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Paraglider-und Reiseberichts-
Seiten werden Ende 2011 vom Netz genommen!! |
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03. Februar 2011 |
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Reisebericht Spanien 2003-4 Andalusien
26. Mai 2003, Sabinillas - Conil (Cadiz)
Wieder zu Dritt: vom Mittelmeer an den Atlantik
Der Arzt kommt uns lachend entgegen. Der Kleine hat die ganze Zeit über gekläfft
und gejault und der Eingriff ist gut verlaufen. Mit einem Spezialgerät ging
er in die Speiseröhre und holte den Fremdkörper über den gleichen Weg
wieder heraus, wo es durchbrach. Er meinte, er hätte beinahe schneiden müssen,
der erste Anlauf brachte keinen Erfolg. Das Problem bei diesem Eingriff
besteht darin, dass er in 20 Sekunden wieder draussen sein muss, sodass der
Hund wieder Atem holen kann! Beim zweiten Mal hat's dann geklappt. Den Haken
und das Röntgenbild haben wir als Souvenir mitbekommen.
Jetzt heisst es, heute und morgen gar nichts futtern, höchstens Bouillon oder
Honigwasser. Am Mittwochmorgen mal mit 2 Esslöffeln Reis/Trockenfutterpuré
versuchen, ob er die Nahrung halten kann oder gleich wieder erbricht. Und dann
nichts hartes Essen während den nächsten 10 Tagen! Reis und aufgeweichtes
Trockenfutter. Zorro und nichts ausser als Napffutter fressen?! Wie sollen wir
denn das hinkriegen, der frisst doch alles von der Strasse, was nur irgendwie
nach Fisch, Fleisch oder Kot riecht! Maulkorb? Ja, das geht dann wohl nicht
anders. Ojemine! Auch das noch.
Wir bezahlen die Rechnung, sind dem Arzt ausserordentlich dankbar und packen
unseren kleinen Köter ins Auto. Wir werden uns wohl irgendwo fest
installieren müssen. Denn Campieren mit Hund heisst, dass der Hund den ganzen
Tag über draussen ist und somit den ganzen Tag das Ding über dem Kopf haben
müsste. Das geht nicht. Also werden wir uns irgendwo an der Westküste
zwischen Tarifa und Cadiz eine Wohnung suchen, wenn möglich in einem
Fluggebiet, wo Dominik seiner Leidenschaft nachgehen kann und ich den Kleinen
überwachen und wieder aufpäppeln kann. Die paar Gramm, die er sich bei uns
angefressen hat sind sozusagen wieder flöten. Er ist so mager wie am Anfang!
Wir fahren die schnelle Küstenstrasse hinunter nach Gibraltar, sehen Afrika,
fahren ohne Halt weiter, vorbei an Tarifa und die coolen Kitesurfstrände am
Atlantik hinauf mit dem Versprechen, das alles nach Genesung des Hundes in
aller Ruhe anzuschauen und zu beschnuppern.
Wir peilen Conil an. Hier muss es ein Küstensoaringfluggebiet geben und Vejer,
was ebenfalls ein Fluggebiet ist, ist ganz nah.
Nach einigem Suchen nehmen wir eine kleine Wohnung mit grossem Balkon, Blick
auf den extrem breiten und langen Sandstrand zwischen Conil und El Palmar, auf
Sonnenaufgang und -untergang. Sehr schön, aber ein bisschen teuer. Wir
bezahlen trotz Feilschen und leeren Wohnungen den offerierten Preis von 36
Euro/Nacht. Na ja, immerhin ist eine Waschmaschine (dumm, dass wir erst gerade
gewaschen haben) drin. Vor allem aber ist der riesige Balkon ideal, um Zorro
ohne Maulkorb Freilauf geben zu können.
Am Abend mussten wir einen Gecko retten, den Zorro schon in der Schnauze hatte
und wohl vor lauter Hunger auch runtergeschluckt hätte.
An Fliegen ist hier im Moment nicht zu denken. Der Wind bläst aus Osten. Am
Abend lässt er zwar nach, aber immer noch falsch.
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27. Mai 2003, Conil (Cadiz)
Kuraufenthalt
Oh diese Hotelbetten, wie ich sie hasse. Ein quietschende Grube in der Mitte,
viel zu schmal (unser Camperbett ist zwar schmäler, aber fühlt sich breiter
an! Dafür ist das Duschen nicht zu verachten. Dominik geht dabei zwar in die
Knie, aber kein Problem, winzige Dimensionen sind wir uns gewohnt.
Während der Nacht musste ich feststellen, dass unser Zorro nicht stubenrein
ist (hab ich doch vermutet). Im Camper hatten wir kein Problem, denn ins Auto
macht er nicht und nach draussen gehen konnte er mehr oder weniger wie es ihm
passte. Nun ist der Bereich von "Stube" und Draussen nicht mehr so
klar für ihn. Ja dann weiss ich jetzt ja, was mich erwartet. Da müssen wir
wohl nochmals durch die Kinderstube. Bin ich froh, hab ich entsprechende
Fachliteratur dabei. Vieles lässt sich mit Anleitung besser, effizienter und
fachgerechter lösen.
Der Wind hat in der Nacht noch mehr zugenommen und lässt uns am Morgen kaum
draussen frühstücken. Fliegen kann man gleich vergessen.
Dominik fährt nach Cadiz und Jerez und hofft, dort einen VW Garagilsten zu
finden, der das Ersatzteil hat für den noch offenen Defekt aus dem Service
oder wenigstens bestellen und reinmachen kann.
Ich haushalte ein bisschen, wasche mir die Haare mal wieder richtig gründlich.
Ein warme Dusche ist doch immer schön, auch wenn's draussen noch so heiss
ist. So ausgiebig und in aller Muse Körperpflege zu machen ist mittlerweile
zum Luxus geworden. Entsprechend geniesse ich es.
Der Wind wird immer lästiger. Die Böen haben sagenhafte Stärke und nach
einem Spaziergang mit Zorro finde ich die Hundebox, den Wäscheständer, Tücher
und einfach alles auf der Treppe zu unserem Balkon. Wenn Zorro durch den Wind
läuft versetzt es ihm jedes Mal die Füsse. Nicht viel mehr und er fliegt
davon! Es ist auch nicht daran zu denken, einen Sonnenschirm aufzustellen,
sogar ein Tuch, am Wäscheseil angemacht, flattert so heftig, dass einem Angst
wird. Dann setz ich mich halt rein!
Auf einem Spaziergang traf ich auf zwei Deutsche, welche von Barcelona mehr
oder weniger entlang der Küste bis hierher gewandert sind. Sie werden weiter
der Küste entlang über Portugal und Nordspanien nach Frankreich, wo der eine
lebt, weiterwandern. Das mit je 25kg Gepäck! Sie haben mich spontan zu einer
Selbstgedrehten eingeladen und wir haben beim Plaudern festgestellt, dass sie
ebenfalls bei Ronni von der Tierstation Esperanza in Pizarra vorbeikamen. Auch
sie liebäugelten mit einem Hund als Begleitung auf ihrer Fernwanderung. Doch
so ein kleiner Hund würde viele Stellen nicht schaffen, die sie, teil quer
durchs Land gehend, selbst nur mit Ach und Krach bewältigten konnten. Zwei
nette Typen!
Auf einem anderen Spaziergang kommt mir auf einem wunderschönen Klippenweg
ein schnellfahrender Skooter entgegen. Vorausrennend ein Kampfhund mit
Nagelhalsband. Wumm, der Hund vorbei, mein Herz in den Knien, Zorro am
Halsband, der Skooter vorbei. So ein Shit, verdammt, da hab ich Riesenschiss!
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28. - 31. Mai 2003, Conil (Cadiz)
Wohnung contra VW-Camper
Na ja, das Leben im Camper ist halt schon schön. Wir vermissen es beide jetzt
schon. Obwohl die Beach hier wunderschön ist, die Wohnung ebenfalls nicht übel,
das Städtchen sogar ganz lässig, ist es langweilig. Komme mir ans Haus
gebunden und ein wenig als Aufpasserin vor. Na, und Flugwetter ist auch nicht.
Erst jetzt aufs Wochenende hin hat der Wind soweit nachgelassen, dass man
draussen sitzen und sein kann ohne aggressiv zu werden. Das Wetter ist meist
strahlend schön, gestern und heute hatte es am morgen über dem Dorf und
Hinterland dichter Nebel, wunderschön anzusehen, löst sich im Laufe des
vormittags auf. Baden waren wir bis jetzt erst einmal, da der Wind immer noch
sehr kühl ist.
Dominik macht seine Aufziehübungen, saftet dabei wie ein Schweinfilet auf dem
Grill und flucht wieder einmal über Spanien und von wegen Fliegen hier. Wir
gehen immer wieder auf ausgedehnte Spaziergänge am Meer. Bei Ebbe kann man
unten an den Klippen vorbei zur nächsten Bucht. Die Klippen sind aus porösem
Sandstein und roter Erde, bizarr gezeichnet von Wind und Wasser. Wunderschön.
Von hier aus könnte man Richtung Las Palmeras am Meer entlang wandern,
vermutlich in 1 ½ - 2 Stunden. Das Problem ist, dass mitten auf Strecke ein
Fluss ist, der nicht mehr durchgängig ist, sobald die Flut einsetzt. Wir
werden es trotzdem mal wagen.
Übrigens rauche ich wieder regelmässig. Leider, ja. Hat nicht geklappt,
werde es aber wieder probieren. Ein paar Kilo verloren, haben wir vermutlich
auch, gibt ja kein Dessert und kein Schnaps mehr bei uns!
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Ich werde immer wieder darauf angesprochen, wieso denn der kleine arme Hund so
ein Maulkorb tragen muss, ob er denn gefährlich sei (das meist eher mit
Augenzwinkern)? Mittlerweile kann ich das auf Spanisch erklären, was ihm
passiert ist. Manche lachen auch laut heraus, wenn sie ihn sehen, andere
wieder, flüstern sich vermutlich zu: "da schau, schon wieder so ein
bissiger Hund, na wenigstens kann der so keinen beissen!" Ist auf alle Fälle
amüsant und schön, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.
Heute wurden Zorro und ich leider vom Strand verwiesen. Zwei Mädels meinten,
Perros no! Keine Hunde hier am Strand. Vermutlich weil Sonntag ist. Morgen geh
ich auf alle Fälle wieder. Mal sehen.
Mittlerweile ist Dominik am Fliegen. Sitze hier drin am Lappi und sehe ihn
durch die Türe hin und her soaren. Na endlich. Scheint zu tragen! Seit mehr
als einer Stunde kurvt er jetzt schon hier entlang der Küste, immer etwa auf
Höhe der Kante, manchmal so 20 - 30 Meter darüber. Der wird glücklich sein!
Ich derweil, hacke auf meinen Lappi ein, checke hin und wieder, wie Zorro
zufrieden schläft, trinke ein Bier und rauche eine Chesterfield.
Im Moment lese ich gerade die deutsche Wochenzeitung "Zeit", wo ein
informativer Bericht über die lange Zeit verschwiegene historische
Vergangenheit von Spanien ein interessanter Artikel drin steht: Scheinbar hat
der weiche Übergang von Francos Diktatur in die Demokratie ein Schweigetuch
über die blutige Geschichte gehängt und erst jetzt machen sich die heute
etwa 40 jährigen daran, diese aufzuarbeiten, nach etwa rund 60 Jahren.
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So nach 2 Monaten wieder einmal in eine Zeitung zu schauen ist schon
eigenartig. Vor allem was die aktuelle Politik und Wirtschaft anbelangt. Ich
habe nicht das Gefühl, wirklich Wichtiges zu verpassen, früher oder später
hat man sie wieder beisammen, die Informationen. Gut recherchierte
Hintergrundberichte allerdings sind spannend, sie geben mir ein Gefühl von,
na ja, irgendwie mehr in der Realität zu sein... Dinge erscheinen dann in
einem anderen Licht und die Welt wird wieder grösser. Die Tageszeitung
jedoch, mit ihrer Flut von schnell sich ändernden Nachrichten, vermisse ich
hingegen gar nicht.
Ja, und unser Güderhund muss sich an seinen Maulkorb gewöhnen, wohl oder übel
darf er noch während den nächsten 5 Tagen nichts Festes essen. Mit der
Stubenreinheit klappt es auch noch ganz und gar nicht. Nur gut, dass wir hier
auf Fliesen leben. So bin ich halt dauernd am Pfützchen Wegwischen und renne
mit dem Kleinen alle paar Stunden nach draussen. Poah, wenn ich das gewusst hätte!
Nein, natürlich wusste ich, dass er unter Umständen noch gar nicht
stubenrein ist, nur hat er anfangs so schnell kapiert, dass er sich melden
kann in der Nacht und er dann raus kann, dass ich schon fast nicht mehr daran
dachte, es könnte vielleicht auch noch anders sein. Zudem scheint das
Antibiotika den Harndrang noch zu verstärken! So lässig! Dafür wird er
jeden Tag fiter, langsam setzt er wieder Fleisch an. Wenn ich ihn so ansehe,
wie er schlafend in der Kiste zwischen Gummiknochen, Piepsdino, Wäscheseil
und sonst noch so Beuteteilen liegt, die Ohren nach oben, ein scheinbares
Grinsen im Gesicht, die Beine lang ausgestreckt, dann sieht er zuckersüss
aus. Manchmal, wenn er keine Lust zum Spazieren hat, dann steht er da, die
Beine in den Sand gestemmt, sieht mich über seinen Maukorb hinweg entrüstet
an und ich muss lachen. So klein und so wichtig! Und manchmal geht er durch
die Gassen als ob sie seine wären, den Kopf hoch erhoben, ebenso der Schwanz.
Man könnte meinen, er scheine stolz zu sein, auf alle Fälle ist er dann sehr
selbstsicher (Gruss an Mäxchen!). Handkerum wenn er zu grosser Kerl
daherkommt und ihm seine Tatzen auflegt, dann ist er hin und hergerissen
zwischen Spielen wollen und sich ängstlich hinter mir verstecken. Mit einer
Lady, die offensichtlich mehr von ihm wollte, konnte er noch nichts anfangen,
dafür ist er wohl noch zu jung. Es wurde ihm eher lästig, das Hinterteil ins
Gesicht geschoben zu bekommen!
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1. - 4. Juni 2003, Conil (Cadiz und Sevilla)
Stubenreine Ferien
Bis Donnerstag waren wir in der Ferienwohnung bei Conil. Viele Strandspaziergänge,
Besuche im nahen Dorf, Ausflüge nach Vejer zum Fliegen und jede Menge Gassi-Übungen
mit Zorro.
Dominik ist noch zwei Mal an der Küste, gleich bei der Wohnung, zum Fliegen
gekommen. Endlich sein ersehntes Küstensoaring! Spielerisch umfliegt er die
Sandklippen, die Sträucher am Startplatz, mir immer wieder über den Kopf
hinweg und die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht.
Auch Vejer, was etwa 20 Autominuten von Conil im Landesinneren liegt, ziemlich
steil auf einem Hügel, bekannt bei den Touristen als Pueblo Blanco mit alten
Mühlen, vielen hübschen weissen Gässchen und einer guten Westlage fürs
Fliegen hat er zwei Mal "beflogen". Hat zwar ein bisschen gedauert,
bis Dominik den Startplatz gefunden hat. Da aber hier kaum Startplätze ohne
Autozufahrt existieren, fand er diesen etwa 500m südlich von der markanten
alten Mühle an der Westseite Vejers. Auch hier wieder Soaring vom Feinsten.
Der Start jeweils ist heavy (wenigstens in meinen Augen), so gute 6-8 Meter
zieht's ihn nach hinten bevor er vorwärts fliegen kann. In der Zwischenzeit
gehe ich jeweils spazieren, treffe immer wieder auf alte Männer, die das
Leben ruhig nehmen und mich gerne in ein Schwätzchen verwickeln möchten,
wobei ich leider nur zum Teil mithalten kann. Es ist eher so, dass ich errate,
was sie sagen und dann mit Händen und Füssen und Lachen antworte. Aber das
macht nichts, es ist nett, mit Ihnen zu "diskutieren"!
Wenn wir ins Dorf spaziert sind, haben wir uns meist einen Kaffee genehmigt.
Er Cafe solo (Espresso), ich einen Cafe con leche (Milchkaffee). Es sind schon
einige Touristen unterwegs, meist Deutsche oder Engländer. Meist jedoch
Spanier.
Die Westküste ist bis jetzt ziemlich spannend. Vor allem das Wetter! Dauernd
wechselt es. Morgens meist feucht, mal neblig, mal leicht bewölkt, dann am
Nachmittag strahlend schön und heiss.
Das deutsche Pärchen in der Wohnung neben uns kuriert ebenfalls: Blasen von
einer grossen Wanderung. Sie sind für zwei Wochen mit dem Mietauto durch
Andalusien unterwegs. Das Austauschen von Tipps ist selbstverständlich. Wir fühlen
uns so richtig als Feriengäste. Nur dass wir das Faulenzen und Ausspannen
nicht nötig haben. Ein bisschen komisch ist das schon. Na ja, das Herumreisen
fehlt uns halt. Auch das Draussencampieren. Machen wir halt das Beste daraus.
Die ganze Wäsche wird gewaschen und wir kriegen auch regelmässige Duschen.
Vor allem aber wird Zorro während dieser Zeit stubenrein.
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Nachdem ich quasi das Pferd von hinten aufzäumen wollte, indem ich meinte,
erkennen zu müssen, wann er muss, kapierte auch ich, dass ich ihm nur regelmässig
Gelegenheit geben musste, um sein Geschäft erledigen zu können und ihn dabei
überschwänglich loben. Das hat gegriffen! Nach einer Woche etwa war es für
ihn klar, dass wir erst ein paar Meter gehen und er sich dann erleichtern
kann. Das Antibiotika hat während diesen 10 Tagen dummerweise andauernd zum
Gassi gehen geführt. Aber was soll's, Hauptsache, er ist jetzt wieder fit und
zudem stubenrein.
Ein guter Nebeneffekt brachte auch das Maulkorbtragen. Mit dem Güderen wird
es ständig besser, nur am Strand, da wird's schwierig. Zudem gehorcht er
mittlerweile dem Befehl, "Dableiben" und "Warten". Ja, ja,
aus dem Streuner- und Güderhund wird schon noch ein "anständiger"
Hund. Seine Podenco-Seite macht es nicht immer einfach, ihn zu
"erziehen". Wenn ich arg mit ihm schimpfe oder ihm was wegnehme,
dann schmollt er. Überhaupt hatte ich und habe ich teils noch immer, eine Art
Skrupel, hart mit ihm zu sein. Aber je länger je mehr, erfahre ich, dass eine
gewisse Strenge ihm gut tut. Es scheint wirklich, dass er gerne Regeln hat,
diese auch gerne befolgt, Hauptsache, er weiss, was wir von ihm wollen und er
kriegt das, was er will, nämlich Futter, Sicherheit, Beständigkeit und
Geborgenheit. So, genug jetzt, der Hundephilosophie.
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5. Juni 2003, Conil - Atlanterra (Cadiz und Sevilla)
Ein Häuschen in Andalucia
So, endlich geht's weiter!! Wir packen unser Zeug, tanken Wasser voll und
fahren gegen Süden. Schon im nächsten Dorf ist das Haus von Frank, den
Dominik in Vejer beim Fliegen angetroffen hat. Seine Einladung, ihn zu
besuchen, nehmen wir gerne an.
Sein Haus liegt etwa 1km vom Strand von Las Palmeras entfernt auf einem Hügel.
Etwa 3000m2 gehören dazu. Der günstige Kauf, weil kein Wasser und kein
Strom, brachte ihm den Vorteil, ringsherum nur unbebautes Land mit weiter
Sicht zu haben. Franc ist Deutscher und lebt mit Mercedes, einer Spanierin,
seit etwa 7 Jahren hier (wenn ich mich recht entsinne). Mit einem Kollegen
haben sie dieses Haus und einen Doppel-Isolations-Container zu schönen,
schlichten und originellen Häusern gebaut bzw. umgebaut. Strom gewinnt er aus
einer Solaranlage und Wasser im Gegentausch mit einem Bauer, der ein Teil des
Landes nutzt. Das Haus hat er eine riesige Küche, hohe Räume und viele,
teils grosse, teils kleine Fenster, sodass man immer von überall her nach
draussen sehen kann, egal ob von der Badewanne, vom Klo oder vom Bett. Gegen
Osten hat er doppelte Fenster drin, da der Ponente extrem heftig sein kann.
Zorro konnte ausgiebig mit seiner einjährigen Leila spielen und bekam am Ende
sogar noch Schnecken zum Fressen, zum Gaudi von Mercedes, die ihm gleich als
Plagenbefreier behalten wollte (Häuschenschnecken sind hier je nachdem wie
man's sehen will, eine Plage oder eine hiesige typische Tapa, auf alle Fälle,
gibt es sie fast wie Sand am Meer!).
Es was sehr interessant zu sehen und zu hören, wie es sich hier lebt. Frank
scheint seinen Platz gefunden zu haben. Er sagt, es gäbe nichts Schöneres
auf der Erde, und er sei schon an vielen Orten gewesen. Tatsächlich finden
auch wir diese Ecke hier an der Costa de la Luz ganz nach unserem Geschmack.
Der Atlantik ist wild, das Wetter sehr wechselhaft. Daher auch kaum
Urbanisation und massiger Touristenrummel. Es hat endlose wunderschöne Strände,
das Wasser ist immer noch angenehm warm (weiter nördlich wird's dann schon
wieder kühler) und wechselhaftes Wetter finde ich spannend! Der Winter soll
mild sein, abgesehen von den heftigen Oststürmen, die dann auch die Küstenlinie
permanent verändern. So entstehen immer wieder neue Strände und andere
wiederum verschwinden.
Las Palmeras ist noch weniger touristisch als Conil und ladet ein, länger zu
bleiben. Trotzdem fahren wir wieder nach Süden, denn wir wollen ja noch die
Kiters und Surfer bewundern gehen. Leider müssen wir feststellen, dass wir
weiter südlich keinen schlauen Stellplatz mehr finden und so campen wir halt
auf einem Parkplatz in einem Villenquartier. Auch wenn der Platz nicht gerade
unseren Vorstellungen vom wilden Campieren entspricht, geniessen wir die Ruhe
hier (kaum ein Knochen weit und breit!), umgeben von wunderschönen Villen und
Gärten und vor allem einer Traumbeach. Zu unserem Leidwesen bläst wieder mal
der Ostwind, sodass wir unseren billigen Strandschirm fast zur Hälfte
eingraben müssen. Zorro allerdings findet es spassig und buddelt mit uns um
die Wette, endlich wieder mal ohne Maulkorb.
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6. Juni 2003, Atlanterra - Camarinal (Cadiz und Sevilla)
Surfer flitzen, Kiters kämpfen, Paragliders schauen zu
Am Morgen machen wir einen langen Spaziergang zum Leuchtturm hoch und weiter
hinauf. Der Blick auf die nächste Beach macht uns den Mund wässrig. Einfach
genial, was es hier an schönen Buchten gibt. Nur, es scheint kein Mensch dort
zu sein. Na, ja, wir werden das ausloten.
Zuerst geht es aber an die Westküste Tarifas. Das Mekka der Surfer und Kiter.
Und tatsächlich, schon von der Strasse aus sehen wir sie übers Wasser
zischen, der Ponente bläst ja auch wie blöd. Auf dem Strandparkplatz hat es
jede Menge Campers in allen Variationen. Ziemlich viele Deutsche und auch Engländer,
und alle haben ihre Bretter dabei. Die Engländer haben immer die verrücktesten
und buntesten Vehikels! Am Strand kann man kaum stehen, ohne Sand in den Mund
zu kriegen, so heftig weht der Wind. Die Surfer flitzen wie Gejagte übers
Wasser. Teilweise machen sie hohe Luftsprünge, sogar Saltos! Unglaublich, wie
die Wenden und welche Manöver die da durchgeben. Für mich als Anfänger gäb
es da keine Chance! Bei dem Wind sind alle mit "Sinkern" draussen.
Das sind Bretter, welche erst bei Schub auf dem Wasser gleiten. Würde man
stillstehend draufstehen würde es absaufen.
Weiter unten sieht man Kiters, leider zu weit weg, um sie gut zu sehen.
Als wir später weiterfahren auf der Suche nach unserer Traumbucht, kommen wir
auch an einen Ort, wo Campen nicht erlaubt ist. Keine Chance und die Zufahrt
zur Traumbucht ist militärisches Sperrgebiet. Na Prima! Wir fahren zwar ein
Stück rein kriegen aber Bammel, als wir nach einer Kurve auf lauter militärische
Anlagen blicken. Ne, ohne uns! Rechtsumkehrt und den Berg hinauf. Schade, denn
hier hätte man sicher mal unter Pinien campen können, was ich doch so gerne
möchte. Auf dem Berg oberhalb der Bucht finden wir dann wenigstens ein
einigermassen windruhiges Plätzchen, immerhin mit Sicht aufs Meer. Zwei
Geierpärchen nisten oberhalb unseren Stellplatzes. Faszinierend diese
riesigen Vögel mit dem Feldstecher zu beobachten.
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7. Juni 2003 Camarinal - Tarifa (Cadiz und Sevilla)
Windigste Ecke Europas
So, Tarifa ist ein Muss. Da nur etwa 15'000 Einwohner ist Tarifa überschaubar.
Wir lassen unseren Bus mit gemischten Gefühlen am Hafen stehen, sichern aber
den Laptop, und gehen auf eine Wanderung, entlang der Küste und hinein in ein
Tal, welches ziemlich abgelegen ohne Strom eine ganz andere Welt ist. Die
Wanderung wird heiss und wir finden den Zielpunkt nicht, auch sehen wir Afrika
und Gibraltar nicht, da dicker Dunst die Weitsicht verhindert. Schade. Aber
immerhin haben wir die Berge Afrikas auf unserer ersten Fahrt einmal sehen können.
Der Stadtbummel ist witzig. Tarifa ist wirklich lässig. Vieles Bars, Cafes
und Restaurant, alles sehr international und doch klein und fast dörflich.
Tarifa lohnt ein Besuch. Da der Wind hier dauernd heftig weht, sind Touristen
rar. Wenn, dann tummeln sich hier Surfer und Kiter. Entsprechend wird das
Nachtleben hier sein!
Zum Schlafen fahren wir auf einen grossen Parkplatz nördlich von Tarifa. Ein
paar Campers sind trotz Campingverbot hier und erzählen uns, dass die Guardia
sie sein lässt. Der Wind lässt endlich ein wenig nach. Wir geniessen das
Nacktbaden an dieser verlassenen Beach und das Abendessen draussen bei
Sonnenuntergang und zufriedener Atmosphäre.
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8. Juni 2003 Tarifa - Rota (Cadiz und Sevilla)
Spanien geht Baden
Dominik hat genug vom Wind. Dieser hat heute wieder zugenommen. Es ist schon mühsam.
Auch wenn wir den Sonnenschirm eingraben, es ist eher ein Sand- denn ein
Sonnenbaden.
Wir fahren hinauf über Cadiz in die nordwestliche Landzunge. Das Land hat
sich mittlerweile in brauntöne verwandelt. Der Weizen ist reif und schimmert
golden in der Sonne. Wenn der Wind die Halme streicht sieht es herrlich aus.
Zorro hat etwa die gleiche Farbe. Den gleichen Ton hat auch die mit Sand
vermischte Erde.
Zum Glück haben wir eine Klimaanlage on Board. So ist's innerhalb Minuten
angenehm kühl, auch wenn's draussen kocht. Auf der Strecke nach Norden machen
wir kurz Halt, um eine Kilbi anzuschauen. Die Mädels in Flamencotrachten hübsch
anzuschauen, aber beeindruckt bin ich von den Caballeros, welche auf
herrlichen Pferden in andalusischer Tracht stolz daherkommen. Wir machen nur
einen kurzen Stopp, denn es ist heiss und laut und Zorro wird ab all der Gerüche
halb närrisch.
Hoppla. Cadiz, Jerez und auch die anderen zwei Hafenstädte ergeben zusammen
genug Spanier, um diese doch riesigen Strände und vor allem die Parkplätze
hier am Pfingstsonntag zu füllen. Wir staunen nicht schlecht. Das Strandvergnügen
der Spanier sind Fressgelage mit der ganzen Verwandtschaft und jeder Menge
Ware. OK, dann tummeln wir uns halt rein. Am Abend sind eh wieder alle weg und
wir haben das alles wieder für uns alleine. Auch keine anderen Camper sind
da. Eigentlich ist das ein bisschen schade. Ab und zu mit Campern zu schwatzen
ist schön und der Austausch von Informationen und Erlebnissen interessant.
Aber auf solche (Ab)wege begeben sich keine Hymers und offenbar auch keine
kleineren wie wir. Egal, es werden auch wieder andere Zeiten kommen.
Bei Sonnenuntergang, etwa 21.45h, sind wir sozusagen alleine. Unser
Abendessen, Reis mit Auberginen, Zwiebeln und Chnobli, dazu Rioja lassen wir
uns dabei genüsslich schmecken. Das Moskitonetz kommt an die Türe. Hier ist
kein Wind, wie schön, dafür aber Mücken. Mit dem Netz dran kann ich zudem
nachts die Türe offen lassen. Das ist angenehm zum Schlafen.
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9. Juni 2003, Rota (Cadiz und Sevilla)
Beachboys
Offenbar haben die Spanier keinen freien Tag an Pfingstmontag. Der Strand ist
wenig bevölkert und wir bleiben hier, um zu baden, faulenzen, schreiben,
lesen und ja, halt wie immer, nichts tun. Natürlich ist bei uns (vor allem
bei Dominik) Nichtstun nicht einfach Nichtstun. Da gibt es immer was zu
werkeln. Die Sonnenstore muss frisch geleimt werden, die Kisten umgeräumt,
die Haltestange bei der Hecktüre wird vom Leim befreit usw. Mit dem Fahrrad
geht er die Umgebung entdecken, geht ausnahmsweise mit Zorro spazieren (ich
muss lachen, als beide so von mir weg spazieren - irgendwie herrschen da
gewisse Ähnlichkeiten…) und macht einen ausgiebiges Schwumm. So geht ein
Tag mit Nichtstun vorbei und am Abend meint er, er habe heute noch nichts
getan!
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Mit Zorro übe ich weiterhin Sitz, Platz, Komm, Nein, Brav, Fein, Falsch,
Pfui, Warte, Bleib da und neuerdings auch Fuss. Allerhand, gäll! Ich staune
immer wieder, wie gut und schnell er alles begreift. Es locken natürlich auch
Leckerli!
Endlich setzt er Fleisch an. Gewachsen ist er ebenfalls. Das Halsband, welches
ich von Ronni bekam, konnte ich am Anfang bis auf zwei Löcher schliessen.
Jetzt ist es schon im Letzten. Heute kam er das erste Mal ins Meer, trotz
Wellengang. Entsprechend ist er auch untergetaucht. Die nächste Welle hat ihn
dann wieder ans Meer gespült. Immerhin bleibt er jetzt schon auf seinen Füssen,
wenn er sich schüttelt. Die ersten Male am Stausee von Zahara ist er ja
umgekippt, als er sich schütteln wollte.
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10. Juni 2003, Rota - Sevilla (Cadiz und Sevilla)
Campingplatz, Swimmingpool und Pizza
Von Rota aus fahren wir ein Dorf weiter zum Leuchtturm von Chipiona. Auch dies
ist ein kleines hübsches Dorf mit schön arrangierten Bademöglichkeiten:
lauter kleine Buchten rings um das Dorf. Wir geniessen ein Cerveza mit
leckeren Tapas und beratschlagen, wohin die Reise weitergehen soll. Sevilla wäre
ja schon schön, wenigstens diese Grossstadt sollten wir gesehen haben. Als
Metropole von Andalusien ist sie fast schon ein Muss. Und wenn man bedenkt,
dass sämtliche Schnellstrassen dahinführen, dann sollten auch wir uns dahin
leiten lassen. Mal sehen, wie das mit der Hitze so geht...
12km südlich von Sevilla finden wir, nach einigem Suchen, einen kleinen
Campingplatz, der Hunde zulässt und zudem einen Swimmingpool hat. Yiiipee!
Das ist herrlich, wieder einmal ins Wasser springen und planschen.
Unser Platz ist unter einem Zitronenbaum, ein Mühlestein als Tisch daneben
und 5m vom Pool entfernt. Genial.
Alle sind am Schwitzen, das Thermometer steigt und steigt. Ob wir bei dieser
Hitze in die Stadt gehen sollen? Aber da wir ja mal da sind, wollen wir die
Gelegenheit nutzen. Es bedeutet halt am morgen früh losziehen.
Am Abend gehen wir zu Fuss in die nahegelegene Shoppingarea und genehmigen uns
im klimatisierten Restaurant eine Pizza. Lecker.
Draussen um die Ecke gibt's dann noch Kaffee und Dessert. Viele junge Leute
sind hier und geniessen Eis und Drinks. Dauernd fahren Skooter und Töffs
vorbei. Auspuffe werden hier nicht repariert oder, unterstell ich mal, sogar
abmontiert, so dass es schön Krach macht. Man gewöhnt sich ein bisschen
daran, dass hier immer alles so laut ist, aber es kann auch ganz schön
nerven.
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11. Juni 2003, Sevilla (Cadiz und Sevilla)
Heisse Metropole
Wir nehmen den Bus um 8.15h für Sevilla. Dominik erzählt, dass der Chauffeur
was von Perros no gesagt hat, als er für Zorro zahlen wollte. Ob Hunde hier
gratis mitfahren können ( wohl kaum!)? Egal, die Fahrt geht los. Nach anfänglicher
Unsicherheit schickt sich Zorro in sein Schicksal und liegt ergeben zwischen
Dominiks Füssen, den Kopf in den Gang gestreckt, um ja nichts zu verpassen.
Wir steigen bei der Universität aus, die früher mal eine Tabakfabrik war und
gelangen in einen schönen Park hinter der Reales Alcazares. Sevilla ist weit
und grosszügig mit vielen grünen Parks mit prächtigen riesigen Bäumen,
wunderschönen Häusern und Gassen mit tausend Winkeln.
Mit Zorro kann ich natürlich nicht hinein in den königlichen Palast und die
Kathedrale. Dominik geht alleine los und ich spazieren mit Zorro durch die
Gassen. Es ist schon ganz schön warm, obwohl es leicht bewölkt ist. Kutschen
fahren Touristen durch die Gassen, nach und nach füllt sich die Plaza del
Triunfo mit Menschen, vor allem Touris. Alle mit Karte und Kamera bewaffnet.
Ich sitze auf einer Treppe und beobachte das Geschehen hier. Spannend. Dominik
kommt kulturgesättigt zurück und wir spazieren zum Fluss, dem Rio
Guadalquivir hinüber. Langsam aber sicher wird es immer heisser. Die Bewölkung
hat sich verzogen und die Sonne brennt gnadenlos. Zorro läuft nur noch von
Schatten zu Schatten. Bleiben wir irgendwo in der Sonne stehen, jammert er.
Jeden Brunnen nützen wir aus, um in baden zu lassen.
Am Schluss besichtigen wir die Plaza de Espana. Die ist wunderschön! Der
Palacio ist im Halbkreis um den riesigen, gepflasterten Platz angelegt. Alle
andalusischen Provinzen sind hier mit kleinen Plätzen verewigt. Bogenbrücken
führen über einen ebenfalls im Halbkreis angelegten Kanal. In der Mitte ein
kühler Springbrunnen.
Es ist nach Mittag. Zeit, um zurückzukehren, bevor die Gluthitze uns
umbringt. Als wir aber in den Bus einsteigen wollen, ist der Buschauffeur
nicht einverstanden. Hunde sind nicht erlaubt. Da hilft kein Betteln und
unsere offensichtliche Verblüffung und Erklärung, dass wir ja mit dem Hund
und Bus hierher gekommen sind. So ein A... Könnte ja eine Ausnahme machen!
Irgendwie haben die Spanier eine Hundeaversion. Obwohl und vermutlich gerade
weil überall wilde Hunde rumlaufen, sind sie überall verboten: am Strand, in
Restaurants und offenbar auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ok, ich
versteh es ja schon, würde es aber trotzdem gerne unterschieden haben. Wenn
wir mit Zorro ins Restaurant gehen oder Bus fahren, merken das die anderen gar
nicht, weil er still daliegt und meist schläft. Also, wo ist das Problem?
Was soll's, nehmen wir halt ein Taxi. Auf der klimatisierten Rückfahrt sehen
wir auf Anzeigetafeln, dass die Temperatur auf über 40° geklettert ist.
Halleluja! Das ruft nach einem Bad im Pool. Auch Zorro kriegt ein Bad unter
einem Wasserhahn. Gut, dass er das gerne hat. Sonst wäre er ein armer Kerl.
Mit nassem Fell lässt sich's eher aushalten.
Am Abend geh ich noch schnell ins nahe Internetcafe. Doch leider kann ich
meine vorbereiteten Mails nicht absenden, da kein Diskettenlaufwerk vorhanden.
Als es schon eindunkelt, bemerken wir ein französisches Pärchen auf dem
Platz hinter uns. Sie haben eine junge Hündin dabei, schwarz-weisser
Foxterrier, etwa 8 Monate alt. Er ist Viehdoktor, sie Tierärztin. Von ihr
kriege ich einige Tipps, unter anderem auch, dass wir Zorro mehr futtern
sollten, er ist immer noch mager. Oje, welche Schande. Zudem ist Zorro schon
gute 5 Monate alt, wie sie anhand der Zähne feststellen kann. Ok. dann haben
wir kein Bebe mehr sondern schon einen angehenden Junghund!
Die beiden raufen sich wie wild. Die junge Hündin behält allerdings immer
die Oberhand, bzw. lässt den Kleinen immer wieder unten liegen. Ziemliche
Domina, die kleine Französin!
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12. Juni 2003, Sevilla - Alajar (Cadiz und Sevilla)
Ab in die Berge
So, Wasser tanken, Einkaufen und ab in die Berge. Etwa 60km nördlich liegt
die Sierra Morena und darin die Sierra de Aracena. Ja, Bäume und Berge.
Endlich wieder einmal. In Aracena selber machen wir halt und essen ein
Gazpacho und Tortilla mit Spargeln (sind hier ganz kleine grüne Dinger) zum
Mittag. Schon ziemlich touristisch hier, die Cars fahren vor und entlassen
ganze Trupps ins Dorf und in die Gruta (Tropfsteinhöhle). Trotzdem ist das
Dorf lieblich. Im Touristenoffice erhalten wir eine Wanderkarte der Gegend und
beschliessen, unsere Wanderungen vom nächsten Dorf aus zu unternehmen. Alajar
ist viel kleiner und hat nur ein kleines Hotel. Wir staunen nicht schlecht,
als wir feststellen, dass es auch hier Bankomate gibt. Sogar zwei!
Unglaublich, man findet wirklich in jedem Dörfchen so eine Geldmaschine.
Ausserhalb des Dorfes, etwa 10 Gehminuten den Berg hinauf, findet Dominik per
Bike einen traumhaft schönen Platz, unter grossen alten Eichen, ein Steinmäuerchen
vor uns, Blick aufs Tal und das Dorf hinunter und hinüber auf die andere
Bergseite, wo eine Kirche mit separatem Glockenturm steht. Wirklich wunderschön.
So, hier wollen wir länger bleiben und die Gegend mit Wandern entdecken.
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13. Juni 2003, Alajar (Cadiz und Sevilla)
Abenteuerliche Pfadfindung
Unsere erste Wanderung führt uns nach Castana. Kein Wunder heisst der Ort so,
der Bergrücken ist voll mit Kastanienbäumen. Sie sind gerade am Blühen und
riechen gut. Die Wanderung zum Dorf und über der Bergflanke entlang wieder
herunter ist wunderschön. Die Gegend ist wild, der Wald schön durchmischt
mit Eichen, Kastanien, Pinien, viel Maccia, Oleander und Farne. Immer wieder müssen
wir den Weg suchen, den Wegmarkierungen sind spärlich hier und meist nicht an
den Orten, wo's eigentlich nützlich wäre. Dafür gibt es uns ein
Abenteuergefühl. Die Karte vom Office ist unsere Orientierungshilfe mit der
wir uns durchrätseln.
Leider muss ich einen wilden, aber sehr liebenswerten und schönen grossen
Hund, der mit Zorro auf dem Dorfplatz gespielt hat und uns auf dem Rückweg
begleiten will, zurückscheuchen. Trotz seiner Grösse hat er mit unserem
Kleinen so vorsichtig und nobel gespielt, dass ich ihn sympathisch finde und
nun nur ungern davonjage. Das ist gar nicht so einfach, einen Hund, den man
mag, davonzuscheuchen. Ich musste sogar mit Steinen nach ihm werfen, um ihm
klarzumachen, dass er nicht mitkommen kann. Ich will ja nicht, dass er uns ins
Jagdgebiet zurückbegleitet, womöglich sich uns ganz anschliesst und wir ihn
schlussendlich einfach stehen lassen müssen.
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14. Juni 2003, Alajar (Cadiz und Sevilla)
Von Dorf zu Dorf
Die heutige Wanderung soll von Alajar nach Linares und Aracena, wieder zurück
über Linares und Los Madronillos gehen. Das Gebirge hier ist ja nicht sehr
hoch. Die Wanderung mit etwa 5 Stunden eigentlich gerade gute Grösse. Aber es
ist so heiss, dass wir arg ins Schwitzen geraten. Die Gegend ist unheimlich
weit hier. Jede Menge Korkeichen. Mittlerweile ist auch das Gras nicht mehr grün.
Ja, Andalusien hat sich in den letzten Wochen von verschiedenen Grüntönen in
verschiedene brauntöne verwandelt. Immer wieder goldene Weizen- und
Grasfelder. In der Sonne glänzend und im Wind wiegend wunderschön und sanft
anzusehen. Dabei sind die Wiesen hier geragelt voll mit allen Arten von
Disteln und sonstigen Picksdingern, regelrechte Widerhaken haben hier die
Pflanzen. Manchmal wirkt die Gegend schon ziemlich ausgelaugt. Gut hat es hier
in der Sierra immer wieder Waldhänge mit Bächen, welche mit blühendem
Oleander gesäumt sind. Irgendwo unterwegs kommt uns eine Sau entgegen und
dann gleich noch eine Fahrradgruppe. Die Velofahrer auf der einen Seite, wir
und Zorro auf der anderen und die Sau mittendrin! Ich nehme den Kleinen am
Halsband und die Sau jagt, verfolgt von den Velofahrern an uns vorbei.
Schweine werden wir hier noch viele antreffen! Als wir am Mittag, nachdem wir
über eine Mauer geklettert sind, um an einen Trog und unter Bäume zu kommen,
eine Siesta machen, werden wir von Zorro mit wildem Gebell aus dem Dösen
geweckt, weil eine ganze Horde von schwarzen Schweinen uns neugierig umzingelt
hat. Gott sei Dank sind sie friedlich, bloss neugierig. Zorro will eigentlich
mit ihnen spielen, doch so ganz geheuer sind sie ihm nicht. Also machen wir
uns halt wieder auf die Socken, obwohl die Sonne noch zu hoch steht.
Der Weg ist auch hier wieder nur schwer zu finden. Aber wunderschön ist es
eben trotzdem. Manchmal führt er zwischen zwei mit Trockenmauern begrenzten
Feldern, dann wieder durch ausgetrocknete Bachbeete und immer wieder entlang
endlosen Korkeichenplantagen. Während wir gehen, sausen vor unseren Füssen
die Eidechsen erschreckt aus ihrem Sonnenbad. An einem Bach genehmigen wir
drei uns ein kühles Bad. Oh, wie herrlich! Am Abend bleibt ein gutes Gefühl
von etwas getan und erlebt haben. Aber insgesamt ist wohl die Wandersaison
vorbei. Es wird zu heiss, sobald die Sonne ein wenig am Himmel steht, ist es
nur noch im Schatten angenehm. Uns zieht es wieder ans Wasser.
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15. Juni 2003, Alajar - Embalse de Aracena (Cadiz und Sevilla)
Idylle am Stausee
Dummerweise habe ich vergessen, rechtzeitig Hundefutter einzukaufen. Nun müssen
wir die Gegend danach absuchen und das ist mühsam. Finden tun wir trotzdem
nichts, denn es ist Sonntag und die meisten Geschäfte sind zu! So clever von
mir! Na, bis morgen wird es gehen, dann fahren wir ohnehin wieder an die Küste
runter/rüber.
Wie früher schon mal erwähnt, hat Andalusien keine richtigen Seen. Es sind,
glaube ich, alles Stauseen, die eigentlich Wasserspeicher für Land und Leute
sind. Obwohl diese Seen mit ihrem schönen Blau in der trockenen Gegend
wunderschön anzusehen sind, sind sie nicht natürlich gewachsen und das spürt
man (vor allem Dominik hat einen guten Riecher für solche "Missstände"),
wenn man es auch kaum sieht (ausser der Wasserpegel steht tief, dann hat der
See einen tiefen braunen Rand).
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Wir finden einen guten Zugang zum See und stellen unseren Azzi unter eine
grosse Eiche nahe beim Wasser. Ringsherum nur Eichen und goldenes Gras, weit
weg hört man Schweine jammern. Bald richtet sich uns vis-à-vis eine
spanische Familie mit Kassettenrekorder gemütlich ein. Im Laufe des
Nachmittags wächst die dreiköpfige Familie zur Grossfamilie oder besser
gesagt Sippe aus. Spannend ihnen zuzusehen und die Musik ist in Ordnung: ohne
Unterbruch Rolling Stones, zwischendurch mal Spanischer Pop. Ein bisschen könnte
man neidisch sein auf die Leute. Wenn wir in der Schweiz sonntags brav am
Mittagstisch sitzen und anschliessend einen netten Spaziergang machen, dann
trifft die spanische Grossfamilie oder wohl auch befreundete Familien, sich
irgendwo draussen im Schatten, schleppen Food und Musik an und haben schon
bald ein halbes Fest. Ob es uns an Fantasie fehlt? Oder liegt's am Wetter?
Wieso wohl hängen wir immer die braven biederen Leute raus? Na ja, ich weiss
es auch nicht. Aber abgucken tu ich, wo ich kann.
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Wir haben die Hängematte aufgehängt und tun einfach nichts. Das heisst, wir
gehen baden, lesen, Dominik macht eine Velotour, ich schreibe, Zorro lassen
wir spielen und hecheln und natürlich geniesst er auch das kühle Nass.
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16. Juni 2003, Embalse de Aracena - Mazagon (Westküste, Huelva)
Dünenlandschaft
So, heute geht es wieder an die Küste hinunter. Nach, bzw. nördlich des
Naturschutzreservats Donana müsste die Küste noch ziemlich in Ordnung sein.
Sprich, nicht so verbaut und daher eher zugänglich. Und tatsächlich, entlang
der Küste ist ein grosser Naturpark. Allerdings sind die Tafeln von wegen
Campingverbot auch unmissverständlich. Der Streifen zwischen Strasse und
Beach, welcher mit Pinien bewachsen ist und darum ideal als Campingplatz ist
quasi abgeriegelt. Wir fahren ein bisschen herum auf der Suche nach einer Lücke,
als wir doch noch eine Beacheinfahrt finden, welche nicht reglementiert und
mit einem Zaun abgeschlossen ist. Herrlich, hier unter den Pinien, etwa 5
Gehminuten vom Meer entfernt lässt es sich köstlich campieren. Kaum
eingerichtet, kommt ein Förster oder wohl eher Parkwächter mit seinem Jeep
vorbei und macht uns aufmerksam, dass wir hier kein Feuer machen dürfen und
keine Zigaretten rauchen. So 2-3 Tage bleiben sei aber kein Problem. Nett,
wirklich.
Der Strand unten ist vom Feinsten. Wenige Leute, breiter Sandstrand mit mässigen
Wellen. Das Land anschliessend ist auf einer Anhöhe. 10 bis stellenweise etwa
30m über dem Meer erheben sich die Klippen aus Sandstein in bizarren Formen
und allen Ockerschattierungen. Dünensand mit Pinien, Agaven und anderem Gewächs
verleihen dem Ganzen eine abwechslungsreichen Charme. Wirklich bezaubernd schön.
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Hier erlauben wir uns auch wiedereinmal als Nackedeis Sand, Sonne und Meer zu
geniessen. Einfach wunderbar.
Einen Polizisten, den wir fragten, wo es denn hier Paragliders gäbe, meinte,
das habe er hier noch nie gesehen. Ha, dabei gibt es hier etwa 200m die Beach
runter ganz offensichtlich einen Startplatz, sogar mit Windbändern. Und
gleich bei unserem Stellplatz gibt es noch eine Stelle, wie wir später
rausfinden.
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17. - 18. Juni 2003, Mazagon (Huelva)
Klauförster / Zwetschgenförster
Als wir beim Frühstück sind, taucht ein anderer Förster auf, der uns darauf
hinweist, dass wir die Badetücher und Schlafsäcke nicht so aufhängen
sollen, denn das mache nur die Leute von der Strasse aufmerksam. Aber auch er
meint, so 2-3 Tage bleiben, kein Problem.
Der Wind lädt zum Fliegen ein. Dominik geht die Sache anschauen, kommt aber
gleich wieder zurück, weil schon einer oben ist. Dieser zeigt ihm auch, wo es
am Besten rausgeht. Ja und so kommt Dominik endlich zum Fliegen, und das an
einer Stelle, wo er gar nicht damit gerechnet hatte.
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Als ich vom Startplatz wieder zurück zum Auto laufe, sehe ich aus der Ferne,
dass der Förster von heute morgen sich an den Velos zu schaffen macht. Das
ist mehr als nur ankucken, der werkelt dort was rum! Verdammt! Aber ihn dabei
zu überraschen, getraue ich mich nicht (eigentlich hätte ich sogar ein Foto
schiessen können!). Ich beschliesse, mich frühzeitig bemerkbar zu machen und
so zu tun, als ob ich nichts gesehen hätte. Als ich am Auto ankomme, erzählt
er was von seinem Arbeitgeber, der nicht zulasse, dass er Camper wie wir hier
toleriere. Wir sollen doch weiter auf der anderen Seite (rechts von der
Strasse) in den Wald hineinfahren, wo man uns vom Strandsträsschen aus nicht
sieht. Solange man uns nicht sähe sei es ja auch kein Problem. Als ich mit
ihm rede, bin ich unsicher, ob er wohl wirklich irgendwas gemacht hat. Aber
als er weg ist, sehe ich, dass das Kabel tatsächlich fast auseinandergesägt
ist. Noch 2 - 3 Minuten später und er hätte es geknackt. Ja wunderbar, ein
Parkwächter, der klaut! Wir können es kaum glauben. Und tiefer in den Wald
gehen wir sicher nicht. So dass er in aller Ruhe und Heimlichkeit die Fahrräder
abschrauben kann?! Aber können wir hier bleiben? Wir sind verunsichert. Da
kommt wieder der erste Parkwächter, der eigentlich für diese rechte Seite
der Strasse zuständig ist. Wir reden mit ihm und fragen nochmals, ob es denn
ein Problem sei, hier zu bleiben, und er meint, nein, absolut nicht. Zum
Schluss gibt er uns sogar ein ganzes Körbchen voll mit Pflaumen. Oh, ein
Dutzend würde reichen, was sollen wir denn mit einem ganzen Korb voll. Aber
er will partout nicht, dass wir ihm einen Teil der Früchte zurückgeben.
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Ok. ist ja riesig. Der eine beschenkt uns, der andere beklaut uns!
Mittlerweile kapieren wir auch, dass die eine Seite jenem Parkwächter
zugeteilt ist und die andere dem anderen. Darum will er uns auch auf seiner
Seite tiefer im Wald! Wir beschliessen zu bleiben, noch zwei, dreimal fährt
der "Klauende Förster" unten auf der Strasse vorbei. Offensichtlich
wagt er es aber nicht mehr, zu uns zu kommen. Er hat geschnallt, dass wir es
geschnallt haben! Ha! Trotzdem hat das ganze ein bisschen was vom Zauber hier
genommen. Schade, aber die Fahrräder sind uns ja erhalten geblieben und die
Beach haben wir trotzdem genossen.
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Chronologisch
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