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Reisebericht Spanien 2005-4 Andalusien
 

1. April 2005, Algodonales, Landeplatz La Muela
!!Firmenjubiläum!!
Dominik hat sich erhofft, am Morgen runterfliegen zu können. Doch der Wind, der Wind, das himmlische Kind, will nicht! Es tobt ziemlich heftig und böig. Dank der Stützen spüren wir im Auto zwar nicht sehr viel davon. Aber kaum ist man draussen wird klar, es würde ihn rückwärts fliegen lassen und das ist ja nun nicht gerade das worauf er scharf ist! 

Heute ist unser Jubiläumstag! Heute vor zwei Jahren sind wir los auf Reisen, sind seitdem unterweX und zigeunern durch den Süden Europas und sogar noch ein wenig weiter. Spanien, Portugal, Italien und Marokko haben wir kennengelernt, viel Zeit in diesen Ländern verbracht, viel über diese Menschen und ihre Sitten gestaunt und gelernt, viel über uns selbst gelacht und einiges begriffen (einiges auch nicht!), hatten unsere Reisekrisen, unsere Beziehungskrisen, nie echte Probleme mit der Gesundheit oder den "Fremden", haben viel winterlich unbeständiges Wetter erlebt, die südliche Sonne genossen und einige interessante Menschen, Reisende und Gleichgesinnte kennengelernt. 
Inzwischen ist mehr Ruhe und Gelassenheit in unseren Reisestil eingekehrt. Immerhin, wir sind noch unterweX und werden es, inshallah, noch eine Weile sein. Ich geniesse es immer noch sehr, unterweX zu sein. Auch wenn es manchmal mühsam ist, der Wind z.B. einfach nicht aufhören will, wie blöd zu blasen, oder wenn der Winter mit seinen kurzen Tagen nicht enden will oder wir die Heizung dauerlaufen lassen müssen oder wir tage- und wochenlang kaum andere Camper antreffen. Es ist auch das Reisen ein ständiges Auf und Ab. Der Rhythmus des Lebens bestimmt eben auch das Reisen. Er ist sogar verstärkt und jeder Irrweg, jede Talfahrt erlebe ich nicht nur im Innern, nein, man fährt sie halt manchmal sogar regelrecht aus. Und dann stehe ich wieder mit meinem Häuschen am (für mich im Moment) schönsten Flecken der Welt, inmitten der Natur oder direkt an einem weiten breiten Strand und kann es kaum fassen, dass das alles mir gehört! Ja, schon wieder... das Paradies zum Nulltarif! 

Wir gehen spazieren bzw. "rumschtrieznen". Wir laufen die Piste zurück bis zu den Felsen, wo die Geier nisten. Dort haben wir einen weiten Blick auf La Muela hinunter und über's Land. 

Wir fahren wieder hinunter und nehmen diesmal die Strecke rechts um den Berg herum, die wir noch nie gefahren sind und welche ein wenig schneller zur Venta führt. Das ist die Venta, wo sich fast alle Flieger jeweils nach dem Fliegen treffen. Da aber heute kein Flugwetter ist und daher kaum jemand dort, fahren wir weiter nach Algodonales hinein, mit der Absicht, uns heute Abend eine Pizza reinzuziehen. Zuerst gehen wir aber noch für ein Stündchen ins Internet. Als wir später in das eine Lokal gehen, wo es gemäss der aussenseitigen Reklame Pizzas gäben müsste, erklärt uns aber die Wirtin, dass es nur Tapas gäbe. So blöd, eine andere Pizzeria kennen wir hier in Algo gar nicht. Wir beschliessen, doch zur Venta rauszufahren. Das Wetter ist schön und die Venta hübsch auf dem Land gelegen. Wir studieren die Speisekarte bei einem Glas Sherry und einem Cerveza für Dominik und stellen fest, dass die Speisekarte die Gleiche wie vor zwei Jahren ist. Irgendwie schön, wenn sich solche Orte nicht verändern... Wir bestellen uns ein Pollo, Käse in Öl und einen Salat als Vorspeise, einen Hauswein dazu und Griessflan als Dessert. Alles ist superlecker, die Pommes handgeschnitten und schön knusprig. Das Huhn fein und saftig, der Flan ein Gedicht! Wir trinken sogar fast die ganze Flasche Wein, was wir gar nicht vorhatten! Während wir am Essen sind, taucht eine Grossfamilie auf, die sich im hinteren Zimmer zur grossen Schlemmerei verzieht. Es werden Bierkrüge in Litervolumen an unserem Tisch vorbeigetragen, Teller voller Käse und Oliven... und so weiter. 
Hier kocht die Mama und die Küche ist echt gut. Die Venta ist eine schlichte Gaststube ohne Schnörkel und die Preise sind jenseits von allem: Wir bezahlen para todo 22 Euro! Es sind genau solche Orte, die uns gut gefallen, einfach und unverfälscht. Wir haben unser Firmenjubiläum also gebührend und angepasst gefeiert! Zum Schlafen fahren wir (Dominik) zum Landeplatz zurück. 

Stellplatz: siehe 21.03.05
2. April 2005, Algodonales - Conil de la Frontera (ca. 60km NW v. Tarifa, ca. 30km S v. Cadiz)
Wetterflucht
Jeden Morgen kreisen die Geier über dem Gehöft auf dem Hügel hinter dem Landeplatz. Ich bin sicher, dass die Aasfresser mit Abfällen gefüttert werden. Jeden Morgen, den wir hier verbracht haben, hab ich sie beobachtet, wie sie über diesem Bauernhof ihre Kreise ziehen. Es hat hier soviel Geier in der Gegend, dass es eigentlich schon fast logisch ist, dass sie gefüttert werden. Die würden sich kaum alle von natürlich entstehendem Aas ernähren können! 

Der Himmel ist von Schleierwolken durchzogen. Die Wetterprognose für's Wochenende nicht gerade rosig. Wir werweissen lange, was wir tun, wohin wir fahren sollen. Dominik meint an die Küste. Ich denke, das ist doch fast zu weit weg. Der Himmel lichtet sich ein wenig und wir entschliessen uns für den Einkauf in Algodonales. Doch kaum sind wir unterwegs, ändere ich meine Meinung und finde, o.k., Küste wäre eigentlich ganz gut. Also, grosser Schwenk nach rechts und querfeldein geht es via Arcos über Medina Sidonia. 

Eine gute Strasse führt uns sehr schnell an die Küste und siehe da! Das Wetter ist geil! Es war eine weise Entscheidung, hierher zu fahren. Unser alter Stellplatz ist netterweise frei und wir stellen uns hierher, wie wenn wir nur auf Urlaub weggewesen wären. Cool, cool, cool! 

Da es Samstag ist, hat es allerhand Leute! Aber das macht nichts, hier am einen Ende des Strandes kommen ja nicht alle hin! Wir bestaunen die Blumen, welche am Parkplatzrand wachsen und in den drei Wochen unserer Abwesenheit noch prächtiger und zahlreicher zum Erblühen gekommen sind! 
Stellplatz: siehe 02.03.05
3. April 2005, Conil de la Frontera 
Surf, surpf, urp, urh, uh, uha, uah - Wiedersehen mit Henny und Rainer
Sonntag! Schönes Wetter! Jede Menge Volk! Ich liege im Bikini am Strand und lasse mich braten. Später gehe ich mit dem Boogyboard raus und lasse mich so richtig durchschütteln. Ganz schön anstrengend, durch die Wellen zu kommen, die gekippten und aufgeschäumten unten durch, die anderen oben drüber. Es gelingen mir ein paar gute Ritte! 
Paragliders sind auch da. Jene an den Klippen, wie Dominik, und andere mit Motoren. Quads und Crossmaschinen spulen die Dünen hoch, Familien tummeln sich unter Sonnenschirmen am Strand. Es ist jede Menge los, der Himmel strahlend blau und der Wind ganz ruhig.
Von Rainer und Henny haben wir ein SMS bekommen, dass sie in Algeciras im Regen stehen. Wir haben zurückgeschrieben, dass sie hierher kommen sollen, weil schön, schön, schön. 

Am späteren Nachmittag gehen Dominik und ich sogar ohne Neopren baden. Das Meer hat sich in diesen zwei drei Wochen, wo wir weg waren enorm erwärmt. Ich denke, es ist so um die 19° im Moment! Auf alle Fälle viel wärmer als erwartet. Das Hüpfen über die Wellen und Durchschütteln im Weisswasser erwärmt den Körper so gut, dass wir eine ganze Weile drin bleiben. Mit schon beinahe blauen Lippen kommen wir wieder heraus und ich lege mich nochmals an die Sonne. 

Wenig später taucht das weisse Womo mit den gelben Streifen von Rainer und Henny am Strand auf. Super, sie haben den Weg gefunden! Grosses Hallihallo. Nun haben also auch sie die drei Monate in Marokko heil und gut überstanden. 
Beim Apero draussen erzählen wir uns die erlebten Abenteuer der letzten Wochen. Abendessen kocht Dominik für uns alle und wir geniessen den Abend bis spät draussen sitzend und parlierend. Schön ist es, wieder Reisende um mich zu haben! 
4. April 2005, Conil de la Frontera 
Strandleben! 
Bevor wir frühstücken, stürze ich mich in die Fluten. Die Sonne scheint so schön von hinten in die Wellen, das Meer ist stellenweise klar und es ist herrlich, sich darin zu vergnügen. 

Rainer kocht uns Rühreier und wir frühstücken alle zusammen genüsslich draussen, den Strand überblickend. 

Leider will der Wind am Mittag nicht abnehmen, im Gegenteil, er verstärkt sich noch eher. So schade. 
Ich lege mich trotzdem an den Strand. Mit dem Sonnenschirm baue ich einen Windschutz und blase halt nach jeder gelesenen Seite in meinem Buch, den Sand aus der Spalte, bevor ich umblättere. Eine Weile lang halte ich das aus. Später am Abend wird es wieder windruhiger. 

Auch Rainer und Henny nutzen die Zeit, um ihre Fahrräder wieder fahrtüchtig zu machen und den ganzen Marokko-Sand-Dreck wegzuputzen. Anschliessend fahren sie, ausgerüstet mit je zwei Velotaschen ins Dorf um einzukaufen. 

Heute Abend kochen Rainer und Henny. Wir sind zu Basmatireis mit Schweinefleisch à la Thai eingeladen. Lecker! Wir geniessen spanischen Wein und Rainer gelingt es immer wieder mit seinen erotischen Themen ein wenig zu provozieren. Auch das Thema Computer und Internet und der damit verbundene Exhibitionismus kommt auf den Tisch. Er unterstellt mir, dass ich ja mit meiner Homepage das gleiche tue wie z.B. jene, die ein Forum mit ihren Themen und Ansichten füllen. Kann durchaus sein, dass auch ich ein wenig exhibitionistisch veranlagt bin. Und natürlich geht es auch mir, wie den Forumsurfern nur darum, mich mit Menschen auszutauschen. Trotzdem mag ich mich nicht unbedingt mit den "Forums-Menschen" in den gleichen Topf tun lassen. Meine Reiseberichte sind eh eine andere Geschichte und da ich diese nicht mit zuviel Persönlichem durchmischen wollte, kreierte ich diese Intimseiten. 
Auf alle Fälle habe ich mir nach diesen Gesprächen überlegt, ob ich diese Seiten meiner persönlichen Ansichten und meines persönlichen Erlebens aus der Homepage nehmen soll. Aber ich glaube, ich tue es nicht. Irgendwo haben diese Seiten für mich schon bald historischen Charakter und müssen nur schon darum drin bleiben. 

5. April 2005, Conil de la Frontera
Starkwind
Wir frühstücken draussen, kämpfen zwar ein wenig mit dem Wind, aber können es trotzdem geniessen. 
Der Wind nimmt aber so zu, dass ich mich später ins Womo verziehe. Schliesslich muss ich einige Tage Reisebericht nachschreiben. 
Dominik lädt unsere Dreck-Wäsche in den grossen Rucksack, schnallt sich den Wäschesack auch noch drauf und radelt damit zur Wäscherei. Praktisch, wenn man solche Dinge mit dem Fahrrad erledigen kann. 

Am späteren Nachmittag laufen Dominik, Henny und ich dem Strand entlang ins Dorf. Es ist krass, wie uns der Wind entgegenbläst. Wir werden regelrecht sandgestrahlt. Der helle leichte Sand wird vom Wind quer über den dunkleren feuchten Strand gefegt. 
Im Städtchen selber ist es ruhiger. Da der Internet-Point noch geschlossen hat genehmigen wir uns ein Gelati in einem Café in den alten Gassen von Conil. Die Saison scheint langsam loszugehen. Viele Läden und Cafés haben seit unserem letzten Besuch hier geöffnet. 

Bevor wir nach Hause zurückkehren laufen wir die Reihe der Wohnmobile ab, die immer am südlichen Ende des Lungomare stehen. Mit einem deutschen Paar kommen wir ins Gespräch. Auch sie waren in Marokko. Wer nicht? 

Als wir zurück an unserem Stellplatz sind, stellen wir fest, dass Rainer schläft und schon gegessen hat. Also haben wir heute Abend Henny alleine als unseren Gast. Dominik kocht leckere Spagetti mit einer Artischocken-Schinken-Knoblauch-Sauce dazu. Wird lecker und wir unterhalten uns gut bis spät in die Nacht. 
6. - 7. April 2005, Conil de la Frontera 
Noch stärkerer Starkwind
Das Wetter lässt uns leider erbärmlich im Stich. Auch wenn es am 7. herrlich warm ist, es bläst und bläst. Keine Lust, mich bei so einem Wind in den Sand zu legen.
Mit Henny mach ich ein paar schöne Spaziergänge. Wir fotografieren Blumen und stellen fest, dass die Vegetation teilweise schon am Höhepunkt vorbei ist. Das ist auch wenig erstaunlich, wenn man bedenkt, dass für viele Pflanzen der ganze Reigen bis zum Sommer abgeschlossen und vorbei ist. Es gilt sich im Frühling zu recken, strecken und zu vermehren!
Wir können wieder einmal einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten. Die Fischer stehen wie immer bei den Felsen, in Reih und Glied, einen grossen Fang erhoffend! 
8. - 12. April 2005, Conil de la Frontera - Montellano, Landeplatz  
Spitzenböen von 70km/h! - Besuch aus der Schweiz - Baumlandung
Nach Wetterprognose müsste heute der Tag sein, wo fliegerisch was möglich ist. Obwohl der Himmel dunkel und bedrohlich wirkt, stimmt die Windrichtung. Allerdings ist er von der Stärke her an der oberen Grenze! Wäre cool, wenn es klappt. Oft ist das hier nämlich nicht der Fall, wie uns Einheimische einmal verraten haben. Irgendwer sagte mal, hier wäre es höchstens fünf Mal pro Jahr möglich, bis zum Leuchtturm rüber zu fliegen!?
Dominik legt den Schirm unten an der Düne aus und lässt sich hochziehen bis es fliegt. Cool. Und es fliegt sehr schön. Um die Mittagszeit kommt er runter und macht eine Pause. 
Auch Henny und Rainer beobachten Dominik, wie er am Strand unten aufzieht. Der Wind oben an der Kante ist zu stark. Es gelingt ihm, entlang der unteren Strandkante rüberzuhüpfen, über die Strasse, und weiter den Hang hinauf, bis es ihn abhebt. 
Henny und Rainer werden heute weiterziehen, wie wir. Sie sind sich allerdings noch nicht schlüssig, soll es in die Berge gehen oder weiter hoch, der Küste entlang. Vor allem heisst es erstmal einkaufen. Unsere Wege werden sich also vorläufig mal trennen. Wir werden sehen, ob sie uns in den Bergen besuchen kommen, oder ob sie bald schon nach Portugal weitergehen. In Portugal könnten sie endlich auch ihren GPL-Tank mit Gas füllen, welcher leer ist und dringend Nachschub bräuchte. Wir werden sehen. 

Wir verabschieden uns von ihnen und ich hoffe, sie bald wieder irgendwo anzutreffen.  

Dominik und ich fahren über Chiclana, Medina Sidonia und Arcos nach Montellano. Wir fahren direkt zum Landeplatz. Dem Regen sind wir gekonnt entkommen. Hier scheint eine schöne Abendsonne über die Hügel und ich freue mich schon sehr auf den Blick über dieselben. 
Hinter dem Landeplatz geht es über verwilderte Wiesen den Hang hoch. Nur etwa 100 Höhenmeter trennen uns vom Startplatz über uns. Wir finden einen gediegen schönen Platz inmitten dieser herrlichen Wildnis. 
Eine strahlende Sonne begrüsst uns vom wolkenlosen Himmel. Die Stimmung ist zauberhaft, viele verschiedene Vögel zwitschern und pfeifen in den Büschen und Bäumen um uns herum. So ähnlich muss es im Urwald tönen! Der Platz hier ist wirklich ein ganz speziell feines Eckchen!

Das Dumme ist nur dass der Nordwind, der bläst, extrem heftig ist. Mit Fliegen ist also nix, auch wenn die Windrichtung perfekt stimmen würde...
Wir verbringen bei diesem Wind zwei Tage mit Abwarten auf Besserung. Natürlich nutzen wir die Zeit, um ausgiebig in der uns umliegenden Landschaft rumzustrieznen. 

Wir wandern zum Startplatz hoch. Den Zugang zu finden ist gar nicht so einfach. Es führen jede Menge Ziegenwege ins Dickicht, viele Wege lassen sich nur gebückt gehen, aber wir schaffen es doch irgendwie. 

Als wir oben ankommen, können wir uns mit dem Windmesser davon überzeugen, dass extreme Böen über uns hinweg fegen. Unten am Stellplatz ist es einiges ruhiger, glücklicherweise. Wir messen Spitzen von fast 70km/h! Es bläst einen beinahe davon! Die Windrichtung wäre perfekt ;-)
Am Übungshügel unten ist der Nordwind ein wenig massvoller. Mit 40km/h aber immer noch zu heftig. Schade!
Eine andere Wanderung machen wir zum nahegelegenen Turm.
Der Weg führt durch weitläufige Kulturlandschaft. Jede Menge Weizen, der sattgrün schon recht hoch steht und vom Wind gekämmt wird.

Grosszügig verteilt in der Landschaft liegen einzelne Häuser und Gehöfte. Immer sind sie weiss gekalkt.
Der Aufstieg zum Turm hat sich gelohnt. Man kann im Innern (erstaunlicherweise war der Turm unverschlossen!) eine Treppe hoch steigen und steht dann auf einem betonierten Plateau mit einer sensationellen 360° Sicht! Da kein Geländer angebracht wurde, ist das Gefühl schon ein wenig schwummrig! Aber der Blick! Genial! Ich lege mich hin, um ohne Schwächeanfälle den Ausblick geniessen zu können.
Wir ein Flickenteppich liegt die grün-grau gemusterte Landschaft weit unter uns. Grün dort, wo Olivenhaine und Weizen stehen - grau-weiss, wenn der kalkige Boden unbewachsen bleibt.
 
 
Vom Turm aus sehen wir auf das Plateau hinüber, den Startplatz, wo unterhalb unser Womo steht, sehen die lange Kante, an der normalerweise herrlich gesoart werden kann. Mit ein bischen Glück und Geschick schafft man es, bis hierher, zum Turm, zu fliegen.

Windig bleibt es, leider. Am nächsten Tag ist es sogar noch ein wenig kühler. Dominik zieht mit dem Beil und der Säge los, um den Fussweg nach oben zum Startplatz freizulegen. Was soll ich da sagen? Müssiggang liegt ihm nicht? Na ja, etwa so oder so ähnlich ;-).
Nach 20 Uhr passt es dann doch noch. Dominik zieht mit der Kamera los, um die Flieger in der Abendsonne abzulichten. Vor allem vom Startplatz des Übungshügels hat er noch kein Bild.

Eigentlich erwartet er nicht, dass es noch gut fliegt. Aber die Gleitschirme halten sich dann doch einiges länger als erwartet. Und es fuchst Dominik, dass er nicht daran geglaubt hat! Es ist schon beinahe dunkel, als der Letzte landet!
Wir bekommen Besuch! Hans Röttele aus Domat-Ems hatte mit Dominik im letzten Sommer Kontakt aufgenommen. Er habe Lust, einmal, für eine bestimmte Zeit, mit ihm herumzuziehen. Er fliegt schon seit vielen Jahren Gleitschirm und ist ein versierter Pilot. 

An einem Abend bekamen wir nun also ein SMS, wo er sich ankündigte. Am nächsten Mittag schon kommt er mit seinem selbstumgebauten Wohnmobil (ein halber Wohnanhänger aufgebockt auf einen Mazda Transporter) in Montellano an. Wir freuen uns sehr über seinen spontanen Besuch. Vor allem zeigt sich bald, dass Hans ein mehr als angenehmer Zeitgenosse ist, der schon einiges gesehen und erlebt hat und sich unkompliziert und bescheiden in der Welt bewegt, sich den Umständen anpassen kann und erst noch tolle Geschichten erzählen kann. Da Dominik und ich nun wirklich nicht allzu oft gute Gesellschaft haben, schätzen wir solche Reisekumpane erst recht! 
Für knappe zwei Tage stehen wir zu zweit auf dem wundervollem Stellplatz hinter dem unteren Startplatz bei Montellano. Es wird ausgiebig geflogen und geschwatzt. 
Dominik hatte genug Motivation, sich in die höchsten Höhen zu erheben, jede Thermik auszufliegen und ganz oben mitzumischen. Schliesslich hatte er es während zweier Tage ziemlich verpasst oder "verhäfelet", wie er sagt. Das schien ihn entsprechend anzuspornen! 
Das Spektakulärste für mich ist allerdings die Baumlandung eines Piloten, welche glücklicherweise ohne Verletzungen passierte. Es ist ja bekannt, das Olivenbäume sozusagen "freundliche Bäume" sind, weil sie nicht sehr hoch und mit vielen weichen Ästen versehen sind. Das Dumme ist nun aber in diesem Fall, dass dieser Olivenbaum in einem steilen Abhang steht, welcher unten durch und auch im Baum selbst voller dornenbesetzter Ranken ist. Hinzu kommt, dass der Schirm selber auf der Seite hängt, wo es steil hinab geht und die Leinen ganz über den Baum hängen. 
Da ich selber nichts besseres zu tun habe, helfe ich dem Mann, so gut ich kann mit Werkzeugen und auch sonst. Zuerst müssen wir sämtliche Leinen aus den Leinenschlössern loslösen. Als nächstes befreit er den Einstieg in und auf den Baum herauf von sämtlichen Dornenranken. Während den nächsten drei, vier Stunden hacken wir mit dem Beil und sägen mit der Säge Äste ab, wickeln Leinen aus den festgezurrten Knäueln und balancieren während der ganzen Zeit auf mehr oder weniger dünnen Ästen. Nicht auszudenken, was mit uns geschieht, wenn so ein Ast brechen würde! Wir würden in einem Dornengestrüpp landen, aus welchem wir von alleine nie mehr kämen! Später kommt noch Dominik dazu und hilft mit. Irgendwann haben wir es geschafft! Den ganzen Schirm befördern wir quer durch den Baum nach unten und draussen! Er blieb dabei sogar heil! 
Nach einer Bierpause machen wir uns daran, den Schirm wieder "zusammenzubauen"! Die Leinen müssen entwirrt und wieder neu an die Leinenschlösser gehängt werden... und zwar so, dass es stimmt, dass der Schirm auch wieder fliegt! Gar nicht so einfach! 
Wenn so ein Abenteuer gut überstanden ist, dann kann man hinterher herzlich darüber lachen und hat etwas Aussergewöhnliches erlebt. Aber alle Tage müsste ich so eine Bergung nicht mitmachen. Meine Muskeln schmerzen von der ungewohnten Haltung im Baum und meine Arme sehen aus, wie wenn ich mit einer spielfreudigen Katze gerauft hätte! Aber der Baum-Pilot sieht noch viel schlimmer aus! Seine Waden und Unterarme sind kreuz und quer mit blutigen Striemen überdeckt. 
Ich möchte gerne Aufziehübungen machen. Ein paar wenige Male versuche ich es am Startplatz vom Übungshügel, aber der Wind kommt schräg und schwach. Eine kurze Böe hebt mich aber sogleich in die Luft und Dominik kriegt gerade noch eine Bremse zu fassen und holt mich wieder auf den Boden. Ist vielleicht doch nicht so eine gute Idee...! Dominik fliegt ohne Helm und ohne gar nichts, nur im kleinen Sitz, runter zum Landeplatz. Dort würde es besser gehen mit Aufziehen. Aber der Wind frischt auf und die Böen passen mir nicht, um zu üben. 
Während eines Spaziergangs erzählt uns ein älterer Mann, der gerade Weissdorn sammelt, um daraus herzstärkenden Tee zu machen, dass ganz in unserer Nähe ein Brunnen sei, der trinkbares Wasser habe! Wir hätten diese Quelle glatt verpasst! Bevor wir Montellano verlassen, tanken wir dort unseren Tank voll und füllen alle leeren PET-Flaschen gleich auch noch ab. 
In Montellano gehen wir Einkaufen und Tanken. Als wir unseren Pneudruck wieder einmal überprüfen, macht das eine Ventil schlaff! Es hatte offenbar nur darauf gewartet, angefasst zu werden! Glücklicherweise ist es noch vor der Siesta und wir fahren zum nächsten Talleres, wo sie uns supernett und unkompliziert ohne Warterei sofort das Ventil auswechseln. Und das für sage und schreibe 5 Euro! Voll nett! 
Um Hans ein wenig was von der Gegend im Grossfluggebiet Algodonales zeigen zu können, fahren wir noch einmal die Strecke über Coripe. Bei schönstem Wetter übrigens. Seit wir in Montellano sind, also seit fünf Tagen scheint die Sonne prächtig vom Himmel! 
Stellplatz: am nördlichen Ende des Dorfes Montellano führt ein Weg links entlang des Berges (siehe Wegbeschreibung vom 30.03.05); anstatt die zweite Asphaltpiste hoch, weiter geradeaus; nach ca. 1,5km steht links im Ackerfeld ein Brunnen (Landeplatz), hier geht rechts ein Weg hoch, nach ca. 500m gibt's Plätze links und rechts des Weges - Gras
Klima und Umgebung: wild-schöne Umgebung - Wanderungen hoch zum Plateau und rings um den Berg
Infrastruktur: ein Brunnen mit Trinkwasser steht hinter einem Gelände, welches mit Maschendrahtzaun eingezäunt ist. 
13. - 14. April 2005, Montellano - Algodonales, Starplatz Ost
Fliegen bis Sonnenuntergang - Aufziehübungen: Silvana im Solo - Dominik im Tandem
Am Landeplatz von Algodonales angekommen, können wir schon vier Gleitschirme am Südwest-Startplatz ausmachen. Wir installieren uns aber zuerst einmal für das Mittagessen. Es dauert nicht lange, und die Flieger landen in unserer Nähe. Der Landeplatz hier ist recht neckisch. Auf alle Fälle nichts für Anfänger. Er ist nämlich thermisch, ist im Einfluss eines Düseneffekts durch das enge Tal und hat zudem linkerhand eine Stromleitung und rechterhand Bäume. Fliegt man zu weit, weil es einen ständig wieder hebt, landet man weiter unten in den Büschen... fliegt man zu kurz....in den Bäumen. Und das Slalomfliegen über einem thermischen Platz will auch gekonnt sein.
Die drei Deutschen, die reinlanden, machen das aber sehr gut. Sie kennen die Verhältnisse aber auch schon von früheren Flügen.
Dominik fährt mit Hans nach oben zum Startplatz. Ich bleibe am Landeplatz und möchte Aufziehübungen machen. Eine Weile gelingt mir das nicht so übel, doch dann passiert mir immer wieder der gleiche Fehler, von dem ich nicht checke, was ich falsch mache. Als dann ein älterer Herr zu mir kommt und schüchtern erklärt, er sei Fluglehrer und ob ich wisse, dass der Kopf der wundeste Punkt am Menschen sei?!, gab ich es dann eh bald auf. Da ich ohne Helm übte, war sein Hinweis berechtigt, wenn auch, so finde ich, unangebracht bei erwachsenen Menschen. Trotzdem, Thank you anyway! Ich höre also mit dem Aufziehen auf. Die Böen werden immer heftiger. Später beobachte ich ein paar gelandete Piloten, die ebenfalls noch ein paar Aufziehübungen machen. Vom Beobachten kann man erstaunlich viel lernen! Und dem einen passiert genau das gleiche wie mir, er macht es keinen Deut besser als ich. Ha, Aufziehen will halt geübt sein! 
Den Rest des Nachmittags geniesse ich mit Lesen und dem Beobachten der Piloten. Dominik und Hans beobachte ich immer wieder mit dem Feldstecher am Himmel. Sie probieren einige Male oben reinzulanden. Allerdings ohne Erfolg. Der Wind bzw. die Thermik lässt sie nie oben aufsetzen.
Als die Sonne am Landeplatz weg ist, ziehe ich nochmals auf die Wiese und übe erneut. Wenig später landen "meine Männer" wohlbehalten und mit wenig Wind gekonnt in meiner Nähe. Bis wir die Schirme zusammen gelegt haben, ist es dunkel.
Das Womo von Hans steht nun aber noch auf dem Startplatz oben. Was, in welcher Reihenfolge tun? Auswärts Essengehen wollen wir nämlich auch noch! O.k. Zuerst essen, dann hoch fahren und oben nächtigen. Wir fahren also zur Venta beim östlichen Landeplatz, der bewährten Spunte. Obwohl eigentlich schon Feierabend geplant war, eröffnet der nette Wirt für uns nochmals die Küche! Undenkbar in der Schweiz! Hans lädt uns zu einem üppigen und schmackhaften Essen ein! Müde und mehr als satt fahren wir anschliessend rechts um den Berg herum und dann hinauf zum Startplatz. Nachts zu fahren bin ich nicht so gewohnt. Obwohl uns praktisch kein Verkehr entgegenkommt, ist es doch anstrengend, auf einer eher unbekannten Strecke und zudem schmalen Strassen in zig Windungen die Sierra Lijar zu umfahren und dann auch noch hoch zum Startplatz. Am Südweststartplatz steigt Hans in sein Womo um und wir fahren noch einige Kilometer weiter und höher zum Ost-Startplatz. Todmüde fallen wir ins Bett. Es ist irgendwann nach halb zwei Uhr morgens!
Diese Tortur haben wir eigentlich auf uns genommen, weil wir uns Morgensonne und eine gigantische Sicht über die Berge ausmalten. Auch die Wetterprognose versprach uns kaum Wind für diesen Morgen! Die Natur macht uns aber einen Strich durch die Rechnung! Es ist neblig und windig! Dafür werden wir mit dem Anblick von wilden Rehen oder Mufflons oder was auch immer das sind, belohnt!
Nach dem Frühstück fahren wir wieder nach unten zum Landeplatz und machen es uns dort gemütlich. Hans will heute sowieso nicht fliegen sondern einen Entspannungstag einlegen. Der Starkwind macht diesen Entschluss einfach. Und so entspannen wir uns alle drei, bzw. vier, wenn ich das "Hundele" mitrechne. 
Hans hat einen Tandemschirm dabei. Dominik interessiert sich schon einige Zeit für's Tandemfliegen. Die Gelegenheit nutzt er natürlich und Hans ist so grosszügig und überlässt uns den Schirm, um ihn auszuprobieren. Ich spiele Passagier... ;-) Gleich der erste Versuch zieht uns rückwärts über die Wiese. Einmal sogar so kräftig, dass wir, zuerst ich und dann unweigerlich auch Dominik, auf unsere Ärsche fallen und ein Stück weit geschliffen werden. Aber es ist ja eine Wiese, also gibt's nur grüne Flecken auf den Kleidern und blaue auf der Haut. Dann klappt es. Rückwärts zieht er ihn auf und wir versuchen über die ebene Wiese gegen den Wind anzurennen. Klappt sogar sehr gut! Dominik muss aufpassen, wo er mit seinen Füssen hintritt, da ich ja vor ihm und zwischen seinen Beinen platziert bin, und ich muss achtgeben, dass ich ihm und dem Schirm folge. Cool, wir haben keine Koordinationsschwierigkeiten! 
Der Wind wird aber immer böiger und wir stellen das Üben ein. So ein Tandemschirm hat mit seinen ca. 35m2 eben schon eine grosse Angriffsfläche für den Wind. 
Am späten Nachmittag fahren wir alle in unserem Wohnmobil nach Algodonales. Zorros Tollwutimpfung wird fällig. Der Tierarzt, den wir finden, ist ein Viehdoktor. Er meint, die EU haben die Vorschriften geändert und eine Tollwutimpfung sei nur noch alle zwei Jahre nötig. Ob das nun stimmt? Ich werde mich wieder mal via Internet schlau machen müssen.
Wir genehmigen uns ein kühles Bier und fahren dann wieder zurück zum Stellplatz. 
Der Wind hat ein wenig nachgelassen und ich habe grosse Lust, das, was ich gestern nicht geschafft habe, unter den Augen von zwei "Fachmännern" vorzuführen und ihren Rat zu hören. Während ich übe, erklären sie mir, was ich wie anders machen soll und siehe da, der Schirm bleibt oben! Ich kann ihn sogar recht lange oben halten. Als es eindunkelt höre ich auf, ziemlich müde aber noch ganz aufgekratzt von meinen Erfolgserlebnissen!
Stellplatz: siehe 31.03.05 (Reisebericht Spanien 2005, 3. Teil)
15. - 17. April 2005, El Bosque
Starkwind und schönstes Frühlingswetter - Wandern entlang dem Fluss
Nordostwind führt uns nach El Bosque.
Am Landeplatz erfahren wir leider, dass wir hier keine Aufziehübungen machen dürfen. Das Gras steht halb hoch und soll dem Vieh noch als Futter dienen. Der Wind ist zu stark, um zu fliegen.
Wir stellen unsere Wagen an den Strassenrand und die Stühle und den Tisch in den Strassengraben. Aber was für ein Strassengraben! Es grünt und blüht vom Schönsten! Wir haben einen weiten Blick über das Land, sind recht gut vom Wind geschützt und haben trotzdem volle Sonne!
Während wir draussen Mittagessen, gesellt sich noch ein deutscher Pilot zu uns, isst mit uns mit und später kommt auch noch der Baske, den wir schon einige Male an den verschiedensten Start- und Landeplätzen angetroffen haben zu uns. Wir sitzen den halben Tag in diesem wundervollen Strassengraben, essen, trinken und schwatzen und lassen es uns gut gehen.
Später am Nachmittag ziehen Dominik und ich auf einen Spaziergang los. Das Licht ist toll, toll, toll! Wir kommen an eine Furt. Gelbe Iris ziert den Bachrand. Wir ziehen unsere Wanderschuhe aus, stellen sie irgendwo ins Gebüsch und laufen barfuss weiter.
Der Weg führt entlang riesiger Viehweiden. Wir sehen einen weissen Zuchtstier, der uns auf seinen kurzen Beinen anglotzt, aber eher Angst hat. Auch an grossen Herden schwarzer Stiere, welche hinter drei Meter hohen Zäunen uns argwöhnisch beäugen kommen wir vorbei. 
Das Wetter ist toll. Ein strahlend blauer Himmel mit weissen schnellen Wolken! Es ist warm und die Landschaft surrt und trillert von Insekten und Vögeln.

Hinter den Hügeln sieht man sogar einen Teil der grauen Berge des Naturparks Grazalema. 
Dominik und Hans ziehen zu Fuss ins Dorf los. Ich bleibe und geniesse die Ruhe. Obwohl... so gegen den späteren Nachmittag kommen Jungs auf ihren lauten Crossmaschinen und preschen über die Schotterstrasse wie wenn der Teufel hinter ihnen her wäre! Gut, dass das irgendwann auch wieder aufhört. 
Wir übernachten gleich hier am Strassenrand.
Der Wind lässt nicht nach. Wir beschliessen, eine Wanderung zu machen. Von El Bosque führt ein schöner Pfad entlang eines Baches nach Benamahoma. Viele Spanier sind hier unterwegs, jung und alt, Grossfamilie und junge Pärchen, einfach alles. 
Als wir um ein Ecke kommen, stehen dort zwei Förster, die in die Baumwipfel gucken. Wir staunen ganz schön, als wir entdecken, dass sich dort, etwa drei oder vier Meter vom Boden ein Geier in die Äste gesetzt hat. Entweder ist er krank oder er ist  dummerweise so blöd zwischen die Äste gelandet, dass er nicht mehr starten kann. Die Flügelspannweite ist doch enorm und braucht entsprechend Platz! 
Wir beobachten eine Weile die Bemühungen der Förster, den Vogel zum Wegfliegen zu bewegen und wandern dann weiter. Es wird erfolglos bleiben, denn als wir zurückkehren, sitzt der Geier immer noch am gleichen Flecken! 
In Benamahoma finden wir ein nettes Lokal, bei welchem die Terrasse nach hinten, zum Bach, rausgeht und die auch noch windgeschützt ist. Bei Weisswein, Gazpacho, Rindfleisch an Tomatensauce und Crevettentortilla lassen wir es uns gutgehn. Mit der Rechnung kriegen wir noch einen Schnaps, der mir den Rückweg nicht unbedingt erleichtert, obwohl alle von Benzin reden... 
Da mit Fliegen immer noch nix is, wollen wir mit den Autos zu dem einen Platz am Fluss fahren, den Dominik und ich auf unserem Spaziergang entdeckt haben. Als wir beim Tanken die Gelegenheit nutzen, um unseren Pneudruck zu überprüfen, stellen wir mit Schrecken fest, dass wir vorne links fast einen Platten haben. D.h. wir hatten eigentlich schon mit Fahren festgestellt, dass der Schmutzfänger auf der linken Seite des öfteren am Boden schleift. Jetzt wissen wir, dass das ein sicheres Anzeichen für zu wenig Pneudruck ist. 
Da Wochenende ist, sind die Garagen geschlossen. 
Wir fahren zum Stellplatz und Dominik kontrolliert erneut  den Pneudruck mit der Handpumpe. Es zeigt sich, dass wir das gleiche Problem, wie am hinteren rechten Rad haben: das Ventil ist nicht mehr dicht. Dominik wechselt das Rad mit der Reserve aus.
Den Tag verbringen wir lesend und rumlümmelnd. Obwohl gegen Abend Wolken aufziehen sieht es aus, als ob es nun fliegerisch bald was gäbe. Und tatsächlich können wir beobachten, dass am Startplatz oben jede Menge Flieger bereit stehen. Es geht auch nicht lange, und die ersten fliegen raus. Und wie es fliegt! Sie wollen gar nicht mehr runterkommen! Dominik ärgert sich wieder einmal masslos, dass er am falschen Platz ist. 

Hans beschliesst, am nächsten Morgen langsam und gemütlich, wieder gen Norden zu ziehen. Er will durch das Landesinnere und noch das eine und andere Fluggebiet besuchen. 
Während wir die Gleitschirme beobachten, beobachten uns die Ziegen! D.h. vor allem Zorro hat es Ihnen angetan. Sie glotzen und glotzen! Zwischendurch schnauzt eine ganz empört durch die Nase. 
Am Abend schauen wir uns die Fotos an, die Hans von seiner Reise durch Osteuropa in den Iran gemacht hat. Es gibt eindrückliche Bauten bzw. wunderschöne Architektur im Iran. Aber auch die Bilder von Slowenien und Griechenland sprechen uns an. Welch weite Natur in Slowenien! Das wäre schon was für den nächsten Herbst. Und fliegerisch soll es ja auch ganz gut sein. 
1. Stellplatz: von El Bosque Richtung Ubrique, nach ca. 500m (bevor es links Richtung Benamahoma geht) kommt rechterhand ein Restaurant, gleich anschliessend rechts abbiegen, Brücke überqueren, dann links, der Schotterpiste ca. 1km folgen bis rechterhand Landeplatz kommt - Schotterpiste
Klima und Umgebung: ruhig (manchmal Töfffahrer), Landeplatz, Spaziergänge auf den Pisten
Infrastruktur: nada
2. Stellplatz: von El Bosque Richtung Arcos, nach ca. 1km links Richtung Algar, nach 1 weiteren Kilometer wieder links auf Schotterpiste, nach noch 1km (vor der Furt) linkerhand Wiesenplatz am Bach - Wiese
Klima und Umgebung: ruhiger Platz mit viel Grün, Schatten, Spaziergänge
Infrastruktur: nada
18. April 2005, El Bosque - Torre de la Higuera (ca. 40km SO v. Huelva)
Wieder an die Costa de la Luz
Hans ist schon früh abreisebereit. Wir verabschieden uns und ich finde es schade, dass er uns schon wieder verlässt. Es gibt Menschen, die ich gleich in mein Herz schliesse, die ich gerne habe, ohne dass ich sie sehr gut kenne. Hans gehört dazu. Er ist ein toller Mensch mit bewundernswerten Zügen. Hoffentlich treffen wir uns wieder einmal!
Wir frühstücken erstmal gemütlich. Dominik hat Hoffnungen, dass es in Ronda la Vieja fliegt. Also fahren wir über Grazalema in diese Richtung. Doch das Wetter schaut übel aus. In Ronda gehen wir erstmal Einkaufen. In einer Garage lassen wir kurzerhand beide linke Ventile wechseln, so dass jetzt an jedem Pneu neue dran sind. Das geht schnell und ist billig.
An unserem alten Stellplatz, den, den wir vor zwei Jahren zum Übernachten hatten, machen wir Mittagspause. 
Dann fahren wir rüber nach Ronda la Vieja. Am Brunnen wollen wir unseren Wasservorrat wieder auf Vordermann bringen. Da der Brunnen keinen Hahn hat, bedeutet das, dass wir mit den Kübeln nachfüllen müssen. Dominik bastelt mit einer PET-Flasche und einem Stück Schlauch eine Art Trichter, den wir ans Fenster über das Einfüllloch hängen. So müssen wir innen nicht die ganze Bank ausräumen, um den Frischwassertank füllen zu können. Geht prima!

Es fängt an zu regnen und Böen peitschen den Hang hinab. Kein Flugwetter! Dominik gibt sich geschlagen und wir beschliessen, da eh schlechtes Wetter, den Tag fahrend zu verbringen. 
Gute 200km trennen uns von Huelva, bzw. Mazagon, unserem nächsten Ziel. Wir umfahren Sevilla, mehr oder weniger gekonnt und kommen müde in Matalascana an. Eigentlich wollten wir irgendwo an der Stichstrasse, die runter zum Meer führt campieren, doch es ergab sich nichts Gescheites. 
In Matalascana stehen wir nun auf dem grossen Parkplatz und sind zu müde, um uns was Besseres zu suchen. So übel ist es aber gar nicht. Immerhin schlafen wir ruhig und ohne Störungen. Der heftige Küstenwind dringt kaum bis zu uns durch und die Sonne bleibt lange und kommt am Morgen auch wieder früh. 
Stellplatz: direkt in Torre de la Higuera auf dem grossen Parkplatz, ausserhalb der Saison wenig Leute
Klima und Umgebung: ruhig, bis auf die Busse, die morgens ankommen, Spaziergänge durch den NP
Infrastruktur: vermutlich gibt es alles im Städtchen, Wasser haben wir nicht entdeckt
19. - 24. April 2005, Mazagon (ca. 20km SO v. Huelva)
Zwischen Pinien - Wiedersehen mit Rainer und Henny
Die eingegrenzte Dünenlandschaft in Torre de la Higuera lädt zu herrlichen Spaziergängen ein. Windgeschützt kann man sich durch den tiefstehenden Pinienwald schlängeln. Jede Menge blühende Vegetation!
Wir fahren die verbleibenden 20km zu unserem Ziel, dem alten Stellplatz beim Klauförster (siehe Bericht vom 17./18.06.03), kurz vor Mazagon und müssen zum ersten Mal kapitulieren! Diesen Stellplatz können wir mit unserem drei Meter hohen Teil vergessen. Auch der Sand ist zu tief und wir zu schwer. Also stellen wir uns auf den grossen Platz bevor es runter zur Beach geht. 

Natürlich gehen wir als erstes den Startplatz besichtigen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich feststellen muss, dass ich vergessen habe, wie schön so ein Platz ist, an dem wir waren!

Schade nur, der Wind steht zum Fliegen nicht gut.
Rainer und Henny waren in Huelva und kommen uns besuchen. Sie stellen sich neben uns und wir haben wieder allerhand Geschichten zum Austauschen. 
An dieser Küstenlinie wird, sofern der Wind gut steht, gesoart.
Mittagsblumen strahlen um die Wette mit der Sonne!
Rainer und Henny haben sich Gasflaschen besorgt. Gleich zwei aufs Mal! So quasi nach dem Motto: Gelegenheit macht Diebe! Nicht, dass sie was geklaut hätten! Aber nein! Doch sie sind so günstig an eine alte Flasche gekommen und fast noch günstiger an die sonst sehr teuren Aluflaschen, dass sie nicht widerstehen konnten.

Nun geht also die grosse Abfüllerei los, die aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht so einfach vonstatten geht wie das sonst bei uns immer der Fall war. Zudem passt die Aluflasche nicht unter den Womo-Anschluss. Also wird gesägt! Ein Teil des oberen Handgriff-Ringes muss weg! Rainer und Dominik lösen sich bei dieser "irrsinnig" anstrengenden Arbeit ab.
Ich liebe Pinienbäume! Hier an der Klippe kann man gut sehen, wie sie, vom Wind gebeugt, schräg in der Landschaft stehen. Die Wurzeln am Graben freigelegt, ermöglichen tiefere Einsicht in das Haltevermögen dieser Bäume.
Die ausgewaschene Sanddüne ist von Wind und Wetter geprägt!
Unsere deutschen Nachbarn servieren zum Abendessen Champagner. Soll einer sagen, wir leben bescheiden!
Ein dichter Pinienwald wächst entlang der Küste von Huelva. Sein aromatischer Duft ist beständig um uns herum. 
Henny übernimmt die Feuerwache. Während Zorro suchend um sie rumscharwenzelt kontrolliert Henny das Garen der leckeren spanischen Schweinefilets.

Henny und ich gehen immer mal wieder auf kleine Entdeckungstouren durch den Pinienwald bis zur Klippe. Die ausgewaschenen Formationen sind faszinierend. Die Wurzeln der Bäume und Sträucher liegen offen und ausgewaschen in den Hängen.
Dominik kommt am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Mazagon doch noch zu einem Flug. Er hat lange darauf gewartet! Mit Kaspar, einem Österreicher, der bis anhin eine Flugschule am Bodensee leitete, und ebenfalls mit dem Womo rings um die Iberische unterwegs ist, checkt er den Wind und die miserablen Möglichkeiten, unter diesen Umständen zu starten.
Das Wetter war während der ganzen Woche, die wir hier verbracht haben, vom Feinsten. Da wir im Lee der Bäume standen, hatten wir den vollen Genuss der warmen Sonne. Leider war der Verkehr am Wochenende ziemlich heftig und manchmal staubten uns die vorbeifahrenden Autos ein. Trotzdem hatten wir es schön und gemütlich.

Am Wochenende tauchten noch etliche andere Wohnmobilisten auf. Wir staunten nicht schlecht. So bis an die fünf Wagen standen hinter uns, glücklicherweise nicht vor uns!





Am Montagmorgen verabschieden wir uns einmal mehr von Henny und Rainer, die vorhaben, ein wenig gemütlicher durch die Algarve zu ziehen. Wir wollen nach Albufeira. Auch Kaspar und seine Frau Roswitha werden wohl bis dorthin rollen. Wahrscheinlich treffen wir sie dort wieder an.
Sollte sich Henny wirklich das Gleitschirmfliegen antun wollen, so werden wir uns wohl spätestens in Linhares, Sierra Estrella, wiedertreffen! Wäre cool und würde schlicht passen!
Stellplatz: von Torre de la Higuera, ca. 5km vor Mazazog, ca. 3km nach der weiss-roten Antenne, links in den Pinienwald abzweigen, auf grossem Sandplatz bevor die Strasse runter an die Beach führt - fester Sand
Klima und Umgebung: schattiger Platz, ruhig, Küstensoaring, Wanderung entlang dem endlosen Strand, Spaziergänge durch die Pinienwälder
Infrastruktur: nada, Einkaufen und Wasser in Mazagon


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