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08. März 2010
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Wissenswertes über Spanien
Spanien (spanisch España), konstitutionelle Monarchie im Südwesten Europas, erstreckt sich über den größeren Teil (etwa 80 Prozent) der Iberischen Halbinsel und grenzt im Norden an den Golf von Biscaya, an Frankreich und Andorra, im Osten an das Mittelmeer, im Süden an das Mittelmeer und an den Atlantik und im Westen an Portugal und den Atlantik. Die britische Kronkolonie Gibraltar liegt im äußersten Süden von Spanien und wird von diesem beansprucht. Die Balearen im Mittelmeer und die Kanarischen Inseln im Atlantik vor der Küste Afrikas sind spanische Gebiete. Weiterhin stehen zwei kleine Exklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, sowie drei Inselgruppen nahe der Küste von Afrika (Peñón de Vélez de la Gomera, die Alhucemas- und die Chafarinas-Inseln) unter spanischer Verwaltung. Das Staatsgebiet Spaniens einschließlich der Gebiete in Afrika und der Inselterritorien beläuft sich auf 504 782 Quadratkilometer. Madrid ist Hauptstadt und gleichzeitig die größte Stadt des Landes.
Spaniens Mittelmeerküste ist etwa 1 660 Kilometer, die Atlantikküste etwa 710 Kilometer lang. Die lange, ununterbrochene Gebirgskette der Pyrenäen, die sich auf etwa 435 Kilometer vom Golf von Biscaya bis zum Mittelmeer erstreckt, bildet im Norden die natürliche Grenze zu Frankreich und damit zu Westeuropa. Im äußersten Süden trennt die Straße von Gibraltar, die an ihrer schmalsten Stelle weniger als 13 Kilometer breit ist, Spanien von Afrika.

Physische Geographie

Das spanische Festland wird von drei unterschiedlichen Landschaftsräumen geprägt. Dies sind das zentrale Hochland der Meseta, die randlich anschließenden Gebirge sowie die äußeren Becken- und Gebirgslandschaften. Die mittlere Höhe des Festlandes beträgt etwa 660 Meter über dem Meeresspiegel. Damit ist Spanien nach der Schweiz das gebirgigste Land des europäischen Kontinents.

Das ausgedehnte Hochland der Meseta mit Madrid im Zentrum erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 250 000 Quadratkilometern. Diese Hochebene fällt von Osten nach Westen sanft ab. Sie wird vom Kastilischen Scheidegebirge und dessen Ausläufern Sierra de Guadarrama und Sierra de Gredos in die nördliche und die südliche Meseta unterteilt. Höchste Erhebung in diesem Gebiet ist der Pico de Almanzor mit 2 592 Metern. Die Gebirgszüge sind durch zum Teil steilwandige Täler intensiv gegliedert. Die nördliche Meseta umfasst die historischen Landschaften Altkastilien und León, die größere südliche Meseta die Landschaften Neukastilien und Extremadura.

An die zentral gelegene Meseta schließen Gebirgszüge an. Nach Norden ist dies das Kantabrische Gebirge mit dem bis 2 648 Meter hohen Massiv der Picos de Europa. Im Osten wird die Hochebene vom Iberischen Randgebirge umrahmt (in der Sierra de Moncayo bis 2 313 Meter hoch). Die geographische Grenze nach Süden markiert die bis 1 323 Meter hohe Sierra Morena. Im Westen fällt die Meseta allmählich über das Tafelland der Extremadura zur Atlantikküste in Portugal ab.

Zu den höchsten der äußeren Randgebirge des spanischen Festlandes gehören die Pyrenäen im Norden und die Betische Kordillere mit der Sierra Nevada im Süden. Höchster Gipfel der Pyrenäen, dem Grenzgebirge zu Frankreich, ist der Pico de Aneto mit 3 404 Metern. In der Sierra Nevada erhebt sich der Mulhacén (3 478 Meter) als höchster Berg der Iberischen Halbinsel. Zwischen den inneren, die Meseta begrenzenden Gebirgen und den küstennahen Hochgebirgen breiten sich ausgedehnte Flusstäler aus. Weite Beckenlandschaften werden von den längsten Flüssen der Halbinsel durchquert.

Die fruchtbaren Küstenebenen sind überwiegend schmal und selten breiter als 30 Kilometer. An einigen Stellen reichen die Bergketten bis an das Meer, wo sie zum Teil sehr steil abfallen und felsige Landspitzen bilden. Dies ist besonders entlang der Mittelmeerküste der Fall, wo sich einzelne Ausläufer des Katalanischen Küstengebirges bis zum Meer hin ausdehnen. Barcelona verfügt über den einzigen größeren Hafen an diesem Küstenabschnitt. An der Küste im Nordwesten Spaniens, besonders in Galicien, gibt es einige bedeutende Häfen. Die Voraussetzungen für die Entstehung geeigneter Buchten sind in diesem Bereich überaus günstig. Durch nacheiszeitlichen Anstieg des Meeresspiegels wurden in Galicien ehemalige, weit ins Landesinnere hineinreichende Flusstäler überflutet und bilden nun tief eingeschnittene Buchten (Riaküste). In diesen Küstenbereichen entstanden ideale Naturhäfen.

Die Inselgruppe der Balearen bildet geologisch die nordöstliche Fortsetzung der Betischen Kordillere im Mittelmeer. Höchster Berg ist der Puig Mayor auf Mallorca mit einer Höhe von 1 445 Metern. Die höchste Erhebung auf dem gesamten spanischen Territorium ist der Pico de Teide (3 718 Meter) auf Teneriffa, der größten der Kanarischen Inseln.

Auch wenn der Boden in Spanien für eine agrarische Nutzung sorgfältig bewässert und kultiviert werden muss, ist er eine reiche und wertvolle natürliche Ressource. Das Spektrum unterschiedlicher Bodentypen ist aufgrund der Größe der Landes überaus breit. Während weite Teile des überwiegend trockenen Landesinneren von wenig entwickelten Rohböden bedeckt sind, ist in den feuchteren Regionen Terra rossa großflächig verbreitet. Dieser Bodentyp ist charakteristisch für die Teile des mediterranen Raumes, in denen Kalkstein ansteht. Die niederschlagsreichen Gebiete im Norden des Landes sowie an den Luvseiten der Gebirge sind mit fruchtbaren Braunerden bedeckt. Die Landesteile in den trockenen Bereichen des südöstlichen Spanien tragen überwiegend graue, salzhaltige Halbwüsten- und Wüstenböden.

Klima

Aufgrund der großen Höhenunterschiede und der weiten Nord-Süd- und West-Ost-Erstreckung hat Spanien Anteil an mehreren Klimazonen. Die nördlichen Landesteile (von Galicien im Nordwesten über das Kantabrische Gebirge bis zu den Pyrenäen im Nordosten) sind ozeanisch geprägt; sie erhalten Niederschläge zu allen Jahreszeiten. In manchen Gebieten wurden schon Jahresniederschläge von mehr als 2 500 Millimetern verzeichnet. Sie gehören damit zu den feuchtesten Gebieten Europas. Die Tages- und Jahresschwankungen der Temperatur sind im Norden relativ gering. Die mittleren Monatstemperaturen liegen im Sommer um 20 °C, im Winter bei etwa 9 °C.

Das Klima im überwiegenden Teil Spaniens ist demgegenüber subtropisch-mediterran. Aufgrund der großen Entfernung zum thermisch ausgleichenden Meer hat es kontinentalen Charakter. Die Temperaturunterschiede sind im Jahresverlauf vor allem in der Meseta sehr hoch. Madrid hat eine mittlere Julitemperatur von 24 °C, während der entsprechende Wert im Januar bei nur 5 °C liegt. Einzelne Tage können extremere Werte annehmen. So werden hier im Sommer mitunter Tagestemperaturen von 40 °C überschritten und im Winter an manchen Tagen–10 °C erreicht. Hier können im Winter die Flüsse zufrieren, während es im Sommer in der zentralen Hochebene so heiß ist, dass viele Flüsse bei lange andauernden Dürreperioden vollständig austrocknen. Ein vor allem im südlichen Teil der Hochebene im Sommer auftretendes Phänomen ist die Calina. Dieser Begriff bezeichnet trockenen Staubdunst, der aus kleinsten Staubteilchen besteht, die von der aufsteigenden heißen Luft in die bodennahen Luftschichten transportiert werden. Die mittleren Jahresniederschläge liegen in den flachen Gebieten der Meseta zwischen 300 und 600 Millimetern (in Madrid 419 Millimeter), die Randgebirge des Hochlandes erhalten bis 2 000 Millimeter. Hauptregenzeiten im zentralen Spanien sind Frühjahr und Herbst.

Am trockensten ist es in den küstennahen Tieflagen im Südosten. Im Windschatten der Sierra Nevada werden häufig 200 Millimeter Niederschlag im Jahr unterschritten. Damit zählt dieses Gebiet zu den trockensten in Europa. Halbwüstenhafte Bedingungen herrschen in einem küstenparallelen Streifen zwischen Alicante im Nordosten und Almería im Südwesten. Regen fällt hier in Form von Schauern an nur wenigen Tagen im Jahr.

Auf den Balearen sind die Winter relativ mild bei Mittelwerten um 12 °C. Die Kanarischen Inseln verzeichnen aufgrund der südlicheren Lage ganzjährig hohe Temperaturen; die Mittelwerte liegen zwischen 18 °C im Winter und 26 °C im Sommer.

Flora

Die natürliche Vegetation Spaniens wurde durch menschliche Einflussnahme tief greifend umgestaltet. Früher waren weite Teile der Iberischen Halbinsel von Wald bedeckt. Weiträumige Abholzung zur Ausweitung von Agrar- und Siedlungsfläche sowie zur Gewinnung von Bau- und Brennholz dezimierte die Waldbestände erheblich. Mittlerweile sind nur noch etwa fünf Prozent der Landesfläche bewaldet. In den kühleren und feuchteren Lagen des Nordwestens überwiegen sommergrüne Laubbäume wie Buchen, Eichen oder Kastanien, während in den Pyrenäen zusätzlich Nadelhölzer gedeihen. Seit mehreren Jahrzehnten wird intensiv Aufforstung betrieben. Einerseits sollen die neu geschaffenen Waldflächen das Fortschreiten der Bodenerosion verhindern und den Wasserhaushalt der betreffenden Gebiete verbessern. Andererseits stehen hierbei wirtschaftliche Überlegungen im Mittelpunkt des Interesses.

Unter den wärmeren und trockeneren Bedingungen der nach Süden anschließenden Landesteile wird die Vegetationsbedeckung lichter. Im Übergangsbereich zu den sommerheißen Gebieten sind in den höheren Lagen Kork- und Steineichenwälder sowie verschiedene Strauchgewächse wie Ginster verbreitet. Die innere Borke der Korkeichen kann nach etwa acht bis zehn Jahren in Platten vom Stamm geschält und verarbeitet werden. Korkeichen werden zumeist als Nutzbäume angebaut. Weiden, Erlen und Pappeln sind die charakteristischen Baumarten der Flussufer. Die natürliche Vegetation in der zentralen Hochebene besteht vor allem aus Büschen und Sträuchern.

Im Süden des Landes sind der Trockenheit angepasste Hartlaubgewächse verbreitet. Dominante Arten der Macchie sind Johannisbrotsträucher, Erdbeerbäume und Oleander. Außerdem finden Agaven und Feigenkakteen hier ideale Wachstumsbedingungen. Der Anbau von Olivenbäumen ist einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Bereiche. Der Olivenbaum ist die klassische Leitpflanze der mediterranen Flora. Eine der vielen wissenschaftlichen Abgrenzungen des Mittelmeerraumes orientiert sich an der Verbreitung des Ölbaumes. Während der Anbau im Landesinneren bis in die Meseta hineinreicht, werden die küstennahen Gebiete bis in die Pyrenäen kultiviert. In den trockensten Gebieten im Südosten wurden die typischen Vertreter der Macchie durch die Gebüschformation Garigue verdrängt. Die Flora setzt sich dabei aus niedrig wüchsigeren Pflanzen wie Wolfsmilchgewächsen und Zistrosen zusammen.

Die Vegetation der Kanarischen Inseln umfasst zahlreiche endemische Arten. Zu den markantesten Pflanzen gehört dabei der Drachenbaum. Die Kanarische Dattelpalme breitete sich von den Inseln über weite Teil des Mittelmeerraumes aus.

Fauna

Die früher vielfältigere Tierwelt ist durch die weiträumige Abholzung reduziert worden. Viele Arten verloren ihre Lebensgrundlage und wurden entweder in Randbereiche zurückgedrängt oder starben vollständig aus. Zum Schutz bedrohter Arten wurden vor allem in den Pyrenäen, im Kantabrischen Gebirge und im Mündungsbereich des Guadalquivir Nationalparks eingerichtet. Die heutige Fauna Spaniens ist mit Ausnahme der Vogel- und Insektenwelt überaus artenarm; sie entspricht der Tierwelt anderer Mittelmeerländer. In den gebirgigeren Regionen leben Gämsen, Wölfe, Luchse, Füchse, Wildschweine, Wildkatzen, Wildziegen, Rotwild und Hasen.

In feuchten Gebieten sind Flamingos, Reiher und Haubentaucher verbreitet. Die Tierwelt Spaniens umfasst darüber hinaus eine reichhaltige Vogelwelt mit einer Vielzahl von Raubvogelarten. Zu den berühmtesten domestizierten Tieren gehören die Stiere, die in der Nähe von Sevilla und Salamanca für den spanischen Nationalsport, den Stierkampf, gezüchtet werden. Die Insektenwelt der Iberischen Halbinsel ist vielfältig. In den Bergflüssen und -seen leben zahlreiche Fischarten wie Barben, Schleien und Forellen. Die Küstengewässer sind reich an Thunfischen, Sardinen und Schalentieren.

Bevölkerung

Spanien ist ein ethnisch überaus heterogenes Land. Die Bevölkerung Spaniens ging im Wesentlichen aus der Mischung der ursprünglichen Bevölkerung der Iberischen Halbinsel mit den Völkern hervor, welche die Halbinsel eroberten und über lange Zeiträume hinweg besetzten. In diesen Perioden kamen ethnologische Elemente der Römer, der Sweben, der Westgoten (siehe Goten) und der Teutonen hinzu. Weiterhin können semitische Elemente nachgewiesen werden. Viele ethnische Gruppen in Spanien haben sowohl kulturell als auch sprachlich ihre Identität bewahrt. Hierzu zählen die etwa 2,5 Millionen Basken im Norden des Landes. Sie sind Nachkommen eines nichtindogermanischen Volksstammes und zeigen traditionell starke Bestrebungen zur Autonomie. Die historische Region der Basken reicht auf französisches Staatsgebiet über. Im Nordwesten Spaniens leben rund 2,5 Millionen Galicier. Eine weitere ethnische Gruppe sind die etwa acht Millionen Katalanen, von denen die meisten in Katalonien leben. Weitere Siedlungsgebiete der Katalanen sind die südlich angrenzenden Gebiete sowie die Balearen. Außerdem leben in Spanien etwa 500 000 Sinti und Roma.

Die Einwohnerzahl Spaniens beträgt etwa 39,5 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 78 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Verteilung der Bevölkerung ist überaus ungleichmäßig. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung leben in den Städten. Hohen Werten der Bevölkerungsdichte in den wirtschaftlich stark entwickelten Gebieten und den Küstenregionen stehen zum Teil sehr niedrige Werte im Landesinneren gegenüber. Die Zuwanderung von Menschen aus strukturschwachen ländlichen Regionen in die großen Städte hält an. Mehr als drei Millionen Spanier leben im Ausland, darunter etwa 200 000 in Deutschland.

Spanien besteht aus 17 Autonomen Gemeinschaften mit insgesamt 52 Provinzen. Die Autonomen Gemeinschaften sind Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Baskenland (País Vasco), Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, Katalonien, Extremadura, Galicien, La Rioja, Madrid, Murcia, Navarra und Valencia.

Wirtschaft

Traditionell ist Spanien ein landwirtschaftlich geprägter Staat. Auch heute noch ist es einer der größten landwirtschaftlichen Produzenten in Westeuropa. Allerdings ist seit Mitte der fünfziger Jahre auch die Industrie sehr schnell angewachsen. Eine ganze Reihe von Entwicklungsplänen, die 1964 aufgestellt wurden, unterstützten das Wirtschaftswachstum, das jedoch in den späten siebziger Jahren durch steigende Erdölpreise und wachsende Importraten gebremst wurde. Die Rezession traf eine Volkswirtschaft, die von zum Teil veralteten Industrieanlagen geprägt war. Die ersten Jahre nach dem Ende der Franco-Ära waren wirtschaftlich von einer Kapitalflucht ausländischer Investoren gekennzeichnet. In der Folge förderte die Regierung die Entwicklung der Stahl-, Schiffsbau-, Textil- und Bergbauindustrie. Der Tourismus ermöglicht Spanien bedeutende Einnahmen. Die Handelsbilanz des Landes ist jedoch negativ; die Ausgaben für Importe übersteigen die Einnahmen aus Exporten. Seit dem 1. Januar 1986 ist Spanien Vollmitglied der Europäischen Union (EU, ehemals Europäische Gemeinschaft) und wurde damit – ebenso wie das Nachbarland Portugal – in den europäischen Integrationsprozess einbezogen.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei etwa 482 841 Millionen US-Dollar. Von den spanischen Erwerbstätigen arbeiten 59 Prozent im Dienstleistungssektor, 31 Prozent sind im produzierenden Gewerbe tätig, 10 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 23 Prozent.

Geschichte

Die frühesten Zeugnisse von Ureinwohnern der Iberischen Halbinsel sind Höhlenzeichnungen aus der paläolithischen Epoche. Sie wurden am Golf von Biscaya und in den westlichen Pyrenäen gefunden. Von der für den Norden charakteristischen Entwicklung war die spätere neolithische Almeriakultur (etwa 3000 v. Chr.) im Südosten Spaniens grundlegend verschieden. Diese war eher mit der prähistorischen Geschichte Afrikas verwandt. Hier, in der südlichen Region, begann die erste Besiedlung durch die Iberer, einem ursprünglich nordafrikanischen Volk. Um 1000 v. Chr. hatten sie sich zum bedeutendsten ethnologischen Element auf der Halbinsel entwickelt, die dann auch nach ihnen benannt wurde. Ein anderes Volk, das ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die geschichtliche Entwicklung der Halbinsel hatte, waren die Kelten, die im Zuge einer massiven Völkerwanderung von Frankreich her eindrangen. Die Kelten absorbierten die eingeborene Bevölkerung der zentralen Regionen fast vollständig, die der nördlichen Gebirgsregionen jedoch in geringerem Ausmaß. Schließlich vermischten sich Kelten und Iberer zum so genannten Volk der Keltiberer, das vorwiegend in den zentralen Gebieten, im Westen und entlang der Nordküste lebte.

Altertum und Mittelalter
Das erste Volk, von dem man weiß, dass es aus dem östlichen Mittelmeerraum auf die Halbinsel einwanderte, waren die Phönizier. Dieses Seefahrervolk siedelte sich vermutlich im 11. Jahrhundert v. Chr. hier an. Die Phönizier gründeten an der Stelle des heutigen Cádiz eine Kolonie. Ihnen folgten Kaufleute aus Rhodos und den griechischen Städten, die weitere Kolonien an der Mittelmeerküste gründeten und sich gelegentlich über die Straße von Gibraltar, die damals noch die Säulen des Herkules hieß, bis in den Atlantik vorwagten. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. begann der afrikanische Staat der Karthager auf die Halbinsel vorzudringen. Der karthagische General Hamilkar Barkas eroberte in einem Feldzug von 237 bis 228 v. Chr. weite Teile der Halbinsel. Die Karthager gründeten um 230 die Stadt Barcelona. Weitere Kolonien wurden errichtet, u. a. Carthago Nova (heute Cartagena). Das Vordringen Karthagos wurde von Rom mit Misstrauen beobachtet. 219 v. Chr. zerstörte der karthagische General Hannibal die griechische Kolonie Saguntum (heute Sagunto). Er verletzte damit ein zuvor zwischen Karthago und Rom geschlossenes Abkommen, in dem die Grenzen des karthagischen Territoriums festgelegt worden waren, und beschwor damit den zweiten Punischen Krieg herauf. 206 v. Chr. war Karthago gezwungen, die Halbinsel aufzugeben. Neun Jahre später untergliederte Rom sie in zwei Provinzen, Hispania Citerior im Nordosten im Tal des Ebro und Hispania Ulterior in der Ebene im Süden, durch die der Guadalquivir fließt. Die Volksstämme im hohen Norden konnten ihre Unabhängigkeit von Rom bis 19 v. Chr. aufrechterhalten. Unter den Römern wurde Spanien dann endgültig in drei Provinzen aufgeteilt: Lusitania, dessen Territorium in etwa dem modernen Portugal entspricht, Baetica im Süden, das dem heutigen Westandalusien entspricht, und Hispania Tarraconensis, zu dem die Zentralebene sowie die nördlichen, nordwestlichen und östlichen Küstengebiete nördlich von Cartagena gehörten. Von der endgültigen Unterwerfung der iberischen Volksstämme bis zur Auflösung des Weströmischen Reiches gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. war Hispania eines der ökonomisch bedeutendsten Gebiete, die unter römischer Kontrolle standen. Die spanische Landwirtschaft war der größte Getreidelieferant Roms, und aus den Bergbauminen wurden Eisen, Kupfer, Blei, Gold und Silber in das Imperium transportiert.

Spanien zur Zeit der Westgoten
409 n. Chr. stießen die Alanen, Vandalen und Sweben über die Pyrenäen auf die Halbinsel vor. Die Einheit von Hispania unter römischer Herrschaft war zerstört. In der Hoffnung, der Verwüstung des Landes Einhalt gebieten zu können, die diese Invasionen mit sich brachten, wandten sich die Römer hilfesuchend an die Westgoten. Diese entsandten 412 n. Chr. ihre Armeen in die Region und wurden innerhalb von sieben Jahren zur stärksten Macht. Sie etablierten 419 das Königreich von Toulouse, das nur dem Namen nach Rom als Vasall unterstand. Zur Zeit seiner größten territorialen Ausdehnung umfasste dieses Königreich die Gebiete von der Straße von Gibraltar bis in den Norden an die Loire im heutigen Frankreich. Drei Jahrhunderte lang (419-711) prägte der König von Toulouse die Halbinsel im Sinne der römischen Kultur und des Christentums. Auf dem Höhepunkt der westgotischen Macht im 5. Jahrhundert übernahm Eurich die Regentschaft und schuf den ersten Gesetzeskodex für römisches und germanisches Recht. Leowigild, der von 569 bis 586 regierte, setzte die endgültige Unterjochung der Swebenstämme durch und vereinigte die römischen und westgotischen Elemente der Halbinsel zu einem einheitlichen Volk. Von 586 bis 601 etablierte Rekkarred I. den römischen Katholizismus als offizielle Staatsreligion.

Spanien unter den Mauren
711 überquerte eine muslimische Berberarmee unter der Führung von Tariq ibn-Ziyad die Straße von Gibraltar und drang von Nordafrika her auf die Iberische Halbinsel ein. Roderich, der letzte der Westgotenkönige Spaniens, wurde in der Schlacht am Río Barbate vernichtend geschlagen. Bis 719 hatten die Invasionstruppen das gesamte Gebiet von der Küste bis an die Pyrenäen unter ihre Kontrolle gebracht. 732 fand ihr Vordringen Richtung Norden in einer Schlacht in Frankreich, zwischen Tours und Poitiers, ein Ende, in der sie dem fränkischen Herrscher Karl Martell unterlagen. In den ersten Jahren ihrer Herrschaft hielten die Mauren, wie die Berber genannt wurden, die als Eroberer ins Land kamen, die Halbinsel (mit Ausnahme von Asturien und dem Baskenland) als eine Art Kolonie der Provinz Nordafrika, einem Verwaltungsbezirk des Kalifats von Damaskus. Nach 717 stand das Land unter der Herrschaft von Emiren, die von den Kalifen ernannt wurden; diese hatten oftmals ihre Pflichten sehr vernachlässigt. Die Missherrschaft hatte in den folgenden 40 Jahren die Ernennung und Absetzung von insgesamt 20 Emiren zur Folge. Diese Sachlage führte zwischen den Dynastien der Omaijaden und der Abbasiden zu Machtkämpfen um die Kontrolle des Kalifats. Der letzte der spanischen Emire, Yusuf, sympathisierte mit den Abbasiden, aber die regionalen Würdenträger des Imperiums befürworteten die Omaijaden. Die Gruppe der Omaijaden unterstützte die Bestrebungen Abd-ar-Rahmans I., eines Mitglieds der Familie, die sich auf die Etablierung einer unabhängigen Herrschaft in Spanien richteten. 756 gründete Abd-ar-Rahman ein mächtiges und politisch unabhängiges Emirat, das sich später zum Kalifat von Córdoba entwickelte.

Während der weiteren Festigung der Macht der Mauren konnte sich ein letzter Rest der christlichen Herrschaft in den nördlichen Gebieten der Halbinsel behaupten. Der bedeutendste christliche Staat auf der nördlichen Halbinsel, das kleine Königreich von Asturien, wurde um 718 von Pelayo, einem Anführer der Westgoten, gegründet. Pelayos Schwiegersohn, Alfonso, eroberte fast die gesamte Region, die als Galicien bekannt war, gelangte wieder in den Besitz großer territorialer Gebiete von León und wurde letztendlich als Alfonso I. zum König von León und Asturien gekrönt. Alfonso III. vergrößerte diese Territorien während seiner Regentschaft bis 910. Im 10. Jahrhundert wurde die Region von Navarra unter Sancho I. ein unabhängiges Königreich. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts dehnten die Könige von León ihr Herrschaftsgebiet Richtung Osten weiter bis Burgos aus. Aufgrund der Burgen, die hier entstanden, um die Grenzen der neu eroberten Gebiete verteidigen zu können, wurde diese Region Castilla oder Kastilien genannt. Unter Graf Fernán González erhielt das Gebiet seine Unabhängigkeit von León, und 932 erklärte der Graf sich selbst zum ersten König von Kastilien. Im 11. Jahrhundert eroberte Sancho III., König von Navarra, beträchtliche Gebiete von Aragonien, die unter maurischer Herrschaft standen, sowie León und Kastilien. 1033 setzte er seinen Sohn, Ferdinand I., auf den Königsthron von Kastilien. Diese zeitweilige Vereinigung der Reiche endete mit dem Tod Sanchos. Das Territorium wurde unter seinen Söhnen aufgeteilt. Der berühmteste Sohn von Sancho war Ferdinand, der 1037 León eroberte, die maurischen Gebiete von Galicien übernahm und auf dem Territorium des heutigen Portugals einen Vasallenstaat errichtete. Durch das Bündnis mit Nordspanien gestärkt, erhob sich Ferdinand 1056 selbst zum Kaiser von Spanien (von Latin Hispania). Damit begann die Periode der Rückeroberungen der Gebiete, die unter muslimischer Herrschaft standen.

Die Reconquista
Als die große Reconquista begann, hatte das muslimische Spanien etwa drei Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Omaijaden-Dynastie gestanden. Der bedeutendste ihrer Regenten war Abd-ar-Rahman III., der sich 929 selbst zum Kalifen ernannte. Seine Hauptstadt, Córdoba, entwickelte sich nach Konstantinopel zur prächtigsten Stadt Europas, und die spanische Kultur war der der übrigen Staaten auf dem Kontinent weit überlegen. In dieser Zeit wurden viele Schulen gebaut, deren Besuch kostenlos war und somit auch den Armen den Zugang zu Bildungseinrichtungen ermöglichte. An den großen muslimischen Universitäten wurden Studien in den Bereichen Medizin, Mathematik, Philosophie und Literatur betrieben. Aristoteles wurde hier z. B. schon lange studiert, bevor sein Name im christlichen Europa berühmt wurde. Besonders die Literatur erlebte eine enorme Entwicklung, begünstigt dadurch, dass viele der Kalifen selbst bedeutende Dichter und Schriftsteller waren. Auch die Kunst und Architektur erlebte eine Blütezeit (siehe islamische Kunst und Architektur). Die Omaijaden trugen außerdem zur Förderung des Handels und der Landwirtschaft bei. In der gesamten südlichen Region legten sie effektive Bewässerungssysteme an.

Die Dynastie zerfiel 1036 mit dem Tod Hishams III., und das Kalifat teilte sich in eine Reihe unabhängiger und untereinander verfeindeter maurischer Königreiche, zu denen Córdoba, Granada, Sevilla, Toledo, Lissabon, Zaragoza, Murcia und Valencia gehörten. Die Auflösung der maurischen Zentralmacht ermöglichte es den christlichen Königen Nordspaniens, weiter Richtung Süden vorzudringen. Einige der maurischen Staaten wurden vollkommen unterworfen, andere dagegen in tributpflichtige Staaten umgewandelt. Zwischen 1023 und 1091 gelang es den Abbasiden von Sevilla, für kurze Zeit wieder eine Zentralmacht zu etablieren. Alfonso I. von Kastilien führte seine Angreiferarmeen in den Süden, und bis 1086 hatte er das Gebiet von Toledo erobert. Abbad al-Mutamid, Abad III. von Sevilla genannt, rief die Almoraviden, eine muslimische Sekte aus Nordafrika, zu Hilfe. Die Almoraviden drangen nach Spanien vor, aber nachdem sie 1086 Alfonso besiegt hatten, wandten sie sich gegen die spanischen Mauren. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts übernahm der Herrscher der Almoraviden die Regentschaft über das muslimische Spanien. Allerdings war die Almoraviden-Dynastie nur von kurzer Dauer. Ihre Macht wurde von einer zweiten afrikanischen Sekte übernommen, den Almohaden, die 1145 in Spanien einfielen und innerhalb von nur fünf Jahren die Herrschaft in allen muslimischen Gebieten übernommen hatten. In der Zwischenzeit waren die christlichen Könige weiter vorgedrungen. In einer großen Schlacht auf den Ebenen von Toledo, die im Juli 1212 stattfand, wurden die Almohaden von den verbündeten christlichen Heeren vernichtend geschlagen und kurz danach aus Spanien vertrieben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch einige Häfen in der Nähe von Cádiz und das Königreich von Granada unter der Herrschaft der Mauren. Granada konnte sich bis 1492 behaupten. Es war eines der größten und prächtigsten aller muslimischen Königreiche.

Abgesehen von diesen Regionen bestand Spanien die nächsten beiden Jahrhunderte im Prinzip aus zwei großen Königreichen: im Westen Kastilien und León, einschließlich Asturiens, Córdobas, Extremaduras, Galiciens, Jaéns und Sevillas, und im Osten Aragonien, zu dem Barcelona, Valencia und die Inselgruppe der Balearen gehörte. Beide Königreiche hatten das Erbe ihrer vorangegangenen Geschichte übernommen, die Vielfältigkeit der Dialekte, die gemischte Bevölkerung (zu der Christen, Mauren und Juden gehörten) und die voneinander abweichenden politischen Formen.

Spanien zu Beginn der modernen Ära
1469 ermöglichte die Heirat Isabellas I. von Kastilien und Ferdinands II. von Aragonien die Entwicklung Spaniens zu einer Großmacht. Sie wurden gemeinsame Herrscher von Kastilien (1474) und Aragonien (1479). Eine tatsächliche Vereinigung der beiden Königreiche kam jedoch nicht zustande. Jeder Monarch übte seine Macht als Souverän lediglich in seinem eigenen Königreich aus. Aragonien, das kleinere und ärmere Reich, wurde zunehmend vernachlässigt. Die Aufmerksamkeit konzentrierte sich stattdessen auf die Verstärkung der königlichen Autorität im reicheren und dichter besiedelten Kastilien. Großen Wert legten die frommen Monarchen (die den Titel „Katholische Könige" erhielten) auf die 1478 etablierte Inquisition zur Förderung der Reinheit des Glaubens. Die Inquisitoren wurden vom König ernannt, sowohl mit weltlicher als auch kirchlicher Macht ausgestattet, von der normalen Rechtsprechung befreit und mit einer Vielzahl von Informanten und Leibwachen versorgt. Die Verhöre fanden unter strikter Geheimhaltung statt, und die Besitztümer der Verurteilten wurden zwischen der Krone, der Inquisition und den Anklägern aufgeteilt.

1480 berief Isabella in Toledo die Cortes (Ständeparlament) ein. Diese Cortes schufen die legislativen Grundlagen für den königlichen Absolutismus in Kastilien. Die Kodifizierung der Gesetze wurde wieder aufgenommen, das Justizsystem reformiert und die Macht des Adels eingeschränkt. Außerdem wurden die Verwaltungsstrukturen sowie die Methoden zur Rekrutierung von Staatsbediensteten systematisiert, wodurch Kastilien sich vermutlich zum modernsten großen Staat seiner Zeit entwickelte. Während des zehnjährigen Krieges gegen Granada, der letzten maurischen Festung auf der Iberischen Halbinsel, konnte die königliche Macht weiter gefestigt werden. Diese Bemühungen fanden 1492 nach dem Fall Granadas zunächst in der politischen Vereinigung aller Gebiete Spaniens ihren Höhepunkt. Danach wurde die religiöse Einheitlichkeit erzwungen. Die verbliebenen Mauren und Juden mussten zum christlichen Glauben konvertieren oder wurden des Landes verwiesen. Allein von den Juden wählten etwa 150 000 den letzteren Weg. Die größten historischen Konsequenzen hatte jedoch eine zunächst scheinbar unbedeutende Handlung, nämlich die finanzielle Unterstützung von Christoph Kolumbus bei seiner Suche nach einer westlichen Route nach Indien.

Die Entstehung einer Weltmacht
Die neue Stärke Kastiliens wurde durch die Tatsache offenbar, dass dieses Land in der Lage war, ein riesiges Imperium in Übersee aufzubauen und gleichzeitig die Vorherrschaft in Europa zu übernehmen. Die Reisen des Kolumbus, die für große Aufregung sorgten, brachten in den nächsten zwei Jahrzehnten lediglich enttäuschende Resultate. Dann begann die spektakuläre Expansion Spaniens auf dem amerikanischen Kontinent. Die bedeutendsten Ereignisse waren die Zerstörung des Aztekenreiches in Mexiko durch Hernán Cortés von 1519 bis 1521 und die Eroberung des Inkareiches von Peru durch Francisco Pizarro von 1531 bis 1533. Bis zu den fünfziger Jahren des 16. Jahrhunderts hatte Spanien die Kontrolle fast auf dem gesamten südamerikanischen Kontinent, in Mittelamerika, Florida, Kuba sowie in Asien und auf den philippinischen Inseln übernommen. Durch die Entstehung dieses Reiches konnte das Christentum erstmalig über den Atlantik vordringen. Außerdem gelangten auf diesem Wege gewaltige Reichtümer nach Spanien, als in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts die großen Silber- und Goldminen entdeckt wurden.

Spaniens Expansion in Europa begann kurz bevor das Land über diese immensen Reichtümer verfügen konnte. Seinen Aufstieg zu einer der europäischen Großmächte verdankte Spanien hauptsächlich König Ferdinand, der eine brillante Diplomatie, hervorragende militärische Kommandeure und die neuen Techniken, die während des Krieges gegen Granada erfunden worden waren, zu nutzen wusste. Der wichtigste Gegner war Frankreich, sowohl entlang der Grenze, welche die beiden Staaten trennte, als auch in Italien, wo die traditionellen Interessen Aragoniens durch die französischen Bemühungen, die Halbinsel zu kontrollieren, bedroht wurden. Die Auseinandersetzungen begannen mit einer erfolgreichen Kampagne 1495 bis 1497 im Süden Italiens und dauerten mit einigen Unterbrechungen fast zwei Jahrzehnte an, bis Ferdinand starb. Zu diesem Zeitpunkt hatte Spanien Süditalien, die gesamte Region von Navarra südlich der Pyrenäen und die Regionen von Cerdagne und Roussillon weiter nördlich unter seine Kontrolle gebracht. Ferdinand gelang es auch, strategische Bündnisse mit anderen Königshäusern zu schaffen, die Frankreich gegenüber feindlich gesinnt waren. Eine seine Töchter verheiratete er mit einem englischen Thronerben und eine andere, Johanna, mit dem Habsburger Philipp von Burgund, dem späteren König Philipp I. von Kastilien. 1504 fanden die Expansionsbestrebungen mit dem Tod Isabellas im Prinzip ein Ende. Die Krone Kastiliens ging an Johanna über, die dem Wahnsinn verfiel. Ferdinand, in Sorge um die Aufrechterhaltung der Einheit von Kastilien und Aragonien, versuchte die Regentschaft zu übernehmen. Er wurde aber von Philipp überlistet, der mit der Unterstützung der kastilischen Adeligen an Stelle seiner Frau die Herrschaft übernahm. 1506 starb Philipp jedoch, und wiederum übernahm Ferdinand die alleinige Führung der beiden Königreiche. Ferdinand starb 1516. Nachfolger wurde sein Enkelsohn Karl, Sohn Johannas und Philipps, der als legaler Erbe beider Königreiche der erste König eines vereinigten Spaniens wurde.

Karl V.
Durch die Thronbesteigung Karls gelangte die Habsburger Dynastie auch in den Besitz des spanischen Throns. Karl war der mächtigste christliche Monarch seiner Zeit. Zusätzlich zu Spanien und dessen Besitzungen in Italien und Amerika übernahm er seitens seines Vaters als Erbe die Niederlande und das Burgund. Er verfügte auch über starke Verbindungen zur österreichischen Linie des Habsburger Hauses, und 1519 wurde er als Karl V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Karl war in Flandern aufgewachsen und der spanischen Sprache nicht mächtig. Daher versuchte er, Spanien mit Hilfe ausländischer Berater zu regieren. Der spanische Unwille gegen diese Politik wuchs, und 1520 bis 1521 kam es in Toledo, Segovia und anderen kastilischen Städten zu Aufständen, deren Hintergrund die Forderungen nach größerer Freiheit der städtischen Verwaltungen waren. Die Unruhen wurden mit Hilfe des Adels niedergeschlagen, und es sollte drei Jahrhunderte dauern, bis erneut der Unmut gegen den königlichen Absolutismus in Spanien zum Ausbruch kam. Obwohl Karl sich weiterhin die meiste Zeit außerhalb von Spanien aufhielt, erfreute er sich doch zunehmender Popularität bei seinen spanischen Untertanen. Dieses offensichtliche Paradoxon lässt sich mit dem großen Wohlstand Kastiliens während seiner Regentschaft erklären, der teilweise auf die Reichtümer zurückzuführen war, die aus den amerikanischen Kolonien hierher gelangten. Gleichzeitig reflektierte dieser auch das Wachstum der Produktion und der Bevölkerung sowie den Stolz auf die großen kaiserlichen Errungenschaften Spaniens. Mit der Unterstützung Karls führten Cortés, Pizarro und andere während seiner Regentschaft weitere Forschungs- und Eroberungsexpeditionen in Amerika durch. Die antifranzösische Strategiepolitik Ferdinands wurde in einer Reihe von Kriegen fortgeführt (1521-1529, 1535-1538, 1542-1544, 1551-1559), aus denen Spanien letztendlich als vorherrschende Macht sowohl in Nord- als auch in Süditalien hervorging. Karl stand an der Spitze der katholischen Bemühungen, die erst eine Versöhnung und später die Unterdrückung der protestantischen Reformation, die sich über Nordeuropa ausbreitete, anstrebten. Im Süden entsandte er Kriegstruppen gegen Tunesien (1535) und Algerien (1541), um den westlichen Mittelmeerraum gegen die türkischen Expansionsbestrebungen zu schützen.

Philipp II.
1556 überließ Karl den spanischen Thron seinem Sohn, Philipp II., der in der langen Abwesenheit Karls bereits die Regierungsgeschäfte geführt hatte. Als Philipps Regentschaft begann, herrschte Ruhe in Spanien. Das amerikanische Imperium war nun vollkommen gefestigt, und unvorstellbare Mengen an Silber flossen nach Kastilien. Die erschöpfenden Kriege mit Frankreich fanden im Frieden von Cateau-Cambrésis 1559 ein vorläufiges Ende, und für die nächsten vier Jahrzehnte wurde Frankreich von tief greifenden religiösen Konflikten erschüttert, die es dem Land unmöglich machten, auch noch spanische Interessensgebiete anzugreifen. Damit brach Spaniens „goldenes Zeitalter" der Kunst und Kultur an, das ein Jahrhundert andauern sollte. 1571 übernahm Spanien die Führung der Heiligen Liga, die in der Schlacht von Lepanto den Türken eine vernichtende Niederlage beibrachte. Damit war die türkische Seemacht auf Dauer gebrochen. Als König Heinrich von Portugal neun Jahre später starb, konnte Philipp auch hier die seitens seiner Mutter legalisierten Ansprüche auf den portugiesischen Thron erheben. Rivalisierende Mitbewerber wurden überwältigt, und der Unwille des portugiesischen Volkes gegen eine Fremdherrschaft wurde mit Hilfe von Konzessionen besänftigt. Durch die Vereinigung Spaniens mit Portugal, das Territorien in Asien, Afrika und Brasilien besaß, entstand das bedeutendste Imperium der Welt, das auch von der Ausdehnung her das größte war.

Die Auseinandersetzungen nahmen jedoch weiterhin zu. Philipp war auf seine Treue zum römischen Katholizismus und die Aufrechterhaltung der absolutistischen Macht bedacht. Die Kombination dieser politischen Prinzipien hatte eine verhängnisvolle Entwicklung in den Niederlanden zur Folge. Philipps Verfolgung der Protestanten und seine Versuche, die Niederlande ohne Berücksichtigung ihrer traditionellen Rechte wie eine Provinz Spaniens zu regieren, führten 1566 zu offenen Aufständen. Diese Konflikte dauerten ein halbes Jahrhundert an und erschöpften die Reserven Spaniens. Sie hatten außerdem den Krieg mit England zur Folge. Unter Königin Elisabeth I. entwickelte sich England zu einer protestantischen Macht, deren Außenpolitik die inoffizielle Unterstützung der niederländischen Rebellen sowie der englischen Seefahrer beinhaltete, die ständige Vorstöße gegen die spanischen Kolonien und die Silberflotten in Amerika unternahmen. Philipp entsandte 1588 eine riesige Flotte gegen England, aber die große spanische Armada wurde im Ärmelkanal vernichtend geschlagen. Die meisten der Schiffe, die diese Schlacht überstanden hatten, sanken bei einem Sturm vor den Hebriden. In der Zwischenzeit hatte sich die Situation im eigenen Land zunehmend verschlechtert. Die Reichtümer, die aus den amerikanischen Kolonien kamen, reichten allein für die Finanzierung der spanischen Kriege nicht aus. Die Besteuerung wurde extrem verschärft, und der Staat kam seinen Verpflichtungen aus Darlehen nicht mehr nach. Auch die Epidemien, die in Spanien in den neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts um sich griffen und zu einer drastischen Reduzierung der Bevölkerung führten, hatten eine zunehmende wirtschaftliche Instabilität zur Folge. Als Philipp zusätzlich auch noch die Inquisition verstärkte, verschloss sich auch die Intelligenz in erhöhtem Maße den Strömungen eines neuen Denkens. Als Philipp 1598 starb, hinterließ er ein Land, das international an Bedeutung verloren hatte.

Krise und Niedergang
Philipp III. beendete die Auseinandersetzung mit den Niederlanden und schränkte auch die anderen Unternehmungen Spaniens auf ausländischem Boden ein. 1609 verwies er etwa 250 000 Morisken (christianisierte Mauren) des Landes, was eine weitere Abnahme der Bevölkerung sowie eine Erschütterung der Wirtschaft Spaniens zur Folge hatte. Philipp IV., der nach dem Tod seines Vaters 1621 den Thron bestieg, zog die Kultur der Politik vor. Unter seiner Regentschaft erreichte das goldene Zeitalter Spaniens seine höchste Blüte. Die Regierungsgeschäfte übertrug er Gaspar de Guzmán, Graf von Olivares. Dieser versuchte, Spaniens Macht im Ausland wieder herzustellen und sogar noch zu erweitern. Er nahm den Krieg gegen die Niederlande wieder auf, griff in den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ein und geriet dadurch nach 1635 in eine offene Auseinandersetzung mit Frankreich. Obwohl sich die militärischen Bestrebungen Spaniens im Ausland anfangs recht erfolgreich gestalteten, konnten sie vom eigenen Land nicht länger getragen werden. Olivares verschärfte weiterhin die Besteuerung, und als er die allgemeine Wehrpflicht einführte, kam es 1640 erst in Katalonien und dann in Portugal zu Aufständen. Mit den chaotischen Zuständen im eigenen Land scheiterte Spanien auch zusehends im Ausland. Olivares wurde seines Amtes enthoben, aber der Geist der Revolutionen und Kriege, die durch seine Politik entfacht worden waren, spukte in Spanien noch die nächsten drei Jahrzehnte. Katalonien wurde 1652 wieder annektiert, aber 1648 musste Spanien die Unabhängigkeit der Niederlande anerkennen. Roussillon und Cerdagne gingen 1659 wieder an Frankreich über und 1668 spaltete sich auch Portugal endgültig von Spanien ab. Eine weitere Schwächung erlitt Spanien durch die rapide Ausbeutung der Silberminen in Amerika, die nach 1640 zu versiegen begannen. Damit nahm wirtschaftlich, politisch und kulturell die lange Epoche des Niedergangs Spaniens ihren Anfang. Auch der neue Regent, Karl II., war aufgrund körperlicher Gebrechen und geistiger Schwäche nicht in der Lage, diese Entwicklung durch eine effektive Regierung aufzuhalten. Durch eigennützige Zwistigkeiten im Inneren erschüttert, wurde Spanien durch die verlorenen Kriege im Ausland noch weiter geschwächt.

Mit dem Tod Karls erlosch die männliche Linie der spanischen Habsburger. Karl verfügte testamentarisch, dass der Thron an seinen Großneffen, Philipp V., Herzog von Anjou und Enkelsohn des Bourbonenkönigs Ludwig XIV. von Frankreich, überging, der zu seiner Zeit der mächtigste Monarch war. Die meisten der europäischen Herrscherhäuser waren von der Übernahme der noch immer unfangreichen Territorien Spaniens durch die Bourbonen alarmiert. Sie unterstützten deshalb die Habsburger Thronansprüche, die der jüngere Sohn des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Leopold I., repräsentierte. England, die Niederlande, Österreich, Preußen und verschiedene kleinere Staaten schlossen sich zu einer Koalition gegen Ludwig XIV. zusammen. 1701 begann der Spanische Erbfolgekrieg. 1711 drohte durch die Unterstützung der Habsburger Ansprüche auch das europäische Kräftegleichgewicht aus den Fugen zu geraten. Karl VI. wurde nach dem Tod seines Bruders Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und erbte die österreichischen Besitzungen. Im Frieden von Utrecht fand man 1713 eine Kompromisslösung. Die meisten der europäischen Besitzungen außerhalb Spaniens wurden an Österreich abgetreten, aber dafür wurde der Bourbone als König Philipp V. von Spanien anerkannt. Die Kolonien in Übersee blieben ihm erhalten.

Die ersten Bourbonen
Die bourbonische Herrschaft war von tief greifenden Veränderungen und einer internen Entwicklung Spaniens gekennzeichnet. Philipp, der durch die Schule des Absolutismus Ludwigs XIV. gegangen war, brachte Katalonien und Aragonien, die noch immer ihren Status als unabhängige Staaten aus dem Mittelalter aufrechterhielten, unter die bürokratische Zentralgewalt. Die administrativen und steuerlichen Reformen der Bourbonenkönige verbesserten die Effektivität der Regierung und reduzierten die Privilegien der Kirche und des Adels. Umfangreiche Programme für öffentliche Arbeit wurden ins Leben gerufen, und Handel, Industrie und Landwirtschaft erhielten die Unterstützung und Förderung des Königshauses. So wie das Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung zunahm, erfuhr auch das intellektuelle Leben wieder einen Aufschwung. Die amerikanischen Kolonien wurden umstrukturiert und die Handelsbeziehungen Spaniens zu diesen Gebieten ausgebaut.

Die Außenpolitik der ersten Bourbonen war durch ein enges Bündnis mit Frankreich charakterisiert. In Bezug auf die Stellung als Seemacht wie auch beim Kampf um die Kolonien war Großbritannien nach wie vor der Hauptgegner Spaniens. Spanien griff auf der Seite von Frankreich gegen Österreich in die Polnischen Erbfolgekriege (1733-1735) und in den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-1748) ein. Im Ergebnis dieser Auseinandersetzungen konnte Spanien seinen Einfluss in den italienischen Gebieten, den es 1713 verloren hatte, wieder geltend machen. 1762 kämpfte Spanien an der Seite Frankreichs im Siebenjährigen Krieg gegen Großbritannien. Als die Briten gewannen, verlor Spanien zwar Florida, erhielt dafür aber als Ausgleich von Frankreich Louisiana zugesprochen. Die beiden Nationen verbündeten sich 1779 erneut, um während des Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges gegen Großbritannien zu kämpfen. Durch den Vertrag von Versailles erhielt Spanien 1783 Florida zurück. Die spanische Präsenz erstreckte sich nun auch größtenteils über den nordamerikanischen Kontinent. Unter Karl III., einem aufgeklärten Herrscher, dem das Land zahlreiche innen- und außenpolitische Errungenschaften verdankte, kehrte Spanien zum Teil zu seiner früheren Größe zurück.

Auswirkungen der Französischen Revolution
Der nächste König, Karl IV., war ein schwacher Herrscher. Besonders nach 1792, als er die Regierungsgeschäfte Manuel de Godoy übertragen hatte, wurde er zunehmend ein Opfer von Intrigen und Korruption. Die außergewöhnlichen Umwälzungen, die als Folge der Französischen Revolution 1789 in ganz Europa zu spüren waren, hatten besonders für Spanien negative Auswirkungen. Die Befürchtungen, dass die revolutionären Ideen in Spanien Fuß fassen könnten, ließen das Land wieder in die Zeit der gewaltsamen Unterdrückungspolitik zurückfallen. 1793, nachdem der französische Bourbonenkönig hingerichtet worden war, verbündete sich Spanien mit anderen europäischen Mächten und erklärte der revolutionären Regierung den Krieg. Doch schon bald darauf, als die französischen Armeen plündernd durch die nördlichen Provinzen zogen, musste sich das Land geschlagen geben. Als die revolutionären Leidenschaften in Frankreich abklangen, wechselte Godoy 1796 erneut den Kurs und bildete wieder eine Allianz gegen Großbritannien. Der britischen Übermacht zur See war man jedoch nicht gewachsen, und so wurde Spanien für das nächste Jahrzehnt von den amerikanischen Kolonien abgeschnitten, was für die Wirtschaft katastrophale Folgen hatte. Noch verheerendere Folgen brachte die veränderte Stellung Frankreichs mit sich, das eher wie ein Gebieter, denn wie ein Verbündeter agierte. Bereits 1799 hatte Napoleon faktisch das gesamte Land unter seine Kontrolle gebracht. Louisiana wurde 1800 wieder an Frankreich abgetreten, und durch den 3. Koalitionskrieg (Spanien verlor 1805 in der Schlacht von Trafalgar seine gesamte Flotte) wurde das Land zu einer Marionette Frankreichs (siehe Koalitionskriege). Der Unwille des spanischen Volkes wuchs ständig an, und im März 1808 wurde Godoy gestürzt. Karl dankte zugunsten seines Sohnes Ferdinand ab. Napoleon, der bereits fest entschlossen war, die direkte Kontrolle über Spanien zu übernehmen, nutzte die Wirren der Situation aus, zwang Ferdinand und Karl zum Verzicht auf die spanische Krone und setzte seinen Bruder, Joseph Bonaparte, auf den Thron.

Unabhängigkeitskrieg
Das spanische Volk lehnte es ab, Joseph als König anzuerkennen. Es begann den Widerstand gegen die französische Besatzung mit Hilfe britischer Truppen zu organisieren. In Großbritannien wurde dieser Konflikt unter dem Namen Halbinselkrieg bekannt, da auch Portugal darin verwickelt war. Bis Januar 1810 hatten die Franzosen die spanischen Hauptarmeen vernichtet und das Land größtenteils in ihre Gewalt gebracht. Die Spanier organisierten sich in Guerillabanden und führten einen effektiven Kleinkrieg gegen die französischen Truppen. Damit konnten sie einerseits die Vernichtung der britischen Armee in Portugal und andererseits die vollständige Übernahme Spaniens verhindern. Dadurch wurde auch das Treffen der Nationalversammlung ermöglicht, das 1810 bis 1813 in Cádiz stattfand. Die Versammlung verabschiedete eine Verfassung, welche die absolutistische Herrschaft beendete, etablierte eine parlamentarische Regierung, leitete die Abschaffung der Inquisition ein, beschränkte die Macht von Adel und Klerus und beschloss weitere Reformen. Die Verfassung, die für ihre Zeit überaus fortschrittlich war, wurde zur entscheidenden Kernfrage der nachfolgenden Politik Spaniens. Sechs lange Kriegsjahre fügten der Wirtschaft Spaniens einen immensen Schaden zu. Außerdem begannen die amerikanischen Kolonien ihre Unabhängigkeit zu fordern. 1826 standen nur noch Kuba und Puerto Rico unter spanischer Vorherrschaft. Die Kolonien auf dem Festland hatten alle ihre Freiheit erlangt, und damit konnte Spanien auch nicht mehr auf deren Ressourcen zurückgreifen.

Die Krise der Monarchie
Ferdinand VII. kehrte nach dem Sieg über Napoleon 1814 nach Spanien zurück. Er hob die Verfassung von Cádiz auf, führte die absolutistische Herrschaft wieder ein und verstärkte den politischen Druck auf die Liberalen. Sechs Jahre später brach eine Revolution unter der Führung von Armeeoffizieren aus, die die Verfassung erneut in Kraft setzten. Die Liberalen waren aber nicht in der Lage, eine effektive Herrschaft zu errichten, und Spanien blieb weiterhin politisch geteilt. Da die Mitglieder der Heiligen Allianz eine Ausweitung der Revolution in Europa fürchteten, wurden 1823 französische Truppen mit dem Sturz des liberalen Regimes beauftragt. Damit kehrte Ferdinand als Vertreter des Absolutismus an die Macht zurück.

Der Karlistenkrieg
Ferdinand, der ohne männlichen Erben geblieben war, bestimmte 1831 seine noch unmündige Tochter Isabella zu seiner Nachfolgerin. Sein Bruder Carlos wandte sich jedoch an die politischen Extremisten. 1833 legten diese fest, dass eher Carlos als Isabella II. einen legalen Anspruch auf das Thronerbe habe. Dieser Konflikt innerhalb des Herrscherhauses endete in einem Bürgerkrieg, in dem die Karlisten gegen die so genannten Cristinos kämpften, den Anhängern von Isabellas Mutter Maria Christina, die zu dieser Zeit die Regentschaft innehatte. Um den Sieg über die Liberalen nicht zu gefährden, erließ Maria Christina 1834 an Stelle einer Verfassung eine königliche Charta. Die Karlisten wurden vor allem von den ländlichen Gebieten im Norden Spaniens (besonders den Baskenprovinzen und Katalonien) unterstützt, in denen der Klerus noch immer einen großen Einfluss hatte und die zentralistische Gewalt vollkommen abgelehnt wurde. Die fortschrittlicher orientierten Regionen Spaniens wandten sich gegen die Karlisten, ebenso Portugal, Großbritannien und Frankreich, die den Cristinos Hilfe zusicherten. Nach langen Kämpfen erlitten die Haupttruppen der Karlisten 1839 eine entscheidende Niederlage. Der endgültige Sieg konnte nur langsam errungen werden, da der anhaltende politische Konflikt auch die Gegner der Karlisten geschwächt hatte. Volksunruhen zwangen Maria Christina 1837, eine liberalere Verfassung als die Charta von 1834 zu garantieren. Ihr Hof war von Intrigen zerrüttet, und sie versuchte, die politischen Kräfte zu ihrem eigenen Vorteil zu lenken. 1840 trat Maria Christina nach einer gemeinsamen militärisch-bürgerlichen Revolte von der Regentschaft zurück und verließ Spanien. 1843 wurde Isabella für mündig erklärt.

Uneinigkeit und Krise
Die Regentschaft Isabellas war von ständigen Machtkämpfen zwischen den progressiven und den konservativen Kräften gekennzeichnet. Als Günstlinge des Hofes regierten zwischen 1843 bis 1866 meist die Konservativen das Land. Isabellas absolutistische Tendenzen sowie ihre Inkompetenz führten zu einer Verbündung aller Hauptparteien. Die Folge war die „Glorreiche Revolution" von September 1868, die mit dem Sturz Isabellas endete.

Die Revolution, die ihren Höhepunkt in der demokratischen Verfassung von 1869 fand, wurde jedoch bald wieder von Konflikten überschattet. Kuba erhob sich gegen die spanische Vorherrschaft (siehe Zehnjähriger Krieg). Mehrere ausländische Prinzen verweigerten die Annahme der spanischen Krone. Amadeus, Sohn König Victor Emmanuels II. von Italien, akzeptierte das Angebot im Dezember 1870. Die Karlistenbewegung lebte wieder auf, und auch eine radikale föderalistische Republikanerbewegung konnte Fuß fassen. Der König stand unter dem Druck der Armee und sah sich politischen Intrigen, sozialen Konflikten und der feindseligen Haltung des Volkes gegenüber. Ein erneuter Karlistenkrieg und der kubanische Aufstand veranlassten Amadeus im Februar 1873 zur Abdankung. In Ermangelung möglicher Alternativen rief das Parlament in Spanien die Erste Republik aus. Es folgte eine Periode der politischen Anarchie. Die Republikaner waren in der Minderheit und untereinander tief gespalten. Die Radikaleren unter ihnen versuchten, ihr Programm einer extremen Dezentralisierung mit Gewalt durchzusetzen. Durch die Intervention der Armee konnte diese instabile Balance bis Dezember 1874 aufrechterhalten werden. Dann putschte eine Gruppe von Generälen gegen die Republik und setzte die Bourbonenmonarchie wieder ein. Als König bestieg Alfons XII., Isabellas Sohn, den Thron.

Restauration der Monarchie
Die Regierung war fest entschlossen, die Fehler der vorangegangenen Jahre nicht zu wiederholen. Die neue Verfassung von 1876 war flexibler ausgelegt als frühere Dokumente. Konservative und liberale Parteien wechselten sich im Amt ab, und sowohl der Hof als auch die Armee durften nicht mehr in die Politik eingreifen. Unter diesen neuen Bedingungen gelang es recht schnell, die Aufstände der Karlisten (1876) und der Kubaner (1878) niederzuwerfen. Zwei Jahrzehnte lang genoss Spanien die größte politische Stabilität und den höchsten wirtschaftlichen Wohlstand seit dem 18. Jahrhundert. 1895 brachen in Kuba erneut Unruhen aus, diesmal in weit größerem Ausmaß als die Aufstände von 1868 bis 1878. Die Rebellen erhielten Unterstützung von den Vereinigten Staaten von Amerika. 1898 brach in Folge dieser Auseinandersetzungen der Spanisch-Amerikanische Krieg aus. Vernichtend geschlagen zog sich Spanien aus Kuba zurück und musste auch Puerto Rico, Guam und die philippinischen Inseln an die Vereinigten Staaten abtreten.

Nach dieser Niederlage wurden auch die Anti-Dynastie-Bewegungen wieder lauter. Die republikanischen Parteien wurden erneut ins Leben gerufen, und unter den Landarbeitern Andalusiens und den Industriearbeitern Barcelonas konnte eine starke anarchistische Bewegung an Einfluss gewinnen. In den Fabriken und Minen der baskischen Regionen und Asturiens nahm eine kleine, aber solide fundierte sozialistische Bewegung ihre Arbeit auf, und regionalistische Gesinnungen wuchsen zu Forderungen nach Autonomie. Auch innerhalb der Regierungsparteien kam es zu Konflikten. Als der Konservative Antonio Maura 1907 sein Amt antrat, entfernte er sich durch seine herrschsüchtige Politik weitgehend von den Liberalen. 1909 bemühte Maura sich um die Wiederaufnahme der militärischen Operationen Spaniens gegen Marokko, für die er Arbeiter aus Barcelona, der unbeständigsten Stadt Spaniens, rekrutierte. Es entflammte eine blutige Rebellion, die Mauras Karriere zerstörte und den Klassenantagonismus vertiefte. Maura wurde durch eine liberale Regierung unter José Canalejas y Méndez ersetzt, aber als dieser im November 1912 ermordet wurde, brach man auch seine Reformprogramme ab.

1. Weltkrieg
Ungeachtet des Druckes von außen, in den 1. Weltkrieg einzugreifen, blieb Spanien neutral. Das Land erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die verschiedenen Industriezweige, Minen und landwirtschaftlichen Betriebe verkauften noch nie erreichte Mengen ihrer Produkte zu Rekordpreisen ins Ausland. Zur gleichen Zeit nahm die Inflation zu, und die Arbeiter verstärkten ihre Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen. Die Armee klagte über ungerechte Entlohnung und andere Missstände. Militärjuntas wurden gebildet, um den Forderungen gegenüber dem Staat mehr Nachdruck zu verleihen. In Katalonien agitierten Regionalpatrioten gegen die Fremdherrschaft. Auch die republikanischen Parteien gewannen in allen Gebieten Spaniens an Einfluss. Anfang 1917 entstand eine Krisensituation, für die mehrere dieser Bewegungen verantwortlich waren. In Barcelona und anderen Städten fanden Demonstrationen statt, die in den städtischen Terrorismus der Anarchosyndikalisten (siehe Syndikalismus) ausarteten. Nach 1919 weitete sich die Krise zu einem Unabhängigkeitskampf im spanisch besetzten Sektor von Marokko aus. Der marokkanische Krieg verschlang immense Summen. Auf besondere Ablehnung stieß er, als die Rebellen den spanischen Truppen im Juli 1921 bei Anual eine vernichtende Niederlage beibrachten.

Primo de Riveras Diktatur
Im September 1923 führte General Miguel Primo de Rivera einen Militärputsch, der die weit verbreitete Enttäuschung über die parlamentarische Regierung zum Ausdruck brachte. Statt sich zu widersetzen, akzeptierte König Alfons XIII. den Putsch und ernannte Primo de Rivera zum Regierungsoberhaupt. Die Cortes wurden aufgelöst, und ein Militärdirektorium übernahm die Regierungsgeschäfte. Obwohl es nur wenige Verhaftungen und selten den Einsatz von Polizei- oder Armeegewalt gab, wurden die politischen Parteien verboten, und Katalonien wurden die wenigen Privilegien einer eigenen Verwaltung, die es bisher durchgesetzt hatte, wieder aberkannt. Die sozialistischen Gewerkschaften setzten jedoch ihre Tätigkeit fort. Primo de Rivera bestand darauf, dass seine Diktatur nur eine zeitweilige Maßnahme sei. Eine seiner wichtigsten Errungenschaften war die Beendigung des kostenintensiven Marokkokrieges, die er 1926 mit französischer Hilfe erreichte. Das Hauptanliegen der neuen Zivilregierung, die er ernannte, war die wirtschaftliche Entwicklung. Ein ausgedehntes Netzwerk an Straßen wurde angelegt, und man begann mit dem Bau der großen Bewässerungsanlagen. Von 1928 bis 1929 verstärkte sich die Opposition gegen seine Regierung, zum Teil aufgrund seiner ausgefallenen Fiskalpolitik. Im Januar 1930 akzeptierte Alfons den Rücktritt Primo de Riveras. Aber die Lasten, die die Diktatur nach sich zog, hatten die Krone geschwächt. Auch die konservativen Politiker entzogen der Monarchie zu dieser Zeit ihre Unterstützung. Alfons hatte sie durch die Anerkennung der diktatorischen Herrschaft verraten. Die sozialistischen, anarchosyndikalistischen und die katalanischen regionalpatriotischen Bewegungen begannen mit den Republikanern zu kooperieren, ebenso wie zahlreiche ehemalige Monarchisten und Armeeoffiziere. Die Versuche, die Monarchie im Dezember 1930 mit Gewalt zu stürzen, schlugen fehl. Aber bei den Landeswahlen im April 1931 erreichten die republikanischen Kandidaten in den Stadtgebieten eine derartige überwältigende Mehrheit, dass Alfons daraufhin Spanien verließ. Die Zweite Spanische Republik wurde mit Niceto Alcalá Zamora y Torres als Präsident ausgerufen.

Zweite Spanische Republik
Die neue Republik fand eine breitere Unterstützung als ihre Vorgängerin von 1873 bis 1874. Allerdings hofften einige ihrer frühen Anhänger darauf, dass sie eine konservative Richtung einschlagen werde, während andere wiederum revolutionäre Veränderungen erwarteten. Unglücklicherweise entstand die Republik zu einer Zeit, die nicht nur von einer tiefen weltweiten wirtschaftlichen Depression gekennzeichnet war, sondern auch von tief greifenden ideologischen Konflikten, die ganz Europa ergriffen. Zuerst wurde eine Koalition von republikanischen Parteien des linken Flügels und der Sozialisten unter Manuel Azaña gegründet, die der Republik eine progressive Nuance verlieh. Die Fälschung von Wahlen und andere korrupte Praktiken der Monarchie wurden abgeschafft, Frauen erhielten das Wahlrecht, Katalonien wurde die Autonomie garantiert, und das Prinzip der Eigenverwaltung wurde auch auf die baskischen Provinzen ausgedehnt. Grundlegende Sozialreformen wurden durchgeführt und die Besteuerung nach neuen, gerechteren Prinzipien geregelt. 1932 begann man im Rahmen einer Agrarreform mit der Aufteilung des großen Grundbesitzes im Süden Spaniens an die Bauernschaft. Ein umfangreiches Programm zur Bewässerung und anderen öffentlichen Arbeiten wurde in Angriff genommen. Das Bildungswesen wurde der Obhut des Staates anvertraut, der Jesuitenorden aufgelöst und die Trennung von Kirche und Staat verfügt. Dieses ehrgeizige Programm war nur unter großen Schwierigkeiten in die Tat umzusetzen. Im Laufe der Zeit verbündeten sich viele der Gruppen, die anfänglich die Republik akzeptiert hatten. Azañas Koalition begann 1933 zu zerfallen. Die Gemäßigten empfanden das Tempo der Sozialreformen als zu rapide. Die Sozialisten vertraten die Meinung, die Reformen würden nicht entschlossen genug durchgeführt. Auch die Opposition der römischen Katholiken, die den republikanischen Antiklerikalismus ablehnten, verschärfte sich. Und unter den Radikalen wurden die Forderungen nach einer sofortigen sozialen Revolution laut.

In den Wahlen vom November 1933 gewannen die Parteien des rechten Flügels sowie die Zentrum-Mitte-Parteien die Mehrheit. Das Ergebnis war eine erneute Orientierung der Macht am rechten Flügel, die antiklerikalen Maßnahmen wurden abgeschwächt und die Agrarreform sowie andere soziale Gesetze teilweise wieder rückgängig gemacht. Die linksgerichteten Kräfte reagierten auf die Änderungen mit entschiedener Heftigkeit. Die Spannungen entluden sich im Oktober 1934, als unter der Führung der Sozialisten ein Aufstand der Arbeiter in Asturien begann. Katalonien proklamierte seine Unabhängigkeit von Madrid. Nach zwei Wochen verheerender Kämpfe wurde der Aufstand in Asturien niedergeschlagen. In der Folgezeit erlebte die Politik einen weiteren Rechtsruck, der allerdings nur negative Auswirkungen hatte. Ende 1935 spaltete sich die regierende Koalition.

Bei den Wahlen im Februar 1936 errang eine neue, linksgerichtete Koalition, die Volksfront, einen knappen Sieg. Diese Koalition, die ebenfalls unter der Leitung von Azaña stand, war weniger gemäßigt als die vorhergehende. Dies war einerseits darauf zurückzuführen, dass die Sozialisten eine radikalere Richtung eingeschlagen hatten, und andererseits gehörten auch die Kommunisten zu dieser Regierung. Die linksgerichteten Reformen in der Gesetzgebung wurden wieder aufgenommen und von Azaña mit großem Nachdruck durchgesetzt. Die Spannungen gipfelten in Straßenschlachten zwischen rivalisierenden Gruppen, die sich immer weiter ausbreiteten, die Bauern nahmen die Landgüter in Besitz, und Spanien wurde von einer Streikwelle überflutet. General Emilio Mola plante eine Verschwörung zum Sturz der Regierung, die bis Anfang Juli schon die Unterstützung von Tausenden von Armeeoffizieren fand.

Bürgerkrieg
Am 18. Juli 1936 begann die Revolte der Militärs gegen die Regierung, die allerdings schon bald in Madrid, Barcelona, Valencia und verschiedenen anderen Städten im Osten und Norden niedergeschlagen wurde. Das Land spaltete sich in zwei Zonen. In der einen, der nationalistischen, zu der im Allgemeinen die ländlichen Gebiete gehörten, fanden die Rebellen Unterschlupf. Die andere umfasste eher die städtischen, industriell geprägten Zentren. Dies war die republikanische bzw. die so genannte Loyalistenzone. Die ständige Verschärfung der Gegensätze löste letztendlich einen langen Bürgerkrieg aus. Anfänglich konnten die Rebellenarmeen erfolgreich vordringen und erreichten im November die Vorstadtbezirke von Madrid. Die Regierung floh in der Annahme, dass die Hauptstadt den Rebellen in die Hände fallen werde, nach Valencia. In langen, heldenhaften Kämpfen konnte Madrid gehalten werden, was es den Loyalisten ermöglichte, den Kampf von hier aus fortzuführen.

Beide Seiten erhielten schon bald Unterstützung aus dem Ausland. Das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland unterstützten die Nationalisten mit Truppen, Waffen und Flugzeugen. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) versorgte die Loyalisten mit militärischer Ausrüstung und Beratern. Auf dieser Seite griffen auch die Internationalen Brigaden ein, eine Kampftruppe, die sich aus idealistischen Freiwilligen aus Europa und Amerika zusammensetzte. Großbritannien und Frankreich blieben neutral.

Die Nationalisten standen in geschlossener Einheit hinter ihren Zielen und fanden in General Francisco Franco einen starken Führer. Die Front der Loyalisten war gespaltener. Zu ihren Truppen gehörten gemäßigte und extreme Sozialisten, katalanische und baskische Regionalpatrioten sowie Kommunisten, die aufgrund ihrer organisatorischen Fähigkeiten und der sowjetischen Hilfe ihre Macht schnell ausweiten konnten. Die Republikaner standen die meiste Zeit des Krieges unter der Führung von Juan Negrin, einem gemäßigten Sozialisten.

Nach ihrem Versagen vor Madrid begannen die Nationalisten von April bis Oktober 1937 mit der Eroberung des Baskenlandes, Asturiens und anderer Industrieregionen im Norden Spaniens, eine Kampagne, die sich als äußerst schwierig erwies. Diese Kampfhandlungen beinhalteten auch die berüchtigte Bombardierung von Guernica durch die Deutschen. Die Loyalisten begannen im Dezember bei Teruel mit der Gegenoffensive. Zu Beginn erfolgreich, wurde diese jedoch bis Februar 1938 zurückgeschlagen. Danach begannen die Nationalisten mit dem Vormarsch und erreichten bis Mitte April das Mittelmeer, wodurch das Gebiet der Republikaner in zwei Teile gespalten wurde. Die Loyalisten attackierten Francos Armeen vom Ufer des Ebro aus und konnten den Vormarsch der Rebellen auf Valencia für einige Monate stoppen. Ihre Truppenverbände waren durch die vielen Schlachten jedoch derart geschwächt, dass sie nicht in der Lage waren, die Erfolge zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Auch mussten sie nach dem Münchner Abkommen jegliche Hoffnung auf eine Unterstützung seitens der Briten oder der Franzosen aufgeben. Als die Rebellen ihre Offensive im Dezember wieder aufnahmen, zogen sich die Loyalisten Richtung Barcelona zurück. Die Stadt fiel am 26. Januar 1939. Gespalten und vollkommen erschöpft waren sie nicht mehr in der Lage, ihren Widerstand fortzusetzen. Madrid wurde am 28. März von den Rebellen eingenommen, und am 1. April wurde der Bürgerkrieg für beendet erklärt.

Das Franco-Regime
Dem verheerenden Krieg folgte ein von ungewöhnlichen Rachegefühlen getragener Frieden. Franco unternahm keinerlei Versuche der nationalen Wiederversöhnung. Die Loyalisten wurden als die „Roten" betrachtet, die eine „antispanische" Gesinnung vertraten. Hunderttausende wurden inhaftiert, und in den ersten vier Jahren nach dem Krieg wurden etwa 37 000 von ihnen hingerichtet. Das spanische Volk hatte unter den Kriegsverwüstungen und der wirtschaftlichen Misere schwer zu leiden. Die meisten der unter der republikanischen Regierung entstandenen Gesetze zugunsten der Arbeiter und Bauern wurden sofort widerrufen. Die bedeutendsten politischen Kräfte dieser Periode wurden durch die Armee, die Kirche (die während des Krieges enge Beziehungen zu Franco aufgebaut hatte) und die Falange verkörpert. Diese kleine spanische faschistische Partei wandelte Franco 1937 in eine offizielle Staatspartei um. Zwischen den Militärs und der Falange kam es häufig zu Auseinandersetzungen, und zu Beginn des 2. Weltkrieges, als das nationalsozialistische Deutschland noch unbesiegbar erschien, versuchte die Falange ihre ideologische Gleichgesinnung mit den Achsenmächten zu nutzen, um sich die Position der dominanten politischen Macht im Lande zu sichern. Bis 1942 war es Franco jedoch gelungen, die vollständige Kontrolle sowohl über die Armee als auch über die Falange zu erlangen. Seine unbeugsamen Führungsmethoden waren auch in den auswärtigen Angelegenheiten allgegenwärtig. Obwohl er mit den Achsenmächten sympathisierte und ihnen aufgrund der Unterstützung während des Bürgerkrieges verpflichtet war, widersetzte er sich auch dem Druck seitens des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler und griff nicht in den Weltkrieg ein.

Mit den zunehmenden Erfolgen der Alliierten begann auch Franco als vorsichtiger, pragmatischer Herrscher seine Politik allmählich zu ändern. Die Inhaftierungen wurden reduziert, und nach 1943 gab es keine Hinrichtungen mehr. Die Bedeutung der Falange verminderte sich, und die faschistischen Symbole, derer sich die Regierung bedient hatte, verschwanden. 1947 wurde in Spanien die Monarchie wieder eingeführt, obwohl kein König den Thron besteigen konnte, es sei denn, Franco starb, würde für unfähig erklärt werden oder aus einem anderen Grund seinen bedeutenden Einfluss verlieren. Doch ungeachtet seiner Reformmaßnahmen bekam Franco in den Jahren nach dem Krieg den Zorn der Alliierten zu spüren. Von 1946 bis 1950 ächteten die Vereinten Nationen (UN) sein Regime. Viele Länder brachen die diplomatischen und andere Beziehungen mit Spanien ab. Im Norden Spaniens kam es unter Mitwirkung Frankreichs erneut zu einem Guerillakrieg. Durch eine schwere Dürreperiode verschlimmerten sich die wirtschaftliche Misere und die Hungersnöte noch weiter, die in Spanien seit 1939 immer wieder ausbrachen.

Die neue Entwicklungsphase Spaniens
Mit Ausbruch des Koreakrieges im Juni 1950 begann man Franco als einen bedeutenden Verbündeten gegen den Kommunismus zu betrachten. Im November wurde der UN-Boykott aufgehoben, US-amerikanische Banken sicherten Spanien Anleihen zu und der Vatikan erkannte die Legitimität des Regimes in aller Öffentlichkeit an. Im September 1953 erhielt Spanien von den Vereinigten Staaten umfangreiche militärische und wirtschaftliche Hilfe. Im Gegenzug verpachtete Spanien eine Anzahl von Luft- und Marinestützpunkten an die USA. Im Dezember 1955 wurde Spanien schließlich in die UN aufgenommen. Die Ursprünge des Franco-Regimes waren noch nicht vergessen worden. Und so verhielten sich viele der europäischen Länder weiterhin ablehnend. Auch wurde Spanien die Mitgliedschaft im Nordatlantikpakt (NATO) verwehrt. Die offenen Feindseligkeiten legten sich jedoch, und Spanien durfte in der internationalen Arena wieder mitwirken.

Auch im eigenen Land war das Regime bemüht, wieder normale Zustände herzustellen. 1952 hatte die landwirtschaftliche und industrielle Produktion wieder ihren Stand von der Vorkriegszeit erreicht. Die Krise von 1955 bis 1956, in der es zu Studentenunruhen und Streikbewegungen der Arbeiter kam, hatte eine weitere Einschränkung der Macht der Falangisten zur Folge. Im Februar 1957 fand eine umfangreiche Umstrukturierung des Kabinetts statt, im Zuge derer sich die Repräsentanz von Arbeitgebern und -nehmern erhöhte. Zeitgleich mit dem Versuch Spaniens, wieder in der Weltwirtschaft Fuß zu fassen, wurden die unzähligen restriktiven staatlichen Kontrollen in der Geschäftswelt abgeschafft. Die Beziehungen auf dem Arbeitsmarkt entspannten sich. Nach den Streiks der Bergarbeiter im März 1958 garantierte das Regime den Arbeitern das Recht, in Bezug auf Löhne und Arbeitsbedingungen direkte Verhandlungen mit den Arbeitgebern aufzunehmen. Ende der fünfziger Jahre ließen die großen Bewässerungsprojekte, die man in früheren Jahren begonnen hatte und die unter Franco weiter ausgebaut worden waren, erste Erfolge erkennen. Der Möglichkeit, diese positiven Entwicklungstrends im Inland durch die Entkolonialisierungskämpfe im Ausland zu gefährden, kam das Regime zuvor, indem es selbst auf seinen Kolonialbesitz in Spanisch-Marokko 1958 verzichtete. Das Jahrzehnt fand 1959 mit der Verkündung des Stabilisierungsplanes seinen Höhepunkt. Verschiedene Sparmaßnahmen brachten sowohl die Arbeiter als auch andere Bevölkerungsschichten in Bedrängnis, trugen allerdings erfolgreich dazu bei, die spanische Wirtschaft unter Kontrolle zu bekommen.

Das Wirtschaftswunder
Ab 1961 fanden noch nie dagewesene sozialökonomische Veränderungen statt. Die Wirtschaft boomte aufgrund des rapiden industriellen Wachstums. Durch die Zunahme des Tourismus und ausländische Investitionen flossen finanzielle Mittel nach Spanien. Hinzu kamen Gelder, welche die spanischen Gastarbeiter im Ausland nach Hause schickten. Durch den zunehmenden Mangel an Arbeitskräften schnellten die Löhne in die Höhe, inoffizielle Gewerkschaften formierten sich, und die Landwirtschaft wurde mechanisiert, um die höheren Lohnkosten auszugleichen. Der größere Wohlstand der Arbeiter brachte wiederum tief greifende soziale Veränderungen mit sich. Es setzte eine umfangreiche Migration von den ländlichen in die städtischen Gebiete ein. Die Zahl der Absolventen von höheren Schulen und Universitäten stieg rasch an. Im Verhältnis zur rasanten Änderung der zeitgenössischen Lebensart wandten sich die Menschen in zunehmendem Maße den intellektuellen, weltlicheren Gütern zu. Das nach 1957 im Wesentlichen pragmatisch und technologisch orientierte Franco-Regime schuf die Rahmenbedingungen, innerhalb derer dieses Wachstum ermöglicht wurde. Das umfangreiche Wohnungsbauprogramm, das von der Regierung gefördert wurde, fing die immensen sozialen Kosten auf, die den Übergang Spaniens von einer ländlichen in eine städtische Gesellschaft begleiteten.

Obwohl diese sozialökonomischen Veränderungen mit einer gewissen politischen Liberalisierung einhergingen, übte die Diktatur auch weiterhin ihre Macht mit dem Mittel der Unterdrückung aus. 1962 rief Franco als Antwort auf die Streiks in Asturien und ein Treffen oppositioneller Kräfte in München das Kriegsrecht aus. 1970 drohten neue Repressionen, als mehrere Mitglieder einer neuen baskischen Separatistenorganisation, der Euzkadi ta Azkatasuna (Baskisches Heimatland und Freiheit, ETA), in Prozessen, die in Burgos stattfanden, zum Tod verurteilt wurden. Teilweise durch den internationalen Druck gab die Regierung in dieser Krise klein bei. Schon bald wurde das Kriegsrecht wieder aufgehoben und die Todesurteile für die Mitglieder der ETA in mildere Strafen umgewandelt. Die Liberalisierung kam auch in einer Reihe von grundlegenden Gesetzen zum Ausdruck, die zwischen 1966 und 1969 verabschiedet wurden. Eines dieser Gesetze erhöhte die Pressefreiheit, ein anderes gestaltete die Cortes repräsentativer und verstärkte deren Macht und in einem dritten wurde der offizielle Status Spaniens als Monarchie anerkannt. In diesem Gesetz wurde Juan Carlos, der Enkelsohn von Alfons XIII., als Nachfolger Francos nach dessem Tod bestimmt. Die allmähliche Liberalisierung machte sich auch im Ausland bemerkbar; die westafrikanische Kolonie Spanisch-Guinea erhielt als Äquatorialguinea 1968 ihre Unabhängigkeit. Sieben Jahre später erklärte die Regierung sich einverstanden, auch Spanisch-Sahara an Marokko und Mauretanien abzutreten.

Die letzten Jahre des Franco-Regimes
Trotz der Liberalisierung und des zunehmenden Wohlstandes fanden die sozialen und politischen Unruhen kein Ende. Obwohl sie weiterhin für illegal erklärt wurden, fanden vom Ende der sechziger bis Anfang der siebziger Jahre in Spanien zahlreiche Streiks statt. Studenten protestierten gegen überfüllte Lehranstalten und die Kontrolle seitens der Regierung. Erneut wurden die katalanischen Regionalpatrioten politisch aktiv. Der mit Abstand bedeutendste Konflikt entwickelte sich im Baskenland, wo die ETA damit begann, Terroristenanschläge auf die Polizei und die Armee zu verüben. Die Regierung antwortete mit wahllosen Repressionen und von 1969 bis 1975 wurden die baskischen Provinzen von dem entsetzlichen Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt ergriffen. Diese Entwicklung stand in scharfem Kontrast zum übrigen Spanien, wo es zwischen Regierung und Opposition relativ selten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam. 1973, als Premierminister Luis Carrero Blanco von der ETA ermordet wurde, war das Regime schwer erschüttert. Doch die Reaktion war diesmal keine erneute Verstärkung der Repressionen. Vielmehr setzte der neue Premierminister Carlos Arias Navarro weitere Liberalisierungsmaßnahmen durch, darunter auch Pläne für die Bildung politischer Vereinigungen, die seit 1939 verboten waren. Diese Entwicklung löste bei den extremen Falangisten, die um die Rückkehr zur unnachgiebigen Diktatur bemüht waren, Revolten aus. Für eine kurze Zeit schien es, als seien sie erfolgreich. Die Reformversuche von Arias wurden sabotiert, und es wurde ein Gesetz verabschiedet, das für Terroristen, die Polizisten getötet hatten, die Todesstrafe forderte. Im September 1975 wurden fünf dieser Terroristen hingerichtet. Die Gefahr einer eventuell weiteren Bewegung nach rechts in der Politik wurde am 20. November 1975 mit dem Tod Francos gebannt.

Die Wiederherstellung der Demokratie
Auf Francos Tod und die Thronbesteigung durch König Juan Carlos I. folgten mehrere Monate politischer Mehrdeutigkeit. Der neue König bemühte sich um die volle Demokratisierung, aber viele der mächtigen Interessengemeinschaften arbeiteten gegen diese Veränderungen. Andererseits erschienen die Reformmaßnahmen, die unter der Diktatur als gewagt galten, vielen Menschen nun als unzulänglich. Im Juli 1976 gelang es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, als Navarro auf Ersuchen von Juan Carlos zurücktrat. Dieser ernannte Adolfo Suárez González zum neuen Premierminister. Als gemäßigter Falangist wurde Suárez zum bedeutendsten Architekten der Übergangsperiode Spaniens zur Demokratie. Suárez überzeugte die Cortes davon, die restriktive Gesetzgebung Francos zu annullieren und das politische Reformgesetz anzuerkennen, das im Dezember 1976 durch ein Referendum angenommen wurde. Trotz scharfer Proteste seitens der Armee legalisierte er im April 1977 die Kommunistische Partei. Im Juni bestärkten ihn die Ergebnisse der ersten demokratischen Wahlen nach vier Jahrzehnten in seiner Politik der Mitte. Er gründete eine neue Partei, die Union des Demokratischen Zentrums (UDC), und gewann 34 Prozent der Stimmen. Knapp hinter ihm lagen die Sozialisten. Die Extremisten, sowohl die rechten als auch die linken, konnten kaum Stimmen für sich gewinnen.

1978 verabschiedeten die Cortes eine neue demokratische Verfassung, welche die Grundlagen für eine konstitutionelle Monarchie, für die Freiheit politischer Parteien und für die Autonomie der spanischen Nationalitäten und Regionen enthielt. Diese Verfassung wurde in fast allen Bereichen der Gesellschaft mit Enthusiasmus begrüßt. Nur die baskischen Provinzen kämpften noch immer gegen ihre Bindung an Spanien und unterstützten die ETA, die ihre terroristischen Aktivitäten verschärfte. Zwischenzeitlich forderten die Katalanen mehr Rechte in Bezug auf ihre eigenen regionalen Angelegenheiten und ihre Sprache. In und um Barcelona herum nahmen der Gebrauch des Katalanischen sowie die nationalistischen Bräuche zu. Die Galicier distanzierten sich geschlossen von Madrid, obwohl die ethnoregionalistischen Tendenzen in Galicien wesentlich schwächer ausgeprägt sind als in Katalonien oder im Baskenland. Suárez regierte mit allseitiger Zustimmung und zog bei der Formulierung seiner Basispolitik nichtextremistische Parteien zu Rate. Katalonien und dem Baskenland wurde der Autonomiestatus zuerkannt, und ihre Sprachen wurden als offizielle Amtssprachen zugelassen. Die gleichen Privilegien garantierte die Verfassung 15 weiteren Regionen. So wurde das Streben nach politischer Zentralisation, das Ferdinand und Isabella 500 Jahre zuvor begonnen hatten, umgekehrt und ein „Spanien der autonomen Gemeinschaften" geschaffen.

Die Politik von Suárez, der gerade in Krisensituationen brillante Erfolge vorzuweisen hatte, ließ im Alltag nur mäßige Effektivität erkennen. 1979 kam es nach den Wahlen erneut zu Unruhen. Die rechtesten Fraktionen der UDC, die bis jetzt unterdrückt worden waren, wurden wieder aktiv. Seine Politik der Übereinstimmung mit anderen Parteien brach zusammen. Hinzu kam eine extreme Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Im Januar 1981 trat Suárez zurück. Sein Nachfolger wurde der Vizepremierminister Leopoldo Calvo Sotelo. Der gärende Groll in den Kreisen der Militärs verschärfte sich zu einer drohenden Verschwörung. Am 23. Februar 1981 stürmten bewaffnete Zivilgarden die Cortes und versuchten, die Macht zu übernehmen. König Juan Carlos konnte den Putsch gerade noch verhindern, indem er die Militäreinheiten davon überzeugte, der Regierung gegenüber loyal zu bleiben. Calvo Sotelo bildete einen neuen Ministerrat und beschäftigte sich während seiner Amtszeit mit zahlreichen schwierigen Problemfragen, darunter auch der Entscheidung bezüglich der Aufnahme Spaniens in die NATO 1982. Die ständigen Auseinandersetzungen innerhalb der Streitkräfte, die politischen Dispute und die anhaltende prekäre wirtschaftliche Situation ließen die politische Lage in Spanien für viele Monate instabil bleiben.

Kurz vor den Wahlen im Oktober 1982 wurde ein Komplott zu einem Militärputsch der Extremisten des rechten Flügels aufgedeckt. Vier der Militärführer wurden verhaftet und drei zu Gefängnisstrafen verurteilt. Bei den Wahlen errang die Sozialistische Arbeiterpartei unter der Führung von Felipe González Márquez einen entscheidenden Wahlsieg. Von November 1984 bis Ende 1985 kam es zu einer Welle von Protesten und Demonstrationen gegen die Bildungsreform, die von der Regierung umstrukturierte Politik, die Mitgliedschaft in der NATO, gegen Arbeitslosigkeit und gegen die Reformen auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit. 1986 wurde ein entscheidendes Referendum abgehalten, aufgrund dessen Spanien weiterhin Mitglied der NATO blieb. Die Kombination von sozialistischer Politik, die die Markttätigkeit begünstigte, der Wiedererlangung von wirtschaftlicher Bedeutung auf dem Weltmarkt sowie Spaniens Eintritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 hatte eine umfassende wirtschaftliche Wiederbelebung zur Folge. Außerdem vermittelte die zunehmende dynamische Rolle, die Spanien innerhalb von europäischen Angelegenheiten zukam, sowie der hohe Entwicklungsstand in vielen Bereichen seiner Kultur den Spaniern ein größeres Selbstvertrauen als sie es seit dem 18. Jahrhundert jemals gehabt hatten.

1988 erneuerten Spanien und die Vereinigten Staaten ihr bilaterales Verteidigungsabkommen, das den Vereinigten Staaten die Nutzung von Stützpunkten in Spanien für weitere acht Jahre zugestand. Das Problem der Souveränität des unter britischer Kontrolle stehenden Territoriums von Gibraltar blieb zwischen Großbritannien und Spanien auch weiterhin eine ungelöste Frage. Die allmähliche Lockerung der Vorschriften im wirtschaftlichen Bereich, mit der man 1975 begonnen hatte, wurde bis in die neunziger Jahre fortgeführt. Die Monopolrechte vieler staatseigener Firmen wurden aufgehoben, die straffe Gesetzgebung bezüglich der Gewerkschaften wurde gelockert und die Einschränkungen zur Gründung neuer Firmen ließen nach.

Obwohl die Sozialistische Arbeiterpartei und González in den Wahlen von 1986 und 1989 in ihrem Amt bestätigt wurden, entwickelten sich die Industriearbeiter aufgrund der hohen Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit zur unzufriedensten Gruppe innerhalb der Gesellschaft. Seit 1990 sind mehrere Korruptionsskandale aufgedeckt worden, in die Regierungsbeamte verwickelt waren. 1992 verbesserte sich die Stimmung im spanischen Volk, als in Barcelona die Olympischen Spiele stattfanden und in Sevilla anlässlich des 500. Jahrestages der ersten Reise von Kolumbus nach Amerika hier die Weltausstellung abgehalten wurde. Bei den Wahlen von 1993 blieb González auch weiterhin Premierminister und Oberhaupt einer Koalitionsregierung. Dadurch, dass die Sozialisten allerdings nicht mehr über die absolute Mehrheit verfügten, wurde González in eine politische Situation gedrängt, die wesentlich leichter anzugreifen war.

Der Regionalismus stand auch weiterhin im Brennpunkt des Interesses. Zwischen 1968 und 1993 kamen durch die Terroranschläge der ETA mehr als 800 Menschen ums Leben. Bis Januar 1994 gelang es der ständig anwachsenden Friedensbewegung, die öffentliche Meinung gegen die brutalen Gewaltakte der ETA zu lenken, und die Aussichten für effektive Verhandlungen mit der Zentralregierung schienen viel versprechend. Im Februar 1994 wandte sich Jordi Pujol, der Führer der wichtigsten katalanischen Nationalpartei, mit Forderungen nach einer umfassenderen katalanischen Selbstverwaltung an Premierminister González. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der Kontrolle der Transportbereiche und der Polizeikräfte. Sowohl in Katalonien als auch in den baskischen Provinzen richtete sich die Volksstimmung allerdings nur auf eine größere Autonomie und nicht auf die völlige Unabhängigkeit von Spanien. Am 3. März 1996 fanden vorgezogene Parlamentswahlen statt. Die konservative Volkspartei von José María Aznar gewann die Wahlen klar, verfehlte aber die angestrebte absolute Mehrheit. Mit den Stimmen der katalanischen Regionalpartei wurde Aznar am 4. Mai zum Ministerpräsidenten gewählt und löste damit die seit über 13 Jahren regierende PSOE unter Felipe González ab.

In den vergangenen Jahren widmete man sich mit zunehmender Aufmerksamkeit den wachsenden Umweltproblemen Spaniens. In Madrid und entlang der nordöstlichen Küste (Costa Brava, Costa Blanca) hat das Land mit einer erhöhten Luftverschmutzung zu kämpfen. In den landwirtschaftlich genutzten Regionen sind Wasserverschmutzung und Bodenerosion die vorherrschenden Probleme. Wiederholt kam es im Hinblick auf die rasche Entwicklung und den Ausbau der Touristenzentren entlang der Mittelmeerküste und der damit verbundenen Bedrohung der landschaftlichen Attraktionen zu Kontroversen.

Wissenswertes über Andalusien

Andalusien, autonome Region im Süden Spaniens, umfasst die Provinzen Almeria, Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga und Sevilla. Sie wird im Norden begrenzt von der Sierra Morena, im Osten von den Provinzen Albacete und Murcia und dem Mittelmeer, im Süden vom Mittelmeer, Gibraltar und dem Atlantischen Ozean und im Westen von Portugal. Die Hauptstadt ist Sevilla. Der größte Fluss ist der Guadalquivir, der nördlich von Cádiz in den Atlantik mündet. Südlich des Guadalquivirbeckens liegt das Gebirge Sierra Madre, dessen höchster Gipfel der Mulhacén (3 478 Meter) ist. Der Großteil Andalusiens ist fruchtbares Gebiet. Das Klima ist an der Mittelmeerküste subtropisch, an der Atlantikküste gemäßigt. Im Hochland herrschen niedrigere Temperaturen vor, und es kommt durchaus zu Schneefall. In extrem trockenen Perioden kam es wiederholt zu Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Trinkwasser. Das warme Klima in den Tälern und Ebenen ermöglicht den Anbau von Orangen, Oliven und Zuckerrohr; auch Weizen, Mais und andere Getreidearten gedeihen hervorragend. Unter den Mineralienvorkommen in den Bergregionen finden sich Blei, Silber, Kupfer, Quecksilber und Kohle.

Andalusien entsprach vermutlich dem biblischen Tarschisch (abgeleitet von Tartessos: ein ehemaliges Königreich an der Südwestküste der Iberischen Halbinsel). Im 5. Jahrhundert v. Chr. ließen sich die Karthager dort nieder. Das Gebiet wurde von den Römern erobert, die es Baetica nannten (von Boetis, dem römischen Namen für das Guadalquivirbecken). Unter römischer Herrschaft gelangte die Region zu großem Reichtum. Im frühen 5. Jahrhundert fielen die Wandalen ins Land ein. Von diesen erhielt die Region den Namen Vandalusia, aus dem im Verlauf der Jahrhunderte schließlich Andalusia wurde. Den Wandalen folgten die Westgoten, die bis zur arabischen Invasion 711 herrschten. Danach wurde Andalusien zu einem Zentrum sarazenischer und maurischer Zivilisation. Die Städte Granada, Córdoba, Sevilla und Jaén wurden zu Zentren der islamischen Kultur, der Industrie und des Handels. Die großen muslimischen Universitäten wurden von Studenten aus allen Teilen Europas besucht. Andalusien, das im Jahr 756 als maurisches Emirat gegründet worden war, wurde später zum Kalifat von Córdoba. Nieder-Andalusien, das Gebiet um den Unterlauf des Guadalquivir, wurde von den Mauren 1212 zurückerobert. Hoch-Andalusien hatte als Königreich Granada bis 1492 Bestand, als es von den Herrschern von Kastilien und Aragón, Ferdinand V. und Isabella, erobert wurde. Ab 1516 ist die Geschichte Andalusiens mit der des Vereinigten Königreiches Spanien verbunden. Die Fläche Andalusiens beträgt 87 268 Quadratkilometer, die Bevölkerungszahl liegt bei etwa 7,2 Millionen.