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Portugal 2005/2

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13. Februar 2010

 

 

 

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Reisebericht Portugal 2005-2 Mittlerer Teil
 

10. - 15. Mai 2005: Nazare: Praia Gralha, Praia dos Salgados, Praia de Paredes, Praia Polvoeira 
(ca. 120km N v. Lissabon) - Fliegen an der Küste der Estremadura
Bis fast nach Lissabon fahren wir auf einer sauteuren Autobahn nordwärts. Von da an bevorzugen wir die parallel verlaufende Hauptstrasse, welche abschnittsweise in kläglichem Zustand ist. Vor einem Kreisel haben Lastwagen den Asphalt so ausgefahren, dass man/wir aufpassen müssen, nicht aufzusitzen! Dafür ist es landschaftlich eine reizvolle Strecke. 
Irgendwo vor Caldas da Rainha finden wir einen hübschen Platz für den Mittagshalt. Unser Blick schweift während dem Essen über ein mageres Kornfeld. Viele weisse Kumuluswolken geben der an sich schlichten Landschaft ein wenig Dramatik. 
Kurz vor Nazare fahren wir zum Startplatz auf der Serra da Pescaria, wie er im Gleitschirmführer für's Mittelmeer von Oliver Gueney beschrieben ist. Entlang der Küste verläuft eine ca. 120m hohe Hügelkette. Die Praia dos Salgados liegt unter uns. Der Wind passt leider nicht. Schade, denn so einen netten und anfängerfreundlichen Startplatz werde ich wohl nicht so bald wieder vorfinden. Und der Strand als Landeplatz bietet ja auch enorm Platz. Wäre schon grad das Richtige für mich...
Von Carlos und Helena, die wir vor zwei Jahren an der Praia de Fonte da Cortico angetroffen hatten, bekamen wir einen weiteren Tipp an dieser Küste: die Praia da Gralha. Zwei Frauen konnten uns den Weg dorthin erklären. 
Die Piste, welche von der Serra de Mangues hinunter führt ist extrem steil und wir zögern einen Moment, da runter zu fahren. Aber der Platz dort unten ist so einladend, so menschenleer.. Wir können nicht widerstehen und fahren den rutschigen Weg hinunter bis zu einem kleinen Platz unten am Meer. Ob wir da auch wieder rauf kommen? 
Ein einziger Fischer sitzt am Ufer. Wir stellen unser Wohnmobil so hin, dass wir möglichst viel von der Abendsonne haben. Während Dominik einen Strandspaziergang macht, erhole ich mich vom Fahren bei einem eisgekühlten Kaffee nach griechischer Art. 

Später ziehen wir zu Fuss hoch auf den Hügel und spazieren links der Kante entlang. Den Startplatz entdecken wir auch, aber der Wind ist zu stark südlich. Er müsste hier schon West oder Nordwest sein. 
Zum Abendessen, das wir draussen geniessen, gibt's Tunfischsteak (ein Novum in unserer Küche) auf Grün-Curry-Lauch, dazu Reis und einen, leider, scheusslichen portugiesischen Vino Verde. 
Ein Morgenspaziergang führt uns hinauf auf die Klippe links über "unserer" Bucht. Schön sieht man die Praia da Gralha und weiter hinten die Praia dos Salgados. 
Am Ende der Klippe sieht man runter auf die Naturbucht der Hafenstadt Sao Martinho do Porto.

Da der Himmel bewölkt bleibt und der Wind von hinten kommt, beschliessen wir den schönen Platz in der Praia Gralha aufzugeben und den Badeort Sao Martinho do Porto zu besuchen. 
Mein Wohnmobil nimmt die steile Kiespiste souverän unter die Räder. Ein wenig Bammel hatte ich schon! Aber es zeigte sich, dass ich sogar noch ein bischen Reserve hatte. Allerdings viel der Gleitschirmrucksack vom Alkovenbett runter in den Wohnraum. Der ist an die 20 kg und zeigt also, wie steil der Weg war... 
Für andere Wohnmobilisten, d.h. jene ohne Hinterradantrieb, ist dieser Weg definitiv nicht zu empfehlen. 
In Sao Martinho do Porto stellen wir unser Womo am Ende des Dorfes auf den grossen Platz.

Viele Touris sind nicht unterwegs. Es scheinen einige Schulklassen sich am und im Meer zu vergnügen. Die eine Gruppe paddelt mit Kajaks in die Bucht hinaus, die anderen spielen Fussball am Strand. 

An mehreren Häusern lassen sich schöne Kachelbilder, sogenannte Azulejos bewundern. 
An der hinteren Kaimauer stehen einige alte Häuser, die ich irgendwo um die Jahrhundertwende ansiedle. Eigenwillig und darum spannend, ganz nach meinem Geschmack!

 Ich lese im Führer: "Sao Martinho do Porto war früher der Badehort der Lissabonner High Society. Noch heute hat jeder in der Hauptstadt, der etwas auf sich hält, hier ein Appartement." 
Am Ende des Kais gibt es einen etwa 50m langen Tunnel, der auf die Meerseite führt. Als wir wieder zurücklaufen kommt uns ein alter Mann entgegen. Seine Silhouette finde ich derart stark, dass ich ihn ablichten muss. Seine schiefsitzende Mütze, die weite Hose und die Hände in der Hosentasche wirkt er wie ein Fischermann aus dem Buche. 
Als wir auf dem Weg zur Praia dos Salgados am Startplatz vorbeikommen, sehen wir, wie ein Auto auf dem Parkplatz anhält und zwei Leute mit Gleitschirmsack aussteigen. Na, klar, der Wind hat gedreht! Und wir haben das im Internet beinahe verpasst! 
Wir fahren also ebenfalls hin und schauen zu, wie ein Schüler mit einem zehn Jahre alten Schirm startet und unten auf dem Strand landet. Tja, die Bedingungen sind perfekt, um Schüler rauszulassen, das ist war... aber ob ich selber auch...? heute? jetzt gleich? 120 Höhenmeter... ohne Funk.. und ohne Helm...? Na ja, eigentlich spricht nichts dagegen. Auch der gesunde Menschenverstand sagt mir, alles null Problemo! So einen schönen Wiesenstartplatz und so einen grossen Landeplatz krieg ich so schnell nicht mehr! O.k. genug gelabert (bin immer noch ganz aufgekratzt, merk's schon!). Ich mache also einen hübschen Vorwärtsstart, einen nervösen (wenigstens für mich) Flug (bei dem Zorro mir ganz schön lange und wahrscheinlich ziemlich doof hinterher schaut!), und eine laaaange (die oben meinten, ich wolle bis nach Nazare fliegen... ha!) und (klaro ;-)) saubere Landung. Den Schirm muss ich dafür etwa 100m im tiefen Sand zum Parkplatz zurücktragen und das ist ganz schön weit mit dem Gepäck!

Der Fluglehrer holt seinen Schüler ab, der kurz nach  mir ebenfalls gelandet ist und nimmt mich netterweise ebenfalls wieder nach oben. Und los geht es ein zweites Mal. Diesmal mache ich über dem Strand einen hübschen Kreis (suppentellerflach!) und ein wenig Slalom, so dass ich ziemlich genau auf der Höhe des Parkplatzes landen kann. Hilft schon, genau zu landen, wenn die Alternative heisst, durch lockeren Sand zu marschieren. Wow! Ich bin heute zwei Mal geflogen! Und das ohne vorherige seelische Einstimmung oder langer Betrachtungen der Fliegerei und der Umgebung! So ein Glück ich hab! 
Für die Nacht finden wir in Strandnähe ein nettes Plätzchen mitten in der grünen Macchie. Als es eindunkelt fängt es an zu nieseln. Die Leuchtkäfer lassen sich aber von ihrem Hochzeitstanz nicht abhalten. 
Nazare teilt sich in zwei Hälften. Die eine Dorfhälfte liegt unten am Meer, die andere oben an der Klippe, verbunden sind sie mit einer Kabelbahn. 

Am Strand trocknen die Frauen die Fische, die wohl ihre Männer gefangen haben. Diese Frauen, ich staune, sind noch genau gleich angezogen, wie man sie auf alten Fotos sieht. Dicke, mehrschichtige Röcke, Gummistiefel, Kopftuch und manchmal eine gestrickte Schulterdecke. 
An der Praia Vale de Paredes, ca. 12km nördlich von Nazare kommt Dominik noch einmal zu herrlichem Küstensoaring. 
Durch den Strand schlängelt sich ein Bach, der aus dem dahinterliegenden Val de Paredes fliesst. An Wasserknappheit scheinen sie hier nicht zu leiden.
Ein Autofahrer hat eine grosse Echse überfahren und trägt sie an den Strassenrand. Ich geh sie mir anschauen und staune. Sie ist äusserlich fast unversehrt. Sie ist mit Schwanz gute 40cm lang, silbern und grellgrün und hat ein blaues Muster auf den Bauchseiten. An ihren Backen sind grosse Hautfalten, vermutlich kann sie diese aufblasen. Jammerschade, dass das Tier dem Autofahrer sozusagen unter die Räder gelaufen ist. Fotografieren mag ich sie aber nicht. 
Der Wind wird löchrig und Dominik sauft ab. Wir beschliessen zur Praia dos Salgados zu fahren. Dort dürfte der Wind, da der Startplatz weiter oben ist, besser stehen. 
Bevor wir südwärts fahren, wollen wir "nur kurz" den Startplatz bei der Kapelle Vitoria anschauen. Er befindet sich sozusagen auf der gegenüberliegenden Talseite. 

Hoppla, hier passt der Wind wieder bestens! Dominik fliegt raus und kann sogar soweit überhöhen, dass er die Klippe überfliegen und in die nächste Bucht, die Praia Polvoeira, fliegen kann. 
Die Dünen bzw. Klippen sind wild bewachsen. Es sieht wunderschön aus. Manchmal denke ich, ein Gärtner könnte die Pflanzen nicht schöner arrangieren. 
Stellplatz an der Praia Polvoeira. Ich fahre mit dem Wohnmobil von der vorigen Bucht hierher. 

Hier scheint auf jeder Klippe ein Startplatz zu sein. Von Südwesten bis Nordwesten ist jede Richtung vorhanden. 
Der Wind steht perfekt und ist passend stark.
Nach und nach tauchen noch andere Flieger auf. Weisse Thermikwölkchen bevölkern den Himmel und lassen das Blau des Himmels erst recht leuchten. Super Wetter! Und das nach so einem bewölkten Morgen. 

Als wir beim Abendessen sitzen leert sich eine schwarze Wolke über uns und wascht das Womo sozusagen sauber. Ein richtiger Platzregen, herrlich reinigend. 
In der Nacht bleibt es ruhig, nur einmal werde ich vom Regen wach. Meine Fantasie spielt mir im Halbschlaf Bilder vor, wie der Teil der Klippe, auf dem wir stehen, ins Meer abrutscht und wir im tiefen Wasser versinken, wie ich Zorro am Nacken packe, bevor mein Häuschen und all mein Hab und Gut untergeht, wie arschkalt das Wasser ist und wie wenig ich dabei anhabe. So ein Gurkensalat! 
Ein erneuter heftiger Regenguss weckt uns am Morgen. Tatsächlich können wir ein immer schneller werdendes Bächlein verfolgen, dass an uns vorbei der Strasse entlang fliesst. Aber auch wenn wir am Rand der Klippe stehen, genügend Fels ist hier schon noch vorhanden, also keine Panik, Mädel. 
Schwarze Wolken wechseln sich mit weissen ab. Dominik macht einen kurzen Testflug. Aber es frischt in dem Moment auf, wo er draussen ist und er landet schon bald wieder mit eingelegten Ohren unten am Strand. 
An diesem Strand scheinen Hunde willkommen zu sein. Auch Zorro scheint das Schild zu gefallen. 
Ein wenig deprimiert über den kurzen Flug stiefelt der Meister, in Begleitung seines treuesten Fans die Treppe hoch zum Womo.  
Wir machen einen Spaziergang über die Dünen bis zu dem markanten Felsen und wieder zurück über den Strand. 

Portugals Atlantikküste ist wirklich toll. Ich kann mir ja vorstellen, dass es hier im Sommer schon auch Volk hat, aber zu dieser Jahreszeit findet man hier jede Menge einsame Buchten und wild-romantische Flecken. 
Der Himmel weiss nicht, was er will. Immer wieder wechselt Licht mit Schatten. Für das Auge faszinierend. Aber ansonsten ungemütlich und an Fliegen ist natürlich eh nicht zu denken. 
Wir verbringen den Rest des Tages mit Lesen, Schreiben und kurzen Spaziergängen. Der Wind bläst so heftig, dass der Kühlschrank dauernd klickert und das Womo hin und her schaukelt. Eigentlich müsste MAN die Stützen runtermachen, wäre MAN nicht so faul... 

Kurlige Muscheln haben sich vermutlich am Korken einer Flasche, welche im Meer gelandet ist, heimisch gemacht. Die starke Brandung muss sie von einem festen Platz unter Wasser losgelöst und an den Strand gespült haben. 
Am Samstag fahren die "Cracks" ein! Ein Bande junger und ziemlich unerschrockener Piloten, die im Starkwind ihr Gaudi haben. Wo Normales schön im "Schärmen" sitzen bleiben und auf ein wenig freundlicheren Wind warten, gehen die raus und haben auch noch ihren vollen Spass dabei. Auch Dominik mischt da ab und zu mit. Er ist inzwischen ganz schön starkwindtauglich. Kapriolen jedoch überlässt er den "Locals" und jenen, die's wissen wollen. 
Auch wenn der Wind stark ist, so ist er doch recht laminar.  
Wingovers über dem Strand sind dabei beliebt. Besonders einer macht seine verrückten Schwingungen (Waga-waga genannt) ohne jede Skrupel.
Ich erwische ihn sogar (mit meiner lahmen Fotokiste grenzt das an ein wahres Wunder!) wie er den Strand mit einer Hand  berührt. Und es ist dann nicht etwa so, dass er anschliessend gezwungenermassen unten auch landet. Oh, nein, er fliegt mit vollem Schwung an die Dünenkante und lässt sich entweder vom Aufwind wieder rauftragen oder macht sonst ein paar Sätze und zieht sich mit Hilfe des Schirmes ein Stück den Hang hoch, um immer noch rückwärts eingedreht schon wieder weiterzufliegen. Krass! 
Ich erwische den gleichen Piloten nochmals, wie er auf seinem Kollegen bzw. dessen Schirm ein Touch-and-Go macht! Frech ist gar kein Ausdruck dafür! 
Als Carlos Gil, der Instruktor, den wir an der Praia dos Salgados kennengelernt haben, einmal im Tandem vorbeifliegt, ruft er, dass er einen Helm im Auto habe. Als ich ihn später probiere, passt er perfekt. Dass er knallrot ist? Na ja, immerhin rage ich mit dieser Farbe aus der Masse heraus! 

Carlos offeriert mir nach dem Handel einen Tandemflug und ich lehne natürlich nicht ab! 
Da der Wind recht stark ist, starten wir auf der unteren Kante. Etwa drei Männer halten uns fest, während zwei weitere den Schirm festhalten würden, sollte er Carlos runterfallen und sich mit uns im Schlepptau aus dem Staub machen wollen. Ganz schön heftig! Laufen muss ich dafür gar nichts. Sobald Carlos das Kommando gibt, entschweben wir auch schon in die Lüfte. 
Dominik hat vorher die Windgeschwindigkeit gemessen und die war auf guten 30km/h! Es sind nur noch zwei andere Piloten draussen. Aber das passt schon, denn so haben wir keine Platzschwierigkeiten. 
Endlich lerne auch ich einmal das Küstensoaren aus nächster Nähe kennen! Absolut geil! Vor allem mit einem so geübten Piloten, wie Carlos es ist. Die Jungs hier kennen ihr Gebiet und das Handling ihrer Schirme an dieser Kante in- und auswendig. Er macht mit mir Wingovers an der Kante, wobei wir immer wieder wie die Wahnsinnigen quasi von unten her auf die Kante zusausen, um im letzten Moment durch sein Anbremsen dort fast bockstill zu stehen, ein Stück nach vorne zu fliegen und dann wieder im vollen Speed die andere Seite runter und wieder rauf an die Kante. Wir machen einmal sogar ein Touch-and-Go und landen später präzise auf dem Parkplatz, wo gleich wieder eine ganze Mannschaft kommt, um uns zu halten und den Schirm runterzuholen. Puh! Voll geil, voll krass, atemberaubend und ein wunderschönes Erlebnis! 
Voll im Speeder und schaukelt auf dem Parkplatz hin und her also ob er in einer Schaukel sitzen würde.  
Das war ein toller Tag mit vielen spannenden Momenten!

Der Wolkenbogen, der sich vor die Abendsonne stellt, gibt dem Tag das angemessene und abenteuerliche Schlusslicht. 

Der nächste Tag war wieder regnerisch und starkwindig. Zeit für uns, Richtung Serra Estrela aufzubrechen! 
1. Stellplatz an der Praia Gralha: von Lissabon kommend auf der Autobahn A8 Ausfahrt Sao Martinho do Porto. In Sao Martinho do Porto Richtung Markt, dort weiter geradeaus den Hang hinauf etwa 500m, rechts biegt eine Kiespiste zur Praia Gralha (Holzschild) ab. Nach 500m auf der Kiespiste geht es steil zum Meer hinab - Sand (ungeeignet für Vorderradantrieb, man kann aber auch oben an den Klippen stehen) 
Klima und Umgebung: genial einsamer, aber auch wilder Strand, Klippenspaziergänge, Küstensoaring
Achtung: Strasse runter an der Strand ist sehr steil und nur für Fahrzeuge mit Hinterradantrieb möglich
Infrastruktur: nada, Wasser gibt es aber überall an Strasse zwischen der Serra de Mangues und Pescaria
2. Stellplatz an der Praia dos Salgados: von Lissabon kommend auf der Autobahn A8 Ausfahrt Sao Martinho do Porto. Vor der Ortschaft am Kreisel rechts Richtung Nazare abbiegen. In Famalicao der Beschilderung Salgados folgend rechts abbiegen. Geradeaus den Hang hinauf bis ganz auf die Anhöhe und auf der anderen Seite wieder hinab. Unten, anfangs Kreisel rechts in die Sackgasse abbiegen. Nach ca. 300m kommt linkerhand ein grosser flacher Platz mitten im dichten Grün - Wiese, fester Boden
Klima und Umgebung: einsamer, dafür ruhiger Platz, Dünenspaziergänge, Küstensoaring
Infrastruktur: nada, Wasser gibt es aber überall an Strasse zwischen der Serra de Mangues und Pescaria
3. Stellplatz an der Praia Polvoeira: von Nazare nordwärts fahren, nach ca. 10km kommt linkerhand der Abzweiger Richtung Praia Polvoeira, an der Küste zweites Schild - Sand
Klima und Umgebung: auf erhöhter Klippe stehend, windig, Klippenspaziergänge, Surfen, Küstensoaring
Infrastruktur: nada
16. - 19. Mai 2005: Serra Estrela: Manteigas
(ca. 300km NO v. Lissabon und ca. 80km v. Ostgrenze zu Spanien)
Wandern und Fliegen an der Südostseite der Serra Estrela
Über Castelo Branco fahren wir erst gegen Osten und dann nordwärts, um von der Ostseite in die Serra Estrela zu gelangen. Manteigas ist unser Ziel für die nächsten Tage. Da es regnet und stark verhangen ist, haben wir kein besonders tolles Gefühl, als wir ankommen. 
Zuerst fahren wir den Skipark an, der wenige Kilometer vor dem Dorf angelegt ist. Skipark ist der Name für eine Fun-Sport-Einrichtung, wo man Reiten, Kanufahren, Bogenschiessen, Skifahren, Snowboarden, Gleitschirmfliegen, Mountainbiken und noch einiges andere mehr machen kann. Für die Wintersportarten hat es eine Art Rasenpiste, einen kleinen für den Nachwuchs und einen grösseren mit Schlepplift und Halfpipe für die Snowboarders! Der Park ist an schönster Lage am Fluss Zezere angelegt und ist an sich hübsch. Sogar ein Campingplatz steht zur Verfügung. Wir finden allerdings niemanden, der uns Auskunft wegen der Fliegerei geben könnte. Erst als wir gerade wieder losdüsen wollen, taucht eine Lady auf, die uns den gewünschten Kontakt vermitteln kann. Bleiben wollen wir hier aber nicht. Nach einem ersten Beeindrucktsein von der Anlage wirkt sie doch nicht so "anmächelig", um hier zu nächtigen. 
Also fahren wir rauf und rein nach Manteigas. In der Bibliothek gibt's gratis Internet, nur warten schon etwa fünf Jugendliche auf freie Plätze. Also werden wir wohl morgen Vormittag nochmals vorbeischauen! Nach einiger Rumsucherei finden wir einen netten Platz abseits der Strasse, im Grünen und doch in der Nähe des Dorfes. Es regnet und regnet und die Temperatur sinkt auf 10°! Ob es wohl noch verfrüht war, in die Berge zu fahren? 
Am nächsten Ta lacht uns ein blauer Himmel mit schönsten weissen Kumulus an! 
Von unserem Nachtplatz aus haben wir über Granitfelsenblöcke und Kirschbäumen Blick auf Manteigas. 

Am Vormittag laufen wir zu Fuss ins Dorf, schauen uns das Wetter für die nächsten Tage im Internet an und genehmigen uns auf dem Heimweg eine kleine Flasche portugiesischer Weisswein im Hotel Berne (!). 
Am späteren Nachmittag ziehen wir nochmals mit dem Rucksack ausgerüstet los, um entlang dem Fluss Zezere Richtung Torre (höchster Berg Portugals, knapp 2000m hoch) zu wandern. Der Weg führt immer leicht bergan, braucht keine grosse Konzentration, wohin man tritt und ermöglicht uns dadurch die Gegend zu geniessen. 
Viele kleine Häuser wurden liebevoll restauriert und werden offenbar als Wochenendhäuschen oder Gartenhaus genutzt. 

Granit ist hier das prägende Element. 
Bei einigen sieht man die alte Methode, das Dach abzudecken.  Getrockneter Ginster wird wie ein Strohdach auf das Dach gelegt und nach unten gebunden. Auch renovierte Häuser haben dieses "Grasdach". Vermutlich darunter aber ein Wellblech. 
Die Wanderung führt entlang des Zezere. Dort wo eine Brücke darüber führt können wir das wuchernde Grün im und am Fluss von nahem bewundern. Das Wasser ist glasklar und sprudelt grosszügig das Tal hinunter.
Gegen Süden wird das Tal immer offener. Schlicht Wunderschön! Die Baumgrenze liegt hier schon bei 1000müM! Die Granitlandschaft wirkt einerseits unwirtlich, andererseits ist so viel Leben und so viel Grün im Tal, wo der Bach mäandert, dass ich regelrecht entzückt bin, ab der sich so  harmonisch zeigenden Natur. 
Der Blick das Tal hinunter zeigt, dass sogar hier oben die Landschaft genutzt wird. Irgendein langstieliges Korn wird hier angebaut. Wir sehen Bauern, die in mühevoller Handarbeit grobe Erdschollen zerhacken!

Müde und zufrieden kehren wir zu unserem Stellplatz zurück. So schön, eine Gegend zu Fuss zu erkunden! Ich fühle mich immer sofort heimischer!  
So, der nächste Tag verspricht ein Flugtag zu werden. Um zehn Uhr finden wir uns beim Skipark ein, wo wir und unser Gepäck abgeholt werden sollen. Miguel und Rodriges empfangen uns und nehmen uns zusammen mit noch zwei Piloten nach oben. Für mich als Anfänger ist es aber bereits zu spät im Tag. Eventuell ergibt sich eine Gelegenheit am späteren Nachmittag. 

Trotz Meteowind von hinten, allerdings nicht stark, fliegt Miguel und dann Dominik hinaus. 

Auf dem Bild sieht man unten die künstliche Piste des Skiparks! 

Auf dem gleichmässig abschüssigen Startplatz liegt ein künstlicher Rasen, der nicht zuletzt wegen dem Anfangs September stattfindenden PWC angelegt wurde. Ziemlich luxuriös. 


Die beiden anderen Piloten, der eine fliegt in der portugiesischen Liga, gehen wenig später ebenfalls raus. 

Die Leetendenz holt den einen Piloten aber relativ schnell wieder runter. Der andere fliegt weit bis zum nächsten Gebirgszug. 
Für die nächsten zwei Nächte stellen wir uns an den Landeplatz. Miguel konnte uns eine hübsche Ecke zeigen, wo wir auch nicht von der Strasse gestört werden. Wir haben Blick auf die beiden Startplätze und den Platz für Aufziehübungen sozusagen vor der Haustüre. 
Am Ende des Landeplatzes steht ein altes Gemäuer. Das Dach ist schon lange nicht mehr ganz, aber die Mauern halten... und das wohl noch eine weitere Ewigkeit. 
Der Bach Zezere lädt zum Bummeln ein. Mit Miguel stolpern wir hier ein wenig herum. Eile herrscht ja nicht, weil der Abendflug wegen Wind von hinten nicht möglich ist. 
Das Grün im Bach blüht! 
Wieder ein herrlicher Tag! Schönstes Wetter! Und am Abend zuvor hatten wir 20°! 
Wir werden von Miguel abgeholt und fahren zuerst zum Skipark. Dort ist Vitor, der Chef der Crew. Begrüssen will er uns nicht, er redet gleich mit seinen Leuten und scheint uns nicht zu bemerken!? Ob wir was verbrochen haben oder sind wir ihm zu blond? Uguale, Rodriges kommt ebenfalls und wir fahren alle zusammen in der ungefederten Kiste zum Startplatz hoch. Starkwind! Also wieder runter. Vielleicht ist ja auf dem tiefer gelegenen Schulungshügel weniger Wind. Doch leider ist dem nicht so. Er bläst hier genau gleich forsch in die Berge. 
Von drei grossen Rasenteppichen, die sie auf dem Startplatz ausgelegt hatten, ist nur noch einer vorhanden, die anderen zwei wurden offenbar geklaut! Er war noch nicht richtig befestigt, nur mit Steinen beschwert. Anscheinend fand jemand, er hätte eine bessere Verwendung für dieses scheussliche aber praktische Plastikgrün. 
Um halb vier kommt Vitor uns abholen und fährt mit uns direkt nach oben zum Startplatz auf ca. 1200m. Er redet kaum ein Wort und wir vermuten richtig, dass er weder Französisch noch Englisch spricht. Das wäre eine mögliche Erklärung, warum er so unfreundlich zu uns ist. Aber was soll's! Allerdings fragen wir uns, wie er einen PWC managen kann/will, wenn das nicht der Fall ist?! 
Ein Tandem fliegt gerade hinaus und der Apcoflieger, der bereits gestern einen fünfstündigen Flug hingelegt hat, ist auch schon wieder in der Luft. Er kam gestern auf mich zu und meinte, er kenne mich von Nazare. Ihn hätte ich natürlich nicht wieder erkannt, aber den Schirm schon! Es stellt sich heraus, dass er der Bruder von diesem Wahnsinnigen ist, der die verrückten Acros an der Beach gemacht hat. Scheint eine ziemlich sportliche Familie zu sein!
Dominik fliegt raus und hält sich prima in der Thermik, die ihm aber, wie er später erzählt, immer noch ganz und gar nicht gefällt! 
Ich warte zusammen mit einem 72jährigen Piloten, der leider kein Wort Englisch noch Französisch spricht geschlagene drei Stunden, bis die Thermik soweit nachlässt, bzw. eigentlich ganz abstellt. 
Dann ist es soweit. Zorro werde ich Vitor überlassen müssen. Ich hoffe, er bringt ihn mir wohlbehalten zum Landeplatz! 

Ich starte zuerst, bei sozusagen null Wind, und kurz nach mir der alte Mann. Der dritte Schüler hat Pech. Bei ihm kommt der Wind schon von hinten (!!). 
Es wird ein schöner Flug! Es rüttelt zwar ziemlich über dem Ginsterhügel, so finde ich ...  
...und ich habe schon bessere Landungen hingebracht, aber ich bin ziemlich glücklich, dass ich endlich zum Fliegen gekommen bin! Immerhin war ich etwa dreizehn Minuten am Schirm und "vernichtete" dabei ca. 700m! 

Rodriges hat mich sicher mit S-Kurven auf den Landeplatz eingelotst. Vorher liess er mich noch zwei Kreise drehen. 

Mein erster Höhenflug seit vier Jahren! Yipiyehyeh! 
Das ist der alte Mann, der scheins besser rennt als manch jüngerer und auch sonst noch topfit ist. 
Mit dem Schirm am Rücken fährt er nun auf seinem Motorrad über die Serra nach Hause. Vor zwei Jahren hat er angefangen zu fliegen. Er macht zwar nichts Verrücktes in der Luft aber geniesst anscheinend die Gleitflüge total. 
Mit Miguel und Rodriges trinken wir ein Bier und verbringen die Zeit, bis Vitor mit meinem Zorro kommt, mit Schwatzen über das Skifahren in Portugal, den spanischen Pyrenäen und den Schweizer Alpen. 
Zorro ist ganz ausgelassen, als er mich entdeckt. Er scheint aber ganz ok und offenbar hatten die Herren keine Probleme mit ihm. 
Wir überlassen den Alpha, den ich zum Fliegen und Üben hatte, wieder der Schule und verabschieden uns von Miguel und Rodriges. Vitor rechnet mit uns ab und wir werden nicht schlau aus ihm, er ist sich offenbar zu gut, um mit uns via seine Leute zu kommunizieren, ein komischer Kauz! Für uns unverständlich, wie er so Geschäfte machen kann. Aber das ist nicht unser Problem. 
Unser Fazit für dieses Fluggebiet fällt allerdings nicht besonders toll aus. Für Schulungen finden wir es recht ungeeignet, da der Landeplatz heftige thermische Ablösungen hat und kein Übungshügel vorhanden ist. Fliegen für Anfänger ist nur ganz früh am Morgen oder eventuell in der Abendthermik möglich. Die Thermik für Normalos ist ruppig und unfreundlich und das Gebiet eher für Streckenflieger geeignet. 
Stellplatz Ende Dorf Manteigas: in Manteigas Richtung Seia, nach Überquerung weisser Brücke links Richtung Hotel Berne, nach ca. 500m kommt rechterhand grosser Parkplatz, anschliessend rechts auf Kiesstrasse abbiegen, nach etwa 100m kommt linkerhand Ausstellplatz - Kies
Klima und Umgebung: sehr ruhig, Blick auf Manteigas, Spazier ins Dorf, diverse Wanderungen
Infrastruktur: nada, Einkaufen im Dorf, Gratisinternet in der Bibliothek
Stellplatz Landeplatz Manteigas: ca. 10km vor Manteigas, kurz vor Valle de Amoreira geht es links eine Schotterpiste hinunter auf den Landeplatz (Windsäcke erst nach der Einfahrt sichtbar)
Klima und Umgebung: Trotz der Berge viel Himmel, sehr ruhig, Bach in der Nähe, Aufziehübungen, Flugschule
Infrastruktur: nada, aber ca. 300m die Hauptstrasse runter Richtung Guarda hat es einen Brunnen
20. - 30. Mai 2005: Serra da Estrela: Linhares
(ca. 320km NO v. Lissabon und ca. 15km S v. Celorico da Beira)
Wandern, Baden und Fliegen an der Nordwestseite der Serra Estrela
Am Morgen unserer Abreise kommt Miguel nochmals vorbei, um uns zu informieren, dass der Wind heute eh nicht gut sei, Vitor das Auto brauche und sie am Samstag nach Linhares fahren würden. Passt also schon, wir gehen ja ebenfalls dorthin. Nett, dass er nochmals extra vorbeigekommen ist!
Wir fahren nach Manteigas, kaufen ein und nehmen dann die Passstrasse über die Serra da Estrela Richtung Guarda unter die Räder. Herrliches Wetter lässt diese so grüne Ostseite der Serra von ihrer schönsten Seite zeigen. Ein bunter Mischwald mit Kastanien, Eichen, Föhren und vielen anderen Bäumen und Sträuchern zieht sich den steilen Hang hinauf. Oben blühen weisser und gelber Ginster neben weissen und roten Erikas. Geschliffene kugelige Granitfelsen liegen in skurillen Formationen auf der Kuppe. 
Auf der anderen Sierraseite, der Westseite, ist die Landschaft viel karger! Kaum Bäume, viel Felsen und Macchie. Teilweise wurde der Hang terassiert, um wieder aufzuforsten. 
An einem Brunnen füllen wir unsere leeren PET-Flaschen mit dem ausgezeichneten Quellwasser ab, welches hier auch in Abfüllereien genutzt wird. 
An den Plätzen, wo jeweils die Brunnen sind, steht immer ein Steinhaus als Unterschlupf und aus grobem Granit ist ein Sitzplatz mit Bänken und Tischen eingerichtet. Wirklich wunderschön und urchig gestaltet. 
Am Landeplatz von Linhares halten wir an und studieren die neue Tafel, die am Eingang der grossen Wiese steht. Es steht, dass der Platz zum Landen zur Verfügung steht, dass man sich aber mit den Autos auf das Auf- und Abladen beschränken soll. Passt wohl also nicht als Stellplatz?!

Wir fahren hoch ins Dorf und parkieren vor der Burg. Hunderte von Schwalben umkreisen die Festung, klammern sich an die Felsen, klettern in kleine Nischen und schiessen dann wieder in die Tiefe hinab. 
Ob wir mit dem Womo durch die Gassen von Linhares kommen? Wir spazieren mal los und wollen zuerst einmal bei Helena, der Wirtin von der Cerveseria Mimosa, vorbeischauen. Sie kommt auch gleich aus dem Haus, als wir ankommen. Sie ist ganz in Schwarz und das Restaurant ist geschlossen. 
Sie erzählt uns, dass ihr Mann gestorben sei und dass das Restaurant jemand anderem gehört und jetzt renoviert wird. Sie zeigt es uns und wir finden es jammerschade, dass das alte Lokal einer neuen modernen und seelenlosen Einrichtung weichen musste. All die alten Poster der Gleitschirmwettkämpfe von Linhares sind weg und die alte Holzbar und grossen dunklen Holztische wurden entsorgt. So schade! Manches, dass sich ändert, ändert sich nicht unbedingt zum Besseren!
Wir laufen durch die Gassen von Linhares, messen die Breite aus und wagen es dann, mit dem Womo hindurch zu fahren. Es reicht gerade mal so. Viel breiter dürften wir nicht sein! 

Später finden wir dann heraus, dass die eigentliche Hauptgasse, die durch und um das Dorf führt die Breiteste ist! Wir hatten das anders in Erinnerung und darum gar nicht erst ausgetestet. Ha, ha! 
Am Weiher, der am Rande der Bergstrasse liegt, wo wir vor zwei Jahren immer unser Mittagsbad genossen haben, werden wir ein drittes Mal enttäuscht! Sie haben ringsherum einen Zaun gezogen! Somit können wir es vergessen, uns an den Rand zu stellen. Ganz zu schweigen vom Baden! 
Der anschliessende Campingplatz ist leer und geschlossen....? 
Oben an der Quelle stellen wir das Womo hin. Dominik geht zu Fuss den Startplatz besichtigen. Ich warte damit bis später. Als Dominik zurückkommt, berichtet er, dass Jose, der Franzos-Portugiese, den wir von vor zwei Jahren her kennen, ihm erzählt habe, dass der alte Startplatz als "Privatplatz" deklariert wurde und dort nicht mehr gestartet werden darf. Der Landbesitzer wollte auf einmal Geld für die Nutzung des Terrains. Wohl, weil vorher spekuliert wurde, das Land teuer für Windmühlen zu verkaufen. Da die Bewohner sich aber gegen die Windmühlen gewehrt haben, kam das Projekt nie zustande. Die Obergemeinde Celorico da Beira hat dann kurzerhand auf dem Hang nebenan zwei neue Startplätze ausgebaggert! Sie sind zwar nicht so perfekt wie der alte, aber immerhin! So läuft das also. "The only thing who stays the same is change!" 
Am nächsten Morgen sitzen wir im dicken Nebel! Puh! Gegen Mittag lichtet er sich aber und tatsächlich fliegt schon einer! Wir fahren rüber zum Startplatz und schauen zu, wie ein Familienvater, der drei Jungs dabei hat, die ihm mit dem Schirm helfen, rausfliegt. Dominik folgt ihm wenig später. Nach einer halben Stunde oder so sehe ich, wie er runterfliegt. Ist wohl zu starkwindig! Ich fahre ebenfalls runter, durch die engen Gassen und weiter bis zum Landeplatz. 
Dominik hat von der Flugschule "Wind" die Erlaubnis, dass wir hier stehen dürfen. Wir gehen aber noch ins Restaurant und fragen dort nach, ob es in Ordnung sei, wenn wir und noch ein weiteres Womo für ein paar Tage auf ihrem Land stehen. Die junge Frau meint ja, kein Problem! Supi! Und Wasser dürfen wir auch noch gleich tanken! Wir stellen uns ans hintere Ende, weg von der Strasse und von den Parkplätzen. Prima! So haben wir das fliegerische Geschehen immer schön vor der Nase. Und auch der Zorro kann sich hier nach Lust und Laune vertun. 
Schon kurz nach unserer Installation auf dem Stellplatz tauchen Rainer und Henny mit ihrem Womo auf! Wir waren die letzten Tage in SMS-Kontakt wegen der Absicht Hennys, sich mit dem Gleitschirmfliegen auseinander zu setzen. Offenbar ist sie in Marokko auf den Geschmack gekommen. Ursprünglich dachten wir eigentlich, dass sich Manteigas bestens dafür eignet, doch jetzt wissen wir, dass es für totale Anfänger ziemlich ungünstig gewesen wäre. Linhares bietet da einfachere und darum bessere Bedingungen. Obwohl, auch hier gibt es keinen Anfängerhügel! 
Gemeinsam fahren wir in ihrem Womo hoch ins Dorf, um es uns anzuschauen! 
Linhares ist eine Pracht und wenn man es das erste Mal sieht ist man von der urchigen Architektur, den wuchtigen Granitblockhäusern sehr angetan. Viele der Häuser sind um 1600 entstanden und scheinbar hat sich das Dorfbild seit damals nicht arg geändert! 
Auch die Leutchen, die hier wohnen wirken wie von anno dazumal! Rainer unterstreicht das auf seine Weise mit einem urchigen Gestöhn, indem er durch ein Plastikrohr bläst. 
Ich mache viele Stunden Aufziehübungen mit dem Astral. Am Wochenende sind auch einige Flugschüler mit dem Bodenhandling des Schirms beschäftigt. Ich muss feststellen, dass es im laminaren Meerwind einiges einfacher war, den Schirm oben zu halten als hier, wo er ab und zu die Richtung wechselt, mal stärker und mal schwächer ist. Also eine gute Übung!  
Der Helm ist unabdingbar. Hin und wieder puffen die thermischen Ablösungen ganz schön über die Wiese. Aber es wird heiss unter dem Kampfhut! Nach zwei, drei Stunden bin ich jeweils nass geschwitzt. 
Auch Henny versucht sich einmal mit diesem Schirm, der sich aber als zu schwierig für blutige Anfänger erweist. Einmal reisst es sie glatt nach hinten und auf den Rücken. Gut, dass wir damals den Helm von Carlos Gil gekauft haben! Denn diesen hat sie an und ihr Kopf nimmt keinen Schaden, als sie mit Schwung nach hinten gezogen wird. Am folgenden Wochenende bekommen wir dann einen alten Schülerschirm, der sich einiges einfacher anpacken lässt und wir trainieren mit Henny das Rückwärtsaufziehen. Das geht mit diesem Schirm eindeutig einfacher und Henny ist wieder motivierter... ;-) 
Am Landeplatz lernen wir Samuel von www.sam-cam.com kennen. Er erklärt uns die Verhältnisse der Beziehung zwischen seiner Schule "Wind" und der Einrichtung "Inatel", welche eine öffentliche ist. 
Wir haben Interesse, eine Ausrüstung zu mieten, die ich und Henny gemeinsam nutzen könnten. "Wind" hat leider nur das Equipement dabei, das sie für sich selbst brauchen und Ausrüstung von der Inatel zu mieten ist nicht möglich. Aber Samuel meint, dass Carlos Gil, der Instruktor, mit dem ich den Tandemflug an der Küste von Nazare gemacht habe, in den nächsten Tagen hier sei und dann eine zusätzliche Ausrüstung mitnehmen könnte! Das wäre natürlich praktisch! Wir werden sehen, was sich machen lässt! 
Nach dem Ausflug ins Dorf haben wir uns einen Apero verdient. Wir trinken zwei(!) Flaschen Sekt, die Rainer und Henny mitgebracht haben. Da das Restaurant am Landeplatz leider keine Küche hat, kochen wir uns später selbst was. Rainer und Henny sind müde von der langen Reise rings um die Serra und wir von den Aufziehübungen! 
An einem Abend ist Vollmond und wir harren solange aus bis der wackere Kerl sich endlich im Osten zeigt. Dominik und ich haben uns in unsere Decken eingehüllt und so lässt sich's einigermassen aushalten. Der Landeplatz liegt doch auf etwa 700m und es ist recht kühl hier oben. 
Rainer wärmt sich mit Zorro. Kann es sein, dass ihm die Frauen doch zu kompliziert sind? ;-)
An diesem Weiher, der etwa vier, fünf Kilometer von Linhares entfernt liegt, verbringen wir ebenfalls ein paar Tage. Mit jedem Sonnentag (Temperaturen von 30°!) wärmt sich der See mehr und mehr auf. 
Ein herrliches Plätzchen, wo es sich die meiste Zeit ungestört kampieren lässt. Baden sowieso! Auch die kleinen Wasserschlangen, die wir entdecken, halten uns  (wenigstens die meisten von uns) nicht davon ab, ihn zu geniessen. 
Auch Zorro lässt die Gelegenheit nicht aus, sich darin abzukühlen. 
Henny bei unserem ersten Besuch am See. 

Der See wird zur Forellenzucht genutzt und fischen wäre eigentlich verboten. Die entsprechenden Hinweisschilder halten aber die Einheimischen nicht davon ab, sich ihren "Braten" da rauszuholen. Sie sagen, es werden immer wieder welche reingeworfen! 
Auf einer Wanderung durch die hinteren Hügel sehen wir, wie gut versteckt der See eigentlich liegt. Ohne Tipp würden wir da glatt daran vorbei fahren. 
Die Wanderung, zuerst eher ein Spaziergang auf einer Piste, die Hügel hinauf, endet mit einem abenteuerlichen Umweg durch dichten Ginster und rund um einen undurchdringbaren Birkenwald. 
An einem besonders schönen Morgen, noch bevor irgend ein Lüftchen die Seeoberfläche in Bewegung setzt und er darum wie ein Spiegel wirkt, spaziere ich ringsherum. In wenigen Minuten habe ich den See, "meinen" See, umrundet. Er ist eine Wucht, eine Pracht, ein Segen, was soll ich sagen, seufz, einfach genial... 
Rainer spielt mit einem kleinen ferngesteuerten Boot, bei welchem die Akkus nach wenigen Minuten unten sind. Dominik befreit auf einmal steuerlosen Minikutter aus seiner Seenot (obwohl das Zorro viel lieber getan hätte!). 
Dominik kommt ein paar Mal zum Fliegen. Allerdings meist erst ab 18 Uhr. Jene Superverhältnisse wie sie vor zwei Jahren herrschten, hat er leider nie angetroffen.  
An einem Abend stellen wir uns oben, in der Nähe der Startplätze auf den Picnicplatz der Quelle hin und machen einen Teil unserer Wäsche. Es windet kräftig von hinten und die tropfnass aufgehängte Wäsche ist in Nullkommanichts trocken. 

Natürlich füllen wir auch unser Flaschendepot mit dem extrem guten Quellwasser ab. 
Den Abend geniessen wir draussen. Essen vor dem Womo, den Sonnenuntergang vis-à-vis. 
Ein Grosseinkauf wird wieder einmal fällig. Wir fahren nach Guarda, welches ganz im Nordosten der Serra da Estrela liegt. 
Nach dem Einkauf wollen wir uns die Kathedrale anschauen gehen. Schade, dass der Dorfplatz davor gerade renoviert wird. 
Und zwar interessiert uns vor allem ein ganz bestimmtes äusseres Detail...
... es ist ein besonders interessanter Wasserspeier, so habe ich im Führer nachgelesen. Nicht jener hier auf diesem Bild, sondern nachfolgender...
..., der ziemlich versteckt in einer Nische, dazu noch im Schatten, aber dennoch unübersehbar und vor allem unverkennbar sein wertes Hinterteil gegen Osten (wo Spanien liegt) richtet. Man sagt, dass die portugiesisch-kastilischen Beziehungen nicht zum Besten standen, als die Kathedrale erbaut wurde.... :-)))
Wenn der Rainer so richtig in Fahrt ist, dann erkennt man das Wohnzimmer nicht mehr. Tausend Dinge sind um ihn herum verteilt und man kann sicher sein, dass er immer wieder was Neues findet, um uns zu verblüffen oder zu nerven, je nach dem... ;-). Eines ist aber sicher: langweilig wird es um ihn herum nie! 
Am Sonntag, bevor wir weiterziehen, ist es total bewölkt. Das heisst, unten im Dorf herrscht Nebel und oben am Startplatz sieht man kurze Zeit mal zwischen dickem Nebel und noch dickerer Wolkendecke einen Streifen blauen Himmel. 

Das war wohl eine Art Zeichen! Denn nach einigen Aufziehübungen in dichtem Nebel, die es allerdings wirklich brachten (Lust auf einen Film? Dann ziele mit der Maus auf das nebenstehende Bild!), kam gegen 16 Uhr dann doch noch die Schule und es hiess: Fliegen möglich!
Im ersten Moment rutscht mir bei so einem Bescheid immer das Herz in die Hose. Es braucht schon ein wenig Mut aus Trockenübungen einen echten Flug zu machen...
So kam ich an diesem Tag zu drei Höhenflügen mit dem Astral.

Auf den Schulschirm, den sie mir anboten, hatte ich definitiv keine Lust und auch Dominik hatte Bedenken, ob ich es mit dem "Lumpen" bis zum Landeplatz schaffen würde. 
Zweimal rückwärts aufgezogen, einmal vorwärts! Beim dritten Flug war es so thermisch, dass ich drei "Achten" über dem Landeplatz drehen konnte. Dem Dominik muss ich hier ein Kränzchen winden! Er hat mich mit unseren kleinen Funkgeräten so versiert, sicher und perfekt runtergeholt bzw. auf den Landeplatz eingelotst, dass ich ihn jedes Mal beim Landen beinahe umgehauen hätte! 
Auch Henny kam an diesem Sonntag zu ihrem Tandemflug mit Carlos. Der Flug war zwar nicht sehr lange, doch hat es ihr dennoch sehr gefallen, Linhares und unsere Stellplatzumgebung von oben zu sehen. 

Die Schulatmosphäre in Linhares ist toll. Nach dem Erlebnis in Manteigas war es schön, wieder mit motivierten Lehrern und Schülern zusammen zu sein. Mit Leuten, denen es um's Fliegen geht und nicht um's Business!

Mit Rainer und Henny haben wir zweimal im Restaurant am Landeplatz zu Abend gegessen. Leckere traditionelle Küche mit flottem "Service soigné!" Na, und der Weisswein war gut aber jedes Mal zuviel ;/)
Nach zehn Tagen Linhares verabschieden wir uns von Rainer und Henny und von dem schönen Flecken Linhares. Obwohl Dominik nie die gleich tollen Flugerlebnisse hatte wie vor zwei Jahren war der Aufenthalt ein ganz speziell schöner! Vermutlich hat auch die Gesellschaft von Rainer und Henny die eh schon durch die Aufziehübungen spannende Zeit noch würziger gemacht.
An der portugiesisch-spanischen Grenze stehen jede Menge gelbe Zollhäuschen in Reih und Glied. Alle leer und ihrer Funktion enthoben. Im Nationalpark de las Batuecas, kurz vor Bejar, finden wir in einem grossen Korkeichenwald einen hübschen Platz für die Nacht. Eine dicke Eiche und grobe Steintische und -bänke stehen im satten Grün. 

Morgen geht es weiter nach Piedrahita, ein kleines Fliegerdorf, nördlich der Sierra de Gredos.
Stellplatz Linhares Landeplatz: kurz bevor man das Dorf Linhares erreicht, befindet sich linkerhand eine grosse flache Wiese mit einem Windsack darauf - Wiese
Klima und Umgebung: ruhig, Bar mit Restaurantbetrieb an den Wochenenden, Spazier nach Linhares, Fliegen, Gleitschirmschule
www.sam-cam.com
Infrastruktur: Wasser beim Restaurant, Gratisinternet in Celorico da Beira
Stellplatz Linhares Quelle: durch Linhares hindurch und weiter den Berg hinauf, fast ganz oben gibt es rechterhand Holztische und -bänke, auf der gleichen Höhe links ist die Quelle - Wiese, Asphalt
Klima und Umgebung: absolute Stille, atemberaubende Weitsicht, Wanderung über die Serra
Infrastruktur: nada, bestes Trinkwasser aus der Quelle
Stellplatz Linhares Badeteich: nach dem Landeplatz links, durch einen kleinen Weiler, nach insgesamt ca. 4km erreicht man eine Anhöhe, rechts 5m die Piste hinauf und erst dann sieht man den Teich - Wiese
Klima und Umgebung: sehr ruhig, viel Morgensonne, Baden, Spaziergänge
Infrastruktur: nada, Wasser im vorherigen Dorf

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