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13. Februar 2010

 

 

 

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Reisebericht Spanien 2003-2 Andalusien
 

8. April 2003, Sta Pola (Alicante) - San José (Almeria)
Hola Andalucia! Naturpark Cabo de Gata

Ok, wieder in die Garage. Der Azzi muss auf den Bock und kriegt ein neues ABS-Kabel. Wir haben vorab die Fahrräder runtergeholt und wollen an die Beach runter radeln, sofern wir sie finden. Beim Bau der vielen neuen Quartiere und Strassen hatte man sogar an die 2-Rad-Gänger gedacht und Fahrradwege eingerichtet. Doch offensichtlich war da kein praktizierender Velofahrer an der Architektur dieser Wege beteiligt, denn an jeder Seitestrasse geht das Trottoir voll runter, kein Übergang, kein Sims! Wir waren auch die Einzigen auf dem langen Weg bis zum Strand. Dieser ist allerdings sehr eindrücklich, sehr breit und kilometerlang, sicher regelmässig gesiebt und gepflügt. Die Hochhäuser hingegen mögen zwar sinnvoll sein, aber sie erschlagen einen. Mit dem Velo  war es witzig, die Promenade rauf- und runterzufahren.
Als wir, wie mit dem Garagier abgemacht, in 1 ½ Stunden wieder zurückwaren, war der Azzi natürlich noch nicht einmal auf dem Bock oben. Wir mussten nochmals solange warten, bis er dann endlich fertig war. Gut hatten wir vorher noch die Campingstühle ausgepackt. So konnten wir die Warterei wenigstens, wenn auch in ungewohnter Umgebung, so doch bequem, verbringen.

So, heute kommen wir über die andalusische Grenze. Die Provinz Almeria ist die erste. San José im Naturpark Cabo die Gata unser erstes Ziel. Die Landschaft ist hier, kaum ist man im Naturpark und durch die endlosen Plastikplantagen durch, wunderschön. Es grünt sogar und ein wilder Miniweizen leuchtet golden und beugt sich tief im starken Wind. Regelrechte Agavenwälder und Kaktusfelder verleihen der Gegend eine bizarre Ambiente.

San José ist auf den ersten Blick ein hippig-flippiges Dorf. Für heute Nacht fahren wir in die Playa del Monsul! Wow! Genial schön. Links eine riesige Sanddüne, rechts skurille Sandsteinklippen, dazwischen wunderbarer Sandstrand, wir mitten drin, vom Winde verweht.

9. April 2003, San José (Almeria)
Küstenwanderung, Sandfliegerei

Das Campieren in den Buchten ist an sich verboten. Wir rechneten daher auch damit, dass wir eventuell verjagt würden. Als am Morgen dann die Guardia Civil auftauchte, dachten wir schon, das war's jetzt mit dem schönen Plätzchen, aber nein, die ignorierten uns einfach! Pah! Super!
Wir machten uns für unsere Wanderung bereit, als ein junger Typ auftauchte, Filzhaare, kurze Hose, zwei Plastiksäcke in der Hand, über und über mit Sand eingerieben, lief er an uns vorbei und zur Strasse hinauf. Dort zog er sich die Hose aus und marschierte nackt weiter!? Tia, das nennt man Reduzierung auf das Wesentliche!

Die Wanderung durch den Talboden war wunderschön, alles blüht und duftet hier. Zig verschiedene Blumen, Sukkulenten, Kakteen, dorniges Gestrüpp in vielen verschiedenen Variationen. Von der Strasse aus, erwartet man diese Vielfalt gar nicht. Wir sind platt ab soviel schöner und wilder Natur. Unsere Wanderung führt uns noch an anderen wunderschönen wilden Buchten vorbei, hoch bis zum Leuchtturm. Der Wind hat in die Sandsteinhänge Höhlen getrieben, welche offensichtlich auch von Menschen bzw. Schafen benutzt worden sind. Ob der junge Typ von vorhin wohl hier drin übernachtet hat? Kerzen und alte Matten lassen darauf schliessen.
Es ist schade, dass es als Wanderweg an der Küste entlang nur diese Schotterstrasse gibt. Nach einer Weile wird sie ziemlich langweilig. Aber einen Pfad gibt es leider auch nicht. Zurück von der Wanderung kommt wieder die Sonne hervor. Der Wind hat ebenfalls ein bisschen nachgelassen. Ein Sonnenbad ruft. Oh ja, das tut gut, nach all diesen kalten Winden wiedereinmal an der Sonne braten! Wir überwinden uns sogar, in das eiskalte Wasser zu steigen.
Die schöne Stimmung und der mässige Wind verleiten Dominik zu Aufziehübungen am Strand. Mit Hilfe meiner Stosskraft fliegt er sogar ein paar Meter. Zwei Briten, die wohl mit mir Mitleid hatten, bringen es dann sogar fertig, Dominik etwa 3m in die Luft zu bringen! Dafür ist jetzt natürlich der Schirm voll Sand.  
Der zunehmende Wind verunmöglicht es, den Sand aus dem Schirm zu hieven. Das muss also warten.
Verflixt, der Wind bläst und bläst und will einfach nicht aufhören. Langsam aber sicher haben wir von ihm die Nase voll!
10. April 2003, San José (Almeria)
Wadiabenteuer

Heute ist eine Küstenwanderung von San José östlich Richtung Los Escullos angesagt. Bis wir losziehen ist es natürlich schon wieder Mittag (fürs Einkaufen brauchen wir immer ziemlich viel Zeit: gucken, schauen, studieren, diskutieren...).
Der Wind bläst uns den Pfad beinahe hinauf. Er verläuft hart am Berg und lässt grandiose Blicke auf die schroffe und wilde Küste zu. Scheinbar wird der Weg auch von Arbeitsmaschinen befahren. Die Vegetation ist zwar am Strassenrand wirklich spannend und erstaunlich bunt, aber das Marschieren auf einer "Baustrasse" ist nicht wirklich schön. Trotzdem, es tut gut, wieder einmal richtig gehen zu können. Die ganze Zeit über begleitet uns der heftige Süd-/Südwestwind. Stellenweise sind die Böen so heftig, dass man das Gefühl hat, der Wind bestimmt, wohin unser nächster Fusstritt gesetzt wird.
In Los Escullos wäre die Wanderung nach unserem Führer zu Ende und es ginge auf gleichem Weg zurück. Nachdem wir uns an der Beach im Windschatten bizarrer Felsen ein wenig erholt haben und nach genauem Check der simplen Karte aus dem Führer, beschliessen wir den Rückweg über das trockene Flussbeet zu nehmen. Ein bisschen Abenteuer muss sein. Und es zeigt sich, dass es der genialste Teil der ganzen Wanderung wird. Die Rambla (das Flussbeet) bietet landschaftlich viel Abwechslung und die Blumen und Pflanzen sind wahnsinnig schön. Herrlich ist das Wandern hier! Zufrieden und müde kehren wir gegen Abend wieder zu unserem mobilen Heim zurück.
In San Jose hat es ein Internetcafé. Das müssen wir natürlich auschecken. Viel Zeit mögen wir allerdings nicht dort drin verbringen. Wir sind erstaunt über die schnelle Verbindung, beantworten kurz ein paar Mails, stellen fest, dass Bagdad zwischenzeitlich gefallen ist und dass das Wetter uns den Durchgang einer Kaltfront beschert hat. Den Tag beschliessen wir mit einer Pizza.
11. April 2003, San José - La Garoffa (Almeria)
Warm Duschen

Die Nacht haben wir diesmal in der vorderen Bucht "Playa de los Genoveses" verbracht. Wie jeden Morgen kommt auch diesmal wieder die Guardia Civil, just in dem Moment, als ich noch voll verschlafen aus dem Camper steige! Muss das sein?
Nach dem Frühstück machte ich mich auf einen ausgedehnten Spaziergang am Meer. Das Gewächs  zwischen Land und Meer ist wirklich speziell. Riesige Agaven und andere Dornensträuche, wunderhübsche leuchtendgelbe Polsterblumen. Eine wunderbare Bucht und es ist herrlich, soviel Zeit wie ich will, damit zu verbringen, alles anzuschauen und aufzunehmen.
San José ist überhaupt ein heisser Tipp für einen Bade-/Wander-/Bikerurlaub. Ein lässiges Dorf mit Infrastruktur und trotzdem nicht zuviel Tourismus. Gelegen in einer der wohl wunderschönsten Gegenden von Andalusien. Und die Buchten sind vom Feinsten! Erreichbar von San José easy per Fahrrad in wenigen Minuten.
So wir wollen heute noch ein bisschen weiter. Es ist bedeckt, also ideal für die Stadtbesichtigung von Almeria. Nach 3 Stunden Stadt und Alcazaba (Festung) sind wir geschafft.
Rauche heute meine letzte Zigarette. Mal sehen...
In La Garoffa, etwa 4km westlich von Almeria, finden wir einen hübschen und speziellen, weil unter dem alten Viadukt gelegen, Campingplatz. Duschen, Haare waschen, Wäsche waschen ist angesagt. Seit 11 Tagen die erste richtige Dusche und dann auch noch mit Warmwasser. Wahhh. Tut das gut.
12. April 2003, La Garoffa - Aguadulce (Almeria)
Suche nach dem Fluggebiet Almeria

Suche nach dem Startplatz. Haben die falsche Strasse in die Berge erwischt, dabei aber ein schönes Tal  mit Wahnsinnsblick auf die riesige Plasticultura von Aguadulce durchfahren. Das ganze Delta ist komplett zugebunkert mit weissem Plastik, dass in der Sonne wie Schnee aussieht. Von hier kommen viele der Tomaten, Peperoni, Auberginen usw., die wir Zuhause im Einkaufsregal liegen sehen, her.
Beim zweiten Anlauf dann finden wir den Landeplatz und die Strasse zum Startplatz hinauf. Drei Paragliders sind bei offensichtlicher Thermik am Soaren. Die Strasse hinauf müssen wir allerdings zu Fuss machen, für unseren Azzi zu steil und brüchig.
Bevor wir losziehen, landen zwei und der Jeep von der Flugschule kommt auch gerade vom Berg runter. Der Typ meint, der Wind hätte eben geändert und heute wär's nicht mehr gut, zu fliegen. Er gibt uns aber seine Nummer und eine Einladung, ihn und seine Familie in Adra besuchen zu kommen. Cool.
Wir spazieren zum Startplatz hinauf und geniessen die Abendsonne, welche die Plasticultura glänzen lässt. Von dort oben erspähen wir auch einen vermutlich guten Nachtplatz zwischen Aguadulce und Roquetas de Mar. Eine grosse Strandebene und Sumpflandschaft und weit und breit kein Camper. Wieso wohl das? In der Nacht sind zwar mal Besoffene unterwegs und müssen mit den Autoscheinwerfern in jedes Auto leuchten, aber ansonsten ist der Platz wunderbar zum Pennen.
13. April, Aguadulce - Tabernas (Almeria)
Colativi, Wild Wild West

Die warme Sonne weckt uns. Der Wind ist ruhig, trotzdem ist es insgesamt zu kühl, um draussen zu frühstücken. Das war erst einmal möglich: Auf dem Campingplatz von La Garoffa. Na ja, was soll's, wir nehmen's so wie's kommt.
Wir fahren durch das Gebiet, in welchem die grossen Hollywood-Wild-Western gedreht wurden; die Wüste südlich der Sierra de los Filabres. Hier könnte man sogar eine Show in "Mini Hollywood" anschauen gehen! Da wird scheinbar jeden Tag ein Banküberfall inszeniert! Uns genügt vorerst der tolle Blick über diese Wildwestgegend. Wir fahren hinauf nach Turillas und bewandern das Alhamilla-Gebirge. Der Colativi hat zwar weder Cocacola noch TV, was man ja annehmen dürfte, dafür aber geniale Ausblicke  auf die schneebedeckten Spitzen der Sierra Nevada und all die anderen Sierras ringsherum. Und es duftet immer wieder so fein. Es dauert aber, bis wir herausfinden, dass der Duft stark an Kokosnuss erinnert und welche Pflanze dazugehört. Leider führt auch diese Wanderung grösstenteils über asphaltierte oder hässliche Schotterpisten. Die Pfade aus dem Dorf hinaus und wieder hinein sind jeweils die schönsten Teile an der Wanderung, mal abgesehen von der Aussicht. Vermutlich kennt man das hier nicht: die Pflege und den Unterhalt von Wanderwegen. Schade!

Die Abendsonne begleitet uns auf dem letzten Wegabschnitt ins Dorf zurück. Die Farben sind wunderschön, alles grünt und blüht! 
Den Azzi haben wir vor der Kirche abgestellt. Es ist Sonntag und als wir zurückkehren, sehen wir von weitem wie der Pfarrer die Leute draussen vor der Kirche neben unserem Azzi segnet. Ojemine! Da können wir jetzt nicht hin und unsere Socken ausziehen, wir würden dem Pfarrer glatt die Show stehlen. Also genehmigen wir uns in der Dorfbar halt ein Bierchen, dazu frischen Käse mit Mandeln und zum Abschluss eine Zigarette. Ja, leider, leider habe ich es noch nicht gepackt!
Übernachten wollen wir in dem grossen Wadi unten im Canyon. Wir finden sogar eine Zugangsstrasse. Nach dem Abendessen bewölkt sich aber der Himmel und es sieht nach Regen aus. Also, wieder hinaus. Auch wenn es mehr als unwahrscheinlich ist, dass es soviel regnet, dass sich dieses Flussbeet füllen könnte, es wäre trotzdem leichtsinnig hier zu bleiben.
14. April 2003, Tabernas - Rio Andarax (Almeria)
Canyonausritt auf Stahlross

Endlich wieder einmal den Lappi hervorgeholt und nachgeschrieben, während Dominik das Wadi durchstöbert. Nach dem Mittagessen packen wir unsere Stahlpferde und galoppieren das Wadi hinunter! Die erste Strasse (Wadis werden auch als Strassenführung genutzt), bringt uns zu Texas-Hollywood. Aber 10 Euro für den Eintritt erscheint uns zu überrissen und die Sache überhaupt kitschig. Wir machen mit dem Fahrrad einen Bogen um das Gelände und schauen den Canyon von oben aus an . Es ist eine wirklich coole Kulisse. Wir radeln ziemlich weit hinunter und wieder zurück. So sind wir auch heute ins Schwitzen gekommen.
Am Nachmittag stiefeln wir nochmals zu Fuss los (die Gegend ist so faszinierend!). Ab und zu sehen wir Hasen davongaloppieren, eher selten ein Eidechschen. Heute sogar eine Riesenechse, davonrennend. Das "Herumstrieznen" durch die Gegend machen wir beide sehr gerne und dieses Wadi hier ist wirklich verführerisch . Unvorstellbar, dass hier Wasser durchkommt, es ist alles so trocken.
Gegen den späteren Nachmittag brechen wir Richtung Granada auf. Ein wunderschöne Strecke, entlang dem Rio Andarax bringt uns südlich an die Sierra Nevada. Die Blicke auf diese Gegend sind atemberaubend schön , die Dimensionen so gigantisch, dass man baff ist. Diese braune Bergwelt wird hin und wieder durch blütenweisse Dörfer aufgelockert. Die Erosionen meisseln dünenartige Strukturen in die Berge. Es sieht schlicht fantastisch aus.
In einem kleinen weissen Dorf machen wir Halt. Das ganze Dorf ist eingehüllt in Orangenblütenduft! Wahnsinn! Das riecht so gut! Wir spazieren kreuz und quer durch das Dörfchen und stellen ein wenig überrasch fest, dass es den Leuten scheinbar gut geht hier. Jedes Haus ist in gutem Zustand, alles gut unterhalten und gepflegt. Es scheint, die Leute hier haben hier ihr Einkommen. Als wir am Schluss zur Kirch kommen und sie verschlossen vorfinden, eilt auch schon eine alte Frau auf uns zu und schliesst uns das Tor auf. Sie erklärt uns was über den alten Bau (etwa 15. Jahrhundert) und der alten Statue des Muschelpilgerers Jakob. An den Wänden entlang der Bänke sind überall, so ganz unromantisch, Ventis installiert! Wird wohl heiss hier drin im Sommer!
15. April 2003, Rio Andarax - Calahonda (Granada)
Was essen Camper eigentlich?

Haben lange ausgeschlafen. Es war aber auch verdammt kalt hier oben (vielleicht so 1200 müM), da kriecht man nicht gerne aus dem warmen Schlafsack!
Aufsuche nächster Flugort: Cartala. Aber es ist zu windig.
Also zuerst mal Mittagessen. Meist ist das übrigens Couscous mit Salat (grüner, Peperoni, Tomaten, Zwiebeln, Gurken). Wir lieben diese Art Taboulé.
Nachmittags wird rumgehängt. Ich schreibe, Dominik repariert die Sonnenstore, welche beim letzten Einsatz gelitten hat.
Habe gestern auf dem Colativi wieder einmal "die Letzte" angezündet. Bis jetzt geht's gut...
Sind wieder an die Küste runtergefahren. Aber die Gegend ist grässlich. Alles verschandelt mit Plasticultura.
Finden trotzdem Superplatz an einer wunderschönen kleinen Beach. Das Wasser schimmert türkis in der Abendsonne, die Brandung schlägt gegen wuchtige Felsen rechts und links der Bucht. Abendsonne im Gesicht. Ach tut das gut!
Diese Nacht ist klarer Vollmond. Wahnsinnig schön, wie das Meer und die Küste im Silberlicht glitzert und alles auf Schwarz-Weiss reduziert wird. Auch die Fischer sind wieder da. An der Angel leuchtet oben ein grünes Neonlicht. So sieht man sie dann in der Nacht: eine Reihe grüner Lichter!
16. April 2003, Calahonda (Granada)
Rumhängen und Einkaufsstress

Den ganzen Tag an der Beach rumgehangen. Über die Felsen zum zerfallenen Wachtturm geklettert. Waren sogar richtig im Wasser, obwohl sicher nur gerade 15°! Mussten noch schnell nach Calahonda rein und einkaufen, denn morgen und übermorgen sind Osterfeiertage und alles geschlossen, wie wir hörten.
17. April 2003, Calahonda - Almuneca (Granada)
Voll auf Kultur

Leider ist diese schöne Bucht an diesem Morgen nicht mehr so reizvoll: es giesst nämlich. Ausser den Fischern und uns ist niemand da. Am Mittag reisen wir ab, fahren Richtung Süden weiter. Immer in der Hoffnung, endlich auf stabiles schönes Wetter zu stossen.
Solabrena gehen wir anschauen. Es ist hübsch, speziell, weil auf einen Fels gebaut. Von der Festung oben sieht man übers Land. Ein alter Herr erklärt uns, dass alles, was man hier sieht, Rohrzucker ist! Wenn wir ihn richtig verstanden haben, ist Solabrena der einzige Ort in Europa, wo Rohrzucker angebaut wird.
Als wir uns die Festung ansehen wollen, schliesst diese gerade wegen Siesta. Als Ersatzkultur gehlen wir in ein Lokal mit flippigen Serviertöchtern und essen eine ausgezeichnete Gazpacho (kalte andalusische Gemüsesuppe), frittierte Auberginenscheiben an Honig (jami) und eine leckere Pizza! Die Preise sind zwar touristisch, aber das Essen war echt lecker! Der Wein auch. Huch, haben eine ganze Flasche getrunken! Oje, wo führt das denn hin? Ach, das will eh niemand wissen!
Weiterfahrt Richtung Süden.
Kurz vor Almuneca an einer kleinen Bucht auf Parkplatz Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Der Sand ist schwarz. Sozusagen noch kein Volk unterwegs. Das Wetter ist aber auch gar nicht gut, obwohl doch Ostern ist!
18. April 2003, Almuneca (Granada)
Fliegen, endlich!

O.k. heute ist Fliegen angesagt. Etwa 10 km landeinwärts gibt's' bei Otivar ein Fluggebiet, dass laut nach Dominik schreit. Wir fahren ein tropisch anmutendes Tal hinein, entlang dem Rio Verde. Das Tal ist über und über bebaut mit Plantagen von Nispolas, das sind orangene, gut baumnussgrosse Früchte, relativ feste Schale, 2-4 goldig-braune Kerne drin und schmecken lecker nach Zitrone, Orange und Äpfel oder Pfirsiche? Auf alle Fälle ganz ganz fein. Es geht weit hinein und hoch hinauf. Avocadobäume hat es auch jede Menge, Orangen- und Zitronenbäume sowieso.
In Otivar genehmigen wir uns ein Bier und Tapas. Der Schinken ist extrem gut. Wird hier direkt ab dem ganzen Hinterbein geschnitten. Wir treffen ein Pärchen aus Deutschland, Luz und Ghanda. Sie haben gerade eben ein Häuschen in Otivar gekauft. Und, er fliegt. Er kennt das Gebiet hinten bei Otivar. Scheinbar null Problemo. Wir fahren rauf. Oben am Startplatz kommen grad noch Engländer und Deutsche an, welche ebenfalls starten werden. Dominik fliegt zwei Mal, nichts Spektakuläres, aber wohl schön über diesem Tal .
Zum Übernachten fahren wir wieder runter an die touristenarme Beach von gestern. Bewährtes ist meist gut.
Vorher sind wir nach Almuneca ins Internetcafe und haben euch den ersten Teil des Reiseberichtes geschickt. Ging superschnell und easy.
19. April 2003, Almuneca - La Herradura (Granada)
Villa Mobil

Für heute sind Schauer angesagt. Wir fahren also wieder einmal weiter Richtung Süden. Kommen allerdings nur bis ins nächste Dorf: La Herradura, das ist nämlich DAS Küstensoaringgebiet hier. Aber so wie der Wind bläst kann man fliegen vergessen. Ausser man wolle ausschliesslich mit dem Rückwärtsgang fliegen. Die Beizen am Strand sind verführerisch, aber osternbedingt bumsvoll. Wir nehmen uns also eine Ration Paella zum Mitnehmen und fahren an den Platz, den wir vorher entdeckt hatten, als wir den Startplatz anschauen gingen. Der Platz ist megaschön. 
Mitten in einem Villenviertel haben sie ein Eckchen vergessen, zu überbauen. Gerade richtig für unsere Villa Kunterbunt auf vier Rädern. Wir installieren uns und geniessen die genialste Paella, welche ich schon je hatte, zusammen mit Vino Tinto aus dem Kühlschrank! Jammmmiii!. Der Platz ist sensationell. Wenn bloss der Wind nicht wäre! Die Hängematte installieren wir trotzdem. 
Irgendwann am Nachmittag fährt ein weisser Bus vor und ein Pärchen steigt aus. Natürlich aus Deutschland, natürlich fliegen sie. Sie gehen den Startplatz checken. Anschliessend wird bei einer Runde Cerveza übers Fliegen verhandelt. Sie sind für etwa ein halbes Jahr unterwegs in Spanien, Portugal und Norwegen. Ihr Hyundai ist schlicht ausgebaut, aber sympathisch. Da beide fliegen ist das natürlich ihr hauptsächliches Interesse. Nach viel interresantem Gequatsche fahren sie noch runter ins Dorf um Abend zu Essen und was von der Semana Santa (Osterfeierlichkeiten) zu sehen.
20. April 2003, La Herradura (Granada)
Rückwärtsgang und angelegte Ohren

Es windet noch immer viel zu stark. Fliegen ist also nicht drin. In der Nacht hat es kurz geregnet. Beim Aufstehen war es noch windstill, doch ab 10h hat er wieder voll eingesetzt. 
Es ist jeweils hart, mitansehen zu müssen, wie Dominik sich das Fliegen wieder ans Bein streichen kann, wenn der Wind so heavy einsetzt. Aber, Na ja, kann man nix machen, gäll.
Sonja und Christian, die beiden Deutschen reisen weiter. Wir werden uns aber sicher wieder irgendwo treffen!
Wir gehen auf einen ausgiebigen Spaziergang den Villenhügel hinauf und drüben runter in den Hafen. Phantastische Aussichten  und abenteuerliche Wege.
Nach einem leckeren Salat gibt's eine kurze, aber feine Siesta  und dann langer Spaziergang am Strand. 
Und siehe da, der Wind wird langsam ruhiger. Nichts wie an den Startplatz. Dominik legt einen ziemlich spektakulären, um nicht zu sagen, kriminellen Starkwindstart hin. Ich sehe ihn schon im Kaktus. Möglichst sofort steht er im Speeder, um vom Startplatz wegzukommen. Mein Herz schlägt noch ziemlich stark, als ich sehe, wie er steigt, steigt und nochmals steigt. Es geht nicht lange und er legt die Ohren an (macht den Schirm kleiner, soll ihn runterbringen). All zulange ist er dann auch nicht oben. Es ist ihm offensichtlich nicht ganz wohl bei diesem Wind.
Kaum bin ich zurück an unserem Stellplatz, kommt Dominik mit jemandem per Auto zurück. Ein weiterer Christian, ebenfalls aus Deutschland, hat seine Landung beobachtet. Wir gehen alle nochmals zum Startplatz und betrachten die Windlage. Christian hat einen Windmesser dabei. Der gibt am Startplatz etwa 20km/h. Aber am hinteren oberen Ende des Startplatzes haben sie Böen bis 30km/h gemessen! Wir warteten also ab, bis die Sonne unterging. Und das war schon bald der Fall. Der Wind liess dann tatsächlich nach. Beide machen einen wunderschönen Abendflug über La Herradura und landen erst, als es eindunkelt.
21. April 2003, La Herradura - Otivar (Granada)
Zelebrierung der Fliegerei

Kabeln mit Sonja und Christian. Wir wollen uns in Otivar treffen. Auch Christian No 2 wird kommen. Scheint ein richtiger Fliegertag zu werden! Sogar Luz und Ghanda von Otivar sind da. Lustig, für Gleitschirmflieger ist die Welt, glaub ich, klein.
Alle machen einen guten, nicht allzu langen Flug. Dominik geht als erster raus und dreht superfrech gleich nach dem Start ein. So hab ich ihn noch nie gesehen. Es scheint, dass er, bei guter Ambiente auch fliegerisch in Hochform kommt. Als letzter geht Christian raus. Eine plötzliche Böe beim Start hievt in sicher 10m in die Höhe und gleich darauf wieder runter. Puh, lieber er als ich.

Um 15h sind dann endlich alle unten und wir versammeln uns zu einem grossen gemeinsamen Mittagessen. Gemütliche Runde. Einfach schön.

Es ist schon 18h als den Fliegern in den Sinn kommt, vielleicht nochmals da hoch zu fahren und vor allem natürlich wieder runterzufliegen. An sich ist es für einen guten Abendflug zu spät, aber egal, Spass wird's trotzdem machen.
Der Landeplatz dort in Otivar ist ja schon ein bischen speziell. Die Thermik rings um den Platz zeigt, wer fliegerisch top ist und trotz unvorsehbaren Lüftchen den angepeilten Ort einigermassen erwischt oder eben, wie des öfteren zu sehen, auf der Strasse davor landet.
Sonja und Christian und wir werden die Nacht am Landeplatz verbringen. Gemeinsames Kochen und Abendessen bei Kerzenlicht machen diesen Tag zu einem sehr schönen und erlebnisreichen. Unten im Tal leutet das Dorf Otivar wie ein glühender Drachen und über uns glänzt der Sternenhimmel.
22. April 2003, Otivar - Torre del Mar (Malaga)
Tropental und Tourischock

Sonja und Christian fahren weiter Richtung Cordoba. Wir runter an die Küste.
Vorher aber wandern wir runter an den Rio Verde und diesem ein Stück entlang. Avokadosplantagen! Wir checken aber nicht, wieso einige Bäume Früchte tragen und die meisten anderen nur Blüten. Am Fluss unten erschrecken wir eine ziemlich grosse Schlange. Gibt's die also doch noch hier. Der Bach lockt uns, zwar ist er für mich zu kalt, um ganz reinzugehen. Aber die Gelegenheit, mich gründlich zu waschen, lasse ich mir nicht entgehen. Leider fängt es bald einmal an zu regnen. Na ja, umsonst sieht es hier nicht so tropisch aus!
An der Küste unten fahren wir wieder nach La Herradura und genehmigen uns dort mitten auf der Beach eine Siesta. Dann fahren wir weiter und überqueren die Provinzgrenze zu Malaga.
Nerja war auf meiner Liste TO SEE. Doch sie ist leider zu touristisch für unseren Geschmack. Da wir aber schon mal reingefahren sind, beschlossen wir, den Balkon Europe doch anzusehen bzw. von dort zu gucken. Der Blick auf Nerja und die Berge dahinter ist allerdings sehr schön. Trotzdem, Nerja ist zu gross schon und zu touristisch für unseren Geschmack. Wir fahren weiter. In Torre del Mar finden wir in der Nähe des Hafens einen Platz zum Schlafen. Wieder mal im Campingverbot, also ungestört und ruhig.
23. April 2003, Torre del Mar - Montes de Malaga (Malaga)
Verkehrschaos

Die Weiterfahrt brachte uns fast unbemerkt nach Malaga. Ohne dass wir das wirklich beschlossen hätten, fuhren wir rein nach Malaga-Stadt und runter an den Hafen. Wir nahmen die Fahrräder, um Malaga anzusehen. Endlich konnte ich meine Fotos entwickeln lassen. Gerne hätte ich diese zwar digitalisiert auf CD gehabt, aber 25 CHF pro CD, das ist allerdings zuviel für mein Budget. Wie ich die Bilder jetzt auf vernünftige Art und Weise ins Internet kriege, weiss ich allerdings auch noch nicht!
Malaga ist ansonsten schrecklich. Ok, eine Grossstadt mit den entsprechenden Vorteilen aber eben auch unschönen Seiten. Die Tapas am Mittag waren mittelmässig bis schlecht. Leider. Der Stadtverkehr mühsam, wie halt überall in Spanien. Dort, wo es viele Lichtsignale gibt wird's halt auch entsprechend mühsamer mit dem Vorwärtskommen.
Die Strasse raus nach Montes de Malaga fanden wir überhaupt nicht. Wir haben unser Ziel dann quasi von hinten angepeilt.
Die Nacht verbrachten wir dann schon innerhalb des Naturparks von Montes de Malaga mit einem Wahnsinnsblick auf Malaga und die umliegenden Berge.
24. April 2003, Montes de Malaga (Malaga)
Naturpark: auch für uns Ruhe und Erholung
Wir machen eine hübsche Wanderung durch den Naturpark. Die Vegetation ist auf dieser Höhe nicht ganz unähnlich der Schweiz. Auf dem Rückweg wandern wir an einem Hotel vorbei, welches noch nicht geöffnet hat. Wirklich schön. Völlig abgelegen im Föhrenwald mit Wanderwegen kreuz und quer durch die Landschaft gefräst.
Auf der Rückseite des Hotels ist eine riesige drehbare Himmelskarte mit den hier sichtbaren Sternbildern angebracht. Davor eine Tribüne und ein Lehrerpult. Lustig und spannend.
Wir geniessen den Rest des Tages mit Sonnenbaden, Duschen, Haare waschen usw.
25. April 2003, Montes de Malaga - Malaga Est (Malaga)
Erfolglose Suche - Nette Strände
So, heute möchte ich mich doch mal auf Hundesuche machen. D.h. die Tierstation Esperanza, welche in Malaga sein müsste, würde ich gerne mal anschauen gehen. Also, eine Adresse habe ich und die geb ich ins System ein. Wunderbar, unsere Navigationsdame findet sogar die entsprechende Strasse und Hausnummer und lotst uns auch supermegamässig genau an die richtige Stelle, nur da sind keine Hunde und schon gar keine Tierstation. Irgendwas stimmt nicht. Die Adresse kann nicht stimmen. Für den Moment aber vergessen wir die Suche. Es ist heute zu heiss, die Beach ruft. In Malaga Est finden wir eine Parklücke direkt am Strand. Genial. Überhaupt ist hier alles ein bisschen redimensioniert. Das gefällt uns dann schon besser als die Bauten der Touristenmetropolen.
Zur Abwechslung wollen wir wieder einmal auswärts Essen gehen. Viele Lokale sind allerdings noch nicht offen. Wir finden aber einen, der uns frischen Fisch über der Kohle macht. Das Beigemüse ist allerdings spärlich. Ich habe aber den Verdacht, dass unser spärliches Spanisch halt hier seine Grenzen zeigt.
Wir finden schon wieder einen Superübernachtungsplatz am Meer, wo wir ungestört und relativ sicher sind. Wir haben sogar Trinkwasserleitung in der Nähe. Unglaublich. Wie das wohl im Sommer sein wird?!
26. April 2003, Malaga Est - El Chorro (Malaga)
Die Stauseen, Garganta El Chorro
Wir fahren raus gegen Nordwesten. Dort sind die grossen Stauseen. Ein Wanderung führt uns runter an den Eingang der legendären El Chorro Schlucht, aber leider ist sie seit dem letzten Jahre endgültig gesperrt und unzugänglich gemacht worden. Der Weg, der durch die Schlucht führt ist etwa 100 Jahre alt und brüchig. Er führt teilweise 30m über dem Fluss auf etwa 80cm breiten Betonplatten durch die enge Schlucht. Es sieht alles wahnsinnig spektakulär aus und auch ein bischen unheimlich.
Am späteren Nachmittag liefen wir noch ein bisschen dem Stausee nach. Das schöne an ihm und den anderen ist, dass sie vielarmig sind, sie haben jede Menge Seitenarme und machen dadurch die Gegend interessant.
Wirklich eindrücklich ist allerdings das Gestein bzw. das Gebirge. Weicher Kalkstein hat die Gegen in eine faszinierende Landschaft verwandelt. Die Strasse führt in tausend Kurven durch diese weiche, harmonische Steinlandschaft, versetzt mit Föhren. Wir fahren runter nach El Chorro, was in Wirklichkeit eine Bahnstation ist. Leben tut das Dörfchen schlichtweg vom gigantischen Felsmassiv, welches ziemlich viele Klimber anlockt.
Na ja, auch solche wie wir. Wir übernachten unter einem riesigen beschützenden Eukalyptusbaum am Fluss.
Klimbers überall, übernachten nur gerade in Schlafsäcken, gleich hinter uns, an der Kirchentüre, wohlbeschützt.
27. April 2003, El Chorro (Malaga)
Besuch aus Basel

Eine Wanderung aus dem Führer haben wir für hier nicht. Dafür ist am Bahnhof eine Strecke rings um den Huma angezeigt, sogar eine ausgeschilderte. Ok. die gilt, die machen wir!
Es wird eine wunderbare Wanderung auf etwa 900m Höhe rings um den 1100m hohen Gipfel mit viel Abenteuer. Am Abend landen wir müde aber zufrieden wieder bei unserem mobilen Daheim, haben Zeit uns noch ein bischen zu waschen und uns in flotte Klamotten zu werfen. Denn, wir erwarten Besuch. Ein Pärchen aus Basel wird die nächsten zwei Wochen in Andalusien unterwegs sein. Dominik kennt Christian von früher und möchte sich bei dieser Gelegenheit mit ihnen treffen.
Das gemeinsame Abendessen im Restaurant beim Bahnhof ist nett. Der Cornillo kommt zwar in sehr viel Oel daher, aber er ist trotzdem gut.
Christian und Verena verabschieden sich spät am Abend von uns und überreichen uns zum Abschied ein Ladung Basler Läckerli. Yami. Ich bin gerührt und freue mich sehr über das Schweizer Mitbringsel!

28. April 2003, El Chorro - Valle del Abdalajis (Malaga)
Erfolgreiche Suche

Bevor wir weiterfahren nach Abdalajis fahren wir bei der Finca Campana vorbei. Dort wirten Schweizer, welche wir von Markus, der hier unlängst klimben war, grüssen wollen. Jean-Bernard, der Finca-Herr macht uns die Wanderung durch die Schlucht schmackhaft. Wir werden vielleicht darauf zurückkommen, wer weiss.
In Abdalajis finden wir die gesuchte Paragliderschule zwar sofort. Allerdings ist niemand da und unter der uns bekannten Nummer nimmt leider niemand ab. Dominik will aber den Startplatz trotzdem besichtigen gehen. Ich entscheide mich, die Hundestation suchen zu gehen. Mittlerweile habe ich nämlich rausgefunden, dass die in Pizarra sein könnte.
Nachdem wir uns nach 2-3 Stunden wieder treffen, kann Dominik leider von keinem Startplatz berichten, den er gefunden hätte. Ich hingegen, bin nun sicher, dass die Tierstation in Pizarra ist, habe sogar die Telefonnummer der Leiterin der Station. Und am Abend kann ich mit Ronni, der dort arbeitet, für morgen eine Termin ausmachen. Yuhee. Endlich, endlich, kann ich Hunde anschauen gehen!
Wir richten uns am Hang des Berge für die Nacht ein. Es vergeht nicht viel Zeit und die Policia Local kommt vorbei. Sie grinsen uns an, wir grinsen zurück. Offenbar alles kein Problem. Wunderbar.

29. April 2003, Valle del Abdalajis - El Chorro (Malaga)
Silvana verliebt sich
Um 10h holt uns Ronni von der Tankstelle in Pizarra ab und fährt mit uns hoch zur Tierstation Esperanza. Die Station ist ziemlich abgelegen und soll auch weiter nicht bekannt werden in der Gegend. Ronni hat auf einem privaten Gelände Zwinger, Zäune, Sterilisationsräume usw. aufgebaut und eingerichtet um Hunde und Katzen kastrieren und sterilisieren zu können. Sie werden bei ihm auf Krankheiten getestet, geimpft und kommen in Quarantäne bis sie ready sind für die Reise nach Deutschland oder in die Schweiz. Dort werden sie von Tierheimen oder Vermittlungsstellen an Private vermittelt.
Was Ronnis Station von anderen Tierheimen unterscheidet ist, dass er nicht einfach wahllos alle Tiere aufnimmt, sondern nur jene, welche auch längerfristig eine Chance haben, zu überleben, bzw. ein Daheim finden können. Das ganze macht Sinn, vor allem, wenn man gesehen hat, wie überfüllt die Tierheime in Spanien sind und in welche elendem Zustand teilweise.
Nun, wir verbringen mehr oder weniger den ganzen Tag bei Ronni. Er erzählt uns vieles über seine Arbeit, eigentlich seine halbe Lebensgeschichte. Und die ist beeindruckend! Wir haben sogar die Gelegenheit unsere Wäsche wieder einmal zu waschen.
Die Hunde gehen wir natürlich auch anschauen. Aber von denen im Zwinger gefällt mir eigentlich keiner so richtig. Er zeigt uns auch zwei Welpen, welche in einer Box drin sind. Die Kleine darin ist überaus niedlich, für meinen Geschmack aber zu klein. Ihr Bruder ist ein bischen grösser und rot-goldig mit grün-goldenen Augen. Mit ihm laufen wir am Schluss sogar bis zum Azzi und wieder zurück. Obwohl Betonlastwagen auf dem Grundstück in allernächster Nähe vorbeifahren und der Kerl wahrscheinlich erst ein oder zweimal draussen war, ist er erstaunlich cool. Immer wieder stellt er interessiert die Ohren hoch und schaut sich in der Gegend um. Als wir zurücklaufen geht er wie ein alter Profi nah bei meinen Beinen an der Leine. Ich habe mich verliebt. Ganz klar. Er ist es. Wir bringen ihn zurück und machen mit Ronni aus, dass wir übermorgen zurückkommen und ihn holen. Morgen haben wir noch eine Schluchtwanderung vor, welche halt schon abgemacht ist.
30. April 2003, El Chorro - Pizarra (Malaga)
Am Abgrund
Zwei Mädels, Anita und Maya, aus dem Emmental, kommen ebenfalls mit auf die Tour durch die Schlucht. Vom Stausee aus wandern wir das Tal, welches Dominik und ich schon einmal runtergewandert sind, bis zur Schlucht hinab. Diesmal allerdings kehren wir nicht um, sondern klettern ein bischen überhalb des vergitterten Einganges und seilen uns dann auf den Anfang des Steges, welcher in furchterregender Höhe über dem Abgrund hängt, ab.
Die Wanderung geht nun diesem, seit letztem Jahr geschlossenen Steg entlang und führt uns durch eine atemberaubend schöne Schlucht. Es kommt bald nochmals ein Teil, welches eingestürzt ist. Nur eine Eisenbahnschiene führt über etwa 2m an der Wand entlang. Unter uns, vielleicht 50m Tiefe. Wir hängen unsere Karabiner an das Drahtseil in der Wand, stellen unsere Füsse auf die freihängende Schiene, stützen die Arme an die Wand und gehen dann langsam seitwärts Schritt für Schritt rüber. Bloss nicht runterschauen. Es ist der reine Wahnsinn. Und ich bin doch nicht schwindelfrei. Die Girls aus dem Emmental machen das mit links. Jean-Bernard, der uns führt, sowieso. Dominik und ich allerdings! Für uns ist es ziemlich viel Überwindungsarbeit. Bald aber schon kommen wir in ein Tal, welches zwischen dem vorderen und hinteren Schluchtteil einsam und verlassen und daher genial schön, liegt. Es ist wirklich unbeschreiblich schön. Das gleissende Licht hier in Andalusien macht irgendwie messerscharfe Kanten und Ansichten. Schwer zu beschreiben. Ich weiss nur, dass die Fotos dann regelmässig enttäuschend sind.
Der letztere Teil der Schlucht ist noch gigantischer als der vordere. Dominik fährt es langsam ein, während ich mein Schwindelsucht langsam verliere. Der Steg ist aber auch absolut krass. Immer wieder bleiben wir stehen und sehen uns die Wege an, welche die Klimbers hoch- und runterkraxeln. Wahnsinn. Gegen Ende sind wir etwa gut 100 m über dem Fluss, welcher sich grün durch die Schlucht schlängelt. Immer wieder hat es Löcher im Steg und der Steg erscheint uns dann jeweils sehr dünn. Dann wieder Abschnitte, wo wir uns nur über die Eisenbahnschiene, welche etwa 1m ausserhalb der Wand über dem freien Abgrund hängt, gehen können. Am Schluss seilen wir uns etwa 30m an einer geraden Wand hinunter. Geil, aber Einfahrend. Mauersegler verabschieden uns von der Garganta el Chorro.
Die ganze Schluchtwanderung war wirklich einmalig und unbeschreiblich schön. Da der Steg sehr hoch in der Schlucht verläuft, ist es hell und sehr luftig, der Fluss unten hat dies Jahr wenig Wasser und ist daher auch eher leise. Also, keine dunkle, nasse, enge Wanderung sonder hoch, luftig, hell und halt nochmals, traumhaft schön.
Bei der Finca El-Chorro von Jean-Bernard erholen wir uns in seinem Pool vom Schwindelstress und geniessen diesen Luxus. Jean-Bernard beherbergt in der Hochsaison bis zu 40 Leute in seiner wunderschön gelegenen und liebevoll arrangierter Finca. Günstige Massenbetten und Doppelzimmer bieten für jeden Geschmack das Richtige. Viele Outdooraktivitäten können von dort aus gestartet werden und die Klimbers kommen natürlich voll auf ihre Rechnung. Also, wir können Jean-Bernard uns seine Finca wärmstens empfehlen! Vielleicht schaut ihr euch ja mal seine Homepage an: www.el-chorro.com.
So, morgen gehen wir unser Hundchen abholen. Aber darüber hört ihr das nächste Mal mehr. Adios, hasta luego! Ach, und übrigens, seit 2 Wochen rauche ich nicht mehr. Ha!

 

 

 

 


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