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Sizilien 2004/4

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Reisebericht Italien 2004-4 Sizilien
 

22. Dezember 2003, Tropea - Villa San Giovanni (Fährhafen Italien) - Ali Therme (Sizilien) 
Weihnächtlicher Stau

Beizeiten fuhr im am morgen los, tankte unterwex Diesel und Wasser und kam gegen Mittag in Villa San Giovanni an. Direkt bei der Bigletteria der Fähre parkte ich. Zu Fuss war ich von dort in 2 Minuten beim Bahnhof. Praktisch. Nun hiess es warten, bis Karin ankam. Ich vertrieb mir die Zeit mit Aufräumen, Lesen, Schreiben und Spaziergängen. Je länger je mehr regnete es und als ich Karin um ca. 17 Uhr abholte (sie hatte eine Stunde Verspätung), goss es aus vollen Kannen. 

Mit riesigem Tramperrucksack und dicker wattierter Jacke kam sie die Treppe von der Unterführung herauf. So schön, sie zu sehen. Sie erzählte, dass der Zug bumsvoll war, sogar in den Gängen standen sie. Es ist natürlich Weihnachtszeit und alles fährt zur Familie und nach Hause. Sie war ziemlich müde von der langen Fahrt (seit 17 Stunden unterwex!). 

Wir reihten uns sofort in die Warteschlange für die Fähre, mussten aber dennoch sicher eine halbe Stunde warten, bis es endlich losging. Inzwischen war es dunkel. Vom der Deck der Fähre aus beobachteten wir das Verschwinden der Lichter von Italien und das Näherkommen der Lichterperlen von Messina. 

Messina verschluckte uns mit seinem Verkehr. Es war wirklich ein Graus. Im Dunkel und bei Regen, im Stau und Stossverkehr mit italienischem Intuitivverhalten war echt ein Erlebnis. Irgendwann aber, wir glaubten schon beinahe nicht mehr daran, befanden wir uns bei der Autobahn, welch uns etwa 30km südlich von Messina nach Ali Therme führte, wo ich wusste, dass ein Stellplatz uns eine erste Übernachtungsmöglichkeit bot. 

Der Stellplatz war nicht übel, direkt am Meer auf einem Platz, ein wenig von der Strasse entfernt, ansonsten nur von Fischerbooten besetzt. 

Zuerst einmal packten wir aus. Karin hatte ja vor allem in diesem riesigem Tramperrucksack Bücher für mich dabei! Ich bekam richtig gierige Züge, als ich all den leckeren Lesestoff sah! Auch hatte sie noch diversen Food mitgebracht, unter anderem unser Weihnachtsmenü: Sauerkraut mit Dörrbohnen und Welscher Wurst! 

Eigentlich wollten wir uns eine Pizza genehmigen, aber das Dorf enttäuschte uns diesbezüglich. Also kehrten wir um, und assen Käse (wieder einmal Gruyère aus der Schweiz), Salami, leckere grosse schwarze Oliven und tranken den letzten kalabresischen Ciro, denn ich noch hatte. 

Wir gingen relativ früh zu Bett, denn auch ich war ziemlich müde von der Fahrerei im Dunkeln und der Konzentration im Stauverkehr.  
23. Dezember 2003, Ali Therme - Taormina (Ostküste)
Ein Stellplatz besser als ein Zimmer im Hotel Excelsior 

 Den ersten Morgen auf Sizilien genossen wir mit dem Kaffee draussen, auf einer Wolldecke sitzend. Gerade rechtzeitig für den durch Wolken verspäteteten Sonnenaufgang.

Auf der Küstenstrasse ging es nach Süden. Immer wieder durch vollgestopfte Dörfer. Irgendwo auf dieser Strecke, ich weiss nicht mehr in welchem Dorf, entdeckten wir diese eiserne Schönheit, welche mich ganz faszinierte. An der gleichen Promenade folgten noch weitere Figuren desselben Künstlers. Aber so toll wie die unbändige Wasserkraft (eigentlich heisst sie .........) war keine andere. 

Taormina fuhren wir zuerst quasi von hinten, von Norden an. Als wir am Morgen losfuhren, war gegen Süden der Himmel noch komplett wolkenverhangen und schwarz. Später riss er dann auf und unsere Hoffnung, dass Welttheater bei Sonnenschein sehen zu dürfen, erfüllte sich tatsächlich! Sogar der Etna liess sich blicken. Wenn auch ein klein wenig noch von Wolken verhüllt blieb, so sahen wir ihn doch in seiner ganzen schneeweissen Pracht! Das Welttheater selber bot eindrückliche Blicke auf die Gegend ringsherum.

Taormina liegt ja schätzungsweise 200m über dem Meer, krass im Hang und mit weitem Blick die nördliche  und südliche Küste entlang und in das hügelige vulkangeprägte Hinterland hinein. Obwohl und vielleicht gerade weil Taormina so touristisch ist, war es sehr reizvoll durch die Gassen zu spazieren. Jede Menge schicker Läden, aber auch Bäckereien mit Marzipankreationen in allen möglichen bunten Farben. Da die Hauptgasse autofrei ist, liess ich Zorro frei und dieser genoss es, um die Leute herumzuspringen, überall  zu schnuppern und immer wieder desorientiert mich zu suchen. 

Von der Gartenanlage beim Welttheater aus sah Karin plötzlich ein Womo an einem coolen Platz stehen. Ein wenig unterhalb Taorminas auf einer vorspringenden Felsnase. Um zu diesem Platz zu kommen, mussten wir ganz hinunter auf die Küstenstrasse und Taormina nochmals von der Meerseite her anfahren. Seit wir auf Sizilien sind habe wir nichts als Stau. Schon wieder. Aber wenigstens sind wir zu zweit, so kann man sich die Zeit mit Schwatzen verkürzen. Karin ist sogar so cool und holt Tee und Mandarinen nach vorne, so dass ich wirklich nicht klagen kann! Als wir beim Platz ankommen, stehen insgesamt fünf oder sechs Wohnmobile da! Hoppla, wir waren wohl nicht die einzigen, mit dieser tollen Idee. Kaum angekommen, erscheint schon ein älteres Paar im alten Fiat und kassiert 8 Euro ein. Es ist ein gebührenpflichtiger Parkplatz, ist auch so angeschrieben. Aber so praktisch nah wie er ist und mit der tollen Aussicht, lohnt es sich schon. Offenbar finden das die anderen Wohnmobilisten nicht, denn als wir von unserem zweiten Spaziergang zurückkommen, ist er leergefegt. 

Unser zweiter Spaziergang führt uns per Treppen-/Leidensweg hinauf, ein Stück weit über Taormina. Die Aussicht ist gewaltig. Vor allem der Blick auf Taormina selbst und die Arena des Theaters im Abendlicht ist wundervoll. 
Überall in Taormina hat es Souvenirshops, welche unter anderen Keramikwaren das sizilianische Dreibein anbieten. An einem Haus sehe ich ein besonders schönes Exemplar. 

Was es allerdings bedeutet habe ich bis jetzt noch nicht herausgefunden. 
Wieder zurück im Dorf will Karin die verschiedenen Krippen in den Kirchen besichtigen. Während unseres Rundganges stossen wir sogar auf eine ganze Ausstellung verschiedener Interpretationen Christi's Geburt und Geburtsstätte bzw. Krippen. Die Werke der sizilianischen Künstler sind wirklich eindrücklich und die Ausstellung strahlt viel Atmosphäre aus. Aber am besten gefällt mir der Garten rings um das Museum. Orangenbäume, Palmen, ein Ziehbrunnen und andere alte Pflanzen. Alles sehr harmonisch zusammengefügt. 

Karin fotografiere ich sogar vor einer riesigen Agave. Wirklich, eine so grosse habe ich mein Leben noch nicht gesehen.  

Den Abend verbringen wir im Womo, parkieren das Ding sogar noch näher an die Kante, sodass wir Sicht aufs Meer haben. 
24. Dezember 2003, Taormina - Lido di Noto (Ostküste, südlich Siracusa)
Sonnenschein und Barfuss am Strand an Weihnachten

Bei Tageslicht sahen wir, dass in dem verfallenen Haus unterhalb unseres Womos zwei Typen im Zelt übernachtet haben. Gehört hatten wir sie gestern Nacht schon: in Englisch hatten sie irgend eine Unterhaltung, der wir argwöhnisch aber chancenlos versuchten zu folgen. Nun bekamen die Stimmen auch Gesichter. Die beiden Bettler hatten wir gestern schon in den Gassen von Taormina gesehen. Mit Rucksäcken stiegen sie dann wieder an uns vorbei in die Stadt hinauf, um wohl ihre "Geschäfte" zu machen. Sicher heute, da Weihnachten, kein Übles! Trotzdem möchte ich nicht mit ihnen tauschen, bei dieser Kälte auf der Strasse sitzend und warten, bis die Münzen in den Becher fallen. 

Den Kaffee genossen wir draussen stehend und den weissen Etna bewundernd. Unseren Plan, hinauf zu fahren, vergassen wir wieder angesichts des weissen Puders, das sich sicherlich bis auf 600m hinunter ausgebreitet hatte.
 
Die Autobahn führte uns dem stolzen hohen Etna links vorbei Richtung Süden. Catania umfuhren wir uns sahen dann zurück auf den Etna, davor die grosse Stadt Catania und das blaue Meer. Wundervoll, wirklich! 

In Siracusa mussten wir ein Stück weit in die Stadt reinfahren, um zum berühmten Teatro Greco zu gelangen. In einer knappen Stunde spazierten wir durch die Ruinen, das riesige Theater (was das grösste Theater der Antike war) und besichtigten auch das Ohr des Dionysios. Die fast 60m lange, aus dem Fels gehauene Höhle besitzt eine fabelhafte Akustik. Als wir durch das Anfiteatro spazierten, fanden wir Pfefferminze, welche wir am Nachmittag und wohl auch noch in den nächsten Tagen, als feinen Tee genossen. 
Nicht gar so einfach war der Weg aus Siracusa hinaus zu finden. Dennoch hatten wir nach einigen Manövern Erfolg. In einem kleinen Mercado kauften wir noch die wichtigsten Dinge ein, denn morgen wird alles geschlossen sein. Der Typ an der Kasse wünschte Karin schöne Weihnachten, wie sie uns heute alle entgegenbrachten, welchen wir begegneten: tanti auguri! 

Am Lido di Noto fanden wir schnell einen Platz auf dem erhöhten Parkplatz und konnten draussen unser Mittagessen geniessen. Der anschliessende Spaziergang am Meer konnte ich Barfuss machen, Karin in ihren Flipflops. Doch für ein Bad was er leider doch ein wenig zu frisch! Aber immerhin, Barfuss an Weihnachten ist doch schon allerhand, oder! 

Aber ansonsten ist es ein Tag wieder jeder andere im Womoleben. Sogar den Abwassertank schraubte ich auf und putzte ihn, soweit es möglich war, raus. Nun sollte das eigentlich auch wieder besser funktionieren. Und eine Dusche genehmigten wir uns auch zur Feier des Tages! 

Zum Abendessen gibt es heute Abend Sauerkraut mit Kartoffeln und eine Saucisson Vaudoise mit Dörrbohnen. Alles von Karin aus der Schweiz mitgebracht! Jammmi! Was für eine Weihnacht! 
25. Dezember 2003, Lido di Noto - Pozzallo (Südküste, fast der südlichste Punkt Siziliens)  
Ein Guide namens Mimo

Schon wieder ein Tag mit Sonnenschein. Wir haben das Glück, dass es nur nachts regnet. Auch wenn finstere Wolken einen Teil des Himmels über dem Meer verdecken, der südliche und westliche Teil, wo wir hin wollen, ist wolkenfrei. Während der Fahrt nach Noto staunen wir über den Glanz, der über allem liegt. Es scheint, die Welt ist frischgewaschen.

In Noto treffen wir prompt auf Domenico, bzw. Mimo (gängiger Spitznamen in Sizilien), den ehemaligen Kapitän, den wir schon gestern am Lido angetroffen hatten. Er hatte uns erzählt, dass er immer beim Café Sicilia sei und tatsächlich trafen wir ihn, als wir reingingen, um ein Croissant und Marmelade aus Mandelblüten zu kaufen. Der liebenswerte alte Herr spricht fast alle gängigen Sprachen, redet Italienisch, Französisch und Englisch mit uns. Er erklärt uns, wo was Interessantes zu sehen sei. Doch dann findet er, er könne es uns auch selber zeigen. Und so führte er uns, mit Karin auf Italienisch diskutierend, durch die Gassen der, so mein Führer, schönsten Barockstat Siziliens, Noto. 
Wir spazieren an den Palästen der Reichen und Schönen vorbei. Leider waren die meisten Kirchen und Palazzi heute geschlossen, da Feiertag! Es betrübte ihn offenbar, dass er uns diese Pracht nicht zeigen konnte. Die Mosaike von der Kirche Santo Domingo hätte ich wirklich gerne gesehen! Im berühmten Café Costanzo tranken wir stehend Cappuccino und assen Croissants, gefüllt mit Schokoladen- und Vanillecrème. Oh, waren die üppig und gut! 

In diesem Café gibt es das berühmte Johannisblüteneis. Eigentlich heisst das Eis hier Granita und ist ein Wasserglacé, dass man löffeln kann oder mit dem Röhrchen schlürfen. Die Johannisblüten werden von Hand gesammelt und nach einem alten arabischen Rezept zu diesem feinen Eis verarbeitet. Im Moment ist das Klima allerdings so, dass ich heissen Kaffee dem kalten Eis vorziehe. Also werde ich diesen Genuss auf ein anderes Mal verschieben müssen.
Von Noto fuhren wir zur Küste hinunter und um das Capo Passero herum, der südlichste Punkt von Sizilien. Zum Übernachten fanden wir kurz vor Pozzallo einen coolen Platz bei einem geschlossenen Restaurant. Vor uns goldene Dünen, Strand, Meer und kein Mensch. Hier können wir kilometerweit dem Strand entlang spazieren. 

Karin geniesst es offensichtlich. Sie sitzt nach unserem langen Spaziergang, in eine Decke gehüllt, noch lange draussen und liest. 
26. Dezember 2003, Pozzallo - Piazza Armerina (Landesinnere Ostwestlich)                     
Grünes Landesinnere

Die Strecke nach Norden ins Landesinnere führt uns an den Barockstädten Modica und Ragusa vorbei, über Gela am Meer und dann hinauf nach Piazza Armerina. Zu diesem Ort führt uns einerseits die bekannte Villa Romana di Casale mit ihren Mosaiken, aber auch Dominik, der hier in der Nähe mit Markus am Fliegen ist. 

Die Landschaft ist zunächst durchzogen von weissen Trockensteinmauern. Die Strasse führt von Tafelberg zu Tafelberg. Immer kultivierter und gleichzeitig bezaubernder wird die Gegend. Leicht hügelig, ähnelt sie sehr der Toskana. 

Karin macht mich darauf aufmerksam, dass Sizilien unheimlich grün sei. Die beiden Male als sie hier war, einmal im Mai und einmal im Oktober war das Land trocken und braun. Doch jetzt scheint es Frühling zu sein. Schon als ich in Sardinien war, dachte ich, wie grün hier alles ist. Doch jetzt, je länger je mehr, ergrünt alles. 

Mitten in der Pampa fahren wir einen Feldweg entlang zu ein paar Bauernhäusern, welche auf einem kleinen Hügel stehen. Wir stellen das Womo hin und machen Mittagspause. Eigentlich dachten wir, es sei kein Mensch hier, doch es tauchen immer mehr Leute auf, die so per Exgüse an uns vorbei spazieren, freundlich grüssen und neugierig versuchen, einen Blick ins Innere unseres Heimes zu erhaschen. Ein ältere Frau, die wir auf unserem Spaziergang antreffen, erzählt uns, dass hier 20 Leute sind, die zusammen essen, trinken, halt feiern. Sie zeigt uns ein Kraut, was gut gegen Bauchbeschwerden ist und dass wir dann sammeln, um unseren Salat damit anzureichern. Eine Frau bringt uns buntes Gebäck und fragt uns, ob wir schon zu Mittag gegessen hätten. Leider ja! Und zudem haben wir ja eine Verabredung heute Abend. Wenn das nicht wäre, oh, wir hätten hier sicher das schönste sizilianische Landfest erlebt.  

Wir kommen um die Siestezeit in Piazza Armerina an und spazieren durch die verlassene Stadt. Anschliessend fahren wir zur Villa in ein Seitental hinunter. Der Parkplatz dort dient gleichzeitig als Camper-Stellplatz. Für 1 Euro können und dürfen wir die ganze Nacht hier stehen bleiben. Da hier kein Natelempfang mehr hergestellt werden kann, telefoniere ich Dominik von einer Telefonkabine, um ihm mitzuteilen, wo er uns finden kann. 

Den Abend verbringen wir mit Dominik und Markus im Womo, kochen Pasta und verspeisen sie mit einer leckeren Sauce aus getrockneten Tomaten und Knoblauch. Viel Bier und Wein (alles sizilianisch, klaro) vergiessen wir an diesem Abend, der witzig und unterhaltend ist. Es macht Spass, wieder einmal in einer grösseren Runde zusammenzusitzen. Markus Augen fangen an zu glänzen, als ich ihm offeriere, morgen früh, während wir anderen die Mosaike anschauen wollen, eine warme Dusche zu nehmen! 
27. Dezember 2003, Piazza Armerina - Caltagirone (südöstlich von Piazza Armerina) 
Fantastische Mosaike und Starplatzleben

In der Nacht wird es 0°. Die Dächer der Autos zeigen Frostspuren. Zudem wird es nach 10 Uhr, bis die Sonne sich hinter dem Hügelkamm hervorwagt zu unserem hintersten Eckchen. Dominik, Karin und ich brechen kurz nach 8 Uhr auf, als die Pforten der Villa sich öffnen, auf, um die Fussbodenmosaike der Villa zu besichtigen. Markus geniesst in der Zwischenzeit die Dusche und kümmert sich netterweise auch um Zorro, den ich im Womo zurücklasse. 

Natürlich sind wir die einzigen, die um diese Zeit durch das Areal und die Ruinen der Villa spazieren. Hierher scheint die Sonne, im Gegensatz zu unserem Schlafplatz. Und als wir so durch die Gemäuer der Villa wandeln, die Mosaike bewundernd, scheint die Sonne auf diesen wundervollen Ort. Sämtliche Fussböden der Villa wurden vor etwa 2000 Jahren mit feinsten farbigen Mosaiksteinen ausgelegt. 
Es ist unbeschreiblich, wie eindrücklich, diese kunstvolle Arbeit nach all dieser Zeit immer noch wirkt. Auch wenn sie teilweise beschädigt sind, haben die Böden diese lange Zeit dank eines Erdrutsches, der die Böden mit Lehm bedeckte, erstaunlich gut überstanden. 
Karin und ich beschliessen, den Nachmittag mit Dominik und Markus an einem Startplatz zu verbringen. Karin hofft auf viele italienische Piloten, mit denen sie ihr Italienisch praktizieren kann. 

Während Markus und Dominik voraus fahren und einkaufen gehen, erledigen wir zwei den Abwasch und fahren dann gemütlich wieder auf's Land hinaus. 

Ausserhalb Caltagirone ist das Fluggebiet, welches sensationell gelegen ist. 
Ach, es ist schlicht cool, an so einem Wahnsinnsplatz zu sein, Blick auf wunderschöne Gegend, eine Decke ausgebreitet auf der beinahe giftiggrünen Wiese, heissen Tee trinkend und plaudernd mit Piloten und Zuschauern. 

Ständig ist was los, die Flieger gehen raus und landen, machen ihre Startversuche und Schirmspielereien. Für Karin ist das alles neu und es macht Spass, ihr dies und jenes zu erklären. Dabei kann sie ihr Italienisch mit den netten Sizilianern üben. Und wie nett sie sind! 
Dominik probiert sogar einmal den Paramotor aus, den einer dabei hat. D.h. er zieht ihn an und zieht den Schirm hoch. Das sieht aus! Fliegen ist aber noch nicht drin. Das will an einem geeigneteren Ort versucht sein. 
 Nunzio will uns sogar den Schlüssel zur Kette, welche die Zufahrtstrasse absperrt überlassen! Er sitzt noch kurz mit uns zusammen, als wir im Womo sitzen und uns einen Apero genehmigen. Er erzählt, wie er die Verhältnisse in Italien sieht. Eigentlich würde er dieses Jahr pensioniert werden, mit 56. Da er aber seinen Job seinem Sohn quasi überlassen kann, lässt er sich erst im nächsten Jahr pensionieren, dann ist sein Sohn mit der Ausbildung fertig. Er spricht ein gutes deutliches Italienisch und wir alle können ihm meist folgen. Und wo nicht, übersetzen uns Karin und Dominik die verpassten Stellen. 

Heute werden wir von Dominik und Markus als Revanche für Gestern zu einer Pizza eingeladen. Wir fahren mit dem VW-Bus in die Stadt. Das Volk ist unterwex. Die nächtlichen Strassen sind hell erleuchtet und der Dreck, der bei Tageslicht manchmal die Atmosphäre einer Stadt beeinträchtigt verschwindet im künstlichen Licht. Jeder Platz gibt wieder Blicke frei auf imposante Kirchen und Paläste. Das hätte ich hier gar nicht erwartet. Wirklich schön und bezaubernd. Ein endlos lange Treppe ist mit Weihnachtssternen geschmückt, welche als Christbaum zusammengestellt auf der Treppe stehen. Doch das erkennt man erst von weitem. 

Die Pizza schmeckt, der Wein, leider, ist nicht gerade vom Feinsten. Dafür ist die Cassata Siciliana wirklich speziell, zwar extrem süss, aber wohl wirklich echt sizilianisch. 

Unser Übernachtungsplatz auf dem Startplatz ist ideal. Kein Autolärm oder Meeresrauschen - nur Stille! 
Leider geht es Zorro nicht so prächtig. Er muss erbrechen. Als er dann mit uns im Womo ist, schäumt er sogar aus dem Maul. Seinen ganzen Korb macht er nass, so viel Geifer läuft ihm aus dem Mund. Ich weiss nicht, was ich tun kann und finde natürlich keine Ruhe. Auf einmal erbricht er noch einmal. Und dann geht es immer wieder gut. Bin ich froh! Wie ohnmächtig man doch ist, wenn ein Tier sich unwohl fühlt und man keine Ahnung hat, was die Ursache ist oder wie geholfen werden kann. 
28. Dezember 2003, Piazza Armerina - Capo Rossello (Südküste, Nahe Agrigento)                     
Wieder runter ans Meer

Zu viert frühstücken wir ausgiebig und gemütlich im Womo. Noch nicht fertig, tauchen schon wieder die ersten Piloten auf. Nunzio bringt uns eine grosse Plastiktüte voll mit frischgepflückten Orangen, Mandarinen und Zitronen. Danach hält auch Dominik und Markus nichts mehr im warmen Womo. 

Zorro erbricht schon wieder. Irgendetwas ist wirklich nicht gut. Ich glaube beinahe, er hat was Giftiges gefressen. 

Karin und ich brechen auf. Wir wollen wieder ans Meer runter. Zudem bläst der Scirocco. Er bringt dunkle Wolken und verspricht Regen auf Morgen.

Als wir kurz nach Agrigento ans Meer fahren, finden wir, dank Empfehlung von Markus und Dominik einen guten Übernachtungsplatz direkt am Meer. Zorro hat sich mittlerweile erholt. Er springt um uns herum am Meer und ist wieder, so hoffe ich doch, quicklebendig. 

Die Küste hier ist ausgewaschen, die Kreidefelsen fallen steil ins Meer und haben bizarre Konturen hinterlassen. Sie nennen sich, so erzählt ein Mann Karin, Scala di Sarazeni (frei übersetzt: Türkentreppen). Sie sind kreidebleich und wunderschön. Viele Muscheln werden hier angespült. Wir machen einen Spaziergang und geniessen anschliessend die Wärme und den Windschutz vor dem Scirocco im Womo beim Schreiben und Lesen. 
29. Dezember 2003, Capo Rossello - Selinunte (Südküste, südlich Castelvetrano)
Regen und kein Gas mehr

In Sciacca machen wir Halt. Obwohl es so giesst, beschliessen wir ein bischen rumzuspazieren, entdecken sogar einen Internet-Point, wo ich meinen letzten Bericht von Italien abschicken und die Homepage aktualisieren kann. Wir verspeisen leckere Arancine (Typische sizilianische Spezialität: entweder mit Ragout und Erbsen oder mit Mozzarella und Schinken gefüllte Reiskugeln, welche in Paniermehl gewendet und im Öl frittiert werden, jammi) unter vom Regen triefenden Gummibäumen. Das Wetter ist genau richtig für einen Besuch in der nahen Therme. Doch leider haben wir Pech. Am Nachmittag ist geschlossen. Schade, wir hatten schon das ganze Badezeug gepackt und uns innerlich auf ein heisses Sulfat-Bad eingestellt. Na dann eben nicht. 

Unseren Platz für die Nacht finden wir am Ende des kleinen Dörfchens Marinella bei der Ausgrabungsstätte Selinunte. Es giesst und giesst und giesst.....

Am späteren Nachmittag marschieren wir trotzdem los und geraten in einen Teil der Ausgrabungsstätten von Selinunte. Die Biglietteria ist geschlossen und wir können ungehindert reinspazieren. Hier kann man ungehindert zwischen den umgefallenen Säulen und den riesigen Steinquadern umhergehen und das ist ein spezielles Gefühl. Es wird schwarze Nacht bis wir wieder beim Womo ankommen. Die Dusche habe ich jetzt wirklich verdient und ein leckeres Abendessen (Pasta mit Sauce Matricciana) versöhnt mich mit dem S..wetter. 

Doch das Glück ist heute definitiv nicht auf unserer Seite. Die zweite Gasflasche geht auch noch aus. Das kann eigentlich nicht sein, denn ich habe diese Flasche erst vor sieben Tagen angeschlossen! Ob das System leck ist? Es kann auch sein, dass mir die Flasche unkorrekt aufgefüllt wurde, sprich nur halb voll! So ein Mist, verflixt aber auch! 

Wir gehen beizeiten ins Bett und lesen noch ein wenig. Denn Heizung und Kaffeetrinken geht ja jetzt nicht mehr. 
30. Dezember 2003, Selinunte - Scopello (Nordküste, nordwestlich von Castellammare) 
Querung Siziliens - Erdbebenmonument Gibellina

Unsere erste Aufgabe heute heisst Gas finden. In Castelvetrano erhoffen wir unser Glück. Und tatsächlich, an einer GPL-Tankstelle füllt uns der junge Typ beide Gasflaschen mit je 10 Liter. Vermutlich ist das ja nur gerade die halbe Flasche, aber mehr getraue ich mich nicht. 

Dann genehmigen wir uns einen Cappuccino mit Croissant, den wir stehend in der Bar zu uns nehmen. Wir haben herausgefunden, dass die Preise deutlich tiefer sind, wenn man stehend trinkt/isst, als wenn man sich an einen Tisch setzt. 

Weiter geht es auf der Autobahn Richtung Norden und dann ins Land hinein zum alten Gibellina, was eigentlich nicht mehr existiert. Ein Erdbeben hat vor 35 Jahren dieses und weitere Dörfer komplett vernichtet. Viele Menschen sind ums Leben gekommen. Gibellina ist an einer anderen Stelle wieder neu erbaut worden. Doch ein Künstler hat hinter dem zerstörten Dorf ein Mahnmal in Form eines riesigen in Beton gegossenes Leichentuchs erstellt. Über etliche Quadratmeter zieht sich der etwa 1,5m hohe Betonmantel. Versehen mit Gängen, tektonischen Rissen nachempfunden, wirkt das Ganze wie ein grosses trauriges Labyrinth. Trotzdem kam die Sonne kurz hervor, als wir durch diese Wege liefen. 
Die Gegend hier ist überhaupt wunderschön. So schade, dass es regnet und stark bewölkt ist. Die Autobahn bringt uns zur Nordküste. Überhalb Castellammare machen wir einen Fotostop und fahren dann weiter. 

Ein grosser Parkplatz lacht uns an. Wir fahren hinunter und stellen das Womo hin. Als ich mit Zorro draussen am Strand entlang laufe finden wir einen toten Schäferhund. Die ganze Atmosphäre hier ist überhaupt nicht gut. Auch Karin empfindet das. Also lassen wir den Motor wieder an und fahren bis ganz ans Ende. 

Nach Scopello beginnt der NP Zingaro und auf dessen Parkplatz stellen wir das Womo für die Nacht hin. Die Landschaft wäre atemberaubend schön, doch ohne Sonne und mit starkem kühlem Wind wirkt es nur halb so freundlich wie es sein könnte. Schade. 
31. Dezember 2003, Scopello - Castellamare

Der Morgen war stimmungsvoll. Wolken strömten über die Berge, verdeckten die Sonne und türmten sich farbig in der Morgensonne. Am Brunnen vor dem Nationalpark tankten wir nochmals unserem Wassertank voll und fuhren dann nach Castellamare runter, um für den heutigen Silvesterabend einzukaufen. Wir fanden alles, was wir brauchten in idealer Nähe. Sogar ein frisches Huhn, d.h. zwei Hinterteile mit Schenkel! Schon bald fuhren wir weiter, dem Meer entlang Richtung Lungomare, den wir von oberhalb schon gesehen hatte und fanden tatsächlich an dessen Ende einen grossen Parkplatz. So, das wird unser letzter Stellplatz in diesem Jahr sein. 

Dominik und Markus tauchten auf, als wir vom Spaziergang zurückkamen. Das Wetter hudelte dermassen, dass uns nichts Gescheiteres einfiel als Karten zu spielen. Auf diese Weise verging der Nachmittag im Fluge. 

Zum Abendessen hatten Karin und ich uns bereits ein Menü ausgedacht. Zum Apero gab es Bruschette, danach einen Salat, und als Hauptspeise Coqe-au-vin. Zwischendurch spielten wir immer wieder mal Karten. Was hier vor allem zu erwähnen ist, das Huhn war sensationell gut. 

Hier das Rezept, für alle die es ausprobieren möchten. Speckwürfel anbraten und auf die Seite legen. Im Speckfett das Huhn scharf anbraten und herausnehmen. Anschliessend Champignons und eine gute Handvoll Silberzwiebeln (ev. frische Zwiebeln) anbraten. Anschliessend kommt alles wieder in die Pfanne. Das ganze wird mit einer guten Flasche Rotwein abgelöscht. Lorbeer und Nelken beigeben. Wenn nötig mit etwas Bouillon nachwürzen. Auf kleiner Flamme weichgegart (Fleisch sollte sich von den Knochen lösen). Vor dem Servieren gibt man 2-3 Tlf. Mehl, welches mit Butter verrührt ist zur Sauce, sodass diese sämig wird (evt. nochmals aufkochen). 

Mit sizilianischem Gebäck und Kaffe schlossen wir den Abend kulinarisch ab. Zum Glückwünschen gingen wir auf den Strand hinaus und sahen und hörten den umliegenden Feuerwerken zu. 

Ich machte als Erste schlapp und verkroch mich in den Alkoven. Eine Stunde später folgte dann aber auch der Rest der Crew. 
1. Januar 2004, Castellamare 
AHV-Ausflug

Der Neujahrstag fing fantastisch an. Ein frischer Wind blies in unserer Bucht sämtliche graue und schwarze Wolken weg und ermutigte uns, Tisch und Stühle nach draussen zu stellen und das Frühstück in der halbwegs anwesenden Sonne zu uns zu nehmen. Das war nun tatsächlich cool. Neujahr und Frühstück draussen an der Sonne am Meer! 

Am Nachmittag fuhren Karin und ich zusammen mit den Piloten ins Hinterland, um einen Startplatz zu besichtigen. In Tat und Wahrheit war es eher ein AHV-Ausflug, d.h. mit dem Auto durch die Gegend kurven und aus dem warmen trockenen Plätzchen die Umgebung kommentieren. Mit Fliegen war eh nichts. Der Wind zu schwach, die Wolken zu nah und dann tröpfelte es auch schon wieder. Aber immerhin sahen wir so einen wunderschönen Ecken von Sizilien. 

Auch diesen Nachmittag schlugen wir uns mit Kartenspielen um die Ohren. Bis zum Abend versammelten sich drei weitere Wohnmobile auf dem Parkplatz und so sind wir mittlerweile ein richtiger Womopark. 

Am Strand sucht einer der Wohnmobilisten mit einem Metalldetektor nach verlorenem Schmuck. Mit Kopfhörern und einem Schäufelchen versehen macht er unermüdlich seine Runden. 
Es wurden mehrere grosse (gute 1,5m lang) Thunfische angespült. Der, der am Silvesterabend angespült wurde, war das schönste Exemplar. Ein paar Männer fuhren mit einem Geländewagen runter an den Strand und hievten ihn hinein. Sicher wurde dieser verwertet. Doch die anderen sind in schrecklichem Zustand. Teilweise fehlen die Flossen ganz, sie sind zerfranst und haben auch grosse Wunden. Wir rätseln rum, was wohl die Ursache für den Tod dieser grossen Tiere ist. Wir tippen auf Fangüberreste. Aber wer weiss. Auf alle Fälle ist ein Spaziergang am Strand nicht mehr ganz so romantisch. 

Markus zeigte sich so flott und erledigte den Abwasch, während Dominik abtrocknete. Auch an das könnte man sich gewöhnen: entspannt zurückzulehnen und zuzuschauen, wie die Herren sich um den Haushalt kümmern. 
2. Januar 2004, Castellamare - Cefalu (Nordküste)
Spiel ohne Grenzen

Ein letztes Mal gemeinsames Frühstück mit Dominik und Markus, allerdings diesmal drin, denn einmal mehr ist das Wetter hässlich. 

Der einzige, der Spass am Draussen sein hatte, war Zorro. Drei Strandhunde, die schon die ganze Zeit um uns herum waren, und denen ich Trockenfutter gefuttert hatte, erwiesen sich als tolle Spielkumpanen für Zorro.  

Karin und ich verabschiedeten uns von den beiden, fuhren nochmals ins Dorf, um Einzukaufen und blochten dann auf der Autobahn Richtung Cefalu. 

Etwa drei Stunden später erreichten wir das hübsche Städtchen und parken gleich mal am Lungomare, um einen Stadtspaziergang zu machen. 

Cefalu ist wirklich hübsch. Es duckt sich an einen markanten grossen Felsen. Die Altstadt mit ihren vielen Gassen bietet jede Menge Lokale und Läden. Obwohl es ziemlich touristisch ist, hat es viel nette Atmosphäre. Trotz Regen! Ausnahmsweise genehmigen wir uns mal das Mittagessen auswärts. Schliesslich muss man's nehmen, wie es kommt. Als Vorspeise gibt es frittierte Garnelen, Tintenfisch und Tintenfischringe. Als Secondo Piati nimmt Karin Linguine mit Crevetten an einer Rahm-Zitronensauce und ich die Pasta Sarda, welche mit einer aussergewöhnlichen Sauce, bestehend aus Fenchel, Sardinen, Pinienkörner und Tomaten, serviert werden. 

Karin und ich haben ja den Plan, die letzten beiden Wochen ihres Aufenthaltes hier in Sizilien Italienisch in einer Sprachschule zu verbringen. Für Cefalu hat Karin von Zuhause aus im Internet bereits zwei Adressen mitgebracht. Das sind auch die beiden, die uns die Dame im Touristenbüro angeben kann. Die eine Schule ist sogar an der gleichen Strasse wie das Touristenoffice. Da es erst um 16 Uhr wieder aufmacht, beschliessen wir, vom Campingplatz aus, uns telefonisch zu erkundigen, was möglich ist. 

Der Campingplatz Raisigerbi, 12km östlich von Cefalu hat offen! Trotz allgemeinen Aussagen, dass um diese Jahreszeit alles geschlossen hat. Allerdings sind wir die Einzigen auf dem grossen Platz. Dafür suchen wir uns die schönste Ecke aus mit Sicht aufs Meer und naher Wiese. Witzigerweise ist dieser Campingplatz durch die küstennahe Bahnlinie zweigeteilt. Aber abgesehen vom Zug, den man hin und wieder hört, merkt man es kaum. 

Der Platzwart bietet uns an, von seinem Büro aus, das Telefon in die Schule zu machen. Für die Platzbenutzung offeriert er uns, sollten wir zwei Wochen bleiben, 10 Euro pro Nacht. Das ist ein gutes Angebot, aber leider werden wir es kaum nutzen können, denn die Sekretärin von der Schule sagt uns schon am Telefon, dass momentan nur Privatstunden möglich sind, da zuwenig Interessierte für eine ganze Klasse vorhanden sind. Und Privatstunden können und wollen wir uns nicht leisten, auch wenn es sicherlich eine effiziente Lösung wäre. Trotzdem werden wir morgen Vormittag bei der Schule vorbeischauen und mit der Sekretärin reden. Wer weiss, was wir aushandeln können.   

Als Erstes füllen wir unseren Wassertank, dann wird die Karre zum ersten Mal, seit ich sie besitze, an die Strombuchse angeschlossen, und es funktioniert sogar! Der Kühlschrank steht auf Grün, sämtliche Lampen brennen und mein Laptop kann vollgeladen werden. Theoretisch könnten wir jetzt den Staubsauger, den Mixer, die elektrische Zahnbürste und natürlich den TV in Betrieb nehmen. Aber abgesehen vom TV habe ich sowas nicht an Board. Und für den TV haben wir im Moment noch keine Zeit, denn zuerst heisst es mal Arbeiten! 
Wir machen uns auf, um unsere Wäsche zu waschen. Der Campingplatzwart hatte zuvor noch einen seiner Arbeiter veranlasst, die Maschine zu reinigen. Denn als wir sie besichtigten stand sie unter Wasser. Warmwasser gab es natürlich an diesem Anschluss auch nicht. Also trugen wir kübelweise warmes Wasser von der Toilette ums Toilettenhaus herum zur Waschmaschine. Einer von uns stand jeweils drin am Wasserhahn und füllte einen zweiten Eimer mit Wasser, die andere rannte ums Haus herum zur Waschmaschine und füllte die Tonne damit. Wir kamen uns wie in diesem Spiel, welches vor Jahren regelmässig im TV gezeigt wurde, vor. Es hiess Spiel ohne Grenzen und mehrere Gruppen von Spielern hatten irgendwelche verrückte Aufgaben zu lösen, wie z.B. volle Wassereimer möglichst schnell an einen anderen Ort tragen usw. Also, wir kamen uns vor, wie die gewinnende Gruppe im Spiel ohne Grenzen! 

Anschliessend zogen wir das Wäscheseil quer durch den Duschraum und hängten unsere nasse Wäsche daran auf. Es dürfte allerdings schwierig werden, dass die Wäsche bis morgen früh ganz trocken wird bei der momentanen Luftfeuchtigkeit. Aber wir hatten ja keine andere Wahl. 

Nachdem wir auch die Chemietoilette geleert hatten, gönnten wir uns eine warme Dusche, zur Abwechslung mal extern. Netterweise hatte der Platzwart die Strassenlichter zu unserem Camper angezündet und wir mussten nicht ganz blind zurück finden. 

Zurück im Womo verpasste mir Karin eine Fussreflexzonenmassage, welche nicht nur wirklich gut tat, sondern bei mir schon beinahe Verzückung auslöste! 
3. Januar 2004, Cefalu
Si piove, si piove - il gatto non si muove

Wir fahren nach Cefalu, um uns mit der Sekretärin der Schule zu treffen. Wie vermutet, lässt sich im Moment nicht viel arrangieren und unsere Levels sind zu unterschiedlich. Wir werden am Montag nochmals vorbeigehen, um zu sehen, welches Level die dritte Schülerin hat, welche sich angekündigt hat. Immerhin kriegen wir ein exzellentes Grammatikbuch von der Schule. 

Am Lungomare, wo wir normalerweise parkieren, ist ein grosser Markt. Jede Menge Früchte, Gemüse, Käse und Fleischstände stehen kunterbunt zusammen. Stände mit Unterwäsche, Schuhen, Haushaltsware, Süssigkeiten und sonstigem Allerlei beeindrucken und gefallen uns. 

In einem Fischladen finden wir grosse schöne Riesencrevetten. Das wird unser Abendessen, prima! In einer Pasticceria finden wir frische Canollis. Eine Art Fasnachtsgebäck, als Rolle frittiert, gefüllt mit einer süssen Crème. So, und diese werden wir am Nachmittag zum Kaffee verdrücken.  
Als wir von Cefalu zurückkommen, ist es nach Mittag. Aber die Wäsche ist immer noch nass. Also schleppt Karin portionenweise ins Womo, um sie überall aufzuhängen und in der Womowärme der Heizung trocknen zu lassen. Es braucht ziemlich Fantasie, die Wäsche an allen möglichen Ecken und Kanten aufzuhängen. 

Nach unserem Mittagessen und Dessert gönnt sich Karin ein Nickerchen und ich schreibe endlich einmal meinen Reisebericht à-jour. 

Die Gamberonis werden superlecker! Karin ist eine wirklich gute Köchin und ich profitiere von ihren einfachen und raffinierten Rezepten!

Selbstverständlich werde ich euch aber dieses Rezept nicht vorenthalten! Hier ist es: Gamberonis zusammen mit kleingehaktem Knoblauch in wenig Öl kurz anbraten, mit Zucker bestreuen, leicht caramelisieren lassen und mit frischem Orangensaft ablöschen. Mit Salz und Pfeffer würzen, Crème fraîche oder Vollrahm dazugeben, anrichten. Das Ganze ist in wenigen Minuten fertiggekocht und schmeckt wirklich vorzüglich. 
4. Januar 2004, Cefalu
Aufhellungen

Was für ein Wetterfrosch! Dominik hatte uns per SMS schönes Wetter versprochen. Doch die Wolken entleerten sich weiter frischfröhlich und ungehemmt über uns. Den Vormittag verbrachten wir kreativ. Wir bastelten, malten und bereiteten auch eine feine Orangenkonfitüre aus den restlichen Orangen, die wir geschenkt bekamen. 

Nach dem Mittag fuhren wir wieder zurück nach Cefalu und parkierten das Womo am Lungomare. 

Um Zigaretten zu finden, liefen wir durch das halbe Dorf und wurden erst am Bahnhof fündig. 

Zurück am Meer brach auf einmal die Sonne hervor! Wie herrlich, wenn auf einmal alles strahlt, wenn die Sonne scheint! Ein langer Spaziergang entlang dem Meer, zur Abwechslung mal ohne Schirm und Regenmütze, aber immer noch mit dicken warmen Jacken brachte uns und Zorro wieder endlich einmal genug Bewegung.

Die Nacht werden wir hier verbringen. Hinter und vor uns sind jede Menge andere Wohnmobilisten, also dürfte es kein Problem sein.  
5. Januar 2004, Cefalu
Gipfel zum Frühstück und zum Mittag

Da wir so schön nahe beim Dorf genächtigt haben, zogen wir gleich am Morgen los, um frische Cornettos (Italienische Gipfeli) zu holen. Ich verspeiste sie mit der leckeren feinen Orangenkonfitüre, welche wir vorgestern selber zusammenbraut hatten. 

Dann gingen wir nochmals los, um einen Internet-Point zu finden. Der eine hatte keinen, der andere war zu, ein dritter hatte nur ein kaputtes Ding, im vierten wurden wir dann fündig. Mittlerweile habe ich ja richtig Übung, die Site zu aktualisieren und das System war auch nicht übel. Also waren wir nach einer halben Stunde fertig. Wieder draussen hatte das Wetter richtig aufgehellt. Ah, wieder Sonne im Gesicht! 

An einem Stand kauften wir etwas Gemüse und im Supermarkt machten wir wieder einmal Grosseinkauf. Zorro blieb in der Zwischenzeit im Womo. Er hielt sich brav. 

Nach einem Tomaten-Mozarella-Salat machten wir uns gleich wieder auf den Weg, um den Felsen hinter Cefalu zu erklettern. Schliesslich muss das schöne Wetter ausgenutzt werden! Es führt eine Treppe hinauf und oben findet man Ruinen aus römischer Zeit, unter anderem einen Diana-Tempel. Aber vor allem genossen wir die fantastische Aussicht vom Gipfel. Die Küste ist enorm lebendig und eine sanfte Bergkette zieht sich dahinter ins Landesinnere. 

Auch staunten wir wieder einmal mehr, wie hier alles grünt. Es spriesst und blüht. Unglaublich. Als wäre es Frühling. Die ganze Vegetation scheint auf diesen Regen gewartet zu haben, um jetzt in voller Kraft zu brillieren.
An allen Ecken und Enden trifft man auf diese Mini-Kapellen, ausstaffiert mit Heiligenbildern, mit Blumen und Rosenkränzen geschmückt und des öfteren auch ein Bildchen des allgegenwärtigen Padre Pio. 
Auf dem Rückweg sammelte Karin noch Fenchelkraut, welches sie heute Abend für die Dorade verwenden will, welche sie vorher gekauft hatte. Natürlich musste sie den Fisch vorab noch entschuppen. 

Die Dorade schmeckte herrlich. Dazu das Lauchrisotto, hmmmm! 

Als wir gerade im Begriff waren, ins Bett zu klettern, klopfte es an die Womowand. Karin klopft energisch zurück, dann spähen wir durch die Vorhänge raus. Die Polizei. Na Prima, die wollen, dass wir hier verschwinden. Ihr Tipp: im Hafen, aber ohne Garantie, dass sie uns von dort nicht auch vertreiben. Der Grund, dass sie uns von hier vertreiben ist klar. Ein ganzer Konvoi, der kurz vorher hier angekommen ist, hat sich frecherweise direkt auf der Promenade bzw. dem Trottoir breit gemacht! Und alle miteinander sind wir auch zuviele. 

Also fahren wir, im Pyjama!, zum etwa 1km entfernten Hafen runter. Es stehen schon ein paar dort und es kommen auch noch mehr dazu. 
6. Januar 2004, Cefalu - Villarosa (Landesinnere, Nähe Enna)
Durch Sizilien's Seele zum Nabel

Als wir am Morgen aufstehen, sehen wir erst wieviele Wohnmobile hier mit uns stehen! Es sind mit uns 14 Stück. Kein Wunder, dass man uns vertrieben hat vom Lungomare.
Unser gestriger Plan sah vor, entlang der Küste Richtung Messina zu fahren. Doch links und rechts von uns waren Wolken und verhingen die Welt in Grau. Dafür schien offensichtlich im Landesinnere die Sonne. 

Wir änderten kurzerhand unseren Plan und fuhren der Sonne nach. Bis auf rund 700 m ging es hinauf und wieder hinunter, durch herrlich grünes, leicht hügeliges Land. Entlang hohen weissen (offensichtlich frisch verschneiten) Bergen, erosionsgeplagten Hängen, braunen Flüssen und herrlich weitem Land. Man nennt diese Gegend die Seele Siziliens und Enna, welche die grösste höchstgelegene (ca. 1000m) Provinzhauptstadt ist, den Nabel. 

Am Stausee von Villarosa, kurz vor Enna, machen wir Halt. Mitten in der Pampa ist das. Weit und breit kein Mensch. Hin und wieder ein Auto, das vorbeifährt; Hunde, die uns auf unserem Spaziergang zum See anbellen; Schweine, die vor Zorro flüchten und ein paar Fischer. Auf dem Rückweg von unserer kleinen Exkursion an den See, pflückt Karin einige Salbeiblätter. Mhhh, heute Abend wird es frische Ravioli mit Salbei und Butter geben.

Nach dem Abendessen ziehen wir uns einen der beiden billig erstandenen italienischen Videos rein: Matrimonio all'Italiana mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni, ein klassischer Schunken aus den 50ern! Wir amüsierten uns köstlich, auch wenn viel Verbales unverständlich blieb. 

Müde kletterten wir ins Bett in der festen Überzeugung, es sei etwa 22.30 Uhr. Wieder lautes Gegröle als wir feststellten, dass erst kurz vor 21 Uhr war! Na ja, TV schauen schafft einen offensichtlich. 

Der Vollmond strahlte in dieser Nacht hell und warf kontraststarke Schatten auf den Boden. Es wird wohl eine kalte Nacht! 
7. Januar 2004, Villarosa - Nicosia (Landesinnere, ca. 50 km nördlich von Enna)
L'ombellico Siziliens: Enna

Fast Null Grad war es diese Nacht, dank wolkenlosem Himmel und Vollmond! Früh fuhren wir los und waren noch vor 9 Uhr in Enna. Enna liegt auf 1000m majestätisch hoch über dem Tal und wird eben als Nabel Siziliens bezeichnet. Der Blick von dort oben, vor allem vom Castello aus ist fantastisch. Wir hatten das Glück einen absolut wolkenlosen sonnigen Tag zu erwischen, um diese Aussicht geniessen zu können. 

Natürlich machten wir auch ein bisschen Kultur. Den Dom besichtigten wir von innen und waren beeindruckt von den reichen Verziehrungen, dem alten Chor, der Orgel, der Kanzel und den fein verzierten Gewölben.
Wir liefen quer durch die Stadt bis zum Friedhof. Einige ältere Familiengruften waren sehr eindrücklich. Doch der grössere Teil wirkte sehr verschlossen, da die meisten Gruften schlicht und mit Glas verschlossen sind.
Zurück beim Womo, setzten wir uns auf die Mauer und genossen die Sonne. Ein Mann mit seinen beiden kleinen Kinder spazierte vorbei und verwickelte uns in ein Gespräch. Den Kleinen zeigte ich das Womo von innen. Lustig, wie sie zu verstehen versuchen, dass das ein Auto und ein Haus ist.

Am Nachmittag verschwand die Sonne leider ab und zu hinter Wolken. Auf dem Weg nach Nicosia suchten wir einen Stellplatz für die Nacht, doch ohne Glück. Überall sah man Wasserschäden: Strassen und ganze Hänge, die wegrutschten. In Nicosia stellten wir die Karre an der Strasse ab. Die Aussicht vom Panoramafenster ist interessant: über Dächel ins hügelige Land. Doch an der Seite preschen Scooters und Autos vorbei. Mal sehen, wie ruhig diese Nacht wird!
8. Januar 2004, Nicosia - Sto Stefano (Nordküste,  ca. 30 km östlich von Cefalu)
Kurvenreiche Talfahrt zum Fischfang

Die Nacht war ruhig. Abgesehen vom Güselwagen, der irgendwann mitten in der Nacht seine Arbeit erledigte. 

Der Abwasserlauf vom Küchenlavabo ist komplett verstopft. Das Wasser von gestern Abend läuft gar nicht mehr ab. Also gehen wir am Morgen als erstes los, um so einen Gummistöpsel zum Entstopfen zu finden. Im Café erklären sie uns, wo wir so ein Ding finden könnten. Dieser Laden war gleich um die Ecke und wir staunten nicht schlecht, was es dort alles gab: von der Unterwäsche über Plastikgeschirr und Säge zu Büromaterial und ach, was weiss ich noch was alles! Auf alle Fälle bekamen wir unseren Stöpsel, vier neue Plastikteller und eine Zitronenpresse, die wir schon seit Tagen suchten. Mit dem Stöpsel war die Verstopfung im Nu behoben. 

Dann fuhren wir Richtung Norden an die Küste. Auch hier wieder überall Erdrutsche und Strassenumfahrungen aus eben diesem Grund. Die Gegend um Nicosia wirkt irgendwie sehr schweizerisch. Wohl weil es um diese Jahreszeit so grün ist. Sanfte Hügel, kleine Bauernhöfe, sich durch Wiesen schlängelnde Strassen, Vieh auf den Weiden und ab und zu ein Wäldchen. 

In Sto Stefano gelangten wir an die Küste. Ein paar Kilometer ausserhalb fanden wir einen Platz am Meer, um Mittag zu machen und einen Strandspaziergang. Nach ein paar Tagen Hinterland ist das Meer wieder speziell. Ohne Wind liegt es ruhig wie ein See da. Es ist sogar so mild, dass wir im T-Shirt draussen sitzen und Karin mir auch noch die Haare stutzen kann. 

Auf dem Spaziergang treffen wir auf dieses gigantische Monster aus Beton, welches irgendein Künstler aufgestellt hat und schon beinahe wieder verrottet ist. 
Dann fahren wir ins Städtchen hinauf und schauen bei einem Keramikladen rein. In diesem Ort ist jeder zweite Laden so eine Keramikbude. Ob die wohl alle in ihren Häusern dahinter selber produzieren? Es scheint so! Karin kauft sich einen Mohrenkopf, d.h. einen Blumentopf, der ein hohler orientalischer Kopf ist, bunt bemahlen, er sieht toll aus. Die Frau zeigt uns die Werkstatt und das Malatelier, wo ihre Tochter und ihr Mann arbeiten. Wir können uns selbst davon überzeugen, dass hier alles selbst produziert und bemalt wird. Wir sind sehr beeindruckt, sowas hätten wir nun wirklich nicht erwartet. 

Überall sieht man hier Keramikwerkstätten. An einer Wand lacht uns wieder einmal ein Dreibein an, diesmal als ein bemahltes Keramikplattenbild. 

Wir fahren wieder runter ans Meer und spazieren zu ein paar Männern, welche gerade dabei sind, ein kleines Beiboot ins Wasser zu lassen und zu einem Fischerboot hinaus zu fahren. Zurück kommen sie mit zwei kleinen Harass voll von Superminifischchen, genannt Leonardi (Neonatis - Neugeborene, heissen die in Wirklichkeit!) oder so ähnlich. Sie sind nicht grösser als 3-4 cm und fast durchsichtig. Die Herren erzählen uns begeistert, wie lecker die schmecken, auch roh! Natürlich müssen wir probieren. Na ja, Karin findet sie lecker, ich habe das Gefühl, dass das eine Fischchen mir immer noch im Hals steckt. 

Für 2 Euro kaufen wir ca. zwei Handvoll (für die beiden Harassli haben sie den Fischern 80 Euro bezahlt!). Im Bierteig gebacken und mit Zitrone beträufelt schmecken sie dann allerdings exzellent! 

Zum Abendessen gibt es eine asiatische Suppe mit Huhn, Champignons, Lauch, Kokosnussmilch und Zitrone. Jammi! Einmal mehr supi! Ich werde wohl wieder darben, wenn Karin nicht mehr da ist. 

Bevor wir ins Bett gehen, ziehen wir uns noch den Rest des dramatischen Videos mit Sophia Loren rein. Er ist köstlich, auch wenn man leider vieles nicht versteht, weil so ein Slang und so schnell gesprochen wird. 
9. Januar 2004, Sto Stefano - Mondello (Nordküste,  ca. 10 km nördlich von Palermo)
Lebendiges Mondello am karibikblauen Meer

 Heute hat Dominik Geburtstag. Wir wollen ihn heute Abend in Mondello treffen. Da er in der Piani di Albanesi fliegt, ist dieser Ort auch für ihn schnell erreichbar. 

Auf der Suche nach Gas und Wasser fahren wir einen Teil der Strecke auf der Küstenstrasse. Gas erhalten wir wieder einmal an einer GPL-Tankstelle! Hier verlieren die Leute kein Wort von wegen illegal und so!? Umso besser für uns! 

Während wir fahren, konjugieren wir italienische Verben und ich schalte ab und zu in den falschen Gang vor lauter Anstrengung, die richtige Vergangenheitsform von Sein oder Haben zu gaxen. 
Die Umfahrung Palermos verlief wie beim ersten Mal problemlos und fast flüssig. Nur Mondello fanden wir nicht auf anhieb. Es kommt ab und zu vor, dass eine Richtungsangabe nur von einer Richtung her sichtbar ist und so sahen wir die Tafel erst, als wir umkehrten und Sferacavallo von der anderen Seite her durchfuhren. 

Ganz am rechten Ende des Lungomare von Mondello sind viele Parkplätze frei und die Strasse scheint nicht so arg befahren, wie die andere, welche direkt ins Zentrum führt. Die beiden linken Räder stehen auf dem Trottoir - wir oder besser das Womo ist perfekt ausnivelliert. 
Wir spazieren am Strand zum Zentrum. Mondello, das Wochenendziel vieler Palermitaner hat eine malerische Lage! Viele alte schöne Häuser mit prächtigen Gärten, auch die Promenade ist mit herrlichen grossen Bäumen und sonstigem tropischem Grün geschmückt. Das Restaurant, welches in der Bucht liegt, verleiht der Bucht eine altenglische kühle und noble Note. Die bunten Fischerboote im Hafen zaubern hingegen wieder eine sommerliche Ambiente. Wirklich ein lustiges und charmantes Mix. Mondello ist umgeben von etlichen steilen Hügeln, das Meer in der Bucht liegt so ruhig und klar, dass man sehr verlockt ist, hineinzuspringen. 

Doch die Winter- und Windjacken, die wir anhaben, lassen die herrschenden Temperaturen nicht vergessen. 
Natürlich trifft Karin im Dorf auf Stefano, einen hier ansässigen Bekannten, den sie von früheren her kennt. Er ist Sänger und Fischer und sehr nett. Wir oder wohl eher Karin erprobt ihr Italienisch an ihm. Ich hirne zwar intensiv mit, aber mitreden kann ich nicht, immer noch nicht. Ich brauche viel länger, bis mir die richtigen Worte in den Sinn kommen. Aber mitzuhören bringt auch schon sehr viel. 

Gegen Abend kommt Dominik. Er lädt uns zur Feier des Tages zum Essen ein. Es wird 2 Uhr bis wir alle, müde von angeregten Gesprächen, ins Bett fallen. 
10. Januar 2004, Mondello
Palermo

Mit dem 806 Bus können wir direkt von Mondello ins Zentrum von Palermo fahren. Zuerst spazieren wir der Einkaufstrasse Via Maqueda entlang (es ist Winterausverkauf und überall herrscht Andrang), um dann in den berühmtesten Markt von Palermo zu stechen, die Vucciria, ein Feuerwerk von Farben, Gerüchen und Stimmen. Trotzdem ist es geradezu angenehm ruhig, nach der lauten, und nach Abgasen stinkenden Hauptstrasse.  
Dank Karin's Kenntnissen von Palermo spazieren wir gezielt bestimmte Orte an. In einem Park können wir Zorro laufen lassen und wir selbst bestaunen die prächtigen grossen und sicherlich schon sehr alten Gummibäume, welche Luftwurzeln bis auf den Boden geschlagen haben. Urige Riesen!  
Dann geniessen wir einen Schnellimbiss auf palermitanisch: In der Antica Focacceria San Francesco gibt es eine Spezialität, die den Fremden etwas Überwindung kostet: herzhafte Pani ca'meusa, Sesambrötchen mit Kalbsmilz und Lunge, in Schweineschmalz geschmort, garniert mit Ricotta und gewürzt mit Zitronensaft. Deftig aber lecker, wirklich! Zudem ist das Lokal an sich schon sehenswert!

Wir laufen noch bis zum Dom, der zu unserer Enttäuschung aber geschlossen ist. Es scheint auch für einen Dom "Ladenöffnungszeiten" zu geben. 
Der Rückweg führt uns durch schmale Nebengässlein, die immer wieder Blicke auf spannende und lebendig schöne Innenhöfe freigeben. 
Auch ein wundervoll bemahlter Pferdekarren zieht unsere Blicke an. 

Nach 3-4 Stunden Palermo haben wir genug. Der Bus bringt uns sicher und schnell über brutale Schlaglöcher wieder zum Womo, nach Hause, zurück. Die Sonne hat sich während unseres Aufenthaltes in Palermo ein wenig hervorgewagt. Doch als wir wieder zurück sind, tröpfelt es schon wieder. Doch für morgen ist schönes Wetter angesagt. Hoffentlich, hoffentlich! 

Am Abend spazieren wir noch einmal izum Dorfzentrum von Mondello, um uns von Stefano zu verabschieden. Er hütet das Lokal seiner Schwester. Wir trinken ein Bier mit ihm und erzählen ihm von Palermo (d.h. Karin erzählt und ich lausche konzentriert dem Italienischem). Stefano erzählt uns von Kuba, wo er demnächst für ein paar Wochen hin will. Zum Abschied gibt er uns jede Menge Gebäck mit. 
11. Januar 2004, Mondello - Balestrate (Nordküste, ca. 40 km westlich von Palermo)
Der Dom von Monreale

Tatsächlich. Ein strahlender Tag! Endlich wieder einmal richtig Sonne! Wir laufen dem Strand entlang und treffen auf eine Schweizerin, welche schon seit Jahren hier lebt. Sie erzählt uns, wieso der eine Hügel, der eigentlich Naturschutzgebiet wäre, mit Bauruinen übersäht ist: obwohl nicht erlaubt, wird nicht abgerissen und das Ganze dauert schon seit Jahren: italienische Politik! 
Ganz nahe von Palermo liegt Monreale. Ein Dorf an einem Hang mit einem tollen grossen Dom. Von aussen eigentlich unspektakulär überwältigen einen im Innern auf über 6000 m2 goldgrundige Mosaike. Sizilianische und venezianische Mosaikkünstler schufen hier im 12. und 13. Jh. eine enorm schöne und glitzernde Bilderbibel. Die Grösse und der Glanz sind überwältigend. Was für eine gigantische Handarbeit das doch bedeutet! 
Die Sonne scheint und es ist fantastisch. Wir geniessen es schlicht und jubeln immer wieder. Was für ein Glück, dass wir das hier alles so einfach geniessen dürfen! 

Wir fahren über die Berge hinter Palermo Richtung Westen. Etwa 40 km westlich von Palermo, an der gleichen Bucht, wo wir schon einmal waren, nämlich in Castellammare, nur am anderen Ende, landen wir am Meer. Wir setzen uns ans Meer und geniessen die Sonne. Dominik kommt. Der Wind ist zu stark zum Fliegen. Sein Schirm liegt noch offen im Auto und so packt er ihn aus, um Aufziehübungen zu machen. Er spielt nicht lange und schon tauchen auch die anderen aus der hier ansässigen Gleitschirmtruppe auf. 

In der Abendsonne sehen wir etlichen Schirmen zu, die über den Strand hüpfen und ihre Balancetechnik zu verbessern versuchen. 
12. Januar 2004, Balestrate
Sonne tanken

Es ist nur leicht bewölkt und angenehm warm. Zu dritt, bzw. zu sechst, weil nämlich in Begleitung von Zorro und noch zwei Hunden spazieren wir dem Strand entlang bis zu einem grossen unfertigen Hafen, der entsprechend leer daliegt. Auf dem Rückweg laufen sogar Karin und ich barfuss. 

Jetzt müssen wir zuerst einmal einkaufen gehen und Zigis sind auch alle. Im nächsten Dorf, Balestrate finden wir im Supermercado alles für unsere Vorratskammer. 

Schnell sind wir wieder am Strand und stellen Stuhl und Tisch nach draussen, um unser Mittagessen an der Sonne zu geniessen. Es ist hinter dem Wohnmobil relativ windstill und die Sonne wärmt angenehm. Auch ist der Strand verhältnismässig sauber. Wir stehen auf, vom Klee überwachsenen Strand direkt am Meer und haben freien Blick darauf und auf die Berge rechts von uns. Gediegen, so lässt sich's gut überwintern! 
13. Januar 2004, Balestrate
Frieden

Wir verbrachten den ganzen Tag mit Spazieren, Rumhängen, viel Reden und schlichtem Geniessen. Zorro spielte den ganzen Tag mit einem jungen Schäferhund. Es war sowieso permanent ein ganzes Rudel um uns herum. Ein schwarzer stattlicher Kerl, der einen Schlag auf die Nase erhalten hatte und darum noch bulliger aussah, als er eh schon mit seinen Muskeln war. Dann die weisse trächtige Hündin, die enorm anhänglich war und nie genug von Streicheleinheiten erhalten konnte. Wir tauften sie Bianca und den schwarzen Nero. Hin und wieder gesellte sich auch noch ein ganz kleiner lustiger dazu. 

Auch als wir am Strand bis nach Balestrate reinspazierten, kamen Nero und Bianca sogar mit uns mit. Der Tag verflog viel zu schnell. Es ist immer wieder gut, ein paar Tage am gleichen Ort zu sein. Vor allem wenn das Wetter stimmt. Und es stimmt sensationell.  
14. Januar 2004, Balestrate - Sto Stefano (sieh 8. Jan., Nordküste,  ca. 30 km östlich von Cefalu)
Bianca und Nero begrüssten uns freudig schwanzwedelnd am Morgen. Sie hatten offensichtlich Hunger. Da wir nun gar nichts mehr hatten, kochten wir kurzerhand eine Ladung Reis und mischten noch ein wenig Hundefutter dazu. Gierig wurde alles verschlungen. Die beiden waren tolle Wächter und liebe Gesellschaft. Manchmal finde ich es ein Jammer, so tolle Hunde einfach zurück zu lassen. Aber ich habe natürlich keine Wahl und mit ein bisschen Glück, schlagen sie sich hier am Strand bis zum Frühling durch. Sobald dann wieder Touristen unterwex sind, werden sie genügend zu Futtern haben.  

Zuerst fuhren wir ins Dorf Balestrate, um Hundefutter einzukaufen, dann füllten wir unseren Wassertank komplett frisch, d.h. vorher entleerten wir sogar den Boiler. 
Nach Palermo, so wussten wir, würden wir eine Tankstelle finden, an der wir schon einmal GPL-Gas erhalten hatten.

Bis Cefalu fuhren wir durch. Mittagspause und Strandspaziergang. Das alles bei schönstem, schon fast frühlingshaft warmem Wetter! 

In Sto Stefano fuhren wir an unseren Stellplatz vom 8. Januar. Auch hier stiessen wir wieder auf Hunde. Zuerst sahen wir den jammervollen kleinen braunen, der die rechte Vorderhand komplett kaputt hatte und seit dem letzten Mal noch magerer geworden war. Ich stellte ihm einen Napf voll Futter hin, was er auch ass. Aber ich glaube nicht, dass er hier in diesem Zustand noch lange überleben wird. Armer Kerl! 

Während wir die letzten Sonnenstrahlen draussen sitzend und lesend genossen, tauchte die vierköpfige Hundefamilie wieder auf. Sie, er und zwei hübsche Söhne. Alle gut im Futter, aber bis auf die Hündin total scheu und misstrauisch. 

Dominik hat sich zum Abendessen angemeldet. Mal schauen, was wir ihm auftischen... 
15. Januar 2004, Sto Stefano - Milazzo (Nordküste, 20 km westlich von Messina)
Finale del Giro di Sicilia

Ein kräftiger Wind weht. Flugwetter ist auf alle Fälle nicht. Auch wenn es relativ warm ist, vermutlich bläst der Scirocco, ist es zu windig, um draussen zu frühstücken. 

Als ich heute morgen den Ölstand kontrollierte, erschrak ich ab der Ebbe, die sich mir auf dem Messstab zeigte! Also als Erstes mal eine Tankstelle finden und nachschütten! 

Karin und ich fahren weiter Richtung Messina entlang der Küste. Die Autobahn bringt uns relativ schnell nach Nordosten. Wir peilen Milazzo an. 

So haben wir beide nun quasi Sizilien umrundet. Unternahmen an fast jeder Küstenseite Siziliens Strandspaziergänge, lernten auch das Landesinnere kennen, sind sogar auf 1000m hoch, besichtigten Dörfer und Städte. Vor allem hatten wir Gelegenheit, sehr interessante und nette Menschen anzutreffen. Insgesamt erhielten wir ein facettenreiches Bild von Sizilien. Von vielem ein wenig und von wenigen sehr viel. Knappe vier Wochen voller Sizilien! Es war herrlich und spannend und es könnte nach meinem Geschmack noch viel länger andauern. Aber wie alles Schöne ist auch diese Zeit begrenzt und darum unheimlich schnell vorbei gegangen. Es werden noch etliche Tage folgen, wo ich diese Zeit in Gedanken durchgehe, es ordne und erst so richtig schätzen werden, wenn ich es nicht mehr habe. 

Von Milazzo aus fährt Karin mit dem Palermo-Zug nach Messina, kann übersetzen und hat direkten Anschluss an ihren Nachtzug in Villa San Giovanni, ohne umzusteigen. Dies bestätigt ihr auch der Signore am Billetschalter von Milazzo. Der Zug fährt um 16 Uhr ab, um 18 Uhr ist sie in Villa San Giovanni und um 19.30 Uhr fährt der Nachtzug los Richtung Milano. 

Nachdem wir das abgeklärt haben, fahren wir zum Kap hinaus und lassen uns vom Wind so richtig durchschütteln. Er bläst gewaltig und das Meer zeigt viele und dichte Schaumkronen. Auch auf dem Spaziergang zum Meer hinunter, der entlang Feigenkakteen und über zig Scherben führt, bläst der Wind gemein um die Ohren. Als Übernachtungsort ist er definitiv nicht geeignet. 

Wir fahren ein Stück zurück bis Anfangs Milazzo und stellen das Womo ins Lee. Auch wenn der Platz nicht sehr romantisch ist und der Blick auf die Chemiefabriken und den grossen Industriehafen hinter Milazzo fällt, ist er doch wenigstens windgeschützt.
 
Wir gehen ein letztes Mal auswärts essen. Milazzo bietet einige Lokale und entpuppt sich bei der Suche nach einem geöffneten Restaurant als schöne, grosszügige und charmante Stadt. Sogar der Lungomare ist enorm breit angelegt, hohe Palmen und zig Bänke säumen die langen Spazierpromenade. 

Da immer noch Ausverkauf herrscht, schauen wir auch in den einen und anderen Laden rein. Karin findet Hosen und Pulli und auch ich kaufe mir für 6 Euro eine lange Hose. Der Winter kann ja noch ein wenig andauern. 
Das Womo nahmen wir mit zum Lungomare und entschieden dann, auch gleich hier zu schlafen. 
16. Januar 2004, Milazzo
Abschied bei schönstem Frühlingswetter

Unser Übernachtungsplatz war perfekt. Genug ruhig zum Schlafen, obwohl direkt am Lungomare, bei Cafés, Geschäften und den Menschen. 

Die Sonne schien, Vögel pfiffen, es scheint, der Frühling kommt wirklich (auch wenn Karin geht..). 
Nach einem Morgenspaziergang und Cappuccino mit Cornetto schauten wir den Fischern zu, wie sie an Land kamen und ihren Fang direkt präsentierten und verkauften. 

Karin hatte ihre Sachen schnell gepackt. Den Rest des Tages werden wir geniessen. Vielleicht noch einmal Shopping, an der Sonne flanieren, eventuell zum Kap hinaus, um zu spazieren. Gegen 15 Uhr werde ich sie zum Bahnhof bringen. 

 

 

 

 


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