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Dalmatien 2005/2

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Reisebericht Kroatien 2005-2 Dalmatien
 

16. - 19. Oktober 2005, Meduno - Karlobag - Makarska (ca. 60 km SO v. Split) 
Entlang der Küste und über's Hinterland bis zum Nationalpark Biokova
Wir kommen zügig um Triest und Rjeka. Schon kurze Zeit nach unserer Abfahrt in Meduno lacht uns in Istrien das Meer entgegen! Herrlich, herrlich, immer wieder auf's Neue! 
In Karlobag machen wir Halt für die Nacht. Ein Abendspaziergang bringt uns hoch, das Dorf hinauf, bis zu einer kleinen Kirche, wo man einen schönen Blick über das Meer hat. Es dunkelt schon ein. 
Nach und nach windet es immer heftiger. Das muss wohl die berühmt berüchtigte Bora sein. Von hinten, bwz. von Osten kommt sie als Fallwind über die Berge und schüttelt alles durch, was sich ihr in den Weg setzt. Ich lasse die Stützen runter, um das Womo zu stabilisieren. Doch es reicht nicht, wir müssen umparkieren. Weiter gegen das Dorf hin, hinter einem grossen Transporter und vor allem mit dem Arsch in den Wind lässt es sich aushalten. 
Als ich am Morgen aufstehe ist zwar schönstes Strahlewetter, aber die Bora peitscht nach wie vor das Meer wild auf.   
Die Insel Pag, uns gegenüber, liegt in der morgendlichen Sonne kahl da und erinnert mich sehr an Marokko. Mag sein, dass auch das Licht mitspielt. Überhaupt erinnert mich hier in Kroatien vieles an Marokko. Karge Steinlandschaften, Lichterspiele auf Felsen und ein Meer, dass sich gegen Westen hin ausbreitet. 
Ich halte das Steuer fest in den Händen während wir weiter auf der Küstenstrasse Richtung Süden fahren. Der Wind kommt von der Seite und ich muss konzentriert bleiben, wenn wir nicht von einer Böe ins Wasser geschubst werden wollen. 
Von Zadar aus fahren wir ein Stück auf der Autobahn. Sie führt durch ein Hinterland, welches von Macchia geprägt ist. Immer wieder kleine Ansiedlungen, aber alles irgendwie trostlos und langweilig. 

Auf der Höhe von Split ist die Autobahn zu Ende und wir nehmen die Strecke über's Hinterland. 

Die Bora kommt wie eine Walze über das Gebirge. Davor (im Bild darüber) entstehen Thermikwolken. Hier drin zu fliegen wäre mehr als übel. Wohl etwa wie wenn man in eine Waschmaschine geraten wäre. 
Wir schleichen uns also quasi von hinten an den Nationalpark Biokova ran. Die karstige Landschaft wird teilweise gut genutzt. In Tälern ist der Boden offenbar fruchtbar. 
Dörfer kleben in den Hängen. Ein krasses Leben... ... romantisch anzuschauen. 
Auf der Passhöhe sehen wir runter auf's Meer, rechterhand das Gebirge, dass sich dem Meer entlang fortsetzt. LInkerhand fängt das Biokova an. Und hier, zwischen den steilen Flanken der Berge und dem Meer zeigt sich uns ein Bild wie an der Riviera in Frankreich. Kein Wunder nennt sich das Gebiet selber Makarska Riviera. 
Dank dem guten Tipp von Volki finden wir am Strand den Landeplatz von Makarska. Obwohl ein bischen frech, nach hier hinten mit dem Womo zu fahren, lohnt es sich. Der Platz ist eine Wucht und wir können es kaum fassen, so eine schöne Ecke für uns zu haben. 
Keine Polizei kam und auch sonst war absolute Stille. Nur der Vollmond wachte über unsere nächtliche Ruhe. Im gleissenden Morgenlicht schimmert das Meer in den schönsten Türkistönen. 

Hinter uns liegen felsige Hügel, dicht mit giftgrünen Pinien bewachsen. Dann erhebt sich steil das Gebirge des Biokova auf etwa 1300m. Dahinter liegt eine wilde Karstlandschaft mit vielen kleinen Tälern und tausend Karstlöchern. 
Diesen herrlichen Tag geniessen wir mit Spaziergängen, Baden (!!), Malen, Lesen und einfach Rumhängen. 
Ein Spaziergang bringt uns durch den Pinienwald hoch zu einem Ausguck mit Panoramablick über die Makarska-Riviera. Sensationell, oder?
Das ist unser Stellplatz. Nicht übel, gäll! Unser Womo ist von einer Pinie verdeckt und steht zwei Bäume hinter dem weissen Häuschen. 
Granatapfel. Reif für die Vögel. 
Die Sonne steht tief und die Lichtersterne auf dem Meer sind bezaubernd. 
Bei Sonnenuntergang leuchtet das Biokova nochmals rot auf, bevor es sich wieder zu seinem mächtigen und ruhigen Grau bescheidet. 
Am nächsten Tag beschliessen wir, uns das Naturreservat Biokova aus der Nähe anzuschauen. Wir waren hier oben zwar schon auf unserer ersten Reise im 2000. Aber diesmal begleitet uns herrlichste Herbstwetter. Die Strasse rauf bis zum Sv. Jure ist 24km lang und wird als Kroatiens höchstgelegene Asphaltstrasse verkauft. Man bezahlt für den Eintritt in den Nationalpark 15 Kuna, was gute 2 Euro sind. 
Wir geben hier nochmals die perfekte Beschreibung Volkis wieder, für den Zugang zum Startplatz: Wenn man zum zweiten Mal die Antenne des Sv. Jure sieht kommt rechterhand eine Parknische. Dort parkieren. Etwa 20m der Strasse entlang den Berg hoch. Dann einem Pfad, der links Richtung Süden führt folgen, ca. 20 Minuten geht es leicht bergan und wieder bergab bis man an der Kante steht, wo der Startplatz angelegt ist. Das Foto gibt den Blick Richtung Nordwesten wieder. 

Wir beschliessen, heute den schönen Tag hier oben zu verbringen und einen Flug auf morgen zu verschieben. Das Wetter ist so toll, wird schon bis morgen hinhalten... 

Wenn man von unten raufschaut, dann sieht man diese hochebenartige Landschaft gar nicht. Relativ karg mit wenigen Föhren, vielen Karstmulden und entsprechenden Hügeln.  
Hier oben pflegen Leute schon seit eh und je kleine Gärten in den Karstmulden. Viele sind verlassen. Doch einige werden fleissig bearbeitet. Wir wundern uns sehr, dass es Menschen gibt, die die extrem lange und mühsame Anfahrt auf sich nehmen, um hier oben, in Abgeschiedenheit einen Gemüsegarten zu hegen und zu pflegen. Allerdings redet man von den Kartoffeln, die hier oben wachsen, nur in Superlativen! 
Die Sonne steht schon bald wieder recht tief. Schatten und Lichterspiele über den tausen Kämmen, Mulden und Graten faszinieren mich. Ich kann mir gut vorstellen, wie hier Wölfe im Schatten der Buchenwälder rumstreunen und ab und zu ein krankes oder altes Reh erjagen. 
Unser Womo stellen wir zuoberst auf den einzigen geraden Platz hin, den es gibt. Haarscharf an der Kante! Sollte die Bora oder ein anderer heftiger Wind einsetzen, werden wir flüchten... 

1765m! Und das ziemlich direkt über Meer! Genial. Wir sitzen hinter dem Womo mit Blick Richtung Sonnenuntergang und haben ein wenig Skihüttengefühl. Es ist warm und beinahe windstill. 
Ein Spazier führt rings um die Spitze des Sv. Jure. Auf der hinteren Seite befindet sich eine kleine weisse Kapelle. Dort setzen wir uns für einen Moment hin und geniessen die Weite, das majestätische Gefühl, auf dem Dach der (kroatischen) Welt zu sitzen und alles zu überblicken. 
Die Buchenwälder in den Mulden sind schon kräftig verfärbt. 
Kurz bevor die Sonne untergeht wird das Licht noch einmal intensiv. 
Die Strasse, die sich die letzten Höhenmeter auf den Gipfel hochwindet. Sie ist mit unserem Womo gerade noch befahrbar. 
Leider verabschiedet sich die Sonne viel zu früh hinter einer Front, die sich langsam aus Westen anschleicht. 

Während des Abends klettert das Thermometer, welches vorher rasant fiel, wieder wenige Grade nach oben. Der Beweis, dass die Warmfront schon bei uns angekommen ist! 

Als wir am nächsten Tag aufstehen, sehen wir keine 10m weit. Dicker Nebel liegt feucht und schwer in der Luft. Mit Fliegen ist wohl nix mehr. Shit! So ein Pech! Manchmal wär eine vernünftige Wetterprognose schon "kä Seich"!

Nun gut, das schlechte Wetter nimmt uns Entscheidungsschwierigkeiten ab. Wir strecken die Nase Richtung Süden und los geht's. Die alte Stadt Dubrovnik ist unser Tagesziel! 
20.Oktober 2005, Makarska - Dubrovnik  
Wanderung auf der Stadtmauer der Altstadt
Wir fahren durch ein Gebiet, welches uns durch das Bewässerungssystem verblüfft! Ganz abgesehen davon, dass es für das Auge schön anzuschauen ist. 
Es scheint, als hätten die Bauern strichweise Sumpfboden ausgehoben und die Erde genutzt, um den Boden nebenan zu erhöhen. Auf den grünen Flächen wird Obst und allerlei Gemüse angepflanzt. Die ersten Orangen-Verkaufsstände an der Strasse tauchen auf. 
Dubrovnik! Mich interessiert vor allem die Altstadt. Und von der vor allem die optischen Reize. 
Ein riesige dicke Mauer umgrenzt die recht grosse Altstadt lückenlos. Der Turm erinnert mich an die Engelsburg des Vatikans. 

Die Mauer ist für 30 Kuna begehbar. Ringsherum kann man marschieren. Man stelle sich vor, dies im Sommer unternehmen zu wollen! 
Hunderte von Dächern in allen Tönen zwischen Orange und Braun. Alles eng beieinander. Scheinbar zusammengehalten von einer Mauer, die vor dem Feind schützen soll. 
Doch in "modernen" Kriegen" wie jener von 1991 nützen die Mauern nicht viel. Einige zerbombte Häuser stehen noch immer als Ruinen zwischen den erhaltenen oder wiederaufgebauten. 
Entzückend sind die Minigärten, die einige Häuser entlang der Stadtmauer haben. Wenn man bedenkt, welche Masse von Menschen einem an schönen Tagen und in der Saison wohl in die Salatschüssel guckt!
Ein herrliches Farbenspiel ergibt sich aus all diesen Steinen und Winkeln. 

Dominik schütteln heftige Darmkrämpfe. Kaum geht es ihm jeweils besser, kommt ein neuer Schub. Das ist einfach kein Zustand. Mir macht die ganze Geschichte langsam Angst. 
Es ist am Eindunkeln, als wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Puh, und es erweist sich als gar nicht so einfach. Alles ist eng bebaut. Nach einem Campingplatz finden wir ein abgelegenes Areal, dass offensichtlich als Parkplatz genutzt wird. Hier bleiben wir. So denken wir und werden eines Besseren belehrt. Um zehn Uhr abends klopft es zuerst an die Windschutzscheibe und dann an die Türe. Ein Typ, eine Art Securitas erklärt uns, dass dieses Areal um Campingplatz gehört und wir hier weg müssen. Keine Diskussion möglich. Also packen wir unseren Krempel wieder zusammen, die noch unabgewaschenen Töpfe in den Duschraum und machen uns erneut auf die Suche. 
Bei einem verlassenen Friedhof werden wir fündig. Ein hässlicher Platz, aber was soll's. Zum Schlafen reicht das schon. Als ich mit einer letzten Zigarette vor dem Womo draussen stehe, kommt schon wieder so ein Wachmann auf uns zu. Er meint, dass sei hier kein Campingplatz. Als ich ihm erkläre, dass wir bloss diese Nacht hier sind, ist er einverstanden. Ächz! Das war aber knapp! Ich hätte eine Krise gekriegt, wenn wir nochmals hätten müssen.....
Die Nacht war schlimm. Dominik hat nicht viel geschlafen und sich in Krämpfen gewunden. Am Morgen ist er fix und fertig. Er nimmt eine der Tabletten, die sie ihm in Nova Gorica verschrieben haben. Wir duschen und er legt sich nochmals ins Bett. Ich lege eine ruhige CD rein und er entspannt sich auf diese Weise mit zusätzlicher Unterstützung der Bettflasche, die ich ihm aus der Schweiz mitgebracht habe. 
Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg. Ein Stück der Strecke legt sich Dominik auf das aus Tisch und Bänken umgerüstete Bett. Die Tabletten helfen irgendwie gar nicht. Der Schmerz verursacht ihm Übelkeit. Irgendwo kotzt das bisschen Flüssigkeit, was er getrunken hat seit gestern Abend, wieder raus. Super! Was mach ich bloss mit dem Kerl!? Er tut mir echt leid. Solche Schmerzen sind übel und es ist der reinste Frust, wenn der schlechte Zustand immer wieder von neuem zurückkehrt. Wenn wir bei Divna in Mazedonien sind, werden wir uns was einfallen lassen müssen. So geht das auf alle Fälle nicht weiter.  


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