10. - 15. Mai 2005: Nazare:
Praia Gralha, Praia dos Salgados, Praia de Paredes, Praia Polvoeira
(ca. 120km N
v. Lissabon) -
Fliegen an der Küste der Estremadura
|
Bis
fast nach Lissabon fahren wir auf einer sauteuren Autobahn nordwärts. Von da an
bevorzugen wir die parallel verlaufende Hauptstrasse, welche abschnittsweise in
kläglichem Zustand ist. Vor einem Kreisel haben Lastwagen den Asphalt so
ausgefahren, dass man/wir aufpassen müssen, nicht aufzusitzen! Dafür ist es
landschaftlich eine reizvolle Strecke.
|
|
Irgendwo vor Caldas da Rainha finden wir einen hübschen Platz für den
Mittagshalt. Unser Blick schweift während dem Essen über ein mageres Kornfeld.
Viele weisse Kumuluswolken geben der an sich schlichten Landschaft ein wenig
Dramatik.
|
Kurz
vor Nazare fahren wir zum Startplatz auf der Serra da Pescaria, wie er im
Gleitschirmführer für's Mittelmeer von Oliver Gueney beschrieben ist. Entlang
der Küste verläuft eine ca. 120m hohe Hügelkette. Die Praia dos Salgados
liegt unter uns. Der Wind passt leider nicht. Schade, denn so einen netten und
anfängerfreundlichen Startplatz werde ich wohl nicht so bald wieder vorfinden.
Und der Strand als Landeplatz bietet ja auch enorm Platz. Wäre schon grad das
Richtige für mich...
|
Von
Carlos und Helena, die wir vor zwei Jahren an der Praia de Fonte da Cortico angetroffen
hatten, bekamen wir einen weiteren Tipp an dieser Küste: die Praia
da Gralha. Zwei Frauen konnten uns den Weg dorthin erklären.
|
|
Die Piste, welche von der Serra de Mangues hinunter führt ist extrem steil und
wir zögern einen Moment, da runter zu fahren. Aber der Platz dort unten ist so
einladend, so menschenleer.. Wir können nicht widerstehen und fahren den
rutschigen Weg hinunter bis zu einem kleinen Platz unten am Meer. Ob wir da auch wieder
rauf kommen?
|
Ein
einziger Fischer sitzt am Ufer. Wir stellen unser Wohnmobil so hin, dass wir
möglichst viel von der Abendsonne haben. Während Dominik einen
Strandspaziergang macht, erhole ich mich vom Fahren bei einem eisgekühlten
Kaffee nach griechischer Art.
Später ziehen wir zu Fuss hoch auf den Hügel und spazieren links der Kante
entlang. Den Startplatz entdecken wir auch, aber der Wind ist zu stark südlich.
Er müsste hier schon West oder Nordwest sein.
|
|
Zum Abendessen, das wir draussen geniessen, gibt's Tunfischsteak (ein Novum in
unserer Küche) auf Grün-Curry-Lauch, dazu Reis und einen, leider,
scheusslichen portugiesischen Vino Verde.
|
Ein
Morgenspaziergang führt uns hinauf auf die Klippe links über
"unserer" Bucht. Schön sieht man die Praia da Gralha und weiter
hinten die
Praia dos Salgados.
|
Am
Ende der Klippe sieht man runter auf die Naturbucht der Hafenstadt Sao Martinho
do Porto.
Da der Himmel bewölkt bleibt und der Wind von hinten kommt, beschliessen wir
den schönen Platz in der Praia Gralha aufzugeben und den Badeort Sao Martinho do
Porto zu besuchen.
|
Mein Wohnmobil nimmt die steile Kiespiste souverän unter die Räder. Ein wenig
Bammel hatte ich schon! Aber es zeigte sich, dass ich sogar noch ein bischen
Reserve hatte. Allerdings viel der Gleitschirmrucksack vom Alkovenbett runter in
den Wohnraum. Der ist an die 20 kg und zeigt also, wie steil der Weg
war...
Für andere Wohnmobilisten, d.h. jene ohne Hinterradantrieb, ist dieser Weg
definitiv nicht zu empfehlen.
|
In
Sao Martinho do Porto stellen wir unser Womo am Ende des Dorfes auf den grossen
Platz.
Viele Touris sind nicht unterwegs. Es scheinen einige Schulklassen sich am und im
Meer zu vergnügen. Die eine Gruppe paddelt mit Kajaks in die Bucht hinaus, die
anderen spielen Fussball am Strand.
An mehreren Häusern lassen sich schöne Kachelbilder, sogenannte Azulejos
bewundern.
|
An der hinteren Kaimauer stehen einige alte Häuser, die ich irgendwo um die
Jahrhundertwende ansiedle. Eigenwillig und darum spannend, ganz nach meinem
Geschmack!
Ich lese im
Führer: "Sao Martinho do Porto war früher der Badehort der
Lissabonner High Society. Noch heute hat jeder in der Hauptstadt, der etwas auf
sich hält, hier ein Appartement."
|
Am
Ende des Kais gibt es einen etwa 50m langen Tunnel, der auf die Meerseite
führt. Als wir wieder zurücklaufen kommt uns ein alter Mann entgegen. Seine
Silhouette finde ich derart stark, dass ich ihn ablichten muss. Seine
schiefsitzende Mütze, die weite Hose und die Hände in der Hosentasche wirkt er
wie ein Fischermann aus dem Buche.
|
|
Als wir
auf dem Weg zur Praia dos Salgados am Startplatz vorbeikommen, sehen wir, wie
ein Auto auf dem Parkplatz anhält und zwei Leute mit Gleitschirmsack
aussteigen. Na, klar, der Wind hat gedreht! Und wir haben das im Internet
beinahe verpasst!
|
Wir
fahren also ebenfalls hin und schauen zu, wie ein Schüler mit einem zehn Jahre
alten Schirm startet und
unten auf dem Strand landet. Tja, die Bedingungen sind perfekt, um Schüler
rauszulassen, das ist war... aber ob ich selber auch...? heute? jetzt gleich?
120 Höhenmeter... ohne Funk.. und ohne Helm...? Na ja, eigentlich spricht
nichts dagegen. Auch der gesunde Menschenverstand sagt mir, alles null Problemo!
So einen schönen Wiesenstartplatz und so einen grossen Landeplatz krieg ich so
schnell nicht mehr! O.k. genug gelabert (bin immer noch ganz aufgekratzt, merk's
schon!). Ich mache also einen hübschen Vorwärtsstart, einen nervösen
(wenigstens für mich) Flug (bei dem Zorro mir ganz schön lange und
wahrscheinlich ziemlich doof hinterher schaut!), und eine laaaange (die oben
meinten, ich wolle bis nach Nazare fliegen... ha!) und (klaro ;-)) saubere
Landung. Den Schirm muss ich dafür etwa 100m im tiefen Sand zum Parkplatz
zurücktragen und das ist ganz schön weit mit dem Gepäck!
Der Fluglehrer holt seinen Schüler ab, der kurz nach mir ebenfalls
gelandet ist und nimmt mich netterweise ebenfalls wieder nach oben. Und los geht es
ein zweites Mal. Diesmal mache ich über dem Strand einen hübschen Kreis (suppentellerflach!) und ein wenig Slalom, so dass ich ziemlich genau auf der
Höhe des Parkplatzes landen kann. Hilft schon, genau zu landen, wenn die
Alternative heisst, durch lockeren Sand zu marschieren. Wow! Ich bin heute zwei
Mal geflogen! Und das ohne vorherige seelische Einstimmung oder langer
Betrachtungen der Fliegerei und der Umgebung! So ein Glück ich hab!
|
|
Für die Nacht finden wir in Strandnähe ein nettes Plätzchen mitten in der
grünen Macchie. Als es eindunkelt fängt es an zu nieseln. Die Leuchtkäfer
lassen sich aber von ihrem Hochzeitstanz nicht abhalten.
|
Nazare teilt sich in zwei Hälften. Die eine Dorfhälfte liegt unten am Meer,
die andere oben an der Klippe, verbunden sind sie mit einer Kabelbahn.
Am Strand trocknen die Frauen die Fische, die wohl ihre Männer gefangen haben.
Diese Frauen, ich staune, sind noch genau gleich angezogen, wie man sie auf
alten Fotos sieht. Dicke, mehrschichtige Röcke, Gummistiefel, Kopftuch und
manchmal eine gestrickte
Schulterdecke.
|
An der Praia Vale de Paredes, ca. 12km nördlich von Nazare kommt Dominik noch
einmal zu herrlichem Küstensoaring.
|
Durch den Strand schlängelt sich ein Bach, der aus dem dahinterliegenden Val de
Paredes fliesst. An Wasserknappheit scheinen sie hier nicht zu leiden.
|
|
Ein Autofahrer hat eine grosse Echse überfahren und trägt sie an den
Strassenrand. Ich geh sie mir anschauen und staune. Sie ist äusserlich fast
unversehrt. Sie ist mit Schwanz gute 40cm lang, silbern und grellgrün und hat
ein blaues Muster auf den Bauchseiten. An ihren Backen sind grosse Hautfalten,
vermutlich kann sie diese aufblasen. Jammerschade, dass das Tier dem Autofahrer
sozusagen unter die Räder gelaufen ist. Fotografieren mag ich sie aber
nicht.
|
|
Der Wind wird löchrig und Dominik sauft ab. Wir beschliessen zur Praia dos
Salgados zu fahren. Dort dürfte der Wind, da der Startplatz weiter oben ist,
besser stehen.
|
Bevor
wir südwärts fahren, wollen wir "nur kurz" den Startplatz bei der
Kapelle Vitoria anschauen. Er befindet sich sozusagen auf der
gegenüberliegenden Talseite.
Hoppla, hier passt der Wind wieder bestens! Dominik fliegt raus und kann
sogar soweit überhöhen, dass er die Klippe überfliegen und in die nächste
Bucht, die Praia Polvoeira, fliegen kann.
|
Die
Dünen bzw. Klippen sind wild bewachsen. Es sieht wunderschön aus.
Manchmal denke ich, ein Gärtner könnte die Pflanzen nicht schöner
arrangieren.
|
Stellplatz
an der Praia Polvoeira. Ich fahre mit dem Wohnmobil von der vorigen Bucht
hierher.
Hier scheint auf jeder Klippe ein Startplatz zu sein. Von Südwesten bis
Nordwesten ist jede Richtung vorhanden.
Der Wind steht perfekt und ist passend stark.
|
Nach
und nach tauchen noch andere Flieger auf. Weisse Thermikwölkchen bevölkern den
Himmel und lassen das Blau des Himmels erst recht leuchten. Super Wetter! Und
das nach so einem bewölkten Morgen.
Als wir beim Abendessen sitzen leert sich eine schwarze Wolke über uns und
wascht das Womo sozusagen sauber. Ein richtiger Platzregen, herrlich
reinigend.
|
In der Nacht bleibt es ruhig, nur einmal werde ich vom Regen wach. Meine
Fantasie spielt mir im Halbschlaf Bilder vor, wie der Teil der Klippe, auf dem wir
stehen, ins Meer abrutscht und wir im tiefen Wasser versinken, wie ich Zorro am
Nacken packe, bevor mein Häuschen und all mein Hab und Gut untergeht, wie
arschkalt das Wasser ist und wie wenig ich dabei anhabe. So ein
Gurkensalat!
Ein erneuter heftiger Regenguss weckt uns am Morgen. Tatsächlich können wir
ein immer schneller werdendes Bächlein verfolgen, dass an uns vorbei der
Strasse entlang fliesst. Aber auch wenn wir am Rand der Klippe stehen, genügend
Fels ist hier schon noch vorhanden, also keine Panik, Mädel.
|
Schwarze
Wolken wechseln sich mit weissen ab. Dominik macht einen kurzen Testflug. Aber
es frischt in dem Moment auf, wo er draussen ist und er landet schon bald wieder
mit eingelegten Ohren unten am Strand.
|
An
diesem Strand scheinen Hunde willkommen zu sein. Auch Zorro scheint das Schild
zu gefallen.
|
Ein
wenig deprimiert über den kurzen Flug stiefelt der Meister, in Begleitung
seines treuesten Fans die Treppe hoch zum Womo.
|
Wir
machen einen Spaziergang über die Dünen bis zu dem markanten Felsen und wieder
zurück über den Strand.
Portugals Atlantikküste ist wirklich toll. Ich kann mir ja vorstellen, dass es
hier im Sommer schon auch Volk hat, aber zu dieser Jahreszeit findet man hier
jede Menge einsame Buchten und wild-romantische Flecken.
|
Der
Himmel weiss nicht, was er will. Immer wieder wechselt Licht mit Schatten. Für
das Auge faszinierend. Aber ansonsten ungemütlich und an Fliegen ist natürlich
eh nicht zu denken.
|
Wir
verbringen den Rest des Tages mit Lesen, Schreiben und kurzen Spaziergängen.
Der Wind bläst so heftig, dass der Kühlschrank dauernd klickert und das Womo
hin und her schaukelt. Eigentlich müsste MAN die Stützen runtermachen, wäre
MAN nicht so faul...
Kurlige Muscheln haben sich vermutlich am Korken einer Flasche, welche im Meer
gelandet ist, heimisch gemacht. Die starke Brandung muss sie von einem festen
Platz unter Wasser losgelöst und an den Strand gespült haben.
|
Am
Samstag fahren die "Cracks" ein! Ein Bande junger und ziemlich
unerschrockener Piloten, die im Starkwind ihr Gaudi haben. Wo Normales schön
im "Schärmen" sitzen bleiben und auf ein wenig freundlicheren Wind warten, gehen
die raus und haben auch noch ihren vollen Spass dabei. Auch Dominik mischt da ab
und zu mit. Er ist inzwischen ganz schön starkwindtauglich. Kapriolen jedoch überlässt er den "Locals" und jenen, die's wissen wollen.
|
Auch
wenn der Wind stark ist, so ist er doch recht laminar.
|
Wingovers
über dem Strand sind dabei beliebt. Besonders einer macht seine verrückten
Schwingungen (Waga-waga genannt) ohne jede Skrupel.
|
Ich
erwische ihn sogar (mit meiner lahmen Fotokiste grenzt das an ein wahres
Wunder!) wie er den Strand mit einer Hand berührt. Und es ist dann nicht etwa so, dass
er anschliessend gezwungenermassen unten auch landet. Oh, nein, er fliegt mit vollem Schwung an
die Dünenkante und lässt sich entweder vom Aufwind wieder rauftragen oder
macht sonst ein paar Sätze und zieht sich mit Hilfe des Schirmes ein Stück
den Hang hoch, um immer noch rückwärts eingedreht schon wieder weiterzufliegen.
Krass!
|
Ich
erwische den gleichen Piloten nochmals, wie er auf seinem Kollegen bzw. dessen
Schirm ein Touch-and-Go macht! Frech ist gar kein Ausdruck dafür!
|
Als
Carlos Gil, der Instruktor, den wir an der Praia dos Salgados kennengelernt
haben, einmal im Tandem vorbeifliegt, ruft er, dass er einen Helm im Auto habe.
Als ich ihn später probiere, passt er perfekt. Dass er knallrot ist? Na ja,
immerhin rage ich mit dieser Farbe aus der Masse heraus!
Carlos offeriert mir nach dem Handel einen Tandemflug und ich lehne natürlich
nicht ab!
Da der Wind recht stark ist, starten wir auf der unteren Kante. Etwa drei
Männer halten uns fest, während zwei weitere den Schirm festhalten würden,
sollte er Carlos runterfallen und sich mit uns im Schlepptau aus dem Staub
machen wollen. Ganz schön heftig! Laufen muss ich dafür gar nichts. Sobald
Carlos das Kommando gibt, entschweben wir auch schon in die Lüfte.
Dominik hat vorher die Windgeschwindigkeit gemessen und die war auf guten 30km/h! Es sind nur noch zwei andere Piloten draussen. Aber das passt schon,
denn so haben wir keine Platzschwierigkeiten.
|
Endlich
lerne auch ich einmal das Küstensoaren aus nächster Nähe kennen! Absolut
geil! Vor allem mit einem so geübten Piloten, wie Carlos es ist. Die Jungs hier
kennen ihr Gebiet und das Handling ihrer Schirme an dieser Kante in- und
auswendig. Er macht mit mir Wingovers an der Kante, wobei wir immer wieder wie
die Wahnsinnigen quasi von unten her auf die Kante zusausen, um im letzten
Moment durch sein Anbremsen dort fast bockstill zu stehen, ein Stück nach vorne
zu fliegen und dann wieder im vollen Speed die andere Seite runter und wieder rauf an
die Kante. Wir machen einmal sogar ein Touch-and-Go und landen später präzise
auf dem Parkplatz, wo gleich wieder eine ganze Mannschaft kommt, um uns zu halten
und den Schirm runterzuholen. Puh! Voll geil, voll krass, atemberaubend und ein
wunderschönes Erlebnis!
|
Voll
im Speeder und schaukelt auf dem Parkplatz hin und her also ob er in einer
Schaukel sitzen würde.
|
Das
war ein toller Tag mit vielen spannenden Momenten!
Der Wolkenbogen, der sich
vor die Abendsonne stellt, gibt dem Tag das angemessene und abenteuerliche
Schlusslicht.
Der nächste Tag war wieder regnerisch und starkwindig. Zeit für uns, Richtung
Serra Estrela aufzubrechen!
|
1. Stellplatz an der Praia Gralha: von Lissabon kommend auf der Autobahn A8
Ausfahrt Sao Martinho do Porto. In Sao Martinho do Porto Richtung Markt, dort
weiter geradeaus den Hang hinauf etwa 500m, rechts biegt eine Kiespiste zur
Praia Gralha (Holzschild) ab. Nach 500m auf der Kiespiste geht es steil zum Meer
hinab - Sand (ungeeignet für Vorderradantrieb, man kann aber auch oben an den
Klippen stehen)
Klima und Umgebung: genial einsamer, aber auch wilder Strand,
Klippenspaziergänge, Küstensoaring
Achtung: Strasse runter an der Strand ist sehr steil und nur für Fahrzeuge mit
Hinterradantrieb möglich
Infrastruktur: nada, Wasser gibt es aber überall an Strasse zwischen der Serra
de Mangues und Pescaria
|
2. Stellplatz an der Praia dos Salgados: von Lissabon
kommend auf der Autobahn A8
Ausfahrt Sao Martinho do Porto. Vor der Ortschaft am Kreisel rechts Richtung
Nazare abbiegen. In Famalicao der Beschilderung Salgados folgend rechts
abbiegen. Geradeaus den Hang hinauf bis ganz auf die Anhöhe und auf der anderen
Seite wieder hinab. Unten, anfangs Kreisel rechts in die Sackgasse abbiegen.
Nach ca. 300m kommt linkerhand ein grosser flacher Platz mitten im dichten Grün
- Wiese, fester Boden
Klima und Umgebung: einsamer, dafür ruhiger Platz, Dünenspaziergänge, Küstensoaring
Infrastruktur: nada, Wasser gibt es aber überall an Strasse zwischen der Serra
de Mangues und Pescaria
|
3. Stellplatz an der Praia Polvoeira: von Nazare
nordwärts fahren, nach ca. 10km kommt linkerhand der Abzweiger Richtung Praia
Polvoeira, an der Küste zweites Schild - Sand
Klima und Umgebung: auf erhöhter Klippe stehend, windig, Klippenspaziergänge, Surfen, Küstensoaring
Infrastruktur: nada
|
16. - 19. Mai 2005: Serra Estrela:
Manteigas
(ca. 300km NO v. Lissabon und ca. 80km v. Ostgrenze zu Spanien)
Wandern und Fliegen an der Südostseite der Serra Estrela
|
Über Castelo Branco fahren wir erst gegen Osten und dann nordwärts, um von der
Ostseite in die Serra Estrela zu gelangen. Manteigas ist unser Ziel für die
nächsten Tage. Da es regnet und stark verhangen ist, haben wir kein besonders
tolles Gefühl, als wir ankommen.
Zuerst fahren wir den Skipark an, der wenige Kilometer vor dem Dorf angelegt
ist. Skipark ist der Name für eine Fun-Sport-Einrichtung, wo man Reiten,
Kanufahren, Bogenschiessen, Skifahren, Snowboarden, Gleitschirmfliegen,
Mountainbiken und noch einiges andere mehr machen kann. Für die
Wintersportarten hat es eine Art Rasenpiste, einen kleinen für den Nachwuchs
und einen grösseren mit Schlepplift und Halfpipe für die Snowboarders! Der
Park ist an schönster Lage am Fluss Zezere angelegt und ist an sich hübsch.
Sogar ein Campingplatz steht zur Verfügung. Wir finden allerdings niemanden,
der uns Auskunft wegen der Fliegerei geben könnte. Erst als wir gerade wieder
losdüsen wollen, taucht eine Lady auf, die uns den gewünschten Kontakt
vermitteln kann. Bleiben wollen wir hier aber nicht. Nach einem ersten
Beeindrucktsein von der Anlage wirkt sie doch nicht so "anmächelig",
um hier zu nächtigen.
Also fahren wir rauf und rein nach Manteigas. In der
Bibliothek gibt's gratis Internet, nur warten schon etwa fünf Jugendliche auf
freie Plätze. Also werden wir wohl morgen Vormittag nochmals vorbeischauen!
Nach einiger Rumsucherei finden wir einen netten Platz abseits der Strasse, im
Grünen und doch in der Nähe des Dorfes. Es regnet und regnet und die
Temperatur sinkt auf 10°! Ob es wohl noch verfrüht war, in die Berge zu
fahren?
|
Am
nächsten Ta lacht uns ein blauer Himmel mit schönsten weissen Kumulus an!
Von unserem Nachtplatz aus haben wir über Granitfelsenblöcke und Kirschbäumen Blick
auf Manteigas.
Am Vormittag laufen wir zu Fuss ins Dorf, schauen uns das Wetter für die
nächsten Tage im Internet an und genehmigen uns auf dem Heimweg eine kleine
Flasche portugiesischer Weisswein im Hotel Berne (!).
|
Am
späteren Nachmittag ziehen wir nochmals mit dem Rucksack ausgerüstet los, um
entlang dem Fluss Zezere Richtung Torre (höchster Berg Portugals, knapp 2000m
hoch) zu wandern. Der Weg führt immer leicht bergan, braucht keine grosse
Konzentration, wohin man tritt und ermöglicht uns dadurch die Gegend zu
geniessen.
|
Viele
kleine Häuser wurden liebevoll restauriert und werden offenbar als
Wochenendhäuschen oder Gartenhaus genutzt.
Granit ist hier das prägende Element.
|
Bei
einigen sieht man die alte Methode, das Dach abzudecken. Getrockneter Ginster
wird wie ein Strohdach auf das Dach gelegt und nach unten gebunden. Auch
renovierte Häuser haben dieses "Grasdach". Vermutlich darunter aber
ein Wellblech.
|
Die
Wanderung führt entlang des Zezere. Dort wo eine Brücke darüber führt können
wir das wuchernde Grün im und am Fluss von nahem bewundern. Das Wasser ist
glasklar und sprudelt grosszügig das Tal hinunter.
|
Gegen
Süden wird das Tal immer offener. Schlicht Wunderschön! Die Baumgrenze
liegt hier schon bei 1000müM! Die Granitlandschaft wirkt einerseits unwirtlich,
andererseits ist so viel Leben und so viel Grün im Tal, wo der Bach mäandert,
dass ich regelrecht entzückt bin, ab der sich so harmonisch zeigenden
Natur.
|
Der
Blick das Tal hinunter zeigt, dass sogar hier oben die Landschaft genutzt wird.
Irgendein langstieliges Korn wird hier angebaut. Wir sehen Bauern, die in
mühevoller Handarbeit grobe Erdschollen zerhacken!
Müde und zufrieden kehren wir zu unserem Stellplatz zurück. So schön, eine
Gegend zu Fuss zu erkunden! Ich fühle mich immer sofort heimischer!
|
So,
der nächste Tag verspricht ein Flugtag zu werden. Um zehn Uhr finden wir uns
beim Skipark ein, wo wir und unser Gepäck abgeholt werden sollen. Miguel und
Rodriges empfangen uns und nehmen uns zusammen mit noch zwei Piloten nach oben.
Für mich als Anfänger ist es aber bereits zu spät im Tag. Eventuell ergibt
sich eine Gelegenheit am späteren Nachmittag.
Trotz Meteowind von hinten, allerdings nicht stark, fliegt Miguel und dann
Dominik hinaus.
Auf dem Bild sieht man unten die künstliche Piste des Skiparks!
|
Auf
dem gleichmässig abschüssigen Startplatz liegt ein künstlicher Rasen, der
nicht zuletzt wegen dem Anfangs September stattfindenden PWC angelegt wurde.
Ziemlich luxuriös.
Die beiden anderen Piloten, der eine fliegt in der portugiesischen Liga, gehen
wenig später ebenfalls raus.
Die Leetendenz holt den einen Piloten aber relativ schnell wieder runter. Der
andere fliegt weit bis zum nächsten Gebirgszug.
|
Für
die nächsten zwei Nächte stellen wir uns an den Landeplatz. Miguel konnte uns
eine hübsche Ecke zeigen, wo wir auch nicht von der Strasse gestört werden.
Wir haben Blick auf die beiden Startplätze und den Platz für Aufziehübungen
sozusagen vor der Haustüre.
|
Am
Ende des Landeplatzes steht ein altes Gemäuer. Das Dach ist schon lange nicht
mehr ganz, aber die Mauern halten... und das wohl noch eine weitere Ewigkeit.
|
Der
Bach Zezere lädt zum Bummeln ein. Mit Miguel stolpern wir hier ein wenig herum.
Eile herrscht ja nicht, weil der Abendflug wegen Wind von hinten nicht möglich
ist.
|
Das
Grün im Bach blüht!
|
Wieder ein herrlicher Tag! Schönstes Wetter! Und am Abend zuvor hatten wir
20°!
Wir werden von Miguel abgeholt und fahren zuerst zum Skipark. Dort ist Vitor,
der Chef der Crew. Begrüssen will er uns nicht, er redet gleich mit seinen
Leuten und scheint uns nicht zu bemerken!? Ob wir was verbrochen haben oder sind
wir ihm zu blond? Uguale, Rodriges kommt ebenfalls und wir fahren alle zusammen
in der ungefederten Kiste zum Startplatz hoch. Starkwind! Also wieder runter. Vielleicht
ist ja auf dem tiefer gelegenen Schulungshügel weniger Wind. Doch
leider ist dem nicht so. Er bläst hier genau gleich forsch in die Berge.
Von drei grossen Rasenteppichen, die sie auf dem Startplatz ausgelegt hatten,
ist nur noch einer vorhanden, die anderen zwei wurden offenbar geklaut! Er war
noch nicht richtig befestigt, nur mit Steinen beschwert. Anscheinend fand
jemand, er hätte eine bessere Verwendung für dieses scheussliche aber
praktische Plastikgrün.
Um halb vier kommt Vitor uns abholen und fährt mit uns direkt nach oben zum
Startplatz auf ca. 1200m. Er redet kaum ein Wort und wir vermuten richtig, dass
er weder Französisch noch Englisch spricht. Das wäre eine mögliche
Erklärung, warum er so unfreundlich zu uns ist. Aber was soll's! Allerdings
fragen wir uns, wie er einen PWC managen kann/will, wenn das nicht der Fall
ist?!
Ein Tandem fliegt gerade hinaus und der Apcoflieger, der bereits gestern einen
fünfstündigen Flug hingelegt hat, ist auch schon wieder in der Luft. Er kam
gestern auf mich zu und meinte, er kenne mich von Nazare. Ihn hätte ich
natürlich nicht wieder erkannt, aber den Schirm schon! Es stellt sich heraus,
dass er der Bruder von diesem Wahnsinnigen ist, der die verrückten Acros an der
Beach gemacht hat. Scheint eine ziemlich sportliche Familie zu sein!
Dominik
fliegt raus und hält sich prima in der Thermik, die ihm aber, wie er später
erzählt, immer noch ganz und gar nicht gefällt!
Ich warte zusammen mit einem 72jährigen Piloten, der leider kein Wort Englisch
noch Französisch spricht geschlagene drei Stunden, bis die Thermik soweit
nachlässt, bzw. eigentlich ganz abstellt.
|
Dann ist es soweit. Zorro werde ich Vitor überlassen müssen. Ich hoffe, er
bringt ihn mir wohlbehalten zum Landeplatz!
Ich starte zuerst, bei sozusagen null Wind, und kurz nach mir der alte Mann. Der
dritte Schüler hat Pech. Bei ihm kommt der Wind schon von hinten (!!).
Es wird
ein schöner Flug! Es rüttelt zwar ziemlich über dem Ginsterhügel, so finde
ich ...
|
...und
ich habe schon bessere Landungen hingebracht, aber ich bin ziemlich glücklich,
dass ich endlich zum Fliegen gekommen bin! Immerhin war ich etwa dreizehn
Minuten am Schirm und "vernichtete" dabei ca. 700m!
Rodriges hat mich sicher mit S-Kurven auf den Landeplatz eingelotst. Vorher
liess er mich noch zwei Kreise drehen.
Mein erster Höhenflug seit vier Jahren! Yipiyehyeh!
|
Das
ist der alte Mann, der scheins besser rennt als manch jüngerer und auch sonst
noch topfit ist.
Mit dem Schirm am Rücken fährt er nun auf seinem Motorrad
über die Serra nach Hause. Vor zwei Jahren hat er angefangen zu fliegen. Er
macht zwar nichts Verrücktes in der Luft aber geniesst anscheinend die
Gleitflüge total.
|
Mit Miguel und Rodriges trinken wir ein Bier und verbringen die Zeit, bis Vitor
mit meinem Zorro kommt, mit Schwatzen über das Skifahren in Portugal, den
spanischen Pyrenäen und den Schweizer Alpen.
Zorro ist ganz ausgelassen, als er mich entdeckt. Er scheint aber ganz ok und
offenbar hatten die Herren keine Probleme mit ihm.
Wir überlassen den Alpha, den ich zum Fliegen und Üben hatte, wieder der
Schule und verabschieden uns von Miguel und Rodriges. Vitor rechnet mit uns ab
und wir werden nicht schlau aus ihm, er ist sich offenbar zu gut, um mit uns via
seine Leute zu kommunizieren, ein komischer Kauz! Für uns unverständlich, wie
er so Geschäfte machen kann. Aber das ist nicht unser Problem.
Unser Fazit für dieses Fluggebiet fällt allerdings nicht besonders toll aus.
Für Schulungen finden wir es recht ungeeignet, da der Landeplatz heftige
thermische Ablösungen hat und kein Übungshügel vorhanden ist. Fliegen für
Anfänger ist nur ganz früh am Morgen oder eventuell in der Abendthermik
möglich. Die Thermik für Normalos ist ruppig und unfreundlich und das Gebiet
eher für Streckenflieger geeignet.
|
Stellplatz Ende Dorf Manteigas: in Manteigas Richtung
Seia, nach Überquerung weisser Brücke links Richtung Hotel Berne, nach ca.
500m kommt rechterhand grosser Parkplatz, anschliessend rechts auf Kiesstrasse
abbiegen, nach etwa 100m kommt linkerhand Ausstellplatz - Kies
Klima und Umgebung: sehr ruhig, Blick auf Manteigas, Spazier ins Dorf, diverse
Wanderungen
Infrastruktur: nada, Einkaufen im Dorf, Gratisinternet in der Bibliothek
|
Stellplatz Landeplatz Manteigas: ca. 10km vor Manteigas,
kurz vor Valle de Amoreira geht es links eine Schotterpiste hinunter auf den
Landeplatz (Windsäcke erst nach der Einfahrt sichtbar)
Klima und Umgebung: Trotz der Berge viel Himmel, sehr ruhig, Bach in der Nähe,
Aufziehübungen, Flugschule
Infrastruktur: nada, aber ca. 300m die Hauptstrasse runter Richtung Guarda hat
es einen Brunnen
|
20. - 30. Mai 2005: Serra
da Estrela:
Linhares
(ca. 320km NO v. Lissabon und ca. 15km S v. Celorico da Beira)
Wandern, Baden und Fliegen an der Nordwestseite der Serra Estrela
|
|
Am Morgen unserer Abreise kommt Miguel nochmals vorbei, um uns zu informieren,
dass der Wind heute eh nicht gut sei, Vitor das Auto brauche und sie am Samstag
nach Linhares fahren würden. Passt also schon, wir gehen ja ebenfalls dorthin.
Nett, dass er nochmals extra vorbeigekommen ist!
|
Wir fahren nach Manteigas, kaufen ein und nehmen dann die Passstrasse über die
Serra da Estrela Richtung
Guarda unter die Räder. Herrliches Wetter lässt diese so grüne Ostseite der
Serra von ihrer schönsten Seite zeigen. Ein bunter Mischwald mit Kastanien,
Eichen, Föhren und vielen anderen Bäumen und Sträuchern zieht sich den
steilen Hang hinauf. Oben blühen weisser und gelber Ginster neben weissen und
roten Erikas. Geschliffene kugelige Granitfelsen liegen in skurillen Formationen auf der
Kuppe.
|
Auf der anderen Sierraseite, der Westseite, ist die Landschaft viel karger! Kaum
Bäume, viel Felsen und Macchie. Teilweise wurde der Hang terassiert, um wieder
aufzuforsten.
|
An einem Brunnen füllen wir unsere leeren
PET-Flaschen mit dem ausgezeichneten Quellwasser ab, welches hier auch in
Abfüllereien genutzt wird.
|
An den Plätzen, wo jeweils die Brunnen sind, steht immer ein Steinhaus als Unterschlupf und aus grobem Granit ist ein
Sitzplatz mit Bänken und Tischen eingerichtet. Wirklich wunderschön und urchig
gestaltet.
|
Am Landeplatz von Linhares halten wir an und studieren die neue Tafel, die am Eingang
der grossen Wiese steht. Es steht, dass der Platz zum Landen zur Verfügung
steht, dass man sich aber mit den Autos auf das Auf- und Abladen beschränken
soll. Passt wohl also nicht als Stellplatz?!
Wir fahren hoch ins Dorf und parkieren vor der Burg. Hunderte von Schwalben
umkreisen die Festung, klammern sich an die Felsen, klettern in kleine Nischen
und schiessen dann wieder in die Tiefe hinab.
|
|
Ob wir mit dem Womo durch
die Gassen von Linhares kommen? Wir spazieren mal los und wollen zuerst einmal
bei Helena, der Wirtin von der Cerveseria Mimosa, vorbeischauen. Sie kommt auch
gleich aus dem Haus, als wir ankommen. Sie ist ganz in Schwarz und das
Restaurant ist geschlossen.
|
Sie erzählt uns, dass ihr Mann gestorben sei und
dass das Restaurant jemand anderem gehört und jetzt renoviert wird. Sie zeigt
es uns und wir finden es jammerschade, dass das alte Lokal einer neuen modernen
und seelenlosen Einrichtung weichen musste. All die alten Poster der
Gleitschirmwettkämpfe von Linhares sind weg und die alte Holzbar und grossen
dunklen Holztische wurden entsorgt. So schade! Manches, dass sich ändert,
ändert sich nicht unbedingt zum Besseren!
|
Wir laufen durch die Gassen von Linhares, messen die Breite aus und wagen es
dann, mit dem Womo hindurch zu fahren. Es reicht gerade mal so. Viel breiter
dürften wir nicht sein!
Später finden wir dann heraus, dass die eigentliche Hauptgasse, die durch und
um das Dorf führt die Breiteste ist! Wir hatten das anders in Erinnerung und
darum gar nicht erst ausgetestet. Ha, ha!
|
Am Weiher, der am Rande der Bergstrasse liegt, wo wir vor zwei Jahren immer unser
Mittagsbad genossen haben, werden wir ein drittes Mal enttäuscht! Sie haben
ringsherum einen Zaun gezogen! Somit können wir es vergessen, uns an den Rand zu
stellen. Ganz zu schweigen vom Baden!
Der anschliessende Campingplatz ist leer und geschlossen....?
Oben an der Quelle stellen wir das Womo hin. Dominik geht zu Fuss den Startplatz
besichtigen. Ich warte damit bis später. Als Dominik zurückkommt, berichtet
er, dass Jose, der Franzos-Portugiese, den wir von vor zwei Jahren her kennen,
ihm erzählt habe, dass der alte Startplatz als "Privatplatz"
deklariert wurde und dort nicht mehr gestartet werden darf. Der Landbesitzer wollte auf einmal
Geld für die Nutzung des Terrains. Wohl, weil vorher spekuliert wurde, das Land
teuer für Windmühlen zu verkaufen. Da die Bewohner sich aber gegen die
Windmühlen gewehrt haben, kam das Projekt nie zustande. Die Obergemeinde
Celorico da Beira hat dann kurzerhand auf dem Hang nebenan zwei neue
Startplätze ausgebaggert! Sie sind zwar nicht so perfekt wie der alte, aber
immerhin! So läuft das also. "The only thing who stays the same is
change!"
|
Am nächsten Morgen sitzen wir im dicken Nebel! Puh! Gegen Mittag lichtet er
sich aber und tatsächlich fliegt schon einer! Wir fahren rüber zum Startplatz
und schauen zu, wie ein Familienvater, der drei Jungs dabei hat, die ihm mit dem
Schirm helfen, rausfliegt. Dominik folgt ihm wenig später. Nach einer halben
Stunde oder so sehe ich, wie er runterfliegt. Ist wohl zu starkwindig! Ich fahre
ebenfalls runter, durch die engen Gassen und weiter bis zum Landeplatz.
|
Dominik hat von der Flugschule "Wind" die Erlaubnis, dass wir hier stehen dürfen.
Wir gehen aber noch ins Restaurant und fragen dort nach, ob es in Ordnung sei,
wenn wir und noch ein weiteres Womo für ein paar Tage auf ihrem Land stehen.
Die junge Frau meint ja, kein Problem! Supi! Und Wasser dürfen wir auch noch
gleich tanken! Wir stellen uns ans hintere Ende, weg von der Strasse und von den
Parkplätzen. Prima! So haben wir das fliegerische Geschehen immer schön
vor der Nase. Und auch der Zorro kann sich hier nach Lust und Laune
vertun.
|
|
Schon kurz nach unserer Installation auf dem Stellplatz tauchen Rainer und Henny mit ihrem Womo auf! Wir waren die letzten
Tage in SMS-Kontakt wegen der Absicht Hennys, sich mit dem Gleitschirmfliegen
auseinander zu setzen. Offenbar ist sie in Marokko auf den Geschmack gekommen.
Ursprünglich dachten wir eigentlich, dass sich Manteigas bestens dafür eignet,
doch jetzt wissen wir, dass es für totale Anfänger ziemlich ungünstig gewesen
wäre. Linhares bietet da einfachere und darum bessere Bedingungen. Obwohl, auch
hier gibt es keinen Anfängerhügel!
|
Gemeinsam fahren wir in ihrem Womo hoch ins Dorf, um es uns anzuschauen!
Linhares ist eine Pracht und wenn man es das erste Mal sieht ist man von der
urchigen Architektur, den wuchtigen Granitblockhäusern sehr angetan. Viele der
Häuser sind um 1600 entstanden und scheinbar hat sich das Dorfbild seit damals
nicht arg geändert!
|
Auch die Leutchen, die hier wohnen wirken wie von anno
dazumal! Rainer unterstreicht das auf seine Weise mit einem urchigen
Gestöhn, indem er durch ein Plastikrohr bläst.
|
Ich mache viele Stunden Aufziehübungen mit dem Astral. Am
Wochenende sind auch einige Flugschüler mit dem Bodenhandling des Schirms beschäftigt. Ich muss feststellen, dass es im laminaren
Meerwind einiges einfacher war, den Schirm oben zu halten als hier, wo er ab
und zu die Richtung wechselt, mal stärker und mal schwächer ist. Also eine gute
Übung!
|
Der
Helm ist unabdingbar. Hin und wieder puffen die thermischen Ablösungen ganz
schön über die Wiese. Aber es wird heiss unter dem Kampfhut! Nach zwei, drei Stunden bin
ich jeweils nass geschwitzt.
|
Auch
Henny versucht
sich einmal mit diesem Schirm, der sich aber als zu schwierig für blutige
Anfänger erweist. Einmal reisst es sie glatt nach hinten und auf den Rücken.
Gut, dass wir damals den Helm von Carlos Gil gekauft haben! Denn diesen hat sie
an und ihr Kopf nimmt keinen Schaden, als sie mit Schwung nach hinten gezogen
wird. Am folgenden Wochenende bekommen wir dann einen alten Schülerschirm,
der sich einiges einfacher anpacken lässt und wir trainieren mit Henny das
Rückwärtsaufziehen. Das geht mit diesem Schirm eindeutig einfacher und Henny
ist wieder motivierter... ;-)
|
Am Landeplatz lernen wir Samuel von www.sam-cam.com
kennen. Er erklärt uns die Verhältnisse der Beziehung zwischen seiner Schule
"Wind"
und der Einrichtung "Inatel", welche eine öffentliche ist.
Wir haben Interesse,
eine Ausrüstung zu mieten, die ich und Henny gemeinsam nutzen könnten. "Wind"
hat leider nur das Equipement dabei, das sie für sich selbst brauchen und
Ausrüstung von der Inatel zu mieten ist nicht möglich. Aber Samuel meint, dass
Carlos Gil, der Instruktor, mit dem ich den Tandemflug an der Küste von Nazare
gemacht habe, in den nächsten Tagen hier sei und dann eine zusätzliche
Ausrüstung mitnehmen könnte! Das wäre natürlich praktisch! Wir werden sehen,
was sich machen lässt!
|
Nach dem Ausflug ins Dorf haben wir uns einen Apero verdient. Wir trinken zwei(!) Flaschen
Sekt, die Rainer und Henny mitgebracht haben. Da das Restaurant am Landeplatz
leider keine Küche hat, kochen wir uns später selbst was. Rainer und Henny
sind müde von der langen Reise rings um die Serra und wir von den
Aufziehübungen!
An einem Abend ist Vollmond und wir harren solange aus bis der wackere Kerl sich
endlich im Osten zeigt. Dominik und ich haben uns in unsere Decken eingehüllt
und so lässt sich's einigermassen aushalten. Der Landeplatz liegt doch auf etwa
700m und es ist recht kühl hier oben.
|
Rainer
wärmt sich mit Zorro. Kann es sein, dass ihm die Frauen doch zu kompliziert
sind? ;-)
|
An
diesem Weiher, der etwa vier, fünf Kilometer von Linhares entfernt liegt,
verbringen wir ebenfalls ein paar Tage. Mit jedem
Sonnentag (Temperaturen von 30°!) wärmt sich der See mehr und mehr auf.
Ein herrliches Plätzchen, wo es sich die meiste Zeit ungestört kampieren
lässt. Baden sowieso! Auch die kleinen Wasserschlangen, die wir entdecken,
halten uns (wenigstens die meisten von uns) nicht davon ab, ihn zu
geniessen.
|
Auch
Zorro lässt die Gelegenheit nicht aus, sich darin abzukühlen.
|
Henny
bei unserem ersten Besuch am See.
Der See wird zur Forellenzucht genutzt und fischen wäre eigentlich verboten.
Die entsprechenden Hinweisschilder halten aber die Einheimischen nicht davon ab, sich ihren "Braten" da
rauszuholen. Sie sagen, es werden immer wieder welche reingeworfen!
|
Auf
einer Wanderung durch die hinteren Hügel sehen wir, wie gut versteckt der See
eigentlich liegt. Ohne Tipp würden wir da glatt daran vorbei fahren.
|
Die
Wanderung, zuerst eher ein Spaziergang auf einer Piste, die Hügel hinauf, endet
mit einem abenteuerlichen Umweg durch dichten Ginster und rund um einen
undurchdringbaren Birkenwald.
|
An
einem besonders schönen Morgen, noch bevor irgend ein Lüftchen die
Seeoberfläche in Bewegung setzt und er darum wie ein Spiegel wirkt, spaziere
ich ringsherum. In wenigen Minuten habe ich den See, "meinen" See,
umrundet. Er ist eine Wucht, eine Pracht, ein Segen, was soll ich sagen, seufz,
einfach genial...
|
Rainer
spielt mit einem kleinen ferngesteuerten Boot, bei welchem die Akkus nach
wenigen Minuten unten sind. Dominik befreit auf einmal steuerlosen Minikutter aus
seiner Seenot (obwohl das Zorro viel lieber getan hätte!).
|
Dominik
kommt ein paar Mal zum Fliegen. Allerdings meist erst ab 18 Uhr. Jene
Superverhältnisse wie sie vor zwei Jahren herrschten, hat er leider nie angetroffen.
|
An
einem Abend stellen wir uns oben, in der Nähe der Startplätze auf den
Picnicplatz der Quelle hin und machen einen Teil unserer Wäsche. Es windet
kräftig von hinten und die tropfnass aufgehängte Wäsche ist in Nullkommanichts
trocken.
Natürlich füllen wir auch unser Flaschendepot mit dem extrem guten Quellwasser
ab.
|
Den
Abend geniessen wir draussen. Essen vor dem Womo, den Sonnenuntergang
vis-à-vis.
|
Ein
Grosseinkauf wird wieder einmal fällig. Wir fahren nach Guarda, welches ganz im
Nordosten der Serra da Estrela liegt.
Nach dem Einkauf wollen wir uns die Kathedrale anschauen gehen. Schade,
dass der Dorfplatz davor gerade renoviert wird.
|
Und
zwar interessiert uns vor allem ein ganz bestimmtes äusseres Detail...
|
...
es ist ein besonders interessanter Wasserspeier, so habe ich im Führer
nachgelesen. Nicht jener hier auf diesem Bild, sondern nachfolgender...
|
...,
der ziemlich versteckt in einer Nische, dazu noch im Schatten, aber dennoch
unübersehbar und vor allem unverkennbar sein wertes Hinterteil gegen Osten (wo
Spanien liegt) richtet. Man sagt, dass die portugiesisch-kastilischen
Beziehungen nicht zum Besten standen, als die Kathedrale erbaut wurde.... :-)))
|
Wenn
der Rainer so richtig in Fahrt ist, dann erkennt man das Wohnzimmer nicht mehr.
Tausend Dinge sind um ihn herum verteilt und man kann sicher sein, dass er immer
wieder was Neues findet, um uns zu verblüffen oder zu nerven, je nach dem...
;-). Eines ist aber sicher: langweilig wird es um ihn herum nie!
|
Am
Sonntag, bevor wir weiterziehen, ist es total bewölkt. Das heisst, unten im
Dorf herrscht Nebel und oben am Startplatz sieht man kurze Zeit mal zwischen
dickem Nebel und noch dickerer Wolkendecke einen Streifen blauen Himmel.
Das war
wohl eine Art Zeichen! Denn nach einigen Aufziehübungen in dichtem
Nebel, die es allerdings wirklich brachten (Lust auf einen Film? Dann ziele mit
der Maus auf das nebenstehende Bild!), kam gegen 16 Uhr dann doch noch die
Schule und es hiess: Fliegen möglich!
|
|
Im ersten Moment rutscht mir bei so einem Bescheid immer das Herz in die Hose.
Es braucht schon ein wenig Mut aus Trockenübungen einen echten Flug zu
machen...
|
So
kam ich an diesem Tag zu drei Höhenflügen mit dem Astral.
Auf
den Schulschirm, den sie mir anboten, hatte ich definitiv keine Lust und auch
Dominik hatte Bedenken, ob ich es mit dem "Lumpen" bis zum Landeplatz
schaffen würde.
|
Zweimal rückwärts aufgezogen, einmal vorwärts! Beim dritten Flug war es so
thermisch, dass ich drei "Achten" über dem Landeplatz drehen konnte.
Dem Dominik muss ich hier ein Kränzchen winden! Er hat mich mit unseren kleinen
Funkgeräten so versiert, sicher und perfekt runtergeholt bzw. auf den
Landeplatz eingelotst, dass
ich ihn jedes Mal beim Landen beinahe umgehauen hätte!
|
Auch
Henny kam an diesem Sonntag zu ihrem Tandemflug mit Carlos. Der Flug war zwar
nicht sehr lange, doch hat es ihr dennoch sehr gefallen, Linhares und unsere
Stellplatzumgebung von oben zu sehen.
Die Schulatmosphäre in Linhares ist toll. Nach dem Erlebnis in Manteigas war es
schön, wieder mit motivierten Lehrern und Schülern zusammen zu sein. Mit
Leuten, denen es um's Fliegen geht und nicht um's Business!
Mit Rainer und Henny haben wir zweimal im Restaurant am Landeplatz
zu Abend gegessen. Leckere traditionelle Küche mit flottem "Service
soigné!" Na, und der Weisswein war gut aber jedes Mal zuviel ;/)
|
|
Nach
zehn Tagen Linhares verabschieden wir uns von Rainer und Henny und von dem
schönen Flecken Linhares. Obwohl Dominik nie die gleich tollen Flugerlebnisse
hatte wie vor zwei Jahren war der Aufenthalt ein ganz speziell schöner!
Vermutlich hat auch die Gesellschaft von Rainer und Henny die eh schon durch die
Aufziehübungen spannende Zeit noch würziger gemacht.
|
An
der portugiesisch-spanischen Grenze stehen jede Menge gelbe Zollhäuschen in
Reih und Glied. Alle leer und ihrer Funktion enthoben. Im Nationalpark de las Batuecas, kurz vor Bejar, finden wir in einem grossen Korkeichenwald einen hübschen Platz für die Nacht.
Eine dicke Eiche und grobe Steintische und -bänke stehen im satten Grün.
Morgen geht es weiter nach Piedrahita, ein kleines Fliegerdorf, nördlich der
Sierra de Gredos.
|
Stellplatz Linhares Landeplatz: kurz bevor man das Dorf
Linhares erreicht, befindet sich linkerhand eine grosse flache Wiese mit einem
Windsack darauf - Wiese
Klima und Umgebung: ruhig, Bar mit Restaurantbetrieb an den Wochenenden, Spazier
nach Linhares, Fliegen, Gleitschirmschule
www.sam-cam.com
Infrastruktur: Wasser beim Restaurant, Gratisinternet in Celorico da Beira
|
Stellplatz Linhares Quelle: durch Linhares hindurch und
weiter den Berg hinauf, fast ganz oben gibt es rechterhand Holztische und
-bänke, auf der gleichen Höhe links ist die Quelle - Wiese, Asphalt
Klima und Umgebung: absolute Stille, atemberaubende Weitsicht, Wanderung über
die Serra
Infrastruktur: nada, bestes Trinkwasser aus der
Quelle
|
Stellplatz Linhares Badeteich: nach dem Landeplatz links,
durch einen kleinen Weiler, nach insgesamt ca. 4km erreicht man eine Anhöhe,
rechts 5m die Piste hinauf und erst dann sieht man den Teich - Wiese
Klima und Umgebung: sehr ruhig, viel Morgensonne, Baden, Spaziergänge
Infrastruktur: nada, Wasser im vorherigen Dorf
|

Chronologisch
geht's hier weiter: Reisebericht Spanien 2005, Teil 5 |