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Reisebericht Marokko 2005-3
Über den Hohen Atlas und den Anti Atlas
11. Januar 2005, Legzira - Irgendwo
S v. Tnine Tarsouale (ca. 20km S v. Tafraoute)
Auf geht's ins Landesinnere von Marokko! - Col du Kerdous
Wir
verabschieden uns von Peter und Maria, fahren nach Sidi Ifni, um die
Gasflasche zurückzugeben und dann geht's endlich los, Richtung Norden. In
Tiznit machen wir einen Halt, um Geld und Tabak zu holen. Endlich kriege ich
hier wieder einmal offenen Tabak, die Fortuna, die ich hier geraucht habe,
sind viel zu stark und leichte hab ich nie finden können. Der Souk hier wäre
auch ganz interessant, aber wir wollen weiter, wir können ja nicht jeden
Markt anschauen.
Die Fahrt hoch zum Pass "Col du Kerdous" ist eindrücklich. Als wir
das letzte Mal hier runterfuhren begleitete uns ein Riesenschwarm
Heuschrecken. Glücklichweise diesmal nicht. Dafür sind die Kontraste der Kulturterrassen
stark, die zigfach in den Hang gearbeitet wurden.
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Am
Col du Kerdous scheint der Startwind zu stimmen. Wir machen einen Spaziergang,
Mittagspause und dann fliegt Dominik raus. Allerdings hält der Wind nicht was
er verspricht. Schon nach wenigen Flugmetern merkt Dominik, dass es nicht
hält. Die Aussicht, tief unten im Tal zu landen, lacht ihn offensichtlich
nicht an und er landet gleich unter dem Pass auf der Strasse. Nur gut, dass
der Lastwagen, der schnaufend hochfährt noch einiges entfernt ist.
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Ich hole ihn ab und wir legen den Schirm auf dem Parkplatz vom Hotel zusammen.
Ganz raffen kann er es nicht. Obwohl der Wind eigentlich stimmt, hat das
Fliegen ganz und gar nicht gestimmt. Na ja, was soll's.
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Wir
suchen uns einen Platz für die Nacht und werden ca. 20km südlich von
Tafraoute auf einem einsamen Hochplateau fündig. Mitten zwischen genutzten
und ungenutzten Ackerfeldern stellen wir unser Womo hin. Ringsherum Acker,
weit verstreut ein paar Häuser, ockerfarbene Berge, blauer Himmel, rote
Erde.... so weit das Auge reicht.
Zwei Mädels spazieren zu uns hin und Dominik fängt mit ihnen an zu reden.
Sie scheinen Französisch zu verstehen, getrauen sich aber offenbar nicht, zu
antworten. Auch als ich mich einmische, kichern sie immer noch scheu und reden
in ihrer Sprache miteinander. Was sie sich wohl über uns erzählen?
Vermutlich: ein Mann, der wie eine Frau aussieht und eine Frau, die wie ein
Mann aussieht oder so ;-)
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Stellplatz: von Tiznit Richtung Tafraoute, bei Ida
Oussemlal rechts Richtung Izerbi, nach ca. 20km irgendwo auf der Hochebene
links in eine Piste gefahren - feste Erde
Klima und Umgebung: sensationelle Weite, Berge in allen Ockerschattierungen
Infrastruktur: nada
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12. Januar 2005, Irgendwo S v.
Tnine Tarsouale - Schlucht v. Ait Mansour
(ca. 30km SO v. Tafraoute)
Heiss-kalte Palmenschlucht
In
der Nacht wurde es beinahe 0°! Die Heizung läuft... Doch schon bald kommt
die Sonne hervor und wärmt das Womo von aussen auf. Als wir rückwärts vom
Platz wegfahren, versinken wir beinahe im vom Wasser aufgeweichten Boden. So
ein Regen hier mitten auf dem Acker wäre ziemlich übel.
Wenige Autos kreuzen uns. Wir fahren
vorbei am Abzweiger, wo wir vor vier Wochen zu den Blauen Felsen rausgefahren
sind. Wenige Meter danach geht es rechts den Pass hinauf. Immer höher
schlängelt sich die Strasse bis zur Passhöhe (1720m) um dann in
langgezogenen Serpentinen wieder abwärts in die Schlucht zu führen.
Schon bald haben wir einen ersten tollen Blick auf den canyonartigen Eingang
des Tales.
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Die
Strasse ist asphaltiert, dafür eng. Aber es kommt uns auch kein Fahrzeug
entgegen. Immer mehr hängen die Palmen in die Strasse hinein. Die Felswände
rücken immer enger zusammen. Sie leuchten orange in der Sonne. Vor dem
stahlblauen Himmel wirkt es einmalig. Wir fahren noch ein rechtes Stück
weiter, obwohl die Asphaltstrasse sich langsam in eine Piste verwandelt.
Wir schauen uns ein Dorf an, welches man vor lauter Palmen beinahe übersehen
könnte. Kein Mensch lässt sich blicken, viele Häuser sind verfallen. Es
wirkt alles ziemlich verlassen. Doch kaum sind wir wieder unterwegs tauchen
doch noch Menschen auf. Immer mehr werden es jetzt. Ist also doch bewohnt, das
Tal. Immerhin führt eine neu aussehende Stromleitung durch das Tal.
Wir finden einen Ausstellplatz und beschliessen, die weitere Strecke zu Fuss
zu erkunden. Mit dem Auto sieht man zuwenig und fährt, obwohl im
Schritttempo, doch zu schnell. Der Platz ist hübsch, ein paar Meter weiter
hinten schlängelt sich ein Wassersystem durch die Büsche und eine mindestens
neunköpfige magere Hundefamilie kläfft uns entgegen. Ich stelle ihnen
eingeweichtes Brot hin. Während wir draussen etwas essen, kommt eine alte
Frau zu uns herangeschlurft und deutet auf unser Essen. Ich tünche mein Brot
ins Amlu (Arganienöl mit gemahlenen Mandeln) und gebe es ihr, einen Kiri-Käse
bekommt sie ebenfalls und auch eine Tomate nimmt sie mit, als sie sich wieder
verabschiedet. Sie hat sich schlicht bedient an unserem Tisch. Schon
ungewohnt.
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Als
wir um eine Kurve biegen sehen wir, dass hier sämtliche Pflanzen verbrannt
sind. Offenbar hat hier ein Feuer gewütet. Während wir weiter das Tal
hinunter laufen, müssen wir feststellen, dass dem ganzen Tal entlang jede
Palme angeschwärzt ist. Sie scheinen es aber überlebt zu haben. Oben
spriesst frisches Grün heraus. Auch bei den Olivenbäumen und Oleandern
spriesst schon frisches Grün aus dem Boden. Die schwarzen Stämme stehen im
starken Kontrast zu den dahinterliegenden Felswänden.
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Beim
nächsten Dorf wandern wir hinein. Ein grosser Friedhof liegt mitten zwischen
den Häusern (oder Dorfhälften). Dominant steht ein
schöner Marabout (Heiligtum) mitten im Friedhof. Das einzige Gebäude,
welches hier weiss angemalt ist. Einige wenige Häuser sind in gelb und rot.
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Wir
spazieren zur Moschee, von welcher vorhin der Muezzin gerufen hat. Die Türe
ist offen und ein paar Jungs (sie scheinen Koranschüler zu sein), erlauben
uns, hineinzugehen. Sogar ich darf hinein?! Wir ziehen unsere Schuhe aus und
betrachten endlich einmal eine Moschee von innen.
Sie ist noch neu und nicht ganz fertig. In einer Ecke liegen die Korantafeln,
auf der anderen Seite ist die Nische für den Vorbeter (? oder so). Daneben
hängt eine Uhr und das Mikro. Etliche Gebetsteppiche liegen davor, schön in
Reih und Glied. Durch bunte Fenster kommt ein schummrig-schönes Licht hinein.
Cool. Würde mir gefallen, hier zu beten.
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Wir
wandern noch ein Stück weiter. Quer durch traumhaft schöne Oasen und dann
wieder auf der Piste, welche nun rechts im Tal in einiger Höhe weiterführt
und einen weiten Blick auf das Oasental ermöglicht.
Die Berge ringsherum sind gemustert. Die urzeitliche Schichtenschieberei hat
hier die Berge so gefurcht, wie wenn einer einen Gartenrechen darüber
gezogen hätte.
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Bei
einem türkisblau bemahlten Haus, welches im Berberstil verziert ist und
regelrecht vor den orangenen Bergen leuchtet, kehren wir um.
Auf der Wanderung hatten wir alle möglichen Temperaturen, von ganz kalt
(gefrorenes Gras und Pfützen) bis T-Shirt-heiss. Das Flussbett mäandert von einer
Talseite zur anderen. Obwohl wir ziemlich weit gelaufen sind, haben wir uns
nur wenige Kilometer Luftlinie vom Womo entfernt.
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Stellplatz: von Tafraoute Richtung Izerbi, nach ca. 7km
links Richtung Tasserirt, weiter ca. 23km bis in die Schlucht hinein, es hat
immer wieder Plätze links und rechts der Strasse - fester Sand
Klima und Umgebung: absolute Stille,
Wanderung entlang der Strasse durch die Schlucht und hinauf zu verfallenen
Dörfern
Infrastruktur: nada, kleiner Touristenstand in Ait Monsour, wo es auch Tajine
auf Bestellung gibt
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13. Januar 2005, Schlucht v. Ait Mansour
- Rogers Bleus
(ca. 10km SO v. Tafraoute)
Palmencanyon - Gerissene Leine
Es war
-1° letzte Nacht! Puh, dieser Canyon hier ist ja
a..kalt! Und die Sonne will und will nicht bis zu unserem Womo kommen.
Hinten, vielleicht 5m entfernt ist sie schon eine ganze Weile, aber näher
kommt sie nicht. Erst um 10 Uhr kann sie unser Womo aufheizen. Aber dann sind
wir auch schon so weit, dass wir uns für eine Wanderung aufmachen.
Wir
steigen eine Treppe zum Dorf hinauf und weiter, an einer Antenne vorbei, bis
wir ganz oben bei den Ruinen des früheren Dorfes Blick in beide Richtungen
des Tales haben. Herrlich ist es. Schlicht zauberhaft!
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Gut erkennt man, wie
das Tal mäandert, wie nur gerade unten die Palmen wachsen. Wie eine grüne
Schlange zieht es sich durch den Canyon.
Wir klettern wieder runter und spazieren der Piste
entlang bis ins Dorf. Eine kläffende Hundemeute begrüsst uns nicht gerade
freundlich. Aber ein Mann, der in der Nähe gearbeitet hat kommt sofort und
bewirft sie mit Steinen. Nett, dass er uns hilft. Wir haben gemerkt, dass man
sich bloss nach Steinen bücken muss und schonen rennen sie winselnd
davon.
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Der Lehrer, den Dominik schon gestern angetroffen hat,
kommt auch heute wieder nach draussen. Endlich einmal ein Einheimischer, mit
dem man sich richtig und ausführlich unterhalten kann. Er erzählt uns unter
anderem von der berberischen Schrift, der die Regierung seit kürzester Zeit
einen Stellenwert eingeräumt hat. So lernen an einem Teil der Schulen die
Kinder dreierlei Sprachen und Schriften: die lateinische, die arabische und die
berberische.
Die Kinder sitzen artig in den Bänken und lernen für den Semesterabschluss,
der morgen sein soll. Während die einen interessiert mich anschauen,
verstecken die anderen sich unter der Bank. Fotografieren ist hier immer
heikel.
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Wir laufen bis zu dem kleinen Stand/Laden, der an der
Strasse steht und bestellen uns einen Tee. Wir sitzen dort und versuchen
diesen Ort zu erfassen. Schwierig... so dschungelartig wirkt es entlang der
Strasse, die Häuser sind zum Teil hoch auf die Felsen gebaut. Es sind auch
kaum Touristen da. Zwei Motorradfahrer überholen uns auf dem Rückweg, kommen
aber schon bald wieder retour. Ist wohl zu holprig, die Strecke.
Ein Erlebnis hier zu sein. Irgendwie erinnert es mich ans Glarnerland... ;-)
Wir fahren zurück, rauf auf den Pass und machen Mittagshalt, dort wo der
erste Startplatz ist. Der Wind kommt zu sehr von der Seite. Schade, fliegen
wäre hier schön.
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Ein bisschen weiter unten ist der zweite Startplatz. Wir
klettern den Berg hinauf und hier stimmt der Wind. Dominik geht seinen Schirm
holen. Bis er zurück ist, wird die Thermik immer stärker. Wir müssen noch
ein wenig warten, bis sich das Ganze wieder beruhigt hat. Endlich passt es.
Aber es ist ziemlich ruppig!
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Als Dominik zwei drei Runden gedreht hat, sieht
er, dass es ihm eine Leine zerrissen hat. Glücklicherweise nur eine der
Leinen, die nicht gar so wichtig sind. Er kann also gut weiter fliegen. Ich
fahre hinunter und schaue ihm zu, wie er bei der Einfahrt zu den Blauen
Steinen landet.
Bei der Fahrt zu unserem alten Stellplatz kratze ich einmal ziemlich arg den
Auspuff und die Nivellierstütze. Falsch ins Oued reingefahren! Das letzte Mal
ging es besser.
Wir stellen unser Womo zwischen die Felsen und finden es toll, wieder diesen
Platz für uns zu haben. Es ist absolut windstill geworden und so lässt sich
die Wüste erst richtig geniessen.
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Stellplatz: von Tafraoute Richtung Tiznit via Agauard
Oudad, nach ca. 7km rechts bei beschilderter Einfahrt Piste über ca. 3km bis
zu zwei grossen Felsen - Granitsand (mit einem längeren Womo wird man vorher
schon sich irgendwo hinstellen, bis zu den Blauen Felsen ist es aber nicht
mehr weit zu Fuss)
Klima und Umgebung: Wüstentouch, grandioser Blick, absolute Ruhe, Spazier von
5 Min. zu den Blauen Felsen
Infrastruktur: nada
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14. Januar 2005, Rogers Bleus
Einmal rings um die blauen Steine
Während wir noch beim Frühstück draussen sitzen kommt einer der
nachbarlichen Nomaden mit seinen Kamelen vorbei. Ich spendiere eine Zigarette,
Kaffee mag er keinen. Er ist noch jung, auch wenn seine von der Sonne gegerbte
Gesichtshaut ledrig wirkt. Es war seine Tochter, die wir, als wir das letzte
Mal hier waren, fotografiert haben. Er stellt sich stolz hin, als ich ihn
bitte, ein Foto von ihm machen zu dürfen. Es ist so schade, dass er so wenig
Französisch spricht. Gerne hätten wir uns noch mehr mit ihm
unterhalten.
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Meine Erkältung macht mir ziemlich zu schaffen. Trotzdem mag ich nicht den
ganzen Tag drin sitzen bleiben. Also packen wir den Rucksack und wandern los.
Eine grosse Runde rings um die blauen Steine. Der gut reiskorngrosse
Granitsand knirscht laut in der Wüstenstille.
Zig Fahrpisten queren das Gebiet hier.
Offroaderspielplatz! Wir klettern auf die Kullerhügel und geniessen immer
wieder schöne Sichten übers Land.
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Irgendwann nach dem Mittag kehren wir zurück. Ich lege
mich für ein Stündchen hin. Die Stille ist grandios. Dominik repariert
gerade die gerissene Leine seines Schirms als einer laut Hallo rufend den Weg
entlang kommt. Zuerst denke ich, dass ist Horst, dann erkennen wir, dass es
einer der Jungs ist, mit denen wir am Feuer in der Oase beim Fort Bou Jerif
zusammen gesessen sind: Andreas
und sein Hund Purzel. Kurzentschlossen geht Andreas sein Fahrzeug holen,
welches wir unten bei den Felsen gesehen aber
nicht erkannt haben.
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Wir setzen uns draussen hin und haben viel zu erzählen. Andreas fährt einen
alten türkisfarbenen Borgward. Ein schönes Teil mit neuem Motor. Innen hat er
ihn selber ausgebaut: Dusche, Toilette, Dachterrasse, Küche und halt alles,
was es so braucht. Er ist zum dritten Mal schon in Marokko. Auch er kommt
hierher um in erster Linie den heimatlichen Winter mit südlicher Wärme
abzukürzen.
Heute Abend soll ein Feuer brennen! Doch leider hat es nicht so das passende
Feuerholz hier. Die trockenen Dornenbüsche preisen sich als einzig brennbares
Material an, sind aber nicht so einfach zu ergattern. Mit Handschuhen und
Säge bewehrt, holzt Dominik einige der Äste ab, Andreas schleppt sie her und
ich mache mit Steinen eine Feuerstelle.
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Andreas kocht für uns - wir sind ausgegessen, haben sozusagen nichts mehr da
und sind deshalb nicht gerade unglücklich, über die Einladung. Und.. Andreas
kocht sogar ausgesprochen gut. Wir lassen es uns in unserem Womo
schmecken.
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Nachher gehen wir raus und zünden den trockenen Haufen an. Es zeigt sich
allerdings schnell, dass das Dornengestrüpp zu locker ist, bzw. die Äste
noch viel kleiner hätten geschnitten werden müssen. Wir haben aber kein
passendes Werkzeug dazu. Das Feuer kommt trotzdem zu Stande und zeitweise
brennt es herrlich schön. Immer wieder versuchen Dominik und Andreas die
sperrigen Dornenäste mit ihren Füssen zu verdichten, was ziemlich heikel
ist, denn man bleibt immer wieder daran hängen.
Unsere nomadischen Nachbarn haben ebenfalls ein Feuer angemacht. Unter einem
grossen Felsen sehen wir sie im Feuerlicht ringsherum stehen. Schaut ziemlich
steinzeitlich aus. Ihr Feuer brennt deutlich besser als unseres. Obwohl.. hin
und wieder, wenn ein Ast wieder Feuer gefangen hat, dann zündelt es ganz
schön hoch.
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Stellplatz: siehe 13.01.05
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15. Januar 2005, Rogers Bleus -
Agadir Tasquent
(ca. 40km NO v. Tafraoute)
Einkaufsbummel in Tafraoute - Kinderterror
Heute morgen weht ein heftiger Wind. Fliegen ist nicht drin und wir
haben uns entschlossen, ein Stück Strecke gemeinsam zu fahren. Zuerst geht es
nach Tafraoute, wo wir einkaufen wollen und ich meinen Brief Taib übergeben
will. Nachdem wir die nötigen Lebensmittel beisammen hatten, zogen wir
nochmals los, um eventuell eine Decke zu kaufen, die wir schon noch gegen die
Kälte gebrauchen könnten. Aber einer dieser hässlichen Synthetikdecken, die
es hier überall zu kaufen gibt, wollen wir nicht und eine schöne Decke, aus
Kamelhaar finden wir nicht. Im Gegenteil, die Händler sind so närrisch, dass
sie einen eher vertreiben als die Ware schmackhaft machen.
Ich will mir ein paar Berberschuhe kaufen, diesmal geschlossene, in denen ich
warm genug habe. Die roten Babuschs werden meine Hauspantoffeln. Handgenähte
lassen sich aber keine finden, obwohl wir alle Läden, und es sind nicht
wenige hier in Tafraoute, abklappern. Also kaufen wir uns, Andreas und ich,
naturfarbene geleimte Babuschs. Bequem sind sie ja, auf Anhieb. Und teuer auch
nicht: meine Geschlossenen bekomme ich für 70 DH (10 SFr.). An einem Gewürzstand
kaufen wir uns Curry und Couscousgewürz.
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Eigentlich wollten wir uns an einer Garküche verpflegen, doch wir finden hier
keine, weder mit den Augen noch mit den Nasen. Also landen wir in einem
kleinen Restaurant, wo man uns nach grossem Bestelldebakel Salat und
anschliessend superminikleine Hamburger mit Pommes serviert. Hat gut
geschmeckt, war vielleicht genug wenig und auch nicht so billig. Aber
egal, hat gut getan.
Leider ist bei Taib niemand da. Den Brief kann ich aber dem Nachbarn abgeben.
Während ich beim Womo auf dem grossen Platz neben der Moschee warte, findet
Dominik jemanden, der uns mit wenig Aufwand eine simple Kurbel für unsere
Sonnenstore herstellt, die wir ja in Legzira verloren hatten.
Auf einmal kommt Houdra, die Tochter von Taib. Sie umarmt mich (!) und
erzählt, dass Taib in Agadir sei und die Familie im Haus in Adida, wo wir auf
unserer Trekkingtour übernachtet hatten. Sie ist ein schlaues Mädel. Ich
staune, als ich bemerke, dass sie einem andern Mädchen, dass sich auf den freien
Campingstuhl gesetzt hat, Zeichen gibt und ihr zu verstehen gibt, sie solle
das nicht tun.
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Wir verlassen Tafraoute in Richtung Tizi Mill, den Pass, wo wir schon einmal
übernachtet hatten. Und weiter geht es Richtung Agadir Tasquent, eine
Sehenswürdigkeit auf der Strecke Richtung Taroudannt. Als wir in dem Dorf
ankommen, wo der Abzweiger zu dem Agadir ist, kommt eine Schar Kinder
herbeigerannt. Sie kleben gleich an der Scheibe und rufen laut durcheinander:
stylo, bonbon, dirham usw. krass! Man kann kaum mehr denken, so laut und
aufdringlich ist das Geschrei.
Wir fahren auf der Piste weiter, haben aber das Gefühl, dass wir falsch sind.
Also entscheiden wir uns, hier irgendwo einen Übernachtungsplatz zu suchen. Im
nächsten kleinen Ort ist ein genügend grosser Platz.
Es hat auch
hier Kinder, die uns gleich umzingeln. Aber was soll's. Irgendwo müssen wir
ja bleiben. Wir entscheiden uns, offensiv zu sein, packen uns in warme
Kleider und machen einen Spaziergang durch das Dorf. Natürlich kommen alle
Kinder und auch die jungen Mädels mit. Als ich in meinem Rucksack nach einem
Taschentuch suche, reissen mir die Kinder die Taschentücher gleich aus der
Hand. Ich bin schockiert. Der Gesichtsausdruck der Kinder, als sie sich
erhofften, ich suche nach Bonbons oder sonst was für sie Verwertbarem! Innert
Sekunden haben sie sich in Bestien verwandelt. Richtig aggressiv haben sie mir
die Taschentücher zur Hand rausgerissen. Auch eine ältere Frau, die hinzukommt
und die Kinder wegscheuchen will, hat in diesem Moment nichts erreicht.
Genauso schnell, wie sie sich erregt haben, beruhigen sie sich aber auch
wieder. Ich gehe weiter und brauche einen Moment, bis ich mich von diesem
"Überfall" erhole. Sie zeukeln auch immer ärger Zorro. Inzwischen
knurrt er die Kinder schon an und springt ihnen nach. Ich muss ihn immer
wieder beruhigen. Na, das kommt so nicht gut. Wenn er nur einmal ein Kind
schnappt, dann macht er das vielleicht immer wieder und das will nicht. Also,
ich kehre so schnell als möglich ins Womo zurück. Dominik und Andreas
flirten mit den Mädels, die sich, da sie eine ganze Schar sind, doch
getrauen, mit ihnen zu reden, wenn auch das Französisch sich in Grenzen
hält.
Ziemlich erledigt von dem Ansturm setzen wir uns zusammen ins Womo und essen
zu Abend. Andreas ist solchen Situationen bis jetzt immer ausgewichen. Es ist
für uns alle das erste Mal, dass wir so aggressiv-neugierigen Kindern
begegnen. Gehört haben wir schon davon, doch jetzt erleben wir es auch. Und
es ist ziemlich krass. Es ist auch schwierig zu verstehen. Und ich bin halt
nun mal so, dass mich Dinge, die ich nicht verstehe, nicht in Ruhe lassen. Wir
reden noch lange darüber, um es "verdauen" zu können. Irgendwann
sind sie dann auch verschwunden und wir haben unsere Ruhe. Die windige Kälte
bleibt aber.
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Stellplatz: von Tafraoute Richtung Igherm, bei
Tiguermine links in die Schotterpiste abzweigen, nach ca. 3km kommt kleines
Dorf - Schotter (besser aber weiterfahren bis zum übernächsten Dorf, weitere
3km)
Klima und Umgebung: neugierige, bettelnde Kinder, ca. 3km Wanderung bis zum
Agadir Tasquent, schöne Bergsicht
Infrastruktur: nada
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16. Januar 2005, Agadir Tasquent - Taroudannt
(ca. 80km O v. Agadir)
Geschlossener Agadir - Kalte Bergwelt - tuckerwütiges Ich
Die Kinder sind natürlich schon vor uns wieder auf. Zwar nicht
mehr so viele wie gestern, aber die paar Jungs, die am frechsten sind, sitzen
rings um das Womo. Ich muss mit Zorro raus und einen kleinen Spaziergang
machen. Der Wind treibt mir die
Tränen in die Augen und den Schnudder zur Nase raus. Ich wickle mir den
Schal um den Kopf. So kann ich den Wind abwehren und auch mehr von mir bewahren, fühle mich weniger ausgesetzt.
Aha, so ein Schleier hat schon seinen Vorteil, merke ich. Zorro lassen sie
mehr oder weniger in Ruhe und er kann seine Geschäfte in Ruhe erledigen.
Wir brechen bald auf und fahren die Piste noch ca. 3km weiter bis zum letzten
Dorf vor dem Agadir. Hier lassen wir das Womo stehen und fahren mit Andreas im
Borgward weiter. Cool, so hoch oben. Aber die Strasse schüttelt uns kräftig
durch. Mit dem Womo wäre das nicht mehr so lustig. Zorro sitzt auf meinem
Schoss und schaut mich fragend an? Ob er wohl denkt, dass er ab jetzt immer so
reisen wird müssen?
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Der Wind ist so krass kalt, dass wir uns mehr den Weg zum Agadir hoch kämpfen
als laufen. Was ich befürchtet habe, tritt dann auch ein. Die Mädels, die
uns vorausgelaufen sind und die auch das Schloss zur ersten Türe aufmachen
konnte, haben keinen Schlüssel für die grosse eigentliche Türe.
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Der
Schlüsselmeister ist nicht hier. Das Schloss an der Holztüre ist mehrfach
gesichert und sieht ja toll aus. Lieber würde ich es aber offen sehen! Aus
den Erklärungen der Kinder wird nicht klar, ob der Schlüsselmeister im
nächsten Dorf ist oder heute einfach nicht da. Egal, auf alle Fälle werden
wir leider darauf verzichten müssen, diesen grossen schönen Agadir von innen
anschauen zu können.
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Der Wind verleidet einen aber auch alles. Man kann kaum die eigentlich schöne
Gegend geniessen, so nagelt es. Die Kinder hier lassen sich davon aber
nicht so sehr beeindrucken.
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Wir durchfahren die einsame, kahle aber auch eindrückliche Landschaft des
Antiatlas in Richtung Taroudannt. Hier wächst nichts mehr, weder Büsche noch
Kakteen. Es ist nur für das Auge eine Weide.
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Vom
letzten Pass vor dem Sousstal hat man einen herrlichen Blick auf den Hohen
Atlas, der teilweise mit Schnee bedeckt ist.
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Kurz vor Taroudannt stellen wir unsere Autos mitten im Oued Souss ins
Geröll.
Hier unten herrschen wieder humane Temperaturen. Wir bauen eine
kleine Wagenburg und ziehen uns die Wärme rein.
Es ist föhnig. Über dem
Hohen Atlas türmen sich dreischichtige Föhnwolken. Eine echte
Wetterschranke, dieser Atlas!
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Es geht nicht lange und schon sind wir wieder umringt von Kindern. Zuerst
zwei, drei, mit einem Esel, dann immer mehr und mehr. Irgendwann ist es nicht
mehr lustig und sie werden auch immer frecher. Da kommt Andreas mit seinem
Tucker (Postichpistole) raus und sagt so im Spass, na, das würde helfen. Er
schiesst auf die Plache und zeigt den Kindern, wie das Ding wirkt. Ich
erschrecke und sage, das habe er ja wohl nicht wirklich vor. Er lacht mich
aus. Aber ihr glaubt es nicht, wer ein paar Minuten später mit dem Tucker in der Hand den Kindern hinterher rennt und sie in die Büsche jagt, bin ich!
Ja, wirklich wahr. So frech die sind, kann ich auch sein. So entschlossen wie
ich denen hinterher bin so schnell sind die abgezischt und sie haben sich auch
nicht mehr hergetraut. Ob sie sich wohl später rächen kommen?
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Andreas lässt eine lustige Alcapella laufen und kocht uns das "schnellste
Huhn der Welt", welches wir in Tafraoute gekauft haben (schnelles Huhn, weil es schnell
gemacht ist). Es wird superlecker, ich glaube, er hat eine halbe Flasche Wermut
dafür verwendet! Gemütlich sitzen wir in seinem Borgward und lassen
uns von seinen Kochkünsten verwöhnen.
Purzel und Zorro kommen gut miteinander aus. Purzel ist zwar nicht gerade ein
Fan von Zorro, aber immerhin duldet er ihn, sogar in seinem eigenen
Reich.
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Stellplatz: im Oued Souss, ca. 10km vor Taroudannt -
Geröll
Klima und Umgebung: neugierige Kinder vom Dorf, Nähe Abfalldeponie
Infrastruktur: nada, grosser Handelsort Taroudannt nicht weit entfernt
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17. Januar 2005, Taroudannt - Tachguelte,
südliche Passstrasse Tiz'n Test (ca.7km S v.
Pass Tiz'n Test)
Souk von Taroudannt - Abseits der Passstrasse
Wir wachen auf und geniessen immer noch die Talwärme. So schnell werden
wir nicht wieder in den Bergen übernachten, oder?
Wir durchqueren den Oued Souss und zweigen in die Hauptstrasse Richtung
Taroudannt. Wow, hier herrscht Verkehr. Jede Menge Laster, Taxis, Töfflis und
Fahrräder. Ganz ungewohnt nach der Passstrasse, die wir fast für uns alleine
hatten. In Taroudannt stellen wir unsere Vehikel in der Nähe der Innenstadt
ab und spazieren rein. Irgendwo biegt man rechts in eine Gasse ab und schwupp
ist man drin im Souk.
Überquellende Läden reihen sich aneinander. Händler
stehen da und preisen ihre Ware an, hin und wieder heisst es, "nur schauen,
ganz billig, billigpreis, nur zwei minuten usw." Die sechs Wochen, die
wir in Marokko sind haben uns gelernt, gar nicht erst hinzuhören und so
merken sie auch schnell, dass wir immun gegen diese Anmache sind. Das
Ignorieren von unerwünschtem Verhalten ist immer noch die beste Lösung,
scheint mir. Wenn mich etwas wirklich interessiert, dann frage ich und lasse
mich auch nicht beirren durch all das andere Gequatsche. Es macht sogar
richtig Spass, selbstbewusst durch das Angebot zu laufen, zu schauen und zu
handeln. Viel kaufen wir ja sowieso nicht: Datteln, eine Flasche Arganienöl, CDs
zum Brennen und an einem Stand frisch gepressten (vor unseren Augen aufgeschnitten, geschält und gepresst) Orangen- bzw. Grapefruitsaft für 50
Rp. das Glas.
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Müde vom Trubel kehren wir zurück und fahren gemeinsam weiter Richtung
Pass Tiz'n Test, der noch weiter nach Marrakesch führt. Dominik und ich
wollen zwar weiter nach Zagora, aber für die Übernachtung wäre es schön,
ein wenig am Hang zu stehen. Also fahren wir mit Andreas den Pass hinauf auf
der Suche nach einem geeigneten Platz. So einfach ist das allerdings nicht.
Vor uns fährt einer dieser Sammeltaxis, welche vollgeladen mit Leuten sind,
bunte Karren mit noch bunteren Menschen darauf.
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Endlich finden wir eine Piste, die weg von der Passstrasse führt. Es geht
noch einige Kilometer weiter und wir denken schon, nein, das bringt's nicht,
als wir endlich ein Stück Schotterweg finden, dass weg von der einspurigen
schmalen Piste runter ins Bachbett führt und Platz genug für unsere zwei
mobilen Häuser bietet.
Wir stellen unsere Stühle und den Tisch raus, machen einen Espresso und
geniessen es immer noch, die Wärme und die Sonne...
Als ich den Hang hinter uns hochklettere, stelle ich fest, dass hier oben die
schönsten Olivenhaine stehen, lauter kleine Acker in Terrassen mit frischem
Grün und locker verteilte Olivenbäume. Eine harmonische Landschaft.
Später suchen wir Brennholz für heute Abend. Die dörren Büsche dürften
gut brennen, wenn auch schnell. Richtig gutes grösseres Brennholz gibt es
hier nicht, also suchen wir kesselweise die kleinen Hölzer, die im Bachbett
liegen zusammen. Dominik beauftragt sogar noch zwei Jungs, die rumlümmeln,
gegen kleines Entgeld Holz zu sammeln, was sie auch (wenigstens anfangs)
eifrig tun.
Allerdings stellen wir dann später fest, als wir beim Abendessen
sitzen, dass sie sich selbst auch ein Feuer gemacht haben und einen Teil der von uns
gesammelten Büsche für das ihrige verwenden. Da es aber dunkel ist, sind wir
uns darüber erst sicher, als wir selbst am Feuern sind. Diese Marokkis!
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Stellplatz: Auf der Passstrasse zum Tiz'n Test, ca. 10km
nach dem Abzweiger von P32, rechts auf
Piste abzweigen, weiter bis ca. 2km nach einem sehr kleinen Ort ins Bachbett
reinfahren - Geröll, Sand
Klima und Umgebung: absolute Stille,
Wanderung durch das Oued und hinauf zu den Olivenhainen
Infrastruktur: nada
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18. Januar 2005, Tachguelte - Idni, nördliche
Passstrasse Tiz'n Test (ca. 25km NO v. Pass
Tiz'n Test)
Tiz'n Test
Wir nehmen den Tiz'n Test in Angriff.
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Ein relativ gute und auch nicht zu
steile Strasse führt auf den 2100m hohen Pass, der nach Marrakesch
führt.
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Tief
sieht man die Hänge hinab. Manchmal kleben Dörfer an den Hängen, immer in
den gleichen Farben wie der sie umgebende Felsen, sei es lehmbraun oder -rot.
Zig Eselspfade führen vom und zum Dorf. Grüne Gärten liegen unterhalb der
Dörfer, welche so weit ab jeder richtigen Strasse und all der Durchreisenden
sind.
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Vom Pass aus machen wir eine Wanderung hoch zu den Antennen. Es ist eine
richtige Panoramastrecke. Die Aussicht in die südlich auslaufenden Berghänge
des Hohen Atlas hinunter
bis zur Soussebene ist fantastisch.
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Auch
der Blick Richtung Norden an die schneebedeckten Spitzen der Berge ist
grossartig. Hier oben spürt man richtig gut, was eine Wetterscheide
ist.
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Als
wir am obersten Punkt ankommen und um die Hütte laufen... der Muezzin ruft im
Tal gerade zum Gebet... da stolpere ich beinahe über einen Betenden. Die
Herren haben ihn noch gar nicht bemerkt und referieren über... na was weiss
ich, den Schnee, z.B. während ich die Gelegenheit nutze und diesen Kontrast
in einem zweidimensionalen Akt festhalte.
Zurück beim Pass wollen wir noch ein Stück ins Tal hinunter fahren. Gerade
als wir losfahren, stoppt ein Mann Andreas. Wir stehen mit dem Womo hinter ihm
und sehen, dass der Mann ein christliches Holzkreuz in den Händen hält und
sicherlich Europäer ist. Wir fragen uns schon, was das soll, ob hier einer
verunglückt ist oder was? Als Andreas dann aber weiterfährt sehen wir den
Bus, der dem Mann gehört, mit seinem Kumpel drin, sehen all den christlichen
Schnickschnack auf dem Armaturenbrett und es wird sonnenklar: das sind
Missionare! Ich kann es kaum glauben, christliche Missionare hier in Marokko!?
Himmel, jeder braucht so seine Aufgabe, was! Später erzählt uns Andreas,
dass sie quasi direkt von Island her kämen! Auf den Ausdrucken, die sie
Andreas überreicht haben wird aufreisserisch vom kommenden Ende gewarnt. Die
666 als Zahl des Teufels lässt sich überall finden. Eine Decodierung der
Buchstaben soll aufzeigen, dass man das Wort Luziefier (wirklich so
geschrieben!) in 666 umwandeln kann. Auch Computer lässt sich in die gleiche
Zahl verwandeln. Und, wir lachen uns halb schräg, sogar Wohnmobil ergibt 666.
Es ist voll krass, was alles geschrieben steht. Sie haben sich wild alles
zusammengesucht, was irgendwie mit dieser Zahl zusammenhängt, seien es
Kreditkarten-, Bank- oder Telefonnummern. Alles ein Beweis für die bereits
existente Unterjochung des Teufels. Ein anderer Artikel erzählt von der
Hölle, die in Sibirien gefunden wurde. Bei Bohrungen bis zu 16km Tiefe wurden
Stimmen von Millionen von Menschen gehört usw.! Zum Todlachen, und damit
fahren diese Missionare durch die Welt und sehen ihre Aufgabe darin, die
Menschen zu warnen. Unglaublich.
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Leider
ist die Sonne schon weg, als wir das Tal Richtung Asni bzw. Marrakesch runter
fahren. Die Felsen sind hier dunkelrot, immer mehr Bäume, wohl Zedern und
andere Fichtenbäume wachsen hier. Auch Laubbäume wie Kastanien und den
Johannisbrotbaum sehen wir immer öfter. Die Mischung des Felsens in den
Farben zieht sich manchmal wie Zebrastreifen einen Hang entlang. Scharf sieht
das aus und es reut mich, dass die fehlende Sonne das Festhalten in Pixel
verunmöglicht.
In Idni, dem Schneebarrieren-Ort (dort schliessen sie die Strasse, wenn
Lawinengefahr droht oder die Strassen noch nicht frei sind) stellen wir unsere
Autos bei verfallenen Häusern, sogar einem Restaurant Alpina, ab. Ein Feuer
werden wir heute nicht mehr machen, dafür sind wir zu müde.
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Stellplatz: vom Pass Tiz'n Test Richtung Marrakesch,
nach ca. 25km kommt ein Fünf-Häuser-Dorf - feste Erde
Klima und Umgebung: Blick auf Schneeberge und hinunter in ein
Frühlingstal
Infrastruktur: kleines Café-Restaurant
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19. Januar 2005, Idni - Aouzzer
(ca. 20km W v. Asni bzw. 50km S v.
Marrakesch)
Blühende Kirschen - Schlucht Richtung Marrakesch
Es
ist herrlich mild heute, obwohl man den Schnee riechen kann. Es fühlt sich
heimatlich frühlingshaft an.
Wir fahren die Passstrasse weiter hinab. Sie
führt immer rechts im Tal entlang. Das Flussbett führt ungewohnt viel Wasser. Doch soviel wie der ganze Canyon
breit ist, ist wohl schon seit Ewigkeiten nicht mehr geflossen. Dafür sind in
den Kurven üppig grüne Beete angelegt. Auch blühende Kirschbäume sehen
wir! Je weiter es im Tal hinab geht, um so häufiger sind sie zu sehen.
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Die
Moschee Tin Mal, welche linkerhand auftaucht, wollen wir uns anschauen. Es ist
ein eindrückliches Bauwerk, welches vor ein paar Jahren von Stuttgarter
Architekten renoviert wurde. Da es Museumscharakter hat, dürfen wir Touristen
diese Moschee von innen anschauen.
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Ein
Führer lässt uns rein. Der grössere Teil ist ungedeckt und lässt das
Tageslicht herein. Die zig Rundbögen sehen toll aus, der grosse Bau ist recht
eindrücklich.
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In
einem Ort machen wir Halt, um etwas Gemüse und Brot zu kaufen. Hier hat es
jede Menge Garküchen, die Gelegenheit! Da Andreas Magenprobleme hat, fährt
er schon mal weiter, während wir uns Leberspiesse einverleiben. Wir riechen
zwar hinterher wie geräucherter Schinken, dafür sind wir satt und haben
wieder einmal Fleisch gegessen.
Eigentlich wollten wir im nächsten Dorf tanken, doch die Tankstelle haben wir
irgendwie verpasst. Der Abzweiger Richtung Amizmiz kommt und da wir mit
Andreas abgemacht haben, uns auf dieser Bergstrecke irgendwo wieder zu
treffen, biegen auch wir hier ab. Obwohl, unser Tank ist beinahe leer und bis
Amizmiz, wo die nächste Tankstelle ist, könnte es knapp werden. Nun gut, wir
wären ja nicht alleine und Andreas hat ja ziemlich sicher sogar eine Reserve
dabei.
Andreas treffen wir schon kurze Zeit später und weiter geht es gemeinsam den
nächsten Berg hoch. Die Strecke, die wir jetzt fahren ist ein Abstecher nach
Aguergou, wo ein Fluggebiet sein soll. Die Gegend hier ist wieder einmal
genial schön. Nach dem trockenen Süden, den endlosen Steinwüsten wirkt ein
grünes Tal und überhaupt Bäume ziemlich eindrücklich auf uns.
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Allzu
weit möchte ich heute nicht mehr fahren. Darum stellen wir unser Auto als wir
wieder im Tal unten sind, auf einen ebenen Stellplatz. Unter uns geht der
Fluss vorbei, Frauen waschen ihre Wäsche im Fluss und legen die Kleider zum
Trocknen auf die Büsche.
Es geht nicht lange und die Kinder vom Dorf (hab
nicht einmal gescheckt, dass nachher ein Dorf kommt) kommen nach und nach zu
uns. Zum Teil sind sie wieder ganz schön frech und je mehr es werden umso
frecher werden sie auch. Wir beschliessen zum Fluss hinunter zu spazieren und
ich muss ganz schön energisch mit den Kindern reden, dass sie Zorro endlich
in Ruhe lassen.
Aber auch im Dorf, dass wir uns ansehen wollen, verfolgt uns
bald eine ganze Kinderschar. Die Erwachsenen grüssen uns freundlich. Es kommt
aber keinem in den Sinn, dass die Kinder uns vielleicht zu lästig werden
könnten. Als ein Mädel Zorro einen Stein anwirft, so dass er aufjault und
hinkt, renne ich ihr nach und halte sie fest. Sie kreischt und ich mache ihr
klar, dass es Mist ist, was sie hier tut. Sie weiss nicht, soll sie schreien
oder lachen. Ein Erwachsener, der in der Nähe stand, kommt dann doch noch und
redet auf die Kinder bzw. wilden Bestien ein. Wir kehren zurück und sind
ziemlich erledigt. Das war wohl das letzte Mal, dass ich mit Hund durch ein
Dorf laufe.
Die Jugendlichen und Kinder spielen Fussball auf dem Fels, welches in unserer
Nähe ist. Als die ganz Kleinen wieder zu blöd tun, mischt sich ein älterer
Junge ein und wirft sogar mit Steinen nach den Kleinen, bis sie kapieren, dass
sie uns in Ruhe lassen sollen. Wird hier denn alles mit Steinewerfen
geregelt?
Wir essen zusammen zu Abend - sind aber ziemlich müde und irgendwie
ausgebrannt. Ich glaube, ich bräuchte mal einen ganzen Tag lange Ruhe, d.h.
kein Autofahren und keine Kinder... puh.
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Stellplatz: von Ouirgane nach Amizmiz, nach dem
Pass ins Tal hinunter, linkerhand Fussballplatz - fester Sand
Klima und Umgebung: lästige Kinder vom nachfolgendem Dorf -
wunderschöner Flusslauf
Infrastruktur: nada, evt. das Wichtigste im Dorf
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20. Januar 2005, Aouzzer - Lalla
Takerkoust (ca. 40km S v. Marrakesch)
Holpertipolter rauf zum Startplatz in Aguergou
Von
Aouzzer fahren wir durch eine grüne Landschaft. Der Hohe Atlas liegt hinter
uns. Wir sind hier etwa auf 1000m, doch die Luft ist mild. Es ist Frühling,
wir sehen immer mehr Grün und blühende Bäume.
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Wir
fahren bis nach Amizmiz, wo wir im Souk einkaufen und endlich auch tanken
können. Schönes Gemüse haben sie hier nicht. Der Ort wirkt überhaupt
puffig, überfüllt und dreckig. Ausser die Hühner, die nackt und ohne Kopf
an den Ständen hängen machen einen guten Eindruck.
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Beim Stausee, in Lalla Takerkoust suchen wir vergeblich
nach einem Zugang zum See. Alle befahrbaren Pisten, die von der Strecke nach Agergou abgehen
sind mit Ketten versperrt.
Da wir schon ein rechtes Stück gefahren sind, beschliessen wir, gleich weiter
bis nach Agergou zu fahren, wo ein Fluggebiet sein soll. Die Bergkette sieht
man schon von weitem und es scheint, wie wenn der Wind stimmt. Unten
angekommen sehen wir ein Haus mit Windsack. Chez Ahmed (Achmed) steht bei der Türe.
Leider ist er nicht da. Die Arbeiter, die am Haus bauen, erklären, dass er im
Souk ist und erst später kommt, wir aber die Autos hier stehen lassen
können. Einer bringt uns sogar ein Glas Tee. Ah, tut das gut. Wir fühlen uns
willkommen.
Wir sehen, dass ein Tandem am Fliegen ist. Sie landen kurze Zeit später vor
dem Haus, wo auch der offizielle Landeplatz ist. Die beiden Franzosen mit dem
Tandem fragen, ob sie mit uns hinauffahren dürfen, ihr Mietauto steht
oben.
Das
Womo lassen wir stehen und fahren alle zusammen mit dem Borgward nach oben.
Ich und Dominik mit Andreas am Steuer vorne, die Franzosen hinten drin. Purzel, Andreas Hund und
mein Zorro ebenfalls hinten im Körbchen. Es schüttelt uns ganz schön durch,
die Strasse ist in einem miserablen Zustand. Nur gut, dass ich mein Womo hab
stehen lassen.
Ganz oben steht das Haus von dem Partner von Ahmed. Er lädt
uns zum Tee ein und zeigt uns das Haus, welches mehr als 22 Betten hat, um
Piloten und sonstige Gäste aufzunehmen. Natürlich würde er uns gerne zum
Abendessen hier haben, aber wir mögen uns noch nicht entschliessen, was wir
schlussendlich tun. Erstmal geht es noch zu Fuss weiter hoch zum Startplatz.
Dominik und die Franzosen sind schon los und ich spaziere gemütlich mit
Andreas und den Hunden hinterher. Der Blick von hier oben ist wieder einmal
fantastisch. Vor uns liegt eine weite Ebene mit tausend Hügeln, die sich im
Abendlicht wellenartig abzeichnen.
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Hinter
uns liegt majestätisch die langgezogene und schneebedeckte Kette
des Hohen Atlas. Der höchste Berg von Marokko, der Toubkal, mit 4167m kann
man kaum ausmachen, denn die ganze Kette ist auf ähnlicher Höhe. Auf dem
Foto müsste es die Bergspitze in der Mitte sein.
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Dominik fliegt nach den Franzosen raus. Der Wind kommt
aber seitwärts und es lässt sich nicht lange oben bleiben. Immerhin, es reichte
für einen 15-Minuten-Flug. Andreas und ich spazieren wieder hinunter,
erwehren uns des Hauspatrons und schaukeln dann über die Piste talwärts.
Die
Hunde sitzen zusammen in Purzels Kiste und schauen uns ziemlich vorwurfsvoll
an, während wir alle wieder arg durchgeschüttelt werden.
Die Kinder vom Dorf oben sind so dreist und halten sich hinten am Borgward
fest während wir durch die Gassen tuckern. Muss für sie ein Riesenspass
sein, für uns nicht gerade. Nicht auszudenken, was wäre, wenn etwas passieren
würde.
Dominik hat den Schirm schon zusammengelegt, als wir unten ankommen. Er ist
irgendwie erschöpft, hatte auch wieder Fast-Dünnpfiff. Wir beschliessen, zum
See zu fahren und uns dort einen Stellplatz für die Nacht zu suchen. Dank der
Beschreibung eines gut französisch sprechenden und offroadfahrenden
Touristenführers finden wir den Zugang zum See und stellen unsere mobilen
Häuser auf ein Plateau über dem See mit schönem Panoramablick in die Berge. Wenn
der Platz auch nicht sehr romantisch ist, um sich auszuruhen reicht es.
Andreas kocht uns Pasta mit Gemüse. Doch Dominik legt sich frühzeitig und
ohne Abendessen ins Bett. Er hat Fieber. Hoffentlich ist das bis morgen wieder
besser. Andreas und ich spielen Scrabble, bis auch wir um 23 Uhr Feierabend
machen.
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Stellplatz: von Marrakesch herkommend, in Lalla
Takerkoust, ca. 200m nach der Brücke, in einer Rechtskurve, links in
einspurige Asphaltstrasse abbiegen. Ab ca. 500 führen links Schotterpisten zu
Campingplätzen - Schotter
Klima und Umgebung: schönes Panorama, Spaziergänge dem See entlang,
evt. Baden im See
Infrastruktur: nada
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21. Januar 2005, Lalla
Takerkoust
Rumhängen
Dominik
geht es wieder besser. Aber es passt schon, dass wir heute hier rumlümmeln
und uns ausruhen.
Dummerweise sehen wir von unserem Stellplatz aus, dass sie fliegen. Und
wie sie fliegen! Einiges überhöht! Am nächsten Tag werden wir erfahren,
dass der eine auf 2400m Höhe gekommen ist!
Andreas pflegt seinen Borgward. In Monteurkluft liegt er sich unter sein
geliebtes Teil und verbringt einige Stunden mit Schrauben, Ölen,
Kontrollieren usw. Der Borgward ist ja mit Jahrgang 60 nicht mehr der
Jüngste. 1986 hat ihn Andreas günstig erstanden und nach seinen Wünschen
umgebaut. Das "Haus" hat er gedreht, Fenster und Türen selbst
eingebaut. Alles Interieur ist von seiner Hand geplant und
umgesetzt.
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Auf unserem Abendspaziergang präsentiert sich die
Gegend von der schönsten Seite. Der Stausee ist zwar nicht sehr gross, aber
er hat viele Buchten und die Bäume, die man ringsherum gepflanzt hat, haben
jede Menge Picnic-Plätze entstehen lassen.
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Auf
dem Weg zurück laufen wir bei einem Restaurant vorbei. Jede Menge Berberzelte sind an der Seite aufgebaut. Heute morgen habe ich hier eine
Riesenmannschaft Spanier gesehen, die mit rund 20 Offroadwagen schon gestern
Abend hier gelandet sind, gefestet und am Morgen grosse Animation veranstaltet
haben. Wir haben sie bis zu unserem Platz gehört. Nun sind sie alle wieder
weg und wir nutzen die verlassene Anlage, um sie zu besichtigen. Zwei Wärter
laden uns zum Tee ein und zeigen uns gleich auch noch die Duschen und
Toiletten. Schön sind hier die Berberzelte, in welchen gegessen und
geschwatzt wird, eingerichtet. Mit Teppichen direkt auf dem sandigen Boden,
hohen Betten/Sofas und dicken Kissen, alles in den prächtigsten Farben.
Darüber ist das dunkelbraune gewebte Berberzelt gespannt. Mit Holzstickeln
wird es in die Höhe gehoben und ringsherum an den Seiten mit Bändern am
Boden festgezurrt. Mit Holzstäbchen ziehen sie die ebenfalls gewebten Bänder
noch fester an. Alles ist aus natürlichem Material. Eindrücklich. Gerne
würde ich einmal ein solches Zelt für mich haben. Die ganze Ambiente
darunter spricht mich sehr an... Nomadenleben...
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Stellplatz: siehe 20.01.05
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22. Januar 2005, Lalla Takerkoust - Aguergou
(ca. 50km S v. Marrakesch, bzw. 10km SO v. Lalla
Takerkoust)
Abschied von Andreas - Endlich wieder einmal fliegen
So, heute ist der Tag, wo wir uns von Andreas verabschieden. Er wird noch
Wäsche waschen und dann Richtung Heimat fahren. Er denkt, in etwa einer Woche
wieder zu Hause zu sein, wo ihn ein hübsches Haus und ein Job erwartet.
Wir haben den Himmel beobachtet und bei den vielen Schäfchenwolken gedacht,
dass wir nach Marrakesch fahren. Doch der Himmel hellt sich schon bald auf und
darum fahren wir noch einmal nach Agergou. Dominik will sich hier fliegerisch
austoben.
Wir verabschieden uns von Andreas. Eine Woche sind wir zusammen gereist. Es
war schön und gut. Auch wenn es insgesamt anstrengender ist, sich mit noch
jemandem zu koordinieren und Entscheidungen zu Dritt zu Treffen, so bringt
es aber auch Abwechslung von der Zweisamkeit und interessante Gespräche. Auch
fühlt man sich stärker zu Dritt und dies ist an Orten, wo z.B. die Kinder
nur auf ein "Opfer" warten schon angenehmer. Andreas mit seinem
Purzel wird uns als lieber Reisekumpan mit coolem Borgward und exzellenter
Küche in Erinnerung bleiben.
In Lalla Takerkoust wollte ich eigentlich Toilettenpapier, Bouillon und
UP-Milch einkaufen. Doch keines von den drei Dingen erhalte ich...
Beim Landeplatz stellen wir das Womo hin (macht sich übrigens gut neben dem
kasbahähnlichen Haus von Ahmed).
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Das Franzosenpaar aus Fez ist ebenfalls wieder hier. Sie nehmen Dominik mit
nach oben. Ich schreibe in herrlicher Ruhe und ohne AK's (gemeiner- aber auch
treffenderweise hat
irgendjemand den hier lästigen Kindern diesen Titel verpasst und nun
bleibt er hängen...) an meinem Tagebuch, lese und schaue ab und zu den Piloten zu, die oben
am Berg hin und her soaren.
Dominik landet wieder einmal vor dem Womo, sprich Haus. Gediegen.
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Bei
Ahmed haben wir Couscous bestellt. Zusammen mit zwei Franzosenpaaren, welche
als Lehrer in Marokko arbeiten und noch einem Paar, welche ursprünglich
Italienisch/Chinesisch waren, aber hier seit 25 Jahren leben und eingebürgert
sind, essen wir in der Küche an einem runden niedrigen Tisch eine Riesenschüssel
superleckeres Couscous.
Sie bestätigen, was uns eigentlich klar war: die Schere zwischen arm und
reich ist riesig hier in Marokko. Sie als Lehrer sind irgendwo dazwischen,
gehören weder zu den einen noch zu den anderen. So bleiben sie mehrheitlich
für sich. Auch unter den Arbeitskollegen finden sie kaum Gleichgesinnte. Sie,
die sportinteressiert, biken, surfen und fliegen wollen, bleiben mit diesen
Interessen alleine. Was wohl zählt, ist, dass sie von Frankreich den Lohn
beziehen und mit diesem Salär und den hiesigen Lebenskosten sich einiges mehr
ersparen können als im Heimatland. Sie scheinen aber auch sonst nicht sehr an
Frankreich zu hängen.
Das also, was wir hier vermissen, nämlich Kontakte auf gleicher Ebene
schliessen zu können, auf Gleichgesinnte zu treffen, den Humor auf der
gleichen Welle zu haben, ist nicht nur von uns nicht zu finden. Es existiert
schlicht nicht oder nur sehr rar.
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Stellplatz: in Lalla Takerkoust von Marrakesch
herkommend vor der Brücke und den Geschäften links abbiegen. nach ca. 1km
wandelt sich Asphaltstrasse in Piste, nach ca. 10km kommt rechterhand das Haus
von Ahmed (Windsack auf dem Dach), auf dem Landeplatz kann campiert werden -
Geröll
Klima und Umgebung: Wanderung rauf zum Startplatz mit genialer Sicht auf
den Hohen Atlas
Infrastruktur: Wasser und Herberge (mit Dusche und kleinem Hamman) mit
Essgelegenheit von Ahmed
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23. Januar 2005, Aguergou
Steinewerfende Kinder
Es verspricht ein gemütlicher Tag zu werden. Leider sind keine sonstigen
Piloten da, obwohl Sonntag ist. Der Wind steht aber nicht schlecht.
Wir beschliessen, zum Startplatz hoch zu laufen. Mit ein wenig Glück
erwischen wir unterwegs ein Sammeltaxi, dem wir den Gleitschirmsack
übergeben können.
Nebst der endlosen Strasse führt ein hübscher Eselspfad mehr oder weniger
direkt zu den Dörfern und dem Startplatz hoch. Es geht entlang Wasserläufen
und durch Olivenhaine. Einige Felder haben schon hohen grünsatten Weizen. In
der zweiten Kurve kommt tatsächlich so ein kleiner Lastwagen, voll mit
Leuten. Der Sack wird nach oben gebracht, bis zum kleinen Shop der im Dorf
oben ist. Wir können ohne Ballast weiterlaufen. Die Kinder hier oben sind
lästiger als unten bei Ahmed. Es ist aber auch kein Wunder bei all den Offroadern, die hier durchkommen und
offensichtlich Zeugs verteilen. Ein Jeep hält an und ein Schweizer steigt
aus, um mit Dominik zu reden. Er ist für eine Woche in Marrakesch, ist Pilot,
hat aber den Gleitschirm nicht dabei. Während wir uns unterhalten beobachte
ich, wie der Fahrer, von den Kindern bestürmt, sein Portemonnaie zückt und
die Dirhams verteilt. Sie klammern sich alle ans Auto und sind ziemlich
dreist. Ich sage zu dem Typ, der ausgestiegen ist, dass man das doch nicht tun
soll. Er sagt, ja, ja, er wisse es schon, es sei nicht gut (getan wird's
trotzdem!).
Der Schirm ist da, alles paletti. Die letzten Höhenmeter machen wir wieder
mit Vollgepäck. Oben genehmigen wir uns zuerst ein PicNic bevor Dominik
rausfliegt. Es ist ziemlich kalt, die Sonne grad verschwunden und ich mache
mich auf den Rückweg.
Ein ungutes Gefühl habe ich schon als ich ins Dorf komme. Ganz offensichtlich
haben die Kinder noch weniger Respekt, wenn einer, wohl auch noch als Frau,
alleine daher kommt. Als einer in der Kindermeute einen Stein nach Zorro
wirft, renne ich ihm nach. Leider erwische ich den Kerl nicht: der hätte die
längsten Ohren der Welt! Mir wird bewusst, dass ich Zorro alleine gelassen
habe. Doch als zurückkehre stehen zwei junge Männer bei ihm und beschützen
ihn offensichtlich. Ich sehe gerade noch, wie sie den Kindern Steine
hinterherwerfen. Ich bedanke mich bei ihnen und gehe weiter mit einem
Riesengroll im Bauch. Weiter unten warten sie auch schon, in einiger
Entfernung hinter Büschen. Von da aus können sie herrlich weiter Steine
werfen ohne dass ich je eine Chance hätte, sie zu kriegen. Mit bösen Blicken
kann ich sie einigermassen im Zaum halten. Aber ich fluche laut vor mich her,
diese ver.... Kinder!
Ein Dorf weiter unten steht schon wieder ein Mädel mit einem Stein in
der Hand. Als ich sie anschaue, lässt sie den Stein fallen, aber kaum bin ich
vorbei und drehe mich um, hat sie schon wieder den Stein in die Hand genommen
und will gerade werfen. Ich gehe auf sie zu und sie rennt davon. Die paar
Erwachsenen, die weiter oben an der Ecke stehen, reagieren nicht, als ich ihnen zurufe, sie sollten besser auf ihre Kinder aufpassen. Sch.. marokkis. Im
Moment habe ich kein Verständnis und keine Geduld mehr mit dem Volk
hier.
Ich versuche die reizvolle Landschaft trotzdem zu geniessen, aber die Wut
sitzt mir im Bauch und es wird wohl ein paar Stunden brauchen, bis sie
verraucht ist.
Zurück beim Womo erhelle ich mein Gemüt mit einem heissen süssen Tee. Während
Dominik und ich draussen sitzen und der Abendsonne entgegenschauen beruhige
ich mich wieder. Aber mir ist inzwischen klar, dass das Land für mich
erledigt ist. Es war das erste und inshallah letzte Mal, dass ich hier zu Gast
war.
Es ist beinahe Vollmond. Unsere Mondschatten zeichnen sich klar ab und die
Landschaft wirkt in ihrem schwarz-grauen Licht ziemlich verlassen. Die Hunde heulen um die
Wette, kein Wunder...
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Stellplatz: siehe 22.01.05
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