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Andalucia 2003/3

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Reisebericht Spanien 2003-3 Andalusien
 

1. Mai 2003, Pizarra - Malaga Est (Malaga)
El Zorro

Ziemlich genau auf die Stunde einen Monat nachdem wir in Zug losgefahren sind, holen wir unser Hundchen in der Tierstation Esperanza ab. Ronni macht die Impfpapiere fertig, druckt noch ein Foto aus und fertig ist der Hundepass. Wir kriegen sogar noch Welpenfutter, eine Hundebox, Leinen, Halsband, Decken und Tücher. Er ist wirklich sehr nett und grosszügig. Wenn wir auf der Rückreise oder bei einer nächsten Spanienreise hier durchkommen, werden wir Ronni und die Station sicher besuchen.
Nun packen wir unseren kleinen Freund ins Auto in die offene Hundebox, welche wir mit den Decken und Tüchern schön ausgepolstert haben. Sein Schwesterchen bleibt leider hier , obwohl sie sicher genau richtig für mein Mami wäre!
Wir fahren etwa 15 Minuten bis wir am Stellplatz von gestern Nacht, schön gelegen am Fluss, halt machen. Die Sonne scheint ziemlich heiss vom Himmel und weit und breit kein Schatten. Natürlich ziehen wir die Store raus, aber trotzdem ist es heiss und schwül. Unser kleiner Freund ist ziemlich mitgenommen. Er schläft in seiner Kiste. Steht auf, um zu trinken und legt sich gleich wieder hin. Wie müde er ist! Im Laufe des Nachmittags nimmt seine Schwäche sogar noch zu und wir machen uns sogar Sorgen, weil er wirklich ganz und gar kraftlos in der Kiste liegt. So eine Ablösung und Daheimwechsel ist halt schon stressig. Als die heisseste Zeit vorbei ist, wird es ein bisschen besser, aber richtig wach wird er erst, als er zu fressen bekommen hat. Es war wohl alles ein bisschen viel für ihn. Mit seinen gold-blauen Augen schaut er uns an und beobachtet jeden unserer Schritte. Wir staunen über sein Vertrauen uns gegenüber. Er ist ja sowas von zuckersüss! Natürlich diskutieren wir schon seit dem ersten Besuch, wie er denn heissen soll. Als wir nachschlagen, was denn Fuchs auf Spanisch heisst und sehen, dass das Zorro wäre, lachen wir beide. So ein kleines Fürzchen und soll Zorro heissen!? Perfekt. Getauft. Mal schauen wie er in diesen Namen hineinwächst!
Da unser schönes Plätzchen leider bei einem Fluss ist, welcher am Abend ziemlich viele Moskitos anzieht, beschliessen wir an den bewährten Platz bei Malaga Est zu fahren. Ca. 1 Stunde von hier entfernt, ist die Fahrt wohl auch dem Hund zumutbar. Es zeigt sich schnell, das Autofahren für ihn kein Problem ist. Er legt sich sofort hin und schläft. Die Strassen in Spanien sind teilweise ja arg rüttelig. Aber nur wenn es wirklich fest holpert, gehen die Augen auf, schauen mich an, checken damit, ob alles i.O. ist, und dann schläft er wieder weiter. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus.
An der Beach in Malaga Est hat es leider ein bisschen viel Volk, ist ja 1. Mai und die Leute haben frei. Trotzdem finden wir noch ein Supereckchen, wo wir uns installieren, sprich Sonnenstore raus, Stühle raus, Tisch raus, Hundebox raus, Trinknapf raus, Voilà!
Wir wagen nochmals einen Spaziergang. Ob er wohl wieder genügend bei Kräften ist? Für Zorro ist ja alles neu. Ausser der Tierstation und dem Tierarzt hat er noch gar nichts von der Welt gesehen. Und doch, verflixt cool wie er alles angeht! Wir sind wirklich ein bisschen baff und natürlich stolz, wie mutig er uns folgt. Am Abend machen wir noch einen längeren Spaziergang am Meer entlang. Obwohl er mein Nein versteht, ist die Verlockung eines Octopusses, der offensichtlich frisch angeschwemmt wurde, zu gross. Er würgt ihn herunter, bevor ich was unternehmen kann. Na dann halt, wohl bekomms! Ich stelle fest, unser Hund ist ein Güderhund, er geht hinter jedes Teil, was an der Beach liegt! Da haben wir wohl noch einiges zu lernen.
Wir sind gespannt, wie die Nacht gehen wird. Richtig stubenrein wird er wohl noch nicht sein. Es geht also darum, zu hören, wenn er unruhig wird und dann mit ihm hinaus. So Welpen können sich ja noch nicht lange zurückhalten, also heisst das, wie ich nachgelesen habe, etwa alle 2-3 Stunden Pipi machen. Ich mache mich also auf eine unruhige und anstrengende Nacht gefasst und hoffe sehr, ich checke es, wenn er muss!
Um 11h sind wir etwa ins Nest. Um 1h höre ich ihn aufstehen oder kratzen, beeile mich, die Türe aufzumachen und mit ihm rauszugehen. Wunderbar, er bislet und macht sogar noch gleich ein Häufchen. Dominik und ich nutzen die Gelegenheit ebenfalls für einen Nachtbrunz. 1 Stunde später höre ich ihn wieder, mache die Türe auf, er springt raus, macht sein Pipi, setzt schon wieder ein Minihäufchen und kommt auch gleich wieder rein. D.h. ich muss ein bisschen helfen, denn die hohe Stufe ins Auto hinein ist fast noch ein bisschen zu hoch für ihn. Easy, so einfach geht das also. Dann schlafen wir bis etwa halb acht durch, alle drei. Das ging ja voll einfach. Er ist stubenrein und macht sich bemerkbar, bevor er muss. Was wollen wir noch mehr?! Wir sind glücklich und zufrieden mit unserem neuen Wohn- und Reisegenossen!
2. - 4. Mai 2003, Malaga Est (Malaga)
Entdecken, Lernen und Aufbauen

Ein wunderbarer Tag bricht an. Ich bin happy. Unser Zorro offensichtlich auch. Und Dominik hat auch sichtlich Spass an der ganzen Geschichte. Kein Wunder, geht ja auch alles ohne Probleme ab. Wir stellen allerdings fest, dass unser kleiner Freund kaum Kondition hat. Habe das Gefühl, dass er noch kaum gross Muskeln aufbauen konnte. Das werden wir wohl über die nächsten Tage und Wochen machen müssen, wenn er uns auf unsere Wanderungen begleiten soll. Aber alles schön langsam! Wie alt er genau ist, wissen wir nicht. Ronni schätzte ihn auf etwa 3-4 Monate. Ich geb ihm knappe 3 Monate. Ich geh mal davon aus, dass er Anfangs Februar auf die Welt kam. Allerdings ist er schlicht auch hintendrein mit seiner Entwicklung. Da gilt es schon noch was aufzuholen in den nächsten paar Wochen, schliesslich soll diese sogenannte Prägungsphase speziell wichtig sein für die Basis des Hundewesens. Wir werden uns also die Zeit nehmen, um ihm vieles zu zeigen und mit ihm zu lernen und gleichzeitig seine Ausdauer aufzubauen.
Wir verbringen das Wochenende auf diesem idealen Platz und machen viele kleinere und kürzere Spaziergänge, üben den Appell mit ihm und stellen fest, dass er sich schon an seinen Namen gewöhnt hat. An uns sowieso. Manchmal liegt er in seiner Kiste, zerreist den Stoffknochen, wirft sich auf den Rücken, alle viere in die Höhe. Dabei strecken sich seine spitzen Ohren und er sieht aus wie ein Osterhase. Je länger je mehr bin ich mir sicher, dass er Podenco drin hat.
Am Sonntagabend wagen wir sogar den Megaspaziergang ins Dorf, um eine Pizza essen zu gehen. Die Strecke läuft er mittlerweile ohne Probleme. Menschen begegnet er interessiert aber distanziert. Begeistert ist er jedes Mal, wenn er einen Hund sieht. Doch die meisten sind nicht gross an ihm interessiert. Um die Kampfhunde an der Strandpromenade machen wir einen grossen Bogen. Da hab ich Riesenbammel. Die würden ihn glatt zum Frühstück nehmen. Der Weg führt sogar direkt an der Strasse entlang, wo Autos, Lastwagen und laute Rollers an uns vorbeirauschen. Er erschrickt manchmal ein bisschen, doch läuft er tapfer mit uns weiter. Wir können regelrecht zuschauen, wie er mit jedem Meter oder mit jedem Auto an Sicherheit gewinnt. Extrem, welche riesigen Entwicklungsschritte so ein Tier im Laufe eines einzelnen Tages machen kann!
 Er wird von Tag zu Tag mutiger und damit natürlich auch frecher. Es ist soweit, dass wir langsam Grenzen setzen müssen. Vor allem das Fressen von der Strasse hat er voll drin; man könnte sagen, dies ist seine grosse Leidenschaft. Wir wissen, dass es sein Verhängnis werden kann, doch ist es schwierig, es ganz und gar zu unterbinden. Wir hoffen eigentlich vor allem darauf, dass er bald mal checkt, dass er bei uns genug und regelmässig zu Fressen bekommt.
Die Nächte sind problemlos. Es sind eher wir, die aufstehen und brunzen gehen müssen, als der Hund. Auch am Morgen würde er eher noch liegen bleiben!
Am Sonntagmorgen um 5h schrecken wir allerdings heftig aus dem Schlaf. Die Malagasische Jugend findet, ihr Chill-Out müsse neben unserem Camper stattfinden. Die Autostereoanlage ist voll offen und wir liegen hellwach im Bett. An Schlaf ist so nicht einmal zu denken. Also packen wir unseren Zorro an die Leine und machen einen Mondspaziergang. Glücklicherweise geht es nur etwa 1 Stunde, bis es ruhiger wird (wahrscheinlich ist die Autobatterie unten) und sie weiterziehen.
5. Mai 2003, Malaga Est - Torremolinos (Malaga)
Männerstrich

Die 2. Batterie ist unten. Vier Tage hat sie es ausgehalten. Nicht schlecht. Auch der Kühlschrank ist so gut wie leer. Dominik nutzt die Gelegenheit, um ihn zu putzen. Ja, ja, auch das muss sein.

Ich hämmere wieder einmal die letzten ereignisreichen Tage mit unserem neuen Freund Zorro in den Lappi rein.
Dann heisst es, VW-Garage für Service suchen, Fiamma-Storen-Ersatzteil ausfindig machen und einkaufen. Die Garage haben wir dank unserer eingebauten Navigationstussi schnell gefunden und bekommen einen Termin für Mittwoch. Das Ersatzteil für die Store hat 2 Wochen Lieferfrist! Und mein Einkauf wird viel zu teuer. Auweia, das Budget wird strapaziert. Dafür gibt's endlich wieder mal Feta, Echtes Birchermüsli und sonst noch so die eine und andere kulinarische Nettigkeit.
Wir finden einen guten Platz an der unbebauten Beach vor Torremolinos. Nach und nach finden wir heraus, dass hier offensichtlich der Männerstrich von Malaga/Torremolinos ist. Der riesige Platz wird von Typen abgesucht, per Auto, zu Fuss, per Motos, per Camper. Sie fahren die ganze Zeit kreuz und quer durch die Pampa und reissen sich da und dort jemanden auf. Bei uns kommen sie natürlich auch hin und wieder checken, ob es was hergibt. Wenn sie mich jeweils sehen, düsen sie enttäuscht wieder ab. Ja, super! Super Übernachtungsplatz! An sich Null Problemo, im Gegenteil, äusserst spannend zu beobachten. Beobachtet sowieso jeder jeden! Einige kamen dann leider auch nachts, unseren Azzi ausloten.
6. Mai 2003, Torremolinos (Malaga)
Zorros jungfräuliche Bergwanderung

Wir fahren ins Landesinnere zur Sierra de las Nieves. Das erste Mal nun soll unser Zorro uns auf einer Wanderung begleiten, welche alles in allem 3 ½ Std. Marschzeit ausmachen wird. Wir wollen sehen, wie geländetauglich der Kleine nun wirklich auch ist und wie es mittlerweile mit der Kondition steht. Bei beiden Kriterien schneidet er sehr gut ab. Wir haben das Gefühl, man könnte mit ihm auch was Gröberes machen. Er läuft auch toll ohne Leine mit. Schlicht: wir haben da ein Superhündchen reingezogen.
Die Wanderung ist wunderschön, führt um einen Berg herum und bietet phantastische Aussichten in alle Richtungen.
Anschliessend checken wir noch schnell das Fluggebiet bei Benalmadena. Der eine Landeplatz beim Bergbähnchen (eventuell das einzige in Spanien?) wäre auf dem asphaltierten Parkplatz der Bahn. Ganz lässig, ha! Wir genehmigen uns einen Cafe Solo und lassen dies Gebiet mal links liegen.
Wir werden die Nacht nochmals an der gleichen Beach, aber am anderen Ende verbringen. Hier sind wir ein bisschen ungestörter. Die breite Beach vor uns wäre wirklich absolut der Hit, wenn es nicht so doll winden würde. Wir machen in unseren Windjacken Spaziergänge und üben mit Zorro, den Güder liegen zu lassen. Na ja, für einen klassischen Güderhund macht er ja schon Fortschritte. Wenn ich Nein sage, und das muss kein lautes sein, dann lässt er es sofort liegen. Sehe ich es aber nicht, dann frisst oder zerkaut er es halt trotzdem.
Langsam aber sicher weiss er allerdings, was er darf und was nicht. Das wichtigste ist, dass er auf unser Komm und mein Pfeifen hört. Wenn er rennend auf uns zukommt, dann fliegen seine Ohren und er schaut aus, als ob er lachen würde. Ich muss dann jedes Mal lachen. Er ist wirklich zum Liebhaben.
7. Mai 2003, Torremolinos - Ronda (Malaga)
Tiefgang bei Temperatur und Laune

Das Wetter ist immer noch schlecht. Unsere Laune ebenfalls. Wir hören, dass in der Schweiz das schönste Wetter herrscht. Sogar bis 28° - bei uns sind es 15°! Es ist doch wirklich kaum zu glauben, welch Wetterpech wir haben!
Wir bringen das Auto in die Garage und spazieren in Malaga ein bisschen umher. Überall bauen sie. Die Saison dürfte jetzt dann losgehen. Allerdings müsste dafür auch die Sonne ein bisschen mitmachen.
Wir machen auf touristisch und werden Ronda anschauen gehen. Unser Wanderführer hat einen Stadtrundgang für dieses Städtchen vorgesehen. Das Thermometer fällt, während wir auf gut 700m hochfahren auf unter 9°! Wir fassen es nicht, es ist zum Schreien. Wenn es jetzt schneit, dann sind wir mit Sicherheit nicht überrascht.
Ronda  ist wunderschön und ein Besuch lohnenswert. Wir haben auf unserem Weg quasi die eine alte Stadthälfte umlaufen und von aussen beschaut. Wirklich eindrücklich und gut erhalten. Am Ende kam sogar die Sonne hervor.
Ein grosser Rüde, der uns über den Weg kam, zeigte Zorro, dass er der Stärkere ist. Zorro warf sich mit dem Rücken auf den Boden und zeigte ihm seine Bauchseite, aber nicht lange und dann stand er wieder auf und machte sich davon. Von diesem Sozialverhalten hat er noch nicht soviel mitbekommen. Er wird es hier aber nach und nach lernen, denn wenn irgend möglich, lassen wir ihn von der Leine. Er soll seine Erfahrungen selber machen. Nun weiss ich, dass er kommt, wenn ich rufe und das ist die Voraussetzung dafür.
Südlich von Ronda finden wir einen Schlafplatz - unglaublich - auf den gleichen Klippen, auf welcher die Stadt gebaut ist. Wir haben Wahnsinnsaussicht auf das Tal unten und die Sierra im Hintergrund. Das ist ja schon das Geile am VW-Bus: dass man an solche Orte fahren kann, an Orte, wo man allenfalls ein Zelt aufstellen könnte, aber niemals sonst mit einem Camper käme.
8. Mai 2003, Ronda - Algodonales (Cadiz)
Fluggebietsentdeckung

Trotz toller Lage Nebel am Morgen! Auch unsere Stimmung ist ziemlich auf Null. Wir haben uns wegen nichts und wieder nichts in den Haaren. Allerdings nicht für Lange. Wir wissen beide, dass das schlechte Wetter an den Nerven zerrt!
Also weiter ins nächste Fluggebiet nach Algodonales!
In diesem Dörfchen bzw. auf dem Berg dahinter, dem Lijar, wurden vor zwei Jahren die WM der Delta- und Gleitschirmflieger abgehalten.
Die Bergstrasse hinauf zum Startplatz ist allerdings sehr holprig. Wir kommen zwar mit dem VW-Bus gut hoch, doch werden dabei arg durchgerüttelt, und das während 30 Minuten. Dominik macht nach längerer Warterei einen tollen Flug.
Der Landeplatz ist unser Übernachtungsplatz. Obwohl Dominik einen Supertag mit Fliegen hatte, liegen wir uns am Abend wieder in den Haaren. Was ist bloss los mit uns? Es scheint, dass das Reisen doch eine grössere Strapaze ist, welche Nerven braucht. Allerdings bin ich auch kritischer seit ich nicht mehr rauche. Ja, Tatsache. Mir scheint manchmal, wie wenn mir ein Schleier von den Augen genommen wurde. Ich würde sogar sagen, dass ich auf einmal eher der Wahrheit ins Gesicht schauen kann, bzw. Dinge eher beim Namen nenne. Auf alle Fälle macht's unsere gemeinsame Sache auch nicht einfacher. Habe auch lange überlegt, ob ich überhaupt sowas hier rein schreiben soll, aber eigentlich gehört das halt einfach auch dazu.
9. Mai 2003, Algodonales (Cadiz)
Rumhängen am Startplatz, Absaufen zum Landeplatz
Wir nutzen den Morgen fürs Einkaufen, Wassertanken und Internet. Den Kleinen können wir mittlerweile sogar längere Zeit alleine im Auto lassen. Vor allem, wenn er genügend müde ist, dann schläft er einfach, null Problemo.
Am Mittag sind wir wieder oben. Diesmal auf dem Nord-Startplatz. Zum Sein ist es dort oben wunderschön. Die Heide oder Maccia hier blüht, es summt und brummt und ach, endlich ist es richtig warm, eigentlich sogar heiss. Unter der Sonnenstore geniessen wir das Mittagessen: wie immer verschiedene Salate. Gehe mit Zorro spazieren, während Dominik auf guten Startwind und mässige Thermik wartet. Das Warten wird lang. Ein Engländer mit Delta sauft ab und findet, fast schon unten, wieder Aufwind, bis wir ihn hoch über uns gegen Süden abziehen sehen.
Dominik hat mit Starten Mühe. Das erste Mal hat es nicht genügend Wind, um ihn vom kurzen Startplatz wegzuhieven und er landet im Gebüsch. Das zweite Mal sauft er voll ab. Es geht im Liftverfahren nach unten, up and down, up and down. Es ist kein Zusehen. Ich fahr runter und bin auf allerhand gefasst. Er hat es dann aber doch noch bis zum Landeplatz geschafft!
10. Mai 2003, Algodonales - Grazalema (Cadiz)
Muskelkater für unseren Kleinen
Eigentlich wollten wir in den Naturpark Grazalema und drei verschiedene Wanderungen angehen. Aber für zwei davon braucht man eine Bewilligung, da die Anzahl der Besucher limitiert ist. Und für Samstag und Sonntag sei es ausverkauft, meint die Lady auf dem Touribüro. Na Prima! Dann machen wir halt die eine, die keine Bewilligung braucht. Die Wanderung ist wunderschön, führt durch wildes Gebiet zum Sattel des El Hoyo. Unser Wanderführer führt uns zeitweise abenteuerlich aber sensationell schön durch dieses Gebiet. Allerdings ist diese Wanderung viel länger als wir dachten. Unser kleiner Hund hält zwar tapfer mit.  Das Schöne ist ja, auf Wanderungen müssen wir ihn nicht an die Leine nehmen. Da bleibt er immer schön in unserer Nähe. Aber er kommt an seine Grenzen. Als wir nach etwa 3 ½ Marschzeit mit viel Hochklettern und wieder Runtersteigen (das ist für den Kleinen speziell schwierig, weil er noch nicht so viele Muskeln hat) wieder beim Auto sind, uns ein Bier genehmigen, liegt Zorro wie tot in seiner Kiste. Junge Spanier mit ihrem Kleinkind kommen und schauen sich unser Hundchen an. Wir erklären, dass er so elend ausschaut, weil er todmüde ist. Einmal steht er kurz auf, schaut ganz benommen drein, schwankt und lässt sich gleich wieder fallen. Ob sie es uns glauben? Was die jetzt wohl von uns denken!
Gut zu wissen, dass Hunde vor allem auf die Vokale hören. Das heisst, man könnte wohl Chorro, Borro oder sonst wie rufen. Es muss einfach zweimal O sein. Gut ist das, weil wir erst jetzt gecheckt haben, dass das Z im Spanisch wie etwa das Th im Englischen ausgesprochen wird. Wenn wir ihn jeweils Zorro rufen, verstehen die Spanier Torro! So Geil! So wird aus einem kleinen Fuchs ein wilder Stier!
11. Mai 2003, Grazalema - Zahara (Cadiz)
Er schwimmt!

Endlich mal ist es genügend warm und nicht zu windig. Die lange Wanderung von gestern war für Zorro wirklich zuviel. Er steht ein bisschen mühsam auf und die ersten zwei Meter lahmt er hinten. Sobald er aber ein paar Schritte getan hat, ist es vorbei. Also schalten wir heute einen Erholungstag für ihn ein, uns soll er auch gut tun.
Nach Besichtigung des sehr hübschen Zahara gehen wir zum gleichnamigen Embalse (Stausee) hinunter. Unser Platz ist unter einem wunderschönen Olivenbaum. Wir haben die Tücher ausgebreitet und uns im Evakostüm ins Wasser gestürzt. Der Süsswassersee ist angenehm frisch und das Baden darin ein Genuss. Zorro gefällt das natürlich gar nicht, dass wir so weit rausschwimmen. Nie hätte ich gedacht, dass er sich wirklich ins Wasser stürzen und zu uns schwimmen würde. Natürlich haben wir ihn gerufen und aufgemuntert zu kommen, aber ich war eigentlich ziemlich sicher, dass er streikt. Ups, dann, als er triefend nass am Ufer steht, sehen wir mal endlich, wie wenig dran an diesem Hund ist. Sowas von mager! Und gerade habe ich vorhin noch gesagt, ich hätte das Gefühl, dass er langsam Muskeln angesetzt hätte! Also viel kann es nicht sein. Es wird ein genüsslicher und geruhsamer Nachmittag.
Im Abendlicht spazieren wir nochmals hoch zum Dorf um uns einen "Gutenachtdrink" zu genehmigen. 

Das Dorf ist fast ausschliesslich von Einheimischen bevölkert. Extrem wenig Touristen, und dann auch nur Spanische. Es grüssen immer alle freundlich. Viele Männer betrachten Zorro wohlwollend. Einer, der zwei Podencos bei sich hat, schaut Zorro genauer an (vor allem seine Nase) und meint, dass er eine gute Nase haben muss, was wir nur bestätigen können! Auch eine alte Frau kommt zu uns und erzählt von ihrem Hund, wie alt und gross er sei. Leider kann ich nur mit oh und ah und si reagieren. Aber ihr reicht's scheint's.
Andalusien im Abendlicht, wie bezaubernd! Soviel Grün und Blau. Die Wiesen sind von zig Blumen bunt und satt. Der See in blaugrün, die Luft schwirrt und surrt von Vögeln und Insekten und riecht mal würzig fein, dann wieder gruusig abwässrig. Die hinterländische Ruhe wird nur von den Rollern der Jugend unterbrochen.
12. Mai 2003, Zahara - Algodonales (Cadiz)
Rekordflug mit Geiern

Wieder mal fahren wir zuerst ins Dorf um Einzukaufen und Wasser zu tanken. Kurz vor zwei sind wir dann beim Startplatz oben. Etliche andere sind auch schon da. Dominik fliegt raus und bleibt oben, bleibt oben, bleibt oben. Irgendwann, sehe ich ihn dann nicht mehr. Habe mich installiert, bin am Lesen von Hundefachliteratur und geniesse das Alleinsein, das tut zur Abwechslung mal gut!
Habe ihm eine SMS gemacht und werde also warten, bis von Dominik ein Funk kommt, denn vielleicht nimmt ihn ja jemand wieder mit nach oben. In der Zwischenzeit hacke ich diesen Bericht rein, der in ein paar Tagen schon wieder an euch unterweX sein wird.
Ah, Dominik ist immer noch in der Luft! Und wie! Ich sehe, wie er in einem Pulk von etwa 8-10 Geiern fliegt. Wah, das muss ja geil sein! Überhaupt, er ist superhoch! Sehe ihn runterspiralen und sichtlich Spass an der Sache zu haben. Das sind jetzt aber schon mehr als drei Stunden! Ja gots eigentlich no!
Irgendwann fahre ich dann los nach unten, da kommt auch schon sein Anruf. Er ist wohlbehalten auf dem offiziellen Landeplatz gelandet. In einer halben Stunde bin ich bei ihm. Sage und schreibe 3h49 war er in der Luft! Sein persönlicher Rekord.
Wir installieren uns gleich auf dem Landeplatz. Es gibt Cerveza und Tapas, der Flug muss bequatscht werden. Wie immer wird fürs Essen gerüstet, Abendgegessen, heute, aber nicht immer, gibt's ein Dessert, dann Kaffee und meist einen Brandy dazu. Ach, uns geht es gut.
13. Mai 2003, Algodonales - Zahara (Cadiz)
Baden, Fliegen, Rumhängen
Wir fahren zuerst mal zum Baden an den See. Mittlerweile ist es hier ziemlich warm geworden. Tagsüber so 32°. Morgens und Abends ist es zwar noch ein bisschen kühl, aber eigentlich eher angenehm. Die heisse Zeit am Mittag verbringt man mittlerweile wirklich am besten schlafend, lesend im Schatten, badend oder klimagekühlt im Auto.
Der Heupfnüsel plagt mich seit Anfang Mai. So gemein. Da ich hier natürlich permanent draussen bin, merk ich es auch umso mehr. Mittlerweile blühen hier die Olivenbäume und die Riesenagaven strecken ihre langen Spargelhälse gegen den Himmel. Das Wasser hat etwa 19° und langsam aber sicher ist es so warm und schön, wie man sich das als Camper so vorstellt und braucht, um wirklich sich hängen lassen zu können. Vieles wird dadurch einfacher und angenehmer.
Zorro hat mittlerweile Spass am Wasser. Nach dem ersten Bad war ihm wohl sein nasses schweres Fell ziemlich ungeheuer. Beim Ausschütteln schmierte es ihn jeweils fast von seinen dünnen Beinchen. Doch jetzt kommt er rein, ohne dass ich ihn gross rufen muss. Allerdings wirft er sich anschliessend noch triefend nass auf mein Handtuch. Er liebt das Weiche. Egal was wir an Land lassen, und wenn es nur eine Badehose von Dominik ist, er muss darauf liegen! Das nächste Mal muss ich ihm wohl sein eigenes Tuch mitnehmen, wenn wir nicht unsere opfern wollen.
Der Platz hier ist absolut genial. Von der Strasse bis zum See liegt ein wilder, ziemlich vernachlässigter, dafür umso schönerer Olivenhain. Wie legen unsere Decke unter einen dieser wunderschönen, momentan blühenden Olivenbäume. Wir lesen, geniessen die Ruhe und reden. Der Höhepunkt unserer Krise ist vorbei, wir raufen uns zusammen. Mal sehen.
Gegen vier ist zwar noch kein Mensch in der Luft, wir fahren aber trotzdem nach oben an den Startplatz. Ein roter Schirm ist am Absaufen. Was ist denn bloss in der Luft los und kein Mensch am Startplatz! Kritisch betrachten wir die Windfahnen, die Luft und sind ein bisschen ratlos. Es scheint alles bestens zu sein. Bloss irritierend, dass niemand am Fliegen ist. Egal, Dominik holt sein Zeug und macht sich bereit. Doch kaum steht er bereit am Hang, zeigt die obere Fahne kurz gegen uns. Aha, der Wind kommt wohl von Süden und wir stehen hier im Lee. Der Wind kann allerdings nicht sehr stark sein. Trotzdem will Dominik abwarten. Am späteren Nachmittag macht er dann doch einen wunderschönen Abendflug, fliegt mit einem Adler, der frech über den Startplatz abgedreht ist! Ob der meinen Zorro als Frischfutter sieht?
Mit Zorro übe ich Komm, Sitz und Nein! Schlauer, braver kleiner Bursche! Habe ihn schon arg in mein Herz geschlossen!
Für die Nacht fahren wir wieder an unser Seeplätzchen.
Das heutige Abendmahl ist ein bisschen einfacher. Wir haben uns entschlossen, weniger zu völlneren. D.h. vor allem weniger Alkohol, weniger Süsses! Sonst gehen wir auseinander wie echte Camper, welche sich nur noch mit Mühe hinter das Steuer klemmen können.
14. Mai 2003, Zahara (Cadiz) 
Badevergnügen im Embalse de Zahara

In der Nacht hat die Guardia Civil bei uns halt gemacht. Hat uns aber weiterschlafen lassen und ist weitergefahren. Das Bad nach dem Frühstück war herrlich. Allerdings geht's jetzt nicht mehr ohne Zorro. Er jault, sobald ich im Wasser bin  und muss hinterher. Anschliessend auf sein Tuch, egal wie nass  er noch ist. Das Ausschütteln hat er noch nicht so richtig im Griff. Er fliegt immer fast von seinen Beinen! Leider trocknet er dadurch nicht so richtig und ich muss ihn selbst noch abreiben. Na ja, auch das wird noch kommen.
15. Mai 2003, Zahara (Cadiz)
In die Tiefe und die Höh

Wir stehen zur Abwechslung mal rechtzeitig auf und machen uns relativ zügig fürs Abfahren bereit. Die Garganta Verde (grüne Schlucht) befindet sich kurz nach Zahara und entführt uns auf einem schmalen steilen Pfad aus der morgendlichen Hitze in die kühle grüne Welt zur Gruta de la Ermita am Ende der Schlucht. Diese faszinierende Höhle mit Tropfsteingebilden, Vögeln, welche drin nisten und deren Pfeifen lustig durch diese riesige Halle tönt, ebenso wie das stete Tropfen, welches insgesamt eine eigenartige, magische, aber auch melancholische Stimmung vermittelt.
Leider stinkt der Anfang im Bachbeet bestialisch, da eine tote Geiss, offenbar die Schlucht runtergestürzt, drinliegt.
Auf dem Rückweg beobachten wir Geier, welche vermutlich hier nisten. Zorro schafft die teilweise steilen Stellen auf der Wanderung mit Bravour. Er ist wieder fit!

Bevor es wieder hochgeht zum Startplatz gehen wir einkaufen. Während ich auf Dominik warte, sieht Klaus unseren Wagen. Klaus und Linda habe ich gestern auf dem Startplatz getroffen, sie sind hier auf Hochzeitsreise und für Fliegerferien. Da sie im Tandem fliegen, nehmen wir sie gerne mit nach oben.
Schon bald gehen alle raus. Herrlich sie zu sehen, Schirme in allen Farben, kreuz und quer über dem Startplatz mit leuchtendblauem Himmel als Hintergrund!
Dominik fliegt und fliegt  bis abends um 8h30.  Er ist insgesamt schon wieder 4 Stunden draussen. Er lotet den Startplatz aus, um eine bestmögliche Landung machen zu können, was nicht eben leicht ist, bei den starken thermischen Ablösungen hier oben. Er landet 3x, jede kommt besser als die andere. Er geniesst es nach Strich und Faden. Endlich kommt er so richtig auf seine Kosten. Das Wetter ist aber auch genial. Die Sonne scheint, witzige Leute sind am Startplatz, einer sogar mit einem Prototypen . Ein Holländer, der zwar erst seit zwei Jahren fliegt, dafür aber fast jeden Tag, und dann fast immer toplandet, hat viele Tipps fürs Fliegen und Landen hier. Ja, der kennt das Gebiet wie sein Wohnzimmer. So geht ein spannender Tag am Startplatz vorbei.
Abendessen in der Venta bei der Tankstelle. Auch der Holländer kommt noch. Das eh schon leckere Abendessen wird noch zusätzlich gewürzt mit teilweise heftigen Stories und viel Fliegerlatein. Ich glaube, Dominik wird morgen seine Flügelmuskeln spüren.



16. Mai - 19. Mai 2003, Zahara und Algodonales (Cadiz)
Sattfliegen, Sein

Die Tage vergehen hier in diesem Flugparadies wie nichts. Dominik kriegt nicht genug vom Fliegen, verbringt Stunden da oben, landet immer wieder auf dem Startplatz und geht von Neuem raus. Seine Sicherheit und damit fliegerischen Fähigkeiten nehmen von Flug zu Flug zu.
Es ist schön mitanzusehen und ich gönne ihm das von ganzem Herzen. Auch die ganze Fliegerszene, die hier rumhängt ist locker. Überhaupt kein Stress von wegen, wer was wie oder wo macht.
Zwischendurch machen wir einen Ausflug an einen anderen Flugberg, der bei Nordwind zu fliegen wäre, finden aber keinen entsprechenden Startplatz. Die Fahrt allerdings durch das südliche Land von Sevilla ist wunderschön. Wir sehen immer wieder Caballeros auf wunderschönen Pferden, manchmal ganze Familien, die reitend irgendwohin unterweX sind. Auch abends sieht man die Leute auf ihren Pferden quasi spazieren gehen. Am Wochenende hat das Dorffest von Algodonales stattgefunden. Ein bisschen ausserhalb des Dorfes trafen sich wohl sämtliche Leute aus der ganzen Gegend, um miteinander zu feiern. Auch hier kamen wieder einige mit ihren schönen Pferden, andere auf Maultieren und wieder andere hatten ihre Wagen lustig dekoriert. Der Sound von der Tanzarena war so laut, dass man ihn sogar am Startplatz oben hören konnte.
Obwohl es sehr spannend ist und eigentlich wunderschön, hab ich doch langsam genug vom Rumhängen am Startplatz. 
Mühsam ist vor allem, dass ich Zorro kaum aus den Augen lassen kann. Zu viele Menschen, Autos, ausgelegte Gleitschirme und jede Menge Picknick-Abfälle, die er ja nicht fressen soll. Hundeerziehung ist verdammt schwierig. So ein kleiner, frecher, im Teenageralter befindlicher Hund ist ganz schön hartnäckig und probiert es immer wieder.
Einen Abend verbringen wir auf dem Startplatz Levante mit Apero bei Sonnenuntergang über dem Atlantik. Zur Übernachtung fahren wir rüber auf den Startplatz Ponente und haben so am Morgen wieder den Sonnenaufgang. So hoch oben ist es wunderschön und es wird ruhig, wenn all die Flieger ausgeflogen sind. Von diesem Starplatz aus sieht man 360° über Andalusien, wunderschön. Dominik fliegt am Mittag rüber zum meistgeflogenen Startplatz Levante.
20. Mai 2003, Zahara (Cadiz)
Badengehendes Krisenmanagement

Meine Bedürfnisse melden sich zurück und ich verbringe einen Tag am See, während Dominik alleine zum Fliegen loszieht.
Eine ziemliche Krise schüttelt uns zur Zeit. Das Campieren ist für uns beide neu. Es herrscht noch keine Routine und viele Entscheidungen müssen immer wieder gefällt werden. Was will er, was will ich, was wollen wir?! Obwohl wir seit bald 2 Monaten unterweX sind, ist Dominik bis Algodonales noch nicht gross zum Fliegen gekommen. Und jetzt zieht er es natürlich rein. Klaro, soll auch so sein. Ich aber muss jetzt herausfinden, wie gestalte ich die Zeit, während er am Fliegen ist. Zorro verlangt ziemlich viel Aufsicht, wenn er stationär ist und Menschen, Autos und Gleitschirme um uns sind. Ich will ihn ja nicht den ganzen Tag an die Leine legen. Das Aufpassen ist ziemlich anstrengend. Wandern kann ich unter diesen Umständen hier eben auch nicht. Ausser der Strasse, die den Berg hochkommt hat es hier keine Wanderwege, zudem ist es, bis wir am Startplatz oben sind zu heiss, um loszuziehen. Na, Lesen und Schreiben liebe ich, aber auch nicht alle Tage. So, jetzt bin ich gefordert. Bzw. wir müssen herausfinden, wie wir das am besten unter einen Hut bringen.
Der Tag am See hat mir Zeit gelassen, um mir über meine und unsere Situation Gedanken zu machen. Eine intensive aber gute Diskussion am Abend bringt wieder neues Licht in die ganze Sache. Wir werden versuchen, es beim nächsten Fluggebiet besser zu machen. Ja, so ist das, nicht immer eitler Sonnenschein! Aber keinen Grund zur Sorge, Mamutschka, kommt schon gut!
21. Mai 2003, Zahara - Benaocaz (Cadiz)
Pueblo Blanco
Wir beschliessen, Algodonales hinter uns zu lassen und weiter an die Atlantikküste zu fahren, Richtung Tarifa. Das Fluggebiet läuft ja nicht weg und an der Küste gibt's auch noch viel zum Fliegen.
Unser Weg führt uns durch verschiedene wunderhübsche weisse Dörfer (Pueblo Blanco), die zwar entsprechend vermarktet werden, aber trotzdem, vor allem wenn sie klein sind, wahnsinnig hübsch sind. Es scheint, die EU-Gelder fliessen hier reichlich. Wir sehen keine Häuserbaracken in den Dörfern. Jedes ist in gutem Schuss und frisch geweisselt. Plätze und Promenaden sind frisch gemacht oder gerade in Erstellung.
Leider müssen wir in manchem Hinterhof Hunde sehen, die ein trauriges Leben führen: fast immer an der Kette, manchmal ohne Schatten, teilweise ganz alleine, teilweise mehrere Hunde, jeder an einer Kette. Schrecklich. Die Hunde hier scheinen den Menschen nicht viel wert zu sein. Verstehen kann ich es nicht. Denn so ein Hund im Hinterhof erfüllt nicht mal den Zweck der Alarmanlage, den er bellt vor lauter Einsamkeit bei jeder Kleinigkeit, sodass man doch wohl irgendwann gar nicht mehr hinhört! So eingesperrt kann er einen Einbrecher ja nicht mal am Arsch packen!
Dafür haben es die Schweine (schwarz sind sie hier) schön. Jede Menge Freilauf. Auch die Rindviecher stehen auf riesigen Weiden, mit Bäumen, Kühe mit Kälbern und Stieren zusammen. Schon richtig idyllisch.
Wir fahren über Benaocaz, um dort eine Wanderung zu machen. Zorro ist wieder total fit und wird immer trittsicherer. Der bekommt hier ein richtiges Agility-Training!
Diese Nacht wollte ich zur Abwechslung mal oben schlafen (macht sonst Dominik), aber der Ostwind kam so böig rein, dass ich runterkommen musste und wir das Dach schlossen.
22. Mai 2003, Benaocaz - La Sauceda (Cadiz)
Teurer Tag

Weiter nach Ubrique. Wir müssen dringend unsere Kleider waschen. Haben das letzte Mal am 11. April gewaschen! Es zeigt sich, dass wir immer etwa die gleichen Sachen anhaben und jede Menge dabei haben, was wir wohl gar nie brauchen werden (wenigstens ich). Zudem will ich zwei weitere Filme entwickeln lassen, tanken müssen wir und Zorro braucht eine richtige Laufleine. Wir geben darum heute ziemlich viel Geld aus.
23. Mai 2003, La Sauceda (Cadiz)
Besinnlichkeit

Mein Schnupfen zwingt mich, daheim zu bleiben. Dominik geht mit Zorro alleine auf die Wanderung.
Ich mache mir kannenweise Tee und schreibe. Mails, welche Dominik mir liebenswürdigerweise auf eine Diskette gespeichert hat, werden beantwortet und vorbereitet fürs Versenden. Wer weiss, wann ich das nächste Mal selbst ins Internet kann.
Eure Mails übrigens, freuen mich sehr. Es ist unheimlich schön, Nachricht zu hören von Zuhaus. Vielleicht komme ich nicht dazu, allen persönlich zurückzuschreiben. Aber hin und wieder werde ich mir die Zeit schon nehmen. Das meiste, was uns so wiederfährt ist allerdings eh schon in den Reiseberichten drin. Aber auch nicht alles ;-)
Der Tag im Camper tut gut, meine Nase läuft und läuft und läuft.
Dominik kehrt am Nachmittag mit Zorro zurück und hat vieles zu berichten. Das Räuberdorf oberhalb unseres Platzes ist eigentlich eher eine Feriensiedlung, vom Gipfel aus hat er Gibraltar und die Berge von Afrika gesehen, eine Wandergruppe von Schülern hat den Kleinen verfüttert und auf dem Gipfel wurde er fast devongeblasen. Wenn Zorro übrigens mit uns Wandern kommt, dann ist er anfangs immer überall am Schnuppern und Schauen. Wenn er dann langsam müde wird, dann läuft er wie ein Küken hinter uns her. Machen wir den gleichen Weg zurück dann läuft er immer voraus. Überhaupt geht er manchmal gar nicht gern vom Auto weg. Sobald es heiss wird, läuft er von Schatten zu Schatten. Mittlerweile ist seine Kondition aber sichtlich besser. Am meisten macht ihm das Laufen während der Siesta zu schaffen. Das ist eindeutig die Zeit, wo er normalerweise schlafen würde, wohl auch schon immer geschlafen hat.
Dass der kleine Kerl immer wieder nach Abfällen Ausschau hält, hat wohl nicht nur mit seiner ausserordentlich guten Nase zu tun.
Ich hab mir seine Geschichte wie folgt zusammengereimt: Er und sein Schwesterchen wurden wohl irgendwo an der Malagassischen Küste geboren. Mit seiner herrenlosen Mutter hat er sich das Futter an der Beach zusammengesucht (das Meer und die Futterquellen am Strand hat er offenbar gekannt) und sich vermutlich in der Nähe von Agglomerationen vom Abfall ernährt. Irgendjemand hat sich vermutlich der beiden verbarmt und sie zu einem Tierarzt gebracht. Dieser wiederum hat Ronni kontaktiert und ihn gebeten, die zwei, doch eigentlich niedlichen Kerlchen, zu sich zu nehmen. Während der nächsten 1 ½ Monate hat er dann die Zeit in der Tierstation Esperanza verbracht, wurde entwurmt und geimpft und kam mit den anderen Hunden zusammen ins Rudel. Dann hatte Ronni wohl Hunde dort, die Zorro und seine Schwester wohl nicht gerade nett behandelt hätten und die beiden kamen in "Einzelhaft". Seine Art sich fallen zu lassen (vielleicht machen das ja andere Hunde auch so?), am Plastik der Kiste zu nagen (macht er schon fast nicht mehr), die Tatsache, dass er sehr mager war (ist er nicht mehr) und null Kondition hatte (jetzt ist er so fit wie wir), lassen mich vermuten, dass er die letzte Zeit dort in der Box zusammen mit seiner Schwester verbracht hat, wo er halt zuwenig Bewegung, Platz und Abwechslung hatte. Wir nehmen das Ronni allerdings nicht übel. Seine Anstrengungen und Bemühungen für die Hunde dort sind beispiellos und verdienen Achtung. Dass man da nicht immer allen Tieren gerecht werden kann ist eigentlich klar. Ich glaube, dass unser Zorro mehr Positives als Negatives erfahren hat. Er hat offensichtlich einen guten Charakter, ist vertrauensvoll und sehr "selbstbewusst", wenn man denn so sagen darf. Hört, hört, die stolze Hundemutter! ;-)
Soweit Zorros Story. Mal sehen, was aus diesem jungen Hund noch so alles wird.
Zur Feier des Tages und so quasi als Tapas kriegt Zorro einen Kauknochen (keinen Richtigen, nur so zum Kauen, für die Zähne). Zuerst ist er irgendwie verlegen. Ich denke, er weiss nicht was damit anfangen. Dann beobachten wir, wie er den Knochen vergräbt! D.h. er bringt ihn ins hohe Gras und zieht mit seiner Schnauze andere Gräser darüber. Zwei Minuten später holt er ihn wieder und gräbt ihn an einer anderen Stelle wieder ein. Nach etwa fünf Minuten holt er ihn dann zurück in seine Kiste und fängt an zu kauen. Na sowas. Ich bin ja blutige Anfängerin was Hundeerziehung anbelangt, alles was ich weiss, hab ich aus den Büchern, die ich, natürlich weise vorausschauend, mitgenommen habe. Es ist sehr interessant, sein Verhalten zu beobachten. Hoffe, ich langweile euch nicht zu sehr mit diesen Ausführungen. Aber ihr wisst ja, wie's runterblättern geht!
So, gerade kommt Dominik auf seinem Velo mit Bier und ja, leider auch wieder Zigaretten (die letzte Krise war nicht Zigiresistent), zurück von der nicht weit entfernten Bandalleros-Spunte. Flotter Typ, hey! Prost!
24. Mai 2003, La Sauceda - San Luis de sabinillas (Malaga)
Emergency Room

Das Meer ruft wieder einmal. Seit wir von der Küste Richtung Ronda weg sind und einige Tage in Algodonales verlebt haben, waren wir nicht mehr am Meer. Das sind knapp drei Wochen seither. Der doch endliche Eichenwald des Nationalparks Grazalema spukt uns an einem Pass regelrecht hinunter in die Zivilisation. Aber es ist hässlich hier, bei Jimena und südlich davon. Wir fahren also weiter runter nach Sotogrande (etwa 15km nordöstlich von Gibraltar, an der Küste) und suchen nach einem Platz zum Baden, Essen, Sein usw. Doch Sotogrande ist so verbunkert, dass wir nicht einmal einen Meerzugang finden, geschweige denn ein lauschiges Plätzchen! Weiter nordöstlich allerdings wird es viel besser. Immer wieder tauchen kleinere Küstenabschnitte auf, welche sogar mit dem Auto zugänglich sind und zum Baden einladen. Allerdings weit und breit kein Schatten. Mittlerweile hat die Sonne doch erhebliche Einstrahlung.
Wir schauen verschiedene Plätze an, d.h. fahren runter, steigen aus, gehen ein bisschen spazieren und besehen uns jeweils die Sache aus der Nähe.
Während wir also auf so einem Platz stehen und noch diskutieren, dass hier ein bisschen viel Abfall rumliegt, hat Zorro irgendwas im Mund. Ich rufe AUS, gehe zum hin und kann grad noch ein kleines Teil aus seiner Schnauze rausnehmen. Aber es hängt immer noch ein Faden drin. Eine Angelschnur! Mit Riesenschrecken realisier ich, dass er einen Angelhaken, vermutlich mit einem Fischköder gefressen hat.
Jede Menge Gedanken schiessen mir durch den Kopf, unter anderem auch, dass es das jetzt war. So einen Haken kann er nicht durch den Körper bringen, unmöglich! Mit Müh und Not können wir ihm die restliche Schnur abschneiden, er jault und heult. Oje, was machen wir bloss mit ihm, er muss so schnell als möglich zum Tierarzt!
Per Zufall kommt grad eine Frau mit Hund daher und Dominik kickt sie an. Sie wohnt hier in der Nähe und kennt einen Tierarzt. Während sie die Nummer holt, packen wir unseren Kleinen ins Auto, der zwar nach kurzer apathischer Pause wieder mitläuft, aber uns aus kurvigen Augen anschaut.
Vom Tierarzt (Himmel sei Dank, er spricht Deutsch und hat auch noch grad Zeit, immerhin ist es Samstag!) bekommen wir einen Termin in ½ Std. Es zeigt sich, dass der Arzt sehr kompetent ist und eine moderne saubere Praxis führt. Er macht uns nach manueller Untersuchung klar, dass es je nachdem heikel sein kann. Wenn der Haken sauber runtergewandert ist bis zum Magen, dann kann er ihn mit einer relativ einfachen Magenoperation herausholen. Ist der Haken jedoch im Brustbereich hängen geblieben, dann würde das eine aufwändige und komplizierte Thoraxoperation bedeuten, wobei vielfach nachoperative Infektionen auftreten.
Der Kleine sitzt auf dem Untersuchungstisch, schaut wahnsinnig betroffen in die Gegend, hat sicherlich Schmerzen und wir schauen uns ebenfalls betroffen an. Muss das sein? Muss es so enden? Eine kurzerhand gemachte Röntgenaufnahme aber zeigt, dass der Haken im Kehlkopf steckengeblieben ist. Der Arzt meint, Glück im Unglück. Eventuell könne er ihn sogar ohne Schneiden über den Rachen rausholen. Wir müssen ihn leider heute und morgen dalassen, und dürfen ihn am Montag wieder abholen. Armer kleiner Kerl!
Dominik und ich installieren uns zwischen zwei Urbanisationen am Meer, finden einen guten Platz und erholen uns vom Schrecken. Wir hatten im Unglück viel Glück: zuerst die Frau mit Hund und Tierarztnummer, dann guter Tierarzt und dann der Haken, der glücklicherweise genug weit oben hängen geblieben ist! Unglaublich.
25. Mai 2003, Sabinillas (Malaga)
Warten und Tee trinken
Den Sonntag verbringen wir hier mit Nichtstun, Warten und Bangen. Na, wenigstens ich, Dominik hat gegen die Abwesenheit von Zorro nichts einzuwenden. Zugegeben, zeitweise ist es schon anstrengend mit so einem jungen Hund, aber ich möchte ihn nicht missen und ich hoffe doch sehr, dass alles gut geht und er bald wieder mit uns rumtollen kann. Die Ruhe tut aber auch mir gut. Trinke Tee und meine Erkältung ist am Abklingen. Am Montag werd ich wieder ziemlich fit sein.


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