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Reisebericht Marokko 2004-1

Südwärts der Küste entlang

 

4. Dezember 2004, Spanien - Marokko, Larache, ca. 50km S v. Tanger
Geduld erfordernder Zoll - Lachende Kinder - Nasses Marokko
Um 6 Uhr schon weckt mich Dominik. Er sagt, er hätte schon um 5 Uhr aufstehen können! Der Hemmungslose. Es ist noch stockdunkel, als wir in Algeciras den Schildern zum Puerto folgen. Die Tickets bekommen wir problemlos inkl. dem Zettel mit den Personenangaben, den man später zusammen mit dem Pass vorweisen muss.
Um diese Jahreszeit kann man auch nicht aussuchen, mit welcher Gesellschaft man rüberfahren will. Man fährt schlicht auf das nächstverfügbare Schiff. Alle Stunde fährt eines. 
40 Fahrminuten später kommt man drüben an. Der Blick auf den Felsen von Gibraltar begleitet einen nicht nur über die Meeresenge sondern auch ein Stück weit ins Land hinein. 2km ausserhalb Ceuta kommt die Zollkontrolle. Jetzt wird's lustig. Mit uns sind jede Menge Offroadgruppen rübergekommen. Das verlängerte Wochenende macht sich nun bemerkbar. An allen Schaltern wird Schlange gestanden. Am Personenschalter checken wir relativ schnell, dass man die Pässe über die Schlange hinweg in den Schalter hineinreichen kann. Warten tut man vermutlich gleich lang. Es wird Stapel um Stapel, Pass für Pass abgestempelt. 
In der Zwischenzeit stelle ich mich schon mal in die Schlange bei der Autoabfertigung. Es scheint kaum vorwärts zu gehen. Alle haben so ein grünes Formular in den Fingern. Ob das Dominik vom Personenschalter mitbringt oder woher kriege ich das? Ein netter Schlangennachbar klärt mich auf. Das grüne Formular gehe ich kurzerhand vorne am Schalter holen, Schlange hin oder her, hat auch niemand was dagegen. 
Die Schlange ist mehrspurig und natürlich kommen nicht alle gleichzeitig voran. Als mir ein Frau von hinten sagen will, dass ich mich hinten anstellen soll, ich sei nach ihr gekommen, fallen alle anderen ebenfalls dazu und meinen, ich solle mich hinten anstellen! Das habe ich aber ganz und gar nicht vor. Ich erkläre der Frau, dass ich sehr wohl nach ihr käme, aber sicherlich nicht zuhinterst. Als alle weiter lamentieren ignoriere ich es, denn wir kommen ja kaum einen Schritt vorwärts. Sowieso ist die Schlange komischerweise immer etwa gleichlang, obwohl es vorne kaum vorwärts geht. Nur gut, dass es hier überdacht ist, denn es giesst ziemlich. Irgendwann ist die Frau dann vor mir und ich mache einem anderen klar, der mit seiner Schulter auf einmal vor mir ist, dass er hinter mir ist. Wieder geht lautes Palaver los, aber diesmal kommt einer zur Hilfe und ich bin froh, mich nicht alleine durchsetzen zu müssen. Später als Dominik endlich mit abgestempeltem Pass dazu kommt, füllen wir das grüne Formular fertig aus und irgendwann bin dann auch ich an der Reihe. Aber was ist nun wieder. Mit meinem Pass stimmt irgendetwas nicht. Sie sagen, es fehle eine Computernummer und ich muss mit einem Gehilfe und meinem Pass rüber zur Personenabfertigung. Nur gut, habe ich einen Helfer bei mir, der mich gleich an den Leuten vorbei bringt. Dann geht's wieder zurück und wir kriegen endlich das verflixte gewünschte grüne Formular. Ausser uns sehe ich nur ein einziges anderes Womo, Franzosen. Ansonsten sind eben, wie gesagt, jede Menge Offroader unterwegs. 
Nun kommt noch die Fahrzeugkontrolle. Aber die geht ziemlich problemlos und speditiv. Er schaut in diverse Kästen rein, in die Toilette und fragt, ob wir Waffen dabei hätten! Ich lache und sage nein, auch nichts zum Verzollen. So, und dann, nach 2 1 /2 Stunden sind wir endlich durch. Die Strassen sind nass und zum Teil halb mit Erde zugedeckt. Es hat hier offenbar ziemlich heftig geregnet. Jede Menge Taxis und ihre Schleppers stehen bereit, um die Leute, die vom Zoll kommen abzufangen. Wir fahren durch und staunen, staunen, staunen. Ohne genau sagen zu können, was es im Detail alles ist, ist die Wirkung des fremden Landes ziemlich stark. Es ist ein eigenartiges Gefühl, nach nicht einmal einer Stunde Schifffahrt in einem so anderen Land zu landen. 
Wir fahren ein Stück weit dem Meer entlang Richtung Süden und suchen nach einem Platz, wo wir Pause machen können. Der Himmel ist teilweise schwarz, teilweise jagen dunkle Wolken vor hellem Himmel vorbei. Als Zorro einen kurze Moment unbeaufsichtigt hinter Büschen verschwindet kommt er auch gleich darauf wieder hervor... mit einer riesigen Ratte im Maul! Himmel, Supi! Gut, dass er mir gehorcht und das Vieh wieder gehen lässt. Sie läuft schnell wieder in die Büsche. Ja, das wäre ein Supermahl für dich gewesen, Kleiner! 
Wir fahren an einigen wenigen Feriensiedlungen vorbei, auch halb aufgebaute und schon wieder verfallene Häuser sieht man. Aber die Urbanisationsmasse von Spanien gibt es hier nicht. Auch hübsche marokkanische Villen stehen hinter hohen Mauern an der Strasse. 
Die Strecke nach Larache, südlich von Tanger an der Atlantikküste führt uns auf einer Schnellstrasse quer durchs Land und vermittelt uns einen ersten starken Eindruck von Marokko.

Die Gegend ist nur leicht besiedelt. Der Boden ziemlich weit die Hänge hinauf kultiviert. Das Gras spriesst überall frisch und hellgrün aus dem nassen Boden. Der Himmel wirkt auf mich riesengross. Wir kommen durch ein Dorf und werden von allen bestaunt. Die Kinder lachen uns ins Gesicht und winken. Wir winken zurück und staunen, staunen, staunen. Wie erwartet, tragen fast alle Frauen ein Kopftuch und verhüllende bunte Gewänder. Eine alte Frau sehe ich, welche auch den Mund zugebunden hat. Bei den Männern sieht man alles. Europäische Kleidung, die weiten Kleider und im Landesinneren viele, mit braunen Kutten und grosser spitziger Kapuze. Alle gucken schon von weither zu uns, wenn wir mit dem Womo kommen und viele winken. Viele Kinder machen Gesten, von wegen, was zu essen geben, herkommen und Zigaretten wollen. Sie stehen z. Teil an der Strasse, reden miteinander, scheinen viel Zeit zu haben, oder auf etwas oder jemand zu warten. Man muss höllisch aufpassen mit Fahren, denn Trottoirs gibt es hier nicht, es wird auf der Strasse gelaufen, und es laufen viele. 
Südlich von Larache sehen wir von der Autobahn aus einen Pinienwald, wo Kinder spielen und offenbar auch PicNic gemacht wird. Wir sind genügend müde, um uns hier für die Nacht hinzustellen. Allerdings zeigt sich, dass es nebst den eigentlichen Hauptverbindungen kaum Aspahltstrassen oder wenigstens gute Schotterpisten gibt. In den Pinienwald führen Erdpisten, welche durch den Regen ziemlich aufgeweicht sind. Wir wagen uns trotzdem hinein und finden einen Platz mitten in den Pinien. Ringsherum hat es ziemlich viel Abfall, leider. Aber das schreckt uns nicht mehr so sehr. Wir sind uns doch schon einiges gewohnt. 
Kaum stehen wir kommt ein Jugendlicher und fängt mit Dominik an zu reden. Er spricht aber kein Französisch und so hat verabschiedet sich Dominik schon bald wieder. Der Typ kommt aber immer wieder mit seinem Fahrrad vorbei und guckt. O.k. das wussten wir, dass sie ziemlich viel Geduld mit Gucken haben aber irritierend ist es dennoch. Auch andere Jugendliche kommen her und machen Zeichen von wegen Zigaretten und so. Aber ich will nichts geben. Wenn ich ihnen was gebe, dann bestätige ich sie ja nur in ihrem Tun. Offenbar ist das Verhalten ja jetzt schon von Touristen gelernt, dass man bettelnd etwas erhält. 
Wir sind ziemlich geschafft vom heutigen Tag, aber dennoch zufrieden. Die Einreise ist gut gelaufen und hinter uns und der erste Eindruck doch spannend und voller neuer Farben und Formen. Ich bin sehr gespannt auf alles Weitere, was uns hier begegnet. Es wird wohl einige Tage dauern, bis uns hier nicht mehr alles so neu und ungewohnt erscheint. Ich realisiere dabei, dass ich mich in Spanien schon ziemlich heimisch gefühlt habe. Hier ist wieder Neuland und dieses Gefühl, von sich auskennen muss erst wieder entstehen. Aber vorderhand möchte ich möglichst viel mit "neuen blauen" Augen betrachten.
Stellplatz: Autobahn Tanger-Larache, Autobahnausfahrt Larache, nach Zahlstelle ca. 500m Richtung Larache und dann links in den Wald abbiegen - Waldboden
Klima und Umgebung: Autobahn und Schnellstrasse noch in hörbarer Nähe, schöner Pinienwald
Infrastruktur: nada, Larache in etwa 3km Entfernung
5. Dezember 2004, Larache - Küste Nähe Mohammedia, ca. 40km S v. Rabat und 40km N v. Casablanca
Südwärts entlang dem Atlantik - Jede Menge Neue Eindrücke
Wir haben eine ruhige Nacht verbracht und ziemlich lange geschlafen. Als wir wieder unterwex sind, ist es halb elf (ohne Worte)! Wir nehmen die Autobahn und wollen ein wenig Strecke machen. Die Autobahn ist hier, so könnte man sagen, ziemlich schlicht. Zwei Doppelspuren mit etwa 5m Wiese, Gebüsch oder Betonschächte dazwischen, keine Werbetafeln, wenig Verkehr, guter Asphalt. Es hat nur Lastwagen (einige sind buntbemalt), Geschäftsbusse, alte Mercedes-Taxis und gute Autos auf der Autobahn. Viele werden sich die Maut nicht leisten können. Die Polizei ist überall. An jedem Kreisel stehen sie immer zu zweit. Manchmal stehen sie wie Verlorengegangene an der Autobahn, ohne Auto. Immer wieder Polizei auf Töff und beschäftigt mit Kontrollen. Es hat jede Menge Fussgänger, welche die Autobahn immer wieder kreuzen oder entlang spazieren, auch Fahrräder und hin und wieder ein Mofa sehen wir auf dem Pannenstreifen fahren. Auch Hunde queren unverhofft die Bahn. Viele Menschen stehen oder sitzen am Rande, schwatzen und warten, so scheint es wenigstens, auf etwas. Anhalten dürfte man hier an sich nicht, auch einen haltenden PW haben wir bis jetzt noch nicht gesehen, aber ich habe doch den Eindruck, dass hier die Leute quasi abgeholt werden. Vielleicht von Sammeltaxis? Hin und wieder hat man gute Einblicke/Ausblicke auf Siedlungen, die Häuser stehen teilweise nahe der Strasse, Kinder spielen barfuss vor den Häusern, es sieht meist sehr ärmlich aus. Aber immer wenn ein Kind uns sieht, lacht es und winkt uns zu. Natürlich winke ich zurück und sie haben eine Riesenfreude. Kleine Hütten sind mit Holz und Geäst, welches senkrecht zu einem Zaun zusammengebunden wurde, umzäunt. Auch offensichtlich bewohnte Zelte, welche mit Plastik vor dem Regen geschützt sind, sehen wir an Waldrändern. Ob das Nomaden sind? 
Riesige Eukalyptus-, Akazien- und Korkeichenwälder wechseln das Landschaftsbild mit Rohrzuckerfeldern oder abgeernteten Äckern ab. Die Erde zwischen dem Eukalyptusriesen ist teilweise feuerrot. Frauen in bunten Kleidern und mit Kopftuch, von einem Aufseher bewacht pflücken in Plastikkulturen irgendwelches Gemüse. Viele sind zu Fuss, mit Eseln, oder Pferdekarren unterwegs. Immer wieder Kinder, die mit einer Kuh zum Weiden der Strasse entlang wandern. Wir sehen kleine weisse Kraniche, so viele, wie es bei uns Krähen gibt. Auch Friedhöfe entdecken wir, welche ziemlich unscheinbar irgendwo in der Pampa stehen. 
Als wir nach Rabat ab der Autobahn gehen sehen wir jede Menge Bauern und Kinder, die ihre karge Ware am Strassenrand verkaufen. Alle winken sie und machen Handzeichen herzukommen. Da wir aber noch in Spanien eingekauft haben, besteht im Moment noch kein Bedarf. Aber in Zukunft werden wir unser Gemüse wohl immer auf der Strasse oder wenn's passt in einem Dorf, wo gerade Wochenmarkt ist, kaufen. Als wir ein grosses Einkaufszentrum am Rande Rabats sehen, halten wir an, um noch mehr Dirhams zu bekommen und eine SIM-Karte für Marokko zu kaufen. Ich staune nicht schlecht, als wir an einem Laden vorbeikommen, der mit TIKEA angeschrieben ist und offensichtlich eine IKEA ist. Das Angebot ist aber krass beschränkt und ich finde zu dem Kopfkissen, was ich mir kaufen will, keinen passenden Bezug. Hier bummeln nun wohl die Besserverdienenden. Wir sehen auch nur sehr wenige Frauen, welche Kopftücher tragen. Zorro, der uns begleitet, weckt Staunen und auch Freude bei den Leuten. 
Ein wenig die Strasse runter verkauft einer zwei junge Hunde, die er auf dem Arm trägt. Er hebt sie uns entgegen und in die Luft, als wir bei ihm vorbeifahren. 
Weiter südlich sehen wir eine Piste, welche ans Meer führt. Wir umfahren auf dem Holper- und Schlipfweg eine kleine, aber rundherum abgeschlossene Überbauung und finden einen Platz an der Küste, wo es sich sicher gut stehen lässt. 
Wir machen zuerst einen Spaziergang über die Klippen und zu den Felsen, welche nur halb vom Meer überspült sind. 
In den Tümpeln tummeln sich hübsche Schneckenhäuser. Seeanemonen (oder sowas ähnliches) geben einer Art Groppe und den Garnelen Deckung. 
Als wir zum Womo zurücklaufen, sagt uns ein Junge, jemand hätte unsere Fahrräder klauen wollen, sei aber abgehauen, als er gepfiffen hätte. Wir sind unsicher, ob wir ihm glauben wollen. Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob alles OK wäre, aber dann bemerken wir, dass ein Gummiband fehlt. Aha, auch die Zurrbänder sind offen. Offenbar hat sich wirklich jemand zu schaffen gemacht und sich mit dem bedient, was einfach zu haben war. Wir stellen uns darauf ein, dass die Fahrräder nicht wirklich gut vor dem Klau zu schützen sind und wir wohl früher oder später ohne da stehen werden. Wir setzen uns mit einem Bier nach draussen vor das Womo und geniessen die milde Sonne und den riesig weiten Blick über das Land mit seinen schweren Wolken. Schon bald tauchen die ersten Kids auf. Sie setzen sich in einigem Abstand auf die Strasse, tuscheln und schauen immer wieder zu uns hin. Hunde, welche mit Kuhbewachen beschäftigt sind bzw. wären, lassen sich auf wilde Spiele mit Zorro ein. Die Jungs sehen aus, als ob sie mit Kleidern aus der Kleidersammlung bestückt wären. Sie sind scheu und bleiben auf Abstand. Bevor wir reingehen bringt ihnen Dominik die restlichen Pommes Chips und sie setzen sich schnell in Reih und Glied an den Strassenrand und halten die Hände hin, so dass jeder etwas bekommt. Ich muss lachen, als ich die Szene sehe. Es ist also ganz unterschiedlich, wie die Kinder auf uns Touristen reagieren. 
Stellplatz: von der Küstenstrasse, nach Skairat rechts über Sandpiste zum Meer hinunter - fester Sand
Klima und Umgebung: Spannende Küste, wenig Sand, viel Güder, endlose Spaziergänge auf Pisten entlang der Küste
Infrastruktur: nada
6. Dezember 2004, Mohammedia - Cap Beddouza, ca. 25km N v. Safi
Besuch einer Medina
Die ersten paar Kilometer fahren wir wieder Autobahn, umfahren Casablanca und nehmen dann die Schnellstrasse Richtung El Jadida. Kurz vor El Jadida gibt's eine kleine Stadt: Azemmour. Wir beschliessen, uns ein erstes Mal eine Medina (Altstadt) anzuschauen und hoffen dabei, nicht zu arg belagert zu werden. Es zeigt sich bald, dass unsere Befürchtungen grundlos waren. Ein Parkwächter bekommt 2 DH und passt dafür auf die Karre auf, während wir uns die Medina und ein wenig von der Stadt anschauen wollen. Er bietet uns zwar seine Dienste für eine Stadtbesichtigung an, aber wir wollen diese kleine Stadt, die ja ziemlich übersichtlich erscheint, auf eigene Faust entdecken. In der Medina werden wir mit offenen Augen bestaunt, vor allem Zorro findet Begeisterung bei den Kindern. Die laufen uns immer wieder ein Stück lang hinterher, lachen und sagen bonjour, aber betteln tun sie nicht und so haben wir unseren Spass mit ihnen. Alle grüssen freundlich, viele eher scheu, aber auch interessiert. Es geht nicht lange und wir haben uns offensichtlich verirrt in all den Gassen. Ein Junge sieht unser Fragezeichen im Gesicht und weist uns die Richtung. Viele junge Leute laufen mit Brettern, auf denen backbereite Brotfladen liegen, zielstrebig durch die Gassen, offensichtlich zum Bäcker unterwegs. Auch wir finden ihn. In der dunklen Backstube wird für die ganze Dorfbevölkerung das Brot gebacken. Es duftet herrlich. Leider können wir hier nichts kaufen. Aber am nächsten Shop ergattern wir uns für 1 DH (ca. 10 Cents/15 Rp.) zwei kleinere Fladen, die wir später zum Mittagessen verspeisen (waren spitze, wie Pizzabrot, ein wenig süsslich). 
Wieder aus der Medina draussen setzen wir uns in ein Strassencafé, um das Strassenleben zu beobachten. Dominik kauft von einem Händler 1kg Mandarinen für 5 DH (ca. 50 Cents/75 Rp.). 
Ein wenig kurlig ist es schon, als einzige Frau hier zu sitzen, aber ich werde nicht sonderlich angegafft und auf den Strassen bewegt sich zudem ein buntgemischtes junges Volk, von modern gekleideten, über Kopftuchträgerinen bis zu ganz ärmlich erscheinenden Personen. Ich getraue mich nicht so recht, zu fotografieren. Muss mich wohl selber zuerst an alles gewöhnen... 

Die Typen am Nebentisch wirken auch sehr modern. Einer verschwindet kurz, um ebenfalls mit einem Sack voller Mandarinen zurückzukommen, die er uns sofort anbietet. 
Später finden wir sogar ein Internet, und checken unsere Mails. 
Die Eindrücke sind enorm. Auf den Strassen hier bewegen sich wenige Autos, viele Kleintaxis, ab und zu ein Laster oder ein Mofa, viele Eselskarren und viel mehr Menschen, welche zu Fuss unterwegs sind. Es ist schon sehr ungewohnt, so viele Menschen zu Fuss zu sehen. Für den Kaffee und den Krug Münzentee bezahlen wir 7 DH (ca. 70 Cents/1 Fr.). Es ist wirklich krass billig hier. 

Es wirkt alles relativ organisiert und geordnet hier. Wir haben auch den Eindruck, dass im Tun mehr System ist als z.B. bei den Spaniern oder Italienern. Aber, wie gesagt, dies ist alles erst ein erster Eindruck. Wir sind Neu hier und bestaunen vor allem alles. 
Wir kehren zurück zum Womo, was brav bewacht wurde und fahren weiter Richtung Agadir. 
Von El Jadida nehmen wir nicht mehr die schnelle Überlandstrasse, sondern die Küstenstrasse. Die Küste hat hier längere Abschnitte, die steil sind, unterhalb der Steilküste befinden sich Salzlagunen und auf dem anschliessenden Dünenhügel ist streckenweise jeder cm2 kultiviert. Reihe für Reihe wird dort Gemüse und allerlei gezogen. Der Boden hier muss extrem reich sein. Die Grössenordnung beeindruckt uns ziemlich stark. Wir machen auf einer Anhöhe Mittagsstopp und kommen schon bald mit einem Einheimischen ins Gespräch, der hier Felder bewirtschaftet. Er scheint ziemlich aufgeschlossen und berichtet vom Leben und der Arbeit hier. Er ist nicht nur Bauer sondern auch Fischer. 

Auf der Strasse hinter uns hält ein mit Blumenkohl vollbeladener Lastwagen an und packt auch noch die dort stehenden Harassen voller Tomaten darauf. Solche Lastwagen sind uns einige entgegen gekommen oder haben uns auch überholt. 

Zwei Jungs, die die ganze Zeit über auf dem Mäuerchen sitzen und lachen, fragen mich, als Dominik mit dem Mann ein paar Schritte den Hang hinunter läuft, ob ich Bonbons hätte. Ich verneine, hole dann aber zwei Kaugummis raus und bring sie ihnen. Zorro kommt mit und er eine freche hat solche Angst vor ihm, dass er fast über das Mäuerchen umkippt. Aber kaum habe ich ihnen die Kaugummis gegeben fragen sie, oder besser sagen sie, gib mir noch dein Velo! Ich lache und verneine. Dann geht der Handel wieder ein wenig runter und er fragt nach Kugelschreibern, dann wieder nach dem Velo, nach Kleidern usw. Ich lenke die Unterhaltung ab und lache ihn aus. Er lacht verunsichert zurück. Ist hin und her gerissen zwischen frechem Fragen und sich doch nicht richtig getrauen. 

Wir laden den Mann zum Kaffee ein. Er ist nett und sagt, wir sollen doch hier übernachten oder weiter vorne, wo er wüsste, wie es zu den Dünen runtergehe. Aber hier ist es uns zu Nahe an der Strasse und die Piste runter lassen wir lieber bleiben. 
Die Strasse verläuft hier ziemlich auf dem Höhepunkt der Küstenlinie, rechterhand ist die abfallende Klippe, dann Kulturfelder, Lagune bzw. Fluss und nochmals Kulturfelder, dann Sandstrand, dann Meer. Auf der linken immer wieder ein Häuser und dann weites Land auf flachem Fels. 

Beim Leuchtturm vom Cap Beddouza finden wir eine Asphaltstrasse, welche runter zum Meer führt. Hier stehen ein paar verfallende Sommerhäuser, Toiletten und evt. ein ehemaliger Campingplatz. Jetzt scheint fast alles verlassen und der endlose einsame Sandstrand schaut so wunderbar aus, dass wir es kaum fassen können, hier den Wagen stellen zu können. 
Stellplatz: von der Küstenstrasse, ca. 30km nach Oualidia, nach Leuchtturm, rechts über Asphaltstrasse zum Meer hinunter - fester Sand
Klima und Umgebung: Spannende endlose Küste, kein Güder, endlose Spaziergänge, Küstensoaring
Infrastruktur: nada
7. Dezember 2004, Cap Beddouza
Sensationelle Küste - Frischer Fisch
Wir bleiben für einen Tag hier - machen Reisepause. Es ist zu schön hier, um es schon wieder zu verlassen. Eigentlich wollten wir jemanden den Auftrag geben, auf das Womo aufzupassen. Doch als wir für den Strandspaziergang bereit sind, lässt sich niemand blicken. Vorher waren doch noch überall Kids und andere! Also gehen wir los, mit einem etwas unguten Gefühl, nach dem Verlust von der vorherigen Beach. 
Der Strand ist sensationell schön. So endlos, so breit, so sauber, so gigantisch das Meer, die Sonne tief und die Kontraste stark. Wir geniessen es und ein Zehentest ergibt, dass man eigentlich baden könnte, sofern man wollte. Doch ausgerechnet heute morgen haben wir geduscht und ich bin zuwenig aufgeheizt, als dass ich mich wirklich in die frischen Fluten stürzen wollte. 
Es ist noch alles da, als wir zurückkommen. Wir machen eine kurze Pause und gehen dann über eine Klippentreppe hoch zum Dorf. Viel ist hier nicht los. Ein Café, ein kleiner Laden, wo wir ein Fladenbrot kaufen, der sonst noch Yogurths, Konserven und andere abgepackte Waren hat. Weiter vorne hat es eine Auberge mit Bar und Restaurant, wo wir uns erkundigen, ob und was man zu Abend essen kann. Doch es scheint nur Frittiertes zu geben und dass nicht allzu billig. Das muss nicht sein. 
Auf dem Weg zum Leuchtturm sehen wir eine Versammlung von Männern. Sie sitzen vor einem Haus, fast im Kreis und in der Mitte steht einer, der als einziger eine grüne Kutte trägt. Was sie wohl verhandeln? Vor dem Leuchtturm steht eine junge Frau, die ein Lamm in den Armen trägt. Sie ist die einzige Frau, die wir hier sehen. Zudem trägt sie nicht einmal ein Kopftuch. 
Als wir wieder runterlaufen zum Platz sehen wir klar, dass hier einmal eine Überbauung geplant war. Auch der Platz, der wie ein ehemaliger Campingplatz aussieht, ist im Führer als das erwähnt. Nur die hinterste Reihe der kleinen Häuser scheint genutzt zu werden. 
Unser Mittagessen ist bescheiden. Tomatensalat mit frischem Brot. Wir stellen uns darauf ein, hier in Marokko weniger abwechslungsreich zu essen. Bis jetzt zehren wir aber immer noch von unserem spanischen Vorrat. 
Am Nachmittag lässt Dominik den Drachen steigen und ich schreibe Briefe. Das eine Mädel von heute morgen ist wieder da, wir reden ein wenig und ich merke, dass sie irgendetwas will. Als ich mich wieder an den PC setze, bleibt sie in der Nähe des Womos und kommt dann wieder an die Türe. Sie fragt, ob ich Sandalen für sie hätte. Ich erkläre ihr, dass ich nur ein Paar habe und diese selbst bräuchte. Sie zieht vondannen. Und ich habe ein schlechtes Gefühl. Ich hätte sie ihr ja geben können und mir irgendwann ein Paar Neue kaufen können... Ach, verflixt schwierig ist das, ein Mass zu finden. 

Dominik kommt von einem Spaziergang laut rufend zurück, er hätte einen Fisch gekauft. Im Schlepptau den Fischer samt Fisch. Netterweise bietet uns dieser an, den Fisch gleich zu entschuppen und auszuweiden. Es ist eine Art Papageienfisch mit feinen gelben Querstreifen. 

Als wir gerade am Kochen unseres "Fanges" sind, kommt das Mädel von heute Nachmittag mit ihrer Freundin wieder an. Sie hat ein Fladenbrot, eingewickelt in ein Tuch dabei und reicht es uns hin. Wir sind überrascht und Dominik fragt, wieviel sie dafür wolle. Sie verneint, doch bei den Sprachschwierigkeiten meint Dominik, sie müsse mindestens 2 DH nehmen. Doch sie lehnt definitiv ab. Sie will dafür nichts. Wir bedanken uns sehr und sie ziehen sich schnell wieder zurück. So, jetzt habe ich definitiv ein schlechtes Gewissen. Während des Abendessen denke ich darüber nach, was ich ihr, sollte ich sie morgen sehen, geben könnte. Aber ich habe nichts. Wir haben so Krimskrams dabei, aber das meiste ist eher für Jungs als für Mädels. Und Kleider habe ich nichts, was passen würde und ich wirklich nicht brauche. Diesmal habe ich echt nur Kleider dabei, die ich auch brauche. Auf der ersten Reise nach Spanien war das noch anders, da hätte ich mehr dabei gehabt. Obwohl man davon liest, dass die Leute arm sind, macht man sich trotzdem keine Vorstellung davon. Auch nicht, wie leicht es ist, in Kontakt zu kommen und geben zu können. 
Ich finde ein kleines Schminketui, in das ich einen Kugelschreiber und zweierlei Post-it lege plus 10DH. Hoffentlich treffen wir sie morgen auch an, bevor wir weiterziehen. 
Später am Abend kamen noch mehr Jungs vom Fischen zurück. Sie sind mit langen Ruten bewaffnet und haben daran einen groben Köder. Soviel ich weiss, fängt man so Tintenfische. 
Der Fisch war lecker, ein wenig knifflig beim Filettieren. Leider bleibt tagelang ein ekliger Fischgestank im Womo hängen. Insgesamt nicht allzu überzeugend. Wenn schon, dann müsste man Fisch draussen grillen können. Das geschenkte, noch warme Fladenbrot kommt gerade richtig. Wir geniessen es mit Käse und Frischkäse. Es ist hervorragend. Wir verschlingen fast das ganze Brot... 
Stellplatz: siehe 06.12.04
8. Dezember 2004, Cap Beddouza - Essaouira
Flugauftakt in Marokko - Essaouiras Souk
Das Geschenk kann ich ihr heute morgen übergeben. Sie ist ziemlich verlegen und ich kann ihr nicht ansehen, ob sie sich darüber freut oder nicht. 
Wir fahren weiter südwärts, um Safi herum, was mit seinen grossen breiten Strassen ziemlich eindrücklich ist. Auch die stadtauswärts liegende Phosphatchemieanlage ist gigantisch und wirkt im Morgennebel, der auf einmal hier erscheint, geisterhaft, aber auch real stinkend. 
Wasser finden wir problemlos. Es ist sogar sehr gutes. Es erklärt uns einer, dass sei Wasser von einer Quelle und nicht von einem Stausee wie an vielen anderen Orten. 
In einem Kaff auf der Strecke nach Essaouira machen wir Halt, um Brot und Sonstiges einzukaufen. Es herrscht ein verrücktes Chaos. Die grossen Überlandbusse halten hier und so ist ziemlicher Rummel. Rechts und links von der Teerstrasse ist nur festgestampfte Erde und da es in den letzten Tag zünftig geregnet hat muss man sich den Weg um die Schlammgruben suchen. 
Hier in der Gegend wird Olivenöl hergestellt. Ein Ladenbesitzer zeigt uns die Verarbeitung und wir staunen, als wir sehen, dass die Presse von Hand geschraubt wird. Im Laden selbst ist ein lustiges Potpourri an Waren, vor allem Abgepacktes findet sich hier. Mit der Zeit stellen wir fest, dass fast alle Shops in etwa das gleiche Angebot haben. 
Während wir weiter runterziehen sehen wir noch etliche Pressen am Strassenrand. Die Landschaft ist phantastisch schön. Sie wechselt ab, von grünen Weide- und Ackerflächen, welche mit Trockensteinmauern eingezäunt sind, über rot-gelbe wüstenähnlich sanfte Hügel zu weit verstreuten Olivenbaumplantagen. 
Irgendwo machen wir einen Fotostop. Der Blick ist atemberaubend schön und Dominik kann es sich nicht verkneifen, hier zu fliegen. Er soart eine Weile hin und her, macht mal ein Toplandung und säuft dann leider ab. Ich laufe dem Grat entlang und finde einen Weg über die Geröllhalde nach unten. Hier sind schon etliche Schafe runter- und raufspaziert. Der Höhenunterschied ist nicht gerade gross, aber visuell sehr eindrücklich. 
Wir essen wieder von dem sagenhaft leckeren Fladenbrot und fahren dann weiter nach Essaouira. 

Beim Hafen hat es einen bewachten Parkplatz, auf dem wir auch für die Nacht stehen können. Kaum sind wir ausgestiegen, belagert ein Deutscher Dominik von wegen Gasanschluss usw. Stöhn. 
Essaouira ist ziemlich touristisch, aber trotzdem nett. Eindrücklich ist die Kasbah, welche einen herrlichen Blick auf das an die Stadt brandende Meer freigibt. Die meisten Gassen sind wie gesagt, sehr touristisch. Aber der Gemüsemarkt mit anschliessendem Hühnermarkt ist verrückt. Die armen Viecher, liegen halb tot auf dem Weg, man tritt auf sie drauf und ach, lässt sich nicht beschreiben... Das Gemüse, die frischen Kräuter und das Gewürz ist dafür schön zu bestaunen. 
Auch der Fischmarkt, den vor allem Dominik in der Markthalle hautnah mitverfolgt, ist beeindruckend. 
Bei einem Thé à la menthe erholen wir uns vom verschleissenden Spazier durch den Souk. Die Sonne geht langsam unter und taucht den ganzen Platz in rosa Licht. Irgendwie fängt dieses Land das Licht anders auf oder spiegelt es anders als bei uns. Mit was es zu tun weiss ich nicht, aber es ist wirklich so. Hier in Marokko ist ein anderes Licht. Pastelltöne und doch starke Kontraste. 

Hier in Essaouira sieht man wieder einmal alles an kulturellem Gewand. Von Rastamen über Gigolos zu Touristen in kurzen Hosen, ganz in Weiss verhüllte Frauen bis zu den überall anwesenden braunen, gestreiften, blauen und grünen Kapuzenmännern. 
Heute werden wir auswärts essen gehen und endlich so eine Tajine und ein Couscous probieren. Wir schauen verschiedene ausgehängte Menukarten an und entscheiden uns für ein Lokal, was weiter hinten in den Gassen liegt. Dominik bestellt sich das Gemüsecouscous und ich eine Tajine mit Lamm, Zwiebeln und Rosinen. Dazu Münzentee, Wein gibt's in diesem Lokal nicht. In der Tajine hätte ein wenig mehr Fleisch drin sein dürfen für meinen Geschmack, so wäre das Süsse ausgewogener gewesen. Aber es war gut, einfach und günstig. Wir haben für 140 DH (ca. 21 sFr.) zwei Vorspeisen, zwei Hauptgänge, ein Dessert und den Tee bekommen. 

Wir holen Zorro beim Womo ab und gehen noch an den langen flachen Sandstrand, der gleich neben dem Parkplatz liegt. Es wird kühl abends (ca. 13°). In der Nacht war es die letzen paar Mal immer so um die 10°. Tagsüber ist es dafür sehr warm. Übrigens hatten wir jetzt immer schönstes Sonnenwetter und wenig Wind. Nur hier in Essaouira bläst der Nordwestwind ziemlich heftig. Kein Wunder ist hier ein Surferparadies. 
Stellplatz: Richtung Zentrum, dann Richtung Port, Parkplatz beim Hafen - Kies
Klima und Umgebung: Besuch der Medina von Essaouira, Souk, Fischmarkt, endloser flacher Strand
Infrastruktur: zum Einkaufen alles da, sicher auch Wasser vom Fischmarkt, bewachter Parkplatz
9. Dezember 2004, Essaouira - irgendwo S v. Cape Rhir (ca. 40km N v. Agadir)
Auf bäume steigende Geissen - Heuschreckenschwärme - das Womo fällt auseinander
Am Morgen sind wir zuerst noch den Hafen mit seinen Fischkuttern anschauen gegangen und anschliessend noch einmal in die Medina von Essaouira rein. Wir haben Kaffee, Honig, Haushaltspapier (verhältnismässig sauteuer), Brot und Yogurth (leider nur gezuckerten bekommen) gekauft.
Durch die Gassen zu laufen ist spannend und Essaouira hat so eine Mischung von urtümlich und touristisch, dass es einem leichter fällt, auch alleine überall rumzuspazieren und zu schauen. Die netten Cafés und schönen Dinge, die überall ausgestellt sind geben dem Stadtbild einen netten und heimischen Anblick. Dominik mag solchen "Zauber" nicht, ich finde es als Abwechslung schön und schätze die Möglichkeit, in ein Café zu sitzen, zu gucken und mir dabei nicht deplaziert vorzukommen.
Wir fahren der Küste entlang Richtung Agadir. Die Strecke ist hier sehr hügelig, dafür hat man immer wieder tolle Ausblicke übers Land. Es wird immer steppenähnlicher. Um Essaouira herum hat es viele Arganienbäume, welche eine Ölfrucht tragen. Diese Bäume gleichen dem Olivenbaum sehr, die Blätter sind nur kleiner, grüner und zäher. Er hat richtige Dornen. Die Früchte sind etwa gleich gross oder wenig grösser als Oliven und grüner. Aus der gerösteten Mandel des Fruchtkerns der erst mühsam geschält werden muss, wird das sehr schmackhafte, nussartige Öl gewonnen, das auch zur Hautpflege verwendet werden kann. Für einen Liter Öl benötigt man etwa 100 kg reife Früchte. Scheins wird der aufwändige Prozess des Schälens bei billigerem Öl durch die Ziege erledigt. D.h. nach der Verdauung durch die Ziege sind die Früchte bereits vom Fruchtfleisch geschält.
Wir beobachten Ziegen, welche auf diese Arganienbäume klettern, um an das saftige Grün zu gelangen. Sie sind beweglich und trittsicher wie Katzen! Ihre Hufe finden offenbar guten Halt auf der porösen Rinde.

Viele Kilometer schaffen wir ja nie an einem Tag. Im Durchschnitt so etwa 250km. Trotzdem sind wir am Abend jeweils satt und erledigt. Es gibt viele neue Eindrücke zu verarbeiten und zudem fordert die Strasse volle Konzentration. Es sind bis jetzt zwar recht gute Asphaltstrassen und der Verkehr ist recht gering, aber die Strassen sind auf der Seite ausgefranst. Kommt man über den Rand, gerät man auf Schotter, der manchmal extrem ausgewaschen und ausgefahren ist. Die Lastwagen, die einem entgegenkommen sind wuchtig und nicht zimperlich. Die Strecke führt bergauf bergab und um jeden Hügel herum oder hinüber, Brücken gibt es kaum. Trotzdem geht es gut, man muss einfach immer konzentriert bleiben.
Immer wieder kreuzen riesige Heuschreckenschwärme unsere Bahn. Sie sind rot und prasseln auf unsere Windschutzscheibe. Wenn ich langsam, in ihrem Tempo fahre, dann kann man sie gut beobachten. Puh, mich schüttelt es, gut sind alle Fenster zu. 

In einem Dorf kaufen wir ein: kleine süsse Bananen, allerlei Gemüse und Früchte. Als wir tanken, macht mich der Mann an der Säule auf einen Schaden am Womohaus aufmerksam. Wir denken zuerst, dass uns da jemand klammheimlich in die Seite gefahren ist. Aber dann sehen wir, dass sich die abgerundete Abdeckung, welche zur Fahrerkabine führt, gelöst hat. Wir werden das heute Abend untersuchen müssen, es sieht übel aus. 
Nach längerer Berg- und Talbahnfahrt führt die Strasse wieder hinunter zum Atlantik. Hier machen wir am Cap Rhir Mittagshalt und beobachten dabei die Surfer, welche sich hier tummeln. Etliche Franzosen, Holländer und auch einige Marokkaner sind hier. Teppich- und Schmuckhändler sind auch schon unterwegs und bieten ihre Ware feil. Man merkt, dass man in der Nähe von Agadir ist. 
Ein paar Kilometer weiter sehen wir einen traumhaft schönen Strand, der bis auf ein einzelnes Womo verlassen ausschaut. Wir stellen das Womo auf die Klippe, die den Strand rechterhand abgrenzt und haben dabei einen megaschönen Blick auf die Bucht und das dahinterliegende Dorf. 
Ein Fischer rät uns, nicht auf dem Stellplatz dort oben zu bleiben. Es kämen Gauner von Agadir, welche einbrechen könnten. Wir sollten uns besser zum anderen Womo gesellen. Eigentlich hat er Recht, denn wir stehen wirklich zu exponiert da, aber ich mag das Womo jetzt nicht mehr umstellen und ein schlechtes Gefühl habe ich nicht. Also bleiben wir. 
Stellplatz: keine Ahnung wie das Dorf heisst, eine wunderschöne Bucht, ca. 25km vor Agadir - Kies
Klima und Umgebung: schöner breiter Strand
Infrastruktur: im Dorf gibt es das Wichtigste zum Einkaufen
10. Dezember 2004, Cape Rhir - Tarhazoute (ca. 10km N v. Agadir)
Agadir - Womostadt
Wir hatten ein unbehelligte Nacht. Apropos hell: der klare Nachthimmel hier in Marokko ist zauberhaft. Wenn man so abseits steht stören keinerlei Lichter den Blick und die Milchstrasse führt quer über unsere Köpfe. Man muss die Augen zukneifen, dass man die Sternbilder überhaupt erkennen kann. Den grossen Wagen sehen wir jetzt am Abend nur zur Hälfte, so weit südlich sind wir schon, fast auf dem 30. Breitengrad. 

Dominik geht auf einen Schwumm ins Meer und ich spaziere durch die Gegend, Fotos machen und schauen.
Anschliessend begutachten wir unser auseinanderfallendes Womo! Nachdem Dominik die Schiene, welche nur noch oben die Abdeckung zuhielt, ganz entfernt hat sieht man gut, dass das Holz, dass darunter verwendet wurde total porös ist. Irgendwann einmal, vor längerer Zeit schon, ist hier Wasser eingelaufen und hat das Holz aufgelöst. Jetzt ist es trocken, staubtrocken. Die Schrauben werden auf keinen Fall mehr halten. Dominik räumt das meiste Holz raus und verklebt die runde Abdeckung so, dass sie halten wird, bis wir sie richtig reparieren können. Könnte schwierig werden. Passendes Füllmaterial werden wir hier nicht gleich zur Hand haben und die Abdeckung ist, weil abgerundet, ziemlich störrisch. Auch das schwarze Silikon wird hier kaum zu bekommen sein. Jetzt können wir nur hoffen, dass es nicht auch an anderen Stellen so übel unter der Aussenhaut ausschaut! 

Von Horst haben wir eine Telefonnummer eines Schweizers, welcher in Agadir fliegt, bekommen. Mit ihm machen wir auf heute Abend ab, um mal zu reden und auszuloten, wo hier fliegerisch, was wie läuft. 
Wir fahren weiter Richtung Agadir und entdecken schon bald, ca. 15km vor Agadir die Womostadt direkt am Atlantik. Zwei Plätze, einer ziemlich gut gefüllt, der andere nicht so arg. Schaut schräg aus. Wir machen auf dem ersten Halt, um Mittag zu essen und das ganze von der Nähe anzuschauen. Spannend! Auf dem Platz, wo wir gelandet sind, zahlt man offenbar nichts. Hier stehen jede Menge Individualisten. Schon zu sehen an den so verschiedenen und originellen Womos. Auch einige Panzerknacker (Wüstenfahrzeuge) stehen zwischen den Dünen. Ein flippiges kunterbuntes Gemisch. Wir spazieren rüber zur anderen Womostadt. Hier stehen die Gemässigteren: neuere schönere Womos, nah beieinander. Hier wird, so viel ich weiss, 1 DH/Nacht verlangt, dafür ist er quasi bewacht. Insgesamt stehen sicher an die 100 Womos und Camper an diesem Strand! 

Wir fahren nach Agadir rein. Eine junge Stadt, weil ein Erdbeben 1960 fast die ganze Stadt zerstört hat. Am Campingplatz finden wir das Hotel, wo Reinhard, der Schweizer wohnt. Vor dem Campingplatz steht ein Womo mit deutschem Kennzeichen und jede Menge Zeugs drauf und dahinter angebunden. Das kann nur der Horst sein! Tatsächlich! Aber leider ist er nicht da. Wir hinterlassen eine Nachricht, dass wir ab 19 Uhr im Hotel bei Reinhard sind. Dann fahren wir weiter zum Supermarkt und halten auch Ausschau nach dem Baumarkt, von dem uns andere erzählt haben. Der Supermarkt ist riesig und man bekommt hier alles. Es hat auch Wein und Bier hier. Fleisch, ausser Truthahn- und Hühnerfleisch sehen wir allerdings nicht. Wir kaufen nur das Notwendigste, von was wir glauben, später nicht mehr zu bekommen. Hier finden wir auch eine kleine Flasche Arganienöl. Ich kaufe mir ein Kissen mit Bezug. Das Tempurkopfkissen ist zwar bequem, aber ich habe ein Kuschelkissen immer vermisst. 

Wir fahren zum Hafen runter und stellen das Womo an die Beach von Agadir, wo ein Restaurant das andere ablöst. Heute Nachmittag hatte ich auf dem Womoplatz von einem Händler Spinat gekauft. Obwohl es ziemlich viel Wasser braucht, bis der Spinat vom Sand befreit ist, lohnt es sich, denn er ist ausgezeichnet. 
Reinhard treffen wir später im Hotel. Er ist nicht mehr der Jüngste. Allzu viel erfahren wir nicht über die hiesigen Fluggebiete und das Wetter für die nächsten Tage verspricht keinen Sonnenschein. Also mal abwarten. Für die Nacht kehren wir zurück zur Womostadt und stellen uns in die "zweite" Reihe. Der Horst hat sich leider nicht blicken lassen...
Stellplatz: Nähe Tarhazoute ca. 15km vor Agadir - Sand
Klima und Umgebung: schöner breiter Strand, jede Menge Wohnmobilisten und Camper, Südlicher Platz ist gebührenpflichtig, Nördlicher Platz ist gratis
Infrastruktur: die Händler kommen hierher, man kann fast alles von ihnen kaufen, Wasser im übernächsten Dorf, vor der Brücke rechts runter an den Fluss (rechts in der Ziegelei, wenn draussen Wasser nicht läuft)
11. Dezember 2004, Tarhazoute (ca. 10km N v. Agadir)
Womostadt - Bewölkung über Marokko
Der Himmel ist verhangen - ebenso wie Dominiks Gesicht. Ohje, er hat sich auf das Fliegen hier gefreut und wird mit Schlechtwetter für die nächsten Tage konfrontiert. Na ja, da kann man nix machen.
Zorro dafür hat seinen Spass. Er kann mit den anderen Hunden hier bis zum Abwinken rumtollen. Wir spazieren am Meer entlang, trotzen dem Regen und arbeiten am Computer. Die Zeit vergeht immer viel zu schnell.
Stellplatz: siehe 10.12.04
12. Dezember 2004, Tarhazoute - Agadir 
Wolkenmalerei und Wiedersehen mit Horst
Der Himmel ist heute morgen wild! Die Wind bläst kräftig aus Osten. Die Wolken sind genial geschliffen, sogar eine Runde Kugel hat sich formatiert. So schöne Wolkenbilder habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Es sieht faszinierend aus und ich kann mich kaum abwenden. 
Aber es dauert nicht allzu lange und der Spuk ist vorbei, der Tag wird ein Prachtstag, wenigstens vom Wetter her, nicht unbedingt vom Fliegerischen. 

Wir spazieren nach hinten zu den Hügeln hinter der Strasse und laufen den Pfaden nach, die irgendwo in der Pampa sich verlaufen. Auf einmal landen wir in einem Nomadendorf, bzw. drei vier Zelte, mit Plastik abgedeckt, sind locker auf einem Hügel verteilt. Zwei Frauen sitzen bei einem Baum und ein alter Herr kommt aus seinem Zelt und spricht uns an. Er sagt, er sei 80! Ob das stimmt? Alt sieht er schon aus, ganz wässrige Augen und viele Falten. Um seinen Kopf trägt er ein weisses Tuch und darüber einen braunen Djallabah (Kapuzenkutte), welche ihn fast ganz verhüllt. Als wir fragen, ob wir ein Foto machen dürfen, verneint er und meint, oh nein, das gehe nicht. Ok, hoffentlich haben wir ihn jetzt nicht beleidigt. Wir spazieren zurück, ich mit einem Gefühl von mich daneben benommen zu haben. 

Von einem Händler kaufe ich leckere Erdnüsschen, welche die weiche dunkelbraune Schale noch dran haben und gesalzen sind. Ich bezahle viel zu viel. Als ich später im Supermarkt den Preis vergleiche, habe ich die Bestätigung: ich habe 100DH/kg bezahlt und hier wären sie 29DH. Na ja, sie waren immer noch einiges billiger als bei uns, das tröstet mich ein wenig. 
Heute scheint es endlich mit Horst zu klappen. Auf 15 Uhr wollen wir uns im Hotel von Reinhard treffen. Auf dem Weg nach Agadir tanken wir Wasser aus einer grossen Zisterne.
Grosses Hallo mit Horst! Er ist der gleiche geblieben, vielleicht ein wenig älter geworden? Ich freue mich sehr, ihn zu sehen. Noch ein Deutscher, der Gleitschirmfliegen lernen will und Abderahim, Reinhards Führer, den er für einen Monat "gemietet" hat kommen dazu. 
Mein Versuch im Hotel ins Internet zu gelangen scheitert. Nach dem Treffen bin ich aber zu müde, um noch einmal irgendwo auf Internetsuche zu gehen. Wir fahren also zu unserem Schlafplatz in Agadir: zur "Nouvelle Medina d'Agadir". Agadir hat keine eigentliche Medina mehr, da das Erdbeben 1960 fast die ganze Stadt vernichtet hat. Die neue Medina wurde von einem sizilianischen Architekten, Coco Polizzi, vor wenigen Jahren wieder aufgebaut. Es wurde ausschliesslich natürliches Material, also Holz, Erde, Stein usw. verwendet. Es ist vor allem eine Touristenattraktion, aber, so sagte man uns, doch sehenswert. Wir wollen vor allem auf den dazugehörigen Parkplatz, um hier in Agadir einen ruhigen und geschützten Parkplatz zu haben, was wir auch bekommen, inkl. Wächter(!). 

Die Medina ist an sich schon geschlossen, nur in das Restaurant, dass im Inneren ist, dürfen wir. Alors, très bien. Der Wächter führt uns durch dunkle wunderschöne Gassen, welche nur durch holzgeschnitzte Lampen mit Kerzenlicht erhellt werden zum Lokal, wo wir uns erst einmal die Karte zeigen lassen. Zum Essen wollen wir uns umziehen, es ist relativ kühl hier drin und kurze Hosen sind deplaziert. Der nette Kellner führt uns wieder durch die Gassen zurück, wir hätten uns vermutlich verlaufen. Nach einem Bier als Apero machen wir uns erneut auf durch die dunklen Gassen. Diesmal lassen wir uns mehr Zeit und die Atmosphäre auf uns wirken. Der Zauber entsteht vor allem durch die vielen Winkeln und Stufen, die verzierten Mauern und der mit runden Steinen ausgelegte Boden. Wir laufen auch über Plätze, welche mit riesigen Bodenmosaiken verziert sind. Ich bin gespannt, wie das Ganze morgen im Tageslicht ausschaut. 

Wir bestellen uns eine Suppe, ein Couscous und eine Lammtajine mit Zwetschgen, dazu einen Cabernet (wir lechzen schon ein wenig nach Wein), welcher aber so parfümiert ist, dass wir ihn nicht ganz trinken mögen. Das Essen ist dafür sehr fein. Vor allem mein Lamm ist köstlich. 

Als wir wieder vor der Medina stehen hören wir Musik in nicht allzu weiter Ferne und laufen ihr nach. Wir landen in einem Festzelt, wo wir herzlich willkommen geheissen und reingebeten werden. Eine Musik spielt, ein Mann singt am Mikro und vier Frauen, ohne Kopftuch (!) tanzen dazu und schwingen ihre Hüften und Brüste im Takt. Ab und zu rückt eine ihren Kopf von links nach recht und hin und her, dass einem Angst und Bange wird. Die Leute, fast alles Männer, sitzen ringsherum und trinken Bier. Einer spendiert uns ein Bier. Wo sind wir hier gelandet? Das Agadir ein Sündenpfuhl sein soll, mit krassem Alkoholkonsum und Prostitution steht im Führer, aber was ist das hier? Die Musik wechselt und ein Girl nimmt das Mikro und geht in einem immergleichen Singsang von Tisch zu Tisch und bekommt hin und wieder eine Geldnote in den Ausschnitt gesteckt. Es erinnert schon an was, das.... Auch zu Dominik kommt sie und er kommt nicht drum herum, ihr ebenfalls eine Note zuzustecken. Als wir wieder zurück spazieren meint er, dass sei wohl die moslemische Form von einem Tabeldance-Lokal gewesen... Ich check es nicht. 
Stellplatz: vom Zentrum Agadir Richtung Süden, Inezgane, nach königlichem Palast, linkerhand, Beschilderung "Medina d'Agadir" folgen - Asphalt
Klima und Umgebung: ruhiger und bewachter Platz, Besichtigung Medina
Infrastruktur: nichts
13. Dezember 2004, Agadir - Tifnit (ca. 30km S v. Agadir)
Neue alte Medina von Agadir - Schrebergärten am Atlantik
Unser Morgenspaziergang führt für einmal nicht am Meer entlang, sondern durch Gassen. Die Medina ist auch bei Tageslicht besehen immer noch sehr schön. Viele Kunsthandwerker haben hier ihr Lokal, arbeiten, stellen aus und verkaufen ihre Ware hier, welche Fixpreise haben. Ich lasse mir eine Weberei zeigen und kaufe bei einem Ledersattler Babuschs. Das sind Lederfinken, welche hier jeder und jede trägt. Die spitzig zulaufenden sind Arabisch, die Runden Berberisch. Sie sind aus dreierlei Leder, die untere Sohle ist aus Kamelleder. Er erklärt mir die Qualität und die traditionelle Herstellung. Interessant. Für 170DH kriege ich ein knallrotes handgefertigtes Berberpaar.

Im Supermarkt gehen wir nochmals Dinge einkaufen, von denen wir glauben, dass wir sie im Süden nicht mehr bekommen. 
Ein Internet finden wir später im Aggloraum von Agadir. Wir schlendern noch durch die Strassen, bestaunen dies und jenes, z.B. ein Tuchladen mit einer uralten Nähmaschine drin. Wir kaufen uns für 10DH 250gr Guetzli, welche durchaus mit unserem Weihnachtsgebäck mithalten können. In solchen Nebenstrassen ist es wirklich spannend und man hat das Gefühl, ganz nah am marokkanischen Stadtleben zu sein. 
Dann fahren wir weiter südwärts Richtung Tiznit und biegen nach etwa 20km rechts zum Meer ab. Tifnit, wo man bei passendem Wind fliegen kann, liegt direkt an der Küste, hat etwa zwei Handvoll Häuschen oder so, die Fischerboote liegen ruhend am Hang daneben. 
Wir stellen das Womo etwas entfernt vom Dorf auf die Klippe und schauen, dass der Wind weder den Kühlschrank ausbläst noch uns davon. 
Die ekligen Heuschrecken sind leider auch hier. Sie werden aber nach und nach ins Meer hinausgeblasen. Gegen den Wind kommen sie nicht an. 

Dominik geht auf einen Spazier ins Dorf. Er kommt zurück und erzählt, er sei zum Tee eingeladen worden, von Hassan, der gut Deutsch kann, weil er dies von einem Deutschen gelernt hat, der jedes Jahr für zwei Monate hierher kommt. Er zeigt Dominik das Dorf und erzählt ihm vieles. Scheinbar haben die Fischer im Moment hier nicht viel zu tun. Im Sommer soll es hier gut sein, jetzt müssen die Fischer weiter weg, um Arbeit zu finden. 

Der Atlantik brandet hier kräftig an die Küste. Wir staunen über die Kabäuschen und Höhlentüren, welche unterhalb der Klippe in die Felsen gebaut sind. Offenbar werden sie von Fischern oder so benutzt. Es sieht aus, wie wenn jeder hier sein Schrebergarten hätte, nur eben nicht für das Gemüse sondern für die Fische und Muscheln. Taib, der Guide von Tafraoute, den wir später kennenlernen, erzählte uns, dass die Fischer sich diese Höhlen eingerichtet haben, um am morgen früh gleich vor Ort zu sein, wenn es gut zum Fischen ist. Es hat aber in den 70er eine Zeit gegeben, da haben die Hippies diese Höhlen für sich entdeckt. Da die Höhlen zeitweise unbewohnt waren, haben sie sich dort niedergelassen. Als dann die Fischer bzw. deren Söhne wieder kamen, fanden sie die Höhlen besetzt vor. Heute haben darum viele quasi einen Gartenzaun drumherum und sogar Schlösser an den Türen. 
Stellplatz: Auf der P30 von Agadir Richtung Tiznit, nach ca. 35km links abbiegen, bis Strand - Sand
Klima und Umgebung: sehr ruhiger, abgelegner Platz, Fischerkabäuschen in der Klippe, Polizist wohnt in der Nähe
Infrastruktur: drei (!) Läden in Tifnit, ansonsten nichts
14. Dezember 2004, Tifnit - Tafraoute, 1000müM (ca. 150 km SO v. Agadir)
Anti Atlas - Speicherburge - Dattelpalmenoase
Am Meer ist es noch ziemlich bewölkt. Je näher wir Richtung Pass kommen, desto mehr hellt es auf. Es scheint, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, heute zu fahren, denn auch der Wind ist ziemlich stark und obendrein von Südosten. 
Die Strasse zum Pass Tizi Mill ist in gutem Zustand, wenn auch nur einspurig asphaltiert. Da der Verkehr nur spärlich ist, ist das Ausweichen auf den Schotter rechterhand kein Problem. Bis nach Tafraoute sind es im Grunde etliche Pässe, die man überwindet. Immer wieder haben wir tolle Aussicht auf die Landschaft und den Fluss Ait Baha, der bzw. dessen trockenes Flussbeet manchmal tief unter uns durchführt. 
In dieser Gegend hat es viele Agadire. Das sind grosse Speicherburgen, die wie Burgen oder sogar kleine Dörfer aussehen. Sie trohnen jeweils zuoberst auf einem Hügel und beherbergen die Ernte von allen Familien einer Sippe, manchmal auch den Familienschatz. So konnte man früher die Ernte und das wertvolle Gut vor dem Feind besser schützen. 
Wir laufen zu einem schon beinahe verlassenen Dorf hinauf, um uns so einen Agadir von der Nähe anzuschauen. Viele Kakteen wachsen hier. Wehrhaft stehen sie jeweils in Gruppen zwischen den Felsen.
Der Agadir ist schon recht verfallen, aber die alte Holztüre ist noch dran und fest verschlossen. Trotzdem bekommen wir durch einen breiten Spalt neben der Türe einen guten Einblick in das Innenleben. Man sieht jede Menge Kammern, die wiederum von Türen verschlossen sind. Jede Familie hat ihre eigene Kammer. Flache Steine, welche herausragen, werden als Tritt zu den oberen Kammern benutzt. 
Wir spazieren im Dorf herum. Er ist alles sehr verlassen und wir sehen kaum Menschen. Die Landflucht ist auch hier ein Thema. Trotzdem sieht man immer wieder mal ein Haus, welches sehr hübsch, mit bunter Stahltüre renoviert worden ist. 
Die Strasse führt durch Steinwüste und karge Landschaft. Ganz selten mal an einem Dorf vorbei. 
Am Pass Tizi Mill checken wir den Startplatz aus. Leider ist der Wind vollkommen daneben. Also fahren wir hinunter ins Ammelntal, welches rechterhand beeindruckend von einer Gebirgskette flankiert wird, welche den Dj. Lekst mit 2360m als höchsten Spitz hat. Wir sind mitten im Anti Atlas.
Immer wieder sehen wir alte, zum grössten Teil verlassene und auch zerfallene Dörfer an der Bergflanke. Die berühmte Architekturkunst der Berber werden wir uns von Tafraoute aus noch genauer ansehen. 

Mittlerweile bin ich ein wenig besser informiert über Marokko und die Menschen, die hier leben. Es gibt drei verschiedene Gruppen von Berbern in Marokko: im Rif-Gebirge sind die Zenata-Berber; die Sanhadja-Berber sind zum Teil Nomaden oder Teilnomaden; die Schlöhberber siedelten vor allem im Anti Atlas und sind jene Berber, welche im 10. Jahrhundert den Hauptteil der marokkanischen Bevölkerung ausmachten. Vor allem jene vom Ammelntal sollen ein sehr fleissiger und cleverer Schlag sein. Viele gehen in den Norden Marokkos oder nach Europa, um Geld zu verdienen, bringen aber das verdiente Geld wieder in ihre Heimat zurück und bauen sich hier wunderschöne Häuser. 
Wir stellen auch fest, dass wir in Tafraoute weder von Kindern noch von Händlern zu arg angemacht werden. Bei einem Laden, wo Babuschs gemacht und verkauft werden, darf ich sogar ein Foto machen.
Als wir durch die Gassen schlendern und Brot einkaufen spricht uns einer an und erzählt, dass er Trekkingtouren macht. Wir gehen zu seinem kleinen Laden und er zeigt uns all die Briefe, die er von Kunden erhalten hat und die voll Lob für ihn und diese Gegend sind. Taib, so heisst er, wird auch im Führer von Erika Därr als empfehlenswerter Guide erwähnt. Er macht auf mich einen sehr guten Eindruck und sein Angebot, uns 1 1/2 Tage durch die Gegend zu führen nehmen wir, nachdem wir einige Varianten durchgesprochen haben, an. 

Er führt uns zu einem grossen Platz bei der Moschee, wo wir unser Womo für die Nacht und auch für die kommenden Tage stehen lassen können. Er wohnt gleich nebenan und lädt uns nach dem Abendessen auf einen Tee zu sich und seiner Familie ein. Er lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Wir setzen uns ins Wohnzimmer, wo die Wände knallblau angemahlt sind. Ein roter Teppich und bunte Bilder machen den Raum freundlich und lustig. Wir staunen, dass die Menschen hier kaum Fenster haben. Alles ist geschlossen und zu.... dafür schön bunt. 

Wir verabreden uns auf morgen früh und machen gleich noch ab, unsere Wäsche dazulassen, welche Fatma in unserer Abwesenheit waschen wird. Von Hand, alles klar. Auch wenn ich erkläre, dass es viel Wäsche ist und so weiter, meinen sie nur, sie seien sich das gewohnt, kein Problem. Ok...
Stellplatz: grosser Platz, gleich bei Gendarmerie und Moschee - Kies
Klima und Umgebung: hier sollen manchmal viele Womos stehen, guter Ausgangspunkt für allerlei Touren und Ausflüge Infrastruktur: in Tafraoute bekommt man alles
15. Dezember 2004, Tafraoute - Adai (ca. 3km SW v. Tafraoute)
Trekking durch Granitwüste - über Kullersteinberge - durch alte Berberdörfer und Oasen
Zum Frühstück sind wir schon wieder bei Taib eingeladen. Er serviert uns nebst Brot, Butter und Konfitüre kleine Crepes und das marokkanische Nutella (gemahlene Mandeln mit Honig und Arganienöl), welches jami ist. Dann brechen wir auf. 
Wir laufen aus dem Dorf, durch den Souk, Taib kauft noch einige Mandarinen und dann queren wir als Erstes die Deponie! So schade. Der Güder liegt auf dem Gelände verstreut, teilweise verbrannt, und weit verbreitet. Ein Jammer. 

Dann geht es über den ersten Kullersteinhügel und auf der anderen Seite quer über das Ammelntal.
Wir kommen an einem Friedhof vorbei. Offensichtlich macht man hier nicht so ein Traritratra um die Toten. Ganz wenige haben ein paar Keramikscherben als Gabe auf dem Grab, die Grabsteine sind meist ganz kleine Steine, hin und wieder ist ein grösserer auf dem steht, wer hier liegt. Die Toten liegen nicht tief und darum decken sie die Gräber während der ersten Zeit mit Dornengestrüpp ab, so dass nicht wilde Hunde über die Gräber herfallen. 
In nächsten Dorf gibt es sogar eine Post. Das bunte Haus ist von Hand angeschrieben und links von der Türe hängt tatsächlich ein gelber Briefkasten. 
Beim Maison traditionelle de Berber erklärt uns ein netter junger Typ, wie früher und auch noch oft heute gewohnt und gelebt wird. Die Architektur des Hauses, welches dreistöckig ist und innerhalb, anstelle einer Treppe hochgehende Gänge hat, ist beeindruckend. Zuoberst ist die Terrasse, welche tollen Ausblick auf die Oase unten und das Ammelntal bietet. Er zeigt uns schwarze Skorpione, welche er in einem Glas hat, und hier heimisch sind. Diese Berberhäuser sind manchmal bis zu sechs Stockwerk hoch.
Im "Wohnzimmer" sind herrliche dicke Teppiche auf dem Boden ausgelegt und an den Wänden hängen ebenfalls wunderschöne bunte Teile. Zusammen mit der türkisfarbenen Wand ist es eine lebensfrohe Pracht.  
Sitzkissen der Wand entlang laden zum Sitzen ein und Taib serviert uns allen Thé à la menthe, während der Typ, welcher uns das Haus gezeigt hat, auf einem Berberischen Kontrabass leise eine schöne Melodie dazu spielt. Wir unterhalten uns gut, lachen und finden den Besuch in diesem Haus echt lohnenswert. 
Unsere Wanderung geht weiter dem Hang entlang durch das Dorf, welches zum grössten Teil verfallen ist, aber doch immer noch einzelne schön verzierte Häuser hat. Scheinbar halten die Häuser nicht lange, wenn man nicht permanent daran arbeitet und es Instand hält. 
Wir wandern durch herrliche Oasen. Palmen säumen einen Bach, Olivenbäume mit reifen Früchten stehen im Hain und schmale Pfade führen um runde Felsen und über trockene braun-rötliche Erde. Wunderschön ist es hier. In unseren Augen unverständlich, dass die Leute das Leben in der Stadt dem Leben hier vorziehen.
Als wir wenige Zeit später um eine Ecke biegen, treffen wir auf eine Ansammlung von Frauen, welche ein grosses Essen zubereiten. Sie Schwatzen und Lachen. Dominik kann es sich nicht verkneifen und bleibt stehen und schaut ihnen zu. Hoppla, anscheinend hat er Erfolg, denn wir werden zum Essen eingeladen. Natürlich dürfen wir nicht gleich bei den Frauen sitzen, das wäre für sie kompromittierend. Aber gleich um die Ecke, auf der Veranda vom nächsten Haus stellen sie uns einen niederen Tisch auf, legen einen Teppich hin, sodass wir bequem sitzen können und dann servieren sie uns eine Schüssel voll von einem Mehl-Olivenöl-Gemisch, welches lecker gewürzt ist. Dazu kommt später noch eine Linsensuppe, welche dazu gegessen wird. Wir waschen uns die Hände und dann wird von Hand gegessen. Wohl verstanden nur mit der Rechten, denn die Linke ist unrein. Hm, das war fein und wir bedanken uns bei den Frauen. Shukram auf Arabisch, das berberische Danke können wir nicht aussprechen, viel zu schwierig. 
Weiter geht es durch verfallene Siedlung und noch mehr Oasen. Die langgezogene Bergkette des Jebel Lekst steigt in rötlicher Farbe rechts von uns hoch. Der Tete de Lion, ein riesiger Felsen, der wir ein lachender Löwe ausschaut, grinst uns frech von oben an. 

An einem Haus sehen wir einen mit farbigen Kacheln verzierten Brunnen, der offensichtlich Trinkwasser anbietet. Ich geniesse das kühle frische Nass. 
Viele Häuser sind hier bunt angemahlt. Alle Töne von Rot bis Rosarot sind vertreten. 
An einem Wadi bzw. Oued machen wir Pause, mit Blick über die Palmen bis zum Pass Tizi Mill. 
Ein schöner Pfad führt über den nächsten Kugelsteinpass. Auf der anderen Seite laufen wir bei Nomaden vorbei, welche sich hier zwischen und teilweise in den ausgehöhlten Granitkugeln für eine bestimmte Zeit eingenistet haben. Sie bleiben jeweils so lange wie ihre Tiere zu essen finden, dann ziehen sie weiter. Die Nomaden leben ausschliesslich von ihren Tieren. Taib kann uns viel über die Berber hier erzählen. Er bringt uns wirklich ein Stück näher an das Leben auf dem Lande hier in Marokko.

Es geht auf Granitsand durch eine breite Ebene, in welcher Palmen und Arganien wachsen. In der Nähe sehen wir Tafraoute. Unser Ziel ist Adai, zwei, drei Dörfer weiter weg. 
Langsam werden wir müde. Auch Zorro macht keine grossen Abstecher mehr. Immer wieder muss ich ihn von den stacheligen Samen befreien, welche in seinem Fell hängen bleiben und ihn stressen. Taib nimmt in kurzerhand auf den Arm. Auch gegen meinen Protest besteht er darauf, ihn zu tragen. Auch später noch einmal, als die Ebene voll von diesen "Bomben" ist, nimmt er ihn auf die Schultern. Zorro ist zu müde, um sich zu wehren und vielleicht ist er sogar froh, einen solchen Hochsitz zu haben. 
Es dunkelt schon bald ein, als wir bei seinem Haus in Adai ankommen. Das Haus gehört der ganzen Familie, jeder benützt es bei Gelegenheit, aber im Moment ist niemand da. Ausser Mohammed, der unsere Sachen für die Nacht und das Abendessen hierher gebracht hat. Mohammed ist ein Freund von Taib und erledigt jeweils den Nachschub bei den Trekkings.

Bei Münzentee, Brot und Nutella (siehe weiter oben) erholen wir uns von der Wanderung. Der CD-Player spielt moderne indische (!) Musik und wir fragen uns, ob man das nun unter echtem traditionellen Berberleben versteht, wie uns Taib immer wieder sagt... Wir decken uns mit den Decken zu, die es en masse gibt, denn es ist ziemlich kalt hier im Haus. Die Tajine stand schon auf dem Gasfeuer, als wir ankamen und wird nun serviert. Rindfleisch mit Zwiebeln, darauf geschälte Tomaten, Karotten und Kartoffeln. Auch wenn das Fleisch nach unserem Geschmack zuviel Fett dran hat, so gibt sie der Tajine doch einen leckeren Geschmack.

Nach dem Abendessen spielen wir Rommé auf Marokkanisch und hören dazu Reaggemusik. Auch witzige marokkanische Musik bekommen wir zu hören. Taib serviert sogar einen Schnaps, bzw. Likör-Schnaps aus Datteln, der mit Apfel gewürzt ist. Ab und zu ziehen sich Taib und Mohammed einen Joint rein. Taib meint, "this is life"! 
Das Spielglück ist immer noch auf meiner Seite und ich gewinne die Runde. Dann fallen wir todmüde in die Matratzen, welche ziemlich durchhängen, zugedeckt mit etwa einer Tonne Wolldecken. Obwohl Dominik reklamiert und ziemlich unzuversichtlich ist, was die Nacht betrifft, schlafen wir gut und tief.
16. Dezember 2004, Adai - Les Pierres Bleus (ca. 3km S v. Tafraoute)
Bunte Wäsche und Blaue Steine in der Wüste  
Der Muezzin weckt uns. Übrigens sind das hier echte Gebetsausrufer und nicht etwa ab Band. 
Frühstück gibt's auf der Terrasse oben, die Sonne scheint, es wird ein herrlicher Tag mehr. Wir staunen nicht schlecht, als Mohammed sich schon am morgen wieder einen Joint reinzieht...

Taib zeigt uns das alte Haus nebenan, welches dazugehört. Es ist im gleichen Stil erbaut wie das Traditionelle, welches wir besichtigt haben. Auch sind jede Menge antike Gegenstände drin, die in ein paar Jahren auf einem Antiquitätenmarkt wohl was einbringen könnten. Leider fehlt das Geld, um das Haus wieder ganz herzustellen. Taib hat mit den Renovationsarbeiten an der Terrasse angefangen und meint, er bräuchte etwa 60'000 DH (ca. 10'000 sFr.), um das Haus komplett wieder herzustellen. 

Wir verlassen das Haus, um den Weg nach Tafraoute zurückzulaufen. Diesmal führt uns Taib und Mohammed, der uns ein Stück begleitet, links im Tal zurück. Wir wandern durch ein paar Dörfer und Taib besteht darauf, Dominiks Rucksack zu tragen. 
Manche Häuser sind hier in tiefem Rot. Die meisten jedoch in den Farben der Umgebung. Hin und wieder sieht man neuere Häuser in bläulichem Zement, welche noch nicht gestrichen sind. Zwischen den Steinen stehen die Häuser, manchmal sogar darauf. Schön angelegte Pfade führen mitten hindurch. Es begegnen uns immer wieder Frauen, welche schwer mit Kanistern und Bidons beladen, vom Wasser holen heimkehren.  
In einer Dattelpalmenoase werfen wir Steine zu den Datteln hinauf, bis sie runterprasseln. Sie sind zwar nicht sehr süss und haben auch nicht sehr viel Fleisch dran, aber trotzdem schmecken sie gut. Auch eine alte Gazellengravur besichtigen wir, bevor wir zurückkehren nach Tafraoute. 
Zurück in Tafraoute lade ich zuerst einmal die vielen Bilder, die ich gemacht habe auf den PC. Dann holen wir die Wäsche bei Fatma ab. Ein Teil der Wäsche ist nicht trocken geworden. Da wir Sehnsucht nach Ruhe und Einsamkeit haben, beschliessen wir, das bischen nasse Wäsche ebenfalls einzupacken und raus zu den blauen Steinen zu fahren, wo wir sie noch aufhängen und trocknen lassen können. 
Taib verspreche ich, beim nächsten Besuch in Tafraoute, was sicher noch einmal der Fall sein wird, ein Dankesschreiben zu machen und wir verabschieden uns von ihm und seiner Familie. Dominik ist vom Trekking nicht ganz so begeistert wie ich; mir hat es sehr gut gefallen. Ich habe viel von Taib über Marokko und das Leben hier erfahren. Das Wandern durch die Gegend um Tafraoute war wundervoll und ich habe es sehr genossen. Taib kann ich wirklich weiterempfehlen. Sein Business ist ein kleines, er macht bestimmt nicht übermässigen Profit und will auch nicht irgendwelche Extras verkaufen. Er ist ein netter Typ, fair und offen. 

Wir fahren aus Tafraoute raus zu den Blauen Steinen. Nach ca. 3km Asphalt kommt rechts eine Granitsandpiste, welche ziemlich bucklig aussieht. Ob das für unser Womo passt? Wir probieren es und siehe da, das Womo ist echt ziemlich geländetauglich! Wir fahren bis zu zwei markanten Steinpilzen und stellen uns dazwischen. Genial! Man hat das Gefühl, mitten in der Wüste zu sein. Absolut nichts ausser Steinen, Sand und ein paar wenige grüne Arganien.
 
Wir hängen die Wäsche zwischen zwei Arganienbäume und erholen uns beim Mittagessen von der Wanderung und dem Familienrummel. 
Dann spazieren wir die verbleibenden paar hundert Meter zu den Blauen Steinen runter. Ein Belgier hat hier vor ein paar Jahren x-Steine, bzw. Felsen blau, weiss, schwarz und rosa angemahlt. 
Zum Teil ist die Farbe abgeblättert. Trotzdem ist es beeindruckend und wirkt hier in der Wüste mit dem blauen Himmel als Hintergrund malerisch und harmonisch. 
Als wir um die Felsen rumlaufen sehen wir weiter weg ein weisses grosses Fahrzeug, vielleicht ein Womo, denken wir, und beschliessen, die Leute zu besuchen. Beim Näherkommen sehen wir, dass es ein richtiger Panzerknacker von grossem Format ist. Das heisst ein Riesenteil von selbstgebauten 4-WD-Expeditionsvehikel auf einem Lastwagenfahrgestell, etwa fast 4m hoch und 2.50m breit! 
Ein Rhodesien Ridgeback kommt uns warnbellend entgegen. Ziemlich eindrücklich! Doch wir sehen bald, dass er in Ordnung ist und schon spielen Zorro und er miteinander. Die Besitzer zeigen sich und wir lassen uns die verrückte Karre zeigen. Obwohl aussen so riesig, ist es innen nicht grösser als unser Womolein, dafür haben sie Ressourcen dabei, die wohl für x Wochen hinhalten, so z.B. 880 Ah Batterien, plus Stromaggregator, 800 lt Dieseltank (!!!), Druckluft, um luftabgelassene Pneus selbst wieder aufpumpen zu können, Töff sowieso, 4 getrennte Wassertanks mit Filtern da und dort, ein richtiges Spühl-WC, Backofen, Hundehütte draussen, usw. 
Die Felsen und Bergketten wechseln die Farben von rot bis violett. Es dunkelt schon ein, als wir zu unserem Stellplatz zurückkehren. Absolut genial, dieser Ort hier in der Wüste. Die Nomaden sind von ihrem "Weidegang" zurückgekehrt. Wir hören sie mehr als dass wir sie sehen. 
Es ist toll, wirklich, so habe ich mir Marokkos Wüste vorgestellt. Es zu beschreiben ist schwierig. Es ist vor allem die Ruhe und das Gefühl von Alleinsein, und das in einer wunderschönen faszinierenden Gegend. 
Der Mond wirft, obwohl er nur halb voll ist, starke Schattenkontraste von den Steinen und Bäumen; es wirkt alles sehr surreal. In der Nacht bellt ein Fuchs, irgendwo ganz in der Nähe. 
Stellplatz: von Tafraoute Richtung Tiznit via Agauard Oudad, nach ca. 7km rechts bei beschilderter Einfahrt Piste über ca. 3km bis zu zwei grossen Felsen - Granitsand (mit einem längeren Womo wird man vorher schon sich irgendwo hinstellen, bis zu den Blauen Felsen ist es aber nicht mehr weit zu Fuss) 
Klima und Umgebung: Wüstentouch, grandioser Blick, absolute Ruhe, Spazier von 5 Min. zu den Blauen Felsen
Infrastruktur: nada
17. Dezember 2004, Les Pierre Bleus - Tizi Mill, 1400müM (ca. 12km O v. Tafraoute)
Nomadentouch - Teppichhändler - Pastellene Weite
Ich steh früh auf, die Sonne ist noch nicht da. Die Nomaden, welche etwa 1km von uns entfernt ein Zeltlager haben, sind auch schon auf. Sie treiben ihre Geissen zusammen. Die Esel weiden ganz in unserer Nähe und nun entdecken wir auch die Kamele, die sie dabei haben. 
Ich spaziere allein nochmals zu den Blauen Steinen um Fotos in der Morgensonne zu machen. Zum Fotografieren war es gestern Abend besser als heute morgen. Ich klettere dafür hoch auf die Felsen und geniesse die Rundumsicht über diese geniale Landschaft. Die Felsen müssten nicht unbedingt blau und farbig angemahlt sein, um zu sehen, dass dieser Ort speziell ist. Aber sie harmonieren mit den Farben der natürlichen Umgebung. 

Als wir auf der Buckelpiste wieder unterwegs zurück sind, treffen wir auf einen Nomaden mit seiner kleinen Tochter. Er erlaubt mir, ihn und sie zu fotografieren. 
Sie ist sehr scheu die Kleine und will sich hinter Papa verstecken. Auch ein kleines Lamm ist mit ihnen. Leider redet der Mann kaum französisch. 
In Tafraoute gehen wir zum Maison Tuareg, wo Teppiche verkauft werden und wo Dominik hofft, sich Informationen zum Fliegen verschaffen zu können. Während er sich im Büro mit dem Capo unterhält wird mir Tee offeriert und trotz meinem Abwinken Teppich um Teppich vorgeführt, bis der ganze Boden voll von bunten Berbern und raffinierten Kelims ist. Zu gerne würde ich mir Teppiche kaufen, aber so auf Reisen macht das keinen Sinn, weil kein Platz und auch kein Daheim, wo sie nützlich wären. Abgesehen davon, sind die Preise nicht gerade tief. Ein einfacher Kelim, der als Läufer im Womo passen würde, offeriert er mir anfänglich für 120 Euro. Wir diskutieren über den Preis, er will unbedingt wissen, was ich maximal bezahlen würde. Ich erkläre ihm, dass ich nichts kaufen will und auch nicht kann, weil kein Platz. Sage aber, dass ich in der Schweiz nicht mehr als 20 Euro für den Teppich bezahlen würde. Als wir abfahren kommt er nochmals ans Womofenster und meint, ich würde ihn für 50 Euro bekommen. Ich frage mich, wieviel die, die die Teppiche gewoben bzw. geknüpft haben dafür bekommen! Am besten wäre es wohl, wenn man den Teppich direkt bei den Nomaden kaufen könnte, vorausgesetzt man will einen. 

Dominik erfährt eigentlich nur, dass im Moment hier niemand fliegt. Wir kaufen noch Brot und Gutzis ein, gehen in den Souk, der heute allerdings nicht stattfindet. Datteln finden wir trotzdem. Ein wenig bessere, als die geklauten; sie kommen von weiter südlich. 
Auch eine volle Gasflasche kaufen wir für 100DH inkl. Depot! Das Depot lässt sich Dominik schriftlich geben. Auf der Strecke zum Tizi Mill sehen wir einen Wasserhahn in der Aussenmauer eines Hauses. Wir fahren ran und die Frau, die an die Türe kommt, sagt, wir können uns bedienen, soviel wir wollen. Das Wasser sei für alle da, die hier vorbei kommen. Und es ist gutes Wasser! Dann fahren wir hoch zum Pass, dem Tizi Mill und stellen unser Womo auf den Parkplatz hinter dem kleinen Laden.
 
Dominik will das Gas selber abfüllen. Einen Schlauch mit passenden Gewinden haben wir ja schon in Spanien mal gekauft. Ich bin vom Ganzen nicht gerade begeistert, aber ich verstehe die Sache auch zu wenig und darum habe ich enorm Respekt. Wir hängen die Marokki-Flasche umgekehrt an die Leiter, stellen unsere leere Schweizer-Flasche darunter, schliessen den Schlauch an und dann öffnet Dominik das Ventil von der Marokki-Flasche während ich ein wenig weg gehe... Langsam komme ich wieder näher, es scheint gut zu klappen. Man hört, wie das flüssige Gas langsam in die untere Flasche strömt. Jemand hat uns gesagt, dass es 24 Stunden dauert. Also essen wir mal in Ruhe zu Mittag. Der Wind stimmt sowieso nicht, er kommt von hinten. Mit Fliegen ist also eh nichts. Nach etwa 1 1/2 Stunden ist die untere Flasche schon ganz schön schwer und die obere entsprechend leicht. Viel kann nicht mehr drin sein und da wir die Flaschen nicht hier draussen rumstehen lassen wollen, während wir weggehen, beenden wir die Umfüllerei. Das restliche Gas in der Marokko-Flasche können wir ja noch fertig brauchen, morgen früh geben wir sie dann wieder in Tafraoute zurück. Ging ja ganz ordentlich. Natürlich hatte Dominik Handschuhe an, denn es besteht eine gewisse Verbrennungsgefahr durch das flüssige Gas, welches am Schluss noch im Schlauch verbleibt. Ich denke aber, dass wenn man die Aktion sorgfältig betreibt, auf alle Fälle nicht in einem geschlossenen Raum, nicht raucht und Handschuhe trägt, die Materialien (Schlauch usw.) in Ordnung sind, eigentlich nichts passieren kann. Trotzdem, ich alleine würde mich nicht getrauen. Aber so ist das natürlich eine einfache und billige Möglichkeit, zu Gas zu kommen. Übrigens haben die Marokkaner genau die gleichen Flaschen wie wir Schweizer, sie würden absolut an unser System passen! Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir die Spanienflasche in Spanien gelassen! Aber eben, hinterher ist man immer schlauer.
 
Der Ladenbesitzer sitzt ein wenig von uns entfernt im Hang und trinkt einen Tee. Ist nicht viel los hier oben. Ich gehe mit der Guetzlischachtel zu ihm, mit der Absicht ihm ein paar davon zu geben. Doch schon als ich näher komme, steht er auf und bedankt sich und ich merk schon, das läuft nicht so wie ich mir dachte... er nimmt die ganze Schachtel! Er hat solche Freue und ich bin so überrumpelt, dass ich sie ihm überlasse. So, wieder was gelernt... Ist auch kein Problem, hoffentlich schmecken sie ihm. 
Wir wollen um den Pass herumlaufen bis zur alten Miene, wo nach Buch ebenfalls ein Startplatz sein soll. Der Weg führt leicht bergan und mit jedem Schritt wird der Blick über die Landschaft weiter und weiter. Die Schönheit, welche sie ausstrahlt ist kaum zu beschreiben. Sanfte Hügel in pastellenen Farben liegen da, ganz selten von ein paar höheren Bergen unterbrochen. Unten im Tal stehen Mandelbäume, welche in einem Monat oder so die Gegend wohl noch bezaubernder machen, wenn sie rosa blühen. Über allem ein strahlend blauer Himmel. Es ist eine friedvolle Wanderung, welche uns sehr erfüllt. Bei den Mienen angekommen sehen wir auf die anderen Passseite wieder in eine grosse weite Talebene, diesmal im Gegenlicht. Fliegen ist aber nicht drin, der Wind bläst um die Bergecke. Auch der Rücktransport wäre hier schwierig. Entweder 4X4 oder 1x4, sprich Esel. 
Auch hier sind Nomaden, nur ein kleines Zelt, eine kleine junge Familie. Er kommt uns entgegen um uns zu begrüssen und ein wenig zu reden. 
Hier hat es übrigens viele Erdhörnchen oder so. Kleine Pelztiere, etwa wie unsere Eichhörnchen, aber mit breitem Schwanz, der einen Silberstreifen ringsherum hat. Sie rennen davon, wenn wir kommen und man sieht sie meist nur noch von hinten. Zorro hat seinen Spass mit ihnen, ohne dass er eine Chance hätte, sie zu kriegen. 

Wieder zurück, setzen wir uns an die Kante, essen Mandarinen und blicken in das Ammelntal hinab. Ein alter Herr spaziert in der Nähe, grüsst uns und schaut ebenfalls hinunter. Ich gebe ihm die eine Hälfte meiner Mandarine und er nimmt dankend an. Irgendwie ist das hier ganz normal, dass man von dem gibt, was man hat. In Tafraoute sind mehrere Frauen zu mir gekommen und haben gebettelt. Den einen habe ich etwas gegeben. Ich sehe auch Einheimische, die den Bettlerinnen etwas geben. Es scheint hier so üblich zu sein. Verstehen tue ich es nicht. Ich meine aber im Islam gehört das zu den Grundpfeilern des Glaubens, dass man grosszügig ist und mit den Armen teilt. 

Das verbliebene Gas in der Marokko-Flasche wollen wir zu Ende brauchen. Also stellen wir den Boiler an und lassen ihn mal ganz hoch kochen. Abgewaschen wird ausnahmsweise mit dem Boiler-Wasser, was heute wieder einmal Dominik erledigt. So guät. Auch lassen wir hier oben auf ca. 1400müM, es wird etwa 7° in der Nacht, die Heizung mal über Nacht laufen. Eine Gelegenheit, zu sehen, ob sich's dabei trotzdem gut schlafen lässt. 
Stellplatz: von Tafraoute ca. 12km Richtung Agadir, Strasse bis zum Pass - Kies
Klima und Umgebung: sehr ruhiger Platz, Wanderung zur alten Miene gibt sensationellen Blick über hügeliges Hinterland
Infrastruktur: kleiner Laden am Pass, Wasser aussen an einem Haus, auf der Strecke, ca. 6km nach Tafraoute
18. Dezember 2004, Tizi Mill - Aglou Plage (ca. 45km N v. Sidi Ifni / ca. 100km S v. Agadir)
Von Pass zu Pass - Endlich wieder einmal Fliegen
Geschlafen haben wir gut, wenn auch die Luft ein wenig trockener war. Obwohl wir auch heute morgen nochmals den Boiler voll aufgeheizt hatten, haben wir die Gasflasche nicht leer gekriegt. Uguale, wir bringen sie zurück und Dominik erhält, vielleicht wirklich dank der schriftlichen Bestätigung für das bezahlte Depot, dieses auch anstandslos zurück. So was von problemlos!
Beim Bäcker hol ich mir nochmals eine grosse Portion der leckeren Guetzli und dann geht's ab Richtung Tiznit, runter an die Küste. Dominik hat Entzugserscheinungen und braucht dringend eine Dosis Flugluft. 

Die Strecke ist mit ca. 100km ja nicht besonders lang, aber sie führt über jede Menge Pässe, rauf und runter, jede Fuhrt wird ausgefahren und streckenweise verläuft sie einspurig. Nichtsdestotrotz führt sie durch einmalig schöne Gegenden. Marokkos Landschaften sind sagenhaft. Immer wieder verblüfft die Grösse und Weite, die pastellenen Farbtöne, grüne Oasen in ockerfarbenem Tal, rote und rosarote Häuser. Die Frauen tragen je weiter wir zur Küste kommen wieder bunte Kleider. In Tafraoute waren es schwarze Tücher mit bunten Mustern am Rand. 
Am Col du Kerdous machen wir Halt. Hier ist ein Startplatz, doch leider der Wind von der falschen Seite. Das relativ neue Hotel, welches hier oben auf einem Felsen oben trohnt ist beeindruckend. Ich muss sagen, die Marokkaner haben einen verflixt guten Geschmack. Ihr künstlerisches Flair wird in der Architektur sehr offensichtlich. 
Als wir den Pass runter fahren überfällt uns wieder einmal ein roter Heuschreckenschwarm: Les Soterelles, so ein schöner Name für so ein hässliches und lästiges Insekt. Obwohl, Taib hat mir erklärt, dass die Heuschrecken in Wasser eingelegt, das Wasser getrunken und die Viecher gegessen gut für irgendwelche Beschwerden seien... na dann Prost! 
Bei unserer Mittagspause irgendwo in der Steinwüste stossen zwei Marokkaner ihre Fahrräder mit ziemlich Gepäck an uns vorbei, grüssen nett und wünschen einen guten Appetit. Als sie die grosse rosarote Mauereinfahrt durchlaufen kann ich nicht wiederstehen, ich muss den marokkanischen Velotrekking fotografieren.  
Bis wir ganz am Meer sind fahren wir noch einige Kilometer. Eigentlich wollten wir den Startplatz von Francois von hinten her anfahren, so wie es uns empfohlen wurde. Doch den Abzweiger haben wir nicht gefunden und so machen wir ein recht grossen Umweg bis wir sein Restaurant von der Küstenstrasse, also von unten her, ausmachen können. Eine französische Gruppe ist am Fliegen und die Piste, die den Hang hochführt schaut annehmbar aus. Zwar ziemlich holprig, aber es geht. Kurze Zeit später stehen wir oben auf dem betonierten Startplatz und Dominik kommt endlich wieder einmal zum Fliegen. Das Soaren will erkämpft werden. Jedes Zipfelchen wird ausgelutscht bis nichts mehr geht, mehr als eine halbe Stunde war aber trotzdem nicht drin, dann stellt das bischen Thermik, was war, ganz ab. 
Ein paar marokkanische Jungs, welche das Fluggeschehen verfolgen, haben ihren Spass mit Zorro und noch mehr, als ich ihnen die Fotos zeige, die ich von ihnen gemacht habe. 
Wir fahren noch gute 20km weiter bis zu einem Stellplatz, von dem wir eine GPS-Position haben. Im Reisebericht von www.afrika-virus.de sind coolerweise, glaub ich, fast alle Stellplätze mit den Satelliten-Koordinaten angegeben. Den einen und anderen können sogar wir Yogurths verwenden (;-)). Wir stellen also unser Womo auf fast dem gleichen Platz ab, d.h. auf dem festen Sand, gleich über den Klippen, weit und breit kaum eine Menschenseele. 
Der Fischverkäufer, der mit dem Mofa ankommt, gehört schon ganz zum Alltag hier in Marokko. Ob morgen noch einer mit einem Brotangebot kommt? 

Hier ist es wieder südlich warm. Das Thermometer zeigt nach Sonnenuntergang noch 17° an. Cool oder besser Hot! Dominik und ich spielen Rommé und es ist unglaublich, ich gewinne und gewinne und gewinne. Eigentlich müsste ich mit dem Schwein, dass ich schon seit Wochen habe, Lotto spielen... 
Stellplatz: von Tiznit Richtung Sidi Moussa d'Aglou, vor dem Campingplatz bei Aglou die Sandpiste am Meer entlang, ca. 2-3 km dem Meer entlang - fester Sand
Klima und Umgebung: abseits, sehr ruhiger Platz, Spazier am Meer, Fischerkabäuschen in der Klippe
Infrastruktur: nada, Fischverkäufer kommen mit dem Mofa
19. Dezember 2004, Aglou Plage - Legzira (ca. 10km N v. Sidi Ifni / ca. 140km S v. Agadir)
Voler chez Francois
So, heute ist fliegen angesagt. Die Nacht war angenehm warm, ca. 15°. Habe wieder einmal ohne zusätzliche Decke geschlafen. 
Am Morgen machen wir zuerst einen Spaziergang den Klippen entlang. Auch hier hat es die Fischerhäuschen in den Klippen. Es scheinen ein paar wenige genutzt, der Rest verfällt wohl. Weiter südlich sehen wir, dass es Morgennebel hat. Hier aber scheint die Sonne. Die farbigen Türen in den schlichten Betonhäuschen sehen in der Morgensonne reizvoll aus. 

Seit wir wieder unterwex sind diskutieren wir darüber, ob wir für Marokko einen Flugführer machen sollen oder nicht. Es bedeutet ziemlich Arbeit. Heute haben wir uns endlich entschieden, die Flugdaten zu sammeln. D.h. wir halten die GPS-Positionen für Start- und Landeplätze und für die Wegpunkte dorthin fest und sammeln sie in einer Datenbank. Die Daten kommen in den Flugführer, welcher Dominik schon für Sizilien und Kalabrien gemacht hat und der auf unserer Homepage allen, die interessiert sind, zur Verfügung steht. 
Wir fahren zu Francois und seinem Adlernest, dem Nid d'Aigle. Ein paar Franzosen sind schon da, es wird aber noch nicht geflogen und so genehmigen wir uns zuerst einmal einen Thé à la menthe in dem lässigen Lokal, dass er hier eingerichtet hat. Francois schult gerade ein Girl, welches gestern den zweiten Flug und heute den Dritten macht. Sie ist vermutlich die erste marokkanische Gleitschirmfliegerin!  Schon neckisch, der Startplatz für einen Anfänger, denn nach dem Betonplatz kommen gleich Felsen und stacheliger Abhang. Auch unten einlotsen tut er sie von oben her... 
Im Laufe des Tage nimmt der Wind zu und es wird schön thermisch. Dominik kommt endlich ausgiebig zum Fliegen. Allerdings ist er nicht alleine. Es sind etliche Flieger da, vor allem Franzosen. 
Eine Pilotin verletzt sich am Fuss, als sie Toplanden will und dabei den Betonpfeiler vom Restaurant rammt. Einen Moment noch fliegt sie eingedreht, also rückwärts, offenbar geschockt, doch dann dreht sie sich wieder aus, ohne, wie es gerne in solchen Momenten dummerweise geschieht, die Bremsen zu ziehen. Es stellt sich später heraus, dass sie sich "nur" den Fuss verstaucht hat. 

Auf einmal stellt der Wind ab, ich fahre runter und dann geht's weiter Richtung Sidi Ifni. Die Sicht ist schlecht, denn wir fahren direkt auf die Sonne zu und der Antlantikdunst verwischt den Blick vollends. 
10km vor Sidi Ifni ist eine Bucht, wo es zwei drei Restaurants ohne Strom gibt. Oberhalb auf der Klippe ist ein bewachter Womostellplatz für 15 DH pro Nacht. Da gleich auf dem Berg dahinter und an den Klippen unten geflogen wird, passt das wunderbar. 
Wir stellen uns hin und spazieren erstmal am Strand entlang zu dem riesengrossen Felsentor und wieder zurück. Scheinbar wird hier viel geflogen. Die Leute sagen alle, ja, man sehe sie des öfteren. Aber im Moment ist niemand da. Na, mal sehen, was morgen alles möglich ist. 
Stellplatz: von Tiznit rechts runter an die Küste, etwa 60km der Küste entlang, 10km vor Sidi Ifni rechts etwa 200m Piste bis zum Platz über den Klippen - Schotter
Klima und Umgebung: schöner Strand mit zwei grossen Felsentoren, einige Womos
Infrastruktur: bewachter Platz für 15DH/Nacht, Wasser am Platz, Restaurants unten an der Beach, Brotverkäufer kommt jeden Tag, ansonsten Einkaufen, Tanken und Internet in Sidi Ifni
20. Dezember 2004, Legzira 
Legziras Felsentore
Etwa 10 Wohnmobile, Camper oder Expeditionsfahrzeuge stehen hier auf dem Platz. Zum Teil stellen sie sich zusammen, machen kleine Wagenburgen oder stehen locker, so wie wir am Rande des Platzes. Wasser kann man hier auch bekommen, soviel man will. 

Unsere Nachbarn, Deutsche im querfeldeintauglichen italienischen Gendarmeriekarren fahren nach Sidi Ifni, um im Souk einzukaufen. Sie sind so nett und bringen uns Blumenkohl und Auberginen mit. 

Wir fahren hoch auf den Berg, schaffen sogar die ganze Strecke bis zur ehemaligen spanischen Festung. Der Hinterradantrieb unseres Womos ist wirklich Gold wert. Oben hat man einen tollen Blick über den Küstenstreifen bis hinunter nach Sidi Ifni, welches aber ziemlich im Dunst liegt. Wir spazieren ein wenig durch die verfallenen Schützengraben der Spanier. In einer Wassergrube liegen zig rote Heuschrecken und stinken still zum Himmel. Mit ihren leopardenartig gemusterten Flügeln sind sie ja an sich noch schöne Viecher. 
Nach unserem Mittagessen tauchen die drei Franzosen auf, welche wir schon bei Francois angetroffen haben. Sie sind mit Auto und Zelt hier in Marokko unterwegs. 
Der erste, der rausfliegt säuft leider ab und marschiert den Berg wieder hoch. Auch Dominik kann sich mit dem Astral nicht halten und landet auf unserem Stellplatz am Meer. 
Ich hole ihn dort ab und dann fahren wir noch zum Felsentor. Dort kommt er dann doch noch auf seine Kosten. Der Wind ist zwar nicht übermässig aber doch genug, so dass er sich doch lange halten kann. 
Der Spazier hierher lohnt sich, denn der Blick über den Strand mit seinen roten Felsen ist genial. 

Ich laufe zurück zum Womo und fahre zu unserem alten Platz. Ich installiere mich gemütlich draussen und geniesse Canettis Beschreibungen von Marrakesch. 

Etwa eine Stunde später kommt Dominik, verschwitzt von der steilen Treppe, welche vom Strand zum Platz über den Klippen hochführt, aber mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Das Absaufen hatte insofern doch noch seinen Sinn, dass er am Felsentor, was ja wirklich speziell ist, und zudem nördlichen Wind benötigt, doch noch zum Fliegen gekommen ist. 

Wir bestellen beim Brothändler Brot für morgen. Er kommt mit dem Fahrrad zwei mal am Tag von Sidi Ifni hierher, einmal um die Bestellung aufzunehmen und dann am anderen Morgen, um zu liefern!
Stellplatz: siehe 19.12.04
21. Dezember 2004, Legzira 
Waschen und Schleudern (hin und her...)
Wir frühstücken draussen, auch wenn es am morgen noch ziemlich frisch ist. Doch die Sonne taucht um etwa halb neun hinter den Bergen auf und wärmt dann schon bald alles angenehm auf. T-Shirt-Wetter! Und das im Dezember, cool. So stellt man sich eigentlich das Überwintern im Süden vor. 

Wir nehmen die Matratzen heraus und stellen sie an die Sonne. An einer Stelle hat es kleine Stockflecken gegeben und die wollen wir loswerden. Dominik wäscht den Überzug und den Schaumstoff behandelt er mit einem Bakterienspray. So, mehr können wir nicht tun. Heikel wird es bleiben, denn von unten kommt schlicht zu wenig Luft an die Matratzen. 
Mit den Wanderstöcken baut er eine gute Wäschehänge und wir lassen auch die andere Bettwäsche draussen, sodass sie gut durchlüftet werden. Mit einer Wäschehänge fühlt man sich doch gleich ein wenig mehr daheim ;-). 
Zorro vergnügt sich mit den anderen Hunden, wilden und nachbarlichen. Auch ihn musste ich mit Chemie behandeln. Bei diesen Temperaturen scheinen sich Zecken gut halten zu können und die fremden Hunde haben Flöhe. 
Während ich die Fotos der letzten Tage bearbeite und das Journal nachtrage, geht Dominik ans Felsentor um zu fliegen. Am späteren Nachmittag, als die Sonne voll an den Strand scheint und die Ebbe den Strand breit macht, laufe ich mit Zorro dem Meer entlang zum Felsentor. Wirklich eindrücklich! Zwei grosse Tore sind kurz nacheinander. Früher gab es sogar ein Drittes, was inzwischen jedoch zu ist. Die Steine sind runtergekommen...
Als ich im dritten Tor bzw. dem, was davon übriggeblieben ist, stehe und ein Foto versuche zu schiessen, macht es gleich neben mir Platsch. Ein Stein ist runtergeflogen! Puah, etwa einen Meter neben mir. Ich verlasse die Höhle so schnell ich kann und mein Herz schlägt bis zum Hals. Einen Meter mehr rechts und der Stein wäre ... so eine poröse Angelegenheit! Zurück unter dem ersten Tor schaue ich permanent nach oben und je länger ich schaue umso mehr Steine sehe, die irgendwie nur darauf warten, mir auf den Kopf zu fallen. 
So, mir reicht's, ich laufe zurück und geniesse die tolle Abendstimmung unter freiem Himmel. Ein paar wenige Wolken verfärben sich rot und violett, während die Sonne sich langsam im Meer versenkt. 
Dominik kommt einiges später. 2 3/4 Stunden ist er am Felsentor hin und her und hin und her.... toplanden und dann wieder hin und her... 
Da er mit Geris Astral fliegt, ist das eine gute Übung, um den Schirm besser kennen zu lernen. 
Stellplatz: siehe 19.12.04
22. Dezember 2004, Legzira
Sidi Ifnis Weihnachtsmänner - Wiedersehen mit Horst
Heute schauen wir uns mal Sidi Ifni an, das Städtchen, welches etwa 10km südlich von uns ebenfalls an der Küste liegt. Der Himmel ist bewölkt und darum wirkt wohl auch diese Stadt nicht ausserordentlich freundlich auf uns. Dafür praktisch. Es hat alles, was wir brauchen, kleine Büchsenshops, einen Marche Municipal (Souk ist immer am Montag), Internet (Wäscherei? Vergessen auszuchecken!). Man sieht und spürt den spanischen Einfluss, der ja hier noch nicht so lange vorbei ist. 
Grosse Überraschung und Freude als wir Horst treffen! Wir trinken einen Münzentee zusammen und verabreden uns auf dem Stellplatz in Legzira. 
Von Weihnachten würde man hier nichts merken, wenn da nicht so ein Mann durch die Stadt laufen würde, der aufgeblasene Weihnachtsmänner verkauft! 
Dominik und Horst spielen mit den Drachen, ich schreibe. 

Später gehen wir den Strand mal auf die rechte Seite erkunden. Die roten Schichtenfelsen, ausgewaschen von der Brandung und dem Wind sind faszinierend. Was jeden Tag, immer wieder aufs neue, schlicht herrlich ist, ist das Barfusslaufen auf dem breiten Ebbenstrand, die tiefe Sonne im Gesicht. Ein Genuss und das, was ich unter Seele baumeln lassen verstehe.
 
Wir laden Horst zum Abendessen ein, Dominik kocht ein leckeres Gemüseallerlei mit Spagetti und Horst spendiert sein letztes Tetrapack spanischen Rosés. Obwohl nicht gerade der Hit, schmeckt er doch mit jedem Schluck immer besser! 
Horst ist ja seit quasi immer auf Reisen. Er ist mit 62 Jahren immer noch fit, gesundheitlich zwäg und ganz und gar nicht reisemüde. Er hat soviel gesehen und weiss so viel von überall zu berichten. Da sind wir, verglichen mit ihm, noch kaum aus dem Haus gekommen. Aber nun gut, wir haben ja auch erst angefangen. Und Marokko ist eigentlich unser erstes "exotisches" Land. Wirklich fremde neue Kultur, andere Religion, andere Sitten und anderer Standard. Durchaus gewöhnungsbedürftig. 
Stellplatz: siehe 19.12.04
23. Dezember 2004, Legzira
Regen - Hagel - Wind
Wieder einmal länger ausgeschlafen, da die Sonne sich hinter den Wolken versteckt. Unser Brot hängt an der Türe, gut habe ich den Ausläufer gestern schon bezahlt. Das ist doch richtiger Luxus: jeden Morgen frisches Fladen- und Pariserbrot! Wir haben auf dem Markt auch reichlich Gemüse und Früchte bekommen. Sogar Kiri-Käse, der wie mein heissgeliebtes Philadelphia ist (ja ja, die Kommentare kann ich mir denken..). Aber wirklich, französischer Käse ist das, was ich hier als einziges wirklich vermisse, ok, vielleicht noch den Wein und das Bier. Doch beim Alkohol denke ich, schadet auch nichts, mal für eine bestimmte Zeit, darauf zu verzichten. Wenn es dann hin und wieder bei Gelegenheit einen Wein oder ein Bier gibt, ist es dafür auch etwas Besonderes. 

Heute kämpft die Sonne mit den Wolken. Im Norden ist es schwarz und über uns stehen (im Moment noch wenigstens) grosse weisse Kumulus. 
Ein paar Stunden später regnet es und dann kommen sogar noch Hagelkörner dazu! Und das auf Weihnachten! Alle Einheimischen hier sagen, es regnet höchstens einen Tag, und morgen soll wieder schönstes Wetter sein. Wir werden ja sehen. Immerhin wird es heute nicht kälter als 15° und das sind doch etwa 25° mehr als momentan in der Schweiz, oder? ;-)
Egal, heute ist Stubenwetter, wir sitzen drin, plaudern mit Horst, schauen uns seine mitgebrachten Heftli an und ich beantworte die Briefe, die ich erhalten habe. Ein Update ist auch wieder fällig. Es wird uns also nicht langweilig. Mit dem Mann (hab leider den Namen vergessen), der jeden Morgen das Brot bringt und heute Nachmittag wieder kam, um die Bestellung aufzunehmen, schwatzen wir auch lange. Er ist interessiert am Gleitschirmfliegen, surft selber hier im Sommer, wenn er jeweils die Platzwache übernimmt. Als wir ihm von der ersten marokkanischen Frau erzählen, die Gleitschirm fliegt und der ersten Afghanischen, welche in einer Zeitschrift abgebildet ist, die wir grad rumliegen haben, meint er, für Nichtverheiratete gehe das schon, aber für eine verheiratete Frau wäre das unmöglich... und wenn überhaupt, dann sowieso in weiten Hosen... 

Der Wind bläst so heftig und prompt von einer Seite, wo er uns immer wieder die Gasflammen ausmacht, dass wir das Womo umparkieren müssen. Die ehemals rote Staub-Schotter-Erde ist zu einem nassen, rutschigen und schnell ausgefahrenen Matsch geworden. 

Horst zieht sich am Abend deutsches Radio rein und wir spielen wieder einmal Rommé, und... , natürlich gewinne ich.... wie immer.
Stellplatz: siehe 19.12.04


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