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13. Februar 2010

 

 

 

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Reisebericht Mazedonien - Strumica

 

21. - 28. Oktober 2005, Dubrovnik (Kroatien) - Kosovo (Serbien-Montenegro) - Strumica (Mazedonien)
Durch den Kosovo nach Mazedonien und mit der Rega im Direktflug wieder nach Hause
Von dem schönen Streckenabschnitt an der serbischen Küste bekommen wir nicht viel mit. Es ist tief verhangen und regnet immer wieder aus dunklen satten Wolken. Schade, denn die Landschaft scheint mir reizvoll hier. 
Leider habe ich von unserer Reise durch Serbien-Montenegro und den Kosovo nicht mehr viel in Erinnerung. Es regnete wie aus Kübeln. Und ich weiss noch, dass wir (Naiven!) ziemlich erstaunt waren, als wir in Serbien an eine Grenzkontrolle kamen. Schon vorher haben sie immer wieder unsere Papiere sehen wollen. Aber nun war Grenz-Kontrolle angesagt! Das heisst, unser Auto bzw. dessen Räder wurden abgespritzt, es hatte Grenzhäuser mit Patrouillen und wir mussten unseren Pass vorweisen! KVOR kontrollierten hier! Aha! Wir sind ja recht schlecht informiert, was das Weltgeschehen anbelangt und irgendwie hatten wir angenommen, dass der Kosovo-Konflikt so ziemlich gelöst sei. So, weit gefehlt! Das merkten wir aber erst jetzt! Trotzdem hatten wir natürlich kein Problem über die Grenze zu kommen. Nur war uns von da an ein wenig mulmig zumute. Auch waren auf den Strassen jede Menge KVOR-Fahrzeuge unterwegs.

Erst als wir einen Tag später die Mazedonische Grenze überquerten atmeten wir wieder richtig auf. Obwohl... im Kosovo herrschte emsiges Treiben. Und es spannend zu sehen, wie überall grosse Geschäftigkeit angesagt war. Sie waren am Bauen und Bearbeiten.

Mazedonien war dann eine Pracht! Auch das Wetter spielte wieder mit. Leider waren wir bestrebt, möglichst bald zu Divna nach Strumica zu kommen. Dominiks Zustand verlangte eine richtige Untersuchung. Also vertagten wir die nähere Besichtigung des Landes.

Dort wo Divna baut, stehen ein paar Hügel. Und prompt! Als wir dort ankamen sahen wir zuallererst zwei Gleitschirmflieger! Da ich mit Divna aber per SMS einen Treffpunkt zu einer bestimmten Zeit abgemacht hatte, fuhren wir weiter, um sie nicht zu verpassen. 

Divna hatte Mega-Freude uns zu sehen. Und wir natürlich auch! Nach all der Zeit war es nun doch geglückt, dass ich sie in Mazedonien besuchen komme! 

Wir fuhren zuerst einmal zu ihr und ihrer Mutter nach Turnovo, was in der Nähe von Strumica ist.

Hier sitzen wir auf der Treppe ihres Neubaus. Im nächsten Jahr wird der Bau wohl abgeschlossen sein und sie dort eingezogen.

Das Haus steht an wundervoller Lage südlich einer Bergkette, welches das Klima in Nord und Süd teilt. Und so kommt es, dass hier unter anderen Südfrüchten Granatäpfel bestens gedeihen. Auch Weinreben wachsen prächtig. Bis zur griechischen Grenze ist es ein Katzensprung und zum griechischen Meer auch nicht sehr weit.
Hier werden an der Strasse Granatäpfel, Trauben und viele andere Früchte angeboten.
Während eines Ausfluges an die griechische Grenze genehmigen wir uns Pizzas und andere Köstlichkeiten für wenig Geld. Lecker war's!
Dominik isst zwar mit, aber ein ungutes Gefühl bleibt ihm. Er weiss mittlerweile, dass er dafür mit Darmkrämpfen büssen wird müssen!
Hier besichtigen Divna und ich eine Ausgrabungsstätte. Wundervolle uralte Bäder haben sie ganz in der Nähe der Thermalquelle gefunden. Also schon dazumal wussten die Griechen (oder waren es Römer?) die Naturwunder zu nutzen.

Leider habe ich allzuviel über den Schrecken von Dominiks Zustand vergessen und kann hier nicht angemessen darstellen, was mir Divna alles erzählt und gezeigt hat. Das tut mir so leid, liebe Divna! Eigentlich gibt es dafür nur eine Lösung. Wir kommen noch einmal und haben dann mehr Zeit für dich und dein tolles Land!
Herrlich schön die Landschaft in Mazedonien. Es gäbe noch viel viel mehr. Nur leider war mir selten zum Fotografieren zu Mute. Zu sehr waren wir mittlerweile alle im Banne von Dominiks Schmerzen.

Unser Anliegen war, Dominik baldmöglichst von einem Arzt untersuchen zu lassen. Divna gelang es, dank einer alten Freundschaft zu einem Arzt, uns im Spital von Strumica an vielen wartenden Leuten vorbei zu einem Untersuch zu lotsen.

Der erste Ultraschall-Untersuch brachte uns die Hoffnung, dass mit einem Sirup, so wie ihn Dominik schon einmal bei früheren Beschwerden bekam, das Übel aus der Welt geschafft werden kann.

Leider mussten wir die folgenden Tage merken, dass sich sein Zustand aber weiter verschlechterte. Vor allem die Nächte waren schlimm...

Nachdem wir weitere Möglichkeiten (Kuren in Griechenland) durchgedacht hatten, beschlossen wir, uns zu erkunden, ob eine Heimreise mit der Rega überhaupt möglich wäre und wie dies geschehen würde. Der TCS (wir sind ETI-Schutzbrief-versichert) rief mich noch am gleichen Abend an und wir vereinbarten eine weitere Unterredung auf den nächsten Tag, da Dominik sowieso nochmals einen Termin beim Arzt im Spital hatte. Ein zweiter Ultraschall plus Röntgenaufnahmen würden mehr aussagen.

Abends ging ich jeweils ins Internet und versuchte mich selbst schlau zu machen. Die Symptome, die Dominik hatte, wiesen auf einen drohenden Darmverschluss hin! Langsam aber sicher bekam ich es mit der Angst zu tun! Was, wenn dieser Notfall eintritt? Hier in Mazedonien operieren? Nachdem wir das Spital gesehen hatten, war mir bei dieser Vorstellung nicht gerade wohl. Natürlich tun sie hier, was sie nur können, aber die Mittel sind begrenzt! Kein Vergleich zu der Schweiz. Immer mehr glaubte ich, dass es das Beste wäre, heimzukehren. Hinzu kam, dass Dominik nun erhöhte Temperatur hatte!

Diesen Moment dann am anderen Morgen im Arztzimmer werde ich mein Leben nie vergessen. Schon beim Ultraschall bemerkte der Arzt irgendetwas Beunruhigendes. Da Divna ja jedes Wort übersetzen musste, wartete ich ab, bis auch die Röntgenaufnahmen vorlagen. Na ja, und dann machten sie uns klar, dass der Verdacht nahe liege, dass Dominik einen Darmtumor habe und auch schon Metastasen auf der Leber! Dominik sass auf einem Stuhl und schaute nur ungläubig drein. Divna konnte es ebenfalls nicht fassen und es schüttelte sie heftig.

Inzwischen hatten wir den Vertrauensart der Rega am Telefon. Die Ärztin erklärte ihm auf Englisch, was die Diagnose war und die Ärzte waren sich sichtlich einig, dass Dominik kein Akutfall war. Das wiederum konnte ich nicht hinnehmen. Ich redete selbst mit dem Arzt und erklärte ihm die ganze Sachlage und was es bedeuten würde, wenn Dominik mit dem nächsten Linienflug fliegen müsste. Irgendwie konnte ich dem Arzt klar machen, dass das nicht akzeptabel war. Auf alle Fälle schickten sie uns den Rega-Jet nach Skopje. Noch am gleichen Tag um vier Uhr mussten wir dort oben sein. Ich regelte auch, dass wir privat dorthin reisen würden und nicht mit einem Krankenauto. Hilfe, soviel Aufregung war ja nur schlecht. Aber die Luft, die Dominik im Gedärm hatte und der drohende Darmverschluss war für mich und schliesslich wohl auch für den Vertrauensarzt Grund genug, den Jet zu schicken.

Die Ärzte im Spital von Strumica kümmerten sich wirklich ausserordentlich um Dominik. Sie rieten ihm auch schon von Anfang, nach Hause zurück zu kehren. Immerhin hätten wir in der Schweiz noch viel vertieftere Untersuchungs-Möglichkeiten. Als sie uns dann mit diesem schlechten Bescheid konfrontieren mussten, war es ihnen so ganz und gar nicht recht. Ich meine, ich weiss, dass auch Schweizer Ärzte manchmal Mühe haben, schlechte Nachrichten rüber zu bringen. Aber soviel Mensch in einem Arzt und gerade bei so einer Nachricht zu sehen, war irgendwie beeindruckend. Irgendwie fühlten sie sich für Dominiks Zustand verantwortlich! Es war ihnen nicht recht, dass ein Schweizer bei ihnen im Lande so krank sein musste. Auch wenn sie klar wussten und es auch sagten, dass diese Geschichte vielleicht vor zehn Jahren angefangen hat, so sahen sie es doch als sehr schlecht an, dass in ihrem Land die Diagnose gestellt werden musste. Ach, es ist schwierig, das richtig rüber zu bringen. Auch Divna fühlte sich irgendwie verantwortlich. Obwohl ja gerade sie uns zu dieser notwendigen Diagnose verholfen hatte! Gerade mit ihrer Hilfe nahmen wir endlich die Heimreise in Kauf! Sonst wären wir noch irgendwo in Griechenland gelandet und Dominik hätte irgendwo in der Pampa einen Darmverschluss erlitten. Gar nicht auszudenken, was sonst noch alles Dummes hätte passieren können, wenn wir in Mazedonien nicht die richtigen Untersuchungen hätten vornehmen lassen können! Also, Divna, solltest du das lesen, dann bitte, bitte, nimm unseren Dank doch an und verzeihe uns, dass wir soviel Unruhe und Ängste in dein und das Leben deiner Mutter gebracht haben! Eure Hilfe war die Beste, die überhaupt möglich war!
Die Ärzte sagten uns zum Abschied, dass sie hoffen, dass sie sich irren würden! Und wir klammerten uns dann an diese eine Möglichkeit...

Bis dahin waren wir davon ausgegangen, dass Dominik alleine zurückreisen würde, evt. eine Operation hinter sich bringen würde und dann wieder mir nachreisen könnte. Nun sah aber alles anders aus. Bei Divna Zuhause angekommen, rief ich nochmals bei der Rega an und fragte, ob es möglich sei, dass ich zusammen mit Zorro, Dominik nach Hause begleiten könnte. Es ging.! Wir packten unsere wichtigsten Sachen zusammen und machten das Womo einigermassen wintersicher. Wir nahmen dankbar Divnas Angebot an, das Womo auf der Wiese neben dem Haus zu lassen, wo es sicher war. Divna fuhr uns nach dem Mittag nach Skopje, wo uns um 16 Uhr der Jet abholte.

Dominik genoss diesen Flug. Da er seit zwei, drei Tagen nichts mehr gegessen hatte, war er mehr oder weniger beschwerdefrei. Die Ärzte munterten uns auf und betreuten uns sowieso wie wenn wir eine kostbare Fracht wären.
Auch für Zorro wurde unheimlich gut gesorgt. Es war irgendwie schizophren. Da sassen wir nun in einem der tollsten Flugvehikel überhaupt mit bester Sicht auf die Landschaften usw. und hatten diesen schlimmen Bescheid im Kopf.

Von Kloten brachten sie uns mit einem Einsatztaxi direkt ins Zuger Kantonsspital.
Wie es weiterging, erfährt ihr im Bilanzbericht Frühling 2006.

Chronologisch geht's hier weiter: Reisebericht Italien 2006, Teil 1