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Reisebericht Italien 2004-5 Sizilien
17. Januar 2004, Milazzo - Capo d'Orlando
(Nordküste, ca. 80km westlich von Milazzo)
Frühling?
Ich
war schon früh wach und ging bei kalten 6° mit Zorro dem Strand
entlang.
Karin verabschiedete ich gestern vom Bahnhof aus. Auch wenn ich an Abschiede
gewohnt bin, mag ich sie nicht. Erst als der Zug mit Karin, die mir vom
Fenster aus zuwinkte, aus dem Bahnhof fuhr, merkte ich, dass ich einen Klos im
Hals hatte! Die Zeit mit ihr hat mir so gut gefallen! Ich werde sie vermissen
und ihr nachtrauern. Aber mein Entscheid, alleine zu reisen, bereue ich nicht,
auch zieht es mich noch nicht nach Hause. Es wird und darf noch ein paar
Wochen und vielleicht auch Monate andauern.
Bald schon ging die Sonne auf und wärmte. Von hier aus sieht man das
Wahlfahrtsheiligtum der Schwarzen Muttergottes von Tindari. Stolz trohnt die
Kirche auf einer Felsnase und lockt im Sommer Tausende von Interessierten an.
Um 8.30 Uhr bin ich schon oben und spaziere an der Kirche vorbei ganz zur
Felsspitze hinaus, um die wunderbare Aussicht zu geniessen. Aus diesem
einzigen Grund bin ich nach hier oben gefahren. Der Blick fällt steil auf die
Lagunenlandschaft von Marinello mit ihren kleinen blauen und grünen
Wasserflächen.
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Natürlich
besichtige ich die Kirche und ihre schwarze Madonna ebenfalls. Aber sie ist
mir nicht sonderlich sympathisch. Von aussen wirkt sie allerdings prächtig,
vor allem, weil gerade die Sonne durch die farbigen Scheiben im Turm
scheint.
Als ich der Küste entlang langsam weiter Richtung Westen fahre, sehe ich,
dass der Frühling wirklich nahe sein muss. Ein Mimosenbaum steht schon in
voller Blühte!
Anfangs Capo d'Orlando finde ich einen grossen Sandplatz, der ein guter
Übernachtungsplatz sein wird. Wasser finde ich im Hafen nebenan. Gut so, denn
auf der ganzen Strecke bis hierher hatte ich erfolglos Ausschau
gehalten.
Ich sitze am Strand an einen warmen Felsen gelehnt und lasse mir von der Sonne
das bisschen Haut, das ich entblösse wärmen.
Eine Frau mit einem jungen Rottweilerweibchen spaziert am Strand entlang und
bald jagen Zorro und die junge Dame einander hinterher. Es stellt sich heraus,
dass die Frau seit 20 Jahren hier lebt und inzwischen besser Italienisch
spricht als Deutsch. Sie ist damals, als sie ihren jetztigen Mann kennenlernte
schlicht hier hängengeblieben. Sie schwärmt von Capo d'Orlando und erzählt,
dass der Wetterbericht seit Tagen schlechtes Wetter prophezeie, dass es hier
aber tendenziell immer besseres Wetter hat. Sie meint, eigentlich müssten sie
den Wetterbericht von Afrika hören, der würde eher zutreffen! Im Sommer
scheint der Platz, wo ich stehe, mit Wohnmobilen überfüllt. Die Saison gehe
aber erst so im Mai richtig los. Bin gespannt, was das Wetter noch so alles
bringt.
Karin rief von Zuhause an. Die Reise sei gut und interessant verlaufen. Auch
sie habe erst geflennt, als der Zug losgefahren sei. Wie man sich an jemanden
gewöhnt in so einer kurzen Zeit! Aber man lernt sich eben auch sehr gut
kennen, wenn man so nahe aufeinander lebt. Karin, du warst eine supertolle
Reisepartnerin! So ohne Wenn und Aber sich ganz dem Rhythmus eines Womolebens
in Siziliens hinzugeben, setzt sehr viel Flexibilität und Offenheit voraus.
Du warst eine richtige Bereichung in meinem Zigeunerleben und du bist
jederzeit wieder willkommen!
Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich vom Alleinereisen langsam genug habe.
Die Zeit mit Karin war schön und hat mir gezeigt, dass ich es ebenso brauche,
liebe Leute um mich zu haben. Auch wenn die Zeit alleine wertvoll war und
immer noch ist, fühle ich mich gesättigt und voll. Immer wieder werde ich es
brauchen, alleine meine Wege zu gehen, aber ich brauche auch Freunde um mich;
Menschen, mit denen ich mein Leben teilen will. Und die Zeit, beides wieder
unter einen Hut zu bringen ist reif.
Natürlich werde ich den Frühling abwarten, denn auf eine kalte klamme nasse
Schweiz habe ich keine Lust! Auch sind meine Finanzen dann genügend
strapaziert, so dass wohl erst mal für einige Zeit arbeiten angesagt ist.
Seufz.
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18. Januar 2004, Capo d'Orlando - Cefalu (Mitte
Nordküste)
Wieder in der Mitte
Die Polizei streifte vermehrt durch die Gegend. Soll mir recht sein. Bevor ich
losfahre, fülle ich meinen Wassertank nochmals randvoll. Ich weiss noch
nicht, wo ich in Cefalu Wasser finden kann.
Ich fahre ein kleines Stück Autobahn und den Rest auf der Küstenstrasse. Es
ist eine wundervolle Gegend. Unbesiedelte wilde Steilküsten wechseln sich mit
kleinen hübschen und hässlichen Dörfern ab. Des öfteren sieht man die
Bahnlinie, welche sich bis nach Palermo mehr oder weniger der Küste entlang
schlängelt.
Noch vor dem Mittag treffe ich in Cefalu ein. Der Lungomare ist voll mit
Sonntagsvolk: Familien, mehr oder weniger verliebte Pärchen, junge Eltern,
Afrikanern mit ihren Ständen, beladen mit Schmuck, Holzschnitzereien,
Handyverkleidungen, Schals und Teppichen. Fast jeder Tisch wie der
andere.
Aus dem Womobuch weiss ich, dass hier am Ende der Wiese neben dem Lungomare
eigentlich ein offizieller Stellplatz ist. Als ich dahin spaziere, sehe ich,
dass das Gelände einem Autohändler vermietet ist und der ganze
Platz zum Verkauf steht. Schade, das wäre eine ideale Lösung für die zwei
Wochen Schule gewesen, die ich besuchen möchte.
Später, als das ganze Volk beim Mittagessen ist und die Strassen wieder
leergefegt sind, laufe ich durch die Stadt und entdecke das eine und andere
bis jetzt Übersehene.
Für diese Nacht kann ich sicherlich hier bleiben, auch wenn der Zirkus
nebenan heute Abend (glücklicherweise zum letzten Mal) eine Vorstellung gibt.
Ich hoffe, dass man in der Schule eine Idee hat, wo ich mein Teil zwei Wochen
lang stehen lassen kann. Denn ich nehme an, dass die Polizei kein Verständnis
für mein Italienischinteresse hat!
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19. Januar 2004, Cefalu
Leben in Cefalu
Seit langem wieder einmal stellte ich den Wecker, um ja nicht zu verschlafen.
Um 7 Uhr holte mich das Geklingel aus dem Schlaf. Das Wetter ist schon wieder
toll. 15°, noch bevor die Sonne aufgeht! Ah, so könnte es ewig sein.
Erst einmal heisst es, Zorro so weit zufrieden zu stellen, dass er es vier
Stunden ohne mich aushält. Zuerst ging ich mit ihm ein paar Schritte, so dass
er sein Geschäft erledigen konnte. Dann gab es für mich einen starken
Kaffee, den ich zu einem längeren Aufenthalt am Strand mitnahm. Bei der
Treppe, die vom Lungomare zum Strand hinunter führt traf ich einen Polen,
dessen Hund schon gestern mit Zorro herum tollte. Auch gut, wenn sich Zorro
auf diese Weise bewegte. Ich redete mit dem Polen, der besser als ich
Italienisch konnte, während wir den Hunden zuschauten, wie sie sich
austobten. Ich gab ihm eine Zigarette und offerierte ihm einen Kaffee, den er
offensichtlich sehr gerne annahm. Leider hatte ich kein Brot und gar nichts
mehr im Womo, sonst hätte ich ihm ein Sandwich gemacht. Er hatte die Nacht
irgendwo am Strand verbracht. Scheinbar ist er ohne Papiere hier, aber die
Polizei lasse sich abwimmeln, wenn er behaupte, er arbeite beim Zirkus! In
besonders guter Verfassung scheint er nicht zu sein. Er zittert mit den
Händen und auch seine Mimik ist irgendwie verwaschen.
Später mache ich noch
eine "brave" Runde mit Zorro. Es bleibt gerade noch ein wenig Zeit,
um abzuwaschen.
Bei der Schule, die nur 2-3 Gehminuten vom Womo entfernt ist, warte ich eine
Weile, dann rufe ich Rosalba an. Sie teilt mir mit, dass sie schon fast bei
der Schule sei, ich solle warten. Fünf Minuten später öffnet sie die Türe.
Grosses Hallo, sie erinnert sich an mich und Karin, erzählt, dass sie auch
darüber nachgedacht hätte, wie das Problem mit dem Womo zu lösen sei. Aber
sie kann mir nur ein Apartment mit Parkplatz offerieren, ohne Strom, und das
für 130 Euro die Woche. Das ist mir zu teuer. Aber die Schule wolle ich mal
für eine Woche besuchen und dann weiterschauen.
Heute steht kein Lehrer mehr
zur Verfügung, aber morgen um halb neun könne es losgehen. Auch nur zwei
Stunden pro Tag zu machen, sei kein Problem, ganz wie ich wolle. Also, mal mit
zwei Stunden anfangen. Vielleicht wären 2 x 2 Stunden, je vor- und
nachmittags am Geschicktesten. Vier Stunden aneinander scheint mir ein
bisschen viel. Mal sehen. Die Schule finde ich relativ günstig. Für 110 Euro
10 Stunden Unterreicht! Halb so billig wird es erst, wenn mindestens drei
Schüler einen Lehrer teilen. Mal schauen, vielleicht bekomme ich schlaues
Unterrichtmaterial, mit dem ich auch alleine gut lernen kann.
Gleich vis-à-vis von der Schule öffnete ein Computerladen seine Jalousien.
Supi, er hat Internet. Zwar nur eine Station, aber dafür tip-top
eingerichtet. 5 Euro die Stunde ist nicht gerade billig, aber normal für
Italien. Ich nutze gleich die Gelegenheit und beantworte ein paar Mails.
Anschliessend gehe ich einkaufen. Als ich nach 1 1/2 Stunden zurückkehre,
wartet Zorro auf seinem Thron (Beifahrersitz), von wo er alles überblicken
kann. Er hat in der Zwischenzeit keine Dummheiten angestellt. Braver
Junge.
Es gibt wieder einmal frisch gepressten Orangensaft und einen grünen Salat
zum Mittagessen. Nach einem Spaziergang am Meer schreibe ich noch ein wenig
und lese.
Dominik hat sich zum Abendessen angekündigt. Das Flugwetter ist vorbei.
Schön, wieder Gesellschaft zu haben!
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20. - 25. Januar 2004, Cefalu
Schulbank drücken
Die
erste Schulwoche ging schnell vorbei. Ein gewisser Rhythmus hat sich
eingestellt und mit dem Stellplatz am Lungomare gab es nienti Problema.
Einmal
kam die Carabinieri Municipale vorbei und meinte, der Abwasserkübel dürfe
nicht draussen stehen. Aber ansonsten schienen sie nichts dagegen zu haben,
dass ich hier stehe. Und das seit Sonntag! Cool! Am Samstag jedoch ist Markt und
so fahren wir am Freitag zum hinteren Teil des Lungomare. Vorab hole ich
noch einen vollen Tank Wasser. Mit dem Strom habe ich keine Probleme. Die
ganze Woche war es mehrheitlich schön und mein Solarpanel hat sich schön
aufladen können. Obwohl ich natürlich auch sparsam umgehe, d.h. nicht zwei
Lampen gleichzeitig brennen lasse oder Kerzen benutze, wann immer es möglich
ist.
Dominik war die ganze Woche ebenfalls hier am Lungomare. Er ist in der Zeit,
als ich die Schulbank drückte, Einkaufen gegangen, hat die Wäsche in die
Wäscherei gebraucht, ist mit Zorro spazieren gegangen und hat auch fleissig
abgewaschen. Ja, ja, wenn der Knabe nicht fliegt, kann man ihn für allerhand
gebrauchen ;-). Auf dem Foto macht er gerade (nur mit Unterhosen bekleidet!)
eine wunderschöne Tai Chi Übung.
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Nachmittags sind wir jeweils Start- und Landeplätze in der
Umgebung auschecken gegangen. So habe ich wieder ein paar tolle Plätze im
Inland gesehen!
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Meine
Lehrerin heisst Nuccia. Da ich die einzige Schülerin bin, sind die 2 bzw. 3
Stunden sehr intensiv aber eben auch effektiv. Auch habe ich jetzt
Schulbücher, mit denen ich für mich selbst üben kann. Mir gefällt
Italienisch ausserordentlich gut und hin und wieder habe ich auch Gelegenheit
zu reden. Vor allem gewinne ich an Sicherheit, da ich endlich einen
Grundschatz an Grammatik, Verben und Worten bekomme.
Die Schule ist in einem älteren Gemäuer. Zu dieser Jahreszeit ist noch
nichts los und so sitzen Nuccia und ich in einem der Klassenzimmer, haben den
Ofen an und ziehen die Esercizi brav durch. Nebst einer Einschreibegebühr von
30 Euro, da ich kein Arrangement mit Unterkunft buche, kostet mich eine Woche
mit 10 Stunden 110 Euro. Wären wir mindestens zu dritt, so würde ich die
Hälfte bezahlen. Aber so habe ich dafür quasi Privatunterricht.
Gleich vis-à-vis der Schule hat es einen Computerladen, der eine
Internetstation zur Verfügung stellt. Supi.
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Der eine Pole, den ich am Lungomare angetroffen habe, ist offenbar nicht
alleine. Sein Kumpan ist auch noch aufgetaucht. Der eine ist 50 und sieht aus
wie 60 oder mehr - der andere ist erst 28. Dominik hat länger mit ihnen
geredet. Sie erzählen ihm, dass ihre Papier geklaut wurden und dass die
Botschaft 100 Euro für einen Ersatz will. In einem verfallenen Gebäude
finden sie Unterkunft für ein paar Nächte. Regelmässig, wenn ich von der
Schule komme, treffe ich sie auf ihrem Weg zur Caritas an, wo sie etwas zum
Mittagessen bekommen.
Ich finde es schön, so lange am gleichen Ort zu sein. Langsam aber sicher,
lerne ich Cefalu mit all seinen Gassen besser kennen. Auch die Erkundung des
Hinterlandes hat dazu beigetragen, dass ich mich hier schon fast wie Zuhause
fühle.
Dies Bild von den Hunden habe ich gemacht, als wir von den Bergen
zurückkehrten. Eine ganze Hundefamilie hat sich bei den Abfallcontainern
heimisch gemacht. Offenbar finden sie hier genügend zu Essen.
Das Tagebuchschreiben setze ich, wie ihr seht, auf ein Minimum. Denn meine Zeit
will ich im Moment dem Lernen widmen. Und ansonsten halte ich mich möglichst
viel draussen auf.
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26. - 31. Januar 2004, Cefalu - Balestrate
Schulbank drücken, zum Zweiten; Sturm und Platten
Die zweite Woche verging wie im Fluge. Wieder einmal, seit langem, erlebte ich,
wie kurz und kostbar eine Wochenende wird, wenn man an einen regelmässigen
Tagesablauf gebunden ist, der von Montag bis Freitag geht. Auch wenn es jeweils
nur zwei Stunden waren, dafür sehr intensive, füllten sie mit Lernen doch
schon ziemlich meinen Tag. Aber es war guuut! Jetzt müsste ich nur noch mehr
zum Sprechen kommen. Grammatik habe ich vieles intus, was ich zum Teil auch noch
gar nicht brauchen kann. In zwei, drei Wochen werde ich vermutlich nochmals zur
Schule gehen, bis dahin habe ich hoffentlich ein bisschen mehr Praxis.
Gegen Ende Woche wurde das Wetter wieder hässlicher. Vom Donnerstag auf den
Freitag stürmte es sogar derart, dass wir kaum schlafen konnten. Hagel preschte
auf das Womodach und hörte sich wie unter Beschuss an!
Einmal, als wir von einem Ausflug zurückkehrten, fanden wir das Womo mit einem
Platten vor. Dominik hatte das Rad allerdings schnell weg und fuhr damit zu
einer Garage, wo er den Schlauch wechseln konnte. Offenbar war das Ventil dahin.
Kann sein, dass es alt war, kann sein, dass jemand das Ventil kaputt gemacht
hat. Wir glauben aber eher an die erste Variante. Auf alle Fälle hatte Dominik
das Problem so schnell behoben, dass ich fast das Gefühl hatte, um ein
Abenteuer gekommen zu sein.
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Am Freitagnachmittag packten wir daher unsere sieben Sachen zusammen und fuhren
mit unserem Wohnvehikeln via Palermo (diesmal mit argem Stau!) nach Balestrate,
unseren altvertrauten Platz am schönen Golf von Castellammare.
Natürlich
begrüssten uns die Hunde sogleich. D.h. Bianca erkannte mich nicht mehr! Kaum
zu glauben, aber diese Hündin, die ziemlich abgemagert auf mich wirkte, traute
sich nicht in meine Nähe. Auch der Womoduft lockte sie nicht näher. Bei
unserem letzten Aufenthalt hier wäre sie ja beinahe hineingestiegen. Dafür kam
Nero im lockeren Galopp auf mich zu und begrüsste mich, indem er seinen Kopf an
meinen Beinen rieb. Die Kruste auf seiner Nase war fast ganz weg und er schaut
immer noch so wunderbar aus, wie vorher. Er ist ein Prachtstier.
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Wir genossen den Abend mit Sonnenuntergang an der Spiaggia von Balestrate. Auch
wenn die Häuser hinter der Spiaggia hässlich sind, ist dieser Strand doch ein
wunderschöner Platz. Wir stehen hier ungestört und haben den Strand für uns
alleine. Es ist ruhig und die Sonne scheint hier relativ lange. Es gibt einige
andere schöne Plätze hier an der Nordküste, die aber zu nahe an den Klippen
oder im Hang stehen, so dass die Morgensonne erst spät herankommt.
Am Samstag sind wir hoch zur Piana dei Albanesi. Endlich sehe ich dieses
Flugmekka persönlich. Bilder von dieser wundervoll gelegenen Hochebene habe ich
schon gesehen. Aber in Natura ist alles noch viel eindrücklicher und weiter.
Der See strahlt leuchtend blau. Die ganze Gegend erinnert mich irgendwie auch an
die Schweiz.
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Die Sonne lacht mit uns. Auch wenn ein kalter Süd, Südost weht, ist er doch
fliegbar und Dominik kommt am Südplatz vom Maganoce zu einem schönen langen
Flug. Zum Kumeta rüber reicht es allerdings nicht.
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Jede Menge Volk ist da, es ist Samstag, und die Schulen sind mit ihren Schülern
hier, um gegen den späteren Nachmittag ruhige Schulflüge durchzuführen.
Wir fahren rund um das Massiv des Monte Jato, fahren durch eine weite grüne und
sanfte Landschaft.
Bevor wir zurückkehren holt Dominik seine Wäsche von der Lavanderia und ich
kaufe Hundefutter für meine heimatlosen Freunde am Strand. Doch als wir
ankommen ist nur der Schäfer da. Nero und Bianca bleiben verschwunden, die
ganze Nacht. Ich koche wieder einmal eine grosse Ladung Reis und mische dazu
Büchsenfutter. Rex, so habe ich den Schäferhund getauft, frisst gierig. Den
Rest spare ich für Morgen, vielleicht tauchen die beiden anderen ja wieder
auf.
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1. Februar 2004, Balestrate
Erice und Montagne Grande
Heute
morgen ist es weniger kalt als gestern. Aber immer noch nur 6°! Dafür wird es
schnell wärmer, denn die Sonne kommt schon bald hinter den Häusern hoch und es
sieht aus, als gäbe es einen Prachtstag.
Nero und Bianca sind auch wieder da. Vermutlich haben sie einen warmen
Unterschlupf. Oder unser Rex, hat entgegen allem Anschein, die Herrschaft über
das Rudel und duldet sie nicht in der Nähe der Camper, das er nun
offensichtlich als sein betrachtet.
Wir packen Pic-Nic zusammen und fahren Richtung Erice. Erice ist auf 750m
spektakulär überhalb Trapani, der grossen Hafenstadt im Nordwesten von
Sizilien gelegen. Als wir von hinten her die Passstrasse hoch fahren, haben wir
einen herrlichen Blick auf das Capo San Vito mit seinem Naturpark Zingaro.
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Leider
verhüllt Nebel die obersten Meter. Trotzdem ist es genügend sichtig, um zu
fliegen. Auch öffnet sich der Nebel immer mehr und als ich wieder hinunter
fahre, habe ich grandiose Blicke aufs Meer, Trapani und seine egidischen
Inseln.
Unten am Landeplatz wartet ein Flugkollege, um mit uns zusammen zum Startplatz
von Montagne Grande zu fahren. Die Zufahrt ist ziemlich versteckt. Es ist jene,
welche wir Anfangs Jahr mit Markus und Karin auf unserer "AHV-Fahrt"
nicht gefunden hatten.
Nun, mit einem Anführer ist es easy. Allerdings ist der Weg wirklich gut
versteckt zwischen Bäumen und vor allem ziemlich ausgewaschen und entsprechend
holprig. Aber für den VW-Bus geht es gerade noch gut. Mit dem Womo könnte ich
es allerdings schlicht vergessen, vor allem weil die Äste tief herunter
hängen.
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Der
Startplatz von Montagne Grande ist grandios. Ein weiter Blick über das leicht
hügelige Land hinter Trapani. Mittlerweile liegt Erice ganz frei und überhaupt
tummeln sich nur noch ein paar wenige Thermikwölkchen am Himmel. Ich habe den
Eindruck, dass die Sonne schon ziemlich steil steht. Der Lichteinfall wirkt
schon fast sommerlich auf mich. Auch ist es angenehm warm.
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Es
lässt sich schön auf dem Startplatz rumtummeln, wo viele Flieger sind. Sie
unterhalten sich, machen Spässe über jene, die starten usw. Eine gute
Atmosphäre!
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2. Februar 2004, Balestrate
Spiaggia von Balestrate
Den
Tag verbrachte ich mit Spazieren, Schreiben und Lesen während Dominik nochmals
zur Piana degli Albanesi hochgefahren ist, um zu fliegen.
Mit Zorro und Nero lief ich den Strand entlang, die Sonne schien warm, auch wenn
der Wind frisch ist. Bianca hingegen wärmte sich ihren Pelz an der Sonne.
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Hier
an diesem Strand von Balestrate ist man ziemlich ungestört. Hin und wieder
fährt ein Auto über die Sandstrasse, man hört weit weg den Zug und manchmal
testen Typen ihre Vehikel auf Sandtauglichkeit. Auch kläffen die Hunde immer
wieder ab der geringsten Kleinigkeit. Trotzdem herrscht eine gediegene Ruhe und
Ungestörtheit. Der Strand ist vor allem aber auch sauber. Natürlich liegt auch
hier dies und jenes aus Plastik rum, aber er ist nicht so total verdreckt wie
einige andere Strände.
Links im Bild an der Strasse erkennt man mein Womo. Im
Hintergrund ist das Dorf Balestrate, das man über den Strand in einer knappen
halben Stunde erreichen kann. (Souvenirs für Karin!)
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3. Februar 2004, Balestrate
Mosaikwunder auf dem Monte Gallo bei Mondello
Der
Wind bliess heute ebenso stark wie gestern, vielleicht fast noch deutlicher. Am
Vormittag bastelten wir an verschiedenen Dingen herum, putzten Fenster, machten
Abwasch usw. So geht ein halber Tag echt schnell vorbei.
Vor dem Mittag
entschieden wir uns dann, bzw. konnte ich Dominik von einer Wanderung in der
Nähe Mondellos überzeugen. Schnell hatten wir unser PicNic beisammen und die
Wanderschuhe montiert. In Mondello ist man dank Autobahn in wenigen
Minuten.
Unsere Wanderung führt uns auf den Monte Gallo, links von Mondello, entlang der
riesigen geisterhaften Einfamilienhaussiedlung, die nie fertiggestellt werden
konnte/durfte, weil dies hier eigentlich zum Naturpark gehört. Schon seit zig
Jahren stehen diese Bauruinen wie seelenlose Hüllen da, werden weder fertig
gebaut noch abgerissen.
Wir wandern darunter vorbei in die Höhe und können
diese Misspolitik aus nächster Nähe bestaunen. Irgendwie wirken sie nicht
einmal hässlich. Nur eindrücklich in der Dimension und gespenstisch mit den
toten holen Fenstern.
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Die
Wanderung führt durch Pinienwald hinauf zum Ex Semaforo, einem ehemaligen
Leuchtturm, der offenbar bewohnt ist. Eine deutsche Frau hatte Karin und mir von
diesem Einsiedler erzählt, der hier hause und das ganze Haus mit Mosaik
ausgelegt habe. Er habe alle Steine selbst vom Meer hinauf getragen! Dass wir
allerdings auf so ein verrücktes Wunderwerk stossen, hätte ich mir nicht
vorgestellt.
Von aussen sieht man noch nicht viel. In den Fenstern vom Turm
sieht man die Mosaiksteine, die die dicken Wände innen am Fenster bekleiden.
Und rechts und links von der Türe hat er die Wände mit biblischen Sprüche
versehen. Überhall Herzen aus Mosaik mit Heiligenbildchen drin. Schon ganz am
Anfang des Wanderweges waren diese Herzen, sie führen einen regelrecht zu
diesem Wunderwerk.
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Zuerst
aber geniessen wir die Aussicht über Palermo. Sensationell! Obwohl wir nur
wenige Höhenmeter gemacht haben, hier ist man auf 530m, ist der Blick
fantastisch. Ungehindert schweift er über Palermo und die Berghänge dahinter,
Conca D'Ora (Goldene Muschel) genannt, den Monte Pellegrino und das Cap
Zafferano.
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Dann
treten wir in den Leuchtturm ein.. und sind baff! Alles, jeder Raum, ist
dekoriert mit Mosaiksteinen, d.h. schlichten rundgeschliffenen Steinen und
Glasscherben. Überall sind Heiligenbilder und Herzchen, die er mit den Steinen
kunstvoll umrandet hat. Die Räume sind hoch und die Verzierungen winden sich
den Türen entlang nach oben, füllen die Decke oder umranden bunte Ornamente.
Alles ist farbig und leuchtet. In jedem Raum hängt eine schlichte Kerze von der
Decke.
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Dann
schreiten wir an der Wendeltreppe vorbei, auch diese ist bunt verziert, in die
hinteren Räume. Hier wohnt der unbekannte Einsiedler also. Aber es ist niemand
da. Später erzählt uns ein Waldarbeiter, dass der Einsiedler gerade ins Tal
hinunter ist. Er trage einen Bart und habe einen weissen Stock bei sich. Er kam
uns entgegen, als wir die letzten Stufen zum Leuchtturm hinauf sind!
Alles ist aufgeräumt und fast wie in einem Museum ausgestellt. Die Küche mit
dem grossen Herd, das Esszimmer, ein Schlafzimmer, eine Spüle, um sich zu
waschen, eine Toilette. Alles ganz schlicht, aber immer reich verziert!
Unglaublich! Aber es ist auch kalt in diesem Gemäuer und ich kann mir nicht
vorstellen, wie man hier leben kann. Ausser im Sommer vielleicht.
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Wir
klettern den Turm hinauf und kommen in einen runden Kuppelraum, der hellblau
gestrichen und mit leuchtenden Steinen verziert ist. Der Türrahmen und die
Fensternischen sind komplett ausgelegt. In einer Ecke liegen etwa 6 Pet-Flaschen,
gefüllt mit kleinen runden Steinen. Diese Arbeit! Und alles hat er allein
gemacht! Unvorstellbar! Ich bin voll Bewunderung für diese Arbeit, bin schlicht
hin und weg. Allzu lange bleiben wir trotzdem nicht hier drin. Viel zu
kalt.
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Wir
setzen unsere Wanderung um den Monte Gallo fort. Schön ist es, durch das Grün
zu wandern. Und hier weht erstaunlicherweise kein Wind. Auf der anderen Seite
des Gupfs sieht man auf Mondello hinunter. Die Wanderung hat sich wirklich
gelohnt. Auch wenn der Himmel ein wenig bedeckt ist, lohnt sich der steile
Aufstieg für diese Aussicht!
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4. Februar 2004, Balestrate
Beachleben
Dominiks VW-Bus macht Schwierigkeiten. Hin und wieder, bei Vollgas,
hat er einen Aussetzer und fällt in den Leerlauf. Er bringt die Karre am Morgen
früh nach Alcamo in die Garage, um ihn durchchecken zu lassen.
In der Zwischenzeit hacke ich meinen Bericht in die Maschine und füttere die
Hunde mit dem gestern noch schnell gekauften Hundefutter. Bianca ist, so glaube
ich, trächtig. Ihre Zitzen schwellen immer mehr an. Aber alle haben sie grossen
Hunger. Ich muss aufpassen, dass das Futter so verteilt wird, dass sie sich
deswegen nicht bekriegen.
Ich freue mich immens auf das Erwachen der Natur hier in Sizilien. Bin schon
ganz gespannt auf all die Blumen, Sträucher und Bäume, die jetzt schon
anfangen, zu spriessen und zu drücken. Schon bald sollen hier die Mandelbäume
blühen. Darauf freue ich mich ganz besonders. Schade nur, dass es im Hinterland
noch zu kalt ist, um zu übernachten. Der 5-10° grosse Unterschied macht doch
viel aus. Und hier am Strand ist die Vegetation leider nicht so ergiebig. Aber
mit den Ausflügen zu den Startplätzen oder auf Wanderungen entdecke ich jedes Mal
wieder Neues.
Der Tag vergeht im Fluge. Es tut mir gut und ich schätze es, das Alleinsein.
Aber auf die Dauer ist es eben doch nicht das Ware.
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5. Februar 2004, Balestrate
Antiker Tempel von Segesta und Fliegen am Montagne Grande
Hier
bei Balestrate ist es bewölkt. Wir beschliessen, den Tempel von Segeste
anzuschauen und bei passenden Windverhältnissen den Montagne Grande, der nicht
weit davon entfernt ist, aufzusuchen.
Kaum sind wir ein wenig von der Küste weg, wird der Himmel wolkenlos und
strahlend blau. Die Wiesen blühen, die Vögel pfeifen, ach, seufz, der
Frühling ist da.
Der Tempel von Segesta ist etwa 2400 Jahre alt. Das Spezielle an ihm ist, dass
er nie ganz fertig gestellt wurde. Vieles ist quasi noch im Rohbau und unfertig.
Dieser Umstand eröffnet dafür Einblicke in die Machart eines solchen Riesen.
Es ist spannend und eindrücklich.
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Auch
liegt der Tempel wunderschön in einem Tal auf einer Hügelkuppe. Wir sind
alleine an diesem Ort, schiessen ein paar Fotos und ergötzen uns am Tempel
und dessen schöner Kulisse.
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Auf
dem nebenan stehenden Hügel ist ein Theater, welches wir ebenfalls
besichtigen. Allerdings wurde hier das meiste renoviert und vom alten
ursprünglichen Bau sieht man nicht mehr viel. Aber auch dieses Theater
besticht durch die Aussicht, welches es von den Treppen, dem Publikumsraum,
bietet.
Der Spaziergang hinauf und hinunter führt durch Wiesen voll mit gelbem Klee,
orangenen Ringelblumen, blauem Borretsch und weissen Gänseblümchen. Es
duftet spannend.
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Dann
fahren wir weiter zum Montagne Grande. Nord-/Nordwestwind bläst und so fahren
wir die langen Serpentinen zum entsprechenden Startplatz hoch. Es ist niemand
da. Der Wind ist solala, dafür beständig und offensichtlich sanft.
Wie
vorauszusehen war, kann Dominik die Höhe für ein Toplanden nicht halten.
Also fahre ich runter und hole ihn beim nördlichen Landeplatz ab. Dort machen
wir erstmal PicNic, bevor wir noch einmal hochfahren. Beim zweiten Mal klappt
es besser mit dem Wind. Er kann sich lange kurz unterhalb des Startplatzes
halten. Es kommt noch jemand zum Fliegen und als sie zu zweit draussen sind,
setzt eine gediegene Abendthermik ein, welche die Beiden höher und höher
bringt.
Ich sitze mittlerweile im VW-Bus, nachdem ich mir fast was abgefroren
habe, während ich mit Karin telefoniert hatte. Zu kalt, um draussen
rumzusitzen. Und mittlerweile ist auch die Sonne weg. Es kann sich nur noch um
Minuten handeln, bevor die Wärme zu Ende ist, welche die Flieger noch oben
hält. Es kommt auch feuchter Nebel auf, der sich von hinten her anschleicht.
Zeit, ein Ende zu finden!
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6. Februar 2004, Balestrate
Dolce far niente
Der
Tag war so milde, der Vormittag ohne Wind! Ich konnte draussen sitzen und mit
einem guten Buch die Sonne geniessen. Wir sind den ganzen Tag rumgelümmelt und
haben so vor uns hingewerkelt oder eben gar nichts getan...
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Zum Abendessen machten wir das letzte Pack Fondue, welches Karin mitgebracht
hatte. Mit Knoblauch und nachgewürzt geht es gerade so zum Essen, aber vor
allem bringt es Stimmung!
Wie fast jeden Abend spielen wir fünf Runden Rommé, und es ist zum
Verzweifeln, denn ich bin nichts als am Verlieren. Runde um Runde,
unglaublich!
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7. Februar 2004, Balestrate
Zwei Startplätze mit falschen Winden
Auch
heute ist der Tag frühlingshaft mild. Wir fahren ins Hinterland, um zwei
Startplätze zu besichtigen, die Dominik noch nicht kennt bzw. noch nicht
geflogen ist. Aber der erste ist auch jetzt nicht fliegbar. Dafür laufen wir
den Hügel hoch und haben eine wunderbare Aussicht auf die Inversion (sichtbar
als Bodendunst, der recht weit hinauf gehen kann), welche sich über das Land
ausbreitet.
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Der
zweite Startplatz täuscht zwar ein bisschen Thermik vor, aber als Dominik
rausfliegt, geht es nur abwärts. Dafür ist der Blick von hier oben noch
herrlicher als der vorige.
Ein Junge, der mit dem Scooter am Startplatz ist, macht uns den Gefallen und
holt mich auf halbem Weg ab, um mich zum Landeplatz zu bringen, wo Dominik
ist. Das ist geschickt, denn ohne diese Führung hätte ich ewig gebraucht, um
ihn zu finden.
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Auf
dem Heimweg fährt ein Eiswagen vorbei! Wah, Anfangs Februar und die verkaufen
schon Eis! Der Wagen ist cool, ein kleiner Laster voll mit feinstem Eis!
Trotzdem habe ich noch keine derartigen Gelüste, da braucht es schon
Schweisstage bei mir, dass mich so ein Gelati gelüsten würde.
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Als
wir wieder am Strand von Balestrate sind, machen wir eine Spaziergang Richtung
Tropetto. Es ist immer noch fast windstill und eine herrlich schöne
Abendstimmung herrscht.
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8. Februar 2004, Balestrate - San Vito lo Capo
(nordöstlich von Trapani)
Weiterreise zum Cap San Vito
Wir
stehen beizeiten auf. Dominik ist aber immer derjenige, der nach mir aufsteht.
Mich holt ein japsender und quietschender Zorro aus dem Bett. Sobald er merkt,
dass ich nicht mehr schlafe, gibt er keine Ruhe, bis er nach draussen kann.
Terrorist! Dominik dreht sich dann immer nochmals gemütlich und genüsslich.
Aber irgendwann, spätestens wenn der Kaffeeduft durch das Womo schwebt, wird
auch er richtig wach.
Eigentlich hatte ich vor, mit Dominik zum Flugberg Montagne Grande zu
fahren und am Abend erst zu Kap hinaus zu fahren. Doch als wir von der
Autobahn ab sind, entscheide ich mich anders. Ich habe Lust, die Strecke bei
Tageslicht zu fahren und zu geniessen.
Dominik fährt zum Startplatz und wird
vermutlich gegen Abend dann nachkommen.
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Die Fahrt ist wirklich schön. Durch ein Tal, entlang hohen steinigen
Bergflanken, führt der Weg schlussendlich der Westseite der Landzunge entlang
bis hinaus zum Capo San Vito.
Mein Womo stelle ich ganz zuhinterst, ausserhalb des Dorfes, nahe beim
Leuchtturm hin. Überall im Dorf und auf der Strecke sehe ich Wohnmobile,
natürlich alles Italiener. Sie sind aus ihren Löchern gekommen und geniessen
das warme und schöne Wochenende mobil.
Zu Fuss laufe ich mit Zorro zurück zum Dorf und entdecke einen
Internet-Point. Trifft sich gut, so werde ich auf morgen meine Site
vorbereiten und Mails verschicken. Es hat viele Kneipen und Bars. Scheint
ziemlich touristisch zu sein, das Dorf. Es hat auch viele junge Leute.
San Vito lo Capo hat eine mächtige Kulisse, den Monte Monaco. Leider hängen
ein paar feuchte Wolken um sein Haupt. Abwarten, was das Wetter morgen bringt.
In Balestrate hatten wir permanentes Glück, bzw. ein gute Lage. Hier kann
wieder alles anders sein. Der Monte Monaco ist auch ein Flugberg, verlangt
aber Ostwind. Mal schauen.
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Nur der Leuchtturm sendet sein Licht
über Meer und Land.
Dominik ruft an und vermeldet einen Superflugtag. Die ganze Crew wird noch
irgendwo was zu Abend essen und vermutlich werde es zu spät, um noch hierher
zu fahren. So wird er also erst morgen früh hier sein. Auch gut. Ich werde
den Abend mit Computern und Lesen verbringen.
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9. Februar 2004, San Vito lo Capo
Wanderung auf den Monte Monaco
Kaum
habe ich am morgen meinen ersten Kaffee getrunken, kommt auch schon Dominik
an. Ob der wohl aus dem Bett gefallen ist? Aber nein, es scheint ihm
gutzugehen. Er ist gestern 3 1/4 Stunden geflogen und hatte einen witzigen
Abend mit seinen Flugkollegen, deren Freundinnen und Frauen ebenfalls dabei
waren. Verflixt! Es scheint, ich habe einen lässigen Abend verpasst!
Wir packen zu Essen für die Wanderung und fahren ins Dorf, um Kaffee zu
trinken und Brot einzukaufen. Dann umrunden wir den Monte Monaco, um ihn von
hinten, dafür in der Morgensonne hochzukraxeln.
Auf halbem Wege treffen wir
einen Mann, der sein Häuschen hier oben, hinter dem Sattel hat. Er geniesse
die Ruhe und Abgeschiedenheit hier, vor allem im Sommer, wenn hier
"Casino" (Chaos und Puff, zuviele Menschen halt) ist. Dort, wo er
sein Häuschen stehen hat, mache ich ein Foto, die Aussicht ist grandios. Vom
Spitz oben noch mehr. Es geht fädig hinunter zum Dorf San Vito. Kühe und
Kälber weiden oben am Berg. Es sieht exotisch aus, denn sie weiden zwischen
Bergfenchel und Zwergpalmen.
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Es
ist mild und fast windstill. Wir wandern im T-Shirt.
Die Mandelbäume stehen
mittlerweile fast überall in Blüte. Die Bäumchen sehen aus, wie blühende
Apfelbäume, nur dass die Blüten grösser sind. Wunderhübsch und fein
duftend.
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Wir
fahren auf der Panoramastrasse bis zum Parkeingang des "Lo Zingaro".
Eigentlich wollte man hier eine Verbindungsstrasse nach Castellammare bauen. Sie
ist aber dank Bürgerprotesten nie zustande gekommen. Wir trinken einen Kaffee
und essen Mandelgebäck vor dem Parkplatz und geniessen die blaue Pracht des
Meeres. Ich gehe auf die Pirsch und schiesse Fotos von Blumen.
Auf dem Rückweg wollen wir die alte und neu renovierte "Tonnara" (Thunfischverarbeitungsort)
anschauen. Doch leider war alles verriegelt. Nuran einem Ort konnte man
reingehen und die alten verstaubten Boote anschauen. Es machte nicht den
Eindruck, wie wenn hier was renoviert worden wäre. Lediglich aussen hatte
man teilweise frisch verputzt und viele Türen und Fenster frisch und fröhlich zugemauert.
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Zurück
im Dorf, spazieren wir barfuss dem Strand entlang. Unser Blick geht zurück
auf den Monte Monaco. Prächtig, wie der riesige Fels über dem Dorf thront.
Dort oben waren wir, cool!
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Zorro
tollt herum und geht baden. Ihm scheint die Eiseskälte des Meeres nichts
auszumachen. Wir hingegen bekommen langsam kalte Füsse.
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10. Februar 2004, San Vito lo Capo - Gibellina (ca. 15km südlich von
Segesta)
Liebesberg Erice
Erice wollte ich gesehen haben, bevor wir den Westen verlassen würden.
Doch schon die Hinfahrt nördlich um Erice herum und quasi quer durch Trapani
war mühsam. Ziemlich entnervt landeten wir gegen Mittag auf dem Parkplatz beim
Landeplatz am Fusse des 750m hohen Felsens.
Dann nahmen wir die Suche nach der
direkten Strasse hinauf zur Stadt in Angriff, welche wir schon zweimal verpasst
hatten. Die Wegweiser lotsen Besucher auf einer Panoramastrasse rings um den
Berg. Aber es gibt eine, welche sich in engen Serpentinen ziemlich direkt zum
Startplatz und zur Stadt hinauf windet. Wir fanden sie und fuhren durch
verlassene romantische Gehöfte hinauf zum Stadttor von Erice.
Erice wirkt sehr
mittelalterlich. Da wir nach 14Uhr unterwex waren, war fast kein Mensch zu sehen
und das Städtchen wirkte entsprechend verlassen. Die Aussicht von hier ist
allerdings phantastisch. Auch macht es Spass über die groben Pflaster durch die
engen Gassen zu spazieren. Bis zum zweiten Weltkrieg war Erice eine typische
Landarbeiterstadt, dann wurde es durch die Abwanderung fast völlig entvölkert
- von den einst 10'000 Einwohnern leben heute nur noch 2'000 hier.
Später am Nachmittag fuhren wir auf der Autobahn gen Süden bis nach Gibellina.
Hier fanden wir einen hübschen Stellplatz, am Berghang mit herrlichem Blick
über die Landschaft. Morgen will sich Dominik hier mit einem Flugkollegen
treffen, sofern das Wetter mitspielt.
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11. - 12. Februar 2004, Gibellina
Altes und Neues Gibellina
Das Wetter ist leider ganz und gar nicht fliegerfreundlich. Aber
für einen Ausflug zur ehemaligen Stadt Gibellina, wo noch die Ruinen und ein
Denkmal stehn, langt es alleweil. Ich war ja bereits mit Karin da (siehe
30.12.03).
Anschliessend gingen wir das neue Gibellina anschauen. Ich habe
selten eine Stadt angetroffen, welch so seelenlos und schockierend wirkt wie
Gibellina Nuova. Die Häuser sind zwar nett, aber alles wirkt sehr ungepflegt und
unharmonisch zusammengesetzt. Der Gipfel der Scheusslichkeit aber ist die Kirche
und deren Umgebung. Grosses hatte man hier vor. Namhafte Künstler und
Architekten waren am Werk, aber nichts wurde fertiggestellt. Alles ist bereits
wieder halb verfallen. Zur Kirche hinauf führt eine grosse breite Treppe, die
Geländer stehen schräg, fallen mit dem Hang hinab, die Kalandelaber sind
zerschlagen. Die Kirche hätte eine imposante grosse, zur Hälfte offene Kugel
mit toller Akustik. Doch die Kirche bekam nie ein Dach, alles ist nur mit Beton
vorkonstruiert, nichts wurde fertiggestellt. In der Ecke liegt ein toter Hund.
Alles wirkt traurig und ist ein Desaster. Mir fährt dieser Ort schlecht ein.
Wie trostlos! Zuerst verlieren die Leute ihr Dorf in einem Erdbeben, dann
erhalten sie ein neues, was aber keine Seele hat und wo Gelder in unnützen
Bauten verschwendet werden und dann als ewiges Schandmal stehen bleiben.
Scheusslich! Auch die Denkmäler rosten still und irgendwie deplaziert vor sich
hin. Es scheint, hier ist alles verkehrt gelaufen. Mit Sicherheit flossen hier
zuviele Gelder in die falschen Kanäle.
Als wir zurück sind, bin ich so
erschöpft, dass ich ins Bett falle. Mag sein, dass es auch am Wetter liegt,
aber ich glaube, dass mich diese Stadt geschafft hat!
Wir bleiben zwei Tage hier, geniessen die Abgeschiedenheit und die schöne Natur
hier am Berghang. Der Blick fällt ungehindert über das weite Tal, durch welche
die Autobahn Nord-Süd führt.
Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang, den Hang hoch und durch den Wald bis
zum Forsthaus, wo uns ein alter lustiger Herr das Museum zeigt. Er will uns kaum
gehen lassen und findet es auch unverständlich, dass wir ohne unser Auto
hierherkamen.
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13. Februar 2004, Gibellina - Eraclea Minoa
Tausend Köpfe - Capo Bianco
Wir fahren an die Südküste und machen bei Sciacca Halt, um eine
Ausstellung zu besuchen. Ein Küstler hat hier tausende von Köpfen aus dem Stein
geschlagen und aufgestellt.
Auf den ersten Blick sehen die Köpfe fast alle
gleich aus. Doch bei längerem Hinschauen sehen wir mehr und mehr Details und
Unterschiede. Es ist beeindruckend.
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Am besten gefällt mir jedoch, dass die
Mandelbäume in diesem Irrgarten blühen.
Der Garten ist leicht im Hang und man
blickt aufs Meer hinunter, welches mit dem Himmel um die Wette leuchtet.
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In Eraclea Minoa finden wir einen guten Platz zum Übernachten. Eigentlich ist
es ein Parkplatz vor einem Restaurant, nur, dass das Lokal vor 10 Tagen komplett
runtergebrannt ist. Wir stellen unsere Karren an den Rand des Platzes, gleich
neben dem wunderbaren Strand und haben freien Blick aufs Meer. Es ist ein
Südstrand und wir werden Sonne von Morgens bis Abends haben.
Da es erst Mittag ist, beschliessen wir eine kurze Wanderung um das Capo Bianco
zu machen. Die Ebbe lässt uns bequem um das Kap herum und auf den Klippen geht
es wieder zurück. Natürlich machen wir einen kurzen Besuch der Ausgrabungen
hier, aber wir können uns beide nicht so sehr für die "alten Steine"
begeistern. Da lässt schon eher der Strand unser Herz jubeln. Er ist mit
Abstand der schönste Strand, den ich in Sizilien und wohl Italien überhaupt
angetroffen habe! Abgesehen von Sardinien. Dort lässt sich noch manch schöner
Strand finden!
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14. - 15. Februar 2004, Eraclea Minoa
Schönster Strand Siziliens
Wir verbringen zwei herrliche, schon beinahe sommerliche Tage an
einem der wohl schönsten Strände Siziliens.
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16. - 17. Februar 2004, Eraclea Minoa - Gela - Niscemi
Südküste - Internetdesaster
Die Schnellstrasse brachte uns Richtung Osten entlang der Küste nach
Gela. Gela hat eine riesengrosse, aber hässliche Promenade. Der Strand wäre
wunderschön und beeindruckend in der Grösse, aber die Abfallberge entlang des
Lungomare sind unübersehbar. Eraclea war deutlich sauberer. Aber natürlich
sind wir hier in einer Grossstadt. Auch die Bauten hintenrum sind entsprechend
hässlich. Grosse, als Sozialbauten vorgesehene Häuser, die nie fertiggestellt
wurden und jetzt langsam vor sich hin rotten. Eine Schande.
In einem Internet-Point wollte ich meine Page uploaden und habe nicht damit
gerechnet, dass es so lange geht. Nun ist sie leider nur zum Teil präsent, weil
ich die Geduld nicht hatte! Im nächsten Ort mache ich dann nochmals einen
Versuch und lade den Rest auch noch hoch.
Im Moment gibt es sonst nicht viel zu berichten. Der Startplatz in Gela ist
schön gelegen. Ein Soaringplatz, aber leider, mit zu wenig Wind.
In Niscemi erleben wir einen Strassenhorror. Immer enger werden die Gassen! Ich
lasse das Womo stehen und wir fahren mit dem VW-Bus weiter. Da treffen wir auf
Claudio, einer, den Dominik von Caltagirone her kennt. Er telefoniert mit einem
Freund, der uns und das Womo zum Startplatz führen soll. Das geht hier immer
schnell. Man ruft einen Kollegen, der für einen dies oder jenes tut.
Als
wir aber realisieren, dass das Womo nur etwa 300m entfernt ist, versuchen wir es
selbst nochmal. Wir lassen den VW am Startplatz stehen und laufen die paar
wenigen Meter zurück zum Womo. Wir haben ja Zeit. Und es klappt. Manchmal
fehlen nur wenige cm und ich mag mir noch nicht vorstellen, wie ich hier wieder
herausfinde und -komme! Die letzten paar Meter bei den Hirten vorbei sind zwar
holprig, dafür nicht mehr eng. Der Startplatz hier ist ein Prachtsstellplatz.
Kaum haben wir parkiert, kommen sie alle. Claudio mit seinem Bruder und der
Kollege, der jetzt uns zu einem Brunnen führen soll und uns auch noch den
Nordstartplatz zeigt. Er kommt mit uns Kaffee trinken. D.h. wir, Dominik und
ich, trinken einen Kaffee, er nicht und er bezahlt auch nicht. Niemand bezahlt.
Scheinbar ist der Kaffee offeriert von der Bar. Der Typ hinter der Bar fliegt
eben auch! Als wir in seinem Rang Rover wieder zum Startplatz hinunter fahren,
meinen die Hirten, dass es für die Nacht gefährlich ist. Die Hirtenhunde seien
dann zurück und halten sich auf dem grossen Gelände auf und sie würden
beissen. Anfangs denken wir, dass das kein Problem für uns ist, doch je länger
wir darüber reden und nachdenken, umso unsicherer wird es in unseren Augen.
Also fahren wir wieder rauf und stellen das Womo auf die Aussichtsterrasse. In
der Abendsonne sehen wir dann, wie die Schafe und die Hunde zurückkehren. Es
ist eine grosse Meute! Ich glaube, es war eine weise Entscheidung, hier herauf
zu fahren.
Der Sonnenuntergang ist wunderschön von hier aus. Der Blick ist frei gegen
Westen. Weit hinten sieht man Gela und die Küste.
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Am
Abend duschen wir und Dominik rasiert sich. Es ist immer witzig, ihm zuzusehen.
Er hat an seinen langen Haaren mächtig Freude und so verstaut er sie sorgsam
unter einer Duschhaube, um sich ungestört rasieren zu können.
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18. Februar 2004, Niscemi
Durch die Gassen von Niscemi
Ich
stehe früh auf und gehe mit Zorro durch die noch leeren Gassen. Wir finden eine
Bäckerei und besorgen uns zum Frühstück Cornettos.
Später spazieren wir alle
drei durch die Stadt, fragen nach Wäschereien und Internet-Points, werden in
diverse Richtung geschickt. Immer wieder landen wir auf dem grossen Platz mit
den beiden Kirchen und ich habe den Eindruck, die Leute kennen uns langsam. Als
wir später einen Kaffee trinken, werden wir sogar eingeladen! So nett! Aber eine
Wäscherei, die normale Wäsche wäscht (zu einem vernünftigen Preis, versteht
sich) gibt es nicht.
Etwa drei Internet-Points haben wir gefunden, der eine ist
noch nicht eingerichtet, die andere hat im Moment kein funktionierendes System
und der dritte meint, wir sollen am Abend wieder kommen, da im Moment vor der
Ladentüre gerade gebuddelt wird und daher kein Anschluss vorhanden ist?! Also,
wunderbar, wir kommen wieder!
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Doch
es kam natürlich ganz anders. Zuerst einmal konnte Dominik noch einen
Superminiflug machen. Der Wind war genügend stark, auch schön sanft. Leider
nur stellte er gerade dann ab, als Dominik nach einer kurzen Toplandung wieder
rausflog. Er landete unterhalb des Startplatzes auf einer Terrasse und lief den
Hang wieder hoch. Für ein paar Aufziehübungen reichte es gerade noch. Ich war
ein wenig nervös, denn die Hirte kamen langsam mit ihren Schafen und Hunden
zurück. Obwohl ich nie schlechte Erfahrungen mit den Hirtenhunden gemacht habe,
haben mich die Warnungen der Schäfer und der einheimischen Flieger doch
irritiert.
Als wir am Zusammenpacken waren, tauchte Fiorello auf. Ein Ansässiger, der
ebenfalls fliegt, obwohl schon eine Weile nicht mehr, da er den Meniskus
operiert hat. Er gab sich enorm grosszügig und sagte, wir können die Wäsche
bei ihm waschen. Ich wollte ihm klarmachen, dass das nicht so eine gute Idee
sei, denn wir hätten vier bis vielleicht sogar sechs Maschinen voll zu waschen
und er wohl kaum soviel Platz, um all die Wäsche trocknen zu lassen und
überhaupt! Es würde ja bedeuten, dass wir den ganzen Abend Wäsche waschen und
dort bleiben müssten! Aber Dominik liess sich weichreden. Es war allerdings
auch schwierig, immer wieder dankend abzulehnen. Schliesslich packten wir zwei
Pack Wäsche ins Auto und fuhren zu ihm nach Hause. Als ich seine Wohnung sah,
die alte Waschmaschine, fast kein Pulver mehr, den Schober, mit den paar wenigen
Leinen, da wusste ich, dass es wirklich keine gute Idee war. Als dann auch noch
seine Mutter auftauchte und langsam klar wurde, dass er meinte, seine Mutter
würde das alles für uns machen (dabei hat sie einen kranken, bettlägerigen
Mann zu versorgen!), da viel es mir dann einfacher, ein klares Nein und
Dankevielmals zu vermitteln. Mit Müh und Not konnten wir ihn von seinem
Vorhaben, uns auch noch zu verköstigen abbringen.
Wir luden ihn zu einem Bier
und Pizza ein. Unterwegs fanden wir mit viel Glück eine Wäscherei, welche
unsere Wäsche für 20 Euro wäscht! Hat sich der Ausflug doch noch gelohnt!
Gastfreundschaft in allen Ehren, aber wenn man fast unhöflich werden muss, um
sich durchzusetzen, dann finde ich es nicht mehr lustig. Fiorello entpuppte sich
als ein ziemlicher "Grossschnörri", der wohl nicht wirklich in der
Realität verankert ist. Die Mentalität hier im Süden geht ja schon ein wenig
in diese Richtung, aber nie habe ich sie so extrem angetroffen wie bei diesem
Typen. Krass. Wir waren beide ziemlich erschöpft nach diesem
"Ausflug" und ich glaube, auch er hat gemerkt, dass wir unser Heu
nicht auf der gleichen Bühne haben.
Als wir später im Womo sassen und zur Erholung jassten, schaute Claudio (Karin,
du erinnerst dich vielleicht an ihn; er war Il Pazzo in Caltagirone!) vorbei. Er
brachte uns eine Ladung Orangen und ein paar Neuigkeiten aus der Fliegerwelt.
Sie alle hier hoffen, dass der berühmte Angelo d'Arrigo nach Niscemi zum
Fliegen kommt. Er muss schon beinahe weltberühmt sein, dieser Typ. Und er hat
seinen Besuch für dieses Wochenende angesagt, sofern die Winde gütig
sind!
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19. - 22. Februar 2004, Niscemi
Kein Flug in Niscemi - Ausflug nach Caltagirone - Traumflug über der Piana
Palmatura
Heute morgen mache ich mit Zorro einen langen Spaziergang durch die
Stadt. Zuerst treffe ich auf einen Herrn auf dem Belvedere, wo man einen
fantastischen Blick über das Land bis nach Gela und die Küste hat. Ich rede
mit ihm über das Wetter und so. Dann treffe ich auf den Herrn, der uns gestern
schon den Weg zu einer Wäscherei gezeigt hat. Er lebte 15 Jahre in Deutschland
und redet immer noch ein wenig Deutsch. So haben wir uns unterhalten. Er auf
Deutsch mit mir und ich auf Italienisch mit ihm. Es geht immer besser und macht
immer mehr Spass. Aber es dauert halt.
Später steche ich ins Internet, aber die Leitung ist immer noch tot, der
Techniker noch nicht gekommen! Ich werde also am Nachmittag nochmals vorbei
gehen. Diesmal ist bei meinem Vorhaben, die Hompage zu aktualisieren ein Hund
begraben, so scheint mir.
Die Tage vergehen wie im Fluge. Niscemi ist leider nicht mehr fliegbar in der
Zeit, wo wir hier sind.
Dafür machen wir an einem Tag eine schöne Wanderung/Spaziergang runter in die
Ebene, durch Artischocken- und junge Weizenfelder und den zerfurchten erodierten
Hang wieder hinauf.
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An
einem Tag fuhren wir rüber nach Caltagirone. Es war ein herrlich
frühlingshafter Tag. Der Startplatz von Caltagirone ist ein Traum und zwar ein
käuflicher Traum, wenn man das so sagen kann. Das Gelände, der Startplatz
steht jedenfalls zum Verkauf! Und nicht für viel.
Wir kommen ins Schwärmen und
lassen uns von Träumen verführen, wie es wäre, hier zu leben und zu werkeln,
zu fliegen und zu sein. Das Land ist so wunderschön! Schwer zu beschreiben...
im Moment ist ja alles grün. Die leicht abgeschrägte Ebene, die zur Hälfte
Startplatz ist, ist mit hellgrünem Gras bewachsen, dunkelgrüner Fenchel ist
darauf verteilt und eine Art Orchidee, welch weiss blüht, ist ebenfalls auf dem
ganzen Gelände anzutreffen. Dann steht in einer Ecke ein altes Steinhäuschen,
ein paar Oleander und Agaven säumen andeutungsweise das kurze Wegstück zum
Steinhaus. Am Rand der Ebene, die übrigens Piana Palmatura heisst, fällt das
Gelände treppenartig ins Tal. Hier wachsen Pinien und ältere Olivenbäume,
auch zwei weitere verfallene Häuser stehen weiter unten. Alte verfallene
Mäuerchen sind wild bewachsen, aber alles ist so schön wie man es selber kaum besser arrangieren könnte.
Der Blick führt weit ins Land hinaus, über Niscemi
bis nach Gela ans Meer kann man sehen. Ich denke, ringsherum sind Tafelberge,
denn überall sieht man auf Hochebene. Dazwischen sind tiefe furchige Täler,
deren Hänge meist mit Olivenbäumen und Wein bepflanzt sind. Das Land ist
gesprenkelt mit weissblühenden Mandelbäumen. Unten in der Talebene werden
Artischocken und Hartweizen angebaut. Das Land ist gegen Südwesten ausgerichtet
und die Landschaft erblickt man meist im Gegenlicht. Es ist ein lockendes Land.
Da wir hier auf etwa 600m sind, ist es, so Nunzio, auch im Sommer zum Aushalten.
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Nunzio
tauchte auf, als Dominik gerade unten gelandet ist und ist so nett und holt ihn
dort auch gleich ab. Er ist ein so guter Typ. Er weiss so vieles zu erzählen
und macht mit seinen Ausführungen über das Land und das Leben hier einen
richtig gluschtig.
Aber Niederlassen will sich Dominik noch nicht und ich habe
nicht die Mittel dazu. Trotzdem ist es schön, von so etwas zu träumen. In der
nächsten Woche werden wir wohl für ein paar Tage hierher kommen und diese
Gegend geniessen.
Am Samstag machte ich noch einmal einen Versuch mit dem Internet und siehe da,
es funktionierte und das sogar superpronto! Jetzt bin ich erleichtert, da ich
weiss, dass die Homepage wieder komplett ist und funktioniert.
Der Scirocco bläst seit gestern wie blöde. Ich musste sogar das Womo
umstellen, denn der Wind bliess dauernd mein Gasfeuer aus.
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An
einem Abend gingen wir mit Claudio, Mimo und Fiorello auf ein Bier aus. Es war
lustig und spannend. Angelo d'Arrigo, der Held hier bei den Piloten, ist meist
Mittelpunkt der Gespräche. Es sind liebe Kerle und ins Schwärmen kommen sie,
wenn sie vom Fliegen reden.
Für mich sind das gute Gelegenheiten, um zu reden
und zu lernen.
Gestern Abend brachte Claudio uns eine Tasche voll mit Artischocken! Ich
rüstete diese ziemlich grosszügig, d.h. die Hälfte der Knospe schnitt ich
weg, unten den ganzen Stil und ein wenig des Bodens ab und die äussersten
Blätter kamen ebenfalls weg. Der Rest ist dann noch etwa mandarinengross und
wird eine knappe halbe Stunde gekocht und kann dann ganz und gar gegessen
werden. Superlecker! Dazu eine zitronige Majonäse und Orecchiette
(Teigwaren).
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22. Februar 2004, Niscemi - Caltagirone
Mini-Fenchel auf der Piana Palmatico
In der Nacht fängt es an zu regnen. Am Morgen ist er allerdings
schon wieder vorbei und während ich das hier schreibe lichtet sich der graue
Himmel, die Sonne kommt langsam durch. Es ist mild und die Vögel zwitschern im
Liebestaumel des Frühlings. Wir beschliessen, nach Caltagirone weiterzureisen
und "unser" Traumland zu geniessen.
Die Fahrt durch das Land zwischen Niscemi und Caltagirone ist wie eine "Blueschtfahrt"!
Überall blühen die Bäume, und es sind wohl nebst dem Mandelbaum auch noch
andere Obstbäume, die blühen, aber leider kenne ich sie zuwenig.
Auf der Piana Palmatico weht ein perfekter Startwind. Wir platzieren unsere
Vehikel am Rande der Piana, sodass wir freien Blick über das darunterliegende
Land haben.
Kaum das Dominik draussen ist und den Wind misst tauchen auch schon die ersten
anderen Flieger auf. Es geht hoch zu und her an diesem Nachmittag. Sogar Claudio
kommt um zu fliegen.
Während die Herren der Lüfte sich mit Wind und Thermik rumschlagen spazieren
ich und Zorro durch das Hanggelände und entdecken viel Interessantes. Ein Typ
und seine Frau sind daran, Mini-Fenchel einzusammeln. Er zeigt mir begeistert,
wie man sie von den anderen grossen unterscheiden kann und wie man sie aus dem
Boden schneidet. Seine Frau dann erklärt mir bereitwillig, wie ich sie rüsten
und kochen muss. Kurzerhand hilft sie mir, meine Portion zu rüsten, wovon fast
alle ihr Mann gefunden hat. Man kocht sie und bereitet sie kleingeschnitten als
Sauce zu. Entweder zu Teigwaren oder als Broschetti. Es hört sich lecker an!
Heute Abend gibt es also bei uns Mini-Finocchio!
Es wird wirklich lecker, das Gemüse werde ich das nächste Mal allerdings noch
länger kochen müssen, sodass sie nicht noch zu lange gebraten werden müssen.
Es hat ja noch genug auf dem Geländer unterhalb der Piana.
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23. Februar 2004, Caltagirone
Den Adler fliegen lassen
Am Vormittag
waren wir kurz in Caltagirone um Hundefutter für den Kleinen und Brot für uns
einzukaufen. Kaum zurück auf dem Startplatz kam auch schon ein Telefonanruf von
Claudio, dass der, der mit den Adlern fliegt, nach Niscemi kommen wird. Also packten wir unsere sieben Sachen in den VW-Bus und fuhren nach
Niscemi um diesen Wunderknaben höchstpersönlich kennenzulernen.
Der Wind war, als wir ankamen superstark. 30 und mehr an der Kante! Eine der
wenigen Mädel, die hier in Sizilien fliegen, ist hier und will ebenfalls raus.
Ihr Freund hängt ziemlich weit oben in der Luft und kommt trotz eingelegten
Ohren nicht runter. Es bläst wirklich stark. Sie lässt darum auch bleiben.
Bald schon taucht dieser Angelo d'Arrigo auf. Schnell packt er seinen
Starrflügler, den Stratos, aus und setzt ihn mit Hilfe der Leute, die um ihn
herumstehen und die ihn scheinbar nicht das erste Mal sehen, schnell zusammen.
Ich glaube, es vergehen keine 20 Minuten und dieses verückt designige Flugding
ist bereit.
Der Start geht superpronto und schon ist er in der Luft und über uns und über
Niscemi und weit im Himmel.
Fantastisch zu sehen, wie das Ding fliegt. Wie ein
Kamikaze fliegt er auf uns zurückgebliebenen herunter, um im knappen Abstand
die Nase wieder nach oben zu ziehen! Wirklich eindrücklich!
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24. Februar - 2. März 2004, Caltagirone
Ein Land - ein Traum
Dominik geht an einem Tag nach Niscemi, um zu fliegen. Der legendäre Angelo
d'Arrigo ist ebenfalls dort mit seinem Adler.
Das Flugwetter ist gut und Dominik
lernt diesen Helden ein wenig besser kennen. Claudio ist ebenfalls mit von
der Partie.
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Er erzählt, wie spannend es
gewesen sei, zu sehen, dass auch ein Adler erst lernen muss, zu fliegen. Auch
ein Vogel muss das alles und auch eine Gegend erst einmal kennenlernen und
verbessert sich von mal zu mal.
Ich geniesse das Land hier auf der Piana Palmatico. An einem schönen Vormittag
hole ich den Spaten hervor und haue eine Treppe in den steilen Hang. Die Erde
ist rötlich braun und lässt sich gut bearbeiten. Auch ein Mäuerchen erstelle
ich und räume einen Absatz von verrottetem Gehölz.
Das ganze Land unterhalb
des Startplatzes besteht aus Absätzen bzw. ist in Terassen angelegt. Teilweise
ist das Land, dort wo die Mauern lose wurden, abgerutscht. Alte, verwilderte
Bäume stehen auf diesem Gelände und etwa drei verfallene, dafür romantisch
wirkende Steinhäuschen sind ebenfalls auf diesem Boden.
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Ich habe mich wirklich
verliebt in dieses Land. Es wäre ein Hit, wenn es Dominik wirklich gelingen
sollte, das Land zu kaufen.
Auch wenn ich keine Ahnung habe, wann ich je wieder
hierher kommen werde, so wäre es doch auch ein wenig mein Land und vielleicht
packt mich ja noch einmal irgendwann das Aussteigerfieber und dann komme ich
hierher und mache auf Selbstversorgung.
Ich würde das Land mit Bäumen
bepflanzen und Gemüse anbauen. Ein paar Hühner und anderes Kleinvieh halten.
Auch Wasser gibt es hier oben. Jedes Grundstück hat sein eigenes Bohrloch mit
Wasserpumpe. Scheinbar soll das Grundwasser sehr gut sein. Oh ja, Träumereien
müssen sein.
Einmal kommt der Bauer von unten zu uns herauf spaziert. Wir schwatzen mit ihm
und er schenkt uns die paar wilden Spargeln, die er gefunden hat.
Der
Landbesitzer oberhalb von uns sagt, wir können jederzeit kommen und bei ihm
Wasser fassen. Die Siciliani sind wirklich ausgesprochen nett. Überall wo wir
hinkommen treffen wir auf offene Menschen, die interessiert und erzählfreudig
sind. Da Dominik's Italienisch wirklich gut ist und wir auch schon allerhand
erlebt haben, entspannen sich meist intensive Gespräche.
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Wenn ich hier im Womo sitze und schreibe, fallt mein Blick über die weite
fruchtbare Ebene unten im Tal. Der Blick ist gigantisch, ich fühle mich fast
wie in einem Adlerhorst. Das Womo steht an der Kante der Ebene und ist auch von
unten gut zu sehen. An dieser Stelle müsste auch das Wohnhaus stehen!
Einmal machen wir Aufziehübungen. Ich renne, hüpfe mit Dominik's Schirm über
den Hang und wir haben riesig Spass. Leider wechselt der Wind und blässt von
Nord-Osten, das bedeutet hier Rückenwind.
Auch Nebel haben wir an zweien Tagen
am Vormittag. Ganz eigenartig. Immerhin sind wir hier auf 600m. Dem Land tut die
Feuchtigkeit sicher gut. Ich bin sicher, dass hier im Sommer alles braun und
ausgedörrt ist.
Wir besichtigen verschiedene umliegende Startplätze und lernen so die Umgebung
noc besser kennen. Die Landschaft hier um Caltagirone ist wirklich sehr schön.
Geprägt von Tafelbergen, tiefen fruchtbaren Ebenen, Hänge, welche mit
Obstbäumen bebaut sind. Häuser, welche locker über das ganze Land verteilt
sind. Wir sehen auffallend wenig Hässlichkeiten. Es hat auch hier viele
verfallene Häuser, aber meist wirken sie, da es verfallene Steinhäuser sind
eher romantisch als elend.
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An
einem Tag gehen wir wandern. Die Wanderung führt uns von etwa 1000m hinunter in
ein hübsches Tal mit einem Bachlauf.
Rund um den Monte Erbosso geht es, entlang
dem Quellfluss Anapo, teilweise sogar auf dem Sentiero d'Italia.
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Es
ist ein wunderschöner Tag mit prächtigem blauem Himmel und herrlich weissen
Kumulus-Wolken, welche der Wind über den Himmel peitscht.
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Es
blüht prächtig und eindrücklich und ich bin immer wieder hingerissen von den
Blumen und Blühten.
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Natürlich
machen wir auch einmal einen Ausflug ins Städtlä Caltagirone.
Ich war ja schon
einmal hier, aber damals war es dunkel und auf mich wirkte die Altstadt sehr
zauberhaft. Nun bei Tageslicht ist alles nur noch halb so verzaubert und die
Stadt macht keinen so besonderen Eindruck auf mich. Einzig die Treppe ist ein
Schmuckstück mit ihren zig zig Kacheln, welche auf die ursprüngliche und noch
immer aktuelle Tradition der Keramik hinweisen. Es strotzt übrigens nur so von
Keramikläden hier.
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Ein
cooles Lokal haben wir entdeckt: die Loggia, ein altes Gemäuer, in welchem
früher Theater aufgeführt wurden.
Heute werden hier Bilder ausgestellt und vor
allem die Jugend trifft sich hier. Gute Musik macht die Ambiente in diesem alten
Gemäuer ziemlich modern.
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Da Dominik eine Erkältung eingefangen hat, ist momentan mit Fliegen nicht viel
los. Darum gehen wir Startplätze anschauen, hängen rum, schreiben und spielen
mit Zorro.
Dominik ist intensiv mit seinem Gleitschirmführer für Sizilien
beschäftigt. Da er immer alles ganz genau macht, wird auch diese Sache nicht
einfach nur dahingeklatscht sondern profimässig umgesetzt. Das bedeutet viel
Arbeit am Computer.
Heute war mal wieder Internet und Gastanken angesagt. Gut, dass an GPL-Tankstellen
meist junge Typen arbeiten, welche kein Problem haben beim illegalen Abfüllen
der Flasche. Cool.
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An
einem späten Nachmittag packt es mich, um wieder einmal ein paar
Aufziehübungen mit dem Gleitschirm zu machen. Allerdings mache ich diese ohne
Sitz, also mehr so zum Spass. Ich ziehe den Schirm an den
A-Leinen hoch und versuche mit Unterlaufen den Schirm möglichst über mir, gerade oben zu halten und dabei
hüpfe ich den Hang hinunter.
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Offensichtlich macht es nicht nur beim Ausführen
Spass, denn Dominik greift zur Kamera und grinst über das ganze Gesicht, während er meiner Akrobatik zuschaut.
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