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Die ersten Monate in diesem Jahr waren wunderbar. Das Alleinereisen war
vorbei! Bis Ende Januar begleitete mich Karin durch Sizilien (war eine tolle
Zeit!!). Dann besuchte
ich für kurze Zeit die Sprachschule in Cefalu, Sizilien und anschliessend
taten Dominik und ich uns wieder zusammen, um gemeinsam weiterzureisen. Von da
an war das Reisen, wie soll ich sagen, irgendwie würziger. Seit ich nicht
mehr alleine unterwex war, wusste ich, dass ich es immer vorziehen würde,
gemeinsam zu reisen. Obwohl, auch das Alleinsein ist Gold wert, für eine
Weile, als Erfahrung, als tiefe und wertvolle Erfahrung, aber nicht gedacht
für einen Dauerzustand, nicht für mich.
Dominik und ich verbrachten viel Zeit mit dem
Aufsuchen von Startplätzen, dem Festhalten von GPS (Global Positioning
System)-Punkten und dem Registrieren dieser Daten in einer riesigen Datenbank,
welche Dominik angelegt hatte und wir auf unserer Homepage publizierten. Dominik nahm den Auftrag an,
einen Reisebericht
für Gleitschirmmagazine zu erstellen. Wir hatten viel zu tun und ich
schätzte den Kontakt zu den vielen
Gleitschirmpiloten, deren Freunde und Familie, die wir kennen lernten. Die
Süditaliener sind enorm gastfreundliche Menschen. Nie hätte ich so viele
Menschen auf diese lockere Art und Weise kennen gelernt, wenn ich weiterhin
alleine gereist wäre. Ich genoss es und die Zeit bis zum Mai verging im
Fluge.
Anfangs Mai kehrte ich zurück aus Süditalien. Ich
installierte mich mit meinem Womo auf dem TCS-Campingplatz am Zugersee und
machte mich daran, einen geeigneten Job zu finden. Gleichzeitig meldete ich
mich beim Arbeitslosenamt an, um für den Fall abgesichert zu sein, dass ich
nicht so schnell etwas finden würde. Doch bald stellte sich heraus, dass mein
Anspruch auf Unterstützung durch die Arbeitslosenkasse mit meiner zu langen Reise
erloschen war. Nun gut, ich würde bestimmt wieder schnell eine Arbeit
finden, so dachte ich. Es stellte sich allerdings heraus, dass dem nicht so
war. Nichts als Absagen, nichts als Enttäuschungen. Ja, der Arbeitsmarkt hier
auf dem Platz Zug war bzw. ist echt miserabel.
Dafür war meine Wohnsituation nicht übel. Die erste
Zeit auf dem Campingplatz genoss ich in vollen Zügen. Ringsherum die
schönsten Spazierwege, jede Menge Leute, die mich besuchen kamen. Und nach
anfänglich schlechtem Wetter wurde es im Juni ja immer schöner. Einzig
ungünstig waren die relativ hohen Campingplatzgebühren. Ich bezahlte für
einen Monat ca. 700.-- (für das kann man sich schon bald eine Wohnung
leisten). Da kam Karin mit ihrem Angebot, bei ihr und Dani ein Zimmer mieten
zu können mit quasi WG-Anschluss, gerade richtig. Bei Karin und Dani fand ich
supernetten und grosszügigen Unterschlupf. Ich genoss den Sommer auf ihrem
Sitzplatz und in ihrer Gesellschaft. Ich möchte euch beiden hier nochmals
recht herzlich danken, dass ihr mich inklusive Hund so unkompliziert
aufgenommen habt und mich habt teilhaben lassen an eurem Leben! Einfach
superlieb! Sollte ich mich einmal revanchieren können... ihr werdet immer
offene Türen oder einen Platz bei mir finden!
Mein Womo sorgte in der Zwischenzeit in der Gemeinde
Zug für ausgiebigen Gesprächsstoff. Durch mehrere Missverständnisse,
Irrtümer und der Tatsache, dass es wenig Parkplätze hat, dort wo ich nun
lebte, wurde mein sichteinschränkendes Womo zum regelmässigen
Traktandumpunkt in der allwöchentlich stattfindenden Gemeinderatssitzung oder
so. Auf jeden Fall fand das Thema erst Ruhe, als ich mein Womo nach
Steinhausen auf einen regulären Parkplatz verschob.
Der Sommer hier in Zug war sensationell. Ich traf
viele Leute, unternahm jede menge schöne Wanderungen und Ausflüge, genoss
das warme und schöne Wetter und natürlich meine Freiheit. Ich lernte sogar
einen tollen Typen kennen, mit dem ich während guten zwei Monaten eine
spannende Zeit verbrachte. Obwohl es nicht die grosse Liebe war, so war es
doch eine wunderschöne Zeit, die ich in meiner Erinnerung als wertvollen
Schatz hüten werde.
Bei Bücher Balmer entstand die Chance, während guten
vier Wochen die Ferienablösung für Suzana zu übernehmen. Ich freute mich
riesig darauf. Ich hatte mittlerweile richtig Lust auf berufliche
Herausforderungen! Auch durfte ich meinen Zorro mitnehmen. Jetzt, wo die Zeit
bald vorbei ist, weiss ich auch, dass ich noch arbeiten kann (;-)) und dass
auch Zorro bürotauglich ist. Na gut, bei Bücher Balmer sind die Leute halt
einfach so cool und nett, dass es eben auch deswegen mit Zorro so gut
klappte!
Und dann kam die grösste Überraschung: Dominik lud
mich ein, mit ihm erneut loszuziehen! Ich wusste noch genau, dass ich in diesem
Moment gesagt habe, was richtig ist, wüsste ich nicht, aber wohin mein Herz
mich ziehe und wonach ich mich sehne, das wüsste ich ganz genau. Klar, dass
ich annahm! Ich war hier dermassen in der Schwebe, ohne Job und ohne Wohnung,
ohne Aussicht auf beides, dass dieses Angebot gerade zur richtigen Zeit kam.
Sollte ich im nächsten Sommer wieder hier stehen, so wird sich meine Situation
nicht verschlechtert haben. Ich werde nach wie vor ohne Job und ohne Wohnung
sein. Und wer weiss, wann ich wieder so eine Chance bekomme! Früher oder
später stehe ich wohl wieder irgendwo in einem Job und dann werd ich mit
Sicherheit nicht gleich wieder alles hinwerfen können und losziehen. Also?
Also los!
Einige haben für meine Entscheidung nicht allzu viel
Verständnis übrig. Sie sagen schon, "das musst du selber wissen", aber denken
tun sie: "die spinnt ja, die weiss nicht was sie will" oder sogar
"die ist doch hörig!" Na ja, was soll ich dazu sagen? Ein bisschen spinnen tu ich schon,
aber mal ehrlich, wer tut das nicht? "Sie weiss nicht, was sie will?" Oh doch,
ich weiss ganz genau, was ich will. Nur ist es nicht immer einfach es auch zu
bekommen. Manchmal muss man warten können, bis das Schicksal einem
gütigerweise wieder einmal mehr die Hand reicht. Wenn es dann jeweils soweit
ist, greife ich dankbar zu! Ob ich hörig bin? Nein, nur ziemlich vernarrt.
Ich bin und bleibe ein eigenständiger und eigenwilliger Mensch. Wenn ich es
mir erlauben kann, dass die Liebe über meinen Verstand siegt, dann bin ich
darüber nicht unglücklich. Ich habe gelernt, nicht zu weit in die Zukunft zu
schauen. Was für heute und für morgen stimmt, muss nicht für die Ewigkeit
stimmen. Immer wieder werde ich mich neu entscheiden, welchen Weg ich gehe und
ich hoffe, der Weg bleibt, wie er ist! Nämlich spannend und
abwechslungsreich, voller Unbestimmtheit und voller Aussichten, der Horizont
offen und weit.
So, wieder einmal habe ich mein Inneres herausgekehrt
und es hier niedergeschrieben. Wer weiss, vielleicht findet sich der eine oder
andere darin wieder oder es hilft jemandem, ebenfalls seinen eigenen Weg zu
gehen. Wenn das so wäre, dann wäre das schön! Ich liebe Offenheit und
begrüsse sie auch bei allen anderen. Manchmal ist es hart, manchmal
erstaunlich, doch immer echt und reich. Jeder soll auf seine Weise glücklich
werden, oder?
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