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Kalabrien 2004/7

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Reisebericht Italien 2004-7 Kalabrien
 

31. März 2004, Scilla
Schlechtwetterecke

Es scheint, als ob der oder die verantwortliche Wettergott/-göttin nicht gut gesinnt ist. Schon als wir im letzten Jahr, im Dezember, hier waren, hat es geregnet wie blöd. Jetzt regnet es zwar nicht, auch ist es mild, aber es ist verhangen und wirkt grau und unfreundlich.
Als wir gestern ankamen, haben wir zuerst einmal die Vehikels platziert. Ganz links, wenn man runterfährt, am Lungomare stehen wir ein bischen abseits und die Wohnhäuser sind etwas zurückversetzt. So stören wir niemanden und niemand stört uns.
Gleich neben uns auf der hinteren Strassenseite stehen nebst anderen Fischerbooten zwei venezianische Gondeln. Wohl hatte jemand die glorreiche Idee, diese zu restaurieren. Dringend nötig hätten sie es. Trotzdem sehen sie auch in diesem elenden Zustand majestätisch aus, wenn auch fremd unter den dickbauchigen bunten Fischerbooten.
Als wir gestern noch ein Gelati essen gingen, war ein Girl von etwa 11-12 Jahren dort, die einen Narren an Zorro gefressen hatte. Sie zupfte so lange an seinen Beinen und seinem Schwanz herum, so dass er immer nervöser wurde, bis ich ihr schliesslich sagte, sie solle aufhören. Doch immer wieder fing sie an, an ihm rumzufingerln. Ein paar Mal ging das Spiel so, ich sagte ihr aufhören und sie fing wieder an. Genug hatte ich von ihr, als ich ihr Zorro wegzog und sie seinen Schwanz festhielt. Oh, wie sie mich böse anschaute, als ich sie puffte und die Leute ringsherum ebenfalls. Blödes Lisi! 

Heute Vormittag fuhren wir zur grossen Antennenstation hoch, um einen angeblichen Startplatz zu suchen. Dort oben befinden sich aber so viele Stromdrähte und das Gelände ist ein einziges dorniges und sperriges Dickicht, dass man allerhöchstens mit einem Delta rauskönnte.
Wir fuhren wieder runter, um am Meer im Womo Mittag zu essen. Morgen Abend wollen wir zur Feier des Tages: Ein Jahr unterweX!, Fisch essen gehen. Allerdings nicht ins Restaurant Ulisse, obwohl das Schild mir besonders gut gefiel, sondern ins Al Pescatora. Dort haben wir gestern den Kellner kennengelernt und ihn auch heute wieder angetroffen. Mal schauen, ob ich hier den berühmten Schwertfisch probieren werde.
Am Nachmittag gehen wir noch einmal los, um den anderen Startplatz bem "Pilone", dem ehemaligen Strommasten, welcher Sizilien an das Stromnetz des Festlandes anschloss, zu besichtigen. Mächtig stehen die beiden Pilone da und überwachen scheinbar den Stretto. 
1. April 2004, Scilla
Hundehass

Der 1. April versinkt im Regen, komplett. Trotzdem machen wir uns auf einen Spaziergang rings um den Felsen von Scilla und genehmigen uns als Belohnung im Dorf oben einen Caffé und Süsses. 

Vormittags war ich im nahen Internet-Café und konnte wieder einmal die Ergänzungen zur Internetseite uploaden. 

Während wir später im Womo sitzen sehe ich den kurzbeinigen Hund, mit dem Zorro vor noch knapp zwei Stunden draussen rumgetollt hat am Strand liegen. Ein Mann steht bei ihm und redet auf ihn ein. Ich kann nicht genau sehen, was los ist, denn die Regentropfen auf der Scheibe verwischen die Sicht. Als ich rausgehe bestätigt sich meine Befürchtung, dass es dem Hund, Roco, gar nicht gut geht. Er hat was Vergiftetes gegessen. Er erbricht und es schüttelt ihn durch und durch, Schaum kommt ihm aus dem Maul. Der Mann versucht telefonisch einen Tierarzt zu erreichen, hat aber kein Glück. Die Leute von den Häusern hinter der Beach kommen ebenfalls und einer erzählt mir, dass seit ein paar Tagen/Wochen von irgendwem Giftköder ausgelegt werden. Bereits fünf Hunde seien tot und mit Roco seien sie letzte Woche schon einmal akut beim Tierarzt gewesen. Dieser hat das Erbrochene untersuchen lassen und darin Pestizide festgestellt.

Der so hässliche aber umso liebenswürdigere Hund entfernt sich immer mehr von uns und kämpft sichtlich gegen das Gift. Immer wieder kippt er um und einmal denke ich, jetzt ist es aus. Aber er kommt immer wieder auf die Beine und irgendwann läuft er, immer wieder von Schüttelschüben unterbrochen, wieder zum Haus hinauf.
Wir gehen rein, ich bin ziemlich schockiert. Kein schönes Zusehen, wenn ein Hund fast draufgeht. Wir diskutieren darüber und kommen zum Schluss, dass die Hundehaltung hier, sprich: viel zu viele Hunde, keine Kastrationen, genau jene provoziert, welche nicht zimperlich sind und sich der Hunde auf die gleiche Methode entledigen wie der Ratten, nämlich mit Gift. Aber manchmal gibt es ja auch Hundehasser, die einfach Freude daran haben, zu sehen, wie ein Hund draufgeht.
Eine andere traurige und auch beängstigende Tatsache ist die, dass vor kurzem das Gesetz für die Hundehaltung in Italien sich diesbezüglich geändert hat, dass Hunde einer bestimmten Rasse (Rottweiler, Dobermänner usw.) nur noch mit Maulkorb ausgeführt werden dürfen. Das hat dazu geführt, dass sich verschiedene betroffene Hundebesitzer ihrer Hunde entledigt haben, indem sie sie in den Bergen und im Wald ausgesetzt haben. Dies wiederum lockt die Hundehasser und -jäger auf den Plan, welche sich nicht scheuen, mit Giftködern das Problem zu erledigen. Ein Schande und ein endloses Hin und Her. Ich habe den Eindruck, es existiert kaum Interesse, um das Übel an der Wurzel anzupacken, indem man das Bewusstsein für die Verantwortlichkeit von Hundehaltung schärft.

Es hätte genauso Zorro treffen können und es ist ein Horror, mir das vorzustellen! Hier an diesem Strand werde ich ihn nicht mehr frei laufen lassen und wenn, dann nur unter grösster Aufsicht. Aber ich weiss natürlich, dass mir das an einem anderen Strand oder auf einer Wanderung ebenso blühen kann. Viel dagegen machen kann ich nicht. Ich müsste ihn permanent an der Leine lassen und nicht einmal dann kann ich jeden seiner Schritte überwachen. Und das Fressen von der Strasse kann ich ihm nicht abgewöhnen. Ich müsste dazu drastisch vorgehen und dann wäre es noch unsicher, ob es gelingt. Auf der anderen Seite sage ich mir, dass Risiken existieren. Gewisse kann ich minimieren, andere ganz bannen und wieder andere ganz und gar nicht. Das Schicksal hat auch hier seine Finger mit im Spiel und ich hoffe sehr, dass diese Macht es gut mit mir und Zorro meint.

Der Besitzer von Roco mit ihm hinterher kommt vorbei und meldet, dass es Roco besser geht. Ich bin heilfroh, dass er es überstanden hat. Trotzdem, es bleibt gegenwärtig. Welchen Hund oder welche Katze trifft es als nächstes? 
Am Abend gehen wir ins Al Pescatore, um unser 1-jähriges Jubiläum zu feiern. Dort sitzt Christina, welche ich am Vormittag schon im Internet-Café angetroffen habe. Wir setzen uns zu ihr und Aldo, der dort serviert, tischt uns ein leckeres Abendessen auf. Eine feine Muschelsuppe als Vorspeise, einen gebratenen Fisch für Dominik, eine gemischte Fischplatte für Christina und Spagetti con Vongole für mich. Dazu Weisswein und zum Dessert ein Tiramisu und ein Zitronenmousse. 

Wir sind die letzten Gäste, die gehen und nehmen Aldo mit in die nächste Bar. Eine witzige Bar mit zig Vinyl-Singles an der Wand von allen musikalischen Grössen zwischen den Beatles und Jimmy Hendrix. Die Musik ist gerade noch nicht so laut, dass man sich unterhalten kann. Wir verbringen einen lustigen und unterhaltsamen Abend und fallen wieder einmal, seit langem, nach Mitternacht todmüde ins Bett. 
2. April 2004, Scilla
Warten auf das bessere Wetter, welches nicht in Sicht ist aber doch noch kommt 

Eigentlich haben wir mit Christina abgemacht, zusammen zu frühstücken, aber sie lässt sich nicht blicken. Ich glaube, die ganzen Andeutungen, von wegen Frühstück ans Bett bringen hat sie so gedeutet, dass wir es nicht ernst meinen. Schade, so frühstücken wir halt alleine. Aldo kommt für einen Café vorbei. Um zehn muss er wieder zur Arbeit.

Mit Dominik gehe ich nochmal ins Internet-Café. Er will seinen Pressetext verschicken. Doch der Eigentümer des Computers hat irgendeine Einstellung vorgenommen, welche es verunmöglicht, eine Verbindung ins Netz herzustellen. 

Der Himmel ist weiterhin komplett verhangen. Es regnet zwar nicht, aber es sieht aus, als wenn es jeden Moment losgehen könnte.

Wir fahren trotzdem nach Bagnara, vielleicht tut sich ja was am Himmel. Und tatsächlich, kaum sind wir am Startplatz oberhalb des Ortes, da reisst der Himmel auf und Dominik kommt zu einem wunderschönem Flug über dem Ort und dem Meer und landet unten am Strand. 
Als wir kurze Zeit später mit einem Wohnmobilisten reden, welcher an "unserem" früheren Ort steht, sehen wir noch einen Gleitschirmflieger über uns wegfliegen und weiter vorne am Strand landen. Natürlich gehen wir gleich hin, um zu sehen, wer es ist. Ein Typ namens Gianfranco, der sich hier gut auskennt. Zwei andere Typen interessieren sich für einen Tandemflug, welche Gianfranco ebenfalls macht. So hängen wir eine Weile auf der Piazza rum, parlieren und geniessen das schöne Wetter, welches sich so unverhofft aufgetan hat. 

Leider scheitert später unser Versuch, die Files von Dominik in Bagnara hochzuladen, weil hier das CD-Laufwerk blockiert ist. Kein Glück mit Uploaden heute! 
Wieder zurück in Scilla finden wir Christina am Meer unten lesend. Wir gesellen uns zu ihr und geniessen die letzten Sonnenstrahlen. 

Dieses Wochenende ist hier im Dorf ein grosses Fest für den heiligen Franziskus angesagt. Und tatsächlich geht ein Feuerwerk los, als wir zu der Menschenversammlung hinlaufen. Ich erschrecke ziemlich, denn im meinen Augen sieht es aus, als ob das Feuerwerk mitten unter den Leuten hochgeht. Und es ist auch so, aber Anstoss daran nehmen offenbar nur wir. Mit Zorro muss ich zurück, ihn ängstigt die Knallerei und es hilft auch nicht, dass zig Mädels ihn streicheln und liebkosen. 

Die Franziskusstatue wird auf einer Bahre ans Meer getragen und dann, begleitet von einer Kappelle, den Menschen und natürlich dem Pfarrer mit seinen Gehilfen und Minestranten, auch durch das ganze Dorf. Sie kommen genau in dem Augenblick an unserem Womo vorbei als Dominik duscht und das Schaumwasser unten aus dem Womo läuft. Aber auch das stört niemanden, nur die Minestranten lachen und machen ihre Witze. 
3. April 2004, Scilla
Über den Stretto gesegelt

Ein herrlicher Tag bricht an. Und das nachdem die Prognose so schlecht aussah! Wir frühstücken draussen, ich dusche anschliessend und kann die Haare bequem an der Sonne trocknen lassen.

Während die Hunde (von mir gut beaufsichtigt) am Strand rumtoben, setze ich mich zu dem polnischen Girl, welche zusammen mit ihrer Hausmama auf der Bank neben dem Womo sitzt. Sie arbeitet seit letztem Sommer hier bei der Nonna und erzählt mir von ihrem Leben hier, von der Nonna, welche pazza, verrückt, ist und schon einmal mit dem Messer auf sie los ist, von ihren Freundinnen und den kalabrischen Männern.

Um elf kommt Gianfranco mit einem Freund und die drei ziehen los, um den einen Startplatz Dominik zu zeigen, wenn schon nicht geflogen werden kann!
Ich bleibe hier, geniesse die Sonne, das Rumhängen, in Ruhe zu Lesen und einfach nur den Menschen zuzuschauen.

Die Herren kommen zurück und Gianfranco lädt uns auf sein Segelschiff ein. Er hat eine hübsche Yacht im Hafen von Reggio. Alles ist technisch sehr gut ausgerüstet. Er hat z.B. eine Automatik, die ihn in eine bestimmte Richtung oder mit einem bestimmten Wind, z.B. von hinten segeln lässt, ohne dass er dazu das Steuer anfassen muss. Dazu rieselt schöne Musik aus den Lautsprechern und macht den Genuss motorenfrei zu segeln perfekt.
Er hängt sogar eine Hängematte auf, die einen ziemlich durchschüttelt. Dominik hält das gut aus, aber bei mir fängt der Magen an zu rebellieren. So eine Schande. Es scheint, ich vertrage das Schaukeln nicht. Mein Unwohlsein hält sich zwar in Grenzen, verdirbt aber doch den vollen Genuss.

Zorro hingegen hat keinerlei Probleme auf dem Wasser. Er spaziert sogar ungeniert nach vorne und wieder zurück und schaut sing alle Handgriffe, die Gianfranco macht haargenau an.

Nach zwei Stunden sind wir wieder zurück und perfekt in einem Schwung "parkiert" er das Boot an der Hafenmauer. Nicht schlecht! Wir bedanken uns recht herzlich für die flotte Einladung und machen auf morgen ab, um eventuell zu fliegen.
4. April 2004, Scilla
Durch den Nebel an die Sonne 

Sonntag! So langsam wird es immer milder und milder. Wir sind meist barfuss unterwex und brauchen kaum mehr die Windjacke. Aber nach Flugwetter sieht es nicht aus. Frühstück draussen auf dem Strand liegt aber alleweil drin. 

Gegen Mittag kommt Gianfranco mit einer Freundin, Anja und deren Tochter Sarah für einen Spaziergang vorbei. Wir trinken den Café im Womo und fahren dann später alle mit dem VW-Bus zum alten Startplatz über Bagnara. 
Obwohl fast kein Wind herrscht und sich Nebelwolken um die Hänge schlängeln beschliessen die beiden einen Flug zu machen. In dem Moment, wo beide draussen sind, macht unten der Nebel ganz zu. Von oben sieht man den Strand und das Dorf nicht mehr und es sieht aus, als wenn die Gleitschirme vom Nebel verschluckt werden. 

Als Anja und ich Gianfranco und Dominik unten finden, strahlen die beiden über beide Ohren. Es war scheinbar ein lohnender Flug mit speziellem Effekt, durch die Nebelschwaden zu fliegen! Hier unten scheint wieder die Sonne. 

Wir schlendern durch Bagnara. Es hat jede Menge Volk und glücklicherweise Abschnitte, welche für den Verkehr gesperrt sind. So kann man doch das Bummeln geniessen und die kleine Sarah scheint es ebenfalls auszunutzen und rennt immer wieder quietschvergnügt voraus. 

Am Abend gehen Dominik und ich zu Aldo ins Al Pescatora um Abendzuessen. Einen grossen Lupo für Dominik, Spagetti mit Schwertfisch und Cozze für mich. Natürlich lassen wir uns auch das Tiramisu nicht entgehen und sind dann ziemlich überladen, als wir nach Hause spazieren. Dominik bezahlt das mit einer unruhigen Nacht, er wälzt sich und kann später nicht mehr einschlafen. 
5. April 2004, Scilla
Und noch ein Nebelflug über Bagnara

Der Morgen ist so faul und herrlich träge, wie es sich gehört für Süditalien. Der Vormittag geht rum, ohne dass man weiss, was man gemacht hat... 

Unsere Nonna vom hinteren Quartier sitzt wie jeden Morgen auf der Bank neben uns, zusammen mit Catharina, der Polin, welche bei ihr arbeitet. Es ist lustig mit ihnen zu schwatzen, obwohl ich die Nonna kaum verstehe in ihrem kalabresischen Dialekt. 

Nach dem Mittag treffen wir uns mit Gianfranco und fahren hoch zum Startplatz über Bagnara. Zwei sind schon oben und können schön aufdrehen. Sie fliegen sogar rüber zum Belvedere und können sich einige Zeit halten. Dominik hat weniger Glück und ich hole ihn und Gianfranco unten am Strand ab um noch einmal hochzufahren. Als wir oben ankommen braut sich dichter Nebel zusammen. Sie beeilen sich, um rauszukommen. Von meinem Standort aus sieht es nicht gerade gut aus. Die beiden verschwinden immer wieder hinter Nebelschwaden und aus meiner Sicht. Aber anscheinend war es gefahrlos, Dominik befand sich immer unterhalb der Nebelbank und hatte immer freie Sicht auf die Beach. 

Später schauen wir uns die Videos an, die Gianfranco von Delphinen im Stretto und von seiner Yacht gemacht hat. Auch Basejumper von der Brücke bei Bagnara hat er aufgenommen. Verrückte Kerle! Springen ins Leer nur mit einem kleinen Fallschirm in den Händen, um den nach wenigen Sekunden von sich zu werfen. 
6. April 2004, Scilla
Startplatz der keiner ist

Gianfranco kommt mit Salvatore, ein Musikprofessor aus Reggio und alleinerziehender Vater (!!). Ziemlich unkonventionell für Süditalien. 

Den Startplatz, den wir heute ausprobieren ist jener, welcher erst einer sein wird, wenn er komplett gerodet ist. Im Moment ist er voll mit runtergebranntem Erika. Die harten Stickel sind auf dem relativ stark abfallendem Gelände (da weiter hinten die Stromkabel rüberführen) voll mühsam. 
Dafür ist die Sicht heute einsame Spitze! 

Gianfranco schafft es relativ gut rauszukommen, er hat auch noch guten Aufwind erwischt. Aber Salvatore müht sich noch und noch ab und des Gehäder mit Schirm und Leinen wird immer schlimmer. Auch Dominik kommt gut raus, abgesehen von einem Holz, dass ihm einen kleinen Knoten in die hinteren Leinen macht, welches er aber selber rauslösen kann. Auch wenn es ein direkter Flug runter nach Scilla wird, war es doch immerhin ein Flug über diese hübsche Stadt und dem "Heimatstrand". 

Den späteren Nachmittag überlasse ich den dreien alleine. Ich will ein bisschen für mich sein, draussen sitzen, lesen und geniessen. 
7. April 2004, Scilla
Wanderung durch den Parco Nazionale dell'Aspromonte

Ah, draussen frühstücken ist inzwischen schon ganz normal! Cool! Hoffentlich bleibt das so! 

Endlich wieder einmal Wandern! Wir fahren ins Aspromonte-Gebiet, welches vor allem durch seine endlosen Wälder gekennzeichnet ist. Im Büro der Parkverwaltung frage ich nach Karten, um zu wandern und bekomme nebst guten Kopien vom Gebiet Infomaterial zum Abwinken: Postkarten, Broschüren, Illustrierte, Multimedia-CD und sogar ein Buch! Die sind so freundlich! 

Die Wanderung führt uns wirklich durch endlos scheinende Wälder. Immer sanft den Bergrücken hoch. Leider landen wir wo ganz anders, als geplant und so müssen wir ein Stück desselben Weges wieder zurück. Am Monte Scirocco sind Skilifte installiert und die Skipisten sind eine Art Feuerschneisen quer durch den Wald. Ein herrlicher Tag ist es, den wir für unseren Geschmack ein bischen zuviel im Wald verbracht haben. Aber gut getan hat es trotzdem und die Sicht auf dem Heimweg nach Scilla über die Piani dell'Aspromonte ist wunderschön und sehenswert. 

Wir haben schon wieder neue Nachbarn. Diesmal ein junges Paar aus Rom mit Hund. Immer wieder trifft man so Menschen von überall. Meist nur für kurze Zeit aber immer spannend. 

Der Strand hat sich verändert. Starke Wellen haben den untersten Teil abgeflacht. Extrem, wie die Wellen, das Wasser, Landschaften verändern können. 
8. April 2004, Scilla
Dolce Far Niente am Strand von Scilla, zum Ersten

An diesem Tag habe ich so ganz und gar nichts getan, dass ich heute, zwei Tage später, keine Ahnung mehr habe, was so im Detail geschehen ist. Sicherlich habe ich Spaziergänge mit Zorro gemacht, habe mit Jürgen über das Leben philosophiert und den Strand genossen, aber sonst? Na, ja, eben Dolce Far Niente!  
9. April 2004, Scilla
Tausend Startplätze und null Flug

Mit Gianfranco fahren wir ins Landesinnere Kalabriens. Es ist Scirocco drin, und er kennt mindestens einen Startplatz, der bei Scirocco geflogen werden kann. Die Fahrt ist wunderschön. Zuerst kommen wir auf eine Hochebene auf der zig Kastanienbäume stehen. Schon interessant, wie jeder Flecken seine spezielle Anbautradition hat. 

Wir kaufen Brot, Salami und Käse ein und fahren weiter. Schnell stellen wir fest, dass hier im Landesinneren, auf rund 1000m kein Scirocco spürbar ist. Zwar ist die Wärme (25°!) da, aber es windet überhaupt nicht. Diverse Plätze suchen wir auf. Viele müssten erst mal vom Unterholz befreit werden. Aber so oder so, ohne Wind und auch ohne Thermik, denn die Sonne hat sich hinter Wolken verschanzt, macht Fliegen keinen Spass! 

In einer Kurve packen wir unser Pic-Nic aus, geniessen die Aussicht und das leckere Essen. 
Auf der Fahrt hinunter ins Tal fallen mir die Olivenhaine auf, in welchen man Netze zur Ernte ausgebreitet hat. Als ich die Netze inspiziere stelle ich tatsächlich fest, dass sich schwarze Oliven darin befinden. Ob nun diese Sorte später geerntet wird oder was finde ich leider nicht heraus. 
Ein Orangenbaum lockt mit seinen Früchten und Gianfranco klettert über die Mauer hinunter, um noch mehr davon zu holen. 

Er sagt, es gäbe ein ungeschriebenes Gesetz, welches besagt, dass man von den greifbaren Früchten soviel nehmen darf, wie man essen kann, bzw. alle, welche man sofort isst, dürfen gepflückt werden. 
Wir pflücken dann allerdings einen ganzen Sack voll, weil diese Orangen superreif und daher superfein sind. 
Eine Karfreitagsprozession kommt uns in einem Dorf entgegen. Da der Verkehr für diese kurze Zeit angehalten wurde, platzieren auch wir uns am Rand der Strasse und schauen zu, wie sie die Jungfrau Maria und einen Jesus im Glassarg die Strasse hoch tragen. Es wird gesungen und gebetet. Vor allem Frauen und Kinder laufen mit. Ein paar Männer tragen die Barre und alles wirkt sehr ernst. Da es ganz und gar nicht touristisch aufgemotzt ist und wir per Zufall quasi darübergestolpert sind, geniesse ich das Spektakel und freue mich über das Erlebnis.  
Entlang der Südküste führt unser Weg langsam nach Hause. Am Capo dell'Armi machen wir nochmals Halt um einen letzten Startplatz, der bei Scirocco fliegbar wäre, zu besichtigen. Doch hier weht der Wind leider zu stark! Die Küste fällt hier stark ab und der Blick über die Kante ist ziemlich eindrücklich. 
Am Ende dieses schönen Tages schauen wir noch kurz bei Gianfranco vorbei. Er wohnt im eigenen Haus in Reggio Calabra, mitten im historischen Zentrum. Auf der Terasse oben genehmigen wir uns ein Bier und lassen uns über die Häuserpreise usw. aufklären. 
10. April 2004, Scilla
Dolce Far Niente am Strand von Scilla, zum Zweiten

Was ich noch von diesem Tag weiss, da ich ein Foto davon habe, ist, dass ich zur Kirche hoch bin und den Engel fotographiert habe, der gross und so ungewöhnlich weiblich hinter und oberhalb des Altars an der Wand prangt! Keiner kann mir aber erklären, wieso hier ein weiblicher Engel, der grösser als Christus und Maria, als alle anderen Heiligen hier in der Kirche die bestimmende Figur ist. 
11. April 2004, Scilla
Kreation eines neuen Startplatzes über Scilla

Dominik, Jürgen und ich fahren zum neuentdeckten Startplatz über Scilla hoch. 

Mit Beil und Handschuhen versehen, befreien wir diesen an sich wunderbaren Startplatz von Brombeeren, Sträuchern, Ästen und auch einem kleinen Baum. Der Nebel umschwirrt uns, während wir, trotzdem schwitzend, uns alle Mühe geben. 

Nach einiger Zeit ist immerhin ein gleitschirmbreiter Platz relativ sauber und Dominik legt seinen Schirm aus. Während wir die Leinen sortieren, kommt noch dieses und jenes Gestrüpp mit. 
Der Wind bzw. die Thermik lässt sich allerdings nicht blicken. Sozusagen kein Lüftchen. Ab und zu kommt ein ganz klein wenig die Hänge hoch und so ein Lüftchen nutzt Dominik, um den Schirm aufzuziehen. Er fliegt raus und kann immerhin über Scilla eine Runde drehen, bevor er unten auf dem Strand landet. 

Am Nachmittag füllt sich der Lungomare nach und nach mit Menschen. Es ist Ostersonntag und alles flaniert dem Strand entlang, macht Pic-Nic und geniesst das milde und schöne Osterwetter. Auch mehr und mehr Wohnmobile tauchen auf, aber es hält sich in Grenzen. Insgesamt stehen mittlerweile so gegen 8 Womos hier am Strand. 
Am späteren Nachmittag taucht Gianfranco mit Anja und ihrem Mann und ihrer Tochter Sarah auf. Wir sitzen eine Weile am Strand und schauen zu, wie Sarah sich immer wieder über den Strand auf und davon macht. 

Die Nacht bringt böigen Wind und lässt das Womo arg schaukeln. 
12. April 2004, Scilla
An die Ionische Küste und in die Berge

Der Ostermontag bringt leider nicht so tolles Wetter. Der Himmel bleibt verhangen und dunkel. Schon am frühen Morgen bevölkert die Jugend den Strand. Überall entstehen kreisförmige Pic-Nic-Plätze am Strand mit Gruppen von jungen Leuten, die Volleyball spielen, essen, rumtollen, Musik hören und parlieren.

Ein Womonachbar aus Frankreich erzählt, dass bei ihm gestern Abend ein Einbruchversuch unternommen wurde. Das Panoramafenster ging dabei kaputt, während man versuchte einzudringen, allerdings erfolglos. Sie standen auf der anderen Strassenseite, das Fenster dem Verkehr und Volk abgewandt. Na, ja, ich stelle mir vor, dass nun wohl auch diese Saison wieder angefangen hat.

Eigentlich versprach der Tag ein Dolce Far Niente zum Dritten zu werden, doch weit gefehlt. Gianfranco kommt mit Anja, ihrem Mann und ihrer Tochter und noch einem Girl. Sie wollen rüber auf die andere Seite von Kalabrien. Gianfranco erzählt wie toll der Ort ist, wo sie hingehen und ich müsse unbedingt mitkommen. Obwohl ich keine grosse Lust habe, im Osterverkehr stecken zu bleiben und überhaupt den Tag im Auto zu verbringen, lockt die Alternative, hier am Strand unter einer Masse von Volk bei bewölktem Himmel zu sein halt eben auch nicht. Und so befinden Dominik, Zorro und ich uns bald in einem komfortablem Van von Luccio, ebenfalls ein Freund von Gianfranco. 

Es geht quer durchs Land, durch Wolken, Nebel und Regen. Auf der anderen Seite des Tunnels, welcher zuoberst bei der Durchquerung des Landes hilft, Strecke zu machen, kommen wir auf die sonnige Seite. Wunderbar, ein weites Tal, von Sonne überflutet! Die Fahrt führt weiter dem ionischem Meer entlang, welches grünlich und heftig unter dem Sciroccowind an die Küste brandet. Etliches weiter nördlich führt eine Strecke ins Landesinnere, nach Stilo, einem Bergdorf, welches wunderschön unterhalb eines hohen Felsens am Berg klebt. 
Bevor wir aber dort hinauf fahren machen wir Halt, um etwas zu essen. 
Dann führt die Strasse uns nach oben zum Dorf und weiter bis zur Grotte. Natürlich halten wir immer wieder an, ob eventuelle Start- und Landeplätze zu begutachten. Aber der Scirocco bringt so unberechenbare Winde ins Landesinnere, dass man das Fliegen bald einmal vergisst. 
Wie vorausgesehen, machen wir leider kaum einen Meter zu Fuss. Selbst zur Grotte, welche nur wenige hundert Meter entfernt ist und welche zu Fuss um einiges schneller erreicht werden könnte, denn eine Hochzeitsgesellschaft bringt den Verkehr zum Erliegen, fahren wir per Auto. Zurück allerdings gehe ich und auch Dominik zu Fuss. 
Auf dem Heimweg, entlang der Ionischen Küste, machen wir einen kurzen Halt, um Bohnen, bzw. Ebsen zu kaufen. Das hat hier Tradition, dass zu Pasquetta, dem Ostermontag, Bohnen gegessen werden, und zwar roh. Man schält die Bohnen aus der grossen, etwa 20cm langen Hülle und dann schält man das Böhnchen noch einmal frei. 

Der Tag war zwar anstrengend und eben viel zu viel im Auto, aber doch herrlich vom Wetter und von der Landschaft her. 
13. April 2004, Scilla
Streckenflug vom Pillone nach Scilla

In Wirklichkeit ist hier ja immer Dolce Far Niente angesagt. Aber es gibt so Tage, wo ich später kaum mehr weiss, was ich alles getan habe und dabei hat es trotzdem selten Momente, wo ich in aller Muse ein Buch lese!

Auch heute kommt Gianfranco zum Fliegen vorbei. Obwohl der Wind noch ziemlich stark aussieht, wollen sie zum Pillone, um dort ihr Glück zu finden. 

Gianfranco startet in einem Moment, wo der Wind am Startplatz noch einigermassen geht. Zwei Minuten später hat es Windstärken von 30km/h. Das ist zuviel, um zu starten, vor allem in Anbetracht der Hochspannungsleitungen, welche kaum 20m weiter hinten, tief über dem Boden hängen. 
Doch irgendwann lässt der Wind wieder ein wenig nach und auch Dominik fliegt raus. 
Die beiden fliegen zusammen rüber nach Scilla. Der erste Streckenflug für Dominik hier an der Küste und sie fliegen hoch. Zwar kommt ein Helikopter ihnen ziemlich nahe und es steigt permanent, sogar weit draussen über dem Meer.  

Über Scilla's Piazza soaren sie eine Weile hin und her. Der Himmel ist zum Teil strahlend blau und dann wieder mit schwarzen Wolken versehen. Ein herrlich schöne Kulisse. 
Es wird ein Hochgenuss mit applaudierter Landung auf dem Strand von Scilla.
14. April 2004, Scilla
Dolce Far Niente am Strand von Scilla, zum Dritten

Frühstück draussen. Dominik flirtet ständig mit der Nonna und wir haben einen Riesenspass mit der alten Dame. Sie hat einen Humor, der zum Brüllen ist. Auf dem Foto hat sie gerade einen ihrer Pantoffeln ausgezogen, um ihn Dominik nachzuschmeissen, weil er er wohl wieder irgend einen frechen Witz erzählt hat.

Nun sind wir schon 14 Tage hier und können uns kaum lösen von diesem sensationell schönen Stellplatz. Aber für morgen, so haben wir abgemacht, wollen wir rüber ans Ionische Meer. Mal sehen. 
Am Nachmittag flogen Dominik und Gianfranco vom Neuen Startplatz rüber nach Bagnara ...
... und wieder zurück nach Scilla! Ein toller Streckenflug mit anschliessendem stündigen Soaring entlang der Piazza von Scilla! Ein Flug von insgesamt 2.22 Stunden!
Die Schirme werden bei Sonnenuntergang zusammengelegt und Dominik steht das Flugvergnügen noch im Gesicht, als ich ihn fotographiere.

Wir verabschieden uns von Gianfranco und bedanken uns bei ihm nochmals für die tolle Begleitung unserer Tage hier in Scilla, welche ohne ihn niemals so unvergesslich bleiben würden!
15. April 2004, Scilla - Staletti (südlich von Catenzaro, Ostküste Kalabrien)
Küstenwechsel, Abschied von Scilla

Heute, so haben wir abgemacht, werden wir unseren Stellplatz wechseln. Obwohl, es ist hart, Scilla zu verlassen. Jürgen verabschiedet sich als Erster. Auch er fährt wieder nordwärts, allerdings hat er etliche Kilometer vor, er will bis nach Salerno rauf. Wir hingegen wollen die Küstenseite wechseln und ans Ionische Meer rüber. Bei Staletti gibt es ein Fluggebiet. Ganz in der Nähe war ich ja ebenfalls schon, am 19. Dezember, vor ziemlich genau 4 Monaten! 

Nachdem wir bei Aldo waren, um uns zu verabschieden, nahmen wir noch ein letztes kaltes Bad in der Bucht von Scilla. Glasklar das Wasser! Aber auch arschkalt! Nicht für ein langes Planschvergnügen gemacht, aber dafür herrlich erfrischend! 

Auch von Todo, unserer Nonna und Catherina, dem polnischen Girl verabschiedeten wir uns. Dominik versprach im nächsten Jahr wiederzukommen, um sie (die Nonna) zu heiraten! 
Die Fahrt geht via Autobahn nach Norden und überquert das Land auf einer Superstrada von Rosarno im Westen nach Siderno im Osten. An der Ostküste, dem Mare Iono entlang, fehlt die Autobahn komplett. Die S106 fährt sich jedoch zügig. 

Zwischen Soverato und Catanzaro befindet sich Staletti, ein kleines Dorf überhalb der Klippen. Unten am Meer liegt eine ruhige Bucht, welche ideal zum Campieren ist. 
Der Wind bläst von der richtigen, sprich fliegertauglichen Seite. Dominik's Bitte, hoch zu fahren, um ein kleines Flüglein zu machen, schlage ich nicht ab. Gibt es doch immer wieder schöne Ecken zu entdecken. 

Dass es dann ein gerade traumhaft schöner Startplatz ist, hätte ich nicht gedacht. Alte Olivenbäume stehen im hohen Gras. Blauer Borretsch steht in voller Blühte. Die Sicht ist ohnehin weit und schön und in der späten Abendsonne, im Gegenlicht erscheint mir dieser Olivenhain als die reinste Pracht! 
Kaum, dass wir oben angekommen sind, fährt noch Jeep vor. Pietro, den Dominik von früher kennt, kommt mit zwei Kollegen ebenfalls zum Fliegen. 
Ich spazieren zwischen den Olivenbäumen umher und geniesse es, hier zu sein. 
16. April 2004, Staletti
Heftiger Wind, aufgewühlte See und Schweizerische Aufgeräumtheit

Hier an der Ostküste hat es Stechmücken! Die ganze Nacht haben mich die gierigen Dinger genervt. Es ist also Zeit, die Fliegengitter wieder zu montieren.
Das Wetter ist nicht so supertoll. Bewölkt, etwa 15°. Ideal, um Einkaufen zu gehen und wieder einmal einen Upload vorzunehmen.
In Montepaone Lido finden wir alles, was wir brauchen. ADSL bringt die Daten superschnell und cool hinauf (oder hinüber?) ins Netz.
Als wir zurückkehren fängt es an zu regnen. Ich drehe die Sonnenstore ein wenig raus, so haben wir eine Art Vordach vor der "Hütte".
Die alte Panoramastrasse, welche oberhalb der Bucht steil in den Hang gebaut wurde, ist geschlossen wegen "Cadutta massi", was man witzigerweise als massiv kaputt übersetzen könnte! Dafür bietet sie sich als schönen Spazierweg an, mit Blick auf die Bucht und unseren Stellplatz. Die Mimosen blühen mit den Akazien um die Wette und eine noch ältere Strasse sieht mit den Pflanzen überwuchert herrlich romantisch aus. 
Hier blühen im Moment die Akazien. Sie riechen fein nach Honig und die Blühten sind sogar essbar! Gianfranco erzählte, dass man diese hier in einer Art Bierteig tunkt und dann frittiert. Ist sicher voll iami-iami!

Ein Bulgare, der bei einem Haus arbeitet, erzählt Dominik, dass hier im September alles voll Schweizer ist. Auch die Fliegerkollegen waren alle schon mal in unserer Heimat. Es scheint hier ein traditioneller Bezug zur Schweiz zu existieren. Dass hier ein anderer Schlag von Kalabresen lebt als weiter im Süden und Westen merkt man schon. Ab es nun mit den Schweizern zu tun hat oder nicht, dass hier alles aufgeräumter, weniger verfallen, besser gepflegt erscheint, kann man nicht sagen. Aber auf alle Fälle ist es spürbar weniger chaotisch. Auch auf den Strassen und in den Gassen scheint es mehr Platz und weniger Hektik zu haben. Viele hübsche Häuser mit herrlichen Pflanzgarten sind zu sehen. 

Die Küste ist krass zerklüftet, extrem viele kleine Schluchten durchbrechen die steilen Hänge, welche von Macchia, einzelnen Eichenbäumen, Olivenbäumen und auch Akazien überwachsen sind. Aber auch viele erodierte Hänge sind zu sehen, welche obwohl ein Jammer so doch bizarre Landschaftsbilder abgeben.

Den Nachmittag verbringen wir mit Schreiben. Zum Caffé gibt es leckeren Mandelschnee, Neve di Mandorle, ein mürbes weiches Mandelgebäck, welche zuckersüss und passend zum Kaffee ist.
17. April 2004, Staletti
Computer kaputt?

Der Stellplatz hier ist perfekt. Eigentlich ein Geheimtipp für Camper. Im Sommer, so erzählt man uns, geht hier nichts mehr. Schon um 5 Uhr morgens kommen die ersten und um 9 Uhr ist der Platz voll mit Autos. Sollte einer dann raus wollen, so wäre das chancenlos! Krass! Aber der Strand ist wirklich wunderschön. Links und Rechts säumen spitze Felsen die Bucht und runden das Bild des schönen Sandstrandes ab. 

Ein regnerischer Tag. Gemacht zum Schreiben und Lesen. Doch mein Computer ist anderer Meinung. Fehlermeldungen beim Aufstarten verunsichern mich ziemlich und veranlassen Dominik zum Internet-Point zu fahren, um sich ein IBM Manuel runterzuladen. Zudem bräuchten wir die HP Software meiner Kamera, um geschossene Bilder notfalls auch auf seinen Computer zu laden. 

Ich brenne in der Zwischenzeit alle meine Daten und Bilder auf CD. Gut, dass sich Dominik diesen Brenner einmal zugelegt hat. Inzwischen ist ja der Umfang der Bilder gigantisch gewachsen. Die Menge lässt sich eigentlich nur noch mit externem Speicher schlau verwalten und archivieren. Nachdem ich alles gebrannt habe, fahre ich runter und will nochmals hochfahren, um die CD's zu testen. Doch der Computer macht definitiv schlapp. Nebst der Fehlermeldung für die Zeit und das Datum taucht noch eine auf, von welcher man nicht weiss, was sie bedeutet.
Als Dominik wieder kommt, hat er zwar das IBM-Manual, doch keinen Treiber für meine Kamera auftreiben können. Dieser ist nur auf CD von der HP zu haben und nicht als Download. So daneben! 

Das Manual besagt, dass die dritte Fehlermeldung den Ventilator betrifft und der PC somit in ein Servicezentrum gehört. Ja supi! Wie wenn es hier im Mezzogiorno sowas gäbe! 
Dominik hat einen Verdacht. Er schraubt meine Kiste auf und entfernt kurzerhand die Stützbatterie, welche für die Zeit zuständig ist.  

Am späteren Nachmittag fahren wir nochmals zum Internet-Point und suchen nach Downloads für den Kameratreiber, leider erfolglos. Ein paar Häuser weiter unten ist ein TV-Geschäft, in welchem wir eine passende Batterie bekommen. Liebenswürdigerweise lötet uns der Herr sogar die Kabel an die Batterie. Dominik verstärkt das ganze noch mit Isolierband und setzt die Batterie wieder ein. Und siehe da - Problem gelöst! Keine Fehlermeldung und nichts Kurioses. Alles tut wieder wie es soll! Hurra! 
Es wäre echt mühsam geworden, wenn mir der PC für die letzten paar Wochen noch ausgefallen wäre! 
18. April 2004, Staletti
Himmlisches Schauspiel

Unter dem stahlblauen Himmel jagen schwarze und weisse Wolken dahin! Das Meer ist ruhiger als gestern, da der Wind von Westen oder Nordwesten weht. Immer wieder scheint die Sonne, dann regnet es wieder.

Die blauen Blumen auf dem schmalen Wiesenstreifen geben ein Ton-in-Ton-Bild. Genial schön!

Ich wende das Womo um 180° und drehe die Sonnenstore raus. So haben wir vom Womo her Windschutz und die Sonnenstore schützt vor unverhofftem Regen. So lässt sich sogar herrlich draussen frühstücken.

Dominik wurde von einem Gleitschirmheft angefragt, einen Bericht von sich selbst zu verfassen, über seine Motivation, seine Erlebnisse usw. Nun sitzt er konzentriert hinter dem PC und ich wage es kaum, richtig in die Tasten zu hauen! Bin ja gespannt, was sie da zusammenbröselt, meine Konkurrenz!
19. April 2004, Staletti
Schlechtwetterperiode

Obwohl Regen angesagt ist, für heute und auch für die nächsten Tage (oh, jammer!!) scheint immer wieder mal die Sonne. Hier in Staletti sind wir an einer Art Wetterscheide. Hinter uns in den Hügeln hängen permanent schwarze Wolken drohend am Himmel - vor uns, über dem Meer ist es blau und es hat weisse Wolken. Aber immer wieder fegt mal ein heftiger Wind über uns hinweg und vermasselt einem das Draussensitzen. Die Sonnen- bzw. Regenstore hält diesen Wind ebenfalls nicht aus und ich muss das Ding wieder reinschrauben. 

Im grösseren Nachbarsdorf haben wir eine Tierärztin ausfindig gemacht. Wir machen uns auf den Weg dorthin. Zorro's alljährliche Impfung ist fällig und ausserdem hat die Zeckensaison hier krass durchgestartet! 
Die Tierärztin kann aber vorerst nur die Tollwutimpfung vornehmen. Die andere Kombiimpfung muss 2 Wochen warten. Sie empfiehlt uns Expot als Zecken- und Leishmaniosemittel, meint auch, dass ein Band nicht die gleich guten Effekte erzielt wie Expot. Na gut, jeder erzählt was anderes und diskutieren kann ich auf Italienisch ja sowieso nicht. Den Herzwurm soll es hier nicht geben und für die anderen Würmer muss ich, wie auch für das Zeckenmittel in die Apotheke oder in ein Hundefachgeschäft. 

Nach Besorgung dieser Mittel gehen wir noch einkaufen. Diesmal in einen Super-Super-Market und lassen entsprechend Geld liegen. Normalerweise machen wir einen Einkauf zwischen 30 und 50 Euro. Doch hier zahlen wir 80 Euro! Na ja, dafür gibt es wieder einmal Spargel (hier eine teure Rarität) und Nispolas (ebenfalls sacketeuer und importiert aus Spanien!). 

Natürlich ist auch ein kurzer Internet-Besuch vorgesehen. Dominik hat den Bericht für den "Swissglider" fertig und schickt ihn ab. Am Strand mache ich ein paar Portraitaufnahmen von Dominik, welche im späten Abendlicht gut kommen. 
Schon am Nachmittag ruft der zuständige Typ vom Swissglider an und meint der Bericht sei gut, er bräuchte noch ein paar Fotos und dann stehe der Veröffentlichung im Juni nichts mehr entgegen. Wir werden ja sehen. Aber cool ist es schon. Sich vorzustellen, dass Leute sich für die eigene Geschichte interessieren und das sie in einem Heft veröffentlicht wird! Im Fall von Dominik bin ich sicher, dass er das macht, wovon viele andere, und in diesem Fall natürlich Gleitschirmpiloten, träumen: losgelöst von Verpflichtungen, von Arbeit und sonstigen Stricken, verschiedene Fluggebiet kennenzulernen, in der Welt rumzugondeln mit der Aussicht alle Tage fliegen zu können! Insofern motiviert so ein Bericht vielleicht sogar den einen und anderen, ebenfalls loszuziehen. 
20. April 2004, Staletti - Pizzo (Westküste, südlich vom Flughafen Lamezia Therme)
Aprilwetter wie in der Schweiz..

Der Parkplatz ist zur Hälfte überflutet. Es hat die ganze Nacht heftig geregnet und die Temperatur ist ebenfalls ziemlich gesunken. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es in der Schweiz nicht viel übler sein kann... 

Da der Wind von Westen weht, ist die See arschglatt, der Himmel wechselt sein Aussehen, wie wenn es Fasnacht wäre. Stimmungsvoll wechselt es zwischen dunklen melancholischen Farben und heiteren und lachenden Blautönen. In einem Moment regnet es und im nächsten lacht die Sonne vom Himmel. Extrem wechselhaft und nicht berechenbar.
Seit wir hier angekommen sind, treibt sich ein schöner Husky um das Womo herum. Anfangs hielt er noch Distanz, doch schon bald kam er auf den Spaziergängen mit. Nachdem ich ihn einmal gefüttert hatte, blieb er, auch des Nachts. Die letzte Nacht hat er unter dem Womo verbracht. Es ist oder wäre ein bildhübsches Tier, wenn da nicht das ungepflegte Fell wäre und das hässliche Ekzem an seinem Knie und an der einen Bauchseite. Ich tippe stark auf Hautleishmaniose. Aber um dies festzustellen, müsste er zum Tierarzt und sich ein paar Tests gefallen lassen. Er macht einen noch ziemlich jungen Eindruck auf mich. Die Zähne sind noch ganz weiss und die die Ohren, Pfoten und Augen sehen frisch und gesund aus. Ich vermute, dass er letzten Sommer hier ausgesetzt wurde. Er macht einen selbstsicheren und nicht zu menschenscheuen Eindruck.

Es ist jammerschade um so ein Prachtstier. Aber wenn man das Tier hier in ein Heim bringt, dann sind die Überlebenschancen noch kleiner als wenn er hier am Strand bleibt. Die Hunde ernähren sich vom Abfall der Strandbesucher und von Leuten, wie ich, die die Hunde füttern. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Husky einen kalabrischen Sommer überstehen kann. Einen Sommer voller Zecken, Mücken und krasser Hitze. Solche Hundeschicksale treffe ich hier an jedem Strand an. Meist sind es aber Strandmischungen. Der Husky hier ist der erste Rassehund, den ich antreffe.
Am Mittag packen wir unsere sieben Sachen zusammen und fahren rüber auf die andere Küstenseite. Schon wenige Kilometer ins Landesinnere wird mir klar, dass das wohl ein Fehler ist, denn hier im Osten sind wir im Lee, der Wind ist angenehm und die Sonen schaut doch wenigstens hin und wieder zu uns hinunter. Spätestens nach dem Tunnel in der Landesmitte wird aus der Vermutung schwarze nasse Tatsache. Es giesst und der Himmel hat sich dunkelgrau verfärbt. 

Die Karren stellen wir auf unseren alten Stellplatz. Kaum sind wir einigermassen eingerichtet legt der Himmel erst richtig los. Schwarz wie in einer Kuh wird es und es giesst, dass aus der Hälfte des Platzes innert Kürze ein See wird. 
Es scheint auch Zorro nicht zu gefallen und er bleibt glücklicherweise ruhig und schläft unbeschwert bis Ende Nachmittag. Dann bessert sich das Wetter, es hört auf zu regnen und die Hoffung auf das bessere Wetter macht sich wieder breit. 

Was allerdings nicht so super ist, sind die Dieselflecken, die mein Womo, auf dem nassen Kies gut sichtbar hinterlässt. Ein Flugkollege von Dominik, der von hier ist, empfiehlt uns eine kleine Garage nicht weit von hier. Dorthin fahren wir, um uns zu erkundigen, wann wir das Womo bringen können. Er muss es zuerst sehen uns so machen wir auf morgen nach dem Mittag ab, um es vorbeizubringen. 
21. April 2004, Pizzo
Strahletag - Fliegen über dem Pta. di Zambrone

Klarster Himmel! Wie reingewaschen! Wie schnell vergisst man so einen hässlichen Regentag, wenn es wieder schön ist. Wir frühstücken draussen und haben fast schon zu heiss dabei! Ja so läuft das: erst jammert man, wenn es zu kalt ist, doch kaum ist die Sonne da, wird wieder gejammert, weil es zu heiss ist!
Wir hoffen in Pizzo oder Vibo Valentia Marina eine Wäscherei zu finden und packen unsere Wäsche in den VW-Bus. Dann fahren wir los, um einen Startplatz in Zambrone, Richtung Tropea) auszukundschaften. Er lässt sich leicht finden und am Startplatz herrschen sogar ideale Bedingungen für einen Flug. Sowas lässt sich Dominik natürlich nicht entgehen. Er holt sein Zeug und ist alsbald in der Luft. Es hält sogar ziemlich gut. Geil mitanzusehen. Irgendwie ist es immer wieder ein neues Erlebnis, zu sehen, wie geflogen wird. Die Kulisse ist herrlich, Tropea liegt links von uns und rechts sieht man den ganzen Golfo di S. Eufemia inklusive des dahinterliegenden Sila Gebirges. Einzelne Spitzen sind sogar weiss. Weit draussen sieht man ausserordentlich klar den Stromboli, welcher heiter vor sich hin dampft!

Nach einem kurzen Mittagessen im Womo packen wir das Womointerieur reisefest zusammen und fahren zum Garagisten. Die Herren stellen schnell fest und zeigen es uns auch, was nicht in Ordnung ist: es ist die Einspritzpumpe, welche nicht dich ist und fleissig tröpfelt. Eine richtige Umweltsünde fahre ich da! Die Arbeit wird länger dauern, das Ersatzteil muss in Catanzaro beschafft werden. Wir machen ab, dass wir das Womo morgen früh bringen und am Abend kommen, um dort auf dem Hinterhof zu übernachten. Dann haben sie nochmals einen halben Tag, um fertig zu werden.

Am Stellplatz steht ein VW-Bus aus Österreich. Das Paar hat hier Halt gemacht, um Mittag zu essen. Wir sprechen mit den Beiden und er erzählt, dass er uns vom Internet her kennt! Er sei auf die Homepage gestossen, als er nach Infos zum Monsterpark suchte und habe uns anhand der Vehikel wieder erkannt! So cool! Es scheinen also doch ein paar Leute die Homepage zu finden. Es macht auch den Eindruck, als ob die Google-Suchmaschine die Seiten ab inhaltlichem Text und nicht nach hinterlegten Suchbegriffen indiziert. Ist natürlich supi!
Ab und zu kriege ich sogar ein Mail von Leuten, die ich nicht kenne und die mir zur Page gratulieren und mir alles Gute wünschen. Sowas freut mich dann schon sehr! In solchen Momenten bin ich dann sogar ein wenig stolz auf meine Arbeit und denke, dass es sich gelohnt hat, wenn nur ein paar wenige daran Spass haben und vielleicht sogar Infohilfe finden.
Der Tag ist zu schön, um noch weiter im Womo zu sitzen. Auch wenn es nicht mehr fliegbar ist, der Wind hat zugelegt, entschliessen wir uns, in die Höhe zu fahren. Die Sicht ist heute so ausserordentlich gu, dass es wert ist, nochmals ins Auto zu steigen.
Oben treffen wir auf Pasquale, den ich im letzten Jahr schon kennengelernt hatte und Pietro und Giuseppe von Staletti. Die drei sind oben im Wald im Sumpf steckengeblieben und mussten mit dem Traktor rausgeholt werden. Die Herren Piloten entscheiden, nach Zambrone zu fahren. Zwei andere Gleitschirmpiloten sind schon dort, haben aber eben topgelandet und zusammengepackt. Pasquale geht als erster raus, dann Pietro, Giuseppe und schliesslich auch noch Dominik. Obwohl sie alle nicht schlecht fliegen mit dem Starten happert es bei den Meisten. Ich muss sagen, dass Dominik mittlerweile sehr sicher startet. Die vielen Flüge und die entsprechende Erfahrung haben sich niedergeschlagen und lassen Dominik sehr souverän mit dem Schirm umgehen. Cool! 
Die Luft jetzt am Abend ist ideal zum Fliegen, butterweich und Dominik geniesst es sichtlich. 
Sehr lange hält die Thermik allerdings nicht hin, die Sonne steht schon tief, als auch Dominik als Letzter am Strand beim Aquapark landet. 
Nun packt aber Pietro noch seine Motoren aus. Er will eine Runde mit dem Paramotor (Gleitschirm mit einem Propellermotor am Rücken festgeschnallt) machen. Obwohl das Ding einen Heidenlärm macht, werden die Bilder vom Flug im Sonnenuntergang doch sensationell. 
Trotzdem, für das Fliegen mit Motor kann ich mich nicht erwärmen. Nächstes Wochenende findet hier ein Fliegerfestival der Paramotoren statt. Es werden etwa 150 Flieger von überall erwartet. Denn es wird darum gehen, den Rekord zu brechen, wie viele gleichzeitig in der Luft sein können! Sie reden vom Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde. Prost! 

Am gleichen Wochenende findet in Maratea aber noch ein normales Gleitschirmfestival statt und Dominik und ich werden zu diesem fahren. Wir haben beide keine Lust, so einen Motorenandrang bzw. -lärm über uns ergehen zu lassen. 
22. April 2004, Pizzo
Fliegen über und Faulenzen am Strand von Pizzo

Ich habe vergessen, den Wecker zu stellen. Erst um 8 Uhr werden wir wach. Um diese Zeit wollten wir eigentlich schon beim Garagisten sein. Also packen wir möglichst schnell alles zusammen und fahren mit unseren Vehikeln die paar hundert Meter zur Garage. Garage ist zwar fast schon übertrieben. Denn ist eigentlich ein Hof mit einer Werkstätte. Einen Riesenpuff rings um die Garage, aber drin ist alles tip top aufgeräumt. Ein krasser Gegensatz. 

Wir können das Womo neben die Garage stellen und dürfen sogar den Strom nutzen. Wir packen unsere Fressalien in den VW-Bus und fahren an unseren alten Stellplatz, um dort in der Sonne zu frühstücken. 
Dann fahren wir hoch. Oberhalb Pizzos sind viele grosse Einkaufszentren. In einem Electronics finden wir grössere Speicherkarten für unsere Digitalkameras. Mit meiner 32 MB Karte kann ich, wenn ich Bilder mit einer grösseren Auflösung machen will nur gerade mal 10 Fotos schiessen. Mit der 128 MB Karte habe ich bedeutend mehr Spielraum. 

Dann fahren wir zum Startplatz über Pizzo, der wunderschön an einem Waldrand gelegen ist. Und tatsächlich steht der Wind gerade richtig und Dominik kann einen langen schönen Flug machen. Ich geniesse den Aufenthalt im Wald und spaziere mit Zorro herum und teste die Kamera aus. 
Unten am Strand von Pizzo, am Lido Isidorio, machen wir Mittagspause und hängen den lieben langen Nachmittag am Strand und vor dem VW-Bus herum. Herrlich, so in der Sonne zu liegen, zu lesen und zu geniessen. 

Ein zweiter Flug am späteren Nachmittag bringt leider nicht die von Dominik erwartete Abendbrise. Es wird nur ein kurzer Flug. Wir müssen noch unsere Wäsche holen und auch Geld, denn ich vermute, die Reparatur wird nicht gerade billig werden. 

Das Abendessen machen wir im VW-Bus und es ist wie in "alten" Zeiten. Das Schöne am VW-Bus ist ja, dass man, auch wenn man drinnen sitzt und dabei die Schiebetüre offen lässt, fast wie draussen ist. 
23. April 2004, Pizzo
Kosten-Schock

Am Morgen bestaunen wir den halb ausgebauten Motor. Die Pumpe ist beim "Pompier". Gerade kommt ein Telefon von dort und der Capo meldet uns, dass etliche Teile an der Einspritzpumpe ausgewechselt werden mussten. Alleine diese Arbeit belaufe sich auf 400 Euro! Ach du Schande! Der Schock sitzt. Zu diesen 400 wird wohl noch mindestens ein Arbeitsaufwand von 200-300 Euro kommen. Das bedeutet, dass mich diese Reparatur wohl ca. 1000 Schweizer Franken kostet. Mit dem Geld reise ich mindestens 1 bis 1 1/2 Monate rum. Diese Kosten am Ende meiner Reise bedeuten, dass meine Heimreise nun definitiv nahe rückt. Jetzt kann ich es mir nicht mehr erlauben, noch länger rumzugondeln. Wenn ich vorher noch dachte, dass je nach Lust und Laune noch ein paar Wochen drin liegen, so kann ich das jetzt vergessen. Shit. Es scheint, die Zeit ist reif...

Wir fahren an den Lido Isidoro und frühstücken in der milden Morgensonne. Der Schock muss erstmal verarbeitet werden und ich bin ein wenig traurig. Es sind nicht die Kosten, die mich niederschlagen sondern die in die Nähe gerückte Heimreise. Abschied nehmen von Meer und Sand und Sonne, vom freien Leben, mich an den Gedanken gewöhnen, nordwärts zu fahren..
Fliegen ist heute nicht drin. Es ist sozusagen windstill. Dafür ist das Rumhängen umso schöner. Am späteren Nachmittag taucht auf einmal ein Womo auf. Ich denke, der sieht aus wie meiner, in der nächsten Sekunde weiss ich, das ist meiner! Und dann dämmert es! Der Capo und sein Mech machen die nötige Probefahrt! 

Als sie wieder abfahren, sagt Dominik noch piano, piano mit dem Fahren. Aber man kann sich ja denken, wie langsam sie über die Bodenwellen der ausgefahrenen Strasse gefahren sind. Hoffentlich habe ich den Trinknapf von Zorro ausgeleert und auch sonst alles supergut verstaut! Ich hatte! Nur ein paar Atlasse und Bücher liegen verstreut am Boden. Glück gehabt!

Die definitive Rechnung ist human. Zu den 400 Euro für die Pumpenrevision kommen lediglich 130 Euro für die Arbeit, inklusive Bringen und Holen der Pumpe beim Pompier in Catanzaro. Das nenn ich einen fairen Preis. Wir haben den Eindruck, dass gute Arbeit geleistet wurde. Nötig war sie auf alle Fälle. Der Motor springt wieder viel besser an, läuft ruhiger und stinkt auch nicht mehr. Ich hoffe doch sehr, dass ich demnächst keine weiteren Sorgen mit dem Kerl habe. Der Capo meinte sogar, die Bremsen seien bestens und der Motor in einem Superzustand. Die Pumpe hat nachgegeben, weil sie halt entsprechend alt (13 Jahre) war.
24. April 2004, Pizzo
Spaziergang und Schreiben

Absolut windstill. Hin und wieder regnet es leicht. Ich drehe die Sonnenstore raus, so dass man auch draussen sitzen kann, wenn es nieselt. Genug warm wäre es. 
Ausser einem längeren Spaziergang auf dem Bergrücken oberhalb Pizzos, der einen schönen Blick auf den Golfo di San Eufemia bietet, machen wir keine grossen Sprünge heute. 
25. April 2004, Pizzo - Paola
Weiter nordwärts

Pasquale kommt sich verabschieden und die CD holen, welche wir für Pietro gebrannt haben. Er würde es zwar gerne haben, wenn wir noch bis zum nächsten Wochenende hier blieben würden. Dann findet in Pizzo das Festa dell'Aria statt. Aber wir haben uns entschlossen, das andere Flugfest in Praia a Mare zu besuchen, welches im kleineren Rahmen stattfindet und keine Paramotorshow hat.

In Amantea machen wir einen kurzen Zwischenhalt und besteigen das alte Castello, welches komplett verfallen ist, dafür umso romantischer wirkt. Der Zutritt wäre verboten und die Wege sind kaum passierbar, aber es macht Spass, auf eigene Faust zu entdecken.
Auch eine verfallene Kapelle spüren wir auf, in welcher Künstler vor einiger Zeit eine Ausstellung gemacht hatten. Von der Ausstellung ist ein originelles Kruzifix an der Wand hängen geblieben.
Als wir die Gassentreppen wieder runterstiefeln kommen wir auf einen hübschen Platz, wo ein Künstler seine Malerei ausgestellt hat. Die Bilder wirken kindlich, offenbar lebt der Mann sich frei nach dem Motto aus: es muss mir gefallen und sonst niemandem.
Er lädt Dominik zu sich ins Arbeitsatelier ein und zeigt ihm seine Werke. Auch alte Fotos von ihm bekommen wir zu sehen und der sympathische Herr meint immerzu, man müsse unterwegs sein, immer in Bewegung und nicht stillstehen...
In Paola parken wir auf einem grossen Kiesparkplatz am Meer. Die Sicht ist hier zwar toll, aber der Föhn schaukelt das Womo und uns drinnen ziemlich hin und her, trotz Stützen.

Es windet so fest, dass ich nur einmal mit Zorro einen Spaziergang zur Altstadt hoch mache. Es ist aber ungemütlich und ich kann die antiken Gassen nicht so recht schätzen.
26. April 2004, Paola
Stürmisches Wetter

Als wir am Morgen aufwachen, sind wir fast komplett eingekeilt von Bussen, Lastwagen und Schaufelbaggern. Es scheint, der Strand wird heute gesäubert und geebnet und wir stehen genau neben dem Sandhaufen, der noch verteilt werden soll. Zudem ist der grosse, gestern noch leere Parkplatz offensichtlich der Platz, wo sich alle Busse versammeln. Also packen wir kurzerhand alles zusammen und verschieben unsere Wagen ein wenig weiter nach Süden, entlang dem Lungomare.
Ein Spaziergänger erzählt, dass am nächsten Wochenende ein grosses Stadtfest zu Ehren des San Francisco stattfindet. Darum werden auch die Strände und alle Promenaden gesäubert.

Der Wind kommt von hinten und es regnet immer wieder mal. Trotzdem fahren wir zu einem Startplatz hoch, um die GPS-Punkte aufzunehmen. Den letzten Teil des Weges zum Startplatz muss man zu Fuss gehen. Er führt durch dichten Föhrenwald und über Weiden zu einem Platz mit weitem Blick über die Küste und der Bergkette entlang. 

Wir besuchen das Santuario di San Francesco di Padoa und sind enttäuscht. Keine Atmosphäre, viel zu viele Schulklassen, Souvenirbuden, es scheint alles auf Konsum gemacht und missfällt mir. 
27. April 2004, Paola - Marina di Belvedere (südlich von Diamante)
Kleine Stadt mit schöner Ambiente

Da die Windaussichten nicht besser werden, fahren wir weiter nach Norden. Kurz vor Diamante, in Marina di Belvedere stellen wir unsere Wagen wieder an den Lungomare. Es ist sehr freundlich hier. Auch hat der Himmel aufgehellt.

Schon in Paola ist uns der saubere Strand aufgefallen. Und hier gleich noch einmal. Überhaupt macht das Städtchen einen sehr aufgeräumten und ruhigen Eindruck. Der Unterschied zum südlicheren Pizzo ist augenfällig. Einigermassen aufgeräumte Strassen und Strände, kein Verkehrschaos und keine hässlichen unfertigen Neubauten. Und schon wirkt eine Ecke viel sympathischer. Natürlich macht die Sonne den letzten Schliff aus.
Wir fahren in die Berge, um einen Startplatz anzuschauen und geniessen wieder das weite Panorama. Die Berge dahinter sind hoch (ca. 1800m) und in den Wolken versteckt. 

Auf dem Weg zurück machen wir einen Kaffeestop in Belvedere Marittimo. Ein kurzer Bummel durch die schmalen Gassen mit vielen Kunstwerken an den Häuserfassaden ist zauberhaft. Auch die Leute lächeln uns an und wir lächeln zurück.

Es ist doch eigenartig, was einem gefällt und was nicht. Wenn ich mich nur nach dem leite, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert oder mich fröhlich stimmt, dann weiss ich, dass ich am richtigen Ort bin. Manchmal ist man irgendwo und strengt sich an, etwas zu sehen, was da sein sollte aber nicht ist. So wie in diesem Santuario di Francesco, welches auf mich sehr arm und hohl gewirkt hat. Aber natürlich ist es eine Art Echo, das man spürt, mit Sicherheit nichts Absolutes. Es wird wohl jeder anders empfinden...
28. April 2004, Marina di Belvedere 
Getrübte Stimmung bei absolut klarstem Himmel

Unter meinem Womomotor entdecke ich einen erneuten Fleck. Wir schauen uns den Motor an, der aber trocken ist und ich lege mich unters Auto, um das Ganze von unten zu beschauen. Ein Schaumgummi hat sich mit Wasser und Diesel vollgesogen, hängt ein wenig raus und tropft. Also alles i.O. Diese Restmenge wird sich auch noch verlieren. Dominik, natürlich nicht faul, greift zur Kamera und lichtet mich in dieser "fachfrauischen" Position ab. 
Der Tag wird wunderschön und sogar heiss. Wir drehen die Sonnenstore so weit es sich erlauben lässt raus. Immerhin sind hier einige Spaziergänger unterwegs. Wenn ich mir vorstelle, sowas in Zug zu machen....? Hier sind die Leute eher neugierig und nicht wenige lächeln uns freundlich an oder fangen sogar mit uns zu reden an. Ich habe den Eindruck, wie wenn hier im Süden das Nichtstun und Geniessen eher bewundert denn beneidet wird. 

Wir legen uns an den Strand und Dominik geht sogar schwimmen. Ich schaffe es nicht ins Wasser, leider. Ich bin schon ein richtiges "Womo-Weichei" geworden.  

Bin aber sowieso in einer trübseligen Stimmung. Das Ende meines süssen Lebens steht vor der Türe und gibt mir, ich muss es zugeben, zu schaffen. Immer näher kommt der Moment, wo ich Abschied nehmen muss vom Süden, von Italien, vom Womoleben, von Dominik und seinen Freunden, vom Meer und dem südlichen Duft... jammer, oh jammer.  Doch was soll all das Jammern, es nützt rein gar nichts. Ich werd mich wohl ein wenig besinnen müssen, um mich auf das Heimkommen so richtig freuen zu können...
29. April 2004, Marina di Belvedere - Praia a Mare (zweitnördlichste Ortschaft Westküste Kalabrien)
Murales von Diamante

Noch vor dem Frühstück taucht die Policia Communale auf und meint, es fänden hier jeden Moment Strassenarbeiten statt und wir könnten nicht da bleiben. Dominik kennt den einen und fängt an vom Fliegen zu reden. Als die beiden Polizisten gehen, meinen sie, wir sollen nicht stressen beim Zusammenpacken. 

Kurz darauf kommt ein älterer Herr, der in der hinteren Reihe wohnt und fragt, was die Polizei wollte. Als wir es ihm erklärten, meinte er, das stimme gar nicht und wir könnten die Vehikels bei ihm vor das Haus stellen. Doch da wir eh weiter wollen, lehnen wir dankend ab. Wir tanken unsere Wagen am nahegelegenen Wasseranschluss voll, reden noch eine Weile mit dem älteren Herrn von vorher und brechen dann bald auf.

In Diamante machen wir einen Stopp, um die dort bekannten Murales anzuschauen. Im alten Dorfteil hat es viele solcher Wandbilder, teils schon wieder abblätternd, teils sehr eindrückliche aber auch witzige, teils riesengross und andere wieder ganz versteckt. Hübsche Gassen und schöne grosse Häuser. 
In Orgosole auf Sardinien hatte es mehr politisch kritische und auch künstlerisch eindrücklichere als hier. Hier scheinen die Murales für den Tourismus erstellt worden zu sein. Trotzdem lässt es Wände sprechen und vermittelt Leben und Ausdruck in Gassen, wo sonst kaum ein Sonnenschein die grauen Wände erhellt. 
In Praia a Mare fahren wir auf den grossen Kiesplatz vor der Isola Dino. Ein altes Womo von einer römischen Familie steht auch hier und wir stellen uns daneben. 

Der Kieselstrand ist hier fast schwarz und die vorgelagerte Insel wirkt sehr hübsch vor dem Strand, der hier eine richtige Ecke macht. 

Das Dorf ist aber leider fast zu weit weg, um zu Fuss hinzugelangen. Obwohl die ganze Strecke entlang des Meeres und auf einem breiten Lungomare wäre. 
Wir fahren hoch zum Startplatz. Mit unserem VW-Bus müssen wir die hintere Strecke nehmen und den letzten Teil zu Fuss gehen. Oben sind Angelo und Julio am Ausebnen des Startplatzes, welcher anschliessend mit einem Rasenteppich abgedeckt wird. 

Dominik startet, auch wenn es kaum Wind hat. Na, für einen Gleitflug reicht's auf alle Fälle. Er landet unten, nahe beim Womo. 

Als wir später ins Dorf fahren und auch zum Platz, wo das Fest stattfindet spazieren, wundern wir uns, dass noch gar keine Buden aufgestellt sind. Die Wetteraussichten sind vernichtend und wir fragen uns, ob aus diesem Wochenende hier was Schlaues entsteht. 
30. April 2004, Praia a Mare
Der Maestrale (Nordwestwind) bläst die Wolken weg

Der Tag bringt mehr Sonnenschein als erwartet. Auch kommt der Wind von Nordwesten und nicht wie er sollte von Südosten. Es ist aber schwierig, herauszufinden, wie der Wind sich hier verhält. Mittlerweile sind ein paar Flieger eingetroffen. Es scheint sich was zu tun. Dominik geht mal los, um einen Lift nach oben zu bekommen.

Wir haben kurzerhand unseren Stellplatz nahe zum Fest verlegt. Auf dem Parkplatz einer Pizzeria stehen wir nun, quasi direkt am Landeplatz und keine hundert Meter von den Veranstaltungsständen entfernt. Der Parkplatz ist leer und die Wiese steht teilweise hoch, ist voller Klee und Gänseblümchen, schlicht ein Bijou von Stellplatz.

Langsam trudeln Leute ein und irgendwann bekommt Dominik einen Lift mit dem Bus nach oben. Viele fliegen raus, das Wetter ist super und der Wind passt. Eine schöne Überraschung, nachdem die Wetterprognose so schlecht war. Alle landen sie hier vor unserem Stellplatz am Meer. Cool zuzusehen. 

Ich habe die Sonnenstore draussen und geniesse mit einem Buch den ruhigen und doch interessanten Platz. Ich mache mir eine Ladung Tabulé (Couscoussalat), so kann auch Dominik was essen, wenn er irgendwann wieder auftaucht. 

Später am Nachmittag fahre ich mit Nico's Landrover nochmals hoch. Oben ist mittlerweile ziemlich heftiger Startwind und die Wolken hängen relativ tief. Etliche fangen sich noch während der Startphase Klapper ein. Dominik kommt gut raus, aber ich sehe, wie es ihn durchschüttelt. 
Mit dem Landrover fahre ich wieder runter. Was für eine Strasse und der Einschlag des 4x4 lässt die Kurven nicht auf einmal fahren. Gut, dass mir niemand entgegenkommt. In Gedanken male ich mir aus, wie das wohl morgen werden wird. An die 100 Piloten werden erwartet, nur ein Bus steht zur Verfügung und sicherlich werden all jene, welche einen 4x4 haben, selbst hinauf fahren. Wenn dann gekreuzt werden muss! Halleluja, nicht einmal in den Kurven hat es Platz dazu! Ich bin sicher, das gibt ein Riesencasino! Ich werde mich auf alle Fälle hüten, selbst zu fahren. 

Am Abend tauchen zwei von Dominiks Fliegerkollegen von Capaccio auf. Wir entschliessen uns, zusammen in das Restaurant zu fahren, welches für die Piloten vorgesehen ist. Doch noch während wir nach oben fahren habe ich das Gefühl, dass es keine gute Idee war. Als wir dann draussen warten, weil wir zu früh sind und es noch ewig dauern kann, bis alle versammelt sind, muss ich feststellen, dass wir mit einem Idioten am Tisch sitzen. Der Kerl, Antonio, hat doch tatsächlich das Gefühl, dass ich für die Unterhaltung zu sorgen habe und seine Kommentare sind das Dümmste und Unhöflichste, was mir hier in Italien je begegnet ist. Zudem schafft er es nicht, Italienisch zu reden. Ständig schnorrt er in napoletanisch, was nicht einmal Dominik versteht. Ich besinne mich und erkläre, dass ich nach Hause will. Egal, was die denken, ich habe keine Lust, in dieser Gesellschaft zu warten, zu frieren und dann noch einmal ewig zu warten, bis man wieder nach Hause geht. Auch Dominik ist mittlerweile soweit, dass er mein Anliegen unterstützt. Sie fahren uns nach Hause und gehen nochmals hoch ins Restaurant. 

Dominik und ich trinken dann in aller Gemütlichkeit ein Glas Wein, essen die Resten vom Salat und scharfe Salami und sind froh, diesem Typen "entkommen" zu sein. Wir fragen uns beide, wieso man es jemandem nicht schneller anmerkt, dass er ein Idiot ist...
1. - 3. Mai 2004, Praia a Mare
Fliegerfestival

In der Nacht hat es angefangen zu regnen. Am Morgen ist es zwar vorbei, aber es ist noch alles nass. Wir frühstücken draussen und können verfolgen, wie die Stände langsam mit Leben gefüllt werden. Advance, Gin und Skywalk sind da. Eine gute Gelegenheit, Schirme und Sitze auszuprobieren.
Als ich von einem ersten Spaziergang durch die Stände zurückkomme, sind weitere Womos auf "unserem" Stellplatz angekommen. Es wird sich füllen...
Der Startplatz verhüllt sich leider in Wolken. Obwohl, ich denke man könnte rausfliegen, mit GPS wäre das sicher kein Problem. Doch es geht lange, bis wir ein paar Flieger ausmachen können. 
Es findet ein Wettbewerb statt. Wer am genauesten in der Mitte des Zirkels landet, gewinnt einen Schirm nach Wahl! Dies lockt natürlich viele an und etliche schreiben sich ein. Wieviele es sind, finden wir zwar nicht heraus, aber es müssen so um die 80 Piloten sein. Ein jeder zahlt 35 Euro (!!!) Einschreibgebühr und wird dafür hochgefahren. Da die eigentliche Strasse, welche zum Startplatz hochführt extrem schlecht ist, ist sie nur mit einem 4x4 befahrbar. Und es heisst zudem, dass alle, welche nicht am Wettbewerb teilnehmen, nicht fliegen dürfen! Krass, voll daneben. Irgendwann am späteren Nachmittag wird dann doch geflogen. 
Was aber geht und wovon Dominik Gebrauch macht, ist, sich Testschirme zu borgen, um diese am tieferen Startplatz, an der hinteren Spiaggia auszuprobieren. So kommt er und auch etliche andere zu einigen schönen und coolen Flügen. 
Gianfranco und Lucio sind ebenfalls gekommen. Sie stellen ihr Zelt neben den VW-Bus von Dominik. Auch Gimmy und seine Rita treffen wir an. Gianluco treffe ich am Decollo Basso an und Lillo, ebenfalls von Milazzo an einem der Stände. Richtig schön, diese Leute noch einmal zu treffen. Auch wenn ein gewisser Fliegerstress herrscht. 
Ein paar Mal fahre ich mit dem VW-Bus zum Decollo Basso, den Bus gefüllt mit Piloten. 
Am Decollo Basso ist was los. Der Platz ist beschränkt und es heisst, fleissig anstehn. Dafür ist es spannend, all diese Typen zu beobachten, wie sie rauskommen. Die einen super, die anderen weniger und bei gewissen fragt man sich, ob die überhaupt dürfen...
Das Meer ist türkisblau. Zum schwarzen Strand - ein herrlicher Kontrast. 
Einmal fahre ich Dominik und noch einen Typen, Gabriele, über die Asphaltstrasse hoch und wir laufen zusammen den Rest der Strecke hoch zum Startplatz. Der Weg ist steil und die Herren haben schwer an ihren "leichten" Fluggeräten zu tragen. So weiss man wieder, wieso Gleitschirmfliegen ein Sport ist. 
Am Montagabend gehen Dominik und ich ein letztes Mal auswärts essen. Der Abschied ist nah und er fällt uns beiden nicht so leicht. 

Für etwa 4 Monate waren wir gemeinsam unterwex, verbrachten den Winter in Sizilien und Kalabrien, haben viel miteinander erlebt und gesehen. Insgesamt sind wir beide mehr oder weniger ein Jahr lang immer unterwex gewesen, immer in Bewegung.

Er wird weitergehen, ich werde mich wieder niederlassen. Für wie lange, das weiss niemand, auch wir nicht. Es wird aber mit Sicherheit spannend werden. 
4. Mai 2004, Praia a Mare - Sperlonga (ca. 150 km südlich von Rom) 
Heimreise, 1. Teil: Verlasse den Mezzogiorno

Das Womo ist schnell startklar. Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück breche ich auf. Das Himmel ist verhangen, ideal zum Reisen. Dominik bleibt hier und hofft auf besseres Flugwetter.

Ich fahre mehr oder weniger alles der Autobahn entlang nach Norden. Schon nach Solerna bricht die Sonne durch und es wird sogar richtig heiss. Erst nach Napoli verlasse ich die Autobahn und fahre ans Meer runter um in Sperlonga meinen Übernachtungsplatz aufzusuchen. Kein Womo da, nur ich. Die Spiaggia ist inzwischen teilweise mit Liegestühlen "verziert", aber trotzdem immer noch wunderschön. Auch sind immer noch nur wenige Leute unterwegs. Ganz feiner Sand und die untergehende Sonne über dem Meer - ist doch einladend. Beim Zurückgehen fällt der Blick auf das Dorf Sperlonga, welches, fast ganz in Weiss, direkt am Meer auf einem Hügel trohnt.

Zorro ist todmüde vom Autofahren. Wir machen lange Pause, ich schreibe, er schläft. Später machen wir einen Spaziergang zum Dorf. Ich treffe auf einen Deutschen, der zu Fuss unterwex ist. Gestartet in Brindisi geht er bis nach Rom. Auf alten Wegen aber wohl des öfteren auch entlang der befahrenen Strassen. Er erzählt, dass er sich immer in jeder Gemeinde, in der er für die Nacht ankommt, beim Pfarrer anklopft, der ihm üblicherweise die Übernachtungsgelegenheit besorgt. Doch hier in Sperlonga sei er das erste Mal angebrannt. Der Pfarrer hätte ihn schon gar nicht erst empfangen. Er wird die Nacht draussen verbringen. Sehr kalt ist es ja nicht, auch wenn es vom Meer her ziemlich windet. 

Bis am Abend sind weitere fünf Womos aufgetaucht. Ein Franzose, der Rest Italos. Ich stelle fest, dass ich nicht mehr französisch sprechen kann. Es ist doch immer das gleiche Elend. Kommt man mit der einen Sprache ein wenig zurecht, so huddelt man mit der anderen was zusammen. Ausser Englisch, das bleibt immer etwa gleich gut bzw. schlecht.

In der Nacht fängt es an zu regnen. Ob der Wanderer wohl einen trockenen Unterschlupf gefunden hat? 
5. Mai 2004, Sperlonga - Greve in Chianti (ca. 30 km südlich von Firenze) 
Heimreise, 2. Teil: An Rom vorbei und in rein in die Toskana

Die Strasse von Sperlonga über Latina nach Rom ist arg befahren und ich komme nur schlecht voran. Erst auf der Autobahn geht es flüssig. Die Umfahrung Roms geht einfach. Firenze ist klar ausgeschildert.

Mache immer wieder mal Stopps, um meine und Zorros Beine zu vertreten. Ansonsten fahre ich meist brav zwischen den Lastwagen auf der rechten Spur mit knappen 90 km/h.

Kurz vor Firenze verlasse ich in Incisa in Val d'Arno die Autobahn und fahre über die Monti del Chianti rüber zur S222, der Chianti-Strasse. So habe ich wenigstens einen Hauch von der Toskana bekommen.

In Greve in Chianti gibt es einen offiziellen Stellplatz für Womos, den ich mir für diese Nacht ausgesucht habe. Er ist ein wenig abseits der Strassen, also ruhig und ringsherum ist es schön grün. Etliche Womos stehen hier. Ein - zwei Deutsche, einige Franzosen, Holländer und Italiener. Schweizer habe ich bis jetzt auf meiner ganzen Reise kaum angetroffen.

Es regnet immer wieder ein wenig. Angenehm, dass es wenigstens für den Spaziergang durchs Dorf trocken bleibt. Aber in der Nacht giesst es wieder wie aus Kübeln. Ich geh beizeiten ins Bett, denn morgen will ich früh raus und Strecke machen.  
6. Mai 2004, Greve in Chianti - Steinhausen 
Heimreise, 3. Teil: Über die Strada di Chianti um Milano herum und durch Schnee nach Hause

Wunderschön! Ich fahre um 6.30h los und erlebe das Erwachen der Natur auf der Strasse des Chianti, welche nordwärts direkt auf Firenze zuhält. Alles ist in frischem Grün, noch nass vom Regenwetter, die soeben hervorgekommene Sonne ringt mit den noch schwarzen Wolken, scheint in die Nebelschwaden, welche das Land noch teilweise bedecken. Ein Zauber! Wundervoll diese Gegend. Bestimmt werde ich hierher zurückkommen, um in Musse und mit viel Zeit, die Landschaft zu entdecken. Doch jetzt will ich nach Hause. Die innere Ruhe zum Bleiben habe ich nicht. Ausserdem bin ich voll von südlichen Eindrücken, welche ich nicht mischen will mit anderen, welche so verschieden davon sind.

Ich komme so gut voran, dass ich um 12h schon um Milano herumfahre. Kurze Zeit später bin ich über der Grenze, versehen mit einer Autobahnvignette. Ich entscheide mich, den Rest der Strecke auch noch auf mich zu nehmen. In Airolo liegt Schnee und nach dem Tunnel ist es nass und dunkel. Schneeresten liegen links und rechts der Strasse. Was für ein Willkommenswetter für meine Heimkehr!
 
Um 17h komme ich in Steinhausen an. Nicht einmal sosehr müde. Ich geniesse das Abendessen bei meiner Mama und den ruhigen Abend Zuhause. Mein Reise durch Italien ist zu Ende. Bella Italia, schön, dich besser kennengelernt zu haben! Schön auch, dass du so nahe bist, dass man dich immer wieder mal besuchen kann, was ich ganz bestimmt machen werde...


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