UnterweX

Marrakesch 2005/4

Oberste Ebene
Home
Nach oben
News
Inhalt
Kontakt
Silvana
Bildergalerien
Reiseberichte
Gleitschirmfliegen
Übergeordnet
Italien
Kroatien
Marokko
Mazedonien
Österreich
Portugal
Slowenien
Spanien
Tunesien
Bildergalerie Reisen

Gleiche Ebene
Atlantik 2004/1
Wüste 2005/2
Atlas 2005/3
Marrakesch 2005/4
Der Osten 2005/5
Bildergalerie Marokko

 Untergeordnet
 
 
 
 
 
 
 
Last Update
13. Februar 2010

 

 

 

Design
Provider
Browser
Internetzugang

 


Reisebericht Marokko 2005-4

Von Marrakesch zurück nach Agadir

 

24. Januar 2005, Aguergou - Marrakesch
Marrakesch: Stadt der Kontraste

Zurück ging es über die Holperpiste nach Lalla Takerkoust, wo wir weiter auf der Hauptstrasse Richtung Marrakesch fahren. Der Verkehr nimmt stetig zu. Auf einmal tauchen Häuser und Märkte auf. Eine nigelnagelneue Asphaltstrasse führt rein in die Innenstadt. Dank dem Stadtplan im Führer finden wir den Stellplatz, den uns Maria und Peter empfohlen hatten auf Anhieb. Zwar ist es ein simpler hässlicher Parkplatz, aber er ist genug weit weg von der Hauptverkehrsstrasse und er ist bewacht. Es hat auch Wasser und Toiletten. Sogar Blick auf den Turm der Kutubiya Moschee, das Wahrzeichen von Marrakesch, haben wir.
Was den Platz aber vor allem auszeichnet, ist die Nähe zum Place Djamaa el Fna. In 10 Minuten ist man dort und läuft auf dem Weg dorthin an der stolzen und schönen Kutubiya Moschee vorbei.
 
Wir gehen zuerst einmal mit Zorro, um einen Blick zu erhaschen und etwas Kleines zu essen. Eine heisse Suppe und Pastillas (Kartoffelküchlein) von der Garküche kommen uns da gerade willkommen. Dann kehren wir zurück zum Womo und lesen nochmals ein wenig im Führer über Marrakesch. Es scheint, dass Marrakesch nicht eigentlich wichtige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, abgesehen von den grossen Gärten, die aber weiter weg sind und natürlich dem Place Djamaa el Fna, ein Gaukler- oder Rummelplatz. 
Wir ziehen nochmals los und spazieren über den berühmten Platz. Jeder, der was zu bieten hat, macht mit lauter Musik oder mit sonstigem Rufen auf sich aufmerksam. Frauen sitzen auf kleinen Schemeln und bieten Hennabemalungen an. Alte Männer sitzen unter Schirmen und versuchen ihre Kobras und andere Schlangen zum Tanzen zu bewegen. Als ich so eine Schlangenbeschwörung ablichte, wohlverstanden aus einigen Metern Distanz, kommt der Mann gleich gerannt und hält mir die Trommel auffordernd unter die Nase. Als ich ablehne insistiert er. Ich komme wohl nicht darum herum, entgegen meiner Überzeugung was zu geben. Als ich ihm einen Dirham gebe ist er nicht einmal zufrieden. Dann kann ich ja gleich eine Postkarte kaufen! Es scheint, dass das ihr Verdienst ist. Ok, ich werde mich also hüten, hier noch mehr Fotos zu machen und wenn, dann ganz unauffällig. Ein Teleobjektiv wäre jetzt ne gute Sache. 
Der Souk ist enorm eindrücklich. Er ist teilweise überdacht und das gebrochene Licht, dass durch die Latten in die Gassen fällt, macht die Atmosphäre noch spezieller. 
Ahmed von Aguergou hat uns erzählt, dass der Marrakescher Souk mittlerweile leider reiner Touristenabriss ist. Kaum ein Einheimischer geht mehr dort einkaufen, der auf sein Geld achtgeben muss. Natürlich schauen wir uns das kunterbunte Spektakel trotzdem an und eigentlich will ich auch was kaufen...

Mein alter Geissenrucksack ist schon seit längerer Zeit kaputt und den möchte ich gerne ersetzen. Lederwaren hat es ja genug hier. Aber es dauert, bis ich ein Modell finde, dass mir gefällt. 

Und nun geht das Spiel los: 650 DH will er für den dunkelbraunen Rucksack haben. Ich mache grosse Augen und wende mich ab. Er will natürlich unbedingt meinen Preis wissen. 200 DH sage ich ihm. Er ist damit ganz und gar nicht einverstanden und erzählt irgendwas von 15 Jahren Garantie, einer Familie, die er durchbringen muss usw. Ich laufe weiter, erkläre ihm, dass ich mir noch andere Taschen und Preise anschaue. Dominik redet noch weiter mit ihm und kommt mir dann nach. Er meint, für 300 DH hätte ich den Rucksack wohl bekommen. Da kommt der Händler aber schon nachgerannt und sagt für 300 DH könne ich ihn haben. Das wären ja dann schon mal halb soviel wie ursprünglich angeboten. Ich lehne aber trotzdem ab uns sage, er wisse ja mein Angebot. Er sagt, er dürfe auf der Strasse nicht den Preis verhandeln, wir sollen ins Geschäft zurückkommen. Ich sage ihm, er habe ja gerade einen Preis genannt. Jetzt wird geflüstert. Ich sage ihm, 250 DH gäbe ich ihm und basta. Und da, siehe da, willigt er ein. Im Geschäft seufzt er und sagt, dass sei ein harter Handel gewesen. Ich lache und bestätige das und erzähle ihm was von wegen wir seien Nomaden. Ich sage ihm, das sei wahr und überhaupt nicht lustig, wir  hätten nicht soviel Geld, es gebe auch unter den Schweizern Leute mit wenig Geld. Er schaut ganz betroffen aus. Na also, was die können kann ich auch. So, aber offensichtlich ist er zufrieden und ich bin es auch. Ich habe eine Mordsfreude an diesem Rucksack und bewundere ihn noch den ganzen Abend lang. Er wird mir ein Symbol für Marokko bleiben. 
Teppiche hängen und stapeln sich in riesigen Sälen innerhalb des Souks. Eindrückliche Eingänge verlocken einen zum Reingehen. Schade, dass man nicht einfach nur schauen kann. Alle rufen sie: "nur kucken, kostet nix, my friend, gut preis" usw. Aber kaum ist man irgendwo nur schon am sich was genauer anschauen, reden sie auf einen los, dass man nicht mehr denken kann. 
Teppiche hängen auch auf dem Platz von den Wänden und leuchten in schönen Rot- und Blautönen.
Im Souk ist immer alles vom gleichen Gegenstand am gleichen Ort. Es werden z.B. Oliven an einer bestimmten Stelle verkauft und dort sind dann gleich mehrere Stände. Scheinbar haben alle das gleiche Angebot, nur wenig lässt sich beim Vorüberlaufen unterscheiden. Man müsste sich durch alle Olivenhaufen durchkosten, was man wohl durchaus machen dürfte, sofern man dann auch etwas kauft. Ich beschränke mich aufs Fotografieren. Der Mann hinter dem Stand hält die Hand vor die Augen, so dass man ihn auf dem Foto nicht erkennen kann.
Für den Moment sind wir satt von Eindrücken. Wir gehen zum Womo zurück und verschnaufen uns ein, zwei Stunden, bevor wir noch einmal losziehen. Der Gauklerplatz soll vor allem abends richtig zum Leben erwachen. 

Es ist dunkel geworden und der halbe Platz ist nun mit mobilen Garküchen besetzt. Sicher 40 Kochstellen preisen lauthals ihre Speisen an. Rauch und Dampf steigt zum Himmel und verwandelt Szenen und Menschen auf dem Platz in nebulöse Gestalten. Die Gerüche sind so wirr, dass einem die Sinne schwirren.  

Wir spazieren durch die Leute und schauen immer mal wieder einem Geschichtenerzähler oder einer Musikgruppe zu. Mir fällt auf, dass wir sozusagen die einzigen Touristen sind. 
Ein junger Typ drängelt sich an mich. Zuerst denke ich, na, der will auch über die Köpfe hinweg sehen. Ich nehme meinen neuen Rucksack nach vorne und wir gehen zum nächsten Menschenkreis. Doch schon wieder drückt sich jemand von hinten an mich. Als ich mich umdrehe ist es der gleiche Typ von vorhin. Ich bin irritiert und erzähle Dominik beim Weiterlaufen davon. Als wir wieder irgendwo zuschauen und dieser Typ zusammen mit anderen schon wieder in meiner Nähe steht, stellt Dominik ihn vor allen anderen Leuten zur Rede. Er tut ein bischen so, wie wenn er nichts wüsste, fühlt sich aber offensichtlich schuldig. Auf alle Fälle hat es genutzt. Diese Jungs lassen uns ab da in Ruhe. 

Man könnte fast ein wenig Angst kriegen, wenn man sich bewusst macht, dass wir hier auf dem Platz wohl die einzigen Europäer sind. Einige junge Typen, die sich cool geben und mit Sonnenbrille auf dem Kopf bewaffnet durch die Gegend schlurfen, sind nicht ganz koscher. Trotzdem, wir fühlen uns gut und sicher. Dass sich Dominik gegen die Anmache auf clevere Art durchgesetzt hat, hat meinem Sicherheitsgefühl ganz gut getan. Wenn es auch ziemlich unfeministisch (;-)) ist, so schätze ich die männliche Begleitung an meiner Seite doch sehr. 

Wir laufen eine Gasse hinunter und sehen ein Riad. Ah, kommt genau richtig, so ein hergerichtetes Haus/Hotel wollten wir uns schon lange einmal ansehen. Riads sind ehemalige Privathäuser vermögender Leute. Sie werden, nachdem sie vielfach lange leergestanden sind, aufgekauft und als Hotel hergerichtet. Es sind herrliche Häuser, denen man dies meist von aussen nicht ansieht, denn die Marokkaner leben gegen innen. D.h. gegen aussen haben die Häuser nur wenige Fenster und die Fassade ist unscheinbar. Innen aber gibt es herrliche Innenhöfe mit Springbrunnen, mosaikverzierte Böden, Säulen und Türrahmen. Blumen und Bäume ranken sich zum offenen Himmel. Nach oben oder unten schauend, sieht man auf jedem Stockwerk Innenbalkone rings um den Innenhof führend. Ganz oben auf dem Dach befindet sich dann eine grosse Terrasse. Der Besitzer oder Gerant, der uns das Hotel zeigt und nach oben führt, öffnet uns auch die Türe zum Hamman, aus welchem uns warme aromatische Luft entgegen kommt. Oben auf der Terrasse wurden ringsherum farbige Pseudo-Berber-Zelte aufgestellt, darunter dicke Sofas und Kissen, überall Kerzen und hübscher Schnickschnack. Wir geniessen, scheinbar fernab der städtischen Hektik, genüsslich einen heissen Münzentee, bewundern das schöne Haus und die interessante Bauweise. 

Als wir später wieder zum Gauklerplatz zurückkommen haben wir Kohldampf. So, jetzt wird geschmaust. Doch was und an welchem Stand? Die Köche sind so aggressiv in ihrer Werberei, dass man kaum einfach nur stehen und schauen kann. Einem erklären wir, dass er ruhig sein soll, wir könnten vor lauter Rederei nicht mehr entscheiden, was wir wollen. Hat genutzt, er schwieg, wenn auch offensichtlich auf Nadeln. Es gab einen Moment, da redeten sie von drei Seiten auf uns ein. Ich lief weiter während Dominik sich köstlich amüsierte. An einem Stand mit Spiesschen setzten wir uns dann hin und überlegten uns genau, was wir wollten. 
Genau das, was man will, auch so zu bestellen, dass man es dann auch kriegt, ist enorm schwierig. Zu schnell wird einem irgendetwas oder viel zu viel aufgetischt. Als wir uns energisch durchgesetzt und verständlich gemacht haben, schnaufen wir auf und lachen. Oh Mann, braucht das Energie, hier etwas zu essen zu bekommen! Dafür schmeckte es dann aber auch sehr gut. Beim Zahlen hatten wir noch einmal ein ähnliches Theater. Alles mussten wir durchrechnen. Es scheint, wie wenn alles so Handgelenk mal Pi geht, natürlich immer zu Gunsten des Händlers. Wir haben aber keine Lust, uns über den Tisch ziehen zu lassen. Erstaunlicherweise scheint es, wie wenn sie dieses Verhandeln schätzen. Man nimmt es uns nicht übel, dass wir diskutieren und hinterfragen. Im Endeffekt müssen wir sagen, dass man sich zwar das Essen in Marrakeschs Garküchen aufwändig erkämpfen muss und dabei zuviel dafür bezahlt, dafür ein echtes Erlebnis hat. Wir gehen müde, aber zufrieden nach Hause. Ziemlich aufgewühlt von all den Eindrücken und Erlebnissen reden wir noch lange, um unser Energielevel wieder runterzubringen. 
Stellplatz: in Marrakesch bei der Moschee Kutubiya (steht linkerhand) vorbei. Die nächste Strasse links rein, nach 200m linkerhand grosser Parkplatz - Schotter
Klima und Umgebung: supernah für die Souks und den Place Djamaa el Fna, ruhig, nicht gerade supersauber
Infrastruktur: Wasser und Toiletten, 40 DH/24 Std.
25. Januar 2005, Marrakesch - Ait Ourir (ca. 30km O v. Marrakesch)
Nebel über Marrakesch

Der Tag ist verhangen. Seit einem Monat ist es das erste Mal, dass ein Tag wieder einmal nicht sonnig oder immerhin mehrheitlich sonnig ist. Wir wollen nochmals auf den Platz und ins Internet. Unser Provider für die Homepage, Green.ch, hat uns mit einem komplett neuen Look und Aufbau für die Mailbox ziemlich negativ überrascht. Unsere Adressgruppen muss ich neu zusammenstellen und der Aufbau der neuen Mailbox-Fenster ist viel aufwändiger als bisher und dauert entsprechend länger. Glücklicherweise sitzen wir in einem Internet-Point mit guter Verbindung. Trotzdem mühsam, sich von unterwegs in neue Strukturen einzuarbeiten, schliesslich wollen wir nicht Stunden hier drin sitzen. Der Upload klappt dafür hervorragend. 

Wir setzen uns auf eine Panoramaterrasse und beobachten von diesem Adlernest aus das Geschehen auf dem Platz unter uns. 
Es ist ziemlich kalt und darum vergeht uns bald das Glotzen. Wir haben genug von Marrakesch gesehen, obwohl es noch viel mehr gebe.
Die Wasserverkäufer laufen den lieben langen Tag über den Platz und bieten den Leuten Wasser aus goldenen Schalen zum Trinken an. Ihre rote Kleidung, der kurlige Hut und die Rasseln, die am Hemd angemacht sind, machen sie unübersehbar. 

Bevor wir losfahren, tanken wir noch Wasser voll. Auf dem Weg nach Ait Ourir kommen wir in die Nähe eines Marjane (Rieseneinkaufszenter) und lassen uns verführen. Wir gehen einkaufen und lassen 850 DH liegen, soviel wie schon ewige Zeiten nicht mehr. Dabei haben wir weder Wein noch Bier noch Fleisch gekauft. 

Nach 20km Fahrt erreichen wir unser heutiges Ziel: Ait Ourir. Zuerst suchen wir eine Wäscherei, wo wir unsere Wäsche von drei Wochen, das sind sicher an die 15kg, abgeben. Morgen Abend gehen wir sie wieder holen. Mit dem Womo fahren wir der eindrücklichen Bergkante entlang Richtung Süden. 
Nach etwa 3km biegen wir links in ein Piste ab und stellen uns auf einer flachen Stelle nahe am Berg hin. Von hier sieht man auf das rote Lehmdorf hinunter und wenn es sichtig wäre, würde man vermutlich sogar Marrakesch sehen. Schön ruhig hier. Die Kinder, die wenig später bei uns ankommen, sind nicht so arg, halt einfach neugierig. Immerhin bettelt keiner von ihnen und sie ziehen auch wieder von dannen als wir uns ins Innere verziehen. 
Als es dunkel ist können wir anhand des Lichterscheins Marrakesch im Westen ausmachen. 
Stellplatz: von Marrakesch Richtung Fes und Ait Ourir. In Ait Ourir in eine einspurige Asphaltpiste rechts abbiegen, Richtung Tidili-des-Mesfioua, Ende der Bergkette (ca. 3km nach Ait Ourir) links auf Schotterpiste abbiegen - Schotter
Klima und Umgebung: sehr ruhig, etwas vom Dorf weg, Kinder sind nicht so aufdringlich hier, Wanderung auf den Berg mit genialer Weitsicht und Blick auf die bizarr anmutende Bergkette
Infrastruktur: nada, Wasser würden die Kinder vom Dorf bringen, junge Männer tragen den Gleitschirmsack zum Startplatz hoch
26. Januar 2005, Ait Ourir 
Wolkendecke über bizarrer Felsengegend

Es bleibt verhangen. Und es ist kalt. Das Thermometer steigt nicht über 12°. Nach dem Frühstück ziehen wir los, um auf die Bergspitze hinter uns zu kommen. Wir nehmen anfangs die Piste, die bis zum Dorf führt. Ich befürchte, dass die Kinder schon wieder angerannt kommen, wenn sie uns und Zorro sehen. Doch wir haben Glück, sie halten sich zurück. Wir klettern über glatte Felshänge hinauf bis zur Spitze. An der Kante oben sind grobe Felsen, die über den Abhang hinausragen. Der Blick ist bzw. wäre gigantisch. So schade, dass der bewölkte Himmel den Blick im Grau verschwinden lässt. Beide Startplätze sind offensichtlich. Ein roter Fuchs verschwindet gerade, als wir über eine Kante kommen. Zorro nimmt die Spur auf und ist ganz aufgeregt. 
Wir suchen uns einen Abstieg auf der westlichen Seite und folgen den tausend Geissenwegen, die im Hang horizontal um den Berg führen. Vereinzelt stehen blühende Mandelbäume im Acker. Vor den roten Ruinen der Kasbahs sieht es sehr reizvoll aus. Nur, Fotowetter ist nicht heute.  

Als wir wieder Blick auf's Womo haben, sehe ich mit dem Feldstecher, dass die Jungs und wohl auch Erwachsene nah beim Auto stehen, auch vor der Türe. So ein Mist. Wir rufen und pfeifen, ohne Erfolg. Hoffentlich räumen die nicht wirklich unser Heim aus. Ich glaube es zwar nicht. Zu nah stehen wir beim Dorf. 
Als wir zurück sind, sehen wir, dass sie alles angefasst haben und die Treppe ist nicht mehr ganz in der Halterung, aber es ist alles ok. 
Dominik zieht nach dem Mittagessen los, um das Dorf anzuschauen. Ich bleibe im Womo, schreibe und lese. Es ist mir zu kalt und unfreundlich und ausserdem hab ich keine Lust auf eine johlende Kinderschar. Als Dominik zurückkehrt bringt er ein paar junge Männer vom Dorf mit. Zudem hat er ein hausgebackenes Brot und zwei Tontöpfe dabei. Im Dorf gibt es eine Töpferei, die sie ihm gezeigt haben, die Töpfe hat er geschenkt bekommen. Einer der jungen Männer übergibt mir einen Strauss frische Münze. So nett! Ich habe echt Freude und denke, es gibt eben überall alles. 

Die Männer anerbieten Dominik, den Gleitschirmsack nach oben zu tragen. Da mittlerweile die Sonne ein wenig hervorgekommen ist, macht sich Dominik mit drei der Männer auf den Weg nach oben. Ich bleibe im Haus, hab keine Lust, in die Kälte rauszugehen.
Etwa zwei Stunden später landet Dominik vor dem Womo. Nach anfänglichem Schwachwind konnte er doch noch ca. 35 Minuten in der Thermik fliegen. Die Jungs sind auch wieder zurück und helfen uns, den Schirm zusammenzulegen. Es sind nette Typen - sie können sogar Witze machen und lachen. 

Wir machen das Womo schüttelfest und fahren nach Ait Ourir, um unsere Wäsche abzuholen. Auch hier sind wir wieder angenehm überrascht. Die beiden Männer nennen einen fairen Preis, der mit dem, was wir gestern ausgehandelt hatten in etwa übereinstimmt. Kein Feilschen und Übersohrlegen. Blöd nur, dass die Wäsche noch so feucht ist, dass wir sie nicht richtig verräumen können. Wir werden sie morgen früh an die Leine hängen müssen. 
Stellplatz: siehe 25.01.05
27. Januar 2005, Ait Ourir - Tarhazoute (ca. 20km N v. Agadir)
Der Nordostwind schiebt uns wieder an die Küste

Es regnet und ist kalt. Unser Plan mit Wäsche draussen aufhängen passt nicht in Petrus' Konzept. Es hat sogar bis tief hinunter geschneit. Auch unserer anderer Plan, über den Tiz'n Tichka nach Quarzazate zu fahren passt nicht so recht zu den Schneebergen. Was nun? Hier warten? 
Wir entscheiden uns, wieder an die Küste zu fahren. Solange es tief geschneit hat und es entsprechend kalt ist, macht es keinen grossen Sinn, in die Berge zu fahren. Nach Agadir wollte Dominik sowieso noch einmal. Also nehmen wir die Strecke jetzt unter die Räder. Immerhin ca. 300km! Wir legen die Wäsche im Alkoven aus, um sie während des Fahrens trocknen zu lassen und stellen mit immer grösserem Ärger fest, dass sie teilweise stinkt. So ein Mist! Ohne Zweifel wurde ein Teil der Wäsche schlecht gespült. Eine Ecke des Fixleintuches stinkt wie ein alter Waschlumpen. Bei anderen Wäscheteilen habe ich den Eindruck, dass sie nur unter das Dampfpressbrett gehalten wurden. Wir werden die Wäsche richtig auslüften und trocknen lassen und das aussortieren, was unzumutbar ist. 

Wir fahren über Marrakesch. Zu einem grossen Teil führt eine doppelspurige Strasse mehr oder weniger ringsherum. Das Verkehrsaufkommen in Marokko hält sich ja noch ziemlich in Grenzen. Auch wenn Eselskarren, Kutschen und Zweiradfahrer die eine Spur manchmal ziemlich belegen. Was die Italiener aggressiv sind die Marokkaner verschlafen im Verkehr. Wenn die Italos aus zwei Spuren drei machen, reduzieren die Marokkis die Spuren auf eine. Klapprige Busse fahren mit Zielsicherheit in der Mitte zweier Strassen. Obwohl ich ein eher gemütlich fahrender Mensch bin, reizt mich Stadtverkehr. Also beginne ich zu hupen und zu überholen, links und rechts. Dominik grinst mich von der Seite her an und gratuliert mir nach geglückter Umfahrung zu meinem couragierten Fahrverhalten... 
Mittagspause machen wir an einem Oued mit Bäumen. Wir spannen das Wäscheseil und hängen fast unsere ganze Wäsche nach draussen. Nach zwei Stunden, während denen ein kräftiger Wind bläst, nehmen wir sie wieder ab und spedieren den zweifelhaften Anteil direkt in den Wäschesack. 
Immer wieder mal ist so ein überladener Heuwagen vor uns. Man sieht kaum an ihnen vorbei, so breit und hoch sind sie geladen. Wenn die Strasse leicht schräg ist, sieht es aus, wie wenn die ganze Karre demnächst kippen würde. Ziemlich abenteuerlich. Zudem dieseln diese alten Lastwagen tiefschwarz aus dem Auspuff, wenn sei eine Anhöhe erklimmen, sie pfeifen aus dem letzten Loch. 
Ein extrem heftiger Nordostwind schiebt uns regelrecht über die vielen kleinen Pässe Richtung Agadir. Der Himmel lichtet sich immer mehr. Blauer Himmel kommt in Sicht. Immer mehr blühende Mandelbäume sehen wir in roter Umgebung. Die Spitzen des Anti Atlas sind frischweiss gestrichen. 

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Tarhazoute, genannt die Platte oder Paradies Plage. Schon zur Flower-Power-Zeit kamen Reisende hierher und liessen sich für längere Zeit nieder. Hier entstand eine Art Hippiedorf. Ein Teil der Leute, die heute hierher kommen, waren schon dazumal hier... Wenn das früher, wer weiss, vielleicht zwanzig oder dreissig waren, dann sind es heute mindestens zehn mal so viele. Wir finden einen Platz auf dem "Schweizerhügel". Zwei Busse mit Schweizern stehen hier. Mir scheint, unser Nachbar in einem umgebauten gelben Postbus hat nicht so Freude an seinen neuen Nachbarn (uns). Er muss ein bischen zirkeln, bis er rausfahren und nach Agadir in den Ausgang gehen kann. Er wird (leider!) wieder zurückkommen. 

Es windet immer noch extrem und wir verkriechen uns schon bald in unser Heim. 
Stellplatz: siehe 10.12.04 bzw. Nähe Tarhazoute ca. 20km N v. Agadir - Sand
Klima und Umgebung: schöner breiter Strand, jede Menge Wohnmobilisten und Camper
Infrastruktur: die Händler kommen hierher, man kann fast alles von ihnen kaufen, bekommt auch Wasser, ansonsten Wasser im übernächsten Dorf, vor der Brücke rechts runter an den Fluss (rechts in der Ziegelei, wenn draussen Wasser nicht läuft), nicht alle zahlen die Gebühr von 10DH
28. Januar 2005, Tarhazoute
Kalter Wind und unangenehme Schweizer Nachbarn
Wir stehen gut im Wind, die Nivellierstützen halten das Womo ziemlich ruhig. Das ist auch wichtig, denn es bläst immer noch krass. Also, leider, Frühstück drin. Hinter uns haben sich Einheimische einen kleinen Stand aufgebaut und verkaufen das Allerwichtigste. Das verschafft uns den luxuriösen Genuss von frischem Brot zum Frühstück. 

Ein langer Spaziergang am Strand zeigt uns die Dimension der Womostadt auf der Platte in seiner ganzen Länge. Voll krass, und wir mitten drin! Nun gut, nicht gerade voll. Voll drin wäre, wenn links und rechts von einem mindestens zehn Womos stehen und vorne und hinten etwa je fünf Reihen. Dort wo wir stehen, ist es leicht hügelig, wir haben Blick auf's Meer, ein bischen Wiese im Sand, unsere Nachbarn stehen willkürlich und nicht in Reih und Glied und die Reihe ist eine Einzelne. Ich bin kaum eine Nacht hier und schon sehne ich mich wieder nach Einsamkeit. Das hier ist zu krass. 

Als wir draussen beim Tee sitzen, kommt der Zürcher, den wir schon in Legzira angetroffen hatten (der mit dem schönsten Hymer der Welt) zu uns und wir tratschen über Marokko, das Land und die Leute. Er war mit einer Marokkanerin verheiratet, ist jetzt wieder mit einer Marokkanerin unterwegs, kommt schon seit dreissig Jahren hierher und kennt sich also aus. Nebst den guten Seiten, die Marokko bzw. ein Aufenthalt hier haben, sind wir uns einig, dass die schlechten Eigenschaften es nicht gerade einfach machen, das Land hier zu lieben. Die Mentalität und die Kultur sind so verschieden, dass Enttäuschungen vorprogrammiert sind. Im Endeffekt hat man seinen Horizont ganz schön erweitert, aber kommt wahrscheinlich kein zweites Mal hierher. Ausser man stellt sich an so einen Ort wie die Platte, zusammen mit zweihundert anderen und verbringt drei Monate in abgeschotteter Atmosphäre, schlicht um den europäischen Winter zu verkürzen. Ich denke, viele, die hier stehen, machen das so. Im Daerr-Führer steht, dass die meisten Touristen nur einmal, lediglich 3% ein weiteres Mal kämen. Obwohl der Tourismus der drittwichtigste Devisenbringer (nach den Phosphateinnahmen und den Gastarbeiterüberweisungen) für das Land ist! Marokko hat starke Konkurrenz, vor allem durch Tunesien, das billiger ist, flexibler auf Änderungen und spezielle Marktchancen reagiert und weniger mit marokkospezifischen Imageproblemen (Belästigung durch bettelnde Kinder und Geschäftemacher, Drogenkriminalität usw.) zu kämpfen hat. Hinzu kommen nach dem Attentat im Mai 2003 in Casablanca die Ängste vieler Touristen. 

Der Wind lässt nicht nach und es ist verhältnismässig kalt. Wir hören, dass es bis nach Marrakesch und Meknes hinunter geschneit hat. Unsere Entscheidung an die Küste zu fahren, war wohl richtig. Ein Mann schiebt ein Fahrrad vorbei... den kennen wir doch. Es ist Horst! Grosses Hallihallo. Er steht wenige Kilometer weiter nördlich bei den Surfern. Wir setzen uns zusammen und reden. Sein Womo wurde repariert, aber es scheint immer noch nicht so zu funktionieren wie es sollte. Er wird also in der Nähe der Küste bleiben und keine waghalsigen Abwege einschlagen. In der Zeit, wo er hier um Agadir war, ist er einmal zum Fliegen gekommen und zwar beim Kilometer 25. Diesen Ort wollen wir, sobald der Wind sich beruhigt hat, ebenfalls noch aufsuchen. 

Zum Abendessen gibt's Falaffel. Eine Fertigpackung im Einkaufscenter hat mich verführt. Es ist erstaunlich gut, mit Tomatensalat und frischem Brot eine leckere Abwechslung. 

Unser lieber Schweizernachbar vom Postbus hat angedroht, meinen Hund totzuschlagen, wenn er ihm bei Dunkelheit über den Weg kommt.... wo bin ich hier? Was ist los? Ok, es hat viele Hunde hier und fast alle bewegen sich mehr oder weniger frei. Ist ja auch kein Wunder, fast jeder Reisende hat einen Hund dabei und da hier sowieso jeder tut und macht, was er will, lässt man auch die Hunde frei laufen. Ist weiter auch kein Problem, denn die verstehen sich untereinander prima und sind viel relaxter, als wenn sie angebunden bleiben. Das Problem sind die Hunde, die niemandem gehören, in der Nacht herrenlos herumstreunen und sich gegenseitig verbellen. Kann schon passieren, dass man das Pech hat und so ein Kläffer lässt einen die halbe Nacht nicht schlafen. Dass einer gleich mit Totschlagen drohen muss, zeigt, dass er wohl so ein Opfer ist. Nun, ich habe ihm klar gemacht, dass er meinem Hund kein Haar krümmt, denn sonst... ja, dann werd ich mich mal so richtig ausleben... der spinnt doch... So, soviel also zu marokkanischem und schweizerischem Verhalten... 
Stellplatz: siehe 27.01.05
29. Januar 2005, Tarhazoute - km25 (Startplatz, ca. 25km N v. Agadir)
Suche nach Starplatz bei km25
Unser Nachbar ist wieder friedlich. Ich hätte sonst auch keine ruhige Minute mehr! Ich bekomme mit, dass auch ein anderer ihm sagt, er solle sich nicht so aufregen. Am Vormittag duschen wir, ich putze das Häuschen ;-), wir palavern und gegen Mittag fahren wir nach Agadir, um unsere Gasflasche abfüllen zu lassen. Bei Liquid Air, ca. 1km vor Agadir (bei den grossen silbernen Gas-Kugeln), stehen die Womos schon Schlange! Und wer sitzt dort gemütlich in der Sonne mit einer Zeitschrift bewaffnet? Horst! Er hat die Gasflasche vor ca. eineinhalb Stunden abgegeben. Andere Wohnmobilisten, die am Eingang stehen, berichten, dass sie schon drei Stunden warten! Das ist uns zu blöd. Zudem kostet es mehr, als uns das eigene Abfüllen zweier Flaschen kosten würde. Wir beschliessen, uns eine Flasche zu kaufen, wie gehabt, und sie selber abzufüllen. 

Da wir grad schon bei Agadir sind, fahren wir auf die Kasbah, um uns die dortigen Startplätze anzuschauen und die Aussicht auf Agadir und ....
...den Hafen zu geniessen. 

Hoch ist sie nicht, trotzdem ruht sie, auch wenn verfallen, stolz und mächtig auf dem Hügel nördlich von Agadir und überblickt den ganzen Küstenabschnitt. Wir haben Blick über die Stadt, die runde Bucht und den breiten Sandstrand, der in der Saison mit Touristen überfüllt ist.
 
Der Wind ist zum Fliegen zu stark. Ein Einheimischer kann Dominik bestätigen, wo exakt gestartet wird und weiss auch sonst ziemlich Bescheid. 

Wir fahren runter in die Stadt, um in einem Internet-Point neue Mails runterzuladen. Gleich nach dem Camping und dem Hotel Oasis ist ein Internet-Point mit guter Infrastruktur und wir ärgern uns ein bischen weniger über die neue Outlook-Aufmache von Green, unserem Provider. 

Anschliessend brechen wir wieder nordwärts auf, um den Startplatz bei km25, so heisst er, aufzusuchen. Die Beschreibung ist vage und so landen wir nach langer Sucherei auf einer Piste, die zu einer Kante hochführt, welche passen könnte. Nach zwei, drei Kilometern auf der rütteligen Strasse beschliessen wir, für heute die Sucherei aufzugeben, uns hinzustellen und morgen zu Fuss weiterzusuchen. 
Auf dem kurzen Fussmarsch, den wir gleich darauf, entlang der Strasse, unternehmen, sehen wir nach wenigen hundert Metern, dass die Strasse den Hang runtergerutscht ist. Darum kommt hier also kein anderes Fahrzeug entlang, ich habe mich schon gewundert. Auch wenn es nun nicht mehr mit der uns beschriebenen Auffahrt übereinstimmt, so sieht die Kante, oberhalb von uns, schon passend für's Fliegen bei Nordwestwind aus. Nun gut, wir werden es morgen herausfinden. Eine Wanderung in dieser Gegend wollen wir ohnehin unternehmen. 
Stellplatz: von Agadir Richtung Norden, nach dem Kilometerstein 25 geht rechterhand eine Schotterpiste von der Strasse ab, nach ca. 3km ist Strasse abgebrochen - Pistengeröll
Klima und Umgebung: absolut ruhige und abgelegene Stelle, keine Kinder, nur Kamele, Wanderung zum Dorf hinauf
Infrastruktur: nada
30. Januar 2005, km25
Kamele als Morgenbegrüssung - Wanderung auf Geissenpfaden durch frischen Lavendel 
Hier oben hat es einiges weniger gewindet als gestern noch auf der Platte. Zudem war es herrlich ruhig und angenehm. Als Dominik Zorro am morgen aus dem Auto lässt, gibt er gleich warnbellend an. Dominik ruft: Kamele! Ich schäle mich aus meinem gemütlichem und warmem Bett und staune nicht schlecht, als ich die Herde sehe, welche die Strasse entlang kommt. 
Sicher zwanzig Kamele, alle sehen noch recht jung oder wenigstens unverbraucht aus, kommen langsam dahergetrottet. Zuerst bleiben sie stehen und schauen argwöhnisch. Ein grösseres Tier, ein Reihe anführend, schaut zurück und marschiert dann auf mich zu. Ich mache ihm Platz und majestätisch schlurft es an mir vorbei. Wir sind ganz aufgeregt. So viele Kamele so nah bei uns haben wir doch noch nie erlebt. Sogar ein weisses ist dabei. Die einen sind scheuer, und machen einen Bogen um uns herum, quer durchs Gebüsch. Sie essen von den stachligen dürren Büschen, grösstenteils Arganien. Es scheint ihren Lippen nichts auszumachen. Man hört sie kräftig auf den Backenzähnen malen. Sie wirken auf mich extrem souverän. Wohl die einzigen Viecher, die in dieser Gegend ohne Menschenhilfe überleben können. Ihre ruhige Gangart strahlt Sicherheit und Gelassenheit aus. Ich bewundere sie.  
Nach dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke und marschieren los. Wir laufen zuerst auf Geissenpfaden den Oueds entlang ins Tal hinein und aufwärts. Frischer Lavendel und weisser Asphodelus (Kleinfrüchtiger Affodill) welche wir schon überall im Januar in Sizilien angetroffen haben, blühen und duften.

Immer ist es eine Überraschung, zu sehen, was man von einem Gipfel aus sieht. Auf der Kante angekommen, sehen wir vor unseren Augen eine weite, leicht hügelige Ebene, links von schräg liegenden Felsen abgegrenzt und weiter entfernt von einer weiteren Gebirgskette umzingelt. Hier oben wird eifrig Landwirtschaft betrieben. Viele Olivenbäume und ergrünende Äcker liegen und stehen grosszügig auf der Fläche verteilt. Sogar eine Oase entdecken wir. Das Dorf auf der Kante ist auch nicht das einzige. Weiter entfernt sehen wir eine recht grosse Moschee. Es gibt etliche Dörfer hier, Pfade führen kreuz und quer übers Ackerland. 
Wir laufen durch das Dorf und ich bin froh, dass die Kinder hier recht scheu sind. Es hat wohl auch nicht viele. Wir marschieren der Kante entlang zur Antenne und dann noch ein wenig weiter, bis wir einen Platz finden, der offensichtlich ein Startplatz ist. Der Boden ist frei von Büschen und leicht geneigt. Keine Bäume verhindern einen längeren Startlauf und der ganze Hang ist leicht muldenartig. Also perfekt zum Starten. Landen würde man unten auf der Plage. Die Gegend hier ist übersäht von Arganien. Eine lange Bergkette im Norden ist regelrecht gesprenkelt mit dem Grün dieser Bäume.
Wir laufen noch ein wenig weiter, um am höchsten Punkt eine Rast zu machen und dann umzukehren. Mit Steinbrocken haben sich die Leute hier Gehege errichtet. Oben auf der Mauer ist mit Dornengestrüpp eine Barriere gegen unerlaubtes Eindringen errichtet. Drinnen sieht man Boden, der wohl später für das Anpflanzen von Gemüse verwendet wird. Vielleicht werden sie aber auch gar nicht mehr genutzt. Auf alle Fälle sieht es archaisch aus. Ich denke, so hat man schon vor 1000 Jahren sein Gemüse vor Tieren und ungebetenen Gästen geschützt. 

Das Gestein hier ist voll von versteinerten Muscheln. Grosse Jakobsmuscheln und einfachere längliche finden wir. Wenn man sich Mühe geben würde, könnte man hier vermutlich noch exotischere Versteinerungen finden. Die Dinger sind leider zu schwer, um sie mitzuschleppen. 
Unterhalb der Felsenkante haben Wind und Wetter während x-tausend Jahren Höhlen in die Felsen geschliffen. Sicherlich wurden sie einmal genutzt. Heute finden nur Geissen und ihre Hüter hier Schutz vor Hitze und Wind. Sie sehen herrlich bizarr aus. Auf Geissen- und Kamelpfaden erreichen wir bald wieder unser Womo. 

Dominik zieht nach dem Mittagessen nochmals los, diesmal mit dem Gleitschirm bewaffnet. Ich bleibe beim Womo. Etwa eine Stunde später funkt er mir, dass der Wind zu stark ist. Er wird warten müssen, bis er abgibt, wenn überhaupt. Kein Problem, ich geniesse diese Zeiten für mich alleine immer sehr. Bei einem 24-Stunden-Beisammensein sind solche "Einsamkeiten" eine nette und guttuende Abwechslung. Drei Stunden später ist er wieder da. Der Wind hatte eher zu- als abgenommen und er musste wohl oder übel wieder zurücklaufen. So schade! Wäre sicherlich cool gewesen, hier zu fliegen. Vielleicht versuchen wir es Morgen nochmals...So schade!  
Stellplatz: siehe 29.01.05
31. Januar 2005, km25 - Tifnit (ca. 30km S v. Agadir)
via Agadir (Marjane) zur Küste Tifnits
Auch heute morgen ziehen die Kamele wieder bei uns vorbei. Diesmal schon ein wenig weniger scheu. Der Junge, der die Tiere begleitet, schnorrt uns eine Zigarette ab und gibt uns dann zu verstehen, dass man hier Fossilien finden kann. Wir haben schon hier, gleich neben dem Womo versteinerte Muscheln gefunden. Nach dem Frühstück machen wir einen Spaziergang zum Bachbeet runter. Ja, tatsächlich, hier liegen sie zu Hauf rum. Allerdings immer das gleiche Modell. Ich beschränke mich auf's Fotografieren und lass sie lieber hier liegen. 
Wir fahren zurück, geben die Gasflasche zurück, welche wir hatten, um abzufüllen, tanken nochmals Wasser voll und fahren dann durch Agadir durch bis zur Marjane, wo wir nochmals einkaufen gehen. Diesmal "gönnen" wir uns wieder einmal zwei Flaschen Rotwein, marokkanischen, logo.

Weiter geht es südwärts und bald westwärts, bis wir in Tifnit ankommen, wo wir vor sieben Wochen schon einmal für eine Nacht waren. Damals hatte es jede Menge Heuschrecken. Diesmal sind zwar keine Heuschrecken zu sehen, dafür Womos! Hoppla, hätte nicht gedacht, dass das ein Platz für Womis ist. Etwa fünf, sechs stehen oben beim alten verfallenen Campinggebäude, weitere acht oder so unten an der Klippe. Wir stellen uns ebenfalls ziemlich nah an die Klippen mit dem Panoramafenster Richtung Meer, Bucht und Tifnit. 

Gleich nach uns kommt noch ein deutsches Wohnmobil, welches sich auf die andere Seite stellt (rechts im Bild). Henny und Rainer. Henny kennt mich von meinen Reiseberichten her. Seit letzten November sind auch sie losgelöst, haben Wohnung und Jobs aufgegeben, sich das Womo als Heim ausgewählt, was sie aber schon vorher hatten, und sind nun unterwegs Richtung Senegal, aber ohne Fixierung. 
Dominik zieht mit seinem Gleitschirm los, um ein paar hundert Meter weiter südlich an der Klippe zu fliegen. Ich spaziere mit ihm mit. Leider ist der Wind aber so stark, dass mehrere Aufziehversuche scheitern. Es schleift ihn einige Meter über den Sand. 

Mir ist es auch zu kalt und ich wandere zurück. Rainer spendiert Henny und mir einen Pastis und wir schwatzen im Windschutz des Womos und beobachten dabei, wie die Sonne, klar und ohne Spiegelungen glühend im Meer versinkt. 

Der Platz ist gut hier. Keine Kinder, keine Händler, keine Gebühren, keine Parkplatzordnung, nicht zu viele Womos. Perfekt. Wenn es bloss nicht so kalt wäre. Alle, die schon ein paar Mal in Marokko überwintert haben, erzählen uns, dass es noch nie über so lange Zeit so kalt war. Der Kälteeinbruch und der tief liegende Schnee hält ziemlich an. Der Morgenwind bringt jeweils die kalte Landesluft an die Küste und lässt auch des Nachts das Thermometer arg sinken. So ca. 5° oder sogar weniger war es wohl letzte Nacht. 
Stellplatz: siehe 10.12.04
Stellplatz: Auf der P30 von Agadir Richtung Tiznit, nach ca. 35km links abbiegen, bis Strand - Sand
Klima und Umgebung: sehr ruhiger, abgelegener Platz, Fischerkabäuschen in der Klippe, Polizist wohnt in der Nähe, Ende Januar hatte es immer ca. 10 Wohnmobile hier. 
Infrastruktur: drei (!) Läden in Tifnit, drei Brunnen, ansonsten nichts
1. Februar 2005, Tifnit 
Muscheln a la Maria - Dorf in rosarot
- nette Nachbarn 
Dominik und ich spazieren heute morgen zuerst einmal los ins Dorf. Mal schauen, ob wir hier Kaffee, den ich vergessen habe, einzukaufen, kriegen. Ein Fischer fragt, ob wir Muscheln wollen. Oh, das würde wieder einmal passen. Da der Wind und das Wasser eiskalt ist, ist es mir auch recht, wenn ich nicht selber danach suchen muss. Wir laufen dem Meer entlang ums Dorf und bestaunen die verschiedenen bunten Häusern. 
Einfallsreich und kreativ sind die Marokkaner wirklich! Z.B. haben sie PET-Flaschen benutzt, um einen einigermassen festen Untergrund für die Betonierung eines Einganges zu haben. 

Es hat ganz hübsch hergerichtete kleine bunte Häuser, welche offensichtlich als Weekend- oder Ferienhäuschen benutzt werden. Andere wiederum sind mehr oder weniger fester Wohnsitz der Fischer. Vielfach schlicht zusammengebastelt, aus dem was grad vorzufinden war.
Wir laufen an zwei Brunnen vorbei. Drei gibt es hier im Dorf. Am ersten lasse ich das Seil und einen Kanister runter und hole Wasser uns einer Tiefe von ca. 6-8 Metern. Das Wasser ist erstaunlich klar. Am nächsten Brunnen treffen wir auf einen Franzosen, der an einer Mauer arbeitet. Sieht ziemlich exotisch aus. Wir fragen ihn aus und erfahren, dass hier im Dorf ein paar Europäer leben, die zusammen mit hiesigen Marokkanern als Gemeinschaftsprojekt eine Toilette mit Duschraum bauen.
Mitten im Dorf finden wir drei kleine Läden, die dicht beieinander stehen. Kaffee bekomme ich in keinem, dafür herrscht eine lustige Atmosphäre. 

Wir laufen über den Ebbenstrand zurück und können uns die bemoosten grünen Felsen und die scharfkantigen schwarzen Felsenbänke vor der Küste von der Nähe anschauen. 
Der Fischer bringt uns sicher etwa 3 Kilo frischer schöner Muscheln. Während ich mit einem scharfen Messer bei allen das Heu abspitze, unterhalte ich mich mit Rainer und Henny über dies und jenes. 
Ach, der Platz passt mir wirklich sehr. Ich geniesse es, in guter Umgebung rumhängen zu können, während Dominik fliegen geht. Mehr oder weniger den ganzen Nachmittag soart er entlang der Küste, bis der Starkwind ihn landen lässt. 

Ich unterhalte mich ausgiebig mit Rainer, tausche CDs mit ihm aus, er erzählt mir von den Büchern, die er geschrieben hat. Ein Buch handelt von wie man selber Wein herstellt, ein anderes über Datenklau oder so. Also alles Bücher, wie man selbst was macht. Zudem ist er seit letzten Frühling im Vorstand der "Mediarisk", eine gemeinnützige Gesellschaft für die Thematisierung der Mediensucht. Also allerhand Gesprächsstoff. 
Zu Dominik spazier ich einmal raus, um ein paar Fotos zu schiessen. Er kann weit nach Norden fliegen und landet gegen den späteren Nachmittag vor dem Stellplatz.
 
Die Muscheln bereit ich diesmal nach Art Maria zu und sie werden lecker. Zwar einiges zuviel, aber den Rest werd ich morgen Mittag verdrücken. Oh, yes.
Stellplatz: siehe 31.01.05
2. Februar 2005, Tifnit 
Wanderung entlang der Küste 
Es ist echt schade, dass der kühle Wind nicht aufhören will. Wir frühstücken drin, während die Heizung läuft...

Während Dominik das Rollo des Küchenfensters repariert, arbeite ich am PC, bis der Wind umgedreht hat, was üblicherweise so um 11Uhr passiert. 
Henny und ich beschliessen, gemeinsam zur Flussmündung zu spazieren, wo es Flamingos und Gazellen geben soll. Wir denken, das in einer guten Stunde zu schaffen. Wir quasseln den ganzen Weg, bis wir mal Pause machen. Es schaut immer aus, wie wenn die Flussmündung gleich hinter dem nächsten Hügel sein müsste, doch immer kommt noch eine Sanddüne und noch eine. Trotzdem entscheiden wir uns, noch wenigstens bis zum Dorf zu laufen, welches in der Nähe des Flusses liegt. Wir können uns ja sonst ein Taxi für den Weg zurück nehmen. 

Ein etwa drei Monate alter weisser Welpe schliesst sich Zorro an. Er ist beinmager. Seine Wirbelsäule steht krass aus dem Rücken. Er ist wirklich bemitleidenswert und hat dabei seine helle Freude an Zorro. Als er gar nicht umkehren will, versuch ich ihn zu verscheuchen und wirf ein wenig halbherzig Steine vor seine Füsse. Das scheint ihn nicht zu beeindrucken. Er will partout bei Zorro bleiben. Na, dann mach halt was du willst, denk ich. 

Bevor wir links zum Dorf abbiegen, haben wir noch einmal einen tollen Blick auf die Küste, wo gerade die Fischer reingekommen sind. Die Klippen sind hier relativ hoch. Die in die Felsen gehauenen Treppen und Wohnungen sehen schon eigenartig aus. 

Als wir im Dorf ankommen, merken wir schnell, dass es ein Kaff ist. Nichts mit Tee trinken und ein Taxi bestellen. Ein paar Jungs reden was von einem Freund von einem Bruder, der ein Auto hat und wir sollen hier warten. Als ich frage, was uns das kosten würde, meint er 50DH! Wir lachen und winken ab. Sie ziehen trotzdem ab und sagen, sie kehren bald zurück. Wir beratschlagen und überlegen uns, dass wir uns eventuell auch an die Piste stellen könnten und hoffen, dass uns jemand mitnimmt. Es ist aber schon halb vier. In zweieinhalb Stunden geht die Sonne unter, eine halbe Stunde später ist es dunkel. Das wird zu riskant. Wir werden also laufen. 
Als wir ein paar Meter von den Kindern weggelaufen sind, drehe ich mich um und sehe, dass der kleine Weisse ganz verstört am Boden sitzt und schon bekommt er einen Stein ab. Er jault laut auf und heult herzerweichend. Wir laufen schnell zurück und ich untersuche die Pfote. Es scheint nichts gebrochen zu sein, aber laufen kann er nicht so recht. Also nehme ich ihn halt auf meine Arme. Hier lassen wollen wir ihn nicht. Der würde lange gequält, bevor er sterben dürfte. Ich hab mal wieder eine Wut im Bauch. Einem jungen Typ, der uns nachläuft und dumme Fragen stellt, sage ich "sirr" was Hau ab heisst. Das wirkt. So, was machen wir nun aber mit dem kleinen Wauwau? Mitnehmen geht nicht. Am Platz sind schon so viele Hunde, er bekäme da dauernd auf die Kappe. Dann habe ich die Idee, dass wir ihn, dort wo er uns gefolgt ist, wieder hinbringen, ihm eine Portion der süssen Crackers, die wir im Dorf gekauft haben, dalassen und dann, während er mit Sicherheit gierig isst, abhauen. Unser Plan klappt tatsächlich. Er macht sich mit sichtlichem Hunger über die Biskuits her und wird nachher, wenn er satt und müde ist, sicher dort bei dem anderen Hund, den er ja schon kennt, einschlafen und später uns vergessen haben. Ob er überleben wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Ich glaube, von all den Hunden, die hier geboren werden, schaffen es nur jene, die ganz clever sind und dazu eine Riesenportion Glück haben. Der kleine Weisse gehört wohl nicht dazu...
Hundemüde sind auch wir, als wir doch noch vor Sonnenuntergang wieder am Womostellplatz ankommen. Ein Glas Bier ist jetzt genau das, was mir hilft, den langen Fussmarsch zu verdauen. Leider ist es bald schon wieder zu kalt, um lange draussen zu sitzen. Wir ziehen uns zurück und ich erhole mich nur langsam vom quasi Barfusslaufen im Sand in Berberschuhen. 


Dominik ist heute Nachmittag mit Franzosen während guten drei Stunden geflogen! Er hat dabei witzige Bilder während des Fluges gemacht. 
Stellplatz: siehe 31.01.05
3. Februar 2005, Tifnit 
Lebendiger oder toter Pulpo? 
Ruhiges Dolce Far Niente ist hier angesagt. Der Wind heute morgen war nicht mehr so kalt wie gestern. Wir haben den Eindruck, es wird von Tag zu Tag immer wärmer. Aber draussen frühstücken ist noch nicht drin, wer weiss, vielleicht morgen?

Dominik lässt sich von Henny ihren Kühlschrank zeigen und erklären, wie man ihn unterhält. Er packt die Gelegenheit beim Schopf und öffnet unseren eigenen. Während etwa zwei Stunden nimmt ihn Dominik auseinander, mit tatkräftiger und fachfrauischer Hilfe von Henny. Er reinigt die Brennerdüse und setzt dann das ganze Ding wieder zusammen. Es scheint gut geklappt zu haben. Aber erst die Temperaturen werden zeigen, wie gut es dem Kühlschrank getan hat. 
Rainer erhält von dem einen Militarist, der hier wohnt, einen Pulpo (Krake). Als Henny ihn putzen will, greift er nach ihr. Hoppla, der ist noch nicht mause. Jetzt ist eine Heldentat gefragt. Wer macht ihn tot? Mich schaudert's, für sowas kann man mich leider nicht mehr gebrauchen. Henny meint entschieden, da Rainer ihn von Noredin bekommen hat, ist er auch für seinen Tod verantwortlich. Nach einigen missglückten Versuchen wird das Tier mit einem gezielten Stich zwischen die Augen getötet. Rainer nimmt ihn noch ganz auseinander, häutet den Kopf und nimmt die Innereien heraus. Die Hunde verschmähen die Reste des rohen Tieres. Sie stehen wohl auch auf die gekochte Variante?
Dominik kommt irgendwann müde vom Fliegen zurück. Endlich hat er auch Didier Parfait kennengelernt, der Guide von Agadir. Er hat Dominik und mich eingeladen, ihn am Wochenende mit seiner Frau nach Legzira und zu Francois zu begleiten. Ich habe aber keine grosse Lust, diese Orte, die ich schon kenne, nochmals aufzusuchen. Dominik kann von mir aus auch gerne alleine gehen, würde mich nicht stören. Aber wir werden sehen, Dominik ist noch nicht entschlossen. 
Während die Sonne sich dem Horizont nähert, spazieren Dominik und ich zu den Dünen, die hinter dem Dorf Tifnit liegen. Sie sind eine Augenweide.  

Was auf dem Bild übrigens wie Schnee aussieht sind grob gemahlene Muscheln. Irgendwann werden auch sie zu Sand. 
Die Licht-Schatten-Seiten sehen stark aus. Scharfkantig liegen die Dünen vor uns und erscheinen wir ein riesiges Gebirge. Dabei sind sie maximal 10m hoch. Wir (inklusive Zorro) haben unseren Spass, indem wir uns mit Anlauf über die Ränder in den sandigen Abgrund stürzen. 

Als wir zurückkommen, übergibt mir Rainer einen Pulpo, den er von Noredin für uns bekommen hat. Schon fixfertig gewaschen. Puh, heute Abend mag ich den aber nicht mehr zubereiten. Der wird bis morgen Mittag warten müssen. Ich hoffe, ich schaff das auch... 
Stellplatz: siehe 31.01.05
4. Februar 2005, Tifnit 
Sepia und Höhlenwohnungen
Und zum Dritten! Dominik nimmt das Küchenfenster erneut auseinander, um alles zu reinigen und zu schmieren. Es will und will nicht funktionieren. Immer morgens, wenn es noch kalt ist, geht das blöde Rollo nicht mehr runter, hat keinen Zug mehr drauf. Dafür funktioniert unser Kühlschrank nun einwandfrei. Die Entrusserei hat's wirklich gebracht. 

Leider war nichts mit immer wärmer werden. Es bläst heute morgen wieder ein kalter Wind. 

Als ich genauer in die Schüssel mit dem Pulpo schaue, bemerke ich, dass da auch eine Sepia ist! Na super, wer das wohl alles essen soll? Ich schmeiss die mehrarmigen Viecher ins kochende Wasser. Sie blähen sich sogleich auf. Gerade glutschig sieht das nicht aus. Ich seufze. Dominik isst bei diesem Menü ja leider gar nicht mit, also bleiben ich und Zorro. Nach etwa 30 Minuten nehme ich die Sepia heraus und schneide sie in kleine Stücke. Die groben Teil vom Kopf werfe ich Zorro in den Napf. Doch er ist davon nicht gerade begeistert. Dann kriegen das eben die anderen Hunde hier. Den Pulpo zerlege ich anschliessend auch noch. Aber je länger ich das Ding traktiere, desto mehr vergeht mir der Appetit. Immerhin, aus den feinsten Teilen des Pulpo und der Sepia mach ich mir einen leckeren Salat mit Olivenöl, Zitrone und Knoblauch. 
Am Nachmittag laufe ich mit Zorro Richtung Dorf und schaue den Fischern zu, wie sie gerade mit ihren Booten am Ufer landen. Sie scheinen nicht gerade viel ergattert zu haben. Ein paar wild kläffende Hunde verjage ich, indem ich bloss den Arm hebe. Ha, welche Macht! ;-)
Dann laufe ich zurück und weiter dem Strand entlang bis dorthin, wo die Piloten ihre Runden drehen. Hier in den Klippen, ich habe das sicher schon erwähnt, sind eine Menge Höhlenwohnungen entstanden. 
Die Fischer haben sich in dem weichen Gestein geschützte Obdache für die Nacht eingerichtet. Es sind bis zum Flusslauf, wo ich mit Henny war, sicher an die dreihundert oder mehr solcher Behausungen. Viele wurden wieder aufgegeben. Aber einige sind offensichtlich bewohnt und werden instand gehalten. 

Es gibt lustige, farbige und auch originelle darunter. Einige haben sich sogar ein Toilettenkabäuschen aussen angebaut. 
Weiter hinten treffe ich auf Dominik, der am Soaren ist und zwei andere Piloten, die ebenfalls genüsslich über mir und dem Alltag ihre Kreise ziehen. 
Zurück beim Stellplatz muss ich den Marsipullami- (oder wie sich das schon wieder schreibt) Bus ablichten. Ein deutsches Paar mit zwei kleinen Kindern, mindestens ebenso bunt wie ihr Fahrzeug wohnen hier. Schnuckeliges Fahrzeug. 

Wir sitzen noch eine Weile bei Henny und Rainer vor dem Womo, hören Musik, geniessen eine halbe Dose Bier und scharfe Oliven. Noch bevor die Sonne ganz untergegangen ist, verziehen wir uns wieder in die warme Stube. Wir sind schon rechte Weicheier! 
Stellplatz: siehe 31.01.05
5. Februar 2005, Tifnit 
Zwei Frauen im Souk von Sidi Bibi - Home alone
Dominik fährt mit Pierre, pensionierter Royal Air Force Pilot, der in Agadir lebt, zu "chez Francois" an die Aglou Plage zum Fliegen. Er wird heute Abend, inshallah, zurück kommen. 

Ich mache mit Henny ab, gemeinsam einzukaufen. 
Nach dem Mittag fahren wir los und gehen erstmal Wasser tanken. Zusätzliche Bidons füllen wir auch noch auf. Wir erfahren, dass in Sidi Bibi, zwei oder drei Dörfer Richtung Agadir, gerade Markttag ist. Passt wunderbar. Während wir durch die "Gassen" des Markts laufen und uns umschauen, merken wir schnell, dass wir nicht so ganz respektvoll behandelt werden, wie das sonst der Fall ist. Ich höre auch Männer, die uns anmachen, wenn auch nicht hörbar für die Umstehenden. Eine ganze Clique von Buben läuft permanent hinter uns her und will uns Plastiksäcke verkaufen. So ein Einkauf ist immer ganz schön anstrengend. Denn erstens ist die Menge für vier bis fünf Tage relativ gross und zweitens bedeutet es, Preise erfragen, vergleichen und kontrollieren. Üblicherweise herrscht im Souk für fast alles Gemüse ein Einheitspreis von 5DH das Kilo. Hier sind die Preise jedoch für Kartoffeln, Orangen und Mandarinen tiefer als sonst. Wir schlagen uns aber durch. Bei einem Teppichhändler erkundige ich mich nach den Preisen für diese bunten Plastikteppiche, die hier viele Reisende benutzen. Von den ursprünglich 30DH, die er pro m2 haben wollte, kann ich ihn auf die Hälfte runterhandeln. Aber irgendwann bin ich so müde vom Verhandeln und Rechnen, dass ich es dann doch sein lasse. 
So, nach diesem Kampf haben wir uns einen Tee verdient. Dazu gibt's leckere frisch gebackene Kringel, die wie Berliner schmecken. Auch hier müsste ich mich um 30 Cents (5 Rp.) wehren, aber ich mag nicht, das ist mir zu dumm. 
Henny erzählt mir einiges über ihr Leben und ich kann vieles von dem sie erzählt gut nachvollziehen. Ich mag sie wirklich gut. Sie ist eine Person, der ich schon nach kürzester Zeit mein vollstes Vertrauen schenken würde. 
Wir fahren zurück und verteilen unsere Ware. Es windet ziemlich heftig und ich frage mich, ob Dominik wohl zum Fliegen gekommen ist. 

Ich bin gerade dabei, für mich ein Abendessen zuzubereiten, als Rainer klopft und mich einlädt, bei ihnen auf ein Glas Wein und Abendessen vorbeizukommen. Aber liebend gerne! Henny macht leckere Tomatenspagetti mit Thunfisch, dazu gibt's marokkanischen und spanischen Rotwein. Wow, geht's mir gut. 
Dominik kommt kurze Zeit später und setzt sich zu uns. Er hat einen tollen Flugtag bei "chez Francois". Er konnte einiges überhöhen und genoss es entsprechend. Hier hätte er nicht so gute Bedingungen gehabt. Wir quatschen und lachen noch eine Weile zusammen, bevor wir müde und schön beduselt ins Bett huschen. 
Stellplatz: siehe 31.01.05
6. Februar 2005, Tifnit 
Sonntägliches Kunterbunterlei an Tifnits Küste 
Heute ist Sonntag und es kommen einige marokkanische Familien hierher, um den freien Tag hier an der Küste zu geniessen. Es herrscht ein kunterbuntes Treiben. Es ist genial zum Zuschauen. Ich sehe vermummte wie auch modern angezogene Frauen. Junge Leute, die Ball spielen und sogar ins Wasser gehen. Auch zum Surfen ist heute ein guter Tag. Einiger, der Australier und Deutschen hier haben ihre Bretter dabei und toben sich nahe beim Dorf aus. 

Dominik verschwindet wieder zum Fliegen Richtung Süden. Ich tausche Bücher mit Rainer, schenke Veit das Islam-Buch, dass ich ja doch nie lesen werde. Veit schreibt oder schrieb Wanderbücher für die Kompassverlagsgruppe. Leider gibt's den so nicht mehr und das Angebot vom neuen Verlag scheint nicht gerade verlockend. Der Absatz für Wanderbücher ist offenbar nicht so gross, dass sich davon leben lässt. 

Er und Rainer setzen sich vor's Womo und machen Musik, d.h., Rainer spielt auf seiner Gitarre coole Beatles-Songs und andere Blues, während Veit ihn mit Backgroundgeräuschen unterstützt. Hört sich echt gut an. Wirklich beeindruckend, die Stimmung ist köstlich. 
Über den Mittag verziehe ich mich, wie immer, für eine gute Stunde ins Womo und mache die Türe zu. So eine Auszeit brauch ich. Sie tut mir enorm gut, egal ob ich in dieser Zeit lese, schreibe oder sogar ein Siestanickerchen mache. Hier auf dem Platz ist immer etwas los, dauernd ist man mit Leuten am quatschen oder macht irgendetwas draussen. Da schätze ich so eine ruhige Stunde besonders. 
Später sitzen wir alle bei Rainer und Henny vor dem Womo, als Dominik rübergeflogen kommt. Es fliegt heute so gut, wie noch nie. 
Rainer will ihn mit einem Gleitschirmsong auf den Boden locken, doch Dominik ist zu beschäftigt, weder mit den Womos zu touchieren noch unten in den Steinen zu landen. 
Da vor dem Stellplatz eine Mulde ist, reicht's normal nie für's Rüberfliegen zu uns. Doch heute tänzelt er mit seinem Schirm die Strasse hoch und fliegt an der Kante vom Stellplatz wieder weiter. 
Die Sonne steht schon tief. Die Abendstimmung ist herrlich und lässt die Landschaft in tollen Farben leuchten. 
Stellplatz: siehe 31.01.05
7. Februar 2005, Tifnit 
Dunkle Regenwolken über Tifnit 
In der Nacht hat es ganz kurz einmal geregnet, kaum der Rede wert. Doch heute morgen bläst der Wind so stark, dass wir froh sein können, wenn es trocken bleibt und es ist klar, dass mit Fliegen nix is. Den ganzen Tag türmen sich dem Horizont entlang weisse Kumulus. Im Laufe des Nachmittags wird vor allem die eine draussen auf dem Meer immer schwärzer. 

Mit unserem Nachbarn mache ich ab, mir morgen ein Tatoo, dass ich mir schon lange wünsche, machen zu lassen. Er hat alles dabei, ist sozusagen fahrender Tätowierer und genau die Gelegenheit, die mir die ganze Zeit vorschwebte. Seit dem Sommer spukte mir ein neues Tatoo im Kopf herum. In Zug war ich ein paar Mal bei einem, mit dem ich das Motiv besprach, mir einmal ein Muster machen liess usw. Aber, die Zeit wurde auf einmal knapp und irgendwie wäre es ein Murks geworden. Ausserdem hatten mir so viele Leute davon abgeraten, dass ich ganz unsicher wurde. Losgelassen hat es mich aber nie. Ich dachte mir, es wird sich schon irgendwo und irgendwie unterwegs eine Gelegenheit ergeben. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, wie ich an sowas ranlaufen könnte und dann auch gleich bereit dafür wäre. Nun, es sieht so aus, als wenn es doch wahr würde. Hier ist die Gelegenheit und sie passt perfekt. Auch bin ich mir über Symbol und Stelle sicher. Also, morgen wird gestochen! Hey hey! 

Mit Henny bin ich später am Nachmittag losgezogen, um die Dünen zu besuchen. Die schwarze Wolke bzw. mittlerweile eher Wand steht drohend hinter Tifnit. 
Die Sonne liefert zwar nicht mehr die Bilder, die ich wollte, und doch ist es immer cool, auf den Dünen zu spazieren, die Muster, die der Wind hinterlässt, zu betrachten und sich über die Sandberge zu wundern, die mitten aus dem flachen Kräuterland hochwachsen.
Die Vegetation geht langsam aber stetig dem Frühling entgegen. Immer mehr Blumen sind zu entdecken. Auch die Sukkulenten machen kurlige Gebilde, die wohl irgendwann einmal eine Blume ergeben. Wer weiss, ob ich es noch entdecken werde? 

Wir kehren gerade noch rechtzeitig zum Stellplatz zurück, bevor die ersten Tropfen fallen. 

Im Laufe des Abends kommen heftige Böen, versetzt mit Regen vom Meer her und schütteln unser Womo durch. Gut haben wir die Stützen unten. Die Macht der Elemente hier ist manchmal schon beängstigend. 
Stellplatz: siehe 31.01.05
8. Februar 2005, Tifnit 
Eine Windrose 
Der Tag fängt ja prima an! Zorro hatte Durchfall und hat in seiner Not in sein Körbchen gemacht. Einmal habe ich ihn in der Nacht gehört und raus gelassen. Aber offenbar hat das nicht gereicht - die anderen Male, wo er sich sicher gemeldet hatte, habe ich leider verschlafen. Auch ist der Fussraum vor seinem Schlafplatz mit den Stühlen besetzt. Der Arme, ich Arme! Ich ziehe, noch halb schlafend, bewaffnet mit Gummihandschuhen, mit seinem dreckigen Körbchen los ans Meer runter und wasche es im Salzwasser aus. Auch Zorros Hinterteil muss gewaschen werden, er ist völlig verklebt. Später werd ich ihn dann ins Meer rennen lassen, dann wird er wieder ganz und gar sauber sein. So hatte ich mir meinen "ganz besonderen" Tag nicht vorgestellt!  

Jochen Geys, unser Nachbar, sticht mir heute mein Wunschtatoo auf den Unterarm. Gestern spät abends hatte ich für mich noch ein wenig rumgezeichnet und mir ist dabei eine Windrose so gut gelungen, dass auch er heute fand, dass er das gleich so übernehmen würde. Na also, jetzt habe ich endlich mein Sujet, sogar ein Selbstgezeichnetes! Seine Idee, das Symbol auf den inneren Unterarm und nicht auf den äusseren, wie ich das ursprünglich wollte, war, sobald er es an dieser Stelle probehalber draufkopiert hatte, überzeugend. 
Fast zwei Stunden später war er fertig und ich glücklich und zufrieden. Die nächsten Tage werde ich die Stelle für die Nacht salben und gut einpacken. Wunderbar.
Fischer stehen, wie jeden Tag, draussen auf den Klippen, immer nahe an der Brandung. Wie klein und machtlos sie gegenüber der wilden See aussehen! 
Mit Henny spaziere ich nochmals raus auf die Klippen und unten am Strand entlang. Die Höhlenwohnungen faszinieren immer wieder aufs Neue und im Abendlicht sehen sie sogar romantisch aus. 
Stellplatz: siehe 31.01.05 
9. Februar 2005, Tifnit 
Wüstenlinien - Rainer und Henny probieren es
Ich ziehe gleich nach dem Frühstück mit Zorro los. Die Dünen haben es mir angetan. Ich will sie mir noch einmal reinziehen, aber alleine. So ist der Eindruck und der Genuss am Grössten. Dass mir dabei ein paar gute Bilder gelingen, hätte ich eigentlich nicht gedacht. Aber die Sonne war gnädiger gestimmt als erwartet. 

Schon als ich am Strand entlang laufe, um zu den Dünen zu gelangen, zeigt sich der Ebbenstrand von seiner schönen und farbvollen Seite. 
   
Lee und Luv zeigen sich deutlich im mehrfarbigen Sand. Der Wind treibt sein ewiges Spiel und schiebt die feinen Körner hoch zu Bergen, lässt die Düne auf der einen Seite hochwachsen und auf der anderen wieder abbauen. Ein stetiges Bauen. Der Scheidepunkt schlängelt sich in nachgiebigen Linien bis zum Horizont. Wo Luv und Lee sich trennen, ist die Kante im Morgenlicht scharf gezeichnet. Auch gibt es dunkleren und helleren Sand. Der hellere scheint leichter zu sein. So zeichnen die Wellenlinien noch viel klarer. Ich bewundere dieses Spiel und denke, die Natur ist doch der grösste Künstler.  
Zurück von meiner Fotojagd erklärt mir Dominik, dass Rainer ein paar Aufziehübungen machen will. Dass muss ich sehen! Das wird mit Sicherheit lustig werden. Zu viert ziehen wir los Richtung Startplatz. 
Fünfhundert Meter vor dem Startplatz stehen zwei Militärs und wollen uns nicht weiter gehen lassen. Zu gefährlich, es werden Schiessübungen durchgeführt. Also drehen wir um. Kaum sind wir hundert Meter gelaufen, pfeifen sie und winken uns zu, dass wir doch weiter können, die Übung wurde soeben beendet. Na super, past scho! 
Während Zorro es sich im Regenschirmschatten gemütlich macht, breiten wir den Schirm aus und Dominik meint, ich könne ja gleich als Erste aufziehen und den anderen zeigen, wie es geht. Ha, ein guter Witz! 
Warum auch nicht? Ich ziehe also den Schirm zwei oder drei Mal hoch. Doch die Gurte rutschen mir genau über das Tatoo, was die Wunde zu sehr reizt. Also kommt Rainer dran. Er versucht es ein paar Mal, hat entsprechend Respekt vor der Klippe, die ein Stück weiter unten anfängt, macht sich aber trotzdem sehr gut. Auch wenn es so aussieht, als verwende er nicht viel Kraft und keinen grossen Einsatz, bringt er den Schirm doch gut nach oben und steuert ihn mit einer erstaunlichen Ruhe. 
Henny hat weniger Glück beim Starten. Selten liegt der Schirm so perfekt, dass er gleichmässig hoch kommt. Einmal bleibt er sogar an einer Kante hängen. Dominik hilft ihr einmal den Schirm oben zu halten und sie ist sofort begeistert davon. Beim nächsten Mal rennt das Mädel den Hang hinunter und es scheint, niemand kann sie aufhalten. Wir rufen schon alle Stop, Anhalten. Doch es vergehen einige bange Sekunden, bis der Ruf bei ihr ankommt und sie tatsächlich anhält und den Schirm runterholt. Allzu weit weg von der Klippe ist sie in dem Moment nicht mehr... 
Wir haben genial viel Spass und lachen uns auch später halb schief, als wir die Fotos anschauen. Henny meint, dass sie sich, sobald sie wieder in Europa sind, eine Möglichkeit suchen will, um diesen Sport besser kennen zu lernen. Das Virus hat also ein neues Opfer gefunden! 
Stellplatz: siehe 31.01.05
10. Februar 2005, Tifnit 
Dinner bei Sonnenuntergang 
Schon wieder! Zorro hat schon wieder Durchfall, nachdem er gestern wieder ganz in Ordnung war. Super! Nur gut, dass wir hier genügend Wasser haben und gleich auch so praktische Steinbecken, wo sich das Meerwasser nach der Flut sammelt. Darin wasche ich also erneut sein Körbchen und den Teppich aus, der auch was abgekriegt hat. Sobald wir unterwegs sind, werden wir einen Campingplatz mit Waschmaschine aufsuchen und dann mal alles waschen, inklusive Hundedecken und Teppichen. 

Die Wellen sind krass heute morgen. Die Surfer lassen sich ganz schön verquirlen. Auch der Wind bläst so blödsinnig, dass ich mich rein verziehe. 

Mein Tatoo verheilt bestens. Bis jetzt keinerlei Schorf oder so. Sehr gut. Jochen hatte Recht, dass die Wundsalbe noch besser eindringt, wenn es mit Frischhaltefolie abgedeckt wird und sich so auch kein Schorf bilden kann. 

Ein fauler Tag mehr. Am späteren Nachmittag spaziere ich mit Henny den Klippen entlang. Nebst Dominik fliegt noch ein Schweizer ziemlich frech den Klippen entlang. Ein, zwei Fotos kann ich machen und dann steigt meine Kamera aus. So ein Mist. Als ich dann aber später die Akkus auswechsle erholt sich die Maschine wieder, glücklicherweise. 
Die Abendstimmung ist sensationell. Uns geht es verflixt noch mal doch super, oder!  
Wir sind bei Henny und Rainer zum Abendessen eingeladen. Rainer hat diese leckeren Kartoffelküchlein mit Sardinen gemacht. Superfein! Dazu guter Kartoffelsalat und noch besseren Rotwein aus Navarra, Spanien. Zu allem Überfluss erlaubt das Wetter sogar, draussen zu speisen. Herrlich, absolut genial. Das erste Mal, glaube ich, dass wir draussen essen und sitzen bleiben können, bis es dunkel ist. Irgendwann wird es dann kühl und wir setzen unseren Abend drinnen fort. 

Ich ärgere mich über Dominik. Das fing heute schon am morgen früh an und hielt den ganzen Tag. Wir machen erst wieder Friede, bevor wir einschlafen. Na ja, hin und wieder braucht es mal so reinigende Querelaien. 
Stellplatz: siehe 31.01.05
11. Februar 2005, Tifnit 
Letzter Tag in Tifnit - Abschied vom Süden  
Den Vormittag sitzen wir mit Räto zusammen. Der Schweizer hat erst vor kurzem eine Gleitschirmschule in Zürich gegründet. Siehe www.skyjam-zurich.com. Er ist für eine Woche hier, um Marokko für Gleitschirmtouren auszukundschaften. 

Irgendwann später statten Dominik, ich, Räto und Henny dem Dörfchen Tifnit einen Besuch ab. Räto fotografiert einen alten Herrn und der, nicht faul, erbittet sich gleich Geld für ein Brot bzw. das Brot direkt. Räto hatte zwar extra vorher gefragt, ob er ein Foto machen dürfe, aber von Geld war da noch keine Rede. Na ja, was soll's. Immerhin ist es für ein Stück Brot und da kann man ja schlecht nein sagen. 
Räto sticht uns mit forschen Schritten davon Richtung Dünen. Uns ist es zu heiss. Wir kehren vorher schon wieder um und spazieren zurück. Heute weht der Wind aus Osten und es ist ziemlich warm. Dominik und Rainer entblättern sich und lassen sich nicht zwei Mal bitten, der Fotografin zu posieren. Welche Diven! 
Ich geniesse den Strand und das Meer bei einem letzten Spaziergang, ausnahmsweise mal barfuss, mit Henny. Die Brandung ist heftig und es schaut aus, wie wenn Tifnit immer wieder im Meer versinken wolle. 

Hier war definitiv unser schönster Platz an der Küste Marokkos. Wenn man solange an einem Ort bleibt, wird der Abschied umso schwieriger. 

Wir hatten ein coole und witzige Zeit mit Rainer und Henny. Ich werde öfters an sie denken müssen und hoffe jetzt schon, dass wir uns wieder einmal irgendwo und irgendwann über den Weg laufen. Auf alle Fälle wünsche ich euch beiden gutes Reisen, tolle Bekanntschaften, viel Spass und Genuss und macht keinen Chabis, gäll! 
Stellplatz: siehe 31.01.05


Zurück Weiter