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13. Februar 2010

 

 

 

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Reisebericht Italien 2006-2 Südwärts
 

16. - 20. November 2006: Diano Marina (Imperia) - Sperlonga
Entlang der ligurischen Küste - Servicestopp in Rom - südwärts
Italien empfängt uns wie erwartet! Schon auf der Autostrada dei Fiori entlang der ligurischen Küste macht sich der italienische Fahrstil bemerkbar. Und als wir dann in die Stadt Imperia einfahren erwartet uns Italien in altbekannter und von mir altgeliebter Weise! Tempolimits werden chronisch überschritten bzw. gar nicht beachtet, doppelte Sicherheitslinien werden mit knappen Überholmanövern überfahren, aus zweispurigen Fahrbahnen werden so viele wie gerade nötig und die Skooter überholen uns links und rechts in akrobatischer Manier.
Der Stellplatz von Diano Marina befindet sich auf einem Campingplatz. Für 8 Euro sind wir angesichts unserer Müdigkeit aber schnell entschieden. Und ausserdem lässt es sich in ruhiger Umgebung erholen.
Es hat Nebel in der Höhe und überhaupt schlechtes Wetter. Trotzdem ist es milder als in den vorangegangenen Tagen. Wir fahren auf der Autostrada an Genua vorbei, staunen über die guten Strassen (vor wenigen Jahren war das noch eine wilde Holperpiste), und fahren in Viareggio den Hafen an. Henny und Rainer kennen hier einen ruhigen Platz hinter der grossen Werft, wo Luxusyachten vom Stapel fahren. Ein grosser Schotter-/Sandplatz bietet herrlichen Blick auf den Hafen und die endlosen Lichter des Lungomare von Viareggio nordwärts bis ich weiss nicht wo.
Ein Gewitter erwartet uns und es regnet in Strömen. Die Fahrbahnen gleichen Kanälen und wir müssen uns höllisch konzentrieren beim Fahren. Noch einmal durchfahren wir ein Gewitter. Die Wolken stapeln und türmen sich immer wieder auf's Neue in beeindruckender Weise. Am liebsten würde ich anhalten und das Spektakel bewundern und beobachten. 
Während der Mittagspause fängt es wieder an zu regnen. Als ich wieder in mein Womo zurück will, zeigt es sich, dass wir auf einem potentiellen See geparkt haben. Mit Ach und Krach, mit Hiev und Hepp und viel Handsicherung durch Henny und Rainer mache ich einen halben Spagat und überbrücke so die wohl knöcheltiefe Pfütze!

Bei Grosseto fahren wir auf einen Parkplatz beim Ippodromo und finden auch hier ein ruhiges Plätzchen.
Der Mittagshalt am anderen Tag war da schon einiges besser! Herrliches Wetter, direkt am Meer. Richtig warm ist es und wir sitzen draussen und haben so richtig Süditaliengefühle. Sperlonga ist nicht mehr weit weg und wenn wir vorwärts machen, sind wir im Laufe des Nachmittags dort.
Kurz vor Rom, als ich gerade die Führung übernommen hatte, haben Henny und Rainer eine Reifenpanne. Ich fahre zurück und finde die beiden auf dem Platz einer ERG Tankstelle. Der vordere linke Pneu hat eine diagonale Auswuchtung und sieht alles andere als fahrtüchtig aus. Im letzten Augenblick hat Henny diesen Schaden entdeckt. Das Probefahren auf dem Tankstellenplatz hatte nämlich nichts Ersichtliches ergeben. Mit Hilfe ihres Schutzbriefes erreichen sie, dass nach einer knappen Stunde ein Transporter eintrifft, der sie zu einer Werkstatt in Rom abschleppt.
Wir stellen uns mitten unter die anderen (;-)) Schrottautos auf den riesigen Parkplatz, um die Nacht hier zu verbringen und morgen dann auszuchecken, was zu machen sei. Es stellt sich heraus, dass dieses Unternehmen vor allem Falschparker in Rom abschleppt! Am anderen Morgen können wir miterleben, wie alle 10 Minuten wieder ein Transporter mit an- und aufgehängten PKW im Schlepptau eintrifft. Alle haben Bussenzettel an der Windschutzscheibe.
Nichtsdestotrotz frühstücken wir vor Rainer und Hennys Womo, welches die italienischen Arbeiter ziemlich belustigt. Zwei Mechaniker begutachten die Pneus und empfehlen daraufhin, sämtliche sechs Pneus zu ersetzen. Sie seien alt und rissig. Die Preise überzeugen dann auch Henny und Rainer. Für rund 700 Euro erhalten sie einen kompletten neuen Satz, fertig montiert!
Nach dem Mittag fahren wir weiter. Unser Ziel, Sperlonga, erreichen wir bei Dunkelheit. Froh, endlich da zu sein und wieder einen ruhigen Platz für die Nacht gefunden zu haben, stellen wir uns auf den Platz, den ich vor drei Jahren schon einmal während zwei, drei Tagen genossen habe.
Nun haben wir Rom hinter uns und den Süden vor uns. Von hier aus werden wir langsamer weiterreisen.

 
Der nächste Tag bringt unbeständiges Wetter. Am Morgen ist der Himmel noch verhangen, doch schon am Nachmittag tut er wieder auf.
Am Strand treffe ich auf einen Doppelgänger von Zorro. Er ist kräftiger gebaut, hat ein wenig ein breiteres Gesicht, aber ansonsten ist er haarscharf mein Zorro. Sogar die gleichen weissen Pfoten vorne!
Henny und ich spazieren zum Dorf hoch. Neben der Altstadt entdecken wir eine Frau, die mit Gummistiefeln und Gummischürze bewaffnet im sicherlich eiskalten Wasser ihre Wäsche wäscht! Ich hätte nicht gedacht, dass ich so was in Italien noch antreffen könnte! Die Sonne lacht und wir bewundern blühenden Hibiskus, Bougainvilea und anderes hübsches Grünzeug. Der Strand am anderen Ende des Dorfes hat sich ebenfalls sehr entwickelt. Noch ein paar Jahre mehr und die Bucht ist überbaut!  
Sperlonga ist eine Perle! Was man von aussen ganz und gar nicht erwartet! So klein und süss sind die Gassen und Innenhöfe! Alles überschaubar. Und jede Gasse führt schon nach kurzer Zeit an die Aussenseite des Dorfes und gibt den Blick auf's Meer frei.
Ein Abendspaziergang zeigt Sperlonga nochmals im schönsten Licht.
21. - 23. November 2006: Sperlonga - Santa Maria di Capua Verita - Napoli, Vesuvio
Rings um Neapel und auf dem Vesuv
Von Sperlonga aus fahren wir zuerst Richtung Gaeta. Ich möchte mir ebenfalls eine TIM-SIM-Karte für's Handy kaufen. Sollten wir uns irgendwie und -wo aus den Augen verlieren, können wir wenigstens günstig Verbindung aufnehmen und uns wieder zusammen lotsen. Ausserdem erreicht man mich so ohne grosse Kosten. Für 10 Euro erhalte ich in Gaeta eine Karte mit 5 Euro Gesprächsguthaben. 

Auf dem Weg nach Capua fährt man durch die Agglo von Neapel. Es scheint, dass die Abfallentsorgung hier nicht klappt oder der Verein ist gerade am Streiken. Ich tippe auf Zweites. Es liegen Berge von Müll um die Mülltonnen herum! Na, Neapel zeigt sich von seiner sehr üblen Seite.

Das Amphitheater von Santa Maria di Capua Verita ist leider sehr enttäuschend. Der Haupteingang ist das imposanteste an diesem alten Gemäuer. Drinnen und draussen sind Leute mit Renovierungsarbeiten beschäftigt und wir können nicht einmal auf die Arena raufklettern um diese ehemalige Lust- und Schreckensstätte von oben zu begutachten.  
Unsere nächste Destination ist der Vesuvio. Von Napoli aus führt zuerst eine steile und mit Kopfstein gepflasterte Strasse den Berg hoch. Später wird die Strasse breiter und besser. Auf ca. 1000m stellen wir uns auf den Parkplatz beim Kiosk, wo früher die Seilbahn hochkam. Es ist ca. 7° und wir geniessen die Aussicht auf Napoli by Night von drinnen. Um das Foto unten zu schiessen bin ich allerdings noch kurz vorher auf's Womodach geklettert.
Der scheinbar "berühmt-berüchtigte" Andreas de Gregoris, ein alter Mann, der uns hier oben empfängt, als wir ankommen, verkauft uns mit seinem Charme locker zwei Flaschen Vino Rosso di Vesuvio. Dafür dürfen wir auch auf "seinem" Parkplatz nächtigen. Morgen will er uns noch mehr verkaufen. Henny hat er schon mal einen Zeitungsartikel des Aachener Tagblatts in die Hand gedrückt, in dem zu lesen ist, dass er so quasi zum vesuvischen Interieur gehört.
Auf alle Fälle wird das nicht nur eine kalte Nacht, sondern auch eine ruhige. Auch wenn wir hier auf einem noch aktiven Vulkan nächtigen!

Irgendwie bin ich glücklich hier in Italien zu sein. Und doch frage ich mich immer wieder, was ich hier soll! Ohne Dominik scheint vieles keinen Sinn zu machen. Es fühlt sich manchmal wie ein Suchen im Labyrinth an, und ich weiss nicht, wo der Weg hinaus führt. Ich werde aber nicht reagieren, bzw. noch nicht. Ich werde gut beobachten, versuchen zu erspüren und dann entscheiden. Schliesslich bin ich gerade erst angekommen. Vorher wollte ich schreiben, Italien sei gewöhnungsbedürftig. Ich löschte es wieder weg, weil es nicht ganz stimmt. Italien kenne ich, ich muss mich nicht daran gewöhnen, aber ein Italien ohne Dominik, an das muss ich mich gewöhnen, das muss ich neu kennen lernen... 
In der Nacht ging meine Phantasie noch mit mir durch und ich malte mir ein Herunterfahren auf eisigen Bahnen aus... und heute lacht mich der schönste Tag an, seit wir hier in Italien sind!

Gut, dass ich Rainer gestern überreden konnte, weiter zu fahren. Ihn schreckte die anfänglich steile  Pflasterstrasse, die aber glücklicherweise bald in eine breite und asphaltierte Strasse wechselte.
Henny und ich wollen den Vesuv bezwingen. Beim Hochfahren sehe ich mind. drei Reisebusse hinter mir und schon bald ein paar weitere oben am Parkplatz stehen. Es herrscht Chaos. Der vulkanische Schotterplatz wird frisch geebnet, denn der Regen hat ihn offensichtlich total verfressen. Doch nicht nur das! Wir erfahren beim Billetschalter, dass heute, ja leider, kein Raufkommen möglich sei! Der Regen hat auch die Wanderwege hoch teilweise weggespült und die Tore bleiben verschlossen. So ein Mist!

Wir fahren auf der Strasse zurück bis zur nächsten scharfen Kurve und stellen das Womo ab. Hinter einem 2m hohen Maschendrahtzaun sehen wir eine Schülergruppe bei einer Informationstafel stehen. Dort müsste man hin kommen! Von dort geht nämlich ein Weg weiter!
Gesagt, getan. An einer Stelle ist der Zaun zur Hälfte runtergebogen. Da klettern wir rüber. Zorro hüpft durch ein darunter liegendes Loch. Scheint wie gemacht für uns!
Auf der Infotafel sehen wir dann, dass hinten rum, also südöstlich des Vesuvs ebenfalls ein Wanderweg hoch zum Krater führt. Na wunderbar, wer sagt's denn? Wir spazieren los und werden so weit gehen, wie es möglich ist. Wahrscheinlich werden sowieso bald Arbeiter auftauchen, die uns nicht durchlassen... 

Aber keinen Menschen treffen wir an. Ganz am Anfang die Schülergruppe, an der wir kurz und zielstrebig vorbeilaufen, trotz des kritischen Blickes des Lehrers. Dann sind wir alleine. Schon beinahe oben, sehen wir dann die Bescherung. Ein Stück des Weges wurde weggeschwemmt. Das poröse und locker liegende vulkanische Gestein hält nicht gut auf dem steilen Hang. Da braucht es sicherlich wenig, bis die Massen rutschen.

Wir klettern, teilweise auf allen vieren, mutig über diesen dunklen Abgrund ;-)) und kommen wenig später oben an....
Keine Menschenseele, weit und breit. Wir stehen auf dem Vesuv und werden von keinen Touristenmassen angelärmt und -gerempelt.

Den Krater können wir uns ungestört anschauen und die bizarre Landschaft geniessen.

Immer wieder kichern wir übermütig vor uns hin! Ha, wir haben denen allen ein Schnäppchen geschlagen! Haben uns von hinten angeschlichen!

Aus den Seitenwänden des Kraters puffern schweflige Rauchwölkchen. Sie stinken und erinnern uns daran, dass wir uns auf einem Vulkan befinden.  
Ich klettere über die Abschrankung (auch das darf ich, da ja keiner guckt und gleich mit der Trillerpfeife pfeift) und schaue in den Krater hinein. 300m oder so? Auf alle Fälle genug, um da alleine nicht mehr rauszukommen, sofern man einen Sturz in die Tiefe überhaupt überleben würde. Aber die Überlegung ist müssig, denn ich habe nicht vor, den Vesuv so zu verärgern, dass er mich mit einer Lavafontäne raus katapultieren könnte.
 
Der Vesuv ist übrigens ein sogenannter aktiver Vulkan, der das letzte Mal 1944 ausgebrochen ist. Das scheint lange seither. Aber wenn man weiss, dass er bis dahin immer wieder mal ausgebrochen ist, dann werden gute 60 Jahre Abstand recht relativ.
Thermik, die sich an der Südseite des Vesuv gebildet hat schliesst uns in seine neblige Feuchtigkeit ein. Ein wenig unheimlich, aber ungefährlich. 
Während wir zurück gehen, erfreuen wir uns an der gigantischen und wundervollen Sicht vom Vesuv auf den Golfo di Napoli und die Hügellandschaft des Amalfi.
In Neapel gehen wir kurz Sprit und Wasser tanken, bevor wir weiter Richtung Süden fahren.

Hufgetrappel lässt uns hochgucken und staunen! Beim ersten Mal ist ein Skooter-Fahrer mit einem rassigen Pferdchen, das neben ihm hertrabt. Er und sein Traber sind völlig ungerührt ob des napolitanisch lauten und dichten Verkehrs! Beim zweiten Mal zücke ich die Kamera. Diesmal ist es "bloss" ein Boogy mit einem Traber vorne und einem im Schlepptau auf der Seite! Was man vom Bild her nicht mitkriegt, ist der extreme Verkehr und das hektische Chaos, welches hier in Neapels Strassen herrscht!
24. -28. November 2006: Napoli - Salerno - Paestum - Marina di Camerota (Cilento)
Griechisch-Römische Antike - Italien hat uns endlich
Unsere Strecke führt an Salerno vorbei und gleich anschliessend an die Küste. Hier finden wir einen guten und ruhigen Platz für die Nacht. Die Pinien schützen uns vor Wind und der Strand fängt gleich hinter dem Parkplatz an.

Das Tor wird sogar über Nacht geschlossen, und so bleiben wir von jeder Störung verschont.

 
In Paestum, bzw. auf dem grossen dazugehörigen Parkplatz begrüsst uns ein alter Mann. Dieser "Vecchio" mit Kapitänsmütze knüpft uns je 2 Euro für den Parkplatz ab. Dafür unterhält er uns mit seinem kaum zu verstehenden Kauderwelsch und trillert mit seiner Pfeife jedem vorbeifahrenden Auto hinterher.

Wir wollen uns die griechischen Tempel ansehen. In meinem Bericht von vor drei Jahren habe ich zwar ausführlich von meinem Besuch und meinen Eindrücken berichtet. Aber die Anlage ist so sensationell schön, dass ich es mir nicht nehmen lasse, noch einmal durch die grossangelegte ehemalige Ruinen-Stadt Poseidonia zu gehen.

Allerdings haben wir zuerst Pech. Die Öffnungszeiten beschränken sich auf den Vormittag. Wir werden also morgen nochmals kommen müssen.

Kurzentschlossen wollen Henny und ich den imposanten Kirchenbau, der in der Nähe von Capaccio markant aus dem Grün des umliegenden Waldes sticht, aus der Nähe anschauen. Wir hoffen, wir schaffen es noch vor Sonnenuntergang.

Wir verfahren uns dann aber dermassen, dass wir schon beide glauben, es nicht mehr rechtzeitig zu erreichen. Wir schaffen es trotzdem. Gerade auf die letzte Minute. Die Sonne verzieht sich hinter den Horizont, und wir geniessen den Blick über die Seleebene und den Golfo di Salerno.
Auf dem Rückweg halten wir kurz bei einer neugierig machenden Glaskuppel an. Sie gehört zur Kirche Getsemani.

Der Pfarrer empfängt uns auf dem Parkplatz (wir glauben, er schickt uns gleich wieder weg) und erklärt uns netterweise und unaufdringlich, dass hier zwei Kirchen übereinander gebaut wurden und wir dies gerne besichtigen dürfen!

Tatsächlich sehen wir, als wir eintreten, über uns eine Glaskuppel mit tollem Glasmosaik und in der Mitte des Raumes, im Boden, ein sternförmiges Loch, welches den Blick auf die darunter liegende Kirche frei gibt.
Von der unteren Kirche aus sieht man die farbigen Fenster des oberen Teils! Ein eindrückliches Konstrukt! In der Mitte liegt ein marmorner betender Jesus und entlang des kreisrundes Raumes hängen bronzene Reliefe, die stufenförmig, von grünem, granitähnlichem Stein belegt, in die Wand eingelassen sind. Unbeschreiblich beeindruckend! Diese Arbeit, dieser Aufwand! Diese Ideen!
Kurz vor unserer Heimkehr, es ist schon dunkel, überrascht uns dann noch der Neptun-Tempel im strahlenden Scheinwerferlicht.
Die Sakralbauten Paestums. Die wahrscheinlich schönsten dorischen Tempel Europas! Bedeutendste Überreste griechischer Kultur in Italien.

Beide grosse Tempel dienten dem Kult der Hera, der Schutzgöttin der Stadt. Im Museum sehen wir jede Menge kleinerer und grösserer Skulpturen, die Hera, Göttin von Haus und Herd und Fruchtbarkeit, darstellen.

Das Spazieren durch dieses weitläufige Wiesengelände macht Spass.
Sowieso weil herrlichstes Wetter herrscht und wir sogar in T-Shirts ins Schwitzen geraten.
Die Grösse und recht intakte Schönheit der griechischen Tempel mit ihren dorischen Säulen ist eindrucksvoll.
Im Museum können wir das in den Touristenläden gut vermarktete Abbild der Grabplatte des "Tauchers" ansehen. Eigentlich müsste es Springer heissen und nicht Taucher, wenn man sich das Bild anschaut. Historische Interpreten meinen, dass dieser Sprung symbolisch gedeutet werden muss: Sprung in's Jenseits... in andere Dimensionen...
Einen Kilometer südlich der Ausgrabungsstätte finden wir im Lido di Siesta einen Platz, um uns von den Strapazen der Besichtigung und den vielen Eindrücken zu erholen.

Es ist zwar nicht der Mega-Platz, aber immerhin können wir Tisch und Stühle draussen hin stellen und haben zudem direkten Blick auf's Meer inkl. Sonnenuntergang. Herrliches Wetter!
Der nächste Morgen ist sowas von perfekt: kein Wind geht, die Brandung ist schwach, die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel und die Temperaturen steigen auf irgendwo über 22°. Ich entschliesse mich, das Wagnis einzugehen... irgendwie lockt das Wasser zu sehr. Als ich dann drin bin, muss ich feststellen, dass es gar nicht so arg kalt ist! Vielleicht 18°, vielleicht auch ein wenig kälter. Auf alle Fälle herrlich, herrlich, herrlich! Der Süden und das Meer heissen mich willkommen und ich sie!
Kurz nach Paestum bzw. Agropolis fängt das Küsten- und Naturschutzgebiet Cilento an. Von hier an ist es vorbei mit endlos langen Sandstränden. Dafür beginnt eine abwechslungsreiche Berg- und Buchtenlandschaft mit kleineren Sandstränden, verschwiegenen Buchten und bizarr zerklüfteten Felsformationen. Die laute und hektische SS (Super Strada) geht weit hinten rum. Ähnlich der Amalfitana führt auch hier eine Küstenstrasse in tausend Bogen dem Meer entlang, mal hoch in den Hängen, mal hart am Meer.

In San Marco machen wir Mittagspause. Wir suchen das ganze Dorf nach einem Stellplatz ab, werden aber nicht wirklich zu unserer Zufriedenheit fündig. Also weiter. Könnte schwierig werden hier.  
In Marina di Ogliastro haben wir mehr Glück. In der Nähe eines Aleppo-Pinienparkes, am Rande des Dorfplatz stellen wir uns hin. Wir sind froh, hier etwas gefunden zu haben, ist doch die Küstenlandschaft total bezaubernd. 
Es bleibt uns auch genügend Zeit, die Abendstimmung (um etwa 16 Uhr!) aufzunehmen und zu geniessen.
Halbreife Datteln liegen am Strassenrand. Die werden hier wohl nicht reif und saugen der Dattelpalme unnötig Saft ab!? Irgendwie schade um die dekorativen Dinger!
Im Dorf sichte ich eine Pflanze, die ich nicht kenne. Eine Banane ist es nicht. Für eine Strilizie viel zu gross, obwohl sie ein Blüte ganz ähnlicher Art treibt. (Später finde ich heraus, dass es tatsächlich Riesenstrelizien gibt!)
Die Bougainvilea bezaubern auch hier in ihrer Farbenpracht. Der Inbegriff des Südens für mich!
Am Dorfplatz steht so etwas wie ein Souvenirladen. Es ist allerdings mehr als das. In zwei Räumen hängen an den Wänden und von der Decke, gestapelt auf Regalen allerlei Tiere, Muscheln, Seesterne, Schwämme, ausgestopfte Haie und weiss der Geier was noch alles. Es ist so voll von Allerlei aus dem Meer, dass es mir beinahe die Sprache verschlägt.
Wir bleiben einen Tag hier. Meine Hausbatterien sind total im Eimer. Heute morgen komme ich schon mit der schlichten Inbetriebnahme der Wasserpumpe in den roten Bereich! Es müssen Neue her!

Henny und Rainer haben auch diverse Reparaturarbeiten und so verbringen wir den Tag mit Schrauben, Messen, Drehen, Wenden, Putzen, Auseinandernehmen und wieder Zusammenbauen.

 
Die beiden messen mir meine Lade-Batterien aus, hängen dort ab und da an, bis wirklich feststeht, dass die Kombination der einen grösseren Batterie (100 Ah) mit der anderen kleineren (55 Ah) total ungünstig ist. Gewusst habe ich das schon, aber sie haben trotzdem recht lange gehalten. Nur, jetzt ist endgültig Schluss. Bei nächster Gelegenheit werde ich sie ersetzen. D.h. ich nehme zwei neue 55 oder 65 Ah - Batterien, so dass sie gleich "klingen".

Das Wetter ist total schön. Herrlichster wolkenloser Himmel, warme Temperaturen, sogar nachts, und kein Rummel, weit und breit! Schön, im Süden zu sein!
Heute geht es im gemütlichem Tempo weiter durch den Cilento, immer dem Meer entlang. Immer wieder führt die gewundene Strasse so in die Höhe, dass man geniale Blicke auf den Küstenverlauf hat. 
Die eine Stelle ist so steil, das ich das festhalten muss. Epsin wenig ächzend kommen sie "hochgeschnurrt"! Es soll ihnen nicht besser als mir ergehen!
Traumhafte Buchten! Fast am Ende des Cilento sieht man hinter Palinuro diese steil abfallende Felsküste.

Am Ende von Marina di Camerota finden wir, als wir schon beinahe aufgegeben haben, doch noch einen guten Platz. Direkt am Meer! Wunderbar. Ein Spaziergang ermöglicht uns den Blick zurück auf unseren Stellplatz, unseren Platz für diese Nacht und den morgigen Vormittag. Vielleicht auch für länger. Man wird sehen.

Wir treffen unsere Entscheidungen immer kurzfristig. Je nach Wetterlage, der äusseren, wie auch der Inneren!

Demnächst geht es dann weiter, ganz langsam, Richtung Sapri. Dort wartet ein Couvert mit einer Liechtensteinischen SIM-Karte auf mich, welche mir Marcello aus der Schweiz hinterher geschickt hat. Sie wird mir Gratis-Empfang in allen Ländern Europas ermöglichen. 
 

Am Vormittag fährt auf einmal eine Frau auf dem Fahrrad vor und sagt "Grüezi!". Mirjam ist aus der Schweiz, mit einem hiesigen Italiener so gut wie verheiratet und lebt hier seit drei Jahren.

Wir kommen schnell ins Gespräch und ich erzähle ihr beinahe meine ganze Lebensgeschichte. Kein Wunder, sie ist ja Psychotherapeutin!

Auf dem Gelände, welches sie zwecks Hausbau gekauft haben, stehen eine Menge gute alte Olivenbäume.  Ich kaufe ihr gerne eine Flasche von dem in diesem Jahr zum ersten Mal von ihr selbst hergestellten Olivenöl ab. Wenn auch nicht in einer eigenen Mühle gemahlen, sind die Oliven doch immerhin ohne Gift gediehen und von Hand geerntet. Ich werde meine Freude daran haben!

Nebst dem Olivenöl bietet Mirjam ihre Kompetenz auch in einer "Olivenhain-Psychotherapie" an oder mit "Seelenbilder malen am Meer". Die Umgebung hier ist wirklich wunderschön und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sich hier gut von Sorgen und Nöten distanzieren lässt. Vor allem auch mit einer so guten Zuhörerin, wie es Mirjam ist! Wer Interesse hat kann sich bei ihr telefonisch melden unter 0039 974 939 118 oder 0039 349 734 84 54 oder per Mail an: mirjam (punkt) ruoss (ät) bluewin (punkt) ch.

Kurzerhand entschliessen wir uns, noch einen Tag länger in Marina di Camerota zu bleiben.
Mirjam zeigt uns "ihr" Dorf, weist uns auf das Internet-Café hin und hat so manche Geschichte zur italienischen Mentalität parat.
An der einen Ecke spielen die Männer Boccia, an  der anderen Karten. Friedlich ist es hier.

Auch Mirjam meint, dass sie sich das ruhige Leben schon ganz schön arg angewöhnt hat. Es geht alles ein wenig langsamer und das ist (meist) gut so.
Der Architekturstil in Italien ist ja, meiner Meinung nach, die reinste Scheusslichkeit. Aber hin und wieder arrangieren sich ein paar wenige Häuser harmonisch in der Landschaft.
Der Blick zurück auf "unsere" Bucht in der Abendsonne.
Man wartet darauf, dass der Ladenbesitzer, bzw. die Ladenbesitzerin, des Internet-Points endlich die Tore öffnet! Gerade wollen wir aufgeben, als Henny meint, doch noch ein paar Minuten zu warten. Und siehe da! Es lohnte sich!

In der Nacht taucht übrigens ein Carabinieri auf, der unsere Daten in eine grossformatige Tabelle einträgt und damit zufrieden ist. Wir reisen ja eh morgen wieder ab. 
29. November - 5. Dezember 2006: Sapri - Praia a Mare - Vibo Valentia Marina - Scilla
Schönes Wetter ohne Ende
In Sapri ist Markt. Während Rainer sich in dieses Getümmel schmeisst, tue ich mir ein anderes an: ich fahre mit Hennys Fahrrad zur Post und hole meine Post ab. Schön, dass es geklappt hat! Die SIM-Karte erweist sich als funktionstüchtig und einsatzbereit. Cool. Nun habe ich endlich für alle Länder eine einzige Nummer!

Gleich vis-à-vis unseres Stellplatzes finde ich einen Garagisten, der mir eine 100 Ah - Batterie verkauft. Grosszügigerweise fährt er mich und Rainer sogar in seinem Jeep wieder zu den Womos zurück. Die alten Batterien darf ich dann bei ihm vor der Garage stehen lassen! Supi! Endlich wieder anständigen Strom! Ich habe mich nun doch für eine Batterie entschieden. Den Platz in der Treppe, wo die zweite Batterie untergebracht war, kann ich gut für anderes Zeug nutzen.
Unser Weg führt uns weiter südwärts mit Ziel Maratea. In diesem megahübschen Fischerdorf kenne ich zwei gute Stellplätze. 
Die Küstenfahrt ist wieder einmal eine Sensation. Wir haben aber auch permanentes Superwetter und das Meer ist klar und strahlend blau!
An der engsten Stelle muss ich anhalten. So einen Blick hat man nur von hier aus.

An der einen Stelle in Maratea sind sie gerade am Bauen und an der anderen Stelle, auf dem grossen Kiesplatz, hat die Gemeinde, oder wer auch immer, eine Barriere hingestellt. Wir können diesen hübschen Ort vergessen! Ich bin sehr enttäuscht. Den ganzen Weg habe ich mich auf diese Ecke gefreut und nun?! Es scheint, die Dinge ändern sich.... nix bleibt eben so wie es ist...
Vor Praia a Mare sehen wir schon von der Küstenstrasse auf ein grosses Wiesengelände herunter, welches sich uns regelrecht anbietet. Henny hat die Zufahrt schon von oben gut entdeckt und wenige Minuten später werden wir für Maratea mit einem guten und friedlichen Stellplatz entschädigt.

Wir bleiben auch hier zwei Nächte.

In Praia a Mare finden Henny und ich Wasser und für mich ein Fahrrad. Wasser fanden wir auf dem grossen Parkplatz neben dem Aquapark. Zwar verschliesst eine Barriere vorerst den Zugang und dem Wasserhahn fehlt der Hahn. Aber beides lässt sich lösen. Mit der Zange dreht Henny den Wasserhahn auf und es fliesst ein herrlich dicker Strahl aus dem Schlauch. Die Barriere lässt sich schlicht anheben und ich fahre mit dem Womo rein. Vollgetankt ist schnell und wir schauen, dass wir wieder wegkommen.
Ein Fahrrad stand schon eine Weile auf meiner Liste. Bei einem Händler machten wir kurz Halt und schauten uns zuerst durch die Schaufensterscheibe und dann auch von innen die Auswahl an. Der Händler hatte seine helle und ein bisschen kindliche Freude an uns! Er kicherte dauernd und für 160 Euro erstand ich mir ein rotes tolles Bike! Eines mit einem breiten und hohen Lenker und hinten und vorne ein Gepäckträger. Schliesslich muss der Zorro da mit drauf!

Zurück bei den Womos ist aber noch mehr Arbeit angesagt. Der Rutschschutz für die Batterie, welche unter dem Copiloten-Sitz verstaut ist, ist zu lange. Ich muss sie um ein paar Zentimeter kürzen. Während ich wie wild das Holzteil bearbeite, halten sich die einen an ihre Siesta und die anderen fotografieren jene, die arbeiten! 
Auf unserer Strecke Richtung Pizzo liegt Diamante. Ein Dorf am Meer, bekannt für seine Murales, sprich Wandmalereien. Doch die erste Farbenpracht, die mir ins Auge sticht, ist dieser Balkon, der voll hängt mit Chilli!
Viele Künstler haben sich in diesem Dorf ausgetobt.

Dieses beeindruckende Bild habe ich vor drei Jahren schon abgelichtet. Alle Wand-Bilder haben in der Zwischenzeit gelitten. Sie sind dem Verfall ebenso preisgegeben wie alles andere auch.

Der Lungomare ist breit und gefällig. In den schattigen Gassen ist es noch recht kühl und hier am Meer lockt uns die Sonne.

Der Hunger treibt uns die Promenade runter auf der Suche nach einem Lokal. Aber es scheint alles geschlossen.
Im "Lo Spuntino" wollen wir uns eigentlich Arancini (gefüllte Reiskugeln) zum Mitnehmen einpacken lassen. Als die Signora zu erkennen gibt, dass sie Deutsch spricht, kommen wir ins Parlieren. Auch sie hat keine Antwort auf die geschlossenen Restaurants. Aber sie meint, wir sollen doch einfach einen Tisch nach draussen nehmen, um unter freiem Himmel essen zu können. Na Prima!

Arancini sind eine sizilianische Spezialität. Sie werden entweder mit Fleisch und Erbsen gefüllt, oder mit Mozzarella und Schinken, und schmecken lecker!

Für den Selbstauslöser der Kamera war ich wohl zu vollgefressen, sprich zu langsam.
 
Eigentlich wollten wir nach Tropea. Aber unsere Wäsche ist mittlerweile mehr als fällig, und wir erhoffen uns im Yachthafen von Vibo Valentia Marina eine Wäscherei. Die erste will uns 4 Euro pro Kilo abknöpfen! Nicht mit mir! Mit Wäschereien habe ich so meine Erfahrungen gemacht. (Das kann man im Bericht von vor drei Jahren nachlesen!).  Bei der nächsten Wäscherei hört es sich mit 2.60 Euro vernünftig an und wir lassen unsere Säcke dort. Morgen um die gleiche Zeit können wir sie trocken wieder abholen.

Als ich voraus fahre, holt mich ein Paar auf einem Skooter ein und spricht mich auf Schweizerdeutsch an! Der Horst lebt mit seiner Frau, der Hanni auf einer Yacht im Hafen. Das wird Henny und Rainer interessieren!

 
Später kommt der Horst nochmals vorbei und lädt uns auf seine Yacht ein. Auf der imposanten 20m langen Motoryacht lassen wir uns von ihren Reisen in die Türkei und querfeldein durch's Mittelmeer erzählen. Seit 12 Jahren leben sie auf diesem Schiff, verbringen die Winter im Süden oder auch mal so wie diesmal, mit einem Aufenthalt hier und einer Reise per Auto nach Tunesien. 
Am anderen Mittag holen wir wie abgemacht unsere Wäsche ab und fahren weiter in den Süden. Tropea lassen wir aus. Der Weg ist uns zu weit und es warten noch viele hübsche Ecken auf uns.

Übrigens tauchte hier am Morgen eine Crew (4 Typen!) von der Guardia di Costeria auf und meint, dass wir hier nicht stehen dürfen. Als wir erklären, dass wir eh gleich abreisen, sind sie beruhigt.

Wir kommen durch Gegenden, die voll mit Orangen- und Olivenplantagen sind. Auf der Erde liegen Netze, um die Oliven aufzufangen und sauber einsammeln zu können.
Zorro geniesst hin und wieder die Sonne vom Sitz neben mir. Wenn wir langsam dahin zuckeln, dann hat er keinen Stress und geniesst es, einfach dabei zu sein. Immer öfter sitzt er mal auf und guckt sogar raus. Aber nie für lange. Irgendwann lässt er sich wieder mit einem Plumps nieder, versenkt seinen Kopf zwischen die Beine und wartet geduldig, bis er wieder selbst bestimmen darf, wo es lang geht und wie schnell. 
Scilla ist unser letzter Halt, bevor wir nach Sizilien übersetzen. Hier stand ich lange mit Dominik. Aber der Zauber ist nicht mehr da. Seit ich bei Praia a Mare vorbei bin, erinnern mich viele Ecken an Dominik und ich weine viel, wenn ich an diese Zeiten zurück denke. Nicht immer gelingt es mir, den Wert zu sehen, den ich erhielt durch die Zeit, die ich mit ihm hatte. Manchmal wünsche ich mir ihn einfach zurück, sehe nur, was nicht mehr ist und nie mehr sein kann. 
Schmerzlich wird mir auch immer bewusster, was er mir alles war. Er war mir nebst vielem anderen auch Heimat! Und so ein Dorf wie Scilla, wo wir uns beide so wohl fühlten und welches uns so viel Freude bereitet hat, wirkt nun nur noch wie ein Schatten auf mich. Schade. War es wohl ein Fehler, auf diesen alten Spuren zu reisen?

Was wird Sizilien mir bringen? Fehlbeleuchtung und hohle Gassen? Lauter Verluste? Wie diese venezianischen Gondeln, die damals Scilla einen Touch von Eigenwilligkeit gaben und heute nur noch gammelnder Schrott sind?

Mein Blick ist noch belastet und nicht vieles hat Bestand neben Dominiks Leben. Ich werde neue Wege beschreiten oder noch viel viel mehr Zeit verstreichen lassen müssen, um wieder Inhalte finden zu können.

 

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Chronologisch geht's hier weiter: Reisebericht Italien 2006, Teil 3