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Reisebericht Spanien 2003-5 Nordküste
 

22. Juli 2003, Barragem do Alto Barragao - Canon del Sil (Galizien, Spanien)
Klösterlicher Gesang

Montaglegre liegt auf unserem Weg nach Spanien. Wir gehen da nochmals einkaufen. Es gibt dort so feines frisches Brot, das im Auto riecht, dass uns das Wasser im Munde zusammenläuft bis wir endlich am Mittag darüber herfallen können.

Der Grenzübergang ist nicht sehbar. Keine Zollhäuser und Nada. Aber die Landschaft verändert sich beinahe sofort. Erklären können wir das auch nicht wirklich. Vielleicht liegt es daran, dass das nördliche Klima der Serra da Larouco nicht so schmeichelnd ist wie das südliche? Auf alle Fälle empfängt uns sogar Nebel bei der Runterfahrt gegen Ourense. Ojemine und das Thermometer zeigt wieder mal so knappe 20° an. Leute, es ist Juli! Und in der Schweiz schwitzen sie! Kaum zu glauben. Aber was soll's, zum Reisen ist es an sich angenehm. 
Von Ourense aus fahren wir Richtung Osten um zu den Os Balcones de Madrid zu gelangen. Das ist ein Aussichtspunkt auf den Klippen oberhalb des Rio de Sil. Der Rio hat hier einen mehrere hundert Meter tiefen Canon gegraben. Hoch oberhalb thronen uralte Klöster und kleine Dörfer. Durch diese Landschaft zu fahren ist wunderbar und ein schöner Auftakt für Galizien. Wir verfahren uns und landen beim Kloster Christina. Ok, wenn wir schon da sind, dann gehen wir es auch anschauen. 
Das Kloster ist verlassen und liegt still in einem Kastanienwald. Es ist relativ gut erhalten (Granit hält wohl besser als Sandstein) und der Innenhof so romantisch mit altem Laub und der Sonne, die durch das Blätterdach der Kastanien scheint, dass wir ganz hingerissen sind. 
Kommt dazu, dass wir alleine in dieser Stille sind und Dominik die Gelegenheit nutzt, um im offenen Kirchenschiff seine Stimmbänder zu testen. Grande Domingo en el (kloster) del chistina! Es tönt grandios!
23. Juli 2003, Canon de Sil - Santiago de Compostela (Galizien, Hauptstadt) 
Per VW zur Pilgerstadt
Die Strecke bis nach Santiago ist schnell und wir sind schnell dort. Nur den Campingplatz zu finden ist gar nicht so einfach. Drei mal peilen wir die Sache an, aber erst beim letzten Mal sehen wir alle Schilder (jedes Mal andere Farbe, andere Form, andere Grösse), welche uns an den Platz führen. Aber finally müssen wir sagen, es hat sich gelohnt. Er liegt nordöstlich der Stadt am Hang. Man kann die Stadt überschauen und ist mit 2km Fussmarsch schnell in der Altstadt. Der Platz, den wir bekommen ist nicht übel. Vor allem noch praktisch, weil wir am Rand sind und so kann ich Zorro doch einigermassen im Griff halten, ohne ihn permanent angeleint lassen zu müssen. Leider ist dieser Randbereich aber am Weg durch den Camping und so kommen fast alle, die rein und raus müssen hier vorbei. Bei Fuss- und Velogängern ist das ja spannend, aber bei Hymern und sonstigen Dieslern hört der Spass bald auf. Man kann nicht alles haben!
Santiago de Compostela! Welch klingender Name in meinen Ohren! Hätte eigentlich nicht gedacht, dass wir auch hier landen. Umso schöner ist es. Zudem kommen wir gerade in die Festlichkeiten zu seinem Namenstag, der am 25.07. ist. Übrigens Santiago heisst Jakob und Compostela Sternenfeld. Das ganze hat eine Geschichte, ist aber mehr kirchlicher Mythos und viel heiliges Brimborium denn wirklich Geschehenes.
Wir machen uns noch am späteren Nachmittag auf den Weg zur Stadt. Die Altstadt hat wirklich Charme. Alle Häuser sind aus Felsen, wohl Granit. Die Strassen sind mit grossen Quadern ausgelegt und viele Häuser haben die hier typischen Veranden. Veranden im wahren Sinne des Wortes: Eine Art verglaster Wohnteil. Irgend eine Ecke des Hauses oder auch ein ganzer Stockwerk ist meist aus Holz mit viel Fenster. Man könnte auch sagen, dass hier wohl der Ursprung des Wintergartens liegt. Obwohl Stadt sind nur gerade die Hauptachsen stark befahren, ansonsten sind nebst der Altstadt auch viele Strassen, die hinaus führen schön angelegt. Viele Gassen, welche offensichtlich renoviert wurden, sind aufwendig mit neuen Pflastersteinen ausgelegt, Bäume wurden angepflanzt, hübsche Nischen und Ecken eingerichtet. Wirklich wohnenswert! Rings um die Stadt erheben sich kleine Hügel, meist begrünt und hinüberführend in die Landschaft. 

Die Altstadt selber ist ausgesprochen lässig. Viele Beizen, viele Lauben, jede Menge Ecken und Plätze mit Kirchen, Kapellen und eben natürlich der megamässigen Kathedrale, welche ziemlich gigantisch und mächtig mitten in der Altstadt steht und sämtliche Pilger und sonstige Büsser magnetisch anzieht. Es ist alles mit Stock unterwex. Stock und Muschel, das Erkennungszeichen der Pilgerer auf dem Jakobsweg. Es ist lustig. Ab und zu sieht man sie auch dahinhumpeln, Bandagen an allen Muskeln und Gelenken, den Stock fest in der Hand und ein erlöstes Lächeln im Gesicht. Auch einige Wandergruppen sieht man, die singend zur Kathedrale wandern, ebenfalls geeint mit dem Ziel vor Augen.
Leider ist die Kathedrale mit dem am nächsten Tag stattfindenden Licht und Ton Spektakel verunstaltet. Trotzdem strahlt sie im Abendlicht maiestehtisch (verflixt, wie schreibt sich das?). Faszinierend finde ich vor allem, wie sich Pflanzen an jeder möglichen und unmöglichen Stelle ihr Plätzchen an den Mauern erobert haben. Das macht diese Riesenfassaden sehr romantisch und lebendig.
Wir spazieren also durch die Gassen und bewundern und betrachten so das eine und andere bzw. den Einen und die Andere. Es hat soooooviele Touristen! Zu viele, wir sind einer Meinung. Die ganze schöne Atmosphäre der Altstadt geht dadurch flöten. Es sind zu viele, man hat den Eindruck, dass nur Pilgerer und Touristen unterwex sind. Erst am späteren Abend kommt langsam eine Ruhe in die Gassen, die wieder den ureigenen Charme aufleben lässt. Wir kommen hundemüde (auch Zorro) nach Hause und haben ein Gefühl wie, wir wollen nach Hause!
24. Juli 2003, Santiago de Compostela (Galizien, Hauptstadt)
Rumpilgern in der Felsenstadt
Am Morgen sieht die Welt wieder anders aus. Dominik holt unsere Wäsche vom Waschservice (12 Euro für zwei Ladungen à ca. 3-4 kg, inkl. Trocknen) und bringt gleich noch Gipfeli fürs Frühstück. Hoppla, das nenn ich Abwechslung und den Tag luxuriös beginnen!
Wir basteln an unserem Abschiedsbrief, den ihr zwischenzeitlich wohl hoffentlich (;-)) gelesen habt und somit auf dem neuesten Stand seid. Es tut gut, diesen Brief zu schreiben. Er bringt irgendwie Distanz und Klarheit in unsere Geschichte und Offenheit, die gut tut, klärend ist und sogar heilend (nicht umsonst sind wir hier gelandet, hä?) wirkt!
Am Vormittag mache ich einen ausgedehnten Spaziergang mit Zorro, der wiederum ihm gut tut. Er rennt durch den Park, Wasserläufe hoch und runter und ist ganz high vom Rasenduft. Am Anfang in einer Stadt ist es extrem mühsam mit ihm. All die Düfte und Spuren am Boden sind für ihn neu. In der Natur gibt es nicht so viele verwirrende und verführende Düfte! Und so läuft er permanent mit der Nase auf dem Pflaster und zieht wie wild und ist überhaupt in einer anderen Welt, kaum ansprechbar.
Also tut ihm so ein Spaziergang über die grosse Wiese richtig gut. Nach dem ersten Stadttag ist er heute auch nicht mehr so hypernervös, hat sich schon ein wenig daran gewöhnt. Auf dem Campingplatz hat es natürlich auch Hunde, meist angeleint, geht jeder (der Besitzer) möglichst dem anderen aus dem Weg. Könnte ja Schwierigkeiten geben. Wir treffen auf einen Spanier, der mit seinem 14 Jahre alten Schäfer unterwex ist. Wir reden ein bisschen und Zorro macht Avancen bei der alten Lady! Da sieh mal einer an, der Kleine wird langsam ein Mann, versucht er doch tatsächlich, die Dame zu bespringen. Äh, wie muss ich jetzt damit umgehen? Tunlassen, wegziehen, ignorieren, vermeiden oder verbieten? Ach, keine Ahnung, das steht in meinen schlauen Büchern nicht! Ich lass ihn ein wenig machen, die Hündin wehrt sich schon (hat allerdings keine Zähne mehr!). Irgendwann zieh ich ihn dann weg, so jetzt reicht's, kleiner Mann! Wie käme denn das heraus? Wäre sicher spannend!
Am Mittag ziehen wir los, um die Stadt nochmals bei Tageslicht zu sehen. Sie ist wirklich schön. Eine Stadt, wo man gerne leben würde. Und ich nehme mal an, wenn nicht gerade Jakobs' Namenstag ist, dann hat es auch nicht gar arg so viele wie wir selber, die nur rumlatschen, schauen und fotografieren. Ausserdem ist zur Semesterzeit die Stadt auch wieder mit vielen jungen Leuten voll und dann sieht's wohl ganz anders aus.
Nachdem wir wieder müde und auch verschwitzt zurück sind, genehmigen wir uns ein Bad im Swimmingpool des Camping. Glücklicherweise macht das Wetter mit. Sonnenschein und trotzdem nicht zu heiss!
Dominik zieht nach dem Abendessen, d.h. nach halb elf, nochmals per Velo in die Stadt, um die Lichtshow zu sehen. Ich hingegen, ziehe Home Allone vor, liege im Bett und brösmele diesen Text in den Compi. Anschliessend ziehe ich mir noch ein paar Seiten von Nick Hornby's High Fidelity rein und dann Lichterlöschen und Heia Heia.
25. Juli 2003, Santiago de Compostela - Muros (Galizien, Costa da Morte)
Westwärts ins nieselnde Keltenland

Die ganze Nacht war ein Geballere. Dominik erzählt am anderen Morgen, dass es undenkbar gewesen wäre mit Hund. Der Platz und die Strassen seien bumsvoll gewesen, ein Gedränge, dass einem Angst und Bange wurde. Die Lichtershow war wohl beeindruckend, aber auch viel Feuerwerk, welches erstaunlicherweise von der Kathedrale aus losgelassen wurde. Ausser den Tauben hat offensichtlich niemand was dagegen. Er erzählt auch, dass die galizische Regierung, als sie erschien, ausgepfiffen wurde. Na ja, angesichts der jüngsten Naturkatastrophe in dieser Gegend verwundert das nicht. Das Motto der entrüsteten Bevölkerung "Nunca Mais" ("Niemehr"), hängt auch überall an den Wänden und Türen und prangt von mancher Brust.
Obwohl heute der eigentliche Feiertages des Jakobs ist, die Prozession findet um 10h statt, beschliessen wir, weiterzufahren. Wir haben genug Stadt und Rummel gehabt.
Wir fahren westwärts an die Costa da Morte. Todesküste weil sich hier immer wieder an der steilen Felsküste Schiffsunglücke ereignen. Leider fängt es an zu regnen bzw. nieseln. Als wir südlich von Noia ein ehemaliges, gut erhaltenes Keltendorf anschauen wollen, werden wir wieder einmal, trotz Regenpelerine, durch und durch nass. Vom Keltendorf stehen noch die Grundmauern. Obwohl das Dorf genial schön an der Küste auf einer kleinen Landzunge liegt, kommt wegen windgepeitschtem Regen keine keltisch-mystische Stimmung auf. Wir retten uns wieder möglichst schnell ins Auto zurück und fahren weiter.
Auf der Küstenstrasse wollen wir nach Norden bis nach A Coruna und weiter fahren. Trotz Nebel und Regen sieht man, wie schön die Gegend hier wäre. Herb und schön. Mir würde es gut gefallen, durch diese Gegend zu streifen. Aber ohne Ölzeug und Gummistiefel ist da nicht viel auszurichten.
Nördlich von Muros finden wir am Sandstrand einen Wendeplatz, den wir als Übernachtungsplatz missbrauchen. Während unseres Strandspaziergang drückte sogar kurz einmal die Sonne durch und tauchte den Strand in faszinierendes Licht. Das Schauspiel währte aber nur kurze Zeit, leider.
In der Nacht wehte ein heftiger Wind und Dominik hat oben nicht sehr gut geschlafen. Unten habe ich davon nicht allzu viel bemerkt. Zorro macht das Wetter gar nichts aus. Im Gegenteil. Jedes Mal, wenn er ins Auto springt, muss ich ihn abfangen und erst mal trockenreiben, was er ausgesprochen geniesst, praktischerweise. Dominik findet es nicht so lustig. Na ja, versteh ich ja, aber es wird wohl nicht ewig regnen. Auch wenn es so aussieht!
26. Juli 2003, Muros - Ortigueira (Galizien, Nordküste)
Keltenmusik im Sumpf

Unsere Stimmung ist wie das Wetter auf dem Nullpunkt. Dominik redet von wegen nach Hause fahren. Ich finde das gar keine gute Idee. Auch wenn es giesst und neblig ist, denke ich, dass es ein ungutes Beenden unserer Reise wäre, wenn wir so rasch quasi abreisen.
Gegen Mittag wird es ein bisschen heller. Als wir in einem kleinen Dorf unterwex Mittagshalt machen, hellt der Himmel sogar auf. Und der anschliessende Spaziergang bringt schon wieder erfreuleriche Gedanken. Leider haben wir wegen dem Sch... wetter von der Todesküste nicht gerade viel gesehen. Na ja, viel Zeit haben wir eh nicht mehr. Die ganze Nordküste Spanien müsste man nochmals in Ruhe anschauen gehen. Es gibt hier soviel zu sehen und kennenzulernen. Aber immerhin haben wir einen im wahrsten Sinne des Wortes verschwommenen Eindruck bekommen!
In Ortigueira machen wir Halt für einen Kaffee und stellen fest, dass der Ort anlässlich eines Keltenmusikfestivals fürs Auto gesperrt ist. Wir spazieren im Dorf umher, mit Pelerine wohlverstanden, und genehmigen uns, trotz Wetter, ein Gelati.
Auf der dazugehörigen Halbinsel stellen wir unser Auto für die Nacht hin. Kaum haben wir die Sonnen- oder wohl eher Regenstore draussen, giesst es schon wieder wie aus Kübeln und wir verschanzen uns halt einmal mehr ins Auto. Na Prima. Ob wir wohl doch noch Gummistiefel kaufen müssen? Das Festival heute Abend wird wohl kein Erfolg bei der Nässe!
27. Juli 2003, Ortigueira - Picos de Europa (Asturien)
Küstenfahrt

Am Morgenfrüh spazieren wir nochmals hinaus zu den Dünen. Die Stimmung ist wunderbar. Der Regen hat die ganze Landschaft wie frisch gewaschen. Der Rest der weissen Wolken treibt über den stahlblauen Himmel.
Auf dem grossen Platz, wo wir campieren, finden vermutlich des öfteren Festivals oder sonstige Anlässe mit Grossandrang statt. Duschen und WC's stehen zur Verfügung. Ich nutze die Gelegenheit, um die Haare zu waschen. Wenn auch mit kaltem Wasser, so ist es doch herrlich, vor allem, wenn man anschliessend an die Sonne kann.
Wir spüren, dass es langsam gegen das Ende geht. Immer wieder rechne ich nach, wie viele Tage uns denn noch bleiben. Am 1. August wollen wir ja in Frankreich sein, bei Claudia und Fredy, die uns in ihr Ferienhäuschen eingeladen haben. Es bleiben also noch kurze 5 Tage, um dorthin zu kommen!
Es herrscht friedliche Stimmung auf dem Platz, obwohl relativ viele Leute hier übernachtet haben, die meisten in ihren PW's.
Wir brechen langsam auf und fahren der Küstenstrasse entlang nach Osten. Die Picos de Europa werden unser heutiges Ziel sein. Mal sehen, wie die Berge hier in Nordspanien sind. Immerhin sind sie über 2000m/üM.
Entlang der Küste erhaschen wir immer wieder schöne Blicke auf wilde und romantische Buchten. Was so eine Sonne alles kann! Die Landschaft glitzert und strahlt. Ich bin sicher, auch wenn es hier des öfteren regnet (Santander hat im Juli durchschnittlich 11 Regentage!), ist die Gegend besonders schön, wenn dann wieder einmal die Sonne scheint. Der viele Regen sorgt dafür für sattes Grün, welches stark zum blauen Meer kontrastiert. Ich mag die Gegend und denke, es würde sich lohnen, mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Dominik findet, einmal gesehen reicht. Ihn zieht es eher in den Süden.
Von Cangas de Onis aus geht es südwärts hinauf zu den Picos. Covadonga ist das letzte Dorf, bevor es 11km auf engen kurvigen Strassen hinauf zu den Bergseen geht. Covadonga ist wie eine Art Interlaken. Sogar Souvenirläden mit Bernhardinerhunden haben wir gesehen. Häuschen im Chaletstil, Wanderstöcke und jede Menge Volk mit Rucksäcken. Nur dass es keine Japaner hat, unterscheidet Covadonga von einem Touristenstädtchen in den Schweizer Bergen!
Es fängt wieder an zu regnen. Von den Picos sehen wir gar nichts. Egal. Am See auf dem Parkplatz stellen wir das Auto hin. Nach dem Abendessen laden wir unsere Nachbarn, ein deutsches Pärchen, welche im Kombi unterwex sind, auf einen Kaffee ein. Franc und Sonja haben nur gerade mal 2 Wochen Zeit, und sie wollen ziemlich Kilometer machen. Franc hat geschäftlich hier zu tun. Da er schon des öfteren hier war, kennt er Spanien gut und es ist interessant mit ihnen zu reden.
28. Juli 2003, Picos de Europa - Santona (bei Santander) (Kantabrien)
Wanderung vor den Picos de Europa

Die Sonne scheint! Welch Wunder! Ah, so muss es sein. Nach dem gestrigen Nebel und Regen ist es wieder eine andere Welt! Wir wandern beizeiten am Morgen los und geniessen die noch(!) stille Atmosphäre der Berge. Das Karstgebirge glitzert in der Sonne. 
Die Picos de Europa stehen majestätisch über dem restlichen Lande. Hier wird auch noch Landwirtschaft betrieben. Die Alphäuser sind richtig hübsch. Teilweise gut erhalten bzw. wieder hergestellt. Aber alles macht ein bisschen den Eindruck von hergerichtet für die Touristen.
Den Wanderweg verlieren wir irgendwie und klettern über Felsen und durch stacheliges Gestrüpp. Teilweise muss ich Zorro hochheben. Die stacheligen Büsche sind hart und geben nicht nach, wenn man durchläuft. Als es dann wieder hinuntergeht, ist der Weg so aufgeweicht, dass es eine schlüpfrige sumpfige Angelegenheit wird. Dominik flucht, aber es hilft auch nichts. Immer wieder müssen wir uns den Weg suchen. 

Auch wenn unten am See eine wunderschöne Wandertafel mit der Route steht, auf dem Weg selbst haben sie kaum Markierungen angebracht. So hat das ganze mehr Abenteuer- denn Wandercharakter. Als wir zum Auto zurückkehren, sind massenweise Leute und Autos unterwegs. Es ist extrem. Am Morgen noch alleine und jetzt mit tausend anderen! Trotzdem machen wir uns noch einen Kaffee und schauen dem Treiben zu. Dann geht's wieder hinunter und weiter auf unserer Reise nach Hause.
Bei Santona, eine Landzunge nach Santander, stellen wir unser Auto auf einen Parkplatz hinter der Düne. An der Promenade haben wir an einem Stand Rioja, handgepflückte und -geschälte Spargeln, pikanten Chorizo und eingelegte Paprika gekauft. Der Rioja stellt sich dann leider als ungeniessbar heraus. Schmeckt wie Seife! Dafür ist unser Sonnenuntergangsspaziergang an der milden Küste ein Genuss. Der Strand hier ist weit und breit. Allerdings kommen wir mit schwarzen Füssen wieder zurück. Olivenöl löst den Teer zwar schnell wieder von den Füssen, aber an der Küste wird es wohl noch eine lange Zeit seine Spuren hinterlassen.
29. Juli 2003, Santona - Dune de Pyla (Bordeaux, Westküste Frankreich)
Ost- und Nordwärts nach Frankreich

So, heute werden wir ziemlich Kilometer raspeln. Via Autobahn blochen wir an Bilbao und San Sebastian vorbei und über die Grenze. Vom Baskenland sehen wir daher kaum etwas. Wir fahren durch eine hügelige, teils bergige Landschaft, die mich stark an die Schweiz erinnert. Dass man im Baskenland ist, sehen wir vor allem an den Ortschaftstafeln, die nicht nur kurlige Namen haben, sondern auch noch in einer eigenen Schriftart geschrieben stehen!
La Grande Nation hat schon an der Grenze grosse weisse Säulen aufgestellt! In Biarritz machen wir Mittagspause, schlendern der Küstenpromenade entlang, trinken Cidre und essen Quiche und Salat. Willkommen in Frankreich! Biarritz hatte ich vor Jahren schon mal besucht. Allerdings regnete es damals und man sah von der Stadt nicht viel, bzw. hatte keine Lust, sich bei diesem Wetter viel anzuschauen. Diesmal glänzt die Stadt und zeigt sich von der sonnigsten Seite. Ganz offensichtlich hat auch die touristische Saison ihren Höhepunkt erreicht, es wimmelt nur so von Leuten.
Wir peilen Bordeaux an. Südlich von Arcachon gibt es eine Riesendüne, welche von vielen zum Gleitschirmsoaren besucht wird. Wir finden den Campingplatz, der direkten Zugang zum Startplatz hat (wild campieren wäre hier ohnehin chancenlos) und entscheiden uns, zwei Nächte hier zu bleiben. Obwohl, die Preise sind gigantisch und vor allem schockierend! Ok, wir kommen gerade von Spanien und Portugal und sind uns andere Preise gewohnt, aber gerade schweizerisches Preislevel hätten wir auch nicht erwartet. Übernachtung für Auto, zwei Personen und Hund: 31 Euro! Kaffee 2.60 Euro! Mais ca va? Mangels Alternativen betrachten wir es als Einstimmung auf die Schweiz und schlucken diese Mordspreise. Ja, das Leben wird wieder teurer werden!
Auf dem Starplatz trifft Dominik auf Geri und Renate. Die beiden haben wir im letzten Sommer am Vierwaldstädtersee in Beckenried angetroffen. Er fliegt ebenfalls. Damals hatten sie noch zwei Huskys dabei. Die eine Hündin ist aber in der Zwischenzeit leider eingegangen und die andere ist bei guten Freunden Zuhause geblieben. Sie verbringen eine Woche hier auf dem Camping mit Fliegen und so.
Sie haben unsere Reiseberichte gelesen und es ist ein bisschen ein komisches Gefühl mit Leuten, die man eigentlich nicht so gut kennt, zu reden und festzustellen, dass sie über die letzten Monate unseres Leben Bescheid wissen. Komisch und Lustig.
Dominik kommt doch noch zum Fliegen. Es ist zwar schon nach 20h, aber der Wind hat nochmals aufgefrischt und da hält ihn natürlich nichts mehr. Ausgerechnet diesmal hat er sein Kombi nicht an und macht eine unsanfte Landung. Mit ziemlich Rückenwind hat er die Höhe falsch eingeschätzt und landet hart. Ausser Schürfungen am Arm ist ihm aber glücklicherweise nichts passiert!
30. Juli 2003, Dune de Pyla (Bordeaux)
Dünenfliegen

Den Vormittag sitzen wir mit Renate und Geri zusammen, erzählen vom Umherziehen, schauen die Fotos an und tauschen unsere Erfahrungen vom Campen und von Hunden aus.
Am Mittag spazieren wir zur grossen Düne, sie ist echt Megagross! Es ist ziemlich warm und wir kommen wieder mal richtig ins Schwitzen.
Dominik zieht nach dem Mittag los, um zu Fliegen und ich hacke wieder einmal meinen Reisebericht zusammen. Ich merke, dass meine Motivation nachlässt. Irgendwie bin ich sogar froh, sind wir bald zu Hause und kommt eine Pause in diese Art von Leben. Auch wenn das Umherziehen spannend ist und viel Abwechslung bietet, braucht es auch viel Energie. Da ich anschliessend wieder sesshaft werde, stellt sich das Problem nicht. Aber wenn ich weiterreisen würde, dann bräuchte ich zwischendurch längere Pausen mit festem Standort. Es wird ansonsten zuviel. Zu viele Eindrücke, zuviel Neues in allzu kurzer Zeit. Immer wieder mal ein paar Monate, wo man bleibt, würde gut tun. Bin gespannt, wie das Dominik angehen wird!
Gegend den späteren Nachmittag spaziere ich zum Startplatz und treffe dort auf Renate. Dominik und Geri sind am Fliegen. Wir schwatzen über dies und jenes und natürlich über Hunde! Sie und auch Tom, der mit seinem Husky Lucky auch da ist, haben schon einiges mit ihren Hunden erlebt. All die Geschichten, die einem passieren können, wenn man selbst einen Hund hat und auf andere, nicht so nette, stösst, können einem ganz schön Angst machen.
Auf mich werden da noch einige, na, ich sag mal, bunte Situationen zukommen.
Am Abend laden wir Renate und Geri zum Apero ein. Bis 2h morgens sitzen wir zusammen und schwatzen. Die Themen Hunde, Fliegen und Lebensphilosophien! Wir haben alle ein bisschen zuviel getrunken, aber Renate hat es am wenigsten vertragen. Und Dominik sah ich das erste Mal richtig schwanken! Hoppla! Es war ein lustiger Abend und es hat uns riesig Spass gemacht mit Euch! Vielleicht sieht man sich ja wieder, irgendwann, irgendwo!
31. Juli 2003, Dune de Pyla - Nähe von Brive (Mitte Frankreich)
Ostwärts zum Zentralmassiv

Heute morgen steht Dominik als erster auf, noch vor Zorro! Es ist schon 8h30! Spätestens um 12h müssen wir den Platz verlassen. Wir verabschieden uns noch von Geri (von Renate ist noch nichts zu sehen) und machen uns auf den Weg zu Dominiks Schwester und ihrem Mann. Die Saison ist wirklich losgegangen, wir haben Stau, bis wir endlich auf dem Autobahnzubringer sind.
Die Fahrt durch die Gegend zwischen Bordeaux und Zentralmassiv ist sehr ländlich, ganz leicht hügelig und viele romantische Steinhäuser sind bunt in die Gegend gemischt. Es ist sehr hübsch und das Wetter lässt die Gegend lächeln, wie Dominik immer so schön sagt!
Irgendwo zwischen Brive und Tulle setzen wir uns von der Hauptstrasse ab und fahren in die Pampa. An einem abgeerntetem Weizenfeld stellen wir das Auto hin mit Blick aufs Feld, welche eingesäumt ist von Kastanien, Eichen und Haselnuss. Ländliche Ruhe! Hmmpf, tut gut. Heute werden wir mal wieder, zur Abwechslung (!) keinen Wein trinken und der Brandy ist, Gott sei Dank, auch aus.
1. - 2. August 2003, Brive - Diconne (nördlich von Macon, Frankreich)
Schwesternbesuch, Bundesfeiertag ohne Knallerei

Wir finden das Haus von Claudia und Fredi ohne Probleme, dank guter Beschreibung. Monsieur Comez kommt, kaum haben wir parkiert, auch schon an, um uns zu begrüssen. Claudia und Fredi mussten schnell weg, um ihren Hund vom Tierarzt abzuholen. Als sie hierher fuhren und bei einer Autobahnraststätte kurz Halt machten, viel ein anderer grosser Hund über ihren, schon 14-jährigen Pudel her und hat ihn so verbissen, dass sie ihn zum Tierarzt bringen mussten. Nun musste der Arme schon wieder eine Vollnarkose verdauen, nachdem er erst gerade vor 10 Tagen operiert wurde. Armer Mucki!
Monsieur Comez erzählte uns in der viertel Stunde, wo wir auf die beiden warteten, sein halbes Leben! Den VW-Bus durften wir im Garten aufstellen. Da die beiden das Häuschen erst gerade gekauft haben, ist der Garten noch nicht hergerichtet und so haben wir uns dort so richtig breit gemacht. Fredi stellte sogar noch ein Bad für Zorro auf, weil der ja so gerne badet. Aber die Mauslöcher interessierten ihn eigentlich noch mehr.
Am Abend gingen wir ins nächste Dorf so richtig burgunderisch essen. Es war lecker, aber so schwergewichtiges Essen sind wir beide nicht mehr gewohnt.
Die Zeit verging schnell mit viel Schwatzen, Spazieren, Kochen und Essen.
Vom 1. August haben wir gar nichts gemerkt. Und das war auch gut so.
3. - 4. August 2003, Diconne - Steinhausen
Heisse Schweiz

Wir haben uns entschlossen, übers Land, d.h. über den französischen Jura nach Hause zu fahren. Ich habe diese Gegend noch gar nie gesehen, und daher ist es spannend. Der Grenzübergang in die Schweiz ist nicht besetzt und wir sind fast ein bisschen enttäuscht. An der Doubs machen wir Mittagspause und einen anschliessenden Spaziergang dem Fluss entlang Richtung Quelle. Das Wasser ist so knapp, dass die Muschelbänke aus dem Wasser ragen und zum Himmel hoch stinken. Zorro lässt sich vom Gestank nicht abhalten und nimmt ein Bad. Stöhn, ist das heiss hier in der Schweiz! Wir fahren über den Schweizer Jura und suchen uns in der Höhe am Waldrand einen kühlen ruhigen Platz für unsere letzte gemeinsame Nacht im Camper. Auch gibt es ein letztes Mal Naturdusche vom Kanister unter einem Baum. Seufz, ist das gut.
Wir köpfen den einen Champagner, den wir von Claudia und Fredi bekommen haben und sinnieren über unsere gemeinsame Reise und die nächste Zukunft.
Es war eine ereignisreiche Zeit, in der wir eine Ecke von Europa anschauen und erleben konnten. Vieles wird, auch dank der Reiseberichte, in tiefer Erinnerung bleiben.
Auf mich wartet zivilisiertes Leben mit den entsprechenden Herausforderungen und auf Dominik Sommerfliegerei in der Schweiz und dann ... ja dann mal sehen.
Also, wer weiss, vielleicht kommt wieder mal was von irgendwem von irgendwoher.


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