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Atlas 2005/3

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Reisebericht Marokko 2005-3

Über den Hohen Atlas und den Anti Atlas
 

11. Januar 2005, Legzira - Irgendwo S v. Tnine Tarsouale (ca. 20km S v. Tafraoute)
Auf geht's ins Landesinnere von Marokko! - Col du Kerdous
Wir verabschieden uns von Peter und Maria, fahren nach Sidi Ifni, um die Gasflasche zurückzugeben und dann geht's endlich los, Richtung Norden. In Tiznit machen wir einen Halt, um Geld und Tabak zu holen. Endlich kriege ich hier wieder einmal offenen Tabak, die Fortuna, die ich hier geraucht habe, sind viel zu stark und leichte hab ich nie finden können. Der Souk hier wäre auch ganz interessant, aber wir wollen weiter, wir können ja nicht jeden Markt anschauen. 

Die Fahrt hoch zum Pass "Col du Kerdous" ist eindrücklich. Als wir das letzte Mal hier runterfuhren begleitete uns ein Riesenschwarm Heuschrecken. Glücklichweise diesmal nicht. Dafür sind die Kontraste der Kulturterrassen stark, die zigfach in den Hang gearbeitet wurden.  
Am Col du Kerdous scheint der Startwind zu stimmen. Wir machen einen Spaziergang, Mittagspause und dann fliegt Dominik raus. Allerdings hält der Wind nicht was er verspricht. Schon nach wenigen Flugmetern merkt Dominik, dass es nicht hält. Die Aussicht, tief unten im Tal zu landen, lacht ihn offensichtlich nicht an und er landet gleich unter dem Pass auf der Strasse. Nur gut, dass der Lastwagen, der schnaufend hochfährt noch einiges entfernt ist. 
Ich hole ihn ab und wir legen den Schirm auf dem Parkplatz vom Hotel zusammen. Ganz raffen kann er es nicht. Obwohl der Wind eigentlich stimmt, hat das Fliegen ganz und gar nicht gestimmt. Na ja, was soll's. 
Wir suchen uns einen Platz für die Nacht und werden ca. 20km südlich von Tafraoute auf einem einsamen Hochplateau fündig. Mitten zwischen genutzten und ungenutzten Ackerfeldern stellen wir unser Womo hin. Ringsherum Acker, weit verstreut ein paar Häuser, ockerfarbene Berge, blauer Himmel, rote Erde.... so weit das Auge reicht. 

Zwei Mädels spazieren zu uns hin und Dominik fängt mit ihnen an zu reden. Sie scheinen Französisch zu verstehen, getrauen sich aber offenbar nicht, zu antworten. Auch als ich mich einmische, kichern sie immer noch scheu und reden in ihrer Sprache miteinander. Was sie sich wohl über uns erzählen? Vermutlich: ein Mann, der wie eine Frau aussieht und eine Frau, die wie ein Mann aussieht oder so ;-)
Stellplatz: von Tiznit Richtung Tafraoute, bei Ida Oussemlal rechts Richtung Izerbi, nach ca. 20km irgendwo auf der Hochebene links in eine Piste gefahren - feste Erde
Klima und Umgebung: sensationelle Weite, Berge in allen Ockerschattierungen
Infrastruktur: nada 
12. Januar 2005, Irgendwo S v. Tnine Tarsouale - Schlucht v. Ait Mansour (ca. 30km SO v. Tafraoute)
Heiss-kalte Palmenschlucht
In der Nacht wurde es beinahe 0°! Die Heizung läuft... Doch schon bald kommt die Sonne hervor und wärmt das Womo von aussen auf. Als wir rückwärts vom Platz wegfahren, versinken wir beinahe im vom Wasser aufgeweichten Boden. So ein Regen hier mitten auf dem Acker wäre ziemlich übel.
 
Wenige Autos kreuzen uns. Wir fahren vorbei am Abzweiger, wo wir vor vier Wochen zu den Blauen Felsen rausgefahren sind. Wenige Meter danach geht es rechts den Pass hinauf. Immer höher schlängelt sich die Strasse bis zur Passhöhe (1720m) um dann in langgezogenen Serpentinen wieder abwärts in die Schlucht zu führen.

Schon bald haben wir einen ersten tollen Blick auf den canyonartigen Eingang des Tales. 
Die Strasse ist asphaltiert, dafür eng. Aber es kommt uns auch kein Fahrzeug entgegen. Immer mehr hängen die Palmen in die Strasse hinein. Die Felswände rücken immer enger zusammen. Sie leuchten orange in der Sonne. Vor dem stahlblauen Himmel wirkt es einmalig. Wir fahren noch ein rechtes Stück weiter, obwohl die Asphaltstrasse sich langsam in eine Piste verwandelt. 

Wir schauen uns ein Dorf an, welches man vor lauter Palmen beinahe übersehen könnte. Kein Mensch lässt sich blicken, viele Häuser sind verfallen. Es wirkt alles ziemlich verlassen. Doch kaum sind wir wieder unterwegs tauchen doch noch Menschen auf. Immer mehr werden es jetzt. Ist also doch bewohnt, das Tal. Immerhin führt eine neu aussehende Stromleitung durch das Tal. 

Wir finden einen Ausstellplatz und beschliessen, die weitere Strecke zu Fuss zu erkunden. Mit dem Auto sieht man zuwenig und fährt, obwohl im Schritttempo, doch zu schnell. Der Platz ist hübsch, ein paar Meter weiter hinten schlängelt sich ein Wassersystem durch die Büsche und eine mindestens neunköpfige magere Hundefamilie kläfft uns entgegen. Ich stelle ihnen eingeweichtes Brot hin. Während wir draussen etwas essen, kommt eine alte Frau zu uns herangeschlurft und deutet auf unser Essen. Ich tünche mein Brot ins Amlu (Arganienöl mit gemahlenen Mandeln) und gebe es ihr, einen Kiri-Käse bekommt sie ebenfalls und auch eine Tomate nimmt sie mit, als sie sich wieder verabschiedet. Sie hat sich schlicht bedient an unserem Tisch. Schon ungewohnt. 
Als wir um eine Kurve biegen sehen wir, dass hier sämtliche Pflanzen verbrannt sind. Offenbar hat hier ein Feuer gewütet. Während wir weiter das Tal hinunter laufen, müssen wir feststellen, dass dem ganzen Tal entlang jede Palme angeschwärzt ist. Sie scheinen es aber überlebt zu haben. Oben spriesst frisches Grün heraus. Auch bei den Olivenbäumen und Oleandern spriesst schon frisches Grün aus dem Boden. Die schwarzen Stämme stehen im starken Kontrast zu den dahinterliegenden Felswänden. 
Beim nächsten Dorf wandern wir hinein. Ein grosser Friedhof liegt mitten zwischen den Häusern (oder Dorfhälften). Dominant steht ein schöner Marabout (Heiligtum) mitten im Friedhof. Das einzige Gebäude, welches hier weiss angemalt ist. Einige wenige Häuser sind in gelb und rot.  
Wir spazieren zur Moschee, von welcher vorhin der Muezzin gerufen hat. Die Türe ist offen und ein paar Jungs (sie scheinen Koranschüler zu sein), erlauben uns, hineinzugehen. Sogar ich darf hinein?! Wir ziehen unsere Schuhe aus und betrachten endlich einmal eine Moschee von innen. 

Sie ist noch neu und nicht ganz fertig. In einer Ecke liegen die Korantafeln, auf der anderen Seite ist die Nische für den Vorbeter (? oder so). Daneben hängt eine Uhr und das Mikro. Etliche Gebetsteppiche liegen davor, schön in Reih und Glied. Durch bunte Fenster kommt ein schummrig-schönes Licht hinein. Cool. Würde mir gefallen, hier zu beten. 
Wir wandern noch ein Stück weiter. Quer durch traumhaft schöne Oasen und dann wieder auf der Piste, welche nun rechts im Tal in einiger Höhe weiterführt und einen weiten Blick auf das Oasental ermöglicht. 

Die Berge ringsherum sind gemustert. Die urzeitliche Schichtenschieberei hat hier die Berge so gefurcht, wie wenn einer einen Gartenrechen darüber gezogen hätte.
Bei einem türkisblau bemahlten Haus, welches im Berberstil verziert ist und regelrecht vor den orangenen Bergen leuchtet, kehren wir um. 

Auf der Wanderung hatten wir alle möglichen Temperaturen, von ganz kalt (gefrorenes Gras und Pfützen) bis T-Shirt-heiss. Das Flussbett mäandert von einer Talseite zur anderen. Obwohl wir ziemlich weit gelaufen sind, haben wir uns nur wenige Kilometer Luftlinie vom Womo entfernt. 
Stellplatz: von Tafraoute Richtung Izerbi, nach ca. 7km links Richtung Tasserirt, weiter ca. 23km bis in die Schlucht hinein, es hat immer wieder Plätze links und rechts der Strasse - fester Sand
Klima und Umgebung: absolute Stille, Wanderung entlang der Strasse durch die Schlucht und hinauf zu verfallenen Dörfern
Infrastruktur: nada, kleiner Touristenstand in Ait Monsour, wo es auch Tajine auf Bestellung gibt
13. Januar 2005, Schlucht v. Ait Mansour - Rogers Bleus (ca. 10km SO v. Tafraoute)
Palmencanyon - Gerissene Leine
Es war -1° letzte Nacht! Puh, dieser Canyon hier ist ja a..kalt! Und die Sonne will und will nicht bis zu unserem Womo kommen. Hinten, vielleicht 5m entfernt ist sie schon eine ganze Weile, aber näher kommt sie nicht. Erst um 10 Uhr kann sie unser Womo aufheizen. Aber dann sind wir auch schon so weit, dass wir uns für eine Wanderung aufmachen. 

Wir steigen eine Treppe zum Dorf hinauf und weiter, an einer Antenne vorbei, bis wir ganz oben bei den Ruinen des früheren Dorfes Blick in beide Richtungen des Tales haben. Herrlich ist es. Schlicht zauberhaft! 
Gut erkennt man, wie das Tal mäandert, wie nur gerade unten die Palmen wachsen. Wie eine grüne Schlange zieht es sich durch den Canyon. 

Wir klettern wieder runter und spazieren der Piste entlang bis ins Dorf. Eine kläffende Hundemeute begrüsst uns nicht gerade freundlich. Aber ein Mann, der in der Nähe gearbeitet hat kommt sofort und bewirft sie mit Steinen. Nett, dass er uns hilft. Wir haben gemerkt, dass man sich bloss nach Steinen bücken muss und schonen rennen sie winselnd davon. 
Der Lehrer, den Dominik schon gestern angetroffen hat, kommt auch heute wieder nach draussen. Endlich einmal ein Einheimischer, mit dem man sich richtig und ausführlich unterhalten kann. Er erzählt uns unter anderem von der berberischen Schrift, der die Regierung seit kürzester Zeit einen Stellenwert eingeräumt hat. So lernen an einem Teil der Schulen die Kinder dreierlei Sprachen und Schriften: die lateinische, die arabische und die berberische. 

Die Kinder sitzen artig in den Bänken und lernen für den Semesterabschluss, der morgen sein soll. Während die einen interessiert mich anschauen, verstecken die anderen sich unter der Bank. Fotografieren ist hier immer heikel. 
Wir laufen bis zu dem kleinen Stand/Laden, der an der Strasse steht und bestellen uns einen Tee. Wir sitzen dort und versuchen diesen Ort zu erfassen. Schwierig... so dschungelartig wirkt es entlang der Strasse, die Häuser sind zum Teil hoch auf die Felsen gebaut. Es sind auch kaum Touristen da. Zwei Motorradfahrer überholen uns auf dem Rückweg, kommen aber schon bald wieder retour. Ist wohl zu holprig, die Strecke. 
Ein Erlebnis hier zu sein. Irgendwie erinnert es mich ans Glarnerland... ;-)
Wir fahren zurück, rauf auf den Pass und machen Mittagshalt, dort wo der erste Startplatz ist. Der Wind kommt zu sehr von der Seite. Schade, fliegen wäre hier schön. 
Ein bisschen weiter unten ist der zweite Startplatz. Wir klettern den Berg hinauf und hier stimmt der Wind. Dominik geht seinen Schirm holen. Bis er zurück ist, wird die Thermik immer stärker. Wir müssen noch ein wenig warten, bis sich das Ganze wieder beruhigt hat. Endlich passt es. Aber es ist ziemlich ruppig! 
Als Dominik zwei drei Runden gedreht hat, sieht er, dass es ihm eine Leine zerrissen hat. Glücklicherweise nur eine der Leinen, die nicht gar so wichtig sind. Er kann also gut weiter fliegen. Ich fahre hinunter und schaue ihm zu, wie er bei der Einfahrt zu den Blauen Steinen landet. 

Bei der Fahrt zu unserem alten Stellplatz kratze ich einmal ziemlich arg den Auspuff und die Nivellierstütze. Falsch ins Oued reingefahren! Das letzte Mal ging es besser. 

Wir stellen unser Womo zwischen die Felsen und finden es toll, wieder diesen Platz für uns zu haben. Es ist absolut windstill geworden und so lässt sich die Wüste erst richtig geniessen. 
Stellplatz: von Tafraoute Richtung Tiznit via Agauard Oudad, nach ca. 7km rechts bei beschilderter Einfahrt Piste über ca. 3km bis zu zwei grossen Felsen - Granitsand (mit einem längeren Womo wird man vorher schon sich irgendwo hinstellen, bis zu den Blauen Felsen ist es aber nicht mehr weit zu Fuss) 
Klima und Umgebung: Wüstentouch, grandioser Blick, absolute Ruhe, Spazier von 5 Min. zu den Blauen Felsen
Infrastruktur: nada
14. Januar 2005, Rogers Bleus 
Einmal rings um die blauen Steine
Während wir noch beim Frühstück draussen sitzen kommt einer der nachbarlichen Nomaden mit seinen Kamelen vorbei. Ich spendiere eine Zigarette, Kaffee mag er keinen. Er ist noch jung, auch wenn seine von der Sonne gegerbte Gesichtshaut ledrig wirkt. Es war seine Tochter, die wir, als wir das letzte Mal hier waren, fotografiert haben. Er stellt sich stolz hin, als ich ihn bitte, ein Foto von ihm machen zu dürfen. Es ist so schade, dass er so wenig Französisch spricht. Gerne hätten wir uns noch mehr mit ihm unterhalten. 
Meine Erkältung macht mir ziemlich zu schaffen. Trotzdem mag ich nicht den ganzen Tag drin sitzen bleiben. Also packen wir den Rucksack und wandern los. Eine grosse Runde rings um die blauen Steine. Der gut reiskorngrosse Granitsand knirscht laut in der Wüstenstille. 

Zig Fahrpisten queren das Gebiet hier. Offroaderspielplatz! Wir klettern auf die Kullerhügel und geniessen immer wieder schöne Sichten übers Land. 
Irgendwann nach dem Mittag kehren wir zurück. Ich lege mich für ein Stündchen hin. Die Stille ist grandios. Dominik repariert gerade die gerissene Leine seines Schirms als einer laut Hallo rufend den Weg entlang kommt. Zuerst denke ich, dass ist Horst, dann erkennen wir, dass es einer der Jungs ist, mit denen wir am Feuer in der Oase beim Fort Bou Jerif zusammen gesessen sind: Andreas und sein Hund Purzel. Kurzentschlossen geht Andreas sein Fahrzeug holen, welches wir unten bei den Felsen gesehen aber nicht erkannt haben. 
Wir setzen uns draussen hin und haben viel zu erzählen. Andreas fährt einen alten türkisfarbenen Borgward. Ein schönes Teil mit neuem Motor. Innen hat er ihn selber ausgebaut: Dusche, Toilette, Dachterrasse, Küche und halt alles, was es so braucht. Er ist zum dritten Mal schon in Marokko. Auch er kommt hierher um in erster Linie den heimatlichen Winter mit südlicher Wärme abzukürzen.

Heute Abend soll ein Feuer brennen! Doch leider hat es nicht so das passende Feuerholz hier. Die trockenen Dornenbüsche preisen sich als einzig brennbares Material an, sind aber nicht so einfach zu ergattern. Mit Handschuhen und Säge bewehrt, holzt Dominik einige der Äste ab, Andreas schleppt sie her und ich mache mit Steinen eine Feuerstelle. 
Andreas kocht für uns - wir sind ausgegessen, haben sozusagen nichts mehr da und sind deshalb nicht gerade unglücklich, über die Einladung. Und.. Andreas kocht sogar ausgesprochen gut. Wir lassen es uns in unserem Womo schmecken. 
Nachher gehen wir raus und zünden den trockenen Haufen an. Es zeigt sich allerdings schnell, dass das Dornengestrüpp zu locker ist, bzw. die Äste noch viel kleiner hätten geschnitten werden müssen. Wir haben aber kein passendes Werkzeug dazu. Das Feuer kommt trotzdem zu Stande und zeitweise brennt es herrlich schön. Immer wieder versuchen Dominik und Andreas die sperrigen Dornenäste mit ihren Füssen zu verdichten, was ziemlich heikel ist, denn man bleibt immer wieder daran hängen. 

Unsere nomadischen Nachbarn haben ebenfalls ein Feuer angemacht. Unter einem grossen Felsen sehen wir sie im Feuerlicht ringsherum stehen. Schaut ziemlich steinzeitlich aus. Ihr Feuer brennt deutlich besser als unseres. Obwohl.. hin und wieder, wenn ein Ast wieder Feuer gefangen hat, dann zündelt es ganz schön hoch. 
Stellplatz: siehe 13.01.05
15. Januar 2005, Rogers Bleus - Agadir Tasquent (ca. 40km NO v. Tafraoute)
Einkaufsbummel in Tafraoute - Kinderterror
Heute morgen weht ein heftiger Wind. Fliegen ist nicht drin und wir haben uns entschlossen, ein Stück Strecke gemeinsam zu fahren. Zuerst geht es nach Tafraoute, wo wir einkaufen wollen und ich meinen Brief Taib übergeben will. Nachdem wir die nötigen Lebensmittel beisammen hatten, zogen wir nochmals los, um eventuell eine Decke zu kaufen, die wir schon noch gegen die Kälte gebrauchen könnten. Aber einer dieser hässlichen Synthetikdecken, die es hier überall zu kaufen gibt, wollen wir nicht und eine schöne Decke, aus Kamelhaar finden wir nicht. Im Gegenteil, die Händler sind so närrisch, dass sie einen eher vertreiben als die Ware schmackhaft machen. 

Ich will mir ein paar Berberschuhe kaufen, diesmal geschlossene, in denen ich warm genug habe. Die roten Babuschs werden meine Hauspantoffeln. Handgenähte lassen sich aber keine finden, obwohl wir alle Läden, und es sind nicht wenige hier in Tafraoute, abklappern. Also kaufen wir uns, Andreas und ich, naturfarbene geleimte Babuschs. Bequem sind sie ja, auf Anhieb. Und teuer auch nicht: meine Geschlossenen bekomme ich für 70 DH (10 SFr.). An einem Gewürzstand kaufen wir uns Curry und Couscousgewürz. 
Eigentlich wollten wir uns an einer Garküche verpflegen, doch wir finden hier keine, weder mit den Augen noch mit den Nasen. Also landen wir in einem kleinen Restaurant, wo man uns nach grossem Bestelldebakel Salat und anschliessend superminikleine Hamburger mit Pommes serviert. Hat gut geschmeckt, war vielleicht genug wenig und auch nicht so billig. Aber egal, hat gut getan. 

Leider ist bei Taib niemand da. Den Brief kann ich aber dem Nachbarn abgeben. Während ich beim Womo auf dem grossen Platz neben der Moschee warte, findet Dominik jemanden, der uns mit wenig Aufwand eine simple Kurbel für unsere Sonnenstore herstellt, die wir ja in Legzira verloren hatten. 

Auf einmal kommt Houdra, die Tochter von Taib. Sie umarmt mich (!) und erzählt, dass Taib in Agadir sei und die Familie im Haus in Adida, wo wir auf unserer Trekkingtour übernachtet hatten. Sie ist ein schlaues Mädel. Ich staune, als ich bemerke, dass sie einem andern Mädchen, dass sich auf den freien Campingstuhl gesetzt hat, Zeichen gibt und ihr zu verstehen gibt, sie solle das nicht tun. 
Wir verlassen Tafraoute in Richtung Tizi Mill, den Pass, wo wir schon einmal übernachtet hatten. Und weiter geht es Richtung Agadir Tasquent, eine Sehenswürdigkeit auf der Strecke Richtung Taroudannt. Als wir in dem Dorf ankommen, wo der Abzweiger zu dem Agadir ist, kommt eine Schar Kinder herbeigerannt. Sie kleben gleich an der Scheibe und rufen laut durcheinander: stylo, bonbon, dirham usw. krass! Man kann kaum mehr denken, so laut und aufdringlich ist das Geschrei. 
Wir fahren auf der Piste weiter, haben aber das Gefühl, dass wir falsch sind. Also entscheiden wir uns, hier irgendwo einen Übernachtungsplatz zu suchen. Im nächsten kleinen Ort ist ein genügend grosser Platz. 

Es hat auch hier Kinder, die uns gleich umzingeln. Aber was soll's. Irgendwo müssen wir ja bleiben. Wir entscheiden uns, offensiv zu sein, packen uns in warme Kleider und machen einen Spaziergang durch das Dorf. Natürlich kommen alle Kinder und auch die jungen Mädels mit. Als ich in meinem Rucksack nach einem Taschentuch suche, reissen mir die Kinder die Taschentücher gleich aus der Hand. Ich bin schockiert. Der Gesichtsausdruck der Kinder, als sie sich erhofften, ich suche nach Bonbons oder sonst was für sie Verwertbarem! Innert Sekunden haben sie sich in Bestien verwandelt. Richtig aggressiv haben sie mir die Taschentücher zur Hand rausgerissen. Auch eine ältere Frau, die hinzukommt und die Kinder wegscheuchen will, hat in diesem Moment nichts erreicht. Genauso schnell, wie sie sich erregt haben, beruhigen sie sich aber auch wieder. Ich gehe weiter und brauche einen Moment, bis ich mich von diesem "Überfall" erhole. Sie zeukeln auch immer ärger Zorro. Inzwischen knurrt er die Kinder schon an und springt ihnen nach. Ich muss ihn immer wieder beruhigen. Na, das kommt so nicht gut. Wenn er nur einmal ein Kind schnappt, dann macht er das vielleicht immer wieder und das will nicht. Also, ich kehre so schnell als möglich ins Womo zurück. Dominik und Andreas flirten mit den Mädels, die sich, da sie eine ganze Schar sind, doch getrauen, mit ihnen zu reden, wenn auch das Französisch sich in Grenzen hält. 

Ziemlich erledigt von dem Ansturm setzen wir uns zusammen ins Womo und essen zu Abend. Andreas ist solchen Situationen bis jetzt immer ausgewichen. Es ist für uns alle das erste Mal, dass wir so aggressiv-neugierigen Kindern begegnen. Gehört haben wir schon davon, doch jetzt erleben wir es auch. Und es ist ziemlich krass. Es ist auch schwierig zu verstehen. Und ich bin halt nun mal so, dass mich Dinge, die ich nicht verstehe, nicht in Ruhe lassen. Wir reden noch lange darüber, um es "verdauen" zu können. Irgendwann sind sie dann auch verschwunden und wir haben unsere Ruhe. Die windige Kälte bleibt aber. 
Stellplatz: von Tafraoute Richtung Igherm, bei Tiguermine links in die Schotterpiste abzweigen, nach ca. 3km kommt kleines Dorf - Schotter (besser aber weiterfahren bis zum übernächsten Dorf, weitere 3km)
Klima und Umgebung: neugierige, bettelnde Kinder, ca. 3km Wanderung bis zum Agadir Tasquent, schöne Bergsicht
Infrastruktur: nada
16. Januar 2005, Agadir Tasquent - Taroudannt (ca. 80km O v. Agadir)
Geschlossener Agadir - Kalte Bergwelt - tuckerwütiges Ich
Die Kinder sind natürlich schon vor uns wieder auf. Zwar nicht mehr so viele wie gestern, aber die paar Jungs, die am frechsten sind, sitzen rings um das Womo. Ich muss mit Zorro raus und einen kleinen Spaziergang machen. Der Wind treibt mir die Tränen in die Augen und den Schnudder zur Nase raus. Ich wickle mir den Schal um den Kopf. So kann ich den Wind abwehren und auch mehr von mir bewahren, fühle mich weniger ausgesetzt. Aha, so ein Schleier hat schon seinen Vorteil, merke ich. Zorro lassen sie mehr oder weniger in Ruhe und er kann seine Geschäfte in Ruhe erledigen. 

Wir brechen bald auf und fahren die Piste noch ca. 3km weiter bis zum letzten Dorf vor dem Agadir. Hier lassen wir das Womo stehen und fahren mit Andreas im Borgward weiter. Cool, so hoch oben. Aber die Strasse schüttelt uns kräftig durch. Mit dem Womo wäre das nicht mehr so lustig. Zorro sitzt auf meinem Schoss und schaut mich fragend an? Ob er wohl denkt, dass er ab jetzt immer so reisen wird müssen?
Der Wind ist so krass kalt, dass wir uns mehr den Weg zum Agadir hoch kämpfen als laufen. Was ich befürchtet habe, tritt dann auch ein. Die Mädels, die uns vorausgelaufen sind und die auch das Schloss zur ersten Türe aufmachen konnte, haben keinen Schlüssel für die grosse eigentliche Türe. 
Der Schlüsselmeister ist nicht hier. Das Schloss an der Holztüre ist mehrfach gesichert und sieht ja toll aus. Lieber würde ich es aber offen sehen! Aus den Erklärungen der Kinder wird nicht klar, ob der Schlüsselmeister im nächsten Dorf ist oder heute einfach nicht da. Egal, auf alle Fälle werden wir leider darauf verzichten müssen, diesen grossen schönen Agadir von innen anschauen zu können. 
Der Wind verleidet einen aber auch alles. Man kann kaum die eigentlich schöne Gegend geniessen, so nagelt es. Die Kinder hier lassen sich davon aber nicht so sehr beeindrucken.  
Wir durchfahren die einsame, kahle aber auch eindrückliche Landschaft des Antiatlas in Richtung Taroudannt. Hier wächst nichts mehr, weder Büsche noch Kakteen. Es ist nur für das Auge eine Weide. 
Vom letzten Pass vor dem Sousstal hat man einen herrlichen Blick auf den Hohen Atlas, der teilweise mit Schnee bedeckt ist. 
Kurz vor Taroudannt stellen wir unsere Autos mitten im Oued Souss ins Geröll.

Hier unten herrschen wieder humane Temperaturen. Wir bauen eine kleine Wagenburg und ziehen uns die Wärme rein. 

Es ist föhnig. Über dem Hohen Atlas türmen sich dreischichtige Föhnwolken. Eine echte Wetterschranke, dieser Atlas! 
Es geht nicht lange und schon sind wir wieder umringt von Kindern. Zuerst zwei, drei, mit einem Esel, dann immer mehr und mehr. Irgendwann ist es nicht mehr lustig und sie werden auch immer frecher. Da kommt Andreas mit seinem Tucker (Postichpistole) raus und sagt so im Spass, na, das würde helfen. Er schiesst auf die Plache und zeigt den Kindern, wie  das Ding wirkt. Ich erschrecke und sage, das habe er ja wohl nicht wirklich vor. Er lacht mich aus. Aber ihr glaubt es nicht, wer ein paar Minuten später mit dem Tucker in der Hand den Kindern hinterher rennt und sie in die Büsche jagt, bin ich! Ja, wirklich wahr. So frech die sind, kann ich auch sein. So entschlossen wie ich denen hinterher bin so schnell sind die abgezischt und sie haben sich auch nicht mehr hergetraut. Ob sie sich wohl später rächen kommen? 
Andreas lässt eine lustige Alcapella laufen und kocht uns das "schnellste Huhn der Welt", welches wir in Tafraoute gekauft haben (schnelles Huhn, weil es schnell gemacht ist). Es wird superlecker, ich glaube, er hat eine halbe Flasche Wermut dafür verwendet! Gemütlich sitzen wir in seinem Borgward und lassen uns von seinen Kochkünsten verwöhnen.

Purzel und Zorro kommen gut miteinander aus. Purzel ist zwar nicht gerade ein Fan von Zorro, aber immerhin duldet er ihn, sogar in seinem eigenen Reich. 
Stellplatz: im Oued Souss, ca. 10km vor Taroudannt - Geröll
Klima und Umgebung: neugierige Kinder vom Dorf, Nähe Abfalldeponie
Infrastruktur: nada, grosser Handelsort Taroudannt nicht weit entfernt
17. Januar 2005, Taroudannt - Tachguelte, südliche Passstrasse Tiz'n Test (ca.7km S v. Pass Tiz'n Test)
Souk von Taroudannt - Abseits der Passstrasse
Wir wachen auf und geniessen immer noch die Talwärme. So schnell werden wir nicht wieder in den Bergen übernachten, oder? 

Wir durchqueren den Oued Souss und zweigen in die Hauptstrasse Richtung Taroudannt. Wow, hier herrscht Verkehr. Jede Menge Laster, Taxis, Töfflis und Fahrräder. Ganz ungewohnt nach der Passstrasse, die wir fast für uns alleine hatten. In Taroudannt stellen wir unsere Vehikel in der Nähe der Innenstadt ab und spazieren rein. Irgendwo biegt man rechts in eine Gasse ab und schwupp ist man drin im Souk. 

Überquellende Läden reihen sich aneinander. Händler stehen da und preisen ihre Ware an, hin und wieder heisst es, "nur schauen, ganz billig, billigpreis, nur zwei minuten usw." Die sechs Wochen, die wir in Marokko sind haben uns gelernt, gar nicht erst hinzuhören und so merken sie auch schnell, dass wir immun gegen diese Anmache sind. Das Ignorieren von unerwünschtem Verhalten ist immer noch die beste Lösung, scheint mir. Wenn mich etwas wirklich interessiert, dann frage ich und lasse mich auch nicht beirren durch all das andere Gequatsche. Es macht sogar richtig Spass, selbstbewusst durch das Angebot zu laufen, zu schauen und zu handeln. Viel kaufen wir ja sowieso nicht: Datteln, eine Flasche Arganienöl, CDs zum Brennen und an einem Stand frisch gepressten (vor unseren Augen aufgeschnitten, geschält und gepresst) Orangen- bzw. Grapefruitsaft für 50 Rp. das Glas. 
Müde vom Trubel kehren wir zurück und fahren gemeinsam weiter Richtung Pass Tiz'n Test, der noch weiter nach Marrakesch führt. Dominik und ich wollen zwar weiter nach Zagora, aber für die Übernachtung wäre es schön, ein wenig am Hang zu stehen. Also fahren wir mit Andreas den Pass hinauf auf der Suche nach einem geeigneten Platz. So einfach ist das allerdings nicht. 

Vor uns fährt einer dieser Sammeltaxis, welche vollgeladen mit Leuten sind, bunte Karren mit noch bunteren Menschen darauf. 

Endlich finden wir eine Piste, die weg von der Passstrasse führt. Es geht noch einige Kilometer weiter und wir denken schon, nein, das bringt's nicht, als wir endlich ein Stück Schotterweg finden, dass weg von der einspurigen schmalen Piste runter ins Bachbett führt und Platz genug für unsere zwei mobilen Häuser bietet. 

Wir stellen unsere Stühle und den Tisch raus, machen einen Espresso und geniessen es immer noch, die Wärme und die Sonne... 
Als ich den Hang hinter uns hochklettere, stelle ich fest, dass hier oben die schönsten Olivenhaine stehen, lauter kleine Acker in Terrassen mit frischem Grün und locker verteilte Olivenbäume. Eine harmonische Landschaft. 

Später suchen wir Brennholz für heute Abend. Die dörren Büsche dürften gut brennen, wenn auch schnell. Richtig gutes grösseres Brennholz gibt es hier nicht, also suchen wir kesselweise die kleinen Hölzer, die im Bachbett liegen zusammen. Dominik beauftragt sogar noch zwei Jungs, die rumlümmeln, gegen kleines Entgeld Holz zu sammeln, was sie auch (wenigstens anfangs) eifrig tun. 

Allerdings stellen wir dann später fest, als wir beim Abendessen sitzen, dass sie sich selbst auch ein Feuer gemacht haben und einen Teil der von uns gesammelten Büsche für das ihrige verwenden. Da es aber dunkel ist, sind wir uns darüber erst sicher, als wir selbst am Feuern sind. Diese Marokkis! 

Stellplatz: Auf der Passstrasse zum Tiz'n Test, ca. 10km nach dem Abzweiger von P32, rechts auf Piste abzweigen, weiter bis ca. 2km nach einem sehr kleinen Ort ins Bachbett reinfahren - Geröll, Sand
Klima und Umgebung: absolute Stille, Wanderung durch das Oued und hinauf zu den Olivenhainen
Infrastruktur: nada
18. Januar 2005, Tachguelte - Idni, nördliche Passstrasse Tiz'n Test (ca. 25km NO v. Pass  Tiz'n Test)
Tiz'n Test

Wir nehmen den Tiz'n Test in Angriff. 
Ein relativ gute und auch nicht zu steile Strasse führt auf den 2100m hohen Pass, der nach Marrakesch führt. 
Tief sieht man die Hänge hinab. Manchmal kleben Dörfer an den Hängen, immer in den gleichen Farben wie der sie umgebende Felsen, sei es lehmbraun oder -rot. Zig Eselspfade führen vom und zum Dorf. Grüne Gärten liegen unterhalb der Dörfer, welche so weit ab jeder richtigen Strasse und all der Durchreisenden sind. 
Vom Pass aus machen wir eine Wanderung hoch zu den Antennen. Es ist eine richtige Panoramastrecke. Die Aussicht in die südlich auslaufenden Berghänge des Hohen Atlas hinunter bis zur Soussebene ist fantastisch. 
Auch der Blick Richtung Norden an die schneebedeckten Spitzen der Berge ist grossartig. Hier oben spürt man richtig gut, was eine Wetterscheide ist. 
Als wir am obersten Punkt ankommen und um die Hütte laufen... der Muezzin ruft im Tal gerade zum Gebet... da stolpere ich beinahe über einen Betenden. Die Herren haben ihn noch gar nicht bemerkt und referieren über... na was weiss ich, den Schnee, z.B. während ich die Gelegenheit nutze und diesen Kontrast in einem zweidimensionalen Akt festhalte. 


Zurück beim Pass wollen wir noch ein Stück ins Tal hinunter fahren. Gerade als wir losfahren, stoppt ein Mann Andreas. Wir stehen mit dem Womo hinter ihm und sehen, dass der Mann ein christliches Holzkreuz in den Händen hält und sicherlich Europäer ist. Wir fragen uns schon, was das soll, ob hier einer verunglückt ist oder was? Als Andreas dann aber weiterfährt sehen wir den Bus, der dem Mann gehört, mit seinem Kumpel drin, sehen all den christlichen Schnickschnack auf dem Armaturenbrett und es wird sonnenklar: das sind Missionare! Ich kann es kaum glauben, christliche Missionare hier in Marokko!? Himmel, jeder braucht so seine Aufgabe, was! Später erzählt uns Andreas, dass sie quasi direkt von Island her kämen! Auf den Ausdrucken, die sie Andreas überreicht haben wird aufreisserisch vom kommenden Ende gewarnt. Die 666 als Zahl des Teufels lässt sich überall finden. Eine Decodierung der Buchstaben soll aufzeigen, dass man das Wort Luziefier (wirklich so geschrieben!) in 666 umwandeln kann. Auch Computer lässt sich in die gleiche Zahl verwandeln. Und, wir lachen uns halb schräg, sogar Wohnmobil ergibt 666. Es ist voll krass, was alles geschrieben steht. Sie haben sich wild alles zusammengesucht, was irgendwie mit dieser Zahl zusammenhängt, seien es Kreditkarten-, Bank- oder Telefonnummern. Alles ein Beweis für die bereits existente Unterjochung des Teufels. Ein anderer Artikel erzählt von der Hölle, die in Sibirien gefunden wurde. Bei Bohrungen bis zu 16km Tiefe wurden Stimmen von Millionen von Menschen gehört usw.! Zum Todlachen, und damit fahren diese Missionare durch die Welt und sehen ihre Aufgabe darin, die Menschen zu warnen. Unglaublich. 
Leider ist die Sonne schon weg, als wir das Tal Richtung Asni bzw. Marrakesch runter fahren. Die Felsen sind hier dunkelrot, immer mehr Bäume, wohl Zedern und andere Fichtenbäume wachsen hier. Auch Laubbäume wie Kastanien und den Johannisbrotbaum sehen wir immer öfter. Die Mischung des Felsens in den Farben zieht sich manchmal wie Zebrastreifen einen Hang entlang. Scharf sieht das aus und es reut mich, dass die fehlende Sonne das Festhalten in Pixel verunmöglicht.  

In Idni, dem Schneebarrieren-Ort (dort schliessen sie die Strasse, wenn Lawinengefahr droht oder die Strassen noch nicht frei sind) stellen wir unsere Autos bei verfallenen Häusern, sogar einem Restaurant Alpina, ab. Ein Feuer werden wir heute nicht mehr machen, dafür sind wir zu müde. 
Stellplatz: vom Pass Tiz'n Test Richtung Marrakesch, nach ca. 25km kommt ein Fünf-Häuser-Dorf - feste Erde
Klima und Umgebung: Blick auf Schneeberge und hinunter in ein Frühlingstal
Infrastruktur: kleines Café-Restaurant
19. Januar 2005, Idni - Aouzzer (ca. 20km W v. Asni  bzw. 50km S v. Marrakesch)
Blühende Kirschen - Schlucht Richtung Marrakesch

Es ist herrlich mild heute, obwohl man den Schnee riechen kann. Es fühlt sich heimatlich frühlingshaft an. 

Wir fahren die Passstrasse weiter hinab. Sie führt immer rechts im Tal entlang.  Das Flussbett führt ungewohnt viel Wasser. Doch soviel wie der ganze Canyon breit ist, ist wohl schon seit Ewigkeiten nicht mehr geflossen. Dafür sind in den Kurven üppig grüne Beete angelegt. Auch blühende Kirschbäume sehen wir! Je weiter es im Tal hinab geht, um so häufiger sind sie zu sehen. 
Die Moschee Tin Mal, welche linkerhand auftaucht, wollen wir uns anschauen. Es ist ein eindrückliches Bauwerk, welches vor ein paar Jahren von Stuttgarter Architekten renoviert wurde. Da es Museumscharakter hat, dürfen wir Touristen diese Moschee von innen anschauen. 
Ein Führer lässt uns rein. Der grössere Teil ist ungedeckt und lässt das Tageslicht herein. Die zig Rundbögen sehen toll aus, der grosse Bau ist recht eindrücklich. 
In einem Ort machen wir Halt, um etwas Gemüse und Brot zu kaufen. Hier hat es jede Menge Garküchen, die Gelegenheit! Da Andreas Magenprobleme hat, fährt er schon mal weiter, während wir uns Leberspiesse einverleiben. Wir riechen zwar hinterher wie geräucherter Schinken, dafür sind wir satt und haben wieder einmal Fleisch gegessen. 

Eigentlich wollten wir im nächsten Dorf tanken, doch die Tankstelle haben wir irgendwie verpasst. Der Abzweiger Richtung Amizmiz kommt und da wir mit Andreas abgemacht haben, uns auf dieser Bergstrecke irgendwo wieder zu treffen, biegen auch wir hier ab. Obwohl, unser Tank ist beinahe leer und bis Amizmiz, wo die nächste Tankstelle ist, könnte es knapp werden. Nun gut, wir wären ja nicht alleine und Andreas hat ja ziemlich sicher sogar eine Reserve dabei. 

Andreas treffen wir schon kurze Zeit später und weiter geht es gemeinsam den nächsten Berg hoch. Die Strecke, die wir jetzt fahren ist ein Abstecher nach Aguergou, wo ein Fluggebiet sein soll. Die Gegend hier ist wieder einmal genial schön. Nach dem trockenen Süden, den endlosen Steinwüsten wirkt ein grünes Tal und überhaupt Bäume ziemlich eindrücklich auf uns. 
Allzu weit möchte ich heute nicht mehr fahren. Darum stellen wir unser Auto als wir wieder im Tal unten sind, auf einen ebenen Stellplatz. Unter uns geht der Fluss vorbei, Frauen waschen ihre Wäsche im Fluss und legen die Kleider zum Trocknen auf die Büsche. 

Es geht nicht lange und die Kinder vom Dorf (hab nicht einmal gescheckt, dass nachher ein Dorf kommt) kommen nach und nach zu uns. Zum Teil sind sie wieder ganz schön frech und je mehr es werden umso frecher werden sie auch. Wir beschliessen zum Fluss hinunter zu spazieren und ich muss ganz schön energisch mit den Kindern reden, dass sie Zorro endlich in Ruhe lassen. 
Aber auch im Dorf, dass wir uns ansehen wollen, verfolgt uns bald eine ganze Kinderschar. Die Erwachsenen grüssen uns freundlich. Es kommt aber keinem in den Sinn, dass die Kinder uns vielleicht zu lästig werden könnten. Als ein Mädel Zorro einen Stein anwirft, so dass er aufjault und hinkt, renne ich ihr nach und halte sie fest. Sie kreischt und ich mache ihr klar, dass es Mist ist, was sie hier tut. Sie weiss nicht, soll sie schreien oder lachen. Ein Erwachsener, der in der Nähe stand, kommt dann doch noch und redet auf die Kinder bzw. wilden Bestien ein. Wir kehren zurück und sind ziemlich erledigt. Das war wohl das letzte Mal, dass ich mit Hund durch ein Dorf laufe.  

Die Jugendlichen und Kinder spielen Fussball auf dem Fels, welches in unserer Nähe ist. Als die ganz Kleinen wieder zu blöd tun, mischt sich ein älterer Junge ein und wirft sogar mit Steinen nach den Kleinen, bis sie kapieren, dass sie uns in Ruhe lassen sollen. Wird hier denn alles mit Steinewerfen geregelt? 
Wir essen zusammen zu Abend - sind aber ziemlich müde und irgendwie ausgebrannt. Ich glaube, ich bräuchte mal einen ganzen Tag lange Ruhe, d.h. kein Autofahren und keine Kinder... puh. 
Stellplatz: von Ouirgane nach Amizmiz, nach dem Pass ins Tal hinunter, linkerhand Fussballplatz - fester Sand
Klima und Umgebung: lästige Kinder vom nachfolgendem Dorf - wunderschöner Flusslauf
Infrastruktur: nada, evt. das Wichtigste im Dorf
20. Januar 2005, Aouzzer - Lalla Takerkoust (ca. 40km S v. Marrakesch)
Holpertipolter rauf zum Startplatz in Aguergou

Von Aouzzer fahren wir durch eine grüne Landschaft. Der Hohe Atlas liegt hinter uns. Wir sind hier etwa auf 1000m, doch die Luft ist mild. Es ist Frühling, wir sehen immer mehr Grün und blühende Bäume. 
Wir fahren bis nach Amizmiz, wo wir im Souk einkaufen und endlich auch tanken können. Schönes Gemüse haben sie hier nicht. Der Ort wirkt überhaupt puffig, überfüllt und dreckig. Ausser die Hühner, die nackt und ohne Kopf an den Ständen hängen machen einen guten Eindruck. 
Beim Stausee, in Lalla Takerkoust suchen wir vergeblich nach einem Zugang zum See. Alle befahrbaren Pisten, die von der Strecke nach Agergou abgehen sind mit Ketten versperrt. 

Da wir schon ein rechtes Stück gefahren sind, beschliessen wir, gleich weiter bis nach Agergou zu fahren, wo ein Fluggebiet sein soll. Die Bergkette sieht man schon von weitem und es scheint, wie wenn der Wind stimmt. Unten angekommen sehen wir ein Haus mit Windsack. Chez Ahmed (Achmed) steht bei der Türe. Leider ist er nicht da. Die Arbeiter, die am Haus bauen, erklären, dass er im Souk ist und erst später kommt, wir aber die Autos hier stehen lassen können. Einer bringt uns sogar ein Glas Tee. Ah, tut das gut. Wir fühlen uns willkommen. 

Wir sehen, dass ein Tandem am Fliegen ist. Sie landen kurze Zeit später vor dem Haus, wo auch der offizielle Landeplatz ist. Die beiden Franzosen mit dem Tandem fragen, ob sie mit uns hinauffahren dürfen, ihr Mietauto steht oben. 

Das Womo lassen wir stehen und fahren alle zusammen mit dem Borgward nach oben. Ich und Dominik mit Andreas am Steuer vorne, die Franzosen hinten drin. Purzel, Andreas Hund und mein Zorro ebenfalls hinten im Körbchen. Es schüttelt uns ganz schön durch, die Strasse ist in einem miserablen Zustand. Nur gut, dass ich mein Womo hab stehen lassen. 

Ganz oben steht das Haus von dem Partner von Ahmed. Er lädt uns zum Tee ein und zeigt uns das Haus, welches mehr als 22 Betten hat, um Piloten und sonstige Gäste aufzunehmen. Natürlich würde er uns gerne zum Abendessen hier haben, aber wir mögen uns noch nicht entschliessen, was wir schlussendlich tun. Erstmal geht es noch zu Fuss weiter hoch zum Startplatz. Dominik und die Franzosen sind schon los und ich spaziere gemütlich mit Andreas und den Hunden hinterher. Der Blick von hier oben ist wieder einmal fantastisch. Vor uns liegt eine weite Ebene mit tausend Hügeln, die sich im Abendlicht wellenartig abzeichnen. 
Hinter uns liegt majestätisch die langgezogene und schneebedeckte Kette des Hohen Atlas. Der höchste Berg von Marokko, der Toubkal, mit 4167m kann man kaum ausmachen, denn die ganze Kette ist auf ähnlicher Höhe. Auf dem Foto müsste es die Bergspitze in der Mitte sein.  
Dominik fliegt nach den Franzosen raus. Der Wind kommt aber seitwärts und es lässt sich nicht lange oben bleiben. Immerhin, es reichte für einen 15-Minuten-Flug. Andreas und ich spazieren wieder hinunter, erwehren uns des Hauspatrons und schaukeln dann über die Piste talwärts. 

Die Hunde sitzen zusammen in Purzels Kiste und schauen uns ziemlich vorwurfsvoll an, während wir alle wieder arg durchgeschüttelt werden. 

Die Kinder vom Dorf oben sind so dreist und halten sich hinten am Borgward fest während wir durch die Gassen tuckern. Muss für sie ein Riesenspass sein, für uns nicht gerade. Nicht auszudenken, was wäre, wenn etwas passieren würde. 

Dominik hat den Schirm schon zusammengelegt, als wir unten ankommen. Er ist irgendwie erschöpft, hatte auch wieder Fast-Dünnpfiff. Wir beschliessen, zum See zu fahren und uns dort einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Dank der Beschreibung eines gut französisch sprechenden und offroadfahrenden Touristenführers finden wir den Zugang zum See und stellen unsere mobilen Häuser auf ein Plateau über dem See mit schönem Panoramablick in die Berge. Wenn der Platz auch nicht sehr romantisch ist, um sich auszuruhen reicht es. 

Andreas kocht uns Pasta mit Gemüse. Doch Dominik legt sich frühzeitig und ohne Abendessen ins Bett. Er hat Fieber. Hoffentlich ist das bis morgen wieder besser. Andreas und ich spielen Scrabble, bis auch wir um 23 Uhr Feierabend machen. 
Stellplatz: von Marrakesch herkommend, in Lalla Takerkoust, ca. 200m nach der Brücke, in einer Rechtskurve, links in einspurige Asphaltstrasse abbiegen. Ab ca. 500 führen links Schotterpisten zu Campingplätzen - Schotter
Klima und Umgebung: schönes Panorama, Spaziergänge dem See entlang, evt. Baden im See
Infrastruktur: nada
21. Januar 2005, Lalla Takerkoust 
Rumhängen

Dominik geht es wieder besser. Aber es passt schon, dass wir heute hier rumlümmeln und uns ausruhen.

Dummerweise  sehen wir von unserem Stellplatz aus, dass sie fliegen. Und wie sie fliegen! Einiges überhöht! Am nächsten Tag werden wir erfahren, dass der eine auf 2400m Höhe gekommen ist! 

Andreas pflegt seinen Borgward. In Monteurkluft liegt er sich unter sein geliebtes Teil und verbringt einige Stunden mit Schrauben, Ölen, Kontrollieren usw. Der Borgward ist ja mit Jahrgang 60 nicht mehr der Jüngste. 1986 hat ihn Andreas günstig erstanden und nach seinen Wünschen umgebaut. Das "Haus" hat er gedreht, Fenster und Türen selbst eingebaut. Alles Interieur ist von seiner Hand geplant und umgesetzt. 
Auf unserem Abendspaziergang präsentiert sich die Gegend von der schönsten Seite. Der Stausee ist zwar nicht sehr gross, aber er hat viele Buchten und die Bäume, die man ringsherum gepflanzt hat, haben jede Menge Picnic-Plätze entstehen lassen. 
Auf dem Weg zurück laufen wir bei einem Restaurant vorbei. Jede Menge Berberzelte sind an der Seite aufgebaut. Heute morgen habe ich hier eine Riesenmannschaft Spanier gesehen, die mit rund 20 Offroadwagen schon gestern Abend hier gelandet sind, gefestet und am Morgen grosse Animation veranstaltet haben. Wir haben sie bis zu unserem Platz gehört. Nun sind sie alle wieder weg und wir nutzen die verlassene Anlage, um sie zu besichtigen. Zwei Wärter laden uns zum Tee ein und zeigen uns gleich auch noch die Duschen und Toiletten. Schön sind hier die Berberzelte, in welchen gegessen und geschwatzt wird, eingerichtet. Mit Teppichen direkt auf dem sandigen Boden, hohen Betten/Sofas und dicken Kissen, alles in den prächtigsten Farben. Darüber ist das dunkelbraune gewebte Berberzelt gespannt. Mit Holzstickeln wird es in die Höhe gehoben und ringsherum an den Seiten mit Bändern am Boden festgezurrt. Mit Holzstäbchen ziehen sie die ebenfalls gewebten Bänder noch fester an. Alles ist aus natürlichem Material. Eindrücklich. Gerne würde ich einmal ein solches Zelt für mich haben. Die ganze Ambiente darunter spricht mich sehr an... Nomadenleben...
Stellplatz: siehe 20.01.05
22. Januar 2005, Lalla Takerkoust - Aguergou (ca. 50km S v. Marrakesch, bzw. 10km SO v. Lalla Takerkoust)
Abschied von Andreas - Endlich wieder einmal fliegen

So, heute ist der Tag, wo wir uns von Andreas verabschieden. Er wird noch Wäsche waschen und dann Richtung Heimat fahren. Er denkt, in etwa einer Woche wieder zu Hause zu sein, wo ihn ein hübsches Haus und ein Job erwartet.
 
Wir haben den Himmel beobachtet und bei den vielen Schäfchenwolken gedacht, dass wir nach Marrakesch fahren. Doch der Himmel hellt sich schon bald auf und darum fahren wir noch einmal nach Agergou. Dominik will sich hier fliegerisch austoben. 

Wir verabschieden uns von Andreas. Eine Woche sind wir zusammen gereist. Es war schön und gut. Auch wenn es insgesamt anstrengender ist, sich mit noch jemandem zu koordinieren und Entscheidungen zu Dritt zu Treffen, so bringt es aber auch Abwechslung von der Zweisamkeit und interessante Gespräche. Auch fühlt man sich stärker zu Dritt und dies ist an Orten, wo z.B. die Kinder nur auf ein "Opfer" warten schon angenehmer. Andreas mit seinem Purzel wird uns als lieber Reisekumpan mit coolem Borgward und exzellenter Küche in Erinnerung bleiben. 

In Lalla Takerkoust wollte ich eigentlich Toilettenpapier, Bouillon und UP-Milch einkaufen. Doch keines von den drei Dingen erhalte ich... 
Beim Landeplatz stellen wir das Womo hin (macht sich übrigens gut neben dem kasbahähnlichen Haus von Ahmed). 
Das Franzosenpaar aus Fez ist ebenfalls wieder hier. Sie nehmen Dominik mit nach oben. Ich schreibe in herrlicher Ruhe und ohne AK's (gemeiner- aber auch treffenderweise hat irgendjemand den hier lästigen Kindern diesen Titel verpasst und nun bleibt er hängen...) an meinem Tagebuch, lese und schaue ab und zu den Piloten zu, die oben am Berg hin und her soaren. 

Dominik landet wieder einmal vor dem Womo, sprich Haus. Gediegen. 
Bei Ahmed haben wir Couscous bestellt. Zusammen mit zwei Franzosenpaaren, welche als Lehrer in Marokko arbeiten und noch einem Paar, welche ursprünglich Italienisch/Chinesisch waren, aber hier seit 25 Jahren leben und eingebürgert sind, essen wir in der Küche an einem runden niedrigen Tisch eine Riesenschüssel superleckeres Couscous. 

Sie bestätigen, was uns eigentlich klar war: die Schere zwischen arm und reich ist riesig hier in Marokko. Sie als Lehrer sind irgendwo dazwischen, gehören weder zu den einen noch zu den anderen. So bleiben sie mehrheitlich für sich. Auch unter den Arbeitskollegen finden sie kaum Gleichgesinnte. Sie, die sportinteressiert, biken, surfen und fliegen wollen, bleiben mit diesen Interessen alleine. Was wohl zählt, ist, dass sie von Frankreich den Lohn beziehen und mit diesem Salär und den hiesigen Lebenskosten sich einiges mehr ersparen können als im Heimatland. Sie scheinen aber auch sonst nicht sehr an Frankreich zu hängen. 
Das also, was wir hier vermissen, nämlich Kontakte auf gleicher Ebene schliessen zu können, auf Gleichgesinnte zu treffen, den Humor auf der gleichen Welle zu haben, ist nicht nur von uns nicht zu finden. Es existiert schlicht nicht oder nur sehr rar. 
Stellplatz: in Lalla Takerkoust von Marrakesch herkommend vor der Brücke und den Geschäften links abbiegen. nach ca. 1km wandelt sich Asphaltstrasse in Piste, nach ca. 10km kommt rechterhand das Haus von Ahmed (Windsack auf dem Dach), auf dem Landeplatz kann campiert werden - Geröll
Klima und Umgebung: Wanderung rauf zum Startplatz mit genialer Sicht auf den Hohen Atlas
Infrastruktur: Wasser und Herberge (mit Dusche und kleinem Hamman) mit Essgelegenheit von Ahmed
23. Januar 2005, Aguergou 
Steinewerfende Kinder

Es verspricht ein gemütlicher Tag zu werden. Leider sind keine sonstigen Piloten da, obwohl Sonntag ist. Der Wind steht aber nicht schlecht. 

Wir beschliessen, zum Startplatz hoch zu laufen. Mit ein wenig Glück erwischen wir unterwegs ein Sammeltaxi, dem wir den Gleitschirmsack übergeben können. 
Nebst der endlosen Strasse führt ein hübscher Eselspfad mehr oder weniger direkt zu den Dörfern und dem Startplatz hoch. Es geht entlang Wasserläufen und durch Olivenhaine. Einige Felder haben schon hohen grünsatten Weizen. In der zweiten Kurve kommt tatsächlich so ein kleiner Lastwagen, voll mit Leuten. Der Sack wird nach oben gebracht, bis zum kleinen Shop der im Dorf oben ist. Wir können ohne Ballast weiterlaufen. Die Kinder hier oben sind lästiger als unten bei Ahmed. Es ist aber auch kein Wunder bei all den Offroadern, die hier durchkommen und offensichtlich Zeugs verteilen. Ein Jeep hält an und ein Schweizer steigt aus, um mit Dominik zu reden. Er ist für eine Woche in Marrakesch, ist Pilot, hat aber den Gleitschirm nicht dabei. Während wir uns unterhalten beobachte ich, wie der Fahrer, von den Kindern bestürmt, sein Portemonnaie zückt und die Dirhams verteilt. Sie klammern sich alle ans Auto und sind ziemlich dreist. Ich sage zu dem Typ, der ausgestiegen ist, dass man das doch nicht tun soll. Er sagt, ja, ja, er wisse es schon, es sei nicht gut (getan wird's trotzdem!). 

Der Schirm ist da, alles paletti. Die letzten Höhenmeter machen wir wieder mit Vollgepäck. Oben genehmigen wir uns zuerst ein PicNic bevor Dominik rausfliegt. Es ist ziemlich kalt, die Sonne grad verschwunden und ich mache mich auf den Rückweg. 

Ein ungutes Gefühl habe ich schon als ich ins Dorf komme. Ganz offensichtlich haben die Kinder noch weniger Respekt, wenn einer, wohl auch noch als Frau, alleine daher kommt. Als einer in der Kindermeute einen Stein nach Zorro wirft, renne ich ihm nach. Leider erwische ich den Kerl nicht: der hätte die längsten Ohren der Welt! Mir wird bewusst, dass ich Zorro alleine gelassen habe. Doch als zurückkehre stehen zwei junge Männer bei ihm und beschützen ihn offensichtlich. Ich sehe gerade noch, wie sie den Kindern Steine hinterherwerfen. Ich bedanke mich bei ihnen und gehe weiter mit einem Riesengroll im Bauch. Weiter unten warten sie auch schon, in einiger Entfernung hinter Büschen. Von da aus können sie herrlich weiter Steine werfen ohne dass ich je eine Chance hätte, sie zu kriegen. Mit bösen Blicken kann ich sie einigermassen im Zaum halten. Aber ich fluche laut vor mich her, diese ver.... Kinder!
 
Ein Dorf weiter unten steht schon wieder ein Mädel mit einem Stein in der Hand. Als ich sie anschaue, lässt sie den Stein fallen, aber kaum bin ich vorbei und drehe mich um, hat sie schon wieder den Stein in die Hand genommen und will gerade werfen. Ich gehe auf sie zu und sie rennt davon. Die paar Erwachsenen, die weiter oben an der Ecke stehen, reagieren nicht, als ich ihnen zurufe, sie sollten besser auf ihre Kinder aufpassen. Sch.. marokkis. Im Moment habe ich kein Verständnis und keine Geduld mehr mit dem Volk hier. 
Ich versuche die reizvolle Landschaft trotzdem zu geniessen, aber die Wut sitzt mir im Bauch und es wird wohl ein paar Stunden brauchen, bis sie verraucht ist. 

Zurück beim Womo erhelle ich mein Gemüt mit einem heissen süssen Tee. Während Dominik und ich draussen sitzen und der Abendsonne entgegenschauen beruhige ich mich wieder. Aber mir ist inzwischen klar, dass das Land für mich erledigt ist. Es war das erste und inshallah letzte Mal, dass ich hier zu Gast war. 

Es ist beinahe Vollmond. Unsere Mondschatten zeichnen sich klar ab und die Landschaft wirkt in ihrem schwarz-grauen Licht ziemlich verlassen. Die Hunde heulen um die Wette, kein Wunder...
Stellplatz: siehe 22.01.05


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