4. - 5. Januar 2007: Tamezret - Matmata
Höhlenwohnungen und wilde Landschaft |
Nun,
bevor wir an die Küste kommen, gilt es eine ca. 80km lange Strecke zu
bewältigen, die unsere Womos auf's Ärgste fordert. Diese Asphaltpiste ist zwar
noch jung - im Jahre 1998 erbaut - aber der grobe und rissige Belag schüttelt
unsere und jene Innereien unserer Womos dermassen durch, dass man Angst um jede lockere
Schraube haben muss. Hinzu kommt, dass die Wüste hier recht öde ist und über die
ganze Distanz kaum Abwechslung für's Auge bietet.
In Tamezret ändert sich das fast schlagartig. |
Leider
bläst ein bitterkalter Wind. Wir verzichten auf einen Spazier und sorgen uns
lieber um unseren Stellplatz für die nächste Nacht. |
In
Tamezret fängt die Landschaft an, sich quasi zu falten. Aus Ebene wird
Wellental. Aus Wellental erodierte Hügel und daraus kantige Berge, ebenso
erodiert. Hier wächst kein Baum und noch immer recht wenig Grün, sodass das
poröse Gestein überall bröckelt und tiefe Furchen entstehen. Fruchtbarer Boden
findet sich allerdings in den Ebenen, die teilweise sogar terrassiert werden, um
möglichst viel von der wertvollen Erde behalten zu können.
Unser Stellplatz wäre nicht übel. Aber der Wind bläst dermassen heftig und kalt,
dass man es draussen kaum lange aushält. |
So
sieht das aus, wenn kaum mehr ein Baum die Erde zusammen hält. |
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Der Blick von einem nahegelegenen Hügel auf das Tal, in welchem wir eine ruhige
und nette Stelle zum Übernachten gefunden haben. Wäre das Wetter milder, es wäre
ein Traumplatz zum länger stehen. Darum hier die Koordinaten: 33° 33' 59,16" N -
9° 55' 11,57" O |
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Bei
der Abfahrt entdecke ich diese erste Höhlenwohnung, die charakteristisch für
diese Gegend ist. Irgendwo aus dem Boden oberhalb der Wohnung schaut eine Antenne raus... |
Auch
diese Viecher leben hier. Ebenfalls in Höhlen. Sie haben etwa die Grösse von
Meerschweinchen, sehen aber eher wie Murmeltiere aus. Erdhörnchen? Auf alle Fälle muss es massig davon haben,
denn man sieht hier überall entsprechende Erdlöcher. |
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Fruchtbare
Geländemulden. |
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Wenn
man von Matmata aus Richtung Gabes fährt sieht man diese Aufforstungsversuche.
Es sind Föhren, die hier in ferner Zukunft hoffentlich für fruchtbareren Boden
sorgen. |
In
Matmata ist es arg touristisch. Wir beschliessen, uns wenigstens ein Hotel,
nämlich das Hotel Mahala, anzuschauen. Matmata ist berühmt für seine
Höhlenwohnungen (Troglodyten). Die meisten dieser Erdbehausungen sind nach dem Grundriss eines
kreisförmigen Brunnens mit ca. 10m Durchmesser angelegt. Von diesem
unterirdischen Innenhof gehen verschiedene Räume ab: Küche, Schlafzimmer usw.
Bei einem Hotel natürlich auch WC, Rezeption, Bar usw. |
Wir
sind gerade kurz vor der Mittagszeit hier und das ist gut so. Denn ansonsten
würden wir hier von essenden Touristen umzingelt sein! |
Eine
Übernachtung hier ist billig! Ca. 11 Dinar mit Frühstück. Sogar noch günstiger
als eine Jugendherberge in der Schweiz. Und das Raumklima ist wirklich gut. Ich
frage mich allerdings, ob dies so bleibt, wenn fünf oder mehr Personen in so
einem Raum ohne Fenster schlafen... |
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Diese Höhlenwohnung wird wirklich noch bewohnt. Die meisten wohnen mittlerweile
oberhalb und zeigen ihre früheren Wohnungen den Touristen. Wir meinen, es sind
wohl die Ärmsten hier, die sich noch kein neues Haus "über der Erde" leisten
können. Dieser Besitz umfasst eine Handvoll Geissen, einen Esel, einen Hund und
ein paar Hühner. Eines ist sicher: das Klima in diesen "Mulden" ist angenehm.
Kein kalter Wind, Schatten oder Sonne je nach Bedarf, und in den heissen Sommern
ist es in den Höhlenwohnungen angenehm kühl. |
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6. - 15. Januar 2007: Djerba
Ferien auf der Insel |
Wir
stellen uns in die Kolonne vor dem Kassenhäuschen für die Fähre rüber auf Djerba.
Auf der Gegenseite sehe ich gerade noch diese originelle Fracht von Bord gehen.
Nicht dass es sowas selten zu sehen gibt, aber meist kommen sie einem während
der eigenen Fahrt entgegen und dann geht eben Fotografieren recht schlecht. |
Eine
kurze Fährenfahrt bringt uns für 3 Dinar auf die Halbinsel Djerba. Wir freuen
uns, endlich wieder einmal Meer zu sehen und zu riechen, und sind gespannt, was
diese Ferieninsel uns beschert.
Wir haben es gerade noch als Letzte auf diese Fähre geschafft. Sie ist ansonsten
voll mit Offroadern, die mit ihren Touristen aus der Bergen zurückkehren. |
Gleich
im ersten Dorf, in Adijm biegen wir links ab. Eine festgefahrene Piste führt
direkt am Meer entlang. Das Land hier ist an sich öde, ein paar wenige
jämmerliche Palmen stehen verlassen da und der Boden ist sich hier selbst bzw.
dem Meer überlassen. Es ist kein Problem, hier einen Platz zu finden, wo man
ungestört stehen bleiben kann. |
Wir
geniessen den Blick auf's Meer und die untergehende Sonne. Sie verschwindet um
halb sechs hinter dem Horizont. Der noch immer fast volle Mond geht zwei Stunden
später genau auf der gegenüberliegenden Seite auf. |
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Die Küste hier ist, wenn schon, im Mikrokosmos sehenswert. Die Ebbe hat die
flache Zone freigegeben und ich fotografiere diese Muscheln und Co. am frühen
Morgen. Ich liebe es immer wieder auf's Neue unbekannte Ecken und Flecken zu
erkunden. Meist gehe ich nicht sehr weit. Fast immer reichen wenige Meter aus,
um Entdeckungen zu machen. |
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Der
Spritfilter bei H&R Womo ist total verschlammt. Auf den letzten Kilometern
konnten sie gestern nur noch halbe Touren fahren. Heute wird er gereinigt und
wieder eingesetzt. |
Ein
paar wenige Menschen sind auf der Suche nach Muscheln.
Gegen Mittag, nach ausgiebiger Dusche, Telefonschwatz und Putzarbeiten brechen
wir auf, um der Piste weiter dem Meer entlang zu folgen. Irgendwann wird es uns
zu bunt. Immer mehr Schlammlöcher veranlassen uns zu holprigen Umfahrungen. Die
nächste, die rechts weg zurück zur Hauptstrasse führt nehmen wir und werden
nochmals arg durchgeschaukelt. Irgendwie hab ich mir Djerba anders vorgestellt
;-)) |
So,
Houmt Souk ist die Hauptstadt der Insel Djerba. Wir fahren zur Festung, welche in
der Nähe des Hafens steht und gehen von dort aus die nähere Umgebung, vor allem
den Hafen, auskundschaften. |
Diese
verrückten Holzfregatten werden für touristische Zwecke eingesetzt. Wir sehen,
bzw. hören vor allem, wie gerade eines zurückkehrt, die Musik laut aufgedreht!
Und dafür wollen sie 40 Dinar!?
Eines steht schon nach kürzester Zeit fest, Djerba ist teuer! |
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Die
Tontöpfe werden zum Pulpo-Fangen eingesetzt. Die armen dummen Dinger meinen, es
lasse sich behaglich darin hausen! |
Entweder
hatten die eine besonders feuchte Nacht oder die Sonne scheint die Männer zu
einer "Frühlingsputzete" verlockt zu haben! Ich tippe eher auf ersteres! |
Der
Souk und die Medina von Houmt Souk ist an sich hübsch angelegt. Immer wieder
öffnen sich grössere Plätze, wo man in Cafés sitzen und dem Treiben zuschauen
kann. Auch gibt es hin und wieder Läden mit Fixpreisen, in denen man schön
"rumschnüffeln" kann. Wie gesagt sind die Preise hier aber dermassen hoch, dass
es einem die Lust nehmen kann.
Für einen Bastteppich, für den H&R in Hergla 2 Dinar bezahlt hatten, wollten sie
hier 20 Dinar! Wir haben nur gelacht und sind weiter gelaufen. Irgendwann, am
Ende unserer Tour sah ich einen kleinen Laden in einer Nebengasse, der
offensichtlich für die Einheimischen war. Hier erstand ich solch einen Teppich
für 2.50 Dinar. Was sind wir Touristen doch manchmal blöd!
Für's Abendessen kauf ich mir zwei Briks. Das sind Teigtaschen, welche mit einem
rohen Ei und Gewürzen gefüllt werden und dann frittiert. Das Ei wird hart und es
schmeckt lecker. Zwei Stück für 1 Dinar und ich hab zu Abend gegessen. So
gesehen ist das Leben doch nicht teuer! :-)) |
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Wir stellen uns für die Nacht hinter die Festung, direkt an's Meer. Der Blick
während der Dämmerung zum Hafen ist schön und vermittelt eine ruhige und
friedliche Stimmung. |
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An dieser Ecke bleiben wir für eine weitere Nacht. Es ist praktisch. Von hier
erreichen wir den Markt zu Fuss und auch der Internet-Point ist nicht allzu weit
weg. Der Upload der Homepage erweist sich aber als langwierig. Das Rundschreiben
kann ich überhaupt nicht abschicken, weil es unmöglich ist, mehrere Adressen
zu kopieren. Nun denn, vielleicht klappt es beim nächsten Mal. Von Rainer
habe ich eine kleine Software erhalten, mit der ich den nächsten Versand von
meinem PC aus vorbereiten kann und dann beim nächsten Besuch in einem Internet-Point die Mails direkt ab dem Stick ins Netz jagen kann. Wir werden
sehen, wie gut es klappt. |
Zur Zeit habe ich echte Batterieprobleme. Es scheint, mein PC frisst mehr als
erlaubt. Und da der Sonnenstand halt wirklich noch nicht sehr hoch ist, wird die
Ladebatterie nur knapp gefüllt. Ich tanze also permanent am unteren Rande der
Batterie-Kapazität herum, was ganz schön mühsam ist. Meine PC-Arbeit werde ich,
solange die Sonne nicht länger und höher am Himmel steht, ein wenig einschränken
müssen. Vielleicht erteile ich mir sogar einmal PC-Urlaub? Zur Zeit hängen wir nämlich eh nur
herum und geniessen das Dolce-Far-Niente, das in der Sonne sitzen,
Spazieren und einfach Sein. Also nichts, über das sich viel erzählen liesse. |
Diesen
Widehopf (so glaube ich) entdecke ich auf der Festungsmauer. Später sehe ich
diese Vogelart noch ab und zu. Sein aussergewöhnlicher Rufton verrät ihn
schnell. |
Als
heute Morgen früh die kleinen Segelschiffe auslaufen, verfliesst gerade der Horizont mit
Himmel und Wasser. Die Boote scheinen durch die Luft zu segeln. |
H&R
sind so nett und korrigieren mir meine Reiseberichte. Da ich derart im Rückstand
bin, heisst es diesmal etwa volle 30 A4 Seiten durchzulesen! Solltet ihr also
noch irgendwelche rechtschreiberische Fehler in diesen Texten finden, so wendet
euch bitte direkt an meine Redaktion ;-)
Zu bemängeln gibt es jeweils genügend. Schweizerisches Umgangsdeutsch hält dem
kritischen Verstand und der genauen deutschen Korrektheit und somit dem Rotstift
(fast) nicht stand! Auf ein paar schweizerische Eigenheiten bestehe ich
nämlich. Auch mag ich meine ureigenen Wortkreationen. Da ich keinem
kommerziellen Guru zu Füssen liegen muss, erlaube ich mir diese spassmachenden
Freiheiten. |
Halawa
aux amandes! Jammi! Mega gefährlich gut! Eine Süssspeise, die hauptsächlich aus
Sesampaste und Zucker besteht. Ähnlich dem türkischen Honig, nur ist es eher
weich und pulvrig. |
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Die Händler in Houmt Souk sind ganz schön närrisch. Oder wenigstens ihre
Preisvorstellungen! Da ich von Douz her die Preise kenne, bin ich nicht mehr
gewillt, überteuerte Ware zu kaufen. Die Händler hier sind es aber offenbar
gewohnt, sehr hoch einzusteigen und lassen nicht mehr gross herunter handeln. Na ja,
ich kann warten, bis ich wieder in Hammamet bin. Dort gibt es ebenfalls einen
grossen Markt für Töpferwaren und der ist bestimmt nicht so teuer wie hier! |
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In
Houmt Souk entdecken wir eine ehemalige Karawanserei. Früher die Herbergen für
durchreisende Karawanen samt Tieren und Gepäck, sind es heute originelle Hotels. |
Auf
diesen Innenhof führen alle Zimmer. Die Atmosphäre zeugt von der Ruhe und
der Sicherheit, die wohl schon früher sehr beliebt war und geschätzt wurde. |
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Der eine Teil des Marktes umfasst einen riesigen Platz, auf dem es nur
gebrauchte Kleidung gibt! Es herrscht eine ähnliche Stimmung wie beim Ausverkauf
in der Schweiz. |
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Von Houmt Souk aus führt eine "Route Touristique" der nordöstlichen Küste
entlang. Hier steht Hotel an Hotel. Club Med gibt es gleich zwei hier! Wir
finden aber doch noch eine Ecke, wo gebaut wird und die darum noch zugänglich
ist. |
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Es
ist zwar nicht der Traumplatz, aber ok. Der Sonnenaufgang und das damit
verbundene Prachtwetter macht es uns leicht, mit anderen Dingen Kompromisse
einzugehen. |
Henny
und ich fahren mit meinem Womo los, um einzukaufen und uns für einen anderen
Stellplatz umzusehen.
An der Ostküste, kurz nach den diversen Club Med finden wir einen guten Platz.
Hier ist der Verkehrslärm genug weit weg. Wir haben Sonne von morgens bis
abends. Stehen direkt am Wasser und zudem vom Nordwind geschützt. Einkaufen können wir zu
Fuss oder mit dem Fahrrad.
Vom nahegelegenen Hotel promenieren zwar zu gewissen Zeiten recht viele Rentner,
doch die stören uns nicht sehr. Sie laufen ja auch hinten rum.
Die Einheimischen sind recht zurückhaltend und Zorro, der mittlerweile unser
Womo-Revier gut bewacht hält gar zu freche Jungs auf Abstand. |
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Das
Bild oben und links habe ich bei Sonnenaufgang gemacht. An sich sind die Farben
bei Sonnenuntergang viel spektakulärer. Aber ich meine, dass die besondere
Stimmung, die Ruhe und die Frische auf diesen Bildern gut sichtbar wird. |
Dieser
Marabout steht ganz in der Nähe. Wenn man bedenkt, das dies eine Grabstätte ist!
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Wir
haben wundervolles Wetter! Am Tag ist es so warm, dass man im Bikini rumlatschen
könnte! Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht unseren ersten Sonnenbrand
holen!
Im nahegelegenen Hotel Golf Beach gehen wir mittags, wenn die französischen
Rentner alle am Essen sind, im internen Swimmingpool baden.
Schwimmen macht Kohldampf! |
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Herrlich! Tunesien verwöhnt uns einfach auf wunderbare Art
und Weise! Ich glaube, es herrscht zur Zeit in ganz Europa und auch im
nördlichen Afrika ein ausserordentliches Temperaturhoch. Ich frage mich, wie ein
durchschnittlicher Winter hier so ist. Ein Deutscher erzählte uns zwar, dass es
kalt gewesen sei die letzten Tage (!!), aber ich kann irgendwie nicht glauben, dass
es immer so warm sein soll, wie es gerade ist.
Jeden Abend sitzen wir draussen, schauen zu, wie die Sonne hinter den Palmen
verschwindet und wie das Licht über dem Meer und das Wasser selbst sich in
diverse blau-violette Töne verwandelt. |
Bei
der Pferderanch, die hinter dem Hotel liegt, soll es eine hungrige Hündin mit Jungen
geben, so erzählt uns Doris, eine Berlinerin, die ihren Hund vor sieben Jahren
von hier mit nach Hause nahm.
Henny und ich gehen uns die Kleinen anschauen und müssen leider bestätigt
finden, dass die Mutter beinmager ist. Dabei bräuchte sie gerade in dieser Zeit
richtig gut Futter.
Auf dem Heimweg kaufen wir gleich Thunfisch und Eier ein. Am Nachmittag gehen
wir nochmals vorbei und füttern Mama Hund. |
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Die kleine Braune mit der Brille hat es mir angetan. Bei einem späteren Besuch
(ich gehe die Hündin jeden Tag füttern), kann ich sie hochnehmen und der Mutter
sogar an die Zitzen legen. Anschliessend habe ich den Eindruck, dass die Kleine
am liebsten noch mehr von mir will.... !!! So, jetzt hat es mich erwischt!
Frisch verliebt! In Gedanken hab ich ihr schon einen Namen gegeben: Lunette!
Aber wie soll ich es anstellen, sie ohne Schwierigkeiten durch den Zoll zu
bringen? In den nächsten Tagen überlege ich mir so einige Varianten, verwerfe
den ganzen Plan wieder, kehre aber immer wieder zurück zu dieser blödsinnigen
Idee, mir einen Zweithund dazu zu tun. Die Tatsache, dass er ausgerechnet aus
einem Land mit urbaner Tollwut kommt, macht den Schmuggel nicht gerade
einfacher! Doch die tunesischen Hunde haben es mir angetan. Wie damals schon die
marokkanischen. Sie haben einen sehr ausgeglichenen, und doch sensiblen
Charakter; sind anpassungsfähig und zu allem sehr schön gebaut. |
Dieser
Piepmatz, der wie ein Dieb aussieht, ist gar nicht scheu. Sein Pfeifton ist
eintönig, aber markant.
Die Schwanzfeder reicht übrigens fast bis zur unteren rechten Bildecke!
So, hier an diesem Flecken waren wir fünf Tage. Uns juckt es wieder einmal. Wir
wollen weiter. Haben genug von der Rentner-Promenade und von den Hotelanlagen
links und rechts von uns. Mal schauen, was uns Djerba sonst noch bieten kann. |
Das
nahegelegene Midoun ist kleiner als Houmt Souk. Hat aber fast ebensoviele
Souvenir-Shops! Die Gassen sind ein wenig weiter und lassen mehr Sonnenlicht
herein.
Witzige Wellensittich-Käfige sieht man hier. Auch diverse sehr afrikanisch
anmutende Handwerksarbeiten sind hier zu finden.
Wir verpflegen uns in einem Schnellimbiss mit einer Art Kebab mit Pommes.
Im Markt kaufen wir frisches Gemüse ein. Ein Truthahnfilet, welches wir
morgen zubereiten werden, findet auch den Weg in unsere Einkaufstaschen. |
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Kurz
bevor der Damm anfängt, der Djerba mit dem Festland verbindet, finden wir
linkerhand einen Stellplatz für die Nacht. Die Strasse hört man zwar von hier
aus, dafür gibt es hier keine Hotels, keine Rentner und keinen Sophian, der mich
an unserem letzten Platz partout umschwärmen wollte. Meine klaren Aussagen, dass
er es vergessen solle, machten ihm nicht viel Eindruck. Hartnäckig wie nur was!
Eine kleine Familie Flamingos lässt sich durch meine ufernahe Pirsch nicht
stören. |
Le
Monsieur! Rainer mit kritischem Blick in die Abendsonne. Er sagt, er will wieder
zurück! Zum alten Platz, zu den Rentnern. Na ja, das Womoleben ist ein hartes
Leben. Kein Stellplatz ist perfekt! An jedem findet das kritisch
paradiessuchende Herz etwas auszusetzen. |
Henny
telefoniert mit Kathy, einer australischen Freundin, die zur Zeit auf dem Canal
du Midi überwintert.
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Als
ich am anderen Morgen aufstehe, traue ich meinen Augen erst nicht recht! Nebel?
Hier? Es scheint, der flache See, der sich zwischen Djerba und dem Festland
ausbreitet gibt entsprechend Feuchtigkeit ab. Der Nebel löst sich aber sehr schnell
auf. Und bis dahin ist es zur Abwechslung mal richtig witzig, wie die Landschaft
und vor allem auch die Fischerboote, die schon früh unterwegs sind, aus dem
Nebel auftauchen. |
Auch
dieses an sich langweilige Spinnennetz erhält einen neuartigen Zauber! |
Ich
gehe noch einmal die Flamingos besuchen, die heute morgen munterer sind und
schon fleissig am Fressen. Sie lassen sich durch mich nicht gross beirren. Sie
vergrössern einfach entsprechend den Abstand zu mir, indem sie ein wenig weiter
rauswaten. Ein heisseres Krächzen warnt die Artgenossen vor meiner Anwesenheit. |
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Bevor wir Djerba südwärts verlassen, besuchen wir die Töpferstadt Guellala. Auf
dem Weg dorthin fahren wir an dieser originellen Töpferei vorbei. |
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Wir
schauen uns einige Töpferauslagen an. Das heisst, in Wirklichkeit kommt man
nicht darum herum. Denn das Dorf ist links und rechts voller Töpferwaren. Auf
dem grossen Markplatz sinken wir ermüdet in Plastikstühle und erholen uns bei
frisch gepresstem Orangensaft von den bunten Tellern und Schüsseln und den
unvermeidbaren Lobpreisungen der Verkäufer. |
16. - 22. Januar 2007: Hassi Djerbi - Sangho - Zarzis
- Sidi Ahmed Chaouch - Ben Guerdane
Strandurlaub - Sommerwärme |
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Wir
haben Sonne und Strand geleckt! Auf Djerba, so wissen wir nun, ist die schönste
Stelle um eben dies zu geniessen, genau dort, wo wir waren. Etwas besseres lässt
sich nicht finden.
Vielleicht findet sich ja an der Nordküste bei Zarzis etwas ähnliches? Hotels
hat es hier auch. Und dies ist meist ein untrügliches Zeichen für Sandstrand und
Strassen, die dahin führen.
Etwa 12km vor Zarzis, beim Dorf Hassi Djerbi befindet sich eine kleine, leicht
erhöhte und felsige Landzunge. Ein Marabout steht hier und ein kleines Fischerhaus. Von der
Landstrasse schaut es wunderschön aus. Ob wir dahin kommen? Wir fahren eine
steile Schotterpiste runter, über Sandwege und wieder über eine Schotterstrasse
rauf auf dieses Plateau. Es ist hier zwar ein wenig windiger, aber da das Wetter
es dermassen gut mit uns meint, beschliessen wir, auf diesem originellen Platz
mit prima Aussicht mal mindestens für ein zwei Nächte zu bleiben. |
Ein
paar wenige bunte Fischerboote liegen im kleinen natürlichen Hafen. Es herrscht
hier eine nette untriebsarme Stimmung. |
Auch
hier finden sich massenhaft solche Tontöpfe zwecks Pulpofang. Sie sehen aber
aus, als ob sie schon lange nicht mehr im Einsatz waren. Ich habe den Eindruck,
dass die Fischer den Pulpofang mit Tauchen erledigen. |
Dieser
kleine Junge begleitet mich auf meiner Fotosafari. Er redet nicht mit mir, folgt
seiner Mama keinen Dreck, hat vor Zorro keine Angst und erstaunt mich überhaupt.
Irgendwie scheu und doch ohne Angst.
Einige Fischer kommen jeden Morgen her, um sich ihrem Job zu widmen. Sie grüssen
uns freundlich, bleiben aber auf Distanz. Es ist angenehm. |
Die jungen Kerle, die in der Nähe der Hotels alle anquatschen, auf die immer
gleiche Art und Weise sind weniger gemütlich. Sie sehen in den Touristen eine
Möglichkeit, Geld zu verdienen. Sie bieten ihre Dienste an, sei es als Führer,
als Informant, als Helfer oder als Geliebter. Dass dem so ist, hat wohl damit zu
tun, dass sie Erfolg haben. Und ihre Hartnäckigkeit scheint offensichtlich auch
hin und wieder zum Ziel zu führen.
Henny und mich hält das allerdings nicht davon ab, in einem der ausserordentlich
schön hergerichteten Hotels einen frischgepressten Orangensaft zu trinken und
das Ambiente zu geniessen, wie wenn wir es gebucht hätten! |
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Die Felsen sind festgewordener Sand. Genügend hart, um Häuser und Fahrzeuge zu
tragen, genügend weich, um mit Kritzeleien verziert zu werden. Wind und Wasser
modellieren an einem ewigwährenden und doch stetig sich verändernden Gestein. Es
scheint, als ob sich diese Elemente verewigen wollten. Formen, die direkt an
Wind und Wasser erinnern. |
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Es ist so herrlich warm, dass ich beschliesse, zu baden. Wenigstens kurz mal
rein! Das Wasser ist klar und leuchtet einladend türkis über dem hellen sandigen Meeresgrund. Lang dauert mein Bad nicht! Ich schätze das Wasser ist etwa 16°.
Dafür prickelt es hinterher herrlich auf der Haut! Ein Champagnerbad! |
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Der Mikrokosmos übt auch hier, wie überall, eine starke Faszination auf
mich aus. Wenn ich so auf Fotopirsch bin, vergesse ich die Zeit und alles rings
um mich herum. |
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Wir bleiben zwei Nächte und versuchen dann eine Stelle direkt am Strand zu
finden. Was uns bei Sangho gelingt! Am Ende der Ferienresidenzen finden wir eine
Piste, die direkt am Meer entlang führt, wenig befahren ist, und sich nicht
gerade in unmittelbarer Nähe zu den Hotels befindet. Wunderbar. Wir stehen
direkt am weissen Sandstrand. Bloss blöd, dass ausgerechnet heute ein kühler
Nordwind bläst. Eigentlich wollte ich mein Bad von gestern wiederholen, doch
unter diesen Bedingungen lockt das kalte Nass nun doch nicht.
Auch hier hat es viele Rentner, die fast alle gerne für einen Schwatz bei
uns Halt machen. Hier hat es mehr Deutsche und Schweizer als auf Djerba. Aber
die Mehrheit besteht immer noch aus Franzosen.
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Ein Tunesier, der hier Appartements vermietet und mit einer Schweizerin
verheiratet ist, erzählt, dass seit einiger Zeit Franzosen und Belgier "en
masse" Land kaufen und sich ihr Ferienhäuschen drauf stellen lassen. Das ist
hier günstig. Ein hübsches komfortables doppelstöckiges Haus mit Garten an der
Küste bekommt man schon für SFr. 130'000.--!! Und die Lebenskosten sind um
einiges geringer als in der südeuropäischen Heimat. Auch wenn Tunesien ein
islamisches Land ist, so ist es in Sachen Religionsfreiheit doch recht modern.
Insbesondere die typischen Feriendestinationen wie Djerba und Hammamet, so lese
ich im Baedeker, sind hierin grosszügig. |
Der kleine Hund, den Henny und ich auf einem Spazier beobachten, hat Hunger. Mit
Ach und Krach ist er in die Mülltonne gekommen und frisst sich nun mit grossem
Appetit durch ein buntes Drecks-Allerlei. "Än Guätä!" Als ich ihn
anspreche,
knurrt er mich an! Hoppla, der denkt wohl, ich will ihm sein mühsam ergattertes
Futter wegschnappen! Wir stellen fest, dass sein Daheim ein eingemauertes Terrain
ist, wo ausser Müll auch
Schafe hausen. Am nächsten Tag gehe ich ihn nochmals besuchen. Er ist aber weder
an mir noch am Trockenfutter interessiert, welches ich ihm über die Mauer
hinwerfe. Er ist schon zu arg auf die Schafe und diesen Platz fixiert. |
Eine
Frau setzt sich vor uns in den Sand und fängt an, aus einem frischgrünen
Palmwedel etwas zu flechten. |
Sie
schaut ein wenig irr aus. An den Fingern trägt sie dicke Ringe. Sie schenkt mir
den Wedel und ich gebe ihr was dafür. Irgendwie ist sie witzig. Wenig später
trollt sie sich. Geht weiter, vermutlich zu den Touristenstränden, wohl in der
Hoffnung auf noch mehr Spenden. |
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Irgendwie passt uns der Platz hier auch nicht. Unzufriedenheit kommt bei uns
allen auf. Der Wind ist zu ungemütlich, als dass man den Strand wirklich
geniessen könnte, die Rentner gehen uns langsam aber sich auf den Geist und ....
na, ja. Schwierig zu sagen, was alles genau nicht stimmt. Aber wir entschliessen
uns, weiter Richtung Süden zu fahren. |
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Zarzis ist eine Hafenstadt. Ein paar verrückte Läden hat es hier schon! Dieses
Büchsensortiment ist wirklich kunstvoll aufgeschichtet. |
Und
diese pompösen Sessel mit Muschelgarnitur stehen in einem offenen Laden in einer
öden Gasse. Krass! |
Der
Hafen überrascht mit grosser Buntheit! So viele bunte Fischerboote und "Pulpo-Häuser"
auf einem Haufen! |
Hier
werden offenbar noch grosse Holzschiffe gezimmert! Eindrücklich! Auch hier
faszinieren mich wieder die Farben! |
Wir
fahren durch endloses Ödland. Flach, sumpfig, mit wenigen Büschen, immer wieder
viel Schrott, welcher irgendwo in der Gegend liegt, Baumüll und sonstiger Müll.
Übel! Die Küste ist hier ebenso flach und sumpfig. Kein Platz für uns! Wir
fahren auf die Landzunge nördlich von Ben Guerdane raus. Am Ende steht das Dorf
Sidi Ahmed Chaouch. Etwa 5km vorher biegen wir links ab und finden bei einer
Palme einen schönen und zudem grünen (!!) Stellplatz für die Nacht. |
Es
hat jede Menge dürres Holz rumliegen. Herrlich! Wir halten es den ganzen Abend
am Brennen. Schön wäre es jetzt, eine Bratwurst zum Brutzeln zu haben! |
Das
erste Mal seit unserer Reise, dass wir ein Lagerfeuer veranstalten! |
Es
blüht hier überall. Unauffällig, aber von Nahem wundervoll! |
Auch
diese Sukkulenten werden von den Schafen und Geissen gemieden. |
Solche
Dinger habe ich bis jetzt noch nie gesehen. Bevor diese ca. 5cm langen
Samenstände wachsen, blüht eine kleine violette unscheinbare Blume. |
Ein
Spazier führt Henny und mich runter an die Küste. Zorro
geniesst heute wieder einmal das Meer in vollen Zügen. Immer wieder holt er den
Stock, den Henny ihm rauswirft. Als er dann müde wird, schont er sofort wieder
sein linkes Hinterbein. Dieses zweitoperierte Bein braucht einfach wirklich viel
mehr Zeit als das erste! Ich hoffe sehr, dass Zorro bald einmal wieder so rennen
wird wie früher. |
Nach
dem ausgiebigen Wasservergnügen ein genussvolles Sonnenbad! Natürlich auf der
neu erstandenen Bastmatte! |
|
H&R fahren mit ihrem Womo in das nahegelegene Dorf Sidi Ahmed Chaouch.,
welches ganz zuäusserst an der Landzunge steht. Ich bleibe hier und warte, bis
sie zurückkommen. Anschliessend stellen wir uns an die Küste runter. So ruhig
und einsam standen wir noch nie am Meer! H&R sind nach einer halben Stunde schon
wieder da! Kein Laden, kein Brot, nichts! Ausser ein paar wenigen Häusern und
jeder Menge Kinder. Gut, dass ich gar nicht erst mit bin! Der Weg runter an die
Küste ist zwar holprig und ruppig. Aber es geht gerade noch so für unsere
Vehikel. |
Dieser
Platz! Eine Sensation. Keine Auto- noch sonstige Geräusche mehr, ausser dem
leisen Plätschern der Meereslagune. Wir stehen direkt am Meer, haben ein wenig
Sandstrand, vor allem aber Sand unter den Füssen beim Rauswaten im seichten und
klaren Wasser. Kaum eine Welle trübt den Blick in die Unterwasserwelt! Wir
stehen hier an einer riesengrossen Lagune, welche nördlich von Ben Guerdane
liegt. Sie ist von zwei langen Landzungen - wie von Krebsscheren gehalten - vom
offenen Meer abgrenzt. Trotzdem ist das Wasser hier klar und der Meeresboden
sandig und nicht verschlammt, wie man annehmen könnte.
Koordinaten: 33° 17' 34,64" N - 11° 14' 51,73" O |
Es
ist so warm und abgelegen, dass wir diesen wundervollen Platz nackig geniessen
können.
Sogar unsere Sonnenmarkisen werden herausgefahren. Sonnenbrandgefahr in
höchstem Masse, so direkt am Wasser!
Ich gehe einmal kurz Schwimmen. Doch es ist so eiskalt, dass ich schnell wieder
draussen bin. |
Rumwaten
geht. Im seichten Wasser ist es nicht mehr so gar kalt. Ich sehe ein, zwei
Seeanemonen, schwarze und weisse Korallen (eine Art Schwämme), einen Krebs und
jede Menge Muscheln. Diese Art mit besonders schönem Perlmuttglanz habe ich
vorher noch nie gesehen. Sie sind zwischen 10 und 15 cm lang. |
Unsere
Tage verlaufen gemütlich. Immer wenn besonders viel Musse herrscht, mache ich
uns einen arabischen Tee (Pfefferminze, Verveine und Grüntee, mit viel Zucker
aufgebraut). Mandeln und Pinienkerne und ein wenig türkisches Gebäck machen
diesen "Zvieri" perfekt. |
 |
Wir
bleiben drei Tage an diesem Platz. Das einzige Ärgernis sind die Fliegen, die
unseren ersten Tag (als ich noch nicht wusste, wie ich mich ihnen am besten
erwehre) ganz schön strapazieren. Es sind alptraumhafte Massen!
Ab dem nächsten Tag hänge ich mangels einer Moskitotüre einen Vorhang in die
Türe. So geht es gut. Aber der Wind dreht sich eh. Und es scheint, als ob die
Fliegen den kleinsten kühleren Lufthauch im Womo wenig schätzen und flüchten.
Durchzug scheint nebst einem Vorhang ebenfalls ein gutes Mittel zu sein.
Auch Zorro geniesst es. Er ist den ganzen lieben langen Tag ohne Halsband und
Leine um uns. Kann rein und raus wie er will, durch die Gegend streunen oder
dösen. Ganz wie belieben, der Herr! |
 |
Die
Abende sind besonders schön. Ab 16 Uhr steht die Sonne so tief, dass sie
wundervolle Farbspiele aus Himmel und Meer zaubert. Um 17.40 Uhr geht sie unter.
Um 7.10 Uhr wieder auf. Die Ruhe, die hier herrscht, die Weite der Lagune und
die entrückte Einsamkeit sind fantastisch. Ich liebe solche Plätze. |
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Ein
alter Hirte kommt vorbei und gibt mir etwas rundes weisses in die Hand und macht
dabei Essgesten. Ich rieche an dem Ding und erkenne, das ist ein Pilz! Irgend
eine Art von Bovist. Ich danke ihm und frage, ob er Zigaretten will. Er möchte
etwas zu Essen. Das wird schwierig, denn wir fuhren hierher ohne vorher
einzukaufen. Das heisst, wir haben kein Brot und überhaupt fast nichts mehr. Ich
finde noch ein wenig Schokolade und getrocknete Feigen. Das übergebe ich ihm. Er
gibt mir noch mehr Pilze. Ich gebe ihm noch eine Flasche Wasser. Meine Gaben
verschwinden in seinen riesengrossen Seitentaschen, wo er vorher auch die Pilze
hervor klaubte. Er bedankt sich sehr und ich mich auch. Wir strahlen einander
an, können uns aber kaum richtig verständigen.
Etwa eine Stunde später taucht er wieder auf, in seinen Armen ein neugeborenes
Geisslein. Er legt es in meine Arme und zeigt mir seine Zähne! Gute, schöne
Zähne! Das Geisslein meckert und es meckert aus der Herde zurück. Seine Mama
kommt hergerannt und ich setze das kleine Ding auf den Boden. Es rennt sofort zu
seiner Mama und der Zorro beinahe hinterher! Ich habe es ihm vorher zum Riechen
hingehalten und der Zorrolito hat vom Duft betört beinahe angefangen zu
schielen!
Der alte Hirte holt aus seinen tiefen Taschen die Schokolade hervor, die ich ihm
vorher gegeben hatte. Er zeigt auf seine faulen Zähne, lächelt und meint wohl,
das wäre nicht so gut für diese alten Dinger. Ich gebe ihm dafür eine Orange und
er mir noch mehr Pilze! Dann holt er auch noch ein Lamm! Auch dieses muss ich in
die Arme nehmen und seine kräftigen Zähne bewundern!
Irgendwie... einfach nett. Einfach liebenswürdig! Wenn sie sich bedanken -
shukram - legen sie die recht Hand auf's Herz. Eine Geste, die mich sehr
berührt.
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Dieses
wunderschöne Gesicht! Schöne Menschen bis ins hohe Alter, die Tunesier! So
armselig er bekleidet ist, so würdevoll steht er da! |
Auf
dieser Landzunge gibt es offenbar kein Grundwasser mehr. Das Regen- und
Tauwasser wird auf grossen, leicht geneigten Betonflächen eingefangen und in
Zisternen gesammelt. |
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An
einer Strassenkreuzung sehe ich diese bunten Wasserflaschen. Irgendwer hat aus
irgendeinem Grund mit viel Lust und Freude etwas Buntes in die öde
Sumpflandschaft gezaubert. Auch wenn ich die Gründe dafür nicht kenne, erheitert es
mich und sicherlich viele andere!
Auch diese bemalten Gummireifen, die einen Teil des ausgetrockneten Sees
abgrenzen sind bunt und witzig. |
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In
Ben Guerdane müssen wir Sprit und Wasser tanken. Während wir warten, bis unsere
Tanks voll werden, bestaune ich wie immer die bunte Exotik. Einige kommen und
begutachten, wo all das Wasser hingeht. Ja, ja, unsere Wömis saufen wie die
Kamele! Der Tankwart lehnt erst von mir und dann auch von Rainer ab, etwas für
das Wasser zu nehmen. Na gut! Shoukram! Merci villmol!
In der Markthalle kaufen wir Gemüse und Früchte für die nächsten Tage ein. Die
Fleischhalle (Bild oben) ist beeindruckend. Das geschlachtete Vieh allerdings
weniger, in meinen Augen! |
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Unser Weg führt uns in's Inland. Wir sind hier ca. 30km von der libyschen Grenze
entfernt. Was man auch daran erkennt, dass überall Männer rumstehen und uns mit
dicken Geldbündeln zuwedeln! Tauschen ist hier die Devise! |
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Wir aber fahren nicht Richtung Süden und Libyen sondern westwärts Richtung
Tataouine. Ksours (Wüstenschlösser oder anders gesagt Getreidespeicher) und
baumlose Berge erwarten uns. |

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