|
| |
Reisebericht Marokko 2005-4
Von Marrakesch zurück nach Agadir
24. Januar 2005, Aguergou
- Marrakesch
Marrakesch: Stadt der Kontraste
Zurück ging es über die Holperpiste nach Lalla Takerkoust, wo wir weiter auf
der Hauptstrasse Richtung Marrakesch fahren. Der Verkehr nimmt stetig zu. Auf
einmal tauchen Häuser und Märkte auf. Eine nigelnagelneue Asphaltstrasse
führt rein in die Innenstadt. Dank dem Stadtplan im Führer finden wir den
Stellplatz, den uns Maria und Peter empfohlen hatten auf Anhieb. Zwar ist es
ein simpler hässlicher Parkplatz, aber er ist genug weit weg von der Hauptverkehrsstrasse und er ist bewacht. Es hat auch Wasser und Toiletten.
Sogar Blick auf den Turm der Kutubiya Moschee, das Wahrzeichen von Marrakesch,
haben wir.
Was den Platz aber vor allem auszeichnet, ist die Nähe zum Place Djamaa el
Fna. In 10 Minuten ist man dort und läuft auf dem Weg dorthin an der stolzen und
schönen Kutubiya Moschee vorbei.
Wir gehen zuerst einmal mit Zorro, um einen Blick zu erhaschen und etwas
Kleines zu essen. Eine heisse Suppe und Pastillas (Kartoffelküchlein) von der
Garküche kommen uns da gerade willkommen. Dann kehren wir zurück zum Womo
und lesen nochmals ein wenig im Führer über Marrakesch. Es scheint, dass
Marrakesch nicht eigentlich wichtige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat,
abgesehen von den grossen Gärten, die aber weiter weg sind und natürlich dem
Place Djamaa el Fna, ein Gaukler- oder Rummelplatz.
|
Wir ziehen nochmals
los und spazieren über den berühmten Platz. Jeder, der was zu bieten
hat, macht mit lauter Musik oder mit sonstigem Rufen auf sich aufmerksam.
Frauen sitzen auf kleinen Schemeln und bieten Hennabemalungen an. Alte
Männer sitzen unter Schirmen und versuchen ihre Kobras und andere Schlangen
zum Tanzen zu bewegen. Als ich so eine Schlangenbeschwörung ablichte,
wohlverstanden aus einigen Metern Distanz, kommt
der Mann gleich gerannt und hält mir die Trommel auffordernd unter die Nase. Als
ich ablehne insistiert er. Ich komme wohl nicht darum herum, entgegen meiner
Überzeugung was zu geben. Als ich ihm einen Dirham gebe ist er nicht einmal
zufrieden. Dann kann ich ja gleich eine Postkarte kaufen! Es scheint, dass das
ihr Verdienst ist. Ok, ich werde mich also hüten, hier noch mehr
Fotos zu machen und wenn, dann ganz unauffällig. Ein Teleobjektiv wäre
jetzt ne gute Sache.
|
Der Souk ist enorm eindrücklich.
Er ist teilweise überdacht und das gebrochene Licht, dass durch die Latten in
die Gassen fällt, macht die Atmosphäre noch spezieller.
Ahmed von Aguergou hat
uns erzählt, dass der Marrakescher Souk mittlerweile leider reiner Touristenabriss
ist. Kaum ein Einheimischer geht mehr dort einkaufen, der auf sein Geld
achtgeben muss. Natürlich schauen wir uns das kunterbunte Spektakel trotzdem
an und eigentlich will ich auch was kaufen...
Mein alter Geissenrucksack ist
schon seit längerer Zeit kaputt und den möchte ich gerne ersetzen.
Lederwaren hat es ja genug hier. Aber es dauert, bis ich ein Modell finde,
dass mir gefällt.
Und nun geht das Spiel los: 650 DH will er für den
dunkelbraunen Rucksack haben. Ich mache grosse Augen und wende mich ab. Er
will natürlich unbedingt meinen Preis wissen. 200 DH sage ich ihm. Er ist
damit ganz und gar nicht einverstanden und erzählt irgendwas von 15 Jahren
Garantie, einer Familie, die er durchbringen muss usw. Ich laufe weiter, erkläre ihm, dass ich mir noch andere Taschen
und Preise anschaue. Dominik redet noch weiter mit ihm und kommt mir dann
nach. Er meint, für 300 DH hätte ich den Rucksack wohl bekommen. Da kommt der
Händler aber schon nachgerannt und sagt für 300 DH könne ich ihn haben. Das
wären ja dann schon mal halb soviel wie ursprünglich angeboten. Ich lehne
aber trotzdem ab uns sage, er wisse ja mein Angebot. Er sagt, er dürfe auf der Strasse nicht
den Preis verhandeln, wir sollen ins Geschäft zurückkommen. Ich sage ihm, er
habe ja gerade einen Preis genannt. Jetzt wird geflüstert. Ich sage ihm, 250
DH gäbe ich ihm und basta. Und da, siehe da, willigt er ein. Im Geschäft
seufzt er und sagt, dass sei ein harter Handel gewesen. Ich lache und
bestätige das und erzähle ihm was von wegen wir seien Nomaden. Ich sage ihm,
das sei wahr und überhaupt nicht lustig, wir hätten
nicht soviel Geld, es gebe auch unter den Schweizern Leute mit wenig Geld. Er
schaut ganz betroffen aus. Na also, was die können kann ich auch. So, aber offensichtlich ist er
zufrieden und ich bin es auch. Ich habe eine Mordsfreude an diesem Rucksack
und bewundere ihn noch den ganzen Abend lang. Er wird mir ein Symbol für
Marokko bleiben.
|
Teppiche hängen und stapeln sich in riesigen Sälen
innerhalb des Souks. Eindrückliche Eingänge verlocken einen zum Reingehen.
Schade, dass man nicht einfach nur schauen kann. Alle rufen sie: "nur kucken,
kostet nix, my friend, gut preis" usw. Aber kaum ist man irgendwo nur schon am
sich was genauer anschauen, reden sie auf einen los, dass man nicht mehr
denken kann.
Teppiche hängen auch auf dem Platz von den Wänden und leuchten
in schönen Rot- und Blautönen.
|
Im Souk ist immer alles vom gleichen Gegenstand am
gleichen Ort. Es werden z.B. Oliven an einer bestimmten Stelle verkauft und
dort sind dann gleich mehrere Stände. Scheinbar haben alle das gleiche
Angebot, nur wenig lässt sich beim Vorüberlaufen unterscheiden. Man müsste
sich durch alle Olivenhaufen durchkosten, was man wohl durchaus machen
dürfte, sofern man dann auch etwas kauft. Ich beschränke mich aufs
Fotografieren. Der Mann hinter dem Stand hält die Hand vor die Augen, so dass
man ihn auf dem Foto nicht erkennen kann.
|
Für den Moment sind wir satt von Eindrücken. Wir gehen
zum Womo zurück und verschnaufen uns ein, zwei Stunden, bevor wir noch einmal
losziehen. Der Gauklerplatz soll vor allem abends richtig zum Leben erwachen.
Es ist dunkel geworden und der halbe Platz ist nun mit mobilen Garküchen besetzt. Sicher 40 Kochstellen
preisen lauthals ihre Speisen an. Rauch und Dampf steigt zum Himmel und verwandelt Szenen
und Menschen auf dem Platz in nebulöse Gestalten. Die Gerüche sind so wirr,
dass einem die Sinne schwirren.
Wir spazieren durch die
Leute und schauen immer mal wieder einem Geschichtenerzähler oder einer Musikgruppe
zu. Mir fällt auf, dass wir sozusagen die einzigen Touristen sind.
Ein junger
Typ drängelt sich an mich. Zuerst denke ich, na, der will auch über die
Köpfe hinweg sehen. Ich nehme meinen neuen Rucksack nach vorne und wir gehen zum
nächsten Menschenkreis. Doch schon wieder drückt sich jemand von hinten an
mich. Als ich mich umdrehe ist es der gleiche Typ von vorhin. Ich bin
irritiert und erzähle Dominik beim Weiterlaufen davon. Als wir wieder
irgendwo zuschauen und dieser Typ zusammen mit anderen schon wieder in meiner
Nähe steht, stellt Dominik ihn vor allen anderen Leuten zur Rede. Er tut ein bischen so, wie wenn er nichts wüsste,
fühlt sich aber offensichtlich schuldig. Auf alle Fälle hat es genutzt.
Diese Jungs lassen uns ab da in Ruhe.
Man könnte fast ein wenig Angst kriegen, wenn man sich bewusst macht, dass
wir hier auf dem Platz wohl die einzigen Europäer sind. Einige junge Typen,
die sich cool geben und mit Sonnenbrille auf dem Kopf bewaffnet durch die
Gegend schlurfen, sind nicht ganz koscher. Trotzdem, wir fühlen uns gut und
sicher. Dass sich Dominik gegen die Anmache auf clevere Art durchgesetzt hat,
hat meinem Sicherheitsgefühl ganz gut getan. Wenn es auch ziemlich
unfeministisch (;-)) ist, so schätze ich die männliche Begleitung an meiner
Seite doch sehr.
Wir laufen eine Gasse
hinunter und sehen ein Riad. Ah, kommt genau richtig, so ein hergerichtetes
Haus/Hotel wollten wir uns schon lange einmal ansehen. Riads sind ehemalige
Privathäuser vermögender Leute. Sie werden, nachdem sie vielfach lange
leergestanden sind, aufgekauft und als Hotel hergerichtet. Es sind herrliche
Häuser, denen man dies meist von aussen nicht ansieht, denn die Marokkaner
leben gegen innen. D.h. gegen aussen haben die Häuser nur wenige Fenster und
die Fassade
ist unscheinbar. Innen aber gibt es herrliche Innenhöfe mit Springbrunnen, mosaikverzierte
Böden, Säulen und Türrahmen. Blumen und Bäume ranken sich zum
offenen Himmel. Nach oben oder unten schauend, sieht man auf jedem Stockwerk
Innenbalkone rings um den Innenhof führend. Ganz oben auf dem Dach befindet
sich dann eine grosse Terrasse. Der Besitzer oder Gerant, der uns das Hotel zeigt und nach
oben führt, öffnet uns auch die Türe zum Hamman, aus welchem uns warme
aromatische Luft entgegen kommt. Oben auf der Terrasse wurden ringsherum
farbige Pseudo-Berber-Zelte aufgestellt, darunter dicke Sofas und Kissen, überall Kerzen und
hübscher Schnickschnack. Wir geniessen, scheinbar fernab der städtischen
Hektik, genüsslich einen heissen Münzentee, bewundern das schöne Haus und
die interessante Bauweise.
Als wir später wieder zum Gauklerplatz zurückkommen haben wir Kohldampf. So,
jetzt wird geschmaust. Doch was und an welchem Stand? Die Köche sind so
aggressiv in ihrer Werberei, dass man kaum einfach nur stehen und schauen
kann. Einem erklären wir, dass er ruhig sein soll, wir könnten vor lauter
Rederei nicht mehr entscheiden, was wir wollen. Hat genutzt, er schwieg, wenn
auch offensichtlich auf Nadeln. Es gab einen Moment, da redeten sie von drei Seiten auf uns ein. Ich
lief weiter während Dominik sich köstlich amüsierte. An einem Stand mit Spiesschen
setzten wir uns dann hin und überlegten uns genau, was wir wollten.
Genau
das, was man will, auch so zu bestellen, dass man es dann auch kriegt, ist enorm
schwierig. Zu schnell wird einem irgendetwas oder viel zu viel aufgetischt.
Als wir uns energisch durchgesetzt und verständlich gemacht haben, schnaufen
wir auf und lachen. Oh Mann, braucht das Energie, hier etwas zu essen zu
bekommen! Dafür schmeckte es dann aber auch sehr gut. Beim Zahlen hatten wir noch
einmal ein ähnliches Theater. Alles mussten wir durchrechnen. Es scheint, wie wenn alles so Handgelenk
mal Pi geht, natürlich immer zu Gunsten des Händlers. Wir haben aber keine
Lust, uns über den Tisch ziehen zu lassen. Erstaunlicherweise scheint es, wie
wenn sie dieses Verhandeln schätzen. Man nimmt es uns nicht übel, dass wir
diskutieren und hinterfragen. Im Endeffekt müssen wir sagen, dass man sich
zwar das Essen in Marrakeschs Garküchen aufwändig erkämpfen muss und dabei
zuviel dafür bezahlt, dafür ein echtes Erlebnis hat. Wir gehen müde, aber zufrieden nach Hause. Ziemlich
aufgewühlt von all den Eindrücken und Erlebnissen reden wir noch lange, um
unser Energielevel wieder runterzubringen.
|
Stellplatz: in Marrakesch bei der Moschee Kutubiya
(steht linkerhand) vorbei. Die nächste Strasse links rein, nach 200m linkerhand grosser
Parkplatz - Schotter
Klima und Umgebung: supernah für die Souks und den Place Djamaa el Fna,
ruhig, nicht gerade supersauber
Infrastruktur: Wasser und Toiletten, 40 DH/24 Std.
|
25. Januar 2005, Marrakesch
- Ait Ourir (ca. 30km O v. Marrakesch)
Nebel über Marrakesch
Der Tag ist verhangen. Seit einem Monat ist es das erste Mal, dass ein Tag
wieder einmal nicht sonnig oder immerhin mehrheitlich sonnig ist. Wir wollen
nochmals auf den Platz und ins Internet. Unser Provider für die Homepage,
Green.ch, hat uns mit einem komplett neuen Look und Aufbau für die Mailbox
ziemlich negativ überrascht. Unsere Adressgruppen muss ich neu
zusammenstellen und der Aufbau der neuen Mailbox-Fenster ist viel aufwändiger
als bisher und dauert
entsprechend länger. Glücklicherweise sitzen wir in einem Internet-Point mit
guter Verbindung. Trotzdem mühsam, sich von unterwegs in neue Strukturen
einzuarbeiten, schliesslich wollen wir nicht Stunden hier drin sitzen. Der
Upload klappt dafür hervorragend.
Wir setzen uns auf eine
Panoramaterrasse und beobachten von diesem Adlernest
aus das Geschehen auf dem Platz unter uns.
|
Es ist ziemlich kalt und darum
vergeht uns bald das Glotzen. Wir haben genug von Marrakesch gesehen, obwohl
es noch viel mehr gebe.
|
Die Wasserverkäufer laufen den lieben langen Tag über den Platz und bieten
den Leuten Wasser aus goldenen Schalen zum Trinken an. Ihre rote Kleidung,
der kurlige Hut und die Rasseln, die am Hemd angemacht sind, machen sie
unübersehbar.
Bevor wir losfahren, tanken wir noch Wasser voll. Auf
dem Weg nach Ait Ourir kommen wir in die Nähe eines Marjane
(Rieseneinkaufszenter) und lassen uns verführen. Wir gehen einkaufen und
lassen 850 DH liegen, soviel wie schon ewige Zeiten nicht mehr. Dabei haben
wir weder Wein noch Bier noch Fleisch gekauft.
Nach 20km Fahrt erreichen wir unser heutiges Ziel: Ait Ourir. Zuerst suchen
wir eine Wäscherei, wo wir unsere Wäsche von drei Wochen, das sind sicher an
die 15kg, abgeben. Morgen Abend gehen wir sie wieder holen. Mit dem Womo
fahren wir der eindrücklichen Bergkante entlang Richtung Süden.
Nach etwa 3km biegen wir links in ein Piste ab und stellen uns auf einer
flachen Stelle nahe am Berg hin. Von hier sieht man auf das rote Lehmdorf
hinunter und wenn es sichtig wäre, würde man vermutlich sogar Marrakesch
sehen. Schön ruhig hier. Die
Kinder, die wenig später bei uns ankommen, sind nicht so arg, halt einfach
neugierig. Immerhin bettelt keiner von ihnen und sie ziehen auch wieder von
dannen als wir uns ins Innere verziehen.
Als es dunkel ist können wir anhand des Lichterscheins Marrakesch im Westen
ausmachen.
|
Stellplatz: von Marrakesch Richtung Fes und Ait
Ourir. In Ait Ourir in eine einspurige Asphaltpiste rechts abbiegen, Richtung
Tidili-des-Mesfioua, Ende der Bergkette (ca. 3km nach Ait Ourir) links auf
Schotterpiste abbiegen - Schotter
Klima und Umgebung: sehr ruhig, etwas vom Dorf weg, Kinder sind nicht so
aufdringlich hier, Wanderung auf den Berg mit genialer Weitsicht und Blick auf
die bizarr anmutende Bergkette
Infrastruktur: nada, Wasser würden die Kinder vom Dorf bringen, junge Männer
tragen den Gleitschirmsack zum Startplatz hoch
|
26. Januar 2005, Ait Ourir
Wolkendecke über bizarrer Felsengegend
Es bleibt verhangen. Und es ist kalt. Das Thermometer steigt nicht über 12°.
Nach dem Frühstück ziehen wir los, um auf die Bergspitze hinter uns zu
kommen. Wir nehmen anfangs die Piste, die bis zum Dorf führt. Ich befürchte,
dass die Kinder schon wieder angerannt kommen, wenn sie uns und Zorro sehen.
Doch wir haben Glück, sie halten sich zurück. Wir klettern über glatte
Felshänge hinauf bis zur Spitze. An der Kante oben sind grobe Felsen, die
über den Abhang hinausragen. Der Blick ist bzw. wäre gigantisch. So schade,
dass der bewölkte Himmel den Blick im Grau verschwinden lässt. Beide
Startplätze sind offensichtlich. Ein roter Fuchs verschwindet gerade, als wir
über eine Kante kommen. Zorro nimmt die Spur auf und ist ganz
aufgeregt.
|
Wir suchen uns einen Abstieg auf der westlichen Seite und folgen den tausend
Geissenwegen, die im Hang horizontal um den Berg führen. Vereinzelt stehen
blühende Mandelbäume im Acker. Vor den roten Ruinen der Kasbahs sieht es
sehr reizvoll aus. Nur, Fotowetter ist nicht heute.
Als wir wieder Blick auf's Womo haben, sehe ich mit dem Feldstecher, dass die
Jungs und wohl auch Erwachsene nah beim Auto stehen, auch vor der Türe. So
ein Mist. Wir rufen und pfeifen, ohne Erfolg. Hoffentlich räumen die nicht
wirklich unser Heim aus. Ich glaube es zwar nicht. Zu nah stehen wir beim
Dorf.
Als wir zurück sind, sehen wir, dass sie alles angefasst haben und die Treppe
ist nicht mehr ganz in der Halterung, aber es ist alles ok.
|
Dominik zieht nach dem Mittagessen los, um das Dorf anzuschauen. Ich bleibe im
Womo, schreibe und lese. Es ist mir zu kalt und unfreundlich und ausserdem hab
ich keine Lust auf eine johlende Kinderschar. Als Dominik zurückkehrt bringt
er ein paar junge Männer vom Dorf mit. Zudem hat er ein hausgebackenes Brot
und zwei Tontöpfe dabei. Im Dorf gibt es eine Töpferei, die sie ihm gezeigt
haben, die Töpfe hat er geschenkt bekommen. Einer der jungen Männer
übergibt mir einen Strauss frische Münze. So nett! Ich habe echt Freude
und denke, es gibt eben überall alles.
Die Männer anerbieten Dominik, den Gleitschirmsack nach oben zu tragen. Da
mittlerweile die Sonne ein wenig hervorgekommen ist, macht sich Dominik mit
drei der Männer auf den Weg nach oben. Ich bleibe im Haus, hab keine Lust, in
die Kälte rauszugehen.
Etwa zwei Stunden später landet Dominik vor dem Womo. Nach anfänglichem
Schwachwind konnte er doch noch ca. 35 Minuten in der Thermik fliegen. Die
Jungs sind auch wieder zurück und helfen uns, den Schirm zusammenzulegen. Es
sind nette Typen - sie können sogar Witze machen und lachen.
Wir machen das Womo schüttelfest und fahren nach Ait Ourir, um unsere Wäsche
abzuholen. Auch hier sind wir wieder angenehm überrascht. Die beiden Männer
nennen einen fairen Preis, der mit dem, was wir gestern ausgehandelt hatten in
etwa übereinstimmt. Kein Feilschen und Übersohrlegen. Blöd nur, dass die
Wäsche noch so feucht ist, dass wir sie nicht richtig verräumen können. Wir
werden sie morgen früh an die Leine hängen müssen.
|
|
Stellplatz: siehe 25.01.05
|
27. Januar 2005, Ait Ourir -
Tarhazoute (ca. 20km N v. Agadir)
Der Nordostwind schiebt uns wieder an die Küste
Es regnet und ist kalt. Unser Plan mit Wäsche draussen aufhängen passt nicht
in Petrus' Konzept. Es hat sogar bis tief hinunter geschneit. Auch unserer
anderer Plan, über den Tiz'n Tichka nach Quarzazate zu fahren passt nicht so
recht zu den Schneebergen. Was nun? Hier warten?
Wir entscheiden uns, wieder an die Küste zu fahren. Solange es tief geschneit
hat und es entsprechend kalt ist, macht es keinen grossen Sinn, in die Berge
zu fahren. Nach Agadir wollte Dominik sowieso noch einmal. Also nehmen wir die
Strecke jetzt unter die Räder. Immerhin ca. 300km! Wir legen die Wäsche im
Alkoven aus, um sie während des Fahrens trocknen zu lassen und stellen mit
immer grösserem Ärger fest, dass sie teilweise stinkt. So ein Mist! Ohne
Zweifel wurde ein Teil der Wäsche schlecht gespült. Eine Ecke des
Fixleintuches stinkt wie ein alter Waschlumpen. Bei anderen Wäscheteilen habe
ich den Eindruck, dass sie nur unter das Dampfpressbrett gehalten wurden. Wir
werden die Wäsche richtig auslüften und trocknen lassen und das
aussortieren, was unzumutbar ist.
Wir fahren über Marrakesch. Zu einem grossen Teil führt eine doppelspurige
Strasse mehr oder weniger ringsherum. Das Verkehrsaufkommen in Marokko hält
sich ja noch ziemlich in Grenzen. Auch wenn Eselskarren, Kutschen und
Zweiradfahrer die eine Spur manchmal ziemlich belegen. Was die Italiener
aggressiv sind die Marokkaner verschlafen im Verkehr. Wenn die Italos aus zwei
Spuren drei machen, reduzieren die Marokkis die Spuren auf eine. Klapprige
Busse fahren mit Zielsicherheit in der Mitte zweier Strassen. Obwohl ich ein
eher gemütlich fahrender Mensch bin, reizt mich Stadtverkehr. Also beginne
ich zu hupen und zu überholen, links und rechts. Dominik grinst mich von der
Seite her an und gratuliert mir nach geglückter Umfahrung zu meinem
couragierten Fahrverhalten...
Mittagspause machen wir an einem Oued mit Bäumen. Wir spannen das Wäscheseil
und hängen fast unsere ganze Wäsche nach draussen. Nach zwei Stunden,
während denen ein kräftiger Wind bläst, nehmen wir sie wieder ab und
spedieren den zweifelhaften Anteil direkt in den Wäschesack.
|
Immer
wieder mal ist so ein überladener Heuwagen vor uns. Man sieht kaum an ihnen
vorbei, so breit und hoch sind sie geladen. Wenn die Strasse leicht schräg
ist, sieht es aus, wie wenn die ganze Karre demnächst kippen würde. Ziemlich
abenteuerlich. Zudem dieseln diese alten Lastwagen tiefschwarz aus dem
Auspuff, wenn sei eine Anhöhe erklimmen, sie pfeifen aus dem letzten
Loch.
|
Ein extrem heftiger Nordostwind schiebt uns regelrecht über die vielen
kleinen Pässe Richtung Agadir. Der Himmel lichtet sich immer mehr. Blauer
Himmel kommt in Sicht. Immer mehr blühende Mandelbäume sehen wir in roter
Umgebung. Die Spitzen des Anti Atlas sind frischweiss gestrichen.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Tarhazoute, genannt die Platte oder Paradies
Plage. Schon zur Flower-Power-Zeit kamen Reisende hierher und liessen
sich für längere Zeit nieder. Hier entstand eine Art Hippiedorf. Ein Teil
der Leute, die heute hierher kommen, waren schon dazumal hier... Wenn das
früher, wer weiss, vielleicht zwanzig oder dreissig waren, dann sind es heute
mindestens zehn mal so viele. Wir finden einen Platz auf dem
"Schweizerhügel". Zwei Busse mit Schweizern stehen hier. Mir
scheint, unser Nachbar in einem umgebauten gelben Postbus hat nicht so Freude an
seinen neuen Nachbarn (uns). Er
muss ein bischen zirkeln, bis er rausfahren und nach Agadir in den
Ausgang gehen kann. Er wird (leider!) wieder zurückkommen.
Es windet immer noch extrem und wir verkriechen uns schon bald in
unser Heim.
|
Stellplatz: siehe 10.12.04 bzw. Nähe Tarhazoute ca.
20km N v. Agadir - Sand
Klima und Umgebung: schöner breiter Strand, jede Menge Wohnmobilisten und
Camper
Infrastruktur: die Händler kommen hierher, man kann fast alles von ihnen
kaufen, bekommt auch Wasser, ansonsten Wasser im übernächsten Dorf, vor der Brücke rechts runter an den
Fluss (rechts in der Ziegelei, wenn draussen Wasser nicht läuft), nicht alle
zahlen die Gebühr von 10DH
|
28. Januar 2005,
Tarhazoute
Kalter Wind und unangenehme Schweizer Nachbarn
Wir stehen gut im Wind, die Nivellierstützen halten das Womo
ziemlich ruhig. Das ist auch wichtig, denn es bläst immer noch krass. Also,
leider, Frühstück drin. Hinter uns haben sich Einheimische einen kleinen
Stand aufgebaut und verkaufen das Allerwichtigste. Das verschafft uns den
luxuriösen Genuss von frischem Brot zum Frühstück.
Ein langer Spaziergang am Strand zeigt uns die Dimension der Womostadt auf der
Platte in seiner ganzen Länge. Voll krass, und wir mitten drin! Nun gut,
nicht gerade voll. Voll drin wäre, wenn links und rechts von einem mindestens
zehn Womos stehen und vorne und hinten etwa je fünf Reihen. Dort wo wir
stehen, ist es leicht hügelig, wir haben Blick auf's Meer, ein bischen Wiese
im Sand, unsere Nachbarn stehen willkürlich und nicht in Reih und Glied und
die Reihe ist eine Einzelne. Ich bin kaum eine Nacht hier und schon sehne ich
mich wieder nach Einsamkeit. Das hier ist zu krass.
Als wir draussen beim Tee sitzen, kommt der Zürcher, den wir schon in Legzira
angetroffen hatten (der mit dem schönsten Hymer der Welt) zu uns und wir
tratschen über Marokko, das Land und die Leute. Er war mit einer Marokkanerin
verheiratet, ist jetzt wieder mit einer Marokkanerin unterwegs, kommt schon
seit dreissig Jahren hierher und kennt sich also aus. Nebst den guten Seiten,
die Marokko bzw. ein Aufenthalt hier haben, sind wir uns einig, dass die
schlechten Eigenschaften es nicht gerade einfach machen, das Land hier zu
lieben. Die Mentalität und die Kultur sind so verschieden, dass
Enttäuschungen vorprogrammiert sind. Im Endeffekt hat man seinen Horizont
ganz schön erweitert, aber kommt wahrscheinlich kein zweites Mal hierher.
Ausser man stellt sich an so einen Ort wie die Platte, zusammen mit
zweihundert anderen und verbringt drei Monate in abgeschotteter Atmosphäre,
schlicht um den europäischen Winter zu verkürzen. Ich denke, viele, die hier
stehen, machen das so. Im Daerr-Führer steht, dass die meisten Touristen nur
einmal, lediglich 3% ein weiteres Mal kämen. Obwohl der Tourismus der
drittwichtigste Devisenbringer (nach den Phosphateinnahmen und den
Gastarbeiterüberweisungen) für das Land ist! Marokko hat starke Konkurrenz, vor allem durch Tunesien, das billiger ist, flexibler
auf Änderungen und spezielle Marktchancen reagiert und weniger mit
marokkospezifischen Imageproblemen (Belästigung durch bettelnde Kinder und
Geschäftemacher, Drogenkriminalität usw.) zu kämpfen hat. Hinzu kommen nach
dem Attentat im Mai 2003 in Casablanca die Ängste vieler Touristen.
Der Wind lässt nicht nach und es ist verhältnismässig kalt. Wir hören,
dass es bis nach Marrakesch und Meknes hinunter geschneit hat. Unsere
Entscheidung an die Küste zu fahren, war wohl richtig. Ein Mann schiebt ein
Fahrrad vorbei... den kennen wir doch. Es ist Horst! Grosses Hallihallo. Er
steht wenige Kilometer weiter nördlich bei den Surfern. Wir setzen uns
zusammen und reden. Sein Womo wurde repariert, aber es scheint immer noch
nicht so zu funktionieren wie es sollte. Er wird also in der Nähe der Küste
bleiben und keine waghalsigen Abwege einschlagen. In der Zeit, wo er hier um
Agadir war, ist er einmal zum Fliegen gekommen und zwar beim Kilometer 25.
Diesen Ort wollen wir, sobald der Wind sich beruhigt hat, ebenfalls noch
aufsuchen.
Zum Abendessen gibt's Falaffel. Eine Fertigpackung im Einkaufscenter hat mich
verführt. Es ist erstaunlich gut, mit Tomatensalat und frischem Brot eine
leckere Abwechslung.
Unser lieber Schweizernachbar vom Postbus hat angedroht, meinen Hund totzuschlagen, wenn
er ihm bei Dunkelheit über den Weg kommt.... wo bin ich hier? Was ist los?
Ok, es hat viele Hunde hier und fast alle bewegen sich mehr oder weniger frei.
Ist ja auch kein Wunder, fast jeder Reisende hat einen Hund dabei und da hier
sowieso jeder tut und macht, was er will, lässt man auch die Hunde frei
laufen. Ist weiter auch kein Problem, denn die verstehen sich untereinander
prima und sind viel relaxter, als wenn sie angebunden bleiben. Das Problem sind die Hunde, die niemandem gehören, in der
Nacht herrenlos herumstreunen und sich gegenseitig verbellen. Kann schon
passieren, dass man das Pech hat und so ein Kläffer lässt einen die halbe
Nacht nicht schlafen. Dass einer gleich mit Totschlagen drohen muss, zeigt,
dass er wohl so ein Opfer ist. Nun, ich habe ihm klar gemacht, dass er meinem
Hund kein Haar krümmt, denn sonst... ja, dann werd ich mich mal so richtig
ausleben... der spinnt doch... So, soviel also zu marokkanischem und
schweizerischem Verhalten...
|
|
Stellplatz: siehe 27.01.05
|
29. Januar 2005, Tarhazoute - km25 (Startplatz,
ca. 25km N v. Agadir)
Suche nach Starplatz bei km25
Unser
Nachbar ist wieder friedlich. Ich hätte sonst auch keine ruhige Minute mehr!
Ich bekomme mit, dass auch ein anderer ihm sagt, er solle sich nicht so
aufregen. Am Vormittag duschen wir, ich putze das Häuschen ;-), wir palavern
und gegen Mittag fahren wir nach Agadir, um unsere Gasflasche abfüllen zu
lassen. Bei Liquid Air, ca. 1km vor Agadir (bei den grossen silbernen
Gas-Kugeln), stehen die Womos schon Schlange! Und wer sitzt dort gemütlich in
der Sonne mit einer Zeitschrift bewaffnet? Horst! Er hat die Gasflasche vor
ca. eineinhalb Stunden abgegeben. Andere Wohnmobilisten, die am Eingang
stehen, berichten, dass sie schon drei Stunden warten! Das ist uns zu blöd.
Zudem kostet es mehr, als uns das eigene Abfüllen zweier Flaschen kosten
würde. Wir beschliessen, uns eine Flasche zu kaufen, wie gehabt, und sie
selber abzufüllen.
Da wir grad schon bei Agadir sind, fahren wir auf die Kasbah, um uns die
dortigen Startplätze anzuschauen und die Aussicht auf Agadir und ....
|
...den
Hafen zu geniessen.
Hoch ist sie nicht, trotzdem ruht sie, auch wenn verfallen, stolz und mächtig
auf dem Hügel nördlich von Agadir und überblickt den ganzen
Küstenabschnitt. Wir haben Blick über die Stadt, die runde Bucht und den
breiten Sandstrand, der in der Saison mit Touristen überfüllt ist.
Der Wind ist zum Fliegen zu stark. Ein Einheimischer kann Dominik bestätigen,
wo exakt gestartet wird und weiss auch sonst ziemlich Bescheid.
Wir fahren runter in die Stadt, um in einem Internet-Point neue Mails
runterzuladen. Gleich nach dem Camping und dem Hotel Oasis ist ein Internet-Point
mit guter Infrastruktur und wir ärgern uns ein bischen weniger
über die neue Outlook-Aufmache von Green, unserem Provider.
Anschliessend brechen wir wieder nordwärts auf, um den Startplatz bei km25,
so heisst er, aufzusuchen. Die Beschreibung ist vage und so landen wir nach
langer Sucherei auf einer Piste, die zu einer Kante hochführt, welche passen
könnte. Nach zwei, drei Kilometern auf der rütteligen Strasse beschliessen
wir, für heute die Sucherei aufzugeben, uns hinzustellen und morgen zu Fuss
weiterzusuchen.
Auf dem kurzen Fussmarsch, den wir gleich darauf, entlang der Strasse,
unternehmen, sehen wir nach wenigen hundert Metern, dass die Strasse den Hang
runtergerutscht ist. Darum kommt hier also kein anderes Fahrzeug entlang, ich
habe mich schon gewundert. Auch wenn es nun nicht mehr mit der uns
beschriebenen Auffahrt übereinstimmt, so sieht die Kante, oberhalb von uns,
schon passend für's Fliegen bei Nordwestwind aus. Nun gut, wir werden es
morgen herausfinden. Eine Wanderung in dieser Gegend wollen wir ohnehin
unternehmen.
|
Stellplatz: von Agadir Richtung Norden, nach dem
Kilometerstein 25 geht rechterhand eine Schotterpiste von der Strasse ab, nach
ca. 3km ist Strasse abgebrochen - Pistengeröll
Klima und Umgebung: absolut ruhige und abgelegene Stelle, keine Kinder, nur
Kamele, Wanderung zum Dorf hinauf
Infrastruktur: nada
|
30. Januar 2005, km25
Kamele als Morgenbegrüssung - Wanderung auf Geissenpfaden durch frischen
Lavendel
Hier
oben hat es einiges weniger gewindet als gestern noch auf der Platte. Zudem
war es herrlich ruhig und angenehm. Als Dominik Zorro am morgen aus dem Auto
lässt, gibt er gleich warnbellend an. Dominik ruft: Kamele! Ich schäle mich
aus meinem gemütlichem und warmem Bett und staune nicht schlecht, als ich die
Herde sehe, welche die Strasse entlang kommt.
|
Sicher
zwanzig Kamele, alle sehen noch recht jung oder wenigstens unverbraucht aus,
kommen langsam dahergetrottet. Zuerst bleiben sie stehen und schauen
argwöhnisch. Ein grösseres Tier, ein Reihe anführend, schaut zurück und
marschiert dann auf mich zu. Ich mache ihm Platz und majestätisch schlurft es
an mir vorbei. Wir sind ganz aufgeregt. So viele Kamele so nah bei uns haben
wir doch noch nie erlebt. Sogar ein weisses ist dabei. Die einen sind scheuer,
und machen einen Bogen um uns herum, quer durchs Gebüsch. Sie essen von den
stachligen dürren Büschen, grösstenteils Arganien. Es scheint ihren Lippen
nichts auszumachen. Man hört sie kräftig auf den Backenzähnen malen. Sie
wirken auf mich extrem souverän. Wohl die einzigen Viecher, die in dieser
Gegend ohne Menschenhilfe überleben können. Ihre ruhige Gangart strahlt
Sicherheit und Gelassenheit aus. Ich bewundere sie.
|
Nach
dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke und marschieren los. Wir laufen
zuerst auf Geissenpfaden den Oueds entlang ins Tal hinein und aufwärts.
Frischer Lavendel und weisser Asphodelus (Kleinfrüchtiger Affodill) welche wir
schon überall im Januar in Sizilien angetroffen haben, blühen und duften.
Immer ist es eine Überraschung, zu sehen, was man von einem Gipfel aus sieht.
Auf der Kante angekommen, sehen wir vor unseren Augen eine weite, leicht
hügelige Ebene, links von schräg liegenden Felsen abgegrenzt und weiter
entfernt von einer weiteren Gebirgskette umzingelt. Hier oben wird eifrig Landwirtschaft
betrieben. Viele Olivenbäume und ergrünende Äcker liegen und
stehen grosszügig auf der Fläche verteilt. Sogar eine Oase entdecken wir.
Das Dorf auf der Kante ist auch nicht das einzige. Weiter entfernt sehen wir
eine recht grosse Moschee. Es gibt etliche Dörfer hier, Pfade führen kreuz
und quer übers Ackerland.
|
Wir
laufen durch das Dorf und ich bin froh, dass die Kinder hier recht scheu sind.
Es hat wohl auch nicht viele. Wir marschieren der Kante entlang zur Antenne
und dann noch ein wenig weiter, bis wir einen Platz finden, der offensichtlich
ein Startplatz ist. Der Boden ist frei von Büschen und leicht geneigt. Keine
Bäume verhindern einen längeren Startlauf und der ganze Hang ist leicht
muldenartig. Also perfekt zum Starten. Landen würde man unten auf der Plage.
Die Gegend hier ist übersäht von Arganien. Eine lange Bergkette im Norden
ist regelrecht gesprenkelt mit dem Grün dieser Bäume.
|
Wir
laufen noch ein wenig weiter, um am höchsten Punkt eine Rast zu machen und
dann umzukehren. Mit Steinbrocken haben sich die Leute hier Gehege errichtet.
Oben auf der Mauer ist mit Dornengestrüpp eine Barriere gegen unerlaubtes
Eindringen errichtet. Drinnen sieht man Boden, der wohl später für das
Anpflanzen von Gemüse verwendet wird. Vielleicht werden sie aber auch gar
nicht mehr genutzt. Auf alle Fälle sieht es archaisch aus. Ich denke, so hat
man schon vor 1000 Jahren sein Gemüse vor Tieren und ungebetenen Gästen
geschützt.
Das Gestein hier ist voll von versteinerten Muscheln. Grosse Jakobsmuscheln
und einfachere längliche finden wir. Wenn man sich Mühe geben würde,
könnte man hier vermutlich noch exotischere Versteinerungen finden. Die
Dinger sind leider zu schwer, um sie mitzuschleppen.
|
Unterhalb
der Felsenkante haben Wind und Wetter während x-tausend Jahren Höhlen in die
Felsen geschliffen. Sicherlich wurden sie einmal genutzt. Heute finden nur
Geissen und ihre Hüter hier Schutz vor Hitze und Wind. Sie sehen herrlich
bizarr aus. Auf Geissen- und Kamelpfaden erreichen wir bald wieder unser
Womo.
Dominik zieht nach dem Mittagessen nochmals los, diesmal mit dem Gleitschirm
bewaffnet. Ich bleibe beim Womo. Etwa eine Stunde später funkt er mir, dass
der Wind zu stark ist. Er wird warten müssen, bis er abgibt, wenn überhaupt.
Kein Problem, ich geniesse diese Zeiten für mich alleine immer sehr. Bei
einem 24-Stunden-Beisammensein sind solche "Einsamkeiten" eine nette
und guttuende Abwechslung. Drei Stunden später ist er wieder da. Der Wind
hatte eher zu- als abgenommen und er musste wohl oder übel wieder
zurücklaufen. So schade! Wäre sicherlich cool gewesen, hier zu fliegen.
Vielleicht versuchen wir es Morgen nochmals...So schade!
|
|
Stellplatz: siehe 29.01.05
|
31. Januar 2005, km25 -
Tifnit (ca. 30km S v. Agadir)
via Agadir (Marjane) zur Küste Tifnits
Auch heute morgen ziehen die Kamele wieder bei uns vorbei. Diesmal
schon ein wenig weniger scheu. Der Junge, der die Tiere begleitet, schnorrt
uns eine Zigarette ab und gibt uns dann zu verstehen, dass man hier Fossilien
finden kann. Wir haben schon hier, gleich neben dem Womo versteinerte Muscheln
gefunden. Nach dem Frühstück machen wir einen Spaziergang zum Bachbeet
runter. Ja, tatsächlich, hier liegen sie zu Hauf rum. Allerdings immer das
gleiche Modell. Ich beschränke mich auf's Fotografieren und lass sie lieber
hier liegen.
|
Wir fahren zurück, geben die Gasflasche zurück, welche wir hatten, um
abzufüllen, tanken nochmals Wasser voll und fahren dann durch Agadir durch
bis zur Marjane, wo wir nochmals einkaufen gehen. Diesmal "gönnen"
wir uns wieder einmal zwei Flaschen Rotwein, marokkanischen, logo.
Weiter geht
es südwärts und bald westwärts, bis wir in Tifnit ankommen, wo wir vor
sieben Wochen schon einmal für eine Nacht waren. Damals hatte es jede Menge
Heuschrecken. Diesmal sind zwar keine Heuschrecken zu sehen, dafür Womos!
Hoppla, hätte nicht gedacht, dass das ein Platz für Womis ist. Etwa fünf,
sechs stehen oben beim alten verfallenen Campinggebäude, weitere acht oder so
unten an der Klippe. Wir stellen uns ebenfalls ziemlich nah an die Klippen mit
dem Panoramafenster Richtung Meer, Bucht und Tifnit.
Gleich nach uns kommt noch ein deutsches Wohnmobil, welches sich auf die
andere Seite stellt (rechts im Bild). Henny und Rainer. Henny kennt mich von meinen
Reiseberichten her. Seit letzten November sind auch sie losgelöst, haben
Wohnung und Jobs aufgegeben, sich das Womo als Heim ausgewählt, was sie aber
schon vorher hatten, und sind nun unterwegs Richtung Senegal, aber ohne
Fixierung.
|
Dominik zieht mit seinem Gleitschirm los, um ein paar hundert Meter weiter
südlich an der Klippe zu fliegen. Ich spaziere mit ihm mit. Leider ist der
Wind aber so stark, dass mehrere Aufziehversuche scheitern. Es schleift ihn
einige Meter über den Sand.
Mir ist es auch zu kalt und ich wandere zurück. Rainer spendiert Henny und
mir einen Pastis und wir schwatzen im Windschutz des Womos und beobachten
dabei, wie die Sonne, klar und ohne Spiegelungen glühend im Meer
versinkt.
Der Platz ist gut hier. Keine Kinder, keine Händler, keine Gebühren, keine
Parkplatzordnung, nicht zu viele Womos. Perfekt. Wenn es bloss nicht so kalt
wäre. Alle, die schon ein paar Mal in Marokko überwintert haben, erzählen
uns, dass es noch nie über so lange Zeit so kalt war. Der Kälteeinbruch und
der tief liegende Schnee hält ziemlich an. Der Morgenwind bringt jeweils die
kalte Landesluft an die Küste und lässt auch des Nachts das Thermometer arg
sinken. So ca. 5° oder sogar weniger war es wohl letzte Nacht.
|
Stellplatz: siehe 10.12.04
Stellplatz: Auf der P30 von Agadir Richtung Tiznit, nach
ca. 35km links abbiegen, bis Strand -
Sand
Klima und Umgebung: sehr ruhiger, abgelegener Platz, Fischerkabäuschen in der
Klippe, Polizist wohnt in der Nähe, Ende Januar hatte es immer ca. 10 Wohnmobile
hier.
Infrastruktur: drei (!) Läden in Tifnit, drei Brunnen, ansonsten nichts
|
1. Februar 2005, Tifnit
Muscheln a la Maria - Dorf in rosarot - nette Nachbarn
Dominik und ich spazieren heute morgen zuerst einmal los ins Dorf.
Mal schauen, ob wir hier Kaffee, den ich vergessen habe, einzukaufen, kriegen.
Ein Fischer fragt, ob wir Muscheln wollen. Oh, das würde wieder einmal
passen. Da der Wind und das Wasser eiskalt ist, ist es mir auch recht, wenn
ich nicht selber danach suchen muss. Wir laufen dem Meer entlang ums Dorf und
bestaunen die verschiedenen bunten Häusern.
|
Einfallsreich
und kreativ sind die Marokkaner wirklich! Z.B. haben sie PET-Flaschen benutzt,
um einen einigermassen festen Untergrund für die Betonierung eines Einganges
zu haben.
Es hat ganz hübsch hergerichtete kleine bunte Häuser, welche offensichtlich
als Weekend- oder Ferienhäuschen benutzt werden. Andere wiederum sind mehr
oder weniger fester Wohnsitz der Fischer. Vielfach schlicht zusammengebastelt,
aus dem was grad vorzufinden war.
|
Wir laufen an zwei Brunnen vorbei. Drei gibt es hier im Dorf. Am ersten
lasse ich das Seil und einen Kanister runter und hole Wasser uns einer Tiefe
von ca. 6-8 Metern. Das Wasser ist erstaunlich klar. Am nächsten Brunnen
treffen wir auf einen Franzosen, der an einer Mauer arbeitet. Sieht ziemlich
exotisch aus. Wir fragen ihn aus und erfahren, dass hier im Dorf ein paar
Europäer leben, die zusammen mit hiesigen Marokkanern als
Gemeinschaftsprojekt eine Toilette mit Duschraum bauen.
|
Mitten
im Dorf finden wir drei kleine Läden, die dicht beieinander stehen. Kaffee
bekomme ich in keinem, dafür herrscht eine lustige
Atmosphäre.
Wir laufen über den Ebbenstrand zurück und können uns die
bemoosten grünen Felsen und die scharfkantigen schwarzen Felsenbänke vor der
Küste von der Nähe anschauen.
|
Der Fischer bringt uns sicher etwa 3 Kilo frischer schöner Muscheln. Während
ich mit einem scharfen Messer bei allen das Heu abspitze, unterhalte ich mich
mit Rainer und Henny über dies und jenes.
Ach, der Platz passt mir wirklich sehr. Ich geniesse es, in guter Umgebung
rumhängen zu können, während Dominik fliegen geht. Mehr oder weniger den
ganzen Nachmittag soart er entlang der Küste, bis der Starkwind ihn landen
lässt.
Ich unterhalte mich ausgiebig mit Rainer, tausche CDs mit ihm aus, er
erzählt mir von den Büchern, die er geschrieben hat. Ein Buch handelt von wie man selber Wein herstellt, ein anderes über Datenklau oder so. Also alles
Bücher, wie man selbst was macht. Zudem ist er seit letzten Frühling im Vorstand der
"Mediarisk", eine gemeinnützige Gesellschaft für die
Thematisierung der Mediensucht. Also allerhand Gesprächsstoff.
|
Zu Dominik spazier ich einmal raus, um ein paar Fotos zu schiessen. Er kann
weit nach Norden fliegen und landet gegen den späteren Nachmittag vor dem
Stellplatz.
Die Muscheln bereit ich diesmal nach Art Maria zu und sie werden lecker. Zwar
einiges zuviel, aber den Rest werd ich morgen Mittag verdrücken. Oh,
yes.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
2. Februar 2005, Tifnit
Wanderung entlang der Küste
Es ist echt schade, dass der kühle Wind nicht aufhören will. Wir
frühstücken drin, während die Heizung läuft...
Während Dominik das Rollo des Küchenfensters repariert, arbeite ich am PC,
bis der Wind umgedreht hat, was üblicherweise so um 11Uhr passiert.
|
Henny und ich beschliessen, gemeinsam zur Flussmündung zu spazieren, wo es
Flamingos und Gazellen geben soll. Wir denken, das in einer guten Stunde zu
schaffen. Wir quasseln den ganzen Weg, bis wir mal Pause machen. Es schaut
immer aus, wie wenn die Flussmündung gleich hinter dem nächsten Hügel sein
müsste, doch immer kommt noch eine Sanddüne und noch eine. Trotzdem
entscheiden wir uns, noch wenigstens bis zum Dorf zu laufen, welches in der
Nähe des Flusses liegt. Wir können uns ja sonst ein Taxi für den Weg zurück
nehmen.
Ein etwa drei Monate alter weisser Welpe schliesst sich Zorro an. Er ist
beinmager. Seine Wirbelsäule steht krass aus dem Rücken. Er ist wirklich
bemitleidenswert und hat dabei seine helle Freude an Zorro. Als er gar
nicht umkehren will, versuch ich ihn zu verscheuchen und wirf ein wenig
halbherzig Steine vor seine Füsse. Das scheint ihn nicht zu beeindrucken. Er
will partout bei Zorro bleiben. Na, dann mach halt was du willst, denk ich.
Bevor
wir links zum Dorf abbiegen, haben wir noch einmal einen tollen Blick auf die
Küste, wo gerade die Fischer reingekommen sind. Die Klippen sind hier relativ
hoch. Die in die Felsen gehauenen Treppen und Wohnungen sehen schon eigenartig
aus.
Als wir im Dorf ankommen, merken wir schnell, dass es ein Kaff ist. Nichts mit
Tee trinken und ein Taxi bestellen. Ein paar Jungs reden was von einem Freund
von einem Bruder, der ein Auto hat und wir sollen hier warten. Als ich frage,
was uns das kosten würde, meint er 50DH! Wir lachen und winken ab. Sie ziehen
trotzdem ab und sagen, sie kehren bald zurück. Wir beratschlagen und
überlegen uns, dass wir uns eventuell auch an die Piste stellen könnten und
hoffen, dass uns jemand mitnimmt. Es ist aber schon halb vier. In zweieinhalb
Stunden geht die Sonne unter, eine halbe Stunde später ist es dunkel. Das
wird zu riskant. Wir werden also laufen.
Als wir ein paar Meter von den
Kindern weggelaufen sind, drehe ich mich um und sehe, dass der kleine Weisse
ganz verstört am Boden sitzt und schon bekommt er einen Stein ab. Er jault
laut auf und heult herzerweichend. Wir laufen schnell zurück und ich
untersuche die Pfote. Es scheint nichts gebrochen zu sein, aber laufen kann er
nicht so recht. Also nehme ich ihn halt auf meine Arme. Hier lassen wollen wir
ihn nicht. Der würde lange gequält, bevor er sterben dürfte. Ich hab mal
wieder eine Wut im Bauch. Einem jungen Typ, der uns nachläuft und dumme
Fragen stellt, sage ich "sirr" was Hau ab heisst. Das wirkt. So, was
machen wir nun aber mit dem kleinen Wauwau? Mitnehmen geht nicht. Am Platz sind
schon so viele Hunde, er bekäme da dauernd auf die Kappe. Dann habe ich die
Idee, dass wir ihn, dort wo er uns gefolgt ist, wieder hinbringen, ihm eine
Portion der süssen Crackers, die wir im Dorf gekauft haben, dalassen und
dann, während er mit Sicherheit gierig isst, abhauen. Unser Plan klappt
tatsächlich. Er macht sich mit sichtlichem Hunger über die Biskuits her und
wird nachher, wenn er satt und müde ist, sicher dort bei dem anderen Hund,
den er ja schon kennt, einschlafen und später uns vergessen haben. Ob er
überleben wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Ich glaube, von all den
Hunden, die hier geboren werden, schaffen es nur jene, die ganz clever sind
und dazu eine Riesenportion Glück haben. Der kleine Weisse gehört wohl nicht
dazu...
|
Hundemüde sind auch wir, als wir doch noch vor Sonnenuntergang wieder am
Womostellplatz ankommen. Ein Glas Bier
ist jetzt genau das, was mir hilft, den langen Fussmarsch zu verdauen. Leider
ist es bald schon wieder zu kalt, um lange draussen zu sitzen. Wir ziehen uns zurück und ich erhole mich nur langsam vom
quasi Barfusslaufen im Sand in
Berberschuhen.
Dominik ist heute Nachmittag mit Franzosen während guten drei Stunden
geflogen! Er hat dabei witzige Bilder während des Fluges gemacht.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
3. Februar 2005, Tifnit
Lebendiger oder toter Pulpo?
Ruhiges
Dolce Far Niente ist hier angesagt. Der Wind heute morgen war nicht mehr so
kalt wie gestern. Wir haben den Eindruck, es wird von Tag zu Tag immer
wärmer. Aber draussen frühstücken ist noch nicht drin, wer weiss,
vielleicht morgen?
Dominik lässt sich von Henny ihren Kühlschrank zeigen und erklären, wie man
ihn unterhält. Er packt die Gelegenheit beim Schopf und öffnet unseren
eigenen. Während etwa zwei Stunden nimmt ihn Dominik auseinander, mit
tatkräftiger und fachfrauischer Hilfe von Henny. Er reinigt die Brennerdüse
und setzt dann das ganze Ding wieder zusammen. Es scheint gut geklappt zu
haben. Aber erst die Temperaturen werden zeigen, wie gut es dem Kühlschrank
getan hat.
|
Rainer
erhält von dem einen Militarist, der hier wohnt, einen Pulpo (Krake).
Als Henny ihn putzen will, greift er nach ihr. Hoppla, der ist noch nicht
mause. Jetzt ist eine Heldentat gefragt. Wer macht ihn tot? Mich schaudert's,
für sowas kann man mich leider nicht mehr gebrauchen. Henny meint
entschieden, da Rainer ihn von Noredin bekommen hat, ist er auch für seinen
Tod verantwortlich. Nach einigen missglückten Versuchen wird das
Tier mit einem gezielten Stich zwischen die Augen getötet.
Rainer nimmt ihn noch ganz auseinander, häutet den Kopf und nimmt die
Innereien heraus. Die Hunde verschmähen die Reste des rohen Tieres. Sie stehen
wohl auch auf die gekochte Variante?
|
Dominik
kommt irgendwann müde vom Fliegen zurück. Endlich hat er auch Didier Parfait
kennengelernt, der Guide von Agadir. Er hat Dominik und mich eingeladen, ihn
am Wochenende mit seiner Frau nach Legzira und zu Francois zu begleiten. Ich
habe aber keine grosse Lust, diese Orte, die ich schon kenne, nochmals
aufzusuchen. Dominik kann von mir aus auch gerne alleine gehen, würde mich
nicht stören. Aber wir werden sehen, Dominik ist noch nicht
entschlossen.
|
Während
die Sonne sich dem Horizont nähert, spazieren Dominik und ich zu den Dünen, die hinter dem Dorf Tifnit liegen.
Sie sind eine Augenweide.
Was auf dem Bild übrigens wie Schnee aussieht sind grob gemahlene Muscheln.
Irgendwann werden auch sie zu Sand.
|
Die
Licht-Schatten-Seiten sehen stark aus. Scharfkantig liegen die Dünen vor uns
und erscheinen wir ein riesiges Gebirge. Dabei sind sie maximal 10m hoch. Wir
(inklusive Zorro) haben unseren Spass, indem wir uns mit Anlauf über die
Ränder in den sandigen Abgrund stürzen.
Als wir zurückkommen, übergibt mir Rainer einen Pulpo, den er von Noredin
für uns bekommen hat. Schon fixfertig gewaschen. Puh, heute Abend mag ich den
aber nicht mehr zubereiten. Der wird bis morgen Mittag warten müssen. Ich
hoffe, ich schaff das auch...
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
4. Februar 2005, Tifnit
Sepia und Höhlenwohnungen
Und
zum Dritten! Dominik nimmt das Küchenfenster erneut auseinander, um alles zu
reinigen und zu schmieren. Es will und will nicht funktionieren. Immer
morgens, wenn es noch kalt ist, geht das blöde Rollo nicht mehr runter, hat
keinen Zug mehr drauf. Dafür funktioniert unser Kühlschrank nun einwandfrei.
Die Entrusserei hat's wirklich gebracht.
Leider war nichts mit immer wärmer werden. Es bläst heute morgen wieder ein
kalter Wind.
Als ich genauer in die Schüssel mit dem Pulpo schaue, bemerke ich, dass da
auch eine Sepia ist! Na super, wer das wohl alles essen soll? Ich schmeiss die
mehrarmigen Viecher ins kochende Wasser. Sie blähen sich sogleich auf. Gerade
glutschig sieht das nicht aus. Ich seufze. Dominik isst bei diesem Menü ja
leider gar nicht mit, also bleiben ich und Zorro. Nach etwa 30 Minuten nehme ich die Sepia heraus und schneide sie in kleine Stücke. Die groben Teil vom
Kopf werfe ich Zorro in den Napf. Doch er ist davon nicht gerade begeistert.
Dann kriegen das eben die anderen Hunde hier. Den Pulpo zerlege ich
anschliessend auch noch. Aber je länger ich das Ding traktiere, desto mehr
vergeht mir der Appetit. Immerhin, aus den feinsten Teilen des Pulpo und der
Sepia mach ich mir einen leckeren Salat mit Olivenöl, Zitrone und
Knoblauch.
|
Am
Nachmittag laufe ich mit Zorro Richtung Dorf und schaue den Fischern zu, wie
sie gerade mit ihren Booten am Ufer landen. Sie scheinen nicht gerade viel
ergattert zu haben. Ein paar wild kläffende Hunde verjage ich, indem ich
bloss den Arm hebe. Ha, welche Macht! ;-)
|
Dann
laufe ich zurück und weiter dem Strand entlang bis dorthin, wo die Piloten
ihre Runden drehen. Hier in den Klippen, ich habe das sicher schon erwähnt,
sind eine Menge Höhlenwohnungen entstanden.
|
Die
Fischer haben sich in dem weichen Gestein geschützte Obdache für die Nacht
eingerichtet. Es sind bis zum Flusslauf, wo ich mit Henny war, sicher an die
dreihundert oder mehr solcher Behausungen. Viele wurden wieder aufgegeben.
Aber einige sind offensichtlich bewohnt und werden instand gehalten.
Es gibt lustige, farbige und auch originelle darunter. Einige haben sich sogar
ein Toilettenkabäuschen aussen angebaut.
|
|
|
Weiter hinten treffe ich auf Dominik, der am Soaren ist und zwei andere
Piloten, die ebenfalls genüsslich über mir und dem Alltag ihre Kreise
ziehen.
|
Zurück
beim Stellplatz muss ich den Marsipullami- (oder wie sich das schon wieder
schreibt) Bus ablichten. Ein deutsches Paar mit zwei kleinen Kindern,
mindestens ebenso bunt wie ihr Fahrzeug wohnen hier. Schnuckeliges
Fahrzeug.
Wir sitzen noch eine Weile bei Henny und Rainer vor dem Womo, hören Musik,
geniessen eine halbe Dose Bier und scharfe Oliven. Noch bevor die Sonne ganz
untergegangen ist, verziehen wir uns wieder in die warme Stube. Wir sind schon
rechte Weicheier!
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
5. Februar 2005, Tifnit
Zwei Frauen im Souk von Sidi Bibi - Home alone
Dominik fährt mit Pierre, pensionierter Royal Air Force Pilot, der
in Agadir lebt, zu "chez Francois" an die Aglou Plage zum Fliegen.
Er wird heute Abend, inshallah, zurück kommen.
Ich mache mit Henny ab, gemeinsam einzukaufen.
Nach
dem Mittag fahren wir los und gehen erstmal Wasser tanken. Zusätzliche Bidons
füllen wir auch noch auf. Wir erfahren, dass in Sidi Bibi, zwei oder drei
Dörfer Richtung Agadir, gerade Markttag ist. Passt wunderbar. Während wir
durch die "Gassen" des Markts laufen und uns umschauen, merken wir
schnell, dass wir nicht so ganz respektvoll behandelt werden, wie das sonst
der Fall ist. Ich höre auch Männer, die uns anmachen, wenn auch nicht
hörbar für die Umstehenden. Eine ganze Clique von Buben läuft permanent
hinter uns her und will uns Plastiksäcke verkaufen. So ein Einkauf ist immer
ganz schön anstrengend. Denn erstens ist die Menge für vier bis fünf Tage
relativ gross und zweitens bedeutet es, Preise erfragen, vergleichen und
kontrollieren. Üblicherweise herrscht im Souk für fast alles Gemüse ein
Einheitspreis von 5DH das Kilo. Hier sind die Preise jedoch für Kartoffeln,
Orangen und Mandarinen tiefer als sonst. Wir schlagen uns aber durch. Bei
einem Teppichhändler erkundige ich mich nach den Preisen für diese bunten
Plastikteppiche, die hier viele Reisende benutzen. Von den ursprünglich 30DH,
die er pro m2 haben wollte, kann ich ihn auf die Hälfte runterhandeln. Aber
irgendwann bin ich so müde vom Verhandeln und Rechnen, dass ich es dann doch
sein lasse.
So, nach diesem Kampf haben wir uns einen Tee verdient. Dazu gibt's leckere frisch
gebackene Kringel, die wie Berliner schmecken. Auch hier müsste ich mich um
30 Cents (5 Rp.) wehren, aber ich mag nicht, das ist mir zu dumm.
Henny erzählt mir einiges über ihr Leben und ich kann vieles von dem sie
erzählt gut nachvollziehen. Ich mag sie wirklich gut. Sie ist eine Person,
der ich schon nach kürzester Zeit mein vollstes Vertrauen schenken
würde.
Wir fahren zurück und verteilen unsere Ware. Es windet ziemlich heftig und
ich frage mich, ob Dominik wohl zum Fliegen gekommen ist.
Ich bin gerade dabei, für mich ein Abendessen zuzubereiten, als Rainer klopft
und mich einlädt, bei ihnen auf ein Glas Wein und Abendessen vorbeizukommen.
Aber liebend gerne! Henny macht leckere Tomatenspagetti mit Thunfisch, dazu
gibt's marokkanischen und spanischen Rotwein. Wow, geht's mir gut.
|
Dominik
kommt kurze Zeit später und setzt sich zu uns. Er hat einen tollen Flugtag
bei "chez Francois". Er konnte einiges überhöhen und genoss es
entsprechend. Hier hätte er nicht so gute Bedingungen gehabt. Wir quatschen
und lachen noch eine Weile zusammen, bevor wir müde und schön beduselt ins
Bett huschen.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
6. Februar 2005, Tifnit
Sonntägliches Kunterbunterlei an Tifnits Küste
Heute
ist Sonntag und es kommen einige marokkanische Familien hierher, um den freien
Tag hier an der Küste zu geniessen. Es herrscht ein kunterbuntes Treiben. Es
ist genial zum Zuschauen. Ich sehe vermummte wie auch modern angezogene
Frauen. Junge Leute, die Ball spielen und sogar ins Wasser gehen. Auch zum
Surfen ist heute ein guter Tag. Einiger, der Australier und Deutschen hier
haben ihre Bretter dabei und toben sich nahe beim Dorf aus.
Dominik verschwindet wieder zum Fliegen Richtung Süden. Ich tausche Bücher
mit Rainer, schenke Veit das Islam-Buch, dass ich ja doch nie lesen werde.
Veit schreibt oder schrieb Wanderbücher für die Kompassverlagsgruppe. Leider
gibt's den so nicht mehr und das Angebot vom neuen Verlag scheint nicht gerade
verlockend. Der Absatz für Wanderbücher ist offenbar nicht so gross, dass
sich davon leben lässt.
Er und Rainer setzen sich vor's Womo und machen Musik, d.h., Rainer spielt auf
seiner Gitarre coole Beatles-Songs und andere Blues, während Veit ihn mit Backgroundgeräuschen unterstützt.
Hört sich echt gut an. Wirklich
beeindruckend, die Stimmung ist köstlich.
|
Über
den Mittag verziehe ich mich, wie immer, für eine gute Stunde ins Womo und
mache die Türe zu. So eine Auszeit brauch ich. Sie tut mir enorm gut, egal ob
ich in dieser Zeit lese, schreibe oder sogar ein Siestanickerchen mache. Hier auf
dem Platz ist immer etwas los, dauernd ist man mit Leuten am quatschen oder
macht irgendetwas draussen. Da schätze ich so eine ruhige Stunde
besonders.
Später sitzen wir alle bei Rainer und Henny vor dem Womo, als Dominik
rübergeflogen kommt. Es fliegt heute so gut, wie noch nie.
|
Rainer
will ihn mit einem Gleitschirmsong auf den Boden locken, doch Dominik ist zu
beschäftigt, weder mit den Womos zu touchieren noch unten in den Steinen zu
landen.
|
|
Da
vor dem Stellplatz eine Mulde ist, reicht's normal nie für's Rüberfliegen zu uns.
Doch heute tänzelt er mit seinem Schirm die Strasse hoch und fliegt an der
Kante vom Stellplatz wieder weiter.
Die
Sonne steht schon tief. Die
Abendstimmung ist herrlich und lässt die Landschaft in tollen Farben
leuchten.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
7. Februar 2005, Tifnit
Dunkle Regenwolken über Tifnit
In der Nacht hat es ganz kurz einmal geregnet, kaum der Rede wert.
Doch heute morgen bläst der Wind so stark, dass wir froh sein können, wenn es trocken
bleibt und es ist klar, dass mit
Fliegen nix is. Den ganzen Tag türmen sich dem Horizont entlang weisse Kumulus. Im
Laufe des Nachmittags wird vor allem die eine draussen auf dem Meer immer
schwärzer.
Mit
unserem Nachbarn mache ich ab, mir morgen ein Tatoo, dass ich mir schon lange
wünsche, machen zu lassen. Er hat alles dabei, ist sozusagen fahrender Tätowierer
und genau die Gelegenheit, die mir die ganze Zeit vorschwebte. Seit
dem Sommer spukte mir ein neues Tatoo im Kopf herum. In Zug war ich ein paar
Mal bei einem, mit dem ich das Motiv besprach, mir einmal ein Muster machen
liess usw. Aber, die Zeit wurde auf einmal knapp und irgendwie wäre es ein
Murks geworden. Ausserdem hatten mir so viele Leute davon abgeraten, dass ich
ganz unsicher wurde. Losgelassen hat es mich aber nie. Ich dachte mir,
es wird sich schon irgendwo und irgendwie unterwegs eine Gelegenheit ergeben.
Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich an sowas ranlaufen könnte und dann auch
gleich bereit dafür wäre. Nun, es sieht so aus, als wenn es doch wahr würde.
Hier ist die Gelegenheit und sie passt perfekt. Auch bin ich mir über Symbol
und Stelle sicher. Also, morgen wird gestochen! Hey hey!
Mit Henny bin ich später am Nachmittag losgezogen, um die Dünen zu besuchen.
Die schwarze Wolke bzw. mittlerweile eher Wand steht drohend hinter
Tifnit.
|
Die
Sonne liefert zwar nicht mehr die Bilder, die ich wollte, und doch ist es
immer cool, auf den Dünen zu spazieren, die Muster, die der Wind
hinterlässt, zu betrachten und sich über die Sandberge zu wundern, die
mitten aus dem flachen Kräuterland hochwachsen.
|
Die
Vegetation geht langsam aber stetig dem Frühling entgegen. Immer mehr Blumen
sind zu entdecken. Auch die Sukkulenten machen kurlige Gebilde, die wohl
irgendwann einmal eine Blume ergeben. Wer weiss, ob ich es noch entdecken
werde?
Wir kehren gerade noch rechtzeitig zum Stellplatz zurück, bevor die ersten
Tropfen fallen.
Im Laufe des Abends kommen heftige Böen, versetzt mit Regen vom Meer her und
schütteln unser Womo durch. Gut haben wir die Stützen unten. Die Macht der
Elemente hier ist manchmal schon beängstigend.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
8. Februar 2005, Tifnit
Eine Windrose
Der Tag fängt ja prima an! Zorro hatte Durchfall und hat in seiner
Not in sein Körbchen gemacht. Einmal habe ich ihn in der Nacht gehört und
raus gelassen. Aber offenbar hat das nicht gereicht - die anderen Male, wo
er sich sicher gemeldet hatte, habe ich leider verschlafen. Auch ist der
Fussraum vor seinem Schlafplatz mit den Stühlen besetzt. Der Arme, ich Arme! Ich ziehe, noch halb schlafend, bewaffnet mit
Gummihandschuhen, mit seinem dreckigen Körbchen los ans Meer runter und
wasche es im Salzwasser aus. Auch Zorros Hinterteil muss gewaschen werden, er
ist völlig verklebt. Später werd ich ihn dann ins Meer rennen lassen, dann
wird er wieder ganz und gar sauber sein. So hatte ich mir meinen "ganz
besonderen" Tag nicht vorgestellt!
Jochen
Geys, unser Nachbar, sticht mir heute mein Wunschtatoo auf den Unterarm.
Gestern spät abends hatte ich für mich noch ein wenig rumgezeichnet und mir
ist dabei eine Windrose so gut gelungen, dass auch er heute fand, dass er das
gleich so übernehmen würde. Na also, jetzt habe ich endlich mein Sujet,
sogar ein Selbstgezeichnetes! Seine Idee, das Symbol auf den inneren Unterarm
und nicht auf den äusseren, wie ich das ursprünglich wollte, war, sobald er
es an dieser Stelle probehalber draufkopiert hatte, überzeugend.
Fast zwei Stunden später war er fertig und ich glücklich und zufrieden. Die
nächsten Tage werde ich die Stelle für die Nacht salben und gut einpacken.
Wunderbar.
|
Fischer
stehen, wie jeden Tag, draussen auf den Klippen, immer nahe an der Brandung.
Wie klein und machtlos sie gegenüber der wilden See aussehen!
|
Mit
Henny spaziere ich nochmals raus auf die Klippen und unten am Strand entlang.
Die Höhlenwohnungen faszinieren immer wieder aufs Neue und im Abendlicht
sehen sie sogar romantisch aus.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
9. Februar 2005, Tifnit
Wüstenlinien - Rainer und Henny probieren es
Ich
ziehe gleich nach dem Frühstück mit Zorro los. Die Dünen haben es mir
angetan. Ich will sie mir noch einmal reinziehen, aber alleine. So ist der
Eindruck und der Genuss am Grössten. Dass mir dabei ein paar gute Bilder
gelingen, hätte ich eigentlich nicht gedacht. Aber die Sonne war gnädiger
gestimmt als erwartet.
Schon als ich am Strand entlang laufe, um zu den Dünen zu gelangen, zeigt
sich der Ebbenstrand von seiner schönen und farbvollen Seite.
|
|
Lee
und Luv zeigen sich deutlich im mehrfarbigen Sand. Der Wind treibt sein ewiges
Spiel und schiebt die feinen Körner hoch zu Bergen, lässt die Düne auf der
einen Seite hochwachsen und auf der anderen wieder abbauen. Ein stetiges
Bauen. Der Scheidepunkt schlängelt sich in nachgiebigen Linien bis zum
Horizont. Wo Luv und Lee sich trennen, ist die Kante im Morgenlicht scharf
gezeichnet. Auch gibt es dunkleren und helleren Sand. Der
hellere scheint leichter zu sein. So zeichnen die Wellenlinien noch viel klarer. Ich
bewundere dieses Spiel und denke, die Natur ist doch der grösste
Künstler.
|
Zurück von meiner Fotojagd erklärt mir Dominik, dass
Rainer ein paar Aufziehübungen machen will. Dass muss ich sehen! Das wird mit
Sicherheit lustig werden. Zu viert ziehen wir los Richtung Startplatz.
Fünfhundert Meter vor dem Startplatz stehen zwei Militärs und wollen uns
nicht weiter gehen lassen. Zu gefährlich, es werden Schiessübungen
durchgeführt. Also drehen wir um. Kaum sind wir hundert Meter gelaufen, pfeifen
sie und winken uns zu, dass wir doch weiter können, die Übung wurde
soeben beendet. Na super, past scho!
Während Zorro es sich im Regenschirmschatten gemütlich macht, breiten wir
den Schirm aus und Dominik meint, ich könne ja gleich als Erste aufziehen
und den anderen zeigen, wie es geht. Ha, ein guter Witz!
|
Warum auch nicht? Ich ziehe also den Schirm zwei oder
drei Mal hoch. Doch die Gurte rutschen mir genau über das Tatoo, was die
Wunde zu sehr reizt. Also kommt Rainer dran. Er versucht es ein paar Mal, hat
entsprechend Respekt vor der Klippe, die ein Stück weiter unten anfängt,
macht sich aber trotzdem sehr gut. Auch wenn es so aussieht, als verwende er
nicht viel Kraft und keinen grossen Einsatz, bringt er den Schirm doch gut
nach oben und steuert ihn mit einer erstaunlichen Ruhe.
|
Henny
hat weniger Glück beim Starten. Selten liegt der
Schirm so perfekt, dass er gleichmässig hoch kommt. Einmal bleibt er sogar an
einer Kante hängen. Dominik hilft ihr einmal den Schirm oben zu halten und
sie ist sofort begeistert davon. Beim nächsten Mal rennt das Mädel den Hang
hinunter und es scheint, niemand kann sie aufhalten. Wir rufen schon alle
Stop, Anhalten. Doch es vergehen einige bange Sekunden, bis der Ruf bei ihr
ankommt und sie tatsächlich anhält und den Schirm runterholt. Allzu weit weg
von der Klippe ist sie in dem Moment nicht mehr...
Wir haben genial viel Spass und lachen uns auch später halb schief, als wir
die Fotos anschauen. Henny meint, dass sie sich, sobald sie wieder in Europa
sind, eine Möglichkeit suchen will, um diesen Sport besser kennen zu lernen.
Das Virus hat also ein neues Opfer gefunden!
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
10. Februar 2005, Tifnit
Dinner bei Sonnenuntergang
Schon wieder! Zorro hat schon wieder Durchfall, nachdem er gestern
wieder ganz in Ordnung war. Super! Nur gut, dass wir hier genügend Wasser
haben und gleich auch so praktische Steinbecken, wo sich das Meerwasser nach
der Flut sammelt. Darin wasche ich also erneut sein Körbchen und den Teppich
aus, der auch was abgekriegt hat. Sobald wir unterwegs sind, werden wir einen
Campingplatz mit Waschmaschine aufsuchen und dann mal alles waschen, inklusive
Hundedecken und Teppichen.
Die Wellen sind krass heute morgen. Die Surfer lassen sich ganz schön
verquirlen. Auch der Wind bläst so blödsinnig, dass ich mich rein
verziehe.
Mein Tatoo verheilt bestens. Bis jetzt keinerlei Schorf oder so. Sehr gut.
Jochen hatte Recht, dass die Wundsalbe noch besser eindringt, wenn es mit
Frischhaltefolie abgedeckt wird und sich so auch kein Schorf bilden
kann.
Ein fauler Tag mehr. Am späteren Nachmittag spaziere ich mit Henny den
Klippen entlang. Nebst Dominik fliegt noch ein Schweizer ziemlich frech den
Klippen entlang. Ein, zwei Fotos kann ich machen und dann steigt meine Kamera
aus. So ein Mist. Als ich dann aber später die Akkus auswechsle erholt sich
die Maschine wieder, glücklicherweise.
|
Die
Abendstimmung ist sensationell. Uns geht es verflixt noch mal doch super,
oder!
|
Wir
sind bei Henny und Rainer zum Abendessen eingeladen. Rainer hat diese leckeren
Kartoffelküchlein mit Sardinen gemacht. Superfein! Dazu guter Kartoffelsalat
und noch besseren Rotwein aus Navarra, Spanien. Zu allem Überfluss erlaubt
das Wetter sogar, draussen zu speisen. Herrlich, absolut genial. Das erste
Mal, glaube ich, dass wir draussen essen und sitzen bleiben können, bis es
dunkel ist. Irgendwann wird es dann kühl und wir setzen unseren Abend drinnen
fort.
Ich ärgere mich über Dominik. Das fing heute schon am morgen früh an und
hielt den ganzen Tag. Wir machen erst wieder Friede, bevor wir einschlafen. Na
ja, hin und wieder braucht es mal so reinigende Querelaien.
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
11. Februar 2005, Tifnit
Letzter Tag in Tifnit - Abschied vom Süden
Den Vormittag sitzen wir mit Räto zusammen. Der Schweizer hat erst
vor kurzem eine Gleitschirmschule in Zürich gegründet. Siehe www.skyjam-zurich.com.
Er ist für eine Woche hier, um Marokko für Gleitschirmtouren
auszukundschaften.
Irgendwann später statten Dominik, ich, Räto und Henny dem Dörfchen Tifnit
einen Besuch ab. Räto fotografiert einen alten Herrn und der, nicht faul,
erbittet sich gleich Geld für ein Brot bzw. das Brot direkt. Räto hatte zwar
extra vorher gefragt, ob er ein Foto machen dürfe, aber von Geld war da noch
keine Rede. Na ja, was soll's. Immerhin ist es für ein Stück Brot und da
kann man ja schlecht nein sagen.
|
Räto
sticht uns mit forschen Schritten davon Richtung Dünen. Uns ist es zu heiss.
Wir kehren vorher schon wieder um und spazieren zurück. Heute weht der Wind
aus Osten und es ist ziemlich warm. Dominik und Rainer entblättern sich und
lassen sich nicht zwei Mal bitten, der Fotografin zu posieren. Welche
Diven!
|
Ich
geniesse den Strand und das Meer bei einem letzten Spaziergang, ausnahmsweise
mal barfuss, mit Henny. Die Brandung ist heftig und es schaut aus, wie wenn
Tifnit immer wieder im Meer versinken wolle.
Hier war definitiv unser schönster Platz an der Küste Marokkos. Wenn man
solange an einem Ort bleibt, wird der Abschied umso schwieriger.
Wir hatten ein coole und witzige Zeit mit Rainer und Henny. Ich werde öfters
an sie denken müssen und hoffe jetzt schon, dass wir uns wieder einmal
irgendwo und irgendwann über den Weg laufen. Auf alle Fälle wünsche ich
euch beiden gutes Reisen, tolle Bekanntschaften, viel Spass und Genuss und
macht keinen Chabis, gäll!
|
|
Stellplatz: siehe 31.01.05
|
|

|
|