1. + 2. November 2006: Steinhausen - St. Hilaire
- Capestang, Frankreich
Der Raum weitet sich wieder |
Schon seit Anfang Woche erzählen sich die Wetterfrösche, dass der Winter vor der
Türe steht. Schneefallgrenze auf 800m runter! Höchste Zeit, dass ich die Leinen
los lasse! Montag und Dienstag waren den letzten Vorbereitungen und diversen
letzten Treffen mit Familie und Freunden gewidmet.
Gute
3 1/2 Jahre ist es jetzt her, dass Dominik und ich in unser neues Leben
UnterweX
losfuhren. Die Wegstrecke war die gleiche wie heute, das Tageziel ebenfalls. Nur
heute, ja, da bin ich alleine. Kein Dominik, kein Weggefährte.
Als ich hier
in St. Hilaire ankomme, spendiere ich mir, wie wir uns damals, ein Glas Prosecco.
Zwei Gleitschirmflieger machen Aufziehübungen am Landeplatz, aber der Wind oben
raus ist viel zu heftig, um ernsthaft ans Fliegen zu denken. Schade, ich hätte
es gerne gesehen.
Auch diesmal bläst ein starker Nordwind, der mich südwärts treibt. Schon ab Bern
begrüsste mich die Sonne und der Himmel hellt immer mehr und mehr auf. Auch wenn
die Temperaturen heftig gesunken sind, die Sonne macht alles wieder wett.
Allerdings bin ich total angespannt, denn meiner Mama geht es nicht besonders
gut. Immer mal wieder ruf ich an oder telefonier mit meinen Brüdern. Soll ich
umkehren? Meine Brüder meinen Nein. Also. Irgendwie muss es gehen, muss
ich mich lösen und meine Mama ihren eigenen Weg finden.
Ein Spaziergang mit Zorro entlang dem Landeplatz beruhigt meine Nerven und lässt
ein gutes Gefühl hochkommen. Das Gefühl kenn ich! Wenn man alleine unterwex ist
und auf sich selber gestellt, dann kommt nach der anfänglichen Zappelei eine
Ruhe in mich, die mir Boden gibt und mich weitet. Es ist, wie wenn ich mich
"einmitte" und ausrichte. Einfach gut, dieses Gefühl! Hin und wieder fängt ein
Ziehen um mein Herz an. Dann wünsche ich mir Dominik her und lausche auf seine
Anwesenheit. Nicht immer gelingt es mir, damit die innere Zufriedenheit
herzustellen. Manchmal bleibt eine vage und ungestillte Sehnsucht.
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Henny und Rainer finde ich, wie abgemacht, auf dem Canal du Midi in Capestang,
einem kleinen Dorf in der Nähe von Beziers. Die Sonne scheint, der Wind ruht und
ich freue mich sehr, die beiden wiederzusehen. Auf dem Achterdeck der Adria
erzählen wir uns aus unserem Leben und stossen auf eine gemeinsame Weiterreise
an. Noch am gleichen Abend fällt der Entscheid, nicht nach Portugal und Spanien
zu reisen, sondern nach Italien! Dies freut mich umso mehr, da ich aus
unerfindlichen Gründen annahm, dass Italien für sie ausgeschlossen sei, ich aber
mein Herz ja schon lange an Sizilien verloren habe.
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 Die Adria, eine 13-m-Yacht (und kein Hausboot, wie mir Rainer noch tagelang
unter die Nase streicht!), liegt zwischen einigen anderen Schiffen, die hier überwintern. Viele
davon sind Engländer. Und sie alle leben auf ihren Yachten, Schiffen oder
grossen Kanus, wie auch immer! Es ist ihr schwimmendes Daheim und insofern
stimmt der Begriff Hausboot ja schon.... ha, ja, denn es wird gehaust auf dem
Boot oder Schiff, und Hausschiff hört sich ja scheusslich an... und Hausyacht
noch ärger! Also.... es wird gehaust, gelebt, geliebt, getuckert, gezockelt, gewerkelt
und geschmaust... auf dem Hausboot.
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 Der Canal du Midi ist auf beinahe der gesamten Länge mit Platanen gesäumt, was
wirklich eindrücklich, äh, beeindruckend, ist. (;-))
Die Adria ist hier übrigens das weisse Schiff links von dem blauen kleinen.
Unsere Womos stehen über Tage hinweg ungestört gleich neben der Adria auf dem
Weg neben dem Canal du Midi. |
 Ein herrliches Licht-Schatten-Spiel verzaubert das ansonsten eher unansehnliche
Wasser des Kanals. So ein Leben auf dem Boot könnte ich mir schon vorstellen!
Die Ruhe, das langsame Vorwärtsgehen... auf der anderen Seite schreckt mich die
Schiffstechnik und die Schleusentechnik. Aber was soll's. Im Moment (noch!) kein Thema. |
 Capestang ist klein und hübsch. Die Kirche ist von weit her schon zu sehen und
der Canal du Midi führt in einem weiten Bogen um das Städtchen herum. |
 Der Vollmond steht am frühen Abend hell über Capestang und verzaubert die
Weinlandschaft.
Es ist Winterhalbjahr - um 18 Uhr dunkelt es bereits ein.
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3. - 6. November 2006: Capestang - Serignan Plage
- Leucate - Argeles
Am französischen Mittelmeer: zwischen Beziers und
spanischer
Grenze |
 Wir beschliessen, ans Meer zu fahren. Meinem Wunsch, an meinem Geburtstag am
Meer zu sein, kommen Rainer und Henny gerne nach. Auch sie haben das Meer schon
ein Weilchen nicht mehr gesehen.
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 In Serignan-Plage finden wir einen ruhigen
Stellplatz mitten in der Natur. Wir befinden uns hier an der Orb-Mündung. Wenn auch hinter Dünen versteckt, hört man die
Brandung doch bis zu uns hin. |
 Ein wenig Wehmut überkommt mich schon angesichts der Weite und der Lieblichkeit
des Mittelmeers. Wie schön wäre es, wenn Dominik hier wäre! Solche Gedanken kann
ich nicht verdrängen. Neben diesem Gefühl ist aber auch das andere, welches mir
sagt, dass Dominik irgendwie dabei ist. Es tröstet nur ein wenig. |
 Es liegt enorm grosses und schweres Schwemmholz am Strand, welches vermutlich
während des letzten Sturmes von den Flüssen links und rechts aus- und angespült
wurde. |
Am nächsten Tag fahren wir auf schmalen Strassen mehr oder weniger der Küste
entlang bis nach Leucate. In Gruissan machen wir Mittagspause. Leider hat sich
der Himmel so verdüstert, dass bei allen Dreien die Lust am Entdecken des
Städtchens vergeht. Wir fahren weiter und kommen immer wieder durch Schwemmland,
fahren durch womohohes Schilf, sehen Flamingos und faszinierende Landschaften.
Die Ecke hier unten ist wirklich hübsch. Schade nur, dass der Kälteeinbruch ein
längeres Verweilen unattraktiv macht.
In Leucate stellen wir uns auf einen offiziellen Stellplatz, der uns 6 Euros
kostet. Allerdings kriegen wir dafür Gratis-Dusche auf dem Campingplatz. Passt
gut, denn Duschen wäre eh fällig gewesen. Der Platz ist schön, mit Blick direkt
auf den Strand und auf's Meer. Noch am gleichen Abend wandelt sich der eiskalte
Wind in ein laues Lüftchen! Das Schweizer Fondue, welches ich aus der welschen
Schweiz mitgebracht habe, verspeisen wir bei Rainer und Henny im Salon, auf
meinem Grillkocher und in einer Stahlpfanne gekocht! Geht ganz gut und wir
verputzen die Vier-Personen-Portion ohne fremde Hilfe. |
 Henny und ich spazieren am Morgen rauf zum Kap und
dem dortigen Leuchtturm ... |
 ... und geniessen einen schönen Blick
auf den langen Strand.
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 Sogar Zorro schafft den Ausflug. Er macht sich ganz gut und jeder
Tag bringt Fortschritte. Ins Womo rein und auf den Copilotensitz rauf hieve ich
ihn jeweils. Auch wenn er das manchmal von alleine tut, so wartet er doch meist
gerne, bis ich ihm helfe. Bis in einer Woche oder so wird er das wieder alleine
können. Ans Womo von Henny und Rainer hat er sich auch schon gut gewöhnt. Lege
ich eine Decke auf den Boden hin, dann liegt er dort und schläft meist in
beneidenswertem Seelenfrieden. |
 Für den Sonntag Nachmittag hat Henny mit einer Bekannten, welche alleine im Womo
lebt, abgemacht. Wir treffen sie in Argeles auf einem Parkplatz am Meer.
Lotte, so heisst die Lady, lebt seit etwa drei Jahren in einem kleinen Womo
(sogar noch kleiner als meines!!) hier in Argeles. Sie stellt sich mal hier und
mal da hin. Sie hat sozusagen für alle Wetterlagen den idealen Stellplatz.
Weiterreisen mag sie nicht. Sie hat hier mittlerweile ihre Freunde und auch
Gelegenheits-Jobs und es scheint, wie wenn sie sich ihr Leben gut eingerichtet
hat. Sie ist auf diese Weise ungebunden und trotzdem heimisch. Ich finde das ein
ausserordentlich kreatives und spannendes Lebenskonzept.
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Für die Nacht wechseln wir auf den Parkplatz rechts vom Casino (vom Meer aus
gesehen). Obwohl das Womoverbot hier bei allen Parkplätzen steht, haben wir
nichts zu befürchten. Es scheint, dass hier in Südfrankreich diese Verbote
ausserhalb der Saison ebenso wenig kontrolliert werden wie in Süditalien.
Am anderen Morgen fahr ich los Richtung Spanien. Meine leere spanische
Gasflasche führ ich schon lange mit mir herum. In der grossen Grenzstadt La Jonquera hab ich aber Pech. Obwohl hier jede Menge riesengrosse Tankstellen
stehen, führt keine einzige Gasflaschen. Also muss ich die 20 km auf mich nehmen
und nach Figueres reinfahren. Mit Hilfe meines Navigationssystems find ich sogar
eine Repsol-Tankstelle, die aber leider nur kleine Flaschen führt. Gleich um die
Ecke soll aber ein Tauschhandel sein. Doch diese orangen Flaschen sehen anders
aus, und tatsächlich will der Mann mir die Flasche nicht umtauschen. Er redet nur
spanisch und irgendwie dauernd was von Frankreich! Das ist doch aber eine
spanische Flasche oder etwa nicht? Das ist alles schon so weit zurück, dass ich
nicht mehr weiss, wo wir diese Flasche das letzte Mal getauscht hatten.
Noch weiter mag ich nicht mehr suchen. Ich hab die Nase voll. Ich kann mir ja
dann gleich bei der Einreise nach Italien eine neue italienische Flasche kaufen.
Aber ich werd die Augen offen halten, wenn ich durch die französischen Dörfer
fahre. Wer weiss, vielleicht passen diese Flaschen ja auch!
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 Ich fahr also den weiten Weg zurück nach Capestang, wo Henny und Rainer schon
seit einer Weile sind und an ihrem Schiff werkeln. Tatsächlich erzählt mir dann
Henny, dass ein Schiffsnachbar ihnen erzählt hätte, dass es im Dorf nebenan
Repsol-Flaschen zu tauschen bzw. kaufen gibt!
Nachdem wir uns eine Kaffeepause
auf dem Deck der Adria gegönnt haben, begleitet mich Henny nach Puisserguir, wo
wir tatsächlich meine leere Flasche tauschen können (auch wenn sie nicht 100%
identisch ist!). Da es gerade eine Aktion gibt, krieg ich den speziellen Adapter für
die Spanien-Flaschen auch noch gratis dazu. So, den weiten Weg nach Spanien hab
ich also umsonst gemacht! Aber was soll's. Immerhin bin ich jetzt gasmässig
wieder flott und reich für die nächsten kühlen Wochen.
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Rainer macht zum Abendessen wieder ein leckeres Gratin und wir sitzen in der
gemütlichen Heck-Kabine der Adria. Die Wände sind aus dickem Mahagoniholz.
Bilder von alten Piratenschiffen kommen mir in den Sinn! Es hat wirklich ein
cooles Ambiente. Wirklich schade, dass es für den Winter zuwenig gut
isoliert ist. Aber im Sommer könnte ich mir ein Leben auf dem Schiff gut vorstellen!
Ja, ja, immer besser.
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7. + 8. November 2006: Capestang
Umbauarbeiten bevor es losgeht |
 So, dieser und die nächsten Tage sind dem Flottmachen "unserer Flotte" gewidmet!
Der Kühlschrankventilator meines Womos läuft nicht mehr und das linke
Dreiecksfenster in der Kabine vorne muss wieder frisch verklebt werden - es
macht ganz arge Windgeräusche beim Fahren.
Rainer und Henny helfen mir sehr. Ohne die beiden hätte ich das nie so
hingekriegt!
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 Auf der Adria gibt es auch noch diese und jene Stelle, die abgedichtet und
ausgebessert werden muss, um den Winter schadlos zu überstehen. |
 Um die Adria über Nacht an den Strom zu hängen, muss die Kanalseite gewechselt
werden. Dazu fahren die beiden unter der kleinen Brücke durch und wenden
hinterher.
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 Derweil die Beiden fleissig arbeiten streune ich durch die Gegend. Der Wein ist
schon überall abgelesen und die Reben stehen fast alle ohne Blätter da. Hin und
wieder entdecke ich aber auch Rebblätter in starkem Weinrot, die sich farblich
interessant von der grünen Landschaft abheben.
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9. November 2006: Capestang- Poilhes - Oppidum
d'Enserune
Schiffsverlegung - Fahrradfahrt - Bootsfahrt |
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Da genügend Strom vorhanden ist und ebenso Wasser, wird vor der Abreise nochmals
gründlich und ausgiebig warm geduscht. Natürlich nutze auch ich diese
Gelegenheit.
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 Henny und ich fahren mit den Womos nach
Poilhes, stellen unsere fahrbaren Häuser
an den Kanal und fahren anschliessend mit den Fahrrädern zurück nach Capestang,
um alle zusammen mit der Adria auf dem Canal du Midi nach Poilhes zu tuckern.
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 An
den Liegeplätzen des kleinen und niedlichen Dorfes liegen teilweise phantastisch schöne Schiffe. Das hier abgebildete
wäre für 167'000 Euros zu haben, ist in tadellosem Zustand und wird
offensichtlich voller Liebe
gepflegt und gehegt.
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 Zwischen Capestang und
Poilhes führt der Canal du Midi teilweise an erhöhter
Stelle durch die Landschaft und gibt immer wieder herrliche Blicke auf die
umliegende Weingegend des Languedoc frei.
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Wir haben einen herrlichen Tag für diese letzte Fahrt ausgesucht. Die Sonne
scheint vom wolkenlosen Himmel, es geht kaum ein Wind und die herbstlichen
Farben verwandeln die Platanen in beeindruckende Goldfarben.
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 Das Wasser des Canal du Midi ist nun wieder grün. Den Sommer über, wo er stark
befahren ist und dauernd der Grund aufgewirbelt wird, ist er braun und schlammig
anzusehen.
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 Nach
Poilhes kommt ein ca. 30m langer Tunnel. Am einen Ende wölbt er sich mit
bizarren faszinierenden Aushöhlungen über unsere Köpfe.
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Das Lenken ist gar nicht so einfach und erfordert einige Routine. Da das Schiff
recht zeitverzögert reagiert, muss weit vorausschauend geführt werden.
Eigenartigerweise (für mich!) steuert sich so ein Schiff wie ein Auto. Also
rechts drehen für rechts fahren. Irgendwie habe ich das anders im Gefühl und so
wandert die Adria von einer Kante zur anderen. Das kann neckisch werden, denn
der Canal du Midi ist nicht sehr tief und an den Ufern droht schnell ein Auflaufen.
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Ich glaube, diese Fahrt auf dem Canal du Midi hat mich infiziert. Auf alle Fälle
total begeistert! Herrlich ist es, in solcher Natur und Ruhe unterwegs zu sein.
Dazu noch mit einem Tempo, dass der Seele Zeit lässt mitzukommen. Die
Möglichkeit, an allen wilden Ecken anlegen zu können, sich die Stellen aussuchen
zu können, wo man bleiben will, ist wirklich verführerisch und spricht mein
Bedürfnis nach Ruhe in der Natur sehr an.
Während das Licht schwindet fahren wir hoch zum Aussichtspunkt des Oppidum
d'Enserune. Die Aussicht dürfte gewaltig sein, wenn es wieder hell wird. Wir
stellen uns im Dunkeln an die eine Aussichtskante und hoffen das Beste.
Bevor ich ins Bett hüpfe, beobachte ich zwei Sternschnuppen, die viel
versprechen... |
10. + 11. November 2006: Oppidum d'Enserune -
Vias Plage - Vic la Gardiole
Phantastisches Entwässerungssystem von Enserune - Auftakt zur gemeinsamen
Womoreise nach Italien |
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Um ca. sieben Uhr geht die Sonne auf. Ich wache vor Sonnenaufgang auf und schaffe
es, mich aus dem warmen Bett zu pellen. Während ich eine Kanne voll Kaffee zubereite
sehe ich, wie sich der Himmel immer bunter färbt. Es scheint ein herrliches
Farbspektakel zu werden! Ich muss unbedingt raus und
fotografieren!
In einer Hand die Kaffeetasse, in der anderen die Kamera stiefle ich rauf zur
nächsten Strassenkurve, welche hoch zur Ausgrabungsstätte führt. Der Blick, der sich mir
hier bietet, ist eine Sensation!
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Der Morgennebel liegt in lichten Schwaden dicht über dem Land und windet und
schlängelt sich in
der aufgehenden Sonne.
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 Unsere Womos stehen am richtigen Ort. Ein wunderbarer Blick... Sonne, die uns
wärmt und bald erlaubt, draussen zu frühstücken.
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Das Wagenrad, ein kreisrund angelegtes Entwässerungssystem begeistert Auge und
andere Sinne! Riesengross liegt es vor mir. Schmal angelegte Winkel unterteilen
das Gebiet in etliche Felder... ein riesengrosser Kuchen!
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 Gegen Mittag fahren wir zurück nach
Poilhes. Henny und Rainer haben noch die
letzten Arbeiten und Verstau-Aktionen vor.
Ich entschliesse mich, schon mal vorzufahren.
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 Am Strand von Vias Plage treffen wir uns später wieder. Ich finde hier einen
Platz direkt auf dem Strand. Das Wetter ist mild und lässt es zu, den ganzen
Nachmittag draussen zu sitzen und die Sonne und das Meer zu geniessen.
Ich sehe sogar jemanden schwimmen. Na, soweit bin ich noch nicht. Auch wenn mich
das Meer anlacht, es ist klar und lockt, aber die Luft ist frisch.
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 Auch für den nächsten Tag
findet sich ein super Stellplatz direkt am Meer. Wo
eigentlich eine vielerorts übliche 2m-Schranke den Zugang unserer Womos zum Meer
bzw. zu den Parkplätzen direkt am Meer versperrt, liegt der Weg hier frei und wir
können uns direkt an's Meer stellen. Es sind zwar noch viele Strandspaziergänger
anwesend, doch nach und nach lichtet sich der Platz und er "gehört" schon bald
uns. Der Mistral weht Wolken über die hinteren Bergkämme und die Sonne lässt den
Himmel tiefrot erglühen. Ein schaurig-schönes Himmelsspektakel!
Am Morgen können wir draussen frühstücken. Der Mistral glättet das Meer und im
Windschatten der Womos haben wir schon bald die Wärme der Sonne, um genüsslich
den Morgen zu geniessen.
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12. November 2006: Vic la Gardiole -
Le Grau du Roi
Besuch im Hafen von Palavas |
 Wir wollen eigentlichen im Hafen von Palavas, Günther, ein Freund von Henny
und Rainer, der auf seinem Schiff überwintert ,besuchen. Leider ist er nicht da.
Nur seine rothaarige Schiffsdame, in Tat und Wahrheit die Galionsfigur, empfängt uns... allerdings recht kühl und
unnahbar. |
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Die Stellplatzsuche führt uns in den Hafen von Le Grau du Roi. Hier finden wir
nach langer Sucherei einen Stellplatz im Hafen der Berufsfischer. Das Städtchen
selber ist ausserordentlich hübsch und nur begrenzt touristisch. Es herrscht die
authentische Atmosphäre einer Fischerstadt.
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Wir hoffen auf eine ungestörte Nacht. Wie befürchtet, geht es in der Nacht aber
erst so
richtig los: Schiffe legen ab, um sich ihren beruflichen Pflichten zu widmen,
Lastwagen kommen, PKW parken usw. Als wir aufstehen, sind wir umzingelt von
Lastwagen und Autos.
Der heutige Tag ist für einen grossen Einkaufsbummel reserviert. Wir fahren in der Nähe von
Lattes mindestens sechs oder sieben Geschäfte an. Ich kaufe mir einen Mini/TV
für 129.- Euro, den ich mit 12V betreiben kann. Die Idee, mit terrestrischem
Empfang regelmässig die Wetter-News zu sehen finde ich überzeugend.
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13. November 2006: Le Grau du Roi - St-Gilles,
Ecluse
Einkaufsrummel - Erholung am Kanal |
 Nach der letzten Nacht und dem gestrigen Einkaufsrummel
ist es
schon beinahe notwendig, einen ruhigen Platz für die Nacht zu finden. In der
Nähe der Schleuse von St-Gilles zweigt ein anderer Kanal ab. In diesem
Mini-Delta lassen wir uns nieder. Ein herrlicher Sonnenuntergang und noch
köstlichere Ruhe umfängt uns grosszügig.
Schon seit Tagen meint es das Wetter gut mit uns. Seit ich unterwex bin, hat
es noch keinen Tag geregnet. An einem Tag, wo wir an unseren Fahrzeugen
gearbeitet hatten, war es bewölkt, ansonsten immer sonnig! Nach dem
Kälteeinbruch Anfangs November wurden die Temperaturen immer netter. Auch wenn
es des Nachts empfindlich kühl werden kann, die Sonne wärmt sehr schnell. Des
öfteren erlaubt es das Wetter, barfuss in den Sandalen und mit T-Shirt unterwegs
zu sein.
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14. November 2006: St-Gilles, Ecluse - Les Baux
de Provence
Provence-Feeling |
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Henny und Rainer haben die tolle Idee, Les Baux de Provence anschauen zu gehen.
Auch wenn ich grundsätzlich nicht sonderlich von Städtebesuchen und solch
historischen Angelegenheiten begeistert bin, lohnte sich dieser Abstecher in die
Alpilles doch ausserordentlich! |
 Wir schlendern durch das alte Dorf, welches in den 50er Jahren noch ca. 50
Einwohner hatte und heute doch wieder auf 450 angewachsen ist. Vermutlich leben
die meisten der Hinzugezogenen vom Touristenbusiness. Jedes zweite Haus hat
seine verführerischen Nippes & Souvenirs.
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 Henny und ich leisten uns mit je 7.50 Euro den Eintritt auf die Festungsanlage,
welche oberhalb des Dorfes in und aus dem Felsen gehauen ist. Nicht sosehr, weil
uns die Architektur anlockt, sondern weil die Aussicht von hier oben schlicht
genial ist. |
 In und zwischen diesen Felsen wurde gelebt.
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 Bizarre Felswände verzaubern diesen Ort. Er ist trotz
der vielen Besucher
magisch geblieben.
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 Mit ein wenig Fantasie kann man sich das dazugehörige Gebälk, welches aus einer
Höhle ein Haus machte, vorstellen.
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 Der Blick von der Festung auf das Dorf hinunter.
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Gegenüber von Les Baux finden wir einen guten Platz zum Übernachten. |
 Da er im Stellplatzführer erwähnt ist, bleiben wir nicht alleine. Aber das macht
nichts. Solange kein Gedränge herrscht und es ruhig bleibt stört mich das nicht
sehr. Ausserdem haben wir den besten Platz als Erste erwischt, nämlich ganz
vorne an der Front in unverbaubarer Lage! ;-))
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Der Blick auf Les Baux ist so eindrücklich, dass ich noch anderes in Kauf
genommen hätte! Wir sind hier mitten in der Provence. |
 In einem der ehemaligen Bauxit-Stollen wurde ein Weinkeller eingerichtet. Die
Atmosphäre ist schaurig-schön.
Bauxit wird hier offenbar immer noch abgetragen, wenn wohl auch nicht mehr so
heftig, wie das in früheren Jahren geschah. Die Landschaft rings um Les Baux ist
übersäht mit stillgelegten Stollen, die teilweise dunkel zwischen den Pinien
hervorlugen.
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15. November 2006: Les Baux de Provence -
Grenzübergang Italien
Es bahnt sich etwas Neues an |
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An Hennys Womo ist der Ölwechsel fällig. Obwohl sie ihn schon öfters selber
erledigt hat, will sie ihn diesmal erledigen lassen. Kurz bevor wir es
aufgeben, finden wir in einer Garage südlich von Les Baux dann doch
endlich auch einen Willigen, der den Ölwechsel auch mit ihrem mitgebrachten Öl
macht. Um 15 Uhr sind wir wieder abfahrbereit und legen noch ein paar Kilometer
Richtung italienische Grenze zurück, bevor wir zwischen Weinfeldern einen ruhigen
Platz für die Nacht finden.
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Unsere Reisestile passen gut zueinander. Wir sind alle Drei nicht gedrängt,
Kilometer zu schinden, ein vorgefasstes Ziel zu erreichen, voll von ungestillten
Besichtigungs-Bedürfnissen und daher Schritt für Schritt bzw. Kilometer für
Kilometer unterwegs Richtung Süden, bzw. erst einmal nordwärts Richtung Italien,
bevor es wieder südwärts gehen kann.
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Ich bin froh und glücklich, so gute Reisekumpane gefunden zu haben. Das Leben
fühlt sich wieder ähnlich an wie früher mit Dominik. Der Stil ist der gleiche,
nur mit dem Unterschied, dass wir nicht auf der Suche nach Start- und
Landeplätzen sind.
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Kürzlich warf ich in unserer allabendlichen Runde die Frage nach unseren Träumen
auf. Welche denn sie noch hätten und dass ich selber eigentlich am Neuerfinden
sei. Rainer z.B. sagt, dass er seine Träume lebe. Das Unterwex-Sein mit Schiff
und Womo entspricht ihm so total, dass er (wohl beinahe) wunschlos glücklich
ist. Henny träumt von neuen Ecken und Gefilden, sie will noch viele Gegenden
entdecken, Menschen und fremde Kulturen kennen lernen. Und ich? So richtig
konnte ich die Frage nicht beantworten. Meine Sehnsüchte gehen eigentlich eher
Richtung Sesshaftigkeit. Mein eigener Grund und Boden, mein eigenes Haus. Das
spukt in mir rum. Auf unserer letzten gemeinsamen Reise träumten Dominik und ich
von einem Daheim, einem kleinen Unternehmen irgendwo im Süden, irgendwas mit
Gleitschirmfliegen, irgendwas mit Freunden und Gästen, mit viel Platz und viel
Natur, in viel Ruhe und Abgeschiedenheit und trotzdem mit dörflicher Ambiente,
in der Nähe von Meer und Bergen. Eine neue Basis. Ein neuer Ausgangspunkt für
weitere Abenteuer, als Sesshafte, aber auch im Unterwex-Sein.
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Ohne Dominik sieht nun aber alles anders aus. Nicht so sehr anders, als das
alles nicht mehr stimmen würde, aber eben schon, dass es viel Inhalt verloren
hat. War Dominik, das Reisen und das Gleitschirmfliegen mein Lebensinhalt? Es
scheint so. Nun, es wird etwas Neues kommen. Immer wieder hält das Schicksal
Besonderes bereit. Und ich bin gespannt, was auf mich noch alles wartet. Ich bin
ein sehr ungeduldiger Mensch und werde, je älter ich werde, umso ungeduldiger.
Oder ist es nur so, dass mein Bewusstsein für die Ungeduld grösser geworden ist?
Auf alle Fälle weiss ich trotz meiner Ungeduld, dass sich vieles von alleine
ergeben wird. Es ist eine Zeit des Wandelns und des Neuwerdens. Altes ist
vorbei, Neues ist noch nicht da. Die Zeit dazwischen ist wie ein Fliegen
zwischen Welten. Abgefahren und noch nicht Angekommen.
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Ganz da sein. Das ist ein Motto, welches sich immer wieder manifestiert in
dieser Art von Reisen. Es geht nicht darum, irgendwo anzukommen, irgendwo
hinzukommen, sondern immer wieder, da, wo man gerade ist, ganz da zu sein. Immer
wieder und immer mehr rückt dieses Bewusstsein in den Vordergrund. Ganz da sein! |

Chronologisch
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