









 |













|
|
| |
!! Achtung: die
Paraglider-und Reiseberichts-
Seiten werden Ende 2011 vom Netz genommen!! |
| |
| |
| |
| |
| |
Last Update
03. Februar 2011 |
Design
 |
Provider
 |
Browser
 |
| |
| |
Reisebericht Italien 2004-7 Kalabrien
31. März 2004, Scilla
Schlechtwetterecke
Es
scheint, als ob der oder die verantwortliche Wettergott/-göttin nicht gut
gesinnt ist. Schon als wir im letzten Jahr, im Dezember, hier waren, hat es geregnet
wie blöd. Jetzt regnet es zwar nicht, auch ist es mild, aber es ist verhangen
und wirkt grau und unfreundlich.
|
Als wir gestern ankamen, haben wir zuerst einmal die Vehikels platziert. Ganz
links, wenn man runterfährt, am Lungomare stehen wir ein bischen abseits und
die Wohnhäuser sind etwas zurückversetzt. So stören wir niemanden und
niemand stört uns.
|
Gleich
neben uns auf der hinteren Strassenseite stehen nebst anderen Fischerbooten
zwei venezianische Gondeln. Wohl hatte jemand die glorreiche Idee, diese zu
restaurieren. Dringend nötig hätten sie es. Trotzdem sehen sie auch in
diesem elenden Zustand majestätisch aus, wenn auch fremd unter den
dickbauchigen bunten Fischerbooten.
|
Als
wir gestern noch ein Gelati essen gingen, war ein Girl von etwa 11-12 Jahren
dort, die einen Narren an Zorro gefressen hatte. Sie zupfte so lange an seinen
Beinen und seinem Schwanz herum, so dass er immer nervöser wurde, bis ich ihr
schliesslich sagte, sie solle aufhören. Doch immer wieder fing sie an, an ihm
rumzufingerln. Ein paar Mal ging das Spiel so, ich sagte ihr aufhören und sie
fing wieder an. Genug hatte ich von ihr, als ich ihr Zorro wegzog und sie
seinen Schwanz festhielt. Oh, wie sie mich böse anschaute, als ich sie puffte
und die Leute ringsherum ebenfalls. Blödes Lisi!
Heute Vormittag fuhren wir zur grossen Antennenstation hoch, um einen
angeblichen Startplatz zu suchen. Dort oben befinden sich aber so viele
Stromdrähte und das Gelände ist ein einziges dorniges und sperriges
Dickicht, dass man allerhöchstens mit einem Delta rauskönnte.
Wir fuhren wieder runter, um am Meer im Womo Mittag zu essen. Morgen Abend
wollen wir zur Feier des Tages: Ein Jahr unterweX!, Fisch essen gehen.
Allerdings nicht ins Restaurant Ulisse, obwohl das Schild mir besonders gut
gefiel, sondern ins Al Pescatora. Dort haben wir gestern den Kellner
kennengelernt und ihn auch heute wieder angetroffen. Mal schauen, ob ich hier
den berühmten Schwertfisch probieren werde.
|
Am
Nachmittag gehen wir noch einmal los, um den anderen Startplatz bem "Pilone",
dem ehemaligen Strommasten, welcher Sizilien an das Stromnetz des Festlandes
anschloss, zu besichtigen. Mächtig stehen die beiden Pilone da und überwachen
scheinbar den Stretto.
|
1. April 2004, Scilla
Hundehass
Der
1. April versinkt im Regen, komplett. Trotzdem machen wir uns auf einen
Spaziergang rings um den Felsen von Scilla und genehmigen uns als Belohnung im
Dorf oben einen Caffé und Süsses.
Vormittags war ich im nahen Internet-Café und konnte wieder einmal die
Ergänzungen zur Internetseite uploaden.
Während wir später im Womo sitzen sehe ich den kurzbeinigen Hund, mit dem
Zorro vor noch knapp zwei Stunden draussen rumgetollt hat am Strand liegen. Ein
Mann steht bei ihm und redet auf ihn ein. Ich kann nicht genau sehen, was los
ist, denn die Regentropfen auf der Scheibe verwischen die Sicht. Als ich
rausgehe bestätigt sich meine Befürchtung, dass es dem Hund, Roco, gar nicht
gut geht. Er hat was Vergiftetes gegessen. Er erbricht und es schüttelt ihn
durch und durch, Schaum kommt ihm aus dem Maul. Der Mann versucht telefonisch
einen Tierarzt zu erreichen, hat aber kein Glück. Die Leute von den Häusern
hinter der Beach kommen ebenfalls und einer erzählt mir, dass seit ein paar
Tagen/Wochen von irgendwem Giftköder ausgelegt werden. Bereits fünf Hunde
seien tot und mit Roco seien sie letzte Woche schon einmal akut beim Tierarzt
gewesen. Dieser hat das Erbrochene untersuchen lassen und darin Pestizide
festgestellt.
Der so hässliche aber umso liebenswürdigere Hund entfernt sich immer mehr von
uns und kämpft sichtlich gegen das Gift. Immer wieder kippt er um und einmal
denke ich, jetzt ist es aus. Aber er kommt immer wieder auf die Beine und
irgendwann läuft er, immer wieder von Schüttelschüben unterbrochen, wieder
zum Haus hinauf.
Wir gehen rein, ich bin ziemlich schockiert. Kein schönes Zusehen, wenn ein
Hund fast draufgeht. Wir diskutieren darüber und kommen zum Schluss, dass die
Hundehaltung hier, sprich: viel zu viele Hunde, keine Kastrationen, genau jene
provoziert, welche nicht zimperlich sind und sich der Hunde auf die gleiche
Methode entledigen wie der Ratten, nämlich mit Gift. Aber manchmal gibt es ja
auch Hundehasser, die einfach Freude daran haben, zu sehen, wie ein Hund
draufgeht.
|
Eine andere traurige und auch beängstigende Tatsache ist die, dass vor kurzem
das Gesetz für die Hundehaltung in Italien sich diesbezüglich geändert hat,
dass Hunde einer bestimmten Rasse (Rottweiler, Dobermänner usw.) nur noch mit
Maulkorb ausgeführt werden dürfen. Das hat dazu geführt, dass sich
verschiedene betroffene Hundebesitzer ihrer Hunde entledigt haben, indem sie sie
in den Bergen und im Wald ausgesetzt haben. Dies wiederum lockt die Hundehasser
und -jäger auf den Plan, welche sich nicht scheuen, mit Giftködern das Problem
zu erledigen. Ein Schande und ein endloses Hin und Her. Ich habe den Eindruck,
es existiert kaum Interesse, um das Übel an der Wurzel anzupacken, indem man
das Bewusstsein für die Verantwortlichkeit von Hundehaltung schärft.
Es
hätte genauso Zorro treffen können und es ist ein Horror, mir das
vorzustellen! Hier an diesem Strand werde ich ihn nicht mehr frei laufen lassen
und wenn, dann nur unter grösster Aufsicht. Aber ich weiss natürlich, dass mir
das an einem anderen Strand oder auf einer Wanderung ebenso blühen kann. Viel
dagegen machen kann ich nicht. Ich müsste ihn permanent an der Leine lassen und
nicht einmal dann kann ich jeden seiner Schritte überwachen. Und das Fressen
von der Strasse kann ich ihm nicht abgewöhnen. Ich müsste dazu drastisch
vorgehen und dann wäre es noch unsicher, ob es gelingt. Auf der anderen Seite
sage ich mir, dass Risiken existieren. Gewisse kann ich minimieren, andere ganz
bannen und wieder andere ganz und gar nicht. Das Schicksal hat auch hier seine
Finger mit im Spiel und ich hoffe sehr, dass diese Macht es gut mit mir und
Zorro meint.
Der Besitzer von Roco mit ihm hinterher kommt vorbei und meldet, dass es Roco
besser geht. Ich bin heilfroh, dass er es überstanden hat. Trotzdem, es bleibt
gegenwärtig. Welchen Hund oder welche Katze trifft es als nächstes?
|
Am Abend gehen wir ins Al Pescatore, um unser 1-jähriges Jubiläum zu feiern.
Dort sitzt Christina, welche ich am Vormittag schon im Internet-Café
angetroffen habe. Wir setzen uns zu ihr und Aldo, der dort serviert, tischt uns
ein leckeres Abendessen auf. Eine feine Muschelsuppe als Vorspeise, einen
gebratenen Fisch für Dominik, eine gemischte Fischplatte für Christina und
Spagetti con Vongole für mich. Dazu Weisswein und zum Dessert ein Tiramisu und
ein Zitronenmousse.
Wir sind die letzten Gäste, die gehen und nehmen Aldo mit in die nächste Bar.
Eine witzige Bar mit zig Vinyl-Singles an der Wand von allen musikalischen
Grössen zwischen den Beatles und Jimmy Hendrix. Die Musik ist gerade noch nicht
so laut, dass man sich unterhalten kann. Wir verbringen einen lustigen und
unterhaltsamen Abend und fallen wieder einmal, seit langem, nach Mitternacht
todmüde ins Bett.
|
2. April 2004, Scilla
Warten auf das bessere Wetter, welches nicht in Sicht ist aber doch noch
kommt
Eigentlich haben wir mit Christina abgemacht, zusammen zu frühstücken, aber
sie lässt sich nicht blicken. Ich glaube, die ganzen Andeutungen, von wegen
Frühstück ans Bett bringen hat sie so gedeutet, dass wir es nicht ernst
meinen. Schade, so frühstücken wir halt alleine. Aldo kommt für einen Café
vorbei. Um zehn muss er wieder zur Arbeit.
Mit Dominik gehe ich nochmal ins Internet-Café. Er will seinen Pressetext
verschicken. Doch der Eigentümer des Computers hat irgendeine Einstellung
vorgenommen, welche es verunmöglicht, eine Verbindung ins Netz herzustellen.
Der Himmel ist weiterhin komplett verhangen. Es regnet zwar nicht, aber es sieht
aus, als wenn es jeden Moment losgehen könnte.
Wir fahren trotzdem nach Bagnara, vielleicht tut sich ja was am Himmel. Und
tatsächlich, kaum sind wir am Startplatz oberhalb des Ortes, da reisst der
Himmel auf und Dominik kommt zu einem wunderschönem Flug über dem Ort und dem
Meer und landet unten am Strand.
|
|
Als wir kurze Zeit später mit einem Wohnmobilisten reden, welcher an
"unserem" früheren Ort steht, sehen wir noch einen Gleitschirmflieger
über uns wegfliegen und weiter vorne am Strand landen. Natürlich gehen wir
gleich hin, um zu sehen, wer es ist. Ein Typ namens Gianfranco, der sich hier
gut auskennt. Zwei andere Typen interessieren sich für einen Tandemflug, welche
Gianfranco ebenfalls macht. So hängen wir eine Weile auf der Piazza rum,
parlieren und geniessen das schöne Wetter, welches sich so unverhofft aufgetan
hat.
Leider scheitert später unser Versuch, die Files von Dominik in Bagnara
hochzuladen, weil hier das CD-Laufwerk blockiert ist. Kein Glück mit Uploaden
heute!
|
Wieder zurück in Scilla finden wir Christina am Meer unten lesend. Wir gesellen
uns zu ihr und geniessen die letzten Sonnenstrahlen.
Dieses Wochenende ist hier im Dorf ein grosses Fest für den heiligen Franziskus
angesagt. Und tatsächlich geht ein Feuerwerk los, als wir zu der
Menschenversammlung hinlaufen. Ich erschrecke ziemlich, denn im meinen Augen
sieht es aus, als ob das Feuerwerk mitten unter den Leuten hochgeht. Und es ist
auch so, aber Anstoss daran nehmen offenbar nur wir. Mit Zorro muss ich zurück,
ihn ängstigt die Knallerei und es hilft auch nicht, dass zig Mädels ihn
streicheln und liebkosen.
Die Franziskusstatue wird auf einer Bahre ans Meer getragen und dann, begleitet
von einer Kappelle, den Menschen und natürlich dem Pfarrer mit seinen Gehilfen
und Minestranten, auch durch das ganze Dorf. Sie kommen genau in dem Augenblick
an unserem Womo vorbei als Dominik duscht und das Schaumwasser unten aus dem
Womo läuft. Aber auch das stört niemanden, nur die Minestranten lachen und
machen ihre Witze.
|
3. April 2004, Scilla
Über den Stretto gesegelt
Ein herrlicher Tag bricht an. Und das nachdem die Prognose so schlecht aussah!
Wir frühstücken draussen, ich dusche anschliessend und kann die Haare bequem
an der Sonne trocknen lassen.
Während die Hunde (von mir gut beaufsichtigt) am Strand rumtoben, setze ich
mich zu dem polnischen Girl, welche zusammen mit ihrer Hausmama auf der Bank
neben dem Womo sitzt. Sie arbeitet seit letztem Sommer hier bei der Nonna und
erzählt mir von ihrem Leben hier, von der Nonna, welche pazza, verrückt, ist
und schon einmal mit dem Messer auf sie los ist, von ihren Freundinnen und den
kalabrischen Männern.
Um elf kommt Gianfranco mit einem Freund und die drei ziehen los, um den einen
Startplatz Dominik zu zeigen, wenn schon nicht geflogen werden kann!
Ich bleibe hier, geniesse die Sonne, das Rumhängen, in Ruhe zu Lesen und
einfach nur den Menschen zuzuschauen.
Die Herren kommen zurück und Gianfranco lädt uns auf sein Segelschiff ein. Er
hat eine hübsche Yacht im Hafen von Reggio. Alles ist technisch sehr gut
ausgerüstet. Er hat z.B. eine Automatik, die ihn in eine bestimmte Richtung
oder mit einem bestimmten Wind, z.B. von hinten segeln lässt, ohne dass er dazu
das Steuer anfassen muss. Dazu rieselt schöne Musik aus den Lautsprechern und
macht den Genuss motorenfrei zu segeln perfekt.
|
Er
hängt sogar eine Hängematte auf, die einen ziemlich durchschüttelt. Dominik
hält das gut aus, aber bei mir fängt der Magen an zu rebellieren. So eine
Schande. Es scheint, ich vertrage das Schaukeln nicht. Mein Unwohlsein hält
sich zwar in Grenzen, verdirbt aber doch den vollen Genuss.
Zorro hingegen hat keinerlei Probleme auf dem Wasser. Er spaziert sogar
ungeniert nach vorne und wieder zurück und schaut sing alle Handgriffe, die
Gianfranco macht haargenau an.
Nach zwei Stunden sind wir wieder zurück und perfekt in einem Schwung
"parkiert" er das Boot an der Hafenmauer. Nicht schlecht! Wir
bedanken uns recht herzlich für die flotte Einladung und machen auf morgen
ab, um eventuell zu fliegen.
|
4. April 2004, Scilla
Durch den Nebel an die Sonne
Sonntag!
So langsam wird es immer milder und milder. Wir sind meist barfuss unterwex
und brauchen kaum mehr die Windjacke. Aber nach Flugwetter sieht es nicht aus.
Frühstück draussen auf dem Strand liegt aber alleweil drin.
Gegen Mittag kommt Gianfranco mit einer Freundin, Anja und deren Tochter Sarah
für einen Spaziergang vorbei. Wir trinken den Café im Womo und fahren dann
später alle mit dem VW-Bus zum alten Startplatz über Bagnara.
|
Obwohl
fast kein Wind herrscht und sich Nebelwolken um die Hänge schlängeln
beschliessen die beiden einen Flug zu machen. In dem Moment, wo beide draussen
sind, macht unten der Nebel ganz zu. Von oben sieht man den Strand und das
Dorf nicht mehr und es sieht aus, als wenn die Gleitschirme vom Nebel
verschluckt werden.
Als Anja und ich Gianfranco und Dominik unten finden, strahlen die beiden
über beide Ohren. Es war scheinbar ein lohnender Flug mit speziellem Effekt,
durch die Nebelschwaden zu fliegen! Hier unten scheint wieder die Sonne.
Wir schlendern durch Bagnara. Es hat jede Menge Volk und glücklicherweise
Abschnitte, welche für den Verkehr gesperrt sind. So kann man doch das
Bummeln geniessen und die kleine Sarah scheint es ebenfalls auszunutzen und
rennt immer wieder quietschvergnügt voraus.
Am Abend gehen Dominik und ich zu Aldo ins Al Pescatora um Abendzuessen. Einen
grossen Lupo für Dominik, Spagetti mit Schwertfisch und Cozze für mich.
Natürlich lassen wir uns auch das Tiramisu nicht entgehen und sind dann
ziemlich überladen, als wir nach Hause spazieren. Dominik bezahlt das mit
einer unruhigen Nacht, er wälzt sich und kann später nicht mehr
einschlafen.
|
5. April 2004, Scilla
Und noch ein Nebelflug über Bagnara
Der Morgen ist so faul und herrlich träge, wie es sich gehört für
Süditalien. Der Vormittag geht rum, ohne dass man weiss, was man gemacht
hat...
Unsere Nonna vom hinteren Quartier sitzt wie jeden Morgen auf der Bank neben
uns, zusammen mit Catharina, der Polin, welche bei ihr arbeitet. Es ist lustig
mit ihnen zu schwatzen, obwohl ich die Nonna kaum verstehe in ihrem kalabresischen
Dialekt.
Nach dem Mittag treffen wir uns mit Gianfranco und fahren hoch zum Startplatz
über Bagnara. Zwei sind schon oben und können schön aufdrehen. Sie fliegen
sogar rüber zum Belvedere und können sich einige Zeit halten. Dominik hat
weniger Glück und ich hole ihn und Gianfranco unten am Strand ab um noch
einmal hochzufahren. Als wir oben ankommen braut sich dichter Nebel zusammen.
Sie beeilen sich, um rauszukommen. Von meinem Standort aus sieht es nicht
gerade gut aus. Die beiden verschwinden immer wieder hinter Nebelschwaden und
aus meiner Sicht. Aber anscheinend war es gefahrlos, Dominik befand sich immer
unterhalb der Nebelbank und hatte immer freie Sicht auf die Beach.
Später schauen wir uns die Videos an, die Gianfranco von Delphinen im Stretto
und von seiner Yacht gemacht hat. Auch Basejumper von der Brücke bei Bagnara
hat er aufgenommen. Verrückte Kerle! Springen ins Leer nur mit einem kleinen
Fallschirm in den Händen, um den nach wenigen Sekunden von sich zu
werfen.
|
6. April 2004, Scilla
Startplatz der keiner ist
Gianfranco
kommt mit Salvatore, ein Musikprofessor aus Reggio und alleinerziehender Vater
(!!). Ziemlich unkonventionell für Süditalien.
Den Startplatz, den wir heute ausprobieren ist jener, welcher erst einer sein
wird, wenn er komplett gerodet ist. Im Moment ist er voll mit runtergebranntem
Erika. Die harten Stickel sind auf dem relativ stark abfallendem Gelände (da
weiter hinten die Stromkabel rüberführen) voll mühsam.
Dafür ist die Sicht heute einsame Spitze!
Gianfranco schafft es relativ gut rauszukommen, er hat auch noch guten Aufwind
erwischt. Aber Salvatore müht sich noch und noch ab und des Gehäder mit
Schirm und Leinen wird immer schlimmer. Auch Dominik kommt gut raus, abgesehen
von einem Holz, dass ihm einen kleinen Knoten in die hinteren Leinen macht,
welches er aber selber rauslösen kann. Auch wenn es ein direkter Flug runter
nach Scilla wird, war es doch immerhin ein Flug über diese hübsche Stadt und
dem "Heimatstrand".
Den späteren Nachmittag überlasse ich den dreien alleine. Ich will ein
bisschen für mich sein, draussen sitzen, lesen und geniessen.
|
7. April 2004, Scilla
Wanderung durch den Parco Nazionale dell'Aspromonte
Ah, draussen
frühstücken ist inzwischen schon ganz normal! Cool! Hoffentlich bleibt das
so!
Endlich
wieder einmal Wandern! Wir fahren ins Aspromonte-Gebiet, welches vor allem
durch seine endlosen Wälder gekennzeichnet ist. Im Büro der Parkverwaltung
frage ich nach Karten, um zu wandern und bekomme nebst guten Kopien vom Gebiet
Infomaterial zum Abwinken: Postkarten, Broschüren, Illustrierte,
Multimedia-CD und sogar ein Buch! Die sind so freundlich!
Die Wanderung führt uns wirklich durch endlos scheinende Wälder. Immer sanft
den Bergrücken hoch. Leider landen wir wo ganz anders, als geplant und so
müssen wir ein Stück desselben Weges wieder zurück. Am Monte Scirocco sind
Skilifte installiert und die Skipisten sind eine Art Feuerschneisen quer durch
den Wald. Ein herrlicher Tag ist es, den wir für unseren Geschmack ein
bischen zuviel im Wald verbracht haben. Aber gut getan hat es trotzdem und die
Sicht auf dem Heimweg nach Scilla über die Piani dell'Aspromonte ist
wunderschön und sehenswert.
Wir haben schon wieder neue Nachbarn. Diesmal ein junges Paar aus Rom mit Hund.
Immer wieder trifft man so Menschen von überall. Meist nur für kurze Zeit
aber immer spannend.
Der Strand hat sich verändert. Starke Wellen haben den untersten Teil
abgeflacht. Extrem, wie die Wellen, das Wasser, Landschaften verändern
können.
|
8. April 2004, Scilla
Dolce Far Niente am Strand von Scilla, zum Ersten
An diesem Tag habe ich so ganz und gar nichts getan, dass ich heute, zwei Tage
später, keine Ahnung mehr habe, was so im Detail geschehen ist. Sicherlich
habe ich Spaziergänge mit Zorro gemacht, habe mit Jürgen über das Leben
philosophiert und den Strand genossen, aber sonst? Na, ja, eben Dolce Far
Niente!
|
9. April 2004, Scilla
Tausend Startplätze und null Flug
Mit Gianfranco fahren wir ins Landesinnere Kalabriens. Es ist Scirocco drin,
und er kennt mindestens einen Startplatz, der bei Scirocco geflogen werden
kann. Die Fahrt ist wunderschön. Zuerst kommen wir auf eine Hochebene auf der
zig Kastanienbäume stehen. Schon interessant, wie jeder Flecken seine
spezielle Anbautradition hat.
Wir kaufen Brot, Salami und Käse ein und fahren weiter. Schnell stellen wir
fest, dass hier im Landesinneren, auf rund 1000m kein Scirocco spürbar ist.
Zwar ist die Wärme (25°!) da, aber es windet überhaupt nicht. Diverse
Plätze suchen wir auf. Viele müssten erst mal vom Unterholz befreit werden.
Aber so oder so, ohne Wind und auch ohne Thermik, denn die Sonne hat sich
hinter Wolken verschanzt, macht Fliegen keinen Spass!
In einer Kurve packen wir unser Pic-Nic aus, geniessen die Aussicht und das
leckere Essen.
|
Auf
der Fahrt hinunter ins Tal fallen mir die Olivenhaine auf, in welchen man
Netze zur Ernte ausgebreitet hat. Als ich die Netze inspiziere stelle ich
tatsächlich fest, dass sich schwarze Oliven darin befinden. Ob nun diese Sorte
später geerntet wird oder was finde ich leider nicht heraus.
|
Ein
Orangenbaum lockt mit seinen Früchten und Gianfranco klettert über die Mauer
hinunter, um noch mehr davon zu holen.
Er sagt, es gäbe ein ungeschriebenes
Gesetz, welches besagt, dass man von den greifbaren Früchten soviel nehmen
darf, wie man essen kann, bzw. alle, welche man sofort isst, dürfen
gepflückt werden.
Wir pflücken dann allerdings einen ganzen Sack voll, weil diese Orangen
superreif und daher superfein sind.
|
Eine
Karfreitagsprozession kommt uns in einem Dorf entgegen. Da der Verkehr für
diese kurze Zeit angehalten wurde, platzieren auch wir uns am Rand der Strasse
und schauen zu, wie sie die Jungfrau Maria und einen Jesus im Glassarg die
Strasse hoch tragen. Es wird gesungen und gebetet. Vor allem Frauen und Kinder
laufen mit. Ein paar Männer tragen die Barre und alles wirkt sehr ernst. Da
es ganz und gar nicht touristisch aufgemotzt ist und wir per Zufall quasi
darübergestolpert sind, geniesse ich das Spektakel und freue mich über das
Erlebnis.
|
Entlang der Südküste führt unser Weg langsam nach Hause. Am Capo dell'Armi
machen wir nochmals Halt um einen letzten Startplatz, der bei Scirocco
fliegbar wäre, zu besichtigen. Doch hier weht der Wind leider zu stark! Die
Küste fällt hier stark ab und der Blick über die Kante ist ziemlich
eindrücklich.
|
Am
Ende dieses schönen Tages schauen wir noch kurz bei Gianfranco vorbei. Er
wohnt im eigenen Haus in Reggio Calabra, mitten im historischen Zentrum. Auf
der Terasse oben genehmigen wir uns ein Bier und lassen uns über die
Häuserpreise usw. aufklären.
|
10. April 2004, Scilla
Dolce Far Niente am Strand von Scilla, zum Zweiten
Was ich noch von diesem Tag weiss, da ich ein Foto davon habe, ist, dass ich
zur Kirche hoch bin und den Engel fotographiert habe, der gross und so
ungewöhnlich weiblich hinter und oberhalb des Altars an der Wand prangt!
Keiner kann mir aber erklären, wieso hier ein weiblicher Engel, der grösser
als Christus und Maria, als alle anderen Heiligen hier in der Kirche die
bestimmende Figur ist.
|
11. April 2004, Scilla
Kreation eines neuen Startplatzes über Scilla
Dominik, Jürgen und ich fahren zum neuentdeckten Startplatz über Scilla
hoch.
Mit Beil und Handschuhen versehen, befreien wir diesen an sich
wunderbaren Startplatz von Brombeeren, Sträuchern, Ästen und auch einem
kleinen Baum. Der Nebel umschwirrt uns, während wir, trotzdem schwitzend, uns
alle Mühe geben.
Nach einiger Zeit ist immerhin ein gleitschirmbreiter Platz relativ sauber und
Dominik legt seinen Schirm aus. Während wir die Leinen sortieren, kommt noch
dieses und jenes Gestrüpp mit.
|
Der Wind bzw. die Thermik lässt sich allerdings nicht blicken. Sozusagen kein
Lüftchen. Ab und zu kommt ein ganz klein wenig die Hänge hoch und so ein
Lüftchen nutzt Dominik, um den Schirm aufzuziehen. Er fliegt raus und kann
immerhin über Scilla eine Runde drehen, bevor er unten auf dem Strand
landet.
Am Nachmittag füllt sich der Lungomare nach und nach mit Menschen. Es ist
Ostersonntag und alles flaniert dem Strand entlang, macht Pic-Nic und geniesst
das milde und schöne Osterwetter. Auch mehr und mehr Wohnmobile tauchen auf,
aber es hält sich in Grenzen. Insgesamt stehen mittlerweile so gegen 8 Womos
hier am Strand.
|
Am späteren Nachmittag taucht Gianfranco mit Anja und ihrem Mann und ihrer
Tochter Sarah auf. Wir sitzen eine Weile am Strand und schauen zu, wie Sarah
sich immer wieder über den Strand auf und davon macht.
Die Nacht bringt böigen Wind und lässt das Womo arg schaukeln.
|
12. April 2004, Scilla
An die Ionische Küste und in die Berge
Der Ostermontag bringt leider nicht so tolles Wetter. Der Himmel bleibt
verhangen und dunkel. Schon am frühen Morgen bevölkert die Jugend den
Strand. Überall entstehen kreisförmige Pic-Nic-Plätze am Strand mit Gruppen
von jungen Leuten, die Volleyball spielen, essen, rumtollen, Musik hören und
parlieren.
Ein Womonachbar aus Frankreich erzählt, dass bei ihm gestern Abend ein
Einbruchversuch unternommen wurde. Das Panoramafenster ging dabei kaputt,
während man versuchte einzudringen, allerdings erfolglos. Sie standen auf der
anderen Strassenseite, das Fenster dem Verkehr und Volk abgewandt. Na, ja, ich
stelle mir vor, dass nun wohl auch diese Saison wieder angefangen hat.
Eigentlich versprach der Tag ein Dolce Far Niente zum Dritten zu werden, doch
weit gefehlt. Gianfranco kommt mit Anja, ihrem Mann und ihrer Tochter und noch
einem Girl. Sie wollen rüber auf die andere Seite von Kalabrien. Gianfranco
erzählt wie toll der Ort ist, wo sie hingehen und ich müsse unbedingt
mitkommen. Obwohl ich keine grosse Lust habe, im Osterverkehr stecken zu
bleiben und überhaupt den Tag im Auto zu verbringen, lockt die Alternative,
hier am Strand unter einer Masse von Volk bei bewölktem Himmel zu sein halt
eben auch nicht. Und so befinden Dominik, Zorro und ich uns bald in einem
komfortablem Van von Luccio, ebenfalls ein Freund von Gianfranco.
Es geht quer durchs Land, durch Wolken, Nebel und Regen. Auf der anderen Seite
des Tunnels, welcher zuoberst bei der Durchquerung des Landes hilft, Strecke
zu machen, kommen wir auf die sonnige Seite. Wunderbar, ein weites Tal, von
Sonne überflutet! Die Fahrt führt weiter dem ionischem Meer entlang, welches
grünlich und heftig unter dem Sciroccowind an die Küste brandet. Etliches
weiter nördlich führt eine Strecke ins Landesinnere, nach Stilo, einem
Bergdorf, welches wunderschön unterhalb eines hohen Felsens am Berg
klebt.
Bevor wir aber dort hinauf fahren machen wir Halt, um etwas zu essen.
|
Dann führt die Strasse uns nach oben zum Dorf und weiter bis zur Grotte.
Natürlich halten wir immer wieder an, ob eventuelle Start- und Landeplätze
zu begutachten. Aber der Scirocco bringt so unberechenbare Winde ins
Landesinnere, dass man das Fliegen bald einmal vergisst.
|
Wie vorausgesehen, machen wir leider kaum einen Meter zu Fuss. Selbst zur
Grotte, welche nur wenige hundert Meter entfernt ist und welche zu Fuss um
einiges schneller erreicht werden könnte, denn eine
Hochzeitsgesellschaft bringt den Verkehr zum Erliegen, fahren wir per Auto.
Zurück allerdings gehe ich und auch Dominik zu Fuss.
|
Auf
dem Heimweg, entlang der Ionischen Küste, machen wir einen kurzen Halt, um
Bohnen, bzw. Ebsen zu kaufen. Das hat hier Tradition, dass zu Pasquetta, dem
Ostermontag, Bohnen gegessen werden, und zwar roh. Man schält die Bohnen aus
der grossen, etwa 20cm langen Hülle und dann schält man das Böhnchen noch
einmal frei.
Der Tag war zwar anstrengend und eben viel zu viel im Auto, aber doch herrlich
vom Wetter und von der Landschaft her.
|
13. April 2004, Scilla
Streckenflug vom Pillone nach Scilla
In
Wirklichkeit ist hier ja immer Dolce Far Niente angesagt. Aber es gibt so
Tage, wo ich später kaum mehr weiss, was ich alles getan habe und dabei hat
es trotzdem selten Momente, wo ich in aller Muse ein Buch lese!
Auch heute kommt Gianfranco zum Fliegen vorbei. Obwohl der Wind noch ziemlich
stark aussieht, wollen sie zum Pillone, um dort ihr Glück zu finden.
Gianfranco startet in einem Moment, wo der Wind am Startplatz noch
einigermassen geht. Zwei Minuten später hat es Windstärken von 30km/h. Das
ist zuviel, um zu starten, vor allem in Anbetracht der Hochspannungsleitungen,
welche kaum 20m weiter hinten, tief über dem Boden hängen.
Doch irgendwann lässt der Wind wieder ein wenig nach und auch Dominik fliegt
raus.
|
Die
beiden fliegen zusammen rüber nach Scilla. Der erste Streckenflug für
Dominik hier an der Küste und sie fliegen hoch. Zwar kommt ein Helikopter
ihnen ziemlich nahe und es steigt permanent, sogar weit draussen über dem
Meer.
Über Scilla's Piazza soaren sie eine Weile hin und her. Der Himmel ist zum
Teil strahlend blau und dann wieder mit schwarzen Wolken versehen. Ein
herrlich schöne Kulisse.
|
Es
wird ein Hochgenuss mit applaudierter Landung auf dem Strand von Scilla.
|
14. April 2004, Scilla
Dolce Far Niente am Strand von Scilla, zum Dritten
Frühstück
draussen. Dominik flirtet ständig mit der Nonna und wir haben einen Riesenspass
mit der alten Dame. Sie hat einen Humor, der zum Brüllen ist. Auf dem Foto hat
sie gerade einen ihrer Pantoffeln ausgezogen, um ihn Dominik nachzuschmeissen,
weil er er wohl wieder irgend einen frechen Witz erzählt hat.
Nun sind wir schon 14 Tage hier und können uns kaum lösen von diesem
sensationell schönen Stellplatz. Aber für morgen, so haben wir abgemacht,
wollen wir rüber ans Ionische Meer. Mal sehen.
|
Am
Nachmittag flogen Dominik und Gianfranco vom Neuen Startplatz rüber nach
Bagnara ...
|
...
und wieder zurück nach Scilla! Ein toller Streckenflug mit anschliessendem
stündigen Soaring entlang der Piazza von Scilla! Ein Flug von insgesamt 2.22
Stunden!
|
Die
Schirme werden bei Sonnenuntergang zusammengelegt und Dominik steht das
Flugvergnügen noch im Gesicht, als ich ihn fotographiere.
Wir verabschieden uns von Gianfranco und bedanken uns bei ihm nochmals für
die tolle Begleitung unserer Tage hier in Scilla, welche ohne ihn niemals so
unvergesslich bleiben würden!
|
15. April 2004, Scilla - Staletti (südlich von
Catenzaro, Ostküste Kalabrien)
Küstenwechsel, Abschied von Scilla
Heute, so haben wir abgemacht, werden wir unseren Stellplatz wechseln. Obwohl,
es ist hart, Scilla zu verlassen. Jürgen verabschiedet sich als Erster. Auch
er fährt wieder nordwärts, allerdings hat er etliche Kilometer vor, er will
bis nach Salerno rauf. Wir hingegen wollen die Küstenseite wechseln und ans
Ionische Meer rüber. Bei Staletti gibt es ein Fluggebiet. Ganz in der Nähe
war ich ja ebenfalls schon, am 19. Dezember, vor ziemlich genau 4
Monaten!
Nachdem wir bei Aldo waren, um uns zu verabschieden, nahmen wir noch ein
letztes kaltes Bad in der Bucht von Scilla. Glasklar das Wasser! Aber auch
arschkalt! Nicht für ein langes Planschvergnügen gemacht, aber dafür
herrlich erfrischend!
Auch von Todo, unserer Nonna und Catherina, dem polnischen Girl
verabschiedeten wir uns. Dominik versprach im nächsten Jahr wiederzukommen,
um sie (die Nonna) zu heiraten!
|
Die Fahrt geht via Autobahn nach Norden und überquert das Land auf einer
Superstrada von Rosarno im Westen nach Siderno im Osten. An der Ostküste, dem
Mare Iono entlang, fehlt die Autobahn komplett. Die S106 fährt sich jedoch
zügig.
Zwischen Soverato und Catanzaro befindet sich Staletti, ein kleines
Dorf überhalb der Klippen. Unten am Meer liegt eine ruhige Bucht, welche
ideal zum Campieren ist.
|
Der Wind bläst von der richtigen, sprich fliegertauglichen Seite. Dominik's
Bitte, hoch zu fahren, um ein kleines Flüglein zu machen, schlage ich nicht
ab. Gibt es doch immer wieder schöne Ecken zu entdecken.
Dass es dann ein
gerade traumhaft schöner Startplatz ist, hätte ich nicht gedacht. Alte
Olivenbäume stehen im hohen Gras. Blauer Borretsch steht in voller Blühte.
Die Sicht ist ohnehin weit und schön und in der späten Abendsonne, im
Gegenlicht erscheint mir dieser Olivenhain als die reinste Pracht!
Kaum, dass wir oben angekommen sind, fährt noch Jeep vor. Pietro, den Dominik
von früher kennt, kommt mit zwei Kollegen ebenfalls zum Fliegen.
Ich spazieren zwischen den Olivenbäumen umher und geniesse es, hier zu
sein.
|
16. April 2004, Staletti
Heftiger Wind, aufgewühlte See und Schweizerische Aufgeräumtheit
Hier an der Ostküste hat es Stechmücken! Die ganze Nacht haben mich die
gierigen Dinger genervt. Es ist also Zeit, die Fliegengitter wieder zu
montieren.
Das Wetter ist nicht so supertoll. Bewölkt, etwa 15°. Ideal, um Einkaufen zu
gehen und wieder einmal einen Upload vorzunehmen.
In Montepaone Lido finden wir alles, was wir brauchen. ADSL bringt die Daten
superschnell und cool hinauf (oder hinüber?) ins Netz.
Als wir zurückkehren fängt es an zu regnen. Ich drehe die Sonnenstore ein
wenig raus, so haben wir eine Art Vordach vor der "Hütte".
Die alte Panoramastrasse, welche oberhalb der Bucht steil in den Hang gebaut
wurde, ist geschlossen wegen "Cadutta massi", was man witzigerweise
als massiv kaputt übersetzen könnte! Dafür bietet sie sich als schönen
Spazierweg an, mit Blick auf die Bucht und unseren Stellplatz. Die Mimosen
blühen mit den Akazien um die Wette und eine noch ältere Strasse sieht mit
den Pflanzen überwuchert herrlich romantisch aus.
|
Hier
blühen im Moment die Akazien. Sie riechen fein nach Honig und die Blühten
sind sogar essbar! Gianfranco erzählte, dass man diese hier in einer Art
Bierteig tunkt und dann frittiert. Ist sicher voll iami-iami!
Ein Bulgare, der bei einem Haus arbeitet, erzählt Dominik, dass hier im
September alles voll Schweizer ist. Auch die Fliegerkollegen waren alle schon
mal in unserer Heimat. Es scheint hier ein traditioneller Bezug zur Schweiz zu
existieren. Dass hier ein anderer Schlag von Kalabresen lebt als weiter im
Süden und Westen merkt man schon. Ab es nun mit den Schweizern zu tun hat
oder nicht, dass hier alles aufgeräumter, weniger verfallen, besser gepflegt
erscheint, kann man nicht sagen. Aber auf alle Fälle ist es spürbar weniger
chaotisch. Auch auf den Strassen und in den Gassen scheint es mehr Platz und
weniger Hektik zu haben. Viele hübsche Häuser mit herrlichen Pflanzgarten
sind zu sehen.
Die Küste ist krass zerklüftet, extrem viele kleine
Schluchten durchbrechen die steilen Hänge, welche von Macchia, einzelnen
Eichenbäumen, Olivenbäumen und auch Akazien überwachsen sind. Aber auch
viele erodierte Hänge sind zu sehen, welche obwohl ein Jammer so doch bizarre
Landschaftsbilder abgeben.
Den Nachmittag verbringen wir mit Schreiben. Zum Caffé gibt es leckeren
Mandelschnee, Neve di Mandorle, ein mürbes weiches Mandelgebäck, welche
zuckersüss und passend zum Kaffee ist.
|
17. April 2004, Staletti
Computer kaputt?
Der Stellplatz hier ist perfekt. Eigentlich ein Geheimtipp für Camper. Im
Sommer, so erzählt man uns, geht hier nichts mehr. Schon um 5 Uhr morgens
kommen die ersten und um 9 Uhr ist der Platz voll mit Autos. Sollte einer dann
raus wollen, so wäre das chancenlos! Krass! Aber der Strand ist wirklich
wunderschön. Links und Rechts säumen spitze Felsen die Bucht und runden das
Bild des schönen Sandstrandes ab.
Ein
regnerischer Tag. Gemacht zum Schreiben und Lesen. Doch mein Computer ist
anderer Meinung. Fehlermeldungen beim Aufstarten verunsichern mich ziemlich und
veranlassen Dominik zum Internet-Point zu fahren, um sich ein IBM Manuel
runterzuladen. Zudem bräuchten wir die HP Software meiner Kamera, um
geschossene Bilder notfalls auch auf seinen Computer zu laden.
Ich brenne in der Zwischenzeit alle meine Daten und Bilder auf CD. Gut, dass
sich Dominik diesen Brenner einmal zugelegt hat. Inzwischen ist ja der Umfang
der Bilder gigantisch gewachsen. Die Menge lässt sich eigentlich nur noch mit
externem Speicher schlau verwalten und archivieren. Nachdem ich alles gebrannt
habe, fahre ich runter und will nochmals hochfahren, um die CD's zu testen. Doch
der Computer macht definitiv schlapp. Nebst der Fehlermeldung für die Zeit und
das Datum taucht noch eine auf, von welcher man nicht weiss, was sie bedeutet.
Als Dominik wieder kommt, hat er zwar das IBM-Manual, doch keinen Treiber für
meine Kamera auftreiben können. Dieser ist nur auf CD von der HP zu haben und
nicht als Download. So daneben!
Das Manual besagt, dass die dritte Fehlermeldung den Ventilator betrifft und der
PC somit in ein Servicezentrum gehört. Ja supi! Wie wenn es hier im Mezzogiorno
sowas gäbe!
Dominik hat einen Verdacht. Er schraubt meine Kiste auf und entfernt kurzerhand
die Stützbatterie, welche für die Zeit zuständig ist.
Am späteren Nachmittag fahren wir nochmals zum Internet-Point und suchen nach
Downloads für den Kameratreiber, leider erfolglos. Ein paar Häuser weiter
unten ist ein TV-Geschäft, in welchem wir eine passende Batterie bekommen.
Liebenswürdigerweise lötet uns der Herr sogar die Kabel an die Batterie.
Dominik verstärkt das ganze noch mit Isolierband und setzt die Batterie wieder
ein. Und siehe da - Problem gelöst! Keine Fehlermeldung und nichts Kurioses.
Alles tut wieder wie es soll! Hurra!
Es wäre echt mühsam geworden, wenn mir der PC für die letzten paar Wochen
noch ausgefallen wäre!
|
18. April 2004, Staletti
Himmlisches Schauspiel
Unter
dem stahlblauen Himmel jagen schwarze und weisse Wolken dahin! Das Meer ist
ruhiger als gestern, da der Wind von Westen oder Nordwesten weht. Immer wieder
scheint die Sonne, dann regnet es wieder.
Die blauen Blumen auf dem schmalen Wiesenstreifen geben ein Ton-in-Ton-Bild.
Genial schön!
Ich wende das Womo um 180° und drehe die Sonnenstore raus. So haben wir vom
Womo her Windschutz und die Sonnenstore schützt vor unverhofftem Regen. So
lässt sich sogar herrlich draussen frühstücken.
Dominik wurde von einem Gleitschirmheft angefragt, einen Bericht von sich selbst
zu verfassen, über seine Motivation, seine Erlebnisse usw. Nun sitzt er
konzentriert hinter dem PC und ich wage es kaum, richtig in die Tasten zu hauen!
Bin ja gespannt, was sie da zusammenbröselt, meine Konkurrenz!
|
19. April 2004, Staletti
Schlechtwetterperiode
Obwohl Regen angesagt ist, für heute und auch für die nächsten Tage (oh,
jammer!!) scheint immer wieder mal die Sonne. Hier in Staletti sind wir an
einer Art Wetterscheide. Hinter uns in den Hügeln hängen permanent schwarze
Wolken drohend am Himmel - vor uns, über dem Meer ist es blau und es hat
weisse Wolken. Aber immer wieder fegt mal ein heftiger Wind über uns hinweg
und vermasselt einem das Draussensitzen. Die Sonnen- bzw. Regenstore hält
diesen Wind ebenfalls nicht aus und ich muss das Ding wieder
reinschrauben.
Im
grösseren Nachbarsdorf haben wir eine Tierärztin ausfindig gemacht. Wir
machen uns auf den Weg dorthin. Zorro's alljährliche Impfung ist fällig und
ausserdem hat die Zeckensaison hier krass durchgestartet!
Die Tierärztin kann aber vorerst nur die Tollwutimpfung vornehmen. Die andere
Kombiimpfung muss 2 Wochen warten. Sie empfiehlt uns Expot als Zecken- und
Leishmaniosemittel, meint auch, dass ein Band nicht die gleich guten Effekte
erzielt wie Expot. Na gut, jeder erzählt was anderes und diskutieren kann ich
auf Italienisch ja sowieso nicht. Den Herzwurm soll es hier nicht geben und
für die anderen Würmer muss ich, wie auch für das Zeckenmittel in die
Apotheke oder in ein Hundefachgeschäft.
Nach Besorgung dieser Mittel gehen wir noch einkaufen. Diesmal in einen
Super-Super-Market und lassen entsprechend Geld liegen. Normalerweise machen
wir einen Einkauf zwischen 30 und 50 Euro. Doch hier zahlen wir 80 Euro! Na
ja, dafür gibt es wieder einmal Spargel (hier eine teure Rarität) und
Nispolas (ebenfalls sacketeuer und importiert aus Spanien!).
Natürlich ist auch ein kurzer Internet-Besuch vorgesehen. Dominik hat den
Bericht für den "Swissglider" fertig und schickt ihn ab. Am Strand
mache ich ein paar Portraitaufnahmen von Dominik, welche im späten Abendlicht
gut kommen.
Schon am Nachmittag ruft der zuständige Typ vom Swissglider an und meint der
Bericht sei gut, er bräuchte noch ein paar Fotos und dann stehe der
Veröffentlichung im Juni nichts mehr entgegen. Wir werden ja sehen. Aber cool
ist es schon. Sich vorzustellen, dass Leute sich für die eigene Geschichte
interessieren und das sie in einem Heft veröffentlicht wird! Im Fall von
Dominik bin ich sicher, dass er das macht, wovon viele andere, und in diesem
Fall natürlich Gleitschirmpiloten, träumen: losgelöst von Verpflichtungen,
von Arbeit und sonstigen Stricken, verschiedene Fluggebiet kennenzulernen, in
der Welt rumzugondeln mit der Aussicht alle Tage fliegen zu können! Insofern
motiviert so ein Bericht vielleicht sogar den einen und anderen, ebenfalls
loszuziehen.
|
20. April 2004, Staletti - Pizzo (Westküste,
südlich vom Flughafen Lamezia Therme)
Aprilwetter wie in der Schweiz..
Der
Parkplatz ist zur Hälfte überflutet. Es hat die ganze Nacht heftig geregnet
und die Temperatur ist ebenfalls ziemlich gesunken. Irgendwie habe ich den
Eindruck, dass es in der Schweiz nicht viel übler sein kann...
Da der Wind von Westen weht, ist die See arschglatt, der Himmel wechselt sein
Aussehen, wie wenn es Fasnacht wäre. Stimmungsvoll wechselt es zwischen
dunklen melancholischen Farben und heiteren und lachenden Blautönen. In einem
Moment regnet es und im nächsten lacht die Sonne vom Himmel. Extrem
wechselhaft und nicht berechenbar.
|
Seit
wir hier angekommen sind, treibt sich ein schöner Husky um das Womo herum.
Anfangs hielt er noch Distanz, doch schon bald kam er auf den Spaziergängen
mit. Nachdem ich ihn einmal gefüttert hatte, blieb er, auch des Nachts. Die
letzte Nacht hat er unter dem Womo verbracht. Es ist oder wäre ein
bildhübsches Tier, wenn da nicht das ungepflegte Fell wäre und das
hässliche Ekzem an seinem Knie und an der einen Bauchseite. Ich tippe stark
auf Hautleishmaniose. Aber um dies festzustellen, müsste er zum Tierarzt und
sich ein paar Tests gefallen lassen. Er macht einen noch ziemlich jungen
Eindruck auf mich. Die Zähne sind noch ganz weiss und die die Ohren, Pfoten
und Augen sehen frisch und gesund aus. Ich vermute, dass er letzten Sommer
hier ausgesetzt wurde. Er macht einen selbstsicheren und nicht zu
menschenscheuen Eindruck.
Es ist jammerschade um so ein Prachtstier. Aber wenn man das Tier hier in ein
Heim bringt, dann sind die Überlebenschancen noch kleiner als wenn er hier am
Strand bleibt. Die Hunde ernähren sich vom Abfall der Strandbesucher und von
Leuten, wie ich, die die Hunde füttern. Allerdings kann ich mir nicht
vorstellen, wie ein Husky einen kalabrischen Sommer überstehen kann. Einen
Sommer voller Zecken, Mücken und krasser Hitze. Solche Hundeschicksale treffe
ich hier an jedem Strand an. Meist sind es aber Strandmischungen. Der Husky
hier ist der erste Rassehund, den ich antreffe.
|
Am Mittag packen wir unsere sieben Sachen zusammen und fahren rüber auf die
andere Küstenseite. Schon wenige Kilometer ins Landesinnere wird mir klar,
dass das wohl ein Fehler ist, denn hier im Osten sind wir im Lee, der Wind ist
angenehm und die Sonen schaut doch wenigstens hin und wieder zu uns hinunter.
Spätestens nach dem Tunnel in der Landesmitte wird aus der Vermutung schwarze
nasse Tatsache. Es giesst und der Himmel hat sich dunkelgrau verfärbt.
Die Karren stellen wir auf unseren alten Stellplatz. Kaum sind wir
einigermassen eingerichtet legt der Himmel erst richtig los. Schwarz wie in
einer Kuh wird es und es giesst, dass aus der Hälfte des Platzes innert
Kürze ein See wird.
Es scheint auch Zorro nicht zu gefallen und er bleibt glücklicherweise ruhig
und schläft unbeschwert bis Ende Nachmittag. Dann bessert sich das Wetter, es
hört auf zu regnen und die Hoffung auf das bessere Wetter macht sich wieder
breit.
Was allerdings nicht so super ist, sind die Dieselflecken, die mein Womo, auf
dem nassen Kies gut sichtbar hinterlässt. Ein Flugkollege von Dominik, der
von hier ist, empfiehlt uns eine kleine Garage nicht weit von hier. Dorthin
fahren wir, um uns zu erkundigen, wann wir das Womo bringen können. Er muss
es zuerst sehen uns so machen wir auf morgen nach dem Mittag ab, um es
vorbeizubringen.
|
21. April 2004, Pizzo
Strahletag - Fliegen über dem Pta. di Zambrone
Klarster Himmel! Wie reingewaschen! Wie schnell vergisst man so einen
hässlichen Regentag, wenn es wieder schön ist. Wir frühstücken draussen und
haben fast schon zu heiss dabei! Ja so läuft das: erst jammert man, wenn es zu
kalt ist, doch kaum ist die Sonne da, wird wieder gejammert, weil es zu heiss
ist!
|
Wir hoffen in Pizzo oder Vibo Valentia Marina eine Wäscherei zu finden und
packen unsere Wäsche in den VW-Bus. Dann fahren wir los, um einen Startplatz in
Zambrone, Richtung Tropea) auszukundschaften. Er lässt sich leicht finden und
am Startplatz herrschen sogar ideale Bedingungen für einen Flug. Sowas lässt
sich Dominik natürlich nicht entgehen. Er holt sein Zeug und ist alsbald in der
Luft. Es hält sogar ziemlich gut. Geil mitanzusehen. Irgendwie ist es immer
wieder ein neues Erlebnis, zu sehen, wie geflogen wird. Die Kulisse ist
herrlich, Tropea liegt links von uns und rechts sieht man den ganzen Golfo di S.
Eufemia inklusive des dahinterliegenden Sila Gebirges. Einzelne Spitzen sind
sogar weiss. Weit draussen sieht man ausserordentlich klar den Stromboli,
welcher heiter vor sich hin dampft!
Nach einem kurzen Mittagessen im Womo packen wir das Womointerieur reisefest
zusammen und fahren zum Garagisten. Die Herren stellen schnell fest und zeigen
es uns auch, was nicht in Ordnung ist: es ist die Einspritzpumpe, welche nicht
dich ist und fleissig tröpfelt. Eine richtige Umweltsünde fahre ich da! Die
Arbeit wird länger dauern, das Ersatzteil muss in Catanzaro beschafft werden.
Wir machen ab, dass wir das Womo morgen früh bringen und am Abend kommen, um
dort auf dem Hinterhof zu übernachten. Dann haben sie nochmals einen halben
Tag, um fertig zu werden.
Am Stellplatz steht ein VW-Bus aus Österreich. Das Paar hat hier Halt gemacht,
um Mittag zu essen. Wir sprechen mit den Beiden und er erzählt, dass er uns vom
Internet her kennt! Er sei auf die Homepage gestossen, als er nach Infos zum
Monsterpark suchte und habe uns anhand der Vehikel wieder erkannt! So cool! Es
scheinen also doch ein paar Leute die Homepage zu finden. Es macht auch den
Eindruck, als ob die Google-Suchmaschine die Seiten ab inhaltlichem Text und
nicht nach hinterlegten Suchbegriffen indiziert. Ist natürlich supi!
Ab und zu kriege ich sogar ein Mail von Leuten, die ich nicht kenne und die mir
zur Page gratulieren und mir alles Gute wünschen. Sowas freut mich dann schon
sehr! In solchen Momenten bin ich dann sogar ein wenig stolz auf meine Arbeit
und denke, dass es sich gelohnt hat, wenn nur ein paar wenige daran Spass haben
und vielleicht sogar Infohilfe finden.
|
Der Tag ist zu schön, um noch weiter im Womo zu sitzen. Auch wenn es nicht mehr
fliegbar ist, der Wind hat zugelegt, entschliessen wir uns, in die Höhe zu
fahren. Die Sicht ist heute so ausserordentlich gu, dass es wert ist, nochmals
ins Auto zu steigen.
Oben treffen wir auf Pasquale, den ich im letzten Jahr schon kennengelernt
hatte und Pietro und Giuseppe von Staletti. Die drei sind oben im Wald im
Sumpf steckengeblieben und mussten mit dem Traktor rausgeholt werden. Die
Herren Piloten entscheiden, nach Zambrone zu fahren. Zwei andere
Gleitschirmpiloten sind schon dort, haben aber eben topgelandet und
zusammengepackt. Pasquale geht als erster raus, dann Pietro, Giuseppe und
schliesslich auch noch Dominik. Obwohl sie alle nicht schlecht fliegen mit dem
Starten happert es bei den Meisten. Ich muss sagen, dass Dominik mittlerweile
sehr sicher startet. Die vielen Flüge und die entsprechende Erfahrung haben
sich niedergeschlagen und lassen Dominik sehr souverän mit dem Schirm
umgehen. Cool!
|
Die
Luft jetzt am Abend ist ideal zum Fliegen, butterweich und Dominik geniesst es
sichtlich.
Sehr lange hält die Thermik allerdings nicht hin, die Sonne steht schon tief,
als auch Dominik als Letzter am Strand beim Aquapark landet.
|
Nun
packt aber Pietro noch seine Motoren aus. Er will eine Runde mit dem Paramotor
(Gleitschirm mit einem Propellermotor am Rücken festgeschnallt) machen.
Obwohl das Ding einen Heidenlärm macht, werden die Bilder vom Flug im
Sonnenuntergang doch sensationell.
|
Trotzdem,
für das Fliegen mit Motor kann ich mich nicht erwärmen. Nächstes Wochenende
findet hier ein Fliegerfestival der Paramotoren statt. Es werden etwa 150
Flieger von überall erwartet. Denn es wird darum gehen, den Rekord zu
brechen, wie viele gleichzeitig in der Luft sein können! Sie reden vom
Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. Prost!
Am gleichen Wochenende findet in Maratea aber noch ein normales
Gleitschirmfestival statt und Dominik und ich werden zu diesem fahren. Wir
haben beide keine Lust, so einen Motorenandrang bzw. -lärm über uns ergehen
zu lassen.
|
22. April 2004, Pizzo
Fliegen über und Faulenzen am Strand von Pizzo
Ich
habe vergessen, den Wecker zu stellen. Erst um 8 Uhr werden wir wach. Um diese
Zeit wollten wir eigentlich schon beim Garagisten sein. Also packen wir
möglichst schnell alles zusammen und fahren mit unseren Vehikeln die paar
hundert Meter zur Garage. Garage ist zwar fast schon übertrieben. Denn ist
eigentlich ein Hof mit einer Werkstätte. Einen Riesenpuff rings um die Garage,
aber drin ist alles tip top aufgeräumt. Ein krasser Gegensatz.
Wir können das Womo neben die Garage stellen und dürfen sogar den Strom
nutzen. Wir packen unsere Fressalien in den VW-Bus und fahren an unseren alten
Stellplatz, um dort in der Sonne zu frühstücken.
|
Dann
fahren wir hoch. Oberhalb Pizzos sind viele grosse Einkaufszentren. In einem
Electronics finden wir grössere Speicherkarten für unsere Digitalkameras. Mit
meiner 32 MB Karte kann ich, wenn ich Bilder mit einer grösseren Auflösung
machen will nur gerade mal 10 Fotos schiessen. Mit der 128 MB Karte habe ich
bedeutend mehr Spielraum.
Dann fahren wir zum Startplatz über Pizzo, der wunderschön an einem Waldrand
gelegen ist. Und tatsächlich steht der Wind gerade richtig und Dominik kann
einen langen schönen Flug machen. Ich geniesse den Aufenthalt im Wald und
spaziere mit Zorro herum und teste die Kamera aus.
|
Unten
am Strand von Pizzo, am Lido Isidorio, machen wir Mittagspause und hängen den
lieben langen Nachmittag am Strand und vor dem VW-Bus herum. Herrlich, so in der
Sonne zu liegen, zu lesen und zu geniessen.
Ein zweiter Flug am späteren Nachmittag bringt leider nicht die von Dominik
erwartete Abendbrise. Es wird nur ein kurzer Flug. Wir müssen noch unsere
Wäsche holen und auch Geld, denn ich vermute, die Reparatur wird nicht gerade
billig werden.
Das Abendessen machen wir im VW-Bus und es ist wie in "alten" Zeiten.
Das Schöne am VW-Bus ist ja, dass man, auch wenn man drinnen sitzt und dabei
die Schiebetüre offen lässt, fast wie draussen ist.
|
23. April 2004, Pizzo
Kosten-Schock
Am Morgen bestaunen wir den halb ausgebauten Motor. Die Pumpe ist beim "Pompier".
Gerade kommt ein Telefon von dort und der Capo meldet uns, dass etliche Teile
an der Einspritzpumpe ausgewechselt werden mussten. Alleine diese Arbeit
belaufe sich auf 400 Euro! Ach du Schande! Der Schock sitzt. Zu diesen 400
wird wohl noch mindestens ein Arbeitsaufwand von 200-300 Euro kommen. Das
bedeutet, dass mich diese Reparatur wohl ca. 1000 Schweizer Franken kostet.
Mit dem Geld reise ich mindestens 1 bis 1 1/2 Monate rum. Diese Kosten am Ende
meiner Reise bedeuten, dass meine Heimreise nun definitiv nahe rückt. Jetzt kann
ich es mir nicht mehr erlauben, noch länger rumzugondeln. Wenn ich vorher
noch dachte, dass je nach Lust und Laune noch ein paar Wochen drin liegen, so
kann ich das jetzt vergessen. Shit. Es scheint, die Zeit ist reif...
Wir fahren an den Lido Isidoro und frühstücken in der milden Morgensonne.
Der Schock muss erstmal verarbeitet werden und ich bin ein wenig traurig. Es
sind nicht die Kosten, die mich niederschlagen sondern die in die Nähe
gerückte Heimreise. Abschied nehmen von Meer und Sand und Sonne, vom freien
Leben, mich an den Gedanken gewöhnen, nordwärts zu fahren..
|
Fliegen
ist heute nicht drin. Es ist sozusagen windstill. Dafür ist das Rumhängen
umso schöner. Am späteren Nachmittag taucht auf einmal ein Womo auf. Ich
denke, der sieht aus wie meiner, in der nächsten Sekunde weiss ich, das ist
meiner! Und dann dämmert es! Der Capo und sein Mech machen die nötige
Probefahrt!
Als sie wieder abfahren, sagt Dominik noch piano, piano mit dem Fahren. Aber
man kann sich ja denken, wie langsam sie über die Bodenwellen der
ausgefahrenen Strasse gefahren sind. Hoffentlich habe ich den Trinknapf von
Zorro ausgeleert und auch sonst alles supergut verstaut! Ich hatte! Nur ein
paar Atlasse und Bücher liegen verstreut am Boden. Glück gehabt!
Die definitive Rechnung ist human. Zu den 400 Euro für die Pumpenrevision
kommen lediglich 130 Euro für die Arbeit, inklusive Bringen und Holen der
Pumpe beim Pompier in Catanzaro. Das nenn ich einen fairen Preis. Wir haben
den Eindruck, dass gute Arbeit geleistet wurde. Nötig war sie auf alle
Fälle. Der Motor springt wieder viel besser an, läuft ruhiger und stinkt
auch nicht mehr. Ich hoffe doch sehr, dass ich demnächst keine weiteren
Sorgen mit dem Kerl habe. Der Capo meinte sogar, die Bremsen seien bestens und
der Motor in einem Superzustand. Die Pumpe hat nachgegeben, weil sie halt
entsprechend alt (13 Jahre) war.
|
24. April 2004, Pizzo
Spaziergang und Schreiben
Absolut
windstill. Hin und wieder regnet es leicht. Ich drehe die Sonnenstore raus, so
dass man auch draussen sitzen kann, wenn es nieselt. Genug warm wäre es.
Ausser einem längeren Spaziergang auf dem Bergrücken oberhalb Pizzos, der
einen schönen Blick auf den Golfo di San Eufemia bietet, machen wir keine
grossen Sprünge heute.
|
25. April 2004, Pizzo - Paola
Weiter nordwärts
Pasquale
kommt sich verabschieden und die CD holen, welche wir für Pietro gebrannt
haben. Er würde es zwar gerne haben, wenn wir noch bis zum nächsten Wochenende
hier blieben würden. Dann findet in Pizzo das Festa dell'Aria statt. Aber wir
haben uns entschlossen, das andere Flugfest in Praia a Mare zu besuchen, welches im kleineren Rahmen stattfindet und keine Paramotorshow hat.
In Amantea machen wir einen kurzen Zwischenhalt und besteigen das alte Castello,
welches komplett verfallen ist, dafür umso romantischer wirkt. Der Zutritt
wäre verboten und die Wege sind kaum passierbar, aber es macht Spass, auf
eigene Faust zu entdecken.
|
Auch
eine verfallene Kapelle spüren wir auf, in welcher Künstler vor einiger Zeit
eine Ausstellung gemacht hatten. Von der Ausstellung ist ein originelles
Kruzifix an der Wand hängen geblieben.
|
Als
wir die Gassentreppen wieder runterstiefeln kommen wir auf einen hübschen
Platz, wo ein Künstler seine Malerei ausgestellt hat. Die Bilder wirken
kindlich, offenbar lebt der Mann sich frei nach dem Motto aus: es muss mir
gefallen und sonst niemandem.
|
Er
lädt Dominik zu sich ins Arbeitsatelier ein und zeigt ihm seine Werke. Auch
alte Fotos von ihm bekommen wir zu sehen und der sympathische Herr meint immerzu, man müsse unterwegs
sein, immer in Bewegung und nicht stillstehen...
|
In
Paola parken wir auf einem grossen Kiesparkplatz am Meer. Die Sicht ist hier
zwar toll, aber der Föhn schaukelt das Womo und uns drinnen ziemlich hin und
her, trotz Stützen.
Es windet so fest, dass ich nur einmal mit Zorro einen Spaziergang zur Altstadt
hoch mache. Es ist aber ungemütlich und ich kann die antiken Gassen nicht so recht schätzen.
|
26. April 2004, Paola
Stürmisches Wetter
Als wir am Morgen aufwachen, sind wir fast komplett eingekeilt von Bussen,
Lastwagen und Schaufelbaggern. Es scheint, der Strand wird heute gesäubert
und geebnet und wir stehen genau neben dem Sandhaufen, der noch verteilt
werden soll.
Zudem ist der grosse, gestern noch leere Parkplatz offensichtlich der Platz,
wo sich alle Busse versammeln. Also packen wir kurzerhand alles zusammen und
verschieben unsere Wagen ein wenig weiter nach Süden, entlang dem Lungomare.
Ein Spaziergänger erzählt, dass am nächsten Wochenende ein grosses
Stadtfest zu Ehren des San Francisco stattfindet. Darum werden auch die
Strände und alle Promenaden gesäubert.
Der Wind kommt von hinten und es regnet immer wieder mal. Trotzdem fahren wir zu
einem Startplatz hoch, um die GPS-Punkte aufzunehmen. Den letzten Teil des Weges
zum Startplatz muss man zu Fuss gehen. Er führt durch dichten Föhrenwald und
über Weiden zu einem Platz mit weitem Blick über die Küste und der Bergkette
entlang.
Wir besuchen das Santuario di San Francesco di Padoa und sind enttäuscht. Keine
Atmosphäre, viel zu viele Schulklassen, Souvenirbuden, es scheint alles auf
Konsum gemacht und missfällt mir.
|
27. April 2004, Paola - Marina di Belvedere (südlich
von Diamante)
Kleine Stadt mit schöner Ambiente
Da
die Windaussichten nicht besser werden, fahren wir weiter nach Norden. Kurz vor
Diamante, in Marina di Belvedere stellen wir unsere Wagen wieder an den
Lungomare. Es ist sehr freundlich hier. Auch hat der Himmel aufgehellt.
Schon in Paola ist uns der saubere Strand aufgefallen. Und hier gleich noch
einmal. Überhaupt macht das Städtchen einen sehr aufgeräumten und ruhigen
Eindruck. Der Unterschied zum südlicheren Pizzo ist augenfällig. Einigermassen
aufgeräumte Strassen und Strände, kein Verkehrschaos und keine hässlichen
unfertigen Neubauten. Und schon wirkt eine Ecke viel sympathischer. Natürlich
macht die Sonne den letzten Schliff aus.
|
Wir
fahren in die Berge, um einen Startplatz anzuschauen und geniessen wieder das
weite Panorama. Die Berge dahinter sind hoch (ca. 1800m) und in den Wolken
versteckt.
Auf dem Weg zurück machen wir einen Kaffeestop in Belvedere Marittimo. Ein
kurzer Bummel durch die schmalen Gassen mit vielen Kunstwerken an den
Häuserfassaden ist zauberhaft. Auch die Leute lächeln uns an und wir lächeln
zurück.
Es ist doch eigenartig, was einem gefällt und was nicht. Wenn ich mich nur nach
dem leite, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert oder mich fröhlich stimmt,
dann weiss ich, dass ich am richtigen Ort bin. Manchmal ist man irgendwo und
strengt sich an, etwas zu sehen, was da sein sollte aber nicht ist. So wie in
diesem Santuario di Francesco, welches auf mich sehr arm und hohl gewirkt hat.
Aber natürlich ist es eine Art Echo, das man spürt, mit Sicherheit nichts
Absolutes. Es wird wohl jeder anders empfinden...
|
28. April 2004, Marina di Belvedere
Getrübte Stimmung bei absolut klarstem Himmel
Unter
meinem Womomotor entdecke ich einen erneuten Fleck. Wir schauen uns den Motor
an, der aber trocken ist und ich lege mich unters Auto, um das Ganze von unten
zu beschauen. Ein Schaumgummi hat sich mit Wasser und Diesel vollgesogen, hängt
ein wenig raus und tropft. Also alles i.O. Diese Restmenge wird sich auch noch
verlieren. Dominik, natürlich nicht faul, greift zur Kamera und lichtet mich in
dieser "fachfrauischen" Position ab.
|
Der
Tag wird wunderschön und sogar heiss. Wir drehen die Sonnenstore so weit es
sich erlauben lässt raus. Immerhin sind hier einige Spaziergänger unterwegs.
Wenn ich mir vorstelle, sowas in Zug zu machen....? Hier sind die Leute eher
neugierig und nicht wenige lächeln uns freundlich an oder fangen sogar mit uns
zu reden an. Ich habe den Eindruck, wie wenn hier im Süden das Nichtstun und
Geniessen eher bewundert denn beneidet wird.
Wir legen uns an den Strand und Dominik geht sogar schwimmen. Ich schaffe es
nicht ins Wasser, leider. Ich bin schon ein richtiges "Womo-Weichei"
geworden.
Bin aber sowieso in einer trübseligen Stimmung. Das Ende meines süssen Lebens
steht vor der Türe und gibt mir, ich muss es zugeben, zu schaffen. Immer näher
kommt der Moment, wo ich Abschied nehmen muss vom Süden, von Italien, vom
Womoleben, von Dominik und seinen Freunden, vom Meer und dem südlichen Duft...
jammer, oh jammer. Doch was soll all das Jammern, es nützt rein gar
nichts. Ich werd mich wohl ein wenig besinnen müssen, um mich auf das
Heimkommen so richtig freuen zu können...
|
29. April 2004, Marina di Belvedere - Praia a Mare
(zweitnördlichste Ortschaft Westküste Kalabrien)
Murales von Diamante
Noch vor dem Frühstück taucht die Policia Communale auf und meint, es fänden
hier jeden Moment Strassenarbeiten statt und wir könnten nicht da bleiben.
Dominik kennt den einen und fängt an vom Fliegen zu reden. Als die beiden
Polizisten gehen, meinen sie, wir sollen nicht stressen beim
Zusammenpacken.
Kurz darauf kommt ein älterer Herr, der in der hinteren Reihe wohnt und fragt,
was die Polizei wollte. Als wir es ihm erklärten, meinte er, das stimme gar
nicht und wir könnten die Vehikels bei ihm vor das Haus stellen. Doch da wir eh
weiter wollen, lehnen wir dankend ab. Wir tanken unsere Wagen am nahegelegenen
Wasseranschluss voll, reden noch eine Weile mit dem älteren Herrn von vorher
und brechen dann bald auf.
In Diamante machen wir einen Stopp, um die dort bekannten Murales anzuschauen.
Im alten Dorfteil hat es viele solcher Wandbilder, teils schon wieder
abblätternd, teils sehr eindrückliche aber auch witzige, teils riesengross und
andere wieder ganz versteckt. Hübsche Gassen und schöne grosse Häuser.
|
In
Orgosole auf Sardinien hatte es mehr politisch kritische und auch künstlerisch
eindrücklichere als hier. Hier scheinen die Murales für den Tourismus erstellt
worden zu sein. Trotzdem lässt es Wände sprechen und vermittelt Leben und
Ausdruck in Gassen, wo sonst kaum ein Sonnenschein die grauen Wände
erhellt.
|
In Praia a Mare fahren wir auf den grossen Kiesplatz vor der Isola Dino. Ein
altes Womo von einer römischen Familie steht auch hier und wir stellen uns
daneben.
Der Kieselstrand ist hier fast schwarz und die vorgelagerte Insel wirkt
sehr hübsch vor dem Strand, der hier eine richtige Ecke macht.
Das Dorf ist
aber leider fast zu weit weg, um zu Fuss hinzugelangen. Obwohl die ganze Strecke
entlang des Meeres und auf einem breiten Lungomare wäre.
|
Wir fahren hoch zum Startplatz. Mit unserem VW-Bus müssen wir die hintere
Strecke nehmen und den letzten Teil zu Fuss gehen. Oben sind Angelo und Julio am
Ausebnen des Startplatzes, welcher anschliessend mit einem Rasenteppich
abgedeckt wird.
Dominik startet, auch wenn es kaum Wind hat. Na, für einen Gleitflug reicht's
auf alle Fälle. Er landet unten, nahe beim Womo.
Als wir später ins Dorf fahren und auch zum Platz, wo das Fest stattfindet
spazieren, wundern wir uns, dass noch gar keine Buden aufgestellt sind. Die
Wetteraussichten sind vernichtend und wir fragen uns, ob aus diesem Wochenende
hier was Schlaues entsteht.
|
30. April 2004, Praia a Mare
Der Maestrale (Nordwestwind) bläst die Wolken weg
Der Tag bringt mehr Sonnenschein als erwartet. Auch kommt der Wind von
Nordwesten und nicht wie er sollte von Südosten. Es ist aber schwierig,
herauszufinden, wie der Wind sich hier verhält. Mittlerweile sind ein paar
Flieger eingetroffen. Es scheint sich was zu tun. Dominik geht mal los, um
einen Lift nach oben zu bekommen.
Wir haben kurzerhand unseren Stellplatz nahe zum Fest verlegt. Auf dem
Parkplatz einer Pizzeria stehen wir nun, quasi direkt am Landeplatz und keine
hundert Meter von den Veranstaltungsständen entfernt. Der Parkplatz ist leer
und die Wiese steht teilweise hoch, ist voller Klee und Gänseblümchen,
schlicht ein Bijou von Stellplatz.
Langsam trudeln Leute ein und irgendwann bekommt Dominik einen Lift mit dem
Bus nach oben. Viele fliegen raus, das Wetter ist super und der Wind passt.
Eine schöne Überraschung, nachdem die Wetterprognose so schlecht war. Alle
landen sie hier vor unserem Stellplatz am Meer. Cool zuzusehen.
Ich habe die Sonnenstore draussen und geniesse mit einem Buch den ruhigen und
doch interessanten Platz. Ich mache mir eine Ladung Tabulé (Couscoussalat),
so kann auch Dominik was essen, wenn er irgendwann wieder auftaucht.
Später am Nachmittag fahre ich mit Nico's Landrover nochmals hoch. Oben ist
mittlerweile ziemlich heftiger Startwind und die Wolken hängen relativ tief.
Etliche fangen sich noch während der Startphase Klapper ein. Dominik kommt
gut raus, aber ich sehe, wie es ihn durchschüttelt.
|
Mit dem Landrover fahre ich wieder runter. Was für eine Strasse und der
Einschlag des 4x4 lässt die Kurven nicht auf einmal fahren. Gut, dass mir
niemand entgegenkommt. In Gedanken male ich mir aus, wie das wohl morgen
werden wird. An die 100 Piloten werden erwartet, nur ein Bus steht zur Verfügung
und sicherlich werden all jene, welche einen 4x4 haben, selbst hinauf fahren.
Wenn dann gekreuzt werden muss! Halleluja, nicht einmal in den Kurven hat es
Platz dazu! Ich bin sicher, das gibt ein Riesencasino! Ich werde mich auf alle
Fälle hüten, selbst zu fahren.
Am Abend tauchen zwei von Dominiks Fliegerkollegen von Capaccio auf. Wir
entschliessen uns, zusammen in das Restaurant zu fahren, welches für die
Piloten vorgesehen ist. Doch noch während wir nach oben fahren habe ich das
Gefühl, dass es keine gute Idee war. Als wir dann draussen warten, weil wir
zu früh sind und es noch ewig dauern kann, bis alle versammelt sind, muss ich
feststellen, dass wir mit einem Idioten am Tisch sitzen. Der Kerl, Antonio,
hat doch tatsächlich das Gefühl, dass ich für die Unterhaltung zu sorgen
habe und seine Kommentare sind das Dümmste und Unhöflichste, was mir hier in
Italien je begegnet ist. Zudem schafft er es nicht, Italienisch zu reden.
Ständig schnorrt er in napoletanisch, was nicht einmal Dominik versteht. Ich
besinne mich und erkläre, dass ich nach Hause will. Egal, was die denken, ich
habe keine Lust, in dieser Gesellschaft zu warten, zu frieren und dann noch
einmal ewig zu warten, bis man wieder nach Hause geht. Auch Dominik ist
mittlerweile soweit, dass er mein Anliegen unterstützt. Sie fahren uns nach
Hause und gehen nochmals hoch ins Restaurant.
Dominik und ich trinken dann in aller Gemütlichkeit ein Glas Wein, essen die
Resten vom Salat und scharfe Salami und sind froh, diesem Typen
"entkommen" zu sein. Wir fragen uns beide, wieso man es jemandem
nicht schneller anmerkt, dass er ein Idiot ist...
|
1. - 3. Mai 2004, Praia a Mare
Fliegerfestival
In der Nacht hat es angefangen zu regnen. Am Morgen ist es zwar vorbei, aber
es ist noch alles nass. Wir frühstücken draussen und können verfolgen, wie
die Stände langsam mit Leben gefüllt werden. Advance, Gin und Skywalk sind
da. Eine gute Gelegenheit, Schirme und Sitze auszuprobieren.
Als ich von einem ersten Spaziergang durch die Stände zurückkomme, sind
weitere Womos auf "unserem" Stellplatz angekommen. Es wird sich
füllen...
Der Startplatz verhüllt sich leider in Wolken. Obwohl, ich denke man könnte
rausfliegen, mit GPS wäre das sicher kein Problem. Doch es geht lange, bis
wir ein paar Flieger ausmachen können.
Es findet ein Wettbewerb statt. Wer am genauesten in der Mitte des Zirkels
landet, gewinnt einen Schirm nach Wahl! Dies lockt natürlich viele an und
etliche schreiben sich ein. Wieviele es sind, finden wir zwar nicht heraus,
aber es müssen so um die 80 Piloten sein. Ein jeder zahlt 35 Euro (!!!)
Einschreibgebühr und wird dafür hochgefahren. Da die eigentliche Strasse,
welche zum Startplatz hochführt extrem schlecht ist, ist sie nur mit einem
4x4 befahrbar. Und es heisst zudem, dass alle, welche nicht am Wettbewerb
teilnehmen, nicht fliegen dürfen! Krass, voll daneben. Irgendwann am
späteren Nachmittag wird dann doch geflogen.
Was aber geht und wovon Dominik Gebrauch macht, ist, sich Testschirme zu
borgen, um diese am tieferen Startplatz, an der hinteren Spiaggia
auszuprobieren. So kommt er und auch etliche andere zu einigen schönen und
coolen Flügen.
|
Gianfranco
und Lucio sind ebenfalls gekommen. Sie stellen ihr Zelt neben den VW-Bus von
Dominik. Auch Gimmy und seine Rita treffen wir an. Gianluco treffe ich am
Decollo Basso an und Lillo, ebenfalls von Milazzo an einem der Stände. Richtig
schön, diese Leute noch einmal zu treffen. Auch wenn ein gewisser Fliegerstress
herrscht.
|
Ein
paar Mal fahre ich mit dem VW-Bus zum Decollo Basso, den Bus gefüllt mit
Piloten.
|
Am
Decollo Basso ist was los. Der Platz ist beschränkt und es heisst, fleissig
anstehn. Dafür ist es spannend, all diese Typen zu beobachten, wie sie
rauskommen. Die einen super, die anderen weniger und bei gewissen fragt man
sich, ob die überhaupt dürfen...
|
Das
Meer ist türkisblau. Zum schwarzen Strand - ein herrlicher Kontrast.
|
Einmal
fahre ich Dominik und noch einen Typen, Gabriele, über die Asphaltstrasse hoch
und wir laufen zusammen den Rest der Strecke hoch zum Startplatz. Der Weg ist
steil und die Herren haben schwer an ihren "leichten" Fluggeräten zu
tragen. So weiss man wieder, wieso Gleitschirmfliegen ein Sport ist.
|
Am
Montagabend gehen Dominik und ich ein letztes Mal auswärts essen. Der Abschied
ist nah und er fällt uns beiden nicht so leicht.
Für etwa 4 Monate waren wir gemeinsam unterwex, verbrachten den Winter in
Sizilien und Kalabrien, haben viel miteinander erlebt
und gesehen. Insgesamt sind wir beide mehr oder weniger ein Jahr lang immer
unterwex gewesen, immer in Bewegung.
Er wird weitergehen,
ich werde mich wieder niederlassen. Für wie lange, das weiss niemand, auch wir
nicht. Es wird aber mit Sicherheit spannend werden.
|
4. Mai 2004, Praia a Mare - Sperlonga (ca. 150 km
südlich von Rom)
Heimreise, 1. Teil: Verlasse den Mezzogiorno
Das Womo ist schnell startklar. Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück
breche ich auf. Das Himmel ist verhangen, ideal zum Reisen. Dominik bleibt hier
und hofft auf besseres Flugwetter.
Ich fahre mehr oder weniger alles der Autobahn entlang nach Norden. Schon nach
Solerna bricht die Sonne durch und es wird sogar richtig heiss. Erst nach Napoli
verlasse ich die Autobahn und fahre ans Meer runter um in Sperlonga meinen
Übernachtungsplatz aufzusuchen. Kein Womo da, nur ich. Die Spiaggia ist
inzwischen teilweise mit Liegestühlen "verziert", aber trotzdem
immer noch wunderschön. Auch sind immer noch nur wenige Leute unterwegs. Ganz feiner Sand und die untergehende Sonne über dem
Meer - ist doch einladend. Beim Zurückgehen fällt der Blick auf das Dorf
Sperlonga, welches, fast ganz in Weiss, direkt am Meer auf einem Hügel trohnt.
Zorro ist todmüde vom Autofahren. Wir machen lange Pause, ich schreibe, er
schläft. Später machen wir einen Spaziergang zum Dorf. Ich treffe auf einen
Deutschen, der zu Fuss unterwex ist. Gestartet in Brindisi geht er bis nach Rom.
Auf alten Wegen aber wohl des öfteren auch entlang der befahrenen Strassen. Er
erzählt, dass er sich immer in jeder Gemeinde, in der er für die Nacht
ankommt, beim Pfarrer anklopft, der ihm üblicherweise die
Übernachtungsgelegenheit besorgt. Doch hier in Sperlonga sei er das erste Mal
angebrannt. Der Pfarrer hätte ihn schon gar nicht erst empfangen. Er wird die
Nacht draussen verbringen. Sehr kalt ist es ja nicht, auch wenn es vom Meer her
ziemlich windet.
Bis am Abend sind weitere fünf Womos aufgetaucht. Ein Franzose, der Rest Italos.
Ich stelle fest, dass ich nicht mehr französisch sprechen kann. Es ist doch
immer das gleiche Elend. Kommt man mit der einen Sprache ein wenig zurecht, so
huddelt man mit der anderen was zusammen. Ausser Englisch, das bleibt immer etwa
gleich gut bzw. schlecht.
In der Nacht fängt es an zu regnen. Ob der Wanderer wohl einen trockenen
Unterschlupf gefunden hat?
|
5. Mai 2004, Sperlonga - Greve in Chianti (ca. 30 km
südlich von Firenze)
Heimreise, 2. Teil: An Rom vorbei und in rein in die Toskana
Die Strasse von Sperlonga über Latina nach Rom ist arg befahren und ich komme
nur schlecht voran. Erst auf der Autobahn geht es flüssig. Die Umfahrung Roms
geht einfach. Firenze ist klar ausgeschildert.
Mache immer wieder mal Stopps, um meine und Zorros Beine zu vertreten. Ansonsten
fahre ich meist brav zwischen den Lastwagen auf der rechten Spur mit knappen 90
km/h.
Kurz vor Firenze verlasse ich in Incisa in Val d'Arno die Autobahn und fahre
über die Monti del Chianti rüber zur S222, der Chianti-Strasse. So habe ich
wenigstens einen Hauch von der Toskana bekommen.
In Greve in Chianti gibt es einen offiziellen Stellplatz für Womos, den ich mir
für diese Nacht ausgesucht habe. Er ist ein wenig abseits der Strassen, also
ruhig und ringsherum ist es schön grün. Etliche Womos stehen hier. Ein - zwei
Deutsche, einige Franzosen, Holländer und Italiener. Schweizer habe ich bis
jetzt auf meiner ganzen Reise kaum angetroffen.
Es regnet immer wieder ein wenig. Angenehm, dass es wenigstens für den
Spaziergang durchs Dorf trocken bleibt. Aber in der Nacht giesst es wieder wie
aus Kübeln. Ich geh beizeiten ins Bett, denn morgen will ich früh raus und
Strecke machen.
|
6. Mai 2004, Greve in Chianti - Steinhausen
Heimreise, 3. Teil: Über die Strada di Chianti um Milano herum und durch Schnee
nach Hause
Wunderschön!
Ich fahre um 6.30h los und erlebe das Erwachen der Natur auf der Strasse des
Chianti, welche nordwärts direkt auf Firenze zuhält. Alles ist in frischem
Grün, noch nass vom Regenwetter, die soeben hervorgekommene Sonne ringt mit
den noch schwarzen Wolken, scheint in die Nebelschwaden, welche das Land noch
teilweise bedecken. Ein Zauber! Wundervoll diese Gegend. Bestimmt werde ich
hierher zurückkommen, um in Musse und mit viel Zeit, die Landschaft zu
entdecken. Doch jetzt will ich nach Hause. Die innere Ruhe zum Bleiben habe
ich nicht. Ausserdem bin ich voll von südlichen Eindrücken, welche ich nicht
mischen will mit anderen, welche so verschieden davon sind.
Ich komme so gut voran, dass ich um 12h schon um Milano herumfahre. Kurze Zeit
später bin ich über der Grenze, versehen mit einer Autobahnvignette. Ich
entscheide mich, den Rest der Strecke auch noch auf mich zu nehmen. In Airolo
liegt Schnee und nach dem Tunnel ist es nass und dunkel. Schneeresten liegen
links und rechts der Strasse. Was für ein Willkommenswetter für meine
Heimkehr!
Um 17h komme ich in Steinhausen an. Nicht einmal sosehr müde. Ich geniesse
das Abendessen bei meiner Mama und den ruhigen Abend Zuhause. Mein Reise durch
Italien ist zu Ende. Bella Italia, schön, dich besser kennengelernt zu haben!
Schön auch, dass du so nahe bist, dass man dich immer wieder mal besuchen
kann, was ich ganz bestimmt machen werde...
|
|

Chronologisch
geht es hier weiter: Reisebericht Spanien 2004, Teil 1
|
|