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Reisebericht Marokko 2005-5

Nordwärts über den Mittleren Atlas

 

12. Februar 2005, Tifnit - irgendwo im Sousstal (ca. 50km O v. Taroudannt)
Um genau zu sein: Erstmal Ostwärts
 
Gestern Abend ist der Räto noch einmal aufgetaucht. Er war in Agadir und kam hierher, um einen ruhigen Schlafplatz zu haben. Er schläft in einem kleinen Tunnelzelt, welches aus Gleitschirmstoff hergestellt wurde. Räto ist, obwohl er so jung wirkt, schon einiges rumgekommen. Er erzählte uns einige spannende Storys von Indien und Ostafrika und wie es dazu kam, dass er seit zwei Jahren eine eigene Flugschule in Zürich hat. Wirklich cool, dieser Typ, und dabei trotz "Zürischnurre" sehr symphatisch! 

Heute morgen sind wir entsprechend spät aus den Federn gekommen. War eh klar, dass wir heute kaum gross Kilometer machen würden. Gestern Abend tauchte auch Jochen noch einmal auf. Was sich als gutes Timing erweist, denn er kann heute morgen mein neues Tatoo noch einmal dort nachstechen, wo es noch nicht perfekt war. 
Dominik ist mit Räto am Tratschen. Na, das kann ja dauern! Ich spazier mit Zorro noch ein definitiv letztes Mal dem Meer entlang und begegne dabei dem Muschelmann. Einer, der Fischer, der jeden Tag kam und seine frischen Muscheln angeboten hat. Ein sehr freundlicher und halt ohne grosse Worte sympathischer Mensch. Als ich ihm sage, dass wir heute abreisen, küsst er mich spontan viermal (!) auf die Wangen und verabschiedet sich. Ich bin ein wenig überrumpelt, baff und sehr erfreut über diese herzliche Geste! 

Um halb zwölf sind wir dann soweit. Wir verabschieden uns von allen, vor allem von Rainer und Henny! Telefonnummer und Emailadressen haben wir ausgetauscht. Es steht also einem späteren Treffen irgendwo in Portugal nichts im Wege. Wäre echt schön! Auch von Veit bekomme ich eine Adresse in Portugal, wo er eine zeitlang bleiben wird. Da es in der Nähe der Serra Estrela ist, passt das ganz gut in unsere Routenplanung. 

Wir fahren zur Marjane, gehen Einkaufen (hurra, auch Bier, Wein, Parmigiano und Ruccola), Wasser tanken und anschliessend ins Internet. Schön, hat alles geklappt. Toll auch wieder, die vielen elektronischen Briefe von einigen von euch! Welche Freude! 

Und weiter geht's Richtung Norden. Ach, was erzähl ich da eigentlich dauernd! Eigentlich geht es Richtung Osten, vielleicht ein wenig Nordosten. So, im grossen Bogen halt nach Norden (man merkt schon, dass ich nicht viel zu schreiben habe ;-)). Die Strecke führt entlang dem Oued Souss, dem fruchtbarsten Flecken Südmarokkos. Hier sehen wir viele Plantagen, teils unter Plastik, teils windgeschützt von Schilfgras. Auch mächtige Arganienbäume stehen in diesem Tal. 

Irgendwo, so ca. 50km nach Taroudannt, gehen wir rechts ab der einspurigen Asphaltstrasse auf eine Piste und stellen unser Womo nicht weit ab der Strasse. Hier hat's eh kaum Verkehr. Es ist so mild, dass wir die Stühle und den Tisch rausstellen, um unser frisches Bier bei der letzten halben Stunde Sonnenschein mit Blick auf den Toubkal und die anderen schneebedeckten Spitzen des Hohen Atlas zu geniessen. 
Stellplatz: von Taroudannt auf der Parallelstrasse zur P32 Richtung Aoulouz, nach ca. 50km rechts ins Abseits - Geröll
Klima und Umgebung: Blick auf das Oued Souss und den Hohen Atlas, ansonsten nicht viel los hier...
Infrastruktur: nada
13. Februar 2005, Sousstal - Tazenakht (ca. 300km O v. Agadir oder 230km SO v. Marrakesch) 
Safran, Paschasitz, Höhlenberg und Berberteppiche

Die Strasse ist einspurig asphaltiert. Solange keine Autos entgegenkommen, geht das ganz gut. Kommt aber doch eines, so heisst es runterschalten und auf den seitlichen Schotter ausweichen. Es ist immer zu befürchten, dass Steine einem die Frontscheibe kaputt hauen. Genügend Glasscherben sieht man auf solchen Strecken! Aber viele sind so freundlich, und fahren so weit seitlich, dass wir bequem auf dem Asphalt bleiben können. 

Die Strecke führt stetig hinauf und in immer kargere Gegenden. In Taliouine machen wir einen Halt, um die Safrankooperative anzuschauen. Der Herr erklärt uns, in nicht immer verständlichem Französisch die Gewinnung und Herstellung von Safran. Aus 140 Blüten (mit jeweils 3 roten Stempeln) gewinnt man 1 Gramm Safran. Kein Wunder ist das Zeug so teuer! Geerntet wird im Oktober und November, sobald die ersten Regenfälle den Boden erwachen lassen. Scheinbar ist die Gegend um Taliouine bekannt für den Safran und, so wie er sagt, auch das einzige Gebiet in Marokko, wo geerntet wird. Wir kaufen uns ein Päckchen mit 10 Säcklein à 1 Gramm für 170 DH. 

Im gleichen Dorf ist eine schöne Kasbah, die der Pascha von Marrakesch, El Glaoui, errichten liess. Sie ist eindrücklich und vor allem wunderschön vor den schroffen Felsen und all den blühenden Mandelbäumen anzusehen. Wir spazieren um die Kasbah, durch die Lehmbauten ringsherum, die teilweise bewohnt sind und durch Oliven- und Mandelhaine wieder zurück zum Womo. 
Auf der Strecke Richtung Tazenakht sehen wir auf einmal linkerhand einen Felsenhügel, der mit Höhlen gespickt ist. Hoppla, der passt uns genau als Hintergrundkulisse für unseren Mittagshalt und als Spaziergang für danach. Eine Piste führt bis zum Fuss dieses überdimensionalen Termitenhügels. 
Im Führer lesen wir nach, dass man nicht genau weiss, ob diese Höhlen für die Unterbringung von Vieh oder als Rückzugs- und Verteidigungsmöglichkeit gegenüber Feinden genutzt wurden. 
Wir essen zuerst und dann spazieren wir hoch und rund um diesen Höhlenberg. Faszinierend und absolut surreal! 
Auch der hintere Höhlenberg wirk sehr abstrakt. Man könnte sich gut vorstellen, dass hier Ausserirdische ihren Feriensitz haben, wenn da nicht überall Geissen- und Eselsbollen rumliegen würden. Wir entdecken trotzdem keine Menschenseele und leider auch keine Marsianer. 
In dieser kargen und unwirtlichen Gegend gibt es violetten Stein. Was es ist, hab ich noch nicht rausgefunden. Aber die grünen, fast gänzlich abgefressenen und ausgefransten Büsche sehen schräg aus auf dem bunten Stein. 
In Tazenakht werden Teppiche aus einer Kooperative angeboten. Viele Händler sind hier und verkaufen, so hoffen wir doch, die Teppiche zu fairen Preisen. Unser Gangteppich müsste dringend einmal ersetzt werden und ein Teppich aus Marokko wäre zudem ein sehr schönes Andenken. Also gehen wir auf Entdeckungstour. 

Das ausserordentliche Mass, das wir für den schmalen Gang benötigen, erweist sich aber auch hier (wie damals schon in Tafraoute) als schwierig zu finden. Wir besichtigen vier solcher Teppichhändler und kommen am Ende wieder zum ersten zurück, um ihm, nach einigem hin und her, einen hübschen Berberteppich für 60 Euro abzukaufen. Er ist wunderbar, superweich und passt farblich hervorragend zu unserem Interieur (:-)). 

Etwa zwei Kilometer ausserhalb des Dorfes sind wir schon wieder in wüstenähnlichem Gebiet und finden auch gleich einen guten Stellplatz hinter einer Kuppe, wo wir von der Strasse aus nicht gesehen werden können. 

Zum Abendessen gibt es einen netten marokkanischen Rotwein, dazu Poulet und Safranreis, jami! 
Stellplatz: ab Tazenakht Richtung Foum Zgouid bzw. Zagora, nach ca. 2km, rechts auf Piste - Geröll
Klima und Umgebung: Nahe einem sandigen Oued, Wüstencharakter, Stille
Infrastruktur: nada, in Tazenakht alles erhältlich
14. Februar 2005, Tazenakht - Zagora (ca. 350km SO v. Marrakesch)
Nagel im Pneu - Oasental nach Zagora 
Dominik entdeckt per Zufall, dass unser hinterer linker Reifen platt ist. So ein Mist! Und das mitten in der Wüste, oder wenigstens fast. Na, jetzt wird's sich zeigen, ob unser Ersatzreifen o.k. ist. Dominik montiert ihn los und siehe da! Einen nigelnagelneuen und gut gepumpten Ersatz haben wir da. Der Reifen ist relativ schnell gewechselt. In Tazenakht haben wir beim Tanken einen "Pneumatique" gesehen. Da wir nicht weit von dem Ort entfernt sind, fahren wir zurück. 

Der Reifen ist schnell ab und bevor der Monteur ihn in das grosse Wasserbecken legen kann, um rauszufinden, wo das Loch ist, hört er es schon puffen. Er stochert mit einem Werkzeug im Pneu und mit einer Zange holt er einen etwa 4cm grossen flachen Nagel heraus! Wie der wohl da rein kam? Eine bernsteinfarbene Gummiwurst wird durch eine Art Nadelöhr geschoben und dann rein in das Loch... und das hält? Ja, es hält. Scheinbar ist das eine gängige Methode, um Löcher zu stopfen! 10DH (1 Euro) kostet uns der Spass, ha! Eineinhalb Stunden später sind wir wieder auf der Höhe unseres Stellplatzes und fahren weiter durch die Bergwüste Richtung Draatal. 
Mitten in den Bergen kommen wir durch ein Dorf, welches Mineralien abbaut. Die Landschaft, ansonsten braun bis schwarz bekommt durch das Gestein, welches von tiefer unten raufgeholt wird, bunte Tupfer . Blau-grün, violett, ocker, weiss und viele Töne dazwischen. 
In Agdz wechselt das Ambiente total. Vom Abseits und der Wüste, von der Einsamkeit und der Stille kommt man auf die Hauptverkehrsachse zwischen Marrakesch und Zagora, ein Touristenmekka. Es bedeutet vor allem viel mehr Verkehr. Allerdings ist es auch ein zauberhaftes Tal, dieses Vallee du Draa! Zuerst breit, dann schmal und dann wieder sehr breit schlängelt es sich gegen Südosten, Richtung Algerische Grenze. 
Im Moment fällt uns der sehr reizvolle Kontrast zwischen blühenden Mandelbäumen und den Palmen auf. Auch wenn der Himmel verhangen ist, schaffen es die weissen und rosaroten Blühten das eher dunkle Bild der Palmenoase aufzuhellen. Wasser führt der Draa kaum, ein paar Stellen mit Standwasser gibt es aber.
Irgendwo auf der Strecke machen wir Mittagshalt auf einem erhöhten Platz mit Sicht auf die Palmenoase. Wirklich eindrücklich. 

Kurz vor Zagora geben wir beide ein verblüfftes Oah von uns, als wir, nach einem Engpass, auf einmal Blick auf das riesengrosse weite Tal bekommen. Es muss hier ja enorm Wasser im Untergrund haben, dass soviele Palmen wachsen können. Auf dem Foto, welches ich machte, kommt die Dimension leider gar nicht rüber. 
Zagora selbst ist, wie gesagt, extrem touristisch. Vor allem Trekking- und Kameltourenanbieter gibt es hier noch und noch. Auf so was haben wir nun aber ganz und gar keine Lust. Also fahren wir schlichtweg hindurch und auf der anderen Seite wieder hinaus. Rechterhand sind die Palmen, links Steinwüste. 

Eigentlich wollten wir uns irgendwo unter Palmen stellen, aber wir finden keinen fahrbaren Zugang. Also biegen wir links auf eine Schotterpiste ab, und fahren ein Stück rein in die Steinwüste. 
Hier draussen wächst nichts. Nur grobe schwarze und spitzige Steine liegen wie aufgeschlagen in dieser kahlen Landschaft. Reizvoll sind hier die Berge und die Weite. Und natürlich die Stille! Kamele werden nahe bei uns vorbeigetrieben. Wie gut sie hierher passen! Der Himmel verändert sich im Laufe des Abends. Es wird immer sonniger. Warm ist eh schon. Auch nach Sonnenuntergang haben wir noch 21°! Hoffentlich scheint morgen die Sonne wieder! 
Stellplatz: ca. 1km südlich von Zagora, am Jbel Zagora rechts vorbei, links in Steinwüste - Schotter
Klima und Umgebung: Stille, Weite, Wüste, Wanderung auf den Jbel Zagora (von Zagora aus) 
Infrastruktur: naaaaaadaaaaaaa 
15. Februar 2005, Zagora - Ouarzazate (ca. 300km SO v. Marrakesch)
Spitze Berge - Palmengärten 
Ist das ein Prachtwetter! Wir frühstücken draussen, es ist fast windstill und die Sonne scheint von einem stahlblauen Himmel. Wir beratschlagen, was wir tun sollen. Da wir beide nicht scharf auf Zagora sind, aber noch ein wenig Wüste reinziehen wollen, beschliessen wir, trotz Skepsis, das Womo alleine in der Wüste stehen zu lassen und die Berge hinter uns zu besteigen. Es lohnte sich! Der Weg führte zuerst einem trockenen Flussbeet entlang bis zu einem Wasserfall, wo wir den Wasserverlauf verlassen mussten. Wir kletterten rechterhand eine steile Flanke hinauf bis zur Kante. Oben hatten wir eine Mega-Sicht auf die Ebene nach Zagora, wo unser Womo winzigklein in der Wüste zu sehen war. 
Auf der anderen Seite sah man das Draatal in seiner ganzen Breite. Nebst der gigantischen Weite beeindruckten aber vor allem die spitzen Berge. Einen Weg lässt sich erstaunlicherweise immer finden. In einem grossen Bogen machten wir uns wieder an den Abstieg. 
Zurück beim Womo stehen zwei Jungs um uns herum. Schon lästig, wenn man in der Wüste ist, die Wüstenatmosphäre geniessen will, aber es nicht geht, weil einem Jungs bei jedem Wank beobachten. Dominik erklärt ihnen, sie sollen gehen, sie sollen nach Hause oder in die Schule. Viel Französisch verstehen sie nicht, aber seine Gestik und Mimik war wohl klarer. Sie ziehen langsam ab. So, schon besser. 

Das herrliche Wetter ist ein Genuss. Für die Weiterfahrt ziehen wir uns sogar kurze Hosen bzw. Jupe an. Von Zagora wollen wir nicht viel wissen. Wir fahren durch, heute mit mehr Gelassenheit als Gestern. Dafür nehmen wir wenige Kilometer später einen Abzweiger, der in eine Palmerie führt. Hier machen wir einen Spaziergang durch die Gartenanlage. 
Aufwändige Bewässerung macht den Boden grün und hält die Palmen am Leben. Es ist eine riesiges Areal, welches hier gehegt und gepflegt wird. Etwa 1m2 grosse Rechtecke sind jeweils vertieft in der Erde. So sammelt sich das Wasser konzentrierter und die Bewässerung geschieht planmässig. Sehr eindrücklich. 
Wir fahren das Draatal weiter hinauf und geniessen heute das tolle Wetter mit entsprechender Sicht. Einem Strassenverkäufer kaufen wir ein Kilo Datteln ab und geniessen sie, während wir durch Palmenoasen und Dörfer mit verfallenen Kasbahs fahren. Die Berge sind bizarr anzusehen. Hin und wieder ergibt sich eine tolle Kulisse. So auch z.B. die Kasbah Taouirt, welche für Bertoluccis Film "Himmel über der Wüste" verwendet wurde.
Von Agdz aus fahren wir weiter geradeaus über den Pass Tizi-n-Tinififft, der sich sehr lange dahinzieht. 

Noch einmal sehen wir zurück auf das palmenbewachsene Draatal, inmitten kahler, spitzer Berge. 
Kurz vor der Passhöhe werden die Felsformationen immer spektakulärer. Die Klötzchensteine formatieren sich zu Marmorkuchen, der von grosser Kelle angerührt und nie gegessen wurde. 
Die Sonne steht schon tief am Horizont als wir einen Stellplatz finden. Auf Passstrassen ist das nie ganz einfach, denn selten führen vernünftige Seitenstrassen ein wenig ins Abseits. 

Doch wir haben grosses Glück und finden, zwar ein wenig nah bei der Strasse, einen alten Rastplatz mit verfallenem Haus, einem Bach und ein paar einsamen alten Tamarisken. Schön. 

Später am Abend kommt noch ein französischer Transporter, der uns für die Nacht Gesellschaft leistet. Sie erzählen uns, dass sie noch weiter südlich von Zagora waren, zusammen mit Offroadern. Die Marokkaner dort seien extrem aufdringlich gewesen und schon fast hysterisch geworden... Ob wir wohl bis jetzt immer glimpflich davon gekommen sind? 
Stellplatz: Von Zagora Richtung Ouarzazate, ca., 15 - 20km nach Passhöhe rechts holprige kurze Strasse über trockene Furt - fester Sand
Klima und Umgebung: etwas nahe bei der Strasse, ansonsten romantisches Plätzchen, Wasser im Bachbeet
Infrastruktur: nada
16. Februar 2005, Ouarzazate - Ait-Oudinar, Dadesschlucht (ca. 150km NO v. Ouarzazate)
Die Kasbahstrasse - Gorges du Dades
Von unserem Schlafplatz sind es noch 25km bis Ouarzazate. Der Ort empfängt uns auf sympathische Art. Schwierig zu sagen, was es jeweils ausmacht. 

Wir wollen uns einmal eine Kasbah von innen anschauen. Die meisten sind ja verfallen und nur wenige können besichtigt werden. Diese hier, die Taourirt, wurde renoviert und ein Teil davon ist öffentlich zugänglich. 
Wir spazieren durch die zig Räume, welche labyrinthisch verschachtelt und mit vielen kurzen Treppen verbunden sind. Alle Fenster sind mit schmucken Eisen vergittert. 

Aus dem Fenster sehe ich gleich nebenan noch eine Kasbah. Wir werden noch viele sehen auf dem Weg nach Norden bzw. Nordosten. 
Mit Holzläden lassen sich die Fenster von innen verschliessen. Glasscheiben gibt es keine oder nur an bestimmten Stellen, wo sie, dann aber schön bunt, fix eingemauert sind. Auch sind die Fenster immer tief unten, schon beinahe auf Bodenhöhe. 

In manchen Räumen sind die Decken aus Holz und bunt bemahlt. Wirklich wunderschön. Wie viel schöner wären die Räume, wenn sie auch noch möbliert wären! 

Ein Führer, mit dem wir anschliessend ins Gespräch kommen führt uns durch die dazugehörige Medina und natürlich zu einem Teppichhändler, welcher sich geschickterweise in der ehemaligen Synagoge einquartiert hat. Er erzählt viel Interessantes von der Art, Wolle zu färben und über die Farben an sich. Dominik will sich eine warme Decke aus Kamelhaar kaufen. Der Händler macht uns aber ein Angebot, das uns zu hoch erscheint. Auch mit Runterhandeln ist es immer noch zuviel, denken wir. 
Ich genehmige mir einen Thé à la menthe während Dominik noch weiter in den Läden rumstöbert. Als er zurückkommt erzählt er von einer Kooperative, wo man sehen kann, wie die Frauen an den Teppichen arbeiten. Auch Decken hat er sich schon zeigen lassen. Das werde ich mir auch anschauen. 

Ein Herr erklärt uns in gutem Französisch allerlei Wissenswertes zu Teppichen. Er meint, dass 80% aller Teppiche, die man heute im Souk findet, aus syntethisch gefärbter Wolle hergestellt sind. Als Laie könne man das nicht sehen. Vor allem mache sich der Unterschied erste nach einiger Zeit bemerkbar, denn ein Teppich, hergestellt mit natürliche Farben, werde mit den Jahren immer schöner und ein "Synthetikteppich" verliere schnell seine Farben. Auch die Anzahl Knöpfe zeige Qualität. Oh, wie reut es mich heute, dass ich damals, als ich meine Lehre als Verkäuferin in einem Teppichgeschäft gemacht habe, nicht besser aufgepasst habe!

Wir sehen, wie die Frauen, vielfach ohne Vorlage, manchmal mit einem Foto als Vorgabe, an den Teppichen sitzen und arbeiten. An manchen grossen Teppichen zu fünft. Sechs Monate und länger arbeiten sie an solch grossen Aufträgen. 

Dominik kauft sich eine sehr schöne Decke aus Dromedar- und Lammhaar. Sie hat das typische schwarze Ornament der Berberfrauen in der Mitte und vier kleine in den Ecken und ist weiss, beige und braun gestreift. Wirklich schön, und der Preis um einiges tiefer als beim Händler. 
Wir fahren zum nahegelegenen Stausee El-Mansour Eddahbi um Mittagspause zu machen. Schade, dass der Wind so heftig bläst. Der See leuchtet in einem tollen Türkis und der Platz wäre auch für einen längeren Aufenthalt nicht übel. Aber der Wind lässt keine Gemütlichkeit aufkommen und so fahren wir weiter Richtung Nordosten, auf der Strasse der Kasbah. So nennt sie sich jedenfalls laut Führer. 
Anfangs fährt man aber vor allem durch Wüste. Imposant auf alle Fälle, denn die weissen Spitzen des Hohen Atlas begleiten einen im Hintergrund auf der ganzen Strecke während man durch eine canyonartige Wüste fährt. 
Später, ab Ait-Ridi kommt der Dades wieder näher an die Strasse bzw. umgekehrt. Die Kasbahs stehen nun an steilen, vom Fluss ausgewaschenen Klippen und sehen mit den Bergen im Hintergrund und dem Blau des Flusses wirklich bezaubernd aus. Schon eine Bilderbuchgegend! 
In Boumaine-du-Dades führt die Hauptstrasse weiter Richtung Nordosten. Der Dades aber kommt hier von links aus den Bergen. Hier befindet sich die berühmte Dadesschlucht und wir oder wohl besser ich möchte die unbedingt sehen. Dominik fügt sich in sein Schicksal und macht meine Touristentour leicht knurrend mit. Wenn er wählen könnte, würde er an der Küste bleiben und fliegen. Aber wir haben ausgemacht, dass, wenn wir der Küste entlang nach Süden fahren, wir im Landesinnern wieder nach Norden reisen und dabei ein paar wenige sehenswerte Ecken von Marokko auf dem Rückweg anschauen.
 
Es ist schon wieder spät als wir die Kurven in Angriff nehmen. Das Licht ist zwar sensationell, schlicht unbeschreiblich schön, aber wir sind auch schon recht müde. Die Felsen und Farben sehen manchmal sowas von schräg aus, dass es einem unglaublich erscheint. 
Die Berge sind in rot und orange, während das Tal unten, wo der Dades durchfliesst im satten Grün leuchtet. Weisse Birken machen das Bild noch malerischer. 

Die Kinder hier sind wieder närrisch. Wir fahren etwa 25km ins Tal hinein ohne einen Stellplatz zu sichten. Also stellen wir uns in Ait-Oudinar auf den Campingplatz, welcher ganz nett ist. Das dazugehörige Restaurant schaut gut aus und wir beschliessen spontan, uns hier zu verpflegen. Doch davor machen wir einen Spaziergang durch die Birkenhaine. Auch hier funktioniert die Bewässerung mit dem gleichen System von den rechteckigen Sammelbecken. 

Am Abend lassen wir uns in einem Raum mit Chemine, der zwar gemütlich, aber auch rauchgeschwängert ist, eine Tajine und Spiesschen mit Pommes schmecken. Zwei Gruppen von Franzosen sind ebenfalls hier. Man unterhält sich über Preise für Keramiksachen. Wir sind müde und ziehen uns schon bald ins warme und rauchfreie Womo zurück. Ich bin gespannt, was uns die Dadesschlucht morgen zu bieten hat, wenn wir zu Fuss losziehen.  
Stellplatz: Campingplatz bei Ait-Oudinar, 30DH fürs Womo und zwei Personen - fester Boden, Wiese
Klima und Umgebung: nettes Restaurant, keine Campingatmosphäre, Wanderungen in Umgebung
Infrastruktur: Wasser, Toiletten usw., kleiner Laden um die Ecke
17. Februar 2005, Ait Oudinar - Msemrir, Dadesschlucht (ca. 60km NO v. Boumaine-du-Dades)
Schluchtwanderung - Apfelplantagen auf 2000müM
Der Campingplatz ist wirklich gut. Keine Spur von Eingeschlossensein oder Reglementierung bis zum Abwinken. Wir können einfach schön unter den Birken stehen, der Dades zieht hinter uns vorbei und sogar Zorro hat seinen Freilauf. Es haben nur noch zwei andere Womos mit uns hier übernachtet. Es ist ziemlich kalt!   

Wir packen unseren Kram zusammen, packen schon mal den Rucksack und fahren wenige Kilometer weiter, wo ein Seitental vom Dades weggeht. Das Womo stellen wir neben eine Auberge und spazieren erstmal über eine witzige Holzbrücke, um über den Dades zu kommen. 
Das trockene Flussbeet schlängelt sich durch immer enger werdende Felswände. Wir biegen links ab und steigen auf einem steilen Geissenpfad in die Höhe. Immer weiter wird der Blick. 
Oben haben wir einen grandiosen Blick auf die sanft abgerundeten Tafelberge, welche von tiefen Canyons durchzogen werden. Da wir keinen Wegbeschrieb haben, dafür zig verschiedene Trampelpfade, checken wir von unserem Aussichtspunkt aus, wo ungefähr wir entlang müssten. Tatsächlich verlaufen in unserer Wunschrichtung etliche Pfade. Der eine, der uns dann wieder hinunterführt ist sogar recht gut ausgebaut. 

Weit entfernt sehen wir Hirten, ab und zu Vögel, die ihre Genossen zwitschernd alarmieren, aber ansonsten ist hier keine Seele anzutreffen. Der Weg führt uns sauber in den Canyon hinunter, welchen wir vorher verlassen haben. 

Ein Stück weit laufen wir noch tiefer hinein, doch wir kommen nicht sehr weit. Hohe Felsblöcke haben den Durchgang versperrt und wir müssten richtig klettern, um dieses Hindernis zu überwinden. Das muss aber nicht sein. 
Also kehren wir um. Wieder verengt sich das Flussbeet, um bald in einen richtigen Canyon auszuarten. Die roten Felsen gehen links und rechts steil hinauf. 
Kullersteine sind über unseren Köpfen zwischen den Felswänden eingeklemmt und hängen hoffentlich noch lange da. 

Der Spazier durch diesen Canyon ist grandios. Wir staunen, dass wir auf keine Wanderer stossen, immerhin ist die Dadesschlucht eines der meistbesuchten Ziele aller Marokkotouristen und die Wanderung in den Canyon hinein ist im Führer der Därr beschrieben. Na, uns soll es recht sein. 
Zurück im Restaurant genehmigen wir uns etwas zu trinken und schauen dem Dades zu, der hier als hübscher Bach, von Oleander flankiert, vorbei fliesst. Wir wollen heute noch weiter die Dadesschlucht hinauf fahren und eventuell weiter oben übernachten. 

Gleich nach dem Restaurant fangen enge Serpentinen an. Das Bild, das sich von oben hinunterschauend bietet ist prächtig und diente schon zig Touristen als Fotosujet. Ich mache da keine Ausnahme! Zu genial ist der Anblick. 
Die Strasse führt stetig bergauf. Immer wieder um steile Berghänge herum. Dauernd hat man das Gefühl, auf einer Anhöhe anzukommen... doch es geht weiter und weiter hinauf. 

Die meisten Häuser sind nicht mehr aus Stampflehm, sondern gemauert.  
Der Dades begleitet uns ständig. Der Blick hinunter in die Schlucht ist unwahrscheinlich beeindruckend. Auch die Berge, die weiter oben weiss sind, sind megaschön.
Überhaupt ist der Anblick über die Berge rings um den Dades die reinste Sensation. Noch nie habe ich derart verschiedenartige Felsformationen auf relativ kleinem Raum gesehen wie hier. Aber trotz aller Schönheit spürt man die Lebensfeindlichkeit. Wie schaffen es die Menschen nur, hier zu überleben? Es kann eigentlich nur der Dades sein, das Wasser, das hier offenbar immer fliesst. Das Wasser scheint, je höher man kommt, umso sicherer vorhanden. Ich denke, das ist der einzige Grund, wieso die Menschen sich in dieser unwirtlichen und kargen Gegend niedergelassen haben. 
Wir fahren bis nach Msemrir, wo die Asphaltstrasse zu Ende ist. Hier ist grosser Treffpunkt aller Dades- und Thodraschluchtreisenden. Die Thodraschlucht verläuft mehr oder weniger parallel zur Dadesschlucht. Wenn man einen 4x4 hat, bietet sich die Gelegenheit, die Durchfahrt der beiden Schluchten auf einer Rundtour zu verbinden. Für unser Womölein geht das allerdings nicht, leider. 
Wir kehren um, verlassen das Abenteuer ausstrahlende Dorf und fahren ein Stück zurück. Wir biegen rechts ab, auf eine Piste, welche uns in ein Seitental bringt, wo Äpfel angebaut werden. Und das auf 2000m Höhe! Es scheint, dass dieses Projekt noch nicht lange betrieben wird. Die kurzstämmigen Bäumchen sehen fast alle sehr jung aus. 

Wunderschön ist es hier. Grasnaben grenzen die Gärten ab, welche leicht terrassenartig angelegt sind. Pappeln und Birken stehen im Tal und glänzen silbrig. Auf der anderen Talseite trohnen alte und neue Kasbahs. Sie sind die einzigen Bauten, die noch aus Lehm sind. Alle anderen Häuser sind hier oben mit Steinen gemauert. 
Viele Leute sind fleissig am Arbeiten: Bäume werden zurückgeschnitten, Mist wird ausgetragen usw. Ein paar Jungs kommen ans Womo und wollen was. Wir plaudern eine Weile und lassen die drei Hartnäckigsten unser Womo gegen einen Stylo bewachen. So haben wir sie wenigstens nicht auf der Pelle, wenn wir in Ruhe durch die Gärten spazieren wollen. 
Wir fahren wieder aus dem Tal hinaus und zwei, drei Kilometer den Dades hinunter. Hier haben wir nahe beim Bach einen Stellplatz beim Hinauffahren entdeckt. Wir sind genügend weit weg von der Strasse und nicht sehr gut zu sehen. Prima! Hab ich schon gesagt, dass es saukalt ist? Wir hatten den ganzen Tag über so 12°. Nachdem die Sonne weg ist, zeigt das Thermometer noch knappe 6° an. Ich schätze, wir werden heute Nacht unter Null haben!  
Stellplatz: ca. 8km vor Ende der Asphaltstrasse durch die Dadesschlucht, rechterhand Geröllpiste zum Fluss hinunter, vor der Furt links hingestellt 
Klima und Umgebung: ungestört und ruhig, malerischer Platz am Fluss
Infrastruktur: nada 
18. Februar 2005, Msemrir - ca. 20km vor Tinerhir (ca. 350km O v. Marrakesch)
Wanderung entlang Apfelplantagen 
Wir haben einen Superstellplatz gefunden hier. Die Sonne scheint schon früh in unser Womo hinein. Das ist auch nötig, denn es war tatsächlich unter Null Grad letzte Nacht! 
Wir sind noch kaum richtig wach, da taucht schon ein erster Bengel auf. Zorro verkläfft ihn aber erfolgreich. Während wir frühstücken taucht noch einer in einer dunklen Kutte auf. Er setzt sich nicht weit weg von uns in die Steine und schaut unser Womo an. Er spricht kaum Französisch. Als wir abmarschbereit sind, sitzt er immer noch da und schaut uns zu. Wir machen ihm klar, dass er auf unser Womo aufpassen soll, solange wir unterwegs sind. Er nickt und guckt weiterhin zufrieden aus seiner Djellabah. Na, mal schauen, ob er noch da ist, wenn wir zurückkommen! Gut wäre es schon, wenn jemand ein Auge auf das Womo hätte. 

Unsere Wanderung führt wieder einem Seitental des Dades entlang. Auch hier sind überall Gärten entlang des Flusses angelegt. Viele Obstbäume wurden angepflanzt und im Moment beackern sie den Boden, jäten und graben um. Alles von Hand, ohne Esel! Keinen einzigen Esel sehen wir bei ihrer Arbeit! 
Der Weg verläuft auf schmalem Pfad immer entlang des Flusses, der recht viel Wasser führt. Wie richtig vermutet, führt die Wanderung in das Apfeltal, welches wir gestern schon entdeckt hatten. Wir werden also vermutlich nahe an den Kasbahs vorbeikommen. 
Wir kommen in ein erstes Dorf und stellen wieder fest, dass hier oben mit Steinquadern gebaut wird. Sehr hübsch sehen die Häuser allerdings nicht aus, vor allem trutzig. Bei den nachfolgenden Dörfern erinnert uns dieser Baustil an die Armeekasernen auf den Schweizer Pässen! 

Die Kasbahs und auch ein paar andere Häuser sind mit Stampflehm verputzt. 
Schade, dass wir in keines dieser Kasbahs reinkönnen. Viele sind schon arg verfallen, andere aber in erstaunlich gutem Zustand. 
Wir haben eine schöne Weitsicht über die Felder, die, wie gestern schon beschrieben, in sanft abgestuften Terrassen dem Flusslauf folgen. Im Schwemmland des Flusses wachsen weissrindige Pappeln, die einen hübschen Kontrast zum Grün der Felder und rot der Berge machen. 

Wir sehen viele Frauen, die ihre Wäsche im Fluss waschen. Ihre Hände sind rot und violett, das Wasser ist mehr als eisigkalt! An anderen Orten haben wir Frauen beobachtet, die in einer Tonne Wasser erhitzt und die Wäsche nur noch am Schluss im kalten Flusswasser gespült haben. Aber hier wird im eisigen Wasser geschrubbt! 
Ein Arbeiter erklärt uns, wenn wir richtig verstanden haben, dass hier früher Kartoffeln angepflanzt wurden. Seit drei Jahren (vermutlich Erntezeit) aber nur noch Äpfel. Dominik sieht einige Bäume, welche offenbar falsch geschnitten wurden. Wir stellen uns auch vor, dass so eine Monokultur entsprechende Schädlinge anzieht. Wie sie sich wohl gegen Heuschrecken wehren? 

Mit den Jungs unterwegs geht es mal besser mal schlechter. Richtig übel wird es erst, als wir bei einer Schule vorbeikommen, und der ganze Platz voll mit Kids sind, die natürlich ausser Rand und Band sind, als sie uns sehen. Währen wir alleine, ergäbe das weiter eigentlich auch kein Problem. Problematisch ist es vor allem, weil sie Zorro necken und dabei keinerlei Respekt an den Tag legen. Jeder, der meinen Zorro kennt, weiss, welch liebenswürdiger Hund er ist. Ihn total verängstigt zu sehen, macht mich rasend. 
Als wir weiterlaufen, kommt ein älterer Herr uns nach und schimpft mit den Kindern. Es nutzt erst wirklich etwas, als er mit Steinen nach ihnen wirft! Sie johlen auch noch, als wir schon einiges weiter sind. 

So begleiten uns die Goofen aus jedem Dorf. Sie lösen sich jeweils ab. Haben wir ein Dorf und dessen Kinder hinter uns kommt das nächste. 

Die Gegend wird, je weiter wir ins Tal kommen, immer weniger schön. Sie gleicht mehr und mehr einer Schutthalde. Eigentlich wollten wir bis zum Stausee. Aber der Weg zieht sich so weit und der Wind bläst permanent kalt. Wir kehren um. 
An der Schule sind nur noch wenige Jungs und die können wir in Schach halten. Irgendwo auf der Strecke kommen uns zwei Frauen nach. Die eine kommt zu mir und redet in Arabisch, lacht dabei. Sie nimmt mich am Arm und will offenbar mit mir rennen... Ich bin hundemüde und jetzt noch rennen? Zuerst winke ich ab. Aber sie lockt mich solange bis ich mich ergebe. Wir rennen los und ich muss mich sputen, dass ich sie abhängen kann. Lachend und prustend halten wir an. Sie redet weiter in Arabisch und ich verstehe kein Wort. Sie nimmt meine Hand und deutet etwas. Entweder will sie mir aus der Hand lesen oder sie mir mit Henna bemalen. Am nächsten Abzweiger trennen sich unsere Wege. Sie wollen, dass wir mit ihnen mitgehen und rufen by by zum Abschied. Das war eine witzige Begegnung! 

Vorne wird es wieder ein wenig wärmer, obwohl sich hinter uns langsam graue Wolken türmen. Wir bleiben fast den ganzen Weg zurück auf der Höhe des Flusses und werden mit hübschen Pfaden, die sich um die Beete und entlang dem Flusslauf schlängeln belohnt. Immer wieder kommen wir an den Dörfern vorbei, wo wir Kinder hören, die schon von weit weg rufen "bonjour, ca. va? M'siö, m'siö, donnez-moi un dirham!". Bei gewissen ist das so nervig, dass man sie am liebsten schütteln würde. Wir merken, dass unsere Toleranzgrenze immer enger wird. Krass ist schlicht, dass in ganz Marokko das gleiche Schema, der gleiche Stil abläuft. Wie ist sowas nur möglich? Wir fragen uns das immer wieder und finden doch keine Antwort. 

Als wir beim Womo zurück sind, staunen wir doch ein wenig, als wir sehen, dass der Mann mit der Djellabah immer noch da ist. Er scheint sich nicht von der Stelle gerührt zu haben. Wir bedanken uns sehr bei ihm, sind wirklich froh, dass das so gut geklappt hat und geben ihm 10DH. Eigentlich erwarten wir schon, dass er reklamiert oder noch etwas anderes verlangt, aber nein, tut er nicht. So, da hätten wir ja mal ein positives Beispiel. Ach, wenn es doch immer so einfach ginge. Wir wären viel entspannter und nicht schon vornherein mit Vorbehalten belastet. 
Das Wetter scheint tatsächlich umzuschlagen. Hier oben wollen wir auf keinen Fall sein, sollte es anfangen zu schneien! Wir fahren durch die Dadesschlucht wieder hinunter ins Tal. Auch wenn bei dieser Fahrt die Sonne nicht mehr so toll scheint, wie bei der Hinfahrt, ist die Strecke trotzdem atemberaubend schön. 

Ein Stück weiter Richtung Tinerhir finden wir rechterhand ein Piste, wo wir uns ins Abseits stellen. Genug weit weg von der Hauptstrasse, denken wir. Als wir gerade beim Kochen sind, höre ich Zorro knurren und ich sehe einen Polizisten vor der Türe stehen. Er rät uns, nicht hier zu bleiben. Wir sollen in die Nähe der Stadt. Hier draussen gäbe es Randalierer oder so, Leute, die Alkohol (bei uns steht gerade eine Flasche Wein auf dem Tisch!) getrunken hätten und aggressiv seien. Als er wieder weg ist, überlegen wir, dass am Ende dieser Stichstrasse eine Miene ist, wo sicherlich auch Arbeiter wohnen. Schon vorstellbar, dass die nach dem Ausgang in Tinerhir mit einem Räuschchen wieder zurückkehren. Wir wollen aber trotzdem nicht "umziehen". Zur Sicherheit stellen wir den Pfefferspray griffbereit auf den Tisch. Tatsächlich fahren noch einige Autos bei uns vorbei. Wir bleiben aber unbehelligt. 
Stellplatz: von Südwesten kommend, ca. 20km vor Tinerhir rechts Richtung Mienen - Geröll
Klima und Umgebung: Ruhe
Infrastruktur: nada
19. Februar 2005, Tinerhir - Tinerhir, Thodraschlucht  (ca. 350km O v. Marrakesch)
Grosser Wäschetag - Zugerische Nachbarschaft
So, heute wollen wir uns einen guten Campingplatz mit Waschmaschine antun. Vor der Thodraschlucht gibt es einige Plätze und ein paar sind im Führer mit vorhandener Waschmaschine erwähnt. Gleich beim ersten Campingplatz, dem Chez Bernard haben wir Glück. Zwei Waschmaschinen stehen da, schauen gut aus und eine ist sogar frei. Wir packen gleich unsere erste Ladung rein und suchen uns erst anschliessend einen netten Platz.
Das war weise, denn schon drängen sich noch mehr Frauen in den Waschraum, um ihre Wäsche zu waschen. 
Was soll ich sagen.. wir waschen den ganzen Nachmittag! D.h. vor allem Dominik kümmert sich um die Wäsche, hängt meterlange Leinen rings um's Womo, holt die Matratzen an die frische Luft usw. Ich putze in der Zwischenzeit das Auto. Nicht ganz, aber immerhin so, dass man sich wieder getraut, es anzufassen. 

Beim Abendspaziergang mit Zorro treffe ich auf ein deutsches Paar, welches mir erzählt, dass sie schon ein ganze Weile darauf warten, waschen zu können, aber dass die Maschine permanent besetzt sei. Ich gebe kleinlaut zu, dass wir grosse Wäsche hätten. Aber es gibt ja da noch eine zweite Maschine... Vermutlich gibt es in Marokko nicht allzu viele Campingplätze mit guten Waschmaschinen und es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass hier so ein Platz ist. Während des Abends fahren noch jede Menge Wohnmobilisten auf den Platz. 

Als ich zurückkehre, sehe ich einen Fiat Panda mit Zuger Kennzeichen vor der Rezeption! Ich gehe Hallo sagen. Stefanie und Martin aus Cham sind auf grosser Afrikareise. In ihrem Fiat Panda, obwohl ein Benziner, haben sie einen grossen Benzintank eingebaut. Das halbe Auto ist voll mit Material und auf dem Dach führen sie zwei alte Snowboards mit, um bei Gelegenheit von Sanddünen runter zu flitzen. Sie haben sich eine lange Auszeit genommen, Jobs und Wohnung gekündigt und wollen Afrika entdecken. Südafrika und einen Teil des Ostens kennen sie schon. Ihr grober Plan ist, westlich runter zu fahren und im Osten wieder hinauf. Wir werden ihre Reise über www.afrikareise.ch.vu verfolgen. 
Sie bringen uns nach dem Abendessen einen frischen Fruchtsalat und wir sitzen fast bis Mitternacht zusammen, wettern über Marokko und reden über unsere Reise und ihre Pläne. War ein witziger und unterhaltsamer Abend!
Stellplatz: von Tinerhir Richtung Thodraschlucht, nach ca. 8km erster Campingplatz auf linker Seite - Kies
Klima und Umgebung: ruhiger und windstiller Standort - Ausflug in die Schlucht 
Infrastruktur: Wasser, Toiletten, warme Duschen, zwei Waschmaschinen, Restaurant, sehr hübscher Campingplatz
20. Februar 2005, Tinerhir - Er-Rachidia (ca. 320km SO v. Meknes)
Bauernschlepperei - Thodraschlucht
Heute morgen steht Dominik schon um sieben auf, um noch eine Ladung Wäsche obzutun. Wäre er fünf Minuten später gewesen, wäre die Maschine besetzt gewesen, so ein Schwein! Wir liessen die Maschine insgesamt 8 Mal laufen, voll krass! Dafür ist jetzt wieder als wie neu, sogar die Wolldecken, die Hundedecken und die -kiste. 

Wir lassen die noch feuchte Wäsche hängen und fahren in die Stadt, um einzukaufen. Als wir beim Gemüsehändler stehen, kommen wir mit einem Marokki ins Gespräch, der uns zeigen will, wo wir auch noch Brot bekommen. Nur gleich um die Ecke, sagt er. Es geht dann aber um jede Menge Ecken bis wir schlussendlich vor einem Haus stehen, aus dem eine Frau kommt, die uns begrüsst. Er verabschiedet sich und wir erklären ihr, dass wir Brot wollen. Wir verhandeln wegen Grösse und Preis und sie bittet uns hinein. Wir steigen eine Treppe hoch und werden in ein Zimmer geführt, wo ein Webstuhl steht und Kissen an den Wänden. Ich setze mich hin, doch Dominik meint schon die ganze Zeit, dass wir hier an der Nase rumgeführt werden. Ich meine, wir müssten den Leuten zwei Minuten Zeit lassen. Doch es geht doch schneller, bis ich kapiere, die wollen uns hier kein Brot verkaufen sondern irgend etwas anderes. Der Junge, der aufgetaucht ist und nochmals wegen der Grösse und der Anzahl des Brotes fragt, soll wohl in der Zwischenzeit das Brot sonst wo besorgen. Dominik ist fuchsteufelswild. Da taucht der Pascha auf. Er tritt in die Türe, sagt Bonjour und will Dominik die Hand geben. Dominik weigert sich. Da wird der Kerl gleich aggressiv. Er sagt nochmals in heftigem Ton Bonjour! Dominik sagt ihm, dass sei eine Betrügerei hier und wir wollten Brot kaufen und keinen Teppich oder so was. Wir gehen. Der Typ kommt uns auch nicht nach. Wir sind offenbar einem Schlepper auf den Leim gegangen. So, nun ist uns das also auch passiert! Während wir zurücklaufen, an einem Laden Brot kaufen, lachen wir über unsere Blödheit. Ich bin froh, dass Dominik sich gewehrt hat, bin froh, dass er den Leuten klar machte, dass das eine miese Tour ist und sie uns verarschen. Ich wäre nämlich lange sitzen geblieben, hätte am Schluss ja doch nichts gekauft, mich irgendwie davongeschlichen und dabei noch ein schlechtes Gewissen gehabt. So haben sie wenigstens gecheckt, dass wir an ihrem Verhalten keine Freude haben und auch keine "Kulturspiele" mitmachen wollen. 

Im Internet ist es a...kalt. Das vermaledeite Windows ist auf arabisch zugeschnitten und unser Provider mit seiner neuen Outlook-Aufmache stellt sich automatisch auf diese Version ein. Der Effekt ist: alles ist rechtsbündig, die Texte in Arabisch und gewisse Zeichen können gar nicht gelesen werden. Da ich die Oberfläche noch nicht auswendig kenne, ist es mühsam. Aber ich schaffe es, meine Mails runter zu laden und die alten zu beantworten. Ich frage mich allerdings, wie die ankommen! Dominik hingegen kriegt fast die Krise und darf am Schluss am Mastercomputer sitzen und dort auf XP seine Sachen machen. Als sie uns auch noch 10DH (normal sind 4-5 DH) für die Stunde abknöpfen fühlen wir uns einmal mehr verarscht. Nichts zu machen, unser Fehler! Wir haben vergessen, vorher den Preis zu erfragen. 
Wir fahren zurück zum Camping. Wir überqueren dabei den Dades und sehen jede Menge Frauen bei der Handwäsche am Fluss. So ein buntes Durcheinander! Wir sind in der richtigen Stimmung, trotzen dem Kulturrespekt und machen ein Foto. Als Dominik das Bild im Kasten hat, wirft eine Frau einen Stein nach uns. Als Dominik ihr einen Handkuss schickt, muss sie lachen. 
Wir nehmen die letzte Wäsche ab, tanken Wasser voll und machen uns auf den Weg in die Thodraschlucht hinein. 
Atemberaubend hoch stehen hier die Wände, während unten nur noch ca. 20m Breite ist. Ein paar Restaurants stehen mitten in der Schlucht, Touristen wandeln entlang der Strasse und eine Meute von Schulkindern hat offenbar einen Ausflug hierher unternommen.
Wir fahren noch ein Stück weiter nach hinten und stellen unser Womo hin, um Mittagspause zu machen. Es ist herrlich warm hier und es herrscht, nur wenige hundert Meter nach dem Touristenrummel, eine wunderbare Ruhe. Von hier aus laufen wir, entlang der trockenen Thodra zur Schlucht, ein Stück hinein und wieder zurück. Es ist zwar wirklich imposant, aber Genuss kommt angesichts der Cars und Schultruppen nicht auf. Den Genuss haben wir wieder, als wir wieder unterwegs durch das Wadi zu unserem Womo sind. Diesen Ausflug hätten wir uns sparen können. Zuviel Touristenrummel und blosses Sensationsgucken. 
Das einzig Tolle war dieser alte Herr mit seinem Maulesel. Er stand in seinem weissen Gewand in der dunklen Schlucht, hell von der Sonne beschienen da und bepackte gerade sein Lasttier mit dem Wasser aus dem Fluss.
Wir fahren zurück nach Tinerhir, bekommen noch einmal einen letzten schönen Blick von oben auf die vielen Oasendörfer, die Tinerhir ausmachen und düsen dann weiter Richtung Er-Rachidia. 
Erneut durch endlose Wüste. Nur ist sie hier, auf dieser Strecke nicht schön. Irgendwie wirkt sie geröllig und dreckig, ohne Charme und Reiz. Das erste Mal, dass uns die Wüste nicht so beeindruckt. Wir finden abseits der Strasse hinter einer Kuppe  einen ruhigen Stellplatz für die Nacht. Die Geröllhalde ist karg. Als einzig interessantes Ding sehe ich diese Kohlköpfe: Pflanzen, die hart wie Stein sind und stachelig den Geissen trotzen. Sowas überlebt hier also... 

Wir sind beide todmüde. Kein Wunder, gestern spät ins Bett, heute morgen früh raus, Einkaufen, Internet und Touristenstopp, so was erledigt einen ;-). 
Zum Abendessen mache ich Älplermagronen auf Marokkanisch. D.h. anstelle von Rahm und Gruyere haben wir halt nur Kiri-Käse und eine Art Gouda. Aber das geht auch. Und schmeckt sowieso, wenn man Hunger hat und so weit weg ist von der geschätzten heimatlichen Küche. 
Stellplatz: von Südwesten nach Er-Rachidia kommend, ca. 10km vorher rechts ab ins Geröllfeld - Geröll
Klima und Umgebung: absolute Stille
Infrastruktur: nada
21. Februar 2005, Er-Rachidia - Azrou (ca. 70km SO v. Meknes)
Von der Wüste in die Schneeberge
Unser Weg führt via Er-Rachidia, von dem wir offenbar nur 10km entfernt waren durch das Ziztal hinauf zum Tiz'n Talrhemt. Dort, wo Olivenbäume und Palmen am Fluss wachsen, machen wir einen kurzen Halt und spazieren dem Fluss entlang. Die Felsen beeindrucken mich so stark, dass ich im Führer nochmals nachlese: Es handelt sich hier um Jurakalk, der von Gletschern geformt wurde. Sein Bild prägt aber auch die Tatsache, dass es hier immer wieder Frostnächte und heisse Tage gibt. Darum diese Geröllhalden. 

Weiter oben gibt es einen Ort, Hammat Mulay Hachem, wo es Heilquellen geben soll. Bäder (natürlich getrennt für Männer und Frauen) sind vorhanden. Wir spazieren zum Fluss hinunter, wo eine heisse Quelle direkt aus dem Flussgeröll entspringt. Die Frauen sind gerade fertig, als wir hinzukommen. Sie gehen ein wenig abseits und dann steigen die Männer in das seichte, ca. 35° warme Wasser. Die meisten sind gebrechlich, rheumatisch oder so. Uns lockt das Bad nicht allzu sehr. Wir fahren weiter durch eine Landschaft, die nicht sehr besonders ist. 
Mittagspause machen wir auf der anderen Seite des Hohen Atlas. Eisigkalt schauen die schneebedeckten Spitze auf uns runter. 
Dort, wo der Mittlere Atlas anfängt, wird das Landschaftsbild anders. Wir sehen Störche, die auf Moscheentürmen und auf Kaminen nisten. Wir sind hier auf ca. 2000m und es wird immer kälter. Die Wolken drängen sich immer dichter und werden immer grauer. Wir merken, dass wir gegen Norden fahren. 
Kurligerweise hat es auf einmal jede Menge Hunde, die am Strassenrand in der Sonne liegen. Also wirklich, alle 50m ist wieder so ein Hund, sie scheinen ihr Territorium zu haben! Auch sind sie langhaarig und nicht kurzhaarig, wie jene vom Süden. 

Immer öfter sehen wir Häuser mit Giebeldächern, sogar ab und zu ein Holzhaus. Das schaut schon kurlig aus. Wenn da nicht Männer in Djellabahs und Frauen mit Schleiern rumlaufen würden, könnte man meinen, man befinde sich irgendwo in Mitteleuropa. Ab und zu fahren wir entlang von Zedernwäldern. Imposant stehen die Bäume mit ihrem auffälligen Kleid inmitten der anderen kleineren Tannen und Eichen. 
Den ersten See, den wir hier oben sehen ist zu zwei Dritteln zugefroren. Schnee liegt an den Hängen und die teilweise mächtigen Zedern sind sogar weiter oben frisch gepudert. So schade, dass jetzt die Sonne nicht mehr scheint. 
Kurz vor Azrou biegen wir ab Richtung grösster Zeder, die es hier geben soll. Eine Touristenpiste. Doch wir haben bei diesem Wetter wohl kaum einen grossen Run zu erwarten. Weit kommen wir allerdings nicht, Schnee versperrt den Weg. Wir stellen das Womo an einer Kreuzung hin und beschliessen, hier für die Nacht zu bleiben. Wir hoffen, es kommt nicht schneien. Die Wolken deuten sehr darauf hin. 
Wir packen uns mit Thermowäsche gut ein und ziehen los, um die restlichen drei Kilometer bis zu dieser grossen Zeder zu Fuss zurückzulegen. Eine grosse Schafherde mit vielen Muttertieren und noch ganz frischen Lämmern begegnet uns. Ein Esel, der die Herde frei begleitet, hat in seinen Seitentaschen kleine müde Lämmer. Das eine schaut frech zur Tasche heraus!
Wir sehen wirklich tolle grosse Zedern. Nicht alle sind sie gleich. Am Eindrücklichsten sind jene mit flach verlaufenden Ästen, die wie Teller am Stamm hängen. In einem schönen Blau-Grün schimmern ihre Nadeln. Wenn die Sonne scheinen würde, wäre das ein genial schöner Spaziergang.  
Die eine grosse alte, oder wohl besser gesagt, tote Zeder steht inmitten von Souvenirläden. Sie schaut entsprechend traurig aus. Wir kehren um. Hier ist das Motto "der Weg ist das Ziel" wohl angebracht. 

Das Womo haben wir kältefest gemacht. Auf der Fahrt hierher hatten wir kurzzeitig Minusgrade. Jetzt, am Abend bleibt es bei ca. 4°. Ok, wärmer war es in der Wüste des Nachts auch nicht! Wir hoffen jetzt nur noch, dass es nicht anfängt zu schneien! 
Während ich diesen Tag im Tagebuch festhalte nieselt es leise auf unser Womo-Dach. Das wird ja spannend werden, wie wir morgen hier wieder wegkommen... 
Stellplatz: ca. 6km vor Azrou, vom Atlas herkommend, rechts Richtung Riesen-Zeder, Stellplätze überall - Wiese
Klima und Umgebung: ruhig, Wanderung zur grössten Zeder und durch Zedernwald
Infrastruktur: nada
22. Februar 2005, Azrou - Azrou (ca. 5km O v. Azrou, ca. 70km SO v. Meknes)
Schnee - Affen - Hundemeute - lieblicher Moyen Atlas
Als wir am Morgen aufstehen hat es 10cm Neuschnee! Hoppla! Ob wir hier wieder mit Anstand wegkommen, vielleicht die Ketten montieren müssen? Zorro hat auf alle Fälle seinen Plausch mit dem Neuschnee. Das ist eigentlich das erste Mal, dass er frischen leichten Schnee erlebt. Er rennt wie ein Hase umher, schnappt in den Schnee und schaut und wittert. Es muss alles ganz anders riechen und sich auch anders anhören. 

Wir beschliessen, bis zur Hauptstrasse zu laufen, dabei den Weg zu checken und die Hauptstrasse auch gleich zu begutachten. Wir sind warm angezogen und es ist herrlich, trotz der dunklen Wolken, durch den frischen Schnee zu stapfen.
Bei den Souvenirständen sehen wir die Affen, von den wir im Führer gelesen haben. Sie sitzen scheu unter den Bäumen und erhoffen sich einen Happen von den Touristen. Dumm, dass ich nicht daran gedacht habe etwas mitzunehmen!

Ein Hunderudel kläfft die ganze Zeit wie wild. Einer, offenbar der Anführer macht immer wieder Angriffe auf Zorro. Das ist eigenartig. Normalerweise wird Zorro immer freundlich aufgenommen. Doch hier läuft es anders. Ich denke, die Hunde verteidigen hier ein Fressrevier. Auf einmal entfernt sich Zorro von mir und wird prompt vom Anführer gejagt. Obwohl ich die Hunde zusammenstauche rennen sie alle wie wild Zorro hinterher. Im Süden hätten die Hunde schon längst den Schwanz eingeklemmt und sich davongeschlichen. Doch hier sind sie von Menschen wenig beeindruckt! Zorro rennt in den Wald und die ganze Meute hinter ihm her. Und ich? Ebenfalls hinterher. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sie sich damit begnügen, Zorro vom Platz zu verjagen. Aber falsch gedacht. Bald sehe  und höre ich sie nicht mehr. Ich renne und stampfe ihren gut sichtbaren Spuren nach und sehe vor meinem geistigen Auge Zorro schon in Stücke gerissen. Die Spur führt glücklicherweise auf unser Womo zu und tatsächlich finde ich dort, einen zittrigen, aber glücklicherweise unversehrten Zorro!
Die Fahrt durch den Schnee bis zur Strasse geht prima. Null Problemo! Der Schnee ist schön griffig. Auf der Hauptstrasse haben sie fast aber gepflügt. Das ist auch gut so, denn die Strecke bis nach Azrou runter geht teilweise ziemlich steil!
In Azrou gehen wir erstmal auf dem Markt einkaufen. Die Leute hier sind erstaunlich nett, freundlich, hilfsbereit und ohne diesen gierigen Blick, den wir gewohnt sind.

Wir gehen einmal rings um die sehr schöne grosse Moschee von Azrou, bewundern durch das eiserne Hauptportal den Innenhof und vor allem die feingearbeitete Schnitzerei am unteren Rande des grünen Ziegeldaches. 
Als wir bei einer Seitentüre gwundrig in den Gang schauen, kommt ein Mann und schliesst uns die eigentliche, wundervoll bemahlte Holztüre zum Beetsaal der Moschee auf. Dahinter: ein riesiger Saal mit vielen Säulen, der Boden mit Teppichen ausgelegt und von der Decke hängen mächtige orientalische Blechlampen.
Wir kaufen uns noch eine leckere Pattiserie und ein Poulet roti mit Pommes, welches wir genüsslich im Womo verspeisen. Mittlerweile ist die Sonne hervorgekommen und scheint schön in unsere Stube.

Als wir uns einen Kaffee machen wollen, stellen wir fest, dass wir keinen Tropfen Wasser mehr im Tank haben! Ob uns jemand den Hahn aufgedreht hat? Nein, der Hahn ist zersprungen, mitten entzwei! Vermutlich haben die Minusgrade das Teil mit Wasser drin gefrieren und sprengen lassen. Dominik klebt es mit Isolierband zusammen. Bei der Tankstelle, wo wir Wasser tanken, sehen wir aber sofort, dass es nicht genügend hält. Mit Briden könnte man den Riss eher fest zuspannen. Aber so grosse Briden haben wir nicht. Also wieder umkehren und in die Stadt. 

Dominik wird schnell fündig und an einem anderen Laden kann er gleich noch eine Gasflasche holen. Ich schaue ihm vom Wagen aus zu und denke, sieht schon krass aus! Er mit seinen langen blonden Haaren inmitten der dunklen Leute in ihren Kutten und Schleiern!
Dann endlich können wir uns einen ruhigen Platz in der Sonne suchen, um uns aufzuwärmen und zu erholen. Ein paar wenige Kilometer ausserhalb von Azrou nehmen wir eine Seitenstrasse und finden kurz vor einer Forestiere inmitten junger Föhren und Koniferen einen hübschen Platz. Supi! Hier genehmigen wir uns den schon sehnlichst ersehnten Kaffee und das feine Gebäck. 

Dominik repariert anschliessend das Isolationsrouleau vom Panoramafenster während ich Briefe beantworte. 

Dann gehen wir auf einen Spaziergang rings um das Tal in welchem wir gelandet sind. Wunderschön ist es hier! Ok, es scheint die Sonne und wenn die Sonne scheint ist es doch eigentlich fast an jedem Ort schön, oder? Wir geniessen auf alle Fälle den Spazier um das liebliche Tal, durch welches sich ein Bach schlängelt an dem Pappeln stehen. Überall weiden Schafe und die Wiese ist noch zaghaft Frühlingsgrün. 

Wir staunen: Kinder klettern den Hang hinauf, von uns weg, als wir näher kommen! Sie kichern und verstecken ihr Gesicht als wir sie grüssen und anlachen. Oh wir herrlich, wie "normal"! Dafür sind die zahlreichen Hunde mühsam. Sie kläffen wie wild, ziehen die Lefzen und laufen uns mit fletschenden Zähnen nach. Ich schmeisse Steine, doch das scheint die gar nicht arg zu beeindrucken. Erst als Dominik einen grösseren Stein wirft, nützt es (wohlverstanden: wir treffen die Hunde nicht, sondern werfen die Steine bloss in ihre Richtung). Wieder sind alle 50m etwa Hunde, die ganz offensichtlich ihr Territorium bewachen und verteidigen. Vermutlich werden sie hier gefüttert und das macht sie stark und aggressiv gegenüber Fremden. Vor allem wohl, weil wir ja Zorro dabei haben. Der läuft übrigens brav mit uns mit und ist immer noch ganz eingeschüchtert. Wenn die Attacke von heute morgen wenigstens den guten Effekt hätte, dass er sich nicht mehr so weit von uns entfernt! Aber ich glaube nicht daran, zu verspielt ist er und neugierig.
Wir überqueren den Bach, der wunderschön und voll mit klarem Wasser sich um die Pappeln schlängelt. Oh, wundersame, ja fast heilsame Gegend! Wir setzen uns auf einen Baumstamm und ziehen die frühlingshafte optimistische Stimmung voll in uns hinein. Der Weg führt uns der anderen Talseite und einem Wasserkanal entlang zurück zum Womo, wo wir Stühle und Tisch rausholen und uns ein Glas Bier in den letzten Sonnenstrahlen des Tages genehmigen. 
Wir sind uns einig, dass hier ein anderer Schlag Marokkaner lebt. Ob es nun der andere Stamm der Berber ist oder einfach Bergleute mit einem gemässigteren Temperament ist uns nicht klar, aber sie sind hier definitiv zurückhaltender und freundlicher. Für uns eine Wohltat. 
Stellplatz: von Azrou Richtung Ifrane, nach ca. 2km rechts auf schmaler Asphaltpiste ca. 1km, dann rechts in Piste Richtung Forestiere, nach 50m Jungwald - Wiese 
Klima und Umgebung: liebliche ruhige Gegend, Wanderung rings um das Tal
Infrastruktur: nada, alles in Azrou 
23. Februar 2005, Azrou 
Zedernwald - Grosses Reparieren
Heute morgen waren unsere Scheiben gefroren! Das erste Mal, dass ich Eisblumen an meinen Acrylfenstern sehe! Es hatte ca. 4° minus. Im Womo drin etwa 4° plus. Das Butangas will auch nicht so recht. Zum Glück haben wir die frisch abgefüllte Flasche noch im Fussraum stehen. Diese schloss Dominik an und dann endlich konnte ich Kaffee kochen und die Heizung laufen lassen. 

Da die Wetterprognose für den kommenden morgigen Tag schlecht ist, wollen wir heute noch ein wenig das Sein geniessen und den (wenn es denn bei einem bleibt!) Schlechtwettertag für's Autofahren verwenden. 

Wir packen den Rucksack mit dem restlichen Poulet roti und frischen grünen Oliven in Zitronenmarinade, die ich am Markt gekauft habe und ziehen los Richtung Wald. Anfangs führt der Weg entlang einer Asphaltpiste, doch das wird uns bald zu langweilig. Da wir das GPS dabei haben, stechen wir direkt in den wunderschönen lichten Wald. Wege gibt es hier keine, aber man kommt überall mehr oder weniger gut durch. Ab und zu hat es Schneewehen, aber auch grünes Gras spriesst unter den Bäumen. Hohe mächtige Zedern, zusammen mit anderen Arten von Zedern und Tannen, mit Eichen und Nussbäumen durchmischen den Wald. Es ist wunderschön, so weglos darin herumzustiefeln. Das GPS benutzen wir, um immer wieder mal zu überprüfen, ob wir auch im gewünschten grossen Kreis uns wieder dem Womo nähern.
Auf einer hübschen Lichtung machen wir Mittagspause. Ich lege mich anschliessend ein wenig ins trockene Gras und Zorro lässt sich nicht zweimal bitten, mit mir ein Nickerchen zu machen. 

Unser Weg führ zurück entlang idyllisch gelegenen PicNicPlätzen am wild sprudelnden Bach. Herrlich wäre es hier, vielleicht einen oder zwei Monate später. Dann würden wohl auch überall Blumen spriessen. Wir sind wirklich etwas zu früh hier im Mittleren Atlas, leider. 
Zurück beim Womo fängt Dominik an diverse anstehende Dinge zu reparieren. Das Rouleau vom Panoramafenster funktioniert wieder bestens und er schraubt den Rahmen definitiv fest. Das Licht beim Dampfabzug hat einen Wackelkontakt, den Dominik aber nicht herausfindet. Immerhin haben wir das Ding nun einmal von innen gesehen und bei der Gelegenheit auch gleich geputzt. Das Kabel von der Aussentemperaturmessung ist wieder mal durchgeraspelt und muss frisch isoliert werden. 
Als Dominik den Kälteschutz im Fahrraum montiert, stellt er fest, dass das kleine Dreieckfenster lose sitzt! Ach du Schande! Aussen kann er den Gummi wegheben und wir sehen darunter, dass da jemand versucht hat, den Gummi aufzuschneiden! Oh Mann, oh Mann! Als wir genauer hinschauen sehen wir aber, dass es alte Leimstellen hat. Der Einbruch durch diese Scheibe hat offenbar früher, vor meiner Zeit, stattgefunden und der Gummi wurde schlicht darüber geklebt. Durch die viele Rüttelei oder die Kälte hat er sich abgelöst. Nun, Dominik klebt ihn wieder an. Mal schauen, ob nun die eigenartigen Windgeräusche auf der linken Seite ebenfalls verschwinden! Ich schreibe währenddessen Briefe und Reiseberichte. 
Stellplatz: siehe 22.02.05 
24. Februar 2005, Azrou - Moulay-Bousselham (ca. 130km S v. Tanger)
Vom Moyen Atlas an die nördliche Westküste
Puh, wieder eine eiskalte Nacht! Wir sind hier definitiv zu früh im Jahr dran. Da gibt es nichts anderes, wir fahren wieder runter auf Meereshöhe. Während wir unsere Bettwäsche von der Wäscheleine, die Dominik zwischen die Bäume gehängt hat, reinholen, was wir übrigens jeden Tag machen, kommt eine Frau vorbei und grüsst uns freundlich. Einfach nur so, ein paar nette Worte. Wenig später taucht sie noch einmal auf und bringt uns zwei frische Hühnereier! So nett! Überhaupt standen wir hier zwei Nächte, und von all den Leuten, die hier vorbeikamen, ist uns kein einziger auf den Geist gegangen. Es war halt wieder irgendwie normal und voll entspannt.  
Wir packen zusammen und fahren nach Azrou, um die geleerte Gasflasche zurückzubringen. Das Internet ist leider noch geschlossen. Dafür kaufen wir noch Konfekt ein und dann geht es ab die Post Richtung Meknes. 
Die Gegend bis dahin ist eindrücklich. Eine Hügellandschaft, nicht unähnlich der Schweiz mit viel kleiner Landwirtschaft. Es gibt aber auch ganze Landstriche, die mit der Aufforstung von Wacholder geprägt ist. Der Himmel bleibt verhangen, manchmal tröpfelt es ein wenig, aber so richtig regnen will es heute doch nicht. 

Ab Meknes wird die Strecke schneller (die Scheibenreparatur von Dominik macht sich genial ausbezahlt, keinerlei Windgeräusche und wenn die Camions vorbeidonnern kippen wir nicht mehr fast ab der Piste!), die Lastwagen nehmen zu und es geht flott durch eine nicht sehr spektakuläre Gegend Richtung Küste. 

Je näher wir der Küste kommen umso dreckiger wird die ganze Gegend. Händler stehen wieder an der Strasse und winken einem zu ihrem Stand. Die Stichstrasse nach Moulay-Bousselham führt durch Slums und der Abfall liegt beidseitig der Strasse rum. Wir realisieren, dass wir seit Spanien nicht mehr soviel Dreck gesehen haben, wie hier.
In Moulay-Bousselham holen wir noch einmal eine Gasflasche. Dominik will ausprobieren, ob er die Spanienflasche, welche ein zusätzliches Sicherheitsventil mit Schnappverschluss hat, ebenfalls abfüllen kann. 

Am nördlichen Ende der Siedlung führt eine versandete Strasse zu einem Wendeplatz. Runter kommen wir hier bestens. Fragt sich, wie gut wir morgen wieder raufkommen! 
Stellplatz: durch das Dorf bis zum Rondell vor der Küste, dann rechts Richtung Beach, nochmals rechts, durch die Siedlung immer entlang der Küste bis zum Strassenende, dort geht's es links zum Strand herunter - Beton, Sand 
Klima und Umgebung: Meernähe, ruhig, Bootsausflug Lagune
Infrastruktur: nada, alles im Dorf
25. Februar 2005, Moulay-Bousselham
Sonnenschein und Flamingos
Der Tag beginnt verhangen. Aber immerhin, wir sind zufrieden, dass es in der Nacht und jetzt am Morgen recht warm ist. Es herrschen etwa 10° Unterschied zu den Bergen! 

Wir machen uns auf einen langen Strandspaziergang, nehmen den Rucksack mit, um, sollte es aufhellen, barfuss zurück laufen zu können. Am Strand unten vor dem Dorf haben sie gerade frische Krebse gefangen. Wir könnten sie kaufen, wenn wir wollten... doch ich bin nicht so sehr zugeneigt. Erstens habe ich Mühe, wenn die Viecher noch leben und zweitens brächten wir die kaum in unseren Topf! Na, muss nicht sein, wenn es auch verlockend wäre. 
Wir spazieren durch das Dorf und müssen vor dem Gestank, der sich bei der Fussgängerpromenade breit macht, fliehen! Da er hinter Büschen liegt wird er offensichtlich als Toilette benutzt.

Jede Menge Restaurants hat es hier oben. Vielleicht nutzen wir die Gelegenheit, um heute hier auswärts zu essen. 

Der Campingplatz liegt unten, an der Lagune. Wir durchqueren ihn und kommen an einen Durchgang im Zaun, wo gerade Schweizer und Deutsche am Preisverhandeln sind für einen Bootsausflug. Auf 25DH pro Person haben sie ihn schon runtergehandelt. Das erscheint uns eigentlich ein fairer Preis für einen eineinhalbstündigen Ausflug. Die Herren fragen uns, ob wir nicht mitkommen würden, der Bootsbesitzer ist offenbar interessiert, sein Boot voll zu kriegen. Na gut, wieso auch nicht. Wir haben nichts Besseres vor und das Wetter weiss eh noch nicht, was es will. Wir hüpfen also ins Boot, inkl. Zorro. Obwohl der Himmel anfänglich noch gräulich ist, herrscht eine ruhige Atmosphäre auf dem See. Es ist beinahe windstill. 
Wir beobachten Flamingos und Kormorane. Die Flamingos hier kommen aus Europa, von der Camargue, und aus Südafrika. Die europäischen sind im Moment hier, um zu überwintern. Die afrikanischen sind bereits im Herbst wieder in den Süden abgereist. Die älteren Tiere bleiben aber das ganze Jahr über hier. 
Der Himmel lichtet sich immer mehr, die Sonne kommt hervor und der Anblick der Lagune, mit dem Dorf und der Düneninsel gegenüber wird immer schöner. Im See spiegeln sich die Objekte und es herrscht eine sensationelle Farbenpracht! Frauen sind am Muscheln suchen, Vongole! Oh, jami! 
Vom Dorf oben ist der Blick, jetzt wo der Himmel wieder strahlend blau ist, auf die Lagune wunderschön. Slum-Bauten stehen unterhalb der Promenade. Schon als wir hierher kamen, fuhren wir durch ganze Slums. Mich erstaunt das ein wenig, denn wir sind hier nicht in der Nähe einer Grosstadt. Kann aber sein, dass das ein Effekt von Tanger ist. 
Auf dem Heimweg können wir tatsächlich barfuss laufen. Es kommt uns schon eine Ewigkeit vor, dass wir das getan haben. Und auch wieder einmal draussen Mittagessen, herrlich! 

Dominik läuft die Strasse hoch zum Dünenkamm und startet dort bei etwas schrägem Wind. Eine Weile kann er sich halten, bis der Wind fast ganz parallel zum Strand dreht. Er landet beim Womo auf dem Strand. So ist der "Leidende" also doch noch zu einem Flug gekommen! 

Wir sind zu faul, um Auswärts essen zu gehen. So verlockend die Krebse und Langusten sind, es lockt uns nicht so sehr, in ein ungeheiztes Lokal zu sitzen. 
Ein sensationeller Sonnenuntergang zeichnet sich am Horizont über dem Meer ab. Das sind Anblicke für's Gemüt! Ein bischen ist schon Abschiedsgefühl dabei, bei allem was ich tue und betrachte. Ob das der letzte Sonnenuntergang über Meer ist, den ich in Marokko erlebe? 

Als es schon dunkel ist, fahren noch zwei Camper auf unseren Platz herunter. Frisch über die Grenze gekommen! Wir dürfen gehen... 
Stellplatz: siehe 24.02.05
26. Februar 2005, Moulay-Bousselham
Dünenspielereien
Der Hahn vom Frischwassertank rinnt doch mehr als gedacht. Unser Tank ist leer. Einkaufen müssen wir aber eh auch noch, also packen wir das gleich zusammen. Wir fahren ins Dorf und werden bei einem Haus, wo Mädels gerade draussen ihre Wäsche waschen fündig. Wir schenken ihnen dafür meinen alten Rucksack und das zu kleine Fixleintuch. Diese Dinge habe ich schon ewig dabei, um sie bei Gelegenheit verschenken zu können. 

Zurück beim Womo trifft Dominik auf zwei Franzosen, die am Startplatz oben mit ihren Gleitschirmen rumturnen. Der Wind dürfte ein bischen mehr sein. Aber zum Spielen und für Aufziehübungen reicht's allemal. 
Dominik vergnügt sich ebenfalls mit Ihnen. Auch ich versuche aufzuziehen und es gelingt mir nicht einmal schlecht, kann den Schirm eine Zeitlang oben halten, unterlaufen und korrigieren. Talent ist halt Talent ;-).

Ich mache wieder einmal Orangenmarmelade, koche während mindestens einer Stunde Orangen ein und fülle sie in extra dafür aufbewahrte grosse Gläser. Etwa eineinhalb Kilo ergibt es und ich habe noch nicht einmal alle Orangen, die ich gekauft habe gebraucht. 

Mit den Nachbarn sitzen wir noch auf ein Bierchen draussen. Leider ist es zu windig und kalt, um längere Zeit draussen rumzustehen.  
Stellplatz: siehe 24.02.05
27. Februar 2005, Moulay-Bousselham
Rumhängen und warten auf den Montag
Das Wetter ist schiffig und windig. Da wir unsere Ausreise nicht gerade an einem Wochenendtag durchführen wollen, heisst es warten auf Montag. Wir haben genug Lesestoff dabei und für die Homepage wandle ich alle Reiseberichte in Word-Dokumente um, sodass sie einfach runtergeladen werden können. Genau das Richtige für so einen Wind- und Regentag. 
Hin und wieder jagt der Wind sogar die Wolken von der Sonne weg und schnelle Schatten huschen über den Strand. Jeder und jedes wird bis 15cm über dem Boden sandgestrahlt. Ich denke mal, Zorro kriegt ziemlich viel ab davon! Er läuft mit einer Seitenscheitel rum und scheint gar keine Freude an seinem neuen braven Look zu haben! Er hält sich auch nicht unnötig lange draussen auf. Er wird bei solchem Wetter, wie wir, zum Stubenhocker. 
Stellplatz: siehe 24.02.05
28. Februar 2005, Moulay-Bousselham - Tanger - Tarifa (Espagna)
Das grosse Kotzen
So, die Zeit ist reif. Wir verlassen Marokko. Von unseren Stellplatz-Nachbarn verabschieden wir uns. Sie werden nach Süden reisen. Wir nach Norden. 
Bis nach Asilah fahren wir auf der Autobahn, welche kaum Verkehr hat und in einwandfreiem Zustand uns sicher und schnell nach Norden bringt. Das Land hier oben ist grün, grün, grün. Wir wundern uns auch gar nicht, dass es, je nördlicher wir kommen, desto heftiger pisst. 
Tanger ist eine moderne Stadt, welche sehr europäisch wirkt. Wir fahren direkt zum Ausschiffungshafen und kaufen uns ein Ticket für Tanger-Algeciras. Die Schnellboote zwischen Tanger und Tarifa verkehren heute leider nicht, zu unruhig ist die Meerenge. Die Zollabfertigung geht auch relativ schnell und unproblematisch. Als wir in den Warteschlangen stehen, die zum Schiff führen, erzählt uns ein junger Deutscher, dass er heute morgen in Ceuta ausreisen wollte. Er habe schon Tickets gekauft, Zollformalitäten hinter sich, durch die marokkanische Schranke gewiesen, als die Spanier ihn aufhielten. Sein Hund sass dummerweise auf dem Vordersitz und die Zöllner wollten die Papiere sehen. Nun fehlte in seinem internationalen Impfausweis der Nachweis über den Tollwut-Bluttest. Und genau diesen wollten sie haben. Noch ein anderer Deutscher kam dazu und sagte, dass sei aber noch gar nicht Vorschrift in Spanien. Nur gewisse skandinavische Länder verlangten den schon jetzt. Na, auf alle Fälle half dem jungen Deutschen keinen Toben und Schreien, kein Argumentieren und auch keine Überredungskunst - er musste umkehren. Die Zöllner gaben ihm aber den Tipp, es in Tanger zu probieren. 
Nun stehen wir also hier und ich bin erneut ein wenig verunsichert. Was, wenn wir, schon über der Strasse von Gibraltar, am spanischen Zoll nicht vorbeikommen, weil kein Bluttest vorhanden? Wir werden sehen, ich kann nicht glauben, dass es echte Probleme gibt. Am besten, wir lassen Zorro im Fussraum, wo er vielleicht gar nicht entdeckt wird. 

Irgendjemand erzählt uns, dass Gestern die Fähren nicht fahren konnten, weil das Meer zu stürmisch war. Nun warten wir also hier mit den Sonntagsausreisenden, die wir eigentlich vermeiden wollten! Die Disziplin beim Einfahren auf die Fähren lässt darum auch einiges zu wünschen übrig. Der Typ, der die Wartenden einlotst rauft sich die Haare und ich erwarte demnächst eine menschliche Explosion. 
Die erste Fähre verpassen wir. Zuerst kommen alle Lastwagen dran, dann die PKWs. Wir Mittelgrossen müssen auf die nächste warten. Um halb eins waren wir in Tanger. Um fünf legt die Fähre, auf die wir dann doch noch, als Drittletzte kamen, ab. So ein Glück! Da ich noch nicht weiss, was auf mich zukommt, bin ich zuversichtlich und voller Vorfreude.
 
Die Freude vergeht, als sich die Fähre aus dem Hafen bewegt. Von meinem Einkaufsbummel im Zollfreiladen komme ich schwankend zu Dominik zurück und lege mich gleich neben ihn auf die Sitzbänke. Mir ist schon halb übel. Auch Dominik legt sich hin. Wir wissen beide, dass es sich so am Besten überstehen lässt. Den Tipp von Dominik, sich ganz dem Wellengang hinzugeben und sich nicht dagegen zu wehren erweist sich ebenfalls als Rettung. 
Rings um uns herum geht schon bald das grosse Kotzen los. Unsere Nachbarin reisst den Sack mit meinen Zigaretten drin vom Tisch, leert glücklicherweise noch schnell den Inhalt auf den Tisch und schon geht's los. Immer verrückter schaukelt das Schiff. Es geht in die Höhe, um mit einer übelmachenden Schwerelosigkeit in die Tiefe zu fallen. Die Wellen knallen ans Schiff, irgendwo im Rumpf rumst es dauernd und auch in der Bar fängt es an zu klirren. Ajuto, wenn das nur mal gut geht! Wir denken an unser Womo, bei dem die Handbremse nicht mehr ganz koscher ist. Während ich im Schaukeldelirium versuche mich auf etwas anderes zu konzentrieren und die Kotzgeräusche erfolgreich überhören kann, male ich mir aus, was unser Womo, losgelöst, unten in der Garage alles anrichten könnte! Und das mit Zorro am Steuer! Irgendwie und irgendwann, eigentlich nach genau eineinhalb Stunden, laufen wir in den Hafen von Algeciras ein. Hurra! Wir haben es überlebt! Langsam komme ich aus der Horizontalen in die Vertikale und erfasse das Ausmass der Kotzorgie in dem grossen Saal, in dem wir sind. Nur gut, haben wir uns rechtzeitig einen Platz auf Sitzbänken gesucht. Der grössere Teil der Passagiere sass nämlich im Essraum, wo man nicht liegen kann, bzw. nur auf dem Boden! Wir torkeln ganz benommen runter auf Deck 4, vermeiden den Blick links und rechts von uns. Trotzdem sehe ich aus den Augenwinkeln überall weich gefüllte Plastiksäcke und Tücher rumliegen. Innerlich habe ich mich auf einen chaotischen Anblick eingestellt. Doch nichts! Keine Spur von Ineinandergeschobenen Karren, von Lastwagen, die sich ihren Weg durch PKWs mit Unterstützung ihres Gewichts gebahnt haben. Auch Zorro ist wohlauf und hat Freude, uns wieder zu sehen. Auch er war tapfer und hat sein Nest nicht beschmutzt ;-). 
So, nun kommt noch die Einreise nach Spanien dran. Wir bleiben unbehelligt. Am ersten und am zweiten Zoll winken sie uns durch ohne uns zu kontrollieren. So ein Riesenglück! Ich bin froh, das Ganze, die Überfahrt und den Zoll hinter mir zu haben! Das war ja die reinste Katastrophe, diese Überfahrt! 

Es ist dunkel, als wir die 25km bis nach Tarifa zurücklegen. Wir peilen einen alten Stellplatz an, gleich nach Tarifa am Meer. Mit der Zeitverschiebung ist es jetzt schon fast neun Uhr. Wir haben Hunger! Machen uns schnell Teigwaren an Tomatensauce und fallen dann hundemüde ins Körbchen. Der Wind bläst wie blöd hier und Böen hieven das Auto regelmässig von der einen Stütze. Hört denn das Geschaukel heute nicht mehr auf?! Trotzdem, ich bin froh, wieder in Spanien, in Europa, zu sein. 
Stellplatz: 2km nach Tarifa Richtung Cadiz, links zwischen die Pinien auf Parkplatz - Sand, Kies
Klima und Umgebung: Meernähe, extrem windig
Infrastruktur: nada  


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Chronologisch geht es hier weiter: Reisebericht Spanien 2005, Teil 3