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Reisebericht Tunesien 2006-2

Wüste Sahara

 

24. - 27. Dezember 2006: Douz
Oasenfestival: Reiterfestspiele, Musik und Markt
Woran wir nicht denken, ist, dass es, je näher wir Douz kommen, immer sandiger wird. Na ja, die Sahara kommt auf uns zu! Und die sandigen Pisten, die jeweils von der asphaltierten Strasse wegführen sehen meist für unsere Womos untauglich aus. Wir suchen wieder einmal recht lange, immer in der Hoffnung, doch noch einen Platz zu finden, der nicht in Dorfnähe ist und trotzdem weg von der Hauptstrasse, so dass wir echte Ruhe hätten. Kurz vor Douz wagen wir uns dann auf eine Sandpiste, fahren aber nicht allzu weit weg, denn die Piste wird schnell weicher und heikler.

Da noch Tageslicht herrscht, klettere ich, erst mit Henny, dann alleine, auf die naheliegenden Dünen.
Eine faszinierende Welt, ganz aus Sand! Der goldfarbene Sand hier ist so fein wie Pulver!

Auf den Dünen stehen Dämme aus Dattelpalmwedeln, die ein weiteres Vordringen der Wüste, vor allem auf die Strasse, verhindern soll. Dahinter ist nur noch Sahara.
Zorro ist total aufgestellt und aufgekratzt. Ihm gefällt es, auf den Sandhügeln  rumzudüsen, rauf und runter, zu mir hin und wieder weg. Er ist bald wieder der Alte, denke ich. Das zweitoperierte Bein macht zwar immer noch einen lustigen Schwenker nach aussen beim Rennen, aber ich habe den Eindruck, dass er keine Beschwerden hat und es einfach geniesst, wieder rennen zu können!
Am anderen Morgen, ganz früh, stiefle ich wieder auf den Sanddünen herum. Herrliche, faszinierende Weite und Stille!
Als ich zurück komme überrascht mit Henny mit einem Foto aus ihrem Alkovenfenster!
Wir fahren durch Douz hindurch. Es herrscht schon ein Riesentrubel! Wir fahren runter ans südliche Ende von Douz, wo offensichtlich die Reiterfestspiele stattfinden.

Die Szenen, die uns in den folgenden Tagen von den Reiterfestspielen geboten werden, sind wild und sehr beeindruckend. Die schönsten Fotos dieses Spektakels werde ich in einer Bildergalerie festhalten (noch in Arbeit).  
Wir sind alle noch recht gestresst von den vergangenen Tagen, der Warterei im Zusammenhang mit den Reparaturen, vom neuen Land, mit noch unbekannten Verhältnissen und Regeln. Plötzlich befinden wir uns mitten im Festival-Trubel! Und so kommt es, dass ich mit Rainer einen Riesenkrach anfange. Die erste Krise ist da. Ich bin fuchsteufelswild und geh erst mal los, um mich bei einem Spazier und den reiterischen Darbietungen abzuregen und überhaupt abzuschalten.

Während ich alleine unterwegs bin, sprechen mich viele Leute an. Ich merke mehr und mehr, dass die Tunesier sehr freundlich sind und weniger aufdringlich als die Marokkaner. Das Spiel läuft hier einfach anders. Es wird gegrüsst, gefragt wie es geht, woher man kommt usw. Nun war es in Marokko so, dass wenn du erst einmal angefangen hast, mit den Leuten zu reden, dann bist du sie nicht mehr losgeworden. Hier aber, scheint das irgendwie geschätzt zu werden, dass man überhaupt ein paar Worte wechselt und sie verabschieden sich dann auch wieder ohne weitere Aufdringlichkeiten. Meistens wenigstens.

Bei Rainer und Henny kommt die Mentalität anders an. Sie sind genervt. Auf dem Parkplatz, wo wir stehen, möchte ich gerne bleiben. Es hat hier keine Kinderhorden, die Strasse ist ein wenig verdeckt und man kann zu Fuss zu den Reiterfestspielen. Obwohl Rainer am Anfang am liebsten auf und davon wäre, lässt er sich doch überreden, hier zu bleiben.
Der Parkplatz liegt genau da, wo all die Kamele und Dromedare mit ihren Besitzern darauf warten, dass sie Touristen in die Wüste führen dürfen.

Ein niedriger Sandhügel grenzt unsere Womos von ihnen ab.

Wasser kriegen wir von der WC-Anlage. Kurzerhand schneidet ein junger Typ das eine Ende eines langen Schlauches ab, weil da ein dickes rostiges Gewinde dran hängt. Es wäre unmöglich gewesen, mit dem Gewinde den Schlauch in den Einfüllstutzen einzuführen. Ich gebe ihm dafür eine neue Bride.

Koordinaten: 33° 26' 00,71" N - 09° 01' 41,13" O
Auf meinem Rückweg von der Show wird mir angeboten, auf dieses prächtige Pferd zu steigen. Ich bin erst baff erstaunt, denn der Hengst ist ein unruhiger Kerl und hier herrscht Lärm und Chaos. Doch der Mann in Blau insistiert und ich denke mir, der wird wohl wissen was er tut und mit seinem kostbaren Pferd keinen Mist bauen. Das Foto, dass sie von mir geschossen haben, ist leider unbrauchbar. Ihr müsst mir also einfach glauben. 

Übrigens war es witzig zu sehen, wie Tradition mit Modernem zusammengeht: just als der Mann in Blau auf dem Pferd sass, wurde er auf seinem Handy angerufen.
Die Nacht war, abgesehen von der nahen Musik, die aber um 23 Uhr endete und einer geführten Gruppe von Womo-Italos, die eine Weile brauchten, bis sie alle zusammengekuschelt auf dem Platz standen, ruhig.

Am anderen Tag fahren Henny und ich mit meinem Womo ins Dorf. Ich brauche unbedingt Gas. Kaum sind wir unterwegs, kommt ein SMS von Rainer, dass er nicht bleiben könne. Wir treffen ihn kurz darauf bei meinem Womo, welches ich in der Stadt abgestellt hatte. Er erzählt, dass jemand von ihm für die Übernachtung auf dem grossen Parkplatz Geld gewollt hat.

Während unserer kurzen Tour haben Henny und ich dafür den Campingplatz im Dorf entdeckt und ihn uns angesehen. Er ist gut gelegen und sehr hübsch. Also entschliessen wir uns, uns erst einmal dorthin zu stellen und dann weiterzusehen.
Ich stelle mich neben Heinz und Ellen, einem Paar aus dem Baselland. Ich brauch ein wenig Abstand zu H&R. Bin zu arg genervt. Heinz und Ellen sind nett und laden mich am Abend zu einem leckeren Fondue ein. Es ist schön, wieder mal so richtig schweizerisch parlieren zu können und sie sind gemütlich drauf. Ausserdem lockert sich durch die Bekanntschaft mit ihnen und die eigenständig gemachten Erfahrungen das Abhängigkeitsgefühl gegenüber Rainer. Und das tut mir gut.
Zuallererst mache ich mich mit Henny auf den Weg, um diesen alten Mann zu finden, der angeblich Gasflaschen abfüllt. Mit Hilfe eines netten Herrn, der uns zu ihm hinbringt und mir dann auch noch seine Schubkarre ausleiht, um die Gasflasche transportieren zu können, kann ich nun ohne Schwierigkeiten mein erstes tunesisches Gas kaufen. Mit Henny geh ich dann nochmals los und bringe die Flasche hin. Ein paar Jungs helfen mir, die Karre zu stossen. Als ich Ali, so hiess der Mann, der uns den Weg zeigte, dankte und fragte, was ich ihm geben könne für seine Hilfe und das Transportmittel, meinte er, er wolle nichts und wenn wir weitere Hilfe benötigten, sollten wir uns wieder bei ihm melden! Na, also! Mega nett!
Am anderen Morgen organisier ich mir die Schubkarre vom Campingplatz, bei der erst mit Hilfe der Schweizerischen Offroad-Crew Luft aufgefüllt werden muss. Die Leute aus dem Dorf schauen schon ein wenig komisch, als sie mich mit dieser Karre sehen. Ein Tourist, der arbeitet? Ich hab meinen Spass und bin zufrieden, dass ich dieses "Gas-Problem" hab lösen können.
Am Vormittag finden jeweils die Musikvorführungen statt und zwar auf dem grossen Marktplatz.

Viel spannender finde ich allerdings die Menschen, die sich hier bewegen. Hier darf man fotografieren. Nicht einmal die Frauen haben etwas dagegen. Zu touristisch ist die Ecke, um noch schockiert und erbost über klickende Kameras zu sein.
Die eine Gruppe schwingt ihre weissen und hellblauen Röcke im Kreis und sie dudeln und trommeln dazu wie wild.

Mir scheint, die ganze Gruppe besteht aus Schwarzen. Dazu muss man wissen, dass hier in Douz die Sklaverei erst vor rund 100 Jahren abgeschafft wurde. Fast alle Schwarzen, die man hier sieht, sind Nachfahren dieser Sklaven. Vermutlich hat auch ihre Musik mitüberlebt. 

 
Eine andere Gruppe wird von zwei wild vermummten Gestalten begleitet. Pelzbesetzte Gewänder, steile und spitze Hüte, die Gesichter des einen hinter Fell verborgen, haben wohl auch sie ihren Ursprung und Bedeutung.

Leider haben wir zuwenig Informationen und können einfach nur staunen.
Der Markplatz von Douz ist quadratisch angelegt. In der einen Ecke gibt es ein Café, welches zuoberst eine Terrasse hat. Von hier aus hat man eine gute Sicht auf das bunte Treiben.


 
Die Teppichauslagen sind dermassen schön, dass ich nicht wiederstehen kann. Ich kaufe mir ein paar kleinere Teppiche und eine schöne Decke. Die Sachen sind günstig und einfach bezaubernd.

Auch neue Babuschs müssen her und bei den Flip-Flops aus Leder kann ich auch nicht wiederstehen. Es ist gefährlich, wenn man genügend Platz hat, um Dinge einzulagern! Die schwarzen Hosen sind aus Baumwolle mit goldenen Ziernähten. Die reitenden Beduinen trugen sie während des Festivals.  
Auch am nächsten Tag fahre ich mit dem Fahrrad durch die Palmenhaine runter zu den Festspielen.

Es ist ein faszinierendes Spektakel. Leider finden die schnellen Rennen und die wilde reiterische Akrobatik vor der Tribüne statt, und dort hat es zu viele Menschen. Ich beobachte das alles also von der gegenüberliegenden Seite, wo die Musikanten, die Kamele, Pferde und ihre Reiter jeweils auf ihre Einsätze warten.

Hier ist man dafür ganz nahe bei den Menschen und Tieren. 
Ein netter Typ begleitet mich, erzählt vom Fest und will mich einladen. Zum Kamelreiten, zum Pferdereiten, na ja, und schliesslich auch zum Tee am nächsten Tag. Er lässt nicht locker und ich verabschiede mich mit einem Vielleicht. Charmant sind sie ja und sie hören gut zu und lesen aus wenigen Worten deinen Gemütszustand heraus. 

Tunesien ist bekannt für Sextourismus. Allerdings nicht in der üblichen Form! Hier suchen sich Frauen ihre Liebhaber aus und nicht wie meist umgekehrt! Schon in Hammamet vielen uns die meist älteren Damen in Begleitung junger hübscher Kerle auf! Und auch hier in Douz sehe ich viele Frauen, die mit ihren tunesischen "Führern" unterwegs sind. Es verwundert mich eigentlich nicht, denn die Jungs hier sind ausserordentlich gut aussehend und wie gesagt, galant und schmeichelnd. 
Und zu allem "Übel" besitzen sie auch eine gute Portion Männlichkeit. Die Reiterfestspiele heizen das Ganze noch auf. Ich denke, abgesehen von der reellen Chance, sich so gutes Geld zu verdienen, wollen viele mit der Anmache einfach nur ihren Spass haben. Wenn man mit ihnen über ihre Bemerkungen lacht, lachen sie zurück!
Das Hunderennen konnte ich nur aus der Ferne beobachten. Offensichtlich ist es ein Sport für Jungs so um die 10 Jahre. Zuerst wird ein Hund losgelassen, der einem lebenden (!) Hasen hinterher rennt, dann wird nach und nach die ganze Meute auf das arme Vieh gehetzt. Der Platz ist nur auf die Tribünen-Seite hin abgegrenzt und so kann sich der schnelle Hase im schlimmsten Falle wohl unter ein Auto flüchten. Es wird viel gelacht dabei, denn einige Hunde sind an der Leine und zerren ihre jungen Herren hinter sich her. Und überhaupt schlägt der Hase die tollkühneren Hacken als die Hunde! Die Rennhunde nennen sie hier Sucki. Diese feingliedrigen Hunde sind jämmerlich anzusehen. Sie tragen alle eine grosse Tätowierung an den Flanken, um sie auch aus Distanz zu erkennen. Sie zittern vor Angst und Aufregung, werden mal gehätschelt und mal geschlagen. Ich weiss, dass diese Tiere sehr empfindsam sind und ich mag mir das Ausmass des ganzen tierischen Elends hier im Süden nicht ausmalen. Immer wieder muss ich mir sagen, dass ich nur "Beobachter" bin. Es steht mir nicht an, dies hier zu kritisieren. Und ich hoffe, dass ich nie in eine Situation gerate, die mir keine Wahl lässt.
Abdallah und Brahim vom Campingplatz Dessert-Club in Douz schmeissen ihren Laden mit Bravour. Sie sind extrem nett und helfen, wo sie nur können. Ausserdem haben sie faire Preise und legen die Abrechnung am Ende auch klar dar.

Diesen sauber und liebenswürdig geführten Campingplatz möchte ich wirklich allen empfehlen, die in diese Ecke kommen. Ihre Web-Adresse ist: www.campingdouz.skyblog.com.

Solltet ihr dies hier lesen: nochmals einen dickes Dankeschön für eure freundschaftliche und sehr liebenswürdige Gastfreundschaft! Merci beaucoup!  
Am letzten Tag, den wir hier verbringen, findet der grosse Markt statt. Schon am Mittwoch Mittag fangen sie an, die Stände aufzustellen. Der Platz füllt sich mit allerlei Zeugs. Vor allem diverse Getreide, Bohnen und ....
Gewürze in allen möglichen Farben und Formen und mit tausend verschiedenen Gerüchen. 
Auch der Viehmarkt findet an diesem Donnerstag morgen statt. Henny und ich sind schon früh unterwegs um uns durch das Volk zu schlängeln. Eine recht dichter Qualm steigt von hier aus auf und legt sich über die Oase und den Campingplatz. Ich dachte erst, ich müsse mich wappnen gegen unmögliche Tierquälerei, aber es hält sich in Grenzen. Offenbar werden hier Tiere erstanden und verkauft, die weiterleben sollen.
Die Buntheit des Marktes fasziniert immer wieder auf's Neue. Diverse Hennafarben als Pulver und in Fläschchen werden angeboten.
Von der Cafeteria an der Ecke hat man einen weiten Blick über das Treiben und Henny und ich gönnen uns frisch gepressten Orangensaft und Kaffee.
Diese beiden hier gehören zu einer Truppe, die wir schon in der Stadt sahen. Sie sind alle aus dem Tessin und Italien. Eine Enten-Rally durch die Wüste Tunesiens?
Offroader hat es natürlich jede Menge auf dem Campingplatz. Die meisten, um nicht zu sagen alle, kommen und gehen in Gruppen. Die meisten sind aus der Schweiz, ein paar aus Deutschland.
28. Dezember 2006: Chott El Jerid
Grösster Salzsee Tunesiens - eine weitere Art von Wüste
Unsere Reise geht weiter Richtung algerische Grenze. Wir wollen rüber nach Tozeur und müssen darum den grössten Salzsee Tunesiens überqueren. Eine ca. 80km lange Asphaltpiste verbindet Kebili am rechten unteren Ende des Chott mit Tozeur und den anderen Bergoasen auf der linken oberenSeite. 
In Kebili ist das Wasserreservoir, welches ich bei der Anreise noch voll mit Wasser sah, nun leider leer. Ob wohl all die Touristen, die über die Festspiele hier waren, soviel verbraucht haben?

Ich habe gelesen, dass der neue Tourismus, der hier seit den Filmen "Star Wars" und "The English Patient" Einzug gehalten hat, entsprechende Wasserprobleme für die Oasen mit sich bringt. Die Grundwasserreserven werden arg beansprucht, es müssen neue tiefere Löcher gebohrt werden. Und immer noch tiefere... Die Palmen aber brauchen dies Wasser und es scheint, dass es manchmal knapp wird und die Bäume entsprechend darunter leiden.
Das Chott empfängt uns mit einem Dromedar-Bogen.
Die Weite dieses trockenen Sees ist so gigantisch und eindrucksvoll! Wir haben super Wetter und ich bin erschlagen von dieser doch eigentlich eintönigen Pracht!
Eine schnurgerade Strasse führt quer über den Chott.
Links und rechts von der Strasse blieben seit dem letzten Regen, der wohl erst kürzlich fiel, kleine Seen zurück.
Unser Mittagshalt inmitten dieses Salzsees. Schön wäre es, hier draussen irgendwo die Nacht zu verbringen. Aber auf den See hinaus fahren können und dürfen wir nicht, und die Strasse, die hier mit 80 Sachen und mehr befahren wird ist viel zu laut. Schade!

Die Sonne zaubert sogenannte Fata Morganas an den Horizont. Sie lassen Inseln und Landstreifen scheinbar in der Luft schweben. Die Strasse sirrt und spiegelt.
Später wird aus dem trockenen und anfänglich noch lehmigen Chott bald ein richtiger Salzsee. 
Das heisst, entlang der Strasse führt ein untiefer Graben, der wenig Wasser führt.
Der Rest der Landschaft ist bedeckt mit einer lilafarbenen Salzkruste.
Faszinierende Farben und Formen zeigen sich, wenn Salz entsteht. Wir machen viele Fotos. Und trotzdem könnte ich hier noch lange sein und noch mehr und mehr entdecken.
Auf dem grossen Chott El Jerid!
29. Dezember 2006: Tozeur - Nefta
Klötzchenbau und bunte Gassen
Tozeur ist bekannt für seine Lehmbackstein-Architektur. Selbst die eine Moschee wurde in diesem Stil erbaut.

 
Dieser "Klötzli"-Stil ist echt hübsch. Die Häuser sehen viel ansprechender aus, als wenn sie einfach nur verputzt sind.
Noch mehr begeistern kann ich mich für die Auslagen! Bunte Teppiche und Kleider hängen von den Wänden und in den Arkaden. Ein Farbenspektakel und herrliche Augenweide!
In der Medina laufen wir durch Gassen und Innenhöfe, die allesamt in diesem Tozeur-Stil erbaut wurden! Wirklich sehenswert.
Ein Antiquitätenhändler hat in seinem Innenhof alles Mögliche und Unmögliche. Man könnte Stunden damit verbringen, auf dem Souk und Markt oder in den Gassen herumzustreunen und Dinge zu bewundern.

Meist kommen sie gleich angerannt, wenn man irgendwo auch nur kurz stehen bleibt und schaut. Manchmal aber geben sie sich zufrieden, wenn man erklärt, dass man nur schauen will und nichts kaufen.
In der Markthalle kaufen wir uns ein wenig Gemüse, Brot und Früchte. Das Fleisch lacht uns nicht an. Die Dromedar- und Rinderköpfe zeugen wohl von der Frische des Fleisches, aber mir nehmen sie jede Lust darauf.
Henny kontrolliert das Wechselgeld mit einem kritischen Blick zurück auf die Waagschale. Beschissen wurden wir schon ein paar Mal, nie um viel, aber eben, man muss auf der Hut sein.
Der ärgste Beschiss war im Restaurant neben dem Campingplatz in Tozeur. Wir hatten Couscous, Tee und Bier. Weil wir ein kleines Missverständnis beim Bestellen hatten, spendiert uns der Wirt vermeintlich grosszügig ein Omelett und eine Berber-Pizza. Bezahlt haben wir dafür 50 Dinar (!!), welcher etwa 1:1 zum Schweizer Franken steht. Geschnallt haben wir es erst daheim, weil ich noch einen halben Liter Olivenöl bei ihm kaufte und der Preis Anlass zu viel Diskussion gab. Was soll's! Man ist immer selber schuld!
Dieses zuckersüsse Haus steht in Tozeur. Man könnte es glatt vernaschen!
Da der Campingplatz in Tozeur ganz in der Nähe des Festivals liegt, ziehen Henny und ich am Abend nochmals los, um uns die Musikveranstaltung anzusehen. Aber es dauert so lange, dass wir wieder abziehen.

Wir kommen am Hotel DAR Cherait vorbei und sind schwer beeindruckt. Das 5-Sterne-Hotel wurde innen und aussen im typischen Tozeur-Stil erbaut. Es ist sieht wild romantisch aus in der künstlichen Nacht-Beleuchtung.

Ob wir da mal näher ran dürfen? Wir haben total lehmverdreckte Schuhe, haben Jeans und Fleece an und sehen nicht gerade aus, als ob wir ein dickes Portemonnaie in der Tasche hätten! 
Wir spazieren erst in den anliegenden Räumen und Innenhöfen des Hotels herum und wagen uns dann sogar in die Hotel-Lounge.
Die Innenräume lassen uns erblassen! Uns bleibt die Spuke weg. Was man auf den Bildern leider nicht sieht, ist die entsprechende Farbenpracht!
Auch der Gang zu den Shops und zum dazugehörigen Museum ist schwer beeindruckend.

Henny meint, es wäre wohl ein hübscher Spass, sich für eine Nacht lang so ein Hotel zu leisten! Na ja, wieso nicht! Ich müsste allerdings meinen Zorro mitnehmen dürfen. Als wir aber wieder gehen, merke ich, dass es mir ganz recht ist, den edlen Laden wieder verlassen zu können!.
Nefta statten wir nur einen kurzen Besuch ab. Die "Route touristique" führt oberhalb des Dorfes in einem weiten Bogen um die berühmte "Corbeille du Nefta": Die Oase Neftas. 
Wir fahren aus Nefta hinaus Richtung algerische Grenze auf der Suche nach einem Stellplatz in der Stille der Wüste. Wir passieren eine Passkontrolle, fahren auf einen Hügel rauf, wo aber leider jede Menge Kinder schon auf uns warten. Sie wollen uns Sandrosen und anderes Zeug verkaufen. Ich lehne ab, will nichts kaufen. Der eine Junge meint, ich solle tauschen. Mein Feuerzeug gegen eine Sandrose. Ok. das ist ein Deal. Ich bekomme eine hübsche, faustgrosse Sandrose, die wirklich wie das versteinerte Abbild einer Rose aussieht.
Etwa 20km vor der Algerischen Grenze kehren wir um. Zwischen Nefta und Tozeur finden wir dann endlich doch noch einen stillen Platz.

Auf einem Hügelkamm mit 360° Rundumblick stehen wir genügend weit weg von der Strasse und jeder sonstigen Belästigung. Herrlich! Sowas suchen wir schon lange. Meist war der Boden zu sandig, um ihn befahren zu können. Hier hat es aber endlich genügend steiniges Material, so dass uns der Boden recht gut trägt. 

Der Himmel ist den ganzen Tag bedeckt. Eine Art Dunst lässt alles ein wenig farblos erscheinen und wir hoffen, dass der nächste Tag wieder Sonnenschein bringt!
Der Morgen bricht an und wartet mit einem strahlend klaren Himmel auf! Und es ist schon am frühen Morgen warm. Endlich kann ich wieder barfuss rum laufen und dünne und leichte Sachen anhaben.

Im Sand entdecke ich beinahe unscheinbare Blumen. Ich meine, es sei Safran. Bin mir aber nicht ganz sicher. 
Von diesen stacheligen Dingern hat es jede Menge. Ich habe Bedenken, dass sie uns ein Loch in die Reifen stechen könnten.
Von unserem Platz aus sehen wir über eine Oase und deren Dattelspeicher bis zu den fernen Bergen, zu denen wir heute noch wollen. In diesen Bergen, die Ausläufer des Hohen Atlas sind, liegen Bergoasen, die mit wilden Schluchten und steinernen Bergdörfern locken. 
Auf meinem Morgenspazier entdecke ich eine farbenfrohe Raupe, die sich fleissig durch das eh schon magere Geäst eines Gebüsches frisst.

Auch einen Schmetterling entdecke ich. Und das am Vor-Silvester-Tag!
Grosse schwarze Ameisen hinterlassen auffällige Mini-Hügel mit goldenen Sandkügelchen, die sie beim Aushub ihres Baus an den Rand tragen, bis ein tiefer Krater entsteht. Ich füttere sie mit wenig Brot und beobachte, wie sie langsam, aber offensichtlich gerne die Brocken in ihre Behausung schleppen. Sie werden noch jede Menge Brosamen von unserem Frühstück vorfinden. Sozusagen ein Schlemmermahl für diese fleissigen Tiere.
30. Dezember 2006: Chebika
Paradiesische Oasenschlucht
Auch wenn uns der Platz der letzten Nacht gut gefällt, sind wir doch genügend unternehmungslustig, um die Weiterreise anzutreten. Gegen Mittag, nach einer herrlichen Dusche und langem Draussen-Sein (es ist 23°) fahren wir ab, um einen weiteren Salzsee, den Chott el Gharsa, zu queren, bzw. an ihm entlang zu fahren.

Kamele stehen in der Einöde und beäugen uns aus sicherer Distanz. Das rote Schild übrigens warnt davor, dass Dromedare hier die Strasse queren. Als ob diese Riesentiere zu übersehen wären... oder etwa doch?
Die Strasse führt uns im spitzen Winkel auf die Berge zu, die immer grösser und gigantischer werden! Man sieht ihnen die Verwandtschaft mit dem Hohen Atlas aus Marokko an! Scheinbar endlos führt sie von Ost nach West. Wenn ich es recht bedenke, ein super Flugberg! Allerdings fehlen wohl die Strassen, die rauf, auf die nicht vorhandenen Startplätze führen würden!
Wir fahren mit den Womos hoch zum Parkplatz und Ausgangspunkt der Wanderung in die Schlucht, steigen aus, gehen wenige Meter und haben den Blick frei auf die Oase, die sich in der dahinter liegenden Schlucht dahin schlängelt. Welch paradiesische Pracht!

In Chebika laufen wir durch das ehemalige Dorf, welches zu einem grossen Teil bei einem Hochwasser aus dem Canyon davon geschwemmt wurde.

Ein Steinbock (oder ein Geissbock?) steht auf einem Felsvorsprung und lacht die Besucher von hoher Warte aus an/aus.
Natürlich hat es auch hier Kinder, die die Touristen abpassen. Sie drängen uns farbige Halsketten aus Lehm auf. Sie hängen sie uns einfach auf die Schulter. Ich hänge mir eine um den Hals und gehe weiter. Irgendwann gebe ich ihr dann halt den verlangten Dinar. Henny erzählt, das eine Mädel hätte sogar vorgespielt, zu weinen, als Henny ihr die Kette nicht abkaufen wollte. Schon recht dreist! Aber wenigstens machen sie mir den Zorro nicht irre. Sie laufen zwar mit und wollen ihn streicheln und rufen ihm immer wieder zu. Aber sie werfen keine Steine und sind auch sonst nicht hinterlistig. Das ist, verglichen mit Marokko, Sahnekuchen. 
Die Berge in gold-ocker-rot glühen in der späten Nachmittagssonne. Wir kommen ins Schwitzen, während wir nach oben klettern, um die Pracht möglichst von oben geniessen zu können.
Immer wieder neue Ausblicke und Anblicke dieser Bergwelt! Obwohl, die Berge hier sind eigentlich Hügel! Der höchste Punkt ist ca. 800m. Und wir sind wohl höchstens auf 400-500 Metern. Aber es reichen bekanntlich ja wenige Höhenmeter, um gigantische Ausblicke zu ermöglichen!
Dort, wo das Wasser aus dem engen Felsspalt tritt, hat sich ein türkisfarbener Teich gebildet. Palmen stehen rings umher. Ein wirklich toller Anblick.
Der Weg führt in der Schlucht weiter und gibt immer wieder hübsche Anblicke auf das sich zwischen Felsen dahin schlängelnde Bachbett frei. Das Wasser ist sogar warm!
Kurz nach Chebika finden wir rechterhand eine steinige Piste, die hoch an den unteren Rand der Berge führt. So sind wir genügend weit weg von der Strasse, und sogar ein wenig erhöht, um den Blick in die Ferne zu haben. Gleich hinter uns befindet sich eine Mini-Oase. Ein paar Palmen werden von einem dünnen Rinnsal aus den Bergen genährt. Am Abend hören wir die Frösche quaken. 
Von unserem Platz aus sehen wir der Bergkette entlang und entdecken, dass es noch einige solcher, schmalen Palmen-Oasen gibt, gespeist von kleinen Bächen, die aus den Bergen fliessen.
Es ist so warm heute, dass wir sogar draussen zu Abend essen können. Besser könnte es für einen Vorsilvester-Abend nicht sein! Henny und ich sitzen nach dem Essen noch eine Weile draussen, verzaubert vom Lichterspiel der langsam dahinschwindenden Dämmerung.

Es ist schon dunkel, als wir beobachten wie ein Offroader zu uns hoch fährt. Super! Ist man denn nirgends alleine? Es stellt sich heraus, dass es die Polizei ist. Wir zeigen unsere Papiere. Der junge Beamte spricht gut Französisch, und wir staunen über seine charmante Art, mit uns umzugehen.


 
Bevor er wieder geht, fragt er noch, ob wir heute auch schon "Mouton" (Schaffleisch) bekommen hätten - heute ist ein Festtag, wie wir hörten - und ob wir welches haben wollten. Wir erklärten, dass wir soeben zu Abend gegessen hätten. Und nein, Steine hätten wir noch keine gekauft.

Eine halbe Stunde später hupt es draussen und der nette Polizeibeamte ist schon wieder da und packt aus seinem Auto jede Menge Steine! Alle für uns. Wir sollen sie uns teilen! Es sind 8 Stück, ca. 7 - 15cm dicke "Kuller", die geteilt ihr glitzerndes Innenleben preis geben! Herrlich feine weisse bis goldene Kristalle in vielen kleinen Spitzen lugen aus den ansonsten unscheinbaren Steinkugeln heraus. Wundervoll! Er fuhr so schnell wieder ab, dass ich mir nicht einmal überlegen konnte, was wir ihm dafür schenken könnten!
Am anderen Morgen klettere ich noch vor dem Frühstück auf die hinter uns liegenden Schutthügel. Immer wieder erstaunt es mich, wie viel auch nur ganz wenige Höhenmeter ausmachen! Von hier oben sehe ich eine mit tiefen Furchen ausgewaschene Landschaft. Nur schon für diesen Anblick hat sich der Aufstieg in der morgendlichen Kälte gelohnt!
Als ich zurückkehre, sehe ich den Polizisten bei uns stehen. Schon wieder? Noch mehr Geschenke? Kann ja wohl nicht sein! Und ob! Er ist extra nochmals hergekommen, um mir einen kleinen Souvenir-Korb und Henny einen Brotkorb mit einem 9. Stein (auf das wir keinen Streit beim Teilen bekommen?) zu überbringen. Wir machen ein Foto und er bekommt meine Visitenkarte anstelle einer Adresse in der Schweiz (ihn selbst darf ich im Internet nicht präsentieren!). Wir können ihn weder zum Frühstück noch zu einem Kaffee überreden. Er will nicht. Kann man nichts machen. Wir sitzen noch eine Weile draussen, trinken Kaffee und versuchen mit Reden Tunesiens Freundlichkeit zu erfassen.
Nochmals ein Blick zurück auf unsere ganz "private" Oase und diesen friedlichen Platz mit guter Atmosphäre und weiter geht unsere Reise.

Koordinaten: 34° 20' 17,20" N - 07° 54' 48,00" O
31. Dezember 2006: Tamerza - Mides
Berglandschaften - Canyons
Unser Weg führt rein in die Berge. Schon bald nach Chebika führt die Strasse in engen und steilen Windungen die Berge hoch.

Famose Ausblicke ergeben sich!
Die Wasserfälle bei Tamerza sind leider viel zu touristisch. Wir sind recht schnell wieder weg. 
Dafür gefällt mir der Teeverkäufer beim zweiten Wasserfall. Wirklich, die Leute habe Humor, lachen gerne und machen andauernd ihre Witze!
Das alte Tamerza, unbewohnt, sieht dafür wieder sehr speziell aus, wie es am Rande des trockenen Flussbetts steht, langgezogen, auseinanderfallend und trotzdem reizvoll! Es scheint, die alten Heiligtümer werden renoviert und offensichtlich in Stand gehalten. Auch wenn das ganze Dorf ringsherum zusammenbricht.
Nach ca. weiteren 10-15 km landen wir in Mides. Dies ist das grenznaheste Dorf. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung nach Algerien. Auch hier steht das alte verfallene Mides am spektakulärsten Ort, nämlich am Rande einer tiefen Schlucht.
Steil fällt diese Seite in den Canyon. Das Gestein ist hier recht porös und mich erstaunt es ein wenig, dass sie Touristen hier entlang laufen lassen.
Der eine Felsen sieht aus wie ein Unterseeboot! 
In der nahen Palmenoase steht der gelbe Klee in voller Blüte. 
Für die Nacht fahren wir vom Rummel und den ein wenig nahen Bergen weg, so dass wir möglichst lange Sonne haben. Wir finden tatsächlich noch auf dem Plateau oben eine Steinpiste, die uns weg von der Strasse, ein wenig in die Höhe, und hinter einen Hügel bringt.
Wunderbarer Silvesterplatz! Hier herrscht Ruhe und Weite und nichts anderes! Wir essen wieder draussen, und schauen zu, wie die Sonne sich ein letztes Mal für dieses Jahr zur Ruhe begibt. Während ich rein räume, sehe ich eine Sternschnuppe! Das nächste Jahr wird ein gutes!

Die rote Hügelkette im Norden, also an der algerischen Grenze, sieht aus wie Ayers Rock. Eine weite Hochebene breitet sich hier oben aus. Wir sind auf schätzungsweise 700m Höhe.

Koordinaten: 34° 24' 22,98" N - 08° 02' 10,06" O
Als ich am anderen Morgen ein wenig in der Gegend herumspaziere, entdecke ich diese Melonen. Zuerst dachte ich, da hat wer Früchte weggeleert, Orangen, die schon gelb sind. Ich staune nicht schlecht, als ich bemerke, dass die Dinger aber an einer, wenn auch schon recht ausgedörrten Pflanze, hängen! Wie geht das? Melonen in der Wüste?
1. - 3. Januar 2007: Metlaoui - Seldja-Schlucht - Wüste, westlich von Douz
"Le Lezard Rouge" - Schluchtenwanderung - Wüstenerlebnisse
Die Fahrt von Tamerza bis nach Metlaoui führt erst über eine eher eintönige Hochebene. Hier sehen wir einige Kamele, und ab und zu steht ein Marabout (Grab eines Heiligen) einsam in der Gegend.
Später führt sie durch die Phosphat-Abbaugebiete. Die Dörfer hier sind potthässlich und irgendwie scheinen auch die Menschen hier keine Ausstrahlung zu haben. Wir fahren recht zügig aus den Bergen und überqueren dabei immer wieder die Bahnlinie. Eine Zugverbindung, die nebst dem regulären Personen und Warentransport auch einen Touristenzug, den "Lezard Rouge" durch die Schlucht von Seldja führt.
Die Strasse führt teilweise in engen Serpentinen quer durch die Abbaugebiete.
Nach Metlaoui geht es wieder ein Stück zurück Richtung Berge, bzw. Richtung Schlucht. Die Seldja-Schlucht ist an sich sehr touristisch. Da wir aber gegen Abend und zudem an einem Sonntag hinkommen, ist fast nichts los. Die Berge leuchten im späten Sonnenlicht. Zusammen mit dem breiten Flussbett sieht das sehr malerisch aus. Ausklammern muss man dabei das Wissen, dass in diesem Fluss kaum Leben ist, da er aus den Phosphatgebieten kommt.
Im Gegenlicht wirkt das an sich lehmigbraune Wasser wie flüssiges Blei.
Rainer trifft auf einen Führer, mit dem wir ein wenig reden und der uns kurzerhand durch zwei Tunnels in die Schlucht führt. Eigentlich wollten wir einfach ein wenig rumspazieren. Doch der Weg führt sogleich in die Eisenbahntunnels und daher ist es gut, dass wir einen kundigen Führer haben, der die Zeiten der Züge kennt. Er versichert uns dann auch, dass der nächste Zug erst viel später kommt.

Das Sonnenlicht kommt hier wohl nur im Sommer ganz in die Schlucht rein. Und dann soll es hier sehr heiss werden. So um die 45°, sagt man uns.
Als wir den zweiten Tunnel schon ein Stück hinter uns haben, taucht tatsächlich ein Zug aus der Gegenrichtung auf. Er führt wohl Phosphat mit sich. Auf den hinteren Güterwagons sitzen ein paar junge Männer. Es muss eiskalt sein im Fahrtwind!

Auch diese Gegend wurde scheinbar schon als Filmkulisse für diverse Western benutzt.

Während der Zug an uns vorbei donnert muss ich den Zorro gut festhalten. Es ist enorm laut. Nicht auszumalen, wenn wir diesen Zug im Tunnel getroffen hätten! Theoretisch wäre das schon möglich, denn es sind mehrere Schlupflöcher für solche Fälle vorgesehen. Aber, der Lärm! Nicht auszuhalten! 
Auf dem Rückweg lassen wir den letzten Tunnel weg und nehmen den Weg am Fluss entlang. Wir müssen eine Lehmfurt queren und Henny rutscht mit einem Fuss rein. Von der Wade ab ist das eine Bein total verschlammt.

Durch die nachfolgende Felsspalte quetschen wir uns gerade so durch. Viel breiter dürfte der Allerwerteste nicht sein! 
Das lehmige Hosenbein und der Klumpfuss wird in der kleinen Oase beim Parkplatz gewaschen. Höchste Zeit, denn der Lehm  wird langsam hart. 

Dem Führer geben wir etwas für seine nette und informationsreiche Führung, auch wenn er nicht darum gebeten hat.

Wir fahren ein Stück in die Steinwüste und stellen uns irgendwo in die Landschaft. Doch wir stehen nicht lange, da taucht die Garde Nationale auf und will uns wegschicken. Ein junger Typ, der sehr nett ist, und eine Lady, die eher ein bisschen rabiat auf uns wirkt, diskutieren, telefonieren mit dem Chef und kommen schliesslich zum Schluss, dass wir hier nicht bleiben dürfen. Wir sollen ihnen folgen, sie würden uns einen Platz zeigen, wo wir sicherer stehen würden. Da sich der junge Typ wirklich bemüht hat, seine Obrigkeit zu überzeugen, wenn auch ohne Erfolg, geben wir nach und erklären uns einverstanden, den Platz zu wechseln. Sie führen uns an den Rand des Dorfes, in der Nähe der Strasse, wo eine Strassenpatrouille die ganze Nacht stehen wird und uns im Auge behalten kann. Leider stehen wir hier sozusagen auf der Müllhalde und die nahe Strasse ist auch nicht gerade das, was wir unter einem idyllischen Stellplatz verstehen. Aber es ist schon eine Weile dunkel und es hat keinen Sinn, den Platz jetzt nochmals zu wechseln. Wir werden es überleben.  
Am anderen Morgen fahren wir noch vor dem Frühstück ab, um es ein Stück weiter draussen zu geniessen. Der Genuss hält sich allerdings auch hier in Grenzen, denn die nahe Strasse ist dermassen laut! Der Strassenbelag hier in der Wüste ist überall sehr grobkörnig, so dass jedes Auto schon von weitem zu hören ist, geschweige vom Krach der Lastwagen.

Kamele queren immer wieder mal die Fahrbahn.
In Kebili machen wir einen Einkaufshalt. Hier gibt es nebst diesem bunten Allerlei-Shop auch ein Warenhaus. Aber viel mehr als in einem kleinen Laden findet man auch hier nicht. Es hat nur schlicht für das etwa gleiche Angebot viel mehr Platz.
Wir fahren von Kebili aus in die Wüste, die sich südlich vom Chott und westlich von Kebili und Douz ausbreitet. Aber einen Stellplatz zu finden ist für unsere Wömis einfach schwierig! Und da passiert es, dass Rainer sich, verführt von mit Salz bedecktem Sand, verleiten lässt und sich darin festfährt. Das Salz sieht aus wie Frost und daher für's Auge wie hartgefrorener Boden. Auch wenn man weiss, dass es Salz ist, so täuscht es einen doch recht. Die hinteren Räder haben sich eingegraben.

Der Vollmond steht hoch und erhellt die ganze missliche Szenerie!
Während Rainer mit der Schaufel den Boden hinter den Rädern freischaufelt, taucht ein Mann mit seinem Allradfahrzeug auf. Er will uns helfen und das Womo rausziehen. Doch wir haben alle kein Abschleppseil dabei. Gut sind wir ausgerüstet, nicht?! (H&R kaufen sich gleich in den nächsten Tagen ein ordentliches Seil!)
Das eine Seil, dass er hervorholt, schaut nicht so toll aus, aber Probieren geht über Studieren. Wie befürchtet reisst es. Er spricht kein Französisch, kann uns aber klar machen, dass er nicht weit weg wohnt und ein anderes Seil holen will. Ok. Wir warten. Es geht nicht lange, und er taucht wieder auf, diesmal mit einem dickeren blauen Kunststoffseil. Ob das hält? Es hält!
Wenig später steht der Clou von H&R wieder auf der festen Piste. Bevor Henny aussteigen und ihm etwas Geld geben kann, ist er auch schon abgefahren. Rainer und ich haben uns bei ihm bedankt, er stieg ein und weg war er. Das ging einfach viel zu schnell. Schade. Denn wenigstens für das andere Seil, das kaputt ging, hätten sie ihm gerne etwas gegeben!
Wir bleiben, wo wir sind. Auf einer Nebenpiste, die wohl kaum befahren wird. Am anderen Morgen lacht wieder die Sonne.

Sukkulenten stehen um uns herum in der Wüste. Eine einladende Gegend hier! Palmwedel sind als Wind- bzw. Sandschutz quer über's Land gespannt. An Orten, wo bewässert wird, wächst sogar hohes Schilfrohr.   
Wir frühstücken draussen. Ein Mopedfahrer kommt vorbei und bringt uns Datteln. Er erzählt, dass hier auch Erdnüsse angepflanzt werden.

Henny und ich gehen auf einen kleinen Spazier zur nahegelegenen Oase....
... welche mit jungen Dattelpalmen bepflanzt ist und mit langen Wasserrohren fleissig gewässert wird.
Auf unserer Weiterfahrt probieren wir die eine und andere Piste aus, aber entweder müssten wir auf der Piste stehen bleiben, was wir nicht wollen, oder sie versandet irgendwo. Wir sind halt leider keine Offroader! Kamele beäugen uns kritisch und reklamieren lauthals, als ich sie fotografiere.
Endlich finden wir eine breite und hartgefahrene Piste. Hier bleiben wir für eine weitere Nacht. Auch dieser Platz ist nicht der gemütliche Wüstenplatz, den wir uns erhofft haben. Aber immerhin sind wir weit weg von der Strasse.

Am anderen Morgen hat der starke Wind meine "Unterwex-Schrift" auf der Kühlerhaube quasi schattiert. Der Sand klebt regelrecht auf dem Lack und wird auch noch nie nächsten Tage so stehen bleiben!
Ein langer Spazier mit Henny führt uns zu einer Oase in welcher ein Touristencamp aufgebaut wurde. Es stehen Beduinenzelte auf dem Platz, es hat WC und Duschen, aber keine Menschenseele weit und breit! Die Feldbetten sehen aus, als ob sie gerade verlassen worden wären und in der Oase liegen Datteln rum, wie wenn gerade erst noch gearbeitet worden wäre. Komisch. Wieso ist hier keiner? Wir erklären es uns mit dem Markt, der heute in Douz stattfindet. Wahrscheinlich sind alle dorthin. Hier draussen, weit ab von der Strasse, hat wohl kaum einer zu befürchten, dass etwas wegkommen könnte.
Bald sind wir wieder in Douz. Die Palmenhaine sind endlos. Die Datteln werden hier mit Plastik eingepackt. Als Schutz vor Staub und Sand? Oder als Gedeih-Hilfe? Wir wissen es nicht. Doch solch mächtige und gut gewachsene Palmen habe ich nur in Douz gesehen. 
Wir gehen ein letztes Mal auf dem Markt in Douz einkaufen und ein letztes Mal ins Café über dem grossen Marktplatz. Douz ist wirklich reizvoll. Nach all den anderen Oasenstädten, die wir mittlerweile gesehen haben, da sind wir uns einig, ist Douz mit Abstand das netteste Dorf und ein Ort mit interessanter Atmosphäre!

Wir verlassen die Sahara mit ihrem teils pulvrig, teils salzig-karstigen Sand, den grünen Oasen, den roten Bergen, schroffen und steilen Schluchten und bizarren Chotts! Unser Weg führt uns zurück zur Küste. Für die kälteste Jahreszeit, den Januar, wollen wir uns eine wärmere Ecke am Meer suchen. Auch wenn wir schon eine Weile viel ruhiger und gemächlicher geworden sind, haben wir es doch nirgends geschafft, eine gemütliche Ecke für ein paar Tage zu finden. Der Wüstensand ist für uns nicht befahrbar. In Marokko war dies viel einfacher, da vor allem Steinwüste vorherrschte. Nun hoffen wir also, irgendwo am Meer eine ruhige Ecke zu finden, wo wir uns mal so richtig für ein paar Tage hängen lassen können. Die Teamatmosphäre ist wieder intakt und Rainer und ich haben das Kriegsbeil begraben (schon eine Weile). So schnell wir beide aufbrausen, so schnell beruhigen wir uns auch wieder. Wir sind uns wohl beide in gewissen Belangen recht ähnlich, zudem sehr impulsiv. Also quasi eine explosive Mischung ;-) Gut, dass Henny da meist als Vermittelnde die Waagschale hält! Sie und wohl auch Zorro sind das ausgleichende Prinzip in unserer Mannschaft. Rainer würde sagen: "Hey Manni, wir sind schon eine krasse Herde!" 

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