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Reisebericht Spanien 2003-3 Andalusien
1. Mai 2003, Pizarra - Malaga Est (Malaga)
El Zorro
Ziemlich genau auf die Stunde einen Monat nachdem wir in Zug losgefahren sind,
holen wir unser Hundchen in der Tierstation Esperanza ab. Ronni macht die
Impfpapiere fertig, druckt noch ein Foto aus und fertig ist der Hundepass. Wir
kriegen sogar noch Welpenfutter, eine Hundebox, Leinen, Halsband, Decken und
Tücher. Er ist wirklich sehr nett und grosszügig. Wenn wir auf der
Rückreise oder bei einer nächsten Spanienreise hier durchkommen, werden wir
Ronni und die Station sicher besuchen.
Nun packen wir unseren kleinen Freund ins Auto in die offene Hundebox, welche
wir mit den Decken und Tüchern schön ausgepolstert haben. Sein Schwesterchen
bleibt leider hier , obwohl sie sicher genau richtig für mein Mami
wäre!
Wir fahren etwa 15 Minuten bis wir am Stellplatz von gestern Nacht, schön
gelegen am Fluss, halt machen. Die Sonne scheint ziemlich heiss vom Himmel und
weit und breit kein Schatten. Natürlich ziehen wir die Store raus, aber
trotzdem ist es heiss und schwül. Unser kleiner Freund ist ziemlich
mitgenommen. Er schläft in seiner Kiste. Steht auf, um zu trinken und legt
sich gleich wieder hin. Wie müde er ist! Im Laufe des Nachmittags nimmt seine
Schwäche sogar noch zu und wir machen uns sogar Sorgen, weil er wirklich ganz
und gar kraftlos in der Kiste liegt. So eine Ablösung und Daheimwechsel ist
halt schon stressig. Als die heisseste Zeit vorbei ist, wird es ein bisschen
besser, aber richtig wach wird er erst, als er zu fressen bekommen hat. Es war
wohl alles ein bisschen viel für ihn. Mit seinen gold-blauen Augen schaut er
uns an und beobachtet jeden unserer Schritte. Wir staunen über sein Vertrauen
uns gegenüber. Er ist ja sowas von zuckersüss! Natürlich diskutieren wir
schon seit dem ersten Besuch, wie er denn heissen soll. Als wir nachschlagen,
was denn Fuchs auf Spanisch heisst und sehen, dass das Zorro wäre, lachen wir
beide. So ein kleines Fürzchen und soll Zorro heissen!? Perfekt. Getauft. Mal
schauen wie er in diesen Namen hineinwächst!
Da unser schönes Plätzchen leider bei einem Fluss ist, welcher am Abend
ziemlich viele Moskitos anzieht, beschliessen wir an den bewährten Platz bei
Malaga Est zu fahren. Ca. 1 Stunde von hier entfernt, ist die Fahrt wohl auch
dem Hund zumutbar. Es zeigt sich schnell, das Autofahren für ihn kein Problem
ist. Er legt sich sofort hin und schläft. Die Strassen in Spanien sind
teilweise ja arg rüttelig. Aber nur wenn es wirklich fest holpert, gehen die
Augen auf, schauen mich an, checken damit, ob alles i.O. ist, und dann
schläft er wieder weiter. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus.
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An der Beach in Malaga Est hat es leider ein bisschen viel Volk, ist ja 1. Mai
und die Leute haben frei. Trotzdem finden wir noch ein Supereckchen, wo wir
uns installieren, sprich Sonnenstore raus, Stühle raus, Tisch raus, Hundebox
raus, Trinknapf raus, Voilà!
Wir wagen nochmals einen Spaziergang. Ob er wohl wieder genügend bei Kräften
ist? Für Zorro ist ja alles neu. Ausser der Tierstation und dem Tierarzt hat
er noch gar nichts von der Welt gesehen. Und doch, verflixt cool wie er alles
angeht! Wir sind wirklich ein bisschen baff und natürlich stolz, wie mutig er
uns folgt. Am Abend machen wir noch einen längeren Spaziergang am Meer
entlang. Obwohl er mein Nein versteht, ist die Verlockung eines Octopusses,
der offensichtlich frisch angeschwemmt wurde, zu gross. Er würgt ihn
herunter, bevor ich was unternehmen kann. Na dann halt, wohl bekomms! Ich
stelle fest, unser Hund ist ein Güderhund, er geht hinter jedes Teil, was an
der Beach liegt! Da haben wir wohl noch einiges zu lernen.
Wir sind gespannt, wie die Nacht gehen wird. Richtig stubenrein wird er wohl
noch nicht sein. Es geht also darum, zu hören, wenn er unruhig wird und dann
mit ihm hinaus. So Welpen können sich ja noch nicht lange zurückhalten, also
heisst das, wie ich nachgelesen habe, etwa alle 2-3 Stunden Pipi machen. Ich
mache mich also auf eine unruhige und anstrengende Nacht gefasst und hoffe
sehr, ich checke es, wenn er muss!
Um 11h sind wir etwa ins Nest. Um 1h höre ich ihn aufstehen oder kratzen,
beeile mich, die Türe aufzumachen und mit ihm rauszugehen. Wunderbar, er
bislet und macht sogar noch gleich ein Häufchen. Dominik und ich nutzen die
Gelegenheit ebenfalls für einen Nachtbrunz. 1 Stunde später höre ich ihn
wieder, mache die Türe auf, er springt raus, macht sein Pipi, setzt schon
wieder ein Minihäufchen und kommt auch gleich wieder rein. D.h. ich muss ein
bisschen helfen, denn die hohe Stufe ins Auto hinein ist fast noch ein
bisschen zu hoch für ihn. Easy, so einfach geht das also. Dann schlafen wir
bis etwa halb acht durch, alle drei. Das ging ja voll einfach. Er ist
stubenrein und macht sich bemerkbar, bevor er muss. Was wollen wir noch mehr?!
Wir sind glücklich und zufrieden mit unserem neuen Wohn- und Reisegenossen!
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2. - 4. Mai 2003, Malaga Est (Malaga)
Entdecken, Lernen und Aufbauen
Ein wunderbarer Tag bricht an. Ich bin happy. Unser Zorro offensichtlich auch.
Und Dominik hat auch sichtlich Spass an der ganzen Geschichte. Kein Wunder,
geht ja auch alles ohne Probleme ab. Wir stellen allerdings fest, dass unser
kleiner Freund kaum Kondition hat. Habe das Gefühl, dass er noch kaum gross
Muskeln aufbauen konnte. Das werden wir wohl über die nächsten Tage und
Wochen machen müssen, wenn er uns auf unsere Wanderungen begleiten soll. Aber
alles schön langsam! Wie alt er genau ist, wissen wir nicht. Ronni schätzte
ihn auf etwa 3-4 Monate. Ich geb ihm knappe 3 Monate. Ich geh mal davon aus,
dass er Anfangs Februar auf die Welt kam. Allerdings ist er schlicht auch
hintendrein mit seiner Entwicklung. Da gilt es schon noch was aufzuholen in
den nächsten paar Wochen, schliesslich soll diese sogenannte Prägungsphase
speziell wichtig sein für die Basis des Hundewesens. Wir werden uns also die
Zeit nehmen, um ihm vieles zu zeigen und mit ihm zu lernen und gleichzeitig
seine Ausdauer aufzubauen.
Wir verbringen das Wochenende auf diesem idealen Platz und machen viele
kleinere und kürzere Spaziergänge, üben den Appell mit ihm und stellen
fest, dass er sich schon an seinen Namen gewöhnt hat. An uns sowieso.
Manchmal liegt er in seiner Kiste, zerreist den Stoffknochen, wirft sich auf
den Rücken, alle viere in die Höhe. Dabei strecken sich seine spitzen Ohren
und er sieht aus wie ein Osterhase. Je länger je mehr bin ich mir sicher,
dass er Podenco drin hat.
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Am Sonntagabend wagen wir sogar den Megaspaziergang ins Dorf, um eine Pizza
essen zu gehen. Die Strecke läuft er mittlerweile ohne Probleme. Menschen
begegnet er interessiert aber distanziert. Begeistert ist er jedes Mal, wenn
er einen Hund sieht. Doch die meisten sind nicht gross an ihm interessiert. Um
die Kampfhunde an der Strandpromenade machen wir einen grossen Bogen. Da hab
ich Riesenbammel. Die würden ihn glatt zum Frühstück nehmen. Der Weg führt
sogar direkt an der Strasse entlang, wo Autos, Lastwagen und laute Rollers an
uns vorbeirauschen. Er erschrickt manchmal ein bisschen, doch läuft er tapfer
mit uns weiter. Wir können regelrecht zuschauen, wie er mit jedem Meter oder
mit jedem Auto an Sicherheit gewinnt. Extrem, welche riesigen
Entwicklungsschritte so ein Tier im Laufe eines einzelnen Tages machen kann!
Er wird von Tag zu Tag mutiger und damit natürlich auch frecher. Es ist
soweit, dass wir langsam Grenzen setzen müssen. Vor allem das Fressen von der
Strasse hat er voll drin; man könnte sagen, dies ist seine grosse
Leidenschaft. Wir wissen, dass es sein Verhängnis werden kann, doch ist es
schwierig, es ganz und gar zu unterbinden. Wir hoffen eigentlich vor allem
darauf, dass er bald mal checkt, dass er bei uns genug und regelmässig zu
Fressen bekommt.
Die Nächte sind problemlos. Es sind eher wir, die aufstehen und brunzen gehen
müssen, als der Hund. Auch am Morgen würde er eher noch liegen bleiben!
Am Sonntagmorgen um 5h schrecken wir allerdings heftig aus dem Schlaf. Die
Malagasische Jugend findet, ihr Chill-Out müsse neben unserem Camper
stattfinden. Die Autostereoanlage ist voll offen und wir liegen hellwach im
Bett. An Schlaf ist so nicht einmal zu denken. Also packen wir unseren Zorro
an die Leine und machen einen Mondspaziergang. Glücklicherweise geht es nur
etwa 1 Stunde, bis es ruhiger wird (wahrscheinlich ist die Autobatterie unten)
und sie weiterziehen.
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5. Mai 2003, Malaga Est - Torremolinos (Malaga)
Männerstrich
Die 2. Batterie ist unten. Vier Tage hat sie es ausgehalten. Nicht schlecht.
Auch der Kühlschrank ist so gut wie leer. Dominik nutzt die Gelegenheit, um
ihn zu putzen. Ja, ja, auch das muss sein.
Ich hämmere wieder einmal die letzten ereignisreichen Tage mit unserem neuen
Freund Zorro in den Lappi rein.
Dann heisst es, VW-Garage für Service suchen, Fiamma-Storen-Ersatzteil
ausfindig machen und einkaufen. Die Garage haben wir dank unserer eingebauten
Navigationstussi schnell gefunden und bekommen einen Termin für Mittwoch. Das
Ersatzteil für die Store hat 2 Wochen Lieferfrist! Und mein Einkauf wird viel
zu teuer. Auweia, das Budget wird strapaziert. Dafür gibt's endlich wieder
mal Feta, Echtes Birchermüsli und sonst noch so die eine und andere
kulinarische Nettigkeit.
Wir finden einen guten Platz an der unbebauten Beach vor Torremolinos. Nach
und nach finden wir heraus, dass hier offensichtlich der Männerstrich von
Malaga/Torremolinos ist. Der riesige Platz wird von Typen abgesucht, per Auto,
zu Fuss, per Motos, per Camper. Sie fahren die ganze Zeit kreuz und quer durch
die Pampa und reissen sich da und dort jemanden auf. Bei uns kommen sie
natürlich auch hin und wieder checken, ob es was hergibt. Wenn sie mich
jeweils sehen, düsen sie enttäuscht wieder ab. Ja, super! Super
Übernachtungsplatz! An sich Null Problemo, im Gegenteil, äusserst spannend
zu beobachten. Beobachtet sowieso jeder jeden! Einige kamen dann leider auch
nachts, unseren Azzi ausloten.
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6. Mai 2003, Torremolinos (Malaga)
Zorros jungfräuliche Bergwanderung
Wir fahren ins Landesinnere zur Sierra de las Nieves. Das erste Mal nun soll
unser Zorro uns auf einer Wanderung begleiten, welche alles in allem 3 ½ Std.
Marschzeit ausmachen wird. Wir wollen sehen, wie geländetauglich der Kleine
nun wirklich auch ist und wie es mittlerweile mit der Kondition steht. Bei
beiden Kriterien schneidet er sehr gut ab. Wir haben das Gefühl, man könnte
mit ihm auch was Gröberes machen. Er läuft auch toll ohne Leine mit.
Schlicht: wir haben da ein Superhündchen reingezogen.
Die Wanderung ist wunderschön, führt um einen Berg herum und bietet
phantastische Aussichten in alle Richtungen.
Anschliessend checken wir noch schnell das Fluggebiet bei Benalmadena. Der
eine Landeplatz beim Bergbähnchen (eventuell das einzige in Spanien?) wäre
auf dem asphaltierten Parkplatz der Bahn. Ganz lässig, ha! Wir genehmigen uns
einen Cafe Solo und lassen dies Gebiet mal links liegen.
Wir werden die Nacht nochmals an der gleichen Beach, aber am anderen Ende
verbringen. Hier sind wir ein bisschen ungestörter. Die breite Beach vor uns
wäre wirklich absolut der Hit, wenn es nicht so doll winden würde. Wir
machen in unseren Windjacken Spaziergänge und üben mit Zorro, den Güder
liegen zu lassen. Na ja, für einen klassischen Güderhund macht er ja schon
Fortschritte. Wenn ich Nein sage, und das muss kein lautes sein, dann lässt
er es sofort liegen. Sehe ich es aber nicht, dann frisst oder zerkaut er es
halt trotzdem.
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Langsam aber sicher weiss er allerdings, was er darf und was
nicht. Das wichtigste ist, dass er auf unser Komm und mein Pfeifen hört. Wenn
er rennend auf uns zukommt, dann fliegen seine Ohren und er schaut aus, als ob
er lachen würde. Ich muss dann jedes Mal lachen. Er ist wirklich zum
Liebhaben.
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7. Mai 2003, Torremolinos - Ronda (Malaga)
Tiefgang bei Temperatur und Laune
Das Wetter ist immer noch schlecht. Unsere Laune ebenfalls. Wir hören, dass
in der Schweiz das schönste Wetter herrscht. Sogar bis 28° - bei uns sind es
15°! Es ist doch wirklich kaum zu glauben, welch Wetterpech wir haben!
Wir bringen das Auto in die Garage und spazieren in Malaga ein bisschen umher.
Überall bauen sie. Die Saison dürfte jetzt dann losgehen. Allerdings müsste
dafür auch die Sonne ein bisschen mitmachen.
Wir machen auf touristisch und werden Ronda anschauen gehen. Unser
Wanderführer hat einen Stadtrundgang für dieses Städtchen vorgesehen. Das
Thermometer fällt, während wir auf gut 700m hochfahren auf unter 9°! Wir
fassen es nicht, es ist zum Schreien. Wenn es jetzt schneit, dann sind wir mit
Sicherheit nicht überrascht.
Ronda ist wunderschön und ein Besuch lohnenswert. Wir haben auf
unserem Weg quasi die eine alte Stadthälfte umlaufen und von aussen beschaut.
Wirklich eindrücklich und gut erhalten. Am Ende kam sogar die Sonne hervor.
Ein grosser Rüde, der uns über den Weg kam, zeigte Zorro, dass er der
Stärkere ist. Zorro warf sich mit dem Rücken auf den Boden und zeigte ihm
seine Bauchseite, aber nicht lange und dann stand er wieder auf und machte
sich davon. Von diesem Sozialverhalten hat er noch nicht soviel mitbekommen.
Er wird es hier aber nach und nach lernen, denn wenn irgend möglich, lassen
wir ihn von der Leine. Er soll seine Erfahrungen selber machen. Nun weiss ich,
dass er kommt, wenn ich rufe und das ist die Voraussetzung dafür.
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Südlich von Ronda finden wir einen Schlafplatz - unglaublich - auf den
gleichen Klippen, auf welcher die Stadt gebaut ist. Wir haben
Wahnsinnsaussicht auf das Tal unten und die Sierra im Hintergrund. Das ist ja
schon das Geile am VW-Bus: dass man an solche Orte fahren kann, an Orte, wo
man allenfalls ein Zelt aufstellen könnte, aber niemals sonst mit einem
Camper käme.
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8. Mai 2003, Ronda - Algodonales (Cadiz)
Fluggebietsentdeckung
Trotz toller Lage Nebel am Morgen! Auch unsere Stimmung ist ziemlich auf Null.
Wir haben uns wegen nichts und wieder nichts in den Haaren. Allerdings nicht
für Lange. Wir wissen beide, dass das schlechte Wetter an den Nerven zerrt!
Also weiter ins nächste Fluggebiet nach Algodonales!
In diesem Dörfchen bzw. auf dem Berg dahinter, dem Lijar, wurden vor zwei
Jahren die WM der Delta- und Gleitschirmflieger abgehalten.
Die Bergstrasse hinauf zum Startplatz ist allerdings sehr holprig. Wir kommen
zwar mit dem VW-Bus gut hoch, doch werden dabei arg durchgerüttelt, und das
während 30 Minuten. Dominik macht nach längerer Warterei einen tollen Flug.
Der Landeplatz ist unser Übernachtungsplatz. Obwohl Dominik einen Supertag
mit Fliegen hatte, liegen wir uns am Abend wieder in den Haaren. Was ist bloss
los mit uns? Es scheint, dass das Reisen doch eine grössere Strapaze ist,
welche Nerven braucht. Allerdings bin ich auch kritischer seit ich nicht mehr
rauche. Ja, Tatsache. Mir scheint manchmal, wie wenn mir ein Schleier von den
Augen genommen wurde. Ich würde sogar sagen, dass ich auf einmal eher der
Wahrheit ins Gesicht schauen kann, bzw. Dinge eher beim Namen nenne. Auf alle
Fälle macht's unsere gemeinsame Sache auch nicht einfacher. Habe auch lange
überlegt, ob ich überhaupt sowas hier rein schreiben soll, aber eigentlich
gehört das halt einfach auch dazu.
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9. Mai 2003, Algodonales (Cadiz)
Rumhängen am Startplatz, Absaufen zum Landeplatz
Wir nutzen den Morgen fürs Einkaufen, Wassertanken und Internet. Den Kleinen
können wir mittlerweile sogar längere Zeit alleine im Auto lassen. Vor
allem, wenn er genügend müde ist, dann schläft er einfach, null Problemo.
Am Mittag sind wir wieder oben. Diesmal auf dem Nord-Startplatz. Zum Sein ist
es dort oben wunderschön. Die Heide oder Maccia hier blüht, es summt und
brummt und ach, endlich ist es richtig warm, eigentlich sogar heiss. Unter der
Sonnenstore geniessen wir das Mittagessen: wie immer verschiedene Salate. Gehe
mit Zorro spazieren, während Dominik auf guten Startwind und mässige Thermik
wartet. Das Warten wird lang. Ein Engländer mit Delta sauft ab und findet,
fast schon unten, wieder Aufwind, bis wir ihn hoch über uns gegen Süden
abziehen sehen.
Dominik hat mit Starten Mühe. Das erste Mal hat es nicht genügend Wind, um
ihn vom kurzen Startplatz wegzuhieven und er landet im Gebüsch. Das zweite
Mal sauft er voll ab. Es geht im Liftverfahren nach unten, up and down, up and
down. Es ist kein Zusehen. Ich fahr runter und bin auf allerhand gefasst. Er
hat es dann aber doch noch bis zum Landeplatz geschafft!
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10. Mai 2003, Algodonales - Grazalema (Cadiz)
Muskelkater für unseren Kleinen
Eigentlich wollten wir in den Naturpark Grazalema und drei verschiedene
Wanderungen angehen. Aber für zwei davon braucht man eine Bewilligung, da die
Anzahl der Besucher limitiert ist. Und für Samstag und Sonntag sei es
ausverkauft, meint die Lady auf dem Touribüro. Na Prima! Dann machen wir halt
die eine, die keine Bewilligung braucht. Die Wanderung ist wunderschön,
führt durch wildes Gebiet zum Sattel des El Hoyo. Unser Wanderführer führt
uns zeitweise abenteuerlich aber sensationell schön durch dieses Gebiet.
Allerdings ist diese Wanderung viel länger als wir dachten. Unser kleiner
Hund hält zwar tapfer mit. Das Schöne ist ja, auf Wanderungen müssen wir
ihn nicht an die Leine nehmen. Da bleibt er immer schön in unserer Nähe.
Aber er kommt an seine Grenzen. Als wir nach etwa 3 ½ Marschzeit mit viel
Hochklettern und wieder Runtersteigen (das ist für den Kleinen speziell
schwierig, weil er noch nicht so viele Muskeln hat) wieder beim Auto sind, uns
ein Bier genehmigen, liegt Zorro wie tot in seiner Kiste. Junge Spanier mit
ihrem Kleinkind kommen und schauen sich unser Hundchen an. Wir erklären, dass
er so elend ausschaut, weil er todmüde ist. Einmal steht er kurz auf, schaut
ganz benommen drein, schwankt und lässt sich gleich wieder fallen. Ob sie es
uns glauben? Was die jetzt wohl von uns denken!
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Gut zu wissen, dass Hunde vor allem auf die Vokale hören. Das heisst, man
könnte wohl Chorro, Borro oder sonst wie rufen. Es muss einfach zweimal O
sein. Gut ist das, weil wir erst jetzt gecheckt haben, dass das Z im Spanisch
wie etwa das Th im Englischen ausgesprochen wird. Wenn wir ihn jeweils Zorro
rufen, verstehen die Spanier Torro! So Geil! So wird aus einem kleinen Fuchs
ein wilder Stier!
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11. Mai 2003, Grazalema - Zahara (Cadiz)
Er schwimmt!
Endlich mal ist es genügend warm und nicht zu windig. Die lange Wanderung von
gestern war für Zorro wirklich zuviel. Er steht ein bisschen mühsam auf und
die ersten zwei Meter lahmt er hinten. Sobald er aber ein paar Schritte getan
hat, ist es vorbei. Also schalten wir heute einen Erholungstag für ihn ein,
uns soll er auch gut tun.
Nach Besichtigung des sehr hübschen Zahara gehen wir zum gleichnamigen
Embalse (Stausee) hinunter. Unser Platz ist unter einem wunderschönen
Olivenbaum. Wir haben die Tücher ausgebreitet und uns im Evakostüm ins
Wasser gestürzt. Der Süsswassersee ist angenehm frisch und das Baden darin
ein Genuss. Zorro gefällt das natürlich gar nicht, dass wir so weit
rausschwimmen. Nie hätte ich gedacht, dass er sich wirklich ins Wasser
stürzen und zu uns schwimmen würde. Natürlich haben wir ihn gerufen und
aufgemuntert zu kommen, aber ich war eigentlich ziemlich sicher, dass er
streikt. Ups, dann, als er triefend nass am Ufer steht, sehen wir mal endlich,
wie wenig dran an diesem Hund ist. Sowas von mager! Und gerade habe ich vorhin
noch gesagt, ich hätte das Gefühl, dass er langsam Muskeln angesetzt hätte!
Also viel kann es nicht sein. Es wird ein genüsslicher und geruhsamer
Nachmittag.
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Im Abendlicht spazieren wir nochmals hoch zum Dorf um uns einen
"Gutenachtdrink" zu genehmigen.
Das Dorf ist fast ausschliesslich
von Einheimischen bevölkert. Extrem wenig Touristen, und dann auch nur
Spanische. Es grüssen immer alle freundlich. Viele Männer betrachten Zorro
wohlwollend. Einer, der zwei Podencos bei sich hat, schaut Zorro genauer an
(vor allem seine Nase) und meint, dass er eine gute Nase haben muss, was wir
nur bestätigen können! Auch eine alte Frau kommt zu uns und erzählt von
ihrem Hund, wie alt und gross er sei. Leider kann ich nur mit oh und ah und si
reagieren. Aber ihr reicht's scheint's.
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Andalusien im Abendlicht, wie bezaubernd! Soviel Grün und Blau. Die Wiesen
sind von zig Blumen bunt und satt. Der See in blaugrün, die Luft schwirrt und
surrt von Vögeln und Insekten und riecht mal würzig fein, dann wieder
gruusig abwässrig. Die hinterländische Ruhe wird nur von den Rollern der
Jugend unterbrochen.
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12. Mai 2003, Zahara - Algodonales (Cadiz)
Rekordflug mit Geiern
Wieder mal fahren wir zuerst ins Dorf um Einzukaufen und Wasser zu tanken.
Kurz vor zwei sind wir dann beim Startplatz oben. Etliche andere sind auch
schon da. Dominik fliegt raus und bleibt oben, bleibt oben, bleibt oben.
Irgendwann, sehe ich ihn dann nicht mehr. Habe mich installiert, bin am Lesen
von Hundefachliteratur und geniesse das Alleinsein, das tut zur Abwechslung
mal gut!
Habe ihm eine SMS gemacht und werde also warten, bis von Dominik ein Funk
kommt, denn vielleicht nimmt ihn ja jemand wieder mit nach oben. In der
Zwischenzeit hacke ich diesen Bericht rein, der in ein paar Tagen schon wieder
an euch unterweX sein wird.
Ah, Dominik ist immer noch in der Luft! Und wie! Ich sehe, wie er in einem
Pulk von etwa 8-10 Geiern fliegt. Wah, das muss ja geil sein! Überhaupt, er
ist superhoch! Sehe ihn runterspiralen und sichtlich Spass an der Sache zu
haben. Das sind jetzt aber schon mehr als drei Stunden! Ja gots eigentlich no!
Irgendwann fahre ich dann los nach unten, da kommt auch schon sein Anruf. Er
ist wohlbehalten auf dem offiziellen Landeplatz gelandet. In einer halben
Stunde bin ich bei ihm. Sage und schreibe 3h49 war er in der Luft! Sein
persönlicher Rekord.
Wir installieren uns gleich auf dem Landeplatz. Es gibt Cerveza und Tapas, der
Flug muss bequatscht werden. Wie immer wird fürs Essen gerüstet,
Abendgegessen, heute, aber nicht immer, gibt's ein Dessert, dann Kaffee und
meist einen Brandy dazu. Ach, uns geht es gut.
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13. Mai 2003, Algodonales - Zahara (Cadiz)
Baden, Fliegen, Rumhängen
Wir fahren zuerst mal zum Baden an den See. Mittlerweile ist es hier ziemlich
warm geworden. Tagsüber so 32°. Morgens und Abends ist es zwar noch ein
bisschen kühl, aber eigentlich eher angenehm. Die heisse Zeit am Mittag
verbringt man mittlerweile wirklich am besten schlafend, lesend im Schatten,
badend oder klimagekühlt im Auto.
Der Heupfnüsel plagt mich seit Anfang Mai. So gemein. Da ich hier natürlich
permanent draussen bin, merk ich es auch umso mehr. Mittlerweile blühen hier
die Olivenbäume und die Riesenagaven strecken ihre langen Spargelhälse gegen
den Himmel. Das Wasser hat etwa 19° und langsam aber sicher ist es so warm
und schön, wie man sich das als Camper so vorstellt und braucht, um wirklich
sich hängen lassen zu können. Vieles wird dadurch einfacher und angenehmer.
Zorro hat mittlerweile Spass am Wasser. Nach dem ersten Bad war ihm wohl sein
nasses schweres Fell ziemlich ungeheuer. Beim Ausschütteln schmierte es ihn
jeweils fast von seinen dünnen Beinchen. Doch jetzt kommt er rein, ohne dass
ich ihn gross rufen muss. Allerdings wirft er sich anschliessend noch triefend
nass auf mein Handtuch. Er liebt das Weiche. Egal was wir an Land lassen, und
wenn es nur eine Badehose von Dominik ist, er muss darauf liegen! Das nächste
Mal muss ich ihm wohl sein eigenes Tuch mitnehmen, wenn wir nicht unsere
opfern wollen.
Der Platz hier ist absolut genial. Von der Strasse bis zum See liegt ein
wilder, ziemlich vernachlässigter, dafür umso schönerer Olivenhain. Wie
legen unsere Decke unter einen dieser wunderschönen, momentan blühenden
Olivenbäume. Wir lesen, geniessen die Ruhe und reden. Der Höhepunkt unserer
Krise ist vorbei, wir raufen uns zusammen. Mal sehen.
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Gegen vier ist zwar noch kein Mensch in der Luft, wir fahren aber trotzdem
nach oben an den Startplatz. Ein roter Schirm ist am Absaufen. Was ist denn
bloss in der Luft los und kein Mensch am Startplatz! Kritisch betrachten wir
die Windfahnen, die Luft und sind ein bisschen ratlos. Es scheint alles
bestens zu sein. Bloss irritierend, dass niemand am Fliegen ist. Egal, Dominik
holt sein Zeug und macht sich bereit. Doch kaum steht er bereit am Hang, zeigt
die obere Fahne kurz gegen uns. Aha, der Wind kommt wohl von Süden und wir
stehen hier im Lee. Der Wind kann allerdings nicht sehr stark sein. Trotzdem
will Dominik abwarten. Am späteren Nachmittag macht er dann doch einen
wunderschönen Abendflug, fliegt mit einem Adler, der frech über den
Startplatz abgedreht ist! Ob der meinen Zorro als Frischfutter sieht?
Mit Zorro übe ich Komm, Sitz und Nein! Schlauer, braver kleiner Bursche! Habe
ihn schon arg in mein Herz geschlossen!
Für die Nacht fahren wir wieder an unser Seeplätzchen.
Das heutige Abendmahl ist ein bisschen einfacher. Wir haben uns entschlossen,
weniger zu völlneren. D.h. vor allem weniger Alkohol, weniger Süsses! Sonst
gehen wir auseinander wie echte Camper, welche sich nur noch mit Mühe hinter
das Steuer klemmen können.
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14. Mai 2003, Zahara (Cadiz)
Badevergnügen im Embalse de Zahara
In der Nacht hat die Guardia Civil bei uns halt gemacht. Hat uns aber
weiterschlafen lassen und ist weitergefahren. Das Bad nach dem Frühstück war
herrlich. Allerdings geht's jetzt nicht mehr ohne Zorro. Er jault, sobald ich
im Wasser bin und muss hinterher. Anschliessend auf sein Tuch, egal wie
nass er noch ist. Das Ausschütteln hat er noch nicht so richtig im
Griff. Er fliegt immer fast von seinen Beinen! Leider trocknet er dadurch
nicht so richtig und ich muss ihn selbst noch abreiben. Na ja, auch das wird
noch kommen.
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15. Mai 2003, Zahara (Cadiz)
In die Tiefe und die Höh
Wir stehen zur Abwechslung mal rechtzeitig auf und machen uns relativ zügig
fürs Abfahren bereit. Die Garganta Verde (grüne Schlucht) befindet sich kurz
nach Zahara und entführt uns auf einem schmalen steilen Pfad aus der
morgendlichen Hitze in die kühle grüne Welt zur Gruta de la Ermita am Ende
der Schlucht. Diese faszinierende Höhle mit Tropfsteingebilden, Vögeln,
welche drin nisten und deren Pfeifen lustig durch diese riesige Halle tönt,
ebenso wie das stete Tropfen, welches insgesamt eine eigenartige, magische,
aber auch melancholische Stimmung vermittelt.
Leider stinkt der Anfang im Bachbeet bestialisch, da eine tote Geiss, offenbar
die Schlucht runtergestürzt, drinliegt.
Auf dem Rückweg beobachten wir Geier, welche vermutlich hier nisten. Zorro
schafft die teilweise steilen Stellen auf der Wanderung mit Bravour. Er ist
wieder fit!
Bevor es wieder hochgeht zum Startplatz gehen wir einkaufen. Während ich auf
Dominik warte, sieht Klaus unseren Wagen. Klaus und Linda habe ich gestern auf
dem Startplatz getroffen, sie sind hier auf Hochzeitsreise und für
Fliegerferien. Da sie im Tandem fliegen, nehmen wir sie gerne mit nach oben.
Schon bald gehen alle raus. Herrlich sie zu sehen, Schirme in allen Farben,
kreuz und quer über dem Startplatz mit leuchtendblauem Himmel als
Hintergrund!
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Dominik fliegt und fliegt bis abends um 8h30. Er ist insgesamt schon
wieder 4 Stunden draussen. Er lotet den Startplatz aus, um eine bestmögliche
Landung machen zu können, was nicht eben leicht ist, bei den starken thermischen Ablösungen hier oben. Er landet 3x, jede kommt besser als die
andere. Er geniesst es nach Strich und Faden. Endlich kommt er so richtig auf
seine Kosten. Das Wetter ist aber auch genial. Die Sonne scheint, witzige
Leute sind am Startplatz, einer sogar mit einem Prototypen . Ein
Holländer, der zwar erst seit zwei Jahren fliegt, dafür aber fast jeden Tag,
und dann fast immer toplandet, hat viele Tipps fürs Fliegen und Landen hier.
Ja, der kennt das Gebiet wie sein Wohnzimmer. So geht ein spannender Tag am
Startplatz vorbei.
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Abendessen in der Venta bei der Tankstelle. Auch der Holländer kommt noch.
Das eh schon leckere Abendessen wird noch zusätzlich gewürzt mit teilweise
heftigen Stories und viel Fliegerlatein. Ich glaube, Dominik wird morgen seine
Flügelmuskeln spüren.
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16. Mai - 19. Mai 2003, Zahara und Algodonales (Cadiz)
Sattfliegen, Sein
Die Tage vergehen hier in diesem Flugparadies wie nichts. Dominik kriegt nicht
genug vom Fliegen, verbringt Stunden da oben, landet immer wieder auf dem
Startplatz und geht von Neuem raus. Seine Sicherheit und damit fliegerischen
Fähigkeiten nehmen von Flug zu Flug zu.
Es ist schön mitanzusehen und ich gönne ihm das von ganzem Herzen. Auch die
ganze Fliegerszene, die hier rumhängt ist locker. Überhaupt kein Stress von
wegen, wer was wie oder wo macht.
Zwischendurch machen wir einen Ausflug an einen anderen Flugberg, der bei
Nordwind zu fliegen wäre, finden aber keinen entsprechenden Startplatz. Die
Fahrt allerdings durch das südliche Land von Sevilla ist wunderschön. Wir
sehen immer wieder Caballeros auf wunderschönen Pferden, manchmal ganze
Familien, die reitend irgendwohin unterweX sind. Auch abends sieht man die
Leute auf ihren Pferden quasi spazieren gehen. Am Wochenende hat das Dorffest
von Algodonales stattgefunden. Ein bisschen ausserhalb des Dorfes trafen sich
wohl sämtliche Leute aus der ganzen Gegend, um miteinander zu feiern. Auch
hier kamen wieder einige mit ihren schönen Pferden, andere auf Maultieren und
wieder andere hatten ihre Wagen lustig dekoriert. Der Sound von der Tanzarena
war so laut, dass man ihn sogar am Startplatz oben hören konnte.
Obwohl es sehr spannend ist und eigentlich wunderschön, hab ich doch langsam
genug vom Rumhängen am Startplatz.
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Mühsam ist vor allem, dass ich Zorro kaum
aus den Augen lassen kann. Zu viele Menschen, Autos, ausgelegte Gleitschirme
und jede Menge Picknick-Abfälle, die er ja nicht fressen soll. Hundeerziehung
ist verdammt schwierig. So ein kleiner, frecher, im Teenageralter befindlicher
Hund ist ganz schön hartnäckig und probiert es immer wieder.
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Einen Abend verbringen wir auf dem Startplatz Levante mit Apero bei
Sonnenuntergang über dem Atlantik. Zur Übernachtung fahren wir rüber auf
den Startplatz Ponente und haben so am Morgen wieder den Sonnenaufgang. So
hoch oben ist es wunderschön und es wird ruhig, wenn all die Flieger
ausgeflogen sind. Von diesem Starplatz aus sieht man 360° über Andalusien,
wunderschön. Dominik fliegt am Mittag rüber zum meistgeflogenen Startplatz
Levante.
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20. Mai 2003, Zahara (Cadiz)
Badengehendes Krisenmanagement
Meine Bedürfnisse melden sich zurück und ich verbringe einen Tag am See,
während Dominik alleine zum Fliegen loszieht.
Eine ziemliche Krise schüttelt uns zur Zeit. Das Campieren ist für uns beide
neu. Es herrscht noch keine Routine und viele Entscheidungen müssen immer
wieder gefällt werden. Was will er, was will ich, was wollen wir?! Obwohl wir
seit bald 2 Monaten unterweX sind, ist Dominik bis Algodonales noch nicht
gross zum Fliegen gekommen. Und jetzt zieht er es natürlich rein. Klaro, soll
auch so sein. Ich aber muss jetzt herausfinden, wie gestalte ich die Zeit,
während er am Fliegen ist. Zorro verlangt ziemlich viel Aufsicht, wenn er
stationär ist und Menschen, Autos und Gleitschirme um uns sind. Ich will ihn
ja nicht den ganzen Tag an die Leine legen. Das Aufpassen ist ziemlich
anstrengend. Wandern kann ich unter diesen Umständen hier eben auch nicht.
Ausser der Strasse, die den Berg hochkommt hat es hier keine Wanderwege, zudem
ist es, bis wir am Startplatz oben sind zu heiss, um loszuziehen. Na, Lesen
und Schreiben liebe ich, aber auch nicht alle Tage. So, jetzt bin ich
gefordert. Bzw. wir müssen herausfinden, wie wir das am besten unter einen
Hut bringen.
Der Tag am See hat mir Zeit gelassen, um mir über meine und unsere Situation
Gedanken zu machen. Eine intensive aber gute Diskussion am Abend bringt wieder
neues Licht in die ganze Sache. Wir werden versuchen, es beim nächsten
Fluggebiet besser zu machen. Ja, so ist das, nicht immer eitler Sonnenschein!
Aber keinen Grund zur Sorge, Mamutschka, kommt schon gut!
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21. Mai 2003, Zahara - Benaocaz (Cadiz)
Pueblo Blanco
Wir beschliessen, Algodonales hinter uns zu lassen und weiter an die
Atlantikküste zu fahren, Richtung Tarifa. Das Fluggebiet läuft ja nicht weg
und an der Küste gibt's auch noch viel zum Fliegen.
Unser Weg führt uns durch verschiedene wunderhübsche weisse Dörfer (Pueblo
Blanco), die zwar entsprechend vermarktet werden, aber trotzdem, vor allem
wenn sie klein sind, wahnsinnig hübsch sind. Es scheint, die EU-Gelder
fliessen hier reichlich. Wir sehen keine Häuserbaracken in den Dörfern.
Jedes ist in gutem Schuss und frisch geweisselt. Plätze und Promenaden sind
frisch gemacht oder gerade in Erstellung.
Leider müssen wir in manchem Hinterhof Hunde sehen, die ein trauriges Leben
führen: fast immer an der Kette, manchmal ohne Schatten, teilweise ganz
alleine, teilweise mehrere Hunde, jeder an einer Kette. Schrecklich. Die Hunde
hier scheinen den Menschen nicht viel wert zu sein. Verstehen kann ich es
nicht. Denn so ein Hund im Hinterhof erfüllt nicht mal den Zweck der
Alarmanlage, den er bellt vor lauter Einsamkeit bei jeder Kleinigkeit, sodass
man doch wohl irgendwann gar nicht mehr hinhört! So eingesperrt kann er einen
Einbrecher ja nicht mal am Arsch packen!
Dafür haben es die Schweine (schwarz sind sie hier) schön. Jede Menge
Freilauf. Auch die Rindviecher stehen auf riesigen Weiden, mit Bäumen, Kühe
mit Kälbern und Stieren zusammen. Schon richtig idyllisch.
Wir fahren über Benaocaz, um dort eine Wanderung zu machen. Zorro ist wieder
total fit und wird immer trittsicherer. Der bekommt hier ein richtiges
Agility-Training!
Diese Nacht wollte ich zur Abwechslung mal oben schlafen (macht sonst
Dominik), aber der Ostwind kam so böig rein, dass ich runterkommen musste und
wir das Dach schlossen.
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22. Mai 2003, Benaocaz - La Sauceda (Cadiz)
Teurer Tag
Weiter nach Ubrique. Wir müssen dringend unsere Kleider waschen. Haben das
letzte Mal am 11. April gewaschen! Es zeigt sich, dass wir immer etwa die
gleichen Sachen anhaben und jede Menge dabei haben, was wir wohl gar nie
brauchen werden (wenigstens ich). Zudem will ich zwei weitere Filme entwickeln
lassen, tanken müssen wir und Zorro braucht eine richtige Laufleine. Wir
geben darum heute ziemlich viel Geld aus.
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23. Mai 2003, La Sauceda (Cadiz)
Besinnlichkeit
Mein Schnupfen zwingt mich, daheim zu bleiben. Dominik geht mit Zorro alleine
auf die Wanderung.
Ich mache mir kannenweise Tee und schreibe. Mails, welche Dominik mir
liebenswürdigerweise auf eine Diskette gespeichert hat, werden beantwortet
und vorbereitet fürs Versenden. Wer weiss, wann ich das nächste Mal selbst
ins Internet kann.
Eure Mails übrigens, freuen mich sehr. Es ist unheimlich schön, Nachricht zu
hören von Zuhaus. Vielleicht komme ich nicht dazu, allen persönlich
zurückzuschreiben. Aber hin und wieder werde ich mir die Zeit schon nehmen.
Das meiste, was uns so wiederfährt ist allerdings eh schon in den
Reiseberichten drin. Aber auch nicht alles ;-)
Der Tag im Camper tut gut, meine Nase läuft und läuft und läuft.
Dominik kehrt am Nachmittag mit Zorro zurück und hat vieles zu berichten. Das
Räuberdorf oberhalb unseres Platzes ist eigentlich eher eine Feriensiedlung,
vom Gipfel aus hat er Gibraltar und die Berge von Afrika gesehen, eine
Wandergruppe von Schülern hat den Kleinen verfüttert und auf dem Gipfel
wurde er fast devongeblasen. Wenn Zorro übrigens mit uns Wandern kommt, dann
ist er anfangs immer überall am Schnuppern und Schauen. Wenn er dann langsam
müde wird, dann läuft er wie ein Küken hinter uns her. Machen wir den
gleichen Weg zurück dann läuft er immer voraus. Überhaupt geht er manchmal
gar nicht gern vom Auto weg. Sobald es heiss wird, läuft er von Schatten zu
Schatten. Mittlerweile ist seine Kondition aber sichtlich besser. Am meisten
macht ihm das Laufen während der Siesta zu schaffen. Das ist eindeutig die
Zeit, wo er normalerweise schlafen würde, wohl auch schon immer geschlafen
hat.
Dass der kleine Kerl immer wieder nach Abfällen Ausschau hält, hat wohl
nicht nur mit seiner ausserordentlich guten Nase zu tun.
Ich hab mir seine Geschichte wie folgt zusammengereimt: Er und sein
Schwesterchen wurden wohl irgendwo an der Malagassischen Küste geboren. Mit
seiner herrenlosen Mutter hat er sich das Futter an der Beach zusammengesucht
(das Meer und die Futterquellen am Strand hat er offenbar gekannt) und sich
vermutlich in der Nähe von Agglomerationen vom Abfall ernährt. Irgendjemand
hat sich vermutlich der beiden verbarmt und sie zu einem Tierarzt gebracht.
Dieser wiederum hat Ronni kontaktiert und ihn gebeten, die zwei, doch
eigentlich niedlichen Kerlchen, zu sich zu nehmen. Während der nächsten 1 ½
Monate hat er dann die Zeit in der Tierstation Esperanza verbracht, wurde
entwurmt und geimpft und kam mit den anderen Hunden zusammen ins Rudel. Dann
hatte Ronni wohl Hunde dort, die Zorro und seine Schwester wohl nicht gerade
nett behandelt hätten und die beiden kamen in "Einzelhaft". Seine
Art sich fallen zu lassen (vielleicht machen das ja andere Hunde auch so?), am
Plastik der Kiste zu nagen (macht er schon fast nicht mehr), die Tatsache,
dass er sehr mager war (ist er nicht mehr) und null Kondition hatte (jetzt ist
er so fit wie wir), lassen mich vermuten, dass er die letzte Zeit dort in der
Box zusammen mit seiner Schwester verbracht hat, wo er halt zuwenig Bewegung,
Platz und Abwechslung hatte. Wir nehmen das Ronni allerdings nicht übel.
Seine Anstrengungen und Bemühungen für die Hunde dort sind beispiellos und
verdienen Achtung. Dass man da nicht immer allen Tieren gerecht werden kann
ist eigentlich klar. Ich glaube, dass unser Zorro mehr Positives als Negatives
erfahren hat. Er hat offensichtlich einen guten Charakter, ist vertrauensvoll
und sehr "selbstbewusst", wenn man denn so sagen darf. Hört, hört,
die stolze Hundemutter! ;-)
Soweit Zorros Story. Mal sehen, was aus diesem jungen Hund noch so alles wird.
Zur Feier des Tages und so quasi als Tapas kriegt Zorro einen Kauknochen
(keinen Richtigen, nur so zum Kauen, für die Zähne). Zuerst ist er irgendwie
verlegen. Ich denke, er weiss nicht was damit anfangen. Dann beobachten wir,
wie er den Knochen vergräbt! D.h. er bringt ihn ins hohe Gras und zieht mit
seiner Schnauze andere Gräser darüber. Zwei Minuten später holt er ihn
wieder und gräbt ihn an einer anderen Stelle wieder ein. Nach etwa fünf
Minuten holt er ihn dann zurück in seine Kiste und fängt an zu kauen. Na
sowas. Ich bin ja blutige Anfängerin was Hundeerziehung anbelangt, alles was
ich weiss, hab ich aus den Büchern, die ich, natürlich weise vorausschauend,
mitgenommen habe. Es ist sehr interessant, sein Verhalten zu beobachten.
Hoffe, ich langweile euch nicht zu sehr mit diesen Ausführungen. Aber ihr
wisst ja, wie's runterblättern geht!
So, gerade kommt Dominik auf seinem Velo mit Bier und ja, leider auch wieder
Zigaretten (die letzte Krise war nicht Zigiresistent), zurück von der nicht
weit entfernten Bandalleros-Spunte. Flotter Typ, hey! Prost!
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24. Mai 2003, La Sauceda - San Luis de sabinillas (Malaga)
Emergency Room
Das Meer ruft wieder einmal. Seit wir von der Küste Richtung Ronda weg sind
und einige Tage in Algodonales verlebt haben, waren wir nicht mehr am Meer.
Das sind knapp drei Wochen seither. Der doch endliche Eichenwald des
Nationalparks Grazalema spukt uns an einem Pass regelrecht hinunter in die
Zivilisation. Aber es ist hässlich hier, bei Jimena und südlich davon. Wir
fahren also weiter runter nach Sotogrande (etwa 15km nordöstlich von
Gibraltar, an der Küste) und suchen nach einem Platz zum Baden, Essen, Sein
usw. Doch Sotogrande ist so verbunkert, dass wir nicht einmal einen Meerzugang
finden, geschweige denn ein lauschiges Plätzchen! Weiter nordöstlich
allerdings wird es viel besser. Immer wieder tauchen kleinere
Küstenabschnitte auf, welche sogar mit dem Auto zugänglich sind und zum
Baden einladen. Allerdings weit und breit kein Schatten. Mittlerweile hat die
Sonne doch erhebliche Einstrahlung.
Wir schauen verschiedene Plätze an, d.h. fahren runter, steigen aus, gehen
ein bisschen spazieren und besehen uns jeweils die Sache aus der Nähe.
Während wir also auf so einem Platz stehen und noch diskutieren, dass hier
ein bisschen viel Abfall rumliegt, hat Zorro irgendwas im Mund. Ich rufe AUS,
gehe zum hin und kann grad noch ein kleines Teil aus seiner Schnauze
rausnehmen. Aber es hängt immer noch ein Faden drin. Eine Angelschnur! Mit
Riesenschrecken realisier ich, dass er einen Angelhaken, vermutlich mit einem
Fischköder gefressen hat.
Jede Menge Gedanken schiessen mir durch den Kopf, unter anderem auch, dass es
das jetzt war. So einen Haken kann er nicht durch den Körper bringen,
unmöglich! Mit Müh und Not können wir ihm die restliche Schnur abschneiden,
er jault und heult. Oje, was machen wir bloss mit ihm, er muss so schnell als
möglich zum Tierarzt!
Per Zufall kommt grad eine Frau mit Hund daher und Dominik kickt sie an. Sie
wohnt hier in der Nähe und kennt einen Tierarzt. Während sie die Nummer
holt, packen wir unseren Kleinen ins Auto, der zwar nach kurzer apathischer
Pause wieder mitläuft, aber uns aus kurvigen Augen anschaut.
Vom Tierarzt (Himmel sei Dank, er spricht Deutsch und hat auch noch grad Zeit,
immerhin ist es Samstag!) bekommen wir einen Termin in ½ Std. Es zeigt sich,
dass der Arzt sehr kompetent ist und eine moderne saubere Praxis führt. Er
macht uns nach manueller Untersuchung klar, dass es je nachdem heikel sein
kann. Wenn der Haken sauber runtergewandert ist bis zum Magen, dann kann er
ihn mit einer relativ einfachen Magenoperation herausholen. Ist der Haken
jedoch im Brustbereich hängen geblieben, dann würde das eine aufwändige und
komplizierte Thoraxoperation bedeuten, wobei vielfach nachoperative
Infektionen auftreten.
Der Kleine sitzt auf dem Untersuchungstisch, schaut wahnsinnig betroffen in
die Gegend, hat sicherlich Schmerzen und wir schauen uns ebenfalls betroffen
an. Muss das sein? Muss es so enden? Eine kurzerhand gemachte Röntgenaufnahme
aber zeigt, dass der Haken im Kehlkopf steckengeblieben ist. Der Arzt meint,
Glück im Unglück. Eventuell könne er ihn sogar ohne Schneiden über den
Rachen rausholen. Wir müssen ihn leider heute und morgen dalassen, und
dürfen ihn am Montag wieder abholen. Armer kleiner Kerl!
Dominik und ich installieren uns zwischen zwei Urbanisationen am Meer, finden
einen guten Platz und erholen uns vom Schrecken. Wir hatten im Unglück viel
Glück: zuerst die Frau mit Hund und Tierarztnummer, dann guter Tierarzt und
dann der Haken, der glücklicherweise genug weit oben hängen geblieben ist!
Unglaublich.
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25. Mai 2003, Sabinillas (Malaga)
Warten und Tee trinken
Den Sonntag verbringen wir hier mit Nichtstun, Warten und Bangen. Na,
wenigstens ich, Dominik hat gegen die Abwesenheit von Zorro nichts
einzuwenden. Zugegeben, zeitweise ist es schon anstrengend mit so einem jungen
Hund, aber ich möchte ihn nicht missen und ich hoffe doch sehr, dass alles
gut geht und er bald wieder mit uns rumtollen kann. Die Ruhe tut aber auch mir
gut. Trinke Tee und meine Erkältung ist am Abklingen. Am Montag werd ich
wieder ziemlich fit sein.
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