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Reisebericht Portugal 2003
 

19. Juni 2003, Mazagon - Fuzeta (Südküste Algarve)
Hurra Europäische Union und enttäuschender Algarve-Auftakt

Heute verlassen wir Andalusien und gehen über die Grenze nach Portugal. Eigentlich ungeplant, denn ursprünglich wollten wir ja mal runter nach Malaga oder noch weiter südlich und dann langsam wieder gegen die Schweiz zurückziehen. Doch die spanische Küste hat uns insgesamt nicht so gut gefallen, als dass wir diese Strecke nochmals hochfahren wollten und Portugal lockt uns. Das Landesinnere von Spanien ist mittlerweile zu heiss. Das geht im April und Mai noch gut. Jetzt ist es eigentlich zu spät dafür.
Nun gut, dann schauen wir uns halt die Algarve mal an. Man hört ja viel von hier.
Der Grenzübertritt ist eigentlich keiner mehr. Die Zollhäuschen stehen auch hier leer und verlassen da. Mittlerweile wird uns klar, dass wir erst wieder Ausweise zeigen müssen, wenn wir zurück in die Schweiz wollen. So kriegen wir ein Gefühl der Dimensionen von Europa zur Schweiz!
Da wir ohne Führer hier sind, bestücken wir uns gleich an der Grenze mit dem nötigen Infomaterial. Die Südküste ist extrem urbanisiert. Zwar sind hier die Häuser weit übers Land verteilt und viele sind sicherlich auch schon älter. In Spanien sind ja überall neue Urbanisationen in Form von riesigen Siedlungen mit zig gleichen Häuschen entstanden. Hier ist offensichtlich alles langsamer gewachsen. Na abwarten, was wir hier zu sehen bekommen. Was wir sofort feststellen: hier herrschen andere Preise! Portugal oder immerhin die Algarve ist teuer! Einkaufen geht nicht mehr für 20-25 Euros. Da blättern wir 30-35 fürs Gleiche hin.
Nach ergebnisloser Suche nach einem Stellplatz am Meer finden wir in Fuzeta einen Campingplatz, der immerhin in der Nähe des Meeres bzw. der Lagune hinter einer äusseren riesigen Düne ist. Das haben wir anfangs gar nicht gecheckt, dass es unmöglich ist, am Meer zu sein. Das ganze Gebiet ab Grenze bis Albufeira ist ein riesiges Sumpf- und Lagunengebiet, was unter Naturschutz steht. Auf die Dünen raus, die teilweise bewohnt sind, geht es nur per Boot.
Aber macht nichts, dann gehen wir halt wieder einmal auf einem Campingplatz. Dusche und Gesellschaft sind auch nicht ohne. Unsere Nachbarn sind junge Holländer, ebenfalls mit einem Camper unterwegs, aber vor allem zum Wellenreiten. Sie kamen die Küste runter und gehen weiter nach Sevilla. Es tut immer wieder gut, nach einiger Zeit, Leute zu treffen und zu quatschen. Sie erzählen uns auch von 2m hohen Wellen auf der äusseren Seite der Düne. Obwohl wir von diesem Ort hier nicht sonderlich angetan sind, denken wir, dass wir, da schon mal hier, auch ein wenig mehr davon sehen sollten.
Am Abend machen wir uns auf die Suche nach einem Internetcafé, leider erfolglos. Als wir zurückkehren, hat sich eine der zahllosen Katzen in Zorros Kiste bequem gemacht. Oh, wie der dreinschauen konnte! Er getraute sich nicht, sie zu verscheuchen. Obwohl er ja eigentlich mit ihnen spielen will (bei Ronni war er zeitweise mit Katzen zusammen), fauchen die ihn natürlich an und dann versteht er die Welt nicht mehr.
20. Juni 2003, Fuzeta (Südküste Algarve)
2m Wellen

Den Vormittag nutzt Dominik, um mit dem Fahrrad ins nächste Dorf zu radeln und unsere Mails zu verabschieden. Natürlich lädt er auch Reingekommene auf Diskette, die ich dann am Mittag mit Genuss auf dem Lappi lesen kann. Ach, ist es schön, von zu Hause zu hören. Ich muss sagen, ich vermisse euch, das Schwatzen und Zusammensein mit meinen Freunden fehlt mir schon. Ja, ja. Jammer, jammer.
Am Nachmittag fahren wir per Taxiboot raus zur Düne. Das erste Mal Schiffchen fahren für Zorro. War aber ziemlich harmlos. Im Gegenteil, weil er ein so hübscher Kerl ist, fahren sämtliche junge Mädels auf ihn ab und er geniesst es, von allen Seiten gestreichelt und verschmust zu werden. Welche neidische Blicke da von Dominik kommen!
Draussen ist's genial. Die hohen Brecher sind genial, um sich immer wieder an den Strand werfen zu lassen. Ab und zu wird man ganz schön rumgespült und ich keuche, als ich den Strand hoch laufe. Das macht Spass! Leider geht das Boot um halb acht schon wieder zurück.
Übrigens müsste ich mal erwähnen, dass Dominiks Haare ganz schön gewachsen sind. Auf den Bildern sieht man es nicht so gut, aber er sieht mit seinem blonden Wuschelschopf etliches jünger aus, als er ist. Wirklich wahr, kein Honigschmieren!
21. - 22. Juni 2003, Fuzeta - Albufeira (Südküste Algarve)
Algarvische Traumbucht

Am Kiosk vom Campingplatz habe ich mir Postkarten gekauft, welche wunderschöne Buchten zeigen. Die wollen wir jetzt suchen gehen. Die eine ist in der Nähe von Albufeira, eine andere bei Lagos. Albufeira schauen wir uns auf einem kurzen Spaziergang an. Der Stadtstrand liegt direkt unter dem Dorf, umgeben von hohen Klippen und mitten drin auch noch so ein grosser Stein. Bildhübsch. In einem britischen Café bestell ich mir Toast mit pikanter Sardinenpaste, jammi, ist das fein, zum Nachmachen fein!
Die Bucht St. Raphael finden wir auf anhieb und sie ist genial. Unglaublich schön. Unser Stellplatz ist auf einer Anhöhe unter Pinien. Wir sehen die ausgewaschenen Felsen, welche zerklüftet und steil am Meer stehen. Überall führen ausgewaschene Pfade durch riesige Agaven hinunter ans Meer. Nach Fuzeta hätten wir sowas nicht erwartet. Vor allem erstaunt uns, dass hier keine Camper sind. Wo sind die denn alle? Ok, wenn zu viele hier wären, wäre es ja auch nicht mehr lustig, aber grad gar keine? Wir verstehen es nicht.  Dann gehört halt alles uns alleine hier! Das heisst, natürlich erst am Abend, wenn alle gegangen sind. Und das sind heute nicht wenige, denn es ist Samstag. Obwohl Hunde am Strand verboten sind, lotse ich den Kleinen am Rand der Bucht runter. Er bleibt ja auch unter dem Schirm im Schatten und schläft meist die Siesta gründlich aus. Am späteren Abend haben wir dann Platz, um mit ihm zu spielen. Die Leute, die noch da sind, haben Spass, ihn beim Spiel zu beobachten.
Das Meer hat hier riesige, teils 20m tiefe Löcher aus dem Sandstein geschliffen, welche man von oben bewundern kann. Es geht auf den Sandpfaden überall über die Klippen, immer um diese Abgründe herum, manchmal mit Agaven bewachsen und manchmal sieht man sogar den sandigen nassen Grund. Der Sandstein leuchtet in der Abendsonne wunderschön. Farbschattierung zwischen gelbem und rotem Ocker machen die Gegend hier sehr fotogen.
Die Nacht ist ruhig. Ausser am Morgen ist mal wieder kurz Chill-Out bei der Jugend angesagt. Glücklicherweise genug weit weg und nur für kurze Zeit (nicht so wie in Malaga Est, wo wir um 5h mit Musik in Discolautstärke aus dem Bett geholt wurden und erst wieder eine gute Stunde später Ruhe einkehrte).
Den Sonntag verbringen wir ähnlich wie am Samstag. Wir stellen fest, dass es morgens immer bewölkt ist; sich aber am Mittag die Wolken verziehen und es wieder strahlend schön wird. Das Klima empfinden wir insgesamt milder als in Spanien. Aber mal abwarten.
23. Juni 2003, Albufeira - Praja de Furna, Figuera (Südküste Algarve)
Portugal wird immer schöner (v.a. wenn man fliegen kann)

Obwohl es sehr schön ist hier in Albufeira möchten wir noch mehr sehen von der Küste Portugals. Vor allem die Westküste soll eine wild und schön sein.
Von Albufeira aus fahren wir westlich der Küste entlang nach Lagos. Auch hier wieder ist die Küste wild zerfurcht und teilweise fallen die Klippen steil und hoch ins Meer. Es werden Touristenausflüge per Boot zu den Grotten angeboten. Aber 20 Euro scheint uns zuviel für den Spass. Und ein wenig sieht man auch von oben in die Grotten rein. Dahinschwimmen wäre schöner. Zorro macht das beinahe: er rutscht am letzten Treppenabsatz aus und fällt ins Wasser. Die leichte Brandung spült ihn gleich um die Ecke aber er kommt schnell wieder zurückgeschwommen und klettert, mit meiner Hilfe, wieder raus. Schon wieder beneiden wir ihn, wie er sich bei der Hitze immer wieder auf praktische Weise abkühlen kann.
Unsere Kondition scheint nachzulassen, die Treppe von der Bootsanlegestelle am Meer hinauf zum Klippenrand schaffen wir nur mit viel Gestöhn und fliessenden Schweissperlen. Sobald man aber wieder oben ist und dem Wind ausgesetzt wird es angenehm.
Immer wieder treffen wir jetzt auf Tourbusse, welche die Massen heranchauffieren. Die Algarve scheint wirklich eine begehrenswerte Feriendestination zu sein. Auch die Villen hier sehen nach starker Einwanderung aus.
Wir fahren weiter Richtung Salema. Dort soll es ein Fluggebiet geben und die Holländer vom Campingplatz meinten, es gäbe dort einen hübschen Campingplatz.
Aber vorher fahren wir noch an die Praja de Porto de Mos. Hier soll scheinbar auch geflogen werden. Ich bereite das Mittagessen vor, während Dominik die Startplätze abchecken geht. Es dauert auch nicht lange und zwei Flieger sind über unseren Köpfen. Wieder einmal wird Dominik von der Luft aus gezeigt, wo er am Besten starten kann. Ohne Tipps geht das hier nicht. So leicht und sanft das Fliegen im Küstenwind ist, so anspruchsvoll sind hier die Starts und teilweise auch Landungen. Während ich den Tisch decke, sehe ich, wie Dominik startet, aber kaum abhebt und auch schon wieder an der Beach unten landet (olala, he, hier in Portugal ist das Landen generell auf dem Strand verboten!). Der andere Pilot macht eine gewagte Landung weiter hinten, wo es mehr Steine als Sand hat (ich sehe ihn schon im Wasser), kommt aber trockenen Fusses wieder nach vorne, um Dominik zu zeigen, wo er besser starten könnte.
Ich entschliesse mich, Dominik helfen zu gehen. Zwar muss ich Zorro fast mitschleppen, denn es ist eigentlich schon Siesta-Time und für seine Begriffe viel zu heiss an der Sonne, aber, ich habe das Gefühl, ohne meine Hilfe, kriegt er in diesem Gestrüpp den Schirm nie richtig in Position. Er kriegt den Schirm doch alleine gebüschelt und zieht ihn auch hoch, aber der Wind ist so stark, dass er nicht nach vorne kommt, wo es abheben würde. Da muss ich wohl stossen gehen... Die Leute hinten in den Häuschen haben wohl ihren Spass beim Zusehen, wie ich Dominik langsam nach vorne schiebe, der immer wieder nach links oder rechts ausbrechen will. Und dann, endlich, hebt er ab.
Glücklich und zufrieden kehrt er dann irgendwann nach einer Stunde oder so zurück und wir können unser Mittagessen zufrieden (nach getaner Arbeit...) geniessen.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit der Weiterfahrt zu unserem ursprünglichen Ziel: Salema.
Auf der Suche nach einem Nachtplatz treffen wir auf ein deutsches Pärchen, welche den Abend bei einem Glas Wein auf einer Picknickdecke über den Klippen geniessen. Fliegen ist eh nix, es ist schon zu spät und der Wind stimmt auch nicht gerade. Die beiden haben Spass an unserem Zorro und von ihnen bekommen wir dann auch den Tipp für die Praja de Furna bei Figuera, wo es scheinbar schön ruhig und einsam sein soll. Ok, dorthin fahren wir also. Zwar ein bisschen schwer zu finden und gerade mal so knapp befahrbar (vor allem die Überquerung eines ausgetrockneten Flussbeetes!), aber dafür gediegen abgelegen. Während die letzen Strandbesucher zusammenpacken und gehen, spazieren wir am Meer entlang und finden nun mittlerweile beide, das Portugal je länger je schöner wird.
Zur Übernachtung sind wir ganz alleine da. Kein Mensch weit und breit, so schön..... (ha, denkste!)
24. Juni 2003, Praja de Furna (etwa von 1h bis 5h morgens)
Nachtprogramm UnterweX: Drogendealern auf der Spur

Kaum haben wir uns so richtig schön in unsere Schlafsäcke reingekuschelt, da fährt ein Jeep an uns vorbei und das in zünftigem Tempo und mit vollem Scheinwerferlicht. Und dann noch einer. Beide fahren raus auf die Beach und schreien da in der Gegend herum. Wir versuchen zu schlafen. Kaum ein Auge halb zu, fährt einer der Jeeps zu uns rauf, lässt einen raus und fährt ins Land hinein. Der Typ schleicht sich um unser Auto herum, fasst aber nichts an. Ok, weiterschlafen. Dann muss Zorro mal raus, ich mit ihm. Kaum sind wie wieder drin, kommt wieder ein Jeep und hält vorne am Rande der Beach an. Es ist dunkel und ich sehe nicht viel. Typen steigen aus und sprechen leise miteinander. Das sind wohl Fischer, die hier einen grossen Braten riechen! Irgendwann muss Zorro schon wieder (hat Durchfall, der arme Kleine) und als wir da so stehen, ich nur im T-Shirt, fährt schon wieder ein Jeep vom Strand rauf, volles Tempo, volles Licht. Verdammt, ich werde langsam wütend. Hat man denn hier keine Ruhe. Diese Fischer! Ich setz mich mit der Taschenlampe und einer Zigarette in den Stuhl und fluche leise vor mich hin. Wenn jetzt einer dieser Typen zu mir kommt, dann zünde ich dem ins Gesicht und scheisse ihn zusammen, egal ob auf Schweizerdeutsch oder Englisch oder wie auch immer, aber ich bin stinksauer. Doch es ist still. Als ich wieder im Bett liege, beobachte ich, wie zwei Typen beim Jeep in unserer Nähe leise miteinander reden und dann einer über das trockene Flussbett schleicht. Ich frage mich langsam, was das ganze soll. Dominik ist mittlerweile auch halbwach und meint, das seien wohl Fischer, die hier eine Fehde austragen. Und dann plötzlich hören wir einen Schuss, gleichzeitig strahlt eine starke Lampe jemand an, der im wilden Zickzack auf's Meer zuläuft. Oh Mann, die schiessen aufeinander! Und wir sind hier mittendrin! Wir liegen auf dem Bett, haben die Türe offen, bloss das Moskitogitter vorgezogen und versuchen die schattenhaften Bewegungen zu deuten. Dauernd rapportiere ich Dominik, was ich meine zu sehen. Und wie wenn's noch nicht genug wäre, kommt noch ein Jeep, hält neben dem anderen, noch zwei Typen steigen aus. Und dann meinen wir, unseren Ohren nicht zu trauen, als wir das Repetieren von Maschinengewehren hören, etwa drei oder vier! Langsam und möglichst leise machen wir die Türe zu und schauen nur noch zum Fenster raus. Ich versuche, zu erkennen, was das für Jeeps sind, vielleicht ja von der Polizei, aber ich kann es nicht recht erkennen, weiss auch gar nicht, wie es aussähen müsste! Unten an der Beach passiert etwas, wir sehen es aber nicht, sehen nur, wie Personen immer wieder runterschleichen und zurückkommen. Einmal sehen wir auch ein Boot an den Strand kommen.
Auf einmal kommen vier Typen zu unserem Auto und kicken uns an, was wir hier machen. Wir fragen zurück, wer sie sind, ob von der Polizei? Sie meinen, ja klar (!). Zeigt mit der Taschenlampe auf seinen Overall, der in meinen Augen nicht gerade überzeugend aussieht. Die anderen drei haben T-Shirts an, alle vier stehen mit ihren Maschinengewehren in den Händen da und uns wird ziemlich komisch. Sie fragen uns, ob wir was gesehen hätten, Dominik gibt sofort bereitwillig Auskunft, ich aber traue denen nicht so recht. Sie sagen uns, wir sollen wieder ins Auto steigen und die Türe zumachen. Wir sollen nicht gehen? Nein, nein, dableiben und reingehen! OK. Ok.
Im Laufe des Morgens erkenne ich dann auch, dass es sich wirklich um Polizeiwagen handelt, es kommen immer mehr Autos an die Bucht runter. Polizisten in Zivil. Keiner kümmert sich um uns.
Irgendwann am morgen, als es bereits hell ist und jede Menge Polizei um uns herumsteht, getrauen wir uns wieder raus. Ich muss ja schliesslich mit dem Hund mal Gassi gehen. Sie haben damit kein Problem. Überhaupt kommt mir die ganze Szenerie irgendwie kurlig vor. Dass die uns hier einfach stehen lassen und sie uns nicht verdächtigen, irgendwie damit zu tun haben? Na ja, Ok, so unseriös sehen wir ja nicht gerade aus, aber immerhin sind wir hier und sollten wohl besser nicht hier sein. Später am morgen vernimmt uns einer dieser Herren und fragt, was wir wann gesehen haben. Leider können wir nur Ungenaues sagen, denn es war zu dunkel und zwischendurch sind wir wohl auch eingeschlafen, sodass wir das ganze hin und her von Autos kaum rekonstruieren können (auch was ich hier im Bericht schreibe, ist vielleicht nicht genau in dieser Reihenfolge passiert).
Irgendwann dann fahren sie einem grossen Jeep, der sichtlich schwer beladen ist, von der Beach hinauf zu uns und laden Pakete aus, wie man sie vom Film her kennt: Drogenpakete, auf jedem steht 30 kg! Sie fahren mindestens drei Mal und bringen insgesamt wohl mindestens 1 Tonne Material vom Strand herauf. Der Haufen wird grösser und grösser - wir staunen nicht schlecht. Offensichtlich haben sie eine grosse Menge ergattern können. Auch ein Gefangener sitzt in einem Auto.
Später lesen wir in der Zeitung, dass an zwei verschiedenen Buchten insgesamt 16 Leute festgenommen und total 4,5 Tonnen Haschisch beschlagnahmt wurden! Wow!
24. Juni 2003, Figuera - Sagres - Praja de Cordama (bei Vila do Bispo)
Wilde Klippen und feines Essen

Unser "Etappenziel" heisst Sagres, welches der südwestlichste Teil von Portugal ist. Dieser Keil, der sich weit ins Meer hinauslässt, steht auf riesig hohen Klippen. Sicherlich hat diese Ecke einen historischen Hintergrund, den wir aber nicht kennen, weil wir halt immer noch keinen Portugalführer haben. Egal, es hat sowieso zu viele Touristen.
Kurz nach Sagres finden wir die eine Bucht, die sich Dominik aus dem Internet als mögliches Fluggebiet herausgesucht hat. Nach einiger holpriger Fahrt gelangen wir zu einer traumhaften schönen Bucht (wie oft hab ich das wohl schon geschrieben?). Aber wirklich, sie ist sagenhaft schön. Links und rechts ziehen sich hohe Klippen in vielen verschiedenen Schattierungen in den Himmel. Am Strand liegen schieferfarbige Felsen, wie Dominosteine hingekippt und leuchten anthrazit in der Sonne. Jene, welche der Flut ausgesetzt sind, überzieht ein giftig leuchtendes Grün: wohl eine Alge, welche rasenartig wächst. Das Farbenspiel ist sensationell! Ich hoffe, die Fotos werden was!
Ein Deutscher, den Dominik schon in Figuera beim Fliegen angetroffen hat, ist auch hier. Sie sind aber gerade am Zusammenpacken. Trotzdem, der Wind ist noch gut und Dominik juckt es in den Fliegermuskeln. Ich gehe mit ihm hoch und schaue ihm dann von oben her beim Fliegen zu. Bin etwa auf der gleichen Höhe mit ihm und kann so gut mitverfolgen, wie er fliegt, auch das Fluggefühl lässt sich von hier aus so richtig schön nachvollziehen. Einerseits macht mich das Fliegen an, es sieht hinreissend leicht und weich aus, andererseits machen mir die Felsen und die Höhe auch Angst. Es ist gut, habe ich es aufgegeben. Es wäre wohl ein permanenter Kampf zwischen Angst und Lust geworden.
In der Bucht hat es ein kleines Restaurant. Sieht nicht vielversprechend aus, eher so touristisch ausgelegt, aber trotzdem wollen wir wieder einmal auswärts essen. Dominik bestellt eine Dourada (glaube, Goldbrasse) und ich Tintenfisch gebraten. Vorher gibt es noch diese leckere Sardinenpaste, zum Essen trinken wir eine ganze Flasche portugiesischen Wein (keine Ahnung mehr, wie er hiess). Zum Abschluss Mandelkuchen, Schoggimuus, Espresso und portugiesischen Brandy. War superfein! Schön, wenn man dann nur gerade 50m bis nach Hause hat!
25. Juni 2003, Praja de Cordama - Monchique - Barragem de Santa Clara (Region Alentejo, südöstlich von Odemiro)
Wunderschönes Portugal

Unsere Reise geht weiter. Wir fahren in die Berge, wollen ein bisschen mehr von Portugal sehen, nicht nur Küste. Die Gegend Richtung Nordwest ist wunderschön. Wir sind beide berührt von dem sanften und abwechslungsreichen Hinterland. Auffällig (für uns), dass hier nicht alles eingezäunt ist wie vorher in Spanien. Es steht nicht an jedem zweiten Baum "Coto Privado". Und, was mir vor allem sehr gut gefällt, jede Menge Bäume, gut durchmischt, immer auch die Strasse säumend. Viele Kleinbauern mit idyllischen Gärten. Die Gegend hat zwar zum Teil die gleiche Vegetation wie im Hinterland von Spanien, aber sie ist immer wieder unterbrochen von grünen Gärten, welche in Mulden und Tälern liegen. Es ist sanft hügelig und die Strasse führt uns auf und ab und um tausend Kurven, bis wir am Stausee von Santa Clara ankommen.
In einem Dörfchen vorher machen wir Kaffeepause und können die Story von vorgestern in der Zeitung nachlesen bzw. aus dem Portugiesischem erraten: wir entnehmen immerhin die wichtigsten Fakten und haben immer noch das Gefühl, wie wenn es nicht ganz real war. Später erzählt uns ein Typ, dass es einem Kollegen von ihm schlechter ergangen sei, der gerade dummerweise in der Nähe eines solchen Einsatzes war: er landete, trotz seiner Unschuld, für 3 Jahre im Gefängnis, alles weg, der Camper, einfach alles! Ups. Ob wir wohl ein Riesenschwein hatten?!
Der Stausee liegt in stählernem Blau vor uns. Ausser einem Wohnmobil, ist kein Mensch hier. Wie geht das? Wir fragen uns das immer wieder. Wo sind all die Camper? Und der Platz hier ist idyllisch. Wir stellen unseren Azzi möglichst nahe ans Wasser, Dominik streift sich Gummihandschuhe über und sammelt den gröbsten Abfall rings um das Auto herum zusammen! Sieht gleich anders aus. Der kleine Aufwand lohnt sich wirklich. Das Wasser ist warm, sicher so 25° und wir geniessen es, wieder mal in so warmen Fluten zu baden und zu sein. Unsere Nachbarn entpuppen sich als Schweiz-österreichisch. Sie ist aus Zürich, kam vor 7 Jahren nach Spanien, er ist aus Österreich und hat ein Bauunternehmen hier in Spanien. Zusammen mit ihrer 3 Jahre alten Sharon fliehen sie die heisseste Zeit im Innern von Spanien. Lustig, wieder einmal Schweizerdeutsch zu sprechen.
Abends wandern wir zum Dorf hinunter und genehmigen uns ein Abendessen. Der Heimweg im Dunkeln hinauf zum Stausee wird dann ziemlich anstrengend. Auch dieses Dorf ist hübsch, sie haben einen Bach oder besser Teich, der voll mit Seerosen und Schilf ist. Alles ist sauber und ordentlich hier. Die Häuschen sind rings um die Fenster und Türen farbig angemalt. So sieht jedes doch wieder anders aus.
26. Juni 2003, Barragem de Santa Clara
Süsswasservergnügen

Wir verbringen den Tag am See mit Baden, Lesen, Haare waschen, Rasieren, Gummibootfahren (grosszügig vom Nachbar angeboten), mit Schwatzen und Rumblödeln. Zorro fährt zum ersten Mal im Boot und ist ziemlich aufgekratzt. Als ich ins Wasser springe, muss ich nicht lange rufen und er springt hintennach. Auch wenn er so klein und irgendwie erbarmungswürdig aussieht, kann der Kleine wie ein Weltmeister schwimmen.
27. Juni 2003, Barragem de Santa Clara - Praja de Melides (Alentejo, nördlich von Sines)
Von Bucht zu Bucht

Zorro hat immer noch Durchfall. Es ist bald kein Zustand mehr. Ich muss was unternehmen. Also koche ich Reis und wir beschliessen, ein anderes Hundefutter zu kaufen. Kann sein, dass er die grosse Menge Eiweiss, welche im Welpenfutter ist, nicht mehr verträgt, weil er ja vorher auch kein spezielles Welpenfutter hatte.
Heute ist Freitag, eine Woche seit Suzana die Bücher abgeschickt hat und wir hoffen, sie sind in Sines angekommen. Wir fahren also dahin, wieder in tausend Kurven rauf und runter. Die Gegend ist so bezaubernd. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir mehr Zeit für Portugal eingeplant. D.h. eigentlich war Portugal gar nicht auf unserem Plan. Aber nun sind wir hier und bekommen halt für den Moment mal eine Idee von diesem Land, was sich lohnen würde, es in Ruhe und mit viel mehr Zeit nochmals besuchen zu kommen.
Leider sind die Bücher in Sines noch nicht angekommen. Shit. D.h. Montag nochmals hier herkommen. Wenn sie dann immer noch nicht da sind, dann müssen wir uns was einfallen lassen. Na, abwarten.
Die nächste "Fliegerbucht" heisst Melides. Hier ist der Atlantik schon ziemlich heftig. Die Brandung entsprechend wuchtig und hoch. Der Platz, wo wir parkieren ist von vier oder fünf Beizen "umzingelt". Ausser uns sind hier auch noch etliche andere Campers. Es scheint, die Saison geht nun los. Natürlich lockt auch das Wochenende die Leute an die Strände. Obwohl wir gewarnt wurden, dass es in der Nacht laut werden könnte, blieb es ruhig und wir schliefen gut.
Als wir ankamen, hatten wir Zoff mit einem anderen Hund. So ein kleiner hypersexueller Rüde, der unbedingt Zorro bespringen wollte. Hätte Zorro vorher am Strand nicht gekotzt, hätte ich ihn einfach machen lassen, ich meine, hätte ich zugelassen, dass sich Zorro selbst seiner Haut erwehrt. Aber so wollte ich nicht, dass er sich die Seele aus dem Leib rennt. Der Rüde wurde immer frecher, wollte sogar ins Auto reinsteigen und kroch Zorro in die kleinste Ecke nach. Ich versuchte alles, um ihn wegzuscheuchen, doch vergebens. Erst als Dominik meinen Wanderstock ziemlich rabiat einsetzt, zeigt es Wirkung. Allerdings kassieren wir schockierte Blicke von unseren Nachbarn. Egal, wenn der Köter es nicht anders checkt und nicht schnallt, dass er Leine ziehen soll, dann muss er es halt so spüren. Immerhin nützt es und er bleibt uns fern. Ich hätte das nicht fertiggebracht auch wenn es ganz klar nötig war.
28. Juni 2003, Praja de Melides - Areas Brancas (Alentejo, nördlich von Sines)
Cooles Fliegen, harte Landung

Am Morgen geniessen wir das nackte Sonnenbaden am Meer. Die Dünen dahinter sind von einer immens vielfältigen Flora überzogen. Der Atlantik ist wirklich schön. Er ist gewaltig und die Pflanzen, die hier wachsen, zeugen von ihrer Widerstandskraft mit Dornen, dickem und dichtem Blattwerk, viele sind Sukkulenten, welche wasserspeichernde Blätter haben. Eine weisse Lilie steht einsam mitten in den wehrhaften anderen Pflanzen. Ein Pflanzenkreis aus kleinen dornigen Agaven mit orangeroten Blüten leuchtet aus dem Sand und dem Blaugrün der anderen Pflanzen heraus. Sagenhaft.
Dominik möchte noch die andere Flugbucht ansehen gehen und so fahren wir wieder ein Stück zurück Richtung Sines. Hier hat die Gemeinde den Parkplatz hergerichtet. Wir sind wohl wieder in einem Naturpark und das Campen wäre nicht gestattet. Wir werden's trotzdem hier probieren. Kaum hat Dominik den Starplatz ausgecheckt kommt auch schon ein Typ, der ebenfalls fliegen will daher und Dominik ist glücklich. Fliegen und dann auch noch nicht alleine. Was ist wohl schöner für ihn? Der Wind ist allerdings ziemlich stark. Der Schirm wird am Strand unten aufgezogen, dann geht es ein paar Schritte rückwärts die Düne hoch und schon ist er in der Luft. Dominik fliegt auf der Kante der Düne in beiden Richtungen dem Strand entlang. Ziemlich weit weg von unserer Beach hatte er dann einmal das Problem, dass er von einer starken Böe ins Lee getrieben und dann ein Stück über die Düne geschleift wurde. Glücklicherweise und dank Helm und Kombi verletzte er sich dabei nicht, konnte anschliessend wieder am Strand unten starten und weiterfliegen.
Ich nutze den Nachmittag, um diesen Bericht endlich fertig zu schreiben. Wenn mehr als drei, vier Tage vergehen, ohne dass ich zum Schreiben gekommen bin, dann wird die Rekonstruktion schwierig. Aber jetzt bin ich ja wieder einigermassen à-jour.
Vom Gleitschirmflieger Carlos aus Lissabon und seiner Frau Helena, welche ebenfalls fliegt und einen kurzen Startversuch hatte, bekommen wir bei einem Bierchen viele Tipps zum Fliegen. Wenn wir also auch keinen Führer für Portugal haben, so haben wir wenigstens ein paar gute Destinationen zum Fliegen.
29. Juni 2003, Areas Brancas
Verregneter Sonntag

Die Nacht war ungestört. Ausser etwa 20 Fischern, welche am Strand unten die Nacht verbrachten und einem Wohnmobil waren wir alleine hier.
Schon bald fängt es an zu regnen. Auch die Nacht war relativ kühl. Es wird ein regnerischer Sonntag, an dem wir rumhängen, viel schlafen und besseres Wetter abwarten. Der zum ersten Mal im Einsatz stehende Regenschirm geht auch gleich in die Brüche. Es windet zu stark. Später, als der Regen und der Wind nachgelassen haben, machen wir einen Spaziergang durch die Dünen und den Pinienwald. Es tut gut und ich bewundere die hartnäckige Vegetation hier. Auch die Einsamkeit und ihre Ruhe ist für mich ein Genuss. So verbringen wir hier den Tag, ohne gross was zu tun.
Zorro habe ich heute beobachtet, wie er das Bein hebt. Es sieht ziemlich unbeholfen und komisch aus, aber es ist eindeutig ein Markieren. Also ist er jetzt auf dem besten Wege ein Mann zu werden! ;-) Wie lange geht es wohl, bis er den Weibern nachjagt?
30. Juni 2003, Areas Brancas - Cabo Espichel (Alentejo, südlich von Lissabon)
Fehlende Bücher - kurze Bilanz

Am Montagmorgen packen wir unsere Sachen zusammen, um nach Sines reinzufahren. Hoffentlich sind die Bücher endlich angekommen! Doch nein, schon wieder Pech. Nun denn, wir wollen und müssen weiter und ich lasse die Post weitersenden zu einem ziemlich weiter nördlich gelegenen Ort, in der Nähe eines Flugmekkas. Nach Kaffee und Schoggigipfeln kehren wir um und fahren wieder nordwärts. Dominik will noch den anderen Startplatz ansehen, der hier sein soll: Praja Aberta Nova ist ebenfalls schön. Sogar ein Restaurant hätte es hier gehabt und die Dünen sind über längere Strecke hin regelmässig hoch, sodass ein Fliegen hier wohl noch cooler gewesen wäre. Aber was soll's, alles kann man ja nicht fliegen. Und ausserdem ist das Wetter heute nicht mehr fliegbar.
Die Küste hier unter Lissabon ist wieder einmal endlos lange. Mit einem Fährboot setzen wir von Troja aus über nach Setubal. Alles ist hier grün. Wahrscheinlich regnet es hier ab und zu. Wir fahren raus Richtung Leuchtturm Cabo Espichel und finden einen Platz auf den Klippen hoch über dem Meer.
Wir haben frisch eingekauft und so gibt es heute Abend Trutengeschnetzeltes mit Lauch und Reis. Oh, ist das fein! Und der portugiesische Wein schmeckt toll dazu. Insgesamt überzeugt der Portugiesische sowieso. In Spanien waren wir nur beim Rioja sicher, guten Wein zu kriegen. Hier ist er durchs Band fein, obwohl wir nie mehr als 3 Euros pro Flasche ausgeben.
Wir geniessen den Abend und ziehen Bilanz über die vergangenen 3 Monate. Spannend zurückzublicken: wir haben viel erlebt, noch mehr gesehen, etliches gelernt, ab und zu gestritten, uns immer wieder gefunden und finden es noch immer spannend, in diesem kleinen Camper durch die Gegend zu tingeln. Vieles ist doch neu und immer wieder ist man gefordert, sich an die Umstände anzupassen. Wir werden sehen, wie und wo es nach dem Sommer weitergeht. Im Moment freue ich mich wahnsinnig in die Schweiz zurückzukehren, meine Familie und meine Freunde wiederzusehen.
1. Juli 2003, Cabo Espichel - Fonte de Thela (Alentejo, südlich von Lissabon)
Soaringmekka

Vom Cabo aus fahren wir nur etwa 20 km weiter nördlich. An der gleichen Küste, welche Costa da Caparisa heisst, gibt es nochmals ein Fluggebiet. Ideale Klippen, immer etwa gleich hoch, ohne Unterbrüche ermöglichen, bei Westwind, ideale Soaringmöglichkeiten. Wir fahren die Strasse runter und sehen auch zwei am Fliegen. Wir fahren unten der Beach entlang auf der Suche nach einem Aufstieg, doch finden wir nichts. Erst als uns ein paar Leute von oben Zeichen geben, dass man rundherum fahren muss, steigen wir wieder ein und fahren retour. Oben stehen schon eine Menge Autos und im Laufe des Nachmittags wird das ein richtiger Run: Jede Menge Volk, aber viele sind trotzdem nicht in der Luft. Dominik fliegt denn auch bis zum Mittag, kommt runter für ein Sandwich und geht gleich wieder in die Lüfte. Ich schaue ein Weilchen zu, hole den Laptop aus dem Auto und setze mich mit einem Campingstuhl unter einen Pinienbaum, um den letzten Bericht fertig zu schreiben. Es nimmt immer ziemlich viel Zeit in Anspruch, aber es macht enorm Spass und gibt mir irgendwie ein gutes Gefühl. Vielleicht ermöglicht das Reflektieren eine Art Ordnung schaffen oder ein Erfassen vom ganzen Geschehen. Egal, auf alle Fälle, tut es gut und befriedigt.
Dominik ist der letzte der Flieger, die runterkommen, dann stellt der Wind ab. Viele der Einheimischen haben das Küstensoaren grandios im Griff, sie kennen die thermischen Verhältnisse und das Gebiet, was ihnen ein spielerisches Umgehen ermöglicht. Die einen machen ständig Tuch & Go (Ungeschickteerweise am Startplatz), die anderen kratzen mit ihren, äxgüsä, Ärschen über die Klippenkanten. Cool anzusehen. Dominik ergötzt sich am freihändigen Fliegen und mit Schaukeln im Wind.
Es sind auch noch am Abend etwa 20 Leute auf dem Startplatz, in der Luft aber sind jeweils nicht mehr maximal 10 Leute.
Zum Übernachten fahren wir runter ans Ende der langen Beach. Während dem Eindunkeln fahren die Fischer mit ihren Booten raus. Vom Land aus, fahren Traktoren der Beach entlang und ziehen dann die Netze mit riesigen Winden wieder an Land. Es geht fast die ganze Nacht lang so durch. Jede Menge Traktoren und Leute, die den Fang reinholen. Dominik, der oben schläft, wo es viel ringhöriger ist als unten, hat dann auch eine entsprechend unruhige Nacht.
2. Juli 2003, Fonte de Thela - Lissabon (Alentejo)
Vier-Stern-Campingplatz mit Eichhörnchen

Wir beratschlagen lange und immer wieder, ob wir Lissabon anschauen gehen sollen oder nicht. An sich haben wir einen guten Tipp für einen schönen Campingplatz in Stadtnähe und das Wetter ist angenehm. Die leichte, immer wieder nur kurzfristige, Bewölkung wäre gerade das Richtige für einen Stadtbummel.
Also, wir versuchen es. Wenn wir den Campingplatz finden, so ist es gut, ansonsten fahren wir weiter.
Gefunden! War kein grosses Problem, da er eigentlich ganze nahe der Autobahn liegt, was man dann leider auch voll mitkriegt. Das ist aber auch der einzige Mangel, den dieser Platz hat, denn ansonsten ist er wunderschön, top sanitäre Einrichtung, viel Platz, jede Menge Pinienbäume und sogar Eichhörnchen (haben wir aber nur von weitem gesehen, sind wohl nicht so hundefreundlich).
Den restlichen Nachmittag und Abend verbringen wir auf dem Campingplatz. Abendessen gibt es im Restaurant Azzi, denn in der Nähe gibt es nur Shoppingcenter und Autobahnen!).
3. Juli 2003, Lissabon - Vale Grande (bei Coruche, Region Ribatejo)
Lissabon

Eigentlich wollten wir die Stadt per Car mit Führung ansehen (wir haben ja keinen Führer dabei), doch weil wir die Anmeldung verpasst und Dominik ein paar gute Tipps von einem Schweizer, der mit dem Pinzgauer unterwegs ist, bekommen haben, entschliessen wir uns, auf eigene Faust loszuziehen. Per Bus in die City (geht sogar mit Hund, obwohl der Chauffeur an der Endstation meckert, weil wir den Hund am Boden gelassen und nicht auf den Schoss genommen haben!). 
Spaziergänge durch die Fussgängerzone (überall Musik, aus Lautsprechern und aus den Läden) und dann hinüber zur Alfama. Das ist der ganz alte Stadtteil von Lissabon. Er kuschelt sich rings um eine Burg an den Hügel und ist wirklich spannend zu sehen. Dass alles alt ist, sieht man gut, teilweise hat man auch den Eindruck von Verruchtheit (huch!). Die Häuser sind scheinbar wild und chaotisch ineinandergewürfelt. Zig schmale Gassen führen hinauf und hinunter. Treppen, mit Pflastersteinen in Mosaikmuster führen kreuz und quer hinauf zur Burg. Überall wird auf kleinen Kohlengrills Fisch gebraten. Hier ist auch eindeutig das Viertel, wo am Abend die Post abgeht. Fado wird immer wieder angepriesen. In den Gassen sind überall farbige Girlanden aufgehängt. Hier wird wohl nonstop gefeiert.
Fast oben genehmigen wir uns eine Pause mit Blick über die Alfama. Zorro muss gefüttert werden und braucht ebenfalls eine Pause. 




 
Allerdings wird aus dieser Pause nicht viel, den ein anderer junger Hund taucht auf und sein Herrchen dazu. Wir lassen die Hunde auf einem eingezäunten Rasen rumtoben und unterhalten uns mit dem Typen, der Italiener ist, aber seit ein paar Monaten hier in Lissabon lebt und arbeitet. Es ist immer lässig, wie einfach man via Hunde ins Gespräch kommt!
Anschliessend wandern wir hoch zur Burg und geniessen die Rundumsicht über Lissabon. Mir gefällt vor allem der Park ringsherum. Viele uralte Olivenbäume stehen neben Kanonen, überall gibt es Mäuerchen und Nischen, viele lauschige Plätze zum Sitzen und Sein. Blick auf Gärten und Häuser weiter unten im Hang. Ein angenehmer Wind macht den Aufenthalt dort oben zu einem erfrischenden und ruhigen Ort.
Unser Mittagessen wird ein Touristenmenü irgendwo in einer Gasse der Alfama. Es ist sehr gut: Fisch mit Kartoffeln an einer Zwiebel-Tomatensauce. Ein Bier dazu, Dessert und Kaffee, alles für 6.50 Euro pro Nase! Da wir kaum Portugiesisch können ist so eine Bestellung immer ein bisschen Lotto, aber macht ja auch Spass, überrascht zu werden.

Für den Heimweg leisten wir uns ein Taxi. So sehen wir noch einen anderen Teil von Lissabon. In rasanter, teilweise wagemutiger Fahrweise, sind wir in Kürze wieder auf dem Campingplatz und machen uns dann auch schon bald fertig für die Weiterreise. Checkout ist nämlich um sieben Uhr abends. Lissabon ist riesig. An sich müsste man ein paar Tage einsetzen, um einen richtigen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Uns genügt dieser halbe Tag, es war schön, aber genug.

Bevor wir wieder "on the road" sein können, muss noch eingekauft werden. Das übernimmt meist Dominik. Wieder einmal geht es etwa ¾ Stunden, bis er zurück ist. Extrem, was das in so einem Riesenshop für Zeit in Anspruch nimmt. Da geht es in einem kleinen Laden gerade mal halb so lang!
Zum Übernachten fahren wir an einen kleinen See (hatten wieder mal riesig Glück) und geniessen nach Lissabon die Ruhe und Abgeschiedenheit in der Pampa
4. Juli 2003, Vale Grande - Barragem de Montargil (Ribatejo)
Geplante Langeweile
Am langgezogenen Stausee von Montargil finden wir nach langer Fahrt einen einsamen und ruhigen Platz direkt am Wasser. Ein leichter, frischer Wind macht es angenehm, im Halbschatten von Pinien und Eukalyptus rumzuhängen.
In Dörfchen Montargil haben wir uns einen Campingtisch gekauft. Halleluja, endlich können wir aufrecht am Tisch sitzen und geniessen. Wir fühlen uns zwar mehr als Wohnmobiler denn als Camper, aber dieser Komfort ist doch einiges wert. Ich persönlich geniesse das "wohnliche" Gefühl, dass der Tisch unserem Platz verleiht. Dominik findet es, glaub ich, ein bisschen unter seiner Camperwürde (?!). So oder so, er bringt Gemütlichkeit und einen geraden Rücken beim Essen.
5. Juli 2003, Barragem de Montargil - Linhares (Beira)
Gebirge der Sterne
Die Strecke führt genial durch die Serra da Estrela (Gebirge der Sterne, weil denen so nahe). Es hat zwar einen ganzen Tag beansprucht, war aber sehr abwechslungsreich. Riesige runde Felsblöcke, manchmal ganz kurlig aneinandergelehnt geben dem Gebirge einen fast mystischen Charakter. Die Landschaft an sich ist karg, aber die einzelnen Föhren und diese Felsen machen sie trotzdem abwechslungsreich.
Ab und zu treffen sieht man diese wieder instandgestellten Pousadas, herrschaftliche Gasthäuser, welche Salazar, der ehemalige Diktator von Portugal für die militärisch-politische Elite und seine Freunde erstellte. Heute finden sie wieder Nachfrage als erstklassige Übernachtungsmöglichkeit mit historischem Hintergrund. Auf alle Fälle sind sie sehr schön und ehrwürdig.
Die Serra da Estrela ist scheinbar die Wetterscheide zwischen Süd und Nord. Das Klima und somit die Vegetation ändert sich schlagartig.
Als wir in Linhares ankommen, sind wir überrascht, welch hübsches Dorf wir hier antreffen. Das meiste ist nicht so wie vor 800 Jahren. Die Häuser sind aus grobem braunen Granit gehauen und stehen trutzig wie ein Fels selber rings um die Festung, welche zwei hohe Türme hat und um denen den ganzen Tag riesige Schwalbenschwärme kreisen. Erst hinterher erfuhren wir, dass Linhares eines der acht alten historischen Dörfer dieser Region ist.
Der Grund, wieso wir hier herkamen, war ein Tipp zum Fliegen von Carlos und Helena, welche wir an der Küste Areas Brancas, nördlich von Sines angetroffen hatten. Hier in Linhares werden regelmässig Gleitschirm-Wettkämpfe ausgetragen. Und natürlich fahren wir, nachdem wir im Dorf Carlos, der hier die Flugschule leitet, angetroffen haben, zum Startplatz hoch, um zu sehen, ob und wie es fliegt...
Während Dominik mit Carlos und den anderen im Pickup nach oben donnert, fahre ich zum nahegelegenen Campismo rural (ein einfacher, ländlicher Campingplatz mit den wichtigsten Einrichtungen, wie WC und Dusche) und richte mich dort ein. Zur Freude von Zorro sind noch andere Hunde dort.
Hinterher meint Dominik, dies sei der einfachste Flug seit langem gewesen. Sanfte Abendthermik, welche einen zwar nicht in die Höhe bringt, dafür geniesserisch in die Abendsonne fliegen lässt.
6. - 9. Juli 2003, Linhares (Beira)
Fliegen über trutzigem Dorf - Baden in bergwasserkaltem Teichen

Die nächsten Tage geniessen wir die Gegend der Serra da Estrela. Es ist wunderschön hier. Die Landschaft ist sanft und abwechslungsreich. Linares liegt auf einem Hügel vor dem Berg, welcher etwa 1300m hoch ist.
Die erste Nacht verbringen wir, wie gesagt, auf dem Campingplatz, die zweite Nacht irgendwo zwischen zwei Dörfern im Talgrund, die letzten zwei Nächte auf dem Mirador, kurz unterhalb des Startplatzes, wo man einen phantastischen Blick auf Linhares, und übers Land hat, die Abendsonne sozusagen vis-à-vis.
Am Mirador oben haben wir sogar frisches Quellwasser, welches getestet und als ausgezeichnete Qualität beurteilt worden ist. Die Ruhe dort lässt einen Abschalten und Auftanken.
Hinter dem Campingplatz hat es einen kleinen Weiher, welcher vom Berg gespiessen wird. Er ist kühl und wird unser regelmässiger Standort für die Siesta mit Baden vor dem Essen und vor dem Hinauffahren zum Fliegen.
Jeweils vor der Siesta und am späteren Nachmittag bis in den Abend hinein fliegt Dominik, immer vom gleichen einen Startplatz zum Landplatz unterhalb von Linhares. Da der Bergrücken breit gegen Westen ausgerichtet ist und das Land davor gross und flach ist, ist auch die Thermik nicht himmelhochreissend sondern ehr kurzatmig, dafür eben breit und ruhig.  Da Dominik mittlerweile das Starkwindstarten im Griff hat, geht er meist relativ früh raus, ist schon längst oben, wenn die anderen von der Schule oder sonstige "Flugtouristen" kommen. Als wir oben campierten, ist er einfach gleich unten am Mirador gelandet. Cool. So hielt sich auch das Rauf- und Runterfahren in Grenzen.
Einmal wollten wir auswärts essen gehen. Das eine empfohlene Lokal hatte leider zu. Der Effekt war, das wir ziemlich lang durch die Pampa fuhren, bis wir ein anderes Restaurant fanden. Wir bestellten die "Empfehlung vom Chef": vier Fleischsorten. Als wir dies bestellten, hatten wir wohl beide im Kopf, dass es jeweils so "Probiererli" gibt. Doch nein, jedes Mal wurde ein ganzer Topf voll Fleisch serviert. Zuerst verschiedene Wurstsorten und fettige knorpelige Schweins-irgendwas, dann ein Topf voll mit Rindsfleisch, dann Wildschwein und dann nochmals sowas... beim letzten haben wir abgewinkt. Sicherlich waren das ganz typische portugiesische Spezialitäten, aber bei uns ist das nicht so gut angekommen. Wir sind aber auch selbst schuld. Erstens, hatte man uns gesagt, ein halbe "Dose" (Portion) zu bestellen und zweitens wissen wir ja, dass zuviel Fleisch uns eigentlich nicht behagt. Jänu. Unseren Spass hatten wir, weil wir mit der Kopftaschenlampe essen mussten, um überhaupt zu sehen, was in unseren Tellern liegt.
Im Dorf Linhares gibt es das Lokal Mimosa, welches von Helena geführt wird. Es ist wohl eine Art Taverne und empfängt das halbe Dorf, angefangen bei den Babys (natürlich mit ihren Müttern) über die Gleitschirmpiloten bis hin zu den Alten und "Schrägen". Nie wurde ich so herzlich bewirtet wie dort. Helena ist wirklich grossartig und eine Art Mama für alle! In früheren Zeiten hat sie sogar die telefonische Wetterfee für die Piloten gemacht!
Linhares werde ich so schnell nicht vergessen. Das kühle feine Wasser, das trutzige Dorf mit der netten Wirtin, die wundervolle Landschaft und die Ruhe über allem. Einmalig. Muriel, die Frau von Carlos, erzählt uns, dass die Winter hier lang und hart sind. Es soll viel Regen und Nebel haben. Wie sagt man: Auch ein eine Goldmedaille hat zwei Seiten!
Der Guide ist in Celorico da Beira angekommen. Schon seit dem 1. Juli lag das Paket hier und hat auf mich gewartet. Scheinbar ist es einen Tag, nachdem wir in Sines waren, dort angekommen. Aber das Porto, Suzana, ist ja höllisch teuer! Aber was soll's, wir sind froh, endlich ein bisschen Information zu Portugal zu haben und das eine Hundebuch habe ich natürlich in kürzester Zeit verschlungen!
10. Juli 2003, Linhares - Vila Pouco de Aguiar (Nähe Vila Real) (Douro)
Portweinlandschaft des Douro

So, auch der schönste Ort muss wieder verlassen werden. Immer wieder heisst es Abschied nehmen. Aber das nächste Fluggebiet wartet ja bereits. Weiter nördlich, in der Nähe von Montalegre findet der europäische Wettkampf statt. Dieses Spektakel wollen wir uns mal anschauen. Vorher geht es aber noch bei Peter und Andrea vorbei, welche in der Nähe von Chaves ein Häuschen haben und uns noch zu Bücher Balmers Zeiten eingeladen haben. Herzlich gern nehmen wir jetzt die Einladung an. Morgen werden wir wohl dort eintreffen.
Vorerst ist aber noch eine ziemliche Strecke zu bewältigen. Es geht über teilweise schlechte und kurvige Strassen nördlich Richtung Douro-Gebiet. Die schnell zunehmende Zivilisation in dieser Gegend schockiert mich ein wenig. Mir gefällt es gar nicht, so viele Häuser, so viele Menschen. Ich spüre, dass ich es genossen habe, in der Natur zu sein und weit ab jeder grossen Stadt. Zurück in der Flut der Menschen erinnert es mich auch ans Zurückkehren in die Schweiz. Bis jetzt habe ich mich darauf gefreut, denn es bedeutet, liebe Menschen wieder zu sehen und heimatliche Gegend. Doch jetzt wird mir schlagartig bewusst, dass es auch heisst, zurück ins "normale" Leben zu kehren, mit dem üblichen Stress und Alltag! Puh, wie schön man das verdrängen kann, wenn man ausserhalb von diesen Gesetzen ist.
Der Douro empfängt uns nicht gerade anmächelig. Mittagspause ist dringend nötig und es ist verdammt heiss. Zeitweise erreicht das Thermometer 40°. Nach einem kühlen Bad im Stausee bei Peso da Regua nimmt uns die Weinlandschaft aber doch gefangen und wir entschliessen uns, weiter dem Douro entlang und ein wenig westlicher nach Norden zu fahren. Der Entschluss lohnt sich. Das riesige Anbaugebiet des Portweines ist grandios. Soviel Wein, so viele Hänge, so steil, Wahnsinn. Wir sehen auch die Tafel zur Abfüllerei bzw. Exporteur Sandeman, der bei uns so bekannt ist. Es ist aber auch ein richtiger Heizkessel, die Temperaturen steigen und steigen. Als wir in einem Dorf Halt machen, um einen Kaffee zu trinken, steigen wir gleich wieder ein: viel zu heiss!
Wir fahren durch die Weinberge hoch zu einem Hochplateau, wo es endlich auch wieder weniger Häuser hat. Die Gegend wird wieder natürlicher und urwüchsiger.
Auf einer Bergkuppe stellen wir unser Auto auf einen schönen Platz abseits der Strasse. Die Föhren geben noch ein wenig Schatten, bis dann die Sonne glutrot untergeht.
Schon lange schlafe ich an jedem Ort gleich gut. Ich habe mich daran gewöhnt und fühle mich sicher und geborgen im Auto. Ein Hund zu haben, bringt es mit sich, dass an Ausschlafen nicht mehr zu denken ist. Zorro weckt mich regelmässig bei Sonnenaufgang. Obwohl ich fürs Leben gerne schlafe, geniesse ich mittlerweile die frühen Morgenstunden. Dafür schlafe ich am Abend auch immer gleich ein. Gut, dass Dominik oben schläft, so hat er wenigstens seine Ruhe und wird nicht immer gleich von uns geweckt. Manchmal tönt allerdings das aufgeregte Trippeln von Zorro höllisch laut in der Morgenruhe.
11. - 13. Juli 2003, Vila Pouco de Aguiar - Tresmundes (bei Chaves, Nordportugal) (Tras os Montes)
Besuch bei Peter und Andrea

Den Vormittag verbringen auf unserem Platz mit Rumhängen und Spazieren. Dominik macht eine Spritztour mit dem Fahrrad und ich schreibe noch über die letzten Tage. Gerade eben hat noch der Schwager von Dominik angerufen und wir haben abgemacht, den 1. August bei Ihnen in Frankreich zu verbringen. So steht der grobe Reise- und Terminplan fest. Das lässt ans Heimfahren denken und macht ein bisschen melancholisch. Aber jetzt freu ich mich erstmal auf Peter und seine Freundin. Freu mich aufs Schwatzen und Tratschen (hätte nicht gedacht, dass ich das vermissen würde).
Die beiden haben ein Haus am Rande von Chaves auf der östlichen Bergkuppe mit einem Wahnsinnsblick gegen Sonnenuntergang aufs Tal und Chaves. Das Dorf Tresmundes ist klein, und viele sind Portugiesen, die in der Schweiz gearbeitet haben und nun zurückgekehrt sind. Vor 14 Jahren günstig erstanden, immer wieder was daran gemacht, steht es an einem genialen Standort und bietet den beiden und auch ihren Freunden und Verwandten einen erholsamen und abgeschiedenen Ort zum Ferienmachen und Abschalten.
Wir finden es riesig nett, dass wir, obwohl wir eigentlichen beide nicht so gut kennen, bei Ihnen ein paar Tage verbringen dürfen.
Wir werden mit feinster "Schweizer" Aprikosenwehe empfangen! Ach, gute alte Schweizerküche!
Ich kenne Andrea eigentlich kaum, aber ich hatte sie ein bisschen schlanker in Erinnerung. Als dann Peter uns bestätigte, dass sie bald eine Familie seien, war dann alles klar. Ja, ja, der "brave" Gogo! Wer hätte das gedacht! Da können wir nur gratulieren und nebenbei staunen, wie fit und unkompliziert Andrea, trotz sechsmonatigem Bäuchlein ist!
Wir verbringen die Zeit mit viel Schwatzen, leckerem Essen auf dem Platz hinter dem Haus mit Blick aufs Tal und Sonnenuntergang, coolem Billardspielen (das Wohnzimmer ist ein Spielzimmer(!Neid!), grossen Diskussionen, einem Ausflug zu einer Praja, welche sich dann leider eher als Düngertümpel entpuppte, Kurzvisite von Chaves und natürlich auch Wäsche waschen. Es ist ungewohnt, wieder einmal in einem Bett zu schlafen und es ist zudem extrem warm. Aber gediegen ist es und ich schlafe wie ein Murmeltier. Es ist aber auch sensationell ruhig hier. Der Wald ringsherum ist ein wunderschöner Mischwald. Milane und Schwalben (oder sind es nun Turmsegler) fliegen in der Abendthermik. Abgesehen von lästigen Wespen, die es aus unerfindlichen Gründen auf Andrea (gleich zwei Stiche in zwei Tagen) und Zorro (der hatte fast einen Kollaps, hat sich dann aber schnell wieder erholt) abgesehen haben, ist es herrlich schön.
Nach zwei Tagen Sommerhitze schleicht am Sonntagmorgen ein herbstlicher Nebel den Hang hoch. Aber schon am Mittag, als wir losziehen, um zum oberen Dorf zu wandern, kommt die Sonne in alter Frische hinter den Nebelschwaden hervor und heizt ganz schön ein. Wir entdecken sogar einen Starplatz für Paragliders, der ganz offensichtlich frisch präpariert wurde. Vermutlich wegen des nahe stattfindenden Weltmeistercups.
Besondere Erwähnung verdient Andreas Küche: sie ist genial lecker!
Nochmals, ihr Lieben, vielen herzlichen Dank, ihr seid megagrosszügig! Ich hoffe, ich werde mich irgendwann mal revangieren können!
14. Juli 2003, Tresmundes - Montalegre (Tras os Montes)
World Paragliding Championship 2003

Als wir am Montagmorgen losziehen, haben auch sie ihren umgebauten VW-Bus bereit, um ans Meer zu fahren.
Sie werden noch ein Openair besuchen und dann wohl ein bisschen früher als wir wieder in der Schweiz sein.
Die Fahrt in die Berge ist wunderschön. Es wird je länger je heimischer. Ausser dass anstelle der Schweizer Bergtanne Föhren stehen.
Im Fluggebiet von Montaglegre findet die diesjährige Weltmeisterschaft der Paraglider statt. Cool, dass wir per Zufall hier sind. Das Fluggebiet ist riesengross. Die verschiedenen Startplätze relativ weit voneinander entfernt, ebenfalls der Landeplatz. An der Informationsstelle bekommen wir Hinweise, wo wir den heutigen Startplatz finden können. Auch sehen wir per Zufall das Schweizer Nationalteam, welches wir dann oben beim Abheben beobachten können. Für Normalos wie Dominik ist der Wind zu stark, um ebenfalls abzuheben. Im Laufe des Mittags legt er sogar noch einen Zahn zu.
Wir essen auf dem oberen Startplatz Mittag und beobachten die Flieger aus dem windgeschützten Auto. Der Starplatz hier oben ist ja sowas von exquisit: allerfeinster Rasen, gleichmässig abfallend und sehr gross. Fast schon ein Golfplatz! Das wär was gewesen, von hier aus zu starten und vielleicht sogar beim Toplanden ein Burzelbäumchen zu schlagen! Na, auf alle Fälle geniesst es Zorro, dies zu tun. Er sputet in sichtlichem Genuss über die Grünfläche und ist kaum zu bremsen.
Unten im Dorf wollten wir eigentlich auf den Gratiscampingplatz. Doch der tolle Campingwart hat das Tor mit Kette gesichert und ist wohl irgendwo am Rumsumpfen. Keiner kann raus und vor allem können wir nicht rein.
Ok, dann gehen wir halt zuerst mal die Feierlichkeiten beäugen und dann sehen wir weiter. Die ganze Welt ist versammelt! Von Südafrika über Mexiko und Neuseeland, fast alle östlichen europäischen Länder, Korea und Japan und ach, einfach von überall. Jedes Team etwa zwischen eins bis zehn Leute. Bevor aber alle Mannschaften nacheinander zum Festplatz hochlaufen, bringen Bauern zwei massige Stiere auf den Platz unterhalb und lassen sie aufeinander los. Meine anfängliche Abneigung verwandelt sich in Respekt, als uns ein alter Mann via Dolmetscherin erklärt, dass so ein Kampf nicht gerade wie heute nur eine Minute dauern kann, sondern auch schon mal sieben Minuten. Die beiden Stiere haben lange Hörner, eine Rasse, die es scheinbar nur hier gibt, wie auch diese Art von Kampf, so erklärt uns der alte Mann. Der Kampf ist, wie gesagt, nur kurz. Die Stiere handeln bestimmt, aber unblutig aus, wer hier der Stärkere auf dem Platz ist. Der Schwächere verzieht sich wieder in seine Ecke. Scheinbar wird bei jeder Festlichkeit dieser Stierkampf dem Publikum vorgetragen. Dann spielt die Jugendmusik auf: hier sind das Kids mit Dudelsack und Tamburin.  

So marschieren alle Teams und die Zuschauer hinauf zum Festplatz, wo jedes Team auf die Bühne muss und vorgestellt wird. Das ganze ist ziemlich fad bzw. stier. Wir ziehen uns wieder zurück. In einer Pizzeria bekommen wir leckere Pizzas für je 5 Euro. Als wir wieder beim Camping sind, ist der Platz natürlich noch immer verschlossen. So ein I.... Die Wetterprognose für morgen hat Regen angesagt. Also wird hier eh nichts mit Fliegen oder Flugwettkampf. Wir beschliessen zum nahegelegenen Naturpark Peneda-Geres zu fahren. Am Barragem machen wir Halt für die Nacht. Die Wolken hängen tief und die Temperatur sinkt auf 15°.

15. Juli 2003, Barragem do Alto Barragao -NP Peneda-Geres (Tras os Montes) 
Nebel und Regen

Es ist kalt. Der Himmel ist völlig verhangen, also, definitiv kein Flugwetter. Im Nebel fahren wir zum etwa 50km entfernten Nationalpark Peneda-Geres. Die kurvenreiche Strecke nimmt ziemlich Zeit in Anspruch und es ist kurz vor Mittag, als wir im Büro der Parkwächter Unterlagen zum Wandern im Nationalpark erhalten. Viel ist es allerdings nicht. Gerade mal zwei Touren sind offiziell gekennzeichnet und entsprechend dokumentiert. Mit dem Auto fahren wir nach oben zum Aussichtspunkt. Von dort aus machen wir nach dem Mittag mit Regenponcho ausgerüstet einen Spaziergang durch den Wald und hinauf zu den runden Felsformationen. Der Weg wäre wunderschön. Es geht durch Farnheiden, rauf und runter, um Felsen herum, welche wie arrangiert dastehen. Der Regen wird aber immer heftiger und wir werden langsam, trotz Poncho, ziemlich nass. Zorro allerdings hat seinen Spass. Wir entschliessen uns, wieder runterzufahren, und im Dorf auf den Campingplatz zu gehen.
Der Campingplatz wäre ideal, wenn es so richtig heiss wäre. Terrassenförmig angelegt mit vielen kleinen Plätzen, ideal zum Zelten und vielen alten Bäumen, liegt er am Bach unten und ist wohl auch im Sommer, d.h. wenn es heiss ist, immer angenehm kühl. Doch bei diesem Wetter kann er seine Qualitäten kaum entfalten. Die Plätze saugen sich mit Regen voll und auch als der Regen endlich nachlässt, tropft es noch lange von den Bäumen.
Nach dem Abendessen geht Dominik das Geschirr abwaschen. Er kommt mit sauberem Geschirr zurück, im Schlepptau zwei Schweizer Girls. Silvia und Bettina sind komplett durchfroren. Ihr Abendessen haben sie auf dem Kocher beim Waschplatz zubereitet. Dominiks Einladung, bei uns einen heissen Kaffee zu nehmen und sich aufzuwärmen haben sie wohl ziemlich dankbar angenommen. Sie haben eine Riesenfreude an Zorro und wir quatschen über dies und das. Besuch ist immer willkommen. Bei Kaffee, Wein und Schweizer Schokolade (noch von Peter und Andrea!) "tauen" die beiden langsam auf. Sie sind für zwei Wochen in Portugal per Rucksack unterwegs und haben sich so allerhand vorgenommen. Schade für sie, dass es regnet, denn sie sind extra in den Norden gefahren, um diesen Nationalpark zu bewandern.
16. Juli 2003, NP Peneda-Geres (Tras os Montes)
Zeitkontrolle im Nationalpark

Am Vormittag machen wir die erste dokumentierte Wanderung. Sie ist hübsch, aber wir werden im nassen Farn wieder durch und durch nass. Trotzdem, mir gefällt es, so im Wald rumzustiefeln. Da die Wanderung einfach war und relativ kurz, fahren wir weiter, ganz in den Norden des Parks, bis an die spanische Grenze. Dort gibt es eine Wanderung, welche in unserem Portugalführer steht, entlang dem Rio Homem.


Der letzte Strassenabschnitt durch den Nationalpark wird speziell kontrolliert. D.h. man erhält ein Zeitticket und muss innerhalb von 15 Minuten am anderen Ende angekommen sein. Anhalten darf man nicht. Das ganze wurde zum Schutz der Natur so eingerichtet. In unseren Augen ist das ziemlich komisch und halbbatzig. Die Kontrollhäuschen wirken denn auch irgendwie daneben. Aber egal, natürlich halten wir uns an die Regeln und fahren bis zum anderen Kontrollort, um dann per Fuss ein bisschen zurück zu laufen, zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Es ist kalt, obwohl die Sonne langsam wieder durchkommt. Der Rio Homem wird des öfteren auf Portugals schönsten Naturbildern gezeigt. Ähnlich wie die Maggia im  Tessin hat das Wasser die Steine und Felsen glattgeschliffen und zum Teil tiefe Becken, mit türkisschimmerndem Wasser hinterlassen. Der Weg ist hübsch und führt endlos lange am Fluss entlang bis zu einer Wolframmiene. Da der Weg aber immer im gleichen Stil zu diesem Ziel führt, kehren wir nach etwa 2 Stunden um, um weiter unten den Fluss selber zu geniessen. Die Felsen sind warm und das Wasser wunderbar anzusehen.
Innerhalb des Parkes gibt es auch einen Stausee. Dorthin wollen wir, um einen Übernachtungsplatz zu finden. Der Weg führt wieder durch Sperrgebiet mit Zeitticket. Eine wunderschöne Strecke mit Bäumen, die tief über die Strasse hängen. Es wirkt überhaupt wie ein Urwald und es kommt uns wieder einmal kein Mensch entgegen. Römische Meilensteine erinnern an die frühere Anwesenheit dieser Riesenmacht. Da die Strasse aber in elend schlechtem Zustand ist, haben wir einiges länger als nur eben die 15 Minuten. Das Girl im Kontrollhäuschen kümmert das aber wenig und wir fahren weiter zum See. Der Platz, den wir finden bietet einmaligen Blick in die Berge und über den See. Schade nur, dass man drinnen sitzen muss, denn es ist verflixt nochmal kalt wie im Schweizerischen Herbst!
17. Juli 2003, NP Peneda-Geres - Barragem do Alto Barragao (Tras os Montes)
Wanderung zu den Bärenfelsen

Die zweite dokumentierte Wanderung führt uns hinauf zu den Bärenfelsen, den "Sihlos Ursos". Es ist wunderschön, kaum zu beschreiben. Wir treffen auf wilde Pferde, durchlaufen Farnhaine, einen jungen Mimosenwald und immer wieder erstaunen einen die Felsen, welche teilweise wie Wächter oder versteinerte Urtiere hier stehen und keine Zeit kennen.
So, nach dieser Wanderung wäre jetzt ein Bad fällig. Wir fahren hinunter ins Tal, wo noch ein anderer Stausee ist und nehmen ein kurzes, aber erfrischendes Bad. An einer Haltestelle füllen wir unseren Wasservorrat auf. Hier ist es übrigens ganz normal, dass das Wasser aus den Quellbrunnen getrunken wird. Viele PW's und LKW's halten an, um ihre PET-Flaschen aufzufüllen. Und das Wasser, echt, ist supergut!
Da das Wetter endlich wieder so ist, wie man es sich fürs Umherziehen und Fliegen wünscht, nämlich sonnig und warm, will Dominik nochmals zurück nach Montalegre. Die Weltmeisterschaft dauert noch bis 27. Juli.
Nun können wir auch die phantastische Bergwelt des Nationalparks aus der Ferne bewundern. Die Strasse nach Montalegre führt quasi auf der gegenüberliegenden Talseite am Park vorbei. 
Als wir hinfuhren herrschte ja so dichter Nebel, dass wir davon gar nichts sahen. Nun sind wir ziemlich beeindruckt von diesem schönen Park und seinen teilweise doch hohen Bergen.
Beim Stausee Alto Barragao suchen wir wieder unseren alten bewährten Standplatz am See auf. Morgen werden wir dann die letzten Kilometer nach Montaglegre hinter uns bringen.
18. Juli 2003, Barragem do Alto Barragao - Montalegre Campingplatz (Tras os Montes) 
Startverschiebung und Diskussion über Eigenständigkeit

Am Morgen herrschen gerade mal 6°! Puh, sind wir hier im Süden oder im Norden? Ich muss unbedingt mal die Breitengrade checken, verflixt, und so hoch sind wir hier ja auch nicht. Vielleicht 700müM oder sind es mehr? Und dauernd hört man noch von zuhause, dass es ein Jahrhundertsommer sei, mit Temperaturen über 30° und anhaltendem Schönwetter! Na prima, und wir frieren hier. Haben Socken und Jacken montiert, essen drinnen und lassen am Morgen die Standheizung laufen! Ja, ja, das Camperleben kann manchmal schon hart sein ;-).
Wir fahren zum Headoffice und finden den Internetraum leer. Alles ist scheinbar auf den Startplatz hochgebracht worden. Hoppla, das wird ja spannend. (Später erfahren wir dann, dass sie extra eine Telefonleitung den Berg hochgezogen haben!).

Ok, wir fahren also auch hinauf zum Südplatz, obwohl eher Westwind herrscht. Kabäuschen mit Kaffee und Kuchen, Bierzelte, Toiletten und eben auch die Internetecke sind eingerichtet. Wir platzieren uns am Rande des Startplatzes, der wie im vorigen Bericht beschrieben, eher wie ein Golfplatz wirkt, und warten auf Infos zum Take-Off. Doch immer wieder wird es verschoben. Der Wind ist ziemlich stark und irgendwann erfahren wir dann auch, dass abgesagt worden ist. Wir fahren noch runter zum Westplatz und schauen den Schweizern zu, wie sie abheben. Ja, der Wind ist wirklich stark und es ist cool zu sehen, wie sie aufziehen und rausgehen und sich ziemlich sicher durch die Lüfte bewegen.
OK, vielleicht ist ja morgen Wettkampfwetter! Wir fahren also runter und stellen unser Auto neben dem Wohnmobil von Horst und Marlies auf den Gratis-Campingplatz. Marlies habe ich schon bei der Eröffnung angetroffen und dann nochmals auf dem Startplatz oben. Nun lernen wir auch noch Horst kennen. Er fliegt auch. Schon seit zwölf Jahren. Solange reist er auch schon rum. Er hat viele Wettkämpfe besucht und kennt die Szene ziemlich gut. Die beiden haben zusammen schon die halbe Welt gesehen und sind offensichtlich richtige Routiniers. Wir setzen uns nach dem Abendessen zusammen und haben einen witzigen Abend. Horst ist Fan von Zorro. Er hat selbst schon Hunde gehabt und würde wohl Zorro am liebsten gleich behalten. Marlies zeigt mir die Bilder ihres Hundes Poco und Fotos aus früherer Zeit. Sie kennt sich toll mit Kräutern aus und wird von Horst als Kräuterhexe bezeichnet. Mich beeindruckt vor allem ihre Selbständigkeit.
Sie bleiben während den zwei Wochen Weltmeisterschaft hier auf dem Campingplatz. Der Camper ist in dieser Zeit ihr festes Zuhause. Er geht meist mit den anderen Fliegern zum Startplatz hoch, fliegt und kommt am Abend wieder her. Sie unternimmt in dieser Zeit dies und das. Hat sich beim Touristenoffice alle wichtigen Informationen geholt, um die Zeit hier zu planen und was unternehmen zu können. Allerdings geht sie auf eigene Faust los. Sie hat keine Hemmungen, alleine loszuziehen, sei es, um eine Stadtbesichtigung zu machen oder wandern zu gehen. Hut ab, ich finde diese Eigenständigkeit cool und beeindruckend.
Über die Vor- und Nachteile von wegen Wohnmobil oder Camper kommen wir auf die Tatsache zu sprechen, dass Dominik und ich uns wohl trennen, wenn wir zurück sind. Als ich sage, dass wohl das Fliegen uns auseinander gebracht hat, muss ich sogleich korrigieren. Denn die Probleme aus diesem Umstand waren nur quasi Symptom. Unser gegenseitiges Nichtverstehen ist eher die eigentliche Ursache.
Nebst diesem psychologischen gibt es aber ein ganz sachliches Problem, was mir aufgrund des Treffens mit Marlies und Horst klar wurde. Ich konnte während den Zeiten, wo Dominik flog, kaum meine Selbständigkeit wahren. Wenn ich Dominik manchmal zwei Mal am Tag zu einem Startplatz hochfahre, oder wenn erst im Laufe des Tages entschieden wird, ob überhaupt geflogen wird und der Zeitpunkt solange offen bleibt, bis er wirklich draussen ist (und dann weiss ich ja noch lange nicht, wann er wieder runter kommt), dann lassen diese Umstände es kaum zu, mir einen eigenen Tagesablauf zu gestalten. Ich war zwar immer irgendwie bemüht, etwas in den Zwischenzeiten zu unternehmen. Aber es hat sich herausgestellt, dass ich so kaum was organisieren oder gar was Grösseres unternehmen kann. Die Zeiten, die ich zur Verfügung hatte, um eigenständig was zu unternehmen, fielen meist in den heissen Nachmittag, wo es beim besten Willen nicht mehr lustig ist, z.B. Wandern zu gehen oder ein Dorf anzuschauen. Und so kam wohl auch darum des öfteren in Zeiten des Fliegens Missstimmung auf. Wenn ich, wie heute z.B., durchsetze, dass er am Morgen entscheidet, was ist, sodass ich den Tag für mich gestalten kann, dann hat Dominik das Problem, dass er den Camper nicht in der Nähe hat, dass er, unter Umständen irgendwo in einem Fluggebiet hängen bleibt und sich anderen anschliessen muss, vielleicht sogar von irgendwo irgendwie per Anhalter zurück muss. Und vermutlich ist es nicht das, was er sich vorgestellt hatte. Ok, was soll's. Ich verschone euch mit allzu vielem Gejammer über unsere Beziehungsprobleme, sie gehören wohl kaum in einen Reisebericht. Auf alle Fälle wurde mir im Gespräch mit Marlies so einiges klar. An sie werde ich wohl des öfteren noch denken und mir ihre selbständige Art vor Augen halten, wenn es gilt, selbst selbständiger zu werden! Und da hab ich wohl noch einiges zu lernen!
19. Juli 2003, Montalegre Campingplatz (Tras os Montes)
Wieder kein Wettkampf

Am Morgen spazieren wir vom Campingplatz zum Dorf hinauf. Bevor wir ins Headoffice gehen, um die Infos zum heutigen Flugtag zu holen, genehmigen wir uns einen Kaffee. Dann wollen wir eigentlich noch unseren letzten Bericht vom Internetraum der Organisation aus verschicken, doch die Verbindungen werden immer lahmer und zu guter letzt macht es gar keinen Wank mehr. Also muss das noch eine Weile warten. Wir treffen Horst, quasseln und spazieren zusammen zurück um Camping. Mit Marlies und Horst fahren wir hoch zum Startplatz West. Allgemeines Rumhängen. Nicht mal der eine oder andere geht raus, oder sonstige Plauscherei. Nur Rumsitzen, Rumpalavern, Rumwerweisen und Warten auf Startdurchgabe. Doch der Wind ist wieder bzw. immer noch stark. Wir gehen runter zum Auto und machen Mittagspause. Dann um 14 Uhr wieder rauf zum Startplatz. Hier herrscht immer noch dieselbe Stimmung. Und das alles in ziemlichem Starkwind. Ok, mit Fliegen ist wohl heute eh nichts, ich möchte gerne runterlaufen. Das Auto können wir ja, sollte Dominik, wider aller Winde, doch noch zum Fliegen kommen, am Abend irgendwie holen gehen. Als ich losziehen will, kommt Marlies dazu. Sie hat die Zeit am Berg oben genutzt, um Tagebuch zu schreiben. Also marschieren wir gemeinsam den Berg hinunter. Der Weg dauert drei Stunden, ist aber auf dem unteren Teil wunderschön. An einer Kapelle machen wir Halt im Schatten und bei frischem Wasser und geniessen die Pause in der abgeschiedenen Stille. Am Abend bin ich dann ziemlich müde, aber sehr zufrieden.
Allerdings muss ich dann lange warten, bis Dominik kommt. Er ist doch noch zum Fliegen gekommen. Leider hat er sich bei einem Starkwindstart den Finger ein wenig gestaucht. Den Abend lassen wir bei einer jammi Pizza im Dorf vergehen.
20. Juli 2003, Montalegre Campingplatz - Montalegre Mirador (Tras os Montes) 
Drei-Dörfer-Wanderung und ein Platzwart als König

Als wir am Morgen diskutieren, was los ist, frage ich Dominik, ob er vielleicht Mitte Strecke zum Berg das Auto stehen lassen könnte, sodass Marlies und ich, den schöneren Teil nach oben wandern könnten und dann mit dem Auto den Rest nach oben fahren würden. Als er einwilligt, bin ich ganz überrascht. Es scheint ein akzeptabler Kompromiss für ihn zu sein. Wunderbar!
Marlies und ich beschliessen, via drei Dörfer zum Auto zu gelangen. Die veranschlagten drei Stunden reichen dann allerdings hinten und vorne nicht aus. Wir kommen erst so um 5 Uhr an! Aber die Wanderung war schlicht der Hammer! Apropos Hammer: Unser idiotischer Platzwart hatte am morgen wieder die Kette vorgelegt. Als wir rausspazierten, war da ein Lastwagenchauffeur, der offensichtlich reinwollte, aber nicht konnte. Also nahm er, ganz die Ruhe selbst, einen Vorschlaghammer hervor und schlug das Ding mit zwei Schlägen auseinander! Voilà, so geht es auch. Recht hat er. Wieso auch diese idiotische Kette!
Auf unserer Wanderung hat mir Marlies ein Lied vorgesungen, welches ich dann mit der Zeit auch mitsingen konnte, nur leider, kann ich es jetzt schon nicht mehr! Horst, wenn du diese Zeilen lesen solltest, dann bitte, bitte, frage Marlies, ob sie mir das Lied nicht zusenden könnte! Das wäre superlieb! (Zwischenzeitlich habe ich sie ja bekommen! Vielen lieben Dank!

Auf dem Weg zum Startplatz kamen wir an einem Stierkampf vorbei. Das mussten wir uns nochmals ansehen. Wie schon am 14.07.03 beschrieben, geht so ein Kampf unblutig vonstatten. Auch dieser war in etwa 15 Sekunden vorbei.
Trotzdem ist es aufregend, denn die Tiere sind gewaltig, haben riesige lange Hörner und die Leute stehen nicht hinter einer sicheren Abschrankung, sondern um die Stiere herum. 
Ein alter Herr erklärte mir auf französisch, dass es ungefährlich sei, denn es finde jedes Wochenende so ein Kampf statt und die Tiere seien eh an die Menschen gewohnt. Und das konnte man wirklich sehen. Erstaunlich! Wenn der wollte, dann könnte er..... aber er tut es nicht. Gott sei Dank!

Auf den Startplätzen finden wir unsere Männer nicht, und es herrscht Nordwind, vielleicht Nordwest. Also fahren wir wieder zum Campingplatz hinunter. Ich muss das Auto draussen hinstellen, denn die Kette, wohl eine Neue, ist wieder dran! Verflucht! Da kommt auch schon Dominik und wir genehmigen uns erstmal ein Bierchen. Der Campingwart, ein junger Typ, kommt dann irgendwann mit der Kette an und verschwindet im Lokal. Als dann aber Dominik das Auto holen gehen will, kommt er wieder ohne zurück und ist völlig verärgert. Schon wieder hat der Platzwart seine grossartigen und dummen Reden von wegen "I have a business to run" geschwungen und will scheinbar nicht auftun oder halt eben nur, wenn man zuerst mal seine Reden anhört. Dominik hat den Platzwart mit F... you stehen lassen. Ok. Also gehe ich nochmals nach vorne, um was zu glätten, was mir eigentlich selber zuwider ist, aber auf den Campingplatz möchte ich halt trotzdem. Als ich, ohne den Wart gefunden zu haben, zurückkomme, sehe ich, dass dieser mit Dominik am lauten Referieren ist. Ich gehe hin und hoffe, ich könne einlenken. Aber dieser Schwachsinnige hat doch wirklich das Gefühl, dass wir von seinem Goodwill abhängig sind. Als ich ihm sage, das die Kette doch keine Lösung sei und dass er wohl solche Diskussionen jeden Tag hätte und dass es auch kein Wunder sei, denn es sei ja wie in einem Gefängnis hier, meinte er nur, ich hätte ja keine Ahnung. Er sei vier Jahre im Knast gewesen und ich wüsste überhaupt nichts davon! Hoppla! Vier Jahre, ist ja nicht gerade wenig! Aber egal. Der Kerl kann uns kreuzweise.
Wir verabschieden uns leider früher von Marlies und Horst, als wir wollten. Gerne hätten wir noch mit ihnen geplaudert. Aber den Typen kann ich nicht mehr sehen!
Horst erzählt noch vom Startplatz in Chaves, den wir ja per Zufall mit Andrea und Peter beim Spazieren entdeckt hatten. Der Wettkampf heute hat dort stattgefunden. Es habe aber Chaos geherrscht. Ungeduld und wenig Platz hat die Leute ihre guten Manieren vergessen lassen. Es werden wohl einige Beschwerden bei der Leitung eingehen.
Wir fahren zum Mirador über Montalegre und verbringen den Abend mit tollster Aussicht über die Landschaft und rosigem Sonnenuntergang dort oben.
21. Juli 2003, Montalegre Miradour - Camping beim Barragem do Alto Barragao (Tras os Montes) 
Kapellenhain und Wettkampf in Chaves

Dominik erzählt am morgen, dass in der Nacht ein Auto herangefahren ist, ich habe nichts gehört. Ich habe so einen tiefen Schlaf und das mittlerweile an jedem Ort, dass ich schon selbst darüber staune.
Wir fahren zur Infostelle runter und treffen wieder auf Horst. Das Internet ist noch nicht eingerichtet, aber das Girl vom Dienst holt schnell einen Lappi und schon sind wir "drin"! Der Wettkampf heute findet in Chaves statt. Ich schlage Dominik vor, dass er mit den anderen per Bus dorthin mitgeht und ich den Tag auf meine Weise verbringe. Offensichtlich ist er überrascht, von mir so einen Vorschlag zu hören. Ein wenig verärgert willigt er aber ein.
Ich packe den Hund ins Auto und fahre zur Kapelle hoch, welche ich schon von der Wanderung kenne. Dieser wunderbar abgelegene Ort, wo Stille und Einsamkeit herrscht ist genau das, was ich heute brauche.
Das Auto stell ich unter einen Baum, lege Hundedecke und Picnicdecke auf die Wiese, hole mir frisches Wasser vom Brunnen, Lektüre und schon bin ich im Paradies. Der Tag vergeht so schnell, dass ich nicht einmal dazu komme, loszuspazieren. Um 18h ist Dominik schon wieder zurück und ich hole ihn bei der Infostelle wieder ab.
Endlich hat mal wieder ein Wettkampftag stattgefunden. So wie Dominik erzählt, war es ziemlich spannend, zu sehen, wie so viele Paragliders nach draussen gehen und dann alle diese bunten Schirme am Himmel stehen. Es war ein so genanntes "Race to goal", was bedeutet, dass alle zur gleichen Zeit losgehen und ein bestimmtes Ziel erreichen müssen. Der erste, der dort ist, hat gewonnen. Im Gegensatz das "Speed-Run": Jeder startet mit seiner individuellen Startzeit und fliegt die vorgegebene Strecke möglichst schnell. Der Schnellste gewinnt natürlich. Alles klar! Wie genau die Wettkämpfe verliefen, auf welchen Plätzen die Schweizer sind, kann ich leider nicht sagen. Die Schweizer sind auf alle Fälle gut. Sie konnten heute als VIP starten, dass heisst, sie gehörten zu den 20, die selbst wählen konnten, wann sie raus wollten. Wie der Stand des Wettkampfes ist, wissen wir leider auch nicht, aber man kann es sicherlich im Internet checken.
Dominik kam ebenfalls zum Fliegen. Und der Tag hat ihm wider Erwarten gut gefallen!
Für die Nacht fuhren wir runter zum Barragem do Alto Barragao, zur Abwechslung mal auf den Campingplatz. Der ist zwar noch nicht ganz fertiggestellt, dafür sind die sanitären Einrichtung noch ganz neu und auch sehr sauber. Auch das finnische Supportteam ist da und wir schwatzen übers Fliegen und so.
Gleich nebenan ist ein Restaurant, welches wir ausprobieren wollen. Ein rundes Lokal mit Pflastersteinen und offenem Holzdach. Vom CD-Player wird Fado gespielt. Fado, von einer Frau gesungen, wunderschön und passend zur ruhigen Atomsphäre. Der Gipfel ist dann noch das Abendessen, dass überraschenderweise sehr gut ist. Eine Portion für zwei: Salat, Reis, Pommes und Rindfleisch (eine Art Voressen mit pikanter Sauce). Das Dessert ist Brot, getunkt in Ei, gewürzt mit Zimt und Zucker. Es war ein schöner Tag mit einem wunderschönen Abend. Wir sind zufrieden und satt. Und es ist unser letzter Tag hier in Portugal!


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Chronologisch geht es hier weiter: Reisebericht Spanien 2003, Teil 5