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4. Dezember 2004, Spanien - Marokko, Larache,
ca. 50km S v. Tanger
Geduld erfordernder Zoll - Lachende Kinder - Nasses Marokko
Um
6 Uhr schon weckt mich Dominik. Er sagt, er hätte schon um 5 Uhr aufstehen
können! Der Hemmungslose. Es ist noch stockdunkel, als wir in Algeciras den
Schildern zum Puerto folgen. Die Tickets bekommen wir problemlos inkl. dem
Zettel mit den Personenangaben, den man später zusammen mit dem Pass
vorweisen muss.
Um diese Jahreszeit kann man auch nicht aussuchen, mit welcher Gesellschaft
man rüberfahren will. Man fährt schlicht auf das nächstverfügbare Schiff.
Alle Stunde fährt eines.
40 Fahrminuten später kommt man drüben an. Der Blick auf den Felsen von Gibraltar
begleitet einen nicht nur über die Meeresenge sondern auch ein
Stück weit ins Land hinein. 2km ausserhalb Ceuta kommt die Zollkontrolle.
Jetzt wird's lustig. Mit uns sind jede Menge Offroadgruppen rübergekommen. Das
verlängerte Wochenende macht sich nun bemerkbar. An allen Schaltern wird
Schlange gestanden. Am Personenschalter checken wir relativ schnell, dass man
die Pässe über die Schlange hinweg in den Schalter hineinreichen kann.
Warten tut man vermutlich gleich lang. Es wird Stapel um Stapel, Pass für
Pass abgestempelt.
In der Zwischenzeit stelle ich mich schon mal in die Schlange bei der
Autoabfertigung. Es scheint kaum vorwärts zu gehen. Alle haben so ein grünes
Formular in den Fingern. Ob das Dominik vom Personenschalter mitbringt oder
woher kriege ich das? Ein netter Schlangennachbar klärt mich auf. Das grüne
Formular gehe ich kurzerhand vorne am Schalter holen, Schlange hin oder her,
hat auch niemand was dagegen.
Die Schlange ist mehrspurig und natürlich kommen nicht alle gleichzeitig
voran. Als mir ein Frau von hinten sagen will, dass ich mich hinten anstellen
soll, ich sei nach ihr gekommen, fallen alle anderen ebenfalls dazu und
meinen, ich solle mich hinten anstellen! Das habe ich aber ganz und gar nicht
vor. Ich erkläre der Frau, dass ich sehr wohl nach ihr käme, aber
sicherlich nicht zuhinterst. Als alle weiter lamentieren ignoriere ich es,
denn wir kommen ja kaum einen Schritt vorwärts. Sowieso ist die Schlange
komischerweise immer etwa gleichlang, obwohl es vorne kaum vorwärts geht. Nur
gut, dass es hier überdacht ist, denn es giesst ziemlich. Irgendwann ist die
Frau dann vor mir und ich mache einem anderen klar, der mit seiner Schulter
auf einmal vor mir ist, dass er hinter mir ist. Wieder geht lautes Palaver
los, aber diesmal kommt einer zur Hilfe und ich bin froh, mich nicht alleine
durchsetzen zu müssen. Später als Dominik endlich mit abgestempeltem Pass
dazu kommt, füllen wir das grüne Formular fertig aus und irgendwann bin dann
auch ich an der Reihe. Aber was ist nun wieder. Mit meinem Pass stimmt
irgendetwas nicht. Sie sagen, es fehle eine Computernummer und ich muss mit
einem Gehilfe und meinem Pass rüber zur Personenabfertigung. Nur gut, habe
ich einen Helfer bei mir, der mich gleich an den Leuten vorbei bringt. Dann
geht's wieder zurück und wir kriegen endlich das verflixte gewünschte grüne
Formular. Ausser uns sehe ich nur ein einziges anderes Womo, Franzosen.
Ansonsten sind eben, wie gesagt, jede Menge Offroader unterwegs.
Nun kommt noch die Fahrzeugkontrolle. Aber die geht ziemlich problemlos und
speditiv. Er schaut in diverse Kästen rein, in die Toilette und fragt, ob wir
Waffen dabei hätten! Ich lache und sage nein, auch nichts zum Verzollen. So,
und dann, nach 2 1 /2 Stunden sind wir endlich durch. Die Strassen sind nass
und zum Teil halb mit Erde zugedeckt. Es hat hier offenbar ziemlich heftig
geregnet. Jede Menge Taxis und ihre Schleppers stehen bereit, um die Leute,
die vom Zoll kommen abzufangen. Wir fahren durch und staunen, staunen,
staunen. Ohne genau sagen zu können, was es im Detail alles ist, ist die
Wirkung des fremden Landes ziemlich stark. Es ist ein eigenartiges Gefühl,
nach nicht einmal einer Stunde Schifffahrt in einem so anderen Land zu
landen.
Wir fahren ein Stück weit dem Meer entlang Richtung Süden und suchen nach
einem Platz, wo wir Pause machen können. Der Himmel ist teilweise schwarz, teilweise
jagen dunkle Wolken vor hellem Himmel vorbei. Als Zorro einen kurze
Moment unbeaufsichtigt hinter Büschen verschwindet kommt er auch gleich
darauf wieder hervor... mit einer riesigen Ratte im Maul! Himmel, Supi! Gut,
dass er mir gehorcht und das Vieh wieder gehen lässt. Sie läuft schnell
wieder in die Büsche. Ja, das wäre ein Supermahl für dich gewesen,
Kleiner!
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Wir
fahren an einigen wenigen Feriensiedlungen vorbei, auch halb aufgebaute und
schon wieder verfallene Häuser sieht man. Aber die Urbanisationsmasse von
Spanien gibt es hier nicht. Auch hübsche marokkanische Villen stehen hinter
hohen Mauern an der Strasse.
Die Strecke nach Larache, südlich von Tanger an
der Atlantikküste führt uns auf einer Schnellstrasse quer durchs Land und
vermittelt uns einen ersten starken Eindruck von Marokko.
Die Gegend ist nur
leicht besiedelt. Der Boden ziemlich weit die Hänge hinauf kultiviert. Das
Gras spriesst überall frisch und hellgrün aus dem nassen Boden. Der Himmel
wirkt auf mich riesengross. Wir kommen durch ein Dorf und werden von allen
bestaunt. Die Kinder lachen uns ins Gesicht und winken. Wir winken zurück und
staunen, staunen, staunen. Wie erwartet, tragen fast alle Frauen ein Kopftuch
und verhüllende bunte Gewänder. Eine alte Frau sehe ich, welche auch den
Mund zugebunden hat. Bei den Männern sieht man alles. Europäische Kleidung,
die weiten Kleider und im Landesinneren viele, mit braunen Kutten und grosser
spitziger Kapuze. Alle gucken schon von weither zu uns, wenn wir mit dem Womo
kommen und viele winken. Viele Kinder machen Gesten, von wegen, was zu essen
geben, herkommen und Zigaretten wollen. Sie stehen z. Teil an der Strasse,
reden miteinander, scheinen viel Zeit zu haben, oder auf etwas oder jemand zu
warten. Man muss höllisch aufpassen mit Fahren, denn Trottoirs gibt es hier
nicht, es wird auf der Strasse gelaufen, und es laufen viele.
Südlich von Larache sehen wir von der Autobahn aus einen Pinienwald, wo
Kinder spielen und offenbar auch PicNic gemacht wird. Wir sind genügend
müde, um uns hier für die Nacht hinzustellen. Allerdings zeigt sich, dass es
nebst den eigentlichen Hauptverbindungen kaum Aspahltstrassen oder wenigstens
gute Schotterpisten gibt. In den Pinienwald führen Erdpisten, welche durch
den Regen ziemlich aufgeweicht sind. Wir wagen uns trotzdem hinein und finden
einen Platz mitten in den Pinien. Ringsherum hat es ziemlich viel Abfall,
leider. Aber das schreckt uns nicht mehr so sehr. Wir sind uns doch schon
einiges gewohnt.
Kaum stehen wir kommt ein Jugendlicher und fängt mit Dominik an zu reden. Er
spricht aber kein Französisch und so hat verabschiedet sich Dominik schon
bald wieder. Der Typ kommt aber immer wieder mit seinem Fahrrad vorbei und
guckt. O.k. das wussten wir, dass sie ziemlich viel Geduld mit Gucken haben
aber irritierend ist es dennoch. Auch andere Jugendliche kommen her und machen
Zeichen von wegen Zigaretten und so. Aber ich will nichts geben. Wenn ich
ihnen was gebe, dann bestätige ich sie ja nur in ihrem Tun. Offenbar ist das
Verhalten ja jetzt schon von Touristen gelernt, dass man bettelnd etwas
erhält.
Wir sind ziemlich geschafft vom heutigen Tag, aber dennoch zufrieden. Die
Einreise ist gut gelaufen und hinter uns und der erste Eindruck doch spannend
und voller neuer Farben und Formen. Ich bin sehr gespannt auf alles Weitere,
was uns hier begegnet. Es wird wohl einige Tage dauern, bis uns hier nicht
mehr alles so neu und ungewohnt erscheint. Ich realisiere dabei, dass ich mich
in Spanien schon ziemlich heimisch gefühlt habe. Hier ist wieder Neuland und
dieses Gefühl, von sich auskennen muss erst wieder entstehen. Aber vorderhand
möchte ich möglichst viel mit "neuen blauen" Augen betrachten.
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Stellplatz: Autobahn Tanger-Larache, Autobahnausfahrt
Larache, nach Zahlstelle ca. 500m Richtung Larache und dann links in den Wald
abbiegen - Waldboden
Klima und Umgebung: Autobahn und Schnellstrasse noch in hörbarer Nähe,
schöner Pinienwald
Infrastruktur: nada, Larache in etwa 3km Entfernung
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5. Dezember 2004, Larache - Küste Nähe Mohammedia,
ca. 40km S v. Rabat und 40km N v. Casablanca
Südwärts entlang dem Atlantik - Jede Menge Neue Eindrücke
Wir haben eine ruhige Nacht verbracht und ziemlich lange
geschlafen. Als wir wieder unterwex sind, ist es halb elf (ohne Worte)! Wir
nehmen die Autobahn und wollen ein wenig Strecke machen. Die Autobahn ist
hier, so könnte man sagen, ziemlich schlicht. Zwei Doppelspuren mit etwa 5m
Wiese, Gebüsch oder Betonschächte dazwischen, keine Werbetafeln, wenig
Verkehr, guter Asphalt. Es hat nur Lastwagen (einige sind buntbemalt),
Geschäftsbusse, alte Mercedes-Taxis und gute Autos auf der Autobahn. Viele
werden sich die Maut nicht leisten können. Die Polizei ist überall. An jedem
Kreisel stehen sie immer zu zweit. Manchmal stehen sie wie Verlorengegangene
an der Autobahn, ohne Auto. Immer wieder Polizei auf Töff und beschäftigt
mit Kontrollen. Es hat jede Menge Fussgänger, welche die Autobahn immer
wieder kreuzen oder entlang spazieren, auch Fahrräder und hin und wieder ein
Mofa sehen wir auf dem Pannenstreifen fahren. Auch Hunde queren unverhofft die
Bahn. Viele Menschen stehen oder sitzen am Rande, schwatzen und warten, so
scheint es wenigstens, auf etwas. Anhalten dürfte man hier an sich nicht,
auch einen haltenden PW haben wir bis jetzt noch nicht gesehen, aber ich habe
doch den Eindruck, dass hier die Leute quasi abgeholt werden. Vielleicht von
Sammeltaxis? Hin und wieder hat man gute Einblicke/Ausblicke auf Siedlungen,
die Häuser stehen teilweise nahe der Strasse, Kinder spielen barfuss vor den
Häusern, es sieht meist sehr ärmlich aus. Aber immer wenn ein Kind uns
sieht, lacht es und winkt uns zu. Natürlich winke ich zurück und sie haben
eine Riesenfreude. Kleine Hütten sind mit Holz und Geäst, welches senkrecht
zu einem Zaun zusammengebunden wurde, umzäunt. Auch offensichtlich bewohnte
Zelte, welche mit Plastik vor dem Regen geschützt sind, sehen wir an
Waldrändern. Ob das Nomaden sind?
Riesige Eukalyptus-, Akazien- und Korkeichenwälder wechseln das
Landschaftsbild mit Rohrzuckerfeldern oder abgeernteten Äckern ab. Die Erde
zwischen dem Eukalyptusriesen ist teilweise feuerrot. Frauen in bunten
Kleidern und mit Kopftuch, von einem Aufseher bewacht pflücken in
Plastikkulturen irgendwelches Gemüse. Viele sind zu Fuss, mit Eseln, oder
Pferdekarren unterwegs. Immer wieder Kinder, die mit einer Kuh zum Weiden der
Strasse entlang wandern. Wir sehen kleine weisse Kraniche, so viele, wie es bei
uns Krähen gibt. Auch Friedhöfe entdecken wir, welche ziemlich unscheinbar
irgendwo in der Pampa stehen.
Als wir nach Rabat ab der Autobahn gehen sehen wir jede Menge Bauern und
Kinder, die ihre karge Ware am Strassenrand verkaufen. Alle winken sie und
machen Handzeichen herzukommen. Da wir aber noch in Spanien eingekauft haben,
besteht im Moment noch kein Bedarf. Aber in Zukunft werden wir unser Gemüse
wohl immer auf der Strasse oder wenn's passt in einem Dorf, wo gerade
Wochenmarkt ist, kaufen. Als wir ein grosses Einkaufszentrum am Rande Rabats
sehen, halten wir an, um noch mehr Dirhams zu bekommen und eine SIM-Karte für
Marokko zu kaufen. Ich staune nicht schlecht, als wir an einem Laden
vorbeikommen, der mit TIKEA angeschrieben ist und offensichtlich eine IKEA
ist. Das Angebot ist aber krass beschränkt und ich finde zu dem Kopfkissen,
was ich mir kaufen will, keinen passenden Bezug. Hier bummeln nun wohl die
Besserverdienenden. Wir sehen auch nur sehr wenige Frauen, welche Kopftücher
tragen. Zorro, der uns begleitet, weckt Staunen und auch Freude bei den
Leuten.
Ein wenig die Strasse runter verkauft einer zwei junge Hunde, die er auf dem
Arm trägt. Er hebt sie uns entgegen und in die Luft, als wir bei ihm
vorbeifahren.
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Weiter
südlich sehen wir eine Piste, welche ans Meer führt. Wir umfahren auf dem
Holper- und Schlipfweg eine kleine, aber rundherum abgeschlossene Überbauung
und finden einen Platz an der Küste, wo es sich sicher gut stehen lässt.
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Wir
machen zuerst einen Spaziergang über die Klippen und zu den Felsen, welche
nur halb vom Meer überspült sind.
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In
den Tümpeln tummeln sich hübsche Schneckenhäuser. Seeanemonen (oder sowas
ähnliches) geben einer Art Groppe und den Garnelen Deckung.
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Als wir zum Womo zurücklaufen, sagt uns ein Junge, jemand hätte unsere
Fahrräder klauen wollen, sei aber abgehauen, als er gepfiffen hätte. Wir
sind unsicher, ob wir ihm glauben wollen. Auf den ersten Blick sieht es aus,
als ob alles OK wäre, aber dann bemerken wir, dass ein Gummiband fehlt. Aha,
auch die Zurrbänder sind offen. Offenbar hat sich wirklich jemand zu schaffen
gemacht und sich mit dem bedient, was einfach zu haben war. Wir stellen uns
darauf ein, dass die Fahrräder nicht wirklich gut vor dem Klau zu schützen
sind und wir wohl früher oder später ohne da stehen werden. Wir setzen uns
mit einem Bier nach draussen vor das Womo und geniessen die milde Sonne und
den riesig weiten Blick über das Land mit seinen schweren Wolken. Schon bald
tauchen die ersten Kids auf. Sie setzen sich in einigem Abstand auf die
Strasse, tuscheln und schauen immer wieder zu uns hin. Hunde, welche mit
Kuhbewachen beschäftigt sind bzw. wären, lassen sich auf wilde Spiele mit
Zorro ein. Die Jungs sehen aus, als ob sie mit Kleidern aus der
Kleidersammlung bestückt wären. Sie sind scheu und bleiben auf Abstand.
Bevor wir reingehen bringt ihnen Dominik die restlichen Pommes Chips und sie
setzen sich schnell in Reih und Glied an den Strassenrand und halten die
Hände hin, so dass jeder etwas bekommt. Ich muss lachen, als ich die Szene
sehe. Es ist also ganz unterschiedlich, wie die Kinder auf uns Touristen
reagieren.
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Stellplatz: von der Küstenstrasse, nach Skairat rechts
über Sandpiste zum Meer hinunter - fester Sand
Klima und Umgebung: Spannende Küste, wenig Sand, viel Güder, endlose
Spaziergänge auf Pisten entlang der Küste
Infrastruktur: nada
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6. Dezember 2004, Mohammedia - Cap
Beddouza, ca. 25km N v. Safi
Besuch einer Medina
Die
ersten paar Kilometer fahren wir wieder Autobahn, umfahren Casablanca und
nehmen dann die Schnellstrasse Richtung El Jadida. Kurz vor El Jadida gibt's
eine kleine Stadt: Azemmour. Wir beschliessen, uns ein erstes Mal eine Medina
(Altstadt) anzuschauen und hoffen dabei, nicht zu arg belagert zu werden. Es
zeigt sich bald, dass unsere Befürchtungen grundlos waren. Ein Parkwächter
bekommt 2 DH und passt dafür auf die Karre auf, während wir uns die Medina
und ein wenig von der Stadt anschauen wollen. Er bietet uns zwar seine Dienste
für eine Stadtbesichtigung an, aber wir wollen diese kleine Stadt, die ja
ziemlich übersichtlich erscheint, auf eigene Faust entdecken. In der Medina
werden wir mit offenen Augen bestaunt, vor allem Zorro findet Begeisterung bei
den Kindern. Die laufen uns immer wieder ein Stück lang hinterher, lachen und
sagen bonjour, aber betteln tun sie nicht und so haben wir unseren Spass mit
ihnen. Alle grüssen freundlich, viele eher scheu, aber auch interessiert. Es
geht nicht lange und wir haben uns offensichtlich verirrt in all den Gassen.
Ein Junge sieht unser Fragezeichen im Gesicht und weist uns die Richtung.
Viele junge Leute laufen mit Brettern, auf denen backbereite Brotfladen
liegen, zielstrebig durch die Gassen, offensichtlich zum Bäcker unterwegs.
Auch wir finden ihn. In der dunklen Backstube wird für die ganze
Dorfbevölkerung das Brot gebacken. Es duftet herrlich. Leider können wir
hier nichts kaufen. Aber am nächsten Shop ergattern wir uns für 1 DH (ca. 10
Cents/15 Rp.) zwei kleinere Fladen, die wir später zum Mittagessen verspeisen
(waren spitze, wie Pizzabrot, ein wenig süsslich).
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Wieder
aus der Medina draussen setzen wir uns in ein Strassencafé, um das
Strassenleben zu beobachten. Dominik kauft von einem Händler 1kg Mandarinen
für 5 DH (ca. 50 Cents/75 Rp.).
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Ein
wenig kurlig ist es schon, als einzige Frau hier zu sitzen, aber ich werde
nicht sonderlich angegafft und auf den Strassen bewegt sich zudem ein
buntgemischtes junges Volk, von modern gekleideten, über Kopftuchträgerinen
bis zu ganz ärmlich erscheinenden Personen. Ich getraue mich nicht so recht,
zu fotografieren. Muss mich wohl selber zuerst an alles gewöhnen...
Die Typen am Nebentisch wirken auch sehr modern. Einer verschwindet kurz, um
ebenfalls mit einem Sack voller Mandarinen zurückzukommen, die er uns sofort
anbietet.
Später finden wir sogar ein Internet, und checken unsere Mails.
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Die
Eindrücke sind enorm. Auf den Strassen hier bewegen sich wenige Autos, viele
Kleintaxis, ab und zu ein Laster oder ein Mofa, viele Eselskarren und viel
mehr Menschen, welche zu Fuss unterwegs sind. Es ist schon sehr ungewohnt, so viele
Menschen zu Fuss zu sehen. Für den Kaffee und den Krug Münzentee
bezahlen wir 7 DH (ca. 70 Cents/1 Fr.). Es ist wirklich krass billig
hier.
Es wirkt alles relativ organisiert und geordnet hier. Wir haben auch den
Eindruck, dass im Tun mehr System ist als z.B. bei den Spaniern oder
Italienern. Aber, wie gesagt, dies ist alles erst ein erster Eindruck. Wir
sind Neu hier und bestaunen vor allem alles.
Wir kehren zurück zum Womo, was brav bewacht wurde und fahren weiter Richtung
Agadir.
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Von El Jadida nehmen wir nicht mehr die schnelle Überlandstrasse, sondern die
Küstenstrasse. Die Küste hat hier längere Abschnitte, die steil sind,
unterhalb der Steilküste befinden sich Salzlagunen und auf dem
anschliessenden Dünenhügel ist streckenweise jeder cm2 kultiviert. Reihe
für Reihe wird dort Gemüse und allerlei gezogen. Der Boden hier muss extrem
reich sein. Die Grössenordnung beeindruckt uns ziemlich stark. Wir machen auf
einer Anhöhe Mittagsstopp und kommen schon bald mit einem Einheimischen ins
Gespräch, der hier Felder bewirtschaftet. Er scheint ziemlich aufgeschlossen
und berichtet vom Leben und der Arbeit hier. Er ist nicht nur Bauer sondern
auch Fischer.
Auf
der Strasse hinter uns hält ein mit Blumenkohl vollbeladener Lastwagen an und
packt auch noch die dort stehenden Harassen voller Tomaten darauf. Solche
Lastwagen sind uns einige entgegen gekommen oder haben uns auch
überholt.
Zwei Jungs, die die ganze Zeit über auf dem Mäuerchen sitzen und lachen,
fragen mich, als Dominik mit dem Mann ein paar Schritte den Hang hinunter
läuft, ob ich Bonbons hätte. Ich verneine, hole dann aber zwei Kaugummis
raus und bring sie ihnen. Zorro kommt mit und er eine freche hat solche Angst
vor ihm, dass er fast über das Mäuerchen umkippt. Aber kaum habe ich ihnen
die Kaugummis gegeben fragen sie, oder besser sagen sie, gib mir noch dein
Velo! Ich lache und verneine. Dann geht der Handel wieder ein wenig runter und
er fragt nach Kugelschreibern, dann wieder nach dem Velo, nach Kleidern usw.
Ich lenke die Unterhaltung ab und lache ihn aus. Er lacht verunsichert
zurück. Ist hin und her gerissen zwischen frechem Fragen und sich doch nicht
richtig getrauen.
Wir laden den Mann zum Kaffee ein. Er ist nett und sagt, wir sollen doch hier
übernachten oder weiter vorne, wo er wüsste, wie es zu den Dünen
runtergehe. Aber hier ist es uns zu Nahe an der Strasse und die Piste runter
lassen wir lieber bleiben.
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Die Strasse verläuft hier ziemlich auf dem Höhepunkt der Küstenlinie,
rechterhand ist die abfallende Klippe, dann Kulturfelder, Lagune bzw. Fluss und nochmals
Kulturfelder, dann Sandstrand, dann Meer. Auf der linken immer wieder ein
Häuser und dann weites Land auf flachem Fels.
Beim Leuchtturm vom Cap Beddouza finden wir eine Asphaltstrasse, welche runter
zum Meer führt. Hier stehen ein paar verfallende Sommerhäuser, Toiletten und
evt. ein ehemaliger Campingplatz. Jetzt scheint fast alles verlassen und der
endlose einsame Sandstrand schaut so wunderbar aus, dass wir es kaum fassen
können, hier den Wagen stellen zu können.
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Stellplatz: von der Küstenstrasse, ca. 30km nach
Oualidia, nach Leuchtturm, rechts über Asphaltstrasse zum Meer hinunter - fester Sand
Klima und Umgebung: Spannende endlose Küste, kein Güder, endlose
Spaziergänge, Küstensoaring
Infrastruktur: nada
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7. Dezember 2004, Cap
Beddouza
Sensationelle Küste - Frischer Fisch
Wir bleiben für einen Tag hier - machen Reisepause. Es ist zu
schön hier, um es schon wieder zu verlassen. Eigentlich wollten wir jemanden
den Auftrag geben, auf das Womo aufzupassen. Doch als wir für den
Strandspaziergang bereit sind, lässt sich niemand blicken. Vorher waren doch
noch überall Kids und andere! Also gehen wir los, mit einem etwas unguten
Gefühl, nach dem Verlust von der vorherigen Beach.
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Der Strand ist sensationell schön. So endlos, so breit, so sauber, so
gigantisch das Meer, die Sonne tief und die Kontraste stark. Wir geniessen es
und ein Zehentest ergibt, dass man eigentlich baden könnte, sofern man
wollte. Doch ausgerechnet heute morgen haben wir geduscht und ich bin zuwenig
aufgeheizt, als dass ich mich wirklich in die frischen Fluten stürzen
wollte.
Es ist noch alles da, als wir zurückkommen. Wir machen eine kurze Pause und
gehen dann über eine Klippentreppe hoch zum Dorf. Viel ist hier nicht los.
Ein Café, ein kleiner Laden, wo wir ein Fladenbrot kaufen, der sonst noch Yogurths, Konserven und andere abgepackte Waren hat. Weiter vorne hat es eine
Auberge mit Bar und Restaurant, wo wir uns erkundigen, ob und was man zu Abend
essen kann. Doch es scheint nur Frittiertes zu geben und dass nicht allzu
billig. Das muss nicht sein.
Auf dem Weg zum Leuchtturm sehen wir eine Versammlung von Männern. Sie
sitzen vor einem Haus, fast im Kreis und in der Mitte steht einer, der als
einziger eine grüne Kutte trägt. Was sie wohl verhandeln? Vor dem Leuchtturm
steht eine junge Frau, die ein Lamm in den Armen trägt. Sie ist die einzige
Frau, die wir hier sehen. Zudem trägt sie nicht einmal ein Kopftuch.
Als wir wieder runterlaufen zum Platz sehen wir klar, dass hier einmal eine
Überbauung geplant war. Auch der Platz, der wie ein ehemaliger Campingplatz
aussieht, ist im Führer als das erwähnt. Nur die hinterste Reihe der kleinen
Häuser scheint genutzt zu werden.
Unser Mittagessen ist bescheiden. Tomatensalat mit frischem Brot. Wir stellen
uns darauf ein, hier in Marokko weniger abwechslungsreich zu essen. Bis jetzt
zehren wir aber immer noch von unserem spanischen Vorrat.
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Am Nachmittag lässt Dominik den Drachen steigen und ich schreibe Briefe. Das
eine Mädel von heute morgen ist wieder da, wir reden ein wenig und ich merke,
dass sie irgendetwas will. Als ich mich wieder an den PC setze, bleibt sie in
der Nähe des Womos und kommt dann wieder an die Türe. Sie fragt, ob ich
Sandalen für sie hätte. Ich erkläre ihr, dass ich nur ein Paar habe und
diese selbst bräuchte. Sie zieht vondannen. Und ich habe ein schlechtes
Gefühl. Ich hätte sie ihr ja geben können und mir irgendwann ein Paar Neue
kaufen können... Ach, verflixt schwierig ist das, ein Mass zu finden.
Dominik
kommt von einem Spaziergang laut rufend zurück, er hätte einen Fisch gekauft. Im
Schlepptau den Fischer samt Fisch. Netterweise bietet uns dieser an, den Fisch
gleich zu entschuppen und auszuweiden. Es ist eine Art Papageienfisch mit
feinen gelben Querstreifen.
Als wir gerade am Kochen unseres "Fanges" sind, kommt das Mädel von
heute Nachmittag mit ihrer Freundin wieder an. Sie hat ein Fladenbrot,
eingewickelt in ein Tuch dabei und reicht es uns hin. Wir sind überrascht und
Dominik fragt, wieviel sie dafür wolle. Sie verneint, doch bei den
Sprachschwierigkeiten meint Dominik, sie müsse mindestens 2 DH nehmen. Doch
sie lehnt definitiv ab. Sie will dafür nichts. Wir bedanken uns sehr und sie
ziehen sich schnell wieder zurück. So, jetzt habe ich definitiv ein
schlechtes Gewissen. Während des Abendessen denke ich darüber nach, was ich
ihr, sollte ich sie morgen sehen, geben könnte. Aber ich habe nichts. Wir
haben so Krimskrams dabei, aber das meiste ist eher für Jungs als für
Mädels. Und Kleider habe ich nichts, was passen würde und ich wirklich nicht
brauche. Diesmal habe ich echt nur Kleider dabei, die ich auch brauche. Auf
der ersten Reise nach Spanien war das noch anders, da hätte ich mehr dabei
gehabt. Obwohl man davon liest, dass die Leute arm sind, macht man sich
trotzdem keine Vorstellung davon. Auch nicht, wie leicht es ist, in Kontakt zu
kommen und geben zu können.
Ich finde ein kleines Schminketui, in das ich einen Kugelschreiber und
zweierlei Post-it lege plus 10DH. Hoffentlich treffen wir sie morgen auch an,
bevor wir weiterziehen.
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Später
am Abend kamen noch mehr Jungs vom Fischen zurück. Sie sind mit langen Ruten
bewaffnet und haben daran einen groben Köder. Soviel ich weiss, fängt man so
Tintenfische.
Der Fisch war lecker, ein wenig knifflig beim Filettieren. Leider bleibt
tagelang ein ekliger Fischgestank im Womo hängen. Insgesamt nicht allzu
überzeugend. Wenn schon, dann müsste man Fisch draussen grillen können.
Das geschenkte, noch warme Fladenbrot kommt gerade richtig. Wir geniessen es
mit Käse und Frischkäse. Es ist hervorragend. Wir verschlingen fast das
ganze Brot...
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Stellplatz: siehe 06.12.04
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8. Dezember 2004, Cap Beddouza - Essaouira
Flugauftakt in Marokko - Essaouiras Souk
Das Geschenk kann ich ihr heute morgen übergeben. Sie ist ziemlich
verlegen und ich kann ihr nicht ansehen, ob sie sich darüber freut oder
nicht.
Wir fahren weiter südwärts, um Safi herum, was mit seinen grossen breiten
Strassen ziemlich eindrücklich ist. Auch die stadtauswärts liegende
Phosphatchemieanlage ist gigantisch und wirkt im Morgennebel, der auf einmal
hier erscheint, geisterhaft, aber auch real stinkend.
Wasser finden wir problemlos. Es ist sogar sehr gutes. Es erklärt uns einer,
dass sei Wasser von einer Quelle und nicht von einem Stausee wie an vielen
anderen Orten.
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In
einem Kaff auf der Strecke nach Essaouira machen wir Halt, um Brot und
Sonstiges einzukaufen. Es herrscht ein verrücktes Chaos. Die grossen
Überlandbusse halten hier und so ist ziemlicher Rummel. Rechts und links von
der Teerstrasse ist nur festgestampfte Erde und da es in den letzten
Tag zünftig geregnet hat muss man sich den Weg um die Schlammgruben
suchen.
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Hier
in der Gegend wird Olivenöl hergestellt. Ein Ladenbesitzer zeigt uns die
Verarbeitung und wir staunen, als wir sehen, dass die Presse von Hand
geschraubt wird. Im Laden selbst ist ein lustiges Potpourri an Waren, vor
allem Abgepacktes findet sich hier. Mit der Zeit stellen wir fest, dass fast
alle Shops in etwa das gleiche Angebot haben.
Während wir weiter runterziehen sehen wir noch etliche Pressen am
Strassenrand. Die Landschaft ist phantastisch schön. Sie wechselt ab, von
grünen Weide- und Ackerflächen, welche mit Trockensteinmauern eingezäunt
sind, über rot-gelbe wüstenähnlich sanfte Hügel zu weit verstreuten Olivenbaumplantagen.
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Irgendwo machen wir
einen Fotostop. Der Blick ist atemberaubend schön und Dominik kann es
sich nicht verkneifen, hier zu fliegen. Er soart eine Weile hin und her,
macht mal ein Toplandung und säuft dann leider ab. Ich laufe dem Grat entlang
und finde einen Weg über die Geröllhalde nach unten. Hier sind schon etliche
Schafe runter- und raufspaziert. Der Höhenunterschied ist nicht gerade gross,
aber visuell sehr eindrücklich.
Wir essen wieder von dem sagenhaft leckeren Fladenbrot und fahren dann weiter
nach Essaouira.
Beim Hafen hat es einen bewachten Parkplatz, auf dem wir auch
für die Nacht stehen können. Kaum sind wir ausgestiegen, belagert ein Deutscher Dominik von wegen
Gasanschluss usw. Stöhn.
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Essaouira ist ziemlich touristisch, aber trotzdem nett. Eindrücklich ist die
Kasbah, welche einen herrlichen Blick auf das an die Stadt brandende Meer
freigibt. Die meisten Gassen sind wie gesagt, sehr touristisch. Aber der
Gemüsemarkt mit anschliessendem Hühnermarkt ist verrückt. Die armen Viecher,
liegen halb tot auf dem Weg, man tritt auf sie drauf und ach, lässt sich
nicht beschreiben... Das Gemüse, die frischen Kräuter und das Gewürz ist
dafür schön zu bestaunen.
Auch der Fischmarkt, den vor allem Dominik in der Markthalle hautnah
mitverfolgt, ist beeindruckend.
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Bei einem Thé à la menthe erholen wir uns vom verschleissenden Spazier durch
den Souk. Die Sonne geht langsam unter und taucht den ganzen Platz in rosa
Licht. Irgendwie fängt dieses Land das Licht anders auf oder spiegelt es
anders als bei uns. Mit was es zu tun weiss ich nicht, aber es ist wirklich
so. Hier in Marokko ist ein anderes Licht. Pastelltöne und doch starke
Kontraste.
Hier in Essaouira sieht man wieder einmal alles an kulturellem
Gewand. Von Rastamen über Gigolos zu Touristen in kurzen Hosen, ganz in Weiss
verhüllte Frauen bis zu den überall anwesenden braunen, gestreiften, blauen
und grünen Kapuzenmännern.
Heute werden wir auswärts essen gehen und endlich so eine Tajine und ein
Couscous probieren. Wir schauen verschiedene ausgehängte Menukarten an und
entscheiden uns für ein Lokal, was weiter hinten in den Gassen liegt. Dominik
bestellt sich das Gemüsecouscous und ich eine Tajine mit Lamm, Zwiebeln und
Rosinen. Dazu Münzentee, Wein gibt's in diesem Lokal nicht. In der Tajine hätte ein
wenig mehr Fleisch drin sein dürfen für meinen Geschmack, so wäre das
Süsse ausgewogener gewesen. Aber es war gut, einfach und günstig. Wir haben
für 140 DH (ca. 21 sFr.) zwei Vorspeisen, zwei Hauptgänge, ein Dessert und
den Tee bekommen.
Wir holen Zorro beim Womo ab und gehen noch an den langen flachen Sandstrand,
der gleich neben dem Parkplatz liegt. Es wird kühl abends (ca. 13°). In der
Nacht war es die letzen paar Mal immer so um die 10°. Tagsüber ist es dafür sehr warm. Übrigens hatten wir jetzt
immer schönstes Sonnenwetter und wenig Wind. Nur hier in Essaouira bläst der
Nordwestwind ziemlich heftig. Kein Wunder ist hier ein Surferparadies.
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Stellplatz: Richtung Zentrum, dann Richtung Port,
Parkplatz beim Hafen - Kies
Klima und Umgebung: Besuch der Medina von Essaouira, Souk, Fischmarkt,
endloser flacher Strand
Infrastruktur: zum Einkaufen alles da, sicher auch Wasser vom Fischmarkt,
bewachter Parkplatz
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9. Dezember 2004, Essaouira - irgendwo S v.
Cape Rhir (ca. 40km N v.
Agadir)
Auf bäume steigende Geissen - Heuschreckenschwärme - das Womo fällt
auseinander
Am Morgen sind wir zuerst noch den Hafen mit seinen Fischkuttern anschauen
gegangen und anschliessend noch einmal in die Medina von Essaouira rein. Wir haben
Kaffee, Honig, Haushaltspapier (verhältnismässig sauteuer), Brot und
Yogurth (leider nur gezuckerten bekommen) gekauft.
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Durch die Gassen zu laufen
ist spannend und Essaouira hat so eine Mischung von urtümlich und
touristisch, dass es einem leichter fällt, auch alleine überall
rumzuspazieren und zu schauen. Die netten Cafés und schönen Dinge, die
überall ausgestellt sind geben dem Stadtbild einen netten und heimischen
Anblick. Dominik mag solchen "Zauber" nicht, ich finde es als
Abwechslung schön und schätze die Möglichkeit, in ein Café zu sitzen, zu
gucken und mir dabei nicht deplaziert vorzukommen.
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Wir fahren der Küste entlang Richtung Agadir. Die Strecke ist hier sehr
hügelig, dafür hat man immer wieder tolle Ausblicke übers Land. Es wird
immer steppenähnlicher. Um Essaouira herum hat es viele Arganienbäume,
welche eine Ölfrucht tragen. Diese Bäume gleichen dem Olivenbaum sehr, die
Blätter sind nur kleiner, grüner und zäher. Er hat richtige Dornen. Die
Früchte sind etwa gleich gross oder wenig grösser als Oliven und grüner.
Aus der gerösteten Mandel des Fruchtkerns der erst mühsam geschält werden
muss, wird das sehr schmackhafte, nussartige Öl gewonnen, das auch zur
Hautpflege verwendet werden kann. Für einen Liter Öl benötigt man etwa 100
kg reife Früchte. Scheins wird der aufwändige Prozess des Schälens bei
billigerem Öl durch die Ziege erledigt. D.h. nach der Verdauung durch die
Ziege sind die Früchte bereits vom Fruchtfleisch geschält.
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Wir beobachten Ziegen, welche auf diese Arganienbäume klettern, um an das
saftige Grün zu gelangen. Sie sind beweglich und trittsicher wie Katzen! Ihre
Hufe finden offenbar guten Halt auf der porösen Rinde.
Viele
Kilometer schaffen wir ja nie an einem Tag. Im Durchschnitt so etwa 250km.
Trotzdem sind wir am Abend jeweils satt und erledigt. Es gibt viele neue
Eindrücke zu verarbeiten und zudem fordert die Strasse volle Konzentration.
Es sind bis jetzt zwar recht gute Asphaltstrassen und der Verkehr ist recht
gering, aber die Strassen sind auf der Seite ausgefranst. Kommt man über den
Rand, gerät man auf Schotter, der manchmal extrem ausgewaschen und
ausgefahren ist. Die Lastwagen, die einem entgegenkommen sind wuchtig und
nicht zimperlich. Die Strecke führt bergauf bergab und um jeden Hügel herum
oder hinüber, Brücken gibt es kaum. Trotzdem geht es gut, man muss einfach
immer konzentriert bleiben.
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Immer wieder kreuzen riesige Heuschreckenschwärme unsere Bahn. Sie sind rot
und prasseln auf unsere Windschutzscheibe. Wenn ich langsam, in ihrem Tempo
fahre, dann kann man sie gut beobachten. Puh, mich schüttelt es, gut sind
alle Fenster zu.
In einem Dorf kaufen wir ein: kleine süsse Bananen, allerlei Gemüse und
Früchte. Als wir tanken, macht mich der Mann an der Säule auf einen Schaden
am Womohaus aufmerksam. Wir denken zuerst, dass uns da jemand klammheimlich in
die Seite gefahren ist. Aber dann sehen wir, dass sich die abgerundete
Abdeckung, welche zur Fahrerkabine führt, gelöst hat. Wir werden das heute
Abend untersuchen müssen, es sieht übel aus.
Nach längerer Berg- und Talbahnfahrt führt die Strasse wieder hinunter zum
Atlantik. Hier machen wir am Cap Rhir Mittagshalt und beobachten dabei die
Surfer, welche sich hier tummeln. Etliche Franzosen, Holländer und auch
einige Marokkaner sind hier. Teppich- und Schmuckhändler sind auch schon
unterwegs und bieten ihre Ware feil. Man merkt, dass man in der Nähe von
Agadir ist.
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Ein paar Kilometer weiter sehen wir einen traumhaft schönen Strand, der bis
auf ein einzelnes Womo verlassen ausschaut. Wir stellen das Womo auf die Klippe,
die den Strand rechterhand abgrenzt und haben dabei einen megaschönen Blick
auf die Bucht und das dahinterliegende Dorf.
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Ein Fischer rät uns, nicht auf dem Stellplatz dort oben zu bleiben. Es kämen
Gauner von Agadir, welche einbrechen könnten. Wir sollten uns besser zum
anderen Womo gesellen. Eigentlich hat er Recht, denn wir stehen wirklich zu
exponiert da, aber ich mag das Womo jetzt nicht mehr umstellen und ein
schlechtes Gefühl habe ich nicht. Also bleiben wir.
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Stellplatz: keine Ahnung wie das Dorf heisst, eine
wunderschöne Bucht, ca. 25km vor Agadir - Kies
Klima und Umgebung: schöner breiter Strand
Infrastruktur: im Dorf gibt es das Wichtigste zum Einkaufen
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10. Dezember 2004, Cape Rhir - Tarhazoute
(ca. 10km N v. Agadir)
Agadir - Womostadt
Wir
hatten ein unbehelligte Nacht. Apropos hell: der klare Nachthimmel hier in
Marokko ist zauberhaft. Wenn man so abseits steht stören keinerlei Lichter
den Blick und die Milchstrasse führt quer über unsere Köpfe. Man muss die
Augen zukneifen, dass man die Sternbilder überhaupt erkennen kann. Den
grossen Wagen sehen wir jetzt am Abend nur zur Hälfte, so weit südlich sind wir
schon, fast auf dem 30. Breitengrad.
Dominik geht auf einen Schwumm ins Meer und ich spaziere durch die Gegend,
Fotos machen und schauen.
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Anschliessend
begutachten wir unser auseinanderfallendes Womo! Nachdem
Dominik die Schiene, welche nur noch oben die Abdeckung zuhielt, ganz entfernt hat sieht man gut, dass das Holz, dass
darunter verwendet wurde total porös ist. Irgendwann einmal, vor längerer
Zeit schon, ist hier Wasser
eingelaufen und hat das Holz aufgelöst. Jetzt ist es trocken, staubtrocken.
Die Schrauben werden auf keinen Fall mehr halten. Dominik räumt das meiste
Holz raus und verklebt die runde Abdeckung so, dass sie halten wird, bis wir
sie richtig reparieren können. Könnte schwierig werden. Passendes Füllmaterial
werden wir hier nicht gleich zur Hand haben und die Abdeckung ist, weil
abgerundet, ziemlich störrisch. Auch das schwarze Silikon wird hier kaum zu
bekommen sein. Jetzt können wir nur hoffen, dass es nicht
auch an anderen Stellen so übel unter der Aussenhaut ausschaut!
Von Horst haben wir eine Telefonnummer eines Schweizers, welcher in Agadir
fliegt, bekommen. Mit ihm machen wir auf heute Abend ab, um mal zu reden und
auszuloten, wo hier fliegerisch, was wie läuft.
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Wir fahren weiter Richtung Agadir und entdecken schon bald, ca. 15km vor
Agadir die Womostadt direkt am Atlantik. Zwei Plätze, einer ziemlich gut
gefüllt, der andere nicht so arg. Schaut schräg aus. Wir machen auf dem
ersten Halt, um Mittag zu essen und das ganze von der Nähe anzuschauen.
Spannend! Auf dem Platz, wo wir gelandet sind, zahlt man offenbar nichts. Hier
stehen jede Menge Individualisten. Schon zu sehen an den so verschiedenen und originellen
Womos. Auch einige Panzerknacker (Wüstenfahrzeuge) stehen zwischen
den Dünen. Ein flippiges kunterbuntes Gemisch. Wir spazieren rüber zur
anderen Womostadt. Hier stehen die Gemässigteren: neuere schönere Womos, nah
beieinander. Hier wird, so viel ich weiss, 1 DH/Nacht verlangt, dafür ist er
quasi bewacht. Insgesamt stehen sicher an die 100 Womos und Camper an diesem
Strand!
Wir fahren nach Agadir rein. Eine junge Stadt, weil ein Erdbeben 1960 fast die
ganze Stadt zerstört hat. Am Campingplatz finden wir das Hotel, wo Reinhard,
der Schweizer wohnt. Vor dem Campingplatz steht ein Womo mit deutschem
Kennzeichen und jede Menge Zeugs drauf und dahinter angebunden. Das kann nur
der Horst sein! Tatsächlich! Aber leider ist er nicht da. Wir hinterlassen
eine Nachricht, dass wir ab 19 Uhr im Hotel bei Reinhard sind. Dann fahren wir
weiter zum Supermarkt und halten auch Ausschau nach dem Baumarkt, von dem uns
andere erzählt haben. Der Supermarkt ist riesig und man bekommt hier alles. Es
hat auch Wein und Bier hier. Fleisch, ausser Truthahn- und Hühnerfleisch
sehen wir allerdings nicht. Wir kaufen nur das Notwendigste, von was wir
glauben, später nicht mehr zu bekommen. Hier finden wir auch eine kleine
Flasche Arganienöl. Ich kaufe mir ein Kissen mit Bezug. Das Tempurkopfkissen
ist zwar bequem, aber ich habe ein Kuschelkissen immer vermisst.
Wir fahren zum Hafen runter und stellen das Womo an die Beach von Agadir, wo
ein Restaurant das andere ablöst. Heute Nachmittag hatte ich auf dem
Womoplatz von einem Händler Spinat gekauft. Obwohl es ziemlich viel Wasser
braucht, bis der Spinat vom Sand befreit ist, lohnt es sich, denn er ist
ausgezeichnet.
Reinhard treffen wir später im Hotel. Er ist nicht mehr der Jüngste. Allzu viel
erfahren wir nicht über die hiesigen Fluggebiete und das Wetter
für die nächsten Tage verspricht keinen Sonnenschein. Also mal abwarten.
Für die Nacht kehren wir zurück zur Womostadt und stellen uns in die
"zweite" Reihe. Der Horst hat sich leider nicht blicken
lassen...
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Stellplatz: Nähe Tarhazoute ca. 15km vor Agadir - Sand
Klima und Umgebung: schöner breiter Strand, jede Menge Wohnmobilisten und
Camper, Südlicher Platz ist gebührenpflichtig, Nördlicher Platz ist gratis
Infrastruktur: die Händler kommen hierher, man kann fast alles von ihnen
kaufen, Wasser im übernächsten Dorf, vor der Brücke rechts runter an den
Fluss (rechts in der Ziegelei, wenn draussen Wasser nicht läuft)
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11. Dezember 2004, Tarhazoute
(ca. 10km N v.
Agadir)
Womostadt - Bewölkung über Marokko
Der Himmel ist verhangen - ebenso wie Dominiks Gesicht. Ohje, er
hat sich auf das Fliegen hier gefreut und wird mit Schlechtwetter für die
nächsten Tage konfrontiert. Na ja, da kann man nix machen.
Zorro dafür hat seinen Spass. Er kann mit den anderen Hunden hier bis zum
Abwinken rumtollen. Wir spazieren am Meer entlang, trotzen dem Regen und
arbeiten am Computer. Die Zeit vergeht immer viel zu schnell.
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Stellplatz: siehe 10.12.04
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12. Dezember 2004, Tarhazoute - Agadir
Wolkenmalerei und Wiedersehen mit Horst
Der Himmel ist heute morgen wild! Die Wind
bläst kräftig aus Osten. Die Wolken sind genial geschliffen, sogar eine
Runde Kugel hat sich formatiert. So schöne Wolkenbilder habe ich in meinem
Leben noch nie gesehen. Es sieht faszinierend aus und ich kann mich kaum
abwenden.
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Aber
es dauert nicht allzu lange und der Spuk ist vorbei, der Tag wird ein
Prachtstag, wenigstens vom Wetter her, nicht unbedingt vom
Fliegerischen.
Wir spazieren nach hinten zu den Hügeln hinter der Strasse und laufen den
Pfaden nach, die irgendwo in der Pampa sich verlaufen. Auf einmal landen wir
in einem Nomadendorf, bzw. drei vier Zelte, mit Plastik abgedeckt, sind locker
auf einem Hügel verteilt. Zwei Frauen sitzen bei einem Baum und ein alter
Herr kommt aus seinem Zelt und spricht uns an. Er sagt, er sei 80! Ob das
stimmt? Alt sieht er schon aus, ganz wässrige Augen und viele Falten. Um
seinen Kopf trägt er ein weisses Tuch und darüber einen braunen Djallabah
(Kapuzenkutte), welche ihn fast ganz verhüllt. Als wir fragen, ob wir ein Foto machen
dürfen, verneint er und meint, oh nein, das gehe nicht. Ok, hoffentlich haben
wir ihn jetzt nicht beleidigt. Wir spazieren zurück, ich mit einem Gefühl
von mich daneben benommen zu haben.
Von einem Händler kaufe ich leckere Erdnüsschen, welche die weiche
dunkelbraune Schale noch dran haben und gesalzen sind. Ich bezahle viel zu
viel. Als ich später im Supermarkt den Preis vergleiche, habe ich die
Bestätigung: ich habe 100DH/kg bezahlt und hier wären sie 29DH. Na ja, sie
waren immer noch einiges billiger als bei uns, das tröstet mich ein
wenig.
Heute scheint es endlich mit Horst zu klappen. Auf 15 Uhr wollen wir uns im
Hotel von Reinhard treffen. Auf dem Weg nach Agadir tanken wir Wasser aus
einer grossen Zisterne.
Grosses Hallo mit Horst! Er ist der gleiche geblieben, vielleicht ein wenig
älter geworden? Ich freue mich sehr, ihn zu sehen. Noch ein Deutscher, der
Gleitschirmfliegen lernen will und Abderahim, Reinhards Führer, den er für
einen Monat "gemietet" hat kommen dazu.
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Mein Versuch im Hotel ins Internet zu gelangen
scheitert. Nach dem Treffen bin ich aber zu müde, um noch einmal irgendwo auf
Internetsuche zu gehen. Wir fahren also zu unserem Schlafplatz in Agadir: zur
"Nouvelle Medina d'Agadir". Agadir hat keine eigentliche Medina
mehr, da das Erdbeben 1960 fast die ganze Stadt vernichtet hat. Die neue
Medina wurde von einem sizilianischen
Architekten, Coco Polizzi, vor wenigen Jahren wieder aufgebaut. Es wurde
ausschliesslich natürliches Material, also Holz, Erde, Stein usw. verwendet.
Es ist vor allem eine Touristenattraktion, aber, so sagte man uns, doch
sehenswert. Wir wollen vor allem auf den dazugehörigen Parkplatz, um hier in
Agadir einen ruhigen und geschützten Parkplatz zu haben, was wir auch
bekommen, inkl. Wächter(!).
Die
Medina ist an sich schon geschlossen, nur in das Restaurant, dass im Inneren
ist, dürfen wir. Alors, très bien. Der Wächter führt uns durch dunkle
wunderschöne Gassen, welche nur durch holzgeschnitzte Lampen mit Kerzenlicht
erhellt werden zum Lokal, wo wir uns erst einmal die Karte zeigen lassen. Zum
Essen wollen wir uns umziehen, es ist relativ kühl hier drin und kurze Hosen
sind deplaziert. Der nette Kellner führt uns wieder durch die Gassen zurück,
wir hätten uns vermutlich verlaufen. Nach einem Bier als Apero machen wir uns
erneut auf durch die dunklen Gassen. Diesmal lassen wir uns mehr Zeit und die
Atmosphäre auf uns wirken. Der Zauber entsteht vor allem durch die vielen
Winkeln und Stufen, die verzierten Mauern und der mit runden Steinen ausgelegte Boden. Wir laufen auch über Plätze, welche mit riesigen
Bodenmosaiken verziert sind. Ich bin gespannt, wie das Ganze morgen im
Tageslicht ausschaut.
Wir bestellen uns eine Suppe, ein Couscous und eine Lammtajine mit Zwetschgen,
dazu einen Cabernet (wir lechzen schon ein wenig nach Wein), welcher aber so
parfümiert ist, dass wir ihn nicht ganz trinken mögen. Das Essen
ist dafür sehr fein. Vor allem mein Lamm ist köstlich.
Als wir wieder vor der Medina stehen hören wir Musik in nicht allzu weiter
Ferne und laufen ihr nach. Wir landen in einem Festzelt, wo wir herzlich
willkommen geheissen und reingebeten werden. Eine Musik spielt, ein Mann singt
am Mikro und vier Frauen, ohne Kopftuch (!) tanzen dazu und schwingen ihre
Hüften und Brüste im Takt. Ab und zu rückt eine ihren Kopf von links nach
recht und hin und her, dass einem Angst und Bange wird. Die Leute, fast alles
Männer, sitzen ringsherum und trinken Bier. Einer spendiert uns ein Bier. Wo
sind wir hier gelandet? Das Agadir ein Sündenpfuhl sein soll, mit krassem
Alkoholkonsum und Prostitution steht im Führer, aber was ist das hier? Die
Musik wechselt und ein Girl nimmt das Mikro und geht in einem immergleichen
Singsang von Tisch zu Tisch und bekommt hin und wieder eine Geldnote in den
Ausschnitt gesteckt. Es erinnert schon an was, das.... Auch zu Dominik kommt
sie und er kommt nicht drum herum, ihr ebenfalls eine Note zuzustecken. Als
wir wieder zurück spazieren meint er, dass sei wohl die moslemische Form von
einem Tabeldance-Lokal gewesen... Ich check es nicht.
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Stellplatz: vom Zentrum Agadir Richtung Süden,
Inezgane, nach königlichem Palast, linkerhand, Beschilderung "Medina
d'Agadir" folgen - Asphalt
Klima und Umgebung: ruhiger und bewachter Platz, Besichtigung Medina
Infrastruktur: nichts
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13. Dezember 2004, Agadir - Tifnit
(ca. 30km S v.
Agadir)
Neue alte Medina von Agadir - Schrebergärten am Atlantik
Unser
Morgenspaziergang führt für einmal nicht am Meer entlang, sondern durch
Gassen. Die Medina ist auch bei Tageslicht besehen immer noch sehr schön.
Viele Kunsthandwerker haben hier ihr Lokal, arbeiten, stellen aus und verkaufen
ihre Ware hier, welche Fixpreise haben. Ich lasse mir eine Weberei zeigen und
kaufe bei einem Ledersattler Babuschs. Das sind Lederfinken, welche hier
jeder und jede trägt. Die spitzig zulaufenden sind Arabisch, die Runden
Berberisch. Sie sind aus dreierlei Leder, die untere Sohle ist aus
Kamelleder. Er erklärt mir die Qualität und die traditionelle Herstellung.
Interessant. Für 170DH kriege ich ein knallrotes handgefertigtes Berberpaar.
Im Supermarkt gehen wir nochmals Dinge einkaufen, von denen wir glauben, dass
wir sie im Süden nicht mehr bekommen.
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Ein
Internet finden wir später im Aggloraum von Agadir. Wir schlendern noch durch
die Strassen, bestaunen dies und jenes, z.B. ein Tuchladen mit einer uralten
Nähmaschine drin. Wir kaufen uns für 10DH 250gr Guetzli, welche durchaus mit
unserem Weihnachtsgebäck mithalten können. In solchen Nebenstrassen ist es
wirklich spannend und man hat das Gefühl, ganz nah am marokkanischen Stadtleben
zu sein.
Dann fahren wir weiter südwärts Richtung Tiznit und biegen nach etwa 20km rechts zum Meer ab. Tifnit,
wo man bei passendem Wind
fliegen kann, liegt
direkt an der Küste, hat etwa zwei Handvoll Häuschen oder so, die Fischerboote
liegen
ruhend am Hang daneben.
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Wir
stellen das Womo etwas entfernt vom Dorf auf die Klippe und schauen, dass der
Wind weder den Kühlschrank ausbläst noch uns davon.
Die ekligen Heuschrecken sind leider auch hier. Sie werden aber nach und nach
ins Meer hinausgeblasen. Gegen den Wind kommen sie nicht an.
Dominik geht auf einen Spazier ins Dorf. Er kommt zurück und erzählt, er sei
zum Tee eingeladen worden, von Hassan, der gut Deutsch kann, weil er dies von
einem Deutschen gelernt hat, der jedes Jahr für zwei Monate hierher kommt. Er
zeigt Dominik das Dorf und erzählt ihm vieles. Scheinbar haben die Fischer im
Moment hier nicht viel zu tun. Im Sommer soll es hier gut sein, jetzt müssen
die Fischer weiter weg, um Arbeit zu finden.
Der Atlantik brandet hier kräftig an die Küste. Wir staunen über die
Kabäuschen und Höhlentüren, welche unterhalb der Klippe in die Felsen
gebaut sind. Offenbar werden sie von Fischern oder so benutzt. Es sieht aus,
wie wenn jeder hier sein Schrebergarten hätte, nur eben nicht für das
Gemüse sondern für die Fische und Muscheln. Taib, der Guide von
Tafraoute, den wir später kennenlernen, erzählte uns, dass die Fischer sich
diese Höhlen eingerichtet haben, um am morgen früh gleich vor Ort zu sein,
wenn es gut zum Fischen ist. Es hat aber in den 70er eine Zeit gegeben, da
haben die Hippies diese Höhlen für sich entdeckt. Da die Höhlen zeitweise
unbewohnt waren, haben sie sich dort niedergelassen. Als dann die Fischer bzw.
deren Söhne wieder kamen, fanden sie die Höhlen besetzt vor. Heute haben
darum viele quasi einen Gartenzaun drumherum und sogar Schlösser an den
Türen.
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Stellplatz: Auf der P30 von Agadir Richtung Tiznit, nach
ca. 35km links abbiegen, bis Strand -
Sand
Klima und Umgebung: sehr ruhiger, abgelegner Platz, Fischerkabäuschen in der
Klippe, Polizist wohnt in der Nähe
Infrastruktur: drei (!) Läden in Tifnit, ansonsten nichts
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14. Dezember 2004, Tifnit - Tafraoute,
1000müM (ca. 150 km SO v. Agadir)
Anti Atlas - Speicherburge - Dattelpalmenoase
Am
Meer ist es noch ziemlich bewölkt. Je näher wir Richtung Pass kommen, desto
mehr hellt es auf. Es scheint, wir haben die richtige Entscheidung getroffen,
heute zu fahren, denn auch der Wind ist ziemlich stark und obendrein von
Südosten.
Die Strasse zum Pass Tizi Mill ist in gutem Zustand, wenn auch nur einspurig
asphaltiert. Da der Verkehr nur spärlich ist, ist das Ausweichen auf den
Schotter rechterhand kein Problem. Bis nach Tafraoute sind es im Grunde
etliche Pässe, die man überwindet. Immer wieder haben wir tolle Aussicht auf
die Landschaft und den Fluss Ait Baha, der bzw. dessen trockenes Flussbeet
manchmal tief unter uns durchführt.
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In
dieser Gegend hat es viele Agadire. Das sind grosse Speicherburgen, die wie
Burgen oder sogar kleine Dörfer aussehen. Sie trohnen jeweils zuoberst auf
einem Hügel und beherbergen die Ernte von allen Familien einer Sippe,
manchmal auch den Familienschatz. So konnte man früher die Ernte und das
wertvolle Gut vor dem Feind besser schützen.
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Wir
laufen zu einem schon beinahe verlassenen Dorf hinauf, um uns so einen Agadir
von der Nähe anzuschauen. Viele Kakteen wachsen hier. Wehrhaft stehen
sie jeweils in Gruppen zwischen den Felsen.
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Der
Agadir ist schon recht verfallen, aber die alte Holztüre ist noch dran und
fest verschlossen. Trotzdem bekommen wir durch einen breiten Spalt neben der
Türe einen guten Einblick in das Innenleben. Man sieht jede Menge Kammern,
die wiederum von Türen verschlossen sind. Jede Familie hat ihre eigene
Kammer. Flache Steine, welche herausragen, werden als Tritt zu den oberen
Kammern benutzt.
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Wir
spazieren im Dorf herum. Er ist alles sehr verlassen und wir sehen kaum
Menschen. Die Landflucht ist auch hier ein Thema. Trotzdem sieht man immer
wieder mal ein Haus, welches sehr hübsch, mit bunter Stahltüre renoviert worden ist.
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Die
Strasse führt durch Steinwüste und karge Landschaft. Ganz selten mal an
einem Dorf vorbei.
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Am
Pass Tizi Mill checken wir den Startplatz aus. Leider ist der Wind vollkommen
daneben. Also fahren wir hinunter ins Ammelntal, welches rechterhand
beeindruckend von einer Gebirgskette flankiert wird, welche den Dj. Lekst mit
2360m als höchsten Spitz hat. Wir sind mitten im Anti Atlas.
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Immer wieder sehen wir alte, zum grössten Teil verlassene und auch zerfallene
Dörfer an der Bergflanke. Die berühmte Architekturkunst der Berber werden
wir uns von Tafraoute aus noch genauer ansehen.
Mittlerweile bin ich ein wenig besser informiert über Marokko und die
Menschen, die hier leben. Es gibt drei verschiedene Gruppen von Berbern in
Marokko: im Rif-Gebirge sind die Zenata-Berber; die Sanhadja-Berber
sind zum Teil Nomaden oder Teilnomaden; die Schlöhberber siedelten vor allem im
Anti Atlas und sind jene Berber, welche im 10. Jahrhundert den Hauptteil der
marokkanischen Bevölkerung ausmachten. Vor allem jene vom Ammelntal sollen
ein sehr fleissiger und cleverer Schlag sein. Viele gehen in den Norden
Marokkos oder nach Europa, um Geld zu verdienen, bringen aber das verdiente
Geld wieder in ihre Heimat zurück und bauen sich hier wunderschöne
Häuser.
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Wir stellen auch fest, dass wir in Tafraoute weder von Kindern noch von
Händlern zu arg angemacht werden. Bei einem Laden, wo Babuschs gemacht und
verkauft werden, darf ich sogar ein Foto machen.
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Als wir durch die Gassen schlendern und
Brot einkaufen spricht uns einer an und erzählt, dass er Trekkingtouren
macht. Wir gehen zu seinem kleinen Laden und er zeigt uns all die Briefe, die
er von Kunden erhalten hat und die voll Lob für ihn und diese Gegend sind.
Taib, so heisst er, wird auch im Führer von Erika Därr als empfehlenswerter
Guide erwähnt. Er macht auf mich einen sehr guten Eindruck und sein
Angebot, uns 1 1/2 Tage durch die Gegend zu führen nehmen wir, nachdem wir
einige Varianten durchgesprochen haben, an.
Er führt uns zu einem grossen Platz bei der Moschee, wo wir unser Womo für
die Nacht und auch für die kommenden Tage stehen lassen können. Er wohnt
gleich nebenan und lädt uns nach dem Abendessen auf einen Tee zu sich und
seiner Familie ein. Er lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Wir setzen uns
ins Wohnzimmer, wo die Wände knallblau angemahlt sind. Ein roter Teppich und
bunte Bilder machen den Raum freundlich und lustig. Wir staunen, dass die
Menschen hier kaum Fenster haben. Alles ist geschlossen und zu.... dafür
schön bunt.
Wir verabreden uns auf morgen früh und machen gleich noch ab, unsere Wäsche
dazulassen, welche Fatma in unserer Abwesenheit waschen wird. Von Hand, alles
klar. Auch wenn ich erkläre, dass es viel Wäsche ist und so weiter, meinen
sie nur, sie seien sich das gewohnt, kein Problem. Ok...
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Stellplatz: grosser Platz, gleich bei Gendarmerie und
Moschee - Kies
Klima und Umgebung: hier sollen manchmal viele Womos stehen, guter
Ausgangspunkt für allerlei Touren und Ausflüge Infrastruktur: in Tafraoute
bekommt man alles
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15. Dezember 2004, Tafraoute - Adai
(ca. 3km SW v. Tafraoute)
Trekking durch Granitwüste - über Kullersteinberge - durch alte Berberdörfer und Oasen
Zum Frühstück sind wir schon
wieder bei Taib eingeladen. Er serviert uns
nebst Brot, Butter und Konfitüre kleine Crepes und das marokkanische Nutella
(gemahlene Mandeln mit Honig und Arganienöl), welches jami ist. Dann brechen
wir auf.
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Wir laufen aus dem Dorf, durch den Souk, Taib kauft noch einige
Mandarinen und dann queren wir als Erstes die Deponie! So schade. Der Güder
liegt auf dem Gelände verstreut, teilweise verbrannt, und weit verbreitet.
Ein Jammer.
Dann geht es über den ersten Kullersteinhügel und auf der anderen Seite quer
über das Ammelntal.
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Wir
kommen an einem Friedhof vorbei. Offensichtlich macht man hier nicht so
ein Traritratra um die Toten. Ganz wenige haben ein paar Keramikscherben als
Gabe auf dem Grab, die Grabsteine sind meist ganz kleine Steine, hin und
wieder ist ein grösserer auf dem steht, wer hier liegt. Die Toten liegen
nicht tief und darum decken sie die Gräber während der ersten Zeit mit
Dornengestrüpp ab, so dass nicht wilde Hunde über die Gräber
herfallen.
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In
nächsten Dorf gibt es sogar eine Post. Das bunte Haus ist von Hand
angeschrieben und links von der Türe hängt tatsächlich ein gelber
Briefkasten.
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Beim Maison traditionelle de Berber erklärt uns ein netter junger Typ, wie früher und auch noch oft heute
gewohnt und gelebt wird. Die Architektur des Hauses, welches dreistöckig
ist und innerhalb, anstelle einer Treppe hochgehende Gänge hat, ist
beeindruckend. Zuoberst ist
die Terrasse, welche tollen Ausblick auf die Oase unten und das Ammelntal
bietet. Er zeigt uns schwarze Skorpione, welche er in einem Glas hat, und hier heimisch sind. Diese Berberhäuser sind manchmal bis zu sechs
Stockwerk hoch.
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Im "Wohnzimmer" sind herrliche dicke Teppiche auf dem Boden
ausgelegt und an den Wänden hängen ebenfalls wunderschöne bunte Teile.
Zusammen mit der türkisfarbenen Wand ist es eine lebensfrohe Pracht.
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Sitzkissen der Wand entlang laden zum Sitzen ein und Taib serviert
uns allen Thé à la menthe, während der Typ, welcher uns das Haus gezeigt
hat, auf einem Berberischen Kontrabass leise eine schöne Melodie dazu spielt.
Wir unterhalten uns gut, lachen und finden den Besuch in diesem Haus echt
lohnenswert.
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Unsere Wanderung geht weiter dem Hang entlang durch das Dorf, welches zum
grössten Teil verfallen ist, aber doch immer noch einzelne schön verzierte
Häuser hat. Scheinbar halten die Häuser nicht lange, wenn man nicht
permanent daran arbeitet und es Instand hält.
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Wir wandern durch herrliche Oasen. Palmen säumen einen Bach, Olivenbäume mit
reifen Früchten stehen im Hain und schmale Pfade führen um runde Felsen und
über trockene braun-rötliche Erde. Wunderschön ist es hier. In unseren
Augen unverständlich, dass die Leute das Leben in der Stadt dem Leben hier
vorziehen.
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Als wir wenige Zeit später um eine Ecke biegen, treffen wir auf eine
Ansammlung von Frauen, welche ein grosses Essen zubereiten. Sie Schwatzen und
Lachen. Dominik kann es sich nicht verkneifen und bleibt stehen und schaut
ihnen zu. Hoppla, anscheinend hat er Erfolg, denn wir werden zum Essen
eingeladen. Natürlich dürfen wir nicht gleich bei den Frauen sitzen, das wäre
für sie kompromittierend. Aber gleich um die Ecke, auf der Veranda vom nächsten Haus
stellen
sie uns einen niederen Tisch auf, legen einen Teppich hin, sodass wir bequem
sitzen können und dann servieren sie uns eine Schüssel voll von einem
Mehl-Olivenöl-Gemisch, welches lecker gewürzt ist. Dazu kommt später noch
eine Linsensuppe, welche dazu gegessen wird. Wir waschen uns die Hände und
dann wird von Hand gegessen. Wohl verstanden nur mit der Rechten, denn die
Linke ist unrein. Hm, das war fein und wir bedanken uns bei den Frauen.
Shukram auf Arabisch, das berberische Danke können wir nicht aussprechen,
viel zu schwierig.
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Weiter geht es durch verfallene Siedlung und noch mehr Oasen. Die langgezogene
Bergkette des Jebel Lekst steigt in rötlicher Farbe rechts von uns hoch. Der
Tete de Lion, ein riesiger Felsen, der wir ein lachender Löwe ausschaut,
grinst uns frech von oben an.
An einem Haus sehen wir einen mit farbigen Kacheln verzierten Brunnen,
der offensichtlich Trinkwasser anbietet. Ich geniesse das kühle frische Nass.
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Viele Häuser sind hier bunt angemahlt. Alle Töne von Rot bis Rosarot sind
vertreten.
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An einem Wadi bzw. Oued machen wir Pause, mit Blick über
die Palmen bis zum Pass Tizi Mill.
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Ein schöner Pfad führt über den nächsten Kugelsteinpass. Auf der anderen
Seite laufen wir bei Nomaden vorbei, welche sich hier zwischen und teilweise
in den ausgehöhlten Granitkugeln für eine bestimmte Zeit eingenistet haben.
Sie bleiben jeweils so lange wie ihre Tiere zu essen finden, dann ziehen sie weiter. Die Nomaden
leben ausschliesslich von ihren Tieren. Taib kann uns viel über die Berber
hier erzählen. Er bringt uns wirklich ein Stück näher an das Leben auf dem
Lande hier in Marokko.
Es geht auf Granitsand durch eine breite Ebene, in
welcher Palmen und Arganien wachsen. In der Nähe sehen wir Tafraoute. Unser
Ziel ist Adai, zwei, drei Dörfer weiter weg.
|
Langsam werden wir müde. Auch Zorro macht keine grossen Abstecher mehr. Immer
wieder muss ich ihn von den stacheligen Samen befreien, welche in seinem Fell
hängen bleiben und ihn stressen. Taib nimmt in kurzerhand auf den Arm. Auch
gegen meinen Protest besteht er darauf, ihn zu tragen. Auch später noch
einmal, als die Ebene voll von diesen "Bomben" ist, nimmt er ihn auf
die Schultern. Zorro ist zu müde, um sich zu wehren und vielleicht
ist er sogar froh, einen solchen Hochsitz zu haben.
Es dunkelt schon bald ein, als wir bei seinem Haus in Adai ankommen. Das Haus
gehört der ganzen Familie, jeder benützt es bei Gelegenheit, aber im Moment
ist niemand da. Ausser Mohammed, der unsere Sachen für die Nacht und das
Abendessen hierher gebracht hat. Mohammed ist ein Freund von Taib und erledigt
jeweils den Nachschub bei den Trekkings.
Bei Münzentee, Brot und Nutella (siehe weiter oben) erholen wir uns von der
Wanderung. Der CD-Player spielt moderne indische (!) Musik und wir fragen
uns, ob man das nun unter echtem traditionellen Berberleben versteht, wie uns
Taib immer wieder sagt... Wir decken uns mit den Decken zu, die es en masse
gibt, denn es ist ziemlich kalt hier im Haus. Die Tajine stand schon auf
dem Gasfeuer, als wir ankamen und wird nun serviert. Rindfleisch mit Zwiebeln,
darauf geschälte Tomaten, Karotten und Kartoffeln. Auch wenn das Fleisch nach
unserem Geschmack zuviel Fett dran hat, so gibt sie der Tajine doch einen
leckeren Geschmack.
Nach dem Abendessen spielen wir Rommé auf Marokkanisch und hören dazu
Reaggemusik. Auch witzige marokkanische Musik bekommen wir zu hören. Taib serviert sogar einen
Schnaps, bzw. Likör-Schnaps aus Datteln, der mit Apfel gewürzt ist. Ab und
zu ziehen sich Taib und Mohammed einen Joint rein. Taib meint, "this is
life"!
Das Spielglück ist immer noch auf meiner Seite und ich gewinne die Runde.
Dann fallen wir todmüde in die Matratzen, welche ziemlich durchhängen, zugedeckt
mit etwa einer Tonne Wolldecken. Obwohl Dominik reklamiert und
ziemlich unzuversichtlich ist, was die Nacht betrifft, schlafen wir gut und
tief.
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16. Dezember 2004, Adai - Les
Pierres Bleus
(ca. 3km S v. Tafraoute)
Bunte Wäsche und Blaue Steine in der Wüste
Der Muezzin weckt uns. Übrigens sind das
hier echte Gebetsausrufer und nicht etwa ab Band.
Frühstück gibt's auf der Terrasse oben, die Sonne scheint, es wird ein
herrlicher Tag mehr. Wir staunen nicht schlecht, als Mohammed sich schon am
morgen wieder einen Joint reinzieht...
Taib zeigt uns das alte Haus nebenan, welches dazugehört. Es ist im gleichen
Stil erbaut wie das Traditionelle, welches wir besichtigt haben. Auch sind
jede Menge antike Gegenstände drin, die in ein paar Jahren auf einem
Antiquitätenmarkt wohl was einbringen könnten. Leider fehlt das Geld, um das
Haus wieder ganz herzustellen. Taib hat mit den Renovationsarbeiten an der Terrasse
angefangen und meint, er bräuchte etwa 60'000 DH (ca. 10'000 sFr.),
um das Haus komplett wieder herzustellen.
Wir verlassen das Haus, um den Weg nach Tafraoute zurückzulaufen. Diesmal
führt uns Taib und Mohammed, der uns ein Stück begleitet, links im Tal
zurück. Wir wandern durch ein paar Dörfer und Taib besteht darauf, Dominiks
Rucksack zu tragen.
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Manche
Häuser sind hier in tiefem Rot. Die meisten jedoch in den Farben der
Umgebung. Hin und wieder
sieht man neuere Häuser in bläulichem Zement, welche noch nicht gestrichen
sind. Zwischen den Steinen stehen die Häuser, manchmal sogar darauf. Schön
angelegte Pfade führen mitten hindurch. Es begegnen uns immer wieder Frauen,
welche schwer mit Kanistern und Bidons beladen, vom Wasser holen heimkehren.
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In einer Dattelpalmenoase werfen wir Steine zu den Datteln hinauf, bis sie
runterprasseln. Sie sind zwar nicht sehr süss und haben auch nicht sehr viel
Fleisch dran, aber trotzdem schmecken sie gut. Auch eine alte
Gazellengravur besichtigen wir, bevor wir zurückkehren nach Tafraoute.
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Zurück in Tafraoute lade ich zuerst einmal die vielen Bilder, die ich gemacht
habe auf den PC. Dann holen wir die Wäsche bei Fatma ab. Ein Teil der
Wäsche ist nicht trocken geworden. Da wir Sehnsucht nach Ruhe und Einsamkeit
haben, beschliessen wir, das bischen nasse Wäsche ebenfalls einzupacken und
raus zu den blauen Steinen zu fahren, wo wir sie noch aufhängen und trocknen
lassen können.
Taib verspreche ich, beim nächsten Besuch in Tafraoute, was sicher noch
einmal der Fall sein wird, ein Dankesschreiben zu machen und wir verabschieden
uns von ihm und seiner Familie. Dominik ist vom Trekking nicht ganz so
begeistert wie ich; mir hat es sehr gut gefallen. Ich habe viel von Taib über
Marokko und das Leben hier erfahren. Das Wandern durch die Gegend um Tafraoute
war wundervoll und ich habe es sehr genossen. Taib kann ich wirklich
weiterempfehlen. Sein Business ist ein kleines, er macht bestimmt nicht
übermässigen Profit und will auch nicht irgendwelche Extras verkaufen. Er
ist ein netter Typ, fair und offen.
Wir fahren aus Tafraoute raus zu den Blauen Steinen. Nach ca. 3km Asphalt kommt
rechts eine Granitsandpiste, welche ziemlich bucklig aussieht. Ob das für
unser Womo passt? Wir probieren es und siehe da, das Womo ist echt ziemlich
geländetauglich! Wir fahren bis zu zwei markanten Steinpilzen und stellen uns
dazwischen. Genial! Man hat das Gefühl, mitten in der Wüste zu sein. Absolut
nichts ausser Steinen, Sand und ein paar wenige grüne Arganien.
Wir hängen die Wäsche zwischen zwei Arganienbäume und erholen uns beim
Mittagessen von der Wanderung und dem Familienrummel.
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Dann spazieren wir die verbleibenden paar hundert Meter zu den Blauen Steinen
runter. Ein Belgier hat hier vor ein paar Jahren x-Steine, bzw. Felsen blau,
weiss, schwarz und rosa angemahlt.
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Zum Teil ist die Farbe abgeblättert.
Trotzdem ist es beeindruckend und wirkt hier in der Wüste mit dem blauen
Himmel als Hintergrund malerisch und harmonisch.
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Als wir um die Felsen rumlaufen sehen wir weiter weg ein weisses grosses
Fahrzeug, vielleicht ein Womo, denken wir, und beschliessen, die Leute zu besuchen. Beim
Näherkommen sehen wir, dass es ein richtiger Panzerknacker von grossem Format
ist. Das heisst ein Riesenteil von selbstgebauten 4-WD-Expeditionsvehikel auf
einem Lastwagenfahrgestell, etwa fast 4m hoch und 2.50m breit!
Ein Rhodesien Ridgeback kommt uns warnbellend entgegen. Ziemlich
eindrücklich! Doch wir sehen bald, dass er in Ordnung ist und schon spielen
Zorro und er miteinander. Die Besitzer zeigen sich und wir lassen uns die
verrückte Karre zeigen. Obwohl aussen so riesig, ist es innen nicht grösser als
unser Womolein, dafür haben sie Ressourcen dabei, die wohl für x Wochen
hinhalten, so z.B. 880 Ah Batterien, plus Stromaggregator, 800 lt Dieseltank
(!!!), Druckluft, um luftabgelassene Pneus selbst wieder aufpumpen zu können,
Töff sowieso, 4 getrennte Wassertanks mit Filtern da und dort, ein richtiges Spühl-WC, Backofen, Hundehütte
draussen, usw.
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Die Felsen und Bergketten wechseln die Farben von rot bis violett. Es dunkelt
schon ein, als wir zu unserem Stellplatz zurückkehren. Absolut genial, dieser
Ort hier in der Wüste. Die Nomaden sind von ihrem "Weidegang"
zurückgekehrt. Wir hören sie mehr als dass wir sie sehen.
Es ist toll, wirklich, so habe ich mir Marokkos Wüste vorgestellt. Es zu
beschreiben ist schwierig. Es ist vor allem die Ruhe und das Gefühl von Alleinsein, und das in einer wunderschönen faszinierenden Gegend.
Der Mond wirft, obwohl er nur halb voll ist, starke Schattenkontraste von den
Steinen und Bäumen; es wirkt alles sehr surreal. In der Nacht bellt ein Fuchs,
irgendwo ganz in der Nähe.
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Stellplatz: von Tafraoute Richtung Tiznit via Agauard
Oudad, nach ca. 7km rechts bei beschilderter Einfahrt Piste über ca. 3km bis
zu zwei grossen Felsen - Granitsand (mit einem längeren Womo wird man vorher
schon sich irgendwo hinstellen, bis zu den Blauen Felsen ist es aber nicht
mehr weit zu Fuss)
Klima und Umgebung: Wüstentouch, grandioser Blick, absolute Ruhe, Spazier von
5 Min. zu den Blauen Felsen
Infrastruktur: nada
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17. Dezember 2004, Les Pierre Bleus -
Tizi Mill, 1400müM (ca. 12km O v. Tafraoute)
Nomadentouch - Teppichhändler - Pastellene Weite
Ich steh früh auf, die Sonne ist noch nicht da. Die Nomaden,
welche etwa 1km von uns entfernt ein Zeltlager haben, sind auch schon auf. Sie treiben
ihre Geissen zusammen. Die Esel weiden ganz in unserer Nähe und nun entdecken
wir auch die Kamele, die sie dabei haben.
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Ich spaziere allein nochmals zu den Blauen Steinen um Fotos in der Morgensonne
zu machen. Zum Fotografieren war es gestern Abend besser als heute morgen.
Ich klettere dafür hoch auf die Felsen und geniesse die Rundumsicht über
diese geniale Landschaft. Die Felsen müssten nicht unbedingt blau und farbig
angemahlt sein, um zu sehen, dass dieser Ort speziell ist. Aber sie
harmonieren mit den Farben der natürlichen Umgebung.
Als wir auf der Buckelpiste wieder unterwegs zurück sind, treffen wir auf
einen Nomaden mit seiner kleinen Tochter. Er erlaubt mir, ihn und sie zu fotografieren.
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Sie ist sehr scheu die Kleine und will sich hinter Papa
verstecken. Auch ein kleines Lamm ist mit ihnen. Leider redet der Mann kaum
französisch.
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In Tafraoute gehen wir zum Maison Tuareg, wo Teppiche verkauft werden und wo
Dominik hofft, sich Informationen zum Fliegen verschaffen zu können. Während
er sich im Büro mit dem Capo unterhält wird mir Tee offeriert und trotz
meinem Abwinken Teppich um Teppich vorgeführt, bis der ganze Boden voll von
bunten Berbern und raffinierten Kelims ist. Zu gerne würde ich mir Teppiche
kaufen, aber so auf Reisen macht das keinen Sinn, weil kein Platz und auch
kein Daheim, wo sie nützlich wären. Abgesehen davon, sind die Preise nicht
gerade tief. Ein einfacher Kelim, der als Läufer im Womo passen würde,
offeriert er mir anfänglich für 120 Euro. Wir diskutieren über den Preis,
er will unbedingt wissen, was ich maximal bezahlen würde. Ich erkläre ihm,
dass ich nichts kaufen will und auch nicht kann, weil kein Platz. Sage aber,
dass ich in der Schweiz nicht mehr als 20 Euro für den Teppich bezahlen
würde. Als wir abfahren kommt er nochmals ans Womofenster und meint, ich
würde ihn für 50 Euro bekommen. Ich frage mich, wieviel die, die die
Teppiche gewoben bzw. geknüpft haben dafür bekommen! Am besten wäre es wohl, wenn man den Teppich direkt
bei den Nomaden kaufen könnte, vorausgesetzt man will einen.
Dominik erfährt eigentlich nur, dass im Moment hier niemand fliegt. Wir
kaufen noch Brot und Gutzis ein, gehen in den Souk, der heute allerdings nicht
stattfindet. Datteln finden wir trotzdem. Ein wenig bessere, als die
geklauten; sie kommen von weiter südlich.
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Auch eine volle Gasflasche kaufen wir für 100DH inkl. Depot! Das Depot lässt
sich Dominik schriftlich geben. Auf der Strecke zum Tizi Mill sehen wir einen
Wasserhahn in der Aussenmauer eines Hauses. Wir fahren ran und die Frau, die
an die Türe kommt, sagt, wir können uns bedienen, soviel wir wollen. Das
Wasser sei für alle da, die hier vorbei kommen. Und es ist gutes Wasser! Dann
fahren wir hoch zum Pass, dem Tizi Mill und stellen unser Womo auf den
Parkplatz hinter dem kleinen Laden.
Dominik will das Gas selber abfüllen. Einen Schlauch mit passenden Gewinden
haben wir ja schon in Spanien mal gekauft. Ich bin vom Ganzen nicht gerade
begeistert, aber ich verstehe die Sache auch zu wenig und darum habe ich enorm
Respekt. Wir hängen die Marokki-Flasche umgekehrt an die Leiter, stellen
unsere leere Schweizer-Flasche darunter, schliessen den Schlauch an und dann
öffnet Dominik das Ventil von der Marokki-Flasche während ich ein wenig weg
gehe... Langsam komme ich wieder näher, es scheint gut zu klappen. Man hört,
wie das flüssige Gas langsam in die untere Flasche strömt. Jemand hat uns
gesagt, dass es 24 Stunden dauert. Also essen wir mal in Ruhe zu Mittag. Der
Wind stimmt sowieso nicht, er kommt von hinten. Mit Fliegen ist also eh
nichts. Nach etwa 1 1/2 Stunden ist die untere Flasche schon ganz schön
schwer und die obere entsprechend leicht. Viel kann nicht mehr drin sein und
da wir die Flaschen nicht hier draussen rumstehen lassen wollen, während wir
weggehen, beenden wir die Umfüllerei. Das restliche Gas in der
Marokko-Flasche können wir ja noch fertig brauchen, morgen früh geben wir
sie dann wieder in Tafraoute zurück. Ging ja ganz ordentlich. Natürlich hatte
Dominik Handschuhe an, denn es besteht eine gewisse Verbrennungsgefahr durch
das flüssige Gas, welches am Schluss noch im Schlauch verbleibt. Ich denke
aber, dass wenn man die Aktion sorgfältig betreibt, auf alle Fälle nicht in
einem geschlossenen Raum, nicht raucht und Handschuhe trägt, die Materialien
(Schlauch usw.) in Ordnung sind, eigentlich nichts passieren kann. Trotzdem,
ich alleine würde mich nicht getrauen. Aber so ist das natürlich eine
einfache und billige Möglichkeit, zu Gas zu kommen. Übrigens haben die
Marokkaner genau die gleichen Flaschen wie wir Schweizer, sie würden absolut
an unser System passen! Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir die
Spanienflasche in Spanien gelassen! Aber eben, hinterher ist man immer schlauer.
Der Ladenbesitzer sitzt ein wenig von uns entfernt im Hang und trinkt einen
Tee. Ist nicht viel los hier oben. Ich gehe mit der Guetzlischachtel zu ihm,
mit der Absicht ihm ein paar davon zu geben. Doch schon als ich näher komme,
steht er auf und bedankt sich und ich merk schon, das läuft nicht so wie ich
mir dachte... er nimmt die ganze Schachtel! Er hat
solche Freue und ich bin so überrumpelt, dass ich sie ihm überlasse. So,
wieder was gelernt... Ist auch kein Problem, hoffentlich schmecken sie
ihm.
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Wir wollen um den Pass herumlaufen bis zur alten Miene, wo nach Buch ebenfalls
ein Startplatz sein soll. Der Weg führt leicht bergan und mit jedem Schritt
wird der Blick über die Landschaft weiter und weiter. Die Schönheit, welche
sie ausstrahlt ist kaum zu beschreiben. Sanfte Hügel in pastellenen Farben
liegen da, ganz selten von ein paar höheren Bergen unterbrochen. Unten im Tal
stehen Mandelbäume, welche in einem Monat oder so die Gegend wohl noch bezaubernder
machen, wenn sie rosa blühen. Über allem ein strahlend blauer
Himmel. Es ist eine friedvolle Wanderung, welche uns sehr erfüllt. Bei den
Mienen angekommen sehen wir auf die anderen Passseite wieder in eine grosse
weite Talebene, diesmal im Gegenlicht. Fliegen ist aber nicht drin, der Wind
bläst um die Bergecke. Auch der Rücktransport wäre hier schwierig. Entweder
4X4 oder 1x4, sprich Esel.
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Auch hier sind Nomaden, nur ein kleines Zelt, eine kleine junge Familie. Er kommt uns
entgegen um uns zu begrüssen und ein wenig zu reden.
Hier hat es übrigens viele Erdhörnchen oder so. Kleine Pelztiere, etwa wie
unsere Eichhörnchen, aber mit breitem Schwanz, der einen Silberstreifen
ringsherum hat. Sie rennen davon, wenn wir kommen und man sieht sie meist nur
noch von hinten. Zorro hat seinen Spass mit ihnen, ohne dass er eine Chance
hätte, sie zu kriegen.
Wieder zurück, setzen wir uns an die Kante, essen Mandarinen und blicken in
das Ammelntal hinab. Ein alter Herr spaziert in der Nähe, grüsst uns und
schaut ebenfalls hinunter. Ich gebe ihm die eine Hälfte meiner Mandarine und
er nimmt dankend an. Irgendwie ist das hier ganz normal, dass man von dem
gibt, was man hat. In Tafraoute sind mehrere Frauen zu mir gekommen und haben
gebettelt. Den einen habe ich etwas gegeben. Ich sehe auch Einheimische, die
den Bettlerinnen etwas geben. Es scheint hier so üblich zu sein. Verstehen
tue ich es nicht. Ich meine aber im Islam gehört das zu den Grundpfeilern des
Glaubens, dass man grosszügig ist und mit den Armen teilt.
Das verbliebene Gas in der Marokko-Flasche wollen wir zu Ende brauchen. Also
stellen wir den Boiler an und lassen ihn mal ganz hoch kochen. Abgewaschen
wird ausnahmsweise mit dem Boiler-Wasser, was heute wieder einmal Dominik erledigt. So
guät. Auch
lassen wir hier oben auf ca. 1400müM, es wird etwa 7° in der Nacht, die
Heizung mal über Nacht laufen. Eine Gelegenheit, zu sehen, ob sich's dabei
trotzdem gut schlafen lässt.
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Stellplatz: von Tafraoute ca. 12km Richtung Agadir,
Strasse bis zum Pass - Kies
Klima und Umgebung: sehr ruhiger Platz, Wanderung zur alten Miene gibt
sensationellen Blick über hügeliges Hinterland
Infrastruktur: kleiner Laden am Pass, Wasser aussen an einem Haus, auf der
Strecke, ca. 6km nach Tafraoute
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18. Dezember 2004, Tizi Mill - Aglou
Plage
(ca. 45km N v. Sidi Ifni / ca. 100km S v. Agadir)
Von Pass zu Pass - Endlich wieder einmal Fliegen
Geschlafen haben wir gut, wenn auch die Luft ein wenig trockener
war. Obwohl wir
auch heute morgen nochmals den Boiler voll aufgeheizt hatten, haben wir die Gasflasche
nicht leer gekriegt. Uguale, wir
bringen sie zurück und Dominik erhält, vielleicht wirklich dank der
schriftlichen Bestätigung für das bezahlte Depot, dieses auch anstandslos
zurück. So was von problemlos!
Beim Bäcker hol ich mir nochmals eine grosse Portion der leckeren Guetzli und
dann geht's ab Richtung Tiznit, runter an die Küste. Dominik hat
Entzugserscheinungen und braucht dringend eine Dosis Flugluft.
Die Strecke ist mit ca. 100km ja nicht besonders lang, aber sie führt über
jede Menge Pässe, rauf und runter, jede Fuhrt wird ausgefahren und
streckenweise verläuft sie einspurig. Nichtsdestotrotz führt sie durch
einmalig schöne Gegenden. Marokkos Landschaften sind sagenhaft. Immer wieder
verblüfft die Grösse und Weite, die pastellenen Farbtöne, grüne Oasen in
ockerfarbenem Tal, rote und rosarote Häuser. Die Frauen tragen je weiter wir
zur Küste kommen wieder bunte Kleider. In Tafraoute waren es schwarze Tücher
mit bunten Mustern am Rand.
Am Col du Kerdous machen wir Halt. Hier ist ein Startplatz, doch leider der
Wind von der falschen Seite. Das relativ neue Hotel, welches hier oben auf
einem Felsen oben trohnt ist beeindruckend. Ich muss sagen, die Marokkaner
haben einen verflixt guten Geschmack. Ihr künstlerisches Flair wird in der
Architektur sehr offensichtlich.
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Als wir den Pass runter fahren überfällt uns wieder einmal ein roter
Heuschreckenschwarm: Les Soterelles, so ein schöner Name für so ein
hässliches und lästiges Insekt. Obwohl, Taib hat mir erklärt, dass die
Heuschrecken in Wasser eingelegt, das Wasser getrunken und die Viecher
gegessen gut für irgendwelche Beschwerden seien... na dann Prost!
Bei unserer Mittagspause irgendwo in der Steinwüste stossen zwei Marokkaner
ihre Fahrräder mit ziemlich Gepäck an uns vorbei, grüssen nett und
wünschen einen guten Appetit. Als sie die grosse rosarote Mauereinfahrt
durchlaufen kann ich nicht wiederstehen, ich muss den marokkanischen
Velotrekking fotografieren.
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Bis wir ganz am Meer sind fahren wir noch einige Kilometer. Eigentlich wollten
wir den Startplatz von Francois von hinten her anfahren, so wie es uns
empfohlen wurde. Doch den Abzweiger haben wir nicht gefunden und so machen wir
ein recht grossen Umweg bis wir sein Restaurant von der Küstenstrasse, also von unten
her, ausmachen können. Eine französische Gruppe ist am Fliegen und die
Piste, die den Hang hochführt schaut annehmbar aus. Zwar ziemlich holprig,
aber es geht. Kurze Zeit später stehen wir oben auf dem betonierten
Startplatz und Dominik kommt endlich wieder einmal zum Fliegen. Das Soaren
will erkämpft werden. Jedes Zipfelchen wird ausgelutscht bis nichts mehr
geht, mehr als eine halbe Stunde war aber trotzdem nicht drin, dann stellt das
bischen Thermik, was war, ganz ab.
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Ein
paar marokkanische Jungs, welche das Fluggeschehen verfolgen, haben ihren
Spass mit Zorro und noch mehr, als ich ihnen die Fotos zeige, die ich von
ihnen gemacht habe.
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Wir fahren noch gute 20km weiter bis zu einem Stellplatz, von dem wir eine
GPS-Position haben. Im Reisebericht von www.afrika-virus.de
sind coolerweise, glaub ich, fast alle Stellplätze mit den
Satelliten-Koordinaten angegeben. Den einen und anderen können sogar wir
Yogurths verwenden (;-)). Wir stellen also unser Womo auf fast dem gleichen
Platz ab, d.h. auf dem festen Sand, gleich über den Klippen, weit und breit
kaum eine Menschenseele.
Der Fischverkäufer, der mit dem Mofa ankommt, gehört schon ganz zum Alltag
hier in Marokko. Ob morgen noch einer mit einem Brotangebot kommt?
Hier ist es wieder südlich warm. Das Thermometer zeigt nach Sonnenuntergang
noch 17° an. Cool oder besser Hot! Dominik und ich spielen Rommé und es ist
unglaublich, ich gewinne und gewinne und gewinne. Eigentlich müsste ich mit dem
Schwein, dass ich schon seit Wochen habe, Lotto spielen...
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Stellplatz: von Tiznit Richtung Sidi Moussa d'Aglou, vor
dem Campingplatz bei Aglou die Sandpiste am Meer entlang, ca. 2-3 km dem Meer
entlang - fester Sand
Klima und Umgebung: abseits, sehr ruhiger Platz, Spazier am Meer,
Fischerkabäuschen in der Klippe
Infrastruktur: nada, Fischverkäufer kommen mit dem Mofa
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19. Dezember 2004, Aglou Plage - Legzira
(ca. 10km N v. Sidi Ifni / ca. 140km S v.
Agadir)
Voler chez Francois
So, heute ist fliegen angesagt. Die Nacht war angenehm warm, ca.
15°. Habe wieder einmal ohne zusätzliche Decke geschlafen.
Am Morgen machen wir zuerst einen Spaziergang den Klippen entlang. Auch hier
hat es die Fischerhäuschen in den Klippen. Es scheinen ein paar wenige
genutzt, der Rest verfällt wohl. Weiter südlich sehen wir, dass es
Morgennebel hat. Hier aber scheint die Sonne. Die farbigen Türen in den
schlichten Betonhäuschen sehen in der Morgensonne reizvoll aus.
Seit wir wieder unterwex sind diskutieren wir darüber, ob wir für Marokko
einen Flugführer machen sollen oder nicht. Es bedeutet ziemlich Arbeit. Heute
haben wir uns endlich entschieden, die Flugdaten zu sammeln. D.h. wir halten
die GPS-Positionen für Start- und Landeplätze und für die Wegpunkte dorthin
fest und sammeln sie in einer Datenbank. Die Daten kommen in den Flugführer,
welcher Dominik schon für Sizilien und Kalabrien gemacht hat und der auf
unserer Homepage allen, die interessiert sind, zur Verfügung steht.
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Wir fahren zu Francois und seinem Adlernest, dem Nid d'Aigle. Ein paar
Franzosen sind schon da, es wird aber noch nicht geflogen und so genehmigen
wir uns zuerst einmal einen Thé à la menthe in dem lässigen Lokal, dass er
hier eingerichtet hat. Francois schult gerade ein Girl,
welches gestern den zweiten Flug und heute den Dritten macht. Sie ist
vermutlich die erste marokkanische Gleitschirmfliegerin! Schon neckisch,
der Startplatz für einen Anfänger, denn nach dem Betonplatz kommen gleich
Felsen und stacheliger Abhang. Auch unten einlotsen tut er sie von oben
her...
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Im Laufe des Tage nimmt der Wind zu und es wird schön thermisch. Dominik
kommt endlich ausgiebig zum Fliegen. Allerdings ist er nicht alleine. Es sind
etliche Flieger da, vor allem Franzosen.
Eine Pilotin verletzt sich am Fuss, als sie Toplanden will und dabei den
Betonpfeiler vom Restaurant rammt. Einen Moment noch fliegt sie eingedreht,
also rückwärts, offenbar geschockt, doch dann dreht sie sich wieder aus,
ohne, wie es gerne in solchen Momenten dummerweise geschieht, die Bremsen zu
ziehen. Es
stellt sich später heraus, dass sie sich "nur" den Fuss verstaucht
hat.
Auf einmal stellt der Wind ab, ich fahre runter und dann geht's weiter
Richtung Sidi Ifni. Die Sicht ist schlecht, denn wir fahren direkt auf die
Sonne zu und der Antlantikdunst verwischt den Blick vollends.
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10km vor Sidi
Ifni ist eine Bucht, wo es zwei drei Restaurants ohne Strom gibt. Oberhalb auf
der Klippe ist ein bewachter Womostellplatz für 15 DH pro Nacht. Da gleich
auf dem Berg dahinter und an den Klippen unten geflogen wird, passt das
wunderbar.
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Wir stellen uns hin und spazieren erstmal am Strand entlang zu dem
riesengrossen Felsentor und wieder zurück. Scheinbar wird hier viel geflogen.
Die Leute sagen alle, ja, man sehe sie des öfteren. Aber im Moment ist
niemand da. Na, mal sehen, was morgen alles möglich ist.
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Stellplatz: von Tiznit rechts runter an die Küste, etwa
60km der Küste entlang, 10km vor Sidi Ifni rechts etwa 200m Piste bis zum
Platz über den Klippen - Schotter
Klima und Umgebung: schöner Strand mit zwei grossen Felsentoren, einige
Womos
Infrastruktur: bewachter Platz für 15DH/Nacht, Wasser am Platz, Restaurants
unten an der Beach, Brotverkäufer kommt jeden Tag, ansonsten Einkaufen, Tanken
und Internet in Sidi Ifni
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20. Dezember 2004, Legzira
Legziras Felsentore
Etwa 10 Wohnmobile, Camper oder Expeditionsfahrzeuge stehen hier auf
dem Platz. Zum Teil stellen sie sich zusammen, machen kleine Wagenburgen oder
stehen locker, so wie wir am Rande des Platzes. Wasser kann man hier auch
bekommen, soviel man will.
Unsere Nachbarn, Deutsche im querfeldeintauglichen italienischen
Gendarmeriekarren fahren nach Sidi Ifni, um im Souk einzukaufen. Sie sind so
nett und bringen uns Blumenkohl und Auberginen mit.
Wir fahren hoch auf den Berg, schaffen sogar die ganze Strecke bis zur
ehemaligen spanischen Festung. Der Hinterradantrieb unseres Womos ist wirklich
Gold wert. Oben hat man einen tollen Blick über den Küstenstreifen bis
hinunter nach Sidi Ifni, welches aber ziemlich im Dunst liegt. Wir spazieren
ein wenig durch die verfallenen Schützengraben der Spanier. In einer
Wassergrube liegen zig rote Heuschrecken und stinken still zum Himmel. Mit
ihren leopardenartig gemusterten Flügeln sind sie ja an sich noch schöne
Viecher.
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Nach unserem Mittagessen tauchen die drei Franzosen auf, welche wir schon bei
Francois angetroffen haben. Sie sind mit Auto und Zelt hier in Marokko
unterwegs.
Der erste, der rausfliegt säuft leider ab und marschiert den Berg wieder
hoch. Auch Dominik kann sich mit dem Astral nicht halten und landet auf
unserem Stellplatz am Meer.
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Ich hole ihn dort ab und dann fahren wir noch zum Felsentor. Dort kommt er
dann doch noch auf seine Kosten. Der Wind ist zwar nicht übermässig aber
doch genug, so dass er sich doch lange halten kann.
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Der Spazier hierher lohnt sich, denn der Blick über den Strand mit seinen
roten Felsen ist genial.
Ich laufe zurück zum Womo und fahre zu unserem alten
Platz. Ich installiere mich gemütlich draussen und geniesse Canettis Beschreibungen von
Marrakesch.
Etwa eine Stunde später kommt Dominik, verschwitzt von der
steilen Treppe, welche vom Strand zum Platz über den Klippen hochführt, aber
mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Das Absaufen hatte insofern doch
noch seinen Sinn, dass er am Felsentor, was ja wirklich speziell ist, und
zudem nördlichen Wind benötigt, doch noch zum Fliegen gekommen
ist.
Wir bestellen beim Brothändler Brot für morgen. Er kommt mit dem Fahrrad
zwei mal am Tag von Sidi Ifni hierher, einmal um die Bestellung aufzunehmen
und dann am anderen Morgen, um zu liefern!
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Stellplatz: siehe 19.12.04
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21. Dezember 2004, Legzira
Waschen und Schleudern (hin und her...)
Wir frühstücken draussen, auch wenn es am morgen noch ziemlich
frisch ist. Doch die Sonne taucht um etwa halb neun hinter den Bergen auf und
wärmt dann schon bald alles angenehm auf. T-Shirt-Wetter! Und das im
Dezember, cool. So stellt man sich eigentlich das Überwintern im Süden
vor.
Wir nehmen die Matratzen heraus und stellen sie an die Sonne. An einer Stelle
hat es kleine Stockflecken gegeben und die wollen wir loswerden. Dominik
wäscht den Überzug und den Schaumstoff behandelt er mit einem
Bakterienspray. So, mehr können wir nicht tun. Heikel wird es bleiben, denn
von unten kommt schlicht zu wenig Luft an die Matratzen.
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Mit den Wanderstöcken baut er eine gute Wäschehänge und wir lassen auch die
andere Bettwäsche draussen, sodass sie gut durchlüftet werden. Mit einer
Wäschehänge fühlt man sich doch gleich ein wenig mehr daheim ;-).
Zorro vergnügt sich mit den anderen Hunden, wilden und nachbarlichen. Auch
ihn musste ich mit Chemie behandeln. Bei diesen Temperaturen scheinen sich
Zecken gut halten zu können und die fremden Hunde haben Flöhe.
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Während
ich die Fotos der letzten Tage bearbeite und das Journal nachtrage, geht
Dominik ans Felsentor um zu fliegen. Am späteren Nachmittag, als die Sonne
voll an den Strand scheint und die Ebbe den Strand breit macht, laufe ich mit
Zorro dem Meer entlang zum Felsentor. Wirklich eindrücklich! Zwei grosse Tore
sind kurz nacheinander. Früher gab es sogar ein Drittes, was inzwischen
jedoch zu ist. Die Steine sind runtergekommen...
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Als
ich im dritten Tor bzw. dem, was davon übriggeblieben ist, stehe und ein Foto versuche zu schiessen, macht es gleich
neben mir Platsch. Ein Stein ist runtergeflogen! Puah, etwa einen Meter neben
mir. Ich verlasse die Höhle so schnell ich kann und mein Herz schlägt bis zum
Hals. Einen Meter mehr rechts und der Stein wäre ... so eine poröse
Angelegenheit! Zurück unter dem ersten Tor schaue ich permanent nach oben und
je länger ich schaue umso mehr Steine sehe, die irgendwie nur darauf warten,
mir auf den Kopf zu fallen.
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So, mir reicht's, ich laufe zurück und geniesse die
tolle Abendstimmung unter freiem Himmel. Ein paar wenige Wolken verfärben sich rot und
violett,
während die Sonne sich langsam im Meer versenkt.
Dominik kommt einiges später. 2 3/4 Stunden ist er am Felsentor hin und her
und hin und her.... toplanden und dann wieder hin und her...
Da er mit Geris Astral fliegt, ist das eine gute Übung, um den Schirm besser
kennen zu lernen.
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Stellplatz: siehe 19.12.04
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22. Dezember 2004, Legzira
Sidi Ifnis Weihnachtsmänner - Wiedersehen mit Horst
Heute
schauen wir uns mal Sidi Ifni an, das Städtchen, welches etwa 10km südlich
von uns ebenfalls an der Küste liegt. Der Himmel ist bewölkt und darum wirkt
wohl auch diese Stadt nicht ausserordentlich freundlich auf uns. Dafür
praktisch. Es hat alles, was wir brauchen, kleine Büchsenshops, einen Marche
Municipal (Souk ist immer am Montag), Internet (Wäscherei? Vergessen
auszuchecken!). Man sieht und spürt den spanischen Einfluss, der ja hier noch
nicht so lange vorbei ist.
Grosse Überraschung und Freude als wir Horst treffen! Wir trinken einen
Münzentee zusammen und verabreden uns auf dem Stellplatz in Legzira.
Von Weihnachten würde man hier nichts merken, wenn da nicht so ein Mann durch
die Stadt laufen würde, der aufgeblasene Weihnachtsmänner verkauft!
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Dominik
und Horst spielen mit den Drachen, ich schreibe.
Später gehen wir den Strand
mal auf die rechte Seite erkunden. Die roten Schichtenfelsen, ausgewaschen von
der Brandung und dem Wind sind faszinierend. Was jeden Tag, immer wieder aufs
neue, schlicht herrlich ist, ist das Barfusslaufen auf dem breiten
Ebbenstrand, die tiefe Sonne im Gesicht. Ein Genuss und das, was ich unter
Seele baumeln lassen verstehe.
Wir laden Horst zum Abendessen ein, Dominik kocht ein leckeres Gemüseallerlei
mit Spagetti und Horst spendiert sein letztes Tetrapack spanischen Rosés.
Obwohl nicht gerade der Hit, schmeckt er doch mit jedem Schluck immer
besser!
Horst ist ja seit quasi immer auf Reisen. Er ist mit 62 Jahren immer noch fit,
gesundheitlich zwäg und ganz und gar nicht reisemüde. Er hat soviel gesehen
und weiss so viel von überall zu berichten. Da sind wir, verglichen mit ihm,
noch kaum aus dem Haus gekommen. Aber nun gut, wir haben ja auch erst
angefangen. Und Marokko ist eigentlich unser erstes "exotisches"
Land. Wirklich fremde neue Kultur, andere Religion, andere Sitten und anderer
Standard. Durchaus gewöhnungsbedürftig.
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Stellplatz: siehe 19.12.04
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23. Dezember 2004, Legzira
Regen - Hagel - Wind
Wieder einmal länger ausgeschlafen, da die Sonne sich hinter den
Wolken versteckt. Unser Brot hängt an der Türe, gut habe ich den Ausläufer gestern
schon bezahlt. Das ist doch richtiger Luxus: jeden Morgen frisches Fladen- und
Pariserbrot! Wir haben auf dem Markt auch reichlich Gemüse und Früchte
bekommen. Sogar Kiri-Käse, der wie mein heissgeliebtes Philadelphia ist (ja
ja, die Kommentare kann ich mir denken..). Aber wirklich, französischer Käse ist das, was
ich hier als einziges wirklich vermisse, ok, vielleicht noch den Wein und das Bier.
Doch beim Alkohol denke ich, schadet auch nichts, mal für eine bestimmte
Zeit, darauf zu verzichten. Wenn es dann hin und wieder bei Gelegenheit einen
Wein oder ein Bier gibt, ist es dafür auch etwas Besonderes.
Heute kämpft die Sonne mit den Wolken. Im Norden ist es schwarz und über uns
stehen (im Moment noch wenigstens) grosse weisse Kumulus.
Ein paar Stunden später regnet es und dann kommen sogar noch Hagelkörner
dazu! Und das auf Weihnachten! Alle Einheimischen hier sagen, es regnet
höchstens einen Tag, und morgen soll wieder schönstes Wetter sein. Wir
werden ja sehen. Immerhin wird es heute nicht kälter als 15° und das sind
doch etwa 25° mehr als momentan in der Schweiz, oder? ;-)
Egal, heute ist Stubenwetter, wir sitzen drin, plaudern mit Horst, schauen uns
seine mitgebrachten Heftli an und ich beantworte die Briefe, die ich erhalten
habe. Ein Update ist auch wieder fällig. Es wird uns also nicht langweilig.
Mit dem Mann (hab leider den Namen vergessen), der jeden Morgen das Brot
bringt und heute Nachmittag wieder kam, um die Bestellung aufzunehmen,
schwatzen wir auch lange. Er ist interessiert am Gleitschirmfliegen, surft
selber hier im Sommer, wenn er jeweils die Platzwache übernimmt. Als wir ihm
von der ersten marokkanischen Frau erzählen, die Gleitschirm fliegt und der
ersten Afghanischen, welche in einer Zeitschrift abgebildet ist, die wir grad
rumliegen haben, meint er, für Nichtverheiratete gehe das schon, aber für
eine verheiratete Frau wäre das unmöglich... und wenn überhaupt, dann
sowieso in weiten Hosen...
Der Wind bläst so heftig und prompt von einer Seite, wo er uns immer wieder
die Gasflammen ausmacht, dass wir das Womo umparkieren müssen. Die ehemals
rote Staub-Schotter-Erde ist zu einem nassen, rutschigen und schnell
ausgefahrenen Matsch geworden.
Horst zieht sich am Abend deutsches Radio rein und wir spielen wieder einmal
Rommé, und... , natürlich gewinne ich.... wie immer.
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Stellplatz: siehe 19.12.04
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