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Kroatien
(kroatisch Hrvatska), Republik in Südosteuropa, auf der
Balkanhalbinsel, grenzt im Nordwesten an Slowenien, im Nordosten an Ungarn, im
Süden an Bosnien und Herzegowina, im Osten (Serbien) und Südwesten
(Montenegro) an die Föderative Republik Jugoslawien (Serbien und Montenegro)
und im Westen an das Adriatische Meer. Serbien und Montenegro gründeten 1991
die Föderative Republik Jugoslawien. Als Teilrepublik der Sozialistischen
Föderativen Republik Jugoslawien erklärte Kroatien am 25. Juni 1991
seine Unabhängigkeit. Dadurch kam es zu Unruhen, die sich zu einem
Bürgerkrieg ausweiteten, als Serben mit Unterstützung der jugoslawischen
Volksarmee (JVA) begannen, um kroatische Gebiete zu kämpfen. Die Serben
kontrollierten bis Mitte 1995 in der selbst ernannten Republik Serbische
Krajina (RSK) etwa 28 Prozent des kroatischen Territoriums. Dieses
traditionell von Serben bewohnte Gebiet wurde im August 1995 von kroatischen
Truppen erobert, die ansässige Bevölkerung wurde weitgehend vertrieben. Die
Fläche Kroatiens beträgt 56 538 Quadratkilometer. Die Hauptstadt
der jungen Republik ist Zagreb.
Land
Kroatien erstreckt sich von Nordwesten nach
Südosten über etwa 500 Kilometer, von Südwesten nach Nordosten über
rund 300 Kilometer. Kroatien ist naturräumlich sehr vielfältig; das
Land umfasst Tiefebenen, Mittelgebirge, eine etwa 1 778 Kilometer
lange festländische Küste und ihr vorgelagerte Inseln. Die pannonischen
Tiefebenen nehmen etwa die Hälfte des Landes ein. Die fruchtbaren,
landwirtschaftlich genutzten Gebiete werden von den Flüssen Drau (Drava) und
Save entwässert. Die Save bildet den östlichen Abschnitt der Grenze zu
Bosnien und Herzegowina. Beide Flüsse münden in die Donau, eine der
wichtigsten Wasserstraßen Europas, welche im Osten Kroatiens die Grenze zur
Föderativen Republik Jugoslawien bildet. Das historische Gebiet Slawonien
liegt im östlichen Teil der Republik Kroatien, im so genannten
Save-Drau-Zwischenstromland. Dieses Gebiet wird von Hügellandschaften
eingenommen. Zwischen den einzelnen Hügelketten sind Ebenen ausgebildet.
Das nach Westen anschließende Gebirge
ist aus Kalken aufgebaut. Aufgrund der hohen Wasserlöslichkeit dieses
Gesteins sind weite Teile des Dinarischen Gebirges durch Verkarstung geprägt.
Mehrere Wasserläufe versickern und fließen in unterirdischen Höhlensystemen
weiter. Das Gebirge setzt sich aus mehreren parallelen Bergketten zusammen. In
dieser Region befindet sich der Nationalpark der Plitvicer Seen. Höchste
Erhebung der Gebirgsregion, die etwa 20 Prozent des kroatischen
Territoriums einnimmt, ist der Dinara mit einer Höhe von
1 838 Metern; über ihn verläuft die Grenze zu Bosnien und
Herzegowina.
Zur adriatischen Region gehören etwa
30 Prozent der Landesfläche. Diese Region reicht von der Halbinsel
Istrien im Norden bis zur (montenegrinischen) Bucht von Kotor. Von der Küste
bis zum Dinarischen Gebirge erstreckt sich entlang des Adriatischen Meeres die
Landschaft Dalmatien. Die dalmatinische Küste ist über weite Strecken eine
typische Canale-Küste. Die Täler der in das Adriatische Meer mündenden
Flüsse wurden durch nacheiszeitlichen Anstieg des Meeresspiegels überflutet.
Die Steilküste erhielt somit ihr abwechslungsreiches Landschaftsbild. Der
Küste vorgelagert sind zahlreiche Inseln. Größte dieser Inseln sind mit
jeweils etwas mehr als 400 Quadratkilometern Krk und Cres.
Klima
Im Landesinneren herrscht kontinentales
Klima mit heißen Sommern und kalten Wintern vor. Die mittleren
Monatstemperaturen liegen im Sommer um 23 °C, im Winter um den
Gefrierpunkt. Im Nordosten Kroatiens liegen die Jahresniederschläge um
700 Millimeter. Wesentlich feuchter ist es an der adriatischen Küste;
dort ist das Klima mediterran mit milden, regnerischen Wintern (Januarmittel
um 7 °C) und warmen, trockenen und sehr sonnigen Sommern (Julimittel um
24 °C). Am regenreichsten sind die küstennahen Gebirge mit
Jahresniederschlägen von bis zu 3 000 Millimetern.
Die mittleren Temperaturen liegen in
Zagreb im Januar bei 0 °C und im Juli bei 24 °C, in Dubrovnik
betragen die Werte im Januar 9 °C und im Juli 25 °C.
Flora und Fauna
In der adriatischen Region gedeiht
mediterrane Vegetation. Verbreitet wachsen Zedern, Zypressen, Pinien und
Agaven. Die durch Verkarstung geprägten Gebiete sind durch Macchie geprägt.
Nach weitgehender Abholzung der ehemals waldbedeckten Flächen konnte sich die
ursprüngliche Vegetation hier nicht mehr entwickeln. Im Dinarischen Gebirge
ist in den Tieflagen Eiche die vorherrschende Baumart. Mit zunehmender Höhe
werden Eichen verstärkt von Buchen und Nadelhölzern abgelöst. Im
Zwischenstromland zwischen Save und Drau wurde der Wald zur Ausweitung der
Agrarfläche abgeholzt.
Die Küstenregion bietet zahlreichen
Reptilien (u. a. Schildkröten und Eidechsen) geeigneten Lebensraum. In
den gebirgigen Gebieten leben Hasen, Füchse, Luchse, Wiesel, Otter,
Braunbären, Rotwild, Marder, Wildschweine, Wildkatzen, Wölfe und Mufflons
(wilde Schafe) sowie Raubvögel. Auch die Insektenfauna ist artenreich
vertreten. Typische Bewohner der unterirdischen Höhlen der verkarsteten
Gebiete sind Grottenolme.
Bevölkerung
Die Einwohnerzahl Kroatiens beträgt
etwa 4,78 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 85 Einwohnern
je Quadratkilometer. Am dichtesten besiedelt sind die Küstengebiete und die
pannonische Region. Stärkste ethnische Gruppe sind mit einem Anteil von
78 Prozent die Kroaten; etwa 12 Prozent sind Serben. Die Serben in
der Krajina (in Zentral- und Westkroatien) wurden nach der Eroberung des
Gebiets durch kroatische Truppen im August 1995 weitgehend vertrieben.
Außerdem leben Bosnier, Ungarn, Slowenen, Tschechen, Italiener, Albaner sowie
Sinti und Roma im Land. In den vergangenen Jahren gab es in Kroatien zum Teil
massive Flüchtlingsbewegungen, die zu Veränderungen der Bevölkerungsanteile
führten. Das durchschnittliche Bevölkerungswachstum beträgt
0,7 Prozent im Jahr.
Wirtschaft
Kroatien war eine der wohlhabendsten der
sechs ehemaligen Teilrepubliken der Volksrepublik Jugoslawien. Hier wurden
Ende der achtziger Jahre, als die Bestrebungen zur staatlichen Unabhängigkeit
forciert wurden, Schätzungen zufolge etwa 25 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts des gesamten Landes erwirtschaftet. Die kroatische
Volkswirtschaft war strukturell relativ ausgewogen, verzeichnete jedoch schon
vor Einsetzen der Kriegshandlungen (Mitte 1991) Produktionseinbrüche.
1990 gingen 500 Staatsbetriebe
bankrott, 1991 sank im ersten Quartal die Produktion im Vergleich zum Vorjahr
um 12 Prozent. Nach dem Ausbruch des Krieges im Juni 1991 begann die
Talfahrt der kroatischen Wirtschaft. 1990 lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
bei 5 205 US-Dollar pro Kopf; damit lag Kroatien weit über dem
Durchschnitt der einzelnen jugoslawischen Teilrepubliken. Bis 1992 war das BIP
fast auf die Hälfte zurückgegangen, stieg danach aber wieder an. Die Kosten
für die Aufnahme von mehr als 630 000 Flüchtlingen beliefen sich
Ende 1992 auf etwa 50 Millionen US-Dollar pro Monat. Dies entspricht etwa
einem Fünftel der gesamten Staatsausgaben.
Die Kämpfe hielten 1992 an und
eskalierten im Januar 1993, als kroatische Truppen versuchten, von den Serben
besetzte Gebiete zurückzuerobern. Ende 1993 begann sich die Wirtschaft
allmählich zu erholen. Im Januar trat die Republik dem Internationalen
Währungsfonds und im April der Internationalen Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung (Weltbank) bei. Bis zum Ende des Jahres hatte die Regierung ein
Rücklagevermögen in Devisen von 1,5 Milliarden US-Dollar angesammelt
und im Rahmen eines Wirtschaftsreformprogramms die meisten Betriebe des Landes
privatisiert. Nach der Dürre von 1992 gelang es, die landwirtschaftliche
Produktion um 20 Prozent zu steigern. Die Arbeitslosenrate betrug selbst
1996 immer noch 17 Prozent und war damit überaus hoch. Die Versorgung
mit Lebensmitteln ist in einigen Gebieten nach wie vor unzureichend. Die durch
die Kriegshandlungen verursachten Schäden belaufen sich nach Schätzungen auf
über 20 Milliarden US-Dollar.
Geschichte
Vom 1. bis zum 4. Jahrhundert
n. Chr. gehörte das Gebiet des heutigen Kroatien zur römischen Provinz
Pannonien. Die Awaren, ein asiatisches Nomadenvolk, eroberten die Region im
6. Jahrhundert. Sie wurden im 7. Jahrhundert von den einwandernden
Kroaten (einem südslawischen Volk) vertrieben. Diese wurden in der Folgezeit
von den Franken besiegt. Später wurde die Region in die Herzogtümer Kroatien
und Slawonien aufgeteilt. 925 entstand das unabhängige Königreich Kroatien,
das bis zum Ende des 11. Jahrhunderts bestand, als eine Periode der
politischen Anarchie zur Intervention Ungarns führte. Es entstand ein
gemeinsames Reich mit Ungarn (1102-1918). Durch die Niederlage der Ungarn in
der Schlacht bei Mohács (1526) kam das gesamte Territorium unter die
Herrschaft des Osmanischen Reiches. Um im Kampf gegen die Türken
Unterstützung zu finden, schlossen sich Ungarn und Kroatien dem Habsburger
Kaiserreich an. Als die Türken 1699 geschlagen wurden, endete die osmanische
Herrschaft über Ungarn und Kroatien, die nun Teil des Habsburgerreiches
wurden.
Obwohl Istrien und Dalmatien
zwischenzeitlich von Venedig und Frankreich kontrolliert wurden, war Kroatien
bis zur Ungarischen Revolution (von 1848 bis 1849) ein autonomes Königreich,
das zum Habsburgerreich gehörte. 1867 entstand die Doppelmonarchie
Österreich-Ungarn, Kroatien wurde im folgenden Jahr der ungarischen Krone
unterstellt. 1881 schloss sich Kroatien offiziell mit Slawonien zusammen. Mit
dem Ende der Habsburgermonarchie nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) endete
die Verbindung Kroatiens mit Österreich-Ungarn.
1. Weltkrieg
Im 1. Weltkrieg kämpften Kroaten und
Serben größtenteils gemeinsam mit dem Ziel, ein vereinigtes Königreich
aller südslawischen Völker zu errichten. Nach dem Sturz der
Habsburgermonarchie wurde Kroatien am 1. Dezember 1918 Teil des
unabhängigen „Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen" mit
König Alexander I. an der Spitze. Als die Konflikte zwischen den Kroaten
und Serben zu größeren nationalen Spannungen führten, verstärkte Alexander
die Kontrolle über das Land und benannte das Königreich 1929 in Jugoslawien
(„Land der Südslawen") um. Die Spannungen zwischen den beiden
Volksgruppen hielten jedoch an, und die Nachkriegsgeschichte des Staates wurde
vom Kampf der Kroaten nach größerer politischer Unabhängigkeit
gekennzeichnet. 1934 wurde Alexander von einem kroatischen Extremisten
ermordet. Die faschistische Ustascha-Bewegung fand bei der unzufriedenen
kroatischen Landbevölkerung allmählich Zustimmung. 1939 wurde ein Gebiet
abgegrenzt, das den Namen Kroatien erhielt und annähernd den heutigen Grenzen
der Republik entspricht.
2. Weltkrieg
Nach dem Einmarsch deutscher und
italienischer Truppen in Jugoslawien 1941 während des 2. Weltkrieges
wurde der unabhängige Staat Kroatien gegründet. Dieser Staat entstand als
Folge der Invasion und Auflösung Jugoslawiens durch die Achsenmächte.
Italien erkannte den faschistischen Staat unter dem Ustascha-Regime an. Es
begann ein Völkermord gegen Einwohner nichtkroatischer Abstammung. Tausende
von Juden, Serben, Roma und kroatischen Regimegegnern wurden ermordet. Die
restlichen Kriegsjahre kämpften Kroaten und Serben gegeneinander. Die
antifaschistischen Partisanen unter der Führung des Kroaten Josip Broz Tito
bekämpften das von Italien gestützte Ustascha-Regime, das 1944
zusammenbrach. Nach Kriegsende versuchte Tito, die verschiedenen Teile
Jugoslawiens auszusöhnen, und gründete die Volksrepublik Jugoslawien, mit
Kroatien als einer ihrer Teilrepubliken. Nach dem Friedensvertrag mit Italien
(1947) fiel ein Großteil Istriens, ein ehemals italienisches Gebiet, an
Kroatien. Alle Versuche, den Nationalismus wieder aufleben zu lassen, wurden
unterdrückt.
Ära Tudjman
Nach Titos Tod 1980 nahmen die Spannungen
zwischen Kroatien und der von Serben dominierten jugoslawischen Regierung zu.
Ende der achtziger Jahre hatten sich aus den Bestrebungen nach mehr Autonomie
Forderungen nach der Unabhängigkeit von Jugoslawien entwickelt. Kroatische
Dissidenten, wie Franjo Tudjman, erlangten bei der kroatischen Bevölkerung
großen Zuspruch. Nachdem die geschwächte jugoslawische Regierung ein
Mehrparteiensystem zugelassen hatte, gründete Tudjman 1990 die Kroatische
Demokratische Union (HDZ), die bald den Charakter einer Volkspartei annahm.
Seine Forderung nach einem größeren Kroatien löste bei den kroatischen
Serben Proteste aus, doch die HDZ gewann bei den Wahlen die Mehrheit der
Parlamentssitze, und Tudjman wurde zum Präsidenten gewählt. Er versuchte
anfangs, Befürchtungen der Serben zu beschwichtigen, indem er Zugeständnisse
machte, wie die Ernennung eines serbischen Vizepräsidenten. Die serbische
Bevölkerung wurde jedoch zunehmend ausgegrenzt. In der von Serben dominierten
Region Krajina organisierten sich die Serben und forderten ein Referendum
über die Autonomie der vorwiegend von Serben bewohnten Gebiete. Die
überwältigende Mehrheit der Serben sprach sich für eine Autonomie aus, und
die von Serben dominierten Gebiete begannen, Autonomieerklärungen zu
verabschieden. Bis Dezember hatten drei Gebiete ihre Autonomie ausgerufen:
Krajina, Ostslawonien und Westslawonien. Die ersten beiden Regionen wurden
hauptsächlich von Serben bewohnt, Westslawonien überwiegend von Kroaten.
Tudjmans Regierung erkannte die autonomen Gebiete nicht an. Als sich die
Kroaten im Juni 1991 dafür aussprachen, sich von Jugoslawien zu lösen und
ihre Unabhängigkeit zu erklären, stellte sich die serbische Minderheit von
600 000 Einwohnern gegen diesen Entscheid und forderte den Verbleib
innerhalb der jugoslawischen Republik oder einen Anschluss an einen „großserbischen"
Staat. Ab März 1991 kam es immer häufiger zu bewaffneten
Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Volksgruppen, die sich bald zu
einem Bürgerkrieg ausweiteten. Ende 1991 hatten die Serben, mit der
Unterstützung der von Serben dominierten jugoslawischen Volksarmee (JVA),
fast ein Drittel des Territoriums unter ihrer Kontrolle. Im Dezember waren
sowohl die Europäische Gemeinschaft (EG, heute Europäische Union) als auch
die Vereinten Nationen an Schlichtungsverhandlungen in Kroatien beteiligt. Die
drei autonomen Gebiete hatten sich zur „Republik Serbische Krajina"
zusammengeschlossen.
Unabhängigkeit
Deutschland erkannte die Republik Kroatien am
23. Dezember 1991 als selbständigen Staat an. Die restlichen EG-Staaten
schlossen sich am 15. Januar 1992 an und leiteten damit die
internationale Anerkennung des Staates ein. Am 2. Januar, vor der
Anerkennung durch die EG, wurde zwischen der JVA und der kroatischen
Nationalgarde ein Vertrag über einen Waffenstillstand unterzeichnet. Die UN
entsandte im Februar 14 000 Mann starke Friedenstruppen (UNPROFOR)
zur Überwachung des Rückzugs der JVA aus Kroatien und der Demilitarisierung
der drei serbischen Enklaven. Die UNO-Truppen hatten jedoch nur begrenzten
Erfolg. Obwohl sich die JVA zurückzog, behielten Einheiten der kroatischen
Serben die Kontrolle über das Gebiet, das sie 1991 durch die Vertreibung der
300 000 in Ostslawonien lebenden Kroaten annektiert hatten. Im Juni kam
es erneut, trotz UN-Präsenz, zu einem Ausbruch der Kämpfe, als die
kroatischen Streitkräfte versuchten, die serbisch besetzten Gebiete
zurückzuerobern. 1992 hatte Kroatien begonnen, die Kroaten in Bosnien und
Herzegowina zu unterstützen, die ein Drittel des bosnischen Territoriums
eingenommen und den kroatischen Splitterstaat Herceg-Bosna gegründet hatten,
dessen nationalistisch gesinnte Vertreter für einen Zusammenschluss mit
Kroatien plädierten. Die EG drohte mit Sanktionen, falls Kroatien seine
militärischen Einmischungen in Bosnien und Herzegowina nicht beenden würde.
Andauernde Kämpfe
Mitte 1993 wurde deutlich, dass der
Vance-Owen-Friedensplan des britischen Politikers und Vertreters der EG, Lord
David Owen, und des UN-Vertreters Cyrus Vance gescheitert war. Im Januar 1993
durchbrach Kroatien die Linien der UN-Friedenstruppen und startete eine neue
Offensive gegen die serbische Enklave Krajina, woraufhin die Föderative
Republik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) mit einer Intervention drohte.
Es kam das ganze Jahr über zu vereinzelten Kämpfen. Das UN-Friedensmandat
wurde vom Sicherheitsrat der UN im Oktober verlängert. Die Verhandlungen
wurden fortgesetzt, und am 19. Januar 1994 wurde ein bilateraler Vertrag
zwischen Kroatien und Serbien unterzeichnet, der die Wiederherstellung der
Kommunikations- und Transportverbindungen zwischen den beiden Republiken
vorsah. Die kroatischen Serben hielten zu diesem Zeitpunkt immer noch etwa
30 Prozent des kroatischen Territoriums besetzt, und der serbische
Präsident Slobodan Miloseviç weigerte sich, den Vertrag um eine Klausel zur
gegenseitigen Anerkennung zu erweitern. Im März 1994 unterzeichneten die
bosnische Regierung, die bosnischen Kroaten und Kroatien einen Vertrag zur
Gründung einer Föderation der bosnischen Muslime und Kroaten und deren
spätere Einbindung in einen Staatenbund mit Kroatien. Die Situation zwischen
Kroaten und den kroatischen Serben blieb gespannt. Nur durch die Präsenz der
UN-Truppen wurde der Waffenstillstand aufrechterhalten.
Der instabile Frieden in Kroatien geriet
im Januar 1995 in Gefahr, als Tudjman erklärte, dass das UN-Friedensmandat am
31. März ablaufen würde und die Friedenstruppen bis Juni das Land
verlassen müssten. Die kroatische Regierung befürchtete, dass die Präsenz
der UN-Friedenstruppen die serbischen Ansprüche auf die Krajina und andere
autonome Gebiete festigen würden. Anfang Mai 1995 überschritten die
kroatischen Einheiten die Linien der UN-Truppen und brachten die von Serben
besetzte Enklave Westslawonien wieder unter ihre Kontrolle. Im August 1995
eroberten kroatische Truppen die Krajina, die ansässige serbische
Bevölkerung wurde vertrieben. Einen Monat später wurde in Ostslawonien ein
Waffenstillstand geschlossen. Der UN-Sicherheitsrat beschloss im Januar 1996
die Entsendung von etwa 5 000 Soldaten und zivilen Beobachtern, die
das Gebiet bei der Wiedereingliederung in kroatisches Staatsgebiet begleiten
sollten.
Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer im
Oktober 1995 setzte sich die von Präsident Tudjman geführte Kroatische
Demokratische Gemeinschaft (HDZ) als stärkste Partei durch. Zur gegenseitigen
Anerkennung zwischen Kroatien und der Föderativen Republik Jugoslawien kam es
am 23. August 1996. Internationale Aufwertung erlebte Kroatien durch die
Aufnahme in den Europarat am 6. November 1996. Das Land ist der
40. Mitgliedsstaat in dieser Organisation, der vorher bereits Slowenien
und Makedonien beigetreten waren.
Bei den Kommunal- und Oberhauswahlen am
13. April 1997 behauptete die von Präsident Tudjman geführte HDZ ihre
Vormachtstellung.
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