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Reisebericht Tunesien 2007-4

In der Wüste und wieder Nordwärts

 

23. - 26. Januar 2007: Tataouine - Ksar Ezzarah - Ksar Soltane - Chenini - Douiret
Wüstenschlösser und Steinwüste
Die erste Nacht nach Ben Guerdane verbringen wir ca. 25km vor Tataouine, in der Steinwüste. H&R wechseln nun definitiv ihren Benzinfilter aus, der eigentlich schon seit Djerba fällig ist. Auch die reparierte Bremse hinten rechts wird wieder wärmer und die Handbremse scheint schon wieder leicht blockiert zu sein. Rainer kann die Handbremse mit wenig Aufwand wieder lösen. Aber ihr Womo wird früher oder später diesbezüglich richtig untersucht werden müssen. Irgendetwas wurde damals in Monastir nicht korrekt repariert.

Tataouine ist nicht so besonders hübsch. Kein Wunder, denn diese Stadt ist aus einem Militärlager hervorgegangen! Der Marktplatz ist recht touristisch, dennoch finde ich Gefallen daran, zu sein und den Menschen zuzusehen.
Meine Kamera mit 12-fach optischem Zoom erlaubt es mir auch, Menschen unauffällig zu fotografieren. Wenn Kinder meinen Zorro sehen, dann sind sie immer gleich aus dem Häuschen! Die Mutigen trauen sich sogar näher an ihn ran. Ich muss dabei immer aufpassen, dass keiner zu nahe kommt, denn Zorro kann Kinder, die hektisch tun, gar nicht leiden. Er würde zwar niemals zubeissen, aber ich merke, dass er nervös und aggressiv wird.
Hier im Süden sehen wir die ersten blühenden Mandelbäume, am 23. Januar!
Der Auspuff von H&R hängt nur noch an einem seidenen Fädchen. Rainer macht ihn ganz ab uns sie installieren ihn hinten bei den Fahrrädern. In Tataouine werden wir einen Schweisser finden müssen, der das Rohr repariert und neu montiert.
Im Dorf Ezzarah befindet sich ein erstes Ksar, welches wir uns anschauen wollen. Die Kinder beobachten natürlich ganz genau, was wir da machen.
 
Dieser Teil des Ksar ist recht alt. Teilweise stammen diese alten Wüstenschlösser aus dem 11. Jahrhundert. Dieses hier ist wohl ein wenig jünger. Auch wird ein Teil von den Räumlichkeiten noch genutzt. 
Ein schmaler Durchgang führt zum zweiten Innenhof. Die Vorratsräume sind bis zu vier Stockwerke hoch. Das Ganze ist rings um einen grossen Platz angelegt. Wie eine grosse Villa mit Innenhof. Teilweise führen Treppen zu den einzelnen Räumen. Aber meist wurden einfach Steine in die Wand gebaut, so dass man auf ihnen hochklettern konnte. Zuoberst steht ein dicker Ast aus der Wand heraus. An diesem wurden wohl schwerere Lasen hoch gehievt.
Eine jede Nomadenfamilie hatte so einen Raum im Ksar, um ihr Hab und Gut (Wertsachen, Getreidevorrat für ein halbes oder ganzes Jahr und andere Vorräte), welches sie auf ihren Reisen nicht mitnehmen konnten oder wollten, hier sicher und trocken zu lagern. Die Türen hatten Schlösser und das Ganze wurde gut bewacht. Diese Ksours stehen an verteidigungstechnisch guten Standorten, meist auf einem Hügel oder Bergkamm.
Durch diese weite Landschaft fahren wir auf dem Weg von einem zum anderen Ksar. Die Ebene wird gut genutzt. Die Menschen leben hier weit verstreut und nicht in einem eigentlichen Dorf. Das Wasser von den Bergen wird sorgfältig genutzt. In Geländemulden werden Olivenbäume und Palmen angepflanzt. Ich frage mich, wann es hier das letzte Mal geregnet hat. Wenn es regnet, dann wohl nur jetzt im Winter. Und wir hatten schon eine Ewigkeit keinen Regen mehr!
Ksar Soltane ist wunderschön und ein wenig wie von einem anderen Planeten. Unweigerlich fragt man sich, wie es war, damals, als die Nomaden hier ihre wertvollsten Gegenstände ablieferten. Wo sich mit Sicherheit Familien jeweils trafen, die sich ansonsten wohl kaum sahen.
Einfach schön diese Bauten. Ich liebe runde Ecken.
Ob nun wohl der Reichste oder der Ärmste seinen Raum ganz zuoberst hatte? Oben als ganz Wichtig, oder Oben als ganz Mühsam!?
Rainer, verloren im Ksar-Ghetto!
Wir fahren etwa 10km weiter zurück Richtung Tataouine und finden auf einer Nebenpiste einen guten Stellplatz mit spektakulärer Sicht.
Da wir hoch stehen haben wir den Abendsonnen-Genuss wie wenn wir am Meer stehen würden. Die Landschaft verfärbt sich von Ocker zu Lila und Violett.

Leider ist es so starkwindig und kalt, dass wir den schönen Blick nur von drinnen geniessen können. Da ist es gut, hat man so eine Hecksitzgruppe wie die von H&R. Der "Arsch", äh, das Heck guckt fast über die Kante raus.
Am anderen Morgen hat der Wind ein wenig nachgelassen. Zur Abwechslung zeigt der Himmel einmal ein paar wenige weisse Wolken. 

 
Die Landschaft hier ist verrückt. Ein Dorf sehen wir, welches beinahe ganz oben am Berg in die wohl weichere Schicht unter dem Felsen gebaut wurde. Die Fronten sind jeweils weiss angestrichen. Die eigentlichen Wohnungen und Speicher sind in den Berg hinein verlegt.
In Tataouine finden wir recht schnell einen "Soudeur", einen Schweisser. Ein Teil des defekten Rohres wird ersetzt und dann alles wieder angeschweisst. H&R sind zuversichtlich. Es scheint gut zu kommen. Die Jungs arbeiten auch recht sorgfältig. Trotzdem entstehen ein paar Schweisslöcher. H&R müssen 200m weiter fahren, um dort diese Löcher nochmals "stopfen" zu lassen.

Ich warte währenddessen im Womo, schreibe und mach es mir gemütlich.
In Tatatouine sehe ich diesen bunt dekorierten Laden. Im ersten Stock ist eine Fahrschule. Solche farbigen Fassaden sieht man überall im Land. Vielfach wird das, was man macht oder verkauft mangels Schilder einfach an die Hauswand gemahlt.

Wenn der Ladenbesitzer wechselt bleiben die Beschriftungen und so landet man häufig in einem Laden und fragt nach dem Produkt, das aussen angeschrieben ist, nur um zu hören, dass es das hier gar nicht gibt. Eben, nicht mehr... war mal.
Die Ebene vor Chenini ist wundervoll und sieht spannend aus. Wir werden uns hier einen Platz für die Nacht suchen, wenn wir die Ruinen besichtigt haben.
Chenini ist ein recht grosses Ruinendorf. Die Lehmbauten sind fast alle verfallen. Ein paar wenige Häuser sind erhalten und werden bewohnt. Vermutlich von jenen, die sich hier ihr bisschen Geld mit Touristen verdienen.

Die Frauen in ihren farbigen Gewändern leuchten vor dem Hintergrund der braun-rot-ocker-farbigen Steinmauern und -haufen. 
Es ist eindrücklich durch diese Ruinenlandschaft zu wandern. Je höher wir kommen umso umfassender wird das Ausmass des verlassenen Dorfes.
Die Moschee wird instand gehalten. Sie ist der eigentliche Magnet für alle Touristen, die hierher kommen. Leuchtend weiss und scheinbar erhaben steht sie über den erdfarbenen Ruinen. Schade nur, dass direkt hier ein Sendemast aufgestellt wurde. Das Fotografenauge leidet!
Henny und ich klettern bis ganz nach oben. Der Wind bläst uns zwar beinahe davon. Aber der Ausblick über ganz Alt-Chenini ist grandios. Die Häuser kleben in einem weiten Halbrund an den Berghängen. Nur die schwarzen Löcher der Fenster und Türen verraten, dass dies hier alles Häuser sind. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wir das Treiben auf den schmalen Wegen entlang der Häuser die Luft mit Lärm erfüllt hat. Geschützt von und versammelt um die Moschee, die den Verfall doch nicht aufhalten konnte.
Wir fahren zurück in die Ebene vor Chenini und stellen uns irgendwo in die weite Landschaft. Hier gibt es keine Zäune, keine Verbotsschilder oder Häuser in denen Menschen sich vielleicht durch unsere Anwesenheit gestört fühlen können. Nur Steinwüste! Ein wenig Grün, ein paar Palmen und sonst Weite und Stille. Die Bergkette leuchtet im abendlichen Licht und versetzt die Landschaft in eine weitere Dimension.

 
Stellenweise wird die Wüste bewirtschaftet. Wir sehen Olivenplantagen und frischen Acker. Der Boden wird mit Wasserrinnen so bearbeitet, dass, sollte Wasser fallen, dieses auch gezielt zu den Feldern geführt werden kann.

Mit Zorro gehe ich auf Wanderschaft. Wir entdecken am Fuss eines Hügel ein wenig Grün. Jedes Grün wirkt hier sehr ausserordentlich. 
Dieser Piepmatz zwitschert im Abendlicht. Ich habe ihn schon mehrmals abgelichtet. Überall in Tunesien trifft man ihn an und überhören kann man seinen eindringlichen Laut auch nicht. Ich habe ihm den Namen Bandit gegeben, weil er wie die Panzerknacker, um unerkannt zu bleiben, eine schwarze Augenbinde trägt.
So ganz alleine sind wir eben auch hier nicht. Ein Junge aus Chenini hat wohl beschlossen, den weiten Weg bis zu uns in Kauf zu nehmen, in der Hoffnung, etwas erbetteln zu können.
Meine Devise, Kindern nie und auf keinen Fall etwas zu geben wird wieder einmal hart auf die Probe gestellt. Ich versuche es ihm zu erklären. Er versteht es natürlich nicht. Wie auch!
Am Schluss sitzt er auf seinem Esel und guckt durch die Fenster TV, den Rainer angeworfen hat. 
Am anderen Morgen gehe ich mit Henny nochmals auf Entdeckungstour.

Wenn eine Palme einen nur ein klein wenig besseren Standort hat, sprich, an einer Stelle steht, wo das Wasser sich eher sammelt, dann sieht man ihr das gleich an.
Diese Berberfrau kam am Morgen bei unseren Womos vorbei. Sie macht uns mit Gesten klar, dass das hier ihr Land sei. Wir bedanken uns, dass wir hier stehen dürfen und versichern ihr, dass wir heute noch weiterreisen. Sie ist einverstanden.... Als ich ihr einen Kaffee anbiete nimmt sie dankbar an. Das Glas will sie behalten. Ok. Sie fragt, ob ich Kleider habe. Oh ja, ich schleppe schon eine Weile zwei Blusen mit mir herum, um sie bei Gelegenheit verschenken zu können. Sie stopft die Sachen in das Tuch, welches sie um den Kopf herum trägt und treibt ihre Ziegen weiter. Ich bewundere ihren Silberschmuck und die bunten Kleider. Auch wenn alles recht staubig ist, machen die Farben der Gewänder der Wüste echte Konkurrenz!
Unser Weg führt uns weiter Richtung Douiret. Dort wartet das nächste Ruinendorf auf uns. Das Wetter ist herrlich. Die Sonne scheint und es ist warm! Wie es hier wohl im Sommer ist, das frage ich mich viele Male. Und ob in diesen trockenen Wasserläufen wirklich jemals Wasser fliesst? Unvorstellbar.
Douiret sieht man schon von weitem. Zuerst wieder die schwarzen Löcher der Fenster und Türen, dann tiefer, am Fusse des Berges einige heilige Stätten, sogenannte Marabouts.
Beim näheren Hinschauen entdecken wir, dass der ganze Bergfuss ein einziger grosser Friedhof ist!
Zu Dritt durchwandern wir das Dorf. Manchmal hängt noch eine Türe in ihrem Rahmen. Massives Holz, massives Schloss. Aber alles uralt.
Rainer kehrt am Ende der Strasse um. Henny und ich klettern ganz hinauf. Der Blick wird grandioser und grandioser. Wir fühlen uns wie... na, ja, wie Entdecker, wie Wüstenpioniere, wie Abenteurer... auf alle Fälle privilegiert, dies alles ohne Touristenrummel, ohne Führer, ohne Zeitdruck und vielleicht auch Kindergeschrei oder blöde Diskussionen einfach geniessen zu können! Alleine an so einem Ort! Die Ruhe und Weite! Die Farben und Formen! Schlicht mega!
Das Land ist hier weit und immer wieder durchsetzt von fernen Tafelbergen. Schön wäre es bestimmt, in einem oder zwei Monaten zu sehen, wie die ersten Regenfälle diesen scheinbar leblosen Talboden in eine grüne Schlange verwandeln.
Die Häuser, die ganz oben am Gipfel stehen sind teilweise gut erhalten. Teilweise auch renoviert worden. Eine Treppe, die am unteren Ende schon wieder vor sich "hinbrösmelt" gibt dem Dorf noch mehr Charakter.

Wir sehen hier wieder diese scheuen Erdhörnchen. Eine ganze Familie versteckt sich schnell, als sie uns sehen. Und der Zorro rennt einmal, für uns ohne ersichtlichen Grund, aber ganz offenbar im Jagdfieber weit voraus. Erwischen tut er eh nichts. Da muss ich mir keine Sorgen machen. Und allzu oft werden die lustigen Viecher wohl kaum von einem Hund gejagt.
Diese Mineralien entdecken wir ganz oben am Berg. Eine Art Kristall, nehmen wir an. Herrlich rot-gelb verfärbt.
   
Diesen Anblick geniessen wir von unserem Stellplatz aus. Wir dürfen unsere Womos vor dem einzigen Hotel hier hinstellen. Sie knöpfen uns zwar etwas dafür ab. Mit diesem Blick belohnt zahlen wir das jedoch gerne.
Bei einem Glas feinem Weisswein beobachten wir den Sonnenuntergang, beglückwünschen uns gegenseitig zu diesem Ort und unserem Glück, hier sein zu dürfen.
Am frühen Morgen klettere ich nochmals von der anderen Seite hoch auf den Berg. Steil fällt der Blick hinunter auf unsere Womos und die eine Häuserzeile, die instand gehalten wird. Dort drin befindet sich auch das Hotel, welches ich übrigens sehr empfehlen kann. An so einem Ort, quasi in der Ruinenstadt gepflegt übernachten zu können, die Abenddämmerung und den Sonnenaufgang für sich alleine zu haben, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Leider weiss ich den Namen nicht mehr, aber es ist das einzige hier in Douiret.
Am anderen Ende des Bergkammes entdecke ich einen breiten Steinpfad, der mich gemütlich wieder den Berg hinunter führt.

Leider ist es an diesem Morgen immer noch ein wenig dunstig und die Sicht ist nicht mehr die gleiche wie gestern. Dafür herrscht wieder eine andere Stimmung.
In Tataouine kaufen wir uns leckere Nussgipfel. Diese Nuss-Honig-Mischung, eingepackt in eine Art Mürbeteig schmeckt wirklich gut und hält sich tage- wenn nicht wochenlang.
Unser Weg führt Richtung Küste zurück. Wir kommen bei El Hedada vorbei und halten an, um einen Blick reinzuwerfen. Auch dies ist ein ehemaliges Speicherdorf. Auf einer Ebene angelegt, mit weiten Flächen. Die Speicherhäuser sind ringsherum aneinandergereiht.

Mit uns besichtigt ein Gruppe von Touristen diese Stätte und wir fühlen uns deplaziert. Keine Stimmung, kein Echo. Wir fahren weiter. Langsam aber sicher haben wir genug von Ruinen. 
Den Weg zu diesem Marabout finden wir leider nicht. Ringsherum fallen die Wände steil herunter und alles bröckelt und sieht porös aus. Aber das macht nichts. Wir haben eh genug. Genug. Genug. Genug. 
Wir suchen uns weitab von Verkehr und Stadt einen Platz. Erfreuen uns an ein paar Olivenbäumen, unter denen bereits erstes Frühlingsgrün spriesst. Geregnet hat es nicht, aber es scheint, dass der Frühling auch mit Tau und Wärme seine Kraft entfaltet.

Auch Zorro stürzt sich auf das Grün und weidet wie ein Schaf!
Diese feinen kleinen Blumen leuchten auf dem erdfarbenen Hintergrund. Woher sie ihre Kraft nehmen ist wirklich ein Rätsel. Sie müssen ein Riesentalent haben, mit ganz ganz wenig auszukommen.
Zwei Berberfrauen mit ihren Ziegen und Schafen kommen bei uns vorbei und winken freundlich.
Das Wetter verändert sich. Schon der gestrige Dunst liess nichts Gutes ahnen. Heute Abend nun verschwindet die Sonne hinter einem komischen Wolkenband.

Wir werden die Wüste verlassen und wieder an die Küste ziehen. Noch einmal wollen wir uns Djerba antun. Sonne, Meer und Palmen.

Ein schöner Übernachtungsplatz!
33° 07' 37,14" N - 10° 18' 29,22" O 
27. Januar - 5. Februar 2007: Djerba
Hundebabys überall
Das Wetter hat umgeschlagen. Es ist windig und kühl. Wir stellen uns diesmal in Aghir auf den grossen Platz beim "Plage Publique". Zuerst an den Strand, aber später weiter zurück zwischen die Palmen, geschützter vom Wind.

Doris, die Berlinerin ist natürlich immer noch da und wir beschliessen, die Hundebabys, die in der verfallenen Hotelruine hinter uns zu Hause sind zu besuchen. Doris hat von ihrem Hotel, wo es einmal die Woche einen grossen Truthahn gibt, die Resten mitgebracht. Ein Festessen für die Kleinen!
Sieben kleine Hundebabys, kaum an Menschen gewöhnt und mit gutem Appetit! Sie stürzen sich trotz ihrer Angst vor uns auf die Happen und knurren sich bald schon gegenseitig an. Die Frechsten kommen auf ihre Kosten. Jene, die sich gar nicht hervortrauen haben das Nachsehen.
Diese kleine Hübsche hat's mir angetan. Tagelang zerbreche ich mir den Kopf, ob ich sie mitnehmen soll. Auch wenn es ihr hier im Moment sehr gut geht wird sich dies bald ändern. Sie werden sich, sobald sie alt genug sind, selbständig durchschlagen müssen. Viel zu fressen gibt es hier nicht. Die Menschen hier haben selber wenig genug und kaum etwas wegzuwerfen. Sie sind angewiesen auf die Gutmütigkeit der Menschen und die Grosszügigkeit der Touristen.
Hier schon ein erster Machtkampf und das beste Stück vom Truthahn. Ein stiller Kampf, übrigens. Ohne Beissen, nur mit unten halten, ausharren und leisem Knurren. Die Kleine unten gibt irgendwann einmal auf und zieht ab.
Dafür findet sie den Rucksack von Doris und der riecht auch ganz spannend!
Satt und zufrieden! Zorro übrigens bewegt sich ganz locker unter diesen Hunden. Er wird akzeptiert und neugierig beschnüffelt. Natürlich erst angeknurrt von den Welpen, aber wohl eher aus Angst. Schon bald trippeln sie ihm fast alle hinterher. Und mein Zorro sonnt sich in dieser grossen Familienbeachtung.
Die Mutter ist extrem scheu. Sie lässt erst die Jungen essen, bleibt immer auf Distanz und kommt dann vielleicht, nachdem wir schon eine Weile da sind und uns ruhig verhalten haben. Aber auch dann lässt sie sich nur in einiger Entfernung nieder und beobachtet jeden unserer Schritte auf's genaueste.
Immer wenn sich die Gelegenheit bietet, schlemmen wir in einem tunesischen Schnellimbiss. Den tunesischen Namen für das Kebab hab ich leider vergessen. Ich weiss aber noch, dass es fast nichts kostete... zwischen 2 und 3 Franken... glaub ich.
Das sind Ellen und Heinz. Zu Dritt haben wir uns eine Wagenburg "gebaut". Der Wind war so heftig, dass sich diese Lösung regelrecht aufgedrängt hat. Während ein paar Tagen geniessen wir das "Familienleben" und lernen Heinz und Ellen dabei besser kennen. Die beiden liebäugeln ebenfalls mit dem Nomadenleben! Ihre kleine Pudeldame ist schon uralt, aber total süss und frech.
Wir bekommen immer wieder mal Besuch von Hunden. Viele gibt es hier ja nicht. Es sind immer wieder die gleichen, die da sind oder regelmässig auftauchen. Für Zorro ist das herrlich. Er geniesst es und freut sich über fast jeden Besuch.
Diese Mutter mit zwei Jungen führt ihre Kleinen erst seit wenigen Tagen aus. Ein echter Vertrauensbeweis, dass sie uns ihre Kleinen vorführt.
Die Hündin rechts ist noch ganz jung und unser "Hofhund". Sie bekommt von mir regelmässig Futter. Sie begrüsst uns jeden Morgen freudig und wenn die Zeit der Fütterung kommt, dann lässt sie mich nicht mehr aus den Augen. Mit Zorro spielt sie auf's Köstlichste. Als ich versuche, ihr ein Ballspiel schmackhaft zu machen, amüsiere ich mich herrlich. Sie hat erst grossen Respekt vor dem Ball und guckt ganz irritiert Zorro hinterher, wenn er dem Ball hinterher wetzt. Nach und nach kapiert sie, um was es geht. Aber so richtig gefallen will es ihr nicht. Mir kommt es vor, wie wenn sie mir zuliebe versucht, Freude an diesem Spiel zu zeigen.

Die fremde Hündin und ihre Babys werden ohne Frage akzeptiert. Es scheint, die Hunde hier gehören eh alle irgendwie in die gleiche Familie.  
Hm, was riecht hier wohl so lecker? 
Den Abfall entsorgen wir oben an der Hauptstrasse. Die Hunde würden ansonsten die Säcke zerreisen und den ganzen Müll auf dem Platz verteilen. Und irgendwann würden die Behörden uns verjagen, weil wir keine Ordnung halten können.
Am Samstag, 3. Februar ruft mich meine Mutter an und erzählt mir, dass sie am folgenden Montag operiert werden soll. An der Blase. Es ist Krebs..... Blasenkrebs.... Sie wollte mich und auch meine Brüder nicht beunruhigen. Darum sagte sie solange nichts. Mütter!
Ich bin froh, sind die anderen da. In liebenswürdiger Weise sind sie einfach da für mich und stützen mich, wie und wo sie nur können! Nachdem ich den ersten Schock verdaute hatte, war für mich eigentlich klar, dass ich nach Hause zurückkehren will. Es ist noch unsicher, wann und wie und über welchen Weg. Und die Operation will ich auch abwarten.

Henny und Rainer bieten sich an, mit mir Richtung Norden zu fahren. Es war zum Teil eh unser Plan. Aber dass die beiden ihre Wünsche ganz zurückstellen und sich nur noch nach mir und diesen neuen Umständen richten rechne ich ihnen hoch an. Ich bin enorm dankbar für diese Begleitung!
Bevor wir die Insel Djerba verlassen, besichtigen wir die hiesige jüdische Synagoge. Ein Kopftuch um unsere Häupter und bar der Schuhe dürfen wir eintreten und die bunte und verspielte Architektur bewundern.

Vom Anschlag, der vor einigen Jahren hier viel zerstört hat, bemerkt man nichts. Allerdings wird die Synagoge streng bewacht. Wie an Flughäfen müssen wir unsere Taschen durchleuchten lassen und durch eine Türe gehen, die piepst, wenn noch etwas Metallenes an uns ist.
Auch wenn die Architektur mich sehr beeindruckt, ist die Atmosphäre hier nicht besonders schön. Irgendwie bedrückend. Trotzdem bete ich zu allen Göttern, dass sie mir meine Mama nicht schon frühzeitig zu sich holen.
Unsere letzte Nacht verbringen wir beim Dorf Ajim, nahe der Stelle, die wir für unsere erste Nacht ausgewählt hatten. Eine herrliche Abendstimmung und ein Stellplatz direkt am ruhigen Meer - ganz nach unserem Geschmack. 
6. - 13. Februar 2007: Monastir, Tunis, Sidi Bou Said
Nordwärts - Heimwärts
Die Sorgen, die ich mir um meine Mutter machte, bringen es mit sich, dass ich nun, Wochen danach, während ich diese Zeilen schreibe, mich an vieles nicht mehr erinnern kann.

Hier verleibten wir uns wieder einmal ein leckeres Kebab ein. Die Krönung allerdings war, als uns die Köchin für Zorro ein Portion Kebab brachte! Dass so etwas hier in Tunesien möglich ist, ist schon eine rechte Sensation.
In irgendeinem Hafen lockten mich diese farbigen Fischernetze. Für solche Farbschattierungen und Muster kann ich mich richtig begeistern.
Keine Ahnung mehr in welcher Stadt ich dieses Gebäude fotografiert habe. Es war auf einer Landzunge südlich von Monastir. Beeindruckt hat mich vor allem das Fenster mit seinen verspielten Jalousien. 
Auf der Rückreise nordwärts erreicht mich die Nachricht, dass die Mutter meines ehemaligen Partners Marcel, verstorben ist. Ich empfinde es extrem, dass ich für ihn nicht da sein kann. Trost kann man doch in solchen Situationen nur mit Da-Sein spenden. Worte, und dann noch per Telefon, sind da wenig hilfreich.

Für mich wird das Reisen einmal mehr fraglich.
In Monastir dürfen wir leider nicht mehr im Hafengelände übernachten. Wir stellen uns auf die nahegelegene Landzunge. Von hier aus erreichen wir die Infrastruktur des Hafens, das heisst Internet und Duschen immer noch zu Fuss.
 
Natürlich besuchen wir Bernd, den wir in Douz kennen gelernt haben und der auf seinem schönen Holzschiff im Hafen von Monastir wohnt und lebt.
Er hat sein Heim wundervoll eingerichtet. Selten habe ich soviel Geschmackvolles auf kleinem Raum gesehen. Lauter Souvenirs von all den Orten, die er schon besucht hat. Einfach wunderschön, sein Schiff!

Bernd ist ebenfalls ein Vagabund. Allerdings einer, der im Schiff auf Wanderschaft ist. Das heisst, im Schiff bewältigt er jeweils die grossen Strecken und vor Ort nutzt er dann öffentliche Verkehrsmittel, um das Land auszukundschaften. Auch eine schöne Variante!

 
Wir versuchen mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln unsere Computer kurzzuschliessen. Ohne Erfolg. Leider. Unsere Fotos, Dia-Shows und Anderes müssen wir auf üblichem Weg mit Stick und DVD austauschen.
In Tunis übernachten wir im Fährhafen La Goulette. Hier stehen wir ruhig und sehr nahe am Strand.
Ich habe mich entschlossen, die schon bezahlte Rückreise Anfangs März verfallen zu lassen. Anstelle der Fähre nach Palermo buche ich eine andere, welche mich in ca. 17 Stunden direkt nach Civitavecchia bringen wird.
Uns bleibt noch Zeit, um Sidi Bou Said, das schöne Dorf nordöstlich von Tunis zu besuchen. Ein von Touristen und Hobbyfotografen beliebtes Ziel in Tunesien.


Das untenstehende Café befindet sich im Herzen von Sidi Bou Said. Sein noch originellerer Innenraum lässt Träume des Orients wahr werden. Hier sitzt man vor den kleinen Tischen am Boden, auf Kissen und Teppichen. 
Wir wandern durch die Gassen und erfreuen uns an den mediterranen Farben.
Ich muss mich hier noch einmal für meine Wortkargheit entschuldigen. Die Erlebnisse waren erstens überschattet von der Sorge um meine Mutter und zweitens erinnere ich mich an vieles gar nicht mehr so genau.

Schade, dass ich den Norden von Tunesien nun nicht mehr erleben kann. Aber es läuft ja nicht davon. Priorität hat im Moment die Gesundheit und die Sorge um meine Mutter. Ich weiss, es wird ihr gut tun, wenn ich ein wenig um sie rum bin.

Alles weitere wird sich dann ergeben. Schritt für Schritt.
Rainer und Henny bringen mich spät am Abend bis zum grossen Tor, vor dem alle darauf warten, durch den Zoll gelotst zu werden und endlich auf die Fähre zu dürfen.

Ich bin einerseits traurig, Tunesien und meine Freunde schon verlassen zu müssen. Andererseits drängt es mich, zurück zu kehren und darum bin ich auch froh, dass es geklappt hat mit der Fähre und ich schon bald daheim bin und meine Mutter unterstützen kann.

Henny und Rainer bin ich unsagbar dankbar für ihre Freundschaft. Vor allem Henny, die mich immer wieder in vielen Gesprächen bei meinen Überlegungen begleitete, mir Trost spendete und mich in meinen Entscheidungen bestärkte! Danke dir tausendmal liebste Henny! Solche Erlebnisse verbinden einen sehr! Wann immer du mich brauchen solltest, bin ich für dich da!

Dieser Schlusssatz zeigt eigentlich einmal mehr, dass mein Entschluss, nach Hause zurückzukehren richtig war. Denn nur wenn man für seine Familie und Freunde da sein kann, kann man wirklich Leid und Freude teilen.

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