paestum - Maratea Porto (Golfo die Policastro, südlich von Sapri, Basilikata)
Wundervolle Fahrt entlang der Küste des Cilento 

In Paestum liegen die Ausgrabungen der alten gleichnamigen (ganz zu Anfang hiess sie allerdings Poseidonia) griechischen Stadt. Ein weitläufiges Gelände, welches Tempelanlagen und Überreste der alten Stadt inklusive der Stadtmauer umfasst. Diese Sakralbauten von Paestum sind die wahrscheinlich schönsten dorischen Tempel Europas und zählen zu den bedeutensten Überreste griechischer Kultur in Italien.
Es war schlicht herrlich, in der Morgensonne, noch ganz alleine um diese Tageszeit, durch die grosse Anlage zu spazieren, die riesigen Tempel auf mich wirken zu lassen und zu geniessen, dass ich das alles in Ruhe und Muse betrachten kann.  
Die beiden grossen Tempel dienten dem Kult der Hera, der Schutzgöttin der Stadt. Die Architektur ist beeindruckend. Ich habe nachgelesen, dass die Kanten der Tempelbasen leicht nach aussen bzw. oben gebogen sind, was von weitem den Eindruck einer perfekten Geradlinigkeit vermittelt. 
Südlich von Paestum beginnt der Nationalpark Cilento, welcher als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco steht (was auch immer das wirklich bedeutet!?). Auf alle Fälle ist die Küste wunderschön. Für Massentourismus hat es hier keinen Platz. Die meisten Dörfer befinden sich weit über dem Meer. Die Strasse ist hier breiter als an der Amalfiküste und die Dörfer sind sehr ursprünglich. Es war richtig schön, ohne Stress diese Strecke zu fahren. 
Offenbar herrscht gerade Olivenernte. Überall sind Netze am Boden ausgespannt. Und an dieser Ecke der Küste wimmelt es nur so von Olivenbäumen. Sogar eine Presse am Strassenrand sehe ich in Aktion.
Gegen halb vier erreiche ich dann mein heutiges Ziel: Der Hafen von Maratea. Wolfgang und Silvia hatten mir ein SMS gemacht, dass sie ebenfalls dorthin unterwex sind. Eine halbe Stunde nach mir trafen auch sie ein. Die Wiedersehensfreude war gross. Die Womos stellten wir auf dem grossen Schotterplatz wenig oberhalb des Hafen hin. Es ist schön, Gesellschaft zu haben und offenbar sehen das die zwei auch so. Wir beschliessen noch einen Tag länger hier zu bleiben. 
Am Abend gehen wir in das bekannte Fischrestaurant am Ort, dass sogar in meinem Führer erwähnt wird. Wir sind die einzigen Gäste und essen das, was er uns sagt, das es hat: Tintenfisch an Olivenöl und Bruschetti als Antipasti, Gnoggi mit Steinpilzen und Scampi als Vorspeise und als Hauptspeise einen weissen Fisch mit kaltem eingelegtem Gemüse. Ein superfeiner Grappa rundetet das leckere Mal ab. Überraschender- und grosszügigerweise laden mich die beiden auch noch ein! 
4. Dezember 2003, Maratea Porto 
Geruhsamer Tag 

Maratea gehört inklusive 28km Küstenstreifen zur Provinz Basilikata. Die Provinz stösst hier bis an die Westküste. 
Die Sonne wird heute ein wenig von Schleierwolken verdeckt. Trotzdem ist es warm. Wir sitzen den Morgen draussen, spielen mit Zorro, lesen, schwatzen und haben es gemütlich. 
Wolfgang macht mit seiner Vespa einen Ausflug zur 22m grossen Christus-Statue, welche oberhalb Maratea auf einem Gipfel thront. Die Maschine ist etwa 25 Jahre alt, aber noch voll intakt. Cool wäre das schon und praktisch obendrein, so ein Teil dabei zu haben. Aber ich wüsste nicht, wo ich es verstauen könnte. Ich müsste einen speziellen Träger haben, um so was mitnehmen zu können. 
Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit Schreiben und einem Spaziergang zum nächsten Dorf. Auch dort wäre ein guter Stellplatz direkt am Meer. Ich treffe sogar auf einen älteren Herrn mit Womo, der alleine unterwex ist. Seine Frau kommt dann im Januar runter nach Sizilien. Wir plaudern eine Weile und verabschieden uns mit den Worten "Man sieht sich sicher auf Sizilien!". 
Wolfgang und Silvia laden mich zu Spagetti mit Gorgonzola-Sauce ein. Bis spät in den Abend hinein spielen wir dann Räuberrommé und haben viel zu lachen. 
5. Dezember 2003, Maratea Porto - Monte Botte Donato (westlich von Cosenza, Sila-Gebirge)
Eishacken und Schneeschaufeln

Wir haben uns entschlossen, zusammen ins Sila-Gebirge zu fahren. Das bedeutet ein langes Stück süditalienische Autobahn bzw. Nationalstrasse, denn sie ist gebührenfrei. Krass sind die Betonplattenübergänge auf den Brücken - und es hat viele Brücken auf dieser Strecke - bei jedem Übergang kassiert das Auto einen Schlag, der durch Mark und Bein (durch meines wie wohl auch durchs Auto) geht. 
Von Cosenza aus geht es krass die Berge hoch. Wir nehmen eine Strasse, die uns über den Monte Botte Donato zum Lago Arvo nach Lorica führen soll. 
Am Anfang der Strecke liegt Schnee rechts und links der Strasse, welche durch dichten Buchenwald führt. Erst jetzt realisiere ich so richtig, dass wir auf knapp 2000m sind! Der Schnee wird immer mehr und ich denke schon, na, wenn das mal gut geht. Aber ich hoffe die ganze Zeit, dass es jetzt dann bald wieder runtergeht. Aber es geht immer mehr rauf und auch der Schnee wird immer mehr. Zeitweise fahren wir kurze Stücke über Schnee, dann sieht man, dass es eisig wird. Und prompt, in einer steileren Kurve komme ich nicht mehr weg. Auch Wolfgang und Silvia weiter vorne haben angehalten, weil ein noch steileres schnee-eisiges Stück vor ihnen liegt. Ich will zurücksetzen, aber nicht einmal das geht mehr! Na Prima! Schneeketten haben wir beide nicht dabei. Auch keine anständige Schaufel (Schande über uns!)! Ich manövriere noch ein wenig, komme aber nur dem linken Graben immer näher! Es gibt nur eins. Die Fahrstreifen irgendwie freimachen, sodass man zurücksetzen kann ohne wegzurutschen. Also hacken wir mit Holzstock, Hammer und Gartenschäufelchen auf das Eis ein und schippen es mit so kleinen Plastik-Kehrrichtschaufeln auf die Seite. Wir arbeiten wie wild, denn es geht noch eine knappe Stunde und dann ist dunkel! Als wir das erste Stück frei haben, versuche ich es noch einmal und es klappt. Wolfgang lotst mich prima zurück und ein kleines Stück weiter unten, ist unter dem Schnee eine asphaltierte Ausweichstelle. Da sie glücklicherweise flach angelegt ist, gelingt es mir, mit Hilfe von Wolfgang die Karre zu wenden. Geschafft! Nun das gleiche Manöver für Wolfgangs Womo. Wir hacken noch mehr Fahrbahn frei, legen eine richtige Spur, in der er zurücksetzen kann. Und auch ihm gelingt es, dass Womo auf dem kleinen Platz zu wenden. Halleluja, wir fallen uns in die Arme! Wir sind so erleichtert. Silvia hat sogar Schwielen eingefangen von der Plastikkehrrichtschaufel! Ich hatte wirklich Angst, dass es uns alleine nicht gelingt, die riesigen Vehikel wieder auf festen Boden zu bringen. Wir fahren nur eine kurzes Stück zurück und stellen auf einer ebenen Stelle die Autos hin, um die Nacht hier zu verbringen. Als wir herfuhren, gab es eine Stelle, wo ich gedacht habe, jetzt geht es nur noch vorwärts, denn zurück komme ich hier nicht mehr, zuviel Schnee auf zu steiler Strasse. Also verschieben wir ein weiteres Manöver auf Morgen mit Tageslicht! 
Heute Abend bin ich dran mit Kochen. Teigwaren mit Pouletgeschnetzeltem und eine riesengrosse Zwiebel, gewürzt mit Curry. Dazu Mascarpone, so richtig schön fett. Es hat geschmeckt. Den Rest des Abends spielen wir Rommé bei hochlaufender Heizung. Draussen sind es noch so 6°! Wenn es nur nicht anfängt zu schneien! 
6. Dezember 2003, Monte Botte Donato - Lago Arvo (La Sila, NP im Landesinneren von Kalabrien)
Bergsee im namensvetterlichen Wald

Die Rückfahrt war problemlos, sie war wirklich genügend schneefrei. Trotzdem bin ich froh, sie jetzt bei Tageslicht fahren zu können. Zudem wird das Wetter wieder schön. Eine wunderschöne Strecke, diese S107 durch den NP La Sila. Es lohnte sich, bis heute zu warten. Noch vor dem Mittag sind wir an diesem wunderschönen See, der auf rund 1200m liegt. Kurz vorher fuhren wir an einem Dorf vorbei, dass Silvana Mansio heisst! So schön, es bestätigt mir wieder die Bedeutung meines Namens: das Waldmädel. 
Am See stellen wir unsere Womos so hin, dass ein Dreieck entsteht (eine kleine Wagenburg). Ein Spaziergang führt uns ins Dorf hinauf, wo doch tatsächlich drei Läden offen haben: ein Souvenirshop, ein Delikatessenladen und eine Bar. Wir kaufen ein und trinken Kaffee. Sollte bis am Abend die Pizzeria offen haben, werden wir ausgehen, ansonsten Hausmannskost. 
Den Nachmittag verbringen wir mit Frisbi spielen, Lesen, Kaffeetrinken, Schwatzen und ich investiere ziemlich Zeit und noch mehr Olivenöl, um zwei Auberginen in Öl anzubraten. Da im Supermarkt nur grosse Portionen verkauft werden und Wolfgang keine Auberginen mag, kam ich auf diese gute und leckere Idee. Ah, die werden mir noch lange Freude machen! Eine Portion kriegt Silvia, wäre eh viel zu viel für mich. 
Die Abendstimmung ist herrlich, auch wenn es immer kälter wird. Man merkt, dass der Wind von Schneebergen kommt. 
Morgen werden sich unsere Wege wieder trennen. Leider, doch ihre Zeit ist begrenzt. Es war cool und erlebnisreich mit euch! Ich werde noch öfters an euch und euren mitfahrenden Wellensittich denken! Sie fahren langsam zurück, gen Norden und ich werde wieder an die Westküste runterdonnern. Vermutlich werde ich dort auf Dominik treffen. Mal schauen, was bei ihm alles so in der Zeit gelaufen ist. 
7. Dezember 2003, Lago Arvo - Pizzo (Küste Kalabrien)
Runter ans Meer und in den Regen

Eine kurze Strecke fahren Wolfgang, Silvia und ich miteinander. In einem kleinen Dorf machen wir Halt, um einen letzten gemeinsamen Kaffee zu trinken, dann heisst es Abschied nehmen. Vier Tage waren wir gemeinsam unterwex bzw. haben Sechs Tage an gleichen Orten campiert. Es war cool, absolut unkompliziert und einfach richtig nett mit euch! 
Die Autobahn Richtung Reggio bringt mich relativ schnell nach Pizzo, wo ich mich mit Dominik treffe. Leider ist das Wetter hier an der Küste übel. Trotzdem ist es schön, Dominik wieder zu treffen, wir haben viel zu erzählen! Es wird immer kälter und ich glaube, Dominik ist einmal mehr froh, dass er sich in ein Womo mit Heizung, Warmwasser und viel Platz flüchten kann. 
8. Dezember 2003, Pizzo
Eiskälte und Schneeberge am Meer

Krass kalt! Es hat auf etwa 500m runtergeschneit. Fehlt nur noch, dass der Strand weiss ist. Soll es schon gegeben haben, erzählt uns Roberto, ein Gleitschirmkollege von Dominik, der hier wohnt. 
Zum Mittag mache ich Crêpes mit meinen eingemachten Auberginen - es ist beinahe eine Delikatesse, Ehrenwort, einfach superfein! 
Nach dem Mittag besucht uns Roberto und wir schwafeln den lieben langen Nachmittag über Italien, die Schweiz, die Unterschiede usw. Dominik spricht gut italienisch und ich verstehe ein wenig. Eine exzellente Übung, den beiden zuzuhören und das eine und andere mir übersetzen zu lassen. Gross mitreden ist leider noch nicht drin. 
9. Dezember 2003, Pizzo - Tropea (Küste Kalabrien)
Dominiks sanitärische Qualitäten

Tropea ist definitiv touristisch. Bei unserem Stadtrundgang treffen wir auf viele Deutschsprechende. Aber hübsch ist es. Viele Häuser wirken ein wenig verfallen, dazu viel Grün, in Kübeln und hochrankend um Balkone und den Wänden entlang! Sehr romantisch! Der Preis für ein Bier ist allerdings weniger romantisch! 
Am Hafen unten (eine steile Treppe führt zur Stadt hinauf) finden wir auf einem, zu dieser Jahreszeit, verlassenen Parkplatz. Ideal zum Übernachten. 
Kaum haben wir die Autos hingestellt, bemerke ich, dass mein Boiler wieder einmal rinnt! Das ist der Moment, wo Dominik (schon fast strahlend!) die Ärmel nach hinten rollt und der Sache auf den Grund geht. Der TV und die ganze SAT-Anlage wird rausmontiert, so dass man die Innereien der Heizung und des Boilers frei vor sich sieht. Nebst dem Ventil, wo ich den Verdacht hatte, dass es undicht ist, findet Dominik noch ein Schlauchverbindungsstück, welches ganz offensichtlich nicht mehr dicht hält. Wir arbeiten und testen den ganzen Nachmittag und kriegen dafür gegen Abend einen dichten Boiler! Super! Hoffentlich hält jetzt das für Immer und Ewig (!) oder wenigstens bis zur Rückkehr in die Schweiz. 
In einem Haushaltwarengeschäft, auf dem Weg nach Tropea, finden wir sogar einen Adapter für meinen Wasserschlauch. Ein 3/4 Zoll Gewinde hatte ich ja bereits dran. Aber jetzt kann ich wahlweise ein 3/4 Zoll oder ein ganzes Zoll anschliessen oder sogar an einem Hahn ohne Gewinde. Und von denen gibt es hier mehrheitlich! Cool!

Es gibt seltene Momente, da kann ich Zorro zu mir auf die Bank locken. Lange bleibt er aber nie bei mir, dann plagt ihn die Unruhe und er muss wieder runter.  
Spät am Abend machen wir noch einmal einen Stadtspaziergang durch die jetzt verlassenen Gassen von Tropea. Am Nachmittag waren wir ja permanent am Auto ausweichen. Doch jetzt sind die Strassen sozusagen frei und man kann gemütlich um die Häuser streichen. 
10. Dezember 2003, Tropea - Bagnara (Südwestküste Kalabrien)
Spektakulärer Küstenabschnitt

Am Morgen machen wir einen Spaziergang entlang der Spiaggia von Tropea. Es hat dort eine ausgewaschene Höhle, welche cool aussieht und durch die man spazieren kann. 
Die Strecke zwischen Tropea und Bagnara ist sensationell. Zuerst geht es hinauf auf ein Hochplateau, dann ein Stück der Küste entlang, um anschliessend sich wieder in engen Serpentinen die Klippen hoch zu winden. Immer wieder hat man sensationelle Blicke auf die Berge des Aspromonte-Gebirges und auch auf Stromboli und die anderen liparischen Inseln. 
Bagnara selbst wirkt ein wenig heruntergekommen. Sozusagen kein Tourismus, wenn, dann sicherlich nur einheimischer. Am Ende der langen Strandstrasse finden wir einen Platz, wo wir Womo und Camper gut stehen lassen können. 
Wir spazieren der Promenade entlang bis ans andere Ende und über die Einkaufsstrasse wieder zurück. Sogar einen Internet-Point hat es hier. Wunderbar. 
Nach dem Abendessen gehen wir Antonio aufsuchen. Er hat im Hafen ein tolles Lokal und war hier der Fliegercrack, jetzt ist er vor allem Wirt. Wir trinken einen Kaffee mit Anhang, der für eine ganze Familie reichen würde! Mit vielen Hinweisen für die Startplätze und das Fliegen hier, kehren wir relativ spät wieder zum Womo zurück. Alles recht und gut, nur das Wetter dürfte ein bisschen besser sein! Es ist zwar warm, denn der Scirocco wärmt die Luft auf 16°, aber trotzdem bleibt es verhangen und unfreundlich. 
11. Dezember 2003, Bagnara 
Ausflug zum Stretto di Messina

Zum Frühstück gibt es wieder einmal frisches Brot, da hier die Einkaufsgelegenheiten gleich nebenan sind. Das Wetter ist immer noch gleich schlecht. Aber für einen Ausflug zum Startplatz und vielleicht noch gen Süden reicht es alleweil. Also fahren wir den Berg hoch, durch Bagnara hindurch, was an sich schon spektakulär genug ist, um ein Stück über die Autobahn Richtung Süden zu fahren. Beim Monte Scilla wäre noch ein Startplatz, aber wir finden den Abzweiger von der Bergstrasse her nicht! Also fahren wir weiter, bis wir Blick auf die Meerenge von Messina haben. 
Genial! Es sind nur 3.5 km Distanz nach Sizilien! So schade, dass die Wolken nicht noch mehr Blick freigeben!
Auf dem Weg zurück fahren wir nach Scilla hinein. Ein hübscher Ort, herrlich gelegen, geteilt durch eine Festung auf einem Felsen.
Die Kirche, die ebenfalls auf diesem Felsen steht beherbergt eine Kuppel, ganz mit glitzerndem und buntem Mosaik ausgelegt. Das verblüffende ist, dass die grosse Abbildung keinen herkömmlichen Jesus zeigt, sondern auf den ersten Blick ein androgynes Wesen. Beim genaueren Hinschauen sieht man allerdings leichte Erhebungen unter dem Kleid, was meiner Meinung nach eindeutig ein kleiner Busen ist. Aber das wäre ja ...! Auch Gott sieht ganz anders aus als ich es in einer Kirche gewohnt bin. Dieser hier hat hellbraune (und nicht weisse) lange Haare und ist etwa so 60 Jahre alt (und nicht 90 wie auf vielen anderen Darstellungen). Auf jeden Fall wirkt die ganze Kirche frisch und bunt! Hier kommt man bestimmt nicht mit Depressionen heraus. 
Auf der nördlichen Seite von Scilla sieht man den alten Stadtteil.

Die andere Seite besticht durch eine wunderschöne Beach, dazu eng und steil an den Hang gebaute, schmale Häuser. 
12. Dezember 2003, Bagnara 
Sintflutartiger Regen

Praktischerweise hat es hier im Ort einen Internet-Point. Eigentlich ist es ein Lottobüro, welches einfach noch zwei Computer zur öffentlichen Nutzung drin stehen hat. Also präpariere ich meine Seiten fürs Internet, auch Dominik hat Mails zu beantworten. Aber zuallererst gibt es ein feines Frühstück mit frischem Brot, sardischem Käse, kalabresischem Salami, Kastanienhonig und Zitronenmarmelade von Sardinien. Anschliessend einen Spaziergang am Meer (das ist ein Muss, egal was für Wetter herrscht!). 
Ich habe angefangen, von der Brandung geschliffenes Glas zu sammeln. Die Glassplitter in den Farben des Meeres haben mich schon immer fasziniert. Aber jetzt sammle ich die ganz Kleinen, mit der Absicht, diese einmal, wenn ich irgendwo stationär bin, zu einem Mosaik zusammen zu setzen. Ich liebe diese Glasfarben, wenn sie alle zusammen auf einem Haufen liegen, dann schaut es aus wie gefrorenes Meer. Sämtliche Farben des Meeres sind vertreten, von allen grünen und blaugrünen Tönen zu Weiss und Braun und ganz selten Gelb.
Den ganzen lieben langen Tag regnet es. Im Womi hört es sich extremer an, als es ist. Trotzdem, es kommt allerhand runter. Während 24 Stunden giesst es ununterbrochen. Gegen Abend hin schwillt der bis anhin als Rinnsal fliessende Bach zu einem reissenden, Dreck und Geröll mit sich schleppenden Fluss an. Die Luft ist geschwängert vom Duft des Waldes und der Erde vom Berghang hinter dem Dorf. 
13. Dezember 2003, Bagnara 
Toilette leeren - Gas auffüllen

Gas leer, Toilette voll. In San Giovanni habe ich einen Agip-Gas-Laden gesehen. Ich bin ziemlich sicher, dass der meine Flasche füllen kann. Gleichzeitig werden wir irgendwo unterwex die Toilette entsorgen müssen. Öffentliche Toiletten finden wir keine mehr um diese Jahreszeit. Aber wir finden einen Abfluss, in den wir entsorgen können. Obwohl die Toilette ja schon lange kaputt ist (das Überdruckventil ist kaputt und jetzt hält eine Montageband das Loch dicht), ist sie zuverlässig dicht und kann problemlos im VW-Bus mitgenommen werden. 
Der Agip-Laden füllt die Flasche tatsächlich. Allerdings geht das nur, weil ich meine Adapter dabei habe (ach, wie oft muss ich dir Bruderherz noch danken, für deine kluge Weitsicht!). In einer Stunde können wir sie holen gehen. An dieser Stelle muss ich mal festhalten, dass in Italien durchaus Gasabfüllereien zu finden sind. Meist sind es kleine Läden, die die Flaschen annehmen und dann irgendwo ausserhalb des Dorfes die Flaschen abfüllen. Meist findet man diese Läden in mittleren bis mittelgrossen Städten. Gas an GPL-Tankstellen abzufüllen wäre eine gute Sache, aber da sie illegal ist, sind nur die wenigsten bereit, mal eine Ausnahme zu machen. Die einfachste Variante aber für einen Langzeitaufenthalt in einem südlichen Land (keine Ahnung, wie es im Norden aussieht!) ist immer noch, eine Landesspezifische Flasche zu kaufen bzw. zu mieten. Denn die kann man überall austauschen. Hat man dazu noch eine Eigene dabei, so kann man die Zeit zwischen der Entleerung und dem Wiederauffüllen mit der Eigenen überbrücken. Was man allerdings in diesem Fall braucht, ist ein Adapter für den hausinternen Anschluss. Aber diese kriegt man bei uns ebenso wie die Abfülladapter. 
Wir fahren an den Lungomare von San Giovanni, um uns die Beine zu vertreten. Die Häuser, welche erstaunlicherweise fast auf Meereshöhe direkt an die Spiaggia gebaut sind, wirken um diese Jahreszeit und bei diesem Wetter arg trist. Dennoch fasziniert die chaotische Bauweise, das wilde Durcheinander von Treppen, Fenster, Balkonen, Terrassen und der ganze Krimskrams ringsherum. 
Auf dem Rückweg machen wir in Scilla nochmals Halt. Dominik möchte unbedingt barfuss über den groben aber sauberen Kiesstrand spazieren. Und ich kann hier wunderbar Glas sammeln. Und Zorro geniesst es ebenfalls auf dem grossen Strand frei umherzujagen, mit anderen Hunden um die Wette zu rennen und überall ein bisschen rumzuschnüffeln. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass die Kastration wirkt. Er ist nicht mehr so extrem hundeorientiert. Vor allem kommt er jetzt auch, wenn ich ihn von Hunden wegrufe. Das vor vorher chancenlos. 
Hier genehmigen wir uns ein richtiges italienisches Gelati. Frisch zubereitet! Lecker! Dominik fragt die Wirtin, für was die beiden grossen Eisenmasten rechts und links vom Stretto gedacht sind. Sie erklärt uns, dass es Strommasten sind, welche früher die Stromkabel über den Stretto führten. Heute sind die Kabel unter Wasser verlegt und die Masten werden eigentlich nicht mehr genutzt. Und da Japaner die hässlichen Dinger aufkaufen wollten, übernahmen die jeweiligen Gemeinden den Kauf und lassen sie jetzt quasi als Sehenswürdigkeit stehen!
Zurück im Womo, Toilette eingesetzt, Gasflasche verräumt (so gut, jetzt habe ich für die nächsten 1 1/2 Monate keine Gassorgen!), macht sich Dominik über den Trichter her, der von der Giesskanne übrig ist. Er macht den Trichter heiss und meinen alten metallenen Anschluss. Dann dreht er die beiden Teile zusammen, so dass auf dem Trichter ein Gewinde eingebrannt wird. Es klappt tatsächlich. Sollte es jetzt einmal einen Fall geben, wo ein Brunnen einen so grossen Schnabel hat, dass keines meiner Anschlüsse drauf passt, dann kann ich den Trichter anhängen und mein Schlauchsystem an den Trichter schrauben. Vorausgesetzt, der Brunnen ist höher als mein Einfüllloch vom Wassertank! 

Am Abend gehen wir zu Antonio Pizza essen. Sie ist superlecker, mit Mozzarella di Buffola und wilden schwarzen Oliven und wenige, in dünne Streifen geschnittene Peperoni! Die beste Pizza seit Kreta!Sieht man's?
Aber am Abend stöhnt mein Bauch. Eine ganze Pizza ist irgendwie zuviel für mich. Das hält mein Magen kaum mehr aus. So grosse Portionen bin ich irgendwie nicht mehr gewohnt. Das kommt davon, wenn man so selten auswärts essen geht! 
14. Dezember 2003, Bagnara 
Fliegen ist angesagt, auch wenn es regnet!  

Ein wenig hat der Himmel aufgehellt. Es ist nicht mehr gar so düster und es regnet auch nicht mehr. Sogar der Wind stimmt! Also ist Fliegen angesagt! Wir packen den VW-Bus und fahren nach oben zum Startplatz. Allerdings lotsen sie uns im Dorf auf einen Umweg. Vermutlich ist der Fluss übergetreten oder Steine haben den Weg unpassierbar gemacht. Mit dem Womo käme ich hier nicht mehr raus, wenigstens nicht über diesen Weg, der mit Autos zuparkiert ist. 
Am Startplatz oben ist es a..kalt! Dafür ist die Aussicht wunderbar. Man sieht auf Bagnara runter, die lange Autobahnbrücke ist ebenfalls unübersehbar und im Südwesten sieht man Sizilien und den Stretto von Messina! 
Dominik kann so etwa 20 Minuten in laminarem Westwind an der Kante rumsoaren. Dann fängt es an zu Regnen. Er landet wieder oben rein. In diesem Moment kommen noch andere Fliegerlustige mit dem Auto oben an. Auch sie wollen fliegen. Doch für den Moment liegt es nicht mehr drin. Da sie aber alle guter Hoffung sind, verabschiede ich mich von ihnen und fahre wieder runter. Dominik wird entweder runterfliegen, so Petrus will, oder ein Kollege wird ihn heimfahren. 

Das Foto hat Dominik während dem Flug geschossen. Blick auf Bagnara, Sizilien im Hintergrund. 
15. Dezember 2003, Bagnara - Stracia (Südküste, beinahe südlichster Punkt v. Festland Italien) 
Rings um die Fussspitze Italiens

Heute heisst es wieder einmal Abschied nehmen und weitertuckern. Dominik quert den Stretto und fährt Richtung Palermo, um dort am Samstag seinen Fliegerkumpanen Markus abzuholen.
Ich möchte die Fussspitze Italiens umfahren und ein Stück entlang dem Mare Iono, dem Ionischen Meer, nordwärts bis Catanzaro reisen, wo mich die Autobahn an der schmalsten Stelle von Kalabrien wieder auf die Westseite bringen wird. 
Abschied nehmen ist nie leicht. Und immer plagt mich an solchen Abschiedstagen ein feiner sehnsüchtiger Schmerz. Allerdings wird er heute zu einem ausgewachsenen Kopfschmerz, der mir sogar regelrecht den Rest des Tages verdirbt. 
Die Autobahn bringt mich bis nach Reggio di Calabria. Von dort geht es übergangslos weiter auf der E90 bzw. S106. Diese Küstenstrassen sind schnelle Strassen. Da ich eh nie über 80km/h fahre, komme ich fast ebenso schnell voran wie auf der Autobhn. Allerdings führen sie auch meist quer durch die Dörfer. Das braucht dann jeweils wieder Zeit, bringt aber auch viel Sehenswertes. 
Nach Bova Marina kann ich einen Stopp einlegen und das Dorf mit seinem Strand fotografieren. Einen für mich möglichen Zugang zum Meer habe ich hier leider nicht finden können. Der einzige, den ich sah, war eine Unterführung, welche unter Wasser stand. In den letzten Tagen hat es hier anscheinend etliche Sturzbäche und Erdrutsche gegeben. An den Stränden sieht man Schwemmgut in Massen. 
Leider ist es enorm schwierig, auf dieser Strecke rings um den Zipfel ans Meer zu kommen, denn die Eisenbahn fährt die ganze Küstenlinie direkt am Meer entlang. Bahnübergänge sind eher selten und nie gekennzeichnet und Unterführungen meist viel zu knapp für meine Dimensionen. 
Erst in Stracia finde ich einen Bahnübergang, der zu einem kleinen Parkplatz führt, wo ich die Nacht verbringen kann. Von hier aus würde/könnte man den Ätna sehen, sofern die Wolken mitspielten. Sie tun es aber leider nicht. Obwohl der Himmel aufgerissen hat und ich einen wundervollen Sonnenuntergang über dem Ionischen Meer erlebe, verdecken Wolken einen Teil Siziliens und definitiv den hohen Ätna. 
16. Dezember 2003, Stracia - Siderno (Südwestküste) 
Eiseskälte und Wäschestopp

Die Küstenstrasse ist eine Pracht. Die vorderen Berge des Aspromonte sind wilde zackige Felsen, ähnlich jenen in Sardinien. Auch hat es viele erosionsgeplagte Hügel, teilweise mit Eukalyptus wieder bepflanzt. Schade, dass die höheren Berge von Wolken verdeckt sind. Ein Fahrt würde sich nur bei gutem Wetter lohnen. 
Es wird immer kälter. Als ich in Siderno an die Promenade fahre ist es gerade noch 7°!! Ui, da muss ich ja die Heizung anwerfen! Und regnen tut es auch, aus vollen Kannen! 
In Siderno habe ich eine Wäscherei gefunden. Nach einigem Verhandeln drückt er mir zwei grosse Plastiksäcke in die Finger und ist einverstanden, dass ich die Wäsche bringe. Als ich mich erkundige, bis wann ich die Wäsche wieder holen kann, meint er zuerst Samstag! Ich erkläre ihm, dass ich auf der Durchreise bin und nicht so lange hier bleiben wolle. Wir einigen uns dann auf Donnerstagmorgen. D.h. ich werde hier, wohl oder übel, zwei Nächte verbringen. Hoffentlich finde ich einen netten Platz am Meer! 
Nach Stauverkehr, Einbahnstrassen und x engen Gassen finde ich einen Bahnübergang und lande an einer langen Promenade, die ausgestorben, aber immerhin mit Laternen bestückt ist. Hier werde ich mein Domizil für heute und morgen aufschlagen. Wenn doch nur das Wetter ein wenig netter wäre! Man sieht sogar, dass der Schnee wieder tief gefallen ist, die Bergspitzen im Süden sind weiss! Aber was soll's! Ich hab ja den Computer zum Schreiben, gute Bücher und jede Menge Food. Die Gastanks sind ebenfalls voll sowie der Wassertank. Dann werde ich wohl heute Abend genüsslich eine heisse Dusche gegen die Kälte nehmen. Und morgen ist das Wetter bestimmt besser...
Ein Spaziergang entlang der Meer bringt mich zum anderen Ende der Promenade. Hier hat das Unwetter richtig getobt. Es liegt allerlei Müll, der mit den Flüssen ins Meer und dann wieder an die Küste geschwemmt wurde, rum. Aber es liegen auch jede Menge Boote am Ufer, die teilweise notdürftig an den Promenadenzaun gebunden wurden, teilweise oben auf den Wiesen liegen. Zum Teil sind sie völlig demoliert. Die Brandung muss ja wie wild getobt haben, dass die Schiffe bis hier herauf geschwemmt bzw. so von er Flut herumgeworfen wurden! Sand und Dreck liegt noch auf der Strasse. Mit Baggern haben sie das Gröbste zusammengeschaufelt. Aber die ganze Ecke sieht aus, wie wenn ein Tornado darüber hinweggefegt wäre.

Als ich beim Womo wieder ankomme, hat sich die Sonne aus den Wolken geschält und gleisst mir in die Augen. Das Wetter ist ja so was von wechselhaft hier! Bin gespannt, was ich morgen sehen werde, wenn ich aufstehe. Vielleicht mal einen verschneiten Strand? Wär doch ganz nett, oder?  
17. Dezember 2003, Siderno 
Homepage Überarbeitung

Gestern Abend kam mir zu spät in den Sinn, dass ich ja noch duschen wollte und da der Boiler so etwa eine Stunde aufheizen muss, verschob ich das Unterfangen auf Heute. 
Herrlich, so im Womo zu duschen. Ich glaube, ich schätze das vor allem, weil ich vom Camper weiss, wie luxuriös warmes Wasser aus einer Duschbrause werden kann. Zudem sind die Tage zum Baden im Meer vorbei. Auch Duschen mit Duschsack draussen verlangt schon ziemliche Härte! 
Der Tag begann mit einem schönen Sonnenaufgang. Um diese Jahreszeit scheint mir eine Ostküste als Aufenthalt fast das Beste. Man hat, vorausgesetzt, man steht entsprechend früh auf, entschieden mehr vom Tag und der Sonne als an der Westküste. Der Platz gleich beim Strand ist nicht übel. Ich mache einen langen Spaziergang entlang dem Strand, suche geschliffene Scherben und Zorro kann sich ungebunden austoben. 
Um draussen zu sitzen, war es zu kalt, trotz Sonne. Der Wind brachte Schneekälte und nur wenn man sich bewegte, war es angenehm. 
Also beschloss ich, die Zeit zu nutzen, und die Homepage zu überarbeiten bzw. zu aktualisieren. Nun zeigen sich die Reiseberichte endlich so, wie ich das schon immer wollte. Auch ein wenig Hintergrundwissen zu den Ländern habe ich hinzugefügt. Aber ihr könnt euch ja selbst ein Bild davon machen. 
Am späteren Nachmittag zog ich noch einmal los, um in diesem Ort ein Internet-Kaffee oder ähnliches zu finden. Doch keiner wusste irgendetwas, alle schaute mich ein bisschen komisch an und verwiesen auf andere Geschäfte, die vielleicht wüssten, ob es hier überhaupt so was gäbe. Dabei ist Siderno nicht klein. Schwierig gestaltete es sich zudem, weil die Geschäfte auf mehrere Parallelstrassen verteilt sind und auch auf die Querverbindungen. Ohne Hinweis wäre es fast wie eine Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Irgendwann gab ich es dann auf und kehrte um eine ausgedehnte Stadtbesichtigung reicher zum Womo zurück. 
Leider war der Platz am Abend, wenn das italienische Temperament wieder erwacht, nicht mehr so ruhig. Die lange gerade Promenadenstrasse mit Laternen links und rechts wirkt wie eine Landebahn. Sand lag noch immer auf der Fahrbahn und verleitete offenbar viele, entsprechende Brems- und Wendemanöver durchzugeben. Auch das schnelle und extrem nahe Vorbeifahren am Womo machte offensichtlich Spass. Dabei schüttelte es mein Womo jedesmal wie von einer Windböe durch. Dazu der Krach.... na, ja, ich glaube man kann es sich ausmalen, dass ich hartnäckig versuchte, das ganze mit versenktem Blick in meinen Roman zu ignorieren. Erst nach 23h kehrte langsam Ruhe ein und der Rest der Nacht verlief ungestört. 
18. Dezember 2003, Siderno - Marino di Gioiosa Ionica (ein Dorf nördlich von Siderno)
Welch eine Flasche - Welch ein Glück

Mit der Absicht heute hinauf in den Norden nach Staletti zu fahren, fuhr ich beizeiten los, um genau um neun in der Wäscherei zu sein. Die Mutter des Typen, mit dem ich den Handel auf heute morgen abgeschlossen hatte, war an der Theke und sagte, erst auf Samstag sei die Wäsche fertig! Sie müsse ja auch noch gebügelt werden. Eingestellt hatte ich mich auf einen Preiskampf, da mir am Abend vorher eingefallen war, dass dieser Typ von Wäschereisohn mit 2.50 Euro für alles, vielleicht soviel für jedes Teil gemeint haben könnte! Aber dass die Wäsche nicht fertig wäre, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wurde böse und erklärte oder vermittelte es ihr wohl eher mit meiner Gestik, dass ich damit gar nicht einverstanden sei und dass die Wäsche auch nicht gebügelt werden müsse. Da kam auch schon der Sohn der Wäscherei aus dem hinteren Zimmer. Sich die Hände reibend, erklärte er, ja, die Wäsche sei noch nicht fertig, noch gar nicht angefangen und frühestens Samstag fertig. Ich platzte fast vor Wut! Dieser Idiot! Hatte nichts mit seiner Mutter abgesprochen, die hier offenbar bestimmte, sondern nur lose Versprechungen gemacht. Ich erklärte ihm, es sei unmöglich bis Samstag zu warten, ich hätte Termine auf der anderen Küstenseite (wie wichtig sich das anhörte, dabei stimmte es ja eigentlich, am Montag muss ich in Reggio sein). Dann meinte er auf Freitag, und ich wieder, nein, das gehe nicht, ich müsse weiter. Ich wurde richtig zornig. Er rieb sich weiter die Hände, fragte immer wieder seine Mutter, und schliesslich konnten wir uns auf Morgen Vormittag einigen. Dann fragte ich nochmals nach dem Preis und liess mir versichern, dass mich die ganze Wäsche nicht mehr als 2.50 Euro kosten würde. Was für ein Waschlappen! Ich bin mal gespannt, ob die Wäsche morgen trocken ist! 
Als ich aus dem Laden trat, sah ich weiter hinten einen Vodafone-Laden. Die wüssten sicher, wenn es hier einen Internet-Point gäbe. Aber der junge Typ erblasste nur und sagte, nein, das wisse er nicht. Ich fand mich ab, dass es hier sowas nicht gibt, trotz der Grösse der Stadt. Ich lief ein Stück die Strasse runter, um ein paar Sachen, vor allem frischen Mozzarella di Buffola einzukaufen. Plötzlich sah ich ein kleines gelbes Schild mit blablabla Computer und ganz unten stand Internet-Point. Juche! Ich lief die angezeigte Strasse hinunter und fand tatsächlich in einem unscheinbaren Haus geniale Internet-Einrichtungen. Für eine gute halbe Stunde zahlte ich nicht mehr als 2 Euro. Und die Systeme waren schnell. Cool. 
So erlebe ich es dauernd. Pech und dann wieder Glück. Wieder Pech und wieder Glück. Es hebt sich immer auf. 

Ich fahre aus der Stadt raus, nordwärts, und finde gleich im nächsten Dorf eine ähnliche Promenade, nur viel kleiner. Gut, das wird mein Schlafplatz. Hier ist es bestimmt ruhiger als in Siderno. 
Während des Spaziergangs am Strand und oben an der Promenade zurück, sehe ich, dass auch hier der Sand bis auf die Promenade hinauf geschoben wurde, sogar bis in die Gassen hinein. Buden, die zusammengestaucht am Promenadenrand liegen und Abfall, der überall herumliegt. Aber gross aufgeräumt wurde noch nicht. Der Sand liegt zentimeterhoch auf den Strassen und überall liegt auseinandergeflogene Ware herum. Das Unwetter ist doch schon ein paar Tage her, wieso räumen die denn gar nicht auf? Ob das an der Trägheit liegt oder rechnen sie mit noch mehr Winterstürmen und -regen? Ich weiss es nicht und mein Italienisch reicht nicht aus, um danach zu fragen. Leider. In solchen Momenten verfluche ich meine Unwissenheit und meine Dummheit, als ich in der Gewerbeschule während zwei Jahren Italienisch hatte, aber nie wirklich im Unterricht mitgemacht und so auch nichts gelernt habe. Traurig aber war! 
Ich rief Karin an und gab ihr eine Liste mit den Dingen durch, die sie mir doch aus der Heimat mitbringen sollte. Es handelte sich um Onkel Ben's Reis, Eisenkrauttee, Kräutersalz und ein Buch über Mosaike. Dinge, die ich hier nicht bekam und die ich wirklich schätzen würde. Supi, ich freu mich riesig auf die Zeit mit Karin. Es wird Spass machen, zu zweit rumzutingeln. Vor allem bedeutet es für mich auch eine Zeit, wo ich mal endlich weniger Ängste auszustehen brauche. Denn diese plagen mich manchmal schon des Nachts. Da höre und achte ich auf alle Geräusche. Es geht zwar mittlerweile ganz gut, aber eine gewisse Anspannung bleibt und die habe ich nicht, wenn ich nicht alleine bin. 
19. Dezember 2003, Marino di Gioiosa Ionica - Montepaone (südlich Catanzaro, Ostküste)
Teurer Waschlappen!

Ich hätte es wissen müssen! Wieso war ich nur so dumm? Als ich gestern, mir den Preis für die Wäsche bestätigen liess, hätte ich nachhaken müssen oder vorauszahlen oder was auch immer, aber auf alle Fälle hätte mir einleuchten müssen, dass die meine Wäsche nicht für 2.50 Euro waschen. Aber im nachhinein ist man ja immer schlauer! 
Gestern Abend noch redete ich von diesem Waschlappen von Wäschereisohn, heute muss ich sagen, es ist ein verdammt teurer Waschlappen! Als ich die schön verpackten Portionen abholen wollte und mir die Mama die Rechnung präsentierte, sah ich zuerst nicht, dass die handschriftliche Zahl 119.50 Euro auswies, sondern ich sah nur die 9.50! Dass sie den Rest auch wollte, wurde dann schnell klar! Ich verlangte den Sohn zu sprechen, der natürlich nicht da war. Oje, gab das ein Gezeter (vor allem von meiner Seite her) in dem Laden. Ich protestierte und erklärte in meinem schlechten Italienisch, dass ich ja gestern nochmals den Preis nachgefragt hätte, dass ihr Sohn schuld sei und überhaupt, ich könne das nicht bezahlen, ich hätte bis jetzt in Italien immer so um die 10 Euro bezahlt. Die Mama erklärte mir lang und breit, dass sie quasi jedes einzelne Teil wasche, alles separat, alles desinfiziere, kontrolliere und zusammenlege. Sie müsse  das Geld für ihre Arbeit haben. Ich erklärte ihr, dass ich sie schon verstehe, aber sie müsse auch mich verstehen, Reisen, wenig Geld, Abmachung mit ihrem Sohn, bla bla bla bla. Ich brach sogar in Tränen aus (das habe ich mir vorher überlegt, als Druckmittel, aber mir war dann wirklich zum Weinen zumute), aber auch das half nichts. Sie wollte ihre Kohle. Als ich nach etwa einer halben Stunde endlich aufgab - der Sohn wollte und wollte nicht auftauchen (er wusste haargenau wieso) - fing ich an zu verhandeln. Zuerst mit 30, dann mit 50 Euro. Sie meinte 100 und dann blieb sie bei 80 Euro hart. 80 Euro für meine Wäsche! Es blieb mir nichts anderes übrig, als das zu zahlen. Es wird mir eine Lehre sein, bei zukünftigen Preisverhandlungen 200% sicher zu sein, was ich zu zahlen habe!
Bevor ich zur Lavanderia ging, sauste ich noch einmal kurz zum Internet-Point und lud fehlende Dateien auf's Netz. Zudem fand ich interessante Seiten betreffend Mosaikarbeiten und verbrachte wohl insgesamt 1 Stunde dort. Wieder bezahlte ich nur 2 Euro. Wirklich flott, die Leute dort. Aber kalt war es. Der Typ neben mir rieb sich dauernd die Hände. Auch meine wurden kalt von der Tastatur. Wenn die so den ganzen Winter über arbeiten müssen, na dann Prost! 
Nach dem frustrierenden Debakel in der Wäscherei fuhr ich nun endlich gen Norden Richtung Staletti. Unterwex sah ich ein Mc'Donalds-Schild - genau das, was ich jetzt für meinen Frust brauchte. Nach Soverato fuhr ich zu diesem Fast-Food-Schuppen, kaufte mir ein Menü zum Mitnehmen und fuhr damit ans Meer. Zusammen mit Zorro verspachtelte ich das Zeug und es ging mir nachher tatsächlich besser. Vielleicht lag es aber eher an der Sonne, die warm auf meinen und Zorro's Pelz schien, während wir draussen futterten. 
Ein Stück weiter fand ich dann einen schönen Platz am Meer zum Übernachten. Sogar Stuhl und Tisch konnte ich für eine kurze Zeit herausnehmen und meinen Kaffee draussen geniessen. 
Die Wäsche roch gut (trotz allem!) und war wirklich tip-top gewaschen und zusammengelegt. Jetzt freute ich mich nur noch über die duftende frische Wäsche, der Rest ist Vergangenheit! Sogar Zorro stöhnte vor lauter Wonne, als er sich auf der frischen Hundedecke zusammenrollte, um ein Nickerchen zu machen! 
20. Dezember 2003, Montepaone - Tropea (wieder Westküste)
Giro Calabrese
Ein knallroter Sonnenaufgangsstreifen weckt mich um 7 Uhr. Krass rot, aber nur für kurze Zeit zeigt sich die Sonne, um gleich darauf hinter der dichten Wolkendecke wieder zu verschwinden. Immer wieder stelle ich fest, dass der frühe Morgen ein Zauber hat, der nach ein paar Minuten wieder verfliegt. Die erste halbe Stunde nach Sonnenaufgang ist fast die bezauberndste des Tages. 
Doch meine liebste Zeit ist die der Blauen Stunde in der Abenddämmerung. 

Von Montepaone führt die Strasse bald auf die Schnellstrasse, welche quer durch die schmalste Stelle Kalabriens auf die andere Küstenseite führt. Leider ist das Wetter nicht gut. Der Himmel völlig verhangen und ab und zu tröpfelt es aus dem Grau heraus. Trotzdem stelle ich fest, dass die Ostseite mir besser gefallen hat als die Westseite. Irgendwie ist alles weicher, harmonischer, weniger gestresst und ja, halt schöner. Viele Olivenbäume, leicht abfallende Berge und Hügel und die Dörfer bzw. Häuser sind locker verstreut. 
Die Westseite ist eindeutig dichter besiedelt und vielfach drängen sich die Häuser auf dem kleinen bebaubaren Platz zwischen steil ins Meer abfallenden Bergen. Mag auch sein, dass das schöne Wetter, dass mich fast über die ganze Küstenstrecke von Reggio hinauf bis Montepaone begleitete, dieses Gefühl beeinflusst. Aber trotzdem würde ich mir für ein anderes Mal die Ostseite vornehmen, um sie besser kennenzulernen. In die Berge kann ich mit dem Womo (und ohne Schneeketten) leider nicht rein. Das fuchst mich ein wenig, denn das Hinterland gibt einem doch immer einen ganzeren Eindruck eines Gebietes. Doch leider müsste es Frühling sein, um so etwas zu unternehmen. Bis jetzt gibt es zwei Orte, die ich unbedingt im Frühling nochmals sehen möchte: Castelluccio und Kalabrien. 
Von Pizzo aus bis Tropea geht es endlos. Zuerst hinauf und dann wieder hinunter. Ich zweifle, ob das eine gute Idee war. Aber als ich dann in Tropea ankomme und der Platz hinten bei dem Felsentor frei ist, bin ich doch froh, hierher gekommen zu sein. 
Ich mache einen Ausflug ins Dorf hinauf, kaufe ein paar leckere Sachen, bekomme sogar wieder einmal Knochen für Zorro und steige dann wieder die steile Treppe hinab zum Womo. Der Platz hier ist so gut, dass ich mir überlege, direkt von hier nach Villa San Giovanni zu fahren, um Karin abzuholen. Da sie erst um 16 Uhr ankommt, würde das alleweil drin liegen. Mal sehen. 
21. Dezember 2003, Tropea
Ringsherum Touristen

Zuerst mache ich einen langen intensiven Strandspaziergang mit Zorro. Es ist schon fast Walking, was im weichen Sand und Kies eine gute Möglichkeit ist, ein bischen Fitness zu machen. Mit Joggen käme ich, glaub ich, nie vom Fleck. 
Anschliessend wische ich die Führerkabine vom Sand und Dreck frei. Eigentlich müsste ich das ganze Womo mal staubsaugen, denn in viele Ritzen komme ich mit dem Besen gar nicht rein. Aber es widerstrebt mir, an eine Tankstelle zu fahren und eine Reinemachen durchzuführen. Also muss es halt mit dem Besen gehen. 
Je länger je mehr bevölkern Touristen den Strand. Ich höre nur noch Deutsch und Italienisch. Viel geben ihren Kommentar zum Womo und Zorro, ohne sich bewusst zu sein, dass ich sie drin höre und verstehe. Spannend! Zwei italienische Herren sind hier, der eine mit einem Dalmatiner und wir lassen die Hunde toben. Sie sind nett und wir plaudern ein wenig. 
Man merkt, dass hier immer relativ viele Touristen sind. Tropea ist ja auch das Touristenziel von Kalabrienreisen. Gestern wurde ich von zwei Typen angehauen, beide mit eindeutigen Absichten, mühsam!

Später mache ich noch einmal einen Ausflug ins Dorf hinauf und wandere durch die Gassen, während ich ein paar Fotos schiesse.
Die Sonne kam gestern raus und heute auch wieder. Sie versteckt sich zwar immer wieder mal hinter Wolken, aber kommt auch immer wieder hervor. Es ist mit 18° angenehm warm. Wirklich, es hat sich gelohnt, hierher zu kommen. 
Den Nachmittag werde ich ums Auto verbringen, lesen, schreiben, sein und und den Touristen zuschauen. Heute Abend wird geduscht und morgen Wasser vollgetankt. Dann werde ich nach Villa San Giovanni runter blochen, welches etwa 80 km entfernt ist und Karin abholen. Ich hoffe, es klappt alles, kein Streik und keine Zugsverpassung verzögert unsere Überfahrt nach Sicilia! 


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