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Italien
(italienisch Italia), Republik in Südeuropa; sie grenzt im Norden an
die Schweiz und an Österreich, im Osten an Slowenien und an das Adriatische
Meer, im Süden an das Ionische Meer und an das Mittelmeer, im Westen an das
Tyrrhenische Meer, das Ligurische Meer und das Mittelmeer und im Nordwesten an
Frankreich. Zusätzlich zum Festland gehören die Mittelmeerinseln Elba,
Sardinien, Sizilien und einige kleinere Inseln und Inselgruppen (u. a.
die Toskanischen Inseln, Ischia, Capri und die Liparischen Inseln) zum
italienischen Staatsgebiet. Die unabhängigen Staaten San Marino und
Vatikanstadt stellen Enklaven innerhalb des Festlandes dar. Letzterer ist ein
päpstlicher Staat und ist fast gänzlich von Rom, der Hauptstadt Italiens,
umgeben. Die Staatsfläche Italiens beträgt
301 277 Quadratkilometer.
Land
Mehr als die Hälfte des italienischen Staatsgebiets wird von der
Italienischen Halbinsel eingenommen. Von Nordwesten bis Südosten misst
Italien etwa 1 145 Kilometer, rechnet man das äußerste Ende der
südlichen Halbinsel dazu, sogar 1 360 Kilometer. Die maximale
Breite weist Italien mit circa 610 Kilometer auf dem Festland im Norden
auf, die Halbinsel kommt nur auf 240 Kilometer.
Italien gliedert sich in drei unterschiedliche Naturräume; dies sind die
Alpen, die Poebene und die Apenninen. Rund zwei Drittel des Staatsgebiets sind
Hochgebirge. Im Norden hat das Land Anteil an den Alpen, welche die
natürliche Grenze zu Mitteleuropa bilden. Im Nordwesten liegen Teile der
kristallinen West- und Zentralalpen, im Nordosten Gebiete der südlichen
Kalkalpen mit den Dolomiten auf italienischem Staatsgebiet. Die Alpen
erstrecken sich in einem weiten Bogen von Ventimiglia an der Küste des
Ligurischen Meeres im Westen bis Gorizia an der Grenze zu Slowenien im Osten
und weisen so hohe Gipfel wie beispielsweise den Monte Cervino
(4 478 Meter) und die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv
(4 634 Meter) auf. Italiens höchste Erhebung befindet sich in der
Nähe des Gipfels des Montblanc (Monte Bianco), an der
italienisch-französisch-schweizerischen Grenze. Der Gipfel des Montblanc
(4 808 Meter) liegt auf französischem Gebiet. Im östlichen Teil
des italienischen Alpenanteils ragen die Dolomiten in der Marmolada bis in
eine Höhe von 3 343 Metern auf. Insgesamt erreichen 18 Gipfel
der Dolomiten Höhen von mehr als 3 000 Metern. Aus den Alpen
reichen zum Teil tief eingeschnittene Täler in das südliche Alpenvorland.
Dort dämmen Moränen die durch die Tätigkeit von Gletschern während der
vergangenen Eiszeiten entstandenen Becken nach Süden hin ab. In diesen Becken
entstanden durch das beim nacheiszeitlichen Abschmelzen der Gletscher
anfallende Schmelzwasser zum Teil sehr große Seen.
Zwischen den Alpen und den Apenninen
breitet sich die weite, von Westen nach Osten reichende Poebene aus. Sie ist
das fruchtbarste Gebiet und gleichzeitig die wirtschaftlich aktivste Region
des Landes. Im nordöstlichen Teil geht die Poebene in das Tiefland von
Venetien über. Der Küstenabschnitt am Adriatischen Meer ist in diesem
Bereich überaus flach und wird von zahlreichen Strandseen und Lagunen
geprägt.
Die Alpen werden in Ligurien nur durch
einen schmalen Küstenstreifen von den Apenninen getrennt. Bei diesen handelt
es sich um ein lang gestrecktes, geologisch junges Faltengebirge, das
überwiegend Mittelgebirgscharakter hat. Die nördlichen Apenninen ziehen sich
von den Seealpen entlang des Golfes von Genua bis zu den Quellen des Tiber und
erreichen ihre höchste Erhebung im Monte Cimone (2 165 Meter). Die
zentralen Apenninen beginnen an den Quellen des Tiber und setzen sich aus
mehreren parallel zueinander verlaufenden Gebirgsketten zusammen. Im Osten
dieses zerklüfteten Gebirgszuges liegt der mit 2 914 Meter höchste
Gipfel der Apenninen, der Corno Grande im Massiv Gran Sasso d’Italia, das in
den Abruzzen liegt. In ihrem zentralen Abschnitt greifen die Apenninen in
einem Bogen weit nach Osten aus; die Beckenlandschaften im Westen werden
u. a. von Arno, Ombrone und Tiber durchflossen. Die südlichen Apenninen
verlaufen vom Flusstal des Sangro bis zur Küste des Golfes von Tarent in
südöstlicher, dann weiter in südlicher Richtung. Im südlichsten Teil der
Apenninen auf dem italienischen Festland erheben sich in Kalabrien die
Bergmassive La Sila (1 928 Meter) und Aspromonte
(1 955 Meter). Ausläufer der Apenninen reichen bis nach Sizilien
und bilden dort die Bergketten Nebrodi und Madonie.
Nur circa ein Drittel der gesamten
Oberfläche Italiens ist Flachland, das größte zusammenhängende Gebiet
dieser Art befindet sich in der Lombardei. Die italienische Küste entlang des
Adriatischen Meeres im Norden ist flach und sandig und geht in seichtes
Gewässer über. Abgesehen von Venedig können hochseetaugliche Schiffe in
diesem Bereich nur schwer anlegen. Etwas südlich von Rimini ist die Ostküste
der Halbinsel von den Vorsprüngen der Apenninen gesäumt.
Auf mittlerer Höhe entlang der
Westküste sind drei Streifen flachen Sumpfgebiets entwickelt, die Campagna
Romana, die Pontinischen Sümpfe und die Maremmen. Ansonsten wird die
Westküste des Landes von Buchten gegliedert, in denen zahlreiche natürliche
Ankerplätze zur Verfügung stehen. Im Nordwesten liegt der Golf von Genua,
der Hafen der wichtigen Handelsstadt Genua. Neapel, eine weitere bedeutende
Hafenstadt der Westküste, befindet sich an dem vom Vulkan Vesuv überragten
Golf von Neapel. Etwas weiter südlich schließt der Golf von Salerno an, mit
dem Hafen von Salerno an der Spitze. Am südlichen Ende der Halbinsel bildet
der Golf von Tarent eine tiefe Einbuchtung ins Landesinnere und trennt damit
den so genannten „Absatz" von Italien (früheres Kalabrien) von der „Spitze"
(heutiges Kalabrien). Die Ausläufer der Apenninen reichen bis über die
Straße von Messina und durchqueren die Insel Sizilien. Auf dieser liegt der
Vulkan Ätna (3 323 Meter). Ein weiterer noch tätiger Vulkan erhebt
sich auf Stromboli, einer der Liparischen Inseln nordwestlich der Straße von
Messina. Italien wird jedoch nicht nur von Vulkanausbrüchen, sondern auch von
zahlreichen kleineren Erdbeben, vor allem in den südlichen Regionen,
heimgesucht.
Klima
Italiens Klima ist aufgrund der großen
Längserstreckung und des stark gegliederten Reliefs äußerst vielfältig und
reicht vom alpinen Klima der höheren Lagen der Alpen und der Apenninen bis
hin zum subtropischen Klima entlang der Küsten des Ligurischen Meeres und der
südlichen Abschnitte der Halbinsel.
Das Gebiet der Alpen ist je nach
Höhenlage durch kühlgemäßigte bis alpine Bedingungen gekennzeichnet.
Hauptregenzeit ist im Gebirge der Sommer. Die mittleren Monatstemperaturen in
Bozen liegen im Januar bei 0 °C, im Juli bei 22 °C. In Bozen
werden mittlere Jahresniederschläge von etwa 800 Millimetern
verzeichnet. Die Poebene ist durch winterkaltes Klima geprägt. Die
Niederschläge fallen hier weniger im Sommer, sondern zeigen ihre Höchstwerte
im Frühling und Herbst. Die Monatsmittel liegen in Mailand bei 2 °C
(Januar) bzw. 23 °C (Juli); der mittlere Jahresniederschlag beläuft
sich auf etwa 900 Millimeter.
Das Klima auf der Halbinsel unterliegt
hohen regionalen Schwankungen, die hauptsächlich durch die Apenninen
verursacht und von den Winden der umliegenden Meere beeinflusst werden. Die
klimatischen Bedingungen zeigen hier eine deutliche Abhängigkeit von der
Entfernung zum Meer und der Höhenlage. In den Tieflandregionen und den
kleineren Erhebungen der Apenninen, die sich in der Nähe der Westküste von
der nördlichen Toskana bis in die Gegend um Rom erstrecken, sind die Winter
mild, die Sommer sehr sonnig. Extrem hohe Temperaturen während der warmen
Jahreszeit werden durch die kühlenden Brisen vom Mittelmeer gemildert. Auf
der gleichen geographischen Breite im Osten der Halbinsel sind die
Temperaturen wesentlich niedriger, was vor allem an den vorherrschenden
nordöstlichen Winden liegt.
In den Küstenregionen Italiens herrscht
mediterranes Klima; die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und
feucht. In San Remo, an der Küste des Ligurischen Meeres, nahe der Grenze zu
Frankreich, liegt die mittlere Januartemperatur bei 10 °C, die des Juli
bei 23 °C; die Jahresniederschläge betragen rund 800 Millimeter.
Ähnlich sind die klimatischen Bedingungen die westliche Küste entlang bis
nach Sizilien, wo die Sommer noch etwas wärmer sind (Julimittel 25 °C);
allerdings ist es mit circa 500 Millimetern trockener als in den
nördlicher gelegenen Küstengebieten.
Flora und Fauna
Früher waren weite Teile Italiens mit Wald
bedeckt. Intensive Rodungen zum Zweck der Ausweitung von Siedlungs- und
Agrarflächen sowie zur Gewinnung von Brennholz und Rohstoffen für den
Schiffsbau führten während der vergangenen Jahrhunderte zum Verlust weiter
Waldflächen. Die verbliebenen Laub- und Nadelwälder in den Alpenregionen
gehen ab etwa einer Höhe von 1 800 bis 2 100 Metern in
Strauchformationen mit nur geringem Anteil an Bäumen über. Oberhalb der
Baumgrenze sind alpine Matten mit Rasengesellschaften verbreitet.
Die Poebene wird großflächig agrarisch
genutzt; zahlreiche Kulturpflanzen werden hier angebaut. In den zentralen und
südlichen Flachländern Italiens ist eine typisch mediterrane Pflanzenwelt
verbreitet. Im Norden des Landes gedeiht sie auch im Bereich der
Alpenrandseen, z. B. in den Uferregionen des Gardasees, sowie an der
ligurischen Küste. Zu der für diese Gegenden charakteristischen Pflanzenwelt
zählen z. B. Oliven-, Orangen- und Zitronenbäume sowie Palmen. Im
Süden gedeihen häufig Feigen-, Dattel-, Granatapfel- und Mandelbäume,
darüber hinaus auch Zuckerrohr und Baumwolle. Die niedrigeren Hänge der
Apenninen sind mit Kastanien, Zypressen und Eichen bewachsen, während in
höheren Lagen an den noch waldbedeckten Stellen Pinien- und Tannenwälder
verbreitet sind. Lang anhaltende Abholzung und Überweidung führten in
manchen Gebieten zur Entwicklung der Macchie, einer typischen
Sekundärvegetation, die heute in weiten Teilen des Mittelmeerraumes der
vorherrschende Vegetationstyp ist.
In Italien gibt es vergleichsweise
weniger Tierarten als in anderen Ländern Europas. In den Alpen leben
Murmeltiere, Steinböcke und Gämsen. Vereinzelt finden auch Braunbären,
Luchse, Hermeline und Schneehasen Lebensraum. Geier, Bussarde, Falken und
Milane sind dominierende Vogelarten in den Bergregionen. Wachteln,
Waldschnepfen, Rebhühner und verschiedene andere Zugvogelarten findet man in
vielen Teilen Italiens. Andererseits wurde die Vogelwelt durch die in Italien
weit verbreitete Jagd stark dezimiert. An Reptilien gibt es zahlreiche
Eidechsen- und Schlangenarten, unter diesen auch giftige Vipern. In einigen
Gebieten leben auch Skorpione.
Wirtschaft
Ein anhaltendes Problem der
italienischen Wirtschaft stellt das enorme Nord-Süd-Gefälle dar; der Süden
liegt hinsichtlich der Produktivität in fast allen Wirtschaftsbereichen weit
hinter dem Norden. Viele Süditaliener arbeiten in Norditalien oder im
benachbarten Ausland. Obwohl die Arbeitslosenrate immer noch unter zehn
Prozent liegt, ist die Arbeitslosigkeit ein im ganzen Land verbreitetes
Problem. Zusätzlich belasten Staatsschulden die Wirtschaft Italiens. Das
Bruttoinlandsprodukt Italiens beträgt etwa 1 024 Milliarden
US-Dollar.
Von den rund 24 Millionen Arbeitern
gehören etwa neun Millionen den drei großen Gewerkschaften an; der Confederazione
Generale Italiana del Lavoro (CGIL) mit kommunistischer Ausrichtung (circa
4,6 Millionen Mitglieder), der zur politischen Mitte orientierten Confederazione
Italiana Sindacati Lavoratori (CISL; rund 3 Millionen Mitglieder) und
der Unione Italiana del Lavoro (UIL; etwa 1,4 Millionen
Mitglieder).
Geschichte
Zur Geschichte Italiens bis zum
5. Jahrhundert n. Chr. siehe Rom, Geschichte von.
Weiterführende Literatur zur Entwicklung des heutigen Italien siehe
Etrusker (etruskische Kultur); Florenz; Genua; Lombardei; Mailand; Neapel;
Kirchenstaat; Savoyen, Haus von; Sizilien; Toskana; Venedig.
Das Ende des Weströmischen Reiches
476 n. Chr. wurde der letzte
unabhängige weströmische Kaiser, Romulus Augustulus, von dem einfallenden
Fürsten Odoaker besiegt, der daraufhin den Thron bestieg. 488 brachte
Theoderich, der König der Ostgoten, Odoaker eine vernichtende Niederlage bei
und wurde zum einzigen Herrscher Italiens. Er blieb bis zu seinem Tod 526 an
der Macht. Im Jahr 535 sandte der oströmische Kaiser Justinian I. (siehe
Byzantinisches Reich) den Feldherrn Belisarius aus, um die germanischen
Eindringlinge aus Italien zu vertreiben. Der folgende heftige Krieg endete 553
mit dem Tod des letzten Gotenkönigs Teja. Der byzantinischen Herrschaft war
nur eine kurze Dauer beschieden, denn 572 fiel ein anderer germanischer Stamm,
die Langobarden, in Italien ein. Alboin, ihr König, ernannte Pavia zur
Hauptstadt seines Reiches. Von hier aus begann er eine Reihe von Feldzügen,
die damit endete, dass den Byzantinern nichts mehr verblieb außer dem
südlichen Teil der Provinz und im Norden das Exarchat von Ravenna, dessen
Erzbischöfe zu dieser Zeit die wichtigsten religiösen Führer darstellten.
Religionskonflikte
Nach Alboins Tod 572 waren die Langobarden
für eine längere Zeit ohne Führer. Einzelne Gruppen vereinigten sich unter
regionalen, als duci bekannten Führern. Wie bereits die Goten zuvor,
waren auch die Langobarden Anhäger der Religion des Arianismus. Dies führte
zwangsläufig zu ständigen Religionskonflikten mit den einheimischen
Italienern, die überwiegend dem orthodoxen Christentum angehörten. Dieser
Konflikt verschärfte sich mit dem Machtzuwachs der Päpste. Letztendlich
konvertierte Agilulf, der von 590 bis 615 regierende Langobardenkönig, zum
orthodoxen Christentum und konnte somit eine Zeit lang ein relativ
harmonisches Zusammenleben garantieren. Um jedoch ihre politische Macht zu
festigen, begannen die Langobarden in päpstliches Gebiet einzudringen, ja
sogar Rom, das Zentrum der kirchlichen Autorität, zu bedrohen. 754 rief Papst
Stephan II. die Franken zu Hilfe, die bereits die geistliche Autorität
der Kirche anerkannt hatten. Unter der starken Führung von Pippin dem Kleinen
und seinem Sohn, Karl dem Großen, besiegten die Franken die Langobarden und
setzten damit 774 der langobardischen Herrschaft ein Ende. Am Weihnachtstag
des Jahres 800 wurde Karl der Große von Papst Leo III. zum Kaiser des
Weströmischen Reiches gekrönt.
Als im 9. Jahrhundert die Sarazenen
Sizilien unterwarfen und Rom bedrohten, bat Papst Leo IV. den Großenkel
Karls des Großen, Ludwig II., um Hilfe. Diesem gelang es, den Vormarsch
der Eindringlinge aufzuhalten. Nach seinem Tod überrannten die Muslime
Süditalien und zwangen die Päpste zu Tributzahlungen. Die Geschichte
Italiens während der darauf folgenden Jahrzehnte ist gekennzeichnet vom
Aufstieg und Fall einiger unbedeutender Könige. Die anarchische Periode
endete 962. In diesem Jahr wurde Otto I. nach der Einnahme Norditaliens
und der langobardischen Krone von Papst Johann XII. zum Kaiser gekrönt.
Dieses Ereignis wird von vielen als der Beginn der Errichtung des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation bezeichnet.
Die Opposition von Papsttum und Heiligem
Römischem Reich
Bis zum Ende des Mittelalters hatten die
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches die Herrschaft über Italien
beansprucht und sie auch ausgeübt, wenngleich in wechselndem Ausmaß. In der
Praxis existierte jedoch zu Beginn des 14. Jahrhunderts die kaiserliche
Autorität nur noch dem Namen nach. Der Süden Italiens war immer noch unter
byzantinischer und langobardischer Herrschaft. Allerdings brachen die
Normannen im 11. Jahrhundert die byzantinische Macht und vertrieben die
Langobarden. Sie vereinigten ihre territorialen Eroberungen in Italien 1127
mit Sizilien, das sie den Sarazenen abgerungen hatten. Diese Entwicklungen
fielen zusammen mit dem Wiederaufblühen der Macht der Päpste, die lange Zeit
hinter den Kaisern gestanden hatten. Die Machtkämpfe zwischen Kaisern und
Päpsten erreichten ihren Höhepunkt mit dem Investiturstreit. Im Wormser
Konkordat von 1122 mussten schließlich die Kaiser das Recht, den Papst zu
erwählen, an ein Kollegium von Kardinälen abgeben. Gleichzeitig mit dem
steigenden Einfluss des Papsttums erhob sich eine starke Opposition gegen die
anhaltende Herrschaft der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie zeigte
sich in Form der aufstrebenden italienischen Stadtstaaten. In Italien war das
Feudalwesen niemals so stark ausgeprägt wie in Frankreich und Deutschland.
Das lag zum einen am Fortbestand der römischen Tradition und zum anderen an
der großen Anzahl von Städten in Italien, denn der Feudalismus stellte eher
ein ländliches als ein städtisches Phänomen dar. Besonders die Städte im
Norden des Landes widersetzten sich der Macht des Kaisers des Heiligen
Römischen Reiches, Friedrich I., der heftige, aber ergebnislose Kriege
mit ihnen führte. Schließlich bildete sich 1167 der Lombardenbund heraus,
ein Zusammenschluss italienischer Städte. Nach dessen Sieg über Friedrich
bei Legnano (1176) unterzeichnete Friedrich 1183 den Frieden von Konstanz, der
den norditalienischen Städten quasi Autonomie zusicherte. Friedrich II.,
der letzte große Herrscher aus dem Fürstenhaus der Hohenstaufer, unternahm
einen endgültigen und erfolglosen Versuch, sowohl das Papsttum wie auch
dessen Verbündete zu stürzen. Italien selbst wurde durch die Kämpfe
zwischen den päpstlichen Parteien (den Guelfen) und den kaiserlichen Parteien
(den Ghibellinen) gespalten. Auch nach dem Ende der deutschen Kaiserpolitik in
Italien sollten die heftigen Kriege zwischen Guelfen und Ghibellinen noch
lange anhalten.
1266 waren Süditalien und Sizilien
unter die Vorherrschaft des französischen Hauses von Anjou geraten. 1282
befreite sich Sizilien vom französischen Joch und stellte sich unter den
Machtbereich Aragoniens. Siehe Sizilianische Vesper.
Der Aufstieg der Stadtstaaten
Mittlerweile waren einige norditalienische
Städte durch ihre rege Handelstätigkeit wohlhabend geworden und hatten
oligarchische Regierungsformen errichtet, die sogar zu demokratischen
tendierten. Die reichen Kaufmänner dieser Städte, die sich ihre zu Zeiten
des Heiligen Römischen Reiches gewonnene Unabhängigkeit erhalten konnten,
begannen bald gegen die Autorität der mächtigen Adeligen zu kämpfen. Es
gelang ihnen schrittweise, die Adeligen ihrer Macht zu berauben und sie zu
zwingen, ihre ausgedehnten Ländereien zu verlassen. Venedig z. B. hatte
sich durch die Teilnahme am 4. Kreuzzug enorme Besitzungen im Osten von
Byzanz angeeignet und ein weit reichendes Handelsimperium aufgebaut. Auf
ähnliche Weise wurden auch Pisa, Genua, Mailand und Florenz mächtig.
Zwischen Genua und Venedig entwickelte sich bald ein erbitterter Kampf um die
Vorherrschaft, den die Venezianer gegen Ende des 14. Jahrhunderts für
sich entscheiden konnten.
In jeder Stadt des nördlichen und
mittleren Italien hatte sich die Bevölkerung lange Zeit in Guelfen mit
progressiver und Ghibellinen mit konservativer Gesinnung gespalten. Die
ununterbrochenen Auseinandersetzungen innerhalb der Bevölkerung und der
Triumph einer Partei führten häufig zur Verbannung der Anhänger der
anderen. Gelegentlich erlangte eine vertriebene Partei mit Hilfe anderer
Städte die Macht zurück. Auf diese Weise kämpften dann oft ganze Städte
gegeneinander und lösten damit eine sich immer wieder verschiebende Abfolge
von Allianzen, Eroberungen und vorübergehenden Waffenruhen aus. Auf Handel
und Industrie, gleichsam die Hauptinteressen der Städte im Norden, wirkten
sich diese Turbulenzen selbstverständlich höchst nachteilig aus. In der
Folge wurde das Amt des Podesta, des obersten Friedensrichters,
eingeführt, um zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Dieses Amt
stellte sich alsbald als wirkungslos heraus, und der Podesta wurde im Lauf der
Zeit immer mehr zu einem Richter. Seinen Platz als Stadtherr füllte fortan
ein Capitano del Popolo (Führer der bürgerlichen Miliz) aus der
regierenden Partei; gewöhnlich nahm ein Adeliger diese Position ein. Das
Volk, das sich nur nach Frieden sehnte, fügte sich der zentralen Autorität.
So bekam nach und nach jede Stadt ihren Despoten bzw. absoluten Herrscher.
Häufig wurde dieses Amt innerhalb weniger Adelsfamilien weitervererbt. Die
bekanntesten Herrscherfamilien waren die Scala in Verona, die Este in Ferrara,
die Malatesta in Rimini und die Visconti, später die Sforza in Mailand. Unter
der Herrschaft dieser Despoten vermehrte sich der Reichtum, das Leben wurde
luxuriöser und Literatur und Kunst erlebten eine Blütezeit. Schleichend
gerieten die kleineren Städte unter den Einfluss der größeren.
Die Epoche des Wohlstands
In der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte
Italien großen Reichtum bei vergleichsweise ruhiger politischer Lage
erreicht. Als Vorreiter des Wiedererweckens der Gelehrsamkeit und der Künste,
bekannt als Zeit der Renaissance, stand Italien in kultureller Hinsicht den
anderen europäischen Nationen weit voran. Am überragendsten war
diesbezüglich die Toskana, aus welcher der große Dichter Dante Alighieri und
der Maler Giotto hervorgingen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde
Italien das Ziel mehrerer aggressiver Kriege, angeführt von Frankreich,
Spanien und Österreich, die mit der Vorherrschaft der spanischen und
österreichischen Habsburger endeten. 1494 bereitete Karl VIII. von
Frankreich die Eroberung des Königreiches Neapel vor, das damals vom Hause
Aragón regiert wurde. Karl führte diesen Feldzug zusammen mit dem Mailänder
Regenten Ludovico Sforza und den Bürgern von Florenz durch, die sich gegen
die Medici erhoben. Er marschierte in Italien ein, besetzte Neapel und schloss
mit Florenz einen Vertrag über die Vertreibung der Medici und die
Unterwerfung des Papstes. Daraufhin schlossen Spanien, der Papst, der Kaiser
des Heiligen Römisches Reiches und die italienischen Stadtstaaten Venedig und
Mailand einen Bund und zwangen Karl sich aus Neapel und ganz Italien
zurückzuziehen. Obwohl die Invasion des französischen Königs keine
bedeutenden politischen Ergebnisse brachte, so war sie doch ein wichtiges
Instrument für die Verbreitung der italienischen Kultur in Europa.
Frühe Neuzeit
Während des 16. Jahrhunderts fielen die
Staaten der Italienischen Halbinsel den Armeen der nördlichen Nachbarländer
zum Opfer. 1499 unterwarf König Ludwig XII. von Frankreich, der
Nachfolger Karls VIII., das Herzogtum Mailand, das in der Folgezeit unter
wechselnder Herrschaft der Franzosen und Habsburger stehen sollte. 1501 gelang
es Ferdinand V. von Kastilien, der zugleich seit 1468 König von Sizilien
war, Neapel und Sizilien unter einer Krone zu vereinigen. Die Rivalitäten
zwischen Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und König
Franz I. von Frankreich führten zu einer erneuten französischen
Invasion in Italien. Zunächst waren die Invasoren im Verbund mit
Florentinern, Genuesen und Venezianern erfolgreich, letztendlich mussten sie
sich jedoch geschlagen geben. Im Frieden von Cambrai (1529) musste Franz all
seine Gebietsansprüche in Italien aufgeben. Obwohl er in den vierziger Jahren
des 16. Jahrhunderts erneut den Krieg suchte, blieb die Vorherrschaft
Karls in Italien ungebrochen. Zudem konnte Karl durch das Aussterben der
Mailänder Sforza-Dynastie 1535 auch die Kontrolle über deren Herzogtum
übernehmen, das alsbald in das spanische Habsburgerreich eingegliedert wurde.
Fast 200 Jahre lang blieb Mailand in spanischem Besitz. Nur wenige der
zahlreichen Stadtstaaten Italiens konnten überleben, Genua und Venedig waren
die einzigen, die ihren Einfluss bewahren konnten. Venedigs letzte
bemerkenswerte Errungenschaft als unabhängige Stadt war die Eroberung der
Peloponnes 1684, die jedoch bereits 1715 wieder verloren ging.
Während des 18. Jahrhunderts blieb
Italien gespalten und unter ausländischer Herrschaft. Bis 1748 stellte es den
Schauplatz einer langen Abfolge europäischer Kriege mit sich verschiebendem
Mächtegleichgewicht dar. Venedig wandte sich nach Osten, der Kirchenstaat
wurde isolierter und Florenz verlor in seinem Gebiet die zentrale Rolle. Das
Herzogtum Savoyen, zwischen Frankreich und den Habsburgischen Besitzungen in
Italien gelegen, entwickelte sich hier zur stärksten Macht. Herzog Viktor
Amadeus II. ging aus dem Spanischen Erbfolgekrieg mit Ansehen und Macht
gestärkt hervor. Der Frieden von Utrecht (1713) beschied ihm den Königstitel
und Sizilien, das er an Österreich abtrat, um im Gegenzug Sardinien zu
erhalten (1720). Durch die Verträge von Utrecht gingen die spanischen
Besitzungen in Italien an die Österreicher über, welche die Halbinsel fast
während der gesamten zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts regieren
konnten.
Das Napoleonische Zeitalter
1796 marschierte Napoleon Bonaparte, der
spätere Kaiser Frankreichs, in Italien ein. Seine Siege führten zum Frieden
von Campo Formio (1797) und zur Errichtung der Cisalpinischen und der
Ligurischen Republik mit den Hauptstädten Mailand und Genua. Venedig und
dessen Gebiete gingen an Österreich über. 1805 wurde Napoleon in Mailand zum
König von Italien gekrönt. Im darauf folgenden Jahr vereinnahmte er das
Königreich Neapel. Die Insel Sizilien konnten sich die napoleonischen
Bourbonen gegen die britische Flotte sichern. Neapel wurde Napoleons Bruder
Joseph und später seinem Schwager Joachim Murat übergeben. 1810 war dann
sogar Rom ins Französische Großreich eingegliedert worden.
Napoleons Position in Italien wurde
durch die Niederlage bei Leipzig 1813 geschwächt, als die Österreicher in
Norditalien einmarschierten und die britische Flotte Genua okkupierte. Der
Wiener Kongress (1814/15) garantierte die Restauration der österreichischen
Herrschaft über die Halbinsel, Sardinien jedoch erlangte Piemont und Nizza
zurück, Genua fiel wieder an Savoyen.
Zeitalter des Risorgimento
Der italienische Widerstand gegen die
Vorherrschaft Österreichs war durch eine wachsende Bewegung für nationale
Einheit und Unabhängigkeit gekennzeichnet, die Risorgimento genannt
wird. Trotz repressiver Maßnahmen seitens der unbedeutenden Despoten, die
sich durch das diplomatische Geschick des österreichischen Staatsmannes Prinz
Klemens von Metternich und durch die Androhung militärischer Intervention
ihre Herrschaft sichern wollten, setzte sich ein Netzwerk von Geheimbünden
der traditionellen Ordnung entgegen. Diese Bünde, darunter besonders die
Carbonari in Süditalien, spielten in der von Österreich letztendlich
unterdrückten Revolution von 1820 eine äußerst wichtige Rolle.
Nationale Bewegungen
Die Julirevolution von 1830, die die
Bourbonen vom französischen Thron vertrieb, hinterließ auch in Italien ihre
Spuren. 1831 kam es zu Aufständen im Kirchenstaat. In Rom fand daraufhin ein
Kongress mit den Vertretern der einzelnen Wahlkreise (außer Rom und wenigen
Städte im Umfeld Anconas) statt, bei dem eine die republikanische
Regierungsform errichtende Verfassung übernommen wurde. Entsprechend den
Forderungen Papst Gregors XVI. unterdrückte Österreich diese
revolutionäre Bewegung im Kirchenstaat und stellte Bologna unter
militärische Aufsicht.
1831, nach dem Tod von König Karl Felix
von Sardinien, gelangte Karl Albert auf den Thron. Der Prinz von Savoyen und
Piemont wollte als Regent bereits 1821 seinem Volk eine Verfassung
garantieren. In der Meinung, dass er immer noch an seinen liberalen Ansichten
festhielte, forderte der italienische Patriot Giuseppe Mazzini von dem neuen
König die Befreiung Italiens. Die Festnahme Mazzinis war die Antwort darauf.
Dennoch hofften die italienischen Patrioten, dass die sardinische Monarchie
die Befreiung Italiens anführen würde.
Von seinem französischen Exil in
Marseille aus gründete Mazzini 1831 eine Organisation, die sich Giovane
Italia (Junges Italien) nannte, um die patriotischen und republikanischen
Ideale dem italienischen Volk näherzubringen. Seine Ziele, seine Erziehung
und sein Aufstand inspirierten zahlreiche Revolutionen, die jedoch immer
wieder unterdrückt wurden. Manche Italiener stellten die radikalen Taktiken
in Zweifel und vermuteten, dass die patriotische Bewegung eine
verantwortungsvollere Führerschaft benötige.
Die Neuguelfen setzten sich für eine
Regierungsform ein, in welcher der Papst sowohl die politische als auch die
geistige Führerschaft innehaben sollte. 1846 erhielten die patriotischen und
Neuguelfen-Bewegungen durch die Wahl Pius IX. zum Papst Auftrieb. Dieser
wurde als liberal und patriotisch eingestuft. Er begann sogleich damit, ein
umfangreiches Reformprogramm für den Kirchenstaat aufzustellen. Politische
Gegner erhielten Amnestie, ins Exil Verbannte durften zurückkehren, die
Pressefreiheit wurde eingeführt, die höchsten Regierungsämter wurden auch
Laien zugänglich und eine Kammer mit beratender Funktion sollte Vorschläge
für neue Reformen ausarbeiten. Dem Beispiel des Papstes folgten die Herrscher
von Lucca, Piemont und der Toskana. Diese Reformen von 1846 konnten die
patriotische Bewegung nicht zerstreuen, vielmehr verstärkte sich diese 1847.
Im Januar 1848 vertrieb das Volk von Palermo die Truppen Ferdinands II.,
König der beiden Sizilien. Als Antwort auf diesen revolutionären Ausbruch
auf dem Festland gestand er seinen italienischen Staatsbürgern eine
Verfassung zu. Zur gleichen Zeit erließ auch Leopold II., der Erzherzog
der Toskana, für sein Herzogtum eine Verfassung. Gleiches tat in Turin Karl
Albert, angetrieben von dem Conte Camillo Benso di Cavour. Papst Pius IX.
stimmte daraufhin widerwillig einer Verfassung für den Kirchenstaat zu,
obwohl er den Lauf der Dinge mit Besorgnis beobachtete.
Die Aufstände von 1848
Der Ausbruch der Revolution in Wien (1848)
führte nicht nur zur Absetzung Metternichs, sondern diente auch als Signal
für den Aufstand in Mailand am 18. März. Am 22. März vertrieben
die Mailänder die österreichischen Truppen aus ihrer Stadt. In Venedig
ereilte sie dasselbe Schicksal, daraufhin wurde die Venezianische Republik
ausgerufen. Die autokratischen Herrscher von Parma und Modena wurden zur
Abdankung gezwungen. In Piemont riefen die Patrioten einen Befreiungskrieg
aus, um die Österreicher von italienischem Boden zu vertreiben. Nach kurzem
Zögern mobilisierte Karl Albert seine Armee und eilte der Lombardei zur
Hilfe. Er marschierte am 26. März ein und wurde als Befreier Italiens
bejubelt.
Die Weigerung des Papstes, am Krieg
teilzunehmen, der Zusammenbruch der Revolution in Neapel Mitte Mai und die
Niederlage der Piemonteser gegen die Österreicher am 24. Juli
schmetterten jedoch die Hoffnungen der Italiener nieder. Im folgenden
Waffenstillstand mussten die Piemonteser die Lombardei wieder zurückgeben.
Die Verurteilung dieses Waffenstillstands durch Karl Albert endete mit einer
verheerenden Niederlage in der Schlacht von Novara im März 1849. Daraufhin
dankte er ab und überließ den Thron seinem Sohn Viktor Emanuel II.
Die Revolution in Rom
Papst Pius IX. war mittlerweile wegen
der Nichtteilnahme an der nationalen Befreiung von Radikalen im Kirchenstaat
verurteilt worden. Aufgrund eines Volksaufstandes in Rom mussten der Papst und
sein engster Berater, der Kardinal Giacomo Antonelli, im November 1848 aus der
Hauptstadt fliehen. Während seiner Abwesenheit wurde die weltliche Macht des
Pontifex abgeschafft und die Republik ausgerufen. Anfang 1849 legte Kardinal
Antonelli bei den römisch-katholischen Kirchen in Frankreich, Österreich,
Spanien und Neapel Berufung ein, um die Republik zu stürzen. Trotz der
Bemühungen Mazzinis, des Regierungsoberhauptes, und der militärischen
Führung unter Giuseppe Garibaldi marschierte Österreich im Norden ein, die
Spanier und Neapolitaner im Süden, und französische Truppen besetzten im
Juli 1849 Rom. Die Herrschaft des Papstes war wiederhergestellt.
Garibaldi und Cavour
Viktor Emanuel blieb der liberalen, von
seinem Vater verkündeten Verfassung treu und behielt die Trikolore bei, die
das freie Italien symbolisierende Flagge. Damit ermutigte er politische
Flüchtlinge aus den restaurierten konservativen Staaten der Halbinsel, in
Sardinien Asyl zu finden. 1852 wurde Cavour Ministerpräsident Sardiniens und
führte 1855 sein Land an der Seite Großbritanniens und Frankreichs in den
Krimkrieg. Bei der Friedenskonferenz von 1856 in Paris bezeichnete Cavour mit
dem Einverständnis des französischen Herrschers Napoleon III. die
italienische Frage als ein internationales Problem. 1858 traf er sich heimlich
mit Napoleon um einen frankosardinischen Krieg gegen Österreich für die
Befreiung Italiens zu planen. Der Krieg begann 1859. Die frankoitalienische
Koalition gewann die Schlachten von Magenta und Solferino, allerdings mit
hohem Kostenaufwand. Aus Angst vor den Konsequenzen eines langen Krieges ließ
Napoleon die Italiener im Stich und schloss mit den Österreichern eine
vorläufige Übereinkunft im Juli 1859. Daraufhin akzeptierten die Sardinier
die im Vertrag von Zürich bestimmten Bedingungen; Österreich trat den
größten Teil der Lombardei an Frankreich ab, das wiederum die lombardischen
Städte Peschiera und Mantua an Sardinien abgab. Überall beschleunigte sich
nun der Antrieb zur Vereinigung Italiens. In einer Reihe von Volksentscheiden
im Jahr 1860 stimmten das Volk von Romagna und die Herzogtümer Parma und
Modena für die Einheit mit Sardinien. Frankreich erhielt im Gegenzug für
seine Hilfe Nizza und Savoyen. Im April 1860 erhob sich Palermo gegen
Franz II., den König der beiden Sizilien. Im Mai führte Garibaldi, mit
geheimer Unterstützung von Cavour, von Genua aus eine Hilfsexpedition für
die sizilianische Revolte an. Er hatte bald die Kontrolle über Sizilien
gewonnen, attackierte im August das neapolitanische Festland und erstürmte
Neapel am 7. September. Franz floh in die Festung von Gaeta. Der
Regierung Sardiniens war die Eroberung durch Garibaldi willkommen, sie hatte
offiziell eine neutrale Haltung eingenommen. Als Garibaldi in Rom
einzumarschieren drohte, das ja von französischen Truppen beschützt war,
wurde Cavour alarmiert. Mit Napoleons Zustimmung positionierte er seine
Truppen im Kirchenstaat, um Garibaldi abzuwehren. Im weiteren Verlauf
integrierte Sardinien den größten Teil des Kirchenstaates, überließ dem
Papst aber Rom und die nähere Umgebung. In der Zwischenzeit zeigten
Volksentscheide in Neapel und Sizilien, an den Grenzgebieten und in Umbrien
den Willen zur Einheit mit Sardinien.
Das Königreich Italien
Am 17. März 1861 wurde das
Königreich Italien ausgerufen, mit Viktor Emanuel II. als König und
Cavour als Premierminister. Italien hatte jedoch noch nicht wieder seine
frühere Größe erreicht, denn Rom und Venedig gehörten noch nicht zum
Königreich. Cavour, der auf deren friedliche Aufnahme hinarbeitete, starb im
Juni. Im folgenden Jahr organisierte Garibaldi von Sizilien aus den Marsch
nach Rom. Aus Angst vor französischer Intervention wurde er von der
italienischen Regierung verurteilt. Als er mit seinen Freischaren in Kalabrien
landete, hielten ihn die Truppen Viktor Emanuels auf und zwangen ihn im August
1862, sich zu ergeben. 1866 schloss Italien ein militärisches Bündnis mit
Preußen gegen Österreich und konnte am Ende eines siebenwöchigen Krieges
Venedig erobern. Rom hingegen blieb auch nach einem erneuten Angriff
Garibaldis und seiner Anhänger unerreichbar. Der Kirchenstaat konnte mit
Hilfe französischer Truppen die Freischärler bei Mentana 1867 abwehren. 1870
zog Napoleon III. als Folge seiner Niederlage im Deutsch-Französischen
Krieg seine Truppen aus Rom ab, wodurch die Italiener letztendlich Rom
besetzen konnten. Nach einem Volksentscheid im Oktober zugunsten der Einheit
mit dem Italienischen Königreich wurde Rom im Juli 1871 die Hauptstadt eines
vereinigten Italien.
Koloniale Unternehmungen
Nach dem Tod von Viktor Emanuel im Januar
1878 folgte dessen Sohn, Umberto I., auf den italienischen Thron.
Während seiner Regentschaft trat Italien 1882 dem Dreibund mit Deutschland
und Österreich-Ungarn bei, der die Teilung Europas in zwei feindliche Lager
kennzeichnete. Am 29. Juli 1900 wurde Umberto von einem Anarchisten
ermordet, Victor Emanuel III., sein Sohn, wurde sein Nachfolger.
Beschleunigt durch die Beispiele Frankreichs und Großbritanniens und durch
die Absicht, von den wirtschaftlichen und sozialen Problemen im eigenen Land
abzulenken, hatte die Regierung mittlerweile ein Kolonialprogramm eingeleitet.
Anfang 1885 besetzte eine italienische Expedition Teile Ostafrikas. Diese
Gebiete wurden 1890 mit der Kolonie Eritrea zusammengeschlossen. In diesem
Jahr errichtete Italien ein Protektorat über das Küstengebiet südlich von
Britisch-Somaliland. Daraufhin beschloss der Premierminister Francesco Crispi,
sich aus dem Küstengebiet zurückzuziehen um Abessinien (Äthiopien)
einzunehmen. Er erlitt jedoch 1896 eine bittere Niederlage und musste die
Unabhängigkeit Abessiniens anerkennen. Darüber hinaus marschierten
italienische Truppen in Libyen 1911 ein. Im folgenden Italienisch-Türkischen
Krieg konnte Italien seine Besitzungen an der libyschen Küste bestätigen.
Italien vor dem 1. Weltkrieg
Von 1901 bis 1914 erfuhr Italien unter dem
Premierminister Giovanni Giolitti sowohl eine politische als auch soziale und
wirtschaftliche Modernisierung. Giolitti wird zwar vorgeworfen, sich in den
Wahlvorgang eingemischt, den Protektionismus toleriert und eine nahezu
parlamentarische Diktatur geschaffen zu haben, andererseits wird er aber auch
als Macher des heutigen Italien gepriesen. Er führte in seiner Amtszeit
zahlreiche Reformen ein; er erkannte das Streikrecht der Arbeitnehmer für
höhere Löhne an, verbesserte durch Veränderungen im Wahlmodus die Ausübung
des Stimmrechtes erheblich, bezog die Katholiken in das politische Leben
Italiens mit ein und erließ ein erstes wichtiges Gesetz zugunsten des
wirtschaftlich weniger entwickelten Südens. Außenpolitisch verbesserte er
die Beziehungen zu Frankreich, Italien blieb jedoch weiterhin im Dreierbund.
Während der Ära Giolitti konnte Italien ein Industriewachstum von
87 Prozent verzeichnen, einen Anstieg der Arbeitslöhne um mehr als
25 Prozent trotz kürzerer Arbeitszeiten und die Einführung eines
gesetzlich festgelegten freien Arbeitstages. In vielerlei Hinsicht war zu
dieser Zeit ein demokratisches Italien im Entstehen, doch wurde dieser Prozess
durch die Teilnahme am 1. Weltkrieg unterbrochen.
1. Weltkrieg
Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges im
August 1914 löste die italienische Regierung den Dreierbund auf und nahm
zunächst eine neutrale Haltung ein. Im Anschluss an die Unterzeichnung des
Londoner Geheimvertrags mit den Alliierten erklärte Italien jedoch
Österreich und der Türkei den Krieg, ein Jahr später auch Deutschland.
Italien schickte zunächst Truppen in die Region Trentino (Südtirol). 1916
konterten die Österreicher mit einigen Offensiven im Nordosten Trients und
entlang des Ostufers der Etsch, wobei sie die Städte Asiago und Asiero
einnehmen konnten. Den Großteil der verlorenen Gebiete gewannen die
italienischen Streitkräfte in der Isonzoschlacht in Venezia Giulia (Julisch-Venetien)
mit der Einnahme von Gorizia am 9. August wieder zurück. Danach sollte
ihnen jedoch nur wenig Erfolg beschieden sein. Im Oktober 1917 griffen
Österreich und Deutschland gemeinsam die italienische Verteidigung an und
errangen einen Sieg bei Caporetto in Venezia Giulia. Die Italiener mussten den
Rückzug antreten und sowohl Gorizia als auch das Karsthochland aufgeben. Die
italienischen Stellungen wurden zudem noch von den Julischen Alpen bis zum
Adriatischen Meer bedroht, so dass sie schließlich bis hinter die Piave
zurückweichen mussten. Verstärkt durch französische und britische Truppen
konnten sie eine österreichische Offensive im Juni 1918 abwehren und einen
überwältigenden Sieg in der Schlacht von Vittorio Veneto
(24. Oktober-4. November) feiern. Daraufhin okkupierte die
italienische Armee Udine und Trient, und die Marinetruppen landeten in Triest.
In der Zwischenzeit hatten die österreichisch-ungarische Regierung und die
Alliierten am 3. November einen Waffenstillstand unterzeichnet. Die Zahl
der italienischen Kriegsopfer übertraf eine halbe Million. In den folgenden
Verträgen erhielt Italien zwar Trient, Triest und Südtirol, aber nicht alle
im Londoner Vertrag zugesicherten Gebiete, auch nicht Dalmatien und Fiume. Im
November 1920 unterzeichneten Italien und das Königreich der Serben, Kroaten
und Slowenen (später in Jugoslawien umbenannt) den Vertrag von Rapallo. Fiume
wurde ein freier Staat und Italien versuchte erneut, seinen Anspruch auf
Dalmatien geltend zu machen.
Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg
Von 1919 bis 1922 wurde Italien von sozialen
und politischen Unruhen heimgesucht, von Inflation und wirtschaftlichen
Problemen, die zudem durch die Meinung verstärkt wurden, Italien habe zwar
den Krieg gewonnen, aber den Frieden verloren. Bewaffnete Verbände mit einer
stark nationalistischen Ausrichtung, bekannt als Fascisti (siehe
Faschismus), bekämpften sozialistische und kommunistische Gruppen in Rom,
Bologna, Triest, Genua, Parma und weiteren Städten. Während Giolittis
letzter Amtsperiode von 1920 bis 1921 kehrte zumindest ein Anflug von
Normalität zurück. Er formte zwar einen nationalen Block von Liberalen,
Nationalisten und anderen, einschließlich der Faschisten, jedoch gelang es
ihm nicht, eine stabile Parlamentsmehrheit aufzubauen, weil ihm die zwei
größten Parteien, die Sozialisten und die neu geformte Katholische
Volkspartei ihre Unterstützung versagten. Daraufhin dankte Giolitti ab. Sein
Abgang ließ eine Periode der Unsicherheit vorausahnen. Viele Landbesitzer
fürchteten, dass ihre Anwesen von Bauern beschlagnahmt würden, die
Mittelklasse und die Industriellen wiederum, dass aus Italien eine Republik im
sowjetischen Stil werden würde, und die konservativen Römisch-Katholischen
betrachteten Sozialismus, Kommunismus und Atheismus als große Gefahr für die
religiöse Ordnung. Am 24. Oktober 1922 verlangte der Führer der
Faschisten, Benito Mussolini, ermutigt durch die Unterstützung der
Konservativen und der früheren Soldaten, dass die Regierung seiner Partei
anvertraut würde. Bei Verweigerung seiner Bedingungen drohte er, die Macht
mittels Gewalt zu ergreifen. Als die Faschisten für den Marsch nach Rom mobil
machten, legte der Premierminister Luigi Facta sein Amt nieder. Am
28. Oktober forderte Viktor Emmanuel Mussolini auf, eine neue Regierung
zu formen.
Die faschistische Diktatur
Obwohl Mussolini mit außerordentlicher
Machtbefugnis ausgestattet worden war, um die Ordnung wieder herzustellen,
regierte er anfangs gemäß der Verfassung. 1923 stand er an der Spitze einer
Regierungskoalition von Liberalen, Nationalisten, Katholiken sowie auch
Faschisten. Nach den die Wahlen von 1924 begleitenden Gewalttaten und der
Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti (1924), setzte
Mussolini an, die konstitutionelle Regierung zu suspendieren. Schritt für
Schritt begann er eine Diktatur zu errichten. Er versagte dem Parlament
Gesetzesinitiativen, verantwortete sich nur vor dem König, verlangte vom
Parlament die Autorität, Erlasse mit Gesetzeskraft herauszugeben, errichtete
eine vollkommene Pressezensur und verbot 1926 die Oppositionsparteien.
Wirtschaftliche Maßnahmen
1928 wurden weitere Maßnahmen zur Umwandlung
der Nation in einen faschistischen Staat ergriffen. Die oberste Macht hatte
theoretisch der Großrat des Faschismus, bestehend aus der Führungsriege der
Partei mit dem Premierminister als Vorsitzendem. Der Großrat hatte die
Aufgabe, eine Liste der Kandidaten für die Abgeordnetenkammer aufzustellen
und musste bei allen wichtigen Regierungsangelegenheiten befragt werden,
besonders bei der Wahl zum Thronfolger bzw. zu Mussolinis Nachfolger. Seine
größten diplomatischen Triumphe erzielte Mussolini 1929 mit den
Lateranverträgen zwischen dem italienischen Staat und dem Papst. Diese
beseitigten die 60 Jahre alten Streitigkeiten bezüglich der weltlichen
Macht des Papstes durch die Schaffung der Vatikanstadt in Rom.
Während der 1929 einsetzenden
Weltwirtschaftskrise schritt die faschistische Regierung vermehrt ein, um den
Zusammenbruch mehrerer Industriezweige zu verhindern. Der Bau neuer Fabriken
oder die Ausweitung alter war ohne Zustimmung der Regierung verboten. Die
Regierung organisierte die Eisen- und Stahlindustrie um, baute
Wasserkraftwerke weiter aus und setzte weitere öffentliche Projekte in Gang.
Das Militär wurde vergrößert und besser ausgerüstet. Gegen Ende 1933
forderte Mussolini die italienische Abgeordnetenkammer öffentlich auf, sich
per Gesetz außer Amtes zu setzen und ihre Aufgaben und Funktionen dem
Nationalrat der Korporationen zu übertragen. Dieser Schritt wurde
schließlich 1939 ausgeführt. Die Abgeordnetenkammer wurde durch die Kammer
der Fasci und Korporationen ersetzt, die sich aus ungefähr
800 Mitgliedern aus dem Nationalrat der Korporationen zusammensetzte.
Innerhalb ihres jeweiligen Industriezweiges wurde den Korporationen die
Regulierung der Preise und Gehälter, die Planung der Wirtschaftspolitik sowie
die Erfüllung anderer wirtschaftlicher Funktionen anvertraut.
Politische Beziehungen zu Deutschland
1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler von
Deutschland ernannt, was von der italienischen Presse mit Zurückhaltung
aufgenommen wurde. Hitler hingegen erklärte sein Wohlwollen gegenüber dem
italienischen Faschismus. Eine deutsch-italienische Achse wurde nicht sofort
gebildet, denn der Versuch der Deutschen, Österreich 1934 zur Eingliederung
ins Dritte Reich zu zwingen, hatte eine vorübergehende Verbesserung der
italienisch-französischen Beziehungen zur Folge. Mussolini ließ 75 000
italienische Soldaten an der italienisch-österreichischen Grenze
aufmarschieren und kündigte im Fall eines deutschen Angriffs seine
Intervention an. Seinen ehemaligen Verbündeten aus dem 1. Weltkrieg
rückte Italien 1935 wieder näher, als es zusammen mit Frankreich und
Großbritannien aus Protest gegen die wiederholten Verletzungen des Versailler
Vertrags durch Deutschland die Stresafront bildete.
Der abessinische Feldzug
Die italienische Invasion in Abessinien 1935
verärgerte Europa und brachte somit die faschistische und die
nationalsozialistische Diktatur einander näher. Grundsätzlich war Abessinien
durch zahlreiche kommerzielle und diplomatische Pakte mit dem faschistischen
Italien verbunden, dennoch suchte Italien jede Möglichkeit, es in das
italienische Kolonialreich zu integrieren. Dem abessinischen Krieg ging 1935
ein französisch-italienisches Abkommen voraus, in dem Italien den Franzosen
im Fall einer deutschen Wiederaufrüstung Unterstützung zusicherte, um im
Austausch dafür französische Konzessionen in Afrika zu erhalten.
Großbritannien betrachtete Italiens aggressive Expansion als Bedrohung seiner
eigenen Interessen und stellte sich heftig gegen Mussolinis Plan.
Am 3. Oktober marschierte Italien
in Abessinien ein. Vier Tage später klagte der Völkerbund Italien wegen
Verletzung seiner Vertragsverpflichtungen an und verhängte
Wirtschaftssanktionen. Dem Bund gelang es nicht, diese Sanktionen
durchzuführen, was maßgeblich zu Italiens Sieg beitrug. Am 9. Mai 1936
annektierte Mussolini formell Abessinien und ernannte Viktor Emanuel III.
zum Kaiser von Äthiopien. Innerhalb eines Monats wurde das Land zusammen mit
Eritrea und Italienisch-Somaliland in der Kolonie Italienisch-Ostafrika
zusammengeschlossen. Im Oktober 1936, nach Anerkennung der italienischen
Eroberung durch Deutschland, schlossen Hitler und Mussolini ein
Freundschaftsbündnis.
Der Spanische Bürgerkrieg
Die italienische Wirtschaft war erneuten
Belastungen ausgesetzt durch Mussolinis aktive Parteinahme für General
Francisco Franco und den Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). In den
Schlachten von Málaga und Santander spielten die italienischen Truppen eine
wichtige Rolle; die Luftwaffe Italiens wurde ebenso eingesetzt wie seine
Marineeinheiten, die angeblich zahlreiche neutrale Schiffe versenkten, die an
die regierungstreuen Häfen Öl, Nahrungsmittel und andere Vorräte für die
republikanischen Armeen liefern sollten. An der Front von Guadalajara wurden
die italienischen Streitkräfte im März 1937 von spanischen Loyalisten in die
Flucht geschlagen. Offiziellen Angaben zufolge wurden dabei 4 000
italienische Soldaten getötet und 15 000 verwundet.
Die Achse Berlin-Rom
Bereits 1937 zeigte die Kooperation mit
Deutschland erste Ergebnisse. Nach seinem Deutschlandbesuch im September
bekräftigte Mussolini Italiens Festhalten am Antikominternpakt mit
Deutschland und Japan und trat kurz darauf aus dem Völkerbund aus. Als
Österreich im März 1938 an Deutschland angeschlossen wurde, verweigerte
Mussolini den Österreichern seine Hilfe und stellte damit seine
deutschlandfreundliche Politik eindrücklich unter Beweis. In der Zwischenzeit
fruchtete auch der wachsende Einfluss der nationalsozialistischen Rassenlehre
im faschistischen Italien und drückte sich in einer Reihe von Beschlüssen
aus, die die Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten der italienischen
Juden zum Ziel hatten. Darunter ein Gesetz, das alle Juden von öffentlichen
und militärischen Ämtern ausschloss. Beim Münchner Abkommen 1938 und der
anschließenden Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland
unterstützte Mussolini in hohem Maß Hitlers Forderungen. Im Mai 1939
schlossen die beiden Diktatoren einen Freundschafts- und Bündnispakt.
Der 2. Weltkrieg
Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges im
September 1939 erklärte Mussolini, er könne unter keinen Umständen
Deutschland militärisch unterstützen, da Italien nicht vor 1942 für einen
Krieg bereit wäre.
Der Kriegseintritt Italiens
Nach Deutschlands Erfolgen im ersten
Kriegsjahr änderte Mussolini seine Politik. Nachdem Frankreich gerade eine
schwere Niederlage erlitten hatte und britische Truppen dem mächtigen
deutschen Heer ohne Unterstützung verbündeter Streitkräfte
gegenüberstanden, trat Italien im Juni 1940 in den Krieg ein und sicherte
Frankreich einen Waffenstillstand zu. Im August 1940 besetzten italienische
Truppen in Ostafrika Britisch-Somaliland, im November setzten sie von Libyen
und Italienisch-Ostafrika aus zu einer groß angelegten Zangenbewegung an, mit
dem Ziel, die britischen Verteidigungsmächte in Ägypten zu bezwingen. Am
28. Oktober 1940 marschierten faschistische Kräfte von Albanien aus in
Griechenland ein, offensichtlich um die Briten von Ägypten abzulenken und
Stützpunkte auf der griechischen Halbinsel zu sichern. Die Invasion schlug
fehl, Griechenland konnte die Italiener aus seinem Land und aus Albanien
vertreiben. Dieses Debakel, dem noch britische Siege im Mittelmeerraum und in
Ägypten folgten, erschütterte das faschistische Regime aufs tiefste.
Mussolini konnte nicht umhin, Hitler um Hilfe zu bitten und sich damit in
allen Bereichen vermehrt unter deutsche Kontrolle zu bringen. Auch mittels
radikaler Veränderungen in der faschistischen Militärhierarchie und anderen
Reformen war es nicht möglich, die Moral des italienischen Volkes wieder
herzustellen.
Der Krieg auf dem Balkan
1941 hatte Italien mehrere militärische
Niederlagen zu verzeichnen und litt aufgrund der Blockade der Alliierten unter
wachsenden wirtschaftlichen Einschränkungen. Eine antifaschistische Stimmung
machte sich in der ganzen Bevölkerung breit. Der durch Hitlers Einmischung
erfolgreiche Ausgang des Balkanfeldzuges glich die vorhergegangenen
Rückschläge durch den Hinzugewinn von mehreren neuen Gebieten etwas aus.
Nach Absprache mit Deutschland besetzten italienische Truppen fast ganz
Griechenland. Bald hatte Italien erkannt, dass der Gewinn der Balkangebiete
illusorisch war, da diese praktisch unter deutscher Kontrolle standen. Zudem
musste Italien für Hitlers militärische Hilfe einen immer höheren Preis
zahlen. Auch seine Nahrungsmittel und andere wichtige Waren gingen zur Neige,
da große Mengen ins Deutsche Reich geschafft wurden. Italien erklärte der
Sowjetunion (UdSSR) am 22. Juni 1941 den Krieg, an dem Tag der deutschen
Invasion, und fünf Wochen später wurde die erste italienische Division an
die russische Front geschickt. Mit zunehmender Erschöpfung der deutschen
Offensive stiegen auch Hitlers Forderungen an Mussolini.
Kriegseintritt der Vereinigten Staaten
Gleichzeitig liefen Italiens Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten auf eine Kraftprobe zu. Im März beschlagnahmte die
amerikanische Regierung 28 italienische Handelsschiffe und ließ die
Besatzungen festnehmen. Italien fordert im Gegenzug die Abtretung des
amerikanischen Militärattachés in Rom. Als im Juni italienische
Vermögenswerte in den USA beschlagnahmt wurden, ergriff Italien ähnliche
Maßnahmen im eigenen Land. Im Dezember, nach dem Angriff der Japaner auf
Pearl Harbor, erreichten die Beziehungen mit der Kriegserklärung Mussolinis
an die Vereinigten Staaten ihren Tiefpunkt.
1942 beendete eine britische Offensive
in Nordafrika die vorübergehenden territorialen Gewinne italienischer und
deutscher Truppen. Die Achsenmächte Deutschland und Italien erlitten
folgenschwere Niederlagen in Russland. Die italienischen Truppen, die
Albanien, Jugoslawien und Griechenland besetzt hatten, mussten sich von
Guerillabanden zahlreiche Gebiete nehmen lassen.
Deutsche Kontrolle
Die wachsende Kontrolle der Deutschen über
alle Lebensbereiche Italiens, die Korruption unter den faschistischen
Offizieren und die Umgehung der Rationierungsgesetze durch einflussreiche
Personen trugen weiter zur Demoralisierung des italienischen Volkes bei. Im
Oktober führten die Briten eine Reihe von Bombenangriffen auf die
Industriestädte im Norden Italiens durch. Nachdem vordringende britische und
amerikanische Truppen in Algerien und der Cyrenaika Luftstützpunkte errichtet
hatten, wurde auch der Süden Italiens von Bombenangriffen getroffen. Das
politische Ansehen des faschistischen Regimes verringerte sich zunehmend. Im
Februar 1943 erhielt Mussolini, in der Hoffnung, dass er das Blatt wenden
könne, die volle Verantwortung für politische Angelegenheiten und
Militäroperationen. Als die Streitkräfte der Achsenmächte im Mai in
Tunesien zusammenbrachen, errichtete er einen Verteidigungsrat, um sich auf
die Invasion der Alliierten auf dem Festland vorzubereiten. Alle Bemühungen,
die Verteidigung zu stärken und die Moral zu heben wurden jedoch durch die
Luftangriffe der Alliierten zunichte gemacht.
Die Invasion in Italien
Am 10. Juli 1943, nach der Kapitulation
der strategisch wichtigen Insel Pantellereia im Mittelmeer, landeten die
Alliierten auf Sizilien. Sechs Tage später drängten der amerikanische
Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister
Winston Churchill das italienische Volk über Radio zur Kapitulation, um eine
größere Vernichtung zu verhindern. Am Folgetag informierten aus alliierten
Flugzeugen abgeworfene Flugblätter über einen möglichen Angriff auf
militärische Einrichtungen in der Nähe Roms, versicherten aber, dass man mit
größtmöglicher Mühe die Vernichtung von Privatgebäuden und
Kulturdenkmälern zu vermeiden suche. Daraufhin griffen etwa 500 Bomber
der Alliierten Verschiebebahnhöfe, Waffenfabriken und Flugplätze nahe Rom
an.
Bei diesem Angriff wurde ein großer
Teil der Bevölkerung Roms getötet und die politische Krise auf ihren
Höhepunkt gebracht. Mussolini war während des Angriffs in Verona und
beratschlagte mit Hitler über Abwehrmaßnahmen gegen die nächsten Angriffe
der Alliierten. Zurück in Rom wurde er aufgefordert, in einem Treffen des
Großrats des Faschismus die militärische Krise einzugestehen. Die folgende
stürmische Debatte endete mit einem Misstrauensvotum gegen Mussolini. König
Viktor Emanuel ließ ihn am 25. Juli unter militärischen Gewahrsam
stellen. Dann rief er Marschall Pietro Badoglio auf, ein neues Ministerium zu
bilden. Das Kabinett Badoglio verfügte baldigst die Liquidierung aller
faschistischer Organisationen.
Kapitulation und Waffenstillstand
Mussolinis Fall löste lautstarke
Friedensdemonstrationen in ganz Italien aus. Die Alliierten eroberten in der
Zwischenzeit immer weitere Teile Siziliens. Churchill stellte Italien vor die
Wahl, entweder mit Deutschland zu brechen oder vernichtet zu werden. General
Dwight D. Eisenhower, Oberkommandierender der Alliierten, sicherte dem
italienischen Volk Frieden zu, wenn es den Deutschen seine Kriegshilfe
untersagen würde. Mitte August traf in Lissabon ein Vertreter von
Premierminister Badoglio mit dem Angebot ein, die Alliierten gegen Deutschland
zu unterstützen, wenn erstere ihre Invasion auf dem Festland beginnen.
Amerikanische und britische Offiziere handelten mit dem italienischen
Gesandten eine bedingungslose Kapitulation Italiens aus. Der Waffenstillstand
wurde am 3. September unterzeichnet; an diesem Tag begann die Invasion
Süditaliens.
Der Kampf um Italien
Die Verkündigung des Waffenstillstands
löste ein Wettrennen zwischen den Alliierten und den Deutschen um
italienische Gebiete, Stützpunkte, Waffen und Vorräte, Kommunikationsmittel
und andere Einrichtungen aus. Eine große britisch-amerikanische Armee landete
an den Stränden von Salerno südlich von Neapel, in der Hoffnung, weiter ins
Landesinnere vordringen zu können und die Deutschen in die Arme der
britischen achten Armee weiter im Süden zu treiben. Die Deutschen konnten die
vordringenden Truppen solange aufhalten, bis sich ihre Truppen im Süden
wieder erholt hatten. Zugleich gelang es ihnen, die Städte und strategischen
Zentren in Nord- und Zentralitalien einzunehmen und italienische Truppen zu
entwaffnen. Am 10. September besetzten sie Rom. Von hier mussten König
Viktor Emanuel III. und Badoglio bereits zwei Tage zuvor fliehen. Die
Alliierten waren hingegen im Wettrennen um die italienische Flotte
erfolgreicher. Gemäß der Forderung eines alliierten Marinebefehlshabers im
Mittelmeerraum verließen alle italienischen Kriegsschiffe ihre Stützpunkte
in La Spezia und anderen vormals italienisch kontrollierten Häfen und ergaben
sich den Alliierten.
Als Opposition zur Regierung Badoglio
hatten profaschistische Italiener im September eine faschistische
Nationalregierung ausgerufen, die weiterhin an der Unterstützung Deutschlands
festhielt. An ihrer Spitze stand der frühere Diktator Mussolini. Er war von
deutschen Fallschirmjägern aus dem Gefängnis befreit worden und wollte den
Plan Badoglios, sich den Alliierten zu ergeben, vereiteln.
Kriegserklärung an Deutschland
Gemäß seinem Versprechen an die Alliierten
und an das italienische Volk erklärte Premierminister Badoglio am
13. Oktober Deutschland den Krieg. In dem Bestreben, sein Kabinett mit
Führern der verschiedenen deutschfeindlichen Gruppierungen zu besetzen,
verhandelte er mit Vertretern der antifaschistischen Parteien, die sich gegen
Mussolini gestellt hatten. Eine repräsentative Regierung mit solch liberalen
Elementen hätte jedoch nur im Fall einer Abdankung Viktor Emanuels zustande
kommen können. Der König weigerte sich, und Badoglio unternahm nichts, um
ihn abzusetzen. Als Übergangslösung organisierte er eine so genannte
technische Regierung mit parteilosen Experten, um administrative Aufgaben
ausführen zu können. Im November sprachen die nationalen
Befreiungsausschüsse der Regierung Badoglio ihr Misstrauen aus und setzten
den König ab.
Abgang des Königs
Im April 1944 erklärte der König, er werde
sich vom öffentlichen Leben zurückziehen und ernannte seinen Sohn,
Umberto II., zum Generalleutnant von Italien. Beim Einmarsch der
Alliierten in Rom übernahm dieser das Amt offiziell. Dadurch wurde der Weg
für eine Regierung, die das Komitee der Nationalbefreiung vertrat, geebnet.
Am 4. Juni befreiten die Alliierten Rom, Viktor Emanuel übertrug Umberto
die königliche Autorität. Als sich die Parteiführer des Komitees der
Nationalbefreiung jedoch einstimmig der Regierung Badoglios verweigerten,
wurde Ivanoe Bonomi zum neuen Premierminister ernannt. Dieser formte dann eine
Koalitionsregierung.
Da die neue Regierung unter der
Kontrolle der Alliierten stand, wurden Reformvorschläge weitgehend verworfen.
Um die Kriegsbemühungen der Alliierten nicht zu behindern, stimmten
amerikanische und britische Offizielle gegen jegliche Vorschläge zu sozialen
und wirtschaftlichen Veränderungen. Was die grundlegenden politischen
Bestimmungen anbelangte, stimmte das neue Kabinett den Alliierten weitgehend
zu. Die Hoffnung, dass die Waffenstillstandsbedingungen noch verändert
würden und Italien eine selbstregierende Demokratie entwickeln dürfe,
verband die Liberalen der Mittelklasse und die radikalen Proletarier.
Kommunisten und Sozialisten befürworteten gemeinsam wirtschaftliche Reformen,
und sogar Kommunisten und Katholiken konnten in einigen Bereichen
Übereinstimmungen feststellen.
Mussolinis Tod
Der letzte Angriff der Alliierten in Italien
begann im April 1945, und bereits Ende des Monats hatte die deutsche Armee
kapituliert. Mussolini und viele seiner hochrangigen Genossen wurden von
italienischen Partisanen auf der Flucht in einer kleinen Stadt in der Nähe
des Comer Sees gefangen genommen und am 28. April hingerichtet. Nach der
Kapitulation Deutschlands am 2. Mai übten die Norditaliener auf brutale
Weise an Mussolinis Anhängern Vergeltung. Allein in Mailand erschossen sie
über 1 000 Faschisten.
Der Aufstieg De Gasperis
Gemäß seines zuvor abgegebenen Versprechens
trat Bonomi nach der Befreiung Norditaliens zurück. Daraufhin wurde eine
Koalitionsregierung gebildet, die das Komitee der Nationalbefreiung vertrat.
Die neue Regierung, angeführt von Ferruccio Parri, dem Chef der
Aktionspartei, war nur eine vorübergehende Notlösung. Es gelang ihr nicht,
Italiens Probleme wirksam zu bekämpfen. Im Oktober beschuldigten Monarchisten
und Führer der Liberalen Partei Premierminister Parri, die Abmachungen in der
Frage der Monarchie zu verletzen, woraufhin sich dieser zurückzog. Lärmende
Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten begleiteten in
Süditalien die nachfolgende Krise. Schließlich bot der Nationale
Befreiungsausschuss dem Christdemokraten Alcide De Gasperi das Amt des
Premierministers an, das er am 9. Dezember antrat.
Das Jahr 1946 war für weite Teile des
italienischen Volkes von großer sozialer Not geprägt. Die Entbehrungen
riefen allerdings nur gelegentlich Unruhen hervor, im Großen und Ganzen
erlebte das Volk die Zeit während der Kampagne, die dem Volksentscheid und
den Wahlen für die konstituierende Versammlung im Juni vorausging, mit
relativer Teilnahmslosigkeit. Im April stimmten drei Viertel der
Christdemokraten für eine Republik. Dies war ein Zeichen für die wachsende
Beliebtheit einer Opposition zur Monarchie. König Viktor Emanuel III.
dankte am 9. Mai ab, sein Sohn folgte als Umberto II. auf den Thron.
Die Republik
Fast 25 Millionen Bürger, circa
89 Prozent der Wahlberechtigten, darunter zum ersten Mal auch Frauen,
beteiligten sich an den allgemeinen Wahlen vom 2. und 3. Juni 1946.
54,3 Prozent der Wähler stimmten für die Republik. Am 10. Juni,
als das Volksmandat offiziell bekannt gegeben wurde, wurde Italien de facto
eine Republik. Drei Tage später dankte König Umberto ab, verließ Italien
und ließ sich in Portugal nieder. Er starb 1983 in Genf.
Die wichtigsten Parteien
In den Wahlen zur Nationalversammlung
gewannen die Christdemokraten mit 207 Sitzen die Mehrheit und wurden
damit Italiens Führungspartei. Die Sozialisten erreichten 115 Sitze, die
Kommunisten 104, und vier kleinere Parteien teilten sich die restlichen
117 Sitze. Am 28. Juni wurde Enrico de Nicola, ein Mitglied der
Liberalen Partei, provisorisch zum Präsidenten der Republik ernannt. De
Gasperi blieb weiterhin Premierminister.
In den Überlegungen, die der Bildung
der neuen republikanischen Regierung vorausgingen, wurden in der
Nationalversammlung unvereinbare Gegensätze zwischen den Kommunisten und
Christdemokraten sichtbar. Die Konflikte spitzten sich durch die ständig
drohende Hungersnot und Italiens chaotische wirtschaftliche Lage weiter zu.
Der daraus folgende Prestigeverlust der Regierung De Gasperis brachte die
sozialistische und kommunistische Partei enger zusammen. Bereits bei den
Stadtratswahlen im November 1946 mussten die Christdemokraten Wahlverluste
hinnehmen, während die Kommunisten, Sozialisten und rechtsgerichteten
Parteien Gewinne verzeichnen konnten.
Die Pariser Friedenskonferenz
Die niedergeschlagene Stimmung in Italien
wurde mittlerweile durch die einleitenden Beschlüsse der „Großen
Vier" (Frankreich, Großbritannien, Vereinigte Staaten und UdSSR), die in
der Pariser Friedenskonferenz im Juli 1946 gefasst wurden, verschlimmert. Dort
wurden die Internationalisierung Triests, die Abtretung einiger Gebiete sowie
Reparationszahlungen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an die UdSSR in
Erwägung gezogen. Der geplante Vertrag sah auch zusätzliche
Reparationszahlungen an andere Nationen vor, die unter dem Faschismus gelitten
hatten, sowie strenge Einschränkungen innerhalb der italienischen Armee und
die Kontrolle Italienisch-Ostafrikas durch die Briten, bis die „Großen
Vier" sich über die endgültige Verteilung der Kolonien geeinigt hatten.
Trotz Protesten seitens des Volkes wurde der Vertrag am 10. Februar 1947
in Paris unterzeichnet und anschließend von der italienischen
Nationalversammlung – kommunistische und sozialistische Delegierte
enthielten sich jedoch der Stimme – ratifiziert. Am 15. September trat
der Vertrag in Kraft, kurz darauf zogen die Besatzungstruppen der Alliierten
aus Italien ab. Italien war zwar gegen diesen Friedensvertrag, wurde aber
beschwichtigt durch das Verhalten der US-Regierung, welche die Russen von
härteren Vertragsbedingungen abhalten konnte und Italien gegenüber
friedliche Absichten bewies.
Politische Gewalt
Anfang 1947 trennte die Frage der
Zusammenarbeit mit den Kommunisten die Sozialisten in zwei Lager und spiegelte
damit eine europäische Entwicklung wider. Pietro Nenni, Außenminister in De
Gasperis Kabinett und Führer der prokommunistischen Splittergruppe, trat am
15. Januar zurück. Nachdem ihm auch das ganze Kabinett gefolgt war,
bildete er ein neues Koalitionskabinett, das sowohl Kommunisten als auch
Sozialisten einschloss. In der Folge verschlechterten sich die Beziehungen
zwischen linken und gemäßigten Gruppen immer mehr. Im Kalten Krieg zwischen
den westlichen Demokratien und dem osteuropäischen Bündnissystem stellten
sich die Italiener auf die ihrer Ideologie entsprechende Seite. Nun wurde die
extreme Rechte, die sich hauptsächlich aus früheren Anhängern Mussolinis
und Monarchisten zusammensetzte, immer mutiger. Am 1. Mai schritten
bewaffnete Gruppen bei einer kommunistischen Demonstration in Greci (Sizilien)
ein und töteten dabei acht Menschen. Dieser Vorfall löste die Kabinettskrise
vom 13. bis 31. Mai aus und veranlasste De Gasperi, ein Kabinett aus
Christdemokraten und Parteilosen unter Ausschluss sowohl der Kommunisten als
auch der Sozialisten zu bilden. Seine neue Regierung begann mit der sofortigen
Eliminierung aller Linksgerichteten aus wichtigen öffentlichen Ämtern.
Der dadurch ausgelöste politische Unmut
äußerte sich in Massendemonstrationen, Generalstreiks und anderen Strategien
der Linken, um De Gasperis Regierung zu stürzen. Im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen stimmte die UdSSR gegen die Bewerbung Italiens als Mitglied
der Vereinten Nationen (UN) und brachte damit seine feindliche Haltung
deutlich zum Ausdruck. Zur gleichen Zeit wurden die italienischen Kommunisten
Gründungsmitglied der Kominform. Siehe Internationale.
Parlamentswahlen
Die zwischenzeitlich von der
Nationalversammlung entworfene Verfassung wurde am 22. Dezember 1947 mit
453 zu 62 Stimmen gebilligt und trat am 1. Januar 1948 in Kraft. Die
anschließende Wahlkampagne sollte eine der bittersten und dramatischsten in
der Geschichte Italiens werden. Sie traf zeitlich mit der Konfrontation im
Rahmen des Kalten Krieges zusammen und brachte Italien an den Rand des
Bürgerkrieges. Die Demonstration ihrer Macht wurde zum wichtigsten
Markenzeichen der Strategie vieler Parteien. Ausgeübt durch die
Einheitsgewerkschaften, setzten die Kommunisten häufig Streiks als politische
Waffe ein. Als Repressalie gegen die Linken konfiszierte die Regierung Waffen
und Munition und führte einschüchternde Militärdemonstrationen in
verschiedenen Städten durch; Papst Pius XII. sanktionierte die
antikommunistischen Aktivitäten der italienischen Geistlichen.
In den Wahlen vom 18. und 19. April
trugen die Christdemokraten einen überwältigenden Sieg davon. Nahezu
49 Prozent der Stimmen, 307 Sitze in der Abgeordnetenkammer und 151
im Senat konnten sie verzeichnen. Die Volksfront, eine Koalition aus
Kommunisten und Linkssozialisten, gewann 182 Sitze in der Kammer und 31
im Senat. Von den Rechtssozialisten setzten sich 33 Abgeordnete durch,
die restlichen Sitze gingen an kleinere Parteien.
Die Opposition der Kommunisten
Diese eindeutige Mandatsmehrheit der
Christdemokraten verringerte die politischen Spannungen in Italien zusehends.
Die Hartnäckigkeit der Kommunisten ließ jedoch eine Beilegung der
Differenzen, die das Land gespalten hatten, als unwahrscheinlich erscheinen.
Am 11. Mai wurde Luigi Einaudi, der Kandidat der Christdemokraten und
Rechtssozialisten, zum Präsidenten der Italienischen Republik gewählt. De
Gasperi wurde wieder der Posten des Premierministers übertragen.
Die im Marshallplan (siehe
Europäisches Wiederaufbauprogramm) zugesicherten Vorräte und Kredite waren
in der Zwischenzeit langsam nach Italien gelangt und schufen günstige
Ausgangsbedingungen für den Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft. An ihrer
Politik festhaltend, den Plan ohne Unterlass zu bekämpfen, riefen die
Kommunisten überall zum Streik für höhere Löhne auf. Am 2. Juli
erreichte die Bewegung mit einem zwölfstündigen Generalstreik den Gipfel.
Bereits zwei Wochen später geriet Italien durch den Versuch eines Attentats
auf den Führer der Italienischen Kommunistischen Partei, Palmiro Togliatti,
erneut in eine schwere Krise. Die kommunistisch gelenkte Einheitsgewerkschaft
machte die Regierung dafür verantwortlich und rief sofort einen landesweiten
Generalstreik aus, um die Auflösung der Regierung zu erzwingen. Innerhalb der
nächsten beiden Tage erhoben sich lärmende Demonstrationen in nahezu jeder
italienischen Stadt. Erst die Mobilisierung starker Militärverbände und der
Polizei konnte den Frieden wieder herstellen.
Außenpolitische Probleme und Verträge
1949 beschränkte die Volksfront ihre Kämpfe
gegen die Regierung der Christdemokraten hauptsächlich auf die
Parlamentskammer. Das Hauptziel der Angriffe der Kommunisten war der in dieser
Zeit zur Debatte stehende Nordatlantische Verteidigungspakt (NATO). De Gasperi
unterzeichnete jedoch den Vertrag in Washington D.C. am 4. April
1949 mit einstimmiger Billigung des Kabinetts und einer großen Mehrheit in
der Abgeordnetenkammer.
In der Zwischenzeit waren die „Großen
Vier" bezüglich der Aufteilung der ehemaligen italienischen Kolonien in
Afrika immer noch zu keiner Einigung gekommen, und die Angelegenheit wurde den
Vereinten Nationen (UN) übertragen. Am 21. November 1949 fällte die
Vollversammlung der UN schließlich eine Entscheidung. Im Wesentlichen wurden
folgende Bestimmungen getroffen: Italienisch-Somaliland sollte nach zehn
Jahren als UN-Treuhandgebiet unter italienischer Verwaltung seine
Unabhängigkeit erhalten, Libyen sollte am 1. Januar 1952 unabhängig
werden und im Fall Eritreas sollte auf der Grundlage eines von einer
UN-Sonderkommission ausgearbeiteten Reports verfahren werden.
Nach Ratifizierung des
Nordatlantikpaktes hielt Italien an der Zusammenarbeit mit den westlichen
Demokratien fest. Im Juli 1950 verkündete die Regierung die Aufstockung der
italienischen Armee auf 250 000 Soldaten; dies entsprach der im
Friedensvertrag festgesetzten Grenze. Im Dezember des Jahres wurde der Ausbau
der militärischen Einrichtungen bekannt gegeben, und nach und nach lockerten
die Westmächte die im Friedensvertrag festgelegten Bedingungen bezüglich der
Wiederbewaffnung Italiens.
Im Juni 1952 ratifizierte die
italienische Regierung den Schumanplan, der einen gemeinsamen Markt für Kohle
und Stahl vorsah und den Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft darstellte
(heute Europäische Union).
Der Fall De Gasperis
In der Hoffnung, die Wirksamkeit der
Exekutive der Regierung zu verbessern, setzten die Christdemokraten im März
1953 ein Wahlreformgesetz durch, das der regierenden Partei eine Mehrheit im
Parlament sichern sollte. Es sah vor, dass die Partei oder Koalition mit
50 Prozent der Wählerstimmen oder mehr in der Abgeordnetenkammer
65 Prozent der Sitze erhalten sollte.
Aus den Parlamentswahlen vom 7. und
8. Juni gingen die Christdemokraten als stärkste Partei hervor, dieses
Mal mit 40 Prozent der Stimmen. Die Kommunisten belegten den zweiten
Platz mit 22,6 Prozent, den dritten die Parteien der Rechten, die
insgesamt den größten Stimmenzuwachs verzeichnen konnten (12,7 Prozent
im Vergleich zu 4,2 Prozent 1948). Giuseppe Pella, der frühere
Schatzmeister, erreichte die Neutralität der Sozialisten und die
Unterstützung der Monarchisten und löste schließlich De Gasperi als
Premierminister ab. Parteiinterne Streitigkeiten ließen in den Folgejahren
mehrere Regierungen hintereinander scheitern.
Ende 1953 löste die Frage nach dem
zukünftigen Status des Freistaates Triest fast einen Krieg zwischen Italien
und Jugoslawien aus. Die Spannungen legten sich aber wieder, als die
Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich die Ausarbeitung einer
für beide Seiten akzeptablen Regelung zusicherten. 1954 wurde dann ein
Gebietsstreifen inklusive der Stadt Triest den Italienern zugesprochen,
Jugoslawien erhielt den Rest der Triester Region. 1955 wurde Italien Mitglied
der Vereinten Nationen.
Die Regierungen der Christdemokraten
Die Verstoßung von Stalin beim
20. Kongress der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Februar 1956
brachte die Italienische Kommunistische Partei in starke Verwirrung,
enttäuschte die Linkssozialisten und schwächte letztendlich ihr Bündnis mit
den Kommunisten. Nach dem Ungarischen Volksaufstand im Oktober dieses Jahres
verringerte sich die Zahl der Anhänger des Kommunismus erheblich. Der
Niedergang ihrer Partei stärkte wiederum die Demokraten.
In den Wahlen vom 25. und 26. Mai
1958 erzielte die Zentrumskoalition die Mehrheit in beiden Parlamentshäusern.
Die neue, von Amintore Fanfani geführte Regierungskoalition setzte sich nun
aus Christdemokraten und Rechtssozialisten zusammen und wurde am 2. Juli
vereidigt. Fanfani wurde im Januar 1959 von Antonio Segni abgelöst. Dessen
Kabinett bestand ausschließlich aus Christdemokraten. Der Russlandbesuch von
Präsident Giovanni Gronchi im Februar 1960 löste noch im selben Monat dessen
Sturz aus. Im folgenden Juli nahm Fanfani wieder sein Amt auf, und er konnte
dank der Wahlunterstützung dreier Mittelparteien die Billigung seines
ausschließlich aus christdemokratischen Ministern bestehenden Kabinetts
erreichen. Zwei Jahre später wurde der frühere Premierminister Segni, unter
Fanfani Außenminister, zum Präsidenten gewählt.
Die Kommunalwahlen von 1962 zeigten die
starke Volksunterstützung der regierungsfreundlichen Parteien, die
Kommunisten mussten zum ersten Mal seit vielen Jahren Verluste hinnehmen. In
der Folgezeit entstanden unter den die Regierung stützenden Parteien
Unstimmigkeiten, die ihren Nährboden in der Kritik der Kommunisten an
Fanfanis Politik fanden. Hauptkritikpunkte waren, dass es ihm nicht gelang,
wirtschaftliche Reformen im eigenen Land anzuregen und die Raketenbasen der
NATO aus Italien zu entfernen. Auch wenn ihm die Parteien im Januar 1963
weitere Unterstützung seiner Regierung zugesagt hatten, so bedeuteten die
Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 28. und 29. April doch eine
Schwächung. Der Stimmenanteil der Christdemokraten sank auf
38,3 Prozent, die Kommunisten konnten einen Anstieg auf 25,3 Prozent
verzeichnen. Fanfani trat am 16. Mai zurück, blieb aber noch Chef der
geschäftsführenden Regierung bis Giovanni Leone, der Präsident der
Abgeordnetenkammer, eine vorübergehende christdemokratische
Minderheitsregierung gebildet hatte.
Die Öffnung nach links
Im Oktober stimmten die gemäßigten Elemente
der italienischen Linkssozialisten, angeführt von Nenni, zum ersten Mal seit
1947 dem Beitritt einer aus Mitte- und Linksparteien bestehenden Regierung zu.
Daraufhin organisierte der Christdemokrat Aldo Moro, seit Dezember
Premierminister, ein Koalitionskabinett aus vier Parteien.
Das ganze Jahr 1964 hindurch
widersetzten sich die konservativen und linken Elemente hartnäckig der
Regierung. Als erste Anzeichen einer Beendigung des bereits sechs Jahre
dauernden Wirtschaftsbooms sichtbar wurden, spitzte sich die Situation weiter
zu, da die Parteien nicht in der Lage waren, sich auf eine Politik gegen den
drohenden Rückgang zu einigen. Am 4. März 1965 gelang es dann den vier
Parteien in der Koalitionsregierung, ihre politischen Differenzen beizulegen,
um gemeinsam Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise zu entwickeln. 1965 und
1966 konnte sich die Regierung von Moro das Vertrauen der Koalitionsparteien
sichern.
Soziale Umwälzungen
Seit Ende 1960 fanden in Italien tief
greifende soziale, wirtschaftliche, politische und religiöse Entwicklungen
statt. 1968 kam es an den Universitäten von Rom und anderen Städten zu
Zusammenstößen zwischen Polizei und Studenten, die eine Reformierung des
Bildungswesens verlangten. Gewerkschaften riefen Generalstreiks aus, um eine
Modernisierung des Sozialversicherungssystems zu erzwingen. Mit der
Verabschiedung eines Scheidungsgesetzes (1973) und der Legalisierung der
Abtreibung (1978) wurde wichtigen Forderungen der Frauenbewegungen Rechnung
getragen. Inflation, Arbeitslosigkeit und Währungsabfluss verschlimmerten
sich durch die Rezession und die Gesetze zur Beschränkung der Einfuhr von
Rohöl. Die Staatsverschuldung schnellte so sehr in die Höhe, dass bei
anderen Ländern umfangreiche Kredite aufgenommen werden mussten, um einen
vollständigen Konkurs der Staatsfinanzen abzuwenden.
In dieser Zeit versuchte Italiens
politisches System ständig, mit den Veränderungen Schritt zu halten. Die
späten sechziger und frühen siebziger Jahre waren durch den Wechsel von
kurzlebigen Regierungen geprägt. Dabei handelte es sich überwiegend um
Koalitionsregierungen, die von den Christdemokraten angeführt wurden. 1974
war das Land kurze Zeit ohne jegliche Regierung. Als sich die wirtschaftlichen
Probleme verschlimmerten und eine Welle von Entführungen mit Erpressung und
anderen politischen Gewalttaten Italien überrollte, nahm das Vertrauen des
Volkes in die Regierung ab. Die Anhängerschaft der von Enrico Berlinguer
geführten kommunistischen Partei wurde daraufhin stärker.
Bei den Regionalwahlen im Juni 1975
gewannen die Kommunisten 33 Prozent der Stimmen und zwangen die
Regierung, einer langfristigen Allianz zwischen Kommunisten und
Römisch-Katholischen zuzustimmen. Im Juni 1976 konnten die Kommunisten bei
den Parlamentswahlen 35 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen.
Die Christdemokraten verzeichneten einen Stimmenanteil von 39 Prozent.
Daraufhin bildete ihr Führer, Giulio Andreotti, mit Unterstützung der
Kommunisten eine neue Regierung. Bereits im Juli 1977 ließ man die Vertreter
der Kommunistischen Partei auch an politischen Entscheidungen teilhaben. Die
Regierung Andreotti stürzte im Januar 1978, als die Kommunisten
nachdrücklich auf Notstandsvollmachten zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise
bestanden. Dabei sollten ihre Abgeordneten Kabinettspositionen einnehmen. Im
März schließlich bildete Andreotti eine neue christdemokratische Regierung
mit formaler Unterstützung seitens der Kommunisten. Der Verlust dieser
Unterstützung führte im Januar 1979 zu Andreottis Rücktritt.
Terrorismus in den Städten
Gewalttaten und Gesetzesverstöße hatten
Italien zwar schon seit Beginn der siebziger Jahre heimgesucht, verschärften
sich jedoch gegen Ende des Jahrzehnts zunehmend. Nach der Entscheidung der
Kommunisten, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, suchten sich extrem
linksgerichtete Terroristen ihre Opfer unter Politikern, Journalisten,
Geschäftsleuten und der Polizei. Im März 1978 entführte eine fanatische
Gruppe der Linken, die Roten Brigaden, den Premierminister Aldo Moro und
machte seine Freilassung abhängig von der Freilassung von Terroristen aus
italienischen Gefängnissen. Die Regierung weigerte sich, mit Moros
Entführern zu verhandeln, er wurde schließlich ermordet aufgefunden.
Wechselnde Regierungen
1981 wurde mit Giovanni Spadolini, einem
Führer der kleinen Republikanischen Partei, erstmals seit dem
2. Weltkrieg kein Christdemokrat Premierminister. Eine erneute Reihe von
Kabinettskrisen führte im August 1983 zu einer Regierungsbildung unter
Bettino Craxi, dem ersten sozialistischen Premierminister Italiens seit dem
Krieg. Er war bis zum März 1987 an der Macht und konnte damit die längste
Amtszeit von allen italienischen Regierungschefs nach dem Krieg aufweisen.
Während seiner Regierungszeit wurde 1984 der römische Katholizismus als
Staatsreligion abgeschafft, mit der Unterzeichnung eines neuen, die
Lateranverträge von 1929 ersetzenden Konkordats. Im Juli 1987 wurde mit
Giovanni Goria erneut ein Christdemokrat Premierminister. Als seine
Fünfparteienkoalition im März 1988 scheiterte, gelangte Ciriaco De Mita,
Führer der linksgerichteten Christdemokraten, an die Macht. Bereits ein Jahr
später, im März 1989, wurde er als Parteisekretär abgesetzt und legte nach
zwei weiteren Monaten sein Amt als Premierminister nieder. Im Juli kehrte
Andreotti zum sechsten Mal in dieses Amt zurück. Uneinigkeiten zwischen den
Christdemokraten und der Fünfparteienkoalition führten letztlich zu seinem
Rücktritt im März 1991. Im April bildete Andreotti eine Koalition, die etwa
ein Jahr Bestand hatte.
Der Zusammenbruch des Kommunismus in
Osteuropa löste auch in Italien Veränderungen aus. 1990 nannten sich die
Kommunisten selbst in „Demokratische Partei der Linken" um und
änderten ihr Parteiprogramm. Die Sozialisten, immer noch von Craxi
angeführt, versuchten die Linksparteien zu vereinigen und nannten sich selbst
in Sozialistische Einheitspartei um. Die Wähler allerdings zeigten allen
großen Parteien ihren Mangel an Vertrauen in den Wahlen vom April 1992. Die
einst dominierenden Christdemokraten konnten nur 29,7 Prozent auf sich
vereinigen. Dies markierte den geringsten Stimmenanteil, den sie seit dem Ende
des 2. Weltkrieges erzielen konnten. Die umbenannten Kommunisten lagen
zwar mit 16,1 Prozent an zweiter Stelle, blieben aber weit hinter dem
Anteil von 26,6 Prozent von 1987 zurück. Mit 13,6 Prozent belegten
die Sozialisten den dritten Platz.
Für diesen Stimmenrückgang war eine
Kombination mehrerer Faktoren verantwortlich, u. a. die schwierige
Wirtschaftslage, die hohe Arbeitslosigkeit und öffentliche Enthüllungen
über weit verzweigte politische Korruption und hochgradigen Einfluss der
Mafia. In den Folgejahren wurden über 6 000 Personen wegen der
Annahme von Bestechungsgeldern für politische und wirtschaftliche Vorteile
verhaftet. Darunter befanden sich Hunderte von Politikern, Richtern und
Unternehmern. Als aufgedeckt wurde, dass auch Craxi in einen Skandal
verwickelt war, musste dieser als Führer der Sozialistischen Partei Anfang
1993 zurücktreten. Im April stimmten die italienischen Wähler bei mehreren
Volksabstimmungen dafür, das Wahlsystem zu ändern. Premierminister Giuliano
Amato trat zurück, seine Stelle nahm der Vorsitzende der Bank von Italien
ein, Carlo Azeglio Ciampi.
In den Wahlen vom März 1994 gelangte
eine neu geformte Koalition, die sich Freiheitsallianz nannte, mit
58 Prozent der Wahlstimmen an die Macht. Die Linkskoalition erreichte
34 Prozent der Stimmen, die einst dominierenden Zentrumsparteien nur
7 Prozent. Die Freiheitsallianz umfasste drei Parteien: Die Lega Nord
(frühere Lombardische Liga), die bei den Wahlen von 1992 mit einem Programm,
das die Teilung Italiens in drei unabhängige Republiken befürwortete, den
vierten Platz belegt hatte. 1994 legte sie jedoch ein gemäßigteres Programm
vor, in dem Steuer- und anderen Wirtschaftsthemen Priorität eingeräumt
wurde. Die neofaschistische Alleanza Nazionale und die neu gebildete
rechte Partei Forza Italia waren die beiden anderen Parteien der
Freiheitsallianz. Letztere war vom Medienunternehmer Silvio Berlusconi
gegründet worden. Aufgrund des Sieges der Freiheitsallianz hielten nun die
Rechtsparteien die absolute Mehrheit in der Abgeordnetenkammer und stellten im
Senat die stärkste Kraft dar. Mit 25 Prozent der Stimmen ging Forza
Italia als Gewinner der Wahlen hervor, worauf Berlusconi kurz danach zum
Premierminister ernannt wurde. In seinem neuen Amt musste er sich nicht nur
der Herausforderung stellen, Italiens Wirtschaft anzukurbeln, sondern auch die
konfliktreiche Politik der beiden anderen Mitglieder der Freiheitsallianz
ausgleichen.
Berlusconi trat am 22. Dezember
1994 nach nur siebenmonatiger Amtszeit zurück. Durch den Rücktritt mehrerer
Minister der Lega Nord hatte das Regierungsbündnis seine
parlamentarische Mehrheit verloren. Präsident Oscar Luigi Scalfaro
beauftragte den Parteilosen Lamberto Dini am 17. Januar 1995 mit der
Bildung einer neuen Regierung. Dini hatte im Kabinett Berlusconi das Amt des
Schatzministers inne gehabt. Vorrangiges Ziel des Ministerpräsidenten Dini
war die Konsolidierung des Staatshaushaltes. Im Januar 1996 trat Dini von
seinem Amt zurück, und Staatspräsident Scalfaro beauftragte am
1. Februar 1996 den ehemaligen parteilosen Minister Antonio Maccanico mit
der Bildung einer Regierung. Nach dessen Rücktritt am 16. Februar löste
Scalfaro das Parlament auf und ließ Neuwahlen durchführen.
Aus den Parlamentswahlen vom
21. April 1996 ging die Mitte-Links-Allianz unter dem Parteilosen Romano
Prodi vom Bündnis L’Ulivo (Ölbaum) als stärkstes Lager hervor. Im
Abgeordnetenhaus ist das Bündnis jedoch auf die Unterstützung der Progressisti
angewiesen. Prodi übernahm am 28. Mai den Vorsitz der
55. Nachkriegsregierung. Das Kabinett wurde von 25 auf 20 Minister
verkleinert; dem Außenministerium steht der frühere Ministerpräsident Dini
vor. Wichtigste Ziele der Regierung Prodi sind die Dezentralisierung des
Staates, wirtschaftliche Konsolidierung und der verstärkte Einsatz gegen
Mafia und Korruption.
Nachdem die Lega Nord bei den
Parlamentswahlen vom April vor allem in der Lombardei und im Piemont große
Erfolge erzielt hatte, propagierte ihr Vorsitzender Umberto Bossi die Trennung
der acht norditalienischen Regionen von Italien und die Gründung der „Republik
Padania".
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