Herrlich schön die Landschaft in Mazedonien. Es gäbe noch viel viel mehr. Nur
leider war mir selten zum Fotografieren zu Mute. Zu sehr waren wir mittlerweile
alle im Banne von Dominiks Schmerzen.
Unser Anliegen war, Dominik baldmöglichst von einem Arzt untersuchen zu lassen.
Divna gelang es, dank einer alten Freundschaft zu einem Arzt, uns im Spital von
Strumica an vielen wartenden Leuten vorbei zu einem Untersuch zu lotsen.
Der erste Ultraschall-Untersuch brachte uns die Hoffnung, dass mit einem
Sirup, so wie ihn Dominik schon einmal bei früheren Beschwerden bekam, das Übel
aus der Welt geschafft werden kann.
Leider mussten wir die folgenden Tage merken, dass sich sein Zustand aber
weiter verschlechterte. Vor allem die Nächte waren schlimm...
Nachdem wir weitere Möglichkeiten (Kuren in Griechenland) durchgedacht hatten,
beschlossen wir, uns zu erkunden, ob eine Heimreise mit der Rega überhaupt
möglich wäre und wie dies geschehen würde. Der TCS (wir sind
ETI-Schutzbrief-versichert) rief mich noch am gleichen Abend an und wir
vereinbarten eine weitere Unterredung auf den nächsten Tag, da Dominik sowieso
nochmals einen Termin beim Arzt im Spital hatte. Ein zweiter Ultraschall plus
Röntgenaufnahmen würden mehr aussagen.
Abends ging ich jeweils ins Internet und versuchte mich selbst schlau zu
machen. Die Symptome, die Dominik hatte, wiesen auf einen drohenden
Darmverschluss hin! Langsam aber sicher bekam ich es mit der Angst zu tun! Was,
wenn dieser Notfall eintritt? Hier in Mazedonien operieren? Nachdem wir das
Spital gesehen hatten, war mir bei dieser Vorstellung nicht gerade wohl.
Natürlich tun sie hier, was sie nur können, aber die Mittel sind begrenzt! Kein
Vergleich zu der Schweiz. Immer mehr glaubte ich, dass es das Beste wäre,
heimzukehren. Hinzu kam, dass Dominik nun erhöhte Temperatur hatte!
Diesen Moment dann am anderen Morgen im Arztzimmer werde ich mein Leben nie
vergessen. Schon beim Ultraschall bemerkte der Arzt irgendetwas Beunruhigendes.
Da Divna ja jedes Wort übersetzen musste, wartete ich ab, bis auch die
Röntgenaufnahmen vorlagen. Na ja, und dann machten sie uns klar, dass der
Verdacht nahe liege, dass Dominik einen Darmtumor habe und auch schon Metastasen
auf der Leber! Dominik sass auf einem Stuhl und schaute nur ungläubig drein.
Divna konnte es ebenfalls nicht fassen und es schüttelte sie heftig.
Inzwischen hatten wir den Vertrauensart der Rega am Telefon. Die Ärztin erklärte
ihm auf Englisch, was die Diagnose war und die Ärzte waren sich sichtlich einig,
dass Dominik kein Akutfall war. Das wiederum konnte ich nicht hinnehmen. Ich
redete selbst mit dem Arzt und erklärte ihm die ganze Sachlage und was es
bedeuten würde, wenn Dominik mit dem nächsten Linienflug fliegen müsste.
Irgendwie konnte ich dem Arzt klar machen, dass das nicht akzeptabel war. Auf
alle Fälle schickten sie uns den Rega-Jet nach Skopje. Noch am gleichen Tag um
vier Uhr mussten wir dort oben sein. Ich regelte auch, dass wir privat dorthin
reisen würden und nicht mit einem Krankenauto. Hilfe, soviel Aufregung war ja
nur schlecht. Aber die Luft, die Dominik im Gedärm hatte und der drohende
Darmverschluss war für mich und schliesslich wohl auch für den Vertrauensarzt
Grund genug, den Jet zu schicken.
Die Ärzte im Spital von Strumica kümmerten sich wirklich ausserordentlich um
Dominik. Sie rieten ihm auch schon von Anfang, nach Hause zurück zu kehren.
Immerhin hätten wir in der Schweiz noch viel vertieftere
Untersuchungs-Möglichkeiten. Als sie uns dann mit diesem schlechten Bescheid
konfrontieren mussten, war es ihnen so ganz und gar nicht recht. Ich meine, ich
weiss, dass auch Schweizer Ärzte manchmal Mühe haben, schlechte Nachrichten
rüber zu bringen. Aber soviel Mensch in einem Arzt und gerade bei so einer
Nachricht zu sehen, war irgendwie beeindruckend. Irgendwie fühlten sie sich für
Dominiks Zustand verantwortlich! Es war ihnen nicht recht, dass ein Schweizer
bei ihnen im Lande so krank sein musste. Auch wenn sie klar wussten und es auch
sagten, dass diese Geschichte vielleicht vor zehn Jahren angefangen hat, so
sahen sie es doch als sehr schlecht an, dass in ihrem Land die Diagnose gestellt
werden musste. Ach, es ist schwierig, das richtig rüber zu bringen. Auch Divna
fühlte sich irgendwie verantwortlich. Obwohl ja gerade sie uns zu dieser
notwendigen Diagnose verholfen hatte! Gerade mit ihrer Hilfe nahmen wir endlich
die Heimreise in Kauf! Sonst wären wir noch irgendwo in Griechenland gelandet
und Dominik hätte irgendwo in der Pampa einen Darmverschluss erlitten. Gar nicht
auszudenken, was sonst noch alles Dummes hätte passieren können, wenn wir in
Mazedonien nicht die richtigen Untersuchungen hätten vornehmen lassen können!
Also, Divna, solltest du das lesen, dann bitte, bitte, nimm unseren Dank doch an
und verzeihe uns, dass wir soviel Unruhe und Ängste in dein und das Leben deiner
Mutter gebracht haben! Eure Hilfe war die Beste, die überhaupt möglich war!
Die Ärzte sagten uns zum Abschied, dass sie hoffen, dass sie sich irren würden!
Und wir klammerten uns dann an diese eine Möglichkeit...
Bis dahin waren wir davon ausgegangen, dass Dominik alleine zurückreisen
würde, evt. eine Operation hinter sich bringen würde und dann wieder mir
nachreisen könnte. Nun sah aber alles anders aus. Bei Divna Zuhause angekommen,
rief ich nochmals bei der Rega an und fragte, ob es möglich sei, dass ich
zusammen mit Zorro, Dominik nach Hause begleiten könnte. Es ging.! Wir packten
unsere wichtigsten Sachen zusammen und machten das Womo einigermassen
wintersicher. Wir nahmen dankbar Divnas Angebot an, das Womo auf der Wiese neben
dem Haus zu lassen, wo es sicher war. Divna fuhr uns nach dem Mittag nach
Skopje, wo uns um 16 Uhr der Jet abholte. |