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08. März 2010
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Wissenswertes über Italien, Sardinien & Sizilien

Italien

Italien (italienisch Italia), Republik in Südeuropa; sie grenzt im Norden an die Schweiz und an Österreich, im Osten an Slowenien und an das Adriatische Meer, im Süden an das Ionische Meer und an das Mittelmeer, im Westen an das Tyrrhenische Meer, das Ligurische Meer und das Mittelmeer und im Nordwesten an Frankreich. Zusätzlich zum Festland gehören die Mittelmeerinseln Elba, Sardinien, Sizilien und einige kleinere Inseln und Inselgruppen (u. a. die Toskanischen Inseln, Ischia, Capri und die Liparischen Inseln) zum italienischen Staatsgebiet. Die unabhängigen Staaten San Marino und Vatikanstadt stellen Enklaven innerhalb des Festlandes dar. Letzterer ist ein päpstlicher Staat und ist fast gänzlich von Rom, der Hauptstadt Italiens, umgeben. Die Staatsfläche Italiens beträgt 301 277 Quadratkilometer.

Land

Mehr als die Hälfte des italienischen Staatsgebiets wird von der Italienischen Halbinsel eingenommen. Von Nordwesten bis Südosten misst Italien etwa 1 145 Kilometer, rechnet man das äußerste Ende der südlichen Halbinsel dazu, sogar 1 360 Kilometer. Die maximale Breite weist Italien mit circa 610 Kilometer auf dem Festland im Norden auf, die Halbinsel kommt nur auf 240 Kilometer.

Italien gliedert sich in drei unterschiedliche Naturräume; dies sind die Alpen, die Poebene und die Apenninen. Rund zwei Drittel des Staatsgebiets sind Hochgebirge. Im Norden hat das Land Anteil an den Alpen, welche die natürliche Grenze zu Mitteleuropa bilden. Im Nordwesten liegen Teile der kristallinen West- und Zentralalpen, im Nordosten Gebiete der südlichen Kalkalpen mit den Dolomiten auf italienischem Staatsgebiet. Die Alpen erstrecken sich in einem weiten Bogen von Ventimiglia an der Küste des Ligurischen Meeres im Westen bis Gorizia an der Grenze zu Slowenien im Osten und weisen so hohe Gipfel wie beispielsweise den Monte Cervino (4 478 Meter) und die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv (4 634 Meter) auf. Italiens höchste Erhebung befindet sich in der Nähe des Gipfels des Montblanc (Monte Bianco), an der italienisch-französisch-schweizerischen Grenze. Der Gipfel des Montblanc (4 808 Meter) liegt auf französischem Gebiet. Im östlichen Teil des italienischen Alpenanteils ragen die Dolomiten in der Marmolada bis in eine Höhe von 3 343 Metern auf. Insgesamt erreichen 18 Gipfel der Dolomiten Höhen von mehr als 3 000 Metern. Aus den Alpen reichen zum Teil tief eingeschnittene Täler in das südliche Alpenvorland. Dort dämmen Moränen die durch die Tätigkeit von Gletschern während der vergangenen Eiszeiten entstandenen Becken nach Süden hin ab. In diesen Becken entstanden durch das beim nacheiszeitlichen Abschmelzen der Gletscher anfallende Schmelzwasser zum Teil sehr große Seen.

Zwischen den Alpen und den Apenninen breitet sich die weite, von Westen nach Osten reichende Poebene aus. Sie ist das fruchtbarste Gebiet und gleichzeitig die wirtschaftlich aktivste Region des Landes. Im nordöstlichen Teil geht die Poebene in das Tiefland von Venetien über. Der Küstenabschnitt am Adriatischen Meer ist in diesem Bereich überaus flach und wird von zahlreichen Strandseen und Lagunen geprägt.

Die Alpen werden in Ligurien nur durch einen schmalen Küstenstreifen von den Apenninen getrennt. Bei diesen handelt es sich um ein lang gestrecktes, geologisch junges Faltengebirge, das überwiegend Mittelgebirgscharakter hat. Die nördlichen Apenninen ziehen sich von den Seealpen entlang des Golfes von Genua bis zu den Quellen des Tiber und erreichen ihre höchste Erhebung im Monte Cimone (2 165 Meter). Die zentralen Apenninen beginnen an den Quellen des Tiber und setzen sich aus mehreren parallel zueinander verlaufenden Gebirgsketten zusammen. Im Osten dieses zerklüfteten Gebirgszuges liegt der mit 2 914 Meter höchste Gipfel der Apenninen, der Corno Grande im Massiv Gran Sasso d’Italia, das in den Abruzzen liegt. In ihrem zentralen Abschnitt greifen die Apenninen in einem Bogen weit nach Osten aus; die Beckenlandschaften im Westen werden u. a. von Arno, Ombrone und Tiber durchflossen. Die südlichen Apenninen verlaufen vom Flusstal des Sangro bis zur Küste des Golfes von Tarent in südöstlicher, dann weiter in südlicher Richtung. Im südlichsten Teil der Apenninen auf dem italienischen Festland erheben sich in Kalabrien die Bergmassive La Sila (1 928 Meter) und Aspromonte (1 955 Meter). Ausläufer der Apenninen reichen bis nach Sizilien und bilden dort die Bergketten Nebrodi und Madonie.

Nur circa ein Drittel der gesamten Oberfläche Italiens ist Flachland, das größte zusammenhängende Gebiet dieser Art befindet sich in der Lombardei. Die italienische Küste entlang des Adriatischen Meeres im Norden ist flach und sandig und geht in seichtes Gewässer über. Abgesehen von Venedig können hochseetaugliche Schiffe in diesem Bereich nur schwer anlegen. Etwas südlich von Rimini ist die Ostküste der Halbinsel von den Vorsprüngen der Apenninen gesäumt.

Auf mittlerer Höhe entlang der Westküste sind drei Streifen flachen Sumpfgebiets entwickelt, die Campagna Romana, die Pontinischen Sümpfe und die Maremmen. Ansonsten wird die Westküste des Landes von Buchten gegliedert, in denen zahlreiche natürliche Ankerplätze zur Verfügung stehen. Im Nordwesten liegt der Golf von Genua, der Hafen der wichtigen Handelsstadt Genua. Neapel, eine weitere bedeutende Hafenstadt der Westküste, befindet sich an dem vom Vulkan Vesuv überragten Golf von Neapel. Etwas weiter südlich schließt der Golf von Salerno an, mit dem Hafen von Salerno an der Spitze. Am südlichen Ende der Halbinsel bildet der Golf von Tarent eine tiefe Einbuchtung ins Landesinnere und trennt damit den so genannten „Absatz" von Italien (früheres Kalabrien) von der „Spitze" (heutiges Kalabrien). Die Ausläufer der Apenninen reichen bis über die Straße von Messina und durchqueren die Insel Sizilien. Auf dieser liegt der Vulkan Ätna (3 323 Meter). Ein weiterer noch tätiger Vulkan erhebt sich auf Stromboli, einer der Liparischen Inseln nordwestlich der Straße von Messina. Italien wird jedoch nicht nur von Vulkanausbrüchen, sondern auch von zahlreichen kleineren Erdbeben, vor allem in den südlichen Regionen, heimgesucht.

Klima

Italiens Klima ist aufgrund der großen Längserstreckung und des stark gegliederten Reliefs äußerst vielfältig und reicht vom alpinen Klima der höheren Lagen der Alpen und der Apenninen bis hin zum subtropischen Klima entlang der Küsten des Ligurischen Meeres und der südlichen Abschnitte der Halbinsel.

Das Gebiet der Alpen ist je nach Höhenlage durch kühlgemäßigte bis alpine Bedingungen gekennzeichnet. Hauptregenzeit ist im Gebirge der Sommer. Die mittleren Monatstemperaturen in Bozen liegen im Januar bei 0 °C, im Juli bei 22 °C. In Bozen werden mittlere Jahresniederschläge von etwa 800 Millimetern verzeichnet. Die Poebene ist durch winterkaltes Klima geprägt. Die Niederschläge fallen hier weniger im Sommer, sondern zeigen ihre Höchstwerte im Frühling und Herbst. Die Monatsmittel liegen in Mailand bei 2 °C (Januar) bzw. 23 °C (Juli); der mittlere Jahresniederschlag beläuft sich auf etwa 900 Millimeter.

Das Klima auf der Halbinsel unterliegt hohen regionalen Schwankungen, die hauptsächlich durch die Apenninen verursacht und von den Winden der umliegenden Meere beeinflusst werden. Die klimatischen Bedingungen zeigen hier eine deutliche Abhängigkeit von der Entfernung zum Meer und der Höhenlage. In den Tieflandregionen und den kleineren Erhebungen der Apenninen, die sich in der Nähe der Westküste von der nördlichen Toskana bis in die Gegend um Rom erstrecken, sind die Winter mild, die Sommer sehr sonnig. Extrem hohe Temperaturen während der warmen Jahreszeit werden durch die kühlenden Brisen vom Mittelmeer gemildert. Auf der gleichen geographischen Breite im Osten der Halbinsel sind die Temperaturen wesentlich niedriger, was vor allem an den vorherrschenden nordöstlichen Winden liegt.

In den Küstenregionen Italiens herrscht mediterranes Klima; die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und feucht. In San Remo, an der Küste des Ligurischen Meeres, nahe der Grenze zu Frankreich, liegt die mittlere Januartemperatur bei 10 °C, die des Juli bei 23 °C; die Jahresniederschläge betragen rund 800 Millimeter. Ähnlich sind die klimatischen Bedingungen die westliche Küste entlang bis nach Sizilien, wo die Sommer noch etwas wärmer sind (Julimittel 25 °C); allerdings ist es mit circa 500 Millimetern trockener als in den nördlicher gelegenen Küstengebieten.

Flora und Fauna

Früher waren weite Teile Italiens mit Wald bedeckt. Intensive Rodungen zum Zweck der Ausweitung von Siedlungs- und Agrarflächen sowie zur Gewinnung von Brennholz und Rohstoffen für den Schiffsbau führten während der vergangenen Jahrhunderte zum Verlust weiter Waldflächen. Die verbliebenen Laub- und Nadelwälder in den Alpenregionen gehen ab etwa einer Höhe von 1 800 bis 2 100 Metern in Strauchformationen mit nur geringem Anteil an Bäumen über. Oberhalb der Baumgrenze sind alpine Matten mit Rasengesellschaften verbreitet.

Die Poebene wird großflächig agrarisch genutzt; zahlreiche Kulturpflanzen werden hier angebaut. In den zentralen und südlichen Flachländern Italiens ist eine typisch mediterrane Pflanzenwelt verbreitet. Im Norden des Landes gedeiht sie auch im Bereich der Alpenrandseen, z. B. in den Uferregionen des Gardasees, sowie an der ligurischen Küste. Zu der für diese Gegenden charakteristischen Pflanzenwelt zählen z. B. Oliven-, Orangen- und Zitronenbäume sowie Palmen. Im Süden gedeihen häufig Feigen-, Dattel-, Granatapfel- und Mandelbäume, darüber hinaus auch Zuckerrohr und Baumwolle. Die niedrigeren Hänge der Apenninen sind mit Kastanien, Zypressen und Eichen bewachsen, während in höheren Lagen an den noch waldbedeckten Stellen Pinien- und Tannenwälder verbreitet sind. Lang anhaltende Abholzung und Überweidung führten in manchen Gebieten zur Entwicklung der Macchie, einer typischen Sekundärvegetation, die heute in weiten Teilen des Mittelmeerraumes der vorherrschende Vegetationstyp ist.

In Italien gibt es vergleichsweise weniger Tierarten als in anderen Ländern Europas. In den Alpen leben Murmeltiere, Steinböcke und Gämsen. Vereinzelt finden auch Braunbären, Luchse, Hermeline und Schneehasen Lebensraum. Geier, Bussarde, Falken und Milane sind dominierende Vogelarten in den Bergregionen. Wachteln, Waldschnepfen, Rebhühner und verschiedene andere Zugvogelarten findet man in vielen Teilen Italiens. Andererseits wurde die Vogelwelt durch die in Italien weit verbreitete Jagd stark dezimiert. An Reptilien gibt es zahlreiche Eidechsen- und Schlangenarten, unter diesen auch giftige Vipern. In einigen Gebieten leben auch Skorpione.

Wirtschaft

Ein anhaltendes Problem der italienischen Wirtschaft stellt das enorme Nord-Süd-Gefälle dar; der Süden liegt hinsichtlich der Produktivität in fast allen Wirtschaftsbereichen weit hinter dem Norden. Viele Süditaliener arbeiten in Norditalien oder im benachbarten Ausland. Obwohl die Arbeitslosenrate immer noch unter zehn Prozent liegt, ist die Arbeitslosigkeit ein im ganzen Land verbreitetes Problem. Zusätzlich belasten Staatsschulden die Wirtschaft Italiens. Das Bruttoinlandsprodukt Italiens beträgt etwa 1 024 Milliarden US-Dollar.

Von den rund 24 Millionen Arbeitern gehören etwa neun Millionen den drei großen Gewerkschaften an; der Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL) mit kommunistischer Ausrichtung (circa 4,6 Millionen Mitglieder), der zur politischen Mitte orientierten Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori (CISL; rund 3 Millionen Mitglieder) und der Unione Italiana del Lavoro (UIL; etwa 1,4 Millionen Mitglieder).

Geschichte

Zur Geschichte Italiens bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. siehe Rom, Geschichte von. Weiterführende Literatur zur Entwicklung des heutigen Italien siehe Etrusker (etruskische Kultur); Florenz; Genua; Lombardei; Mailand; Neapel; Kirchenstaat; Savoyen, Haus von; Sizilien; Toskana; Venedig.

Das Ende des Weströmischen Reiches
476 n. Chr. wurde der letzte unabhängige weströmische Kaiser, Romulus Augustulus, von dem einfallenden Fürsten Odoaker besiegt, der daraufhin den Thron bestieg. 488 brachte Theoderich, der König der Ostgoten, Odoaker eine vernichtende Niederlage bei und wurde zum einzigen Herrscher Italiens. Er blieb bis zu seinem Tod 526 an der Macht. Im Jahr 535 sandte der oströmische Kaiser Justinian I. (siehe Byzantinisches Reich) den Feldherrn Belisarius aus, um die germanischen Eindringlinge aus Italien zu vertreiben. Der folgende heftige Krieg endete 553 mit dem Tod des letzten Gotenkönigs Teja. Der byzantinischen Herrschaft war nur eine kurze Dauer beschieden, denn 572 fiel ein anderer germanischer Stamm, die Langobarden, in Italien ein. Alboin, ihr König, ernannte Pavia zur Hauptstadt seines Reiches. Von hier aus begann er eine Reihe von Feldzügen, die damit endete, dass den Byzantinern nichts mehr verblieb außer dem südlichen Teil der Provinz und im Norden das Exarchat von Ravenna, dessen Erzbischöfe zu dieser Zeit die wichtigsten religiösen Führer darstellten.

Religionskonflikte
Nach Alboins Tod 572 waren die Langobarden für eine längere Zeit ohne Führer. Einzelne Gruppen vereinigten sich unter regionalen, als duci bekannten Führern. Wie bereits die Goten zuvor, waren auch die Langobarden Anhäger der Religion des Arianismus. Dies führte zwangsläufig zu ständigen Religionskonflikten mit den einheimischen Italienern, die überwiegend dem orthodoxen Christentum angehörten. Dieser Konflikt verschärfte sich mit dem Machtzuwachs der Päpste. Letztendlich konvertierte Agilulf, der von 590 bis 615 regierende Langobardenkönig, zum orthodoxen Christentum und konnte somit eine Zeit lang ein relativ harmonisches Zusammenleben garantieren. Um jedoch ihre politische Macht zu festigen, begannen die Langobarden in päpstliches Gebiet einzudringen, ja sogar Rom, das Zentrum der kirchlichen Autorität, zu bedrohen. 754 rief Papst Stephan II. die Franken zu Hilfe, die bereits die geistliche Autorität der Kirche anerkannt hatten. Unter der starken Führung von Pippin dem Kleinen und seinem Sohn, Karl dem Großen, besiegten die Franken die Langobarden und setzten damit 774 der langobardischen Herrschaft ein Ende. Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde Karl der Große von Papst Leo III. zum Kaiser des Weströmischen Reiches gekrönt.

Als im 9. Jahrhundert die Sarazenen Sizilien unterwarfen und Rom bedrohten, bat Papst Leo IV. den Großenkel Karls des Großen, Ludwig II., um Hilfe. Diesem gelang es, den Vormarsch der Eindringlinge aufzuhalten. Nach seinem Tod überrannten die Muslime Süditalien und zwangen die Päpste zu Tributzahlungen. Die Geschichte Italiens während der darauf folgenden Jahrzehnte ist gekennzeichnet vom Aufstieg und Fall einiger unbedeutender Könige. Die anarchische Periode endete 962. In diesem Jahr wurde Otto I. nach der Einnahme Norditaliens und der langobardischen Krone von Papst Johann XII. zum Kaiser gekrönt. Dieses Ereignis wird von vielen als der Beginn der Errichtung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bezeichnet.

Die Opposition von Papsttum und Heiligem Römischem Reich
Bis zum Ende des Mittelalters hatten die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches die Herrschaft über Italien beansprucht und sie auch ausgeübt, wenngleich in wechselndem Ausmaß. In der Praxis existierte jedoch zu Beginn des 14. Jahrhunderts die kaiserliche Autorität nur noch dem Namen nach. Der Süden Italiens war immer noch unter byzantinischer und langobardischer Herrschaft. Allerdings brachen die Normannen im 11. Jahrhundert die byzantinische Macht und vertrieben die Langobarden. Sie vereinigten ihre territorialen Eroberungen in Italien 1127 mit Sizilien, das sie den Sarazenen abgerungen hatten. Diese Entwicklungen fielen zusammen mit dem Wiederaufblühen der Macht der Päpste, die lange Zeit hinter den Kaisern gestanden hatten. Die Machtkämpfe zwischen Kaisern und Päpsten erreichten ihren Höhepunkt mit dem Investiturstreit. Im Wormser Konkordat von 1122 mussten schließlich die Kaiser das Recht, den Papst zu erwählen, an ein Kollegium von Kardinälen abgeben. Gleichzeitig mit dem steigenden Einfluss des Papsttums erhob sich eine starke Opposition gegen die anhaltende Herrschaft der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie zeigte sich in Form der aufstrebenden italienischen Stadtstaaten. In Italien war das Feudalwesen niemals so stark ausgeprägt wie in Frankreich und Deutschland. Das lag zum einen am Fortbestand der römischen Tradition und zum anderen an der großen Anzahl von Städten in Italien, denn der Feudalismus stellte eher ein ländliches als ein städtisches Phänomen dar. Besonders die Städte im Norden des Landes widersetzten sich der Macht des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Friedrich I., der heftige, aber ergebnislose Kriege mit ihnen führte. Schließlich bildete sich 1167 der Lombardenbund heraus, ein Zusammenschluss italienischer Städte. Nach dessen Sieg über Friedrich bei Legnano (1176) unterzeichnete Friedrich 1183 den Frieden von Konstanz, der den norditalienischen Städten quasi Autonomie zusicherte. Friedrich II., der letzte große Herrscher aus dem Fürstenhaus der Hohenstaufer, unternahm einen endgültigen und erfolglosen Versuch, sowohl das Papsttum wie auch dessen Verbündete zu stürzen. Italien selbst wurde durch die Kämpfe zwischen den päpstlichen Parteien (den Guelfen) und den kaiserlichen Parteien (den Ghibellinen) gespalten. Auch nach dem Ende der deutschen Kaiserpolitik in Italien sollten die heftigen Kriege zwischen Guelfen und Ghibellinen noch lange anhalten.

1266 waren Süditalien und Sizilien unter die Vorherrschaft des französischen Hauses von Anjou geraten. 1282 befreite sich Sizilien vom französischen Joch und stellte sich unter den Machtbereich Aragoniens. Siehe Sizilianische Vesper.

Der Aufstieg der Stadtstaaten
Mittlerweile waren einige norditalienische Städte durch ihre rege Handelstätigkeit wohlhabend geworden und hatten oligarchische Regierungsformen errichtet, die sogar zu demokratischen tendierten. Die reichen Kaufmänner dieser Städte, die sich ihre zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches gewonnene Unabhängigkeit erhalten konnten, begannen bald gegen die Autorität der mächtigen Adeligen zu kämpfen. Es gelang ihnen schrittweise, die Adeligen ihrer Macht zu berauben und sie zu zwingen, ihre ausgedehnten Ländereien zu verlassen. Venedig z. B. hatte sich durch die Teilnahme am 4. Kreuzzug enorme Besitzungen im Osten von Byzanz angeeignet und ein weit reichendes Handelsimperium aufgebaut. Auf ähnliche Weise wurden auch Pisa, Genua, Mailand und Florenz mächtig. Zwischen Genua und Venedig entwickelte sich bald ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft, den die Venezianer gegen Ende des 14. Jahrhunderts für sich entscheiden konnten.

In jeder Stadt des nördlichen und mittleren Italien hatte sich die Bevölkerung lange Zeit in Guelfen mit progressiver und Ghibellinen mit konservativer Gesinnung gespalten. Die ununterbrochenen Auseinandersetzungen innerhalb der Bevölkerung und der Triumph einer Partei führten häufig zur Verbannung der Anhänger der anderen. Gelegentlich erlangte eine vertriebene Partei mit Hilfe anderer Städte die Macht zurück. Auf diese Weise kämpften dann oft ganze Städte gegeneinander und lösten damit eine sich immer wieder verschiebende Abfolge von Allianzen, Eroberungen und vorübergehenden Waffenruhen aus. Auf Handel und Industrie, gleichsam die Hauptinteressen der Städte im Norden, wirkten sich diese Turbulenzen selbstverständlich höchst nachteilig aus. In der Folge wurde das Amt des Podesta, des obersten Friedensrichters, eingeführt, um zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Dieses Amt stellte sich alsbald als wirkungslos heraus, und der Podesta wurde im Lauf der Zeit immer mehr zu einem Richter. Seinen Platz als Stadtherr füllte fortan ein Capitano del Popolo (Führer der bürgerlichen Miliz) aus der regierenden Partei; gewöhnlich nahm ein Adeliger diese Position ein. Das Volk, das sich nur nach Frieden sehnte, fügte sich der zentralen Autorität. So bekam nach und nach jede Stadt ihren Despoten bzw. absoluten Herrscher. Häufig wurde dieses Amt innerhalb weniger Adelsfamilien weitervererbt. Die bekanntesten Herrscherfamilien waren die Scala in Verona, die Este in Ferrara, die Malatesta in Rimini und die Visconti, später die Sforza in Mailand. Unter der Herrschaft dieser Despoten vermehrte sich der Reichtum, das Leben wurde luxuriöser und Literatur und Kunst erlebten eine Blütezeit. Schleichend gerieten die kleineren Städte unter den Einfluss der größeren.

Die Epoche des Wohlstands
In der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte Italien großen Reichtum bei vergleichsweise ruhiger politischer Lage erreicht. Als Vorreiter des Wiedererweckens der Gelehrsamkeit und der Künste, bekannt als Zeit der Renaissance, stand Italien in kultureller Hinsicht den anderen europäischen Nationen weit voran. Am überragendsten war diesbezüglich die Toskana, aus welcher der große Dichter Dante Alighieri und der Maler Giotto hervorgingen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde Italien das Ziel mehrerer aggressiver Kriege, angeführt von Frankreich, Spanien und Österreich, die mit der Vorherrschaft der spanischen und österreichischen Habsburger endeten. 1494 bereitete Karl VIII. von Frankreich die Eroberung des Königreiches Neapel vor, das damals vom Hause Aragón regiert wurde. Karl führte diesen Feldzug zusammen mit dem Mailänder Regenten Ludovico Sforza und den Bürgern von Florenz durch, die sich gegen die Medici erhoben. Er marschierte in Italien ein, besetzte Neapel und schloss mit Florenz einen Vertrag über die Vertreibung der Medici und die Unterwerfung des Papstes. Daraufhin schlossen Spanien, der Papst, der Kaiser des Heiligen Römisches Reiches und die italienischen Stadtstaaten Venedig und Mailand einen Bund und zwangen Karl sich aus Neapel und ganz Italien zurückzuziehen. Obwohl die Invasion des französischen Königs keine bedeutenden politischen Ergebnisse brachte, so war sie doch ein wichtiges Instrument für die Verbreitung der italienischen Kultur in Europa.

Frühe Neuzeit
Während des 16. Jahrhunderts fielen die Staaten der Italienischen Halbinsel den Armeen der nördlichen Nachbarländer zum Opfer. 1499 unterwarf König Ludwig XII. von Frankreich, der Nachfolger Karls VIII., das Herzogtum Mailand, das in der Folgezeit unter wechselnder Herrschaft der Franzosen und Habsburger stehen sollte. 1501 gelang es Ferdinand V. von Kastilien, der zugleich seit 1468 König von Sizilien war, Neapel und Sizilien unter einer Krone zu vereinigen. Die Rivalitäten zwischen Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und König Franz I. von Frankreich führten zu einer erneuten französischen Invasion in Italien. Zunächst waren die Invasoren im Verbund mit Florentinern, Genuesen und Venezianern erfolgreich, letztendlich mussten sie sich jedoch geschlagen geben. Im Frieden von Cambrai (1529) musste Franz all seine Gebietsansprüche in Italien aufgeben. Obwohl er in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts erneut den Krieg suchte, blieb die Vorherrschaft Karls in Italien ungebrochen. Zudem konnte Karl durch das Aussterben der Mailänder Sforza-Dynastie 1535 auch die Kontrolle über deren Herzogtum übernehmen, das alsbald in das spanische Habsburgerreich eingegliedert wurde. Fast 200 Jahre lang blieb Mailand in spanischem Besitz. Nur wenige der zahlreichen Stadtstaaten Italiens konnten überleben, Genua und Venedig waren die einzigen, die ihren Einfluss bewahren konnten. Venedigs letzte bemerkenswerte Errungenschaft als unabhängige Stadt war die Eroberung der Peloponnes 1684, die jedoch bereits 1715 wieder verloren ging.

Während des 18. Jahrhunderts blieb Italien gespalten und unter ausländischer Herrschaft. Bis 1748 stellte es den Schauplatz einer langen Abfolge europäischer Kriege mit sich verschiebendem Mächtegleichgewicht dar. Venedig wandte sich nach Osten, der Kirchenstaat wurde isolierter und Florenz verlor in seinem Gebiet die zentrale Rolle. Das Herzogtum Savoyen, zwischen Frankreich und den Habsburgischen Besitzungen in Italien gelegen, entwickelte sich hier zur stärksten Macht. Herzog Viktor Amadeus II. ging aus dem Spanischen Erbfolgekrieg mit Ansehen und Macht gestärkt hervor. Der Frieden von Utrecht (1713) beschied ihm den Königstitel und Sizilien, das er an Österreich abtrat, um im Gegenzug Sardinien zu erhalten (1720). Durch die Verträge von Utrecht gingen die spanischen Besitzungen in Italien an die Österreicher über, welche die Halbinsel fast während der gesamten zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts regieren konnten.

Das Napoleonische Zeitalter
1796 marschierte Napoleon Bonaparte, der spätere Kaiser Frankreichs, in Italien ein. Seine Siege führten zum Frieden von Campo Formio (1797) und zur Errichtung der Cisalpinischen und der Ligurischen Republik mit den Hauptstädten Mailand und Genua. Venedig und dessen Gebiete gingen an Österreich über. 1805 wurde Napoleon in Mailand zum König von Italien gekrönt. Im darauf folgenden Jahr vereinnahmte er das Königreich Neapel. Die Insel Sizilien konnten sich die napoleonischen Bourbonen gegen die britische Flotte sichern. Neapel wurde Napoleons Bruder Joseph und später seinem Schwager Joachim Murat übergeben. 1810 war dann sogar Rom ins Französische Großreich eingegliedert worden.

Napoleons Position in Italien wurde durch die Niederlage bei Leipzig 1813 geschwächt, als die Österreicher in Norditalien einmarschierten und die britische Flotte Genua okkupierte. Der Wiener Kongress (1814/15) garantierte die Restauration der österreichischen Herrschaft über die Halbinsel, Sardinien jedoch erlangte Piemont und Nizza zurück, Genua fiel wieder an Savoyen.

Zeitalter des Risorgimento
Der italienische Widerstand gegen die Vorherrschaft Österreichs war durch eine wachsende Bewegung für nationale Einheit und Unabhängigkeit gekennzeichnet, die Risorgimento genannt wird. Trotz repressiver Maßnahmen seitens der unbedeutenden Despoten, die sich durch das diplomatische Geschick des österreichischen Staatsmannes Prinz Klemens von Metternich und durch die Androhung militärischer Intervention ihre Herrschaft sichern wollten, setzte sich ein Netzwerk von Geheimbünden der traditionellen Ordnung entgegen. Diese Bünde, darunter besonders die Carbonari in Süditalien, spielten in der von Österreich letztendlich unterdrückten Revolution von 1820 eine äußerst wichtige Rolle.

Nationale Bewegungen
Die Julirevolution von 1830, die die Bourbonen vom französischen Thron vertrieb, hinterließ auch in Italien ihre Spuren. 1831 kam es zu Aufständen im Kirchenstaat. In Rom fand daraufhin ein Kongress mit den Vertretern der einzelnen Wahlkreise (außer Rom und wenigen Städte im Umfeld Anconas) statt, bei dem eine die republikanische Regierungsform errichtende Verfassung übernommen wurde. Entsprechend den Forderungen Papst Gregors XVI. unterdrückte Österreich diese revolutionäre Bewegung im Kirchenstaat und stellte Bologna unter militärische Aufsicht.

1831, nach dem Tod von König Karl Felix von Sardinien, gelangte Karl Albert auf den Thron. Der Prinz von Savoyen und Piemont wollte als Regent bereits 1821 seinem Volk eine Verfassung garantieren. In der Meinung, dass er immer noch an seinen liberalen Ansichten festhielte, forderte der italienische Patriot Giuseppe Mazzini von dem neuen König die Befreiung Italiens. Die Festnahme Mazzinis war die Antwort darauf. Dennoch hofften die italienischen Patrioten, dass die sardinische Monarchie die Befreiung Italiens anführen würde.

Von seinem französischen Exil in Marseille aus gründete Mazzini 1831 eine Organisation, die sich Giovane Italia (Junges Italien) nannte, um die patriotischen und republikanischen Ideale dem italienischen Volk näherzubringen. Seine Ziele, seine Erziehung und sein Aufstand inspirierten zahlreiche Revolutionen, die jedoch immer wieder unterdrückt wurden. Manche Italiener stellten die radikalen Taktiken in Zweifel und vermuteten, dass die patriotische Bewegung eine verantwortungsvollere Führerschaft benötige.

Die Neuguelfen setzten sich für eine Regierungsform ein, in welcher der Papst sowohl die politische als auch die geistige Führerschaft innehaben sollte. 1846 erhielten die patriotischen und Neuguelfen-Bewegungen durch die Wahl Pius IX. zum Papst Auftrieb. Dieser wurde als liberal und patriotisch eingestuft. Er begann sogleich damit, ein umfangreiches Reformprogramm für den Kirchenstaat aufzustellen. Politische Gegner erhielten Amnestie, ins Exil Verbannte durften zurückkehren, die Pressefreiheit wurde eingeführt, die höchsten Regierungsämter wurden auch Laien zugänglich und eine Kammer mit beratender Funktion sollte Vorschläge für neue Reformen ausarbeiten. Dem Beispiel des Papstes folgten die Herrscher von Lucca, Piemont und der Toskana. Diese Reformen von 1846 konnten die patriotische Bewegung nicht zerstreuen, vielmehr verstärkte sich diese 1847. Im Januar 1848 vertrieb das Volk von Palermo die Truppen Ferdinands II., König der beiden Sizilien. Als Antwort auf diesen revolutionären Ausbruch auf dem Festland gestand er seinen italienischen Staatsbürgern eine Verfassung zu. Zur gleichen Zeit erließ auch Leopold II., der Erzherzog der Toskana, für sein Herzogtum eine Verfassung. Gleiches tat in Turin Karl Albert, angetrieben von dem Conte Camillo Benso di Cavour. Papst Pius IX. stimmte daraufhin widerwillig einer Verfassung für den Kirchenstaat zu, obwohl er den Lauf der Dinge mit Besorgnis beobachtete.

Die Aufstände von 1848
Der Ausbruch der Revolution in Wien (1848) führte nicht nur zur Absetzung Metternichs, sondern diente auch als Signal für den Aufstand in Mailand am 18. März. Am 22. März vertrieben die Mailänder die österreichischen Truppen aus ihrer Stadt. In Venedig ereilte sie dasselbe Schicksal, daraufhin wurde die Venezianische Republik ausgerufen. Die autokratischen Herrscher von Parma und Modena wurden zur Abdankung gezwungen. In Piemont riefen die Patrioten einen Befreiungskrieg aus, um die Österreicher von italienischem Boden zu vertreiben. Nach kurzem Zögern mobilisierte Karl Albert seine Armee und eilte der Lombardei zur Hilfe. Er marschierte am 26. März ein und wurde als Befreier Italiens bejubelt.

Die Weigerung des Papstes, am Krieg teilzunehmen, der Zusammenbruch der Revolution in Neapel Mitte Mai und die Niederlage der Piemonteser gegen die Österreicher am 24. Juli schmetterten jedoch die Hoffnungen der Italiener nieder. Im folgenden Waffenstillstand mussten die Piemonteser die Lombardei wieder zurückgeben. Die Verurteilung dieses Waffenstillstands durch Karl Albert endete mit einer verheerenden Niederlage in der Schlacht von Novara im März 1849. Daraufhin dankte er ab und überließ den Thron seinem Sohn Viktor Emanuel II.

Die Revolution in Rom
Papst Pius IX. war mittlerweile wegen der Nichtteilnahme an der nationalen Befreiung von Radikalen im Kirchenstaat verurteilt worden. Aufgrund eines Volksaufstandes in Rom mussten der Papst und sein engster Berater, der Kardinal Giacomo Antonelli, im November 1848 aus der Hauptstadt fliehen. Während seiner Abwesenheit wurde die weltliche Macht des Pontifex abgeschafft und die Republik ausgerufen. Anfang 1849 legte Kardinal Antonelli bei den römisch-katholischen Kirchen in Frankreich, Österreich, Spanien und Neapel Berufung ein, um die Republik zu stürzen. Trotz der Bemühungen Mazzinis, des Regierungsoberhauptes, und der militärischen Führung unter Giuseppe Garibaldi marschierte Österreich im Norden ein, die Spanier und Neapolitaner im Süden, und französische Truppen besetzten im Juli 1849 Rom. Die Herrschaft des Papstes war wiederhergestellt.

Garibaldi und Cavour
Viktor Emanuel blieb der liberalen, von seinem Vater verkündeten Verfassung treu und behielt die Trikolore bei, die das freie Italien symbolisierende Flagge. Damit ermutigte er politische Flüchtlinge aus den restaurierten konservativen Staaten der Halbinsel, in Sardinien Asyl zu finden. 1852 wurde Cavour Ministerpräsident Sardiniens und führte 1855 sein Land an der Seite Großbritanniens und Frankreichs in den Krimkrieg. Bei der Friedenskonferenz von 1856 in Paris bezeichnete Cavour mit dem Einverständnis des französischen Herrschers Napoleon III. die italienische Frage als ein internationales Problem. 1858 traf er sich heimlich mit Napoleon um einen frankosardinischen Krieg gegen Österreich für die Befreiung Italiens zu planen. Der Krieg begann 1859. Die frankoitalienische Koalition gewann die Schlachten von Magenta und Solferino, allerdings mit hohem Kostenaufwand. Aus Angst vor den Konsequenzen eines langen Krieges ließ Napoleon die Italiener im Stich und schloss mit den Österreichern eine vorläufige Übereinkunft im Juli 1859. Daraufhin akzeptierten die Sardinier die im Vertrag von Zürich bestimmten Bedingungen; Österreich trat den größten Teil der Lombardei an Frankreich ab, das wiederum die lombardischen Städte Peschiera und Mantua an Sardinien abgab. Überall beschleunigte sich nun der Antrieb zur Vereinigung Italiens. In einer Reihe von Volksentscheiden im Jahr 1860 stimmten das Volk von Romagna und die Herzogtümer Parma und Modena für die Einheit mit Sardinien. Frankreich erhielt im Gegenzug für seine Hilfe Nizza und Savoyen. Im April 1860 erhob sich Palermo gegen Franz II., den König der beiden Sizilien. Im Mai führte Garibaldi, mit geheimer Unterstützung von Cavour, von Genua aus eine Hilfsexpedition für die sizilianische Revolte an. Er hatte bald die Kontrolle über Sizilien gewonnen, attackierte im August das neapolitanische Festland und erstürmte Neapel am 7. September. Franz floh in die Festung von Gaeta. Der Regierung Sardiniens war die Eroberung durch Garibaldi willkommen, sie hatte offiziell eine neutrale Haltung eingenommen. Als Garibaldi in Rom einzumarschieren drohte, das ja von französischen Truppen beschützt war, wurde Cavour alarmiert. Mit Napoleons Zustimmung positionierte er seine Truppen im Kirchenstaat, um Garibaldi abzuwehren. Im weiteren Verlauf integrierte Sardinien den größten Teil des Kirchenstaates, überließ dem Papst aber Rom und die nähere Umgebung. In der Zwischenzeit zeigten Volksentscheide in Neapel und Sizilien, an den Grenzgebieten und in Umbrien den Willen zur Einheit mit Sardinien.

Das Königreich Italien
Am 17. März 1861 wurde das Königreich Italien ausgerufen, mit Viktor Emanuel II. als König und Cavour als Premierminister. Italien hatte jedoch noch nicht wieder seine frühere Größe erreicht, denn Rom und Venedig gehörten noch nicht zum Königreich. Cavour, der auf deren friedliche Aufnahme hinarbeitete, starb im Juni. Im folgenden Jahr organisierte Garibaldi von Sizilien aus den Marsch nach Rom. Aus Angst vor französischer Intervention wurde er von der italienischen Regierung verurteilt. Als er mit seinen Freischaren in Kalabrien landete, hielten ihn die Truppen Viktor Emanuels auf und zwangen ihn im August 1862, sich zu ergeben. 1866 schloss Italien ein militärisches Bündnis mit Preußen gegen Österreich und konnte am Ende eines siebenwöchigen Krieges Venedig erobern. Rom hingegen blieb auch nach einem erneuten Angriff Garibaldis und seiner Anhänger unerreichbar. Der Kirchenstaat konnte mit Hilfe französischer Truppen die Freischärler bei Mentana 1867 abwehren. 1870 zog Napoleon III. als Folge seiner Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg seine Truppen aus Rom ab, wodurch die Italiener letztendlich Rom besetzen konnten. Nach einem Volksentscheid im Oktober zugunsten der Einheit mit dem Italienischen Königreich wurde Rom im Juli 1871 die Hauptstadt eines vereinigten Italien.

Koloniale Unternehmungen
Nach dem Tod von Viktor Emanuel im Januar 1878 folgte dessen Sohn, Umberto I., auf den italienischen Thron. Während seiner Regentschaft trat Italien 1882 dem Dreibund mit Deutschland und Österreich-Ungarn bei, der die Teilung Europas in zwei feindliche Lager kennzeichnete. Am 29. Juli 1900 wurde Umberto von einem Anarchisten ermordet, Victor Emanuel III., sein Sohn, wurde sein Nachfolger. Beschleunigt durch die Beispiele Frankreichs und Großbritanniens und durch die Absicht, von den wirtschaftlichen und sozialen Problemen im eigenen Land abzulenken, hatte die Regierung mittlerweile ein Kolonialprogramm eingeleitet. Anfang 1885 besetzte eine italienische Expedition Teile Ostafrikas. Diese Gebiete wurden 1890 mit der Kolonie Eritrea zusammengeschlossen. In diesem Jahr errichtete Italien ein Protektorat über das Küstengebiet südlich von Britisch-Somaliland. Daraufhin beschloss der Premierminister Francesco Crispi, sich aus dem Küstengebiet zurückzuziehen um Abessinien (Äthiopien) einzunehmen. Er erlitt jedoch 1896 eine bittere Niederlage und musste die Unabhängigkeit Abessiniens anerkennen. Darüber hinaus marschierten italienische Truppen in Libyen 1911 ein. Im folgenden Italienisch-Türkischen Krieg konnte Italien seine Besitzungen an der libyschen Küste bestätigen.

Italien vor dem 1. Weltkrieg
Von 1901 bis 1914 erfuhr Italien unter dem Premierminister Giovanni Giolitti sowohl eine politische als auch soziale und wirtschaftliche Modernisierung. Giolitti wird zwar vorgeworfen, sich in den Wahlvorgang eingemischt, den Protektionismus toleriert und eine nahezu parlamentarische Diktatur geschaffen zu haben, andererseits wird er aber auch als Macher des heutigen Italien gepriesen. Er führte in seiner Amtszeit zahlreiche Reformen ein; er erkannte das Streikrecht der Arbeitnehmer für höhere Löhne an, verbesserte durch Veränderungen im Wahlmodus die Ausübung des Stimmrechtes erheblich, bezog die Katholiken in das politische Leben Italiens mit ein und erließ ein erstes wichtiges Gesetz zugunsten des wirtschaftlich weniger entwickelten Südens. Außenpolitisch verbesserte er die Beziehungen zu Frankreich, Italien blieb jedoch weiterhin im Dreierbund. Während der Ära Giolitti konnte Italien ein Industriewachstum von 87 Prozent verzeichnen, einen Anstieg der Arbeitslöhne um mehr als 25 Prozent trotz kürzerer Arbeitszeiten und die Einführung eines gesetzlich festgelegten freien Arbeitstages. In vielerlei Hinsicht war zu dieser Zeit ein demokratisches Italien im Entstehen, doch wurde dieser Prozess durch die Teilnahme am 1. Weltkrieg unterbrochen.

1. Weltkrieg
Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges im August 1914 löste die italienische Regierung den Dreierbund auf und nahm zunächst eine neutrale Haltung ein. Im Anschluss an die Unterzeichnung des Londoner Geheimvertrags mit den Alliierten erklärte Italien jedoch Österreich und der Türkei den Krieg, ein Jahr später auch Deutschland. Italien schickte zunächst Truppen in die Region Trentino (Südtirol). 1916 konterten die Österreicher mit einigen Offensiven im Nordosten Trients und entlang des Ostufers der Etsch, wobei sie die Städte Asiago und Asiero einnehmen konnten. Den Großteil der verlorenen Gebiete gewannen die italienischen Streitkräfte in der Isonzoschlacht in Venezia Giulia (Julisch-Venetien) mit der Einnahme von Gorizia am 9. August wieder zurück. Danach sollte ihnen jedoch nur wenig Erfolg beschieden sein. Im Oktober 1917 griffen Österreich und Deutschland gemeinsam die italienische Verteidigung an und errangen einen Sieg bei Caporetto in Venezia Giulia. Die Italiener mussten den Rückzug antreten und sowohl Gorizia als auch das Karsthochland aufgeben. Die italienischen Stellungen wurden zudem noch von den Julischen Alpen bis zum Adriatischen Meer bedroht, so dass sie schließlich bis hinter die Piave zurückweichen mussten. Verstärkt durch französische und britische Truppen konnten sie eine österreichische Offensive im Juni 1918 abwehren und einen überwältigenden Sieg in der Schlacht von Vittorio Veneto (24. Oktober-4. November) feiern. Daraufhin okkupierte die italienische Armee Udine und Trient, und die Marinetruppen landeten in Triest. In der Zwischenzeit hatten die österreichisch-ungarische Regierung und die Alliierten am 3. November einen Waffenstillstand unterzeichnet. Die Zahl der italienischen Kriegsopfer übertraf eine halbe Million. In den folgenden Verträgen erhielt Italien zwar Trient, Triest und Südtirol, aber nicht alle im Londoner Vertrag zugesicherten Gebiete, auch nicht Dalmatien und Fiume. Im November 1920 unterzeichneten Italien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später in Jugoslawien umbenannt) den Vertrag von Rapallo. Fiume wurde ein freier Staat und Italien versuchte erneut, seinen Anspruch auf Dalmatien geltend zu machen.

Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg
Von 1919 bis 1922 wurde Italien von sozialen und politischen Unruhen heimgesucht, von Inflation und wirtschaftlichen Problemen, die zudem durch die Meinung verstärkt wurden, Italien habe zwar den Krieg gewonnen, aber den Frieden verloren. Bewaffnete Verbände mit einer stark nationalistischen Ausrichtung, bekannt als Fascisti (siehe Faschismus), bekämpften sozialistische und kommunistische Gruppen in Rom, Bologna, Triest, Genua, Parma und weiteren Städten. Während Giolittis letzter Amtsperiode von 1920 bis 1921 kehrte zumindest ein Anflug von Normalität zurück. Er formte zwar einen nationalen Block von Liberalen, Nationalisten und anderen, einschließlich der Faschisten, jedoch gelang es ihm nicht, eine stabile Parlamentsmehrheit aufzubauen, weil ihm die zwei größten Parteien, die Sozialisten und die neu geformte Katholische Volkspartei ihre Unterstützung versagten. Daraufhin dankte Giolitti ab. Sein Abgang ließ eine Periode der Unsicherheit vorausahnen. Viele Landbesitzer fürchteten, dass ihre Anwesen von Bauern beschlagnahmt würden, die Mittelklasse und die Industriellen wiederum, dass aus Italien eine Republik im sowjetischen Stil werden würde, und die konservativen Römisch-Katholischen betrachteten Sozialismus, Kommunismus und Atheismus als große Gefahr für die religiöse Ordnung. Am 24. Oktober 1922 verlangte der Führer der Faschisten, Benito Mussolini, ermutigt durch die Unterstützung der Konservativen und der früheren Soldaten, dass die Regierung seiner Partei anvertraut würde. Bei Verweigerung seiner Bedingungen drohte er, die Macht mittels Gewalt zu ergreifen. Als die Faschisten für den Marsch nach Rom mobil machten, legte der Premierminister Luigi Facta sein Amt nieder. Am 28. Oktober forderte Viktor Emmanuel Mussolini auf, eine neue Regierung zu formen.

Die faschistische Diktatur
Obwohl Mussolini mit außerordentlicher Machtbefugnis ausgestattet worden war, um die Ordnung wieder herzustellen, regierte er anfangs gemäß der Verfassung. 1923 stand er an der Spitze einer Regierungskoalition von Liberalen, Nationalisten, Katholiken sowie auch Faschisten. Nach den die Wahlen von 1924 begleitenden Gewalttaten und der Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti (1924), setzte Mussolini an, die konstitutionelle Regierung zu suspendieren. Schritt für Schritt begann er eine Diktatur zu errichten. Er versagte dem Parlament Gesetzesinitiativen, verantwortete sich nur vor dem König, verlangte vom Parlament die Autorität, Erlasse mit Gesetzeskraft herauszugeben, errichtete eine vollkommene Pressezensur und verbot 1926 die Oppositionsparteien.

Wirtschaftliche Maßnahmen
1928 wurden weitere Maßnahmen zur Umwandlung der Nation in einen faschistischen Staat ergriffen. Die oberste Macht hatte theoretisch der Großrat des Faschismus, bestehend aus der Führungsriege der Partei mit dem Premierminister als Vorsitzendem. Der Großrat hatte die Aufgabe, eine Liste der Kandidaten für die Abgeordnetenkammer aufzustellen und musste bei allen wichtigen Regierungsangelegenheiten befragt werden, besonders bei der Wahl zum Thronfolger bzw. zu Mussolinis Nachfolger. Seine größten diplomatischen Triumphe erzielte Mussolini 1929 mit den Lateranverträgen zwischen dem italienischen Staat und dem Papst. Diese beseitigten die 60 Jahre alten Streitigkeiten bezüglich der weltlichen Macht des Papstes durch die Schaffung der Vatikanstadt in Rom.

Während der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise schritt die faschistische Regierung vermehrt ein, um den Zusammenbruch mehrerer Industriezweige zu verhindern. Der Bau neuer Fabriken oder die Ausweitung alter war ohne Zustimmung der Regierung verboten. Die Regierung organisierte die Eisen- und Stahlindustrie um, baute Wasserkraftwerke weiter aus und setzte weitere öffentliche Projekte in Gang. Das Militär wurde vergrößert und besser ausgerüstet. Gegen Ende 1933 forderte Mussolini die italienische Abgeordnetenkammer öffentlich auf, sich per Gesetz außer Amtes zu setzen und ihre Aufgaben und Funktionen dem Nationalrat der Korporationen zu übertragen. Dieser Schritt wurde schließlich 1939 ausgeführt. Die Abgeordnetenkammer wurde durch die Kammer der Fasci und Korporationen ersetzt, die sich aus ungefähr 800 Mitgliedern aus dem Nationalrat der Korporationen zusammensetzte. Innerhalb ihres jeweiligen Industriezweiges wurde den Korporationen die Regulierung der Preise und Gehälter, die Planung der Wirtschaftspolitik sowie die Erfüllung anderer wirtschaftlicher Funktionen anvertraut.

Politische Beziehungen zu Deutschland
1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler von Deutschland ernannt, was von der italienischen Presse mit Zurückhaltung aufgenommen wurde. Hitler hingegen erklärte sein Wohlwollen gegenüber dem italienischen Faschismus. Eine deutsch-italienische Achse wurde nicht sofort gebildet, denn der Versuch der Deutschen, Österreich 1934 zur Eingliederung ins Dritte Reich zu zwingen, hatte eine vorübergehende Verbesserung der italienisch-französischen Beziehungen zur Folge. Mussolini ließ 75 000 italienische Soldaten an der italienisch-österreichischen Grenze aufmarschieren und kündigte im Fall eines deutschen Angriffs seine Intervention an. Seinen ehemaligen Verbündeten aus dem 1. Weltkrieg rückte Italien 1935 wieder näher, als es zusammen mit Frankreich und Großbritannien aus Protest gegen die wiederholten Verletzungen des Versailler Vertrags durch Deutschland die Stresafront bildete.

Der abessinische Feldzug
Die italienische Invasion in Abessinien 1935 verärgerte Europa und brachte somit die faschistische und die nationalsozialistische Diktatur einander näher. Grundsätzlich war Abessinien durch zahlreiche kommerzielle und diplomatische Pakte mit dem faschistischen Italien verbunden, dennoch suchte Italien jede Möglichkeit, es in das italienische Kolonialreich zu integrieren. Dem abessinischen Krieg ging 1935 ein französisch-italienisches Abkommen voraus, in dem Italien den Franzosen im Fall einer deutschen Wiederaufrüstung Unterstützung zusicherte, um im Austausch dafür französische Konzessionen in Afrika zu erhalten. Großbritannien betrachtete Italiens aggressive Expansion als Bedrohung seiner eigenen Interessen und stellte sich heftig gegen Mussolinis Plan.

Am 3. Oktober marschierte Italien in Abessinien ein. Vier Tage später klagte der Völkerbund Italien wegen Verletzung seiner Vertragsverpflichtungen an und verhängte Wirtschaftssanktionen. Dem Bund gelang es nicht, diese Sanktionen durchzuführen, was maßgeblich zu Italiens Sieg beitrug. Am 9. Mai 1936 annektierte Mussolini formell Abessinien und ernannte Viktor Emanuel III. zum Kaiser von Äthiopien. Innerhalb eines Monats wurde das Land zusammen mit Eritrea und Italienisch-Somaliland in der Kolonie Italienisch-Ostafrika zusammengeschlossen. Im Oktober 1936, nach Anerkennung der italienischen Eroberung durch Deutschland, schlossen Hitler und Mussolini ein Freundschaftsbündnis.

Der Spanische Bürgerkrieg
Die italienische Wirtschaft war erneuten Belastungen ausgesetzt durch Mussolinis aktive Parteinahme für General Francisco Franco und den Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). In den Schlachten von Málaga und Santander spielten die italienischen Truppen eine wichtige Rolle; die Luftwaffe Italiens wurde ebenso eingesetzt wie seine Marineeinheiten, die angeblich zahlreiche neutrale Schiffe versenkten, die an die regierungstreuen Häfen Öl, Nahrungsmittel und andere Vorräte für die republikanischen Armeen liefern sollten. An der Front von Guadalajara wurden die italienischen Streitkräfte im März 1937 von spanischen Loyalisten in die Flucht geschlagen. Offiziellen Angaben zufolge wurden dabei 4 000 italienische Soldaten getötet und 15 000 verwundet.

Die Achse Berlin-Rom
Bereits 1937 zeigte die Kooperation mit Deutschland erste Ergebnisse. Nach seinem Deutschlandbesuch im September bekräftigte Mussolini Italiens Festhalten am Antikominternpakt mit Deutschland und Japan und trat kurz darauf aus dem Völkerbund aus. Als Österreich im März 1938 an Deutschland angeschlossen wurde, verweigerte Mussolini den Österreichern seine Hilfe und stellte damit seine deutschlandfreundliche Politik eindrücklich unter Beweis. In der Zwischenzeit fruchtete auch der wachsende Einfluss der nationalsozialistischen Rassenlehre im faschistischen Italien und drückte sich in einer Reihe von Beschlüssen aus, die die Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten der italienischen Juden zum Ziel hatten. Darunter ein Gesetz, das alle Juden von öffentlichen und militärischen Ämtern ausschloss. Beim Münchner Abkommen 1938 und der anschließenden Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland unterstützte Mussolini in hohem Maß Hitlers Forderungen. Im Mai 1939 schlossen die beiden Diktatoren einen Freundschafts- und Bündnispakt.

Der 2. Weltkrieg
Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges im September 1939 erklärte Mussolini, er könne unter keinen Umständen Deutschland militärisch unterstützen, da Italien nicht vor 1942 für einen Krieg bereit wäre.

Der Kriegseintritt Italiens
Nach Deutschlands Erfolgen im ersten Kriegsjahr änderte Mussolini seine Politik. Nachdem Frankreich gerade eine schwere Niederlage erlitten hatte und britische Truppen dem mächtigen deutschen Heer ohne Unterstützung verbündeter Streitkräfte gegenüberstanden, trat Italien im Juni 1940 in den Krieg ein und sicherte Frankreich einen Waffenstillstand zu. Im August 1940 besetzten italienische Truppen in Ostafrika Britisch-Somaliland, im November setzten sie von Libyen und Italienisch-Ostafrika aus zu einer groß angelegten Zangenbewegung an, mit dem Ziel, die britischen Verteidigungsmächte in Ägypten zu bezwingen. Am 28. Oktober 1940 marschierten faschistische Kräfte von Albanien aus in Griechenland ein, offensichtlich um die Briten von Ägypten abzulenken und Stützpunkte auf der griechischen Halbinsel zu sichern. Die Invasion schlug fehl, Griechenland konnte die Italiener aus seinem Land und aus Albanien vertreiben. Dieses Debakel, dem noch britische Siege im Mittelmeerraum und in Ägypten folgten, erschütterte das faschistische Regime aufs tiefste. Mussolini konnte nicht umhin, Hitler um Hilfe zu bitten und sich damit in allen Bereichen vermehrt unter deutsche Kontrolle zu bringen. Auch mittels radikaler Veränderungen in der faschistischen Militärhierarchie und anderen Reformen war es nicht möglich, die Moral des italienischen Volkes wieder herzustellen.

Der Krieg auf dem Balkan
1941 hatte Italien mehrere militärische Niederlagen zu verzeichnen und litt aufgrund der Blockade der Alliierten unter wachsenden wirtschaftlichen Einschränkungen. Eine antifaschistische Stimmung machte sich in der ganzen Bevölkerung breit. Der durch Hitlers Einmischung erfolgreiche Ausgang des Balkanfeldzuges glich die vorhergegangenen Rückschläge durch den Hinzugewinn von mehreren neuen Gebieten etwas aus. Nach Absprache mit Deutschland besetzten italienische Truppen fast ganz Griechenland. Bald hatte Italien erkannt, dass der Gewinn der Balkangebiete illusorisch war, da diese praktisch unter deutscher Kontrolle standen. Zudem musste Italien für Hitlers militärische Hilfe einen immer höheren Preis zahlen. Auch seine Nahrungsmittel und andere wichtige Waren gingen zur Neige, da große Mengen ins Deutsche Reich geschafft wurden. Italien erklärte der Sowjetunion (UdSSR) am 22. Juni 1941 den Krieg, an dem Tag der deutschen Invasion, und fünf Wochen später wurde die erste italienische Division an die russische Front geschickt. Mit zunehmender Erschöpfung der deutschen Offensive stiegen auch Hitlers Forderungen an Mussolini.

Kriegseintritt der Vereinigten Staaten
Gleichzeitig liefen Italiens Beziehungen zu den Vereinigten Staaten auf eine Kraftprobe zu. Im März beschlagnahmte die amerikanische Regierung 28 italienische Handelsschiffe und ließ die Besatzungen festnehmen. Italien fordert im Gegenzug die Abtretung des amerikanischen Militärattachés in Rom. Als im Juni italienische Vermögenswerte in den USA beschlagnahmt wurden, ergriff Italien ähnliche Maßnahmen im eigenen Land. Im Dezember, nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, erreichten die Beziehungen mit der Kriegserklärung Mussolinis an die Vereinigten Staaten ihren Tiefpunkt.

1942 beendete eine britische Offensive in Nordafrika die vorübergehenden territorialen Gewinne italienischer und deutscher Truppen. Die Achsenmächte Deutschland und Italien erlitten folgenschwere Niederlagen in Russland. Die italienischen Truppen, die Albanien, Jugoslawien und Griechenland besetzt hatten, mussten sich von Guerillabanden zahlreiche Gebiete nehmen lassen.

Deutsche Kontrolle
Die wachsende Kontrolle der Deutschen über alle Lebensbereiche Italiens, die Korruption unter den faschistischen Offizieren und die Umgehung der Rationierungsgesetze durch einflussreiche Personen trugen weiter zur Demoralisierung des italienischen Volkes bei. Im Oktober führten die Briten eine Reihe von Bombenangriffen auf die Industriestädte im Norden Italiens durch. Nachdem vordringende britische und amerikanische Truppen in Algerien und der Cyrenaika Luftstützpunkte errichtet hatten, wurde auch der Süden Italiens von Bombenangriffen getroffen. Das politische Ansehen des faschistischen Regimes verringerte sich zunehmend. Im Februar 1943 erhielt Mussolini, in der Hoffnung, dass er das Blatt wenden könne, die volle Verantwortung für politische Angelegenheiten und Militäroperationen. Als die Streitkräfte der Achsenmächte im Mai in Tunesien zusammenbrachen, errichtete er einen Verteidigungsrat, um sich auf die Invasion der Alliierten auf dem Festland vorzubereiten. Alle Bemühungen, die Verteidigung zu stärken und die Moral zu heben wurden jedoch durch die Luftangriffe der Alliierten zunichte gemacht.

Die Invasion in Italien
Am 10. Juli 1943, nach der Kapitulation der strategisch wichtigen Insel Pantellereia im Mittelmeer, landeten die Alliierten auf Sizilien. Sechs Tage später drängten der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill das italienische Volk über Radio zur Kapitulation, um eine größere Vernichtung zu verhindern. Am Folgetag informierten aus alliierten Flugzeugen abgeworfene Flugblätter über einen möglichen Angriff auf militärische Einrichtungen in der Nähe Roms, versicherten aber, dass man mit größtmöglicher Mühe die Vernichtung von Privatgebäuden und Kulturdenkmälern zu vermeiden suche. Daraufhin griffen etwa 500 Bomber der Alliierten Verschiebebahnhöfe, Waffenfabriken und Flugplätze nahe Rom an.

Bei diesem Angriff wurde ein großer Teil der Bevölkerung Roms getötet und die politische Krise auf ihren Höhepunkt gebracht. Mussolini war während des Angriffs in Verona und beratschlagte mit Hitler über Abwehrmaßnahmen gegen die nächsten Angriffe der Alliierten. Zurück in Rom wurde er aufgefordert, in einem Treffen des Großrats des Faschismus die militärische Krise einzugestehen. Die folgende stürmische Debatte endete mit einem Misstrauensvotum gegen Mussolini. König Viktor Emanuel ließ ihn am 25. Juli unter militärischen Gewahrsam stellen. Dann rief er Marschall Pietro Badoglio auf, ein neues Ministerium zu bilden. Das Kabinett Badoglio verfügte baldigst die Liquidierung aller faschistischer Organisationen.

Kapitulation und Waffenstillstand
Mussolinis Fall löste lautstarke Friedensdemonstrationen in ganz Italien aus. Die Alliierten eroberten in der Zwischenzeit immer weitere Teile Siziliens. Churchill stellte Italien vor die Wahl, entweder mit Deutschland zu brechen oder vernichtet zu werden. General Dwight D. Eisenhower, Oberkommandierender der Alliierten, sicherte dem italienischen Volk Frieden zu, wenn es den Deutschen seine Kriegshilfe untersagen würde. Mitte August traf in Lissabon ein Vertreter von Premierminister Badoglio mit dem Angebot ein, die Alliierten gegen Deutschland zu unterstützen, wenn erstere ihre Invasion auf dem Festland beginnen. Amerikanische und britische Offiziere handelten mit dem italienischen Gesandten eine bedingungslose Kapitulation Italiens aus. Der Waffenstillstand wurde am 3. September unterzeichnet; an diesem Tag begann die Invasion Süditaliens.

Der Kampf um Italien
Die Verkündigung des Waffenstillstands löste ein Wettrennen zwischen den Alliierten und den Deutschen um italienische Gebiete, Stützpunkte, Waffen und Vorräte, Kommunikationsmittel und andere Einrichtungen aus. Eine große britisch-amerikanische Armee landete an den Stränden von Salerno südlich von Neapel, in der Hoffnung, weiter ins Landesinnere vordringen zu können und die Deutschen in die Arme der britischen achten Armee weiter im Süden zu treiben. Die Deutschen konnten die vordringenden Truppen solange aufhalten, bis sich ihre Truppen im Süden wieder erholt hatten. Zugleich gelang es ihnen, die Städte und strategischen Zentren in Nord- und Zentralitalien einzunehmen und italienische Truppen zu entwaffnen. Am 10. September besetzten sie Rom. Von hier mussten König Viktor Emanuel III. und Badoglio bereits zwei Tage zuvor fliehen. Die Alliierten waren hingegen im Wettrennen um die italienische Flotte erfolgreicher. Gemäß der Forderung eines alliierten Marinebefehlshabers im Mittelmeerraum verließen alle italienischen Kriegsschiffe ihre Stützpunkte in La Spezia und anderen vormals italienisch kontrollierten Häfen und ergaben sich den Alliierten.

Als Opposition zur Regierung Badoglio hatten profaschistische Italiener im September eine faschistische Nationalregierung ausgerufen, die weiterhin an der Unterstützung Deutschlands festhielt. An ihrer Spitze stand der frühere Diktator Mussolini. Er war von deutschen Fallschirmjägern aus dem Gefängnis befreit worden und wollte den Plan Badoglios, sich den Alliierten zu ergeben, vereiteln.

Kriegserklärung an Deutschland
Gemäß seinem Versprechen an die Alliierten und an das italienische Volk erklärte Premierminister Badoglio am 13. Oktober Deutschland den Krieg. In dem Bestreben, sein Kabinett mit Führern der verschiedenen deutschfeindlichen Gruppierungen zu besetzen, verhandelte er mit Vertretern der antifaschistischen Parteien, die sich gegen Mussolini gestellt hatten. Eine repräsentative Regierung mit solch liberalen Elementen hätte jedoch nur im Fall einer Abdankung Viktor Emanuels zustande kommen können. Der König weigerte sich, und Badoglio unternahm nichts, um ihn abzusetzen. Als Übergangslösung organisierte er eine so genannte technische Regierung mit parteilosen Experten, um administrative Aufgaben ausführen zu können. Im November sprachen die nationalen Befreiungsausschüsse der Regierung Badoglio ihr Misstrauen aus und setzten den König ab.

Abgang des Königs
Im April 1944 erklärte der König, er werde sich vom öffentlichen Leben zurückziehen und ernannte seinen Sohn, Umberto II., zum Generalleutnant von Italien. Beim Einmarsch der Alliierten in Rom übernahm dieser das Amt offiziell. Dadurch wurde der Weg für eine Regierung, die das Komitee der Nationalbefreiung vertrat, geebnet. Am 4. Juni befreiten die Alliierten Rom, Viktor Emanuel übertrug Umberto die königliche Autorität. Als sich die Parteiführer des Komitees der Nationalbefreiung jedoch einstimmig der Regierung Badoglios verweigerten, wurde Ivanoe Bonomi zum neuen Premierminister ernannt. Dieser formte dann eine Koalitionsregierung.

Da die neue Regierung unter der Kontrolle der Alliierten stand, wurden Reformvorschläge weitgehend verworfen. Um die Kriegsbemühungen der Alliierten nicht zu behindern, stimmten amerikanische und britische Offizielle gegen jegliche Vorschläge zu sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen. Was die grundlegenden politischen Bestimmungen anbelangte, stimmte das neue Kabinett den Alliierten weitgehend zu. Die Hoffnung, dass die Waffenstillstandsbedingungen noch verändert würden und Italien eine selbstregierende Demokratie entwickeln dürfe, verband die Liberalen der Mittelklasse und die radikalen Proletarier. Kommunisten und Sozialisten befürworteten gemeinsam wirtschaftliche Reformen, und sogar Kommunisten und Katholiken konnten in einigen Bereichen Übereinstimmungen feststellen.

Mussolinis Tod
Der letzte Angriff der Alliierten in Italien begann im April 1945, und bereits Ende des Monats hatte die deutsche Armee kapituliert. Mussolini und viele seiner hochrangigen Genossen wurden von italienischen Partisanen auf der Flucht in einer kleinen Stadt in der Nähe des Comer Sees gefangen genommen und am 28. April hingerichtet. Nach der Kapitulation Deutschlands am 2. Mai übten die Norditaliener auf brutale Weise an Mussolinis Anhängern Vergeltung. Allein in Mailand erschossen sie über 1 000 Faschisten.

Der Aufstieg De Gasperis
Gemäß seines zuvor abgegebenen Versprechens trat Bonomi nach der Befreiung Norditaliens zurück. Daraufhin wurde eine Koalitionsregierung gebildet, die das Komitee der Nationalbefreiung vertrat. Die neue Regierung, angeführt von Ferruccio Parri, dem Chef der Aktionspartei, war nur eine vorübergehende Notlösung. Es gelang ihr nicht, Italiens Probleme wirksam zu bekämpfen. Im Oktober beschuldigten Monarchisten und Führer der Liberalen Partei Premierminister Parri, die Abmachungen in der Frage der Monarchie zu verletzen, woraufhin sich dieser zurückzog. Lärmende Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten begleiteten in Süditalien die nachfolgende Krise. Schließlich bot der Nationale Befreiungsausschuss dem Christdemokraten Alcide De Gasperi das Amt des Premierministers an, das er am 9. Dezember antrat.

Das Jahr 1946 war für weite Teile des italienischen Volkes von großer sozialer Not geprägt. Die Entbehrungen riefen allerdings nur gelegentlich Unruhen hervor, im Großen und Ganzen erlebte das Volk die Zeit während der Kampagne, die dem Volksentscheid und den Wahlen für die konstituierende Versammlung im Juni vorausging, mit relativer Teilnahmslosigkeit. Im April stimmten drei Viertel der Christdemokraten für eine Republik. Dies war ein Zeichen für die wachsende Beliebtheit einer Opposition zur Monarchie. König Viktor Emanuel III. dankte am 9. Mai ab, sein Sohn folgte als Umberto II. auf den Thron.

Die Republik
Fast 25 Millionen Bürger, circa 89 Prozent der Wahlberechtigten, darunter zum ersten Mal auch Frauen, beteiligten sich an den allgemeinen Wahlen vom 2. und 3. Juni 1946. 54,3 Prozent der Wähler stimmten für die Republik. Am 10. Juni, als das Volksmandat offiziell bekannt gegeben wurde, wurde Italien de facto eine Republik. Drei Tage später dankte König Umberto ab, verließ Italien und ließ sich in Portugal nieder. Er starb 1983 in Genf.

Die wichtigsten Parteien
In den Wahlen zur Nationalversammlung gewannen die Christdemokraten mit 207 Sitzen die Mehrheit und wurden damit Italiens Führungspartei. Die Sozialisten erreichten 115 Sitze, die Kommunisten 104, und vier kleinere Parteien teilten sich die restlichen 117 Sitze. Am 28. Juni wurde Enrico de Nicola, ein Mitglied der Liberalen Partei, provisorisch zum Präsidenten der Republik ernannt. De Gasperi blieb weiterhin Premierminister.

In den Überlegungen, die der Bildung der neuen republikanischen Regierung vorausgingen, wurden in der Nationalversammlung unvereinbare Gegensätze zwischen den Kommunisten und Christdemokraten sichtbar. Die Konflikte spitzten sich durch die ständig drohende Hungersnot und Italiens chaotische wirtschaftliche Lage weiter zu. Der daraus folgende Prestigeverlust der Regierung De Gasperis brachte die sozialistische und kommunistische Partei enger zusammen. Bereits bei den Stadtratswahlen im November 1946 mussten die Christdemokraten Wahlverluste hinnehmen, während die Kommunisten, Sozialisten und rechtsgerichteten Parteien Gewinne verzeichnen konnten.

Die Pariser Friedenskonferenz
Die niedergeschlagene Stimmung in Italien wurde mittlerweile durch die einleitenden Beschlüsse der „Großen Vier" (Frankreich, Großbritannien, Vereinigte Staaten und UdSSR), die in der Pariser Friedenskonferenz im Juli 1946 gefasst wurden, verschlimmert. Dort wurden die Internationalisierung Triests, die Abtretung einiger Gebiete sowie Reparationszahlungen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an die UdSSR in Erwägung gezogen. Der geplante Vertrag sah auch zusätzliche Reparationszahlungen an andere Nationen vor, die unter dem Faschismus gelitten hatten, sowie strenge Einschränkungen innerhalb der italienischen Armee und die Kontrolle Italienisch-Ostafrikas durch die Briten, bis die „Großen Vier" sich über die endgültige Verteilung der Kolonien geeinigt hatten. Trotz Protesten seitens des Volkes wurde der Vertrag am 10. Februar 1947 in Paris unterzeichnet und anschließend von der italienischen Nationalversammlung – kommunistische und sozialistische Delegierte enthielten sich jedoch der Stimme – ratifiziert. Am 15. September trat der Vertrag in Kraft, kurz darauf zogen die Besatzungstruppen der Alliierten aus Italien ab. Italien war zwar gegen diesen Friedensvertrag, wurde aber beschwichtigt durch das Verhalten der US-Regierung, welche die Russen von härteren Vertragsbedingungen abhalten konnte und Italien gegenüber friedliche Absichten bewies.

Politische Gewalt
Anfang 1947 trennte die Frage der Zusammenarbeit mit den Kommunisten die Sozialisten in zwei Lager und spiegelte damit eine europäische Entwicklung wider. Pietro Nenni, Außenminister in De Gasperis Kabinett und Führer der prokommunistischen Splittergruppe, trat am 15. Januar zurück. Nachdem ihm auch das ganze Kabinett gefolgt war, bildete er ein neues Koalitionskabinett, das sowohl Kommunisten als auch Sozialisten einschloss. In der Folge verschlechterten sich die Beziehungen zwischen linken und gemäßigten Gruppen immer mehr. Im Kalten Krieg zwischen den westlichen Demokratien und dem osteuropäischen Bündnissystem stellten sich die Italiener auf die ihrer Ideologie entsprechende Seite. Nun wurde die extreme Rechte, die sich hauptsächlich aus früheren Anhängern Mussolinis und Monarchisten zusammensetzte, immer mutiger. Am 1. Mai schritten bewaffnete Gruppen bei einer kommunistischen Demonstration in Greci (Sizilien) ein und töteten dabei acht Menschen. Dieser Vorfall löste die Kabinettskrise vom 13. bis 31. Mai aus und veranlasste De Gasperi, ein Kabinett aus Christdemokraten und Parteilosen unter Ausschluss sowohl der Kommunisten als auch der Sozialisten zu bilden. Seine neue Regierung begann mit der sofortigen Eliminierung aller Linksgerichteten aus wichtigen öffentlichen Ämtern.

Der dadurch ausgelöste politische Unmut äußerte sich in Massendemonstrationen, Generalstreiks und anderen Strategien der Linken, um De Gasperis Regierung zu stürzen. Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen stimmte die UdSSR gegen die Bewerbung Italiens als Mitglied der Vereinten Nationen (UN) und brachte damit seine feindliche Haltung deutlich zum Ausdruck. Zur gleichen Zeit wurden die italienischen Kommunisten Gründungsmitglied der Kominform. Siehe Internationale.

Parlamentswahlen
Die zwischenzeitlich von der Nationalversammlung entworfene Verfassung wurde am 22. Dezember 1947 mit 453 zu 62 Stimmen gebilligt und trat am 1. Januar 1948 in Kraft. Die anschließende Wahlkampagne sollte eine der bittersten und dramatischsten in der Geschichte Italiens werden. Sie traf zeitlich mit der Konfrontation im Rahmen des Kalten Krieges zusammen und brachte Italien an den Rand des Bürgerkrieges. Die Demonstration ihrer Macht wurde zum wichtigsten Markenzeichen der Strategie vieler Parteien. Ausgeübt durch die Einheitsgewerkschaften, setzten die Kommunisten häufig Streiks als politische Waffe ein. Als Repressalie gegen die Linken konfiszierte die Regierung Waffen und Munition und führte einschüchternde Militärdemonstrationen in verschiedenen Städten durch; Papst Pius XII. sanktionierte die antikommunistischen Aktivitäten der italienischen Geistlichen.

In den Wahlen vom 18. und 19. April trugen die Christdemokraten einen überwältigenden Sieg davon. Nahezu 49 Prozent der Stimmen, 307 Sitze in der Abgeordnetenkammer und 151 im Senat konnten sie verzeichnen. Die Volksfront, eine Koalition aus Kommunisten und Linkssozialisten, gewann 182 Sitze in der Kammer und 31 im Senat. Von den Rechtssozialisten setzten sich 33 Abgeordnete durch, die restlichen Sitze gingen an kleinere Parteien.

Die Opposition der Kommunisten
Diese eindeutige Mandatsmehrheit der Christdemokraten verringerte die politischen Spannungen in Italien zusehends. Die Hartnäckigkeit der Kommunisten ließ jedoch eine Beilegung der Differenzen, die das Land gespalten hatten, als unwahrscheinlich erscheinen. Am 11. Mai wurde Luigi Einaudi, der Kandidat der Christdemokraten und Rechtssozialisten, zum Präsidenten der Italienischen Republik gewählt. De Gasperi wurde wieder der Posten des Premierministers übertragen.

Die im Marshallplan (siehe Europäisches Wiederaufbauprogramm) zugesicherten Vorräte und Kredite waren in der Zwischenzeit langsam nach Italien gelangt und schufen günstige Ausgangsbedingungen für den Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft. An ihrer Politik festhaltend, den Plan ohne Unterlass zu bekämpfen, riefen die Kommunisten überall zum Streik für höhere Löhne auf. Am 2. Juli erreichte die Bewegung mit einem zwölfstündigen Generalstreik den Gipfel. Bereits zwei Wochen später geriet Italien durch den Versuch eines Attentats auf den Führer der Italienischen Kommunistischen Partei, Palmiro Togliatti, erneut in eine schwere Krise. Die kommunistisch gelenkte Einheitsgewerkschaft machte die Regierung dafür verantwortlich und rief sofort einen landesweiten Generalstreik aus, um die Auflösung der Regierung zu erzwingen. Innerhalb der nächsten beiden Tage erhoben sich lärmende Demonstrationen in nahezu jeder italienischen Stadt. Erst die Mobilisierung starker Militärverbände und der Polizei konnte den Frieden wieder herstellen.

Außenpolitische Probleme und Verträge
1949 beschränkte die Volksfront ihre Kämpfe gegen die Regierung der Christdemokraten hauptsächlich auf die Parlamentskammer. Das Hauptziel der Angriffe der Kommunisten war der in dieser Zeit zur Debatte stehende Nordatlantische Verteidigungspakt (NATO). De Gasperi unterzeichnete jedoch den Vertrag in Washington D.C. am 4. April 1949 mit einstimmiger Billigung des Kabinetts und einer großen Mehrheit in der Abgeordnetenkammer.

In der Zwischenzeit waren die „Großen Vier" bezüglich der Aufteilung der ehemaligen italienischen Kolonien in Afrika immer noch zu keiner Einigung gekommen, und die Angelegenheit wurde den Vereinten Nationen (UN) übertragen. Am 21. November 1949 fällte die Vollversammlung der UN schließlich eine Entscheidung. Im Wesentlichen wurden folgende Bestimmungen getroffen: Italienisch-Somaliland sollte nach zehn Jahren als UN-Treuhandgebiet unter italienischer Verwaltung seine Unabhängigkeit erhalten, Libyen sollte am 1. Januar 1952 unabhängig werden und im Fall Eritreas sollte auf der Grundlage eines von einer UN-Sonderkommission ausgearbeiteten Reports verfahren werden.

Nach Ratifizierung des Nordatlantikpaktes hielt Italien an der Zusammenarbeit mit den westlichen Demokratien fest. Im Juli 1950 verkündete die Regierung die Aufstockung der italienischen Armee auf 250 000 Soldaten; dies entsprach der im Friedensvertrag festgesetzten Grenze. Im Dezember des Jahres wurde der Ausbau der militärischen Einrichtungen bekannt gegeben, und nach und nach lockerten die Westmächte die im Friedensvertrag festgelegten Bedingungen bezüglich der Wiederbewaffnung Italiens.

Im Juni 1952 ratifizierte die italienische Regierung den Schumanplan, der einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl vorsah und den Vorläufer der Europäischen Gemeinschaft darstellte (heute Europäische Union).

Der Fall De Gasperis
In der Hoffnung, die Wirksamkeit der Exekutive der Regierung zu verbessern, setzten die Christdemokraten im März 1953 ein Wahlreformgesetz durch, das der regierenden Partei eine Mehrheit im Parlament sichern sollte. Es sah vor, dass die Partei oder Koalition mit 50 Prozent der Wählerstimmen oder mehr in der Abgeordnetenkammer 65 Prozent der Sitze erhalten sollte.

Aus den Parlamentswahlen vom 7. und 8. Juni gingen die Christdemokraten als stärkste Partei hervor, dieses Mal mit 40 Prozent der Stimmen. Die Kommunisten belegten den zweiten Platz mit 22,6 Prozent, den dritten die Parteien der Rechten, die insgesamt den größten Stimmenzuwachs verzeichnen konnten (12,7 Prozent im Vergleich zu 4,2 Prozent 1948). Giuseppe Pella, der frühere Schatzmeister, erreichte die Neutralität der Sozialisten und die Unterstützung der Monarchisten und löste schließlich De Gasperi als Premierminister ab. Parteiinterne Streitigkeiten ließen in den Folgejahren mehrere Regierungen hintereinander scheitern.

Ende 1953 löste die Frage nach dem zukünftigen Status des Freistaates Triest fast einen Krieg zwischen Italien und Jugoslawien aus. Die Spannungen legten sich aber wieder, als die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich die Ausarbeitung einer für beide Seiten akzeptablen Regelung zusicherten. 1954 wurde dann ein Gebietsstreifen inklusive der Stadt Triest den Italienern zugesprochen, Jugoslawien erhielt den Rest der Triester Region. 1955 wurde Italien Mitglied der Vereinten Nationen.

Die Regierungen der Christdemokraten
Die Verstoßung von Stalin beim 20. Kongress der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Februar 1956 brachte die Italienische Kommunistische Partei in starke Verwirrung, enttäuschte die Linkssozialisten und schwächte letztendlich ihr Bündnis mit den Kommunisten. Nach dem Ungarischen Volksaufstand im Oktober dieses Jahres verringerte sich die Zahl der Anhänger des Kommunismus erheblich. Der Niedergang ihrer Partei stärkte wiederum die Demokraten.

In den Wahlen vom 25. und 26. Mai 1958 erzielte die Zentrumskoalition die Mehrheit in beiden Parlamentshäusern. Die neue, von Amintore Fanfani geführte Regierungskoalition setzte sich nun aus Christdemokraten und Rechtssozialisten zusammen und wurde am 2. Juli vereidigt. Fanfani wurde im Januar 1959 von Antonio Segni abgelöst. Dessen Kabinett bestand ausschließlich aus Christdemokraten. Der Russlandbesuch von Präsident Giovanni Gronchi im Februar 1960 löste noch im selben Monat dessen Sturz aus. Im folgenden Juli nahm Fanfani wieder sein Amt auf, und er konnte dank der Wahlunterstützung dreier Mittelparteien die Billigung seines ausschließlich aus christdemokratischen Ministern bestehenden Kabinetts erreichen. Zwei Jahre später wurde der frühere Premierminister Segni, unter Fanfani Außenminister, zum Präsidenten gewählt.

Die Kommunalwahlen von 1962 zeigten die starke Volksunterstützung der regierungsfreundlichen Parteien, die Kommunisten mussten zum ersten Mal seit vielen Jahren Verluste hinnehmen. In der Folgezeit entstanden unter den die Regierung stützenden Parteien Unstimmigkeiten, die ihren Nährboden in der Kritik der Kommunisten an Fanfanis Politik fanden. Hauptkritikpunkte waren, dass es ihm nicht gelang, wirtschaftliche Reformen im eigenen Land anzuregen und die Raketenbasen der NATO aus Italien zu entfernen. Auch wenn ihm die Parteien im Januar 1963 weitere Unterstützung seiner Regierung zugesagt hatten, so bedeuteten die Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 28. und 29. April doch eine Schwächung. Der Stimmenanteil der Christdemokraten sank auf 38,3 Prozent, die Kommunisten konnten einen Anstieg auf 25,3 Prozent verzeichnen. Fanfani trat am 16. Mai zurück, blieb aber noch Chef der geschäftsführenden Regierung bis Giovanni Leone, der Präsident der Abgeordnetenkammer, eine vorübergehende christdemokratische Minderheitsregierung gebildet hatte.

Die Öffnung nach links
Im Oktober stimmten die gemäßigten Elemente der italienischen Linkssozialisten, angeführt von Nenni, zum ersten Mal seit 1947 dem Beitritt einer aus Mitte- und Linksparteien bestehenden Regierung zu. Daraufhin organisierte der Christdemokrat Aldo Moro, seit Dezember Premierminister, ein Koalitionskabinett aus vier Parteien.

Das ganze Jahr 1964 hindurch widersetzten sich die konservativen und linken Elemente hartnäckig der Regierung. Als erste Anzeichen einer Beendigung des bereits sechs Jahre dauernden Wirtschaftsbooms sichtbar wurden, spitzte sich die Situation weiter zu, da die Parteien nicht in der Lage waren, sich auf eine Politik gegen den drohenden Rückgang zu einigen. Am 4. März 1965 gelang es dann den vier Parteien in der Koalitionsregierung, ihre politischen Differenzen beizulegen, um gemeinsam Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise zu entwickeln. 1965 und 1966 konnte sich die Regierung von Moro das Vertrauen der Koalitionsparteien sichern.

Soziale Umwälzungen
Seit Ende 1960 fanden in Italien tief greifende soziale, wirtschaftliche, politische und religiöse Entwicklungen statt. 1968 kam es an den Universitäten von Rom und anderen Städten zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Studenten, die eine Reformierung des Bildungswesens verlangten. Gewerkschaften riefen Generalstreiks aus, um eine Modernisierung des Sozialversicherungssystems zu erzwingen. Mit der Verabschiedung eines Scheidungsgesetzes (1973) und der Legalisierung der Abtreibung (1978) wurde wichtigen Forderungen der Frauenbewegungen Rechnung getragen. Inflation, Arbeitslosigkeit und Währungsabfluss verschlimmerten sich durch die Rezession und die Gesetze zur Beschränkung der Einfuhr von Rohöl. Die Staatsverschuldung schnellte so sehr in die Höhe, dass bei anderen Ländern umfangreiche Kredite aufgenommen werden mussten, um einen vollständigen Konkurs der Staatsfinanzen abzuwenden.

In dieser Zeit versuchte Italiens politisches System ständig, mit den Veränderungen Schritt zu halten. Die späten sechziger und frühen siebziger Jahre waren durch den Wechsel von kurzlebigen Regierungen geprägt. Dabei handelte es sich überwiegend um Koalitionsregierungen, die von den Christdemokraten angeführt wurden. 1974 war das Land kurze Zeit ohne jegliche Regierung. Als sich die wirtschaftlichen Probleme verschlimmerten und eine Welle von Entführungen mit Erpressung und anderen politischen Gewalttaten Italien überrollte, nahm das Vertrauen des Volkes in die Regierung ab. Die Anhängerschaft der von Enrico Berlinguer geführten kommunistischen Partei wurde daraufhin stärker.

Bei den Regionalwahlen im Juni 1975 gewannen die Kommunisten 33 Prozent der Stimmen und zwangen die Regierung, einer langfristigen Allianz zwischen Kommunisten und Römisch-Katholischen zuzustimmen. Im Juni 1976 konnten die Kommunisten bei den Parlamentswahlen 35 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Die Christdemokraten verzeichneten einen Stimmenanteil von 39 Prozent. Daraufhin bildete ihr Führer, Giulio Andreotti, mit Unterstützung der Kommunisten eine neue Regierung. Bereits im Juli 1977 ließ man die Vertreter der Kommunistischen Partei auch an politischen Entscheidungen teilhaben. Die Regierung Andreotti stürzte im Januar 1978, als die Kommunisten nachdrücklich auf Notstandsvollmachten zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise bestanden. Dabei sollten ihre Abgeordneten Kabinettspositionen einnehmen. Im März schließlich bildete Andreotti eine neue christdemokratische Regierung mit formaler Unterstützung seitens der Kommunisten. Der Verlust dieser Unterstützung führte im Januar 1979 zu Andreottis Rücktritt.

Terrorismus in den Städten
Gewalttaten und Gesetzesverstöße hatten Italien zwar schon seit Beginn der siebziger Jahre heimgesucht, verschärften sich jedoch gegen Ende des Jahrzehnts zunehmend. Nach der Entscheidung der Kommunisten, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, suchten sich extrem linksgerichtete Terroristen ihre Opfer unter Politikern, Journalisten, Geschäftsleuten und der Polizei. Im März 1978 entführte eine fanatische Gruppe der Linken, die Roten Brigaden, den Premierminister Aldo Moro und machte seine Freilassung abhängig von der Freilassung von Terroristen aus italienischen Gefängnissen. Die Regierung weigerte sich, mit Moros Entführern zu verhandeln, er wurde schließlich ermordet aufgefunden.

Wechselnde Regierungen
1981 wurde mit Giovanni Spadolini, einem Führer der kleinen Republikanischen Partei, erstmals seit dem 2. Weltkrieg kein Christdemokrat Premierminister. Eine erneute Reihe von Kabinettskrisen führte im August 1983 zu einer Regierungsbildung unter Bettino Craxi, dem ersten sozialistischen Premierminister Italiens seit dem Krieg. Er war bis zum März 1987 an der Macht und konnte damit die längste Amtszeit von allen italienischen Regierungschefs nach dem Krieg aufweisen. Während seiner Regierungszeit wurde 1984 der römische Katholizismus als Staatsreligion abgeschafft, mit der Unterzeichnung eines neuen, die Lateranverträge von 1929 ersetzenden Konkordats. Im Juli 1987 wurde mit Giovanni Goria erneut ein Christdemokrat Premierminister. Als seine Fünfparteienkoalition im März 1988 scheiterte, gelangte Ciriaco De Mita, Führer der linksgerichteten Christdemokraten, an die Macht. Bereits ein Jahr später, im März 1989, wurde er als Parteisekretär abgesetzt und legte nach zwei weiteren Monaten sein Amt als Premierminister nieder. Im Juli kehrte Andreotti zum sechsten Mal in dieses Amt zurück. Uneinigkeiten zwischen den Christdemokraten und der Fünfparteienkoalition führten letztlich zu seinem Rücktritt im März 1991. Im April bildete Andreotti eine Koalition, die etwa ein Jahr Bestand hatte.

Der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa löste auch in Italien Veränderungen aus. 1990 nannten sich die Kommunisten selbst in „Demokratische Partei der Linken" um und änderten ihr Parteiprogramm. Die Sozialisten, immer noch von Craxi angeführt, versuchten die Linksparteien zu vereinigen und nannten sich selbst in Sozialistische Einheitspartei um. Die Wähler allerdings zeigten allen großen Parteien ihren Mangel an Vertrauen in den Wahlen vom April 1992. Die einst dominierenden Christdemokraten konnten nur 29,7 Prozent auf sich vereinigen. Dies markierte den geringsten Stimmenanteil, den sie seit dem Ende des 2. Weltkrieges erzielen konnten. Die umbenannten Kommunisten lagen zwar mit 16,1 Prozent an zweiter Stelle, blieben aber weit hinter dem Anteil von 26,6 Prozent von 1987 zurück. Mit 13,6 Prozent belegten die Sozialisten den dritten Platz.

Für diesen Stimmenrückgang war eine Kombination mehrerer Faktoren verantwortlich, u. a. die schwierige Wirtschaftslage, die hohe Arbeitslosigkeit und öffentliche Enthüllungen über weit verzweigte politische Korruption und hochgradigen Einfluss der Mafia. In den Folgejahren wurden über 6 000 Personen wegen der Annahme von Bestechungsgeldern für politische und wirtschaftliche Vorteile verhaftet. Darunter befanden sich Hunderte von Politikern, Richtern und Unternehmern. Als aufgedeckt wurde, dass auch Craxi in einen Skandal verwickelt war, musste dieser als Führer der Sozialistischen Partei Anfang 1993 zurücktreten. Im April stimmten die italienischen Wähler bei mehreren Volksabstimmungen dafür, das Wahlsystem zu ändern. Premierminister Giuliano Amato trat zurück, seine Stelle nahm der Vorsitzende der Bank von Italien ein, Carlo Azeglio Ciampi.

In den Wahlen vom März 1994 gelangte eine neu geformte Koalition, die sich Freiheitsallianz nannte, mit 58 Prozent der Wahlstimmen an die Macht. Die Linkskoalition erreichte 34 Prozent der Stimmen, die einst dominierenden Zentrumsparteien nur 7 Prozent. Die Freiheitsallianz umfasste drei Parteien: Die Lega Nord (frühere Lombardische Liga), die bei den Wahlen von 1992 mit einem Programm, das die Teilung Italiens in drei unabhängige Republiken befürwortete, den vierten Platz belegt hatte. 1994 legte sie jedoch ein gemäßigteres Programm vor, in dem Steuer- und anderen Wirtschaftsthemen Priorität eingeräumt wurde. Die neofaschistische Alleanza Nazionale und die neu gebildete rechte Partei Forza Italia waren die beiden anderen Parteien der Freiheitsallianz. Letztere war vom Medienunternehmer Silvio Berlusconi gegründet worden. Aufgrund des Sieges der Freiheitsallianz hielten nun die Rechtsparteien die absolute Mehrheit in der Abgeordnetenkammer und stellten im Senat die stärkste Kraft dar. Mit 25 Prozent der Stimmen ging Forza Italia als Gewinner der Wahlen hervor, worauf Berlusconi kurz danach zum Premierminister ernannt wurde. In seinem neuen Amt musste er sich nicht nur der Herausforderung stellen, Italiens Wirtschaft anzukurbeln, sondern auch die konfliktreiche Politik der beiden anderen Mitglieder der Freiheitsallianz ausgleichen.

Berlusconi trat am 22. Dezember 1994 nach nur siebenmonatiger Amtszeit zurück. Durch den Rücktritt mehrerer Minister der Lega Nord hatte das Regierungsbündnis seine parlamentarische Mehrheit verloren. Präsident Oscar Luigi Scalfaro beauftragte den Parteilosen Lamberto Dini am 17. Januar 1995 mit der Bildung einer neuen Regierung. Dini hatte im Kabinett Berlusconi das Amt des Schatzministers inne gehabt. Vorrangiges Ziel des Ministerpräsidenten Dini war die Konsolidierung des Staatshaushaltes. Im Januar 1996 trat Dini von seinem Amt zurück, und Staatspräsident Scalfaro beauftragte am 1. Februar 1996 den ehemaligen parteilosen Minister Antonio Maccanico mit der Bildung einer Regierung. Nach dessen Rücktritt am 16. Februar löste Scalfaro das Parlament auf und ließ Neuwahlen durchführen.

Aus den Parlamentswahlen vom 21. April 1996 ging die Mitte-Links-Allianz unter dem Parteilosen Romano Prodi vom Bündnis L’Ulivo (Ölbaum) als stärkstes Lager hervor. Im Abgeordnetenhaus ist das Bündnis jedoch auf die Unterstützung der Progressisti angewiesen. Prodi übernahm am 28. Mai den Vorsitz der 55. Nachkriegsregierung. Das Kabinett wurde von 25 auf 20 Minister verkleinert; dem Außenministerium steht der frühere Ministerpräsident Dini vor. Wichtigste Ziele der Regierung Prodi sind die Dezentralisierung des Staates, wirtschaftliche Konsolidierung und der verstärkte Einsatz gegen Mafia und Korruption.

Nachdem die Lega Nord bei den Parlamentswahlen vom April vor allem in der Lombardei und im Piemont große Erfolge erzielt hatte, propagierte ihr Vorsitzender Umberto Bossi die Trennung der acht norditalienischen Regionen von Italien und die Gründung der „Republik Padania".

Sardinien

Sardinien (italienisch Sardegna), zu Italien gehörige Insel im Mittelmeer, westlich von Italien, unmittelbar südlich von Korsika, von dem es durch die Straße von Bonifacio getrennt ist. Zusammen mit einigen Nebeninseln bildet Sardinien die gleichnamige italienische Region. Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer, rund 267 Kilometer lang, 120 Kilometer breit und 23 318 Quadratkilometer groß. Höchste Erhebung der gebirgigen Insel sind die Monti del Gennargentu (1 834 Meter hoch). Das fruchtbarste Gebiet befindet sich im Campidano, einer Ebene im Südwesten der Insel. Haupteinnahmequellen sind Viehzucht und Landwirtschaft. Angebaut werden vor allem Getreide, Oliven, Wein und Tabak. Bedeutend sind ferner Blei-, Zink- und Kupferabbau sowie Salzgewinnung. Hauptstadt der Insel ist Cagliari, weitere wichtige Städte sind Nuoro und Sassari. Die Einwohnerzahl von Sardinien beträgt etwa 1,7 Millionen.

Handelsstationen wurden auf Sardinien schon von den Karthagern (phönizischen Kolonisten aus Nordafrika) gegründet. 238 v. Chr. wurde die Insel an Rom abgetreten. Nach dem Untergang des Römischen Reiches wurde Sardinien von den Wandalen erobert, im 6. Jahrhundert n. Chr. fiel es an Byzanz. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert wurde Sardinien immer wieder von den Sarazenen heimgesucht. In den Jahrhunderten danach kämpften Pisa und Genua um den Besitz der Insel. Der Papst, der die Oberherrschaft über die Insel beanspruchte, übergab Sardinien im 14. Jahrhundert an die Krone von Aragón. Die Aragonier bzw. später die Spanier regierten Sardinien bis zum Utrechter Frieden (1713), durch den die Insel zu Österreich kam. 1720 fiel Sardinien an das Haus Savoyen. Zusammen mit Savoyen, Piemont und Nizza bildete Sardinien das Königreich Sardinien. 1861 wurde Sardinien Teil des Königreiches Italien.

Sizilien

Sizilien (italienisch Sicilia), größte Insel Italiens und des Mittelmeeres, die durch die Straße von Messina vom italienischen Festland getrennt ist. Die 25 426 Quadratkilometer große Insel bildet zusammen mit den angrenzenden kleineren Nebeninseln eine autonome Region Italiens. Die Region hat etwa 5,2 Millionen Einwohner.

Der größte Teil der Fläche Siziliens wird von einer Hochebene eingenommen, die sich auf 150 bis 580 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Im Norden befinden sich die Gebirge Nebrodi und Madonie, die einzigen deutlich abgesetzten Bergketten der Insel. Im Osten erhebt sich der aktive Vulkanberg Ätna (3 350 Meter über dem Meeresspiegel). Die tieferen Lagen der Berghänge sind vor allem von Orangen- und Olivenhainen und der größte Teil der Hochebene von Weizenfeldern bedeckt. Die fruchtbaren Ebenen von Catania am Südfuß des Ätna sind eine Erdbebenregion. In Messina und den benachbarten Dörfern kamen 1908 bei einem Beben mehr als 50 000 Menschen ums Leben.

Sizilien ist durch ein heißes, trockenes Klima im Sommer und milde Winter gekennzeichnet. Auch die Regenzeit im Spätherbst und Winter sowie der Schirokko, der von Nordafrika her über die Insel weht, tragen nur wenig zur Linderung der allgemeinen Trockenheit bei.

Auf Gebirgshöhen und an Steilhängen wachsen vereinzelt Wacholder sowie Buchen und Eichen. Im tiefer gelegenen Flachland wird Weizen angebaut, daneben gedeihen dort Olivenbäume, Korkeichen, Pinien sowie Kastanien und Eichen. Abgesehen von einigen Geierarten sind nur wenige wild lebende Tiere auf Sizilien heimisch.

Wirtschaft

Sizilien ist ein Hauptstandort für den Schwefelbergbau. Außerdem werden Stein- und Kalisalze gefördert. Auch ist die petrochemische Industrie für die Wirtschaft der Insel von Bedeutung. Ihre Produktionsstätten befinden sich überwiegend im Osten Siziliens, vor allem in Catania und Syrakus sowie in Ragusa und Gela. Die Landwirtschaft ist der dominierende Erwerbszweig der Sizilianer. Im Binnenraum überwiegt der extensive Anbau von Weizen. Daneben werden Reben, Zitrusfrüchte, Mandeln, Oliven und Bohnen angebaut. Vor der Küste Siziliens gibt es ausgedehnte Fischgründe (Thunfisch, Sardellen, Korallen und Krebstiere). Ein Viertel der Fischereiwirtschaft Italiens wird von Sizilien aus betrieben. Weitere Wirtschaftszweige sind die Produktion von Wein und Olivenöl, die Konservierung von Obst und Gemüse sowie die Herstellung von Citronensäure. In den größeren Städten werden Glaswaren, Metallwaren und Zündhölzer hergestellt. Sizilien exportiert Schwefel, Obst und Gemüse, Sumach, Salz, Wein, Öl und Fisch. Importgüter sind vor allem Getreide, Kohle und Eisen. Fast der gesamte Handel wird über die drei größten Häfen, Palermo (die Hauptstadt der Region Sizilien), Catania und Messina abgewickelt. Für den Fremdenverkehr sind besonders archäologische Sehenswürdigkeiten wie die griechischen Ruinen in Agrigento, Syrakus, Taormina und anderen Orten Anziehungspunkte.

Geschichte

Die ältesten Bewohner Siziliens waren die Sikelia, die von der Südspitze Italiens auf die Insel einwanderten. Die Aufzeichnung der Geschichte Siziliens begann mit der Gründung griechischer und phönizischer Siedlungsgebiete. Die erste griechische Siedlung, Naxos, wurde 735 v. Chr. gegründet, die späteste, Akragus (heute Agrigent genannt), etwa um 580 v. Chr. Akragus und Gela wurden schon frühzeitig zu dominierenden Zentren. Unter der Herrschaft von Phalaris war Akragus wahrscheinlich vorübergehend mächtigste Kolonie Siziliens. Gela unterwarf unter dem Tyrannen Gelon die meisten anderen griechischen Städte der Insel.

Die Karthager erreichten die Insel erstmals 536 v. Chr. und übten ihre Herrschaft vor allem im Westen der Insel aus. Die wichtigsten karthagischen Siedlungen waren Panormus (heute Palermo), Motya und Solois. In der Schlacht bei Himera (480 v. Chr.) wurde die karthagische Armee von Gelon vernichtend geschlagen und Hamilkar, der karthagische Führer, getötet. Die gelonische Dynastie brach 466 v. Chr. auseinander. 410 v. Chr. entflammte erneut ein Krieg zwischen den Karthagern und Griechen um den Besitz der Insel. Die Karthager siegten zwar, doch konnte ihr Eroberungsfeldzug unter der Führung des griechischen Tyrannen Dionysios I. (405-367 v. Chr.) unter Kontrolle gehalten werden. 241 v. Chr. wurde Sizilien mit Ausnahme des einstigen Territoriums von Dionysios I. während des 1. Punischen Krieges zur römischen Provinz. Der Rest der Insel wurde erst 212v. Chr. römisch. Die wichtigsten Ereignisse in Sizilien während der Herrschaft der Römer waren die beiden Sklavenkriege (136-132 v. Chr. und 104-101 v. Chr.). Nach der Herrschaft der Wandalen unter Geiserich (440 n. Chr.) und der Übergabe der Insel an den Führer der Ostgoten, Theoderich, fiel Sizilien unter der Führung des Generals Belisar 535 an das Byzantinische Reich.

Ab 827 eroberten und beherrschten die Sarazenen Sizilien. 1061 begann die Eroberung Siziliens durch die Normannen unter Robert Guiscard und seinem Bruder Roger I. von Sizilien, die 1091 beendet wurde. 1127 wurde Roger II., Graf von Sizilien, als Herzog von Apulia und Calabria anerkannt, und 1130 nahm er den Titel König von Sizilien an.

Die beiden Sizilien
1194 schufen die Hohenstaufen, dessen neben Barbarossa berühmtestes Mitglied der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friedrich II. war, einen modernen Verwaltungsstaat. Als Friedrich I. von Sizilien leitete jener einen hervorragenden Hof und erließ im Jahr 1231 die antifeudale Verfassung von Melfi mit einer zentralen Verwaltung Siziliens. Kurz nach seinem Tod (1250) brach die Herrschaft der Staufer zusammen. Mit päpstlicher Unterstützung übernahm Karl I., Graf von Anjou und Bruder des französischen Königs Ludwig IX., 1268 die Kontrolle über das Königreich. 1282 revoltierten die Bürger Palermos gegen seine Unterdrückungsherrschaft. Der Aufstand ist als Sizilianische Vesper bekannt. Neapel blieb zwar unter Kontrolle des Dynastengeschlechts Anjou, doch wurde Sizilien unabhängig und wählte den König von Aragonien, Peter III., der durch seine Heirat mit dem Hause Hohenstaufen verwandt war, zum König von Sizilien.

Ferdinand V. von Kastilien, der seit 1468 König von Sizilien war, ernannte sich 1504 selbst zum Herrscher des Königreiches Neapel. Die spanische Krone behielt beide Länder bis zumSpanischen Erbfolgekrieg (1701-1713). Durch das Abkommen von Utrecht (1713) wurde Sizilien von Neapel getrennt und dem Herzog von Savoyen, Victor Amadeus II., anvertraut, der es sieben Jahre später im Austausch gegen die Insel Sardinien an Österreich abtrat.

1734 überfiel der Bourbone Don Carlos (später König von Spanien, Karl III.), Neapel und Sizilien und wurde 1735 gekrönt und durch das Wiener Abkommen als Karl IV., König der beiden Sizilien, anerkannt. Nach dem Frieden von Aix-la-Chapelle (1748) herrschte in Italien für fast 50 Jahre Ruhe, so dass sich Sizilien in den Bereichen Verwaltung, Wirtschaft und Bildungswesen weiterentwickeln konnte. Erst durch die Französische Revolution kamen neue Unruhen auf. Dem Bündnis gegen die französische Republik schloss sich auch Ferdinand I., der König der beiden Sizilien, an.

Die napoleonischen Kriege
Im Dezember 1798 unternahmen die Neapolitaner den Versuch, die Franzosen aus dem Kirchenstaat zu vertreiben. Sie wurden zurückgedrängt, Neapel wurde eingenommen (im Januar 1799) und es entstand die ParthenopischeRepublik. Im gleichen Jahr wurde Ferdinand I. mit Unterstützung der britischen Flotte wieder eingesetzt. 1799 eroberte Napoleon Bonaparte das Königreich von Neapel und setzte seinen Bruder Joseph auf den Thron. Sizilien wurde weiterhin von Ferdinand regiert.1808 wurde Joseph Bonaparte von Joachim Murat als König von Neapel abgelöst, und nach dem Sturz Murats im Jahr 1815 wurde Ferdinand erneut König von Neapel. Ende 1816 vereinigte Ferdinand die beiden Königreiche Neapel und Sizilien wieder zu dem Königreich beider Sizilien und kam seinen Reformversprechen nicht nach.

Königlicher Streit und die Vereinigung mit Italien
1820 fand in den neapolitanischen Herrschaftsgebieten ein militärischer Aufstand statt, um eine verfassungsrechtliche Regierung zu errichten, dem sich auch eine revolutionäre Gruppe namens Carbonari anschloss. Ferdinand stellte sich den Forderungen, obgleich er vorher mit Österreich überein gekommen war, keine konstitutionellen Zugeständnisse zu machen. Zur gleichen Zeit entstand auf Sizilien eine revolutionäre Unabhängigkeitsbewegung. 1821 beauftragte der Kongress der Großmächte in Laibach Österreich damit, Ferdinands absolute Macht wieder herzustellen. Ferdinand wurde 1825 von seinem Sohn Franz I. abgelöst, der wiederum von seinem Sohn, Ferdinand II., abgelöst wurde (1830). Nach 1843 fanden die republikanischen Theorien des italienischen Patrioten Giuseppe Mazzini einen starken Anklang in Süditalien. Anfang 1848 erhob sich Sizilien und zwang Ferdinand II., seinen Untertanen eine parlamentarische Verfassung zu gewähren. Diese befriedigte die Sizilianer jedoch nicht, und sie setzten Ferdinand ab. Unterstützt von reaktionären Kräften bekämpfte Ferdinand in seinen neapolitanischen Gebieten erfolgreich die damals Italien erschütternde revolutionäre Bewegung. Im September 1848 drangen seine Streitkräfte in Sizilien ein. Im Mai 1849 kapitulierte Palermo, und die Revolution auf der Insel war beendet. Ferdinand übte Vergeltung an den Rebellen und wurde darin erst durch das Eingreifen der Briten gebremst. 1859 wurde Ferdinand II. von seinem Sohn, Franz II., abgelöst. 1860, nachdem Norditalien von der österreichischen Herrschaft befreit worden war, landete der italienische Nationalist Giuseppe Garibaldi mit 1 000 Freiwilligen auf Sizilien und gewann die Kontrolle über die Insel. Danach wurde Sizilien Teil des neuen Königreiches Italien (1861).

Die von den Piemontesen dominierte nationale Regierung hatte jedoch nur wenig Verständnis für den Süden. Bemühungen, die Macht zu zentralisieren, sowie eine drückende Steuerlast und Einberufungen verschärften den Unmut des Südens und führten in Palermo 1866 zu einem Aufstand, der aber scheiterte. Die Beziehungen zwischen dem Süden und dem Norden verbesserten sich auch nicht, als der aus Sizilien stammende Francesco Crispi die nationale Regierung von 1887 bis 1891 und von 1893 bis 1896 leitete. Die schweren Landarbeiterunruhen konnten nur mit Mühe unterdrückt werden, nachdem Crispi 1894 das Kriegsrecht auf Sizilien ausrief. Bis 1915, als Italien in den 1. Weltkrieg eintrat, waren die Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden von gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Nach dem Krieg und der faschistischen Machtübernahme im Jahr 1922 versuchte Benito Mussolini die Mafia mit polizeistaatlichen Mitteln zu bekämpfen. In der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1943 landeten die Alliierten in Sizilien und eroberten die Insel innerhalb von 38 Tagen. Dieser Einsatz auf Sizilien führte zu Mussolinis Sturz und einige Wochen später zur Kapitulation der italienischen Regierung.

Die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg
Unter der Verfassung von 1946 wurde Sizilien zu einer autonomen Region Italiens mit umfangreichen Selbstverwaltungsrechten. Ein Regionalrat aus Ratsmitgliedern und einem Präsidenten wird vom Volk gewählt.

Da die Industrie und Landwirtschaft nicht alle Arbeitskräfte beschäftigen können, erfolgt eine starke Abwanderung nach Norditalien und in andere europäische Länder. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte Sizilien ein Wiedererstarken der Mafia, die inzwischen für das moderne Italien zu einem ernsthaften Problem geworden ist.