9. - 15. Oktober 2005, Meduno
(ca. 100 km NW v. Triest)
Fliegen und geselliges Stellplatzleben beim Clubhaus des Parapente Club
Valinis 2000
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Franz holt mich kurz vor acht Uhr Zuhause in Steinhausen ab. Er kommt
vom Bodensee her und hat extra den Umweg über Zug gemacht, um mich hier
abzuholen und dann gemeinsam auf direktem Weg nach Meduno zu fahren. Er geht
schon seit mehreren Jahren regelmässig dorthin, um zu fliegen und auch um
seinen Fliegerfreund, Sergio, den Präsidenten des Club Valinis 2000 zu sehen.
Diesmal wird er aber dort nur Sergio abholen und mit ihm nach Argentinien
fliegen. Der eine geht zum Fliegen hin, der andere aus kulturell-kulinarischen
Gründen ;-).
Für mich trifft sich das gut, denn so komme ich ohne Umstände und zügig zu
Dominik.
Die letzten
Wochen waren geprägt vom Tod meines Vaters. Eine Woche lang durfte ich meinen
Vater um mich haben, dann starb er. Viel zu früh für uns, die wir
zurückblieben. Doch letztlich
war es eine glückllicherweise kurze Leidenszeit für ihn. Der Entscheid meines
Vaters, seine letzten Tage Zuhause bei seiner Familie zu verbringen und auch,
wenn möglich dort zu sterben, brachte es mit sich, dass das Abschiednehmen und
ebenfalls das anschliessende Trauern in privater Atmosphäre und sehr intensiv
verlief. Wenige Wochen sind vergangen, doch es kommt mir immer noch vor wie ein
Traum. Ich glaube, ich habe es noch nicht richtig einordnen können. Wie ein Bruch im
Spiegel ... auch wenn beides Realitäten darstellen, lässt sich
das eine irgendwie nicht mit dem anderen zusammenfügen. Aber die Zeit wird die
Bruchstelle wohl kitten, wenn auch nie wieder ganz richten. Der Verlust wird
ewig sein. Ein Trost: der Tod bleibt eindeutig und zweifelsfrei.
Das Leben indes geht weiter. Runde 700km bis nach Meduno. Franz und ich nehmen
sie stressfrei unter die Räder und kommen ausgeruht beim Clubhaus an. Kaum bin ich aus dem Auto gestiegen sehe ich
schon Dominiks Schirm und er landet ein. Wie gut, ihn zu sehen. Wie gut, ihn zu
umarmen. Oh, wie schön wieder Daheim zu sein!
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An der Sonne ist es herrlich warm und wir geniessen noch ein wenig Zeit
draussen. Doch bald schon verziehen wir uns ins Womo, wo ich mir etwas Kleines
zum Abendessen koche. Dominik hat immer noch Darmbeschwerden und isst nur wenig
mit. Ich habe den Eindruck, dass seine Darmflora komplett aus dem Gleichgewicht
geraten ist. Er isst schon seit Tagen kaum etwas, denn alles, was er zu sich
nimmt, verursacht ihm arge Schmerzen. Aber er will noch ein paar Tage zuwarten.
Vielleicht bessert es ja jetzt.
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Fredy, oder Alfredo, unser Womo-Nachbar aus der Schweiz ist ein lustiger Gesell und wir sind
froh, dürfen wir uns am nächsten Tag um sein Womo herum gemütlich einrichten.
Unser Teil muss nähmlich schon um neun Uhr in der Garage stehen und erst am Abend können
wir es wieder heimholen.
Giacomo, Quasi-Assistent des abwesenden Sergio, hilft immer kräftig mit Apero.
Er macht, sofern erforderlich, auch den Recoupero, was soviel heisst wie, die
Leute zum Startplatz hochfahren und allenfalls irgendwo wieder einsammeln.
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Mein erster Spaziergang durch die Gegend führt mich zur Burg von Toppo hinauf.
Ein alte, nicht sehr heftig gepflegte Burg steht auf einem kleinen Hügel,
umgeben von schönem Mischwald. Die Landschaft hier am Fusse des Valinis ist
flach, von grossen Flüssen durchzogen und stark mit Mais und natürlich Wein
bebaut.
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Später fährt Dominik mit ein paar anderen hoch zum Startplatz. Ich sitze bei
Alfredo und schwatze mit ihm. Nach dem Mittag taucht Helmut, ein Deutscher aus Passau, auf und wir fahren alle zusammen ebenfalls hoch zum Startplatz.
Hier oben hat man den vollen Blick auf die Ebene. Leider verflüchtigt sich der
Blick in die Weite wegen dem Dunst, der hier gerne vom Meer aus vorhanden ist.
Aber die Flüsse spiegeln sich im späten Nachmittagslicht.
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Auch Fredy hat seinen Plausch. Eine Crew von Paratech-Leuten ist da und testet
verschiedene Prototypen. Da auch Fredy über Jahre hinweg Schirme getestet und
die Gleitschirmfliegergeschichte an vorderster Front miterlebt hat, kann er
entsprechend mitreden.
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Später fahre ich mit dem VW-Bus von Helmut runter und Dominik fliegt über den
Fluss Meduna bis zur Garage, wo er das Womo abholen will. Aber Pech gehabt. Es
wurde ein falsches Ersatzteil bestellt. Unser Ford wurde zwar erst im Frühling
1992 in Verkehr gesetzt, aber offenbar schon 1991 produziert. Hätten die
Fachleute auf die Chassisnummer geschaut, hätte man das entdeckt. Jä nu! Jetzt
bleiben wir diese Woche eben hier und bringen das Womo am Freitag nocheinmal in
die Garage. Wir werden diese Woche nutzen, um den Darm von Dominik wieder auf
Vordermann zu bringen. Das Wetter verspricht ja gut zu bleiben und der Platz zum
Stehen ist eh genial. Wir haben Strom, können, sofern wir wollen, Dusche
und Toilette vom Clubhas nutzen.
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Ein
jeder fliegt hier öfters mehr als nur einmal. Ein guter Toplandeplatz macht es möglich.
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Am folgenden Tag wollten wir eigentlich Tandem fliegen. Doch schon am Morgen
bläst der Ostwind rein und es zeigt sich im Laufe des Tages, dass er sich auch
gegen die Thermik durchsetzt. Wir machen auf dem Landeplatz Aufziehübungen und
haben unseren Spass beim Kritisieren und Palavern.
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Ich versuche meine zeichnerischen Fähigkeiten auf's Womo zu bringen und es
gelingt. Wenn auch nicht perfekt, doch immerhin schön bunt und gut sichtbar:
ein grosser Gleitschirm auf der rechten Seite über der Kabine und ein kleiner
auf der linken Seite beim Toilettenfenster. ...so mal zum Anfangen...
Auch an einem Mandala versuche ich mich wieder einmal.. seit sehr langer Zeit
wieder einmal. Aber das Gefühl beim Zeichnen beglückt mich wie immer sehr.
Zufriedenheit macht sich in mir breit.
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Landebier!
Von
links nach rechts: der Franz, der Sigi mit seinem Widu, bescheidener Dominik und
Helmut. Abends wird es bald einmal kalt. Allzu lange sassen wir nach dem Fliegen
nie draussen.
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Am Mittwoch endlich ist es dann soweit. Wir fahren alle zusammen rauf und nehmen
den Tandemschirm mit. Oben passt der Wind perfekt und eigentlich besteht kein
Grund zum Warten. Wir sind schnell angegurtet und gestartet ebenso schnell.
Alles läuft perfekt. Dominik dreht nach rechts und findet sogleich einen
Schlauch, den er sich nicht entgehen lässt.
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Es dauert nicht lange und wir haben
den Startplatz um ein paar hundert Meter überhöht! Geil! Höhenmeter für
Höhenmeter schieben sich die hinteren Berge ins Blickfeld. Immer weiter und
vogelähnlicher wird der Blick und das Gefühl.
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Wir fliegen bis nach vorne zur "Pfanne", begucken uns das Ganze und
fliegen dann nach draussen, auf die Ebene hinaus. Die Meduna,
einer der vier sichtbaren Flüsse schlängelt sich breit durch's Land Richtung
Meer.
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Nach einer knappen Stunde landen wir. Wenn es nach Dominik gegangen wäre,
hätten wir noch mehr draus gemacht. Aber mir wurde vom Fotografieren übel und
daher war ich froh, wieder festen Boden unter die Füsse zu kriegen.
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Wie ein
grün-brauner Flickenteppich ziehen sich die Mais- und Kleefelder über die flache Ebene.
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Die
Paratech-Crew bot hin und wieder krasse Akrobatik vor dem Startplatz, was
allerdings immer wieder zu Diskussionen führte, ob man denn nun hier so fliegen
darf und so weiter. Leides Thema. Meine Meinung: jeder ist für sich selbst
verantwortlich und dumme Nachahmer sind selber schuld. Blöd ist nur, dass es
hier an diesem Ort speziell untersagt ist und dass sich verantwortlich fühlende
Leute dann halt dieses Prinzip gerne durchgesetz hätten... seufz.
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Zorro
spielte am Startplatz oben mit irgendeinem Piloten. Er kam so richtig in Fahrt
und knurrte den auserkorenen Fein ziemlich eindrücklich an.
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Hin
und wieder, vor allem am Wochenende füllt sich der Himmel schon. Vor allem wenn
thermisch nicht besonders viel los ist, versammeln sich alle entlang der Kante
und fräsen da hin und her.
Dominik und auch Franz sind ab und zu, sobald es möglich wurde, bis zur
hinteren Ecke ge- und damit dem Schwarm entflogen.
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Schöne
Abendstimmung am Valinis.
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Auch wenn eine dunkle Wolke, die Sonne teilweise verschwinden liess, war die
Luft noch lange tragfähig.
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Auf
Sigis Hund habe ich jeweils aufgepasst, wenn er am Fliegen war. Jeder, der
landete wurde von Widu begrüsst in der Hoffnung, es sei sein vermisstes
Herrchen. Sobald Sigi gelandet ist, war alles wieder bestens und Widu konnte
wieder beruhigt seiner anderen Leidenschaft, dem Mäuseaufstöbern,
frönen.
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Franz
machte tapfer etliche Gleitflüge. Das Thermikfliegen war für ihn noch zu neu,
als dass er stundenlang hätte oben rumkurven können.
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Als
der Franz einmal ein paar Felder weiter vorne gelandet war, ging ihn Fredy mit
seinem Fahrrad suchen, bzw. checken, ob alles in Ordnung war.
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Am
Wochenende füllte sich der Himmel und gegen Abend dann auch der Landeplatz mit
Fliegern aus Österreich und Deutschland. Herrliches kunterbuntes Falten und
Ordnen.
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An
einem Abend luden wir Sigi und Fredy zum Abendessen ein. Auch wenn unser Wömi
klein ist, so lässt es sich doch gemütlich zu viert speisen und
palavern.
Das Ersatzteil für unser Womo ist auch am Freitag noch nicht da. Wir
beschliessen, am Sonntag weiterzureisen.
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Bei
schönstem Wetter machen wir uns erneut auf den Weg Süden, bzw. Triest. Wir
durchqueren anschliessend Slowenien auf der altbekannten Route, welche uns immer
wieder auf's neue verzaubert. Wunderschön ist es hier.
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Irgendwo
biegen wir rechts ab und halten an einem Waldrand, wo wir Mittagspause
machen.
Mit Zorro spaziere ich noch ein wenig durch die Gegend und geniesse die Ruhe und
die Pause. Eine lange Strecke Richtung Südkroatien liegt vor uns.
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Chronologisch
geht's hier weiter: Reisebericht Kroatien 2005, Teil 2
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